9, 2[1-77] Frühjahr 1880

2 [1]

Von der Knechtschaft des Geistes (wir übertragen die Vorgänge der politischen Tyrannis und Knechtschaft auf das Gebiet des Geistes

2 [2]

Der Weinende will daß mitgeweint werde, so übt er Herrschaft aus und freut sich.

2 [3]

Sittlich leben und sichs dabei sauer werden lassen mag gut sein, aber wenn daraus immer, wie es scheint, die Forderung entsteht, daß das Leben durchaus einen ethischen letzten Sinn haben müsse, so müßte man es sich verbitten, denn es wäre dann die Quelle der größten Unverschämtheit.

2 [4]

Viele machen eine Theorie des Handelns und reden stets davon, handeln aber nie darnach. Es ist ihre Huldigung und Abfindung vor der Moral (Engländer) So finden sich katholische Priester mit Gott ab, ihre Devotion ist um so größer, je gottloser ihr Leben ist. Dabei erst fühlen sie sich wohl.— Andere haben auch den Widerspruch, aber befinden sich schlecht dabei. Andere haben den

2 [5]

Stark sinnliche Menschen gewinnen ihre intellektuelle Kraft erst bei der abnehmenden Ebbe ihrer Nerven: das giebt ihrer Produktion den schwermüthigen Charakter.

2 [6]

Die Liebe zum Nächsten ist die Liebe zu unserer Vorstellung vom Nächsten. Wir können nur uns selber lieben, weil wir uns kennen. Die Moral des Altruism ist unmöglich.

2 [7]

Das Weibliche erscheint bei Bach religiös befangen und fast nonnenhaft, ich denke z. B. an manche verschleierte schamhafte Klagen, wie die einer Nonne (Bachs Präludien

2 [8]

wo wir nicht wissen, was allein wir eigentlich können, reden wir von “Willen.” Die vollkommene Einsicht redet nur von Müssen.

Wir übersehen immer einige Kräfte die zu einer That nöthig sind.

Jede That (Willensakt) ist ein Experiment, ob unser Urtheil (im Willen) richtig war

2 [9]

Die meisten Philosophien sind erdacht, um Übelstände so für die Empfindung zu verändern, daß man sie ins Nothwendige der Welt verlegt—während die Verstimmung und der Übelstand fugitiv sind!

Philosophie gehört in den Kampf gegen den Schmerz, ist also bestimmt zu Grunde zu gehen!

2 [10]

Für einen einzigen Menschen wäre die Realität der Welt ohne Wahrscheinlichkeit. Aber für zwei Menschen wird sie wahrscheinlich. Der andere Mensch ist nämlich eine Einbildung von uns, ganz unser “Wille,” ganz unsere “Vorstellung”: und wir sind wieder dasselbe in ihm. Aber weil wir wissen daß er sich über uns täuschen muß und daß wir eine Realität sind trotz dem Phantom, das er von uns im Kopf trägt, schließen wir daß auch er eine Realität ist trotz unserer Einbildung über ihn: kurz daß es Realitäten außer uns giebt.

2 [11]

Die eingebildete Welt (wir lieben und hassen meist Einbildungen, nicht Realitäten, Menschen).

2 [12]

Schilderung der Ehe zum Zweck der Erkenntniß St. Mill (Comte)

2 [13]

Gesetz der Welt-Verdüsterungen

2 [14]

In der belebten Welt (von der Pflanze an) sucht sich so viel Individualismus als möglich zu entfalten. Er ist jetzt größer als je, im Ganzen.

2 [15]

Der Mangel an Selbstsucht ist es, woran die Menschheit leidet.

2 [16]

Nur die moralischen Menschen empfinden Gewissensbisse: das Elend des Unmoralischen ist eine Dichtung.

2 [17]

Achtung, Freude an den Verschiedenheiten der Indiv! Freude am Fremdartigen der Nationen und Culturen ist ein Schritt dazu (das “Romantische”—)

Erst die Fabel-Menschheit, wie sie in den Köpfen spukt, ist gleichheitlich und bildet die wirklichen Menschen zur Gleichheit (jeden nach ihrem Bilde) Diese “Fabel” zu beseitigen!

2 [18]

Die bildenden Künste und der Roman sind auf dem rechten Wege!

2 [19]

es giebt viel mehr Moralität (latente)

Mor M im Affekt bejahen die Moralität der vorletzten Stufe, die effektvolle Moralität. Diese wird weit überschätzt

2 [20]

Unser Leben muß gefährlicher werden.

2 [21]

Wie kann sich der moderne Mensch den Vortheil der Absolution verschaffen, dem Gewissensbiß ein Ende machen? Ehemals hieß es: “Gott ist gnädig”: es hilft nichts, die Menschen müssen es jetzt sein!

2 [22]

Trauer um die Todten—sie sind nicht unglücklich! also egoistisch

2 [23]

Je mehr Erkenntnisse und Vernunft ich habe, um so mehr nimmt der Glaube an die Freiheit ab, es steht uns nicht viel zu wählen offen

2 [24]

Mit Hülfe der Wissenschaft kann jeder Mensch seine Originalität fortschreiten lassen

2 [25]

Zügellosigkeit der Trauer wie der Liebe ist gemeiner Seelen Art.

2 [26]

In Rußland Absolutismus
in Deutschland sucht man, was Richelieu für Frankreich
in Frankreich experimentirt man 25 Verfassungsformen in 100 Jahren.

2 [27]

Gang und Eintritt in die Cultur!

2 [28]

Ein Corse hält Betteln für unmoralisch, als Bandit leben nicht: Tödten der vendetta sogar moralisch. Stolz! als Maßstab.

2 [29]

100 tiefe Einsamkeiten bilden zusammen die Stadt Venedig—dies ihr Zauber. Ein Bild für die Menschen der Zukunft.

2 [30]

Die dramatische Musik ist ein Mittel zur Erregung oder Steigerung von Affekten: sie will nicht Freude an der Musik selber geben, wie die Musik für Kenner und Liebhaber (Kammermusik)

Weil sie von etwas überzeugen will, was außer ihr liegt, gehört sie in die Rhetorik.

2 [31]

Durch die Worte, die uns umschweben, kommen wir auf Gedanken.

2 [32]

Wer wird das lesen wollen! Gott weiß es nicht, ich auch nicht.

2 [33]

Südliche Musik. Haydn empfand bei der ital Oper, wohl das, was Chopin bei einer ital Barcarole! Beide machten Musik der Sehnsucht mit Verwendung der wirklichen ital Musik.

2 [34]

Warum erscheint es uns verächtlich, daß jemand sich öffentlich schmeicheln läßt, etwa ein alter Mann durch Jünglinge? Weil er der Scham ins Gesicht schlägt: die Scham will, daß eine so große Begierde wie die nach der Schmeichelei gar nicht oder nur im Verborgenen befriedigt werde: jene allzugroße Unsinnigkeit macht der allgemeinen menschlichen Vernunft Schande.

2 [35]

Vermöge des Wissens um das Leid kann man es verringern. Das eigentliche Mitleiden verdoppelt eben nur das Leid und ist vielleicht selbst Quelle des Unvermögens zu helfen (beim Arzte).— Weshalb hilft der Wissende aber? Weil ein Übel nicht verhindern, das man hindern kann, beinahe so schlimm ist als es thun.

2 [36]

Malerische Moralität

Die Effekt-Moralität ist gewaltsam, ein Ausbruch, der so viel angehäufte Unmoralität (z. B. feiges Nachgeben gegen ungerechte Herrn usw.) zurückwerfen muß. Im Kleinen, aber beständig das Ungerechte hemmen ist weniger pathetisch für Andere und für uns selber. Ebenso die absolute Abstinenz effektvoller als die relative kleine

2 [37]

Eine diätetische Vorschrift gegeben, und wir handeln nicht darnach: unmoralisch (weil unvernünftig, weil sich selber schädlich). Aber “sich selber will man nicht schaden”: es ist eine Illusion: der Selbstschaden

also weil wir nicht schaden wollen.— Wesh aber wollen wir nicht schaden?— Aus Gewohnheit jetzt—und aus Furcht ursprünglich.

2 [38]

Keiner weiß genau, was er thut, wenn er ein Kind zeugt; für den Weisesten ist es ein Lotteriespiel. Und der Mensch soll frei sein! der nicht einem Vernunft-Akte sein Dasein dankt!

2 [39]

Mitwissen um das Leiden —

Leidet man wirklich durch das Mitleid, so nimmt man sich ein Leid ab. Nur wenn man drum weiß, aber nicht leidet, kann man um des Nächsten willen handeln, wie der Arzt.

Solche welche drum wissen und sich freuen (die Götter der Kannibalen und Asketen)

2 [40]

Hoffentlich giebt es noch genug von solchen, welche wissen was ein olympisches Gelächter ist: es entsteht, wenn jemand erleichtert darüber ist, daß Andere nicht seinen Geschmack theilen.

2 [41]

Kein Blut sehen können—ist das moralisch?

2 [42]

sich dem Schmerz hingeben ist ein Vergnügen (Napoleon)

2 [43]

Öffentliche Vorleser
(gegen die Restaurants und die Presse.)
Untergang des Theaters.

Wie griechisch zu lernen ist?

Abends wird die Seele verwirrt.

Mangel an sittlicher Erziehung, keine Rechenschaft über den Tag.

2 [44]

Das zweite Greisenalter, das Leben im Hades, auch mit der unwürdigen Gier nach Leben wie sie alte Leute haben.

2 [45]

Wie ist der entmenschte Mensch zu denken wenn der Mensch das entthierte Thier ist?

2 [46]

Menschen des labilen Gleichgewichts, deren gefährliche Kleinigkeiten im Sittlichen und Gesunden.

2 [47]

Moralität: wir legen unseren Handlungen einen imaginären Werth zu (abhängig vom Erfolge) die Empfindung des Nicht-mehr-Sklaven! auf alles drückt er, das Siegel der neuen Freiheit. Stärkstes Gefühl der Veränderung, wenn der Sklave thun kann, was er will

2 [48]

Ermüdungen unvermeidlich—also angenehm!
Warum Verstimmungen, peinlich, gefährlich?

2 [49]

Moralität, wenn nothwendig Verantwortlichkeit, dann nur die Handlungen, die aus klarstem Verstande hervorgegangen, die oberflächlichsten, deren Motive wir kennen können. “Warum habe ich dies gethan?” Bei den aus dem Gemüth kommenden ist Verantwortlichkeit unmöglich, weil wir die Motive nicht kennen. Insofern hieße moralisch handeln immer nur oberflächlich handeln, ohne Passion-Nachdruck? Verantwortlichkeit ist eine Großthuerei. Wo wir empfinden, sind wir unverantwortlich, also “unmoralisch”?

Der Glaube an die Freiheit genügt, zur Moralitit: die Illusion.

2 [50]

Es ist schwer, etwas zu thun, was denen, die wir am höchsten verehren, mißfällig ist, auch wenn wir nur ihre Schwächen verehren würden, falls wir uns der Handlung enthielten.

2 [51]

Pfui über alle Parteien! Sie fälschen die Freundschaft die reinste Ergebenheit, die stärkste Wahrheitsliebe—ihre fortwährende Thätigkeit ist Falschmünzerei. Der bedeutendste Mensch ist nicht weit vom Schurken und Verleumder, wenn er eine Partei machen will.

2 [52]

Der Altruism gilt nicht andren Individuen, sondern imaginären gleichen Wesen. Dem Individuum zu helfen ist unmöglich, weil man es nicht erkennen kann. Das Unerkennbare—das ist der Nächste.

2 [53]

Unter Ausländern kann man hören, daß die Juden noch nicht das Unangenehmste sind, was aus Deutschland zu ihnen komme.

2 [54]

Abnahme der Nerven und ihre Philosophie.

2 [55]

Mor im Dienste physiologischer Funktionen.

2 [56]

Die “Möglichkeit einer äußeren Einwirkung, das Bedingt-werden-können” setzt gerade nicht “Freiheit” sondern “Bedingtheit” voraus.

Zwei unbedingte Dinge können nicht aufeinander wirken.

2 [57]

Das vollkommene Wissen hätte den Begriff “Freiheit” nicht entstehen lassen und so die moralische Abschätzung der Thaten verhindert. Wenn es keine unmoralischen Taten gäbe, so gäbe es keine Moral.

2 [58]

M müssen ihrer täglichen Ärger haben.

2 [59]

Die Anmaßenden aus früheren Gewohnheiten, die es nicht mehr merken (und doch nicht den Stolzen gleichen, weil ihre Gebärden Accente usw. anders sind)

2 [60]

Manche wollen für anmaßend gelten, weil es immer noch besser ist als für einen armen gedrückten Teufel zu gelten.

2 [61]

Wir lernen Gewohnheiten und Meinungen der Anderen, nicht Individuen kennen. So setzen wir uns im späteren Leben auch nicht mit Individuen auseinander d. h. wir behandeln uns selber nicht wie Individuen.

2 [62]

Die schwere physische Arbeit wie die der Packträger Rudermeister Ackerbauer wird schlecht bezahlt, der welcher sie thut geringgeschätzt. Der Handelsmann läßt sich seinen Überschuß an Geist zu hoch bezahlen; höhere Rassen wie z. B. die jüdische gerathen auch in den schrecklichsten Lagen nicht leicht in die äußerste Noth, sich als physische Maschinen vermiethen zu müssen.

2 [63]

Die Emotionen sind eine physiologische Gegenkraft.

2 [64]

Einer, der etwas nachempfindet, schätzt es darauf höher, ja er will es wiederhergestellt haben z. B. das Religiöse (F. Schlegel)

2 [65]

Es kommt. darauf an, daß eine Tugend erreicht werde, nicht auf welchem Wege. Der Erfolg sei das Glück: es handelt sich darum, eine schwere Mechanik so zu lernen, daß sie so leicht wie ein Spiel wird.

2 [66]

Jede Handlung, jeder Gedanke, jede Regung baut an dem Glück oder Unglück deiner Zukunft; sie bauen dein Gemüth, deine Gewohnheiten, es giebt nichts Indifferentes. Dein logischer Leichtsinn wird zu büßen sein. Das Gemüth ist die große Cisterne, klares Bewußtsein ist das Mittel, endlich ein klares Gemüth zu haben—aber vielleicht erst in der 3ten Generation.

2 [67]

Die moralischen Handlungen sind Mittel, deren Zwecke man aus den Augen verloren hat und die an sich zu erreichen jetzt schon Vergnügen macht.

2 [68]

Es giebt kein eigenes Organ des “Gedächtnisses”: alle Nerven z. B. im Beine, gedenken früherer Erfahrungen. Jedes Wort, jede Zahl ist das Resultat eines physischen Vorgangs und irgendwo in den Nerven festgeworden. Alles was den Nerven anorganisirt worden, lebt in ihnen fort. Es giebt Wellenberge der Erregung, wo dies Leben ins Bewußtsein tritt, wo wir uns erinnern.

2 [69]

Wer jetzt zum Christenthum eine zweideutige Stellung einnimmt, sieht sich sofort von der besten strengeren edleren Gesellschaft verlassen.

2 [70]

Die bewußte Erfahrung des einzelnen Individuums ist eine zu kurze Kette und mißt nicht bis an sein Ende.

2 [71]

Der Eitle bleibt beim Mittel zum Zweck stehen und bekommt es lieb, so daß er den Zweck vergißt.

2 [72]

Es ist so viel überflüssiger Verdruß Leid und Elend in den unabhängigen Klassen, weil so wenige ihres Wirkens froh werden können—in Folge falscher Lebensführung, falschen Berufes d. h. in Folge einer überflüssigen Abhängigkeit.

2 [73]

Widerlich! Jemand kommt uns mit einem Lobspruch entgegen, er will uns damit für sich einnehmen d. h. er will von uns Besitz ergreifen, weil er glaubt, daß wir dem Lobenden eine freie Hand machen. Aber der Lobende stellt sich über uns, er will uns besitzen—es ist unser Feind.

2 [74]

Liebe zum Nächsten

2 [75]

ich gestehe, es ist angenehm daß nicht alle guten Gedanken über das Thema schon darin stehen

2 [76]

nicht mehr bewußtes Denken bei Mutter und Kind

2 [77]

der faut-de-mieux-Mann Dühring

9, 2[1-77] Frühjahr 1880

2 [1]

From the bondage of the spirit (we transfer the processes of political tyranny and bondage to the realm of the spirit

2 [2]

The weeping one wants that there be weeping with him, thus he exercises dominion and rejoices.

2 [3]

Living morally and letting it turn sour may be good, but if it always seems to lead to the demand that life must have an ultimate ethical meaning, then one would have to forbid it, for it would then be the source of the greatest impudence.

2 [4]

Many make a theory of action and always talk about it, but never act accordingly. It is their homage and settlement before morality (Englishmen). Thus, Catholic priests come to terms with God; their devotion is all the greater the more godless their lives are. Only then do they feel well.— Others also have the contradiction, but feel bad about it. Others have the

2 [5]

Highly sensual people gain their intellectual strength only during the receding ebb of their nerves: this gives their production the melancholic character.

2 [6]

Love for one's neighbor is love for our idea of the neighbor. We can only love ourselves, because we know ourselves. The morality of altruism is impossible.

2 [7]

The feminine appears in Bach as religiously bound and almost nun-like; I think, for example, of certain veiled, modest laments, like those of a nun (Bach's Preludes

2 [8]

where we do not know what we alone can actually do, we speak of “will.” Perfect insight speaks only of must.

We always overlook some forces that are necessary for an action.

Every action (act of will) is an experiment to see whether our judgment (in the will) was correct

2 [9]

Most philosophies are devised to alter hardships in perception so that they are placed into the necessity of the world—while the discontent and the hardship are fugitive!

Philosophy belongs in the struggle against pain, thus it is destined to perish!

2 [10]

For a single person, the reality of the world would be without probability. But for two people, it becomes probable. The other person is namely an imagination of ours, entirely our “will,” entirely our “idea”: and we are again the same in him. But because we know that he must deceive himself about us and that we are a reality despite the phantom he carries of us in his mind, we conclude that he is also a reality despite our imagination about him: in short, that there are realities outside of us.

2 [11]

The imagined world (we usually love and hate illusions, not realities, people).

2 [12]

Description of Marriage for the Purpose of Knowledge St. Mill (Comte)

2 [13]

Law of World-Darkenings

2 [14]

In the living world (from the plant onwards), as much individualism as possible seeks to unfold. It is now greater than ever, in the whole.

2 [15]

The lack of selfishness is what humanity suffers from.

2 [16]

Only the moral people feel pangs of conscience: the misery of the immoral is a fiction.

2 [17]

Attention, joy in the differences of individuals! Joy in the strangeness of nations and cultures is a step toward it (the “Romantic”—)

Only the fable-humanity, as it haunts the minds, is egalitarian and shapes real people into equality (each in its own image). This “fable” must be eliminated!

2 [18]

The visual arts and the novel are on the right path!

2 [19]

there is much more morality (latent)

Mor M in affect affirm the morality of the penultimate stage, the dramatic morality. This is greatly overestimated

2 [20]

Our life must become more dangerous.

2 [21]

How can modern man secure the advantage of absolution, put an end to the pangs of conscience? Once it was said: “God is merciful”: it is of no use, now men must be!

2 [22]

Mourning for the dead—they are not unhappy! thus selfish

2 [23]

The more insights and reason I have, the more faith in freedom diminishes; we do not have much choice open to us

2 [24]

With the help of science, every person can let their originality progress

2 [25]

Unrestrainedness of grief as of love is the nature of common souls.

2 [26]

In Russia absolutism
in Germany one seeks what Richelieu did for France
in France one experiments with 25 constitutional forms in 100 years.

2 [27]

Go and entry into culture!

2 [28]

A Corsican considers begging immoral, living as a bandit not: killing for vendetta even moral. Pride! as the standard.

2 [29]

100 deep solitudes together form the city of Venice—this is its magic. An image for the people of the future.

2 [30]

The dramatic music is a means to arouse or intensify affects: it does not seek to provide joy in the music itself, as does the music for connoisseurs and lovers (chamber music)

Because it wants to convince of something that lies outside it, it belongs to rhetoric.

2 [31]

Through the words that surround us, we come to thoughts.

2 [32]

Who will want to read this! God knows, I don't either.

2 [33]

Southern music. Haydn felt with the ital opera, probably what Chopin felt with an ital barcarole! Both made music of longing using real ital music.

2 [34]

Why does it seem contemptible to us when someone allows themselves to be flattered in public, such as an old man by young men? Because he slaps shame in the face: shame demands that such a great desire as the craving for flattery be satisfied not at all or only in secret: that excessive foolishness brings shame to general human reason.

2 [35]

By virtue of knowledge about suffering, one can reduce it. Genuine compassion merely doubles the suffering and may itself be the source of the inability to help (in the case of a doctor).— Why does the knowledgeable person help, then? Because failing to prevent an evil that one could prevent is almost as bad as causing it.

2 [36]

Picturesque Morality

The effect-morality is violent, an outburst that must throw back so much accumulated immorality (e.g., cowardly yielding to unjust masters, etc.). In small ways, but consistently restraining the unjust is less pathetic for others and for ourselves. Likewise, absolute abstinence is more effective than the relative small one

2 [37]

A dietary rule is given, and we do not act accordingly: immoral (because unreasonable, because self-harming). But "one does not want to harm oneself": it is an illusion: the self-harm

thus because we do not want to harm.— But why do we not want to harm?— Out of habit now—and out of fear originally.

2 [38]

No one knows exactly what he does when he begets a child; for the wisest it is a lottery. And man is supposed to be free! he who does not owe his existence to an act of reason!

2 [39]

Knowledge of suffering —

If one truly suffers through compassion, one takes on suffering. Only when one knows about it but does not suffer, can one act for the sake of others, like the doctor.

Those who know about it and rejoice (the gods of cannibals and ascetics)

2 [40]

Hopefully there are still enough of those who know what an Olympic laughter is: it arises when someone is relieved that others do not share his taste.

2 [41]

Not being able to see blood—is that moral?

2 [42]

to surrender to pain is a pleasure (Napoleon)

2 [43]

Public readers
(against restaurants and the press.)
Decline of the theater.

How to learn Greek?

In the evening, the soul becomes confused.

Lack of moral education, no accountability for the day.

2 [44]

The second old age, life in Hades, also with the unworthy greed for life as old people have it.

2 [45]

How is the dehumanized human to be thought when the human is the de-divinized animal?

2 [46]

People of labile equilibrium, whose dangerous trivialities in the moral and healthy.

2 [47]

Morality: we assign an imaginary value to our actions (dependent on success)—the feeling of no-longer-being-a-slave! He imprints the seal of new freedom on everything. Strongest feeling of change when the slave can do what he wants

2 [48]

Fatigue is inevitable—so make it pleasant!
Why mood swings, embarrassing, dangerous?

2 [49]

Morality, if necessarily responsibility, then only the actions that have emerged from the clearest understanding, the most superficial ones, whose motives we can know. “Why did I do this?” With those coming from the heart, responsibility is impossible because we do not know the motives. In this sense, acting morally would always mean acting only superficially, without passionate emphasis? Responsibility is a grandiosity. Where we feel, we are irresponsible, thus “immoral”?

The belief in freedom suffices for morality: the illusion.

2 [50]

It is difficult to do something that displeases those we revere most highly, even if we would only revere their weaknesses if we refrained from the action.

2 [51]

Fie on all parties! They counterfeit friendship, the purest devotion, the strongest love of truth—their constant activity is counterfeiting. The most significant person is not far from the scoundrel and slanderer if he wants to form a party.

2 [52]

Altruism does not apply to other individuals, but to imaginary equal beings. Helping the individual is impossible because it cannot be recognized. The unrecognizable—that is the neighbor.

2 [53]

Among foreigners, one can hear that the Jews are not yet the most unpleasant thing that comes to them from Germany.

2 [54]

Decline of the nerves and their philosophy.

2 [55]

Mor in the service of physiological functions.

2 [56]

The “possibility of external influence, the being-able-to-be-conditioned” does not presuppose “freedom” but rather “conditionality.”

Two unconditioned things cannot interact with each other.

2 [57]

Perfect knowledge would not have given rise to the concept of "freedom" and thus would have prevented the moral assessment of deeds. If there were no immoral deeds, there would be no morality.

2 [58]

M must have their daily annoyance.

2 [59]

The presumptuous ones from former habits, who no longer notice it (and yet do not resemble the proud, because their gestures, accents, etc. are different)

2 [60]

Some want to be considered arrogant because it is still better than being considered a poor, oppressed devil.

2 [61]

We learn the habits and opinions of others, not individuals. So later in life we do not deal with individuals either, i.e. we do not treat ourselves as individuals.

2 [62]

The heavy physical labor such as that of porters, rowing masters, and farmers is poorly paid, and those who perform it are held in low esteem. The merchant charges too much for his surplus of intellect; higher races, such as the Jewish, even in the most terrible circumstances, do not easily fall into the utmost necessity of having to rent themselves out as physical machines.

2 [63]

Emotions are a physiological counterforce.

2 [64]

One who re-experiences something values it more highly, indeed he wants it restored, e.g., the religious (F. Schlegel)

2 [65]

It depends on a virtue being achieved, not on the path taken. Success is happiness: it is about learning a heavy mechanism so that it becomes as light as a game.

2 [66]

Every action, every thought, every emotion builds the happiness or unhappiness of your future; they shape your Gemüth, your habits, there is nothing indifferent. Your logical frivolity will have to be atoned for. The Gemüth is the great cistern, clear consciousness is the means to finally have a clear Gemüth—but perhaps only in the 3rd generation.

2 [67]

Moral actions are means whose ends have been lost sight of and which now give pleasure in themselves to achieve.

2 [68]

There is no separate organ of "memory": all nerves, for example in the leg, remember past experiences. Every word, every number is the result of a physical process and has become fixed somewhere in the nerves. Everything that has been organized into the nerves continues to live in them. There are peaks of excitation where this life enters consciousness, where we remember.

2 [69]

Anyone who now takes an ambiguous stance towards Christianity will immediately find themselves abandoned by the best, stricter, nobler society.

2 [70]

The conscious experience of the individual is a chain too short and does not reach its end.

2 [71]

The vain person stops at the means to the end and grows fond of it, so that he forgets the end.

2 [72]

There is so much unnecessary vexation, suffering, and misery in the independent classes because so few can be happy in their work—as a result of wrong living, wrong profession, i.e., as a result of an unnecessary dependence.

2 [73]

Disgusting! Someone comes to us with a compliment, he wants to win us over with it i.e. he wants to take possession of us, because he believes that we give the praiser a free hand. But the praiser puts himself above us, he wants to possess us—it is our enemy.

2 [74]

Love for one's neighbor

2 [75]

I confess, it is pleasant that not all good thoughts on the subject are already included in it

2 [76]

unconscious thinking in mother and child

2 [77]

the faut-de-mieux man Dühring

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