9, 7[1-313] Ende 1880
7 [1]
Das Christenthum hat gelehrt 1) ein ungeheures Mißtrauen gegen uns 2) und Menschenkenntniß—diese Vorsprünge haben wir vor dem Alterthum.
7 [2]
Nur in der tiefen Dunkelheit sind wir ganz wir selber: das Berühmtwerden umstellt uns mit Menschen und ihrem Verlangen an uns. Man muß seinen Ruhm ins Meer werfen.
7 [3]
Das Christenthum hat das Niedrigkeitsgefühl (Demuth) gut genannt: eine Leidenschaft daraus gemacht! Dadurch sich gehoben!
7 [4]
“Mit 40 Jahren ist man ein Kamel, mit 70 ein Affe” Spanier
7 [5]
Auch wir dürfen unseren Geschmack haben: aber es ist nicht mehr der ewige der nothwendige Geschmack! Und jede Zeit glaubt es von dem ihren! Und wir dürfen es nicht! Ein ganz neuer Zustand!
7 [6]
“Auf die Dauer sieht man nur die Anblicke der Natur, welche unserer Art, das Glück zu suchen, analog sind: der Eine nur Erhabenes, der andere die feinen und seltenen Gesichtspunkte. Der ganze Rest ist ihm langweilig.” St
7 [7]
Die Unächtheit ist mitunter nur ein harter Ausdruck für jene Passivität, vermöge ein M wie ein Weib immer Kinder zu Tage bringt, die ihrem Vater ähnlich sehen, und nicht ihm selber! Passive Künstler wie Liszt. Auch Denker welchen alle Arten von Wirklichkeit männlich imponiren und ebenso Liebe einflößen. Der Kampf gegen diese Passivität wird häufig von der Eitelkeit geführt. Dann aber auch von dem Gewissen der Treue, die sie uns oft gebrochen. Es giebt eine listige Gattung superiorer Naturen, welche über dieser Passivität stehen, sie gewähren lassen wie eine Leidenschaft, aber ihr Gelegenheiten machen: so eignen sie sich Erfahrungen an, denen andere Denker fremd bleiben.
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Die Plage durch die Begierde ist an sich nicht so groß, wenn man sie für nichts Böses hält. So wenig als der Stuhldrang uns tiefe Seelennoth macht.
7 [9]
Diesen Gedanken muß ich nachfolgen, Tag und Nacht: sie überfallen mich in meinen Träumen. Ich bin nicht unter den wirksamsten Schmerzen vor ihnen sicher gewesen. Es giebt kein Band der Sympathie, welches nicht zerrisse, sobald diese Unerbittlichen ihre Hand daran legen. Es ist ein trauriges, erhebendes und süßes Ding um dieses Verstricktsein—ich zweifle, ob vielen Menschen das Leben so bejahungswerth wie mir erschienen ist, umhüllt von diesem melancholischen Feuer und Rauche.
7 [10]
Die Abneigung der griechischen Kunst gegen das Schreckliche: man hatte wirkliche Übel genug.
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M Angelo nahm seinem Gotte die Güte und Gerechtigkeit und machte einen Gott des Schreckens und der Rache daraus—er machte ihn logisch.
7 [12]
Ein Amt ist gut: man legt es zwischen sich und die Menschen, und so hat man sein ruhiges und listiges Versteck und kann thun und sagen, was Jedermann von uns zu erwarten für sein Recht hält. Auch ein frühzeitiger Ruhm kann so benutzt werden: vorausgesetzt, daß hinter ihm, unhörbar, unser eigenes Selbst wieder mit sich frei spielen und über sich lachen kann.
7 [13]
Die Unabhängigkeit ist die Entsagung des Herrschsüchtigen, dem nichts zu beherrschen gegeben ist als sich selber. Es ist die Brutstätte der größten Herrschbegier, denn wir können uns zu einem Unendlichen ausweiten und auf dies Unendliche wieder unsere Herrscherkraft ausdehnen. Seine Leidenschaft für das Unendliche hervorschießen lassen, so daß wir deren Sieger werden!
7 [14]
Die Deutschen wechseln ab mit Hingebung an das Ausländische und einem rachesüchtigen Verlangen nach Originalität, (Rache für ihre Scham beim Rückblick)—und die ganz unbedenklich guten Deutschen, welche produktiv sind, sind Vermittler gewesen und haben europäisch gearbeitet (wie Mozart und die Historiker usw.)— Die Deutschen, zum Beweise, daß ihre Originalität nicht Sache der Natur, sondern des Ehrgeizes ist, meinen, sie liege in der völligen und faustdicken Verschiedenheit: aber so dachten Griechen nicht gegen den Orient, noch Römer gegen Griechen, noch Franzosen gegen Römer und Renaissance—und wurden original (man ist es nämlich zuerst nicht! sondern man ist roh!)
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Diese ganze Philosophie—ist sie mehr als ein Trieb zu beweisen, daß reife Früchte, ungesäuertes Brod, Wasser, Einsamkeit, Ordnung in allen Dingen mir am besten schmecken und am zuträglichsten sind? Also ein Instinkt nach einer richtigen Diät in Allem? Nur eine milde Sonne! Da nähere ich mich meiner Art Erhabenheit, welche keine düstere und anspruchsvolle ist, sondern ein förmliches und einsames Schwärmen eines Schmetterlings hoch an den Felsenufern eines Sees, wo viele gute Pflanzen und Blumen wachsen? Unbekümmert darum, daß es vielleicht das Leben Eines Tages ist, und daß die Nacht zu kalt für meine geflügelte Gebrechlichkeit ist?
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“Klima oder Temperament machen die Kraft der Sprungfeder: Sitte und Erziehung geben ihr den Sinn.” Richtig!
7 [17]
Euer Cultus der Kraft ist alles Andere, nur kein Beweis von Kraft, wie bei M Angelo! Ihr gebt euch hin, ihr wollt Kraft dabei trinken, ihr seid müde eurer Schwäche—
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Wie die Italiäner sich eine Musik aneignen, dadurch daß sie dieselbe in ihre Leidenschaft hineinziehen—ja diese Musik wartet darauf, so persönlich interpretirt zu werden, und hat davon mehr als von aller Kunst der Harmonie—so lese ich die Denker und ihre Melodien singe ich nach: ich weiß, hinter allen den kalten Worten bewegt sich eine begehrende Seele, ich höre sie singen, denn meine eigene Seele singt, wenn sie bewegt ist.
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Plan.
1. Cap. Wir glauben, es sei der Gegensatz einer Leidenschaft: aber es thut wohl, und deshalb beginnen wir den Kampf gegen die Leidenschaften zu Gunsten der Vernunft und Gerechtigkeit. Wir Arglosen!
2. Cap. Wir entdecken plötzlich, daß es alle Merkmale der Leidenschaft selber trägt. Wir leiden bei dieser Erkenntniß, wir trachten nach dem ungetrübten morgenstillen Lichte des Weisen. Aber wir errathen: auch dieses Licht ist leidenschaftliche Bewegung, aber sublimirt, für Grobe unerkennbar.
3 Cap. Wir suchen uns der Knechtschaft zu entziehen, wir beugen uns anderen Leidenschaften (Kunst) Wir suchen sie durch Zerlegung zu tödten, durch Ableitung ihres Ursprungs. Wir entdecken dabei, wie überhaupt Leidenschaften entstehen, wie sie veredelt werden und wirken.
4 C Die Rückwirkung von außen beginnt. alles, was wir selber dagegen eingewendet haben, um uns los zu machen, alle unsere Irrthümer kehren von außen her auf uns los, als Zerfall mit Freunden usw. Es ist eine neue und unbekannte Leidenschaft. Ihre düstere Seligkeit! sie läßt uns tragen! sie wirkt Einsamkeit, sie enthüllt uns die Denker!
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Einer der M den ich am höchsten verehrte, ist mir von dem Augenblick an verächtlich erschienen, wo er, der von den Forderungen Erlebnissen Tragödien der Erkenntniß einen Begriff haben konnte, wegen gewisser ihm unangenehmer Wirkungen der Erkenntniß die Wissenschaft vorzog zu verunglimpfen. Und wir, die wir so Unendliches durch sie leiden, lieben sie immer noch!— Was ist das doch für eine verfluchte Weichlichkeit gegen sich und Mangel an Ernst! Nicht zu hassen, nur zu verachten!
7 [21]
Kant: der Mensch ist ein moralisches Wesen: folglich ist er 1) frei 2) unsterblich 3) giebt es eine belohnende und strafende Gerechtigkeit: Gott.— Aber das moralische Wesen ist eine Einbildung, also:
7 [22]
Man soll das Erhabene nicht zu theuer kaufen (wie die Heiligkeit Gottes)
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In Frankreich wurde die Originalität gefährlich und verächtlich und langweilig (unter L 14) daher (nicht aus Bequemlichkeit wie die D das Modell.
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1) Unterschiede anerzogener Urtheile, die aus einer Art zweiter Natur stammen und der ersten fremd oder widerstrebend sind: meistens sind sie etwas linkisch und befangen, aber insofern sie einen Sieg ausdrücken, lieben wir sie fast mehr als die mühelosen Früchte unseres Gartens (und taxiren ihren Werth im Allgemeinen höher, es ist das was unser Klima gerade noch hat ertragen können, südlichere Vegetation scheint es dem Einen, nördlichere dem Anderen) Die hier verwendete Kraft geht freilich der Pflege unserer ersten Natur ab! Und das ist oft gut, wo diese selber schon üppig treibt! “Gerechtigkeit” ist eine Sache für überreichlich angelegte Menschen! Also für die Kraft, die in Gefahr ist, sich nicht bändigen zu können! Andere möchten gerne als solche übervolle Nat gelten und zeigen sich gern ungebändigt: es giebt für Hypokriten dieser Art eine zweite feinere Feinheit!—durch Bändigungs-Versuche zu verrathen, daß etwas zu bändigen ist.
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Damit ein Künstler oder Denker seine Art zur Vollendung bringe, muß er wohl den Glauben haben, der eine Ungerechtigkeit und Beschränktheit gegen den Glauben Anderer ist. Denn er muß mehr darin sehen und etwas Größeres als es ist: sonst wendet er, seine ganze Kraft nicht auf. Es wird durch die lange Reibung der Ausführung unendlich viel von dem Entzückenden abgerieben, das der erste Gedanke hat: darum muß die Entzückung viel größer sein als billig ist—sonst reicht sie nicht bis zu Ende!
7 [26]
Woher kommt es, daß das Christenthum die Grausamkeit gegen die Thiere in Europa verbreitet hat, trotz seiner Religion des Mitleidens? Weil es viel mehr als dies auch eine Religion der Grausamkeit gegen Menschen ist.
7 [27]
Damit einer aufrichtig sich der Gerechtigkeit im Großen, gegen Menschen und Dinge, hingiebt, muß in ihm ein prototypischer Vorgang da sein: er muß zwei Gewalten oder mehrere im Kampfe fühlen, den Untergang keiner, ebenso wenig wie den Fortgang des Kampfes wünschen. So erfährt er in sich die Nöthigung zu einem Vertrag, mit Rechten der verschiedenen Gewalten gegen einander: und auch eine durch Gewöhnung an die Achtung dieser Rechte begründete Lust an dem Gerechtsein. Sein inneres Erlebniß strahlt nach außen. Vielleicht daß einer auch von außen her nach innen zu solchem gerechten Sinn kommt. Schonung ist die Praxis der Gerechtigkeit: vieles sehen, aber nicht bemerken wollen, vieles ertragen, aber, um des allgemeinen Friedens willen, freudig dazu sehen—es kann ein Stoicism werden, der wie ein Epicureism aussieht.
7 [28]
Die griechische Anmuth war so streng, daß sie uns heute als Würde erscheinen möchte. Und die antike gravitas eines Philosophen oder Staatsmannes würden wir kaum aushalten. Unsere Künstler, welche sich wunder was auf das schöne Sich-gehen-lassen einbilden, würden im Auge des Stoikers wie ungezogene Knaben erscheinen.
7 [29]
Pascal’s Gespräch mit Jesus ist schöner als irgend etwas im neuen Testament! Es ist die schwermüthigste Holdseligkeit, die je zu Worte gekommen ist. An diesem Jesus ist seitdem nicht mehr fortgedichtet worden, deshalb ist nach Port-Royal das Christenthum überall im Verfall.
7 [30]
Ich kann mich ganz so behandeln wie ein Gärtner seine Pflanzen: ich kann Motive von mir entfernen, dadurch daß ich mich von einem Orte einer Gesellsch entferne, ich kann Motive in meine Nähe stellen. Ich kann den Hang, so gärtnerhaft gegen mich zu verfahren, künstlich pflegen oder verdorren machen.
7 [31]
Die Unglückl die mit Einem Male die Tugend, durch eine Umwandlung erreichen wollen! Und verzweifeln, bei einem Rückfall! Während Übung den Meister macht.
7 [32]
Sympathie und Mitgefühl waren schwer in wilden kriegerischen Zeiten zu erregen—damals hatte der Dramatiker eine Aufgabe! Aber in unserem allzusensibeln Zeitalter ist wirklich der Cultus des Mitempfindens der kläglichste aller Culte—als ob nicht viel zu viel mitempfunden würde! Als ob nicht selbst die Handlung viel mehr durch Mitempfindung als durch Empfindung geleitet würde!
7 [33]
| eigene “Seele” will ich sagen für Individualit |
| M ohne eigene Seele |
| M ohne Seele |
| Die eigene Seele. |
7 [34]
Auch Kant, so dürftig sich seine Seele neben der Pascal’s ausnimmt, hat einen ähnlichen Hintergedanken bei allen Bewegungen seines Kopfes: den Intellekt zu entthronen, das Wissen zu köpfen—zu Gunsten des christlichen Glaubens. Und nun muß es der christliche Glaube sein! als ob nicht wenn das Wissen geköpft wäre, alle Arten Glauben zugänglich würden!
7 [35]
Schopenhauer begriff nicht die Passion, sondern nur den allgemeinen Geschlechtstrieb und dessen Schrullen (aber die Passion ist die Leistung des Individuums, unter Italiänern folglich häufig, unter Deutschen schwach). In der Liebe ist der Deutsche gemein.
7 [36]
Die Anmuth ist das Ausruhen starker Seelen—die schwachen wollen umstrickt gefesselt verführt sein, sie finden die Anmuth wirkungslos und fade und begehren nach Excitantien (Emotionen)
7 [37]
Es giebt so viele Art angenehmer Empfindung, daß ich verzweifle, das höchste Gut zu bestimmen. Neulich schien es mir das Schweben und Fliegen.
7 [38]
Das “Ding” eine Simplification. Nun will der Mensch sich selber begreifen, da hat er vor allem Worte nöthig: wenn er so und soviel Dinge am Menschen nennt, meint er zuletzt den Menschen als Summme dieser Dinge zu haben, zu begreifen.
7 [39]
Täglich erstaune ich: ich kenne mich selber nicht!
7 [40]
Ich meine nicht, daß die Redlichkeit gegen sich etwas so absolut Hohes und Reines sei: aber mir ist dabei wie bei einem Erforderniß der Reinlichkeit. Es mag einer sein, was er will, Genie oder Schauspieler—nur reinlich! (H. Heine hat etwas Reines.)
7 [41]
Die prachtvollen Leiber der antiken Statuen erscheinen schön, weil angenehm, weil nützlich (immer der Gedanke an Krieg!)
7 [42]
Der kleinstädtische “Geist”
7 [43]
Die Erhebung des Mitleidens zu etwas Gutem, christlich-buddhistisch.
7 [44]
Die Sachen ohne den Effekt der Sachen wären viel höher.
7 [45]
“Was liegt an mir!” ist der Ausdruck der wahren Leidenschaft, es ist der äußerste Grad, etwas außer sich zu sehen.
7 [46]
Der Realism in der Kunst eine Täuschung. Ihr gebt wieder, was euch am Dinge entzückt, anzieht—diese Empfindungen aber werden ganz gewiß nicht durch die realia geweckt! Ihr wißt es nur nicht, was die Ursache der Empf ist! Jede gute Kunst hat gewähnt, realistisch zu sein!
7 [47]
In Bezug auf den stärksten Trieb, der zuletzt unsere Moralität regulirt, müssen wir die Frage: warum? lassen (z. B. wer Stolz in seinem Fundamente hat)
7 [48]
Das “du mußt” in ein “du sollst” umzuempfinden—ist das Kunststück! Umgekehrt als für den gewöhnlichen Menschen, der das “du mußt” nicht begreift.
7 [49]
Vom Thiere und von der Pflanze müssen wir lernen was Blühen ist: und darnach in Betreff des Menschen umlernen. Jene bleichen ausgemergelten zeugungsunfähigen, an ihren Gedanken leidenden Menschen können nicht mehr Ideale sein. Es muß eine Entartung in uns gewesen sein, die einen so schlechten Geschmack hervortrieb. Ich bekämpfe diesen schlechten Geschmack.
7 [50]
Ist denn kein Ausweg! Nirgends ein Gesetz, welches wir nicht nur erkennen, sondern auch über uns erkennen!
7 [51]
Der Reiz der bekämpften Schwierigkeit (Wagner) und der Reiz der überwundenen Schwierigkeit (durch künstliche Figuren hindurch ein Gefühl z. B. die Liebe noch zum Ausdruck bringen z. B. Petrarca)
7 [52]
Es kommt in der Wirklichkeit nichts vor, was der Logik streng entspräche.
7 [53]
Ich bin nicht im Stande, irgend eine Größe anzuerkennen, welche nicht mit Redlichkeit gegen sich verbunden ist: die Schauspielerei gegen sich flößt mir Ekel ein: entdecke ich so etwas, so gelten mir alle großen Leistungen nichts; ich weiß, sie haben überall, und im tiefsten Grunde, diese Schauspielerei.— Dagegen ist die Schauspielerei nach außen (z. B. Napoleon’s) mir begreiflich: wahrscheinlich ist sie vielen Leuten nöthig—Dies ist eine Beschränktheit.
7 [54]
Manche Menschen sind einfacher, aber meistens ist wohl das Individuum unerkennbar und ineffabile. Folglich ist das Muster nothwendig eine Täuschung! Wenn ich das Material des Baues in Masse und Art nicht kenne, was sind Baupläne! Und wie beschränkt macht uns dieses ewige Nachdenken über das ego! Man hätte für die Kenntniß der Welt nicht Zeit! Und wäre gar diese Kenntniß erst ein Mittel zur Erkenntniß des ego, so kämen wir nie zur Aufgabe selber! Und zuletzt diese Verliebtheit in unser eigenes Muster ist eine Unfreiheit mehr!
7 [55]
der heilige Zorn (Juden als Dramatiker), der heilige Neid (Griechen)—Affek als gut empfunden (auch bei Hesiod)
7 [56]
Was nach wissenschaftlichen strengen Causalbegriffen uns wirklich gut ist (z. B. unbedingter Glaube usw.) das ist vielleicht eben durch die Strenge des wissenschaftlichen Geistes uns nicht mehr möglich! (Gegen Spencer’s harmlose Gläubigkeit an die Harmonie von Wissen und Nutzen)
7 [57]
Ohne es zu merken, genießen wir die vertrauensvol Ruhe in der Welt, wie als ob sie eine Vorsehung wäre: mitten in unserem kalten Fatalism empfinden wir eine warme Luft von älteren, religiösen Empfindungen. Unsere erschreckende Mündigkeit! In die Welt hinein gestoßen!
7 [58]
Die Unterscheidung von höher und niedrig in Bezug auf den Körper und die Organe ist nicht die Unterscheidung der Wissenschaft! Sondern je weniger wir etwas von der Thätigkeit eines Organs sehen, um so höher stellen wir es. Oder riechen! Oder fühlen! Der Ekel entscheidet über hoch und niedrig! Nicht der Werth! Hier ist ein Anfang der moral Unterscheidung gefunden! NB
7 [59]
Der Gelehrte unter dem Joche 1) der Kirche 2) der Höfe 3) der galanten Gesellschaft 4) der Jugenderziehung 5) der kaufmännisch-industriellen Interessen 6) der Nationen—dies ist seine Geschichte! Dann die Vereinzelten! Montaigne Stendhal usw.
7 [60]
Die Vorstellung: “dieser Gedanke könnte nicht wahr sein!” erschüttert mich. “Er wird als nicht wahr gelten”—läßt mich kalt, ich setze es voraus: denn sie haben nicht so viel Zeit und Leidenschaft zuzusetzen wie ich.
7 [61]
Der moral Jargon in unserem Munde würde uns beleidigen oder lächerlich stimmen. Es bleiben uns nur Handlungen zum Ausdruck. Und falls Schriften diese Handlungen sind, —
7 [62]
Wie verhält sich das Muster zu unserer Entwicklung? zu dem, was wir nothwendig erreichen müssen? Ist das Muster günstigsten Falls ein Vorwegnehmen? Aber wozu dann nöthig?
Es ist eine sicher und lange ausgeführte Vorstellung vom “Ich,” die uns am lustvollsten ist und als Motiv wirkt zu thun und zu lassen (die Meisten haben keines!) Wenn es nicht ausführbar ist, ja wenn es nicht ausgeführt wird, so ist es fehlerhaft entworfen, aus Unkenntniß von uns. Jedenfalls ist es ein nothwendiges Produkt aller unserer Fähigkeiten: bei dem einen eine leere Phantasterei, bei dem anderen eine schöne Dichtung, bei dem dritten ein architektonischer Entwurf—und hier giebt es wieder alle Arten von Geschmack der Architektur. Ein Versuch, unser unendlich complicirtes Wesen in einer Simplification zu sehen und zu begreifen. Ein Bild für ein “Ding.”
7 [63]
Arbeit, jetzt gut, sonst böse. Die 2 heroischen Zeitalter bei Hesiod, deren Rückseite, gut und böse.
7 [64]
Christenthum und Judenthum: das Ideal außer uns gesetzt, mit höchster Macht und befehlend! und belohnend und strafend!— Wie hoch muß ein Jeder stehen, um dies sich selber zu leisten! Und wie wenig willkürlich wird ihm das Bild von sich erscheinen müssen! Darf er sich als dessen Schöpfer fühlen?! Kaum!
7 [65]
Ist es möglich, das Gewissen in die Sprache unseres Musters mit uns zu verwandeln? Dann gienge es. Sehr selten! Aber dies ist kein Einwand!
7 [66]
Der autonome Mensch ist sehr selten. “Der M unter Satzungen” die “N selbst unt Gesetzen.”
7 [67]
Heiterkeit empfinden, wenn wir uns unter unserem eigenen Ceremoniell genirt fühlen.
7 [68]
da die M sich ändern, ändert sich das Bild der Geschichte fortwährend NB.
7 [69]
Man lobt und tadelt nach einem Muster (nennt moralisch oder unmoralisch) Vorher geht die Unterwerfung unter ein Muster. Gew ist der, welcher Gewalt über uns hat, und nach seinem Willen lobt und tadelt, das Muster, es kostet am wenigsten Erfindung und Geist. Also: die sich als Ziel aufstellenden Individuen haben zuerst die Muster aufgestellt. Moral d. h. “ein Muster außerhalb” gab es nur für die Schwächeren.
7 [70]
Ich will nur mit Menschen umgehen, welche ihr eigenes Muster haben und nicht in mir es sehen. Denn dies machte mich für sie verantwortlich und zum Sklaven.
7 [71]
Keine falsche Nothwendigkeit annehmen—das hieße sich unnützer Weise unterwerfen und wäre sklavisch—daher Erkenntniß der Natur!— Aber dann nichts gegen die Nothwendigkeit wollen! Es hieße Kraft vergeuden und unserem Ideal entziehen, über dies die Enttäuschung statt des Erfolges wollen—NB.
7 [72]
Ich habe die M durchsucht und mein Ideal nicht unter ihnen gefunden.
7 [73]
Moralisch sein d. h. ein Ziel setzen und daraus alle unsere Handlungen logisch deduziren. Aber unsere Natur hat weder dies Ziel, noch hat sie diese selbe Logik! Deshalb läuft die Moral darauf hinaus, uns über die Natur zu täuschen d. h. uns von ihr führen zu lassen und uns etwas dabei vorzureden als ob wir sie führten.
7 [74]
“Die Nothwendigkeit des Ungewissen für uns: das Herz soll schlagen, die Muskeln zittern vor erwartender Thätigkeit. Alle Fragen gelöst außer Einer, alle würden wie die Wespen sich an diesen Einen Punkt hängen”
7 [75]
Wie ein Trieb, je nachdem man ihn lobt und tadelt, als gut oder böse empfunden wird, an der Liebe zu zeigen (bei Griechen, bei asketischen Christen, in der christlichen Ehe usw.)
Alle Idealisirung eines Triebes beginnt damit, daß man ihn unter die lobenswerthen Dinge rechnet. Wink für die Zukunft?? NB
Den Neid, den Haß, dabei zu verbessern. Zu beachten, wie verschieden das Mitleid geworden ist.
7 [76]
Die Thiere haben Gefühl der Macht d. h. Grausamkeit, und Glück der Ergebung d. h. Ruhe Trägheit NB.
7 [77]
Die Römer haben die Eitelkeit honestas gut genannt und hoch gehoben!
7 [78]
Scheinbar ist alles jetzt viel sicherer, die Welt viel fester (wegen der vielen streng bewiesenen Wahrheiten) Aber ehemals glaubte man mehr an den Irrthum als jetzt an die Wahrheit: wir sind unendlich vorsichtiger, skeptischer und folglich unter Umständen phantastischer als ehemals. Wir können ganz andere Träume träumen als die früheren!
7 [79]
Einfluß des Fliegens!—nicht mehr in den Ebenen! Auf den Stil selbst!
7 [80]
Allseitig geübte Verachtung der Welt: alle Befriedigung hier abgewiesen oder bitterböse empfunden—so drängt sich alle Begierde der Befriedigung in Einen Kanal: Leben jenseits der Welt!
7 [81]
Ich werde des Gil Blas nicht müde: ich athme auf, keine Sentimentalität, keine Rhetorik wie bei Shakespeare.
7 [82]
Wenn wir uns von der unlösbaren Aufgabe der sittlichen Autonomie und der unhaltbaren Aufgabe der Sittlichkeit als allgem Gesetz, voll Ekel wegwenden, zur Erkenntniß der Natur: sofort empfängt uns das Problem der Pflicht wieder: unsere Stellung zu den Dingen ist eine moralische, wenn wir sie wirklich erkennen wollen: also eine unhaltbare auf die Dauer! aber wir können uns lange Zeit darüber täuschen. Wir werden instinktiv uns von den höchsten Problemen abwenden, und uns dort aufhalten, wo die Täuschung einer morallosen Erkenntniß leicht ist (wir verwenden hier eine uns natürlich gewordene Moralität, als ob diese etwas Natürliches und Außermoralisches wäre!)
7 [83]
das Princip “das Wohl der Mehrzahl geht über das Wohl der Einzelnen” genügt um die Menschheit alle Schritte bis zur niedersten Thierheit zurück machen zu lassen. Denn das Umgekehrte (“die Einzelnen mehr werth als die Masse”) hat sie erhoben
7 [84]
Die moral Urtheile über die Handlungen entscheiden über deren Moralität: diese ist etwas relativ Äußerliches. Von innen gesehen sind die Handlungen anders als gut oder böse. Wohl aber können die m Urth uns zu Handlungen bestimmen und in ihrer Ausführung beeinflussen, wie eine allgegenwärtige Polizei, die auch die Handlungen nicht thut, über welche sie wacht. Ganze Gattungen von Handlungen können dabei aussterben: das mor Urth gehört unter die Frage nach dem Zweckmäßigen—sind die moral Urtheile bisher im Interesse der menschlichen Entwicklung gewesen? Welche nicht? Ist das Ablehnen des mor Urth nicht ein Nachtheil der Menschheit? Aber bisher war der Glaube an mor Urth dafür da!
7 [85]
Das Leben für Andere eine unendlich angenehme Erholung für die stark egoistischen Menschen (dazu gehören auch die moral Selbstquäler)
7 [86]
passionner les détails NB.
7 [87]
Stendhal: der “gute Geschmack,” wie man stirbt, einen Rivalen tödtet, Banquerott macht usw. zur Zeit der Mad. d’Épinay.
7 [88]
Das Alterthum wirkte als reizvoller Zwang auf die überschäumende Kraft der Renaissancemenschen. Man unterwarf sich dem Stile, man empfand die besiegte Schwierigkeit, nicht natürlich zu sein, es war die Handlungsweise von starken M welche gegen sich stolz und herrschsüchtig sind. Nicht zu verwechseln mit dem feigen Sklavensinn ängstlicher Gelehrter!
7 [89]
“il faut être comme un autre” ehemals verehrt und produktiv, jetzt verachtet und erniedrigend für den, der danach empfindet.
7 [90]
Etwas zu schreiben, das in ein paar Jahren alle Bedeutung verloren hat—das wird mir unmöglich, mir vorzustellen. Es ist wohl ein Zeichen von Beschränktheit. Denn alles, was ich selber überlebe, gilt mir immer noch wichtig als Denkmal eines Zustandes, der mir werthvoll war. Ich wünsche mein Alter umringt von solchen Denkmälern.
7 [91]
Ich bin passionirt für die Unabhängigkeit, ich opfere ihr alles—wahrscheinlich weil ich die abhängigste Seele habe und an allen kleinsten Stricken mehr gequält werde als andere an Ketten.
7 [92]
Die Aversion gegen Kraft, tiefen Ernst, und Anschein der Güte ist modern. Folglich sind wir Deutschen und ich antik. So 278 St Peint
7 [93]
Ein König, der seinem Thron entsagte und in voller Armut als Weiser lebte; ein Volksführer, der sein Reich opferte usw.
7 [94]
Die Deutschen sind bequem und nehmen daher gerne ein Muster, es erspart das Denken.
7 [95]
Die Veredelung der alltäglichen Gewohnheiten. Früher beim Priester theilweise, sein Gang, sein Handerheben, seine Stimme. Dann am Hofe: die Lust sich zu beherrschen und seine Empfindungen nicht merken zu lassen (oder in ein seidenes Gewebe eingehüllt) wurde groß.— Aber was heißt jetzt veredeln, dem Ideal dienen! Welchem Ideal? Sofort müssen wir ein Ideal haben! Und woher nehmen und nicht stehlen!— Das meine ist: eine nicht das Auge beleidigende Unabhängigkeit, ein gemilderter und verkleideter Stolz, ein Stolz, welcher sich abzahlt an die Anderen, dadurch daß er nicht um ihre Ehren und Vergnügen conkurrirt und den Spott aushält. Dies soll meine Gewohnheiten veredeln: nie gemein und stets leutselig, nicht begehrlich aber stets ruhig strebend und aufwärts fliegend; einfach, ja karg gegen mich, aber milde gegen Andere. Ein leichter Schlaf, ein freier ruhiger Gang, kein Alkohol, keine Fürsten, noch andere Berühmtheiten, keine Weiber und Zeitungen, keine Ehren, kein Umgang außer dem der höchsten Geister und ab und zu des niederen Volkes—dies ist unentbehrlich, wie der Anblick von mächtiger und gesunder Vegetation—die bereitesten Speisen, welche uns nicht in das Gedränge begehrlichen und schmatzenden Gesindels bringen, womöglich selbst bereitete oder der Bereitung nicht entbehrende.
Ideale der Art sind die vorwegnehmenden Hoffnungen unserer Triebe, nichts weiter. So gewiß wir Triebe haben, verbreiten diese auch in unserer Phantasie eine Art Schema von uns selber, wie wir sein sollen, um unsere Triebe recht zu befriedigen—dies ist idealisiren. Auch der Schurke hat sein Ideal: nicht gerade für uns erbaulich Es hebt ihn! auch!
7 [96]
Wie sich alles verschoben hat! Dieser Epiktet dachte nur an sich—jetzt würde man ihm fast das Prädikat “moralisch” absprechen, in der üblichen Verherrlichung des Denkens an Andere. Aber es ist wahr: habt ihr an euch einen so häßlichen oder langweiligen Gegenstand, so denkt doch ja an Andere! Der Altruism ist dann sehr angenehm.— Hingebung, Loswerden vom “Ich.” Es scheint, daß die Menschen wenig Freude an sich haben, wenn sie so außer sich wegsehen und das als das Beste schätzen. Ob man mehr nützt, indem man den Anderen hilft (doch immer sehr oberflächlich oder tyrannisch-umbildend) oder indem man aus sich etwas formt, was die Anderen gern sehen, einen schönen ruhigen in sich abgeschlossenen Garten—ich weiß es nicht.— Aber man will dem Leben alle Gefährlichkeit nehmen, daran soll jeder helfen!
7 [97]
Den Arbeitern zu sagen, sie sollen sparen usw., ist albern. Man sollte ihnen lehren, das Leben zu genießen, wenig zu brauchen, vergnügt zu sein, sich so gering wie möglich zu belasten (mit Weib und Kind), nicht zu trinken, kurz philosophisch zu sein und die Arbeit so weit reduziren als sie unterhält, über alles zu spotten, cynisch und epikurisch zu sein. Die Philosophie gehört in diese Kreise.
7 [98]
Für die Künste ist ein Zustand der Wildheit und der kämpfenden Individuen besser als die allzugroße Sicherheit —
7 [99]
Das Lächerliche hat keine Dauer. Die Zeitgenossen Molière’s lachten ihr bitteres Lachen, wenn sie einen sich verfehlen sahen in der Nachahmung des Modells.
7 [100]
Die staunenerregende Häßlichkeit des amerikanischen Lebens (in allen Novellen Bret Harte’s), aber lachen können sie und es giebt in allem Naivetät und Sich-gehen-lassen. Selbst die Schurkerei bekommt eine so ganze Form und die Nähe von Wildheit und Revolverschüssen und Marine giebt kräftigen Athem.
7 [101]
Die griechischen Tugenden sind Ideale solcher Menschen die zuviel vom Gegentheil haben—sie phantasiren und übertreiben vom Werth der Besonnenheit Klugheit Gerechtigkeit Tapferkeit. Die Menschen welche dieses Ideal verwirklichen (Epictet) sind nicht in ihren Göttern vorgebildet, vielmehr deren Gegensatz!
Die griechische Tugend wurde eine Sache des’s, man war neidisch auf einander. Die Unbeweglichkeit als Ideal: in der Zeit, wo man schon zu empfindsam geworden war und die Leiden und Umschwünge zu groß (Zeit des Thukydides) Zur Statue werden: während die Tragiker die Statue (des Gottes oder Heros) hatten zu Menschen werden lassen.
7 [102]
Es ist mein Fleiß und mein Müssiggang, meine Überwindung und mein Nachhängen, meine Tapferkeit und mein Zittern, es ist mein Sonnenlicht und mein Blitz aus dunklem Wolkenhimmel, es ist meine Seele und auch mein Geist, mein schweres ernstes granitenes Ich, das aber wieder zu sich sprechen kann “was liegt an mir!”
7 [103]
Ein Interesse an den Dingen (“Die Wittwe ihres Sohns”) und nicht an dem Reiz der Dinge macht den Denker ersten Ranges d.h. allerdings Reiz der Dinge für andere Dinge = Relation, aber nicht die zum Menschen oder gar zum Individuum.
7 [104]
Das vornehme Aussehen entsteht dadurch, daß der Körper, mehrere Geschlechter hindurch, Muße hatte, um allen Anforderungen des Stolzes gemäß sich zu bewegen: nicht also durch die Bewegungen eines Handwerks oder um gemeinen Gesellen zu befehlen, gezwungen und gewöhnt wurde, gemeine und erniedrigende Gesten oder Töne hervorzubringen: gemein d. h. nicht unserem Individ und seinem Stolze angemessen. Wenn der Stolz sehr hoch gieng, ins Geistigste, so entsteht englische Majestät, Güte und Größe gemischt: denn der höchste Stolz beugt sich väterlich und gütig zu den Anderer und versteht sich nicht anders als herrschend und fürsorgend.— An unseren politischen parvenus fehlt eben dies: man glaubt nicht an ihr natürliches eingeborenes Herrschen und Fürsorgen für Andere.
7 [105]
Seltsam! Ich werde in jedem Augenblick von dem Gedanken beherrscht, daß meine Geschichte nicht nur eine persönliche ist, daß ich für Viele etwas thue, wenn ich so lebe und mich forme und verzeichne: es ist immer als ob ich eine Mehrheit wäre, und ich rede zu ihr traulich-ernst-tröstend.
7 [106]
Alle diese Heiligen sind Egoisten und wie sollte es einer nicht sein, dem mit der Hölle gedroht wird! Es geht über alle Kraft und alle Vernunft hinaus, an Andere zu denken in solcher Lage! Bei Pascal ist der tiefste Egoismus: auch alle Verzückungen sind es.
7 [107]
Diese Partei hat den guten Willen zur Exaltation und Expansion noch mehr als die Kraft: denn sonst würde sie umgekehrt sich bemühen, diesen furchtbaren Drang zu bändigen und an ihm leiden.
7 [108]
Die Handeltreibende Klasse—sie versteht alles zu taxiren, ohne es zu machen d. h. sie versteht sich auf die Bedürfnisse des Consumenten, also nicht ihrer selber—hat darin ein Schema für ihre Art Cultur: überall Nachfrage und Angebot und demnach der Werth aus Sachen und Menschen! Dies macht sie mir widerlich!
7 [109]
Das Bewußtsein eines Kranken über seine Krankheit (und über die öffentliche Meinung, die sie erregt) hat sich ganz geändert (namentlich bei dem Geisteskranken) und folglich auch viele Wirkungen der Krankheit.
7 [110]
Nicht an das Mitleiden der Götter wandten sich die Griechen, sondern an ihre Dankbarkeit oder sie versprachen etwas. Die erbärmliche Rolle des Bettlers vor den Göttern war nicht anständig.
7 [111]
Zeichen des nächsten Jahrhunderts: 1) das Eintreten der Russen in die Cultur. Ein grandioses Ziel. Nähe der Barbarei, Erwachen der Künste. Großherzigkeit der Jugend und phantastischer Wahnsinn und wirkliche Willenskraft. 2) die Socialisten.
Ebenfalls wirkliche Triebe und Willenskraft. Association. Unerhörter Einfluß Einzelner. Das Ideal des armen Weisen ist hier möglich. Feurige Verschwörer und Phantasten ebenso wie die großen Seelen finden ihres Gleichen.— Es kommt eine Zeit der Wildheit und Kraftverjüngung. 3) die religiösen Kräfte könnten immer noch stark genug sein zu einer atheistischen Religion à la Buddha, welche über die Unterschiede der Confession hinweg striche, und die Wissenschaft hätte nichts gegen ein neues Ideal. Aber allgemeine Menschenliebe wird es nicht sein! Ein neuer Mensch muß sich zeigen.— Ich selber bin ferne davon und wünsche es gar nicht! es ist aber wahrscheinlich.
die individuelle Opferung zu massenhaft bei Socialisten und Anderen erzeugt einen zusammenfassenden Ausdruck: Großmuth! und die kaufmännische kalte Klugheit wird ihre Reaktion haben in einer absoluten Verachtung der Klugheit und des Respektabeln: folglich sehr viel Narrheit.
7 [112]
“Bossuet, ein Hypokrit voller Talent, der in Gegenwart Louis XIV ein geheimes Entzücken hatte, alle Arten Geister, auf die er so eitel war ravaler.” Bei Stendhal.
7 [113]
Eindruck der Engländer auf die schwärmerischen Deutschen!!
7 [114]
“Die Zeit, welche der kalte Mensch braucht, solche Wahrheiten zu sehen (das Auszeichnende am Anderen Rivalen usw.) verwendet das Genie seine Erfolge vorzubereiten.” NB.
7 [115]
Ah ich bin es müde Meinungen über Meinungen zu haben oder gar zu hören! Ich will selber vor den Dingen Recht und Unrecht haben.
7 [116]
Verstehen, so weit es einem Jeden möglich ist—d. h. eine Sache so bestimmt als möglich sich auf uns abgrenzen lassen, so daß unsere Form an der Grenze bestimmt und wir uns ganz genau bewußt werden, wie angenehm oder unangenehm uns bei dieser Bestimmung zu Muthe wird. Also unsere Triebe fragen, was sie zu einer Sache sagen! Dagegen uns trieblos und ohne Lust und Unlust verhalten, mit einer künstlichen Anaesthesie—das kann kein Verstehen geben, sondern dann fassen wir eben mit dem Rest von Trieben, der noch nicht todt ist, die Erscheinung auf d. h. so matt und flach wie möglich, wohl aber können wir mitunter unsere Triebe der Reihe nach hintereinander über dieselbe Sache befragen: die Urtheile vergleichen—z. B. über ein Weib, einen Freund.
7 [117]
Ich finde an nichts genug Freude—da fange ich an, mir selber ein Buch nach dem Herzen zu schreiben.
7 [118]
(zu Seite vorher) die allgemeine Militärtüchtigkeit, die höhere Schätzung der Kraft.
7 [119]
Den civilen Muth ersticken, war die Aufgabe Richelieu’s und L 14’s (Stendhal)
7 [120]
Die furia francese bricht aus, von der Eitelkeit einmal überwunden und von der Hitze des Blutes: erhabene Tollheiten. Stendhal.
7 [121]
Vereiterung, Gährung und Ausscheidung—ekelhaft und abstoßend—die Empfindungen haben durch eine Symbolik auch Menschen und Handlungen erregt. So entstand der Begriff “niedrig” d. h. ekelhaft—moralischer Grundstock!
Dann wird das Leichte verachtet—wiederum ein Anlaß, höher und nieder zu unterscheiden! Das Starke und Schwache sodann—das Plötzliche und das Alltägliche usw. Das Thierische usw. Bei allen diesen Unterscheidungen der Empfindung in Bezug auf Handlungen ist die wirkliche Relevanz auf Erhaltung des Lebens, die strenge Causalität ganz außer Acht geblieben: also die wirkliche Bedeutung einer Handlung! Sondern nach nebensächlichen Gesichtspunkten (“angenehm” in verschiedenen Arten) NB.
7 [122]
Nicht um eines Zieles willen leben wir der Erkenntniß, sondern der erstaunlichen und häufigen Annehmlichkeiten im Suchen und Finden derselben.
7 [123]
Ich glaube, ich stelle mir die Freude der Weisheit und Gerechtigkeit zu hoch vor—wie die Griechen. Ich bin bezaubert bei allem, was dorthin winkt—wahrscheinlich weil ich sehr leidenschaftlich bin!— Ich bin äußerst mißtrauisch gegen die beredten Verehrer der Leidenschaftlichkeit—ich muthmaaße, sie möchten gern etwas vorstellen.— Die Griechen lebten nur in der Gefahr: sie verehrten in der Kraft, der Ruhe der Gerechtigkeit ihre Erholung, ihr Aufathmen, ihr Fest. Sie wollten nicht die Emotion noch—nur in der Tragödie, die des Mitleids (weil sie für gewöhnlich hart waren).
7 [124]
Eine Gesundheit voll unbegreiflicher plötzlicher Umdrehungen und Fallthüren—ein tiefes Mißtrauen unterhaltend, und jede glückliche Stunde mit einem absichtlichen Leichtsinn und Augenverschließen vor der Zukunft—sonst ist Glück nicht möglich
7 [125]
Faust und Hamlet sind Denker, mit denen sich die deutschen Philosophen auseinandersetzen!!
7 [126]
Dieser Gang ist so gefährlich! Ich darf mich selber nicht anrufen, wie ein Nachtwandler, der auf den Dächern lustwandelt, ein heiliges Anrecht hat, nicht bei Namen genannt zu werden. “Was liegt an mir!” dies ist die einzige tröstende Stimme, die ich hören will.
7 [127]
Zur Vorrede. Was habe ich gethan? Für mein Alter gesorgt: für die Zeit, wo die Seele nichts Neues mehr unternimmt, die Geschichte ihrer Abenteuer und Seefahrten verzeichnet. So wie ich die Musik mir aufspare für die Zeit, wo ich blind bin.
7 [128]
Ich mag nicht mit Menschen verkehren, weil ich ihr Gesicht nicht sehen kann, und ohne das ist ihr Reden mir verdächtig oder unverständlich, oder—ich rede allein, was mir hinterdrein Scham einflößt.
7 [129]
Der Christ (namentlich der müssige!) auf der Jagd nach seinen Sünden—um dann das große Drama der Verzweiflung und der Gnade wieder zu durchleben. Eine schwerlich schöne Art, sich zu unterhalten und dabei mag aus der Welt werden, was die wolle—das “ewige Heil” geht über alles.
7 [130]
Die Anbetung der: man kannte sich zu gut, um zu wissen, wie wild und tyrannisch man sei, sobald die; aufhört: die Enthüllung der korkyräischen Seele. Man betet das Stäte die Gerechtigkeit das Gute an, der Genuß als Resultat des bürgerlichen Friedens. Die Nähe des Vulkans machte die Altengerade hier so hochgestimmt und empfindsam.
7 [131]
Thukydides und Sophocles Vertreter der sophistischen Cultur.
7 [132]
Der Heißhunger darnach, sein Leben an etwas zu setzen, wird erwachen, sobald Dinge da sind, die diesem Durste entsprechen.
7 [133]
Nie etwas zurückhalten, was gegen dich gesagt werden kann! Gelobe es dir! NB
7 [134]
“Kein Ding ist würdig der Anstrengung, welche man daran setzt, es zu erlangen.” Stendhal
7 [135]
Ein Weib mit einer großen Seele und einem ihr nicht unebenbürtigen Geiste, stark genug um zu fliegen und fein genug, um durch ein Nadelöhr zu kriechen —
7 [136]
Wer hielte jetzt noch Lessings ebenso altkluge als abergläubische Erziehung des Menschengeschl aus!
7 [137]
Bäurisch, sehnsüchtig nach M, rachsüchtig gegen die Geselligkeit und deren Gesetze, bald tiefe Verzweiflung, bald plötzliche Trunkenheit, versteckt, gegen seines Gleichen tyrannisch und überstreng, karg mit seiner Aufmerksamkeit, immer getrieben, ohne Zeit zur Muße, ohne Wissen um seine Liebenswürdigkeit, ohne Liebe und Erbarmen für sich, glühend in seinen Werken und mit dem Hammer wie ein Feind auf seinen Marmor zuschlagend, niemals Schauspieler und so redlich in seinen guten wie in seinen bösen Blicken.
7 [138]
Das Unpersönlich-nehmen des Denkens ist überschätzt! Ja es ist bei den stärksten Naturen das Gegentheil wahr! So aber hat man eine Brücke zur Moral gemacht!!
7 [139]
Ihr werdet nicht zu Don Juans der Erkenntniß, weil ihr nicht Consequenz genug und Charakter habt.
7 [140]
“Es hilft nichts: um die vollkommene Ruhe der antiken Skulptur zu empfinden, muß man keusch sein. Man muß die Leidenschaft in all ihrer Heftigkeit malen können, um jene Ruhe darzustellen.” Stendhal
7 [141]
Ich hasse den Ruhm, der nur die Liebe der Frauen, Ansehen Reichthum Glück bringt. Ich will nicht klug, mäßig, weise sein! Einsam, wild
7 [142]
“Soll man das Leben nach der Länge alberner Tage abschätzen? Oder nach der Zahl starker Freuden?”
7 [143]
“Wie die Leidenschaften malen, wenn man sie kennt! Und wie Zeit für das Talent finden, wenn man sie im Herzklopfen fühlt!”
7 [144]
Et odoratus est deus suavitatem.
7 [145]
“In den Andern können wir nur uns selber schätzen. Die Urtheile großer Künstler über die Werke ihrer Nebenbuhler sind nur Commentare ihres eigenen Stils.” Stendhal
7 [146]
Man muß verstehen, die Hand von seinem Werke zu thun.
7 [147]
Hat die Menschheit dasselbe Verfahren, wie die griechischen Künstler, welche um einen Gott auszudrücken ihren Statuen das Allzumenschliche der Muskeln usw. nahmen? die sämmtlichen Details wegnahmen? Ist der große Mensch ein Mensch, dessen Details hinweggedacht werden, vermöge der zwingenden vergötternden Gewalt seines Ganzen? Ist so die Tugend entstanden daß man das Mikroskop des Blickes abwandte, also unredlicher sah? Ist so die Gottheit vom Menschen gebildet, daß er immer mehr Menschliches übersah?
7 [148]
“Die vier Linien, der Riß der Zeichnung ist das Erste in der Erfindung der Großen; die guten Arbeiter dagegen machen sofort die Minutien.” Stendhal
7 [149]
“Der antike Schmerz war schwächer als der unsere” Stendhal
7 [150]
So lange ihr die Schönheit im Apollo findet, müßt ihr die dazu gehörige Moral suchen: jene Schönheit paßt nicht zur christlichen!
7 [151]
Lord Byron Rousseau Richard Wagner waren das einzige Objekt ihrer eigenen Aufmerksamkeit—“diese schlechte Gewohnheit ist der Aussatz der Civilisation” sagt Stendhal.
“In Folge dessen übertrieb er seine Leiden.”
“Immer ocupirt von sich und von dem Eindruck, den er auf andere hervorbrachte.” “Er verstand sich nicht in einen Anderen umzuformen, der wenigst dramatische Autor.”
7 [152]
Die Gewissensbisse Byrons waren eine Affektation mehr, sie machten Mode.
7 [153]
Sich nicht vor sich selber schämen, wie die Figuren W. Scott’s. Stendhal. Dies ist christlich und sehr stark vererbt!
7 [154]
Es ist nicht möglich, außer der Moral zu leben: aber für den Erkennenden ist die Moral unmöglich. Moral als ein Regulativ im Verhalten der Triebe zu einander. Aber woher soll das kommen! Es kann zuletzt doch nur von einem Triebe inspirirt sein, der die Oberhand hat! Und wer kann dies entdecken! (Stolz usw.) Aus der erkannten Natur können wir keinen Antrieb nehmen. NB.
7 [155]
Das Kleine Nächste streng nehmen und den Menschen im Leiblichen sehr fördern—sehen, was für eine Ethik ihm dann wächst—abwarten! die ethischen Bedürfnisse müssen uns auf den Leib passen!— Aber die Athleten!
7 [156]
Ich erinnere mich kaum noch der Zeit, wo ich Gewissensbisse hatte. Zwischen meinem Träumen und meinem Wachen ist fast Gleichgewicht: nur daß meine Narrheiten in den Handlungen des Traumes und mehr in den Gedanken des Tages hervortreten—doch in gleicher Art. Auch denke ich viel in den Träumen, und nicht viel vernünftiger als jetzt.
7 [157]
“Die Zeit heilt jeden Kummer”: die Zeit thut gar nichts. Vielmehr sind es die Befriedigungen vieler Triebe, die allmählich eintreten und Vergessenheit bringen—es ist das Mittel Epikurs gegen die großen Schmerzen: sich den Vergnügungen ergeben (die Schweinejagd bei Pascal nach dem Tode eines Sohnes) Auch die “Tröstungen der Religion und Philosophie” gehören unter diese abziehenden Vergnügungen: ihr Werth besteht vor allem in den Beschäftigungen mit ihnen und dem Nachdenken usw.
7 [158]
Die Vorstellung, daß etwas Fürchterliches an uns gekettet ist, färbt alle Empfindungen um. Oder: ein verbannter Gott zu sein, oder Schulden früherer Zeiten abzubüßen. Alle diese schrecklichen Geheimnisse um uns—machten uns vor uns sehr interessant! aber ganz egoistisch! Man konnte und durfte nicht von sich wegsehen! Das leidenschaftliche Interesse für uns verlieren und die Leidenschaft außer uns wenden, gegen die Dinge (Wissenschaft) ist jetzt möglich. Was liegt an mir! Das hätte Pascal nicht sagen können.
7 [159]
Ich will es dahin bringen, daß es der heroischen Stimmung bedarf, um sich der Wissenschaft zu ergeben! NB
7 [160]
“de l’amour” symbolice!
7 [161]
Die Mitempfindung erzwingen können—ist das die Strafe des Machtlüsternen? des Grausamen? Stendhal. Oder ist umgekehrt die Begierde nach Mitempfindung ein Verlangen der Machtlüsternheit? —
7 [162]
Ihr gewöhnt euch an die große Unruhe des Lebens, an den kopf- und seelenfressenden Fleiß, an die Betäubtheit. Ihr meint zuletzt, es sei nicht anders möglich zu leben ihr seid es eben gewohnt und tragt euer Joch! Es ist anders möglich.
7 [163]
Einsamkeit, viel freie Natur
Einfachheit und Billigkeit
Gesundheit
Seltene und gewähltere Versuche im Lesen und in der Freundschaft
Kein unsinniger Fleiß
Zeit und Stimmung für Erhebungen des Herzens
7 [164]
Eurem Besten euer Bestes an Kraft und Zeit widmen! Nichts Besseres läßt sich erzwingen!
7 [165]
Man hat mir etwas vom ruhigen Glück der Erkenntniß vorgeflötet—aber ich fand es nicht, ja ich verachte es, jetzt wo ich die Seligkeit des Unglücks der Erkenntniß kenne. Bin ich je gelangweilt? Immer in Sorge, immer ein Herzklopfen der Erwartung oder der Enttäuschung! Ich segne dieses Elend, die Welt ist reich dadurch! Ich gehe dabei den langsamsten Schritt und schlürfe diese bitteren Süßigkeiten.
Ich will keine Erkenntniß mehr ohne Gefahr: immer sei das tückische Meer, oder das erbarmungslose Hochgebirge um den Forschenden.
7 [166]
Ich will nie zum Widersprechen herausfordern: vielmehr: helft, mit mir das Problem zu gestalten! Sobald ihr gegen mich empfindet, versteht ihr meinen Zustand und folglich meine Argumente nicht! Ihr müßt das Opfer derselben Leidenschaft sein!
7 [167]
Gesundheit meldet sich an 1) durch einen Gedanken mit weitem Horizont 2) durch versöhnliche tröstliche vergebende Empfindungen 3) durch ein schwermüthiges Lachen über den Alp, mit dem wir gerungen.
7 [168]
— das allzu-persönlich-Nehmen aller Probleme, Finsterniß, schlechter Weg, üble Herberge für den Wanderer und das ganze ewige Wanderer-Elend Menschen!!!
7 [169]
Unsere Leidenschaften sind die Vegetation die den Felsen nackter Thatsachen sofort wieder zu umkleiden beginnt. Das ewige Spiel!
7 [170]
Weder gut noch böse!!!
7 [171]
Ja, wir gehen an dieser Leidenschaft zu Grunde! Aber es ist kein Argument gegen sie. Sonst wäre ja der Tod ein Argument gegen das Leben des Individuums. Wir müssen zu Grunde gehen, als Mensch wie als Menschheit! Das Christenthum zeigte die Eine Art, durch Aussterben und Verzicht auf alle rohen Triebe. Wir kommen durch Verzicht auf das Handeln, das Hassen das Lieben ebendahin, auf dem Wege der Leidenschaft der Erkenntniß. Friedliche Zuschauer—bis nichts mehr zu sehen ist! Verachtet uns deshalb, ihr Handelnden! Wir werden eure Verachtung anschauen—: los von uns, von der Menschheit, von der Dingheit, vom Werden —
7 [172]
Ich meinte, das Wissen tödte die Kraft, den Instinkt, es lasse kein Handeln aus sich wachsen. Wahr ist nur, daß einem neuen Wissen zunächst kein eingeübter Mechanism zu Gebote steht, noch weniger eine angenehme leidenschaftliche Gewöhnung! Aber alles das kann wachsen! ob es gleich heißt auf Bäume warten, die eine spätere Generation abpflücken wird—nicht wir! Das ist die Resignation des Wissenden! Er ist ärmer und kraftloser geworden, ungeschickter zum Handeln, gleichsam seiner Glieder beraubt—er ist Seher und blind und taub geworden!
7 [173]
Auch die Genießenden wollen noch ihre Moralität (ihren Muth ihren Fleiß) dabei bewundern: deshalb haben die schweren Autoren, die künstlichen Dichter und Musiker so viel Studium so viel Bewundern! Marini. Mit dem naiven Stil, das Höchste in der Kunst, darf man diese Prätension nicht machen, Jeder wähnt, es sei leicht Rafael zu verstehen, und deshalb wird auch der, welcher weiß, daß dem nicht so ist, doch nicht mit solchem Heldeneifer darangehen: es fehlen die dankbaren Zuschauer zu seinem Schauspiel!
7 [174]
Eure Seele ist nicht stark genug, so viele Kleinheiten der Erkenntniß, so viel Geringes und Niedriges mit in die Höhe hinaufzutragen! So müßt ihr euch über die Dinge belügen, damit ihr eures Kraft- und Größengefühls nicht verlustig geht! Anders Pascal und ich.— Ich brauche mich der kleinen erbärmlichen Details nicht zu entäußern—ich will ja keinen Gott aus mir machen.
7 [175]
Jüdisch—eine Religion des Schreckens, der Verachtung und gelegentlich der Gnade (wie alte Patriarchen)
Griechisch—eine Religion der Freude an der Kraft, an der eigenen Vollkommenheit, gelegentlich eine Religion des Neides gegen die Allzuhochhinauswollenden (Agamemnon Achill)
7 [176]
“Irrsinnig” eine so ungewisse Grenze, wie gut und schön! oder “lächerlich” und “schamhaft”
7 [177]
Die Ehrlichkeit der großen Männer des Glaubens an sich beweist sich nur durch die furchtbare Trübsal ihres Zweifelns an sich: wo dies nicht sichtbar ist, sind es Verrückte oder Schauspieler.
7 [178]
Vertrauen wir den Trieben, sie werden schon wieder Ideale schaffen! wie es die Liebe immerfort thut. Und dann: von Zeit zu Zeit durch Stolz einen Trieb unterdrücken—sofort bekommen alle anderen eine neue Färbung. Das Spiel kann lange fortgesetzt werden, wie Sonnenschein und Nacht.
7 [179]
Die Wissenschaft kann durchaus nur zeigen, nicht befehlen (aber wenn der allgemeine Befehl gegeben ist “in welche Richtung?” dann kann sie die Mittel angeben) den allgemeinen Befehl der Richtung kann sie nicht geben! Es ist Photographie. Aber es bedarf der schaffenden Künstler: das sind die Triebe!
7 [180]
Ich gebe meinem Hange zur Einsamkeit nach, ich kann nicht anders: “ob ich es nicht nöthig hätte”—wie die Leute sagen. Aber ich habe es nöthig. Ich verbanne mich selber.
7 [181]
Jener plötzliche Haß gegen das, was ich liebte. Jene Schüchternheit und jenes “was liegt an mir”!
7 [182]
Ich habe Mozart für heiter gehalten—wie tief muß ich melancholisch sein! Daher meine Begierde!! nach Helle Reinlichkeit Heiterkeit Schmuckheit Nüchternheit, meine Hoffnung, daß alles dies mir die Wissenschaft geben werde! sie!
7 [183]
Jetzt machen Franzosen und Italiäner den Deutschen das Gewaltthätige und die bewußte Häßlichkeit in der Musik nach—es sind diese die nöthigen Gegenfarben, um die sublimirtesten himmlischen Reize und Eröffnungen paradiesischer Zauber in Tönen errathen zu lassen: da muß die physische Marter des Ohrs vorher nicht gering gewesen sein und—für den Himmel hat man erst den rechten Geschmack nach dem Fegefeuer. Das wußten die Älteren nicht! Sie verlangten, daß einer, der Musik hören wollte, verliebt oder noch besser passionirt sei! jetzt gilt als der beste vorbereitende Zustand: die Verzweiflung, der Weltüberdruß. Gefühllos geworden durch das ewige Elend und für alles Elend, lassen wir die Marter über uns ergehen—und sind unsäglich dankbar, nachher uns gerührt und erschüttert zu finden! Mitleiden mit uns und allen Leidenden ist das Glück, welches diese Musik verspricht.
7 [184]
Der Selbstbetrug Pascals: er geht schon von christlicher Prädisposition aus. Die “bösen Lüste”! Die Bedeutung des Todes! Denken wir doch so an den Tod, wie an den Tod bei Thieren—so ist die Sache nicht so furchtbar. Zum Tode verurtheilt—das ist nichts so Schlimmes an sich: nur beim Verbrecher macht es uns so schreckliche Empfindungen, wegen der Schande. Pascal war nicht vorsichtig genug, er wollte beweisen!—die Verführungskunst des Christenthums.
7 [185]
Das Christenthum hat die Übel der menschlichen Lage übertrieben d. h. sie erst geschaffen. Pascal thut noch das Äußerste.
7 [186]
Der Stolze und Unabhängige fühlt sich tief erbittert beim Mitleiden “lieber gehaßt als bemitleidet.”
7 [187]
Man denke ja nicht, daß etwa Gesundheit ein festes Ziel sei: was hat das Christenthum die Krankheit vorgezogen und mit guten Gründen! Gesund ist fast ein Begriff wie “Schön” “gut”—höchst wandelbar! Denn das Sich-wohl-fühlen tritt in Folge langer Gewohnheit bei entgegengesetzten Zuständen des Leibes ein!
7 [188]
Alcohol: die Deutschen, die jetzt auf unverschämte Weise geldgierig geworden sind, Politik lieber als Arbeit wollen, und Sklaven des nationalen Dünkels—drei Quellen der Verdummung
7 [189]
Ich habe keine Personen kennengelernt, welche eine solche Ehrfurcht einflößen, wie die griechischen Philosophen.
7 [190]
Pascal’s Passion will sich als nothwendig für Jedermann, als das einzig Nöthige beweisen.
7 [191]
Ich habe die Verachtung Pascals und den Fluch Schopenhauer’s auf mir! Und kann man anhänglicher gegen sie gesinnt sein als ich! Freilich mit jener Anhänglichkeit eines Freundes, welcher aufrichtig bleibt, um Freund zu bleiben und nicht Liebhaber und Narr zu werden!
7 [192]
Es sind Aphorismen! Sind es Aphorismen?—mögen die welche mir daraus einen Vorwurf machen, ein wenig nachdenken und dann sich vor sich selber entschuldigen—ich brauche kein Wort für mich
7 [193]
Freude bei schönen Gärten und Häusern, daß es Leute giebt, welche für diese Art Liebe Dauer haben und daß ich diese Gärten und Häuser nicht habe—doppelte Freude!
7 [194]
Das Schöne—darunter verstehen die Amerikaner jetzt das Ruhig-Rührende. Es ist dem geschäftlichen Ernste und der praktischen Erwägung der Folgen, der Trockenheit und der Leidenschaft des Jagens Gewinnens und Sich-Besinnens entgegen
7 [195]
Die Deutschen meinen, daß die Kraft sich in Härte und Grausamkeit offenbaren müsse, sie unterwerfen sich dann gerne und mit Bewunderung: sie sind ihre mitleidige Schwäche ihre Empfindlichkeit für alle Nichtse auf einmal los und genießen andächtig den Schrecken. Daß es Kraft giebt in der Milde und Stille, das glauben sie nicht leicht. Sie vermissen an Goethe Kraft und meinen, Beethoven habe mehr: und darin irren sie!!
7 [196]
Die Anhänger Wagner’s wollen an ihre Befähigung der Exaltation und Expansion glauben machen—in einem nüchternen Zeitalter kein geringer Ehrgeiz! Aber es ist kein nüchternes: so müssen sie excediren!
7 [197]
Der Trieb der Erkenntniß ist noch jung und roh und folglich gegen die älteren und reicher entwickelten Triebe gehalten, häßlich und beleidigend: alle sind es einmal gewesen! Aber ich will ihn als Passion behandeln und als etwas, womit die einzelne Seele bei Seite gehen kann, um hülfreich und versöhnlich auf die Welt zurückzublicken: einstweilen thut Weltentsagung wieder noth, aber keine asketische!
7 [198]
Zeitalter Louis XIV: der Zauber einer Unterwürfigkeit unter eine künstliche Form empfunden von starken Seelen, wie sie damals waren (sie waren voller Haß und Neid untereinander und durften es nicht zeigen. Sie hatten eine Lust der Rache bei diesem Zwang des Dichters und seiner Helden, ihre Gefühle schwer ausdrücken zu dürfen. Das “Natürliche” hätte sie empört: was gelte sonst ihre Unnatur! Nur nicht peuple!): das ist schwer jetzt zu genießen! Anders bei den Griechen! welche sehr anhänglich an die Sitte waren und höchst vorsichtig gegen die Neuerung (dafür auch den feinsten Gaumen für jeden kleinen neuernden Zug hatten!)
7 [199]
Was nennen die Anhänger Wagner’s einen “musikalischen Menschen”? Und was Andere und ehemals! Fast Gegensätze! Also Vorsicht!
7 [200]
Was ich an mir vermisse: jenes tiefe Interesse für mich selber. Ich stelle mich zu gerne außer mir heraus und gebe allem zu leicht Recht, was mich umgiebt. Ich werde schnell müde, beim Versuch, mich pathetisch zu nehmen. Ich habe nie tief über mich nachgedacht.
7 [201]
Die Deutschen haben das Wort “Leidenschaft” kaum hundert Jahre—sie haben es dem Griechischen nachgemacht, ein Übersetzer hat es gefunden. —
7 [202]
Tiefes Gelb der Gebäude und das schwarze Grün der Cypressen darüber—ein Kloster, und invalide Soldaten darin.
7 [203]
Wir suchen die Situationen, welche unsere Kraft auf das Höchste anspannen: aber dies sind oft entgegengesetzte: dieser sucht Einsamkeit und bemüht sich aus dem Munde der Menschen zu entschlüpfen. Und jener präsentirt sich einer Nation und fühlt sich am meisten durch die Vorstellung getrieben, daß diese in ihm sich selber verehren wolle—er kann es nicht hoch genug treiben. Ein dritter will seiner Geliebten gefallen, und da er sie für etwas Unvergleichliches hält, thut er sich nie genug.— Andere suchen die Situationen, welche ihnen erlauben träge zu sein.
7 [204]
Ich hasse jene unfeinen Menschen, welche kaum daß wir uns ihnen genähert haben, mit ihrer tölpelhaften Herrschsucht auf uns ihre Hand legen, wie als ob wir Geräthschaft und Werkzeug für sie seien. Schon der Anspruch, daß sie nunmehr meinen, uns zu kennen um ein Urtheil fällen zu dürfen, ist eine Unverschämtheit des schlechtesten Geschmacks. Es ist die Art der geistigen Parvenus; die adelige Natur ist nicht in ihrem Grunde.
sie haben keinen Begriff von der Herablassung, welche nöthig ist, um ihnen von uns aus Ehre und Auszeichnung zu erweisen, mögen sie nun sein, wer sie wollen
7 [205]
Zum Plan.
Ein Bild des Griechenthums als der Zeit, die die meisten Individualitäten hervorgebracht hat. Das Fortleben in der Renaissance!
Polemik gegen mittelalterlich, höfisch, liberal-parlamentarisch, socialistisch. Ich sehe die socialistischen Körper sich bilden, unvermeidlich! Sorgen wir, daß auch die Köpfe für diese Körper anfangen zu keimen! jene Organisationen bilden den zukünftigen Sklavenstand, mit allen ihren Führern—aber darüber erhebt sich eine Aristokratie vielleicht von Einsiedlern! Es ist die Zeit des Gelehrten vorbei, der wie alle Anderen lebt und glaubt (als Werkzeug der Kirchen, der Höfe, der kaufmännischen Parteien usw.)! Der große Heroism thut wieder noth!
Die einzige erobernde Macht großen Stils ist Rußland (ohne dies Erobern-wollen sind die Staaten kastrirt! Es gehört dazu, überschüssige Kraft nach außen zu wenden!) Folglich wird es Europa nöthigen sich zu einigen. Aber den Socialismus ergreift der endliche Ekel dieses Kriegszustands ohne Ende und überbrückt den Völker- und Dynastienhader! Wir gehen wilderen Zeiten entgegen! Das ist ein Vorzug, denn diese übernervöse Gegenwart ist nichts mehr werth, eine Reinigung von Hyperchristlich-Moralischen thut noth, ein Zu-Grunde-gehen und Ohnmächtig-werden der Eleganten Unkräftigen Verzärtelten, usw.!
7 [206]
Vom Willen zur Macht wird kaum mehr gewagt zu sprechen: anders zu Athen!
7 [207]
Was trieb die Alten, Stoiker zu werden (da keine Höllenstrafen, keine Verachtung des Menschen, keine göttliche Heiligkeit ihnen die Entsagung nothwendig machte)? Die furchtbare Möglichkeit großer plötzlicher Leiden, und die furchtbare Kraft ihrer Leidenschaften—sie litten an sich und an der Welt der Unsicherheit (Sklave und Cäsar!) Dann der Ehrgeiz, in der Tugend die Ersten zu sein—Neid. Es war ein Mittel, bis an die Höfe hinauf beachtet und angerufen zu werden als Tröster.
7 [208]
Pascal verspricht, im geheimen Blatt, Gott “sogar seine Rache zu opfern.”
7 [209]
Unwissende Menschen, die nichts anderes gesehen haben, machen aus ihren Gewohnheiten für ihre Umgebung einen Zwang, ein Gesetz—so wachsen die Jungen auf in Verehrung dagegen—und es ist das Neue: so wird die Sitte “Sittlich.”
7 [210]
Jede Leidenschaft (im historischen Verlaufe) so hoch pflegen, bis sie ihre individuelle Blüthe zeigt. NB.
7 [211]
Wir haben es in der Hand, unser Temperament wie einen Garten auszubilden. Erlebnisse hineinpflanzen, andere wegstreichen: eine schöne stille Allee der Freundschaft gründen, verschwiegener Ausblicke auf den Ruhm sich bewußt sein,—Zugänge zu allen diesen guten Winkeln seines Gartens bereit halten, daß er uns nicht fehle, wenn wir ihn nöthig haben!
7 [212]
Die intellektuelle Großmuth besteht darin, den Durst nach absoluter Gültigkeit und nach ewigen Dingen zu brechen durch die Einsicht in die Relativität und Liebe zum Kurzleben und Wechselnden (statt Verachtung dafür). Ein Stück Grausamkeit.
7 [213]
Es ist Mythologie zu glauben, daß wir unser eigentliches Selbst finden werden, nachdem wir dies und jenes, gelassen oder vergessen haben. So dröseln wir uns auf bis ins Unendliche zurück: sondern uns selber machen, aus allen Elementen eine Form gestalten—ist die Aufgabe! Immer die eines Bildhauers! Eines produktiven Menschen! Nicht durch Erkenntniß, sondern durch Übung und ein Vorbild werden wir selber! Die Erkenntniß hat bestenfalls den Werth eines Mittels!
7 [214]
Apollo und die Moral der Mäßigkeit gehören zusammen: wer Wagner’s ideale Schönheit fände, würde sie gedunsen riesenhaft und nervös machen müssen.
7 [215]
Die sittliche Delikatesse und der hohe Geschmack in den Erzählungen von Jesus wird vielleicht von uns nicht abzuschätzen sein, weil wir damit geimpft worden sind, daß hier der höchste Geschmack des Guten sei. Was würde Aristoteles empfinden! Was Buddha!
7 [216]
Die Deutschen geben sich den Eindrücken ohne Kampf hin, aus Schwäche—deshalb hat gerade bei ihnen eine Religion des Mitleids so wenig Werth, weil sie der allgemeinen Schwäche schmeichelt, statt ihr zu widerstreben. Kant war es, der mit seinem kategorischen Imperativ dem Deutschen nützlich war. Jene Schwäche hat jetzt in der Musik ihren frappantesten Ausdruck bekommen—das unendlich Herumschweifen der Seele nach Emotionen, die äußerste Nervosität als Folge. Wir leiden daran, hinterdrein. Und was für Würzen braucht eine so empfindliche Rasse! die gröbsten! es ist die Rasse der Trunkenbolde! Vielleicht hat dies Trinken sie so schwach und sentimental gemacht.— Lob des Soldatenthums, entgegengesetzt dem Künstlerthum und seiner Schmeichelgier.
7 [217]
Den M auf Ein ewiges Ideal beschränken—Stoiker Christenthum Kant Comte—das ist der noch nicht verstorbene Classicismus. Absolute Moral!
7 [218]
eine angenehme Handlung thue ich nicht, weil ihr Zweck, ihr Ende eine angenehme Empfindung mit sich bringt: sie ist nicht Mittel zu diesem Ende. Sondern das Angenehme ist so in sie gedrungen, daß sie sofort, nicht erst am Ende, angenehm ist. Mit den Zwecken machen wir Menschen uns vernünftiger als wir sind! “Warum schmeckt uns diese Speise? Quem in finem?” Keine Antwort!— Überall wo unsere Triebe reden, ist der “Zweck” eine Großthuerei!
7 [219]
Habt ihr es nicht erlebt? man thut sein Äußerstes an Selbstüberwindung und kommt wie ein halber Leichnam aber siegesfroh aus seinem Grabe—und die guten Freunde meinen, wir seien recht lustiger und absonderlicher Laune, merken nichts, aber meinen ein Recht zu haben, mit uns ihren Scherz zu treiben? Ich glaube, die Jünger in Gethsemane schliefen nicht, aber sie lagen im Grase und spielten Karten und lachten
7 [220]
Warum haben wir gerade bei der schwersten und schmerzhaftesten Art von Schaffen und Kunstform unsere Freude? Warum schämen wir uns bei jeder flachen und leichteren? Es ist Stolz, besiegte Schwierigkeit, der Wille, vor uns selber zum Helden zu werden!
7 [221]
Es giebt einen christlichen Zug im alten Testament—man begreift die Entstehung des Gottes der Liebe!
7 [222]
Socrates’ Skepsis in Betreff alles Wissens um die Moral ist immer noch das größte Ereigniß—man hat es sich aus dem Sinne geschlagen.
7 [223]
Was ist denn nun der wirkliche Unterschied des Guten und Schlechten in Bezug auf ihre gemeinsamen Triebe? Der Schlechte fühlt sein Urtheil über gut und böse als dasselbe wie das seiner Umgebung und thut das Böse, indem er Scham vor dem Urtheil Anderer und vor sich selber hat—Widerspruch im Wissen und Thun. Oder er stellt sich gut, um diese Vortheile zu haben und im Geheimen die Vortheile des Bösen.— Dies ist alles nichts! was macht sein Nervensystem anders, daß er diesen Widerspruch erträgt oder aufsucht?
7 [224]
Die Liebe zur Brut nichts Einfaches! wie man glaubt! sondern Produkt, Besitz, Unterhaltung, etwas Ungefährliches, etwas Unterwürfiges, worüber man herrscht, etwas Warmes—viel Gründe zur Annehmlichkeit!
7 [225]
Unsere Sicherstellung des Nächsten durch sociale Maßregeln beweist nicht mehr Mitleiden, aber mehr Vorsicht und Kälte.
7 [226]
Der Anblick der Welt wird erst erträglich, wenn wir sie durch den sanften Rauch des Feuers angenehmer Leidenschaften hindurch sehen, bald verborgen als einen Gegenstand des Errathens, bald verkleinert und verkürzt bald undeutlich, aber immer veredelt. Ohne unsere Leidenschaften ist die Welt Zahl und Linie und Gesetz und Unsinn in alledem das widerlichste und anmaaßlichste Paradoxum.
7 [227]
“Wir kommen nie zum Kern der Dinge”: ich sage, wir kommen nie zum letzten Zipfel unserer Leidenschaften und sehen höchstens vermittelst der Einen über die andere hinaus.
7 [228]
Für Racine war den Leidenschaften edel nachhängen schon eine Ausschweifung, man muß ihn mit Port Royal im Hintergrunde lesen.
7 [229]
Mir thut das amerikanische Lachen wohl, diese Art von derben Seeleuten wie Marc Twain. Ich habe über nichts Deutsches mehr lachen können.
7 [230]
“Classicism der Moral” herrscht noch. Seinem Gefühl hier folgen: das thaten auch die Anhänger der 3 Einheiten.
7 [231]
Die moralischen Phänomene machen die Geschichte der Krankheiten durch: erst etwas von außen her, Wirkungen übernatürlicher Mächte. Dann ganz menschlich, aber etwas für sich, das “Moralische.” Endlich erkennt man, daß es ebenso ungenau bezeichnete Vorgänge sind, wie die Krankheiten (über welche Jeder seine Meinung hat, und der Verständigste sich dadurch auszeichnet zu schweigen)—daß die Zeit der großen Skepsis da ist! Es giebt nichts “Moralisches an sich”: es sind Meinungen von Trieben erzeugt und diese Triebe wieder beeinflussend.
7 [232]
“aufgezogen in angeblichen philosophischen Systemen, welche etwas wie dunkle und schlecht geschriebene Poesie sind, aber in moralischer Hinsicht von der höchsten und heiligsten Sublimität. Sie haben vom Mittelalter nicht den Republikanismus, das Mißtrauen und den Dolchstoß geerbt, sondern einen starken Hang zum Enthusiasmus und zum guten Glauben. Dafür bedürfen sie alle 10 Jahre einen neuen großen Mann, der alle anderen auslösche, nicht.”
7 [233]
Der Hauptfehler Pascals: er meint zu beweisen daß das Christenthum wahr ist, weil es nöthig ist—das setzt voraus, daß eine gute und wahre Vorsehung existirt, welche alles Nöthige auch wahr schafft: es könnte aber nöthige Irrthümer geben! Und endlich! Die Nöthigkeit könnte nur so erscheinen, weil man sich an den Irrthum schon so gewöhnt hat, daß er wie eine 2te Natur gebieterisch geworden ist.
7 [234]
Der Zustand Pascal’s ist eine Passion, und hat ganz die Anzeichen und Folgen von Glück Elend und tiefstem dauerndem Ernste. Deshalb ist es eigentlich zum Lachen, ihn so gegen die Passion stolz zu sehen—es ist eine Art von Liebe, welche alle anderen verachtet und die Menschen bemitleidet, ihrer zu entbehren.
7 [235]
Was sind mir Freunde, welche nicht wissen, wo unser Schweres und wo unser Leichtes liegt! Es giebt Stunden, in denen wir unsere Freundschaften wiegen.
7 [236]
Man wird älter, es ist mir schwer mich von einer Gegend, und führe sie die berühmtesten Namen, zu überzeugen. Ich habe fehlerhafte Linien bei Sorrent gesehen. Die bleichsüchtige Schönheit des lago maggiore im Spätherbst, welche alle Linien vergeistigt und die Gegend halb zur Vision macht, entzückt mich nicht, aber redet traulich-traurig zu mir—ich kenne dergleichen nicht nur aus der Natur.
7 [237]
Ich muß zu den Dingen reden, ich bin zu lange allein und ohne Zwiegespräch gewesen; ich will ihnen schmeicheln und ihnen Gutes nachsagen.
7 [238]
Charakterzüge der Deutschen 1) sie exaltiren sich durch die Meditation, statt sich zu beruhigen 2) sie sterben vor Begierde, einen Charakter zu haben. Stendhal
7 [239]
Die Hoffnung hatte für die Alten ein anderes Aussehen als für uns—Hesiod. Ebenso der Neid. Bei andern Völkern hat die Lüge ein Ansehen (z. B. noch bei Napoleon) Die Fähigkeit zu trinken ist unter Deutschen oft ehrenvoll.
7 [240]
Für Aeschylus war das Weib in der Leidenschaft etwas Abscheuliches und Schauerliches, wie die Thiere des Meeres—etwas Unzeigbares.
7 [241]
Die Urtheile über Mozart verschieben sich, nach der Entwicklung der Musik, d.h. sie treffen seinen Charakter und sein Temperament—dieses scheint sich zu wandeln in Folge der neuen Beleuchtung und der Gegensätze, die er immer wieder erhält. Ein Wink für Künstler und Denker aller Art! Am urtheilfähigsten sind einzelne Zeitgenossen, die alles miterkämpft und mitgefreut haben, was der große Schöpfer gegeben hat.
7 [242]
Plato hat den Erkenntnißtrieb als idealisirten aphrodisischen Trieb geschildert: immer dem Schönen nach! Das höchste Schöne offenbart sich dem Denker! Dies ist doch ein psychologisches Faktum: er muß beim Anblick und Denken seiner Allgemeinheiten einen sinnlichen Genuß gehabt haben, der ihn an den aphrodisischen erinnerte. —
7 [243]
Die Worte bleiben und machen uns zu Narren, so daß wir Verschiedenes gleich benennen und hinterher meinen, es sei dasselbe (z. B. ridiculum)
7 [244]
Die Entstehung der Abgrenzung moralischer Handlungen von allen übrigen Handlungen. Wichtig! Essen Gehen ist nicht moralisch. Wo hört die Indifferenz auf?
7 [245]
Die Verachtung und die Achtung hat die Dinge in den Augen der Menschen geformt, bald so, bald so. Die erste macht erbleichen verkümmern, folglich den Hang darnach absterben und die Phantasie auf diesem Gebiete müde oder giftig werden. Die Andere umgekehrt.
7 [246]
Diese Naivetät aller Moralisten jetzt! sie glauben, die Empfindungen für Andere, die sympathischen seien an sich moralisch! sie merken nichts, daß es nur eine Stufe der Cultur ist, welche diese Empfindungen in der Schätzung voranstellt: andere haben andere, ja die entgegengesetzten vorangestellt! “An sich” moralisch!— Man lobt die Mitleidigen, man tadelt die Hartherzigen—just! Schon die Worte werden mit diesem Beigeschmack empfunden. Und doch hätten die Stoiker den unbeugsamen erbarmungslosen Menschen, auf den kein Anblick Eindruck macht, gelobt und den Mitleidigen getadelt! Und das war wohl auch eine Moral! die etwas Größeres geleistet hat als die unsere!
7 [247]
In England meint man Wunder, wie freisinnig die höchste Nüchternheit in Sachen der Moral mache: Spencer, Stuart Mill. Aber schließlich thut man nichts als seine moralischen Empfindungen zu formuliren. Es erfordert etwas ganz anderes: wirklich anders einmal empfinden zu können und Besonnenheit hinterher zu haben, um dies zu analysiren! Also neue innere Erlebnisse, meine werthen Moralisten!
7 [248]
Ich sage zu oft “ihr”? Aber die Dinge reden zu mir und ich antworte ihnen, sie haben mich verwöhnt.
7 [249]
Der Mangel am Edelmüthigen in den Voraussetzungen des Christenthums 1) wozu mußte die Gerechtigkeit Gottes ein Opfer haben? Der Martertod Chr war nicht nöthig außer bei einem Gott der Rache (der sich überdieß den Stellvertreter gefallen läßt: ohne Generosität!) 2) wozu ist der Glaube an Chr nöthig, wenn es sein Wille ist, den Menschen zu helfen! 3) wozu der deus absconditus!
7 [250]
der servile Idealismus Gellert’s, der schwärmerische Schillers, der lebens- und thatenlüsterne des jungen Deutschlands, der malerisch-mystische Wagners, der Idealismus der Unterwelts-Schatten: der meine!
7 [251]
Die Sünde erfinden und dann den erlösenden Zustand ist die unvergleichlichste Leistung der Menschheit. Diese Tragödie macht die anderen sehr blaß!
7 [252]
Euer Leben sei durch eine hohe Gartenmauer von der Landstraße getrennt: und wenn der Rosenduft aus euren Gärten hinüber weht, so mag Jemandem das Herz einmal sehnsüchtig werden.
7 [253]
Seid ihr nie erröthet, wenn es euch durch den Kopf flog, jenes Ding, dem ihr euer Herz geschenkt habt, sei eures Herzens nicht würdig? Und schämtet ihr euch nicht gleich hinterher über euer Erröthen und batet dem geliebten Dinge euren unverschämten Stolz ab?
7 [254]
Pascal hat keine nützliche Liebe vor Augen, sondern lauter vergeudete, es ist alles egoistische Privatsache. Daß aus dieser Summe von Thätigkeiten sich eine neue Generation erzeugt, mit ihren Leidenschaften Gewohnheiten und Mitteln (oder Nicht-Mitteln) sie zu befriedigen—das sieht er nicht. Immer nur den Einzelnen, nicht das Werdende.
7 [255]
Für viele Maler war schön der Ausdruck der Frömmigkeit. Und da eine gewisse Armut an Fleisch, eine peinliche Haltung an den Frommen zu sehen war, übertrug diese die Empfindungen des Schönen auch gerade auf diese Formen. Eine sehr lange und strenge Gewohnheit würde zuletzt sogar den Geschlechtssinn irre führen: der sehr fern davon ist, unbewußte Zweckmäßigkeit zu Gunsten des zu Erzeugenden zu verfolgen.
7 [256]
Zum Plan.
Wodurch ist das Bedürfniß nach einem festen Halt so groß geworden? Weil wir angelehrt worden sind, uns zu Mißtrauen: d. h. weil wir keine Leidenschaft mehr haben dürfen, ohne schlechtes Gewissen! Durch diese Verlästerung unseres Wesens ist der Trieb nach Gewißheit außer uns so groß geworden: 1) religiöser Weg 2) wissenschaftlicher Weg 3) Hingebung an Geld Fürsten Parteien christliche Sekten usw.: welche wir fanatisch nehmen müssen, also falsch verstehen müssen, damit sie uns das Begehrte leisten. Die Juden hatten diese Verachtung von sich und vom Menschen überhaupt!
Ziel: 1) die noch so sehr sichergestellte Welt ist zuletzt einer individuellen Messung unterworfen: so lange wir forschen, können wir das Indiv oft ausschließen: zu dem was wir zuletzt finden, giebt es immer eine subjektive Stellung! 2) wir müssen stolz genug von uns denken, um eine subjektive Stellung nur zu wirklichen Dingen einzunehmen, nicht zu Schemen! und lieber den Zweifel und die Meerfahrt ertragen als zu schnell Gewißheit wollen! 3) die Ehre der eigenen Seele wieder herstellen!
7 [257]
Sobald ihr den christlichen Glauben oder eine Metaphysik zu Hülfe nehmt, dort wo eine Wissenschaft aufhört, so nehmt ihr euch die Kraft des Heroismus: und eure Wissenschaftlichkeit ist tief erniedrigt! Ihr höchster Accent steht nicht mehr euch zu! Ihr seid kalt und nicht mehr bewegt, ihr opfert nichts! Daher der abscheuliche Anblick des “Gelehrten”—er war ohne Großartigkeit der letzten Absichten, er gieng nicht ans Ende, sondern knickte dort um und warf sich der Kirche oder dem Regimente oder der öffentlichen Meinung in die Hände, oder der Dichtkunst und der Musik. Er bedarf jener Entsagung —
7 [258]
Man lernt zu sprechen, aber man verlernt zu schwätzen, wenn man ein Jahr lang schweigt.
7 [259]
Bist du denn ruhmbegierig? Ich habe es nie geglaubt. Aber das fällt mir auf, daß ich es unerträglich finde, nicht mit dem beschäftigt und verwachsen zu sein, was mir das Wichtigste auf der Welt scheint.— Als ich dies von der Kunst nicht mehr glaubte, trat ich sehr abgekühlt bei Seite, mit einer Art von Haß—sie schien mir eine Betrügerin, die mich dem Wichtigsten entziehen wollte.
7 [260]
Pascal glaubte, daß die kleine Périer durch die wirkliche Stimme Christi geheilt worden sei cette voix sainte et terrible, qui étonne la nature et qui console l’église.
7 [261]
“der Demosthenes der passionirten Logik”
7 [262]
Vergleich mit Pascal: haben wir nicht auch unsere Stärke in der Selbstbezwingung, wie er? Er zu Gunsten Gottes, wir zu Gunsten der Redlichkeit? Freilich: ein Ideal, die Menschen der Welt und sich selber entreißen, macht die unerhörtesten Spannungen, ist ein fortgesetztes Sichwidersprechen im Tiefsten, ein seliges Ausruhen über sich, in der Verachtung alles dessen, was “ich” heißt. Wir sind weniger erbittert und auch weniger gegen die Welt voller Rache, unsere Kraft auf einmal ist geringer, dafür brennen wir auch nicht gleich Kerzen zu schnell ab, sondern haben die Kraft der Dauer.
7 [263]
Ihr Stolz war durch ihre Schüchternheit verbittert.
7 [264]
Die große Frage, ob es in der Mhs-Cultur eine Kreisbewegung giebt, klein und größer? Wir im ersten?
7 [265]
Der Zauber der Dialektik für eine poetisch-ungestüme und springende Seele wie Plato’s. Der Zauber des Halbdunkels im Christenthum für Pascal’s helle logische Seele—das ist schwer nachzufühlen
7 [266]
Die großen moralischen Naturen entstehen in Zeiten der Auflösung, als Selbstbeschränker. Zeichen des Stolzes, es sind die regierenden Naturen (Heraclit Plato usw.) in einer veränderten Welt, wo sie nur sich zu regieren haben. Ganz anders die Moralität der Unterwerfung.
7 [267]
Das Vergnügen der Gesellschaft Molière’s, wenn einer sich enthüllt und nicht mehr täuscht, wenn der Charakter sich verräth—die Verachtung zugleich gegen den, der seine Rolle nicht festzuhalten versteht—das tiefe Verständniß alles Komödienspielens im Leben, ja der Glaube daß es die Aufgabe sei Komödiant zu sein und daß alles Lächerliche darin bestehe daß ein Komödiant sich verräth!
7 [268]
Die Naivetät ist keine deutsche Eigenschaft. Aber eine altfranzösische!
7 [269]
Aristoteles: “im Allgemeinen thun die Menschen das Böse, wenn sie es können.”
7 [270]
In Inquisitionsländern wagt der Gewohnheitssünder nicht sich dem Abendmahle zu entziehen, aus Furcht denunzirt zu werden, excommunicirt, am Ende eines Jahres der Häresie verdächtigt und von der Justiz verfolgt zu werden—deshalb sind da die laxesten Casuisten entstanden.
War man zu streng, so wurde die Lauterkeit des Bekenntnisses beseitigt und das Bekenntniß selbst zu Null gemacht—das mächtige Mittel zur Erhaltung der Kirche. (Auch gegen sich sind die rigorösesten Menschen am verlogensten)
Der Ostracismus der Tugend (des Jansenismus)
7 [271]
Zu sagen: “es ist Gott, der dies in uns thut” wie Pascal, ist nicht den Menschen zu nichte machen und Gott an seine Stelle setzen: sondern die Gnade die er anruft, ist die höchste Anstrengung der menschlichen Natur. Gott nennt er was er Exaltirtes und Reineres an sich fühlt.
7 [272]
“Die Seele zu entziehen von der Welt, um sie sich selber sterben zu machen, um sie einzig und unveränderlich an Gott zu knüpfen—das ist nur einer allmächtigen Hand möglich.” Pascal
7 [273]
Der große Condé Richelieu Pascal
Bossuet nennt La Bruyère
7 [274]
Auch in den Siegen über uns selbst gehört ein gutes Theil dem Zufall an: deshalb sehen wir mit scharfer Kritik auf die siegreichen Tugendhaften und finden mitunter den Geist derselben in der moralischen Taktik nicht auf der Höhe ihres Glücks.
7 [275]
Napoleon der Machtlüsterne giebt den Typus des Stoikers, nach innen gesehen; durchzuführen NB. die Theile seines Wesens, die er durch Verführung unterworfen, behandelt er hinterdrein kalt und gleichgültig despotisch.
7 [276]
“Und alle diese Freiheit des Blicks ist zu nichts nütze?”
Wie? Ist ein Teleskop zu nichts nütze?
7 [277]
Die großen Unthiere der Eitelkeit, welche die Kraft haben uns anzugreifen, doch nicht uns zu halten.
7 [278]
Pascal gegen die Jesuiten: das ist Demosthenes gegen Philipp: da sieht man die Abirrung vom allgemeinen Interesse der Menschheit!
7 [279]
Ich halte es nicht in Deutschland aus, der Geist der Kleinheit und der Knechtschaft durchdringt alles, bis in die kleinsten Stadt- und Dorfblätter herab und ebenso hinauf bis zum achtenswerthesten Künstler und Gelehrten—nebst einer gedankenarmen Unverschämtheit gegen alle selbständigen Menschen und Völker. Dazu ist man eilig und ängstlich für die Gegenwart, mißtrauisch für das Kommende und gegen einander so vorwurfsvoll, und schlägt sich mit einem pomphaften Scheingenuß die Sorgen scheinbar aus dem Kopfe.
7 [280]
Es giebt wirklich Menschen welche eine Sache damit geehrt zu haben glauben, daß sie dieselbe deutsch nennen. Es ist der Gipfel der nationalen Verdummung und Frechheit.
7 [281]
Unsere Maaßstäbe nach dem Christenthum: nach jenem unerhörten Sich-ausspannen aller Muskeln und Kräfte unter dem höchsten Stolze sind wir alle verurtheilt, die Schwächeren Geschwächteren darzustellen: es sei denn, daß wir eine unerhörte Art von Männlichkeit gewinnen, welche diesen Zustand der menschlichen Erniedrigung noch stolzer als das Christenthum zu tragen wüßte. Kann hierzu uns nicht die Wissenschaft dienen? Wir müssen dem Phantasie-Effekt des Christenthums für die edelmüthigen Naturen etwas Überbietendes entgegenstellen—eine Entsagung und Strenge!
7 [282]
Das Verlangen nach Ruhe nicht falsch zu deuten mit Pascal! und das nach Bewegung!
7 [283]
Glückliches Zeitalter der Russen! Energie des Willens und Übergang zu den Künsten!
7 [284]
Wenn ich den Anblick eines fremden Nothstandes oder Glücksstandes nicht mehr ertrage und handle, um dem abzuhelfen, sei es daß ich mich entferne, sei es daß ich das fremde Loos abändere (wenn schon der Gedanke daran mich quält): so ist ein gleichartiger Vorgang da. Daß mir fremdes Glück weh thut, während einem Anderen sein Anblick wohl thut: dies wäre ein Unterschied (ebenso der Anblick fremder Unabhängigkeit). Wehethun: ein Ausdruck, daß wir unsere Entwicklung gehemmt fühlen. Wir fühlen uns einer Kraft geraubt: ebenso andere Menschen beim Anblick des fremden Unglücks. Das Mitgefühl macht uns leidend, der Neid ebenso: beide sind uns nachtheilig. Freude an fremdem Unglück und fremdem Glück ist uns vorteilhaft, eine Quelle stärkerer Entwicklung (N wurde heiter, als er seinen Hof durch ein neues Ceremoniell genirt fand) Der Leidende Andere wird erbittert über unsere Freude an seinem Leide und verunglimpft einen solchen: er als die Quelle des Urtheils, des tadelnden und lobenden, er verlangt Gleichgefühl, aber er selber übt es nicht, sonst würde er den Sich-freuenden an seinem Leide nicht tadeln, sondern sich mit ihm freuen (wie die, welche mit über sich lachen) d. h. er gesteht durch seine Praxis zu, daß der Andere ein Recht hat, zu sein, wie er ist, so wie er ein Recht habe, sich über ihn zu ärgern. Es ist unangenehm für die Anderen, “aber an sich nicht verwerflich”! wie alles Bittere und Schmerzhafte in der Natur.
Der welcher sich im Glück fühlt und sieht, daß der Andere darüber leidet (als Neidischer) verlangt nicht, daß dies sich ändre; er genießt es, aber er genießt es auch, wenn der Andere sich mitfreut, d. h. sein Glück macht ihn bereitwillig, sich das Verhalten des Anderen zu einer Vermehrung seines Glücks auszulegen. Sein Unglück, im Verhalten des Anderen eine Erleichterung zu suchen: indem man es ihm mitzutragen giebt oder indem man sich durch Tadel über ihn erhebt. Der Haß gegen die Nicht-Mitleidigen ist wesentlich Rache: also die Forderung des Mitleidens ebenfalls, es ist der nothwendig hervorgerufene Gefühls-Gegensatz zu jenem Haß.
7 [285]
Zur Ableitung des Mitleids.
Sobald das Mitleiden gefordert und gelobt wird, so bekommt es einen moralischen Charakter als gut. Man giebt sich ihm hin, man scheut nicht seine Kundgebung—unter anderen Verhältnissen gilt es als Schwäche. Die Philosophen sehen im Mitleide wie in jedem Sich-verlieren an einen schädigenden Affekt eine Schwäche. Es vermehrt das Leid in der Welt: mag indirekt das Leiden vermindern, diese Folge darf es nicht im Wesen rechtfertigen! Gesetzt, es herrschte: so gienge sofort die Menschheit zu Grunde.
Dagegen vermehrt die Mitfreude die Kraft der Welt. Die Freude an dem Individuum, welches selber, was ihm auch geschehe, die Freude an sich oben erhält, ist ein sehr hoher Gedanke! Man muß helfen, um sich wieder mitfreuen zu können—aber seine Seele so lang im Zaume haben und kalt stellen, daß sie nicht vom Jammer angesteckt werde: wie der rechte Arzt.
Es giebt ein auszeichnendes Mitleiden, welches außerordentlich entlegene Arten des Leidens erfaßt: es ist zu ehren als Zeichen eines höheren Intellektes, nicht an sich!
Daß wir dem gut sind, der uns Mitleiden bezeugt, ist eine Erbärmlichkeit: wir sollten sagen: seid tapfer, daß mein Leid euch nicht eure freudige Art nimmt: wir sollten wünschen, den Ausblick auf das freudige Element um uns nicht zu verlieren! Aber wir sind Tyrannen!
7 [286]
Die Freude unserer Feinde an unserem Unglück mitgenießen ist möglich.
7 [287]
Vielen Erkenntnissen wissen die Menschen nichts Kräftigendes abzugewinnen, es sind verbotene Speisen z. B. mein Buch.
7 [288]
Es ist eine Feinheit, seine Beispiele der Geschichte und der Wissenschaft gemäß der allgemeinen Unkenntniß und Mangelhaftigkeit am Wissen zu wählen—sonst beweist man nichts und erweckt Haß, weil man beschämt. Man muß niedersteigen zu den Armen an Geiste, nicht in den Gedanken und Zielen, aber im Material. Mit lauter ungeheuer bekannten Dingen argumentiren: es ist überdies Stolz, denn die großen Wahrheiten sollen nicht mit Thatsachen aus dem Winkel und der gelehrten Grübelei bewiesen werden.
7 [289]
Ich höre euren Sirenengesang, ihr Weisen! Ach, nichts bewegt mich so! Aber ich sage euch: ihr selber habt ihn euch vorgesungen, ihr waret wie ich! Ihr waret die Narren dieser schönen Paradiese “Gerechtigkeit, Mäßigung”: in Wahrheit sind es Utopien.
7 [290]
Um in der Kunst ein Mittel der Macht zu sehen: wie muß man da die Dinge verdrehen oder den Umsturz des Bestehenden erstreben! Wie viel Enttäuschung!
7 [291]
wie ein Drama sein Inneres leiden sehen ist ein höherer Grad als nur leiden.
7 [292]
Compensation des Dichters, seine Leiden und die Lust des Ausdrucks derselben
7 [293]
Das Zusammenbrechen der Berechnungen eines Greises ist mitleidswürdiger als—
den Vorwand seines Lebens und Wirkens verlieren, z. B. seine Kinder
7 [294]
1) O über das Sündengefühl! Wie hat es das Leid vermehrt! 2) wie hat es von der natürl Folge der Schuld den Blick abgewandt, also die Vernunft in der Anwendung auf das Leben stillgestellt! 3) wie hat es egoistisch gemacht und die Folgen für Andre (auch durch Vererbung) sich aus dem Sinne schlagen heißen!
7 [295]
Ihr glaubt nicht mehr Leidenschaft für etwas empfinden zu können, weil es nur kurz lebt oder weil es relativ werthvoll ist! Denkt doch an die Liebe zu einem Weibe! Zu Geld! Zu Ehrenstellen! Wenn es auch keinen ewigen Geschmack, keine ewige Schönheit und Tugend giebt, so kann das kurz Geltende erst recht Entzücken erregen, um es umarmen, es so gut es geht, dem Strom zu entreißen! Es mischt sich von nun an die Zärtlichkeit für das Hinfällige hinein!! NB.
7 [296]
Wir werden leicht trocken, weil wir nur für die Feinheiten der seelischen Bewegung ein Auge haben. Der große train!
7 [297]
Warum für Dinge Gesetze diktiren wollen, die wir nur aus zweiter Hand kennen! “Wollt ihr denn durchaus universal sein? Überlaßt doch diese bizarre Prätension den armen Teufeln, welche nicht selber etwas Eigenes sind.” Stendhal
7 [298]
Wenn die Menschen über die Heftigkeit ihrer inneren verkleideten Triebe erröthen, da ändert sich die Kunst. Die Kundgebung tiefer Gefühle gilt als plump und roh. Zuerst ceremoniöse Manieren. Dann heitere Manieren, noch freier von jedem Gefühl (Louis XV): aller Enthusiasmus und alle Energie verschwunden!
7 [299]
Den Menschen des Mittelalters unsere Sensibilität und Sympathie leihen.
7 [300]
Das Gefühl der Macht, das Jemand aus dem Staube erhebt, Findelkinder zu Erben macht usw. ist ganz gleichwerthig mit der Grausamkeit, und ich kann thun, was ich will, namentlich in Hinsicht auf die, welche es ärgert.
7 [301]
Die D haben die Bewunderung für das Fremdartige—aus Langeweile; die Franzosen die Eitelkeit—aus Langeweile—die Italiäner Liebe Haß usw.—aus Langeweile.
Der Franzose höhnt das Fremdartige, Gegenstand des Lächerlichen.
7 [302]
Die Leidenschaft der Erkenntniß kann ein tragisches Ende nehmen: fürchtet ihr Euch? Wie bei jeder Leidenschaft!— Gewöhnlich aber habt ihr Gelehrten gar keine Leidenschaft, sondern eine Gewohnheit gegen eure Langeweile!— Die Stellung der verschiedenen Völker dazu! —
7 [303]
Die Wissenschaft kann weder beweisen, daß alle M gleich sind, noch daß ein Verfahren nach diesem Grundsatz auf die Dauer nützlich ist.
7 [304]
“Wissenschaft!” Was ist sie! Alle Kräfte in ihren Dienst! Die Erfahrung der Menschheit aus ihren Trieben, und ein Trieb, von den Trieben zu wissen.
7 [305]
Die Sitten spiegeln die Ereignisse von 100 Jahren wieder—nicht die der Gegenwart.
7 [306]
Die (nord)deutsche Cultur stammt nicht von einem Adel wie die französische, sondern von Lehrern (Professoren Organisten usw.) und Predigern. Ganz andere Unterwerfung, immer mit dem Hintergedanken, daß es etwas Höheres giebt als Fürsten (Luther). Bewunderung für das Fremdartige eines Fürsten, einer Staatsleitung, des Heeres: naiv. Man läßt sich drücken, aber nimmt Rache in Gedanken über die Dinge.— Wie unfruchtbar ist der Adel! das deutsche Rasse-Element
7 [307]
Das schnelle Tempo in der Musik und im Leben schleift viele Charaktere und Handlungen aus: wenn sie nicht unerträglich werden sollen: nämlich der Wechsel der Affekte—das schnelle Tempo ist die Sache der dauernden Stimmungen, des.
7 [308]
Der deutsche Adel: selbst im Luxus, im Pomp, Gartenkunst Baukunst Mauerei unproduktiv
7 [309]
Und wenn wir uns auch für die schwierigsten Fälle der moralischen Rechnung und Vorrechnung nicht trauten, so meinten wir doch alle das moralische Einmaleins zu kennen und hielten uns hierin für sicher
7 [310]
Meine Gedanken sind meine Ereignisse geworden: das Andere ist die Krankheits-Geschichte jedes Tags.
7 [311]
Ein Sturm: ich empfinde ihn gegen 4 Stunden vorher, bei dem heitersten Himmel. Ist er da, so verbessert sich mein Zustand.
7 [312]
Das augenblickliche politische Übergewicht Deutschland’s ist nicht aufrecht zu erhalten: es verdankt es der Willenskraft eines Einzelnen, der außerdem von dem schwachen Charakter aller Deutschen so überzeugt war daß er weder Parteien noch Fürsten fürchtete. Sie mögen die beste Organisation und den trefflichsten Gehorsam haben—aber die Befehlenden werden in diesem Lande so selten geboren, und noch seltener, die welche befehlen und Geist haben.— Deshalb ist die Überlegenheit eine große Gefahr—sie erzieht in der Anmaaßung und in den Ansprüchen.— Mit Parteien kann man machen, was man will, wenn man nämlich will: aber velle non discitur. Und wahrhaftig, es gehört nicht einmal der Wille eines Richelieu dazu, sondern der eines Bismarck—das will sagen, ein viel launischeres und leidenschaftlicheres Ding.
7 [313]
Der friedliebende Deutsche, man kann auf seine Unterwerfung vor dem Regimente und der Religion rechnen—weil er die wirkliche Unruhe und Gefahr haßt: um so mehr bedarf er leichter gefährlich scheinender Schwärmereien, um sich als Held vorzukommen. Er wechselt damit sehr oft, weil er nicht die That will!
9, 7[1-313] Ende 1880
7 [1]
The Christianity has taught 1) an enormous mistrust against us 2) and knowledge of human nature—these advances we have over antiquity.
7 [2]
Only in deep darkness are we truly ourselves: fame surrounds us with people and their demands on us. One must throw one's fame into the sea.
7 [3]
Christianity has called the feeling of lowliness (humility) good: made a passion out of it! Thereby elevated itself!
7 [4]
“At 40 you are a camel, at 70 an ape” Spaniards
7 [5]
We too may have our taste: but it is no longer the eternal, necessary taste! And every age believes it of its own! And we may not! A completely new state!
7 [6]
“In the long run, one only sees the aspects of nature that are analogous to our way of seeking happiness: one person only the sublime, another the fine and rare viewpoints. The rest is boring to him.” St
7 [7]
Inauthenticity is sometimes merely a harsh expression for that passivity by virtue of which an M, like a woman, always brings forth children who resemble their father, and not himself! Passive artists like Liszt. Also thinkers to whom all kinds of reality make a masculine impression and likewise inspire love. The struggle against this passivity is often led by vanity. But also by the conscience of fidelity, which they have often broken. There is a cunning species of superior natures, which stand above this passivity, allow it to persist like a passion, but create opportunities for it: thus they acquire experiences that remain foreign to other thinkers.
7 [8]
The plague of desire is not so great in itself if one does not consider it evil. Just as the urge to defecate does not cause us deep spiritual distress.
7 [9]
This thought I must follow, day and night: they assault me in my dreams. I have not been safe from them even under the most effective pains. There is no bond of sympathy that does not tear as soon as these relentless ones lay their hands on it. It is a sad, uplifting, and sweet thing about this entanglement—I doubt whether life has appeared as affirmable to many people as it has to me, enveloped in this melancholic fire and smoke.
7 [10]
The aversion of Greek art to the terrible: one had enough real evils.
7 [11]
M Angelo took from his God the kindness and justice and made a God of terror and revenge out of it—he made him logical.
7 [12]
An office is good: one places it between oneself and the people, and thus one has one's quiet and cunning hiding place and can do and say what everyone expects of us as their right. Even early fame can be used in this way: provided that behind it, inaudibly, our own self can again play freely with itself and laugh at itself.
7 [13]
Independence is the renunciation of the power-hungry, to whom nothing is given to rule but themselves. It is the breeding ground of the greatest lust for power, for we can expand into the infinite and extend our ruling power over this infinite. Let our passion for the infinite burst forth so that we may become its conquerors!
7 [14]
The Germans alternate between a devotion to the foreign and a vengeful desire for originality (vengeance for their shame in retrospect)—and the entirely unhesitatingly good Germans, who are productive, have been mediators and have worked Europeanly (like Mozart and the historians, etc.)— The Germans, to prove that their originality is not a matter of nature but of ambition, believe it lies in complete and blatant difference: but the Greeks did not think this way against the Orient, nor the Romans against the Greeks, nor the French against the Romans and the Renaissance—and became original (for one is not original first! but rather one is crude!)
7 [15]
This entire philosophy—is it more than a drive to prove that ripe fruits, unleavened bread, water, solitude, order in all things taste best to me and are most wholesome? So an instinct for a proper diet in everything? Only a mild sun! There I approach my kind of sublimity, which is not gloomy and demanding, but a formal and solitary fluttering of a butterfly high on the rocky shores of a lake, where many good plants and flowers grow? Unconcerned that it might be the life of a single day, and that the night is too cold for my winged frailty?
7 [16]
“Climate or temperament make the power of the spring: custom and education give it the meaning.” Correct!
7 [17]
Your cult of strength is anything but a proof of strength, as with M Angelo! You surrender, you want to drink strength, you are tired of your weakness—
7 [18]
How the Italians appropriate a piece of music by drawing it into their passion—yes, this music waits to be interpreted so personally, and gains more from this than from all the art of harmony—so I read the thinkers and sing their melodies after them: I know that behind all those cold words moves a desiring soul, I hear it sing, for my own soul sings when it is moved.
7 [19]
Plan.
1. Cap. We believe it to be the opposite of a passion: but it does good, and therefore we begin the struggle against the passions in favor of reason and justice. We, the innocent!
2. Cap. We suddenly discover that it bears all the marks of passion itself. We suffer from this realization, we yearn for the untroubled morning-calm light of the wise. But we guess: this light too is passionate movement, but sublimated, unrecognizable to the coarse.
3 Cap.We seek to escape servitude, we yield to other passions (art). We seek to kill them through dissection, by tracing their origins. In doing so, we discover how passions arise in the first place, how they are refined and take effect.
4 C The reaction from outside begins. Everything we ourselves have objected to in order to free ourselves, all our errors return to us from the outside, as decay with friends, etc. It is a new and unknown passion. Its somber bliss! It lets us endure! It creates solitude, it reveals us to the thinkers!
7 [20]
One of the M whom I revered most highly appeared contemptible to me from the moment he, who could have had a concept of the demands, experiences, and tragedies of knowledge, preferred to disparage science because of certain unpleasant effects of knowledge on him. And we, who suffer so infinitely through it, still love it!— What a cursed softness toward oneself and lack of seriousness! Not to hate, only to despise!
7 [21]
Kant: man is a moral being: consequently he is 1) free 2) immortal 3) there is a rewarding and punishing justice: God.— But the moral being is an illusion, therefore:
7 [22]
One should not buy the sublime too dearly (like the holiness of God)
7 [23]
In France, originality became dangerous and contemptible and boring (under L 14) hence (not out of convenience like the D the model.
7 [24]
1) Differences in judgments that have been nurtured, which stem from a kind of second nature and are alien or resistant to the first: usually they are somewhat awkward and constrained, but insofar as they express a victory, we love them almost more than the effortless fruits of our garden (and generally assess their value higher, it is what our climate has just been able to endure, more southern vegetation seems to one, more northern to another) The strength used here is indeed taken away from the cultivation of our first nature!
And that is often good, where it itself already lushly thrives! “Justice” is a matter for overabundantly endowed people! So for the strength that is in danger of not being able to restrain itself! Others would like to be seen as such overflowing natures and gladly show themselves unrestrained: there is for hypocrites of this kind a second, finer subtlety!—to betray through attempts at restraint that there is something to restrain.7 [25]
For an artist or thinker to bring their art to perfection, they must indeed have the belief that is an injustice and limitation against the beliefs of others. For they must see more in it and something greater than it is: otherwise, they do not devote their full strength to it. Through the long friction of execution, infinitely much of the enchanting is worn away that the first thought has: therefore, the enchantment must be much greater than is fair—otherwise, it will not last until the end!
7 [26]
Where does it come from that Christianity has spread cruelty towards animals in Europe, despite its religion of compassion? Because it is much more than this also a religion of cruelty towards humans.
7 [27]
For someone to sincerely devote themselves to justice on a grand scale, towards people and things, there must be a prototypical process within them: they must feel two or more powers in conflict, wishing for the downfall of neither, nor the continuation of the struggle. Thus, they experience within themselves the compulsion to a contract, with the rights of the various powers balanced against each other: and also a joy in being just, founded on habituation to respecting these rights. Their inner experience radiates outward. Perhaps one may also arrive at such a just disposition from the outside in. Forbearance is the practice of justice: seeing much but not wishing to notice, enduring much but, for the sake of general peace, gladly looking upon it—it can become a Stoicism that appears like an Epicureanism.
7 [28]
The Greek grace was so strict that it might appear to us today as dignity. And the ancient gravitas of a philosopher or statesman we could hardly endure. Our artists, who imagine all sorts of things about the beautiful art of letting oneself go, would appear in the eyes of the Stoic like ill-behaved boys.
7 [29]
Pascal’s conversation with Jesus is more beautiful than anything in the New Testament! It is the most melancholic sweetness that has ever been expressed. Since then, nothing more has been added to this Jesus, which is why after Port-Royal, Christianity has been in decline everywhere.
7 [30]
I can treat myself just as a gardener treats his plants: I can remove motives from myself by distancing myself from a place or a society, I can bring motives closer to me. I can artificially cultivate or let wither the inclination to treat myself in such a gardening manner.
7 [31]
The unfortunate ones who want to achieve virtue all at once through a transformation! And despair at a relapse! While practice makes perfect.
7 [32]
Sympathy and compassion were difficult to arouse in wild, warlike times—back then, the dramatist had a task! But in our all-too-sensitive age, the cult of empathy is truly the most pitiable of all cults—as if far too much were not already empathized with! As if action itself were not guided far more by empathy than by feeling!
7 [33]
| own “soul” I want to say for individuality |
| M without own soul |
| M without soul |
| The own soul. |
7 [34]
Even Kant, however meager his soul appears next to Pascal’s, has a similar ulterior motive behind all the movements of his mind: to dethrone the intellect, to behead knowledge—in favor of Christian faith. And now it must be the Christian faith! As if, once knowledge were beheaded, all kinds of faith would not become accessible!
7 [35]
Schopenhauer did not understand passion, but only the general sexual drive and its quirks (but passion is the achievement of the individual, consequently frequent among Italians, weak among Germans). In love, the German is common.
7 [36]
Grace is the repose of strong souls—weak ones wish to be ensnared, bound, seduced; they find grace ineffective and insipid and crave stimulants (emotions)
7 [37]
There are so many kinds of pleasant sensation that I despair of determining the highest good. Recently, it seemed to me to be hovering and flying.
7 [38]
The “thing” is a simplification. Now man wants to comprehend himself, for which he first and foremost needs words: when he names so many things about man, he ultimately believes he has man as the sum of these things, to comprehend.
7 [39]
Every day I am amazed: I don't know myself!
7 [40]
I do not mean that honesty is something so absolutely high and pure in itself: but to me it is like a requirement of cleanliness. One may be what he will, genius or actor—only clean! (H. Heine has something pure.)
7 [41]
The magnificent bodies of ancient statues appear beautiful because they are pleasant, because they are useful (always the thought of war!)
7 [42]
The small-town "spirit"
7 [43]
The elevation of compassion to something Good, Christian-Buddhist.
7 [44]
The things without the effect of the things would be much higher.
7 [45]
“What lies in me!” is the expression of true passion, it is the utmost degree, to see something outside oneself.
7 [46]
Realism in art is an illusion. You reproduce what delights you, attracts you in things—these sensations are certainly not awakened by the realia! You just don't know what the cause of the Empf is! Every good art has gewähnt to be realistic!
7 [47]
With regard to the strongest drive that ultimately regulates our morality, we must leave the question: why? (e.g., someone who has pride in their foundation)
7 [48]
To transform the “you must” into a “you shall”—that is the art! The opposite of the ordinary person, who does not understand the “you must.”
7 [49]
From the animal and from the plant we must learn what blossoming is: and then relearn in regard to man. Those pale, emaciated, infertile people suffering from their thoughts can no longer be ideals. There must have been a degeneration in us that drove such bad taste forward. I combat this bad taste.
7 [50]
Is there no way out! Nowhere a law that we not only recognize, but also recognize above us!
7 [51]
The charm of the difficulty fought (Wagner) and the charm of the difficulty overcome (e.g., expressing a feeling such as love through artificial figures, e.g., Petrarch)
7 [52]
In reality, nothing occurs that strictly corresponds to logic.
7 [53]
I am not able to acknowledge any greatness that is not connected with honesty towards oneself: acting towards oneself fills me with disgust: if I discover such a thing, all great achievements mean nothing to me; I know, they have everywhere, and at the deepest level, this acting.— On the other hand, acting towards the outside (e.g., Napoleon’s) is understandable to me: probably it is necessary for many people—This is a limitation.
7 [54]
Some people are simpler, but usually the individual is probably unrecognizable and ineffable. Consequently, the pattern is necessarily a deception! If I do not know the material of the structure in mass and kind, what are blueprints! And how limited this eternal reflection on the ego makes us! One would not have time for knowledge of the world! And if this knowledge were only a means to the recognition of the ego, we would never get to the task itself! And finally, this infatuation with our own pattern is yet another unfreedom!
7 [55]
the holy wrath (Jews as dramatists), the holy envy (Greeks)—affect perceived as good (also in Hesiod)
7 [56]
What is truly good for us according to strict scientific causal concepts (e.g., unconditional faith, etc.) may no longer be possible for us precisely because of the rigor of the scientific mind! (Against Spencer’s harmless belief in the harmony of knowledge and utility)
7 [57]
Without noticing, we enjoy the trusting calm in the world, as if it were a providence: in the midst of our cold fatalism, we feel a warm air of older, religious sensations. Our terrifying maturity! Thrust into the world!
7 [58]
The distinction between higher and lower in relation to the body and the organs is not the distinction of science! Rather, the less we see of an organ's activity, the higher we rank it. Or smell! Or feel! Disgust decides what is high and low! Not value! Here is a beginning of moral distinction found! NB
7 [59]
The scholar under the yoke 1) of the Church 2) of the courts 3) of gallant society 4) of youth education 5) of commercial-industrial interests 6) of the nations—this is his history! Then the isolated ones! Montaigne Stendhal etc.
7 [60]
The idea: “this thought could not be true!” shakes me. “It will be considered untrue”—leaves me cold, I assume it: for they do not have as much time and passion to invest as I do.
7 [61]
The moral jargon in our mouths would offend or amuse us. Only actions remain for expression. And if writings are these actions, —
7 [62]
How does the pattern relate to our development? to what we necessarily must achieve? Is the pattern, in the best case, a preempting? But why then necessary?
It is a secure and long-executed idea of the “I,” which is the most pleasurable to us and acts as a motive to do and to omit (most have none!) If it is not feasible, yes if it is not executed, then it is flawed in design, from ignorance of us.
In any case, it is a necessary product of all our faculties: in one person an empty fantasy, in another a beautiful poem, in a third an architectural design—and here too there are all kinds of architectural taste. An attempt to see and comprehend our infinitely complicated being in a simplification. An image for a “thing.”7 [63]
Work, now good, otherwise evil. The 2 heroic ages in Hesiod, their reverse side, good and evil.
7 [64]
Christianity and Judaism: the ideal set outside us, with the highest power and commanding! and rewarding and punishing!— How high must each one stand to afford this for himself! And how little arbitrary the image of himself must appear to him! May he feel himself as its creator?! Hardly!
7 [65]
Is it possible to transform the conscience into the language of our pattern with us? Then it would work. Very rare! But this is not an objection!
7 [66]
The autonomous human is very rare. “The M under statutes” the “N itself under laws.”
7 [67]
To feel cheerfulness when we feel constrained by our own ceremonial.
7 [68]
since the M changes, the image of history changes continually NB.
7 [69]
One praises and criticizes according to a pattern (calls moral or immoral). Before that comes the submission to a pattern. Powerful is the one who has power over us, and who praises and criticizes according to his will, the pattern, it costs the least invention and spirit. Therefore: the individuals who set themselves as a goal first established the patterns. Morality, i.e., "a pattern outside," existed only for the weaker ones.
7 [70]
I only want to deal with people who have their own pattern and do not see it in me. For this would make me responsible for them and a slave.
7 [71]
Do not assume a false necessity—that would mean submitting oneself uselessly and would be slavish—hence knowledge of nature!— But then do not want anything against necessity! It would mean wasting strength and withdrawing from our ideal, moreover wanting disappointment instead of success—NB.
7 [72]
I have searched the M and not found my ideal among them.
7 [73]
To be moral means to set a goal and to logically deduce all our actions from it. But our nature has neither this goal, nor does it have this same logic! Therefore, morality amounts to deceiving ourselves about nature, i.e., letting it guide us while pretending to ourselves as if we were guiding it.
7 [74]
“The necessity of the uncertain for us: the heart should beat, the muscles tremble with anticipated activity. All questions resolved except one, all would cling to this one point like wasps”
7 [75]
How a drive, depending on whether it is praised or blamed, is perceived as good or evil, to show (among Greeks, among ascetic Christians, in Christian marriage, etc.) at love
All idealization of a drive begins with counting it among the praiseworthy things. Hint for the future?? NB
To improve envy, hatred, thereby. Note how differently compassion has become.
7 [76]
The animals have a sense of power i.e. cruelty, and happiness of submission i.e. rest inertia NB.
7 [77]
The Romans called vanity honestas and praised it highly!
7 [78]
Apparently everything is now much safer, the world much more solid (because of the many strictly proven truths). But formerly one believed more in error than now in truth: we are infinitely more cautious, skeptical and consequently under certain circumstances more fantastic than formerly. We can dream quite different dreams than the earlier ones!
7 [79]
Influence of flying!—no longer in the plains! On the style itself!
7 [80]
Universal contempt for the world: all satisfaction here rejected or bitterly resented—thus all desire for satisfaction is channeled into one outlet: life beyond the world!
7 [81]
I never tire of Gil Blas: I breathe a sigh of relief, no sentimentality, no rhetoric as in Shakespeare.
7 [82]
If we turn away in disgust from the insoluble task of moral autonomy and the untenable task of morality as a universal law, towards the knowledge of nature: immediately the problem of duty confronts us again: our stance towards things is a moral one, if we truly want to know them: thus an untenable one in the long run! but we can deceive ourselves about this for a long time. We will instinctively turn away from the highest problems, and linger where the deception of a morality-free knowledge is easy (we use a morality that has become natural to us, as if it were something natural and extramoral!)
7 [83]
The principle “the welfare of the majority takes precedence over the welfare of the individual” is sufficient to make humanity regress all the way back to the lowest animal state. For the opposite (“the individual more valuable than the mass”) has elevated it.
7 [84]
The moral judgments about actions decide on their morality: this is something relatively external. Seen from within, actions are different from good or evil. However, moral judgments can determine us to actions and influence their execution, like an omnipresent police that also does not do the actions over which it watches. Entire categories of actions can thereby die out: moral judgment belongs under the question of the expedient—have moral judgments been in the interest of human development so far? Which have not? Is the rejection of moral judgment not a disadvantage to humanity? But so far, belief in moral judgment has been there for it!
7 [85]
The life for others an infinitely pleasant recreation for the strongly egoistic people (this includes also the moral self-tormentors)
7 [86]
passion for details NB.
7 [87]
Stendhal: the “good taste,” how one dies, kills a rival, goes bankrupt, etc. in the time of Mad. d’Épinay.
7 [88]
Antiquity acted as a charming compulsion on the exuberant energy of Renaissance people. One submitted to the style, one felt the conquered difficulty of not being natural, it was the behavior of strong men who are against themselves, proud and domineering. Not to be confused with the cowardly slave mentality of anxious scholars!
7 [89]
“il faut être comme un autre” once revered and productive, now despised and degrading for the one who feels that way.
7 [90]
To write something that will have lost all meaning in a few years—that has become impossible for me to imagine. It is probably a sign of narrow-mindedness. For everything that I myself outlive still seems important to me as a monument to a state that was valuable to me. I wish my old age to be surrounded by such monuments.
7 [91]
I am passionate about independence, I sacrifice everything for it—probably because I have the most dependent soul and am tormented by the smallest strings more than others are by chains.
7 [92]
The aversion to strength, deep seriousness, and the appearance of goodness is modern. Consequently, we Germans and I are antique. So 278 St Peint
7 [93]
A king who abdicated his throne and lived in full poverty as a sage; a people's leader who sacrificed his realm, etc.
7 [94]
The Germans are comfortable and therefore like to take a pattern, it saves thinking.
7 [95]
The refinement of everyday habits. Earlier with the priest in part, his gait, his raising of hands, his voice. Then at court: the pleasure of controlling oneself and not letting one's feelings show (or wrapped in a silken fabric) became great.— But what does refinement mean now, serving the ideal! Which ideal? Immediately we must have an ideal! And where to take it and not steal!— Mine is: an independence that does not offend the eye, a tempered and disguised pride, a pride that pays back to others by not competing for their honors and pleasures and enduring mockery. This shall refine my habits: never vulgar and always affable, not covetous but always calmly striving and soaring upward; simple, yes, frugal toward myself, but gentle toward others.
A light sleep, a free and calm gait, no alcohol, no princes, nor other celebrities, no women and newspapers, no honors, no company except that of the highest spirits and occasionally the lower classes—this is indispensable, like the sight of powerful and healthy vegetation—the simplest foods, which do not bring us into the crowd of greedy and smacking servants, preferably self-prepared or not lacking in preparation.Ideals of this kind are the anticipatory hopes of our drives, nothing more. As surely as we have drives, they also spread a kind of schema of ourselves in our imagination, how we should be, to properly satisfy our drives—this is idealizing. Even the scoundrel has his ideal: not exactly edifying for us. It elevates him! also!
7 [96]
How everything has shifted! This Epictetus only thought of himself—now one would almost deny him the predicate “moral,” in the usual glorification of thinking of others. But it is true: if you have such an ugly or boring object in yourself, then do think of others! Altruism is then very pleasant.— Devotion, getting rid of the “I.” It seems that people have little joy in themselves if they look away from themselves like this and value that as the best. Whether one is more useful by helping others (though always very superficially or tyrannically-transforming) or by shaping oneself into something that others like to see, a beautiful, calm, self-contained garden—I do not know.— But one wants to take all danger out of life, and everyone should help with that!
7 [97]
Telling workers to save money etc. is foolish. One should teach them to enjoy life, to need little, to be cheerful, to burden themselves as little as possible (with wife and child), not to drink, in short to be philosophical and to reduce work as far as it sustains them, to mock everything, to be cynical and Epicurean. Philosophy belongs in these circles.
7 [98]
For the arts, a state of wildness and struggling individuals is better than all-too-great security—
7 [99]
The ridiculous has no duration. Molière's contemporaries laughed their bitter laugh when they saw someone fail in imitating the model.
7 [100]
The astonishing ugliness of American life (in all of Bret Harte’s novellas), but they can laugh and there is naïveté and abandon in everything. Even villainy takes on such a complete form, and the proximity of wildness, revolver shots, and the navy gives a vigorous breath.
7 [101]
The Greek virtues are ideals of people who have too much of the opposite—they fantasize and exaggerate about the value of moderation, wisdom, justice, courage. The people who embody this ideal (Epictetus) are not prefigured in their gods, but rather their opposite!
The Greek virtue became a matter of 's, one was envious of each other. The immobility as an ideal: in the time when one had already become too sensitive and the sufferings and upheavals too great (time of Thucydides). To become a statue: while the tragedians had made the statue (of the god or hero) become human.
7 [102]
It is my diligence and my idleness, my overcoming and my lingering, my courage and my trembling, it is my sunlight and my lightning from dark cloudy skies, it is my soul and also my spirit, my heavy serious granite self, which can again say to itself “what does it matter to me!”
7 [103]
An interest in things ("The Widow of Her Son") and not in the allure of things makes the thinker of the first rank, i.e., certainly the allure of things for other things = relation, but not the one to humans or even to the individual.
7 [104]
The noble appearance arises because the body, over several generations, had leisure to move in accordance with all the demands of pride: not, therefore, compelled and accustomed by the movements of a trade or to command common journeymen to produce common and degrading gestures or tones: common, i.e., not suited to our individual and their pride. If pride went very high, into the spiritual, then English majesty arises, kindness and greatness mixed: for the highest pride bends paternally and kindly toward others and understands itself only as ruling and caring.— Our political parvenus lack precisely this: one does not believe in their natural, innate ruling and caring for others.
7 [105]
Strange! I am dominated at every moment by the thought that my story is not just a personal one, that I am doing something for many people if I live and shape and record myself in this way: it is always as if I were a multitude, and I speak to it in a familiar-serious-comforting manner.
7 [106]
All these saints are egoists, and how could one not be when threatened with hell! It goes beyond all strength and all reason to think of others in such a situation! In Pascal, the deepest egoism: all ecstasies are as well.
7 [107]
This party has the good will to exaltation and expansion even more than the strength: otherwise it would conversely strive to restrain this terrible urge and suffer from it.
7 [108]
The trading class—it knows how to appraise everything without making it, i.e., it understands the needs of the consumer, thus not its own—has in this a schema for its kind of culture: everywhere demand and supply and accordingly the value of things and people! This makes it repulsive to me!
7 [109]
A patient's awareness of their illness (and of the public opinion it arouses) has completely changed (especially in the case of the mentally ill) and consequently many effects of the illness as well.
7 [110]
The Greeks did not appeal to the pity of the gods, but to their gratitude or promised something. The wretched role of the beggar before the gods was not decent.
7 [111]
Signs of the next century: 1) the entry of the Russians into culture. A grand goal. Proximity to barbarism, awakening of the arts. Generosity of youth and fantastic madness and real willpower. 2) the Socialists.
Also real drives and willpower. Association. Unheard-of influence of individuals. The ideal of the poor sage is possible here. Fiery conspirators and fantasists as well as great souls find their equals.— A time of wildness and rejuvenation of strength is coming.
3) the religious forces could still be strong enough for an atheistic religion à la Buddha, which would disregard the differences between confessions, and science would have nothing against a new ideal. But universal love of humanity will not be it! A new human being must emerge.— I myself am far from it and do not wish it! but it is probable.the individual sacrifice on a mass scale among Socialists and others produces a unifying expression: magnanimity! and the cold commercial prudence will have its reaction in an absolute contempt for prudence and respectability: consequently a great deal of folly.
7 [112]
“Bossuet, a hypocrite full of talent, who in the presence of Louis XIV had a secret delight in debasing all kinds of spirits, of which he was so vain.” From Stendhal.
7 [113]
Impression of the English on the enthusiastic Germans!!
7 [114]
“The time that the cold person needs to see such truths (the distinguishing feature of the other rival, etc.) the genius uses to prepare his successes.” NB.
7 [115]
Ah, I am tired of having opinions about opinions or even hearing them! I want to have my own sense of right and wrong about things.
7 [116]
Understanding, as far as it is possible for each individual—that is, allowing a matter to be as precisely delineated for us as possible, so that our form is determined at the boundary and we become fully aware of how pleasant or unpleasant this determination makes us feel. Thus, we must ask our drives what they have to say about a matter! In contrast, behaving without drives and without pleasure or displeasure, with an artificial anesthesia—this cannot yield understanding; rather, we then grasp the phenomenon with whatever remnant of drives is not yet dead, i.e., as faintly and shallowly as possible. However, we can sometimes interrogate our drives one after another about the same matter: comparing the judgments—for example, about a woman, a friend.
7 [117]
I find no joy in anything—so I begin to write a book to my own heart's content.
7 [118]
(to page previous) general military proficiency, the higher appreciation of strength.
7 [119]
To stifle civil courage was the task of Richelieu and L 14 (Stendhal)
7 [120]
The furia francese breaks out, once vanity is overcome and by the heat of the blood: sublime madnesses. Stendhal.
7 [121]
Suppuration, fermentation, and excretion—disgusting and repulsive—these sensations have, through symbolism, also aroused people and actions. Thus arose the concept of “low,” i.e., disgusting—moral foundation!
Then the light is despised—again an occasion to distinguish higher and lower! The strong and the weak, then the sudden and the everyday, etc. The animalistic, etc. In all these distinctions of sensation with regard to actions, the actual relevance to the preservation of life, the strict causality, has been completely disregarded: thus the actual meaning of an action! Rather, according to secondary viewpoints (“pleasant” in various kinds) NB.
7 [122]
We do not live for knowledge for the sake of a goal, but for the astonishing and frequent pleasures in seeking and finding it.
7 [123]
I believe I imagine the joy of wisdom and justice too highly—like the Greeks. I am enchanted by everything that beckons toward it—probably because I am very passionate!— I am extremely distrustful of the eloquent admirers of passion—I suspect they would like to put on a show.— The Greeks lived only in danger: they revered in strength, the calm of justice their recovery, their breathing space, their feast. They did not want emotion anymore—only in tragedy, that of pity (because they were usually hard).
7 [124]
A health full of incomprehensible sudden reversals and trapdoors—maintaining a deep mistrust, and every happy hour with an intentional lightheartedness and closing one's eyes to the future—otherwise happiness is not possible
7 [125]
Faust and Hamlet are thinkers with whom German philosophers engage!!
7 [126]
This path is so dangerous! I must not call myself, like a sleepwalker who strolls on the roofs, has a sacred right not to be named. “What does it matter to me!” this is the only comforting voice I want to hear.
7 [127]
On the Preface. What have I done? I have provided for my old age: for the time when the soul no longer undertakes anything new, recording the history of its adventures and voyages. Just as I save music for the time when I am blind.
7 [128]
I do not like to associate with people because I cannot see their faces, and without that, their speech seems suspicious or incomprehensible to me, or—I speak alone, which afterward fills me with shame.
7 [129]
The Christian (especially the idle one!) on the hunt for his sins—only to relive the grand drama of despair and grace. A scarcely beautiful way to entertain oneself, and whatever may become of the world—“eternal salvation” takes precedence over all.
7 [130]
The adoration of: one knew each other too well to know how wild and tyrannical one could be, as soon as the; ceases: the revelation of the Korkyraean soul. One worships the cities, justice, the good, pleasure as the result of civil peace. The proximity of the volcano made the ancients precisely here so exalted and sensitive.
7 [131]
Thucydides and Sophocles representatives of the sophistic culture.
7 [132]
The craving to stake one's life on something will awaken as soon as there are things that correspond to this thirst.
7 [133]
Never hold back anything that can be said against you! Promise yourself! NB
7 [134]
“No thing is worthy of the effort one puts into obtaining it.” Stendhal
7 [135]
A woman with a great soul and a spirit not unworthy of her, strong enough to fly and fine enough to crawl through the eye of a needle —
7 [136]
Who would still uphold Lessing's equally precocious and superstitious education of humanity today!
7 [137]
Bavarian, yearning for M, vengeful against sociability and its laws, now deep despair, now sudden drunkenness, hidden, tyrannical and overly strict towards his peers, stingy with his attention, always driven, without time for leisure, without knowledge of his amiability, without love and mercy for himself, glowing in his works and striking his marble with the hammer like an enemy, never an actor and so honest in his good as in his evil glances.
7 [138]
The impersonality of thinking is overrated! Yes, for the strongest natures the opposite is true! But thus one has made a bridge to morality!!
7 [139]
You will not become Don Juans of knowledge because you do not have enough consistency and character.
7 [140]
“There is no help for it: to feel the perfect calm of ancient sculpture, one must be chaste. One must be able to paint passion in all its violence in order to represent that calm.” Stendhal
7 [141]
I hate the fame that only brings love of women, reputation, wealth, happiness. I want not to be wise, moderate, wise! Lonely, wild
7 [142]
“Should one measure life by the length of foolish days? Or by the number of strong joys?”
7 [143]
“How the passions paint when one knows them! And how to find time for talent when one feels it in the heartbeat!”
7 [144]
And God smelled the sweet fragrance.
7 [145]
“In others we can only appreciate ourselves. The judgments of great artists about the works of their rivals are only commentaries on their own style.” Stendhal
7 [146]
One must learn to take one's hand from his work.
7 [147]
Has humanity the same procedure as the Greek artists, who, in order to express a god, took away the all-too-human aspects of muscles, etc., from their statues? Removed all the Details? Is the great man a man whose details are thought away, by virtue of the compelling deifying power of his Whole? Has virtue thus arisen by turning away the microscope of the gaze, thus seeing dishonestly? Has divinity thus been formed by man, by his always overlooking more of the human?
7 [148]
“The four lines, the sketch of the drawing is the first in the invention of the great; the good workers, on the other hand, immediately make the details.” Stendhal
7 [149]
“Ancient pain was weaker than ours” Stendhal
7 [150]
As long as you find beauty in Apollo, you must seek the corresponding morality: that beauty does not fit with the Christian one!
7 [151]
Lord Byron Rousseau Richard Wagner were the only object of their own attention—“this bad habit is the leprosy of civilization” says Stendhal.
“As a result, he exaggerated his sufferings.”
“Always occupied with himself and the impression he made on others.” “He did not know how to transform himself into another, the least dramatic author.”
7 [152]
Byron's pangs of conscience were yet another affectation, they set the fashion.
7 [153]
Not to be ashamed of oneself, like the figures of W. Scott. Stendhal. This is Christian and very strongly inherited!
7 [154]
It is not possible to live outside of morality: but for the one who recognizes, morality is impossible. Morality as a regulative in the behavior of drives toward one another. But where should this come from! In the end, it can only be inspired by a drive that has the upper hand! And who can discover this! (Pride, etc.) From the recognized nature, we can take no impulse. NB.
7 [155]
Take the next small thing strictly and greatly promote the person in the bodily—see what kind of ethics then grows in him—wait! the ethical needs must fit us to a T!— But the athletes!
7 [156]
I can barely remember the time when I had pangs of conscience. Between my dreaming and my waking there is almost equilibrium: only that my follies appear in the actions of dreams and more in the thoughts of the day—but in the same manner. I also think a lot in dreams, and not much more sensibly than now.
7 [157]
“Time heals all sorrow”: time does nothing at all. Rather, it is the satisfaction of many drives that gradually occur and bring forgetfulness—this is Epicurus’ remedy for great pains: to surrender to pleasures (the boar hunt in Pascal after the death of a son). Even the “consolations of religion and philosophy” belong among these distracting pleasures: their value lies above all in the occupations with them and the reflection, etc.
7 [158]
The idea that something terrible is chained to us colors all sensations. Or: being a banished god, or atoning for debts from earlier times. All these terrible secrets around us—made us very interesting to ourselves! but entirely egoistically! One could and was allowed not to look away from oneself! Losing the passionate interest in ourselves and turning the passion outward, toward things (science) is now possible. What does it matter about me! Pascal could not have said that.
7 [159]
I want to bring it to the point where it requires the heroic mood to devote oneself to science! NB
7 [160]
“de l’amour” symbolic!
7 [161]
To be able to force empathy—is that the punishment of the power-hungry? of the cruel? Stendhal. Or is the desire for empathy, conversely, a longing of power-lust? —
7 [162]
You get used to the great unrest of life, to the head- and soul-devouring diligence, to the numbness. In the end, you think it is not possible to live differently—you are simply used to it and bear your yoke! It is possible differently.
7 [163]
Solitude, much free nature
Simplicity and affordability
Health
Rare and more select attempts in reading and in friendship
No senseless diligence
Time and mood for elevations of the heart
7 [164]
Dedicate your best in strength and time to your best! Nothing better can be forced!
7 [165]
Someone has piped to me about the quiet happiness of knowledge—but I did not find it, yes, I despise it, now that I know the bliss of the unhappiness of knowledge. Am I ever bored? Always in worry, always a heart-pounding of expectation or disappointment! I bless this misery, the world is rich because of it! I take the slowest step and savor these bitter sweetnesses.
I want no more knowledge without danger: let there always be the treacherous sea, or the merciless high mountains around the researcher.
7 [166]
I never want to challenge you to contradict: rather: help me shape the problem! As soon as you feel against me, you do not understand my condition and consequently my arguments! You must be the victim of the same passion!
7 [167]
Health announces itself 1) through a thought with a wide horizon 2) through reconciling, comforting, forgiving feelings 3) through a melancholic laugh about the nightmare with which we have wrestled.
7 [168]
— taking everything all too personally, darkness, bad path, wretched lodging for the wanderer and the entire eternal wanderer-misery of mankind!!!
7 [169]
Our passions are the vegetation that immediately begins to reclothe the naked rocks of facts. The eternal game!
7 [170]
Neither good nor evil!!!
7 [171]
Yes, we are perishing from this passion! But it is no argument against it. Otherwise, death would be an argument against the life of the individual. We must perish, as humans and as humanity! Christianity showed one way, through extinction and renunciation of all crude drives. We come to the same end through renunciation of action, of hating, of loving, along the path of the passion for knowledge. Peaceful spectators—until there is nothing left to see! Despise us for it, you who act! We will gaze upon your contempt—: free from ourselves, from humanity, from thinghood, from becoming—
7 [172]
I meant that knowledge kills strength, instinct, that it does not allow action to grow from itself. It is true only that initially, new knowledge has no practiced mechanism at its disposal, even less a pleasant passionate habit! But all of that can grow! even if it means waiting for trees that a later generation will pluck—not us! That is the resignation of the knowing! He has become poorer and weaker, more clumsy in action, as if robbed of his limbs—he has become a seer and blind and deaf!
7 [173]
Even those who enjoy want to admire their morality (their courage, their diligence) in the process: that is why the heavy authors, the artificial poets and musicians have so much study, so much admiration! Marini. With the naive style, the highest in art, one must not make this pretension, everyone thinks it is easy to understand Raphael, and therefore even the one who knows that this is not the case will not approach it with such heroic zeal: the grateful spectators for his spectacle are missing!
7 [174]
Your soul is not strong enough to carry so many trivialities of knowledge, so much that is petty and lowly, up to the heights! So you must deceive yourselves about things, lest you lose your sense of power and greatness! Pascal and I are different.— I do not need to divest myself of the small, wretched details—I have no desire to make a god of myself.
7 [175]
Jewish—a religion of terror, of contempt, and occasionally of grace (like the old patriarchs)
Greek—a religion of joy in strength, in one's own perfection, occasionally a religion of envy toward those who aspire too high (Agamemnon Achilles)
7 [176]
“Insane” such an uncertain boundary, like good and beautiful! or “ridiculous” and “shameful”
7 [177]
The honesty of the great men of faith proves itself only through the terrible desolation of their doubt about themselves: where this is not visible, they are madmen or actors.
7 [178]
Let us trust our instincts, they will create ideals again! as love does all the time. And then: from time to time, suppress an instinct through pride—immediately all the others take on a new color. The game can be continued for a long time, like sunshine and night.
7 [179]
Science can indeed only show, not command (but if the general command is given "in which direction?" then it can specify the means) the general command of direction it cannot give! It is photography. But it requires creative artists: these are the drives!
7 [180]
I give in to my inclination for solitude, I cannot do otherwise: “whether I need it or not”—as people say. But I do need it. I exile myself.
7 [181]
That sudden hatred for what I loved. That shyness and that “what do I matter”!
7 [182]
I thought Mozart was cheerful—how deeply melancholic I must be! Hence my longing!! for brightness, purity, cheerfulness, adornment, sobriety, my hope that all this will be given to me by science! it!
7 [183]
Now the French and Italians are imitating the Germans in their violent and consciously ugly music—these are the necessary contrasting colors to make one guess at the most sublime heavenly charms and revelations of paradisiacal magic in tones: the physical torment of the ear must not have been slight beforehand—and only after purgatory does one have the right taste for heaven. The ancients did not know this! They demanded that one who wanted to listen to music be in love or, better yet, passionate! Now the best preparatory state is considered to be: despair, world-weariness. Numb from eternal misery and to all misery, we let the torment pass over us—and are unspeakably grateful to find ourselves moved and shaken afterward! Compassion for ourselves and all sufferers is the happiness that this music promises.
7 [184]
Pascal's self-deception: he already starts from a Christian predisposition. The "evil lusts"! The significance of death! Let us think of death as we do of death in animals—then the matter is not so terrible. Condemned to death—this is not so bad in itself: only in the case of the criminal does it evoke such terrible feelings in us, because of the disgrace. Pascal was not careful enough, he wanted to prove!—the seductive art of Christianity.
7 [185]
Christianity has exaggerated the evils of the human condition, i.e. it first created them. Pascal goes even further.
7 [186]
The Proud and Independent feels deeply embittered at the thought of pity: "rather hated than pitied."
7 [187]
One should not think that health is a fixed goal: what has Christianity preferred sickness and with good reasons! Healthy is almost a concept like “beautiful” “good”—highly variable! For the feeling-well arises as a result of long habit in opposite states of the body!
7 [188]
Alcohol: the Germans, who have now become shamelessly greedy for money, prefer politics over work, and are slaves to national arrogance—three sources of stupidity
7 [189]
I have not met any people who inspire such awe as the Greek philosophers.
7 [190]
Pascal’s Passion wants to prove itself as necessary for everyone, as the only necessary thing to prove.
7 [191]
I bear the contempt of Pascal and the curse of Schopenhauer! And can one be more devoted to them than I am! Of course, with that devotion of a friend who remains honest in order to stay a friend and not become a lover and a fool!
7 [192]
They are aphorisms! Are they aphorisms?—let those who reproach me for it think a little and then excuse themselves to themselves—I need no word for myself
7 [193]
Joy in beautiful gardens and houses, that there are people who have lasting love for this kind of thing and that I do not have these gardens and houses—double joy!
7 [194]
The beautiful—by this the Americans now understand the quietly moving. It is opposed to the businesslike seriousness and the practical consideration of consequences, the dryness and the passion of hunting, gaining, and reflecting
7 [195]
The Germans believe that strength must manifest itself in hardness and cruelty, and they then gladly submit with admiration: they rid themselves of their compassionate weakness, their sensitivity to all suffering at once, and reverently enjoy the terror. That there is strength in gentleness and quiet, they do not easily believe. They find Goethe lacking in strength and think Beethoven has more: and in this they are wrong!!
7 [196]
The followers of Wagner want to make people believe in their capacity for exaltation and expansion—in a sober age, no small ambition! But it is not a sober one: so they must exceed!
7 [197]
The drive for knowledge is still young and raw and consequently, compared to the older and more richly developed drives, ugly and offensive: all of them have been at some point! But I want to treat it as a passion and as something with which the individual soul can step aside in order to look back at the world helpfully and reconcilingly: for the time being, world-renunciation is again necessary, but not an ascetic one!
7 [198]
Age of Louis XIV: the magic of a subjugation to an artificial form felt by strong souls, as they were then (they were full of hatred and envy towards one another and were not allowed to show it. They had a pleasure in revenge at this constraint of the poet and his heroes, being barely allowed to express their feelings. The “natural” would have outraged them: what then would their unnaturalness be worth! Above all, not peuple!): this is hard to enjoy now! Different with the Greeks! who were very attached to custom and highly cautious towards innovation (but also had the finest palate for every small innovative touch!)
7 [199]
What do Wagner's followers call a "musical human"? And what others and formerly! Almost opposites! So be careful!
7 [200]
What I miss about myself: that deep interest in myself. I too readily step outside of myself and too easily concede to everything around me. I quickly grow tired when trying to take myself seriously. I have never deeply reflected on myself.
7 [201]
The Germans have had the word “Leidenschaft” for barely a hundred years—they copied it from Greek, a translator found it. —
7 [202]
Deep yellow of the buildings and the black green of the cypresses above— a monastery, and invalid soldiers inside.
7 [203]
We seek the situations that strain our strength to the utmost: but these are often opposites: one seeks solitude and strives to escape from the mouths of men. And another presents himself to a nation and feels most driven by the idea that it wants to worship itself in him—he cannot elevate it highly enough. A third wants to please his beloved, and since he considers her something incomparable, he never does enough for himself.— Others seek the situations that allow them to be idle.
7 [204]
I hate those vulgar people who, as soon as we have approached them, lay their clumsy domineering hands upon us, as if we were mere tools and instruments for their use. The very presumption that they now believe they know us well enough to pass judgment is an impertinence of the worst taste. It is the manner of intellectual parvenus; the noble nature is not in their essence.
they have no conception of the condescension that is necessary for us to bestow honor and distinction upon them, whoever they may be
7 [205]
To the Plan.
An image of Hellenism as the era that produced the most individualities. Its survival in the Renaissance!
Polemic against medieval, courtly, liberal-parliamentary, socialist. I see the socialist bodies forming, inevitably! Let us ensure that the heads for these bodies also begin to sprout! Those organizations form the future slave class, with all their leaders—but above them rises an aristocracy perhaps of hermits! It is the time of the scholar over, who lives and believes like all others (as a tool of the churches, the courts, the commercial parties, etc.)!The great heroism is needed again!
The only conquering power of great style is Russia (without this will to conquer, states are castrated! It is necessary to direct excess strength outward!) Consequently, it will force Europe to unite. But socialism is seized by the ultimate disgust of this endless state of war and bridges the feuds between peoples and dynasties! We are heading towards wilder times! This is an advantage, for this over-nervous present is worth nothing anymore, a cleansing of hyper-Christian-moralistic is needed, a going-to-ground and becoming-powerless of the elegant, weak, and pampered, etc.!
7 [206]
Of the will to power, hardly anyone dares to speak anymore: how different it was in Athens!
7 [207]
What drove the ancients to become Stoics (since no hellish punishments, no contempt for humanity, no divine holiness made renunciation necessary for them)? The terrible possibility of great sudden suffering, and the terrible power of their passions—they suffered from themselves and from the world of uncertainty (slave and Caesar!). Then ambition, to be the first in virtue—envy. It was a means to be noticed and called upon as a comforter even in the courts.
7 [208]
Pascal promises, in the secret sheet, to "even sacrifice his revenge to God."
7 [209]
Ignorant people, who have seen nothing else, make their habits for their environment a compulsion, a law—thus the young grow up in veneration against it—and it is the new: thus custom becomes “moral.”
7 [210]
Every passion (in the historical course) so highly cultivate, until it shows its individual bloom. NB.
7 [211]
We have it in our hands to cultivate our temperament like a garden. Plant experiences, remove others: found a beautiful quiet avenue of friendship, be conscious of discreet views of fame,—keep accesses to all these good corners of his garden ready, so that it does not fail us when we need it!
7 [212]
The intellectual magnanimity consists in breaking the thirst for absolute validity and for eternal things through the insight into relativity and love for the short-lived and the changing (instead of contempt for it). A piece of cruelty.
7 [213]
It is mythology to believe that we will find our true self after we have left or forgotten this and that. Thus we unravel ourselves back to infinity: but to make ourselves, to shape a form from all elements—is the task! Always that of a sculptor! Of a productive person! Not through knowledge, but through practice and an example do we become ourselves! Knowledge has at best the value of a means!
7 [214]
Apollo and the morality of moderation belong together: whoever found Wagner’s ideal beauty would have to make it swollen, gigantic, and nervous.
7 [215]
The moral delicacy and the high taste in the stories of Jesus may perhaps not be appreciated by us because we have been inoculated with the idea that here is the highest taste of the good. What would Aristotle feel! What Buddha!
7 [216]
The Germans surrender to impressions without a fight, out of weakness—hence a religion of pity has so little value among them, because it flatters their general weakness instead of resisting it. It was Kant who, with his categorical imperative, was useful to the Germans. That weakness has now found its most striking expression in music—the soul’s endless wandering in search of emotions, the utmost nervousness as a consequence. We suffer from it afterward. And what seasonings such a sensitive race requires! the coarsest! it is the race of drunkards! Perhaps this drinking has made them so weak and sentimental.— Praise of soldiering, opposed to artistry and its craving for flattery.
7 [217]
Limiting the M to an eternal ideal—Stoicism, Christianity, Kant, Comte—that is the still not deceased classicism. Absolute morality!
7 [218]
I do not perform a pleasant action because its purpose, its end, brings a pleasant sensation with it: it is not a means to this end. Rather, the pleasant has so penetrated it that it is immediately, not only at the end, pleasant. With purposes, we humans make ourselves more reasonable than we are! “Why do we like this food? Quem in finem?” No answer!— Wherever our instincts speak, the “purpose” is a grandiosity!
7 [219]
Haven't you experienced it? one does one's utmost in self-overcoming and emerges like a half corpse but triumphant from one's grave—and the good friends think we are in a rather merry and peculiar mood, notice nothing, but think they have a right to make their jokes with us? I believe the disciples in Gethsemane did not sleep, but they lay in the grass and played cards and laughed
7 [220]
Why do we take pleasure in the most difficult and painful kind of creation and art form? Why are we ashamed of every shallow and lighter one? It is pride, conquered difficulty, the will to become a hero before ourselves!
7 [221]
There is a Christian element in the Old Testament—one understands the emergence of the God of love!
7 [222]
Socrates’ skepticism regarding all knowledge of morality is still the greatest event—one has beaten it out of one’s mind.
7 [223]
What then is the real difference between the good and the bad with regard to their common drives? The bad person feels his judgment about good and evil as the same as that of his environment and does evil while feeling shame before the judgment of others and before himself—contradiction in knowledge and action. Or he pretends to be good in order to have these advantages and secretly the advantages of evil.— All this is nothing! what makes his nervous system different, that he endures this contradiction or seeks it out?
7 [224]
Love for the brood is nothing simple! as one believes! but rather a product, possession, entertainment, something harmless, something submissive, over which one rules, something warm—many reasons for pleasure!
7 [225]
Our securing of the next through social measures proves not more compassion, but more caution and coldness.
7 [226]
The sight of the world becomes bearable only when we see it through the gentle smoke of the fire of pleasant passions, sometimes hidden as an object of guessing, sometimes diminished and shortened, sometimes indistinct, but always ennobled. Without our passions, the world is number and line and law and nonsense in all of it the most repulsive and presumptuous paradox.
7 [227]
“We never get to the core of things”: I say, we never reach the last fringe of our passions and at most see beyond one by means of the other.
7 [228]
For Racine, nobly indulging in passions was already an excess; one must read him with Port Royal in the background.
7 [229]
I enjoy the American laughter, this kind of rough sailors like Marc Twain. I could no longer laugh about anything German.
7 [230]
“Classicism of morality” still prevails. To follow one’s feeling here: that is what the adherents of the 3 unities also did.
7 [231]
The moral phenomena go through the history of diseases: first something from outside, effects of supernatural powers. Then entirely human, but something in itself, the “Moral.” Finally, one recognizes that they are processes just as imprecisely designated as diseases (about which everyone has their opinion, and the most intelligent distinguishes themselves by remaining silent)—that the time of great skepticism has arrived! There is nothing “Moral in itself”: they are opinions produced by drives and in turn influencing these drives.
7 [232]
“raised in alleged philosophical systems, which are something like dark and poorly written poetry, but in moral terms of the highest and most sacred sublimity. They have not inherited from the Middle Ages republicanism, distrust, and the dagger thrust, but a strong inclination towards enthusiasm and good faith. For this, they need a new great man every 10 years who obliterates all others, not.”
7 [233]
Pascal's main error: he believes to prove that Christianity is true because it is necessary—this presupposes that a good and true providence exists, which makes everything necessary also true: but there could be necessary errors! And finally! The necessity could only appear so because one has become so accustomed to the error that it has become like a 2nd nature, imperiously.
7 [234]
Pascal’s condition is a passion, and has all the signs and consequences of happiness, misery, and deepest lasting seriousness. That is why it is actually laughable to see him so proudly opposed to passion—it is a kind of love that scorns all others and pities people for lacking it.
7 [235]
What are friends to me who do not know where our burdens lie and where our lightness lies! There are hours when we weigh our friendships.
7 [236]
One grows older, it is hard for me to be convinced by a region, no matter how famous its names. I have seen flawed lines in Sorrento. The chlorotic beauty of Lake Maggiore in late autumn, which spiritualizes all lines and makes the region half a vision, does not enchant me, but speaks familiarly-sad to me—I know such things not only from nature.
7 [237]
I must speak to things, I have been alone and without dialogue for too long; I want to flatter them and say good things about them.
7 [238]
Character traits of the Germans 1) they exalt themselves through meditation, instead of calming themselves 2) they die of desire to have a character. Stendhal
7 [239]
The hope had a different appearance for the ancients than for us—Hesiod. Likewise envy. Among other peoples, lying has a reputation (e.g., still with Napoleon). The ability to drink is often honorable among Germans.
7 [240]
For Aeschylus, woman in passion was something abominable and monstrous, like the creatures of the sea—something unshowable.
7 [241]
Judgments about Mozart shift with the development of music, i.e., they concern his character and temperament—these seem to change due to new perspectives and the contrasts he continually receives. A hint for artists and thinkers of all kinds! The most capable judges are individual contemporaries who have struggled alongside and rejoiced with everything the great creator has given.
7 [242]
Plato has depicted the drive for knowledge as an idealized aphrodisiac drive: always after the beautiful! The highest beauty reveals itself to the thinker! This is indeed a psychological fact: he must have had a sensual pleasure at the sight and thought of his generalities that reminded him of the aphrodisiac. —
7 [243]
The words remain and make fools of us, so that we name different things the same and later believe they are identical (e.g., ridiculum)
7 [244]
The emergence of the demarcation of moral actions from all other actions. Important! Going out to eat is not moral. Where does indifference end?
7 [245]
Contempt and respect have shaped things in the eyes of people, now this way, now that. The first makes them pale and wither, consequently causing the inclination towards them to die out and the imagination to become weary or poisonous in this area. The other does the opposite.
7 [246]
This naivety of all moralists now! they believe that feelings for others, the sympathetic ones, are in themselves moral! they do not notice that it is only a stage of culture that places these feelings at the forefront of esteem: others have placed others, even the opposite ones, at the forefront! "In themselves" moral!— One praises the compassionate, one reproaches the hard-hearted—just! Already the words are perceived with this connotation. And yet the Stoics would have praised the unyielding, merciless person, whom no sight impresses, and reproached the compassionate! And that was also a morality! which has achieved something greater than ours!
7 [247]
In England, one marvels at how liberal the highest sobriety makes one in matters of morality: Spencer, Stuart Mill. But ultimately, one does nothing but formulate one's moral feelings. It requires something entirely different: to actually feel differently once and then have the composure to analyze it! So, new inner experiences, my dear moralists!
7 [248]
Do I say “you” too often? But the things talk to me and I answer them, they have spoiled me.
7 [249]
The lack of nobility in the premises of Christianity 1) why did God's justice need a sacrifice? Christ's martyrdom was unnecessary except for a God of vengeance (who, moreover, accepts the substitute: without generosity!) 2) why is faith in Christ necessary if it is His will to help mankind! 3) why the deus absconditus!
7 [250]
the servile idealism of Gellert, the ecstatic Schiller, the life- and deed-hungry young Germany, the painterly-mystical Wagner, the idealism of the underworld shadows: the mine!
7 [251]
To invent sin and then the redeeming state is the most incomparable achievement of humanity. This tragedy makes the others very pale!
7 [252]
Let your life be separated from the country road by a high garden wall: and when the scent of roses drifts over from your gardens, someone's heart may once become yearning.
7 [253]
Have you never blushed when it crossed your mind that the thing to which you gave your heart was unworthy of it? And were you not immediately ashamed of your blushing and begged forgiveness from the beloved thing for your presumptuous pride?
7 [254]
Pascal does not have any useful love in mind, but only wasted love; it is all selfish private matters. That from this sum of activities a new generation is produced, with its passions, habits, and means (or lack of means) to satisfy them—he does not see. Always only the individual, not the emerging.
7 [255]
For many painters, beautiful was the expression of piety. And since a certain poverty of flesh, a painful posture was seen in the pious, these transferred the sensations of the beautiful precisely to these forms. A very long and strict habit would ultimately even mislead the sexual sense: it is very far from unconsciously pursuing purposefulness for the sake of what is to be produced.
7 [256]
To the plan.
Why has the need for a firm hold become so great? Because we have been taught to mistrust ourselves: i.e., because we are no longer allowed to have passion without a bad conscience! Through this slander of our nature, the drive for certainty outside ourselves has become so great: 1) religious path 2) scientific path 3) devotion to money, princes, parties, Christian sects, etc.: which we must take fanatically, thus must misunderstand, so that they may provide us with what we desire.
The Jews had this contempt for themselves and for humanity in general!Goal: 1) the world, no matter how securely established, is ultimately subject to an individual measurement: as long as we research, we can often exclude the individual: to what we ultimately find, there is always a subjective position! 2) we must think highly enough of ourselves to take a subjective position only toward real things, not toward phantoms! and rather endure doubt and the sea voyage than want certainty too quickly! 3) restore the honor of one's own soul!
7 [257]
As soon as you call upon the Christian faith or a metaphysics for help where a science ends, you deprive yourselves of the power of heroism: and your scientificity is deeply degraded! Your highest accent no longer belongs to you! You are cold and no longer moved, you sacrifice nothing! Hence the abominable sight of the “scholar”—he was without grandeur of ultimate intentions, he did not go to the end, but buckled there and threw himself into the hands of the church or the regiment or public opinion, or of poetry and music. He requires that renunciation—
7 [258]
One learns to speak, but one unlearns to chatter when one remains silent for a year.
7 [259]
Are you then ambitious for fame? I never believed it. But I notice that I find it unbearable not to be occupied and intertwined with what seems to me the most important thing in the world.— When I no longer believed this about art, I stepped aside very cooled, with a kind of hatred—it seemed to me a deceiver that wanted to take me away from the most important thing.
7 [260]
Pascal believed that the little Périer had been healed by the real voice of Christ cette voix sainte et terrible, qui étonne la nature et qui console l’église.
7 [261]
“the Demosthenes of passionate logic”
7 [262]
Comparison with Pascal: do we not also have our strength in self-conquest, like him? He for the sake of God, we for the sake of honesty? Admittedly: an ideal that tears people away from the world and from themselves creates the most incredible tensions, is a continuous self-contradiction in the deepest, a blissful resting above oneself, in the contempt of everything that is called "I". We are less embittered and also less full of revenge against the world, our strength at once is lesser, but we do not burn candles too quickly either, but rather have the strength of endurance.
7 [263]
Her pride was embittered by her shyness.
7 [264]
The big question, whether there is a circular movement in the Mhs-Cultur, small and larger? We in the first?
7 [265]
The magic of dialectics for a poetically impetuous and leaping soul like Plato's. The magic of the half-darkness in Christianity for Pascal's bright logical soul—this is hard to empathize with
7 [266]
The great moral natures arise in times of dissolution, as self-limiters. Signs of pride, they are the ruling natures (Heraclit Plato etc.) in a changed world, where they have only themselves to govern. Quite different is the morality of submission.
7 [267]
The pleasure of Molière’s society when someone reveals themselves and no longer deceives, when character betrays itself—the contempt at the same time for the one who does not know how to hold fast to their role—the deep understanding of all playacting in life, indeed the belief that the task is to be an actor and that everything ridiculous consists in an actor betraying themselves!
7 [268]
Naivety is not a German trait. But an old French one!
7 [269]
Aristotle: “in general, people do evil when they can.”
7 [270]
In inquisitional countries, the habitual sinner does not dare to abstain from the Eucharist, for fear of being denounced, excommunicated, suspected of heresy at the end of a year, and persecuted by the justice system—hence the most lenient casuists arose there.
If one was too strict, the purity of confession was eliminated and the confession itself rendered null—the powerful means of preserving the Church. (Even against themselves, the most rigorous people are the most deceitful)
The ostracism of virtue (of Jansenism)
7 [271]
To say: “it is God who does this in us” like Pascal, is not to annihilate man and put God in his place: rather, the grace he invokes is the highest exertion of human nature. God he calls what he feels as exalted and purer in himself.
7 [272]
“To withdraw the soul from the world, to make it die to itself, to bind it uniquely and unchangeably to God—this is only possible for an almighty hand.” Pascal
7 [273]
The great Condé Richelieu Pascal
Bossuet calls La Bruyère
7 [274]
Even in our victories over ourselves, a good part is due to chance: that is why we look with sharp criticism at the victorious virtuous and sometimes find the spirit of the same not at the height of their luck in moral tactics.
7 [275]
Napoleon the power-hungry gives the type of the Stoic, viewed from within; to carry out NB. the parts of his being that he has subjugated through seduction, he subsequently treats coldly and indifferently despotically.
7 [276]
“And all this freedom of vision is of no use?”
What? Is a telescope of no use?
7 [277]
The great beasts of vanity, which have the power to attack us, yet not to hold us.
7 [278]
Pascal against the Jesuits: that is Demosthenes against Philip: there one sees the deviation from the general interest of humanity!
7 [279]
I can no longer endure it in Germany; the spirit of pettiness and servitude permeates everything, down to the smallest town and village papers and up to the most esteemed artists and scholars—alongside a thoughtless insolence toward all independent people and nations. Moreover, one is hasty and anxious for the present, distrustful of the future, and reproachful toward one another, and beats the worries seemingly out of one's head with a pompous pretense of enjoyment.
7 [280]
There are really people who believe they have honored a thing by calling it German. It is the peak of national stupidity and impudence.
7 [281]
Our standards according to Christianity: after that unprecedented stretching of all muscles and forces under the highest pride, we are all condemned to represent the weaker as the weakest: unless we gain an unprecedented kind of masculinity that would know how to bear this state of human degradation even more proudly than Christianity. Can science not serve us here? We must counter the fantasy-effect of Christianity for the noble-minded natures with something surpassing—an renunciation and rigor!
7 [282]
The desire for peace not to misinterpret with Pascal! and that for movement!
7 [283]
Happy age of the Russians! Energy of will and transition to the arts!
7 [284]
If I can no longer bear the sight of a stranger's distress or fortune and act to remedy it, whether by removing myself or altering the stranger's fate (if even the thought of it torments me): then a similar process is at work. That another's happiness pains me, while for someone else its sight pleases: this would be a difference (as would the sight of another's independence). Pain: an expression that we feel our development hindered. We feel a force taken from us: likewise, other people at the sight of another's misfortune. Compassion makes us suffer, envy does the same: both are detrimental to us.Joy in others' misfortune and happiness is advantageous to us, a source of stronger development (N became cheerful when he found his court irritated by a new ceremony) The suffering other becomes embittered by our joy in his suffering and defames such a one: he as the source of judgment, of reproach and praise, he demands empathy, but he himself does not practice it, otherwise he would not reproach the one rejoicing in his suffering, but would rejoice with him (like those who laugh with themselves) i.e., through his practice he admits that the other has a right to be as he is, just as he has a right to be annoyed with him. It is unpleasant for others, “but not inherently reprehensible”!how everything bitter and painful in nature.
The one who feels happy and sees that the other suffers from it (as an envious person) does not demand that this change; he enjoys it, but he also enjoys it when the other rejoices with him, i.e., his happiness makes him willing to interpret the other's behavior as an increase in his own happiness. His misfortune, to seek relief in the behavior of the other: by sharing it with him or by elevating himself through reproach. Hatred against the non-compassionate is essentially revenge: thus the demand for compassion is also, it is the necessarily evoked emotional contrast to that hatred.
7 [285]
On the Derivation of Compassion.
As soon as compassion is demanded and praised, it takes on a moral character as good. One gives oneself over to it, one does not shy away from its expression—under other circumstances it is considered a weakness. Philosophers see in compassion, as in every losing oneself to a harmful affect, a weakness. It increases suffering in the world: even if it indirectly reduces suffering, this consequence may not justify it in essence! Suppose it ruled: humanity would immediately perish.
In contrast, shared joy increases the strength of the world.The joy in the individual who, whatever may happen to him, maintains his joy in himself is a very lofty thought! One must help in order to be able to rejoice again—but keep one's soul so long in check and cool that it is not infected by misery: like the proper physician.
There is a distinguished compassion which grasps extraordinarily remote kinds of suffering: it is to be honored as a sign of a higher intellect, not in itself!
That we are grateful to him who shows us compassion is a wretchedness: we should say: be brave, that my suffering does not take from you your joyful nature: we should wish not to lose the prospect of the joyful element around us! But we are tyrants!
7 [286]
It is possible to share in the joy of our enemies at our misfortune.
7 [287]
People know how to derive nothing invigorating from many insights; they are forbidden foods, e.g., my book.
7 [288]
It is a subtlety to choose one's examples from history and science according to the general ignorance and deficiency of knowledge—otherwise one proves nothing and arouses hatred because one shames. One must descend to the poor in spirit, not in thoughts and goals, but in material. Argue with utterly familiar things: it is moreover pride, for the great truths should not be proven with facts from the corner and scholarly brooding.
7 [289]
I hear your siren song, you wise ones! Ah, nothing moves me so! But I tell you: you yourselves have sung it to yourselves, you were like me! You were the fools of these beautiful paradises “Justice, Moderation”: in truth, they are utopias.
7 [290]
To see art as a means of power: how one must distort things or strive for the overthrow of the existing order! How much disappointment!
7 [291]
seeing his inner self suffer like a drama is a higher degree than just suffering.
7 [292]
Compensation of the poet, his sufferings and the pleasure of expressing them
7 [293]
The collapse of an old man's calculations is more pitiable than—
losing the pretext of his life and work, e.g., his children
7 [294]
1) O about the sense of sin! How it has increased suffering! 2) how it has averted the gaze from the natural consequence of guilt, thus silencing reason in its application to life! 3) how it has made people selfish and caused them to disregard the consequences for others (even through inheritance)!
7 [295]
You no longer believe you can feel more passion for something because it only lives briefly or because it is relatively valuable! Think of love for a woman! For money! For positions of honor! Even if there is no eternal taste, no eternal beauty and virtue, what is briefly valid can all the more arouse delight, to embrace it, to snatch it from the current as best as possible! From now on, tenderness for the fragile is mixed in!! NB.
7 [296]
We become easily dry, because we only have an eye for the subtleties of emotional movement. The great train!
7 [297]
Why want to dictate laws for things we only know secondhand! “Do you really want to be universal at all costs? Leave this bizarre pretense to the poor devils who are not something original themselves.” Stendhal
7 [298]
When people blush over the vehemence of their inner disguised drives, art changes. The expression of deep feelings is considered clumsy and crude. First ceremonial manners. Then cheerful manners, even freer from any feeling (Louis XV): all enthusiasm and all energy vanished!
7 [299]
To lend the people of the Middle Ages our sensitivity and sympathy.
7 [300]
The feeling of power, which raises someone from the dust, makes foundlings into heirs, etc., is entirely equivalent to cruelty, and I can do what I want, especially with regard to those whom it annoys.
7 [301]
The Germans have admiration for the exotic—out of boredom; the French have vanity—out of boredom—the Italians love, hate, etc.—out of boredom.
The Frenchman mocks the exotic, the object of the ridiculous.
7 [302]
The passion for knowledge can have a tragic end: are you afraid? As with every passion!— Usually, however, you scholars have no passion at all, but a habit against your boredom!— The position of the different peoples towards it! —
7 [303]
The science can neither prove that all M are equal, nor that a procedure according to this principle is useful in the long run.
7 [304]
“Science!” What is it! All forces in its service! The experience of humanity from its drives, and a drive, to know of the drives.
7 [305]
Customs reflect the events of 100 years ago—not those of the present.
7 [306]
The (north) German culture does not originate from a nobility like the French, but from teachers (professors, organists, etc.) and preachers. Completely different subjugation, always with the underlying thought that there is something higher than princes (Luther). Admiration for the exotic of a prince, a state leadership, the army: naive. One allows oneself to be oppressed, but takes revenge in thoughts over things.— How unfruitful is the nobility! the German race-element
7 [307]
The fast pace in music and in life wears down many characters and actions: if they are not to become unbearable: namely the change of affects—the fast pace is the matter of lasting moods, of.
7 [308]
The German nobility: even in luxury, in pomp, garden art, architecture, masonry, unproductive
7 [309]
And even if we did not dare to tackle the most difficult cases of moral calculation and pre-calculation, we still believed that we all knew the moral multiplication table and considered ourselves certain in this regard
7 [310]
My thoughts have become my events: the other is the sickness-history of every day.
7 [311]
A storm: I feel it about 4 hours beforehand, with the clearest sky. When it arrives, my condition improves.
7 [312]
The present political preponderance of Germany cannot be maintained: it owes it to the willpower of a single individual, who was moreover so convinced of the weak character of all Germans that he feared neither parties nor princes. They may have the best organization and the most excellent obedience—but those who command are born so rarely in this country, and even more rarely those who command and have spirit.— Therefore, the superiority is a great danger—it breeds arrogance and demands.— One can do with parties whatever one wants, if one namely wants: but velle non discitur. And truly, it does not even require the will of a Richelieu, but that of a Bismarck—that is to say, a much more capricious and passionate thing.
7 [313]
The peace-loving German, one can count on his submission to the regiment and religion—because he hates real unrest and danger: all the more he needs light, seemingly dangerous enthusiasms to appear as a hero to himself. He changes them very often because he does not want the deed!