9, 11[1-348] Frühjahr-Herbst 1881

11 [1]

Gleichgültig sich gegen Lob und Tadel machen; Recepte dafür. Dagegen einen Kreis sich stiften, der um unsere Ziele und Maaßstäbe weiß und der Lob und Tadel für uns bedeutet.

11 [2]

Den Begriff der Ernährung erweitern; sein Leben nicht falsch anlegen, wie es die thun, welche bloß ihre Erhaltung im Auge haben.



Wir müssen unser Leben nicht uns durch die Hand schlüpfen lassen, durch ein “Ziel”—sondern die Früchte aller Jahreszeiten von uns einernten.



Wir wollen nach den Andern, nach allem, was außer uns ist, trachten als nach unserer Nahrung. Oft auch sind es die Früchte, welche gerade für unser Jahr reif geworden sind.— Muß man denn immer nur den Egoismus des Räubers oder Diebes haben? Warum nicht den des Gärtners? Freude an der Pflege der Andern, wie der eines Gartens!

11 [3]

Ehemals glaubte man, in der Alchymie, mit moralischen Begriffen (Verwandtschaft Freundschaft Trieb usw.) alles zu erklären. Das Reich der Moral wird immer kleiner.

Ein einzelnes Medikament (z. B. Chinin) und seine “moralischen” Wirkungen zum Beispiel gebrauchen!

11 [4]

La Rochef irrt sich nur darin, daß er die Motive, welche er für die wahren hält, niedriger taxirt als die anderen angeblichen: d.h. er glaubt im Grunde noch an die andern und nimmt den Maaßstab daher: er setzt den Menschen herab, indem er ihn gewisser Motive für unfähig hält.

11 [5]

Unser Instinkt der Triebe greift in jedem Falle nach dem nächsten ihm Angenehmen: aber nicht nach dem Nützlichen. Freilich ist in unzähligen Fällen (namentlich wegen der Zuchtwahl) das dem Triebe Angenehme eben auch das Nützliche!— Der Mensch, hochmüthig auch wo er Gründen und Zwecken nachspürt, macht im Moralischen die Augen zu vor dem Angenehmen: er gerade will, daß seine Handlungen als Consequenz der vernünftigen Absicht auf dauernden Nutzen erscheinen: er verachtet das Momentan-Angenehme—: obschon gerade dies der Hebel aller seiner Kräfte ist.

Das Kunststück des glücklichen Lebens ist, die Lage zu finden, in der das Momentan-Angenehme auch das dauernd Nützlichste ist, wo die Sinne und der Geschmack dasselbe gut heißen, was die Vernunft und Vorsicht gut heißt.

11 [6]

Die Lebensweise der Frauen, welche im Wesentlichen ernährt werden und nicht arbeiten, könnte sofort in eine philosophische Existenz umgewandelt werden! Aber man sehe sie vor einem Schauladen voller Putz und Wäsche!

11 [7]

Hauptgedanke! Nicht die Natur täuscht uns, die Individuen und fördert ihre Zwecke durch unsre Hintergehung: sondern die Individuen legen sich alles Dasein nach individuellen d. h. falschen Maaßen zurecht; wir wollen damit Recht haben und folglich muß “die Natur” als Betrügerin erscheinen. In Wahrheit giebt es keine individuellen Wahrheiten, sondern lauter individuelle Irrthümer—das Individuum selber ist ein Irrthum. Alles was in uns vorgeht, ist an sich etwas Anderes, was wir nicht wissen: wir legen die Absicht und die Hintergehung und die Moral erst in die Natur hinein.— Ich unterscheide aber: die eingebildeten Individuen und die wahren “Lebens-systeme,” deren jeder von uns eins ist—man wirft beides in eins, während “das Individuum” nur eine Summe von bewußten Empfindungen und Urtheilen und Irrthümern ist, ein Glaube, ein Stückchen vom wahren Lebenssystem oder viele Stückchen zusammengedacht und zusammengefabelt, eine “Einheit,” die nicht Stand hält. Wir sind Knospen an Einem Baume—was wissen wir von dem, was im Interesse des Baumes aus uns werden kann! Aber wir haben ein Bewußtsein, als ob wir Alles sein wollten und sollten, eine Phantasterei von “Ich” und allem “Nicht-Ich.” Aufhören, sich als solches phantastisches ego zu fühlen! Schrittweise lernen, das vermeintliche Individuum abzuwerfen! Die Irrthümer des ego entdecken! Den Egoismus als Irrthum einsehen! Als Gegensatz ja nicht Altruismus zu verstehen! Das wäre die Liebe zu den anderen vermeintlichen Individuen! Nein! Über “mich” und “dichhinaus! Kosmisch empfinden!

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Der Egoismus als der allgemeine “Größenwahn”—ebenso abzuleiten—physiologisch.

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Die bösen aber unentbehrlichen Triebe ebenso zu züchten, wie den der Verstellung (in der Kunst) also unschädlich. Die Parallele zur “Kunst” zu suchen!

11 [10]

Das Erkennenwollen der Dinge, wie sie sind—das allein ist der gute Hang: nicht das Hinsehen nach, Anderen und das Sehen mit anderen Augen—das wäre ja nur ein Ortswechsel des egoistischen Sehens! Wir wollen uns von der großen Grundverrücktheit heilen, alles nach uns zu messen: Selbstliebe ist ein falscher zu enger Ausdruck; Selbsthaß und alle Affekte sind fortwährend thätig mit diesem kurzen Sprunge; als ob alles zu uns hinstrebe. Man geht durch die Gassen und meint, jedes Auge gelte uns: und was wäre es, wenn ein Auge und ein Wort uns wirklich gilt!—nicht mehr, als es uns angeht, wenn der Blick und das Wort einem Zweiten gilt—wir sollten persönlich eben so gleichgültig sein können! Vermehrung der Gleichgültigkeit! Und dazu Übung, mit anderen Augen sehen: Übung, ohne Menschliche Beziehungen, also sachlich zu sehen! Den Menschen-Größenwahn kuriren! Woher kommt er? Von der Furcht: alle geistige Kraft mußte immer schnell zum persönlich-Sehen zurückspringen. Es ist schon das thierische Leiden. Die höchste Selbstsucht hat ihren Gegensatz nicht in der Liebe zum Andern!! Sondern im neutralen sachlichen Sehen! Die Leidenschaft für das trotz allen Personen-Rücksichten, trotz allem “Angenehmen” und Unangenehmen “Wahre” ist die höchste—darum Seltenste bisher!

11 [11]

Man muß den Menschen Muth zu einer neuen großen Verachtung machen z. B. der Reichen, der Beamten usw. Jede unpersönliche Form des Lebens muß als gemein und verächtlich gelten.

A. Wie viel brauche ich, um gesund und angenehm für mich zu leben?
   
B. Wie erwerbe ich dies so, daß das Erwerben gesund und angenehm ist und meinem Geiste zu Statten kommt, zumal als Erholung?
   
c. Wie habe ich von den Anderen zu denken, um von mir möglichst gut zu denken und im Gefühle der Macht zu wachsen?
   
d. Wie bringe ich die Anderen zur Anerkennung meiner Macht?
   
e. Wie organisirt sich der neue Adel als der Machtbesitzende Stand? Wie grenzt er die Anderen von sich ab, ohne sie sich zu Feinden und Widersachern zu machen?

11 [12]

Das was einer zweckbewußten Handlung vorhergeht, im Bewußtsein z. B. das Bild des Kauens dem Kauen, ist gänzlich unbestimmt: und wenn ich es wissenschaftlich genauer mache, so ist dies auf die Handlung selber ohne Einfluß. Eine Unzahl von einzelnen Bewegungen werden vollzogen, von denen wir vorher gar nichts wissen, und die Klugheit der Zunge z. B. ist viel größer als die Klugheit unseres Bewußtseins überhaupt. Ich leugne, daß diese Bewegungen durch unseren Willen hervorgebracht werden; sie spielen sich ab, und bleiben uns unbekannt—auch ihren Prozeß vermögen wir nur in Symbolen (des Tastsinns Hörens Sehens von Farben) und in einzelnen Stücken und Momenten zu fassen—sein Wesen, eben so wie der fortdauernde Verlauf bleiben uns fremd. Vielleicht stellt die Phantasie dem wirklichen Verlaufe und Wesen etwas entgegen, eine Erdichtung, die wir gewohnt sind als das Wesen zu nehmen.

11 [13]

Wir hören wenig und unsicher, wenn wir eine Sprache nicht verstehen, die um uns gesprochen wird. Ebenso bei einer Musik, die uns fremd ist, wie die chinesische. Das Guthören ist also wohl ein fortwährendes Errathen und Ausfüllen der wenigen wirklich wahrgenommenen Empfindungen. Verstehen ist ein erstaunlich schnelles entgegenkommendes Phantasiren und Schließen: aus zwei Worten errathen wir den Satz (beim Lesen): aus einem Vokal und 2 Consonanten ein Wort beim Hören, ja viele Worte hören wir nicht, denken sie aber als gehört.— Was wirklich geschehen ist, ist nach unserem Augenschein schwer zu sagen;—denn wir haben fortwährend dabei gedichtet und geschlossen. Ich habe öfter beim Sprechen mit Personen ihren Gesichtsausdruck so deutlich vor mir, wie ihn meine Augen nicht wahrnehmen können: es ist eine Fiktion zu ihren Worten, die Auslegung in Gebärden des Gesichts.



Ich vermuthe, daß wir nur sehen, was wir kennen; unser Auge ist in der Handhabung zahlloser Formen fortwährend in Übung:—der größte Teil des Bildes ist nicht Sinneneindruck, sondern Phantasie-Erzeugniß. Es werden nur kleine Anlässe und Motive aus den Sinnen genommen und dies wird dann ausgedichtet. Die Phantasie ist an Stelle des “Unbewußten” zu setzen: es sind nicht unbewußte Schlüsse als vielmehr hingeworfene Möglichkeiten, welche die Phantasie giebt (wenn z. B. Sousreliefs in Reliefs für den Betrachter umschlagen).



Unsere “Außenwelt” ist ein Phantasie-Produkt wobei frühere Phantasien als gewohnte eingeübte Thätigkeiten wieder zum Bau verwendet werden. Die Farben, die Töne sind Phantasien, sie entsprechen gar nicht exakt dem mechanischen wirklichen Vorgang, sondern unserem individuellen Zustande. — —

11 [14]

Das Ich—nicht zu verwechseln mit dem organischen Einheitsgefühle. —

11 [15]

Unklar listig gewaltsam und von früher her verwöhnt, durch geringe und servile Umgebung.— er hält die Unklarheit über alle Principien aufrecht, um sich bald so bald so seinem Vortheile gemäß zu stellen.

11 [16]

Angebliche Zweckmäßigkeit der Natur—bei der Selbstsucht, dem Geschlechtstrieb, wo man sagt, sie benutze das Individuum, bei der Lichtausströmung der Sonne usw.—alles Erdichtungen! Es ist vielleicht die letzte Form einer Gottes-Vorstellung—aber dieser Gott ist nicht sehr klug und sehr unbarmherzig. Leopardi hat die böse Stiefmutter Natur, Schopenhauer den “Willen.”— Vielleicht kann man mit solchen anscheinenden Zweckthätigkeiten die Zweckthätigkeit des Menschen aufhellen. Es wird etwas erreicht, und das was erreicht wird und das was dazu alles geschieht, ist von dem Bilde, welches vorher im Kopfe des Wollenden ist, total verschieden—es führt keine Brücke hinüber. “Ich esse, um mich zu sättigen”—aber was weiß ich von dem, was Sättigung ist! In Wahrheit wird die Sättigung erreicht, aber nicht gewollt—die momentane Lustempfindung bei jedem Bissen, so lange Hunger da ist, ist das Motiv: nicht die Absicht “um,” sondern ein Versuch bei jedem Bissen, ob er noch schmeckt. Unser Handlungen sind Versuche, ob dieser oder jener Trieb daran seine Freude habe, bis in’s Verwickeltste hinein, spielende Äußerungen des Dranges nach Thätigkeit, welche wir durch die Theorie der Zwecke mißdeuten und falsch verstehen. Wir bewegen unsere Fangarme—und dieser oder jener Trieb findet in dem, was wir fangen, seine Beute und macht uns glauben, wir hätten beabsichtigt, ihn zu befriedigen.

11 [17]

Sein schlechter Charakter folgt ihm auf die höchsten Gipfel seines Genie’s. —

11 [18]

Umfang der dichterischen Kraft: wir können nichts thun, ohne nicht vorher ein freies Bild davon zu entwerfen—(ob wir freilich nicht wissen, wie sich dies Bild zur Handlung verhält, die Handlung ist etwas Wesentlich-Anderes und verläuft in uns unzugänglich en Regionen). Dies Bild ist sehr allgemein, ein Schema—wir meinen, es sei nicht nur die Richtschnur, sondern die bewegende Kraft selber. Zahllose Bilder haben keine Aktivität nach sich, davon sehen wir ab: die Fälle, wo sich hernach etwas begiebt, was “Wir gewollt” haben, bleiben im Gedächtniß.— Aller unserer Entwicklung läuft ein Idealbild voraus, das Erzeugniß der Phantasie: die wirkliche Entwicklung ist uns unbekannt. Wir müssen dies Bild machen. Die Geschichte des Menschen und der Menschheit verläuft unbekannt, aber die Idealbilder und deren Geschichte scheint uns die Entwicklung selber. Die Wissenschaft kann sie nicht schaffen, aber die Wissenschaft ist eine Hauptnahrung für diesen Trieb: wir scheuen auf die Dauer alles Unsichere Erlogene, diese Furcht und dieser Ekel fördern die Wissenschaft. Jener dichterische Trieb soll errathen, nicht phantasiren, aus wirklichen Elementen etwas Unbekanntes errathen: er braucht die Wissenschaft d. h. die Summe des Sicheren und Wahrscheinlichen, um mit diesem Material dichten zu können. Dieser Vorgang ist schon im Sehen. Es ist eine freie Produktion in allen Sinnen, der größte Theil der sinnlichen Wahrnehmung ist errathen. Alle wissenschaftlichen Bücher langweilen, die diesem errathen wollenden Triebe kein Futter geben: das Sichere thut uns nicht wohl, wenn es nicht Nahrung für jenen Trieb sein will!

11 [19]

Vielleicht lassen sich alle moralischen Triebe auf das Haben-wollen und Halten-wollen zurückführen. Der Begriff des Habens verfeinert sich immer, wir begreifen immer mehr, wie schwierig es ist zu haben und wie sich das scheinbare Besitzthum immer noch uns zu entziehen weiß—so treiben wir das Haben in’s Feinere: bis zuletzt das völlige Erkennen des Dinges die Voraussetzung ist, um es zu erstreben: oft genügt uns das völlige Erkennen schon als Besitz, es hat keinen Schlupfwinkel mehr vor uns und kann uns nicht mehr entlaufen. Insofern wäre Erkenntniß die letzte Stufe der Moralität. Frühere sind z. B.: ein Ding sich zurecht phantasiren und nun zu glauben, daß man es ganz besitze, wie der Liebende mit der Geliebten, der Vater mit dem Kinde: welcher Genuß nun am Besitz!—aber uns genügt da der Schein. Wir denken uns die Dinge, die wir erreichen können, so, daß ihr Besitz uns höchst werthvoll erscheint: wir machen den Feind, über den wir zu siegen hoffen, für unseren Stolz zurecht: und ebenso das geliebte Weib und Kind. Wir haben zuerst eine ungefähre Berechnung was wir alles überhaupt erbeuten können—und nun ist unsere Phantasie thätig, diese zukünftigen Besitzthümer uns äußerst werthvoll zu machen (auch Ämter Ehren Verkehr usw.). Wir suchen die Philosophie, die zu unserem Besitz paßt d.h. ihn vergoldet. Die großen Reformatoren, wie Muhammed, verstehen dies, den Gewohnheiten und Besitz der Menschen einen neuen Glanz zu geben—nicht “etwas Anderes” sie erstreben zu heißen, sondern das was sie haben wollen und können, als etwas Höheres zu sehen (mehr Vernunft und Weisheit und Glück darin zu “entdecken” als sie bis jetzt darin fanden).— Sich selber haben wollen: Selbstbeherrschung usw.

11 [20]

Hauptfrage: wonach ist die Werthtafel der Güter gemacht und verändert worden? So daß ein Eigenthum begehrenswerther als ein anderes schien?

Was leicht zu haben war (wie z. B. Nahrung) wurde verhältnißmäßig unterschätzt. Die Werthtafel stimmt gar nicht mit den Graden des Nutzens (gegen Spencer).

11 [21]

Die Geschichte des Ich gefühls zu beschreiben: und zu zeigen, wie auch im Altruismus jenes Besitzenwollen das Wesentliche ist. Zu zeigen, wie nicht im Begriff “Nicht-ich und Ich” der Hauptfortschritt der Moral liegt, sondern im schärfer-Fassen des Wahren im Anderen und in mir und in der Natur, also das Besitzenwollen immer mehr vom Scheine des Besitzes, von erdichteten Besitzthümern zu befreien, das Ichgefühl also vom Selbstbetruge zu reinigen. Vielleicht endet es damit, daß statt des Ich wir die Verwandtschaften und Feindschaften der Dinge erkennen, Vielheiten also und deren Gesetze: daß wir vom Irrthum des Ich uns zu befreien suchen (der Altruismus ist auch bisher ein Irrthum). Nicht “um der Anderen willen,” sondern “um des Wahren willen leben”! Nicht “ich und du!” Wie könnten, wir “den Anderen” (der selber eine Summe von Wahn ist!) fördern dürfen! Das Ichgefühl umschaffen! Den persönlichen Hang schwächen! An die Wirklichkeit der Dinge das Auge gewöhnen! Von Personen soviel wie möglich vorläufig absehen! Welche Wirkungen muß dies haben! Über die Dinge Herr zu werden suchen und so sein Besitzen-wollen befriedigen! Nicht Menschen besitzen wollen!— Aber heißt dies nicht auch, die Individuen schwächen? Es ist etwas Neues zu schaffen: nicht ego und nicht tu und nicht omnes!

NB. Keinen Besitz in der Jugend erstreben müssen und wollen!: ebenso kein Ansehen, um über Andere zu befehlen—diese beiden Triebe gar nicht zu entwickeln! Uns von den Dingen besitzen lassen (nicht von Personen) und von einem möglichst großen Umfange wahrer Dinge! Was daraus wächst, ist abzuwarten: wir sind Ackerland für die Dinge. Es sollen Bilder des Daseins aus uns wachsen: und wir sollen so sein, wie diese Fruchtbarkeit uns nöthigt zu sein: unsere Neigungen Abneigungen sind die des Ackerlandes, das solche Früchte bringen soll. Die Bilder des Daseins sind das Wichtigste bisher gewesen—sie herrschen über die Menschheit.

11 [22]

Die Erziehung des Genius.

11 [23]

NB! Die Wissenschaft lieben, ohne an ihren Nutzen zu denken! Aber vielleicht ist sie ein Mittel, den Menschen in einem unerhörten Sinne zum Künstler zu machen! Bisher sollte sie dienen.— Eine Reihenfolge schöner Experimente ist einer der höchsten Theatergenüsse.

11 [24]

NB. “Der chemische Prozeß ist stets größer als der Nutzeffekt” Mayer. “Durch gute Dampfmaschinen wird ungefähr 1/20, durch Geschütze 1/10, durch Säugethiere 1/5 der Verbrennungswärme in mechanischen Effekt umgesetzt.” Zur Verschwendung der Natur! Dann die Sonnenwärme bei Proctor! Der Staat im Verhältniß zu seinem Nutzen! Der große Geist! Unsere intellektuelle Arbeit im Verhältniß zu dem Nutzen, den die Triebe davon haben! Also keine falsche “Nützlichkeit als Norm”! Verschwendung ist ohne Weiteres kein Tadel: sie ist vielleicht nothwendig. Auch die Heftigkeit der Triebe gehört hierher.

11 [25]

Die Innervation “übt ihre Herrschaft über die Muskelaktion aus, wahrscheinlich ohne merklichen Aufwand einer physischen Kraft, ohne eine elektrische Strömung und ohne einen chemischen Prozeß überhaupt” nach Mayer—“wie der Kraftaufwand des Maschinisten etwas verschwindend Kleines ist.” (Contakt—Einfluß der motorischen Nerven.)

11 [26]

Die Sinne der Menschen im Fortschritt der Civilisation sind schwächer geworden, Augen und Ohren: weil die Furcht geringer wurde und der Verstand feiner. Vielleicht wird mit der Vermehrung der Sicherheit die Feinheit des Verstandes nicht mehr nöthig sein: und abnehmen: wie in China! In Europa hat der Kampf gegen das Christenthum, die Anarchie der Meinungen und die Concurrenz der Fürsten Völker und Kaufleute bis jetzt den Verstand verfeinert.

11 [27]

Wir treten in das Zeitalter der Anarchie dies aber ist zugleich das Zeitalter der geistigsten und freiesten Individuen. Ungeheuer viel geistige Kraft ist in Umschwung. Zeitalter des Genies: bisher verhindert durch Sitten Sittlichkeit usw.

11 [28]

Verstimmung als verhinderte Auslösung. Grundsatz: nicht die Auslösungen, so gewaltsam sie auch sein mochten, gaben der Menschheit den meisten Schaden, sondern die Verhinderung derselben. Verstimmung, krankhafte Mißgefühle haben wir zu beseitigen—aber dazu gehört der Muth, das Schreckliche der Auslösungen anders und günstiger zu beurtheilen. Attentate sind besser als schleichende Verdrießlichkeiten. Morde Kriege usw. offene Gewalt das Böse der Macht soll gut heißen: wenn das Böse der Schwäche von jetzt ab böse zu nennen ist.

11 [29]

Irrthum der positiven Philosophie nachzuweisen: sie will die Anarchie der Geister vernichten, und sie wird den dumpfen Druck unbefriedigter Auslösung hervorbringen (wie China)!

11 [30]

Über die Beschäftigung mit der Wissenschaft giebt es noch keine schöne und gesunde Sitte. Man überträgt gedankenlos die Gewohnheiten anderer Beschäftigungen z. B. des Beamten, Commis, Gärtners, Arbeiters. Der Adel ist deshalb im Großen so fruchtbar, weil er vornehme Sitten hinzubrachte: die vornehmste ist, die Langeweile aushalten zu können. In der That, der wissenschaftliche Mensch muß sich täglich mehrere Stunden auf sich beschränken und da oft die Gedanken nicht gleich kommen, viel Langeweile ohne Ungeduld hinnehmen. Die Inder verstanden dies!

11 [31]

Viele unserer Triebe finden ihre Auslösung in einer mechanischen starken Thätigkeit, die zweckmäßig gewählt sein kann: ohne dies giebt es verderbliche und schädliche Auslösungen. Haß Zorn Geschlechtstrieb usw. könnten an die Maschine gestellt werden und nützlich arbeiten lernen, z. B. Holz hacken oder Briefe tragen oder den Pflug führen. Man muß seine Triebe ausarbeiten. Das Leben des Gelehrten erfordert namentlich so etwas. Einige Stunden des Tages sollen nothwendig dem Nachdenken entzogen werden. Aller Mißmuth ist auszulösen: Handarbeit in der Nähe! Oder der Lauf Sprung Ritt. Man könnte als Denker sehr gut noch Pferde zureiten. Oder commandiren.

11 [32]

Die allgemeine Geschichte der Wissenschaft giebt zuletzt einen Begriff wie die gewöhnlichsten geistigen Verrichtungen zu Stande kommen.

11 [33]

NB! Im Moleküle könnte immer noch die Geschichte des Sonnensystems abspielen und Wärme durch Fall und Stoß sich erzeugen.

11 [34]

Die Chinesen: ohne Scham, ohne Vorurtheile, geschwätzig, maßvoll: ihre Leidenschaften Opium Spiel Weiber. Sie sind reinlich.

11 [35]

Sich die Vortheile eines Todten verschaffen—es kümmert sich Keiner um uns, weder für noch wider. Sich wegdenken aus der Menschheit, die Begehrungen aller Art verlernen: und den ganzen Überschuß von Kraft auf das Zuschauen verwenden. Der unsichtbare Zuschauer sein!!

11 [36]

Wir sind irgendwie in der Mitte—nach der Größe der Welt zu und nach der Kleinheit der unendlichen Welt zu. Oder ist das Atom uns näher als das äußerste Ende der Welt?— Ist für uns die Welt nicht nur ein Zusammenfassen von Relationen unter einem Maaße? Sobald dies willkürliche Maaß fehlt, zerfließt unsere Welt!

11 [37]

Wir kennen a) die Motive der Handlung nicht; b) wir kennen die Handlung, die wir thun, nicht; c) wir wissen nicht, was daraus wird. Aber wir glauben von allen dreien das Gegentheil: das vermeintliche Motiv, die vermeintliche Handlung und die vermeintlichen Folgen gehören in die uns bekannte Geschichte des Menschen, sie wirken aber auch auf seine unbekannte Geschichte ein, als die jedesmalige Summe von drei Irrthümern.

In jedem Falle giebt es nicht Eine Handlung, die zu thun ist, sondern so viele als es Ideale des vollkommenen Menschen giebt. Nützlich, verderblich—ist kein “An-sich”; die Ideale sind Dichtungen auf mehr oder weniger geringe Kennt niß des Menschen.— Ich leugne die absolute Sittlichkeit, weil ich ein absolutes Ziel des Menschen nicht kenne. Man muß den gesunden Zustand kennen, um den krankhaften zu erkennen—aber Gesundheit selber ist eine Vorstellung, die nach dem Vorhandenen sich in uns erzeugt. Spencer p. 302. “Übergangszustände durchdrungen von dem auf Nichtanpassung beruhenden Elend”: sagt Spencer—und doch könnte gerade dies Elend das Nützlichste sein!

11 [38]

Ich suche für mich und meines Gleichen den sonnigen Winkel inmitten der jetzt wirklichen Welt, jene sonnigen Vorstellungen, bei denen uns ein Überschuß von Wohl kommt. Möge dies Jeder für sich thun und das Reden ins Allgemeine, für die “Gesellschaft” bei Seite lassen!

11 [39]

Mit sich behaftet wie mit einer Krankheit—so fand ich die Begabungen.

11 [40]

Die Voraussetzung des Spencerschen Zukunfts-Ideals ist aber, was er nicht sieht, die allergrößte Ähnlichkeit aller Menschen, so daß einer wirklich im alter sich selber sieht. Nur so ist Altruismus möglich! Aber ich denke an die immer bleibende Unähnlichkeit und möglichste Souveränität des Einzelnen: also altruistische Genüsse müssen selten werden, oder die Form bekommen der Freude am Anderen, wie unsere jetzige Freude an der Natur.

11 [41]

Die Entstehung des Denkers und die Gefahren, an denen eine solche Entstehung gewöhnlich ihr Ende findet. 1) die Eltern wollen ihres Gleichen aus ihm machen 2) man gewöhnt ihn an Beschäftigungen, die ihm die Kraft und die Zeit zum Denken wegnehmen; Berufe usw. 3) man erzieht ihn zu einer kostspieligen Lebensweise, der er nun wieder viel Kraft zuwenden muß, um die Mittel dazu zu schaffen 4) man gewöhnt ihn an Freuden, welche die des Denkens farblos erscheinen lassen, und an eine Stimmung der Unbehaglichkeit in Gegenwart der Denker und ihrer Werke 5) der Geschlechtstrieb will ihn antreiben, sich mit einem Weibe zu verbinden und fürderhin für die Kinder zu leben—nicht mehr für sich selber 6) seine Begabung bringt Ehren mit sich: und diese führen ihn zu einflußreichen Personen, welche ein Interesse haben, aus ihm ein Werkzeug zu machen 7) die Lust, im Erfolge einer Wissenschaft, macht ihn von den weiteren Zielen abtrünnig: er bleibt an den Mitteln kleben und vergißt den Zweck.— Daraus lassen sich die Maximen der Erziehung des unabhängigen Denkers ableiten. Und Vorschriften, um diese Vorschriften auf’s wirksamste einzuprägen (namentlich Entfernung von der Gefahr, Zwang zu denken durch sonstige Unbeschäftigung usw.) Mir liegt an der Erhaltung meiner Art!! —

11 [42]

Die ganze Tyrannei der Zweckmäßigkeit der Gattung einmal darzulegen! Wie! Wir sollten sie gar noch fördern? Sollten nicht viel mehr dem Individuum soviel nur möglich zurückerobern? Alle Moralität soll darin aufgehen: was vererbbar auf die ganze Gattung ist, soll den Werth ausmachen?— Sehen wir doch auf die zufälligen Würfe hin, die dabei vorkommen müssen—ob da nicht manches vorkommt, was dem Gattungs-Ideal, gesetzt es werde einmal erreicht, zuwiderläuft!

11 [43]

Diese Verherrlicher der Selektions-Zweckmäßigkeit (wie Spencer) glauben zu wissen, was begünstigende Umstände einer Entwicklung sind! und rechnen das Böse nicht dazu! Und was wäre denn ohne Furcht Neid Habsucht aus dem Menschen geworden! Er existirte nicht mehr: und wenn man sich den reichsten edelsten und fruchtbarsten Menschen denkt, ohne Böses—so denkt man einen Widerspruch. Von allen Seiten wohlwollend behandelt und selber wohlwollend—da müßte ein Genie furchtbar leiden, denn alle seine Fruchtbarkeit will egoistisch sich von den Anderen nähren, sie beherrschen, aussaugen usw. Kurz, wenn jetzt der Tugendhafte an der Stärke des Egoismus leidet, so dann an der Stärke des Altruismus: alles Thun wird ihm vergällt, weil es seinem Haupthange zuwiderläuft und ihm böse vorkommt. Für sich etwas thun, bei Seite bringen, schaffen—das wäre alles mit bösem Gewissen: Lust stellte sich ein, wenn man seine Schaffensgelüste zurückdrängte und allgemein empfände. Es wäre so auch ein schönes ruhendes von allen Seiten ernährtes und erblühendes Menschenthum möglich, aber ein ganz anderes als unser bestes Menschenthum—für das auch Einiges geltend zu machen ist.

Übrigens könnte man als Individuum dem ungeheuer langsamen Prozeß der Selection zuvorkommen, in vielen Stücken und vorläufig den Menschen in seinem Ziele zeigen—mein Ideal! Die ungünstigen Umstände bei Seite thun, indem man sich bei Seite thut (Einsamkeit) Auswahl der Einflüsse (Natur Bücher hohe Ereignisse) darüber nachzudenken! Nur wohlwollende Gegner im Gedächtniß behalten! Selbständige Freunde! Alle tieferen Stufen der Menschheit aus seinem Gesichtskreis bannen! Oder sie nicht sehen und hören wollen! Blindheit Taubheit des Weisen!

11 [44]

Die Vorwegnehmenden.— Ich zweifle, ob jener Dauermensch, welchen die Zweckmäßigkeit der Gattungs-Auswahl endlich produzirt, viel höher als der Chinese stehen wird. Unter den Würfen sind viele unnütze und in Hinsicht auf jenes Gattungsziel vergängliche und wirkungslose—aber höhere: darauf laßt uns achten! Emancipiren wir uns von der Moral der Gattungs-Zweckmäßigkeit!— Offenbar ist das Ziel, den Menschen ebenso gleichmäßig und fest zu machen, wie es schon in Betreff der meisten Thiergattungen geschehen ist: sie sind den Verhältnissen der Erde usw. angepaßt und verändern sich nicht wesentlich. Der Mensch verändert sich noch—ist im Werden.

11 [45]

Die größten Einwirkungen übersehen wir nicht: wir können immer noch die Rasse zu Grunde richten, denn wir messen die Wirkungen nach Individuen, höchstens nach Jahrhunderten. Ob z. B. der Kaffé oder der Alkohol nicht Gifte sind, die in der regelmäßigen Weise eingenommen, wie es geschieht, in 2000 Jahren die Menschheit vernichtet haben?

11 [46]

“Rudimentäre Menschen” solche, die jetzt der Zweckmäßigkeit der Art nicht mehr dienen: aber keine selbsteigenen Wesen geworden sind.

Unzweckmäßig in Hinsicht auf die Art, noch nicht in Hinsicht auf kleine Complexe, und nicht in Hinsicht auf das Individuum! Sind die Zwecke des Individuums nothwendig die Zwecke der Gattung? Nein. Die individuelle Moral: in Folge eines zufälligen Wurfs im Würfelspiel ist ein Wesen da, welches seine Existenzbedingungen sucht—nehmen wir dies ernst und seien wir nicht Narren, zu opfern für das Unbekannte!

11 [47]

Der Eigenthumstrieb—Fortsetzung des Nahrungs- und Jagd-Triebs. Auch der Erkenntnißtrieb ist ein höherer Eigenthumstrieb.

11 [48]

Die Menschen bleiben bei den Mitteln hängen, wenn deren Erreichung ihnen Lust macht. Rohde.

11 [49]

Wer das Schöne nicht erreicht, sucht das Wilderhabene, weil da auch das Häßliche seine “Schönheit” zeigen darf. Ebenso sucht er die wilderhabene Moralität.

11 [50]

Im Heroismus ist der Ekel sehr stark (ebenso im Uneigennützigen—man verachtet die Beschränktheit des “Ich”—der Intellekt hat seine Expansion). Die Schwäche des Ekels bezeichnet die industrielle und utilitarische Cultur.

11 [51]

Zwei Ursprünge der Kunst 1) auf eine unschädliche Weise getäuscht zu werden (Taschenspieler Schauspieler Erzähler usw.) auch Architektur als ob der Stein redete (von dem Haus- oder Tempeleinwohner) 2) auf eine unschädliche Weise überwältigt werden: Rausch, Musik, Lyrik usw. Zuerst Besorgniß Verwunderung, daß nichts Böses erfolgt, keine Gefahr da ist—bei Beiden. So werden die Zustände, die am meisten gefürchtet werden und den höchsten Reiz ausüben, erstrebenswerth: Täuschung und Überwältigung. So von Seiten der Genießenden aus betrachtet.

11 [52]

Der Zins (“Wucher”) und das böse Gewissen.
Das Theater und das böse Gewissen.

11 [53]

Reinigung der Seele.— Erster Ursprung von höher und niedriger.

Das aesthetisch-Beleidigende am innerlichen Menschen ohne Haut—blutige Massen, Kothgedärme, Eingeweide, alle jene saugenden pumpenden Unthiere—formlos oder häßlich oder grotesk, dazu für den Geruch peinlich. Also weggedacht! Was davon doch heraustritt, erregt Scham (Koth Urin Speichel Same) Frauen mögen nicht vom Verdauen hören. Byron eine Frau nicht essen sehen (So gehen die Hintergedanken ihren Weg) Dieser durch die Haut verhüllte Leib, der sich zu schämen scheint! Das Gewand an der Theilen, wo sein Wesen nach außen tritt: oder die Hand vor den Mund halten beim Speichelauswerfen. Also: es giebt Ekel-erregendes; je unwissender der Mensch über den Organismus ist, um So mehr fällt ihm rohes Fleisch Verwesung Gestank Maden zusammen ein. Der Mensch, soweit er nicht Gestalt ist, ist sich ekelhaft—er thut alles, um nicht daran zu denken.— Die Lust, die ersichtlich mit diesem innerlichen Menschen zusammenhängt, gilt als niedriger—Nachwirkung des aesthetischen Urtheils. Die Idealisten der Liebe sind Schwärmer der schönen Formen, sie wollen sich täuschen und sind oft empört bei der Vorstellung von Coitus und Samen.— Alles Peinliche Quälende Überheftige hat der Mensch diesem innerlichen Leibe zugeschrieben: um so höher hob er das Sehen Hören die Gestalt das Denken. Das Ekelhafte sollte die Quelle des Unglücks sein!— Wir lernen den Ekel um!

Zweiter Ursprung der Unterscheidung von höher und niedriger. Alles Furchteinflößende als das Mächtigere gilt als höher; alles Andere als niedriger oder gar verächtlich. Als Höchstes—Furcht einflößen und doch wohlthun und wohlwollen!

11 [54]

Welches sind die tiefen Umwandlungen, welche aus den Lehren kommen müssen, daß kein Gott für uns sorgt und daß es kein ewiges Sittengesetz giebt (atheistisch-unmoralische Menschheit)? daß wir Thiere sind? daß unser Leben vorbeigeht? daß wir unverantwortlich sind? der Weise und das Thier werden sich nähern und einen neuen Typus ergeben!

11 [55]

Die, welche den Vortheil von der hülfreichen wohlwollenden Gesinnung haben, haben sie so verherrlicht! Das Lob eine Folge des Nutzens! Und der Wohlthäter ließe es sich gefallen, mit Lob entschädigt zu werden?

11 [56]

Wie entsteht Trieb, Geschmack, Leidenschaft? Letztere opfert sich andere Triebe, die schwächer sind (anderes Verlangen nach Lust)—: das ist nicht unegoistisch! Ein Trieb beherrscht die anderen, auch den sogenannten Selbsterhaltungstrieb! “Heroismus” usw. sind nicht als Leidenschaften verstanden worden, sondern weil sie den Anderen sehr nützlich waren, als etwas Höheres Edleres Anderes!—da die meisten anderen Leidenschaften den Anderen gefährlich waren. Dies war sehr kurzsichtig! Auch der Heroismus der Vaterlandsliebe der Treue der “Wahrheit,” der Forschung usw. ist den Anderen höchst gefährlich—sie sind nur zu dumm, das zu sehen! sie würden die unegoistischen Tugenden sonst in den Bann thun, in den die Habsucht der Geschlechtssinn, Grausamkeit Eroberungslust usw. gehören. Aber jene wurden gut genannt und empfunden, und allmählich ganz von den edleren und reineren Gefühlen durchtränkt—und idealisiert! ideal gemacht! So wurde die Arbeit, die Armut, der Zins, die Päderastie, zu verschiedenen Zeiten entwürdigt, zu anderen Zeiten ideal gemacht.

11 [57]

Die Menschen bewundern und loben die Handlungen eines Anderen, die für ihn selber unzweckmäßig erscheinen, sofern sie ihnen nützlich sind. (Unzweckmäßigkeit in Hinsicht auf Genuß oder Nutzen.) Früher verstand man Genuß oder Nutzen sehr gemein und eng: und wer z. B. für gloria etwas that, war schon unzweckmäßig nach der Meinung der groben Menschen, der Masse. Weil man feinere Arten von Genuß nicht sah, hat man das Reich des Uneigennützigen so groß angenommen. Der Mangel an psychologischer Feinheit ist ein Grund von vielem Loben und Bewundern! Weil die Masse keine Leidenschaft hat, so hat sie die Leidenschaft bewundert, weil sie mit Opfern verknüpft und unklug ist—den Genuß der Leidenschaft konnte man sich nicht vorstellen, man leugnete ihn. Die Menge verachtet alles Gewöhnliche, Leichte, Kleine.

11 [58]

Vor allem Wohl- und Wehethun steht die Frage: wer ist das Andere, wer ist der Andere? kurz die Erkenntniß der Welt! Wozu wohlthun und wehethun—muß erst entschieden sein! Bisher geschah alles Wohl- und Wehethun im Irrthum, als ob man wisse, was? und wozu? Die Schätzung des Wohlwollens ist erst noch zu beweisen, namentlich der Grad!

11 [59]

Nicht das Glück, sondern die möglichst lange Erhaltung ist der Inhalt aller bisherigen Moral der Gemeinde und Gesellschaft (ja auf Kosten des Glückes aller Einzelnen). Also auch nicht der Nutzen. Wer hat das Interesse der Erhaltung? Die Häuptlinge an der Spitze von Familien, Ständen usw. welche fortleben wollen im Fortleben ihrer Institutionen, welche ihr Machtgefühl in die Ferne treiben. Alle Alten: wer sein persönlich zu kurzes oder noch kurzes Leben stark empfindet, sucht sich einzudrücken in die Seele und Sitte der neuen Generation und so fortzuleben, fortzuherrschen. Es ist Eitelkeit.— Das Individuum gegen die Gesellschafts-Moral und abseits von ihr—wenn die größte Gefahr für Alle vorüber ist, können einzelne Bäume aufwachsen mit ihren Existenzbedingungen.

11 [60]

Neuer Blick auf die Welt in Hinsicht auf Intelligenz und Güte. Ist die Menschheit eine Ausnahme? Ist im Ganzen ihr Grad von Intelligenz und Güte gleichen Ranges wie der in der Natur? Ja.— Nun aber haben wir die “Zweckmäßigkeit” und “Intelligenz” der Natur zu verstehen—sie ist gar nicht da! Ebenso wenig das Unegoistische! Von da auf die Menschheit zurückzuschließen: vielleicht ist auch unsere Zweckmäßigkeit nur eine Summe günstiger Zufälle, und unsere “Güte” ebenfalls ein Irrthum. Aus den großen Schriftzügen der Natur unsere kleine Schrift zu verstehen suchen!— Wir können eine Reihe von Nacheinander’s angeben, die zu einem Zwecke führen—aber 1) es ist nicht die vollständige Reihe, sondern eine erbärmliche Auswahl 2) wir können kein Glied der Reihe aus freien Stücken machen, wir wissen nur mehr oder weniger, daß es sich machen wird. Wo wir zweckmäßig sind, handeln wir trotzdem unwissend über Mittel und Zweck, im Ganzen gesehen. Über diesen Fatalismus kommen wir nicht hinaus.

11 [61]

Die Menschen haben mit Verwunderung wahrgenommen, daß Mancher seinen Vortheil vernachlässigt (in der Leidenschaft, oder aus Geschmack): sie waren blind für die inneren Vortheile des Stolzes, der Stimmung usw. und hielten diese Menschen entweder für 1) toll oder 2) für gut, falls nämlich ihnen daraus ein Vortheil erwuchs—sie bilden nun den Glauben aus, die Handlungen werden gethan allein, um ihnen wohlzuthun. Die Verherrlichung solcher Handlungen und Menschen hatte den Werth, zu ähnlichen persönlich unzweckmäßigen Handlungen anzutreiben. Der Egoismus derer, welche Hülfe und Wohlthat brauchen, hat das Unegoistische so hoch gehoben!

11 [62]

Die Jesuiten vertraten gegen Pascal die Aufklärung und die Humanität.

11 [63]

neue Praxis.

Den anderen Menschen zunächst wie ein Ding, einen Gegenstand der Erkenntniß ansehen, dem man Gerechtigkeit widerfahren lassen muß: die Redlichkeit verbietet, ihn zu verkennen, ja ihn unter irgend welchen Voraussetzungen zu behandeln, welche erdichtet und oberflächlich sind. Wohlthun ist dasselbe, wie eine Pflanze sich in’s Licht rücken, um sie besser zu sehen—auch Wehethun kann ein nöthiges Mittel sein, damit die Natur sich enthülle. Nicht Jeden als Menschen behandeln, sondern als so und so beschaffenen Menschen: erster Gesichtspunkt! Als etwas, das erkannt sein muß, bevor es so und so behandelt werden kann. Die Moral mit allgemeinen Vorschriften thut jedem Individuum Unrecht. Oder giebt es Mittel der Vorbereitung der Erkenntniß, die auf jedes Wesen zuerst anwendbar sind, als Vorstufe des Experimentes?— Wie wir mit den Dingen verkehren, um sie zu erkennen, so auch mit den lebenden Wesen, so mit uns.— Aber bevor wir die Erkenntniß haben oder nachdem wir einsehen, daß wir sie nicht uns verschaffen können, wie dann handeln? Und wie, wenn wir sie erkannt haben?— Als Kräfte für unsere Ziele sie verwenden—wie anders? So wie es die Menschen immer machten (auch wenn sie sich unterwarfen: sie förderten ihren Vortheil durch die Macht dessen, dem sie sich unterwarfen)— Unser Verkehr mit Menschen muß darauf aus sein, die vorhandenen Kräfte zu entdecken, die der Völker Stände usw.—dann diese Kräfte zum Vortheil unserer Ziele zu stellen (eventuell sie sich gegenseitig vernichten lassen, wenn dies noth thut).

Neu: die Redlichkeit leugnet den Menschen, sie will keine moralische allgemeine Praxis, sie leugnet gemeinsame Ziele. Die Menschheit ist die Machtmenge, um deren Benutzung und Richtung die Einzelnen conkurriren. Es ist ein Stück Herrschaft über die Natur: vor allem muß die Natur erkannt, dann gerichtet und benutzt werden.— Mein Ziel wäre wieder die Erkenntniß? eine Machtmenge in den Dienst der Er stellen?

11 [64]

Nach meinem Ziele über höhere und niedere Eigenschaften abschätzen—alle Urtheile als Vorurtheile auf diesem Gebiete behandeln. Es soll mir gleichgültig sein, was über die Keuschheit gedacht ist—gesetzt sie ist besser für die Erkenntniß, so wird sie empfohlen. Alle Dinge auf ihren Werth für das Erkennen hin prüfen, z. B. die Kunst die politischen Zustände usw. den Handel.

11 [65]

Aufgabe: die Dinge sehen, wie sie sind! Mittel: aus hundert Augen auf sie sehen können, aus vielen Personen! Es war ein falscher Weg, das Unpersönliche zu betonen und das Sehen aus dem Auge des Nächsten als moralisch zu bezeichnen. Viele Nächste und aus vielen Augen und aus lauter persönlichen Augen sehen—ist das Rechte. Das “Unpersönliche” ist nur das geschwächt-Persönliche, Matte—kann hier und da auch schon nützlich sein, wo es eben gilt, die Trübung der Leidenschaft aus dem Auge zu entfernen. Die Zweige der Erkenntniß, wo schwache Persönlichkeiten nützlich sind, am besten angebaut (Mathematik usw.). Der beste Boden der Erkenntniß, die starken mächtigen Naturen, werden erst spät für das Erkennen erobert (urbar gemacht usw.)— Hier sind die treibenden Kräfte am größten: aber das gänzliche Verirren und Wildwerden und Aufschießen in Unkraut (Religion und Mystik) ist immer noch das Wahrscheinlichste (die “Philosophen” sind solche mächtigen Naturen, die für die Erkenntniß noch nicht urbar sind; sie erbauen, tyrannisiren die Wirklichkeit, legen sich hinein. Überall, wo Liebe Haß usw. möglich sind, war die Wissenschaft noch ganz falsch: hier sind die “Unpersönlichen” ohne Augen für die wirklichen Phänomene, und die starken Naturen sehen nur sich und messen alles nach sich.— Es müssen sich neue Wesen bilden.

11 [66]

“Die Wahrheit um der Wahrheit willen” suchen—oberflächlich! Wir wollen nicht betrogen werden, es beleidigt unseren Stolz.

11 [67]

Die Schädlichkeit der “Tugenden” die Nützlichkeit der “Untugenden” ist nie in voller Breite gesehen worden. Ohne Furcht und Begierde—was wäre der Mensch! Ohne Irrthümer gar!

11 [68]

In wiefern der Sinn der Redlichkeit die phantastische Gegenkraft der Natur zu reizen vermag! Ob wirklich die Menschen nüchterner werden?— Wir begreifen ja nur durch ein phantastisches Vorwegnehmen und Versuchen, ob die Realität zufällig in dem Phantasiebild erreicht ist; namentlich in der Historie, usw. Thukydides und Tacitus müssen Dichter sein. Selbst in der Wissenschaft der einfachsten Vorgänge ist Phantasie nöthig (z. B. Mayer)—aber hier kann noch die Täuschung entstehen, als ob Nüchternheit produktiv wäre!

11 [69]

Die Leidenschaft der Erkenntniß sieht sich als Zweck des Daseins—leugnet sie die Zwecke, so sieht sie sich als werthvollstes Ergebniß aller Zufälle. Wird sie die Werthe leugnen? sie kann nicht behaupten, der höchste Genuß zu sein? Aber nach ihm zu suchen? das genußfähigste Wesen auszubilden, als Mittel und Aufgabe dieser Leidenschaft? Die Sinne steigern und den Stolz und den Durst usw.

Einen Berg hinuntersteigen, die Gegend mit den Augen umarmen, eine ungestillte Begierde dabei. Die leidenschaftlich Liebenden, welche die Vereinigung nicht zu erreichen wissen (—bei Lucrez) Der Erkennende verlangt nach Vereinigung mit den Dingen und sieht sich abgeschieden—dies ist seine Leidenschaft. Entweder soll sich alles in Erkenntniß auflösen oder er löst sich in die Dinge auf—dies ist seine Tragödie (letzteres sein Tod und dessen Pathos. Ersteres sein Streben, alles zu Geist zu machen—: Genuß die Materie zu besiegen, zu verdunsten, zu vergewaltigen usw. Genuß der Atomistik der mathematischen Punkte. Gier!

11 [70]

Grundfalsche Werthschätzung der empfindenden Welt gegen die todte. Weil wir sie sind! Dazu gehören! Und doch geht mit der Empfindung die Oberflächlichkeit, der Betrug los: was hat Schmerz und Lust mit dem wirklichen Vorgange zu schaffen!—es ist ein Nebenher, welches nicht in die Tiefe dringt! Aber wir nennen’s das Innere und die todte Welt sehen wir als äußerlich an—grundfalsch! Die “todte” Welt! ewig bewegt und ohne Irrthum, Kraft gegen Kraft! Und in der empfindenden Welt alles falsch, dünkelhaft! Es ist ein Fest, aus dieser Welt in die “todte Welt” überzugehen—und die größte Begierde der Erkenntniß geht dahin, dieser falschen dünkelhaften Welt die ewigen Gesetze entgegenzuhalten, wo es keine Lust und keinen Schmerz und Betrug giebt. Ist dies Selbstverneinung der Empfindung, im Intellekte? Der Sinn der Wahrheit ist: die Empfindung als die äußerliche Seite des Daseins zu verstehen, als ein Versehen des Seins, ein Abenteuer. Es dauert dafür kurz genug! Laßt uns diese Komödie durchschauen und so genießen! Laßt uns die Rückkehr in’s Empfindungslose nicht als einen Rückgang denken! Wir werden ganz wahr, wir vollenden uns. Der Tod ist umzudeuten! Wir versöhnen so mit dem Wirklichen d. h. mit der todten Welt.

11 [71]

In dem Grade als die Welt zähl- und meßbar sich zeigt, also zuverlässig—erhält sie Würde bei uns. Ehedem hatte die unberechenbare Welt (der Geister—des Geistes) Würde, sie erregte mehr Furcht. Wir aber sehen die ewige Macht ganz wo anders. Unsere Empfindung über die Welt dreht sich um: Pessimismus des Intellekts.

11 [72]

Herrliche Entdeckung: es ist nicht alles unberechenbar, unbestimmt! Es giebt Gesetze, die über das Maaß des Individuums hinaus wahr bleiben! Es hätte ja ein anderes Resultat sich ergeben können!

Das Individuum nicht mehr als die ewige Sonderbarkeit und ehrwürdig! Sondern als die complicirteste Thatsache der Welt, der höchste Zufall. Wir glauben auch an seine Gesetzmäßigkeit, ob wir sie schon nicht sehen.— Oder? Als entzogen der Erkennbarkeit, aber ein Mittel der Erkenntniß, auch Hinderniß der Erkenntniß—nicht verehrungswürdig, etwas dubiös!

11 [73]

Wir können weder des Bösen noch der Leidenschaften entbehren—die vollständige Anpassung Aller an Alles und Jedes in sich (wie bei Spencer) ist ein Irrthum, es wäre die tiefste Verkümmerung.— Das schönste leiblich mächtigste Raubthier hat die stärksten Affekte: sein Haß und seine Gier in dieser Stärke werden für seine Gesundheit nöthig sein, und wenn befriedigt, diese so prachtvoll entwickeln. Selbst zum Erkennen brauche ich alle meine Triebe, die guten wie die bösen und wäre schnell am Ende, wenn ich nicht gegen die Dinge feindlich mißtrauisch grausam tückisch rachsüchtig und mich verstellend usw. sein wollte. Alle großen Menschen waren durch die Stärke ihrer Affekte groß. Auch die Gesundheit taugt nichts, wenn sie nicht großen Affekten gewachsen ist, ja sie nöthig hat. Große Affekte concentriren und halten die Kraft in Spannung. Gewiß sind sie oft Anlaß, daß man zu Grunde geht—aber dies ist kein Argument gegen ihre nützlichen Wirkungen im Großen.— Unsere Moralität will aber das Gegentheil, liebenswürdige und creditfähige Zahler und Borger.

11 [74]

Der Schaden der Tugenden ist noch nicht nachgewiesen!

11 [75]

Wir können nur intellektuelle Vorgänge begreifen: also an der Materie das, was sichtbar hörbar fühlbar wird—werden kann! d.h. wir begreifen unsere Veränderungen im Sehen, Hören, Fühlen, welche dabei enstehen. Wofür wir keine Sinne haben, existirt für uns nicht—aber deshalb braucht die Welt nicht zu Ende zu sein. Elektricität—z. B. unser Sinn sehr schwach entwickelt.— Auch an einer Leidenschaft, einem Triebe begreifen wir nur den intellektuellen Vorgang daran—nicht das physiologische, wesentliche, sondern das Bischen Empfindung dabei. Alles zu Willen aufzulösen—sehr naive Verdrehung!—da freilich wäre alles verständlicher! Das war aber immer die Tendenz, alles in einen intellektuellen oder empfindenden Vorgang zu reduziren—z. B. auf Zwecke usw.

11 [76]

Veränderung der Werthschätzung—ist meine Aufgabe.

Der Leib und der Geist
die Leidenschaft
das Böse
die Gemeinde—Moral
Leben und Tod
Gewissen Strafe Sünde
Lob und Tadel
Zwecke Willen
Gleichgültigkeit
das Leben als Verirrung.

11 [77]

Der Mensch als das wahnsinnig gewordene Thier: lebt in lauter Wahn, bis jetzt, mehr als irgend wer geahnt hat. So fand ich ihn vor.

11 [78]

Die aesthetischen Urtheile (der Geschmack, Mißbehagen, Ekel usw.) sind das, was den Grund der Gütertafel ausmacht. Diese wiederum ist der Grund der moralischen Urtheile.

11 [79]

Das Schöne, das Ekelhafte usw. ist das ältere Urtheil. Sobald es die absolute Wahrheit in Anspruch nimmt, schlägt das aesthetische Urtheil in die moralische Forderung um.



Sobald wir die absolute Wahrheit leugnen, müssen wir alles absolute Fordern aufgeben und uns auf aesthetische Urtheile zurückziehen. Dies ist die Aufgabe—eine Fülle aesthetischer gleichberechtigter Werthschätzungen zu creiren: jede für ein Individuum die letzte Thatsache und das Maaß der Dinge.



Reduktion der Moral auf Aesthetik!!!

11 [80]

Die Erkenntniß hat den Werth 1) die “absolute Erkenntniß” zu widerlegen 2) die objektive zählbare Welt der nothwendigen Aufeinanderfolge zu entdecken.

11 [81]

Es giebt für uns nicht Ursache und Wirkung, sondern nur Folgen (“Auslösungen”) NB.

11 [82]

1.

Die Weisen müssen das Monopol des Geldmarktes sich erwerben: darüber erhaben durch ihre Lebensweise und Ziele und Richtung gebend für den Reichthum—es ist absolut nöthig, daß die höchste Intelligenz ihm die Richtung giebt.

2.

Die Ehe. Unsere meisten Ehefrauen sind zu hoch gestellt.— Geschlechtsbefriedigung soll nie das Ziel der Ehe sein.— Eine Arbeiterbevölkerung braucht gute Hurenhäuser.— Zeitehen.

3.

Der Selbstmord als übliche Todesart: neuer Stolz des Menschen, der sich sein Ende setzt und eine neue Festfeier erfindet—das Ableben.

11 [83]

Die Wissenschaft von 1650-1800 wollte die Weisheit und Güte Gottes erweisen: das Umgekehrte war das Ergebniß. Jetzt ist man versucht, einem Reste von Gott, einem mangelhaften Intellekt, listige und böse Umwege zum Guten usw. zuzugestehen. Aber 1) es zeigen sich ganz verschiedene Grade von Unvernunft 2) und ebenso von Güte: es würde ein Wesen ohne Charakter sein. Wozu ein solches Wesen annehmen?— Weder gut noch böse ist die Welt! Und der Mensch also! —

11 [84]

Unsere ganze Welt ist die Asche unzähliger lebender Wesen: und wenn das Lebendige auch noch so wenig im Vergleich zum Ganzen ist: so ist alles schon einmal in Leben umgesetzt gewesen, und so geht es fort. Nehmen wir eine ewige Dauer, folglich einen ewigen Wechsel der Stoffe an —

11 [85]

Forscher wie Lecky können den Verfall einer Meinung nach ihrer größten Herrschaft nie erklären. Die Meinungen (auf der Basis des Geschmacks) sind große Krankheiten über viele Geschlechter hin, physiologisch endlich ausheilend und absterbend—und die Meinungen selber sind nur der uns bekannte Ausdruck eines physiologischen Vorganges. Es giebt individuelle und überindividuelle Krankheiten. Man muß die Menschen studiren, in welchen die Gegenmeinung oder die Skepsis auftaucht: ein neues physiologisches Merkmal ist in ihnen, wahrscheinlich der Keim einer anderen Krankheit.— Die Menschen als die wahnsinnigen Thiere.

11 [86]

Die Thatsache an der Hexerei ist, daß ungeheure Massen Menschen damals die Lust empfanden, Anderen zu schaden und sich schädigend zu denken, ebenfalls in Gedanken sinnlich auszuschweifen und sich mächtig im Bösen und Gemeinsten zu fühlen. Woher das?—ist die Frage.

11 [87]

Jene Menschen mit der Tugend der Unbeugsamkeit Selbstüberwindung Heroismus zeigen in ihrem gefühllosen harten und grausam ausschweifenden Denken und Handeln an Andern, wo diese Tugend ihr Fundament hat. Sie handeln gegen Andere wie sie gegen sich handeln—aber weil letzteres den Menschen nützlich und selten scheint, folglich verehrungswürdig ist, ersteres sehr peinlich ist, zerlegt man sie in gute und böse Hälften! Zuletzt ist diese gefühllose Härte wahrscheinlich im Großen der Menschheit sehr nützlich gewesen, es erhielt die Ansichten und Bestrebungen aufrecht und gab ganzen Völkern und Zeiten eben jene Tugenden der Unbeugsamkeit Selbstüberwindung Heroismus, machte sie groß und stark und herrschend.

11 [88]

Ich muß nicht nur die Lehre von der Sünde, sondern auch die vom Verdienste (Tugend) aufgeben. Wie in der Natur—es bleiben die aesthetischen Urtheile! “ekelhaft, gewöhnlich, selten, anziehend, harmonisch, schroff, grell, widerspruchsvoll, quälend, entzückend” usw. Diese Urtheile sind aber auf eine wissenschaftliche Basis zustellen! “selten” was wirklich selten ist. Vieles “Gewöhnliche” als höchst werthvoll, mehr als das Seltene usw.

11 [89]

Das Wehe thun wollen, die Lust an der Grausamkeit—hat eine große Geschichte. Die Christen in ihrem Verhalten gegen die Heiden; Völker gegen ihre Nachbarn und Gegner; Philosophen gegen Menschen anderer Meinung; alle Freidenker; die Tagesschriftsteller; alle Abweichend-Lebenden, wie die Heiligen. Fast alle Schriftsteller. Selbst in den Kunstwerken sind solche Züge, welche die Absicht auf die Nebenbuhler eingiebt. Oder wie bei Heinrich von Kleist, welcher mit seiner Phantasie dem Leser Gewalt anthun will; auch Shakespeare.— Ebenso alles Lachen, und die Komödie.

Ebenso die Lust an der Verstellung: große Geschichte. —

Ist der Mensch deshalb böse?

11 [90]

Die Menschen des Mittelalters, die unbeugsamen, würden uns verachten, wir sind unter ihrem Geschmack.

11 [91]

Ein großer Schritt in der Grausamkeit, sich an geistigen statt an leiblichen Martern zu genügen und gar am Vorstellen dieser Martern und nicht-mehr-sehen-wollen.

11 [92]

Die Hexen wollten den Schaden sehen, die christlichen Verfolger und Inquisitoren auch, auch Gott vor der Hölle. Dies der Einfluß der Barbaren (Deutschen) auf Europa—ein Rückschritt. Die Sklaven haben die Demuth und die Barbaren die Grausamkeit in’s Christentum gebracht.

11 [93]

Es wird fortwährend von uns sehr viel empfunden und sehr viel gedacht (erinnert, phantasirt), was nicht zum Bewußtsein kommt. Es ist geringerer und schwächerer Qualität, und reicht aus.

11 [94]

An die Moralgläubigen.

Deus nudus est,
Seneca
.

11 [95]

Deus nudus est sagt Seneca. Ich fürchte, er steckt ganz in Kleidern. Und noch mehr: Kleider machen nicht nur Leute, sondern auch Götter.

11 [96]

Meint ihr, ein Grieche, dem man unsere Cultur schildert, werde dieselbe bewundern oder ersehnenswerth finden? Oder selbst ein Wilder? Jeder Zustand hat sein Ideal aus sich: ein ganz anderer ist immer eine Art Widerspruch zu diesem Ideal und deshalb peinlich und verächtlich. Wonach soll der Begriff “Fortschritt der Cultur” gemessen werden! Jeder meint, er sei auf der Höhe und sein Ideal sei das Ideal der Menschheit. Die Geschichte dieser Geschmacke an Idealen!— Auch fehlt an jedem Ideal das, was einem anderen Ideal seinen Werth, seine Schmackhaftigkeit für seine Verehrer giebt. Nun, giebt es denn einen Fortschritt der Küche? Ja, innerhalb einzelner Kreise, Völker Städte Familien, das Ideal entwickelt sich.— Das freie Individuum hat seinen Privatgeschmack, es muß sehr stark sein, sonst wird es ein Gelüstchen sein und nicht mehr, im Verhältniß zu Familien- und Volksgeschmack,.

11 [97]

Die Entstehung vieler freier Individuen bei den Griechen: Ehe nicht der Wollust wegen. Übung und Ausbildung der Kunst des coi. Die Knabenliebe als Ableitung von der Weiber-verehrung und -verzärtelung—und somit Verhinderung der Übernervosität und Schwäche der Weiber. Der Wettkampf und die Billigung des Neides. Die einfache Lebensweise. Die Sklaven und die Taxation der Arbeit. Die Religion keine Moralpredigerin, also Sitten freilassend, im Ganzen. Die Tödtung des embryo; Beseitigung der Früchte unglücklicher coitus. usw.

11 [98]

Von jedem Augenblick im Zustand eines Wesens stehen zahllose Wege seiner Entwicklung offen: der herrschende Trieb aber heißt nur einen einzigen gut, den nach seinem Ideale. So ist das Bild Spencer’s von der Zukunft des Menschen nicht eine naturwissenschaftliche Nothwendigkeit, sondern ein Wunsch aus jetzigen Idealen heraus.

11 [99]

Was ist Toleranz! Und Anerkennung fremder Ideale! Wer ganz tief und stark sein eigenes Ideal fördert, kann gar nicht an andere glauben, ohne sie abschätzig zu beurtheilen—Ideale geringerer Wesen als er ist. Die absolute Höhe unseres Maaßstabes ist eben der Glaube an das Ideal.— Somit ist Toleranz historischer Sinn sogenannte Gerechtigkeit ein Beweis des Mißtrauens gegen ein eigenes Ideal, oder das Fehlen desselben. Was ist also wissenschaftlicher Sinn? Vielleicht das Verlangen nach einem Ideale und der Glaube, hier den Weg zum Absoluten, zum unwidersprechlichen Ideale zu haben: also unter der Voraussetzung, daß man kein Ideal hat und daran leidet!— Bei Vielen mag es die Rache sein, dafür daß sie kein Ideal haben, indem sie die anderen zerstören. Es giebt eine Schauspielerei (wie bei Bacon) als ob man ein Ideal hätte. “Die Wahrheit um ihrer selber willen” ist eine Phrase, etwas ganz Unmögliches, wie die Liebe des Nächsten um seiner selber willen.

11 [100]

Geschichte der Grausamkeit; der Verstellung; der Mordlust (letztere im Abtödten von Meinungen, Aburtheilen über Werke, Personen, Völker, Vergangenheit—der Richter ist ein sublimirter Henker).

11 [101]

Ich sehe in dem, was eine Zeit als böse empfindet, das was ihrem Ideale widerspricht, also einen Atavismus des ehemaligen Guten: z.B. eine gröbere Art von Grausamkeit Mordlust als heute vertragen wird. Irgendwann war die Handlung jedes Verbrechers eine Tugend. Aber jetzt empfindet er selber sie mit dem Gewissen der Zeit—er legt sie böse aus. Alles oder das Meiste, was Menschen thun und denken, als böse auslegen, geschieht dann, wenn das Ideal dem menschlichen Wesen überhaupt nicht entspricht (Christenthum): so wird alles Erbsünde, während es eigentlich Erbtugend ist.

11 [102]

Unglückseliger! Du hast nun auch das Leben des Einsamen, Freien durchschaut: und wieder, wie ehedem, hast du dir den Weg dazu eben durch dein Erkennen verschlossen.

Ich will alles, was ich verneine, ordnen und das ganze Lied absingen: es giebt keine Vergeltung keine Weisheit keine Güte keine Zwecke keinen Willen: um zu handeln, mußt du an Irrthümer glauben; und du wirst noch nach diesen Irrthümern handeln, wenn du sie als Irrthümer durchschaut hast.

11 [103]

Was ist Moralität! Ein Mensch, ein Volk hat eine physiologische Veränderung erlitten, empfindet diese im Gemeingefühl und deutet sie sich in der Sprache seiner Affekte und nach dem Grade seiner Kenntnisse aus, ohne zu merken, daß der Sitz der Veränderung in der Physis ist. Wie als ob einer Hunger hat und meint, mit Begriffen und Gebräuchen, mit Lob und Tadel ihn zu beschwichtigen!

11 [104]

Höflichkeit ein verfeinertes Wohlwollen, weil es die Distanz anerkennt und angenehm fühlen läßt, über welche der grobe Intellekt sich ärgert oder welche er nicht sieht.

11 [105]

In den gelobtesten Handlungen und Charakteren sind Mord Diebstahl Grausamkeit Verstellung als nothwendige Elemente der Kraft. In den verworfensten Handlungen und Charakteren ist Liebe (Schätzung und Überschätzung von etwas, dessen Besitz man begehrt) und Wohlwollen (Schätzung von etwas, dessen Besitz man hat, das man sich erhalten will)

Liebe und Grausamkeit nicht Gegensätze: sie finden sich bei den besten und festesten Naturen immer bei einander. (Der christliche Gott—eine sehr weise und ohne moralische Vorurtheile ausgedachte Person!)

Die Menschen sehen die kleinen sublimirten Dosen nicht und leugnen sie: sie leugnen z. B. die Grausamkeit im Denker, die Liebe im Räuber. Oder sie haben gute Namen für alles, was an einem Wesen hervortritt, das ihren Geschmack befriedigt. Das “Kind” zeigt alle Qualitäten schamlos, wie die Pflanze ihre Geschlechtsorgane—beide wissen nichts von Lob und Tadel. Erziehung ist Umtaufen-lernen oder Anders-fühlen lernen.

11 [106]

“Nützlich-schädlich”! “Utilitarisch”! Diesem Gerede liegt das Vorurtheil zu Grunde als ob es ausgemacht sei, wohin sich das menschliche Wesen (oder auch Thier Pflanze) entwickeln solle. Als ob nicht abertausend Entwicklungen von jedem Punkte aus möglich wären! Als ob die Entscheidung, welche die beste höchste sei, nicht eine reine Sache des Geschmacks sei! (Ein Messen nach einem Ideale, welches nicht das einer anderen Zeit, eines anderen Menschen sein muß!)

11 [107]

Wie werthvoll ist es, daß der Mensch so viel Freude beim Anblick oder Empfinden von Schmerz erlernt hat! Auch durch den Umfang der Schadenfreude hat sich der Mensch hoch erhoben! (Freude auch am eigenen Schmerz—Motiv in vielen Moralen und Religionen.)

11 [108]

Es giebt keinen Selbsterhaltungstrieb!

11 [109]

Diese Toleranzprediger! Ein Paar Dogmen (“fundamentale Wahrheiten”) nehmen sie doch immer aus! Sie unterscheiden sich nur in der Meinung darüber von den Verfolgern, was für das Heil nothwendig sei.

Sich an die Vernunft halten wäre schön, wenn es eine Vernunft gäbe! Aber der Tolerante muß sich von seiner Vernunft, ihrer Schwäche abhängig machen! Dazu: es ist zuletzt nicht einmal diese, welche den Beweisen und Widerlegungen ihr Ohr schenkt und entscheidet. Es sind Neigungen und Abneigungen des Geschmacks. Die Verfolger sind gewiß nicht weniger logisch gewesen als die Freidenker.

11 [110]

Die Gleichgültigkeit! Ein Ding geht uns nichts an, darüber können wir denken, wie wir mögen, es giebt keinen Nutzen und Nachtheil für uns—das ist ein Fundament des wissenschaftlichen Geistes. Die Zahl dieser Dinge hat immer zugenommen; die Welt ist immer gleichgültiger geworden—so nahm die unparteiliche Erkenntniß zu, welche allmählich ein Geschmack wurde und endlich eine Leidenschaft wird.

11 [111]

Paracelsi mirabilia. Nacherzählt von F. N.— Von allem Wunderbaren—so erzählte mir Paracelsus—was ich je sah und hörte, ist Eins das Erstaunlichste, und ich muß nicht nur ein muthiges Herz wie ein Löwe, sondern auch die unschuldige Geduld eines Lammes dazu haben, es gerade so zu berichten, wie es sich zugetragen hat. Denn gesetzt, es wäre das Blendwerk eines mir übel wollenden Geistes gewesen, so gab es nie für mich eine ärgere Versuchung: und sprach das, was mir erschien, die Wahrheit —

11 [112]

Das Wesen jeder Handlung ist dem Menschen so unschmackhaft wie das Wesentliche jeder Nahrung: er würde lieber verhungern als es essen, so stark ist sein Ekel zumeist. Er hat Würzen nöthig, wir müssen zu allen Speisen verführt werden: und so auch zu allen Handlungen. Der Geschmack und sein Verhältniß zum Hunger, und dessen Verhältniß zum Bedürfniß des Organismus! Die moralischen Urtheile sind die Würzen. Der Geschmack wird aber hier wie dort als das angesehen, was über den Werth der Nahrung, Werth der Handlung entscheidet: der größte Irrthum!

Wie verändert sich der Geschmack? Wann wird er laß und unfrei? Wann ist er tyrannisch?— Und ebenso bei den Urtheilen über gut und böse; eine physiologische Thatsache ist der Grund jeder Veränderung im moralischen Geschmack; diese physiologische Veränderung ist aber nicht etwas, das nothwendig das dem Organismus Nützliche jeder Zeit forderte. Sondern die Geschichte des Geschmacks ist eine Geschichte für sich, und ebenso sehr sind Entartungen des Ganzen als Fortschritte die Folgen dieses Geschmacks. Gesunder Geschmack, kranker Geschmack—das sind falsche Unterscheidungen—es giebt unzählige Möglichkeiten der Entwicklung: was jedesmal zu der einen hinführt, ist gesund: aber es kann widersprechend einer anderen Entwicklung sein. Nur in Hinsicht auf ein Ideal, das erreicht werden soll, giebt es einen Sinn bei “gesund” und “krank.” Das Ideal aber ist immer höchst wechselnd, selbst beim Individuum (das des Kindes und des Mannes!)—und die Kenntniß, was nöthig ist, es zu erreichen, fehlt fast ganz.

Wir gehen unserem Geschmack nach und benennen es mit den erhabensten Worten, als Pflicht und Tugend und Opfer. Das Nützliche erkennen wir nicht, ja wir verachten es, wie wir das Innere des Leibes verachten, alles ist uns nur erträglich wenn es sich in eine glatte Haut versteckt.

11 [113]

Beim Geschmack ergab sich nebenbei, ob ein Mittel tödtete, ob es sättigte usw.—nicht wie es auf die Dauer genommen wirkte (auf Generationen hin). Auch wußte man nicht, wie ungleichmäßig der Körper unterhalten wurde und wie diese starken Schwankungen wirkten. Die Depression in Folge mangelhafter Ernährung oder Verdauung bestimmt das Ideal.

11 [114]

Die Weihung ist gegeben worden der Beutelust, der Gefräßigkeit, der Wollust, der Grausamkeit, der Verstellung, der Lüge, der Schwäche, der Tollheit, dem Veitstanz, der Betrunkenheit, der Empfindsamkeit, der Faulheit, der Unwissenheit, dem Nichtsbesitzen, der Geistesöde, der Schadenfreude, der Furcht—allen entgegengesetzten Eigenschaften, die irgendwo Geschmack und unüberwindliche Neigung erzeugt hat (jedesmal lästerte und ekelte man sich vor dem Gegensatze und nannte ihn schlecht oder niedrig)

11 [115]

Im Wohlwollen ist verfeinerte Besitzlust, verfeinerte Geschlechtslust, verfeinerte Ausgelassenheit des Sicheren usw.

Sobald die Verfeinerung da ist, wird die frühere Stufe nicht mehr als Stufe, sondern als Gegensatz gefühlt. Es ist leichter, Gegensätze zu denken, als Grade.



Ein noch so complicirter Trieb, wenn er einen Namen hat, gilt als Einheit und tyrannisirt alle Denkenden, die nach seiner Definition suchen.

11 [116]

Seien wir nicht Sklaven von Lust und Schmerz, auch in der Wissenschaft! Schmerzlosigkeit, ja Lust beweist nicht Gesundheit—und Schmerz ist kein Beweis gegen Gesundheit (sondern nur ein starker Reiz).

11 [117]

Die moralischen Urtheile sind Epidemien, die ihre Zeit haben.

11 [118]

Es bildet sich ein Sklavenstand sehen wir zu, daß auch ein Adel sich bildet.

11 [119]

“Wissenschaft” angeblich auf der Liebe zur Wahrheit um ihrer selber willen! Angeblich beim reinen Schweigen des “Willens”! In Wahrheit sind alle unsere Triebe thätig, aber in einer besonderen gleichsam staatlichen Ordnung und Anpassung an einander, so daß ihr Resultat kein Phantasma wird: ein Trieb regt den anderen an, jeder phantasirt und will seine Art Irrthum durchsetzen: aber jeder dieser Irrthümer wird sofort wieder die Handhabe für einen anderen Trieb (z. B. Widerspruch Analyse usw.). Mit allen den vielen Phantasmen erräth man endlich fast nothwendig die Wirklichkeit und Wahrheit, man stellt so viele Bilder hin, daß endlich eins trifft, es ist ein Schießen aus vielen vielen Gewehren nach Einem Wilde; ein großes Würfelspielen, oft nicht in Einer Person, sondern in Vielen, in Generationen sich abspielend: wo dann Ein Gelehrter eben auch nur Ein Phantasma durchführt und wenn es von einem anderen zu Nichte gemacht ist, so hat sich die Zahl der Möglichkeiten (in der die Wahrheit stecken muß) verkleinert—ein Erfolg! Es ist eine Jagd. Je mehr Individuen einer in sich hat, um so mehr wird er allein Aussicht haben, eine Wahrheit zu finden—dann ist der Kampf in ihm: und alle Kräfte muß er dem einzelnen Phantasma zu Gebote stellen und später wieder einem anderen entgegengesetzten: große Schwungkraft, großen Widerwillen am Einerlei, vielen und plötzlichen Ekel muß er haben.— Jene Naturen, welche nur vergleichen, was Andere Einzelne schon phantasirt haben, bedürfen vor allem der Kälte: diese reden von der “Kälte der Wissenschaft,” es sind die Unproduktiven, eine wichtige Classe Menschen, da sie den Austausch zwischen den Producenten herstellen, eine Art Kaufleute, sie schätzen den Werth der Produkte ab. Auch diese Fähigkeit kann in Einem Menschen, der sonst produktiv ist, zuletzt noch da sein. Aber auch noch eine wichtige Fähigkeit: den Genuß an allen den verworfenen Phantasmen, das Schauspiel ihres Kampfes usw. zu haben—die Natur darin sehen.

11 [120]

Ich habe alle meine Galle nöthig zur Wissenschaft. —

11 [121]

Fortwährend arbeitet noch das Chaos in unserem Geiste: Begriffe Bilder Empfindungen werden zufällig neben einander gebracht, durch einander gewürfelt. Dabei ergeben sich Nachbarschaf ten, bei denen der Geist stutzt: er erinnert sich des Ähnlichen, er empfindet einen Geschmack dabei, er hält fest und arbeitet an den Beiden, je nachdem seine Kunst und sein Wissen ist.— Hier ist das letzte Stückchen Welt, wo etwas Neues combinirt wird, wenigstens soweit das menschliche Auge reicht. Und zuletzt wird es im Grunde eben auch eine neue allerfeinste chemische Combination sein, die wirklich im Werden der Welt noch nicht ihres Gleichen hat.

11 [122]

Die sämmtlichen thierisch-menschlichen Triebe haben sich bewährt, seit unendlicher Zeit, sie würden, wenn sie der Erhaltung der Gattung schädlich wären, untergegangen sein: deshalb können sie immer noch dem Individuum schädlich und peinlich sein—aber die Gattung’s-Zweckmäßigkeit ist das Princip der erhaltenden Kraft. Jene Triebe und Leidenschaften ausrotten ist erstens am Einzelnen unmöglich—er besteht aus ihnen, wie wahrscheinlich im Bau und der Bewegung des Organismus dieselben Triebe arbeiten; und zweitens hieße es: Selbstmord der Gattung. Der Zwiespalt dieser Triebe ist ebenso nothwendig wie aller Kampf: denn das Leiden kommt für die Erhaltung der Gattung so wenig in Betracht, wie der Untergang zahlloser Individuen. Es sind ja nicht die vernünftigsten und direktesten Mittel der Erhaltung, die denkbar sind, aber die einzig wirklichen.— Im Einzelnen sind die Triebe sehr oft unzweckmäßig zusammengewürfelt, dann geht das Individuum daran zu Grunde; im Ganzen ist das Ergebniß die Erhaltung der Gattung.— Das Loben und Tadeln derselben, der zeitweilige Geschmack an diesen und jenen ist ein ziemlich oberflächliches Phänomen, abhängig vorn Bewußtsein über “nützlich” “schädlich”—welches sehr unwissenschaftlich ist!— Deshalb waren die verabscheuten Triebe doch thätig, unter anderem Namen oder unbeachtet. Es kommt nicht gar zu viel auf die Ethiken an, die geherrscht haben!

11 [123]

Woher diese Änderungen des Geschmacks im Moralischen? Geht es in die Tiefe? Wie der Appetitmangel bei der Ernährung, wie das Gefühl des Ekels und des Unangenehmen bei Fäulniß Rauch usw.? Ist es, daß für einen Zustand (eines Volkes Menschen) sein Geschmack im Verhältniß des Zweckmäßigen steht? Oder wenigstens des zweckmäßig Geglaubten?— Drückt er aus “dies bedarf ich jetzt, jenes bedarf ich nicht?”— Oder sind es wechselnde Gewöhnungen, wie der Geschmack an Speisen, hervorgerufen durch die vorhandene leichtere Befriedigung an dieser und jener, so daß Gewöhnung Reiz und Verlangen entsteht und am Entgegengesetzten und Fremden das Entgegengesetzte empfunden wird? Oder Beides?

11 [124]

Wenn ein Trieb intellektueller wird, so bekommt er einen neuen Namen, einen neuen Reiz und neue Schätzung. Er wird dem Triebe auf der älteren Stufe oft entgegengestellt, wie als sein Widerspruch (Grausamkeit z. B.)—Manche Triebe z. B. der Geschlechtstrieb sind großer Verfeinerungen durch den Intellekt fähig (Menschenliebe, Anbetung von Maria und Heiligen, künstlerische Schwärmerei; Plato meint, die Liebe zur Erkenntniß und Philosophie sei ein sublimirter Geschlechtstrieb) daneben bleibt seine alte direkte Wirkung stehen.

11 [125]

Vom Leben erlöst zu sein und wieder todte Natur werden kann als Fest empfunden werden—vom Sterbenwollenden. Die Natur lieben! Das Todte wieder verehren! Es ist nicht der Gegensatz, sondern der Mutterschooß, die Regel, welche mehr Sinn hat als die Ausnahme: denn Unvernunft und Schmerz sind bloß bei der sogenannten “zweckmäßigen” Welt, im Lebendigen.

11 [126]

Die stärksten Individuen werden die sein, welche den Gattungsgesetzen widerstreben und dabei nicht zu Grunde gehen, die Einzelnen. Aus ihnen bildet sich der neue Adel: aber zahllose Einzelne müssen bei seiner Entstehung zu Grunde gehen! Weil sie allein die erhaltende Gesetzlichkeit und die gewohnte Luft verlieren.

11 [127]

Merkwürdige Thätigkeit des Intellekts! Beim Geschlechtstrieb begehrt eine Person nach der anderen als dem Mittel, um den Samen los zu werden oder das Ei zu befruchten. Dies gerade weiß der Intellekt nicht: er fragt: warum dies Begehren? er erwägt was alles eine Person begehrenswerth macht und sagt Jetzt: es muß jene Person diese begehrenswerth machenden Eigenschaften alle haben!—so schließt er und glaubt nunmehr so fest daran, wie wir im Traum an das Traumbild glauben. Das Glauben an seine Schlüsse ist charakteristisch. Bei allen Affekten ist der Intellekt dermaaßen thierisch-primitiv, wie im Traume.— Diese thierischen Schlüsse für alle Affekte nachzuweisen.— Was ist denn die Skepsis? Wann und in welchem Zustande wird denn der Intellekt so fein, so mißtrauisch gegen seine Schlüsse? so wenig traumhaft?

11 [128]

Jetzt hat man den Kampf überall wieder entdeckt und redet vom Kampfe der Zellen, Gewebe, Organe, Organismen. Aber man kann sämmtliche uns bewußte Affekte in ihnen wiederfinden—zuletzt, wenn dies geschehen ist, drehen wir die Sache um und sagen: das was wirklich vor sich geht bei der Regsamkeit unserer menschlichen Affekte sind jene physiologischen Bewegungen, und die Affekte (Kämpfe usw.) sind nur intellektuelle Ausdeutungen, dort wo der Intellekt gar nichts weiß, aber doch alles zu wissen meint. Mit dem Wort “Ärger” “Liebe” “Haß” meint er das Warum? bezeichnet zu haben, den Grund der Bewegung; ebenso mit dem Worte “Wille” usw.— Unsere Naturwissenschaft ist jetzt auf dem Wege, sich die kleinsten Vorgänge zu verdeutlichen durch unsere angelernten Affekt-Gefühle, kurz eine Sprechart zu schaffen für jene Vorgänge: sehr gut! Aber es bleibt eine Bilderrede.

11 [129]

Fähigkeit, intelligent zu hören!

11 [130]

Unsere Triebe und Leidenschaften sind ungeheure Zeiträume hindurch in Gesellschafts- und Geschlechtsverbänden gezüchtet worden (vorher wohl in Affen-Heerden): so sind sie als sociale Triebe und Leidenschaften stärker als als individuelle, auch jetzt noch. Man haßt mehr, plötzlicher, unschuldiger (Unschuld ist den ältest vererbten Gefühlen zu eigen) als Patriot als als Individuum; man opfert schneller sich für die Familie als für sich: oder für eine Kirche, Partei. Ehre ist das stärkste Gefühl für Viele d. h. ihre Schätzung ihrer selber ordnet sich der Schätzung Anderer unter und begehrt von dort seine Sanktion.— Dieser nicht individuelle Egoismus ist das Ältere, Ursprünglichere; daher so viel Unterordnung, Pietät (wie bei den Chinesen) Gedankenlosigkeit über das eigene Wesen und Wohl, es liegt das Wohl der Gruppe uns mehr am Herzen. Daher die Leichtigkeit der Kriege: hier fällt der Mensch in sein älteres Wesen zurück.— Die Zelle ist zunächst mehr Glied als Individuum; das Individuum wird im Verlauf der Entwicklung immer complicirter, immer mehr Gliedergruppe, Gesellschaft. Der freie Mensch ist ein Staat und eine Gesellschaft von Individuen.— Die Entwicklung der Heerden-Thiere und gesellschaftlichen Pflanzen ist eine ganz andere als die der einzeln lebenden.— Einzeln lebende Menschen, wenn sie nicht zu Grunde gehen, entwickeln sich zu Gesellschaften, eine Menge von Arbeitsgebieten wird entwickelt, und viel Kampf der Triebe um Nahrung Raum Zeit ebenfalls. Die Selbstregulirung ist nicht mit Einem Male da. Ja, im Ganzen ist der Mensch ein Wesen, welches nothwendig zu Grunde geht, weil es sie noch nicht erreicht hat. Wir sterben alle zu jung aus tausend Fehlern und Unwissenheiten der Praxis.— Der freieste Mensch hat das größte Machtgefühl über sich, das größte Wissen über sich, die größte Ordnung im nothwendigen Kampfe seiner Kräfte, die verhältnißmäßig größte Unabhängigkeit seiner einzelnen Kräfte, den verhältnißmäßig größten Kampf in sich, er ist das zwieträchtigste Wesen und das wechselreichste und das langlebendste und das überreich begehrende, sich nährende, das am meisten von sich ausscheidende und sich erneuernde.

11 [131]

Eine Bewegung tritt ein 1) durch einen direkten Reiz z.B. beim Frosch, dein man die Großhirnhemisphäre ausgeschnitten hat und dem das Automatische fehlt 2) durch Vorstellung der Bewegung, durch das Bild des Vorgangs in uns. Dies ist ein höchst oberflächliches Bild—was weiß der Mensch vom Kauen, wenn er das Kauen sich vorstellt!—aber unzählige Male ist dem durch Reize hervorgebrachten Vorgange das Bild des Vorgangs in Auge und Gehirn gefolgt und schließlich ist ein Band da, so fest, daß der umgedrehte Prozeß eintritt: sobald jenes Bild entsteht, entsteht die entsprechende Bewegung, das Bild dient als auslösen der Reiz.

Damit ein Reiz wirklich auslösend wirkt, muß er stärker sein als der Gegenreiz, der immer auch da ist z. B. die Lust der Ruhe der Trägheit muß aufgehoben werden. So wirkt das Bild eines Vorgangs nicht immer als auslösender Reiz, weil ein wirklicher Gegenreiz da ist, der stärker ist. Wir reden da von “Wollen-und-nicht-können”—der Gegenreiz ist häufig nicht in unserem Bewußtsein, wir merken aber eine widerstrebende Kraft, die dem Reiz des Bildes und sei es noch so deutlich die Kraft entzieht. Es ist ein Kampf da, obschon wir nicht wissen, wer kämpft. Wille, der zur That führt, tritt ein, wenn der widerstrebende Reiz schwächer ist—wir merken immer etwas von einem Widerstande, und das giebt, falsch gedeutet, jenes Nebengefühl von Sieg beim Gelingen des Gewollten. In dieser falschen Deutung haben wir den Ursprung vom Glauben an den freien Willen. “Wir” sind es nicht, die ihre Vorstellung zum Siege bringen—sondern sie siegt, weil der Gegenreiz schwächer ist. Aber gar, daß der Mechanismus vor sich geht, hat gar nichts mit unserer Willkür zu thun—wir kennen ihn nicht einmal! Wie könnten wir ihn auch nur “wollen”! Was ist z. B. das Ausstrecken unseres Arm’s für unser Bewußtsein!!

11 [132]

Die Vernunft! Ohne Wissen ist sie etwas ganz Thörichtes, selbst bei den größten Philosophen. Wie phantasirt Spinoza über die Vernunft! Ein Grundirrthum ist der Glaube an die Eintracht und das Fehlen des Kampfes—dies wäre eben Tod! Wo Leben ist, ist eine genossenschaftliche Bildung, wo die Genossen um die Nahrung den Raum kämpfen, wo die schwächeren sich anfügen, kürzer leben, weniger Nachkommen haben: Verschiedenheit herrscht in den kleinsten Dingen, Samenthierchen Eiern—die Gleichheit ist, ein großer Wahn. Unzählige Wesen gehen am Kampf zu Grunde,—einige seltne Fälle erhalten sich.— Ob die Vernunft bisher im Ganzen mehr erhalten als zerstört hat, mit ihrer Einbildung, alles zu wissen, den Körper zu kennen, zu “wollen”—? Die Centralisation ist gar keine so vollkommene—und die Einbildung der Vernunft, dies Centrum zu sein ist gewiß der größte Mangel dieser Vollkommenheit.

11 [133]

Wir können nur “wollen,” was wir gesehen haben—also seit der Ausbildung des Auges giebt es erst Vorstellungen im Gedächtniß, und diesen, wenn sie stark genug reizen, folgen dann Handlungen. Vorher sind afferente Reize nöthig, um die Handlungen hervorzubringen.

11 [134]

Wenn wir die Eigenschaften des niedersten belebten Wesens in unsere “Vernunft” übersetzen, so werden moralische Triebe daraus. Ein solches Wesen assimilirt sich das Nächste, verwandelt es in sein Eigenthum (Eigenthum ist zuerst Nahrung und Aufspeicherung von Nahrung), es sucht möglichst viel sich einzuverleiben, nicht nur den Verlust zu compensiren—es ist habsüchtig. So wächst es allein und endlich wird es so reproduktiv—es theilt sich in 2 Wesen. Dem unbegrenzten Aneignungstriebe folgt Wachsthum und Generation.— Dieser Trieb bringt es in die Ausnützung des Schwächeren, und in Wettstreit mit ähnlich Starken, er kämpft d. h. er haßt, fürchtet, verstellt sich. Schon das Assimiliren ist: etwas Fremdes sich gleich machen, tyrannisiren—Grausamkeit.

Es ordnet sich unter, es verwandelt sich in Funktion und verzichtet auf viele ursprüngliche Kräfte und Freiheiten fast ganz, und lebt so fort—Sklaverei ist nothwendig zur Bildung eines höheren Organismus, ebenso Kasten. Verlangen nach “Ehre” ist—seine Funktion anerkannt wissen wollen. Der Gehorsam ist Zwang Lebensbedingung, schließlich Lebensreiz.— Wer am meisten Kraft hat, andere zur Funktion zu erniedrigen, herrscht—die Unterworfenen aber haben wieder ihre Unterworfenen—ihre fortwährenden Kämpfe: deren Unterhaltung bis zu einem gewissen Maaße ist Bedingung des Lebens für das Ganze. Das Ganze wiederum sucht seinen Vortheil und findet Gegner.— Wenn alle sich mit “Vernunft” an ihren Posten stellen wollten und nicht fortwährend so viel Kraft und Feindseligkeit äußern wollten, als sie brauchen, um zu leben—so fehlte die treibende Kraft im Ganzen: die Funktionen ähnlichen Grades kämpfen, es muß fortwährend Acht gegeben werden, jede Laßheit wird ausgenützt, der Gegner wacht.— Ein Verband muß streben überreich zu werden (Übervölkerung), um einen neuen zu produziren (Colonien), um zu zerfallen in 2 selbständige Wesen. Mittel, dem Organismus Dauer, ohne das Ziel der Fortpflanzung, zu geben, richten ihn zu Grunde, sind unnatürlich—wie jetzt die klugen “Nationen” Europa’s.— Fortwährend scheidet jeder Körper aus, er secernirt das ihm nicht Brauchbare an den assimilirten Wesen: das was der Mensch verachtet, wovor er Ekel hat, was er böse nennt, sind die Excremente. Aber seine unwissende “Vernunft” bezeichnet ihm oft als böse, was ihm Noth macht, unbequem ist, den Anderen, den Feind, er verwechselt das Unbrauchbare und das Schwerzuerwerbende Schwerzubesiegende Schwer-Einzuverleibende. Wenn er “mittheilt” an Andere, “uneigennützig” ist—so ist dies vielleicht nur die Ausscheidung seiner unbrauchbaren faeces, die er aus sich wegschaffen muß, um nicht daran zu leiden. Er weiß, daß dieser Dünger dem fremden Felde nützt und macht sich eine Tugend aus seiner “Freigebigkeit.”— “Liebe” ist Empfindung für das Eigenthum oder das, was wir zum Eigenthum wünschen.

11 [135]

“Wirkung.” Der Reiz, den Einer ausübt, die Anregung, die er giebt, bei der Andere ihre Kräfte auslösen (z. B. der Religionsstifter) ist gewöhnlich mit der Wirkung verwechselt worden: man schließt aus großen Kraft-Auslösungen auf große “Ursachen.” Falsch! Es können unbedeutende Reize und Menschen sein: aber die Kraft war angesammelt und lag zur Explosion bereit!— Blick auf die Weltgeschichte!

11 [136]

Wenn ein Forscher zu ungemeinen Resultaten kommt (wie Mayer), so ist dies noch kein Beweis für ungemeine Kraft: zufällig wurde sein Talent an dem Punkte thätig, wo die Entdeckung vorbereitet war. Hätte ein Zufall Mayer’n zum Philologen gemacht, er hätte mit dem gleichen Scharfsinn Namhaftes geleistet, aber nichts, deswegen er “zum Genie” ausposaunt würde.— Nicht die Resultate beweisen den großen Erkennenden: auch nicht einmal die Methode, indem über diese zu jeder Zeit verschiedene Lehren und Ansprüche existiren. Sondern die Menge, namentlich des Ungleichartigen, das Beherrschen großer Massen und das Unificiren, das mit neuem Auge Ansehn—des Alten usw. —

11 [137]

Moses Mendelsohn dieser Erzengel der Altklugheit meinte in Betreff der Zwecke, Spinoza werde doch nicht so närrisch gewesen sein, sie zu leugnen! —

11 [138]

Unser Gedächtniß beruht auf dem Gleichsehen und Gleichnehmen: also auf dem Ungenausehen; es ist ursprünglich von der größten Grobheit und sieht fast alles gleich an.— Daß unsere Vorstellungen als auslösende Reize wirken, kommt daher, daß wir viele Vorstellungen immer als das Gleiche vorstellen und empfinden, also auf dem groben Gedächtniß, welches gleich sieht, und der Phantasie, welche aus Faulheit gleich dichtet, was in Wahrheit verschieden ist.— Die Bewegung des Fußes als Vorstellung ist von der darauf folgenden Bewegung höchst verschieden!

11 [139]

Im kleinsten Organism bildet sich fortwährend Kraft und muß sich dann auslösen: entweder von sich aus, wenn die Fülle da ist, oder es kommt ein Reiz von außen. Wohin die Kraft sich wendet? sicher nach dem Gewohnten: also wohin die Reize leiten, dahin wird auch die spontane Auslösung sich bewegen. Die häufigeren Reize erziehen auch die Richtung der spontanen Auslösung.

11 [140]

Oh die falschen Gegensätze! Krieg und Frieden! Vernunft und Leidenschaft! Subjekt Objekt! Dergleichen giebt es nicht!

11 [141]

Die Wiederkunft des Gleichen.
Entwurf.

1. Die Einverleibung der Grundirrthümer.
2. Die Einverleibung der Leidenschaften.
3. Die Einverleibung des Wissens und des verzichtenden Wissens. (Leidenschaft der Erkenntniss)
4. Der Unschuldige. Der Einzelne als Experiment. Die Erleichterung des Lebens, Erniedrigung, Abschwächung—Übergang.
5. Das neue Schwergewicht: die ewige Wiederkunft des Gleichen. Unendliche Wichtigkeit unseres Wissen’s, Irren’s, unsrer Gewohnheiten, Lebensweisen für alles Kommende. Was machen wir mit dem Reste unseres Lebens—wir, die wir den grössten Theil desselben in der wesentlichsten Unwissenheit verbracht haben? Wir lehren die Lehre—es ist das stärkste Mittel, sie uns selber einzuverleiben. Unsre Art Seligkeit, als Lehrer der grössten Lehre.

Anfang August 1881 in Sils-Maria,
6000 Fuss über dem Meere und viel höher über allen
menschlichen Dingen! —

Zu 4) Philosophie der Gleichgültigkeit. Was früher am stärksten reizte, wirkt jetzt ganz anders, es wird nur noch als Spiel angesehn und gelten gelassen (die Leidenschaften und Arbeiten) als ein Leben im Unwahren principiell verworfen, als Form und Reiz aber ästhetisch genossen und gepflegt, wir stellen uns wie die Kinder zu dem, was früher den Ernst des Daseins ausmachte. Unser Streben des Ernstes ist aber alles als werdend zu verstehen, uns als Individuum zu verleugnen, möglichst aus vielen Augen in die Welt sehen, leben in Trieben und Beschäftigungen, um damit sich Augen zu machen, zeitweilig sich dem Leben überlassen, um hernach zeitweilig über ihm mit dem Auge zu ruhen: die Triebe unterhalten als Fundament alles Erkennens, aber wissen, wo sie Gegner des Erkennens werden: in summa abwarten, wie weit das Wissen und die Wahrheit sich einverleiben können—und in wiefern eine Umwandlung des Menschen eintritt, wenn er endlich nur noch lebt, um zu erkennen.— Dies ist Consequenz von der Leidenschaft der Erkenntniß: es giebt für ihre Existenz kein Mittel, als die Quellen und Mächte der Erkenntniß, die Irrthümer und Leidensch auch zu erhalten, aus deren Kampfe nimmt sie ihre erhaltende Kraft.— Wie wird dies Leben in Bezug auf seine Summe von Wohlbefinden sich ausnehmen? Ein Spiel der Kinder, auf welches das Auge des Weisen blickt, Gewalt haben über diesen und jenen Zustand—und den Tod, wenn so etwas nicht möglich ist.— Nun kommt aber die schwerste Erkenntniß und macht alle Arten Lebens furchtbar bedenkenreich: ein absoluter Überschuß von Lust muß nachzuweisen sein, sonst ist die Vernichtung unser selbst in Hinsicht auf die Menschheit als Mittel der Vernichtung der Menschheit zu wählen. Schon dies: wir haben die Vergangenheit, unsere und die aller Menschheit, auf die Wage zu setzen und auch zu überwiegen—nein! dieses Stück Menschheitsgeschichte wird und muß sich ewig wiederholen, das dürfen wir aus der Rechnung lassen, darauf haben wir keinen Einfluß: ob es gleich unser Mitgefühl beschwert und gegen das Leben überhaupt einnimmt. Um davon nicht umgeworfen zu werden, darf unser Mitleid nicht groß sein. Die Gleichgültigkeit muß tief in uns gewirkt haben und der Genuß im Anschauen auch. Auch das Elend der zukünftigen Menschheit soll uns nichts angehn. Aber ob wir noch leben wollen, ist die Frage: und wie!



Zu erwägen: die verschiedenen erhabenen Zustände, die ich hatte, als Grundlagen der verschiedenen Capitel und deren Materien—als Regulator des in jedem Capitel waltenden Ausdrucks, Vortrags, Pathos,—so eine Abbildung meines Ideals gewinnen, gleichsam durch Addition. Und dann höher hinauf!

11 [142]

Rede ich wie einer, dem es offenbart worden ist? So verachtet mich und hört mir nicht zu.— Seid ihr noch solche welche Götter nöthig haben? Hat eure Vernunft noch keinen Ekel dabei, so billig und schlecht sich speisen zu lassen?

11 [143]

“Aber wenn alles nothwendig ist, was kann ich über meine Handlungen verfügen?” Der Gedanke und Glaube ist ein Schwergewicht, welches neben allen anderen Gewichten auf dich drückt und mehr als sie. Du sagst, daß Nahrung Ort Luft Gesellschaft dich wandeln und bestimmen? Nun, deine Meinungen thun es noch mehr, denn diese bestimmen dich zu dieser Nahrung Ort Luft Gesellschaft.— Wenn du dir den Gedanken der Gedanken einverleibst, so wird er dich verwandeln. Die Frage bei allem, was du thun willst: “ist es so, daß ich es unzählige Male thun will?” ist das größte Schwergewicht.

11 [144]

Es wäre entsetzlich, wenn wir noch an die Sünde glaubten: sondern was wir auch thun werden, in unzähliger Wiederholung, es ist unschuldig. Wenn der Gedanke der ewigen Wiederkunft aller Dinge dich nicht überwältigt, so ist es keine Schuld: und es ist kein Verdienst, wenn er es thut.— Von allen unseren Vorfahren denken wir milder als sie selber dachten, wir trauern über ihre einverleibten Irrthümer, nicht über ihr Böses.

1. Die mächtigste Erkenntniß.
2. Die Meinungen und Irrthümer verwandeln den Menschen und geben ihm die Triebe—oder: die einverleibten Irrthümer.
3. Die Nothwendigkeit und die Unschuld.
4. Das Spiel des Lebens.

11 [145]

Die neue Erziehung hat zu verhindern, daß die Menschen Einer ausschließlichen Neigung verfallen und zum Organ werden, gegenüber der natürlichen Tendenz zur Arbeitstheilung. Es sollen die herrschenden überschauenden Wesen geschaffen werden, die dem Spiel des Lebens zuschauen und es mitspielen, bald hier, bald dort, ohne allzuheftig hineingerissen zu werden. Ihnen muß schließlich die Macht zufallen, ihnen wird sie anvertraut, weil sie keinen heftigen, ausschließlich auf Ein Ziel gerichteten Gebrauch davon machen. Zunächst giebt man ihnen das Geld in die Hand, zum Zweck der Erziehung (die ersten Erzieher müssen sich selber erziehen!), dann weil Geld in ihren Händen am sichersten ist (überall sonst wird es verbraucht für überheftige einseitige Tendenzen). So bildet sich eine neue regierende Kaste.

11 [146]

Der Widerwille gegen das Leben ist selten. Wir erhalten uns darin und sind selber am Ende und in schweren Lagen einverstanden damit, nicht aus Furcht vor Schlimmerem, nicht aus Hoffnung auf Besseres, nicht aus Gewohnheit (die Langeweile wäre) nicht wegen der gelegentlichen Lust—sondern wegen der Abwechslung und weil im Grunde nichts eine Wiederholung ist, aber an Erlebtes erinnert. Der Reiz des Neuen und doch an den alten Geschmack Anklingenden—wie eine Musik mit vielem Häßlichen.

11 [147]

Eine neue Lehre trifft zu allerletzt auf ihre besten Vertreter, auf die altgesicherten und sichernden Naturen, weil in ihnen die früheren Gedanken mit der Fruchtbarkeit eines Urwalds durcheinandergewachsen und undurchdringlich sind. Die Schwächeren Leereren Kränkeren Bedürftigeren sind die, welche die neue Infektion aufnehmen—die ersten Anhänger beweisen nichts gegen eine Lehre. Ich glaube, die ersten Christen waren das unausstehlichste Volk mit ihren “Tugenden.”

11 [148]

Die Welt der Kräfte erleidet keine Verminderung: denn sonst wäre sie in der unendlichen Zeit schwach geworden und zu Grunde gegangen. Die Welt der Kräfte erleidet keinen Stillstand: denn sonst wäre er erreicht worden, und die Uhr des Daseins stünde still. Die Welt der Kräfte kommt also nie in ein Gleichgewicht, sie hat nie einen Augenblick der Ruhe, ihre Kraft und ihre Bewegung sind gleich groß für jede Zeit. Welchen Zustand diese Welt auch nur erreichen kann, sie muß ihn erreicht haben und nicht einmal, sondern unzählige Male. So diesen Augenblick: er war schon einmal da und viele Male und wird ebenso wiederkehren, alle Kräfte genau so vertheilt, wie jetzt: und ebenso steht es mit dem Augenblick, der diesen gebar und mit dem, welcher das Kind des jetzigen ist. Mensch! Dein ganzes Leben wird wie eine Sanduhr immer wieder umgedreht werden und immer wieder auslaufen—eine große Minute Zeit dazwischen, bis alle Bedingungen, aus denen du geworden bist, im Kreislaufe der Welt, wieder zusammenkommen. Und dann findest du jeden Schmerz und jede Lust und jeden Freund und Feind und jede Hoffnung und jeden Irrthum und jeden Grashalm und jeden Sonnenblick wieder, den ganzen Zusammenhang aller Dinge. Dieser Ring, in dem du ein Korn bist, glänzt immer wieder. Und in jedem Ring des Menschen-Daseins überhaupt giebt immer eine Stunde, wo erst Einem, dann Vielen, dann Allen der mächtigste Gedanke auftaucht, der von der ewigen Wiederkunft aller Dinge—es ist jedesmal für die Menschheit die Stunde des Mittags.

11 [149]

Auch die chemischen Qualitäten fließen und ändern sich: mag der Zeitraum auch ungeheuer sein, daß die jetzige Formel einer Zusammensetzung durch den Erfolg widerlegt wird. Einstweilen sind die Formeln wahr: denn sie sind grob; was ist denn 9 Theile Sauerstoff zu 11 Theilen Wasserstoff! Dies 9:11 ist vollends unmöglich genau zu machen, es ist immer ein Fehler bei der Verwirklichung, folglich eine gewisse Spannweite, innerhalb deren das Experiment gelingt. Aber ebenfalls innerhalb derselben ist die ewige Veränderung, der ewige Fluß aller Dinge, in keinem Augenblick ist Sauerstoff genau dasselbe wie im vorigen, sondern etwas Neues: wenn auch diese Neuheit zu fein für alle Messungen ist, ja die ganze Entwicklung aller der Neuheiten während der Dauer des Menschengeschlechts vielleicht noch nicht groß genug ist, um die Formel zu widerlegen.— Es giebt so wenig Formen, wie Qualitäten.

11 [150]

Wir können uns das Werden nicht anders denken als den Übergang aus einem beharrenden “todten” Zustand in einen anderen beharrenden “todten” Zustand. Ach, wir nennen das “Todte” das Bewegungslose! Als ob es etwas Bewegungsloses gäbe! Das Lebende ist kein Gegensatz des Todten, sondern ein Spezialfall.

11 [151]

Unsere Annahme, daß es Körper Flächen Linien Formen gebt, ist erst die Folge unserer Annahme, daß es Substanzen und Dinge, Beharrendes giebt. So gewiß unsere Begriffe Erdichtungen sind, so sind es auch die Gestalten der Mathematik. Dergleichen giebt es nicht—wir können eine Fläche, einen Kreis, eine Linie ebenso wenig verwirklichen als einen Begriff. Die ganze Unendlichkeit liegt immer als Realität und Hemmniß zwischen 2 Punkten.

11 [152]

Wenn nicht alle Möglichkeiten in der Ordnung und Relation der Kräfte bereits erschöpft wären, so wäre noch keine Unendlichkeit verflossen. Weil dies aber sein muß, so giebt es keine neue Möglichkeit mehr und alles muß schon dagewesen sein, unzählige Male.

11 [153]

Unser Intellekt ist nicht zum Begreifen des Werdens eingerichtet, er strebt die allgemeine Starrheit zu beweisen, Dank seiner Abkunft aus Bildern. Alle Philosophen haben das Ziel gehabt, zum Beweis des ewigen Beharrens, weil der Intellekt darin seine eigene Form und Wirkung fühlt.

11 [154]

Nichts ist congruent in der Wirklichkeit, denn es giebt da keine Flächen.

11 [155]

Unsere Sinne zeigen uns nie ein Nebeneinander sondern stets ein Nacheinander. Der Raum und die menschlichen Gesetze des Raumes setzen die Realität von Bildern Formen Substanzen und deren Dauerhaftigkeit voraus, d.h. unser Raum gilt einer imaginären Welt. Vom Raum, der zum ewigen Fluß der Dinge gehört, wissen wir nichts.

11 [156]

Im Grunde ist die Wissenschaft darauf aus, festzustellen, wie der Mensch—nicht das Individuum—zu allen Dingen und zu sich selber empfindet, also die Idiosyncrasie Einzelner und Gruppen auszuscheiden und das beharrende Verhältniß festzustellen. Nicht die Wahrheit, sondern der Mensch wird erkannt und zwar innerhalb aller Zeiten, wo er existirt. D. h. ein Phantom wird construirt, fortwährend arbeiten alle daran, um das zu finden, worüber man übereinstimmen muß, weil es zum Wesen des Menschen gehört. Dabei lernte man, daß Unzähliges nicht wesenhaft war, wie man lange glaubte, und daß mit der Feststellung des Wesenhaften nichts für die Realität bewiesen sei als daß die Existenz des Menschen bis jetzt vom Glauben an diese “Realität” abgehangen hat (wie Körper Dauer der Substanz usw.) Die Wissenschaft setzt also den Prozeß nur fort, der das Wesen der Gattung constituirt hat, den Glauben an gewisse Dinge endemisch zu machen und den Nichtglaubenden auszuscheiden und absterben zu lassen. Die erreichte Ähnlichkeit der Empfindung (über den Raum, oder das Zeitgefühl oder das Groß- und Kleingefühl) ist eine Existenzbedingung der Gattung geworden, aber mit der Wahrheit hat es nichts zu thun. Der “Verrückte” die Idiosyncrasie beweisen nicht die Unwahrheit einer Vorstellung, sondern deren Abnormität; es läßt sich mit ihr nicht für eine Masse leben. Es ist der Masseninstinkt, der auch in der Erkenntniß waltet: ihre Existenzbedingungen will sie immer besser erkennen, um immer länger zu leben. Uniformität der Empfindung, ehemals durch Gesellschaft Religion erstrebt, wird jetzt durch die Wissenschaft erstrebt: der Normalgeschmack an allen Dingen festgestellt, die Erkenntniß, ruhend auf dem Glauben an das Beharrende, steht im Dienste der gröberen Formen des Beharrens (Masse Volk Menschheit) und will die feineren Formen, den idiosyncrasischen Geschmack ausscheiden und tödten—sie arbeitet gegen die Individualisirung, den Geschmack, der nur für Einen Lebensbedingung ist.— Die Gattung ist der gröbere Irrthum, das Individuum der feinere Irrthum, es kommt später. Es kämpft für seine Existenz, für seinen neuen Geschmack, für seine relativ einzige Stellung zu allen Dingen—es hält diese für besser als den Allgemeingeschmack und verachtet ihn. Es will herrschen. Aber da entdeckt es, daß es selber etwas Wandelndes ist und einen wechselnden Geschmack hat, mit seiner Feinheit geräth es hinter das Geheimniß, daß es kein Individuum giebt, daß im kleinsten Augenblick es etwas Anderes ist als im nächsten und daß seine Existenzbedingungen die einer Unzahl Individuen sind: der unendlich kleine Augenblick ist die höhere Realität und Wahrheit, ein Blitzbild aus dem ewigen Flusse. So lernt es: wie alle genießende Erkenntniß auf dem groben Irrthum der Gattung, den feineren Irrthümern des Individuums, und dem feinsten Irrthum des schöpferischen Augenblicks beruht.

11 [157]

Hüten wir uns, diesem Kreislaufe irgend ein Streben, ein Ziel beizulegen: oder es nach unseren Bedürfnissen abzuschätzen als langweilig, dumm usw. Gewiß kommt in ihm der höchste Grad von Unvernunft ebenso wohl vor wie das Gegentheil: aber es ist nicht darnach zu messen, Vernünftigkeit oder Unvernünftigkeit sind keine Prädikate für das All.— Hüten wir uns, das Gesetz dieses Kreises als geworden zu denken, nach der falschen Analogie der Kreisbewegung innerhalb des Ringes: es gab nicht erst ein Chaos und nachher allmählich eine harmonischere und endlich eine feste kreisförmige Bewegung aller Kräfte: vielmehr alles ist ewig, ungeworden: wenn es ein Chaos der Kräfte gab, So war auch das Chaos ewig und kehrte in jedem Ringe wieder. Der Kreislauf ist nichts Gewordenes, er ist das Urgesetz, so wie die Kraftmenge Urgesetz ist, ohne Ausnahme und Übertretung. Alles Werden ist innerhalb des Kreislaufs und der Kraftmenge; also nicht durch falsche Analogie die werdenden und vergehenden Kreisläufe z. B. der Gestirne oder Ebbe und Fluth Tag und Nacht Jahreszeiten zur Charakristik des, ewigen Kreislaufs zu verwenden.

11 [158]

Hüten wir uns, eine solche Lehre wie eine plötzliche Religion zu lehren! Sie muß langsam einsickern, ganze Geschlechter müssen an ihr bauen und fruchtbar werden,—damit sie ein großer Baum werde, der alle noch kommende Menschheit überschatte. Was sind die Paar Jahrtausende, in denen sich das Christenthum erhalten hat! Für den mächtigsten Gedanken bedarf es vieler Jahrtausende—lange lange muß er klein und ohnmächtig sein!

11 [159]

Drücken wir das Abbild der Ewigkeit auf unser Leben! Dieser Gedanke enthält mehr als alle Religionen, welche dies Leben als ein flüchtiges verachten und nach einem unbestimmten anderen Leben hinblicken lehrten.

11 [160]

Diese Lehre ist milde gegen die, welche nicht an sie glauben, sie hat keine Höllen und Drohungen. Wer nicht glaubt, hat ein flüchtiges Leben in seinem Bewußtsein.

11 [161]

Nicht nach fernen unbekannten Seligkeiten und Segnungen und Begnadigungen ausschauen, sondern so leben, daß wir nochmals leben wollen und in Ewigkeit so leben wollen!— Unsere Aufgabe tritt in jedem Augenblick an uns heran.

11 [162]

Damit es irgend einen Grad von Bewußtsein in der Welt geben könne, mußte eine unwirkliche Welt des Irrthums—entstehen: Wesen mit dem Glauben an Beharrendes an Individuen usw. Erst nachdem eine imaginäre Gegenwelt im Widerspruch zum absoluten Flusse entstanden war, konnte auf dieser Grundlage etwas erkannt werden—ja zuletzt kann der Grundirrthum eingesehn werden worauf alles beruht (weil sich Gegensätze denken lassen)—doch kann dieser Irrthum nicht anders als mit dem Leben vernichtet werden: die letzte Wahrheit vom Fluß der Dinge verträgt die Einverleibung nicht, unsere Organe (zum Leben) sind auf den Irrthum eingerichtet. So entsteht im Weisen der Widerspruch des Lebens und seiner letzten Entscheidungen; sein Trieb zur Erkenntniß hat den Glauben an den Irrthum und das Leben darin zur Voraussetzung.

Leben ist die Bedingung des Erkennens. Irren die Bedingung des Lebens und zwar im tiefsten Grunde Irren. Wissen um das Irren hebt es nicht auf! Das ist nichts Bitteres!

Wir müssen das Irren lieben und pflegen, es ist der Mutterschooß des Erkennens. Die Kunst als die Pflege des Wahnes—unser Cultus.

Um des Erkennens willen das Leben lieben und fördern, um des Lebens willen das Irren Wähnen lieben und fördern. Dem Dasein eine ästhetische Bedeutung geben, unseren Geschmack an ihm mehren, ist Grundbedingung aller Leidenschaft der Erkenntniß.

So entdecken wir auch hier eine Nacht und einen Tag als Lebensbedingung für uns: Erkennen-wollen und Irren-wollen sind Ebbe und Fluth. Herrscht eines absolut, so geht der Mensch zu Grunde; und zugleich die Fähigkeit.

11 [163]

Der politische Wahn, über den ich eben so lächle, wie die Zeitgenossen über den religiösen Wahn früherer Zeiten, ist vor allem Verweltlichung, Glaube an die Welt und Aus-dem-Sinn-Schlagen von “Jenseits” und “Hinterwelt.” Sein Ziel ist das Wohlbefinden des flüchtigen Individuums: weshalb der Socialismus seine Frucht ist, d. h. die flüchtigen Einzelnen wollen ihr Glück sich erobern, durch Vergesellschaftung, sie haben keinen Grund zu warten, wie die Menschen mit ewigen Seelen und ewigem Werden und zukünftigem Besserwerden. Meine Lehre sagt: so leben, daß du wünschen mußt, wieder zu leben ist die Aufgabe—du wirst es jedenfalls! Wem das Streben das höchste Gefühl giebt, der strebe: wem Ruhe das höchste Gefühl giebt, der ruhe; wem Einordnung Folgen Gehorsam das höchste Gefühl giebt, der gehorche. Nur möge er bewußt darüber werden, was ihm das höchste Gefühl giebt und kein Mittel scheuen! Es gilt die Ewigkeit!

11 [164]

Ich rede von Instinkt, wenn irgend ein Urtheil (Geschmack in seiner untersten Stufe) einverleibt ist, so daß es jetzt selber spontan sich regt und nicht mehr auf Reize zu warten braucht. Es hat sein Wachsthum für sich und folglich auch seinen nach außen stoßenden Thätigkeits-Sinn. Zwischenstufe: der Halbinstinkt, der nur auf Reize reagirt und sonst todt ist.

11 [165]

Wir wollen ein Kunstwerk immer wieder erleben! So soll man sein Leben gestalten, daß man vor seinen einzelnen Theilen denselben Wunsch hat! Dies der Hauptgedanke! Erst am Ende wird dann die Lehre von der Wiederholung alles Dagewesenen vorgetragen, nachdem die Tendenz zuerst eingepflanzt ist, etwas zu schaffen, welches unter dem Sonnenschein dieser Lehre hundertfach kräftiger gedeihen kann!

11 [166]

Das Ähnliche ist kein Grad des Gleichen: sondern etwas vom Gleichen völlig Verschiedenes.

11 [167]

Wie kann man dem Nächsten Kleinen Flüchtigen Bedeutung geben? A) Indem man es als Wurzel der Gewohnheiten begreift B) als ewig und ebenfalls Ewiges bedingend.

11 [168]

Wer auf den Geist säet, pflanzt Bäume, die sehr spät groß werden. Das was sich vom Vater auf den Sohn vererbt, sind die geübtesten Gewohnheiten (nicht die geschätztesten!) Der Sohn verräth den Vater. Der Fleiß eines Gelehrten ist entsprechend der Thätigkeit seines Vaters: z. B. wenn dieser immer am Comtoir ist oder wenn er nur wie ein Landgeistlicher “arbeitet.” Die Griechen der höheren Stände wurden so individuell produktiv, weil sie keinen gedankenlosen Fleiß vererbt bekamen.

11 [169]

Gegen alle wilden Energien wehren wir uns so lange, als wir sie nicht zu benutzen wissen (als Kraft) und so lange nennen wir sie böse. Nachher aber nicht mehr! Frage: wie macht man Verbrechen nützlich? Wie macht man seine eigene Wildheit nützlich?

11 [170]

Ich will gegen die Kunst der Kunstwerke eine höhere Kunst lehren: die der Erfindung von Festen.

11 [171]

Ich erkenne etwas Wahres nur als Gegensatz zu einem wirklich lebendigen Unwahren: so kommt das Wahre ganz kraftlos, als Begriff, zur Welt und muß sich durch Verschmelzung mit lebendigen Irrthümern erst Kräfte geben! Und darum muß man die Irrthümer leben lassen und ihnen ein großes Reich zugestehen.— Ebenso: um individuell leben zu können, muß erst die Gesellschaft hoch gefördert sein und fort und fort gefördert werden—der Gegensatz: im Bunde mit ihr bekommt das Individuelle zuerst einige Kraft.— Endlich erscheint ein Punkt, wo wir über das Individuelle und Idiosynkratische hinauswollen: aber nur im Bunde mit dem Individuum, dem Gegensatze, können wir diesem Streben Kräfte verleihen.

11 [172]

Wie geben wir dem inneren Leben Schwere, ohne es böse und fanatisch gegen Anders-denkende zu machen? Der religiöse Glaube nimmt ab und der Mensch lernt sich als flüchtig begreifen und als unwesentlich, er wird endlich dabei schwach; er übt sich nicht so im Erstreben Ertragen, er will den gegenwärtigen Genuß, er macht sich’s leicht—und viel Geist verwendet er vielleicht dabei.

11 [173]

Wie unkräftig war bisher alle physiologische Erkenntiß! während die alten physiologischen Irrthümer spontane Kraft bekommen haben! Lange lange Zeit können wir die neuen Erkenntnisse nur als Reize verwenden—um die spontanen Kräfte zu entladen.

11 [174]

Wie das Böse abgenommen hat! Ehemals setzte man die Absicht zu schaden in jedem Naturereigniß voraus!

11 [175]

Wie gemein hat sich das Christenthum gegen das Alterthum benommen, indem es dasselbe ganz durchteufelte! Gipfel aller verleumderischen Bosheit!

11 [176]

Sklaven-Arbeit! Freien-Arbeit! Erstere Arbeit ist alle Arbeit, die nicht um unserer selber willen gethan wird und die keine Befriedigung in sich hat. Es ist viel Geist noch zu finden, damit ein jeder seine Arbeiten sich befriedigend gestalte.

11 [177]

Das Zeitalter der Experimente! Die Behauptungen Darwin’s sind zu prüfen—durch Versuche! Ebenso die Entstehung höherer Organismen aus den niedersten. Es müssen Versuche auf 1000 von Jahren hin geleitet werden! Affen zu Menschen erziehen!

11 [178]

Es ist ein falscher Gesichtspunkt: um die Gattung zu erhalten, werden unzählige Exemplare geopfert. Ein solches “Um” giebt es nicht! Ebenso giebt es keine Gattung, sondern lauter verschiedene Einzelwesen! Also giebt es auch keine Opferung, Verschwendung! Also auch keine Unvernunft dabei!— Die Natur will nicht die “Gattung erhalten”! Thatsächlich erhalten sich viele ähnliche Wesen, mit ähnlichen Existenzbedingungen leichter als abnorme Wesen.

11 [179]

Während in sehr vielen Fällen das erste Kind einer Ehe einen genügenden Grund abgiebt, keine weiteren Kinder in die Welt zu setzen: wird doch die Ehe dadurch nicht gelöst, sondern trotz des voraussichtlichen Nachtheils neuer Kinder (zum Schaden aller Späteren!) festgehalten! Wie kurzsichtig! Aber der Staat will und wollte keine bessere Qualität, sondern Masse! Deshalb liegt ihm an der Züchtung der Menschen nichts!— Einzelne ausgezeichnete Männer sollten bei mehreren Frauen Gelegenheit haben, sich fortzupflanzen; und einzelne Frauen, mit besonders günstigen Bedingungen, sollten auch nicht an den Zufall Eines Mannes gebunden sein. Die Ehe wichtiger zu nehmen! Weil der Staat nicht mehr nöthig ist.

11 [180]

Man redet dem Luxus jetzt das Wort als dem stärksten Reizmittel auf Arme, Arbeit-Geplagte und Verheirathete: seinetwillen streben sie nach Reichthum: man befeindet die Zufriedenheit und die idyllische Philosophie als Schädiger des National-Reichthums und der -Arbeitskraft. Möglichst viel Reichthum, möglichst viel Neid und Unlust, möglichst viel Concurrenz! In reichen Staaten seien die Künste am besten gefördert worden, durch Luxusmenschen, die Kunst ein Mittel, den Neid der Niederen zu erregen, als ein Stück Luxus.— Andererseits soll ihr Emporwachsen im Luxus eine Apologie des Luxus und der Absicht auf Unzufriedenheit sein: Künste vorübergehend die Unlust solcher Zustände beschwichtigend und betäubend, jedenfalls verherrlichend.

11 [181]

Ein M sinkt in meiner Achtung 1) wenn er 200-300 Thaler jährlich hat und trotzdem Kaufmann Beamter oder Soldat noch wird, bei der Wahl eines Lebensberufs 2) wenn er soviel verdient und trotzdem ein noch zeitraubenderes Amt sucht (auch als Gelehrter). Wie! Sind das intellektuelle Menschen! Sich verheirathen wollen und den Sinn des Lebens darüber verlieren!

11 [182]

Ein starker freier M empfindet gegen alles Andere die Eigenschaften des Organismus

1) Selbstregulirung: in der Form von Furcht vor allen fremden Eingriffen, im Haß gegen den Feind, im Maaßhalten usw.
2) überreichlicher Ersatz: in der Form von Habsucht Aneignungslust Machtgelüst
3) Assimilation an sich: in der Form von Loben Tadeln Abhängigmachen Anderer von sich, dazu Verstellung List, Lernen, Gewöhnung, Befehlen Einverleiben von Urtheilen und Erfahrungen
4) Sekretion und Excretion: in der Form von Ekel Verachtung der Eigenschaften an sich, die ihm nicht mehr nützen; das Überschüssige mittheilen Wohlwollen
5) metabolische Kraft: zeitweilig verehren bewundern sich abhängig machen einordnen, auf Ausübung der anderen organischen Eigenschaften fast verzichten, sich zum “Organe” umbilden, dienen-können
6) Regeneration: in der Form von Geschlechtstrieb, Lehrtrieb usw.

Nun würde man irren, diese organischen Eigenschaften zuerst bei dem Menschen vorauszusetzen: vielmehr bekommt er diese alle zuletzt, als freigewordener Mensch. Er hat dagegen begonnen als Theil eines Ganzen, welches seine organischen Eigenschaften hatte und den Einzelnen zu seinem Organe machte—so daß durch unsäglich lange Gewöhnung die Menschen zunächst die Affekte der Gesellschaft gegen andere Gesellschaften und Einzelne und alles Lebende und Todte empfinden, und nicht als Individuen! Z. B. er fürchtet und haßt stärker und am stärksten als Mitglied eines Geschlechtes oder Staates, nicht seinen persönlichen Feind, sondern den öffentlichen; ja er empfindet den persönlichen Feind wesentlich als einen öffentlichen (Blutrache) Er zieht in den Krieg, um seinen Staat und Häuptling zu bereichern und zum Überersatz zu verhelfen, mit jeder persönlichen Gefahr der Verkümmerung Entbehrung Verstümmelung. Er assimilirt als Mitglied seiner Gesellschaft Fremdes an sich, lernt für deren Wohl; er verachtet was von Eigenschaften nicht mehr zum Bestande der Gesellschaft nützt, er stößt die höchsten Individuen von sich, wenn sie diesem Nutzen widersprechen. Er verwandelt sich zum Organ im Dienste seiner Gesellschaft durchaus und macht von allen Eigenschaften nur den dadurch eingeschränkten Gebrauch: richtiger: er hat jene anderen Eigenschaften noch nicht und erwirbt sie erst als Organ des Gemeinwesens: als Organ bekommt er die ersten Regungen der sämmtlichen Eigenschaften des Organischen. Die Gesellschaft erzieht erst das Einzelwesen, formt es zum Halb- oder Ganz-Individuum vor, sie bildet sich nicht aus Einzelwesen, nicht aus Verträgen solcher! Sondern höchstens als Kernpunkt ist ein Individuum nöthig (ein Häuptling) und dieser auch nur im Verhältniß zu der tieferen oder höheren Stufe der Anderen “frei.” Also: der Staat unterdrückt ursprünglich nicht etwa die Individuen: diese existiren noch gar nicht! Er macht den Menschen überhaupt die Existenz möglich, als Heerdenthieren. Unsere Triebe Affekte werden uns da erst gelehrt: sie sind nichts Ursprüngliches! Es giebt keinen “Naturzustand” für sie! Als Theile eines Ganzen nehmen wir an dessen Existenzbedingungen und Funktionen Antheil und einverleiben uns die dabei gemachten Erfahrungen und Urtheile. Diese gerathen später mit einander in Kampf und Relation, wenn das Band der Gesellschaft zerfällt: er muß in sich die Nachwirkungen des gesellschaftlichen Organismus ausleiden, er muß das Unzweckmäßige von Existenzbedingungen Urtheilen und Erfahrungen, die für ein Ganzes paßten, abbüßen und endlich kommt er dahin, seine Existenzmöglichkeit als Individuum durch Neuordnung und Assimilation Excretion der Triebe in sich zu schaffen. Meistens gehen diese Versuchs-Individuen zu Grunde. Die Zeiten, wo sie entstehen, sind die der Entsittlichung, der sogenannten Corruption d. h. alle Triebe wollen sich jetzt persönlich versuchen und nicht bis dahin jenem persönlichen Nutzen angepaßt zerstören sie das Individuum durch Übermaaß. Oder sie zerfleischen es, in ihrem Kampfe mit einander. Die Ethiker treten dann auf und suchen dem Menschen zu zeigen, wie er doch leben könne, ohne so an sich zu leiden—meistens, indem sie ihm die alte bedingte Lebensweise unter dem Joche der Gesellschaft anempfehlen, nur so daß an Stelle der Gesellschaft ein Begriff tritt—es sind Reaktionäre. Aber sie erhalten Viele, wenn gleich durch Zurückführung in die Gebundenheit. Ihre Behauptung ist, es gebe ein ewiges Sittengesetz; sie wollen das individuelle Gesetz nicht anerkennen und nennen das Streben dahin unsittlich und zerstörerisch.— Unvermeidlich überwiegen bei einem, der frei werden will, die Funktionen an Kraft, mit denen er (oder seine Vorfahren) der Gesellschaft gedient haben: diese hervorragenden Funktionen lenken und fördern oder beschränken die übrigen—aber alle hat er nöthig, um als Organism selber zu leben, es sind Lebensbedingungen!

Aber wir sind lange Mißgestalten, und dem entspricht das viel größere Mißbehagen der frei werdenden Individuen—im Vergleich zur älteren abhängigen Stufe und das massenhafte Zugrundegehen.

11 [183]

Haupttendenzen: 1) die Liebe zum Leben, zum eigenen Leben auf alle Weise pflanzen! Was auch jeder Einzelne dafür erdenkt, das wird der Andere gelten lassen, und eine neue große Toleranz dafür sich aneignen müssen: so sehr es oft wider seinen Geschmack geht, wenn der Einzelne wirklich die Freude am eigenen Leben mehrt!

2) Eins sein in der Feindschaft gegen alles und Alle, die den Werth des Lebens zu verdächtigen suchen: gegen die Finsterlinge und Unzufriedenen und Murrköpfe. Diesen die Fortpflanzung verwehren! Aber unsere Feindschaft muß selber ein Mittel zu unserer Freude werden! Also lachen, spotten, ohne Verbitterung vernichten! Dies ist unser Todkampf.

Diess Leben—dein ewiges Leben!

11 [184]

Dem wirklichen Verlaufe der Dinge muß auch eine wirkliche Zeit entsprechen, ganz abgesehn von dem Gefühle langer kurzer Zeiträume, wie sie erkennende Wesen haben. Wahrscheinlich ist die wirkliche Zeit unsäglich viel langsamer als wir Menschen die Zeit empfinden: wir nehmen so wenig wahr, obschon auch für uns ein Tag sehr lang erscheint, gegen denselben Tag im Gefühl eines Insekts. Aber unser Blutumlauf könnte in Wahrheit die Dauer eines Erd- und Sonnenlaufs haben.— Sodann empfinden wir uns wahrscheinlich als viel zu groß und haben darin unsere Überschätzung, daß wir ein zu großes Maaß in den Raum hineinempfinden. Es ist möglich, daß alles viel kleiner ist. Also die wirkliche Welt kleiner, aber viel langsamer bewegt, aber unendlich reicher an Bewegungen als wir ahnen.

11 [185]

Der Egoism ist etwas Spätes und immer noch Seltenes: die Heerden-Gefühle sind mächtiger und älter! Z. B. noch immer schätzt sich der Mensch so hoch als die Anderen ihn schätzen (Eitelkeit) Noch immer will er gleiche Rechte mit den Anderen und hat ein Wohlgefühl bei dem Gedanken daran, auch wenn er die Menschen gleich behandelt (was doch der Gerechtigkeit des suum cuique sehr zuwiderläuft!) Er faßt sich gar nicht als etwas Neues in’s Auge, sondern strebt sich die Meinungen der Herrschenden anzueignen, ebenfalls erzieht er seine Kinder dazu. Es ist die Vorstufe des Egoismus, kein Gegensatz dazu: der Mensch ist wirklich noch nicht mehr individuum und ego; als Funktion des Ganzen fühlt er seine Existenz noch am höchsten und am meisten gerechtfertigt. Deshalb läßt er über sich verfügen, durch Eltern Lehrer Kasten Fürsten, um zu einer Art Selbstachtung zu kommen—selbst in der Liebe ist er viel mehr der Bestimmte als der Bestimmende. Gehorsam Pflicht erscheint ihm als “die Moral” d. h. er verherrlicht seine Heerdentriebe, indem er sie als schwere Tugenden hinstellt.— Auch im erwachten Individuum ist der Urbestand der Heerdengefühle noch übermächtig und mit dem guten Gewissen verknüpft. Der Christ mit seinem extra ecclesiam nulla salus ist grausam gegen die Gegner der christlichen Heerde; der Staatsbürger verhängt schreckliche Strafen über den Verbrecher, nicht als ego, sondern aus dem alten Instinkte—die That der Grausamkeit des Mordes der Sklaverei (Gefängniß) beleidigt ihn nicht, sobald ersie vom Heerdeninstinkt aus ansieht.— Alle freieren M des Mittelalters glaubten, vor allem sei das Heerdengefühl zu erhalten, das seltene Individuum müsse in dieser Hinsicht Verstellung üben, ohne Hirten und den Glauben an allgemeine Gesetze gehe alles drunter und darüber. Wir glauben das nicht mehr—weil wir gesehen haben, daß der Hang zur Heerde so groß ist, daß er immer wieder durchbricht, gegen alle Freiheiten des Gedankens! Es giebt eben noch sehr selten ein ego! Das Verlangen nach Staat, socialen Gründungen, Kirchen usw. ist nicht schwächer geworden. v die Kriege! Und die “Nationen”!

11 [186]

Die griechischen Gesetzgeber haben den agon so gefördert, um den Wettkampfgedanken vom Staate abzulenken und die politische Ruhe zu gewinnen. (jetzt denkt man an die Concurrenz des Handels) Das Nachdenken über den Staat sollte durch agonale Erhitzung abgelenkt werden—ja turnen und dichten sollte man—dies hatte den Nebenerfolg, die Bürger stark schön und fein zu machen.— Ebenso förderten sie die Knabenliebe, einmal um der Übervölkerung vorzubeugen (welche unruhige verarmte Kreise erzeugt, auch innerhalb des Adels) sodann als Erziehungsmittel zum agon: die Jungen und die Älteren sollten bei einander bleiben, sich nicht trennen und das Interesse der Jungen festhalten—sonst hätte sich der Ehrgeiz der abgesonderten Älteren auf den Staat geworfen, aber mit Knaben konnte man nicht vom Staate sprechen. So benutzte vielleicht Richelieu die Galanterie der Männer, um die ehrgeizigen Triebe abzulenken und andere Gespräche als über den Staat in Curs zu bringen.

11 [187]

Woran gieng die alexandrinische Cultur zu Grunde? Sie vermochte mit all ihren nützlichen Entdeckungen und der Lust an der Erkenntniß dieser Welt doch dieser Welt, diesem Leben nicht die letzte Wichtigkeit zu geben, das jenseits blieb wichtiger! Hierin umzulehren jetzt immer noch die Hauptsache—vielleicht wenn die Metaphysik eben dies Leben mit dem schwersten Accent trifft—nach meiner Lehre!

11 [188]

Im Allgemeinen ist die Richtung des Socialism wie die des Nationalismus eine Reaktion, gegen das Individuellwerden. Man hat seine Noth mit dem ego, dem halbreifen tollen ego: man will es wieder unter die Glocke stellen.

11 [189]

Die Amöben-Einheit des Individuums kommt zuletzt! Und die Philosophen giengen von ihr aus, als ob sie bei Jedem da sei!— Die Sittlichkeit ist der Hauptgegenbeweis: überall wo das Individuum auftritt, tritt die Sittenverderbniß auf d. h. der individuelle Maaßstab von Lust und Unlust wird zum ersten Male gehandhabt, und da zeigt sich, wie innerhalb des Einzelnen die Triebe noch gar nicht gelernt haben sich anzupassen, die Einheit ist noch nicht da, oder in Form der gröbsten Gewaltherrschaft Eines Triebes über die anderen—so daß das Ganze gewöhnlich zu Grunde geht!— Damit beginnt die Zeit der freien Menschen—zahllose gehen zu Grunde.— Im Anblick davon rufen die “Weisen” die alte Moral an und suchen sie als angenehm und nützlich für den Einzelnen zu beweisen.

11 [190]

Ein labiles Gleichgewicht kommt in der Natur so wenig vor, wie zwei congruente Dreiecke. Folglich auch kein Stillstand der Kraft überhaupt. Wäre der Stillstand möglich, so wäre er eingetreten!

11 [191]

Die Heerden-Menschen und die selbsteignen Menschen: letztere zuerst als Hirten. —

11 [192]

Schadenwollen als Tendenz ist jetzt im Kampfe der Parteien (der politischen und auch der wissenschaftlichen) seines Tadels entkleidet, ebenso in der Concurrenz der Kaufleute, der Staaten: man untersagt sich gewisse Mittel, aber nicht die Tendenz! Kritik gegen alles geübt ist eine letzte Machtäußerung der Einflußlosen—eine Fortsetzung der Hexerei

Nützenwollen durch Gebete und Erhöhung der Phantasie galt ehemals für eine Hauptbeschäftigung des Menschen, einen Gott vergewaltigen und bestimmen zum Guten—es ist das Seitenstück zur Magie: einen Teufel vergewaltigen und zwingen zum Bösen: was wohl auch eine Hauptbeschäftigung war. Das Schwelgen im Wollen und im Bilde der erreichten Absicht und der Glaube, daß dies das Mittel zur Erreichung der Absicht sei: darin waren Alle einmüthig. Man glaubte an einen geheimen Weg außer dem der That und der Mechanik, um zum gleichen Ziel zu kommen.

11 [193]

Spinoza: wir werden nur durch Begierden und Affekte in unserem Handeln bestimmt. Die Erkenntniß muß Affekt sein, um Motiv zu sein.— Ich sage: sie muß Leidenschaft sein, um Motiv zu sein.

ex virtute absolute agere = ex ductu rationis agere, vivere, suum Esse conservare. “von Grund aus nicht anderes suchen als den eigenen Nutzen” “Niemand strebt um eines anderen Wesens willen das eigene Sein zu erhalten.” “Das Streben nach Selbsterhaltung ist die Voraussetzung aller Tugend.”

“Die Menschen sind sich gegenseitig am nützlichsten, wenn jeder seinen eigenen Nutzen sucht.” “Kein einzelnes Wesen in der Welt ist dem Menschen so nützlich, als der Mensch der nach der Richtschnur seiner Vernunft ex ductu rationis lebt.”

Gut ist alles, was der Erkenntniß wahrhaft dient; schlecht dagegen alles, was sie hindert.”

Unsere Vernunft ist unsere größte Macht. Sie ist unter allen Gütern das Einzige, das alle gleichmäßig erfreut, das keiner dern anderen beneidet, das jeder dem Anderen wünscht und um so mehr wünscht als er selbst davon hat.— Einig sind die Menschen nur in der Vernunft. Sie können nicht einiger sein als wenn sie vernunftgemäß leben. Sie können nicht mächtiger sein als wenn sie vollkommen übereinstimmen.— Wir leben im Zustande der Übereinstimmung mit Anderen und mit uns selbst jedenfalls mächtiger als in dem des Zwiespalts. Die Leidenschaften entzweien; sie bringen uns in Widerstreit mit den anderen Menschen und mit uns selbst, sie machen uns feindselig nach außen und schwankend nach innen.— ego: das Alles ist Vorurtheil. Es giebt gar keine Vernunft der Art, und ohne Kampf und Leidenschaft wird alles schwach, Mensch und Gesellschaft.

(“Die Begierde ist das Wesen des Menschen selbst, nämlich das Streben, kraft dessen der Mensch in seinem Sein beharren will.”

“Jeder ist in dem Grade ohnmächtig als er seinen Nutzen d. h. seine Selbsterhaltung außer Acht läßt.”

“Das Streben nach Selbsterhaltung ist die erste und einzige Grundlage der Tugend.”

Es giebt im Geiste keinen freien Willen, sondern der Geist wird, dies oder jenes zu wollen, von einer Ursache bestimmt, die ebenfalls von einer anderen bestimmt ist, und diese wiederum von einer anderen, und so fort bis ins Endlose.

Der Wille ist das Vermögen zu bejahen und zu verneinen: nichts Anderes.

Dagegen ich: Voregoismus, Heerdentrieb sind älter als das “Sich-selbst-erhalten-wollen.” Erst wird der Mensch als Funktion entwickelt: daraus löst sich später wieder das Individuum, indem es als Funktion unzählige Bedingungen des Ganzen, des Organismus, kennen gelernt und allmählich sich, einverleibt hat.

11 [194]

Die Jesuiten hielten es mit dem Empirismus, Anhänger des Gassendi, Gegner des Descartes (den sie mit den Gründen des Sensualismus angreifen): wie Pater Bourdin. Also sie sind für Thomas Aristoteles Gassendi—gegen Augustin Plato Descartes Idealismus. (Congregation der Väter des Oratorium Jesu und ebenso Port-Royal) Pascal

Arnold Geulinx (in Niederlanden geboren 1625): impossibile est ut is faciat, qui nescit quomodo fiat. Quod nescio, quomodo fiat, ich non facio.— Qua fronte dicam, ich me facere quod quomodo fiat nescio?— Mein Wille soll sich nicht weiter erstrecken als mein Vermögen. Ubi nihil vales, ibi nihil velis.

Virtus est amor rationis.— Amor rationis hoc agit in amante, ut se ipse deserat, a se penitus recedat. Humilitas est incuria sui. Partes humilitatis sunt duae: inspectio sui et despectio sui.

Malebranche: “Betrachte man die Sinne als falsche Zeugen in Betreff der Wahrheit, aber als treue Rathgeber in Rücksicht auf die Erhaltung und den Nutzen des Lebens!” Wir irren, sobald unser Denken in die Abhängigkeit von den Sinnen geräth, wenn der Geist vom Körper sich abhängig macht. Sünde ist es, welche diese Abhängigkeit verschuldet. Das Erkennenwollen durch die Sinne, die Quelle des Irrthums—ist Sünde. Irrthum durch die Sünde verursacht! Der Irrthum wird durch Abkehrung von Gott möglich, durch Unterwerfung unter das Joch des Körpers.

Spinoza oder Teleologie als Asylum ignorantiae.

11 [193]

Spinoza: wir werden nur durch Begierden und Affekte in unserem Handeln bestimmt. Die Erkenntniß muß Affekt sein, um Motiv zu sein.— Ich sage: sie muß Leidenschaft sein, um Motiv zu sein.

ex virtute absolute agere = ex ductu rationis agere, vivere, suum Esse conservare. “von Grund aus nicht anderes suchen als den eigenen Nutzen” “Niemand strebt um eines anderen Wesens willen das eigene Sein zu erhalten.” “Das Streben nach Selbsterhaltung ist die Voraussetzung aller Tugend.”

“Die Menschen sind sich gegenseitig am nützlichsten, wenn jeder seinen eigenen Nutzen sucht.” “Kein einzelnes Wesen in der Welt ist dem Menschen so nützlich, als der Mensch der nach der Richtschnur seiner Vernunft ex ductu rationis lebt.”

Gut ist alles, was der Erkenntniß wahrhaft dient; schlecht dagegen alles, was sie hindert.”

Unsere Vernunft ist unsere größte Macht. Sie ist unter allen Gütern das Einzige, das alle gleichmäßig erfreut, das keiner dern anderen beneidet, das jeder dem Anderen wünscht und um so mehr wünscht als er selbst davon hat.— Einig sind die Menschen nur in der Vernunft. Sie können nicht einiger sein als wenn sie vernunftgemäß leben. Sie können nicht mächtiger sein als wenn sie vollkommen übereinstimmen.— Wir leben im Zustande der Übereinstimmung mit Anderen und mit uns selbst jedenfalls mächtiger als in dem des Zwiespalts. Die Leidenschaften entzweien; sie bringen uns in Widerstreit mit den anderen Menschen und mit uns selbst, sie machen uns feindselig nach außen und schwankend nach innen.— ego: das Alles ist Vorurtheil. Es giebt gar keine Vernunft der Art, und ohne Kampf und Leidenschaft wird alles schwach, Mensch und Gesellschaft.

(“Die Begierde ist das Wesen des Menschen selbst, nämlich das Streben, kraft dessen der Mensch in seinem Sein beharren will.”

“Jeder ist in dem Grade ohnmächtig als er seinen Nutzen d. h. seine Selbsterhaltung außer Acht läßt.”

“Das Streben nach Selbsterhaltung ist die erste und einzige Grundlage der Tugend.”

Es giebt im Geiste keinen freien Willen, sondern der Geist wird, dies oder jenes zu wollen, von einer Ursache bestimmt, die ebenfalls von einer anderen bestimmt ist, und diese wiederum von einer anderen, und so fort bis ins Endlose.

Der Wille ist das Vermögen zu bejahen und zu verneinen: nichts Anderes.

Dagegen ich: Voregoismus, Heerdentrieb sind älter als das “Sich-selbst-erhalten-wollen.” Erst wird der Mensch als Funktion entwickelt: daraus löst sich später wieder das Individuum, indem es als Funktion unzählige Bedingungen des Ganzen, des Organismus, kennen gelernt und allmählich sich, einverleibt hat.

11 [194]

Die Jesuiten hielten es mit dem Empirismus, Anhänger des Gassendi, Gegner des Descartes (den sie mit den Gründen des Sensualismus angreifen): wie Pater Bourdin. Also sie sind für Thomas Aristoteles Gassendi—gegen Augustin Plato Descartes Idealismus. (Congregation der Väter des Oratorium Jesu und ebenso Port-Royal) Pascal

Arnold Geulinx (in Niederlanden geboren 1625): impossibile est ut is faciat, qui nescit quomodo fiat. Quod nescio, quomodo fiat, ich non facio.— Qua fronte dicam, ich me facere quod quomodo fiat nescio?— Mein Wille soll sich nicht weiter erstrecken als mein Vermögen. Ubi nihil vales, ibi nihil velis.

Virtus est amor rationis.— Amor rationis hoc agit in amante, ut se ipse deserat, a se penitus recedat. Humilitas est incuria sui. Partes humilitatis sunt duae: inspectio sui et despectio sui.

Malebranche: “Betrachte man die Sinne als falsche Zeugen in Betreff der Wahrheit, aber als treue Rathgeber in Rücksicht auf die Erhaltung und den Nutzen des Lebens!” Wir irren, sobald unser Denken in die Abhängigkeit von den Sinnen geräth, wenn der Geist vom Körper sich abhängig macht. Sünde ist es, welche diese Abhängigkeit verschuldet. Das Erkennenwollen durch die Sinne, die Quelle des Irrthums—ist Sünde. Irrthum durch die Sünde verursacht! Der Irrthum wird durch Abkehrung von Gott möglich, durch Unterwerfung unter das Joch des Körpers.

Spinoza oder Teleologie als Asylum ignorantiae.

11 [195]

Mittag und Ewigkeit.

Fingerzeige zu einem neuen Leben.

Zarathustra, geboren am See Urmi, verliess im dreissigsten Jahre seine Heimat, gieng in die Provinz Aria und verfasste in den zehn Jahren seiner Einsamkeit im Gebirge den Zend-Avesta.

11 [196]

Die Sonne der Erkenntniß steht wieder einmal im Mittag: und geringelt liegt die Schlange der Ewigkeit in ihrem Lichte— —es ist eure Zeit, ihr Mittagsbrüder!

11 [197]

Zum “Entwurf einer neuen Art zu leben.”

Erstes Buch im Stile des ersten Satzes der neunten Symphonie. Chaos sive natura: “von der Entmenschlichung der Natur.” Prometheus wird an den Kaucasus angeschmiedet. Geschrieben mit der Grausamkeit des, “der Macht.”

Zweites Buch. Flüchtig-skeptisch-mephistophelisch. “Von der Einverleibung der Erfahrungen.” Erkenntniss = Irrthum, der organisch wird und organisirt.

Drittes Buch. Das Innigste und über den Himmeln Schwebendste, was je geschrieben wird: “vom letzten Glück des Einsamen”—das ist der, welcher aus dem “Zugehörigen” zum “Selbsteignen” des höchsten Grades geworden ist: das vollkommene ego: nur erst dies ego hat Liebe, auf den früheren Stufen, wo die höchste Einsamkeit und Selbstherrlichkeit nicht erreicht ist, giebt es etwas anderes als Liebe.

Viertes Buch. Dithyrambisch-umfassend. “Annulus aeternitatis.” Begierde, alles noch einmal und ewige Male zu erleben.

Die unablässige Verwandlung—du musst in einem kurzen Zeitraume durch viele Individuen hindurch. Das Mittel ist der unablässige Kampf.

           
Sils-Maria         26. August 1881
           

“allem Hübschen und Gefälligen aus dem Wege gehen, als ein weltverachtender Gewaltmensch” sagt J. Burckhardt bei Palazzo Pitti)

11 [198]

Die große Form eines Kunstwerks wird an’s Licht treten, wenn der Künstler die große Form in seinem Wesen hat! An sich die große Form ist albern und verdirbt die Kunst, es heißt den Künstler zur Heuchelei verführen oder das Große und Seltene zur Conventions-münze umstempeln wollen. Ein ehrlicher Künstler, der diese gestaltende Kraft in seinem Charakter nicht hat, ist ehrlich, sie auch nicht in seinen Werken haben zu wollen:—wenn er sie überhaupt leugnet und verunglimpft, so ist dies begreiflich und mindestens zu entschuldigen: er kann da nicht über sich. So Wagner. Aber die “unendliche Melodie” ist ein hölzernes Eisen—“die nicht Gestalt gewordene, fertig gewordene Gestalt”—das ist ein Ausdruck für das Unvermögen der Form und eine Art Princip aus dem Unvermögen gemacht. Dramatische Musik und überhaupt Attitüden-Musik verträgt sich freilich am besten mit der formlosen, fließenden Musik—ist deshalb aber niederer Gattung.

11 [199]

Gehorsam Funktionsgefühl Schwächegefühl haben den Werth “des Unegoistischen” aufgebracht: namentlich als man die vollkommene Abhängigkeit von Einem Gotte glaubte. Verachtung gegen sich selber, aber einen Zweck dafür suchen, daß man doch thätig ist, nämlich sein muß: also um Gottes willen, und schließlich, als man an den Gott nicht mehr glaubte, um des Anderen willen: eine Einbildung, ein mächtiger Gedanke, der den Menschen das Dasein leichter machte. Auch unsere Zustände wollen Sklaverei, und das Individuum soll gehemmt werden—daher Cultur des Altruismus. In Wahrheit handelt man “unegoistisch,” weil es die Bedingung ist, unter der allein man noch fortexistirt d. h. man denkt an die Existenz des Anderen gewohnheitsmäßig eher als an die eigne (z. B. der Fürst an das Volk, die Mutter an das Kind) weil sonst der Fürst nicht als Fürst, die Mutter nicht als Mutter existiren könnte: sie—wollen die Erhaltung ihres Machtgefühls, wenn es auch die beständige Aufmerksamkeit und zahllose Selbstopferung zu Gunsten der Abhängigen fordert: oder, in anderen Fällen, zu Gunsten der Mächtigen, wenn unsere Existenz (Wohlgefühl, z.B. im Dienste eines Genie’s usw.) nur so behauptet wird.

11 [200]

Rechte: der Mächtigere stellt die Funktionäre gegen einander fest: und Pflichten: der Mächtigere stellt die Funktionäre gegen sich fest: jeder hat etwas zu leisten, und um dies regelmäßig zu erlangen, verzichtet der Mächtigere auf weitere Eingriffe, und fügt sich selber einer Ordnung: es gehört dies zur Selbstregulirung. In Bezug auf die Pflichten der Funktionen stimmt der Mächtige und die Funktion überein. Es ist nichts “Unegoistisches” daran.

11 [201]

Das modern-wissenschaftliche Seitenstück zum Glauben an Gott ist der Glaube an das All als Organismus: davor ekelt mir. Also das ganz Seltene, unsäglich Abgeleitete, das Organische, das wir nur auf der Kruste der Erde wahrnehmen, zum Wesentlichen Allgemeinen Ewigen machen! Dies ist immer noch Vermenschung der Natur! Und eine verkappte Vielgötterei in den Monaden, welche zusammen den All-Organism bilden! Mit Voraussicht! Monaden, welche gewisse mögliche mechanische Erfolge wie das Gleichgewicht der Kräfte zu verhindern wissen! Phantasterei!— Wenn das All ein Organismus werden könnte, wäre es einer geworden. Wir müssen es als Ganzes uns gerade so entfernt wie möglich von dem Organischen denken! Ich glaube, selbst unsere chemische Affinität und Cohärenz sind vielleicht spät entwickelte, bestimmten Epochen in Einzelsystemen zugehörige Erscheinungen. Glauben wir an die absolute Nothwendigkeit im All, aber hüten wir uns, von irgend einem Gesetz, sei es selbst ein primitiv mechanisches unserer Erfahrung, zu behaupten, dies herrsche in ihm und sei eine ewige Eigenschaft.— Alle chemischen Qualitäten können geworden sein und vergehen und wiederkommen. Unzählige “Eigenschaften” mögen sich entwickelt haben, für die uns, aus unserem Zeit- und Raumwinkel heraus, die Beobachtung nicht möglich ist. Der Wandel einer chemischen Qualität vollzieht sich vielleicht auch jetzt, nur in so feinem Grade, daß er unserer feinsten Nachrechnung entschlüpft.

11 [202]

Das Maaß der All-Kraft ist bestimmt, nichts Unendliches: hüten wir uns vor solchen Ausschweifungen des Begriffs! Folglich ist die Zahl der Lagen Veränderungen Combinationen und Entwicklungen dieser Kraft, zwar ungeheuer groß Und praktisch “unermeßlich,” aber jedenfalls auch bestimmt und nicht unendlich. Wohl aber ist die Zeit, in der das All seine Kraft übt, unendlich d. h. die Kraft ist ewig gleich und ewig thätig:—bis diesen Augenblick ist schon eine Unendlichkeit abgelaufen, d. h. alle möglichen Entwicklungen müssen schon dagewesen sein. Folglich muß die augenblickliche Entwicklung eine Wiederholung sein und so die, welche sie gebar und die, welche aus ihr entsteht und so vorwärts und rückwärts weiter! Alles ist unzählige Male dagewesen, insofern die Gesammtlage aller Kräfte immer wiederkehrt. Ob je, davon abgesehen, irgend etwas Gleiches dagewesen ist, ist ganz unerweislich. Es scheint, daß die Gesammtlage bis in’s Kleinste hinein die Eigenschaften neu bildet, so daß zwei verschiedene Gesammtlagen nichts Gleiches haben können. Ob es in Einer Gesammtlage etwas Gleiches geben kann, z. B. zwei Blätter? Ich zweifle: es würde voraussetzen, daß sie eine absolut gleiche Entstehung hätten, und damit hätten wir anzunehmen, daß bis in alle Ewigkeit zurück etwas Gleiches bestanden habe, trotz aller Gesammtlagen-Veränderungen und Schaffung neuer Eigenschaften—eine unmögliche Annahme!

11 [203]

Prüfen wir, wie der Gedanke, daß sich etwas wiederholt, bis jetzt gewirkt hat (das Jahr z.B. oder periodische Krankheiten, Wachen und Schlafen usw.) Wenn die Kreis-Wiederholung auch nur eine Wahrscheinlichkeit oder Möglichkeit ist, auch der Gedanke einer Möglichkeit kann uns erschüttern und umgestalten, nicht nur Empfindungen oder bestimmte Erwartungen! Wie hat die Möglichkeit der ewigen Verdammniß gewirkt!

11 [204]

Die Lage, in der die Menschen sich befinden, zur Natur und zu Menschen, macht ihre Eigenschaften—es ist wie bei den Atomen.

11 [205]

Hüten wir uns zu glauben, daß das All eine Tendenz habe, gewisse Formen zu erreichen, daß es schöner, vollkommener, complicirter werden wolle! Das ist alles Vermenschung! Anarchie, häßlich, Form—sind ungehörige Begriffe. Für die Mechanik giebt es nichts Unvollkommenes.

11 [206]

Es ist Alles wiedergekommen: der Sirius und die Spinne und deine Gedanken in dieser Stunde und dieser dein Gedanke, daß Alles wiederkommt.

11 [207]

Wie fremd und überlegen thun wir hinsichtlich des Todten des Anorganischen, und inzwischen sind wir zu drei Viertel eine Wassersäule, und haben anorganische Salze in uns, die über unser Wohl und Wehe vielleicht mehr vermögen als die ganze lebendige Gesellschaft!

11 [208]

Die Philosophen haben es gemacht, wie die Völker: ihre enge Moral in das Wesen der Dinge hineingelegt. Das Ideal jedes Philosophen soll auch im An-sich der Dinge stecken.

11 [209]

Heerdenmenschen und Sondermenschen!

11 [210]

Das Unorganische bedingt uns ganz und gar: Wasser Luft Boden Bodengestalt Elektricität usw. Wir sind Pflanzen unter solchen Bedingungen.

11 [211]

Meine Aufgabe: die Entmenschung der Natur und dann die Vernatürlichung des Menschen, nachdem er den reinen Begriff “Natur” gewonnen hat.

11 [212]

Alle Gewöhnungen (z. B. an eine bestimmte Speise, wie Kaffe, oder eine bestimmte Zeiteintheilung) haben auf die Dauer das Ergebniß, Menschen bestimmter Art zu züchten. Also blicke um dich! Prüfe das Kleinste! Wohin will es? Gehört es zu deiner Art, zu deinem Ziele?

11 [213]

Das unendlich neue Werden ist ein Widerspruch, es würde eine unendlich wachsende Kraft voraussetzen. Aber wovon sollte sie wachsen! Woher sich ernähren, mit Überschuß ernähren! Die Annahme, das All sei ein Organism, wider streitet dem Wesen des Organischen.

11 [214]

Freunde des Salzes sind keine “Fleischfresser.” Es giebt immer Vornehm- und Reichthuer, welche verbergen möchten, daß wenig Fleisch gegessen wird: man gebe Acht, ob die Personen viel oder wenig Salz brauchen!

11 [215]

Thee ein fader oder strenger oder unbedeutender Geruch und Geschmack: folglich soll man die Blumen hinzuthun!

11 [216]

Die Speisen (z. B. Zwiebeln und Reiz-Narcotica wie Taback) beweisen daß nicht Lust und die Vermeidung der Unlust, sondern das Gereizt werden dem Menschen am wichtigsten ist. Reiz ist an sich etwas Anderes als Lust und Unlust (oder letztere sind seine Extreme)

11 [217]

Wir haben zeitweilig die Blindheit nöthig und müssen gewisse Glaubensartikel und Irrthümer in uns unberührt lassen—so lange sie uns im Leben erhalten.

Wir müssen gewissenlos sein in Betreff von Wahrheit und Irrthum, so lange es sich um das Leben handelt—eben damit wir das Leben dann wieder im Dienste der Wahrheit und des intellektuellen Gewissens verbrauchen. Dies ist unsere Ebbe und Fluth, die Energie unserer Zusammenziehung und Ausbreitung.

11 [218]

Fortpflanzung oft ohne jede individuelle Neigung.

11 [219]

Diese Sklaven sind oft müde und regelmäßig müde—deshalb nehmen sie mit ihren Vergnügungen so fürlieb (was das seltsamste Merkmal unserer Zeit ist) Ihre Bier- und Weinstuben, ihr Maaß angenehmer Unterhaltung, ihre Feste, ihre Kirchen—alles ist so mittelmäßig, denn es darf da nicht viel Geist und Kraft verbraucht werden, also auch nicht gefordert werden—man will sich ausruhen.— Ja! Otium! Das ist der Müssiggang solcher, die noch alle Kraft bei sich haben.

11 [220]

Der mächtigste Gedanke verbraucht viele Kraft, die früher anderen Zielen zu Gebote stand, so wirkt er umbildend, er schafft neue Bewegungsgesetze der Kraft, aber keine neue Kraft. Darin beruht aber die Möglichkeit, die einzelnen Menschen in ihren Affekten neu zu bestimmen und zu ordnen.

11 [221]

Die Sklaverei ist allgemein sichtbar, obwohl sie sich dies nicht eingesteht;—wir müssen darnach streben, überall zu sein, alle Verhältnisse derselben zu kennen, alle ihre Meinungen am besten zu vertreten, so allein können wir sie beherrschen und benutzen. Unser Wesen muß verborgen bleiben: gleich dem der Jesuiten, welche eine Diktatur in der allgemeinen Anarchie ausübten, aber sich als Werkzeug und Funktion einführten. Welches ist unsere Funktion, unser Mantel der Sklaverei? Lehrerthum?— Die Sklaverei soll nicht vertilgt werden, sie ist nothwendig. Wir wollen nur zusehen, daß immer wieder solche entstehen, für welche gearbeitet wird, damit diese ungeheure Masse von politisch-commerciellen Kräften nicht umsonst sich verbraucht. Selbst schon, daß es Zuschauer und Nicht-mehr-Mitspieler giebt!

11 [222]

Aus dem Geiste der Funktion heraus denken jetzt die Philosophen darüber nach, die Menschheit in Einen Organism zu verwandeln—es ist der Gegensatz meiner Tendenz. Sondern möglichst viele wechselnde verschiedenartige Organismen, die zu ihrer Reife und Fäulniß gekommen ihre Frucht fallen lassen; die Individuen, von denen zwar die meisten zu Grunde gehen, aber auf die Wenigen kommt es an.— Der Socialismus ist eine Gährung, welche eine Unzahl von Staats-experimenten ankündigt, also auch von Staats-Untergängen und neuen Eiern. Das Reifwerden von jetzigen Staaten geschieht schneller; die militärische Gewaltsamkeit wird immer größer.

11 [223]

Ich empfinde die Mühe Schwerfälligkeit und das Geisthabenwollen in jeder Wendung!

11 [224]

Wir haben den Blitz unschädlich gemacht: wir müssen erfinderisch sein, um ihn nützlich zu machen, ihn arbeiten zu lassen.

11 [225]

Das “Chaos des Alls” als Ausschluß jeder Zweckthätigkeit steht nicht im Widerspruch zum Gedanken des Kreislaufs: letzterer ist eben eine unvernünftige Nothwendigkeit, ohne irgend eine formale ethische ästhetische Rücksicht. Das Belieben fehlt, im Kleinsten und im Ganzen.

11 [226]

Der Egoismus ist noch unendlich schwach! Man nennt so die Wirkungen der heerdenbildenden Affekte, sehr ungenau: Einer ist habgierig und häuft Vermögen (Trieb der Familie des Stammes), ein Anderer ist ausschweifend in Venere, ein Anderer eitel (Taxation seiner selbst nach dem Maaßstabe der Heerde), man spricht vom Egoismus des Eroberers, des Staatsmanns usw.—sie denken nur an sich, aber an “sich” soweit das ego durch den heerdenbildenden Affekt entwickelt ist. Egoismus der Mütter, der Lehrer. Man frage nur einmal, wie Wenige gründlich prüfen: warum lebst du hier? warum gehst du mit dem um? Wie kamst du zu dieser Religion? Welchen Einfluß übt diese und jene Diät auf dich? Ist dies Haus für dich gebaut? usw. Nichts ist seltener als die Feststellung des ego vor uns selber. Es herrscht das Vorurtheil, man kenne das ego, es verfehle nicht, sich fortwährend zu regen: aber es wird fast gar keine Arbeit und Intelligenz darauf verwandt—als ob wir für die Selbsterkenntniß durch eine Intuition der Forschung überhoben wären!

11 [227]

Hier das Gebirge zeigt seine 3 Höcker: mit einem schärferen Glase sehe ich eine Menge neuer Höcker, die Linie wird bei jedem schärferen Glase immer neu, die alte zum willkürlichen Phantasma. Endlich komme ich an den Punkt wo die Linie nicht mehr zu beobachten ist, weil die Bewegung der Verwitterung unserem Auge entgeht. Die Bewegung aber hebt die Linie auf

11 [228]

Wir können uns nur wenig im Großen schützen: ein Komet kann jeden Augenblick die Sonne zertrümmern, oder eine elektrische Kraft kann auftreten, in der mit Einem Male das Sternensystem zerschmilzt. Was ist “Statistik” in diesen Dingen! Wir haben für Erde und Sonne vielleicht ein Paar Millionen Jahre, in denen so etwas nicht geschehen ist: es beweist gar nichts.— Zur Vernatürlichung des Menschen gehört die Bereitschaft auf das absolut Plötzliche und Durchkreuzende.

Die plötzlichen Dinge haben die Menschen an einen falschen Gegensatz gewöhnt, sie nennen es dauernd regelmäßig usw.—aber Plötzliches ist fortwährend im Kleinsten da, in jedem Nerv; und es ist eben regelmäßig, ob es auch in der Zeit uns unberechenbar erscheint. Dauernd ist das, dessen Veränderungen wir nicht sehen, weil sie zu allmählich und zu fein für uns sind.

11 [229]

Wenn wir allmählich die Gegensätze zu allen unsern Fundamentalmeinungen formuliren, nähern wir uns der Wahrheit. Es ist zunächst eine kalte todte Begriffswelt; wir verquicken sie mit unseren anderen Irrthümern und Trieben und ziehn so ein Stück nach dem anderen in das Leben hinein. In der Anpassung an die lebenden Irrthümer kann allein die zunächst immer todte Wahrheit zum Leben gebracht werden.

11 [230]

Die Menschen reden von Magenkranken und meinen die, welche an der Verdauung leiden—als ob der Magen allein das Verdauende sei! Und die Gebildeten reden vom “Magensaft.”— Es ist sehr gut, daß solche Irrthümer nicht auf die Organisation wirken, wir wären längst zu Grunde gegangen.— Und durch die Heilmethode und Diät-Unsinn haben sie todtgefährlich genug gewirkt! —

11 [231]

Die Nebeneinanderexistenz von 2 ganz Gleichen ist unmöglich: es würde die absolut gleiche Existenzgeschichte voraussetzen, in alle Ewigkeit zurück. Dies aber setzte die allgemeine absolut gleiche Entstehungsgeschichte voraus d. h. es müßte alles Andere auch absolut gleich in allen Zeiten sein d. h. der ganze Rest müßte fortwährend sich wiederholen, in sich und losgelöst von den 2 Gleichen.— Aber ebenso kann man mit Einer Verschiedenheit schon die absolute Verschiedenheit und Ungleichheit im Nebeneinander beweisen: eine Loslösung ist undenkbar; wenn Eins sich ändert, so geht die Nachwirkung in Alles hindurch

11 [232]

Unendlich viele Kraftlagen hat es gegeben, aber nicht unendlich verschiedene: letzteres setzte eine unbestimmte Kraft voraus. Sie hat nur eine “Zahl” von möglichen Eigenschaften.

11 [233]

Die Mechanik nimmt die Kraft als etwas absolut Theilbares: aber sie muß erst jede ihrer Möglichkeiten an der Wirklichkeit controliren. Es ist bei jener Kraft eben nichts in gleiche Theile theilbar; in jeder Lage ist sie Eigenschaft, und Eigenschaften kann man nicht halbiren: weshalb es nie ein Gleichgewicht der Kraft gegeben hat

11 [234]

Es ist wunderbar, daß für unsere Bedürfnisse (Maschinen Brücken usw.) die Annahmen der Mechanik ausreichen, es sind eben sehr große Bedürfnisse, und die “kleinen Fehler” kommen nicht in Betracht.

11 [235]

Bewegung können wir nicht ohne Linien uns denken: ihr Wesen ist uns verhüllt. “Kraft” in mathematischen Punkten und mathematischen Linien ist die letzte Consequenz, und zeigt den ganzen Unsinn. Es sind zuletzt praktische Wissenschaften, ausgehend von den Fundamentalirrthümern des Menschen, daß es Dinge, und Gleiches giebt.

11 [236]
 
v. Analysis d W

Wir können dieselbe Bewegung als Ton Farbe Wärme Elektricität empfinden. Die Empfindung macht die Eigenschaften der Dinge für uns so bunt und mannigfaltig. In Wahrheit könnte alles viel einfacher und anders sein! Wie unterscheiden wir zwischen roth und blau, wie wirkt es anders auf das Gemüth, nam von Irren!—und doch! Die Empfindung macht die Klüfte, die Differenzen viel größer als sie in der Natur sind.

11 [236]

v. Analysis d W

Wir können dieselbe Bewegung als Ton Farbe Wärme Elektricität empfinden. Die Empfindung macht die Eigenschaften der Dinge für uns so bunt und mannigfaltig. In Wahrheit könnte alles viel einfacher und anders sein! Wie unterscheiden wir zwischen roth und blau, wie wirkt es anders auf das Gemüth, nam von Irren!—und doch! Die Empfindung macht die Klüfte, die Differenzen viel größer als sie in der Natur sind.

11 [237]

Urbild” ist eine Fiktion wie Zweck, Linie usw. Das der Gestalt nach Ähnliche wird in der Natur nie erstrebt, sondern es entsteht, wo wenig verschiedene Grade in der Quantität der Kräfte walten. “Wenig” verschieden für uns! Und “ähnlich” für uns!

Ähnliche Qualitäten, sollten wir sagen, statt “gleich”—auch in der Chemie. Und “ähnlich” für uns. Es kommt nichts zweimal vor, das Sauerstoff-atom ist ohne seines Gleichen, in Wahrheit, für uns genügt die Annahme, daß es unzählige gleiche giebt.

11 [238]

Die M und die Philosophen haben früher in die Natur hinein den Menschen gedichtet—entmenschlichen wir die Natur! Später werden sie mehr in sich selber hineindichten, an Stelle von Philosophieen und Kunstwerken wird es Ideal-menschen geben, welche alle 5 Jahre aus sich ein neues Ideal formen.

11 [239]

49 Centner weniger—atmosph Druck hier in der Höhe von 6000 Fuß: lasse ich meine Empfindung zu Worte kommen, so sagt sie dagegen: “zwei Pfund weniger zu tragen als drunten am Meere—und vielleicht nicht einmal so viel weniger!”

11 [240]

Erst müssen die Menschen die neue Begierde lernen—und dazu muß Jemand da sein, der sie ihnen erregt, ein Lehrer: ich vertraue, daß sie dann schon fein und erfindsam genug sein werden, die Wege zur Befriedigung der Begierde selber zu finden—schritt- und versuchsweise, wie sie es gewöhnt sind.— Es thut nichts, wenn meine Vorschläge “unpraktikabel” sind—sie sollen nur dem Appetit Reiz geben (z. B. die Behandlung der Verbrecher).

11 [241]

Wenn unsere Affekte das Mittel sind, um die Bewegungen und Bildungen eines gesellschaftlichen Organism zu unterhalten, so würde doch nichts fehlerhafter sein als nun zurückzuschließen, daß im niedrigsten Organism es eben auch die Affekte seien, welche hier selbstreguliren, assimiliren, exkretiren umwandeln, regeneriren—also Affekte auch da vorauszusetzen, Lust Unlust Willen Neigung Abneigung. Es wäre ein so toller Fehler als wenn man, nach der Thatsache des Blutumlaufs im menschlichen Körper, einen ähnlichen Blutumlauf für die niedrigsten Organismen schließen wollte.— Unsere Affekte setzen Gedanken und Geschmäcker voraus, diese ein Nervensystem usw.

11 [242]

Wir sehen, so weit als wir empfinden—Empfindung ist aber Idiosynkrasie, also ist auch Sehen (Umkreis und Grad der Deutlichkeit) Idiosynkrasie

11 [243]

Sonderbar: das worauf der Mensch am stolzesten ist, seine Selbstregulirung durch die Vernunft, wird ebenfalls von dem niedrigsten Organism geleistet, und besser, zuverlässiger! Das Handeln nach Zwecken ist aber thatsächlich nur der allergeringste Theil unserer Selbstregulirung: handelte die Menschheit wirklich nach ihrer Vernunft d. h. nach der Grundlage ihres Meinens und Wissens, so wäre sie längst zu Grunde gegangen. Die Vernunft ist ein langsam sich entwickelndes Hülfsorgan, was ungeheure Zeiten hindurch glücklicherweise wenig Kraft hat, den Menschen zu bestimmen, es arbeitet im Dienste der organischen Triebe, und emancipirt sich langsam zur Gleichberechtigung mit ihnen—so daß Vernunft (Meinung und Wissen) mit den Trieben kämpft, als ein eigener neuer Trieb—und spät, ganz spät zum Übergewicht.

11 [244]

Die Temperaments-Unterschiede sind vielleicht durch die verschiedene Vertheilung und Masse der unorganischen Salze mehr als durch alles andere bedingt. Die biliösen Menschen haben zu wenig schwefelsaures Natrium, den melancholischen Menschen fehlt es an schwefel- und phosphorsaurem Kali; zu wenig phosphorsaurer Kalk bei den Phlegmatikern. Die muthigen Naturen haben einen Überfluß von phosphorsaurem Eisen.

11 [245]

Wäre ein Gleichgewicht der Kraft irgendwann einmal erreicht worden, so dauerte es noch: also ist es nie eingetreten. Der augenblickliche Zustand widerspricht der Annahme. Nimmt man an, es habe einmal einen Zustand gegeben, absolut gleich dem augenblicklichen, so wird diese Annahme nicht durch den augenblicklichen Zustand widerlegt. Unter den unendlichen Möglichkeiten muß es aber diesen Fall gegeben haben, denn bis jetzt ist schon eine Unendlichkeit verflossen. Wenn das Gleichgewicht möglich wäre, so müßte es eingetreten sein.— Und wenn dieser augenblickliche Zustand da war, dann auch der, der ihn gebar und dessen Vorzustand zurück—daraus ergiebt sich, daß er auch ein zweites drittes usw. Mal schon da war—ebenso daß er ein zweites drittes Mal da sein wird—unzählige Male, vorwärts—und rückwärts. D. h. es bewegt sich alles Werden in der Wiederholung einer bestimmten Zahl vollkommen gleicher Zustände.— Was alles möglich ist, das kann freilich dem menschlichen Kopfe nicht überlassen sein auszudenken: aber unter allen Umständen ist der gegenwärtige Zustand ein möglicher, ganz abgesehn von unserer Urtheils-Fähigkeit oder Unfähigkeit in Betreff des Möglichen—denn es ist ein wirklicher. So wäre zu sagen: alle wirklichen Zustände müßten schon ihres Gleichen gehabt haben, vorausgesetzt, daß die Zahl der Fälle nicht unendlich ist, und im Verlaufe unendlicher Zeit nur eine endliche Zahl vorkommen mußte? weil immer von jedem Augenblick rückwärts gerechnet schon eine Unendlichkeit verflossen ist? Der Stillstand der Kräfte, ihr Gleichgewicht ist ein denkbarer Fall: aber er ist nicht eingetreten, folglich ist die Zahl der Möglichkeiten größer als die der Wirklichkeiten.— Daß nichts Gleiches wiederkehrt, könnte nicht durch den Zufall, sondern nur durch eine in das Wesen der Kraft gelegte Absichtlichkeit erklärt werden: denn, eine ungeheure Masse von Fällen vorausgesetzt, ist die zufällige Erreichung des gleichen Wurfs wahrscheinlicher als die absolute Nie-Gleichheit.

11 [246]

Grundgedanke der Handels-Kultur: die niedere Masse mit ihrem kleinen Besitz wird unzufrieden gemacht durch den Anblick des Reichen, sie glaubt, der Reiche sei der Glückliche.— Die arbeitende überarbeitete selten ruhende Sklavenmasse glaubt, der Mensch ohne körperliche Arbeit sei der Glückliche (z. B. schon der Mönch—daher die Sklaven so gern Mönche wurden).— Der von Begierden Geplagte und selten Freie glaubt, der Gelehrte und Unbewegliche und auch Geistliche sei der Glückliche.— Der hin- und hergerissene Nervöse glaubt, der Mensch der großen Einen Leidenschaft sei der Glückliche.— Der Mensch, welcher kleine Auszeichnungen kennen gelernt hat, meint, der Geehrteste sei der Glückliche. Es ist das selten und in geringem Grade Besessene, was die Phantasie der Menschen zum Bilde des Glücklichen aufreizt—nicht das was ihnen fehlt—das Fehlen erzeugt Gleichgültigkeit gegen den Gegensatz des Fehlens.

11 [247]

Es giebt im Moleküle Explosionen und Veränderungen der Bahn aller Atome, und plötzliche Auslösungen von Kraft. Es könnte auch mit Einem Moment unser ganzes Sonnensystem einen solchen Reiz erfahren, wie ihn der Nerv auf den Muskel ausübt. Daß dies nie geschehen sei oder geschehen werde, ist nicht zu beweisen.

11 [248]

Hypothese auf die Dauer mächtiger als irgend ein Glaube—vorausgesetzt, daß sie viel länger stehen bleibt als ein rel Dogma.

11 [249]

Kühnheit nach Innen und Bescheidung nach Außen, nach allem “Außen”—eine deutsche Vereinigung von Tugenden, wie man ehemals glaubte,—habe ich bisher am schönsten bei schweizerischen Künstlern und Gelehrten gefunden: in der Schweiz, wo mir überhaupt alle deutschen Eigenschaften bei weitem reichlicher weil bei weitem geschützter aufzuwachsen scheinen als im Deutschland der Gegenwart. Und welchen Dichter hätte Deutschland dem Schweizer Gottfried Keller entgegenzustellen? Hat es einen ähnlichen wegesuchenden Maler wie Böcklin? Einen ähnlichen weisen Wissenden wie J. Burckhardt? Thut die große Berühmtheit des Naturforschers Häckel der größeren Ruhmwürdigkeit Rütimeyers irgend welchen Eintrag?—um eine Reihe guter Namen nur zu beginnen. Immer noch dort wachsen Alpen- und Alpenthalpflanzen des Geistes, und wie man zur Zeit des jungen Goethe sich aus der Schweiz selbst seine hohen deutschen Antriebe holte, wie Voltaire Gibbon und Byron dort ihren übernationalen Empfindungen nachzuhängen lernten, so ist auch jetzt eine zeitweilige Verschweizerung ein rathsames Mittel, um ein wenig über die deutsche Augenblicklichkeits-Wirthschaft hinauszublicken.

11 [250]

Nicht Reue! sondern Böses durch eine gute Handlung gut machen!

11 [251]

Im Lohengrin giebt es viele blaue Musik. Wagner kennt die opiatischen und narkotischen Wirkungen und braucht sie gegen die ihm gut bewußte nervöse Zerfahrenheit seiner musikalischen Erfindungskraft.

11 [252]

Ich bin immer erstaunt, ins Freie tretend zu denken, mit welcher herrlichen Bestimmtheit alles auf uns wirkt, der Wald so und der Berg so und daß gar kein Wirrwarr und Versehen und Zögern in uns ist, in Bezug auf alle Empfindungen. Und doch muß die allergrößte Unsicherheit und etwas Chaotisches dagewesen sein, erst in ungeheuren Zeitstrecken ist das Alles so fest vererbt; Menschen, die wesentlich anders empfanden, über Raumentfernung, Licht und Farbe usw. sind bei Seite gedrängt worden und konnten sich schlecht fortpflanzen. Diese Art, anders zu empfinden, muß in langen Jahrtausenden als “die Verrücktheit” empfunden und gemieden worden sein. Man verstand sich nicht mehr, man ließ die “Ausnahme” bei Seite zu Grunde gehen. Eine ungeheure Grausamkeit seit Beginn alles Organischen hat existirt, alles ausscheidend, was “anders empfand.”— Die Wissenschaft ist vielleicht nur eine Fortsetzung dieses Ausscheidungsprozesses, sie ist völlig unmöglich, wenn sie nicht “den Normalmenschen” als oberstes, mit allen Mitteln zu erhaltendes “Maaß” anerkennt!— Wir leben in den Überresten der Empfindungen unserer Urahnen: gleichsam in Versteinerungen des Gefühls. Sie haben gedichtet und phantasirt—aber die Entscheidung, ob eine solche Dichtung und Phantasma leben bleiben durfte, war durch die Erfahrung gegeben, ob sich mit ihr leben lasse oder ob man mit ihr zu Grunde gehe. Irrthümer oder Wahrheiten—wenn nur Leben mit ihnen möglich war! Allmählich ist da ein undurchdringliches Netz entstanden! Darein verstrickt kommen wir ins Leben, und auch die Wissenschaft löst uns nicht heraus.

11 [253]

Wenn die moralischen Leiden das Leben schwer gemacht haben—es hängt daran, daß es durchaus nicht möglich ist, eine moralische Empfindung relativ zu nehmen; sie ist wesentlich unbedingt, wie die Körper uns unbedingt erscheinen, insgleichen der Staat, die Seele, das Gemeinwesen. Wir mögen uns noch so sehr das Gewordensein von dem allen vorhalten: es wirkt auf uns als Ungewordenes, Unvergängliches und legt absolute Pflichten auf. “Der Nächste” ebenfalls, wie weise wir auch über ihn sind. Der Trieb zum Unbedingtnehmen ist sehr mächtig angezüchtet.

11 [254]

Es gäbe kein Leiden, gäbe es nichts Organisches d. h. ohne den Glauben an Gleiches d. h. ohne diesen Irrthum gäbe es keinen Schmerz in der Welt!

11 [255]

Die Wissenschaft hat immer mehr das Nacheinander der Dinge in ihrem Verlaufe festzustellen, so daß die Vorgänge für uns praktikabel werden (z. B. wie sie in der Maschine praktikabel sind) Die Einsicht in Ursache und Wirkung ist damit nicht geschaffen, aber eine Macht über die Natur läßt sich so gewinnen. Der Nachweis hat bald sein Ende, und eine weitere Verfeinerung hätte keinen Nutzen für den Menschen.— Bis jetzt war dies die große Errungenschaft des Menschen, in vielen Dingen die ihm mögliche Genauigkeit in der Beobachtung des Nacheinander zu erreichen und so für seine Zwecke nachahmen zu können

11 [256]

Unsere Eltern wachsen noch in uns nach, ihre später erworbenen Eigenschaften, die im Embryon auch vorhanden sind, brauchen Zeit. Die Eigenschaften des Vaters damals als er Mann war, lernen wir erst als Mann kennen.

11 [257]

Ich habe hoch über Wagner die Tragödie mit Musik gesehen—und hoch über Schopenhauer die Musik in der Tragödie des Daseins gehört.

11 [258]

Zur “Kur des Einzelnen.”

1) er soll vom Nächsten und Kleinsten ausgehen und die ganze Abhängigkeit sich feststellen, in die hinein er geboren und erzogen ist

2) ebenso soll er den gewohnten Rhythmus seines Denkens und Fühlens, seine intellektuellen Bedürfnisse der Ernährung begreifen

3) Dann soll er Veränderung aller Art versuchen, zunächst um die Gewohnheiten zu brechen (vielen Diätwechsel, mit feinster Beobachtung

4) er soll sich geistig an seine Widersacher einmal anlehnen, er soll ihre Nahrung zu essen versuchen. Er soll reisen, in jedem Sinne. In dieser Zeit wird er “unstät und flüchtig” sein. Von Zeit zu Zeit soll er über seinen Erlebnissen ruhen—und verdauen.

5) Dann kommt das Höhere: der Versuch, ein Ideal zu dichten. Dies geht dem noch Höheren voraus—eben dies Ideal zu leben.

6. Er muß durch eine Reihe von Idealen hindurch.

11 [259]

Grundsatz: das was verehrt werden soll darf nicht angenehm sein. Folglich

11 [260]

Es giebt einen Theil der Nacht, von dem ich sage “hier hört die Zeit auf!” Nach allen Nachtwachen, namentlich nach nächtlichen Fahrten und Wanderungen hat man in Bezug auf diesen Zeitraum ein wunderliches Gefühl: er war immer viel zu kurz oder viel zu lang, unsere Zeitempfindung fühlt eine Anomalie. Es mag sein, daß wir es auch im Wachen zu büßen haben, daß wir jene Zeit gewöhnlich im Zeitenchaos des Traums zubringen! genug, Nachts von 1-3 Uhr haben wir die Uhr nicht mehr im Kopf. Mir scheint, daß eben dies auch die Alten ausdrückten, mit intempestiva nocte und (Aeschylus) “da in der Nacht, wo es keine Zeit giebt”; und auch ein dunkles Wort Homers zur Bezeichnung des tiefsten stillsten Theils der Nacht lege ich mir etymologisch auf diesen Gedanken hin zurecht: mögen die Übersetzer es immerhin mit “Zeit der Nachtmelke” wiedergeben—wo in aller Welt hat man je die Kühe Nachts um Ein Uhr gemolken! Wo war man dermaßen thöricht!

11 [261]

Es ist unsere Aufgabe, die Reinheit der Musik festzuhalten und zu verhüten, daß sie, nachdem sie in der Form des Barockstils und nach langer Einverleibung jetzt ungeheurer plötzlicher Wirkungen fähig gemacht ist, jetzt zu mystischen halbreligiösen Zwecken mißbraucht wird:—jeder kommende Hexenmeister und Cagliostro wird versuchen, mit Musik und Spiritismus zu wirken, und es sind Wiedererweckungen religiöser und sittlicher Instinkte auf diesem Wege möglich—vielleicht daß man dem christlichen Abendmahle wieder eine innere Gluth durch Musik zu geben versuchen wird.— Daß sie keine Worte nöthig hat, ist ihr größter Vorsprung vor der Dichtkunst, welche an die Begriffe appellirt und folglich an die Philosophie und Wissenschaft stößt—: aber man merkt es nicht, wenn uns die Musik von der Philosophie und Wissenschaft weg führt, verführt!

11 [262]

Die Geschichte der Philosophie ist bis jetzt erst kurz: es ist ein Anfang, sie hat noch keine Kriege geführt und die Völker zusammengeführt; das höchste ihres Vorstadium’s sind die kirchlichen Kriege, das Zeitalter der Religion ist noch lange nicht zu Ende. Später wird man philosophische Meinungen einmal so als Lebens- und Existenzfragen nehmen wie bisher mitunter religiöse und politische—der Geschmack und der Ekel in Meinungen wird so groß, daß man nicht mehr leben will, so lange noch eine andere Meinung besteht. Die ganze Philosophie wird vor diesem Forum des Massen-Geschmacks und Massen-Ekels durchgelebt werden—wahrscheinlich gab es vor dem Zeitalter der Religionen auch schon vorlaufende, aber gänzlich gleichgültige religiöse Einzelne, entsprechend den vorlaufenden und gleichgültigen einzelnen Philosophen.— Als “Wahrheit” wird sich immer das durchsetzen, was nothwendigen Lebensbedingungen der Zeit, der Gruppe entspricht: auf die Dauer wird die Summe von Meinungen der Menschheit einverleibt sein, bei welchen sie ihren größten Nutzen d. h. die Möglichkeit der längsten Dauer hat. Die wesentlichsten dieser Meinungen, auf denen die Dauer der Menschheit beruht, sind ihr längst einverleibt z. B. der Glaube an Gleichheit Zahl Raum usw. Darum wird sich der Kampf nicht drehen—es kann nur ein Ausbau von diesen irrthümlichen Grundlagen unserer Thierexistenz sein.— Wichtig als bedeutendstes Denkmal des Dauergeistes ist die chinesische Denkweise.— Es wird also schwerlich die Geschichte der “Wahrheit” werden, sondern die eines organischen Irrthümer-Aufbaus, welcher in Leib und Seele übergeht und die Empfindungen und Instinkte endlich beherrscht. Es wird eine fortwährende Selection des zum Leben Gehörigen geübt. Der Anspruch auf Lebenserhaltung Wird immer tyrannischer an die Stelle des “Wahrheitssinnes” treten d. h. er wird den Namen von ihm erhalten und festhalten.— Leben wir Einzelnen unser Vorläufer-Dasein, überlassen wir den Kommenden Kriege um unsere Meinungen zu führen—wir leben in der Mitte der menschlichen Zeit: größtes Glück!

11 [263]

Tiefster Irrthum in der Beurtheilung der Menschen: wir schätzen sie ab nach ihren Wirkungen, mit dem Maaße effectus aequat causam. Aber der Mensch übt nur Reize auf andere Menschen aus, es kommt darauf, was in anderen Menschen vorhanden ist, daß das Pulver explodirt oder daß der Reiz fast nichts ausmacht. Wer würde ein Streichholz darnach abschätzen, daß es in seiner Nachwirkung eine Stadt zerstörte! So machen wir es aber! Die Wirkungen beweisen, welche Elemente in den anderen Menschen der Zeit da waren: daß er einen Reiz ausübte: und mit welchen Mitteln und mit was für eigentlichen Absichten, muß man noch fragen!— Es ist Teleologie zu glauben, daß der Große eben den vorhandenen zur Explosion bereiten Elementen zur Zeit kommen muß. Wichtig ist jedenfalls, daß die anreizende Kraft eines Menschen nach seinem Tode übrig bleiben kann, durch seine Werke oder durch die Fabel, die von seinem Leben sich bildet: darauf sollen die denken, welche auf die Zeit keinenReiz” üben.

Zuletzt: wir irren ebenso über die Dinge, weil wir sie nach den Wirkungen in uns beurtheilen: wie verschieden scheint uns Blau und Roth, und es handelt sich um etwas mehr oder weniger Länge des Nerven! Oder dieselben chemischen Bestandtheile so und so der Lage nach gestellt ergeben Verschiedenes, und wie empfinden wir diese Verschiedenheit! Wir messen alles nach der Explosion, die ein Reiz in uns hervorruft, als groß klein usw.

11 [264]

Der Stoß ist nicht die erste mechanische Thatsache, sondern daß etwas da ist, welches stoßen kann, jener Aggregat-Heerdenzustand von Atomen, der nicht gleich Staub ist, sondern zusammenhält: hier ist gerade Nicht-Stoß und trotzdem Kraft, nicht nur des Gegenstrebens, Widerstands, sondern vor allem der Anordnung, Einordnung, Anhänglichkeit, überleitenden und zusammenknüpfenden Kraft. So ein Klümpchen kann nachher als Ganzes “stoßen”!

11 [265]

Das völlige Gleichgewicht muß entweder an sich eine Unmöglichkeit sein, oder die Veränderungen der Kraft treten in den Kreislauf ein, bevor jenes an sich mögliche Gleichgewicht eingetreten ist.— Dem Sein “Selbsterhaltungsgefühl” zuschreiben! Wahnsinn! Den Atomen “Streben von Lust und Unlust”!

11 [266]

Man aß das Fleisch nicht, weil man nicht die Seelen von Menschen verspeisen wollte, es war also nur ein Abscheu vor der Menschenfresserei, bei Pythagoras wie den Indern. Nicht Mitleiden mit den Thieren! Schmerz-machen durch Tödtung ist gar nicht nöthig: und in Hinsicht auf den wahrscheinlichen natürlichen Tod hat der Mensch, der die Thiere tödtet, im Allgemeinen das Loos der Thierwelt gemildert, zumal sie keine Voraussehung des Todes haben.— Wer nicht “von Lebendem” leben will, möge sich der Pflanzen auch enthalten!— Das Mitleiden der christlichen Heiligen war das Mitleiden mit Wesen, in denen der Teufel wohnt—nicht mit dem “Lebendigen.”

11 [267]

“Die Unsittlichkeit” des Bocaccio ist indischen Ursprungs.

11 [268]

Damit es überhaupt ein Subjekt geben könne, muß ein Beharrendes da sein und ebenfalls viele Gleichheit und Ähnlichkeit da sein. Das unbedingt Verschiedene im fortwährenden Wechsel wäre nicht festzuhalten, an nichts festhaltbar, es flösse ab wie der Regen vom Steine. Und ohne ein Beharrendes wäre gar kein Spiegel da, worauf sich ein Neben- und Nacheinander zeigen könnte: der Spiegel setzt schon etwas Beharrendes voraus.— Nun aber glaube ich: das Subjekt könnte entstehen, indem der Irrthum des Gleichen entsteht z. B. wenn ein Protoplasma von verschiedenen Kräften (Licht Elektricität Druck) immer nur Einen Reiz empfängt und nach dem Einen Reiz auf Gleichheit der Ursachen schließt: oder überhaupt nur Eines Reizes fähig ist und Alles Andere als Gleich empfindet—und so muß es wohl im Organischen der tiefsten Stufe zugehen. Zuerst entsteht der Glaube an das Beharren und die Gleichheit außer uns—und später erst fassen wir uns selber nach der ungeheuren Einübung am Außer-uns als ein Beharrendes und Sich-selber-Gleiches, als Unbedingtes auf. Der Glaube (das Urtheil) müßte also entstanden sein vor dem Selbst-Bewußtsein: in dem Prozeß der Assimilation des Organischen ist dieser Glaube schon da—d. h. dieser Irrthum!— Dies ist das Geheimniß: wie kam das Organische zum Urtheil des Gleichen und Ähnlichen und Beharrenden? Lust und Unlust sind erst Folgen dieses Urtheils und seiner Einverleibung, sie setzen schon die gewohnten Reize der Ernährung aus dem Gleichen und Ähnlichen voraus!

11 [269]

Ehemals dachte man, zur unendlichen Thätigkeit in der Zeit gehöre eine unendliche Kraft, die durch keinen Verbrauch erschöpft werde. Jetzt denkt man die Kraft stets gleich, und sie braucht nicht mehr unendlich groß zu werden. Sie ist ewig thätig, aber sie kann nicht mehr unendliche Fälle schaffen, sie muß sich wiederholen: dies ist mein Schluß.

11 [270]

Reiz und veranlassendes Ding von Anbeginn an verwechselt! Die Gleichheit der Reize gab dem Glauben an “gleiche Dinge” den Ursprung: die dauernd gleichen Reize schufen den Glauben an “Dinge,” “Substanzen.”

In der Art, wie die Erstlinge organischer Bildungen Reize empfanden und das Außer-sich beurtheilten, muß das lebenserhaltende Princip gesucht werden: derjenige Glaube siegte, erhielt sich, bei dem das Fortleben möglich wurde; nicht der am meisten wahre, sondern am meisten nützliche Glaube. “Subjekt” ist die Lebensbedingung des organischen Daseins, deshalb nicht “wahr,” sondern Subjekt-Empfindung kann wesentlich falsch sein, aber als einziges Mittel der Erhaltung. Der Irrthum Vater des Lebendigen!

Dieser Urirrthum ist als ein Zufall zu verstehen! Zu errathen!

In den entwickeltsten Zuständen begehen wir immer noch den ältesten Irrthum: z. B. stellen wir uns den Staat als Ganzes Dauerndes Wirkliches als Ding vor und demgemäß ordnen wir uns ihm ein, als Funktion. Ohne die Vorstellung des Protoplasma von einem “dauernden Dinge” außer ihm gäbe es keine Einordnung, keine Assimilation.

Es giebt sehr wenig Reize gegenüber den wahren vielen reizenden Veranlassungen—darauf wurde der älteste Irrthum basirt.

11 [271]

Im Walde wächst der Baum schnell, im Verlangen nach Luft und Licht, aber “er treibt wenig Wurzeln und ist deshalb wenig dauerhaft: während die Bäume, bei welchen Licht und Luft freien Zutritt haben, Jahrhunderte lang stehen: die Tiefe und Ausbreitung der Wurzeln steht im Verhältniß zur Dauerhaftigkeit. Aber folglich langsames Aufsteigen!”

11 [272]

Mein Gegensatz zum Geiste des Handels, als dem Geiste der Epoche.

11 [273]

Ich möchte, Deutschland bemächtigte sich Mexicos, um auf der Erde durch eine musterhafte Forstkultur im conservativen Interesse der zukünftigen Menschheit den Ton anzugeben.— Die Zeit kommt, wo der Kampf um die Erdherrschaft geführt werden wird—er wird im Namen philosophischer Grundlehren geführt werden. Schon jetzt bilden sich die ersten Kräfte-gruppen, man übt sich ein in dem großen Princip der Bluts- und Rassenverwandschaft. “Nationen” sind viel feinere Begriffe als Rassen, im Grunde eine Entdeckung der Wissenschaft, die man jetzt dem Gefühle einverleibt: Kriege sind die großen Lehrmeister solcher Begriffe und werden es sein.— Dann kommen sociale Kriege—und wieder werden Begriffe einverleibt werden! Bis endlich die Begriffe nicht mehr nur Vorwände, Namen usw. für Völkerbewegungen abgeben, sondern der mächtigste Begriff sich durchsetzen muß.

Die socialen Kriege sind namentlich Kriege gegen den Handelsgeist und Einschränkungen des nationalen Geistes. Klimatische Entscheidungen über Bevölkerungen und Rassen in Amerika.— Slavisch-germanisch-nordische Cultur!—die geringere, aber kräftigere und arbeitsamere!

11 [274]

Fortwährend findet ein Fortschritt in der klimatischen Anpassung statt, und jetzt ist er ungeheuer beschleunigt, weil die Ausscheidung der ungeeigneten Personen so leicht ist: und ebenfalls weil jetzt die Anpassung durch die Wissenschaft unterstützt wird (z. B. Wärme, Grundwasser usw.).

Die thierischen Gattungen haben meistens, wie die Pflanzen, eine Anpassung an einen bestimmten Erdtheil erreicht, und haben nun darin etwas Festes und Festhaltendes für ihren Charakter, sie verändern sich im Wesentlichen nicht mehr. Anders der Mensch, der immer unstet ist und sich nicht Einem Klima endgültig anpassen will, die Menschheit drängt hin zur Erzeugung eines allen Klimaten gewachsenen Wesens (auch durch solche Phantasmen wie “Gleichheit der Menschen”): ein allgemeiner Erdenmensch soll entstehen, deshalb verändert sich der Mensch noch (wo er sich angepaßt hat z. B. in China bleibt er durch Jahrtausende fast unverändert). Der überklimatische Kunstmensch, der die Nachtheile jedes Klima’s zu compensiren weiß und die Ersatzmittel für das, was dem Klima fehlt (z. B. Öfen), in jedes Klima schleppt—ein anspruchsvolles, schwer zu erhaltendes Wesen! Die “Arbeiternoth” herrscht dort, wo das Klima im Widerspruch zum Menschen steht! und nur Wenige die Ersatzmittel sich schaffen können (im Kampfe natürlich, und tyrannisch).

In den gebildeten Kreisen des Nordens herrscht das Winter-Siechthum.— Vielleicht daß die Öfen eine dauernde Vergiftung herbeiführen! Gegen Franzosen gesehn, erscheint der Deutsche, wie ein verkümmerter Ofenhocker.

11 [275]

Kein Verächter der Wollust sein!

11 [276]

Die Verwandlung des Menschen braucht erst Jahrtausende für die Bildung des Typus, dann Generationen: endlich läuft ein Mensch während seines Lebens durch mehrere Individuen.

Warum sollen wir nicht am Menschen zu Stande bringen, was die Chinesen am Baume zu machen verstehen—daß er auf der einen Seite Rosen, auf der anderen Birnen trägt?

Jene Naturprozesse der Züchtung des Menschen z. B., welche bis jetzt grenzenlos langsam und ungeschickt geübt wurden, könnten von den Menschen in die Hand genommen werden: und die alte Tölpelhaftigkeit der Rassen, Rassenkämpfe Nationalfieber und Personeneifersuchten könnte, mindestens in Experimenten, auf kleine Zeiten zusammengedrängt werden.— Es könnten ganze Theile der Erde sich dem bewußten Experimentiren weihen!

11 [277]

Es wären Nasen denkbar, deren Geruchsnerven erst von den Auswürfen eines Vulkans gekitzelt würden. Thatsächlich scheinen sich die Oberflächen aller Dinge, welche riechen, im Zustande beständiger Explosion zu befinden; die Kraft, mit der die kleinen Massen ausgesandt werden, muß ungeheuer sein—ich denke z. B. an die Wirkung des Campfers auf Wasser.— So ist die Erde immer von dicken Wolken feinster Materien umhüllt ohne diese würde der Wasserdampf sich nicht zu Wolken ballen können.

11 [278]

Um vom Großen auf das Kleine zu schließen: wir sehen überall Strömungen wirken, das sind aber keine Linien! So wird es auch wohl im Reich der Atome sein, die Kräfte strömen und üben dabei den Druck ebenso sehr horizontal aus als in Hinsicht auf das, worauf sie stoßen. Eine Linie ist eine Abstraktion im Verhältniß zu dem wahrscheinlichen Thatbestand: wir können mit keinem Zeichen eine bewegte Kraft malen, sondern isoliren begrifflich 1) die Richtung 2) das Bewegte 3) den Druck usw. In der Wirklichkeit giebt es diese isolirten Dinge nicht!

11 [279]

Das Princip “um des Nächsten willen etwas thun” ist entweder ein Atavismus des Gefühls, zur Zeit, wo das Band mit der Gemeinde schwach geworden ist oder ein unklares Gefühl des Heerdensinnes, welches an Menschen außerhalb der Gemeinschaft, weil diese so fern sind, gar nicht denkt und beim Nächsten nur das Mitglied der Gemeinschaft im Auge hat (z. B. bei “Freiheit” und “Gleichheit” wo man gewiß nicht an die Hottentotten denkt) Oder es ist eine Maske für jenes Gefühl: es soll eine Gemeinschaft gebildet werden, z. B. die christliche. Wo jenes Princip auftritt, will man meistens Gemeinden bilden z. B. die Anhänger Comte’s.

11 [280]

Die Gesetze sind nicht der Ausdruck vom Charakter eines Volks: ich meine, die Fehler im Charakter, so wie sie den Mächtigsten erscheinen (als Hindernisse ihrer Macht und Absichten) werden hervorgehoben. Zudem stehen sie fest und das Volk entwickelt sich: so daß sehr bald ein Mißverhältniß entsteht.

11 [281]

Erst das Nacheinander bringt die Zeitvorstellung hervor. Gesetzt, wir empfänden nicht Ursachen und Wirkungen, sondern ein continuum, so glaubten wir nicht an die Zeit. Denn die Bewegung des Werdens besteht nicht aus ruhenden Punkten, aus gleichen Ruhestrecken. ◎ Die äußere Peripherie eines Rades ist ebenso wie die innere Peripherie, immer bewegt und, obschon langsamer, doch im Vergleich zur schneller bewegten inneren, nicht ruhend. Zwischen langsamer und schneller Bewegung ist mit der “Zeit” nicht zu entscheiden. Im absoluten Werden kann die Kraft nie ruhen, nie Unkraft sein: “langsame und schnelle Bewegung derselben” mißt sich nicht an einer Einheit, welche da fehlt. Ein continuum von Kraft ist ohne Nacheinander und ohne Nebeneinander (auch dies setzte wieder menschlichen Intellekt voraus und Lücken zwischen den Dingen). Ohne Nacheinander und ohne Nebeneinander giebt es für uns kein Werden, keine Vielheit—wir könnten nur behaupten, jenes continuum sei eins, ruhig, unwandelbar, kein Werden, ohne Zeit und Raum. Aber das ist eben nur der menschliche Gegensatz.

11 [282]

Welche Glaubensartikel sind zur Veredelung des Menschen unentbehrlich?— Zunächst um nicht zur Wildheit und Unsocietät zurückzufallen. Es könnte auch hier unentbehrliche Irrthümer geben.

11 [283]

Jesus war ein großer Egoist.

11 [284]

Das Machtgefühl erst erobernd, dann beherrschend (organisirend)—es regulirt das Überwundene zu seiner Erhaltung und dazu erhält es das Überwundene selber.— Auch die Funktion ist aus Machtgefühl entstanden, im Kampf mit noch schwächeren Kräften. Die Funktion erhält sich in der Überwältigung und Herrschaft über noch niedrigere Funktionen—darin wird sie von der höheren Macht unterstützt!

11 [285]

Ehemals dachte ich, unser Dasein sei der künstlerische Traum eines Gottes, alle unsere Gedanken und Empfindungen im Grunde seine Erfindungen im Ausdichten seines Drama’s—auch daß wir meinten, “ich dächte” “ich handelte” sei sein Gedanke. Die Gesetzmäßigkeit der Natur wäre als Gesetzmäßigkeit seiner Vorstellungen begreiflich—oder auch es genügte, daß er uns als solche dächte, welche die Natur so empfinden wie wir sie empfinden.— Kein glücklicher, sondern eben ein Künstler-Gott!

11 [286]

Ohne die ungeheure Sicherheit des Glaubens und Bereitwilligkeit des Glaubens wäre Mensch und Thier nicht lebensfähig. Auf Grund der kleinsten Induktion zu verallgemeinern, eine Regel für sein Verhalten machen, das einmal Gethane, das sich bewährt hat, als das einzige Mittel zum Zweck glauben—das, im Grunde die grobe Intellektualität, hat Mensch und Thier erhalten. Unzählig oft sich so zu irren und am Fehlschluß leiden ist lange nicht so schädigend im Ganzen als die Skepsis und Unentschlossenheit und Vorsicht. Den Erfolg und den Mißerfolg als Beweise und Gegenbeweise gegen den Glauben betrachten ist menschlicher Grundzug: “was gelingt, dessen Gedanke ist wahr.”— Wie sicher steht in Folge dieses wüthenden gierigen Glaubens die Welt vor uns! Wie sicher führen wir alle Bewegungen aus! “Ich schlage”—wie sicher empfindet man das!— Also die niedrige Intellektualität, das unwissenschaftliche Wesen ist Bedingung des Daseins, des Handelns, wir würden verhungern ohne dies, die Skepsis und die Vorsicht sind erst spät und immer nur selten erlaubt. Gewohnheit und unbedingter Glaube, daß es so sein muß wie es ist, ist Fundament alles Wachsthums und Starkwerdens.— Unsere ganze Weltbetrachtung ist so entstanden, daß sie durch den Erfolg bewiesen wurde, wir können mit ihr leben (Glaube an Außendinge, Freiheit des Wollens). Ebenso wird jede Sittlichkeit nur so bewiesen.— Da ensteht nun die große Gegenfrage: es kann wahrscheinlich unzählige Arten des Lebens geben und folglich auch des Vorstellens und Glaubens. Wenn wir alles Nothwendige in unserer jetzigen Denkweise feststellen, so haben wir nichts für das “Wahre an sich” bewiesen, sondern nur “das Wahre für uns” d. h. das Dasein-uns-Ermöglichende auf Grund der Erfahrung—und der Prozeß ist so alt, daß Umdenken unmöglich ist. Alles a priori gehört hierher.

11 [287]

Die Auflösung der Sitte, der Gesellschaft ist ein Zustand, in dem das neue Ei (oder mehrere Eier) heraustreten—Eier (Individuen) als Keime neuer Gesellschaften und Einheiten. Das Erscheinen der Individuen ist das Anzeichen der erlangten Fortpflanzungsfähigkeit der Gesellschaft: sobald es sich zeigt, stirbt die alte Gesellschaft ab. Das ist kein Gleichniß.— Unsere ewigen “Staaten” sind etwas Unnatürliches.— Möglichst viel Neubildungen!— Oder umgekehrt: zeigt sich die Tendenz zur Verewigung des Staates, so auch Abnahme der Individuen und Unfruchtbarkeit des Ganzen: deshalb halten die Chinesen große Männer für ein nationales Unglück; sie haben die ewige Dauer im Auge. Individuen sind Zeichen des Verfalls.

11 [288]

Es ist in der Wollust etwas Berauschendes, dies haben die alten Religionen benutzt. Und noch jetzt suchen Dichter und Musiker durch Erregung erotischer Nachempfindungen diesen Theil berauschender Kraft sich zu Nutze zu machen.— Die Künstler wirken mit allen möglichen Wirkungsmitteln, sehr unbefangen.

11 [289]

Erst zwingt der Zwang etwas oft zu thun, und später entsteht das Bedürfniß, nachdem der Zwang einverleibt ist (z. B. zu gehen, wenn das Thier nicht mehr schwimmen kann, ist erst Zwang, und Gegensatz des Verlangens: später wird es Bedürfniß)

11 [290]

Der letzte Nutzen der Erkenntniß und Wissenschaft ist, die Loslösung neuer Eier vom Eierstocke zu ermöglichen und immer neue Arten entstehen zu lassen: denn die Wissenschaft bringt die Kenntnisse der Erhaltungsmittel für neue Individuen.— Ohne Fortschritte der Erkenntniß würden neue Individuen immer schnell zu Grunde gehen, die Existenzbedingungen wären zu schwer und zufällig. Schon die Qual des inneren Widerspruchs!

11 [291]

Es giebt wahrscheinlich viele Arten von Intelligenz, aber jede hat ihre Gesetzmäßigkeit, welche ihr die Vorstellung einer anderen Gesetzmäßigkeit unmöglich macht. Weil wir also keine Empirie über die verschiedenen Intelligenzen haben können, ist auch jeder Weg zur Einsicht in den Ursprung der Intelligenz verschlossen. Das allgemeine Phänomen der Intelligenz ist uns unbekannt, wir haben nur den Spezialfall, und können nicht verallgemeinern. Hier allein sind wir ganz Sklaven, selbst wenn wir Phantasten sein wollten! Andererseits wird es von jeder Art Intelligenz aus ein Verständniß der Welt geben müssen—aber ich glaube, es ist nur die zu Ende geführte Anpassung der Gesetzmäßigkeit der einzelnen Art Intelligenz—sie führt sich selber überall durch. Jede Intelligenz glaubt an sich

11 [292]

Man gehe einmal rückwärts. Hätte die Welt ein Ziel, so müßte es erreicht sein: gäbe es für sie einen (unbeabsichtigten) Endzustand, so müßte er ebenfalls erreicht sein. Wäre sie überhaupt eines Verharrens und Starrwerdens fähig, gäbe es in ihrem Verlaufe nur Einen Augenblick “Sein” im strengen Sinn, so könnte es kein Werden mehr geben, also auch kein Denken, kein Beobachten eines Werdens. Wäre sie ewig neu werdend, so wäre sie damit gesetzt etwas an sich Wunderbares und Frei- und Selbstschöpferisch-Göttliches. Das ewige Neuwerden setzt voraus: daß die Kraft sich selber willkürlich vermehre, daß sie nicht nur die Absicht, sondern auch die Mittel habe, sich selber vor der Wiederholung zu hüten, in eine alte Form zurückzugerathen, somit in jedem Augenblick jede Bewegung auf diese Vermeidung controliren—oder die Unfähigkeit, in die gleiche Lage zu gerathen: das hieße, daß die Kraftmenge nichts Festes sei und ebenso die Eigenschaften der Kraft. Etwas Un-Festes von Kraft, etwas Undulatorisches ist uns ganz undenkbar. Wollen wir nicht ins Undenkbare phantasiren und nicht in den alten Schöpferbegriff zurückfallen (Vermehrung aus dem Nichts, Verminderung aus dem Nichts, absolute Willkür und Freiheit im Wachsen und in den Eigenschaften) —

11 [293]

In Hinsicht auf alle unsere Erfahrung müssen wir immer skeptisch bleiben und z. B. sagen: wir können von keinem “Naturgesetz” eine ewige Gültigkeit behaupten, wir können von keiner chemischen Qualität ihr ewiges Verharren behaupten, wir sind nicht fein genug, um den muthmaaßlichen absoluten Fluß des Geschehens zu sehen: das Bleibende ist nur vermöge unserer groben Organe da, welche zusammenfassen und auf Flächen hinlegen, was so gar nicht existirt. Der Baum ist in jedem Augenblick etwas Neues: die Form wird von uns behauptet, weil wir die feinste absolute Bewegung nicht wahrnehmen können: wir legen eine mathematische Durchschnittslinie hinein in die absolute Bewegung, überhaupt Linien und Flächen bringen wir hinzu, auf der Grundlage des Intellekts, welches der Irrthum ist: die Annahme des Gleichen und des Beharrens, weil wir nur Beharrendes sehen können und nur bei Ähnlichem (Gleichem) uns erinnern. Aber an sich ist es anders: wir dürfen unsere Skepsis nicht in die Essenz übertragen.

11 [294]

Der Wohlstand, die Behaglichkeit, die den Sinnen Befriedigung schafft, wird jetzt begehrt, alle Welt will vor allem das. Folglich wird sie einer geistigen Sklaverei entgegengehen, die nie noch da war. Denn dies Ziel ist zu erreichen, die größten Beunruhigungen jetzt dürfen nicht täuschen. Die Chinesen sind der Beweis, daß auch Dauer dabei sein kann. Der geistige Cäsarismus schwebt über allem Bestreben der Kaufleute und Philosophen.

11 [295]

Unsere jetzige Erziehung hat den Werth einer Art Wanderzwangs in der Zeit des Mittelalters und der Zünfte. Das Gegengewicht, es sich zu Hause nach heimatlichem Werthmaße bequem einzurichten wirkte ehemals. Jetzt wirkt die Absicht auf Sinnen-Wohlstand und daneben das Bild aller anderen Culturen, welche etwas wollten über oder wider den Sinnenwohlstand.

Der Zunftzwang lehrte lernen: endlich ist ein individueller Lerntrieb entstanden, durch Vererbung. Das Lernen ist ursprünglich saurer als alle Arbeit, daher gehaßt. Die Gelehrten haben daher im Mittelalter ein Übergewicht.

11 [296]

Wer das fremde Blut haßt oder verachtet, ist noch kein Individuum, sondern eine Art menschliches Protoplasma.

11 [297]

Werde fort und fort, der, der du bist—der Lehrer und Bildner deiner selber! Du bist kein Schriftsteller, du schreibst nur für dich! So erhältst du das Gedächtniß an deine guten Augenblicke und findest ihren Zusammenhang, die goldne Kette deines Selbst! So bereitest du dich auf die Zeit vor, wo du sprechen mußt! Vielleicht daß du dich dann des Sprechens schämst, wie du dich mitunter des Schreibens geschämt hast, daß es noch nöthig ist, sich zu interpretiren, daß Handlungen und Nicht-Handlungen nicht genügen, dich mitzutheilen. Ja, du willst dich mittheilen! Es kommt einst die Gesittung, wo viel-Lesen zum schlechten Tone gehört: dann wirst du auch dich nicht mehr schämen müssen, gelesen zu werden; während jetzt jeder, der dich als Schriftsteller anspricht, dich beleidigt; und wer dich deiner Schriften halber lobt, giebt dir ein Zeichen, daß sein Takt nicht fein ist, er macht eine Kluft zwischen sich und dir—er ahnt gar nicht, wie sehr er sich erniedrigt, wenn er dich so zu erheben glaubt. Ich kenne den Zustand der gegenwärtigen Menschen, wenn sie lesen: Pfui! Für diesen Zustand sorgen und schaffen zu wollen!

11 [298]

Wenn man um Meinungen uneins ist und Blut vergießt und opfert, so ist die Cultur hoch: da sind Meinungen zu Gütern geworden.

11 [299]

Hellwald, Häckel und Consorten—sie haben die Stimmung der Spezialisten, und eine Froschnasen-Weisheit. Das kleine Gehirnstückchen, welches der Erkenntiß ihrer Welt geöffnet ist, hat mit ihrer Gesamtheit nichts zu schaffen, es ist ein Ecken-Talentchen, wie wenn einer zeichnet, ein anderer klavierspielt; sie erinnern mich an den alten ehrlichen David Strauß, der ganz harmlos erzählt, wie er sich erst zwicken und zwacken muß, um sich selber festzustellen, ob er noch eine Empfindung für das allgemeine Dasein habe. Diese Spezialisten haben sie nicht und sind deshalb so “kalt”; Bildungskamele, auf deren Höckern viel gute Einsichten und Kenntnisse sitzen, ohne zu hindern, daß das Ganze doch eben nur ein Kamel ist.

11 [300]

Pflanzenkost und Wein—das wäre die verrückteste aller möglichen Lebensweisen!

11 [301]

Ohne Phantasie und Gedächtniß gäbe es keine Lust und keinen Schmerz. Die dabei erregten Affekte verfügen augenblicklich über vergangene ähnliche Fälle und über die schlimmen Möglichkeiten, sie deuten aus, sie legen hinein. Deshalb steht ein Schmerz im Allgemeinen ganz außer Verhältniß zu seiner Bedeutung für das Leben—er ist unzweckmäßig. Aber dort, wo eine Verletzung nicht vom Auge oder dem Getast wahrgenommen wird, ist sie viel weniger schmerzhaft, da ist die Phantasie ungeübt. An den Fingern ist der Schmerz am größten, an Zähnen, am Kopfe usw.

11 [302]

Das Großartige in der Natur, alle Empfindungen des Hohen Edlen Anmuthigen Schönen Gütigen Strengen Gewaltigen Hinreißenden, die wir in der Natur und bei Mensch und Geschichte haben, sind nicht unmittelbare Gefühle, sondern Nachwirkungen zahlloser uns einverleibter Irrthümer,—es wäre alles kalt und todt für uns, ohne diese lange Schule. Schon die sicheren Linien des Gebirgs, die sicheren Farbenabstufungen, die verschiedene Lust an jeder Farbe sind Erbstücke: irgendwann war diese Farbe weniger mit gefahrdrohenden Erscheinungen verknüpft als eine andere und allmählich wirkte sie beruhigend (wie das Blau)

11 [303]

Der Egoism ist verketzert worden, von denen die ihn übten (Gemeinden Fürsten Parteiführern Religionsstiftern Philosophen wie Plato); sie brauchten die entgegengesetzte Gesinnung bei den Menschen, die ihnen Funktion leisten sollten.— Wo eine Zeit ein Volk eine Stadt hervorragt, ist es immer, daß der Egoismus derselben sich bewußt wird und kein Mittel mehr scheut (sich nicht mehr seiner selber schämt). Reichthum an Individuen ist Reichthum an solchen, die sich ihres Eigenen und Abweichenden nicht mehr schämen. Wenn ein Volk stolz wird und Gegner sucht, wächst es an Kraft und Güte.— Dagegen die Selbstlosigkeit verherrlichen! und zugeben, wie Kant, daß wahrscheinlich nie eine That derselben gethan worden sei! Also nur, um das entgegengesetzte Princip herabzusetzen, seinen Werth zu drücken, die Menschen kalt und verächtlich, folglich gedankenfaul gegen den Egoismus stimmen!— Denn bisher ist es der Mangel an feinem planmäßigen gedankenreichen Egoismus gewesen, was die Menschen im Ganzen auf einer so niedrigen Stufe erhält! Gleichheit gilt als verbindend und erstrebenswerth! Es spukt ein falscher Begriff von Eintracht und Frieden, als dem nützlichsten Zustande. In Wahrheit gehört überall ein starker Antagonismus hinein, in Ehe Freundschaft Staat Staatenbund Körperschaft gelehrten Vereinen Religion, damit etwas Rechtes wachse. Das Widerstreben ist die Form der Kraft—im Frieden wie im Kriege, folglich müssen verschiedene Kräfte und nicht gleiche dasein, denn diese würden sich das Gleichgewicht halten!

11 [304]

Saugt eure Lebenslagen und Zufälle aus—und geht dann in andere über! Es genügt nicht, Ein Mensch zu sein, wenn es gleich der nothwendige Anfang ist! Es hieße zuletzt doch, euch aufzufordern, beschränkt zu werden! Aber aus Einem in einen Anderen übergehen und eine Reihe von Wesen durchleben!

11 [305]

Unendlich neue Veränderungen und Lagen einer bestimmten Kraft ist ein Widerspruch, denke man sich dieselbe noch so groß und noch so sparsam in der Veränderung, vorausgesetzt, daß sie ewig ist. Also wäre zu schließen 1) entweder sie ist erst von einem bestimmten Zeitpunkte an thätig und wird ebenso einmal aufhören—aber Anfang des Thätigseins zu denken ist absurd; wäre sie im Gleichgewicht, so wäre sie es ewig! 2) oder es giebt nicht unendlich neue Veränderungen, sondern ein Kreislauf von bestimmter Zahl derselben spielt sich wieder und wieder ab: die Thätigkeit ist ewig, die Zahl der Produkte und Kraftlagen endlich.

11 [306]

Die Natur baut nicht für das Auge, die Form ist ein zufälliges Ergebniß. Man denke, daß in einer Eizelle alle Atome ihre Bewegungen machen, daß Formen nur für Augen existiren und daß Atome ohne Augen sie auch nicht wollen können.

11 [307]

Schopenhauern war wohl ein Gedanke Spinoza’s im Herzen hängen geblieben: daß das Wesen jedes Ding’s appetitus sei und daß dieser appetitus darin bestehe, im Dasein zu beharren. Dies leuchtete ihm einmal auf und leuchtete ihm so ein, daß er den Vorgang “Wille” nie mehr sorgfältig überdacht hat (ebenso wenig wie alle seine Grundbegriffe—er war in Betreff derer ohne Zweifel, weil er ohne rechte Vernunft und Empirie zu ihnen gekommen war).

11 [308]

Wie unregelmäßig ist die Milchstraße! (Vogt. p 110)

11 [309]

Beobachten, wie eine Lust entsteht, wie viel Vorstellungen zusammenkommen müssen! und zuletzt ist es Eines und Ganzes, und will nicht mehr als Vielheit sich erkennen lassen. So könnte es mit jeder Lust jedem Schmerz sein! Es sind Gehirnphänomene! Aber längst uns einverleibte und jetzt nur als Ganzes sich präsentirende Vielheiten! Warum thut ein geschnittener Finger wehe? An sich thut er nicht wehe (ob er schon “Reize” erfährt), der dessen Gehirn chloroformirt ist, hat keinen “Schmerz” im Finger. Sollte erst das Urtheil über die Verletzung eines funktionirenden Organs, von Seiten der vorstellenden Einheit, nöthig gewesen sein? Ist es die Einheit, welche allein die Schädigung sich vorstellt und—jetzt sie uns als Schmerz zu empfinden giebt, indem sie dorthin, wo der Schade geschehen, die stärksten Reize schickt? Könnte also auch die Absicht auf Flucht Abwehr Vorsicht Rettung in dem Schmerz stecken? Mittel, weiterem Schaden vorzubeugen? Zugleich Wuth über die Verletzung, Rachegefühl in Einem? Alles zusammen—Schmerz? So uns zum Bewußtsein kommend, als Durcheinander und Einheit des Gefühls?

11 [310]

Er schämte sich seiner Heiligkeit und verkleidete sie.

11 [311]

Ist nicht die Existenz irgendwelcher Verschiedenheit und nicht völliger Kreisförmigkeit in der uns umgebenden Welt schon ein ausreichender Gegenbeweis gegen eine gleichmäßige Kreisform alles Bestehenden? Woher die Verschiedenheit innerhalb des Kreises? Woher die Zeitdauer dieser ablaufenden Verschiedenheit? Ist nicht alles viel zu mannichfaltig um aus Einem entstanden zu sein? Und sind nicht die vielen chemischen Gesetze und wieder organischen Arten und Gestalten unerklärbar aus Einem? Oder aus Zweien?— Gesetzt, es gäbe eine gleichmäßige “Contraktionsenergie” in allen Kraftcentren des Universums, so fragt sich, woher auch nur die geringste Verschiedenheit entstehen könnte? Dann müßte sich das All in zahllose völlig gleiche Ringe und Daseinskugeln lösen, und wir hätten zahllose völlig gleiche Welten neben einander. Ist dies nöthig für mich, anzunehmen? Zum ewigen Nacheinander gleicher Welten ein ewiges Nebeneinander? Aber die Vielheit und Unordnung in der bisher uns bekannten Welt widerspricht, es kann nicht eine solche universale Gleichartigkeit der Entwicklung gegeben haben, es müßte auch für unseren Theil ein gleichförmiges Kugelwesen ergeben haben! Sollte in der That die Entstehung von Qualitäten keine gesetzmäßige an sich sein? Sollte aus der “Kraft” Verschiedenes entstehen können? Beliebiges? Sollte die Gesetzmäßigkeit, welche wir sehen, uns täuschen? Nicht ein Urgesetz sein? Sollte die Vielartigkeit der Qualitäten auch in unserer Welt eine Folge der absoluten Entstehung beliebiger Eigenschaften sein? Nur daß sie in unserer Weltecke nicht mehr vorkommt? Oder eine Regel angenommen hat, die wir Ursache und Wirkung nennen, ohne daß sie dies ist (ein zur Regel gewordenes Belieben, z. B. Sauerstoff und Wasserstoff chemisch)??? Sollte diese Regel eben nur eine längere Laune sein?

11 [312]

Wer nicht an einen Kreisprozeß des Alls glaubt, muß an den willkürlichen Gott glauben—so bedingt sich meine Betrachtung im Gegensatz zu allen bisherigen theistischen! (s. Vogt p. 90.)

11 [313]

Was ich als Gegenhypothese gegen den Kreisprozeß einwende:

Sollte es möglich sein, die Gesetze der mechanischen Welt ebenso als Ausnahmen und gewissermaßen Zufälle des allgemeinen Daseins abzuleiten, als eine Möglichkeit von vielen unzähligen Möglichkeiten? Daß wir zufällig in diese mechanische Weltordnungs-Ecke geworfen sind? Daß aller Chemismus wiederum in der mechanischen Weltordnung die Ausnahme und der Zufall ist und endlich der Organismus innerhalb der chemischen Welt die Ausnahme und der Zufall?— Hätten wir als allgemeinste Form des Daseins wirklich eine noch nicht mechanische, den mechanischen Gesetzen entzogene (wenn auch nicht ihnen unzugängliche) Welt anzunehmen? Welche in der That die allgemeinste auch jetzt und immer wäre? So daß das Entstehen der mechanischen Welt ein gesetzloses Spiel wäre, welches endlich eben solche Consistenz gewänne, wie jetzt die organischen Gesetze für unsere Betrachtung? So daß alle unsere mechanischen Gesetze nicht ewig wären, sondern geworden, unter zahllosen andersartigen mechanischen Gesetzen, von ihnen übrig geblieben, oder in einzelnen Theilen der Welt zur Herrschaft gelangt, in anderen nicht?— Es scheint, wir brauchen ein Belieben, eine wirkliche Ungesetzmäßigkeit, nur eine Fähigkeit gesetzlich zu werden, eine Urdummheit, welche selbst für Mechanik nicht taugt? Die Entstehung der Qualitäten setzt das Entstehen der Quantitäten voraus, und diese wieder könnten nach tausend Arten von Mechanik entstehen.

11 [314]

Unsere höheren Schmerzen, die sogenannten Schmerzen der Seele, deren Dialektik wir oft noch sehen, beim Eintreten irgend eines Ereignisses, sind langsam und auseinandergezogen, im Vergleich zum niederen Schmerz (z. B. bei einer Verwundung), dessen Charakter Plötzlichkeit ist. Aber letzterer ist eben so complicirt und dialektisch im Grunde, und intellektuell—das Wesentliche ist, daß viele Affekte auf einmal losstürzen und auf einander stürzen—dies plötzliche Wirrsal und Chaos ist für das Bewußtsein der physische Schmerz.— Lust und Schmerz sind keine “unmittelbaren Thatsachen,” wie Vorstellung es ist. Eine Menge Vorstellungen, in Triebe einverleibt, sind blitzschnell bei der Hand und gegen einander. Das Umgekehrte ist bei der Lust, die Vorstellungen, ebenso schnell zur Hand, sind in Harmonie und Ausgleichung und—dies wird vom Intellekt als Lust empfunden.

11 [315]

Es hat unzählige modi cogitandi gegeben, aber nur die welche das organische Leben vorwärts brachten, haben sich erhalten—werden es die feinsten gewesen sein?— Die Simplifikation ist das Hauptbedürfniß des Organischen; die Verhältnisse viel gedrängter sehen, Ursache und Wirkung ohne die vielen Mittelglieder fassen, vieles Unähnliche ähnlich finden—das war nöthig—so fand ein unvergleichlich größeres Suchen nach Nahrung und Assimilation statt, weil der Glaube, daß etwas zur Nahrung zu finden sei, viel öfter erregt wurde—ein großer Vortheil im Wachsthum des Organischen! Das Begehren vertausendfacht durch die vertausendfachte Wahrscheinlichkeit der Befriedigung, die Organe des Suchens gestärkt—: das Irren und Sichvergreifen mag ins Unzählige wachsen, aber die günstigen Griffe werden häufiger! Der “Irrthum” ist das Mittel zum glücklichen Zufall!

11 [316]

Die letzten Organismen, deren Bildung wir sehen (Völker Staaten Gesellschaften), müssen zur Belehrung über die ersten Organismen benutzt werden. Das Ich-bewußtsein ist das letzte, was hinzukommt, wenn ein Organismus fertig fungirt, fast etwas Überflüssiges: das Bewußtsein der Einheit, jedenfalls etwas höchst Unvollkommenes und Oft-Fehlgreifendes im Vergleich zu der wirklich eingeborenen einverleibten arbeitenden Einheit aller Funktionen. Unbewußt ist die große Hauptthätigkeit. Das Bewußtsein erscheint erst gewöhnlich, wenn das Ganze sich wieder einem höheren Ganzen unterordnen will—als Bewußtsein zunächst dieses höheren Ganzen, des Außer-sich. Das Bewußtsein entsteht in Bezug auf das Wesen, dem wir Funktion sein könnten—es ist das Mittel, uns einzuverleiben. So lange es sich um Selbsterhaltung handelt, ist Bewußtsein des Ich unnöthig.— So wohl schon im niedersten Organismus. Das Fremde Größere Stärkere wird als solches zuerst vorgestellt.— Unsere Urtheile über unser “Ich” hinken nach, und werden nach Einleitung des Außer- uns, der über uns waltenden Macht vollzogen. Wir bedeuten uns selber das, als was wir im höheren Organismus gelten—allgemeines Gesetz.

Die Empfindungen und die Affekte des Organischen sind alle längst fertig entwickelt, bevor das Einheits-gefühl des Bewußtseins entsteht.

Älteste Organismen: chemische langsame Prozesse, in noch viel langsameren wie in Hüllen eingeschlossen, von Zeit zu Zeit explodirend und dann um sich greifend und dabei neue Nahrung an sich ziehend.

11 [317]

Ihr sagt: “jene Irrthümer waren für jene Stufe nothwendig, als Heilmittel—die Kur des Menschengeschlechts hat einen nothwendig-vernünftigen Verlauf!” In diesem Sinne leugne ich die Vernünftigkeit. Es ist zufällig, daß dieser und jeder Glaubensartikel siegte, nicht nothwendig—dieselbe Heilwirkung wäre vielleicht auch von einem anderen ausgegangen. Aber vor allem! Die Folge der Heilwirkungen ist sehr beliebig, sehr unvernünftig gewesen! Zudem brachten fast alle eine tiefe andere Erkrankung mit sich! Diese ganze Kur der Menschheit ist aber von ihr vertragen worden—das ist das Merkwürdigste! Es war gewiß nicht die Vernünftigste, noch die einzig-mögliche! Aber möglich war sie!

11 [318]

Ihr meint, ihr hättet lange Ruhe bis zur Wiedergeburt—aber täuscht euch nicht! Zwischen dem letzten Augenblick des Bewußtseins und dem ersten Schein des neuen Lebens liegt “keine Zeit”—es ist schnell wie ein Blitzschlag vorbei, wenn es auch lebende Geschöpfe nach Jahrbillionen messen und nicht einmal messen könnten. Zeitlosigkeit und Succession vertragen sich miteinander, so bald der Intellekt weg ist.

11 [319]

Intellektuell gemessen, wie irrthumvoll ist Lust und Schmerz! Wie falsch wäre geurtheilt, wenn man nach dem Grade von Lust oder Schmerz auf den Werth für das Leben schließen wollte! Im Schmerz ist so viel Dummheit wie in den blinden Affekten, ja es ist Zorn Rache Flucht Ekel Haß Überfüllung der Phantasie (Übertreibung) selber, der Schmerz ist die ungeschieden zusammengeflossene Masse von Affekten, ohne Intellekt giebt es keinen Schmerz, aber die niedrigste Form des Intellekts tritt da zu Tage; der Intellekt der “Materie,” der “Atome.”— Es giebt eine Art, von einer Verletzung überrascht zu werden (wie jener der auf dem Kirschbaum sitzend eine Flintenkugel durch die Backe bekam), daß man gar nicht den Schmerz fühlt. Der Schmerz ist Gehirnprodukt.

11 [320]

Begreift man, wie auch jetzt noch das Leben im Großen (im Gange der Staaten Sittlichkeiten usw.) durch Irrthümer gezeugt wird: wie die Irrthümer aber immer höher und feiner werden müssen: so wird es wahrscheinlich, daß das, was ursprünglich das Leben zeugte, eben der denkbar gröbste Irrthum war—daß zuerst sich dieser Irrthum entwickelt hat und daß überhaupt die ältesten, und am besten einverleibten Irrthümer es seien, auf denen der Fortbestand der Gesellschaft beruht. Nicht die Wahrheit, sondern die Nützlichkeit und Erhaltefähigkeit von Meinungen hat sich im Verlauf der Empirie beweisen müssen; es ist ein Wahn, dem auch unsere jetzige Erfahrung widerspricht, daß die möglichste Anpassung an den wirklichen Sachverhalt die lebengünstigste Bedingung sei.— Es kann sehr viele Ansätze zu Vorstellungen über die Dinge gegeben haben, die wahrer waren (und es giebt deren immer noch) aber sie gehen zu Grunde, sie wollen sich nicht mehr einverleiben—das Fundament von Irrthümern, auf dem jetzt alles ruht, wirkt auswählend, regulirend, es verlangt von allem “Erkannten” eine Anpassung als Funktion—sonst scheidet es dasselbe aus.— Innerhalb jedes kleinen Kreises wiederholt sich der Prozeß: es werden viele Ansätze zu neuen Meinungen gemacht, aber eine Auswahl findet statt, das Lebendige und Im-Leben-bleiben-Wollende entscheidet. Meinungen haben nie etwas zu Grunde gerichtet—aber bei allem Zugrundegehen schießen die Meinungen frei auf, die bisher unterdrückt wurden. Jede neue Erkenntniß ist schädigend, bis sie sich in ein Organ der alten verwandelt hat und die Hierarchie von Alt und Jung in derselben anerkennt—sie muß lange embryonal-schwach bleiben; Ideen treten oft spät erst in ihrer Natur auf, sie hatten Zeit nöthig, sich einzuverleiben und groß zu wachsen.

11 [321]

Die Unwahrheit muß aus dem “eigenen wahren Wesen” der Dinge ableitbar sein: das Zerfallen in Subjekt und Objekt muß dem wirklichen Sachverhalt entsprechen. Nicht die Erkenntniß gehört zum Wesen der Dinge, sondern der Irrthum. Der Glaube an das Unbedingte muß ableitbar aus dem Wesen des esse, aus dem allgemeinen Bedingtsein sein! Das Übel und der Schmerz gehören zu dem, was wirklich ist: aber nicht als dauernde Eigenschaften des esse. Denn Übel und Schmerz sind nur Folgen des Vorstellens, und daß das Vorstellen eine ewige und allgemeine Eigenschaft alles Seins ist, ob es überhaupt dauernde Eigenschaften geben kann, ob nicht das Werden alles Gleiche und Bleibende ausschließt, außer in der Form des Irrthums und Scheins, während das Vorstellen selber ein Vorgang ohne Gleiches und Dauerndes ist?— Ist der Irrthum entstanden als Eigenschaft des Seins? Irren ist dann ein fortwährendes Werden und Wechseln?

11 [322]

Je höher der Intellekt, um so mehr nimmt der Umfang von Schmerz und Lust zu, Bereich und Grade.

11 [323]

Wie ganz irrthümlich ist die Empfindung! Allen unseren Bewegungen auf Grund von Empfindungen liegen Urtheile zu Grunde—einverleibte Meinungen über bestimmte Ursachen und Wirkungen, über einen Mechanismus, über unser “Ich” usw. Alles ist aber falsch! Trotzdem: wir mögen es besser wissen, so bald wir praktisch handeln, müssen wir wider das bessere Wissen handeln und uns in den Dienst der Empfindungs-Urtheile stellen! Das ist die Stufe der Erkenntniß, welche noch viel älter ist als die Stufe der Sprach-Erfindung—meist thierisch!

11 [324]

Vorstellen selber ist kein Gegensatz der Eigenschaften des esse: sondern nur sein Inhalt und dessen Gesetz.— Gefühl und Wille sind uns nur als Vorstellungen bekannt, somit ist ihre Existenz nicht bewiesen. Wenn sie als Inhalt der Vorstellung und nach dem Gesetz der Vorstellung uns allein bekannt sind, so müssen sie uns als gleich ähnlich beharrend usw. erscheinen. In der That, jedes Gefühl wird als etwas irgendwie Dauerndes von uns gefaßt (ein plötzlicher Schlag?) und nicht als etwas an sich Neues und Eigenes, sondern dem Bekannten Ähnliches und Gleiches.

11 [325]

Wir würden ohne die Annahme einer der wahren Wirklichkeit entgegengesetzten Art des Seins nichts haben, an dem es sich messen und vergleichen und abbilden könnte: der Irrthum ist die Voraussetzung des Erkennens. Theilweises Beharren, relative Körper, gleiche Vorgänge, ähnliche Vorgänge—damit verfälschen wir den wahren Thatbestand, aber es wäre unmöglich, von ihm irgendetwas zu wissen, ohne ihn erst so verfälscht zu haben. Es ist nämlich so zwar jede Erkenntniß immer noch falsch, aber es giebt doch so ein Vorstellen, und unter den Vorstellungen wieder eine Menge Grade des Falschen. Die Grade des Falschen festzustellen und die Nothwendigkeit des Grundirrthums als der Lebensbedingung des vorstellenden Seins—Aufgabe der Wissenschaft. Nicht wie ist der Irrthum möglich, heißt die Frage, sondern: wie ist eine Art Wahrheit trotz der fundamentalen Unwahrheit im Erkennen überhaupt möglich?— Das vorstellende Sein ist gewiß, ja unsere einzige Gewißheit: was es vorstellt und wie es vorstellen muß, ist das Problem. Daß das Sein vorstellt, ist kein Problem, es ist eben die Thatsache: ob es ein anderes als ein vorstellendes Sein überhaupt giebt, ob nicht Vorstellen zur Eigenschaft des Seins gehört, ist ein Problem.

11 [326]

Ich lerne immer mehr: das Unterscheidende zwischen den Menschen ist, wie lange sie eine hohe Stimmung bei sich erhalten können. Manche kaum eine Stunde, und bei Einigen möchte man zweifeln, ob sie hoher Stimmungen fähig sind. Es ist etwas Physiologisches daran.

11 [327]

Frauen, die allzu lebhaft sind und den Eindruck davon dämpfen möchten, wählen blaue Farben: und ebenso giebt es in Büchern blaue Farbentöne, mit denen ihr Urheber seine springende Reizbarkeit zu balanciren sucht.

11 [328]

Ein Mensch, der täglich so viele Giftbrühen in sich hinunterzuwürgen hat, ist immer zu bewundern, wenn er Zeiten großer Empfindungen kennt und nicht überhaupt einen principiellen Ekel am “Großen” hat.

11 [329]

Die Antinomie: “die Elemente in der gegebenen Wirklichkeit, welche dem wahren Wesen der Dinge fremd sind, können aus diesem nicht herstammen, müssen also hinzugekommen sein—aber woher? da es außer dem wahren Wesen nichts giebt—folglich ist eine Erklärung der Welt ebenso nöthig als unmöglich.” Dies löse ich so: das wahre Wesen der Dinge ist eine Erdichtung des vorstellenden Seins, ohne welche es nicht vorzustellen vermag. Jene Elemente in der gegebenen Wirklichkeit, welche diesem erdichteten “wahren Wesen” fremd sind, sind die Eigenschaften des Seins, sind nicht hinzugekommen. Aber auch das vorstellende Sein, dessen Existenz an den irrthümlichen Glauben gebunden ist, muß entstanden sein, wenn anders jene Eigenschaften (die des Wechsels, der Relativität) dem esse zu eigen sind: zugleich muß Vorstellen und Glauben an das Selbstidentische und Beharrende entstanden sein.— Ich meine, daß schon alles Organische das Vorstellen voraussetzt.

11 [330]

Grundgewißheit.

“Ich stelle vor, also giebt es ein Sein” cogito, ergo est.— Daß ich dieses Vorstellende Sein bin, daß Vorstellen eine Thätigkeit des Ich ist, ist nicht mehr gewiß: ebenso wenig alles was ich vorstelle.— Das einzige Sein, welches wir kennen, ist das vorstellende Sein. Wenn wir es richtig beschreiben, so müssen die Prädikate des Seienden überhaupt darin sein. (Indem wir aber das Vorstellen selber als Objekt des Vorstellens nehmen, wird es da nicht durch die Gesetze des Vorstellens getränkt, gefälscht, unsicher?—) Dem Vorstellen ist der Wechsel zu eigen, nicht die Bewegung: wohl Vergehen und Entstehen, und im Vorstellen selber fehlt alles Beharrende; dagegen stellt es zwei Beharrende hin, es glaubt an das Beharren 1) eines Ich 2) eines Inhaltes: dieser Glaube an das Beharrende der Substanz d. h. an das Gleichbleiben Desselben mit sich ist ein Gegensatz gegen den Vorgang der Vorstellung selber. (Selbst wenn ich, wie hier ganz allgemein vom Vorstellen rede, so mache ich ein beharrendes Ding daraus) An sich klar ist aber, daß Vorstellen nichts Ruhendes ist, nichts Sich selber Gleiches Unwandelbares: das Sein also, welches uns einzig verbürgt ist, ist wechselnd, nicht-mit-sich identisch, hat Beziehungen (Bedingtes, das Denken muß einen Inhalt haben, um Denken zu sein).— Dies ist die Grundgewißheit vom Sein. Nun behauptet das Vorstellen gerade das Gegentheil vom Sein! Aber es braucht deshalb nicht wahr zu sein! Sondern vielleicht ist dies Behaupten des Gegentheils eben nur eine Existenz-bedingung dieser Art von Sein, der vorstellenden Art! Das heißt: es wäre das Denken unmöglich, wenn es nicht von Grund aus das Wesen des esse verkennte: es muß die Substanz und das Gleiche behaupten, weil ein Erkennen des völlig Fließenden unmöglich ist, es muß Eigenschaften dem Sein andichten, um selber zu existiren. Es braucht kein Subjekt und kein Objekt zu geben, damit das Vorstellen möglich ist, wohl aber muß das Vorstellen an Beide glauben.— Kurz: was das Denken als das Wirkliche faßt, fassen muß, kann der Gegensatz des Seienden sein!

11 [331]

Wir sind milder und menschlicher! Alle Milde und Menschlichkeit aber besteht darin, daß wir den Umständen viel zurechnen und nicht mehr Alles der Person! und daß wir den Egoismus vielfach gelten lassen und ihn nicht als das Böse und Verwerfliche an sich mehr betrachten (wie er in der Gemeinde geachtet wurde). Also: im Nachlassen unseres Glaubens an die absolute Verantwortlichkeit der Person und unseres Glaubens an die Verwerflichkeit des Individuellen besteht unser Fortschritt aus der Barbarei!

11 [332]

Ihr sagt: “gewisse Glaubenssätze sind der Menschheit heilsam, folglich müssen sie geglaubt werden” (so hat jede Gemeinde geurtheilt). Aber das ist meine That, zum ersten Male die Gegenrechnung gefordert zu haben!—also gefragt zu haben: welches unsägliche Elend, welche Verschlechterung der Menschen dadurch entstanden ist, daß man das Ideal der Selbstlosigkeit aufstellte, also den Egoismus böse hieß und als böse empfinden ließ!!—dadurch daß man den Willen des Menschen frei hieß und ihm die volle Verantwortlichkeit zuschob somit die Verantwortlichkeit für alles Egoistische—“Böse genannte”—d. h. Naturnothwendige seines Wesens: so machte man ihm einen schlechten Ruf und ein schlechtes Gewissen:—dadurch daß man einen heiligen Gott über den Menschen dachte und damit allem Handeln das böse Wesen eindrückte, und zwar je feiner und edler ein Mensch empfand?— Das Nachlassen dieser furchtbaren Glaubenssätze und das Nachlassen im Zwängen und Erzwingen des Glaubens überhaupt hat die Barbarei verscheucht!— Freilich: eine noch frühere Barbarei, eine gröbere konnte nur durch jene “heilsamen” Wahnartikel verscheucht werden!

11 [333]

Jedes Vorstellen kommt mit Hülfe des Gedächtnisses zu Stande, und ist das Produkt unzähliger Erfahrungen Urtheile Irrthümer Lüste Unlüste vergangner Momente im Menschen: ob es auch noch so plötzlich auftritt. Wenn ich mir einen Gebirgssee vorstelle, so arbeitet bei mir eine ganz andere Vergangenheit an dieser Vorstellung als wenn ein Berliner ihn sich vorstellt. Oder: “Kirche” “Philosoph” “Edelmann” “Tagedieb” usw.

11 [334]

Jede Lust und Unlust ist jetzt bei uns ein höchst complicirtes Ergebniß, so plötzlich es auftritt; die ganze Erfahrung und eine Unsumme von Werthschätzungen und Irrthümern derselben steckt darin. Das Maaß des Schmerzes steht nicht im Verhältniß zur Gefährlichkeit; unsere Einsicht widerspricht. Ebenso ist das Maaß der Lust nicht im Verhältniß zu unserer jetzigen Erkenntniß—wohl aber zur “Erkenntniß” der primitivsten und längsten Vorperiode von Mensch- und Thierheit. Wir stehen unter dem Gesetze der Vergangenheit d. h. ihrer Annahmen und Werthschätzungen.

11 [335]

Nur die Arten von Annahmen, mit denen ein Weiterleben möglich war, haben sich erhalten—dies die älteste Kritik, und lange die einzige! Dadurch sind die gröbsten Irrthümer uns einverleibt, unausrottbar—denn sie verhinderten oft nicht das Weiterleben. Ob eine Annahme auf die Dauer Schaden brachte (z. B. die Annahme, daß ein Getränk gesund sei, doch das Leben auf die Dauer verkürzte), das kam nicht in Betracht. Die Kurzlebigkeit des Menschen mag die Folge fehlerhafter einverleibter Annahmen sein.

Am Beginn aller geistigen Thätigkeit stehen die gröbsten Annahmen und Erdichtungen, z. B. Gleiches Ding Beharren. Sie sind gleichaltrig mit dem Intellekte und er hat sein Wesen danach gemodelt.— Nur die Annahmen blieben, mit denen sich das organische Leben vertrug.

11 [336]

An E. R.

Leg ich mich aus, so leg ich mich hinein
So mög ein Freund mein Interprete sein.
Und wenn er steigt auf seiner eignen Bahn,
Trägt er des Freundes Bild mit sich hinan.
Februar 1882.

11 [337]

Gaya Scienza.

AlbasMorgenlieder
SerenasAbendlieder
TenzoniStreitlieder
SirventesLob- und Rügelieder
SontasLieder der Freude
LaïsLieder des Leides

11 [338]

Die zukünftige Geschichte: immer mehr wird dieser Gedanke siegen—und die nicht daran Glaubenden müssen ihrer Natur nach endlich aussterben!

Nur wer sein Dasein für ewig wiederholungsfähig hält, bleibt übrig: unter solchen aber ist ein Zustand möglich, an den noch kein Utopist gereicht hat!

11 [339]

Seid ihr nun vorbereitet? Ihr müßt jeden Grad von Skepsis durchlebt haben und mit Wollust in eiskalten Strömen gebadet haben—sonst habt ihr kein Recht auf diesen Gedanken; ich will mich gegen die Leichtgläubigen und Schwärmerischen wohl wehren! Ich will meinen Gedanken im Voraus vertheidigen! Er soll die Religion der freiesten heitersten und erhabensten Seelen sein—ein lieblicher Wiesengrund zwischen vergoldetem Eise und reinem Himmel!

11 [340]

1) Ungeheure Thatsache: alle unsere moralischen Urtheile sind aus den entgegengesetzten hervorgegangen: wie ist dies geschehen?

2) wie ist das ältere moralische Urtheil entstanden?

11 [341]

Die Strafe nicht entehrend, so lange sie auch den unabsichtlichen Schädiger trifft.

11 [342]

Gewissensbiß auch nach unbeabsichtigtem Frevel. Z. B. Oedipus.

wesentlich: Ekel vor sich selber!

aesthetische Grundnatur des Urtheils.

11 [343]

Gegen Spencer: “so ist es nicht zweckmäßig”—das ist kein moralisches Urtheil

“Es ist nicht recht, obwohl es zweckmäßig ist”

“es erniedrigt mich” “es macht Grauen und Ekel vor mir.”

Die Rücksicht auf den eigenen Nutzen oder den der Gesellschaft macht die Sache immer noch nicht “moralisch”! “Es ist schädlich für die Andern, nützlich für mich”—was muß geschehen, damit dies als “erniedrigend,” als ekelhaft empfunden wird?— An und für sich ist es die rechte Handlung die natürliche, bei der alles grünt und gedeiht.

Der freie Wille, das Wissen um die Zwecke der Handlungen wurden als unmoralisch empfunden: ist Heerdeninstinkt. Das Wissen hat das schlechte Gewissen für sich gehabt.

11 [344]

In der Heerde keine Nächstenliebe: sondern Sinn für das Ganze und Gleichgültigkeit gegen den Nächsten. Diese Gleichgültigkeit ist etwas sehr Hohes!

11 [345]

In welchem Satze und Glauben drückt sich am besten die entscheidende Wendung aus, welche durch das Übergewicht des wissenschaftlichen über den religiösen götter-erdichtenden Geist eingetreten ist? Wir bestehen darauf, daß die Welt, als eine Kraft, nicht unbegrenzt gedacht werden darf—wir verbieten uns den Begriff einer unendlichen Kraft, als mit dem Begriff “Kraft” unverträglich.

11 [346]

der Mensch die Natur in Dienste nehmend und überwältigend

der wissenschaftliche Mensch arbeitet im Instinkt dieses Willens zur Macht und fühlt sich gerechtfertigt

Fortschritt im Wissen als Fortschritt in der Macht (aber nicht als Individuum). Vielmehr macht dieser sklavenmäßige Verbrauch des Gelehrten das Individuum niedriger.

11 [347]

Antagonism:Erhöhung und Verstärkung des Typus!
Erhöhung und Verstärkung seiner einzelnen
Organe und Funktionen.

11 [348]

An und für mich—wozu? —

9, 11[1-348] Frühjahr-Herbst 1881

11 [1]

To make oneself indifferent to praise and blame; recipes for that. On the other hand, to establish a circle that knows our goals and standards and for which praise and blame for us matter.

11 [2]

Expand the concept of nutrition; not to misdirect one's life, as do those who have only their preservation in mind.



We must not let our life slip through our hands, through a "goal"—but rather harvest the fruits of all seasons from ourselves.



We should strive for others, for everything that is outside us, as for our nourishment. Often, too, it is the fruits that have just ripened for our year.— Must one always have only the egoism of the robber or thief? Why not that of the gardener? Joy in the care of others, as of a garden!

11 [3]

Formerly, in alchemy, people believed that everything could be explained with moral concepts (affinity, friendship, drive, etc.). The realm of morality is always getting smaller.

A single medication (e.g., quinine) and its “moral” effects, for example, use!

11 [4]

La Rochef is mistaken only in that he rates the motives, which he considers to be the true ones, lower than the other alleged ones: i.e., he still believes at heart in the others and takes the measure from there: he degrades man by considering him incapable of certain motives.

11 [5]

Our instinct of drives reaches in every case for the next pleasant thing: but not for the useful. Admittedly, in countless cases (especially due to selective breeding) what is pleasant to the drive is precisely also the useful!— Man, arrogant even where he traces reasons and purposes, closes his eyes in moral matters to the pleasant: he precisely wants his actions to appear as a consequence of rational intention for lasting benefit: he despises the momentarily pleasant—: although precisely this is the lever of all his powers.

The art of a happy life is to find the position in which the momentarily pleasant is also the most durably useful, where the senses and taste approve the same thing that reason and prudence approve.

11 [6]

The lifestyle of women, who are essentially fed and do not work, could immediately be transformed into a philosophical existence! But just look at them in front of a shop window full of finery and linen!

11 [7]

Main idea! It is not nature that deceives us, the individuals, and promotes its purposes through our deception: rather, the individuals arrange all existence according to individual, i.e., false, measures; we want to be right with this, and consequently, “nature” must appear as a deceiver. In truth, there are no individual truths, but only individual errors—the individual itself is an error.

Everything that happens within us is in itself something else, which we do not know: we project intention and deception and morality into nature.— But I distinguish: the imagined individuals and the true “life-systems,” each of which we are one—both are conflated, while “the individual” is merely a sum of conscious sensations and judgments and errors, a belief, a fragment of the true life-system or many fragments thought together and fabricated into a unity, a “unit” that does not hold up.We are buds on one tree—what do we know of what may become of us in the interest of the tree! But we have a consciousness as if we wanted and should be everything, a fantasy of “I” and all “not-I.” Cease, to feel oneself as such a fantastic ego! Gradually learn to cast off the supposed individual! Discover the errors of the ego! Recognize egoism as an error! Do not understand altruism as the opposite! That would be love for the other supposed individuals! No! Beyond “me” and “youfeel cosmically!

11 [8]

The egoism as the general “delusion of grandeur”—likewise to be derived—physiological.

11 [9]

The evil but indispensable drives to cultivate, like that of dissimulation (in art) thus harmless. The parallel to “art” to seek!

11 [10]

The desire to recognize things as they are—this alone is the good inclination: not looking to others and seeing with others' eyes—that would only be a change of place in egotistical seeing! We want to heal ourselves of the great fundamental madness of measuring everything by ourselves: self-love is a false, too narrow expression; self-hatred and all affects are continually active with this short leap, as if everything strives toward us. One walks through the streets and thinks every eye is meant for us: and what would it be if an eye and a word truly were meant for us!—no more than it concerns us when the glance and the word are meant for another—we should be able to be just as personally indifferent!

Increase of indifference! And practice to see with different eyes: practice to see objectively, without human relations! Cure human megalomania! Where does it come from? From fear: all intellectual power had to always quickly revert to personal seeing. It is already the animal suffering. The highest selfishness has its opposite not in love for the other!! But in neutral, objective seeing! The passion for theTrue” despite all personal considerations, despite all “pleasant” and unpleasant things is the highest—hence the rarest so far!

11 [11]

One must give people courage for a new great contempt, for example, of the rich, of officials, etc. Every impersonal form of life must be considered common and contemptible.

A. How much do I need to live healthily and pleasantly for myself?
   
B. How do I acquire this in such a way that the acquisition is healthy and pleasant and benefits my spirit, especially as recreation?
   
c. How should I think of others to think as well as possible of myself and grow in the feeling of power?
   
d. How do I bring others to recognize my power?
   
e. How does the new nobility organize itself as the power-possessing class? How does it separate itself from others without making them enemies and adversaries?

11 [12]

What precedes a purposeful action, in consciousness, for example, the image of chewing before chewing, is entirely indeterminate: and if I make it scientifically more precise, this has no influence on the action itself. An innumerable number of individual movements are carried out, of which we previously know nothing, and the cleverness of the tongue, for example, is much greater than the cleverness of our consciousness at all.I deny that these movements are produced by our will; they take place, and remain unknown to us—we can grasp their process only in symbols (of touch, hearing, seeing colors) and in individual pieces and moments—their essence, just like the ongoing course, remains foreign to us. Perhaps the imagination opposes something to the actual course and essence, a fiction that we are accustomed to taking as the essence.

11 [13]

We hear little and uncertainly when we do not understand a language being spoken around us. The same applies to music that is foreign to us, such as Chinese music. Good listening is thus probably a continual guessing and filling in of the few sensations actually perceived. Understanding is an astonishingly rapid anticipatory imagining and inferring: from two words we guess the sentence (when reading); from one vowel and two consonants we infer a word when listening—indeed, we often do not hear many words but think of them as heard.—What has actually happened is difficult to say based on our observation;—for we have been continually inventing and inferring.

I often have the facial expressions of people I speak with so clearly before me that my eyes cannot perceive them: it is a fiction to their words, the interpretation in facial gestures.



I suspect that we only see what we know; our eye is constantly practicing the handling of countless forms:—the greatest part of the image is not sensory impression, but imagination-product. Only small cues and motives are taken from the senses, and these are then embellished.The imagination is to be placed in the position of the “unconscious”: it is not unconscious conclusions but rather thrown-out possibilities that the imagination provides (e.g., when bas-reliefs flip into reliefs for the viewer).



Our “external world” is a product of imagination, where earlier fantasies, as practiced and habitual activities, are reused in its construction. Colors, sounds are fantasies; they do not correspond exactly to the actual mechanical process but rather to our individual state. — —

11 [14]

The I—not to be confused with the organic sense of unity. —

11 [15]

Unclear cunning violent and spoiled from early on, by a lowly and servile environment.— he maintains the unclarity about all principles to position himself now this way, now that, according to his advantage.

11 [16]

Alleged expediency of nature—in selfishness, the sexual drive, where one says it uses the individual, in the sun’s emission of light, etc.—all fabrications! It is perhaps the last form of a God-conception—but this god is not very wise and very merciless. Leopardi has the wicked stepmother Nature, Schopenhauer the “Will.”—Perhaps one can illuminate the purposefulness of man with such apparent purposeful activities. Something is achieved, and what is achieved and all that happens to achieve it is totally different from the image that was previously in the mind of the one who wills—no bridge leads across.

“I eat to satiate myself”—but what do I *know* of what satiation is! In truth, satiation is achieved, but not *willed*—the momentary pleasure sensation with each bite, as long as hunger is present, is the motive: not the intention “to,” but an attempt with each bite *whether* it still tastes good. Our actions are *attempts* *whether* this or that drive finds its joy in them, down to the most intricate details, playful expressions of the urge for activity, which we misinterpret and misunderstand through the theory of purposes. We move our tentacles—and this or that drive finds in what we catch its prey and makes us believe we had *intended* to satisfy it.

11 [17]

His bad character follows him to the highest peaks of his genius. —

11 [18]

Scope of poetic power: we cannot do anything without first designing a free image of it—(though we certainly do not know how this image relates to the action, the action is something essentially different and unfolds in inaccessible regions within us). This image is very general, a schema—we believe it is not only the guideline but the driving force itself. Countless images have no activity following them, we disregard that: the cases where something subsequently happens that “we willed” remain in memory.— All our development is preceded by an ideal image, the product of imagination: the actual development is unknown to us. We must create this image. The history of man and mankind unfolds unknown, but the ideal images and their history seem to us to be the development itself.

Science cannot create it, but science is a main *nourishment* for this drive: in the long run, we shy away from everything uncertain and fabricated, this fear and this disgust promote science. That poetic drive is supposed to *guess*, not fantasize, to guess something unknown from real elements: it needs science, i.e., the sum of the certain and probable, in order to be able to compose with this material. This process is already present in *seeing*. It is a free production in all senses, the greatest part of sensory perception is *guessed*. All scientific books bore us when they offer no food to this drive that wants to guess: the *certain does not do us good*, unless it wants to be nourishment for that drive!

11 [19]

Perhaps all moral drives can be traced back to the desire to have and the desire to keep. The concept of having is constantly refined; we increasingly understand how difficult it is to have and how apparent possessions still manage to elude us—thus we drive having into the finer: until finally the complete knowledge of the thing is the prerequisite to strive for it: often the complete knowledge alone suffices for us as possession, it has no hiding place left from us and can no longer escape us. In this sense, knowledge would be the final stage of morality. Earlier stages are, for example: to imagine a thing to one's liking and then to believe that one fully possesses it, like the lover with the beloved, the father with the child: what enjoyment in possession!—but we are satisfied with the appearance.

We imagine the things that we can achieve in such a way that their possession seems most valuable to us: we prepare the enemy, over whom we hope to triumph, for our pride: and likewise the beloved wife and child. We first make an approximate calculation of what we can plunder in general—and now our imagination is active, making these future possessions seem extremely valuable to us (also offices, honors, social interactions, etc.).We seek the philosophy, that fits our possessions i.e. gilds them. The great reformers, like Muhammed, understand this, to give the habits and possessions of people a new shine—not to call them to strive for “something else,” but to see what they want and can have as something higher (to “discover” more reason and wisdom and happiness in it than they have found so far).— To want to have oneself: self-control etc.

11 [20]

Main question: according to what is the value table of goods made and changed? So that one property seemed more desirable than another?

What was easy to obtain (such as food) was relatively undervalued. The value table does not at allnot correspond to the degrees of utility (against Spencer).

11 [21]

The history of the I-feeling to describe: and to show how even in altruism that desire to possess is the essential. To show how the main progress of morality does not lie in the concept of "non-I and I," but in the sharper grasping of the true in the other and in me and in nature, thus to free the desire to possess more and more from the semblance of possession, from imagined possessions, thus to purify the I-feeling from self-deception. Perhaps it ends with the fact that instead of the I we recognize the relationships and hostilities of things, multiplicities therefore and their laws: that we seek to free ourselves from the error of the I (altruism has also been an error so far). Not "for the sake of others," but "to live for the sake of the true"! Not "I and you!" How could we "promote the other" (who himself is a sum of delusion)!Reshape the sense of self! Weaken personal inclination! Accustom the eye to the reality of things! Temporarily disregard persons as much as possible! What effects this must have! Seek to gain mastery over things and thus satisfy the desire to possess! Do not want to possess people!—But does this not also mean weakening individuals? Something new must be created: not ego and not tu and not omnes!

NB. Must not strive to possess in youth and want to!: likewise no reputation, to command others—do not develop these two drives at all!To let ourselves be possessed by things (not by people) and by the greatest possible scope of true things! What grows from this remains to be seen: we are arable land for things. Images of existence should grow from us: and we should be as this fertility compels us to be: our inclinations and aversions are those of the land that is to bear such fruits. The images of existence have been the most important thing so far—they rule over humanity.

11 [22]

The Education of the Genius.

11 [23]

NB! To love science without thinking of its usefulness! But perhaps it is a means to make man an artist in an unprecedented sense! So far it was supposed to serve.— A sequence of beautiful experiments is one of the highest theatrical pleasures.

11 [24]

NB. “The chemical process is always greater than the useful effect” Mayer. “Through good steam engines about 1/20, through cannons 1/10, through mammals 1/5 of the combustion heat is converted into mechanical effect.” What a waste of nature! Then the solar heat according to Proctor! The state in relation to its benefit! The great spirit! Our intellectual work in relation to the benefit the drives derive from it! So no false “utility as the norm”! Waste is not immediately a reproach: it may be necessary. Also the intensity of the drives belongs here.

11 [25]

The innervation “exerts its control over muscle action, probably without any noticeable expenditure of physical force, without an electric current, and without any chemical process at all” according to Mayer—“just as the effort of the engineer is something vanishingly small.” (Contact—influence of the motor nerves.)

11 [26]

The senses of people in the progress of civilization have become weaker, eyes and ears: because fear has diminished and the intellect has become finer. Perhaps with the increase in security the fineness of the intellect will no longer be necessary: and decline: as in China! In Europe, the struggle against Christianity, the anarchy of opinions, and the competition of princes, peoples, and merchants have so far refined the intellect.

11 [27]

We are entering the age of anarchy, but this is at the same time the age of the most spiritual and freest individuals. An enormous amount of spiritual power is in upheaval. Age of genius: previously prevented by customs, morality, etc.

11 [28]

Displeasure as prevented discharge. Principle: not the discharges, however violent they may have been, caused the most harm to humanity, but the prevention of them. Displeasure, pathological ill feelings we must eliminate—but this requires the courage to judge the terrible nature of discharges differently and more favorably. Assassinations are better than creeping annoyances. Murders, wars, etc., open violence—the evil of power shall be called good: if from now on the evil of weakness is to be called evil.

11 [29]

To demonstrate the error of positive philosophy: it wants to destroy the anarchy of spirits, and it will produce the dull pressure of unsatisfied release (like China)!

11 [30]

There is still no beautiful and healthy custom regarding the pursuit of science. One thoughtlessly transfers the habits of other occupations, e.g., the civil servant, clerk, gardener, worker. The nobility is therefore so fruitful on a large scale because it brought noble customs: the noblest is being able to endure boredom. Indeed, the scientific person must restrict themselves daily for several hours, and since thoughts do not always come immediately, they must accept much boredom without impatience. The Indians understood this!

11 [31]

Many of our drives find their release in a mechanical, vigorous activity that can be chosen purposefully: without this, there are destructive and harmful releases. Hatred, anger, sexual drive, etc., could be put to the machine and learn to work usefully, e.g., chopping wood, carrying letters, or guiding the plow. One must cultivate one's drives. The life of the scholar particularly demands this. A few hours of the day must necessarily be taken away from contemplation. All ill humor must be released: manual labor nearby! Or running, jumping, riding. One could very well still train horses as a thinker. Or command.

11 [32]

The general history of science ultimately provides a concept of how the most ordinary mental operations come about.

11 [33]

NB! In molecules, the history of the solar system could still be playing out, and heat could be generated through fall and impact.

11 [34]

The Chinese: without shame, without prejudices, talkative, moderate: their passions opium gambling women. They are clean.

11 [35]

To secure the advantages of a dead person—no one cares about us, neither for nor against. To think oneself away from humanity, to unlearn all kinds of desires: and to devote the entire surplus of strength to watching. To be the invisible spectator!!

11 [36]

We are somehow in the middle—toward the size of the world and toward the smallness of the infinite world. Or is the atom closer to us than the outermost end of the world?— Is the world for us not just a gathering of relations under a measure? As soon as this arbitrary measure is missing, our world dissolves!

11 [37]

We do not know a) the motives of the action; b) we do not know the action we are doing; c) we do not know what will come of it. But we believe the opposite of all three: the supposed motive, the supposed action, and the supposed consequences belong to the known history of man, but they also influence his unknown history as the respective sum of three errors.

In every case, there is not one action to be done, but as many as there are ideals of the perfect man.

Useful, harmful—there is no "in-itself"; ideals are fictions based on more or less limited knowledge of humanity.— I deny absolute morality because I do not know an absolute goal of humanity. One must know the healthy state to recognize the pathological—but health itself is a concept that arises in us based on what exists. Spencer p. 302. "Transitional states permeated by the misery based on non-adaptation": says Spencer—and yet this very misery could be the most useful thing!

11 [38]

I seek for myself and my kind the sunny corner in the midst of the now real world, those sunny ideas, with which an excess of well-being comes to us. May everyone do this for themselves and leave aside the talking into the general, for “society”!

11 [39]

Burdened with themselves as if with an illness—thus I found the talents.

11 [40]

The prerequisite of Spencer's future ideal is, however, what he does not see, the greatest possible similarity of all people, so that one truly sees oneself in the other. Only thus is altruism possible! But I think of the everlasting dissimilarity and greatest possible sovereignty of the individual: thus altruistic pleasures must become rare, or take the form of joy in the other, like our current joy in nature.

11 [41]

The emergence of the thinker and the dangers at which such an emergence usually meets its end. 1) the parents want to make him like themselves 2) one accustoms him to occupations that take away his strength and time for thinking; professions etc. 3) one educates him to an expensive way of life, to which he must now again devote much strength in order to provide the means for it 4) one accustoms him to pleasures which make those of thinking seem colorless, and to a mood of discomfort in the presence of thinkers and their works 5) the sexual drive wants to impel him to unite with a woman and henceforth live for the children—not for himself any longer 6) his talent brings honors with it: and these lead him to influential persons who have an interest in making a tool of him 7) the pleasure in the success of a science,makes him deviate from the further goals: he clings to the means and forgets the purpose.— From this, the maxims of educating the independent thinker can be derived. And rules to imprint these rules most effectively (especially removal from danger, compulsion to think through other idleness, etc.) I care about the preservation of my kind!! —

11 [42]

To lay out the entire tyranny of the expediency of the species once and for all! What! Should we even promote it? Should we not rather reclaim as much as only possible for the individual? All morality should culminate in this: what is heritable for the entire species should determine the value?— Let us look at the random throws that must occur—whether there is not much that contradicts the species-ideal, assuming it is ever achieved!

11 [43]

These glorifiers of selection-purposefulness (like Spencer) believe they know what favoring circumstances of development are! and do not count evil among them! And what would man have become without fear, envy, greed! He would no longer exist: and if one imagines the richest, noblest, and most fruitful man, without evil—one imagines a contradiction. Treated benevolently from all sides and himself benevolent—there a genius would have to suffer terribly, for all his fruitfulness wants to nourish itself egoistically from others, to dominate them, to drain them, etc. In short, if the virtuous man now suffers from the strength of egoism, then from the strength of altruism: all action becomes bitter to him because it runs counter to his main inclination and seems evil to him.

To do something for oneself, to set aside, to create—all of this would be done with a bad conscience: pleasure would arise if one suppressed one's creative urges and felt universally. It would also be possible to have a beautiful, resting humanity, nourished and flourishing from all sides, but a completely different one than our best humanity—for which some things can also be said.

By the way, one could as an individual anticipate the incredibly slow process of selection, in many respects and provisionally show man his goal—my ideal! To set aside the unfavorable circumstances by setting oneself aside (solitude), to select influences (nature, books, great events) to reflect upon! To keep only well-meaning opponents in memory! Independent friends! To banish all lower stages of humanity from one's field of vision! Or not to want to see or hear them! Blindness, deafness of the wise!

11 [44]

The Anticipators.— I doubt whether that permanent man, whom the expediency of species-selection will finally produce, will stand much higher than the Chinese. Among the throws there are many useless and, with regard to that species-goal, transient and ineffectual—but higher: let us attend to that! Let us emancipate ourselves from the morality of species-expediency!— Evidently the goal is to make man as uniform and fixed as has already happened in the case of most animal species: they are adapted to the conditions of the earth, etc., and do not change essentially. Man still changes—is in the process of becoming.

11 [45]

The greatest influences we do not overlook: we can still destroy the race, for we measure the effects by individuals, at most by centuries. Whether, for example, coffee or alcohol are not poisons that, taken in the regular manner as it happens, will have annihilated humanity in 2000 years?

11 [46]

“Rudimentary humans”—those who no longer serve the purpose of the species: but have not become self-sufficient beings.

Unfit with regard to the species, not yet with regard to small complexes, and not with regard to the individual! Are the purposes of the individual necessarily the purposes of the species? No. Individual morality: as a result of a chance throw in the game of dice, a being exists that seeks its conditions of existence—let us take this seriously and not be fools, sacrificing for the unknown!

11 [47]

The property drive—continuation of the food- and hunting-drive. The drive for knowledge is also a higher property drive.

11 [48]

People get stuck on the means when achieving them gives them pleasure. Rohde.

11 [49]

Whoever does not attain the beautiful seeks the wild, for there even the ugly may display its "beauty." Likewise, he seeks wild morality.

11 [50]

In heroism, disgust is very strong (as in selflessness—one despises the narrowness of the “I”—the intellect has its expansion). The weakness of disgust characterizes industrial and utilitarian culture.

11 [51]

Two origins of art 1) being deceived in a harmless way (magicians, actors, storytellers, etc.) also architecture as if the stone spoke (by the house or temple inhabitant) 2) being overwhelmed in a harmless way: intoxication, music, lyric poetry, etc. First, concern, astonishment that nothing evil occurs, no danger is present—in both cases. Thus, the states that are most feared and exert the highest allure become desirable: deception and overwhelming. Thus, from the perspective of the enjoyers.

11 [52]

Interest ("usury") and the evil conscience.
The theater and the evil conscience.

11 [53]

Cleansing of the soul.— First origin of higher and lower.

The aesthetic-offensive aspect of the inner human without skin—bloody masses, fecal intestines, entrails, all those sucking, pumping beasts—shapeless or ugly or grotesque, and unpleasant to the sense of smell. Therefore concealed! What does emerge from it arouses shame (feces, urine, saliva, semen). Women do not like to hear about digestion. Byron did not want to see a woman eat (Thus the subconscious thoughts make their way). This body veiled by the skin, which seems to be ashamed! Clothing over the parts where its nature is exposed: or covering the mouth with the hand when spitting. Thus: there is that which provokes disgust; the less a person knows about the organism, the more raw flesh, decay, stench, and maggots are lumped together.

The human being, insofar as he is not form, is disgusting to himself—he does everything to not think about it.— The pleasure that is evidently connected with this inner human being is considered low—an aftereffect of aesthetic judgment. The idealists of love are enthusiasts of beautiful forms; they want to deceive themselves and are often outraged at the thought of coitus and semen.— All that is painful, tormenting, and excessive, man has attributed to this inner body: the higher he elevated seeing, hearing, form, and thinking.The disgusting should be the source of misery!— We learn to turn disgust around!

Second origin of the distinction between higher and lower. Everything fear-inspiring is considered the more powerful and thus higher; everything else as lower or even contemptible. As highest—inspiring fear and yet doing good and wishing well!

11 [54]

What are the profound transformations that must come from the teachings that no God takes care of us and that there is no eternal moral law (atheistic-immoral humanity)? that we are animals? that our life passes by? that we are irresponsible? the wise man and the animal will draw closer and yield a new type!

11 [55]

Those who have the advantage of the helpful benevolent disposition have so glorified it! The praise a consequence of the benefit! And the benefactor would allow himself to be compensated with praise?

11 [56]

How does drive, taste, passion arise? The latter sacrifices other drives that are weaker (other desires for pleasure)—: this is not unselfish! One drive dominates the others, even the so-called self-preservation drive! “Heroism” etc. have not been understood as passions, but because they were very useful to others, as something higher, nobler, different!—since most other passions were dangerous to others. This was very short-sighted! Also the heroism of patriotism, loyalty, “truth,” research, etc.is highly dangerous to the others—they are just too stupid to see it! Otherwise, they would ban the unselfish virtues, just as they have banned greed, the sexual drive, cruelty, lust for conquest, etc. But those were called and felt to be good, and gradually became imbued with nobler and purer feelings—and idealized! Made ideal! Thus, labor, poverty, interest, and pederasty were at times degraded, at other times idealized.

11 [57]

People admire and praise the actions of another person that seem impractical for him, as long as they are useful to them. (Impracticality in terms of pleasure or benefit.) In the past, pleasure or benefit was understood very crudely and narrowly: and someone who, for example, did something for gloria, was already impractical according to the opinion of coarse people, the masses. Because one did not see finer kinds of pleasure, the realm of the selfless was assumed to be so large.

The lack of psychological subtlety is a reason for much praise and admiration! Because the masses have no passion, they have admired passion, because it is linked with sacrifices and is unwise—the enjoyment of passion could not be imagined, it was denied. The crowd despises everything ordinary, easy, small.

11 [58]

Above all, the question of doing good and harm stands: who is the Other, who is the other? In short, the recognition of the world! For what purpose to do good and harm—must first be decided! So far, all doing good and harm has been done in error, as if one knew what? and for what purpose? The estimation of goodwill still needs to be proven, especially the degree!

11 [59]

Not happiness, but the longest possible preservation is the content of all previous morality of the community and society (yes, at the expense of the happiness of all individuals). So also not utility. Who has the interest in preservation? The chiefs at the head of families, estates, etc., who want to live on in the continuation of their institutions, who drive their feeling of power into the distance. All old ones: whoever strongly feels their personally too short or still short life seeks to impress themselves into the soul and custom of the new generation and thus live on, continue to rule. It is vanity.— The individual against societal morality and apart from it—when the greatest danger for all has passed, individual trees can grow with their conditions of existence.

11 [60]

New perspective on the world in terms of intelligence and goodness. Is humanity an exception? Is the whole of their degree of intelligence and goodness of equal rank to that in nature? Yes.— But now we must understand the “purposefulness” and “intelligence” of nature—it is not there at all! Nor is the unselfishness! To conclude from there about humanity: perhaps our purposefulness is also just a sum of favorable coincidences, and our “goodness” likewise an error.

To try to understand our small script from the great script of nature!— We can specify a series of sequences that lead to a purpose—but 1) it is not the complete series, but a miserable selection 2) we cannot make any link in the series of our own free will, we only know more or less that it will be made. Where we are purposeful, we still act ignorantly about means and purpose, seen in the whole. We cannot get beyond this fatalism.

11 [61]

People have noticed with astonishment that some neglect their advantage (out of passion, or from taste): they were blind to the inner advantages of pride, mood, etc., and considered these people either 1) mad or 2) good, if indeed they derived an advantage from it—they now form the belief that actions are done solely to do them good. The glorification of such actions and people had the value of driving others to similar personally impractical actions. The egoism of those who need help and kindness has elevated the unegoistic so highly!

11 [62]

The Jesuits represented the Enlightenment and humanity against Pascal.

11 [63]

new practice.

To initially regard the other person as a thing, an object of knowledge, to which one must do justice: honesty forbids misjudging them, indeed treating them under any invented and superficial assumptions. Doing good is the same as moving a plant into the light to see it better—even doing harm can be a necessary means for nature to reveal itself. Not to treat everyone as a human being, but as a human being of such and such a kind: first perspective! As something that must be understood before it can be treated in this or that way. Morality with general rules does every individual an injustice.Or are there means of preparing knowledge that can be applied to every being first, as a preliminary stage of the experiment?— Just as we interact with things to understand them, so too with living beings, so with ourselves.— But before we have knowledge or after we realize that we cannot obtain it, how then should we act? And how, if we have recognized it?— Use them as forces for our goals—how else?Just as people have always done (even when they submitted: they advanced their advantage through the power of the one to whom they submitted)—our dealings with people must aim to discover the existing forces, those of nations, classes, etc.—then to harness these forces for the advantage of our goals (if necessary, letting them destroy each other if it is required).

New: the honesty denies the human, it does not want any moral general practice, it denies common goals. Humanity is the power set, for whose use and direction the individuals compete. It is a piece of dominion over nature: above all, nature must be recognized, then directed and used.— My goal would again be knowledge? a power set to put at the service of it?

11 [64]

According to my goals of assessing higher and lower qualities—treating all judgments as prejudices in this domain. It should be indifferent to me what is thought about chastity—if it is better for knowledge, then it will be recommended. All things should be examined for their value to cognition, e.g., art, political conditions, etc., commerce.

11 [65]

Task: to see things as they are! Means: to be able to see them from a hundred eyes, from many people! It was a wrong path to emphasize the impersonal and to designate seeing from the eye of the neighbor as moral. Many neighbors and seeing from many eyes and from purely personal eyes—that is the right thing. The “impersonal” is only the weakened-personal, the dull—can here and there also already be useful, where it is indeed about removing the clouding of passion from the eye. The branches of knowledge where weak personalities are useful are best cultivated (mathematics, etc.).The best ground of knowledge, the strong and powerful natures, are only conquered late for cognition (cultivated, etc.)— Here the driving forces are greatest: but complete confusion, wildness, and sprouting into weeds (religion and mysticism) is still the most probable (the “philosophers” are such powerful natures that are not yet cultivated for knowledge; they construct, tyrannize reality, impose themselves into it. Wherever love, hate, etc., are possible, science was still entirely wrong: here the “impersonal” have no eyes for the real phenomena, and the strong natures see only themselves and measure everything by themselves.— New beings must form.

11 [66]

“Seeking the truth for the sake of truth”—superficial! We do not want to be deceived; it offends our pride.

11 [67]

The harmfulness of “virtues” the usefulness of “vices” has never been seen in full breadth. Without fear and desire—what would man be! Without errors at all!

11 [68]

To what extent the sense of honesty can provoke the fantastic counterforce of nature! Do people really become more sober?— We comprehend only by a fantastic anticipation and by testing whether reality coincidentally matches the imagined picture; especially in history, etc. Thucydides and Tacitus must be poets. Even in the science of the simplest processes, imagination is necessary (e.g., Mayer)—but here the illusion can still arise that sobriety is productive!

11 [69]

The passion of knowledge sees itself as the purpose of existence—if it denies the purposes, it sees itself as the most valuable result of all coincidences. Will it deny the values? It cannot claim to be the highest enjoyment? But to seek it? To cultivate the most enjoyment-capable being as the means and task of this passion? To heighten the senses and the pride and the thirst, etc.

Descending a mountain, embracing the landscape with the eyes, an unquenched desire in the process.

The passionate lovers who cannot achieve union (—in Lucretius) The knower longs for union with things and sees himself separated—this is his passion. Either everything shall dissolve into knowledge, or he dissolves into things—this is his tragedy (the latter his death and its pathos. The former his striving to turn everything into spirit—: pleasure in overcoming, evaporating, violating the matter, etc. Pleasure in the atomism of mathematical points. Greed!

11 [70]

Fundamentally wrong valuation of the feeling world against the dead one. Because we are it! We belong to it! And yet, with sensation comes superficiality, deception: what do pain and pleasure have to do with the actual process!—it is a byproduct that does not penetrate the depths! But we call it the inner world, and we see the dead world as external—fundamentally wrong! The “dead” world! eternally in motion and without error, force against force! And in the feeling world, everything is false, conceited!It is a feast to pass from this world into the “dead world”—and the greatest desire of knowledge strives to hold up the eternal laws against this false, conceited world, where there is no pleasure, no pain, and no deception. Is this self-negation of sensation in the intellect? The meaning of truth is: to understand sensation as the external side of existence, as an oversight of being, an adventure. It lasts short enough for that! Let us see through this comedy and thus enjoy it! Let us not think of the return to the sensationless as a regression! We become entirely true, we complete ourselves. Death is to be reinterpreted! In this way, we reconcile with the real, i.e., with the dead world.

11 [71]

To the extent that the world reveals itself as countable and measurable, thus reliable—it gains dignity with us. Formerly, the unpredictable world (of spirits—of the spirit) had dignity; it inspired more fear. We, however, see eternal power entirely elsewhere. Our feeling about the world turns around: pessimism of the intellect.

11 [72]

Glorious discovery: not everything is incalculable, indeterminate! There are laws that remain true beyond the measure of the individual! A different result could have emerged!

The individual no longer as the eternal peculiarity and venerable! But as the most complicated fact in the world, the highest chance. We also believe in its lawfulness, even if we cannot yet see it.— Or? As withdrawn from recognizability, but a means of cognition, also an obstacle to cognition—not worthy of veneration, something dubious!

11 [73]

We can neither do without evil nor passions—the complete adaptation of everyone to everything and everyone in themselves (as with Spencer) is an error, it would be the deepest stunting.— The most beautiful, physically powerful predator has the strongest affects: its hatred and greed in this strength will be necessary for its health, and when satisfied, will develop it so magnificently. Even for cognition, I need all my drives, the good as well as the evil, and would quickly come to an end if I were not hostile, distrustful, cruel, treacherous, vengeful, and dissembling, etc.wanted to be. All great people were great through the strength of their affects. Even health is worth nothing if it cannot withstand great affects, indeed if it does not need them. Great affects concentrate and keep the strength in tension. Certainly, they are often the cause of one's downfall—but this is no argument against their useful effects on the whole.— Our morality, however, wants the opposite, amiable and creditworthy payers and borrowers.

11 [74]

The harm of virtues has not yet been proven!

11 [75]

We can only comprehend intellectual processes: thus, in matter, that which becomes visible audible tangible—can become! i.e., we comprehend our changes in seeing, hearing, feeling, which arise in the process. What we have no senses for does not exist for us—but that does not mean the world has to end. Electricity—e.g., our sense is very weakly developed.—Even in a passion, a drive, we comprehend only the intellectual process involved—not the physiological, essential part, but the bit of sensation that comes with it. To dissolve everything into will—very naive distortion!—then indeed everything would be more understandable! But that has always been the tendency, to reduce everything to an intellectual or sensory process—e.g., to purposes, etc.

11 [76]

Change in valuation—is my task.

The body and the spirit
passion
evil
the community—morality
life and death
conscience punishment sin
praise and blame
purposes will
indifference
life as aberration.

11 [77]

The human being as the animal gone mad: lives in sheer delusion, up to now, more than anyone has ever suspected. Thus I found him.

11 [78]

The aesthetic judgments (taste, displeasure, disgust, etc.) are what constitute the basis of the table of goods. This, in turn, is the basis of moral judgments.

11 [79]

The beautiful, the disgusting, etc., is the older judgment. As soon as it claims absolute truth, the aesthetic judgment turns into the moral demand.



As soon as we deny absolute truth, we must abandon all absolute demands and retreat to aesthetic judgments. This is the task—to create a multitude of aesthetic, equally valid evaluations: each, for an individual, the ultimate fact and the measure of things.



Reduction of morality to aesthetics!!!

11 [80]

Knowledge has the value 1) to refute the "absolute knowledge" 2) to discover the objective countable world of necessary succession.

11 [81]

There is for us no cause and effect, but only consequences ("triggers") NB.

11 [82]

1.

The wise must acquire the monopoly of the money market: elevated above it through their way of life and goals, and giving direction to wealth—it is absolutely necessary that the highest intelligence guide it.

2.

Marriage. Most of our wives are too highly positioned.— Sexual gratification should never be the goal of marriage.— A working population needs good brothels.— Temporary marriages.

3.

Suicide as the customary manner of death: a new pride of man, who sets his own end and invents a new celebration—departure.

11 [83]

The science of 1650-1800 wanted to prove the wisdom and goodness of God: the opposite was the result. Now one is tempted to concede to a remnant of God, a defective intellect, cunning and evil detours to the good, etc. But 1) there are completely different degrees of unreason 2) and likewise of goodness: it would be a being without character. Why assume such a being?— The world is neither good nor evil! And man as well! —

11 [84]

Our entire world is the ash of countless living beings: and even if the living is so little compared to the whole: so everything has already been transformed into life once, and so it continues. Let us assume an eternal duration, consequently an eternal change of substances —

11 [85]

Researchers like Lecky can never explain the decline of an opinion after its greatest dominance. The opinions (based on taste) are great diseases spanning many generations, physiologically healing and dying out in the end—and the opinions themselves are merely the expression of a physiological process that we know. There are individual and supra-individual diseases. One must study the people in whom the counter-opinion or skepticism emerges: a new physiological trait is present in them, likely the seed of a different disease.— Humans as the mad animals.

11 [86]

The fact about witchcraft is that enormous masses of people at that time felt the desire to harm others and to think harmfully, likewise to indulge sensually in thoughts and to feel powerful in evil and the most vile. Where does that come from?—is the question.

11 [87]

Those people with the virtue of inflexibility, self-overcoming, heroism show in their callous, hard, and cruelly excessive thinking and acting toward others where this virtue has its foundation. They act against others as they act against themselves—but because the latter seems useful and rare to people, hence worthy of veneration, while the former is very painful, they are divided into good and evil halves! Ultimately, this callous hardness has probably been very useful to humanity on a large scale; it upheld views and endeavors and gave entire peoples and eras precisely those virtues of inflexibility, self-overcoming, heroism, making them great, strong, and dominant.

11 [88]

I must not only abandon the doctrine of sin, but also that of merit (virtue). As in nature—there remain the aesthetic judgments! “disgusting, ordinary, rare, attractive, harmonious, harsh, garish, contradictory, tormenting, enchanting,” etc. But these judgments must be placed on a scientific basis! “rare” what is truly rare. Much that is “ordinary” as highly valuable, more than the rare, etc.

11 [89]

The desire to cause pain, the pleasure in cruelty—has a great history. The Christians in their behavior toward the pagans; peoples against their neighbors and enemies; philosophers against those of different opinions; all freethinkers; the daily journalists; all those who live differently, like the saints. Almost all writers. Even in works of art there are such traits that reveal the intention toward rivals. Or as with Heinrich von Kleist, who with his imagination wants to do violence to the reader; also Shakespeare.—Likewise all laughter, and comedy.

Likewise the pleasure in deception: great history. —

Is man therefore evil?

11 [90]

The people of the Middle Ages, the unyielding ones, would despise us, we are beneath their taste.

11 [91]

A great step in cruelty, to be satisfied with mental rather than physical torments and even with the imagining of these torments and not-wanting-to-see-any-more.

11 [92]

The witches wanted to see the damage sehen, the Christian persecutors and inquisitors also, also God before hell. This the influence of the barbarians (Germans) on Europe—a regression. The slaves brought humility and the barbarians brought cruelty into Christianity.

11 [93]

We constantly feel a great deal and think a great deal (remember, imagine) that does not come to consciousness. It is of lesser and weaker quality, and that suffices.

11 [94]

To the moral believers.

Deus nudus est,
Seneca
.

11 [95]

Deus nudus est says Seneca. I fear he is entirely clothed. And more: Clothes make not only men, but also gods.

11 [96]

Do you think a Greek, to whom one describes our culture, would admire or find it desirable? Or even a savage? Every state has its ideal within itself: a completely different one is always a kind of contradiction to this ideal and therefore painful and contemptible. By what should the concept of "progress of culture" be measured? Everyone thinks they are at the peak and that their ideal is the ideal of humanity.

The history of these tastes in ideals!— Also missing from every ideal is what gives another ideal its value, its palatability for its admirers. Well, is there then a progress of the kitchen? Yes, within individual circles, peoples, cities, families, the ideal develops.— The free individual has their private taste, they must be very strong, otherwise it will be a little craving and nothing more, in relation to family and national taste,.

11 [97]

The emergence of many free individuals among the Greeks: marriage not for the sake of lust. Practice and training in the art of coi. Boy-love as a diversion from the veneration and pampering of women—and thus prevention of the over-nervousness and weakness of women. Competition and the approval of envy. The simple way of life. The slaves and the taxation of labor. Religion not a moral preacher, thus leaving morals free, on the whole. The killing of the embryo; elimination of the fruits of unfortunate coitus. etc.

11 [98]

From every moment in the state of a being, countless paths of its development are open: the dominant drive, however, calls only one good, the one according to its ideal. Thus, Spencer's image of the future of humanity is not a scientific necessity, but a wish derived from current ideals.

11 [99]

What is tolerance! And recognition of foreign ideals! Whoever deeply and strongly promotes his own ideal, can not believe in others without judging them disparagingly—ideals of inferior beings to what he is. The absolute height of our standard is precisely the belief in the ideal.— Thus, tolerance, historical sense, so-called justice are proof of distrust in one's own ideal, or the lack thereof. What, then, is scientific sense?Perhaps the longing for an ideal and the belief that here one has the path to the Absolute, to the irrefutable ideal: thus under the presupposition that one has no ideal and suffers from it!— For many, it may be revenge for not having an ideal, by destroying others. There is an act (as with Bacon) as if one had an ideal. “Truth for its own sake” is a phrase, something utterly impossible, like the love of one’s neighbor for his own sake.

11 [100]

History of cruelty; of deception; of lust for murder (the latter in killing off opinions, passing judgment on works, persons, peoples, the past—the judge is a sublimated executioner).

11 [101]

I see in what one age feels as evil that which contradicts its ideal, thus an atavism of the former good: e.g., a coarser kind of cruelty or murderousness than is tolerated today. At some point, the action of every criminal was a virtue. But now he himself feels it with the conscience of the time—he interprets it as evil. Everything or most of what people do and think, to interpret as evil, happens when the ideal does not correspond at all to human nature (Christianity): thus everything becomes original sin, while it is actually inherited virtue.

11 [102]

Unfortunate one! You have now also seen through the life of the solitary, free one: and again, as before, you have closed the path to it through your very recognition.

I want to order everything that I deny, and sing the whole song: there is no retribution, no wisdom, no goodness, no purposes, no will: to act, you must believe in errors; and you will still act according to these errors, even when you have seen through them as errors.

11 [103]

What is morality! A person, a people has undergone a physiological change, feels this in the common feeling and interprets it in the language of his affects and according to the degree of his knowledge, without noticing that the seat of the change is in the physique. As if someone is hungry and thinks to appease it with concepts and customs, with praise and blame!

11 [104]

Politeness is a refined benevolence because it acknowledges the distance and makes it feel pleasant, which the coarse intellect either resents or fails to see.

11 [105]

In the most praised actions and characters, murder, theft, cruelty, and deception are necessary elements of strength. In the most despised actions and characters, there is love (appreciation and overestimation of something whose possession one desires) and goodwill (appreciation of something one possesses and wishes to preserve).

Love and cruelty are not opposites: they are always found together in the best and strongest natures.

(The Christian God—a very wise and morally unbiased person!) People do not see the small sublimated doses and deny them: they deny, for example, the cruelty in the thinker, the love in the robber. Or they have good names for *everything* that emerges in a being that satisfies their *taste*. The “child” displays all qualities shamelessly, like the plant its sexual organs—both know nothing of praise or blame. Education is learning to rename or learning to feel differently.

11 [106]

“Useful-harmful”! “Utilitarian”! This chatter is based on the prejudice as if it were settled where the human being (or also animal plant) should develop to. As if not a thousand developments from every point were possible! As if the decision, which is the best highest, were not a pure matter of taste! (A measuring against an ideal, which does not have to be that of another time, of another person!)

11 [107]

How valuable it is that humans have learned to experience so much joy at the sight or feeling of pain! Even through the extent of schadenfreude, humans have elevated themselves! (Joy even in one's own pain—motif in many moral systems and religions.)

11 [108]

There is no self-preservation instinct!

11 [109]

These preachers of tolerance! They always exclude a couple of dogmas ("fundamental truths")! They differ from the persecutors only in their opinion about what is necessary for salvation.

It would be nice to adhere to reason if there were one reason! But the tolerant must make themselves dependent on their reason, on its weakness! Moreover: in the end, it is not even this that lends its ear to proofs and refutations and decides. It is inclinations and aversions of taste. The persecutors were certainly no less logical than the freethinkers.

11 [110]

Indifference! A thing does not concern us, we may think about it as we please, it yields no benefit or harm to us—that is a foundation of the scientific spirit. The number of such things has always increased; the world has become ever more indifferent—thus impartial knowledge grew, which gradually became a taste and finally a passion becomes.

11 [111]

Paracelsus' mirabilia. Retold by F. N.— Of all the wondrous things—I was told by Paracelsus—that I have ever seen or heard, one is the most astonishing, and I must not only have a courageous heart like a lion but also the innocent patience of a lamb to recount it exactly as it happened. For suppose it had been the deception of a spirit ill-disposed toward me, then there was never a greater temptation for me: and if what appeared to me spoke the truth—

11 [112]

The essence of every action is as unpalatable to man as the essential of every food: he would rather starve than eat it, so strong is his disgust usually. He needs spices, we must be seduced into all foods: and so also into all actions. The taste and its relation to hunger, and the latter's relation to the organism's need! Moral judgments are the spices. But taste is regarded here as elsewhere as what decides the value of food, value of action: the greatest error!

How does taste change? When does it become sluggish and unfree?

When is he tyrannical?—And likewise with judgments about good and evil; a physiological fact is the basis of every change in moral taste; but this physiological change is not something that necessarily demanded what was Useful to the organism at any given time. Rather, the History of Taste is a history of its own, and just as much are degenerations of the whole as progress the consequences of this taste. Healthy taste, sick taste—these are false distinctions—there are countless possibilities of development: what leads to one each time is healthy: but it can contradict another development.Only in relation to an ideal that is to be achieved does "healthy" and "sick" make sense. But the ideal is always highly changeable, even in the individual (that of the child and the man!)—and the knowledge of what is necessary to achieve it is almost entirely lacking.

We follow our taste and call it by the most sublime words, as duty and virtue and sacrifice. We do not recognize the useful, indeed we despise it, just as we despise the interior of the body; everything is only tolerable to us if it hides itself in a smooth skin.

11 [113]

As for taste, it was incidentally determined whether a remedy was lethal, whether it was satiating, etc.—not how it affected over time (across generations). Nor did one know how unevenly the body was sustained and how these strong fluctuations affected it. The depression resulting from poor nutrition or digestion determines the ideal.

11 [114]

The consecration has been given to greed, gluttony, lust, cruelty, deceit, lies, weakness, madness, St. Vitus' dance, drunkenness, sentimentality, laziness, ignorance, having nothing, mental emptiness, schadenfreude, fear—all opposing qualities that have ever produced taste and irresistible inclination somewhere (each time one blasphemed and was disgusted by the opposite and called it evil or low)

11 [115]

In benevolence there is refined possessiveness, refined sexual desire, refined exuberance of security, etc.

As soon as the refinement is there, the earlier stage is no longer felt as a stage, but as an opposite. It is easier to think in opposites than in degrees.



No matter how complicated a drive may be, once it has a name, it is considered a unity and tyrannizes all thinkers who seek its definition.

11 [116]

Let us not be slaves to pleasure and pain, even in science! Painlessness, yes, pleasure does not prove health—and pain is no proof against health (but only a strong stimulus).

11 [117]

Moral judgments are epidemics that have their time.

11 [118]

A slave class is forming; let us see to it that a nobility also forms.

11 [119]

“Science” supposedly based on the love of truth for its own sake! Supposedly in the pure silence of the “will”! In truth, all our drives are active, but in a special, quasi-state-like order and adaptation to one another, so that their result does not become a phantasm: one drive stimulates another, each fantasizes and wants to enforce its kind of error: but each of these errors immediately becomes the handle for another drive (e.g., contradiction, analysis, etc.).With all the many phantasms, one finally almost necessarily guesses reality and truth; one sets up so many images that eventually one hits. It is like shooting from many, many guns at one animal; a great game of dice, often not played by one person, but by many, across generations: where then one scholar also only carries out one phantasm, and if it is nullified by another, the number of possibilities (in which the truth must lie) has decreased—a success! It is a hunt.The more individuals one has within oneself, the more likely one is to find a truth—then the struggle is within him: and all his forces he must place at the disposal of one phantasm and later again at another opposing one: he must have great momentum, great aversion to monotony, much and sudden disgust.— Those natures who only compare what others have already phantasized need above all coldness: these speak ofthe “coldness of science,” it is the unproductive, an important class of people, since they establish the exchange between the producers, a kind of merchants, they assess the value of the products. Also this ability can, in one person who is otherwise productive, still be present in the end. But also still an important ability: to have enjoyment in all the rejected fantasies, the spectacle of their struggle, etc.—to see nature in it.

11 [120]

I need all my bile for science. —

11 [121]

Continuously, Chaos still works within our minds: concepts, images, sensations are brought randomly side by side, shuffled together. In the process, adjacencies arise where the mind hesitates: it recalls the similar, it senses a flavor, it pauses and works on both, depending on its art and knowledge.— Here is the last little piece of the world where something new is combined, at least as far as the human eye can see. And ultimately, it will fundamentally also be a new, finest chemical combination that truly has no equal in the becoming of the world.

11 [122]

All the animal-human drives have proven themselves over an infinite period of time; if they were harmful to the preservation of the species, they would have perished: thus, they may still be harmful and painful to the individual—but the species' purposefulness is the principle of the preserving force. To eradicate those drives and passions is, first, impossible for the individual—he consists of them, just as, in the structure and movement of the organism, the same drives likely operate; and second, it would mean: suicide of the species. The conflict of these drives is as necessary as all struggle: for suffering is as irrelevant to the preservation of the species as the perishing of countless individuals.

It is not the most reasonable and direct means of preservation that are conceivable, but the only real ones.— In the individual case, the drives are often haphazardly combined in a purposeless way, and then the individual perishes; on the whole, the result is the preservation of the species.— Praising and blaming them, the temporary taste for this or that, is a fairly superficial phenomenon, dependent on the consciousness of “useful” and “harmful”—which is very unscientific!— For this reason, the despised drives were still active, under different names or unnoticed. It does not depend all that much on the ethics that have prevailed!

11 [123]

Where do these changes in taste in morality come from? Does it go deep? Like the loss of appetite in nutrition, like the feeling of disgust and unpleasantness with decay, smoke, etc.? Is it that for a state (of a people, humans) their taste stands in proportion to the purposeful? Or at least to what is believed to be purposeful?— Does it express “this is what I need now, that is what I do not need?”— Or are they changing habits, like the taste for food, brought about by the easier satisfaction available in this or that, so that habit creates stimulus and desire, and the opposite and foreign is perceived as the opposite? Or both?

11 [124]

When a drive becomes intellectual, it acquires a new name, a new stimulus, and a new valuation. It is often contrasted with the drive at its older stage, as if it were its opposite (cruelty, for example)—Some drives, e.g., the sexual drive, are capable of great refinements through the intellect (love of mankind, adoration of Mary and the saints, artistic enthusiasm; Plato believes that the love of knowledge and philosophy is a sublimated sexual drive) alongside this, its old direct effect remains.

11 [125]

To be redeemed from life and to become dead nature again can be experienced as a celebration—by those who wish to die. To love nature! To revere the dead again! It is not the opposite, but the mother's womb, the rule, which makes more sense than the exception: for unreason and pain exist only in the so-called "purposeful" world, in the living.

11 [126]

The strongest individuals will be those who resist the laws of the species and do not perish in the process, the individuals. From them, the new nobility is formed: but countless individuals must perish in its creation! Because they alone lose the preserving legality and the accustomed air.

11 [127]

Strange activity of the intellect! In the sexual drive, one person desires another as the means to get rid of the seed or to fertilize the egg. This is precisely what the intellect does not know: it asks: why this desire? it considers what makes a person desirable and says now: that person must have all these desirable qualities!—thus it concludes and believes in it as firmly as we believe in the dream image in a dream. Believing in its conclusions is characteristic. In all affects, the intellect is as animalistic-primitive as in dreams.— To demonstrate these animalistic conclusions for all affects.— What is skepticism? When and in what state does the intellect become so refined, so mistrustful of its conclusions? so little dreamlike?

11 [128]

Now one has rediscovered the struggle everywhere and speaks of the struggle of cells, tissues, organs, organisms. But one can find all the affects we are conscious of in them—finally, when this has happened, we turn the matter around and say: what really takes place in the activity of our human affects are those physiological movements, and the affects (struggles, etc.) are only intellectual interpretations, where the intellect knows nothing at all, but still believes it knows everything.

With the word “anger” “love” “hatred” he means to have designated the Why?, the ground of the movement; likewise with the word “will” etc.— Our natural science is now on the way to making the smallest processes clear through our trained affective feelings, in short, to creating a way of speaking for those processes: very good! But it remains a figurative speech.

11 [129]

Ability to listen intelligently!

11 [130]

Our drives and passions have been cultivated over immense periods of time in social and sexual unions (previously in ape herds): thus, as social drives and passions, they are stronger than as individual ones, even now. One hates more, more suddenly, more innocently (innocence is inherent in the oldest inherited feelings) as a patriot than as an individual; one sacrifices oneself more quickly for the family than for oneself: or for a church, a party. Honor is the strongest feeling for many, i.e., their estimation of themselves is subordinated to the estimation of others and seeks its sanction from there.— This non-individual egoism is the older, more original; hence so much subordination, piety (as with the Chinese), thoughtlessness about one's own being and well-being, the well-being of the group lies closer to our hearts.

Hence the ease of wars: here man reverts to his older nature.— The cell is initially more a member than an individual; the individual becomes in the course of development ever more complicated, ever more a group of members, a society. The free man is a state and a society of individuals.— The development of herd animals and social plants is entirely different from that of solitary ones.— Solitary men, if they do not perish, develop into societies, a multitude of work areas is developed, and much struggle of drives for food, space, time also. Self-regulation is not present all at once.Yes, on the whole, man is a being who necessarily perishes because he has not yet attained it. We all die too young from a thousand errors and ignorances of practice.— The freest man has the greatest feeling of power over himself, the greatest knowledge of himself, the greatest order in the necessary struggle of his forces, the relatively greatest independence of his individual forces, the relatively greatest struggle within himself, he is the most discordant being and the most changeable and the most long-lived and the most abundantly desiring, nourishing, the most excreting and renewing of himself.

11 [131]

A movement occurs 1) through a direct stimulus, e.g., in the frog, whose cerebral hemispheres have been removed and which lacks the automatic response, 2) through the imagination of the movement, through the image of the process within us. This is a highly superficial image—what does a person know about chewing when they imagine chewing!—but countless times the image of the process has followed the process triggered by stimuli in the eye and brain, and finally a bond is formed, so strong that the reversed process occurs: as soon as that image arises, the corresponding movement arises, the image serves as the triggering stimulus.

For a stimulus to truly act as a trigger, it must be stronger than the counter-stimulus, which is always present, e.g., the pleasure of rest and inertia must be overcome.

So the image of an event does not always act as a triggering stimulus because a real counter-stimulus is present, which is stronger. We refer to this as “wanting-and-not-being-able”—the counter-stimulus is often not in our consciousness, but we notice a resisting force that deprives the stimulus of the image no matter how clear it may be of its power. There is a struggle, even though we do not know who is fighting. Will that leads to action occurs when the resisting stimulus is weaker—we always sense something of a resistance, and this gives, misinterpreted, that secondary feeling of victory when the desired outcome succeeds.In this false interpretation, we find the origin of the belief in free will. “We” are not the ones who bring our idea to victory—rather, it prevails because the opposing stimulus is weaker. But the fact that the mechanism unfolds has nothing to do with our arbitrary will—we do not even know it! How could we even “will” it! What, for example, is the extension of our arm to our consciousness!!

11 [132]

The reason! Without knowledge it is something quite foolish, even among the greatest philosophers. How Spinoza fantasizes about reason! A fundamental error is the belief in harmony and the absence of struggle—this would be death itself! Where there is life, there is a cooperative formation, where the associates compete for food and space, where the weaker ones submit, live shorter lives, have fewer offspring: diversity reigns in the smallest things, sperm cells eggs—the equality is, a great delusion.Countless beings perish in the struggle—some rare cases survive.—Has reason, with its delusion of knowing everything, of knowing the body, of "willing," preserved more than it has destroyed in the whole? Centralization is by no means so perfect—and the delusion of reason, to be this center, is certainly the greatest flaw in this perfection.

11 [133]

We can only “want” what we have seen—thus, only since the development of the eye are there representations in memory, and these, when they stimulate strongly enough, are then followed by actions. Previously, afferent stimuli are necessary to produce actions.

11 [134]

If we translate the properties of the lowest living being into our "reason," then moral drives emerge from it. Such a being assimilates what is nearest, transforms it into its property (property is first food and the storage of food), it seeks to incorporate as much as possible, not only to compensate for loss—it is greedy. Thus it grows alone and finally becomes reproductive—it divides itself into 2 beings. Unlimited drive for appropriation is followed by growth and generation.— This drive leads it to exploit the weaker, and to compete with similarly strong ones, it fights, i.e., it hates, fears, deceives. Already assimilation is: making something foreign equal to oneself, tyrannizing—cruelty.

It submits, it transforms itself into function and renounces almost entirely many original powers and freedoms, and thus continues to live—slavery is necessary for the formation of a higher organism, as is caste. The desire for “honor” is—wanting one’s function to be recognized. Obedience is compulsion, a condition of life, ultimately a stimulus to life.—Whoever has the most power to degrade others to function rules—the subjugated, in turn, have their own subjugated—their continual struggles: the maintenance of these to a certain degree is a condition of life for the whole.

The whole, in turn, seeks its advantage and finds opponents.— If everyone wanted to take their place with "reason" and not constantly exert as much strength and hostility as they need to live—then the driving force in the whole would be lacking: functions of similar degree struggle, there must constantly be attention given, every slackness is exploited, the opponent watches.— An association must strive to become overabundant (overpopulation) in order to produce a new one (colonies), in order to split into 2 independent beings.Means that give the organism duration, without the goal of reproduction, destroy it, are unnatural—just as the clever “nations” of Europe do now.— Continuously, every body expels, it secretes what is not useful to it from the assimilated beings: what man despises, what he finds disgusting, what he calls evil, are the excrements. But his ignorant “reason” often labels as evil what he needs, what is inconvenient, the other, the enemy, he confuses the useless with the difficult-to-acquire, the difficult-to-conquer, the difficult-to-incorporate.When he “communicates” to others, he is “selfless”—but this may only be the expulsion of his useless feces, which he must remove from himself to avoid suffering. He knows that this manure benefits the foreign field and makes a virtue of his “generosity.”—“Love” is a feeling for property or that which we wish to possess.

11 [135]

“Effect.” The stimulus that one exerts, the impulse that one gives, by which others release their forces (e.g., the founder of a religion) has usually been confused with the effect: one concludes from great releases of force to great “causes.” Wrong! It can be insignificant stimuli and people: but the force was accumulated and lay ready to explode!— Look at world history!

11 [136]

If a researcher arrives at extraordinary results (like Mayer), this is still no proof of extraordinary power: by chance his talent became active at the point where the discovery was prepared. Had chance made Mayer a philologist, he would have achieved something notable with the same keen insight, but nothing for which he would be hailed as a "genius."— It is not the results that prove the great recognizer: nor even the method, since at any time different teachings and claims exist about it. Rather, the quantity, especially of the dissimilar, the mastery of large masses and the unifying, the viewing with a new eye—of the old, etc.—

11 [137]

Moses Mendelssohn, this archangel of precocious wisdom, thought that regarding purposes, Spinoza would not have been so foolish as to deny them! —

11 [138]

Our memory is based on seeing things as similar and treating them as such: thus on seeing them imprecisely; it is originally of the greatest crudeness and regards almost everything as the same.— That our ideas act as triggering stimuli comes from the fact that we always represent and perceive many ideas as the same, thus based on the crude memory, which sees things as the same, and the imagination, which out of laziness invents the same what is in truth different.— The idea of the movement of the foot is highly different from the movement that follows!

11 [139]

In the smallest organism, energy is constantly forming and must then be released: either on its own when there is abundance, or an external stimulus arrives. Where does the energy turn? certainly toward the familiar: thus where the stimuli guide, the spontaneous release will also move. The more frequent stimuli educate also the direction of the spontaneous release.

11 [140]

Oh the false opposites! War and peace! Reason and passion! Subject object! Such things do not exist!

11 [141]

The Return of the Same.
Draft.

Infinite importance of our knowledge, our errors, our habits, our ways of life for everything to come. What do we do with the remainder of our lives—we who have spent the greatest part of it in the most essential ignorance? We teach the doctrine—it is the strongest means of incorporating it into ourselves. Our kind of bliss, as teachers of the greatest doctrine.
1. The incorporation of fundamental errors.
2. The incorporation of passions.
3. The incorporation of knowledge and renouncing knowledge. (Passion of knowledge)
4. The Innocent. The individual as an experiment. The alleviation of life, degradation, weakening—transition.
5. The new weight: the eternal return of the same.

Early August 1881 in Sils-Maria,
6000 feet above the sea and much higher above all
human things! —

On 4) Philosophy of Indifference.What once most strongly excited now has a completely different effect, it is only regarded and accepted as a game (the passions and works) as a life in the untrue fundamentally rejected, but as form and stimulus aesthetically enjoyed and cultivated, we position ourselves like children toward what once constituted the seriousness of existence.Our striving for earnestness is to understand everything as becoming, to deny ourselves as individuals, to see the world through as many eyes as possible, to live in drives and occupations, in order to thereby make eyes for ourselves, to temporarily surrender to life, and then to temporarily rest above it with the eye: the drives sustain as the foundation of all knowing, but knowing where they become opponents of knowing: in summa to wait and see how far knowledge and truth can be incorporated—and to what extent a transformation of man occurs when he finally lives only to know.— This is the consequence of the passion for knowledge: there is no means for its existence other than to preserve the sources and powers of knowledge, the errors and sufferings as well, from whoseStruggles take their preserving power.—How will this life appear in terms of its sum of well-being? A children's game, upon which the eye of the wise gazes, having power over this and that state—and death, if such a thing is not possible.—Now comes the heaviest realization and makes all kinds of life terribly thoughtful: an absolute surplus of pleasure must be demonstrated, otherwise the annihilation of ourselves, with regard to humanity, must be chosen as a means of annihilating humanity. Already this: we must place the past, ours and that of all humanity, on the scales and also outweigh it—no!this piece of human history is and must eternally repeat itself, that we can leave out of the equation, we have no influence over it: even if it weighs on our sympathy and turns us against life in general. To avoid being overwhelmed by it, our pity must not be great. Indifference must have taken deep root in us, and so must the pleasure in contemplation. Even the misery of future humanity should not concern us. But whether we still want to live is the question: and how!



To consider: the various sublime states I have experienced as the foundations of the different chapters and their subjects—as regulators of the expression, delivery, and pathos prevailing in each chapter—thus obtaining a depiction of my ideal, as it were, through addition. And then higher still!

11 [142]

Do I speak as one to whom it has been revealed? Then despise me and do not listen to me.— Are you still those who need gods? Has your reason not yet become disgusted with being fed so cheaply and poorly?

11 [143]

“But if everything is necessary, what can I decide about my actions?” The thought and belief is a heavy weight that presses on you alongside all other weights and more than they do. You say that food, place, air, society change and determine you? Well, your opinions do so even more, for they determine you to this food, place, air, society.— If you incorporate the thought of thoughts, it will transform you. The question for everything you want to do: “is it such that I will want to do it countless times?” is the greatest heavy weight.

11 [144]

It would be terrible if we still believed in sin: but whatever we do, in countless repetition, it is innocent. If the thought of the eternal recurrence of all things does not overwhelm you, it is no guilt: and it is no merit if it does.— We think more kindly of all our ancestors than they themselves thought, we mourn their ingrained errors, not their evil.

1. The most powerful knowledge.
2. Opinions and errors transform the human being and give them drives—or: the incorporated errors.
3. Necessity and innocence.
4. The play of life.

11 [145]

The new education must prevent people from succumbing to an exclusive inclination and becoming an organ, counter to the natural tendency toward division of labor. It should create ruling, overseeing beings who observe the play of life and participate in it, now here, now there, without being too violently drawn in. Ultimately, power must fall to them; it is entrusted to them because they do not make an intense, exclusively single-minded use of it. First, money is placed in their hands for the purpose of education (the first educators must educate themselves!), then because money is safest in their hands (elsewhere it is spent on overly intense one-sided tendencies). Thus, a new ruling caste is formed.

11 [146]

The aversion to life is rare. We preserve ourselves in it and, in the end and in difficult situations, are content with it, not out of fear of worse, not out of hope for better, not out of habit (the boredom would be) not because of the occasional pleasure—but because of the variety and because fundamentally nothing is a repetition, yet it reminds us of what has been experienced. The allure of the new and yet echoing the old taste—like music with much ugliness.

11 [147]

A new teaching reaches its best representatives last of all, the old-established and secure natures, because in them the earlier thoughts have grown together with the fertility of a primeval forest and are impenetrable. The weaker, emptier, sicker, needier ones are those who take up the new infection—the first followers prove nothing against a teaching. I believe the first Christians were the most unbearable people with their “virtues.”

11 [148]

The world of forces suffers no diminution: for otherwise it would have become weak in infinite time and perished. The world of forces suffers no standstill: for otherwise it would have been reached, and the clock of existence would stand still. The world of forces thus never comes into equilibrium, it has never a moment of rest, its force and its motion are equally great for every time. Whatever state this world can attain, it must have attained it, and not once, but innumerable times. So this moment: it was already here once and many times and will return likewise, all forces distributed exactly as now: and the same holds for the moment that gave birth to this one and for the one that is the child of the present.Man! Your entire life will be turned over again and again like an hourglass and run out again—a great minute of time in between, until all the conditions from which you have become, in the cycle of the world, come together again. And then you will find every pain and every pleasure and every friend and enemy and every hope and every error and every blade of grass and every sunbeam again, the whole context of all things. This ring, in which you are a grain, shines again and again. And in every ring of human existence, there is always an hour when first one, then many, then all are visited by the most powerful thought, of the eternal recurrence of all things—it is always for humanity the hour of noon.

11 [149]

Even the chemical qualities flow and change: however immense the period may be, the current formula of a composition is refuted by success. For the time being, the formulas are true: for they are rough; what is 9 parts oxygen to 11 parts hydrogen! This 9:11 is ultimately impossible to make exactly, there is always an error in realization, consequently a certain range within which the experiment succeeds.

But also within the same is the eternal change, the eternal flux of all things; in no moment is oxygen exactly the same as in the previous one, but something new: even if this novelty is too subtle for all measurements, indeed the entire development of all these novelties during the duration of the human race may still not be great enough to refute the formula.— There are as few forms as there are qualities.

11 [150]

We cannot conceive of becoming other than as the transition from one persistent “dead” state to another persistent “dead” state. Ah, we call the “dead” the motionless! As if there were anything motionless! The living is not the opposite of the dead, but a special case.

11 [151]

Our assumption that there are bodies, surfaces, lines, forms is only the consequence of our assumption that there are substances and things, something enduring. As certain as our concepts are fictions, so are the shapes of mathematics. Such things do not exist—we can no more realize a surface, a circle, a line than a concept. The entire infinity always lies as reality and obstacle between 2 points.

11 [152]

If not all possibilities in the order and relation of forces had already been exhausted, then no infinity would have passed. But since this must be so, there is no new possibility left, and everything must already have existed, countless times.

11 [153]

Our intellect is not designed to comprehend becoming; it strives to prove universal rigidity, thanks to its origin from images. All philosophers have aimed to prove eternal persistence, because the intellect senses its own form and effect therein.

11 [154]

Nothing is congruent in reality, for there are no surfaces there.

11 [155]

Our senses never show us a side-by-side but always a one-after-the-other. Space and the human laws of space presuppose the reality of images, forms, substances, and their permanence, i.e., our space applies to an imaginary world. Of the space that belongs to the eternal flow of things, we know nothing.

11 [156]

In essence, science aims to determine how humankind—not the individual—relates to all things and to itself, thus excluding the idiosyncrasies of individuals and groups and establishing the persistent relationship. Not truth, but humankind is recognized, and indeed across all times in which it exists. That is, a phantom is constructed, and everyone continually works to find that upon which one must agree, because it is essential to human nature.

In the process, one learned that countless things were not essential, as had long been believed, and that the determination of the essential proved nothing about reality except that the existence of humanity had hitherto depended on belief in this "reality" (such as the body's permanence of substance, etc.). Science thus merely continues the process that has constituted the essence of the species, making belief in certain things endemic and causing non-believers to be excluded and perish. The achieved similarity of sensation (regarding space, or the sense of time, or the sense of large and small) has become a condition of the species' existence, but it has nothing to do with truth. The "madman" and idiosyncrasy do not prove the untruth of an idea, but rather its abnormality; one cannot live with it as a mass.It is the mass instinct that also prevails in knowledge: its conditions of existence it always wants to recognize better, in order to live longer. Uniformity of sensation, once striven for by society and religion, is now striven for by science: the normal taste is established in all things, knowledge, resting on the belief in the enduring, serves the coarser forms of endurance (mass, people, humanity) and wants to exclude and kill the finer forms, the idiosyncratic taste—it works against individualization, the taste that is a condition of life for only One.— The species is the coarser error, the individual the finer error, it comes later.It fights for its existence, for its new taste, for its relatively unique stance on all things—it considers this better than the common taste and despises it. It wants to rule. But then it discovers that it itself is something changing and has a changing taste; with its refinement, it stumbles upon the secret that there is no individual, that in the smallest moment it is something different than in the next, and that its conditions of existence are those of an infinite number of individuals: the infinitely small moment is the higher reality and truth, a flash image from the eternal flux. Thus it learns: how all enjoying knowledge is based on the crude error of the species, the finer errors of the individual, and the finest error of the creative moment.

11 [157]

Let us beware of attributing any striving, any goal to this cycle: or of assessing it according to our needs as boring, stupid, etc. Certainly, the highest degree of unreason occurs in it just as well as its opposite: but it is not to be measured by that; reason and unreason are not predicates for the All.— Let us beware of thinking the law of this circle as become, according to the false analogy of circular motion within the ring: there was not first a chaos and then gradually a more harmonious and finally a fixed circular motion of all forces; rather, everything is eternal, unbecome: if there was a chaos of forces, then that chaos was also eternal and returned in every ring.The cycle is not something become, it is the primordial law, just as the quantity of force is primordial law, without exception or transgression. All becoming is within the cycle and the quantity of force; therefore, do not use false analogy to apply the emerging and passing cycles, e.g., of the stars or ebb and flood, day and night, seasons, to characterize the eternal cycle.

11 [158]

Let us beware of teaching such a doctrine as if it were a sudden religion! It must seep in slowly, whole generations must build upon it and become fruitful,—so that it may become a great tree that overshadows all future humanity. What are the couple of millennia in which Christianity has endured! For the most powerful thought, many millennia are needed—long, long it must remain small and powerless!

11 [159]

Let us press the image of eternity onto our life! This thought contains more than all religions, which taught to despise this life as fleeting and to look toward an indeterminate other life.

11 [160]

This teaching is gentle towards those who do not believe in it, it has no hells and threats. Whoever does not believe has a fleeting life in their consciousness.

11 [161]

Do not look for distant unknown bliss and blessings and graces, but live in such a way that we want to live again and want to live thus for eternity!— Our task approaches us at every moment.

11 [162]

For there to be any degree of consciousness in the world, an unreal world of error had to emerge—beings with belief in permanence, in individuals, etc. Only after an imaginary counter-world had arisen in contradiction to the absolute flux could something be recognized on this basis—indeed, ultimately, the fundamental error on which everything rests can be seen (because opposites can be thought)—yet this error cannot be destroyed except with life itself: the ultimate truth of the flux of things does not tolerate incorporation, our organs (for life) are attuned to error. Thus, in the wise man, the contradiction of life and its ultimate decisions arises; his drive for knowledge presupposes belief in error and life within it.

Life is the condition of knowing. Err is the condition of life and indeed in the deepest sense err. Knowledge of the err does not abolish it! That is nothing bitter!

We must love and nurture the err, it is the mother's womb of knowing. Art as the nurturing of delusion—our cult.

For the sake of knowing, love and promote life, for the sake of life, love and promote erring delusion. To give existence an aesthetic meaning, to increase our taste for it, is the fundamental condition of all passion for knowledge.

Thus we also discover here a night and a day as a condition of life for us: wanting-to-know and wanting-to-err are ebb and flow. If one rules absolutely, man perishes; and with it the ability.

11 [163]

The political delusion, about which I smile just as contemporaries smile about the religious delusion of earlier times, is above all secularization, belief in the world and the striking from the mind of “beyond” and “otherworld.” Its goal is the well-being of the fleeting individual: which is why socialism is its fruit, i.e., the fleeting individuals want to conquer their happiness through socialization; they have no reason to wait, like people with eternal souls and eternal becoming and future improvement.

My teaching says: so live that you must wish to live again is the task—you will in any case! Whoever finds the highest feeling in striving, let them strive; whoever finds it in rest, let them rest; whoever finds it in submission, obedience, let them obey. Only may they become conscious of what gives them the highest feeling and shun no means! It is about eternity!

11 [164]

I speak of instinct when any judgment (taste in its lowest stage) is incorporated, so that it now moves spontaneously and no longer needs to wait for stimuli. It has its own growth and consequently also its outward-pushing activity-sense. Intermediate stage: the semi-instinct, which only reacts to stimuli and is otherwise dead.

11 [165]

We want to experience a work of art again and again! So one should design one's life so that one has the same desire before its individual parts! This is the main idea! Only at the end is the doctrine of the repetition of all that has been presented, after the tendency has first been implanted to create something that can thrive a hundred times more vigorously under the sunshine of this doctrine!

11 [166]

The similar is not a degree of the same: but something completely different from the same.

11 [167]

How can one give meaning to the next small fleeting thing? A) By understanding it as the root of habits B) as eternal and also conditioning the eternal.

11 [168]

Whoever sows to the spirit plants trees that grow very late. What is inherited from father to son are the most practiced habits (not the most valued ones!) The son betrays the father. The diligence of a scholar corresponds to the activity of his father: e.g., if the latter is always at the comptoir or if he only "works" like a country priest. The Greeks of the higher classes became so individually productive because they did not inherit thoughtless industry.

11 [169]

Against all wild energies we defend ourselves as long as we do not know how to use them (as power) and as long as we call them evil. But not afterwards! Question: how does one make crime useful? How does one make one's own wildness useful?

11 [170]

I want to teach a higher art against the art of artworks: that of the invention of festivals.

11 [171]

I recognize something true only in contrast to a truly living untruth: thus the true comes into the world quite powerless, as a concept, and must first give itself strength through fusion with living errors! And that is why one must let errors live and grant them a great realm.— Likewise: in order to live individually, society must first be highly advanced and continually advanced—only in alliance with it does the individual first gain some strength.— Finally, a point appears where we want to go beyond the individual and the idiosyncratic: but only in alliance with the individual, the opposite, can we lend strength to this striving.

11 [172]

How do we give inner life weight without making it evil and fanatical against those who think differently? Religious faith is declining, and man learns to understand himself as fleeting and insignificant, becoming weak in the process; he does not practice enduring striving as much, he wants present enjoyment, he makes things easy for himself—and perhaps uses much spirit in the process.

11 [173]

How feeble has all physiological knowledge been so far! while the old physiological errors have gained spontaneous power! For a long long time we can only use the new insights as stimuli—to discharge the spontaneous forces.

11 [174]

How evil has decreased! Formerly, one assumed the intention to harm in every natural event!

11 [175]

How vilely has Christianity behaved towards antiquity by completely demonizing it! The pinnacle of slanderous malice!

11 [176]

Slave labor! Free labor! The former is all work that is not done for our own sake and that has no satisfaction in itself. There is still much spirit to be found so that each person can shape their work in a satisfying way.

11 [177]

The age of experiments! Darwin’s claims must be tested—through experiments! Likewise, the origin of higher organisms from the lowest. Experiments must be conducted over 1000 years! Raising apes into humans!

11 [178]

It is a false perspective: in order to preserve the species, countless specimens are sacrificed. There is no such “in order to”! Likewise, there is no species, only many different individuals! Therefore, there is also no sacrifice, no waste! Therefore, also no unreason involved!— Nature does not want to “preserve the species”! In fact, many similar beings with similar conditions of existence preserve themselves more easily than abnormal beings.

11 [179]

While in very many cases the first child of a marriage provides sufficient reason not to bring further children into the world: the marriage is not dissolved thereby, but rather maintained despite the foreseeable disadvantage of new children (to the detriment of all later ones!)! How shortsighted! But the state wants and wanted not better quality, but quantity! Therefore, it has no interest in the breeding of humans!— Outstanding individual men should have the opportunity to reproduce with several women; and individual women, with particularly favorable conditions, should also not be bound to the chance of one man. Marriage should be taken more seriously! Because the state is no longer necessary.

11 [180]

Nowadays, luxury is being advocated as the strongest stimulus for the poor, the overworked, and the married: for its sake, they strive for wealth. Contentment and idyllic philosophy are opposed as undermining national wealth and the workforce. As much wealth as possible, as much envy and discontent, as much competition as possible! In wealthy states, the arts have been best promoted by luxurious people, who use art as a means to provoke the envy of the lower classes, as a piece of luxury.— On the other hand, their rise in luxury is supposed to be an apology for luxury and the intention to foster discontent: the arts temporarily soothing and numbing the discontent of such conditions, in any case glorifying them.

11 [181]

A man sinks in my esteem 1) when he has 200-300 thalers annually and still becomes a merchant, official, or soldier, when choosing a profession 2) when he earns that much and still seeks an even more time-consuming position (even as a scholar). What! Are these intellectual people! Wanting to get married and losing the meaning of life over it!

11 [182]

A strong free M feels towards everything else the properties of the organism

1) Self-regulation: in the form of fear of all foreign interference, in hatred towards the enemy, in moderation, etc.
2) overabundant compensation: in the form of greed acquisitiveness lust for power
3) Assimilation to oneself: in the form of praising blaming making others dependent on oneself, as well as deception cunning, learning, habituation, commanding incorporating judgments and experiences
4) Secretion and excretion: in the form of disgust, contempt for the properties in themselves that are no longer useful to him; communicating the surplus, benevolence
5) metabolic power: temporarily revere, admire, make oneself dependent, subordinate, almost renounce the exercise of the other organic properties, transform oneself into an "organ," be able to serve
6) Regeneration: in the form of sexual drive, teaching drive, etc.

One would be mistaken to assume these organic properties first in humans: rather, he acquires all of them last, as a liberated human being.He began, on the other hand, as part of a whole, which had its organic properties and made the individual its organ—so that through unspeakably long habituation, people first feel the affections of society toward other societies and individuals and all living and dead things, and not as individuals! For example, he fears and hates more strongly and most strongly as a member of a race or state, not his personal enemy, but the public one; indeed, he perceives the personal enemy essentially as a public one (blood revenge). He goes to war to enrich his state and chieftain and to help them achieve overcompensation, with every personal danger of deprivation, mutilation, and stunting.He assimilates what is foreign to him as a member of his society, learns for its well-being; he despises what no longer serves the society's existence in terms of qualities, he rejects the highest individuals if they contradict this utility. He transforms himself entirely into an organ in the service of his society and makes only the restricted use of all qualities: more accurately: he does not yet have those other qualities and acquires them only as an organ of the community: as an organ, he receives the first stirrings of all the properties of the organic. Society first educates the individual, shapes it into a semi- or full individual, it does not form from individuals, not from contracts of such!Rather, at most, an individual is necessary as a core point (a chief), and this one only in relation to the lower or higher level of the others, "free." So: the state originally does not suppress individuals: they do not yet exist at all! It makes existence possible for humans in the first place, as herd animals. Our drives and affects are only taught to us there: they are nothing original! There is no "state of nature" for them! As parts of a whole, we participate in its conditions of existence and functions and incorporate the experiences and judgments made in the process.These later clash and interact when the bond of society disintegrates: he must endure within himself the aftereffects of the social organism, he must atone for the impracticality of conditions of existence, judgments, and experiences that fit a whole, and finally he comes to the point of creating his possibility of existence as an individual through reordering and assimilation, excretion of the drives within himself. Most of these experimental individuals perish. The times when they arise are those of demoralization, the so-called corruption, i.e., all drives now want to assert themselves personally and, not having been adapted to that personal utility until then, destroy the individual through excess. Or they tear it apart in their struggle with one another.The ethicists then step in and seek to show people how they can live without suffering so much—usually by recommending to them the old conditional way of life under the yoke of society, only with a concept taking the place of society—they are reactionaries. But they preserve many, even if by leading them back into bondage.Your claim is that there is an eternal moral law; you refuse to recognize the individual law and call the striving for it immoral and destructive.— Inevitably, in one who seeks to become free, the functions with which he (or his ancestors) have served society predominate in strength: these outstanding functions direct and promote or restrict the others—but all of them he needs in order to live as an organism itself, they are conditions of life!

But we have long been miscreations, and this corresponds to the much greater discomfort of individuals becoming free—compared to the older dependent stage and the massive perishing.

11 [183]

Main tendencies: 1) to plant the love of life, of one's own life, in every way! Whatever each individual thinks up for this, the other will accept it, and a new great tolerance for it must be acquired: even if it often goes against their taste when the individual truly increases their joy in their own life!

2) To be united in hostility against all and everyone who seeks to cast suspicion on the value of life: against the gloomy, the discontented, and the grumblers. Deny them reproduction! But our hostility itself must become a means to our joy! So laugh, mock, destroy without bitterness! This is our death struggle.

This life—your eternal life!

11 [184]

To the real course of things there must also correspond a real time, quite apart from the feeling of long or short periods of time as perceiving beings have. Probably the real time is unspeakably much slower than we humans perceive time: we perceive so little, although even for us a day seems very long compared to the same day in the feeling of an insect. But our blood circulation could in truth have the duration of an earth and sun orbit.— Then we probably feel ourselves as much too large and have in this our overestimation, that we feel a too large measure into space. It is possible that everything is much smaller. So the real world smaller, but much slower moving, but infinitely richer in movements than we suspect.

11 [185]

Egoism is something late and still rare: the herd feelings are more powerful and older! For example, man still values himself as highly as others value him (vanity). He still wants equal rights with others and feels good about the thought of treating people equally (which is very contrary to the justice of suum cuique!). He does not see himself as something new, but strives to adopt the opinions of the rulers, and also educates his children to do so. It is the preliminary stage of egoism, not the opposite: man is really not yet more of an individual and ego; as a function of the whole, he feels his existence most highly and most justified.

Therefore, he allows himself to be determined by parents, teachers, castes, and rulers in order to attain a kind of self-respect—even in love, he is much more the one determined than the one determining. Obedience and duty appear to him as “morality,” i.e., he glorifies his herd instincts by presenting them as weighty virtues.—Even in the awakened individual, the primordial stock of herd feelings is still overwhelming and linked to the good conscience.The Christian with his extra ecclesiam nulla salus is cruel toward the opponents of the Christian herd; the citizen imposes terrible punishments on the criminal, not as ego, but from the old instinct—the deed of cruelty, the murder of slavery (prison), does not offend him as soon as he views it from the herd instinct.— All freer M of the Middle Ages believed that above all, the herd feeling must be preserved, the rare individual must practice dissimulation in this regard, without shepherds and belief in universal laws, everything would go to ruin.We no longer believe that—because we have seen that the tendency toward the herd is so great that it keeps breaking through, against all freedoms of thought! There are still very rarely egos! The desire for the state, social institutions, churches, etc., has not weakened. v the wars! And the “nations”!

11 [186]

The Greek legislators promoted the agon in order to divert the spirit of competition from the state and to secure political tranquility. (now one thinks of the competition in trade) Reflection on the state was to be distracted by agonal excitement—yes, one should engage in gymnastics and poetry—this had the side effect of making the citizens strong, beautiful, and refined.— Likewise, they encouraged pederasty, in part to prevent overpopulation (which leads to restless, impoverishedCircles were created, even within the nobility) then as an educational means for the agon: the young and the older should stay together, not separate, and hold the interest of the young—otherwise the ambition of the separated older ones would have turned to the state, but with boys one could not speak of the state. Thus perhaps Richelieu used the gallantry of men to distract ambitious drives and bring other conversations than about the state into circulation.

11 [187]

What caused the Alexandrian culture to perish? Despite all its useful discoveries and the joy of knowledge of this world, it could not give this world, this life the ultimate importance, the beyond remained more important! To reverse this teaching is still the main thing—perhaps when metaphysics strikes this life with the heaviest accent—according to my teaching!

11 [188]

In general, the direction of socialism, like that of nationalism, is a reaction against individualization. One has one's trouble with the ego, the half-ripe, wild ego: one wants to put it back under the bell jar.

11 [189]

The amoeba-unit of the individual comes last! And the philosophers proceeded from it as if it were present in everyone!— Morality is the main counter-evidence: wherever the individual appears, moral corruption appears, i.e., the individual standard of pleasure and displeasure is applied for the first time, and it becomes evident how the drives within the individual have not yet learned to adapt; the unity is not yet there, or exists in the form of the crudest tyranny of one drive over the others—so that the whole usually perishes!— This is when the time of free people begins—countless perish.— In view of this, the “wise” invoke the old morality and seek to prove it as pleasant and useful for the individual.

11 [190]

A labile equilibrium occurs in nature as rarely as two congruent triangles. Consequently, there is also no standstill of force at all. If the standstill were possible, it would have occurred!

11 [191]

The Heerden-Menschen and the selbsteignen people: the latter first as shepherds. —

11 [192]

Wishing harm as a tendency is now in the struggle of parties (the political and also the scientific) stripped of its reproach, just as in the competition of merchants, of states: one forbids oneself certain means, but not the tendency! Criticism exercised against everything is a final expression of power by the powerless—a continuation of witchcraft

Wishing good through prayers and elevation of the imagination was once considered a principal occupation of mankind, to rape and compel a god toward the good—it is the counterpart to magic: to rape and compel a devil toward the evil: which was also a principal occupation. The indulgence in willing and in the image of the achieved intention and the belief that this is the means to achieve the intention: in this all were unanimous.One believed in a secret path other than that of action and mechanics to reach the same goal.

11 [193]

Spinoza: we are determined in our actions only by desires and affects. Knowledge must be an affect in order to be a motive.— I say: it must be passion in order to be a motive.

ex virtute absolute agere = ex ductu rationis agere, vivere, suum Esse conservare. “to seek fundamentally nothing other than one’s own advantage” “No one strives to preserve their own being for the sake of another’s essence.” “The striving for self-preservation is the prerequisite of all virtue.”

“People are most useful to each other when each seeks their own benefit.” “No single being in the world is as useful to man as the man who lives by the rule of his reason ex ductu rationis.”

Good is everything that truly serves knowledge; bad, on the other hand, is everything that hinders it.”

Our reason is our greatest power. Among all goods, it is the only one that equally delights all, that none envy others for, that each wishes for the other and wishes for all the more as they themselves possess it.— People are only united in reason. They cannot be more united than when they live rationally. They cannot be more powerful than when they are in perfect agreement.— We live in a state of agreement with others and with ourselves certainly more powerfully than in a state of conflict.

The passions divide; they bring us into conflict with other people and with ourselves, they make us hostile outward and wavering inward.— ego: all this is prejudice. There is no reason of that kind, and without struggle and passion everything becomes weak, man and society.

(“Desire is the very essence of man, namely the striving by which man seeks to persist in his being.”

“Everyone is powerless to the extent that he neglects his advantage, i.e., his self-preservation.”

“The striving for self-preservation is the first and only foundation of virtue.”

There is no free will in the mind, but rather the mind is determined by a cause to will this or that, which is itself determined by another, and this again by another, and so on to infinity.

The will is the capacity to affirm and to deny: nothing else.

In contrast, I: Pre-egoism, herd instinct are older than the “wanting to preserve oneself.” First, man is developed as a function: from this, the individual later detaches itself again by learning to know countless conditions of the whole, the organism, as a function and gradually incorporating them.

11 [194]

The Jesuits sided with empiricism, followers of Gassendi, opponents of Descartes (whom they attacked with the arguments of sensualism): like Father Bourdin. So they are for Thomas Aristotle Gassendi—against Augustine Plato Descartes idealism. (Congregation of the Fathers of the Oratory of Jesus and likewise Port-Royal) Pascal

Arnold Geulinx (born in the Netherlands 1625): impossibile est ut is faciat, qui nescit quomodo fiat. Quod nescio, quomodo fiat, ich non facio.— Qua fronte dicam, ich me facere quod quomodo fiat nescio?— My will should not extend further than my ability. Ubi nihil vales, ibi nihil velis.

Virtus est amor rationis.— Amor rationis hoc agit in amante, ut se ipse deserat, a se penitus recedat.Humility is incuria sui. The parts of humility are two: inspection of oneself and contempt of oneself.

Malebranche: “Consider the senses as false witnesses regarding the truth, but as faithful advisors with respect to the preservation and utility of life!” We err as soon as our thinking falls into dependence on the senses, when the mind makes itself dependent on the body. Sin is what causes this dependence. The desire to know through the senses, the source of error—is sin. Error caused by sin! Error becomes possible through turning away from God, through submission to the yoke of the body.

Spinoza or teleology as asylum ignorantiae.

11 [193]

Spinoza: we are only determined in our actions by desires and affects. Knowledge must be an affect in order to be a motive.— I say: it must be passion in order to be a motive.

ex virtute absolute agere = ex ductu rationis agere, vivere, suum Esse conservare. “fundamentally seek nothing other than one’s own benefit” “No one strives to preserve their own being for the sake of another being.” “The striving for self-preservation is the prerequisite of all virtue.”

“People are most useful to each other when each seeks their own benefit.” “No single being in the world is as useful to humans as the human who lives by the rule of reason ex ductu rationis.”

Good is everything that truly serves knowledge; bad, on the other hand, is everything that hinders it.”

Our reason is our greatest power. It is among all goods the only one that equally delights everyone, that no one envies another for, that everyone wishes for the other and wishes for all the more as they themselves possess it.— People are only united in reason. They cannot be more united than when they live rationally. They cannot be more powerful than when they are in perfect agreement.— We live in a state of agreement with others and with ourselves certainly more powerfully than in a state of conflict.The passions divide; they bring us into conflict with other people and with ourselves, they make us hostile outward and wavering inward.— ego: all this is prejudice. There is no reason of the kind, and without struggle and passion everything becomes weak, man and society.

(“The desire is the essence of man himself, namely the striving by which man seeks to persist in his being.”

“Each is powerless to the extent that he neglects his utility, i.e., his self-preservation.”

“The striving for self-preservation is the first and only foundation of virtue.”

There is no free will in the mind, but the mind is determined by a cause to want this or that, which is itself determined by another, and that again by another, and so on to infinity.

The will is the ability to affirm and to deny: nothing else.

In contrast, I: Pre-egoism, herd instinct are older than the “wanting to preserve oneself.” First, man is developed as a function: from this, the individual later detaches itself again by learning to know countless conditions of the whole, the organism, as a function, and gradually incorporating them.

11 [194]

The Jesuits sided with empiricism, followers of Gassendi, opponents of Descartes (whom they attacked with the arguments of sensualism): like Father Bourdin. So they are for Thomas Aristotle Gassendi—against Augustine Plato Descartes idealism. (Congregation of the Fathers of the Oratory of Jesus and likewise Port-Royal) Pascal

Arnold Geulincx (born in the Netherlands 1625): impossibile est ut is faciat, qui nescit quomodo fiat. Quod nescio, quomodo fiat, ich non facio.— Qua fronte dicam, ich me facere quod quomodo fiat nescio?— My will should not extend further than my ability. Ubi nihil vales, ibi nihil velis.

Virtus est amor rationis.— Amor rationis hoc agit in amante, ut se ipse deserat, a se penitus recedat.

Humility is incuria sui. The parts of humility are two: inspection of oneself and contempt for oneself.

Malebranche: “Consider the senses as false witnesses regarding the truth, but as faithful advisors with respect to the preservation and utility of life!” We err as soon as our thinking falls into dependence on the senses, when the mind makes itself dependent on the body. Sin is what causes this dependence. The desire to know through the senses, the source of error—is sin. Error caused by sin! Error becomes possible through turning away from God, through submission to the yoke of the body.

Spinoza or teleology as asylum ignorantiae.

11 [195]

Noon and Eternity.

Guidance for a New Life.

Zarathustra, born by Lake Urmi, left his homeland in his thirtieth year, went to the province of Aria, and composed the Zend-Avesta during the ten years of his solitude in the mountains.

11 [196]

The sun of knowledge stands once again at noon: and coiled lies the serpent of eternity in its light— —it is your time, you noon brothers!

11 [197]

On the “Draft of a New Way of Living.”

First Book in the style of the first movement of the Ninth Symphony. Chaos sive natura: “on the dehumanization of nature.” Prometheus is chained to the Caucasus. Written with the cruelty of “the one in power.”

Second Book. Fleeting-skeptical-mephistophelian. “On the incorporation of experiences.” Knowledge = error that becomes organic and organizes.

Third Book. The most intimate and most soaring above the heavens that has ever been written: “of the last happiness of the solitary”—this is he who has become from the “belonging” to the “self-owning” of the highest degree: the perfect ego: only this ego has love, on the earlier stages, where the highest solitude and self-sovereignty are not attained, there is something other than love.

Fourth Book. Dithyrambic-comprehensive. “Annulus aeternitatis.” Desire to experience everything again and for eternal times.

The unceasing transformation—you must pass through many individuals in a short period of time. The means is the unceasing struggle.

           
Sils-Maria         26. August 1881
           

“avoid all that is pretty and pleasing, as a world-renouncing man of power” says J. Burckhardt at Palazzo Pitti)

11 [198]

The great form of a work of art will come to light when the artist has the great form in his being! In itself, the great form is absurd and corrupts art; it means leading the artist into hypocrisy or wanting to coin the great and rare into conventional currency. An honest artist who does not have this shaping power in his character is honest in not wanting to have it in his works either—if he denies and disparages it altogether, this is understandable and at least excusable: he cannot rise above himself.

So Wagner. But the "infinite melody" is a wooden iron—"the form that has not become form, the finished form"—this is an expression of the inability of form and a kind of principle made from inability. Dramatic music and indeed attitude-music certainly gets along best with formless, flowing music—but is therefore of lower genre.

11 [199]

Obedience, sense of function, sense of weakness have brought forth the value of “the Unselfish”: especially when one believed in complete dependence on One God. Contempt for oneself, but seeking a purpose for being active, namely one must: thus for the sake of God, and finally, when one no longer believed in God, for the sake of the Other: an illusion, a powerful thought that made existence easier for people. Our conditions also demand slavery, and the individual should be restrained—hence the cultivation of altruism.

In truth, one acts "unselfishly" because it is the condition under which one can alone continue to exist, i.e., one thinks of the existence of the other habitually rather than of one's own (e.g., the prince of the people, the mother of the child) because otherwise the prince could not exist as a prince, the mother not as a mother: they—want the preservation of their sense of power, even if it requires constant attention and countless self-sacrifices for the sake of the dependent: or, in other cases, for the benefit of the powerful, when our existence (well-being, e.g., in the service of a genius, etc.) can only be asserted in this way.

11 [200]

Rights: the more powerful establishes the officials against each other: and duties: the more powerful establishes the officials against himself: each has something to perform, and to obtain this regularly, the more powerful renounces further interventions, and subordinates himself to an order: this is part of self-regulation. With regard to the duties of the functions, the powerful and the function agree. There is nothing “unegoistic” about it.

11 [201]

The modern-scientific counterpart to belief in God is belief in the All as an Organism: this disgusts me. So, the extremely rare, indescribably derived, the organic, which we perceive only on the crust of the Earth, is made into the essential, universal, eternal! This is still the humanization of nature! And a disguised polytheism in the monads that together form the All-Organism! With foresight! Monads that know how to prevent certain possible mechanical outcomes like the balance of forces! Fantasy!— If the All could become an organism, it would have become one. We must conceive of it as a whole as far removed from the organic as possible!I believe that even our chemical affinity and coherence may be late-developed phenomena belonging to certain epochs in individual systems. Let us believe in absolute necessity in the universe, but let us beware of asserting that any law, even a primitive mechanical one from our experience, rules in it and is an eternal property.— All chemical qualities may have come into being and passed away and returned. Countless “properties” may have developed for which observation is not possible for us, from our angle of time and space. The change of a chemical quality may also be taking place now, only to such a fine degree that it eludes our finest calculations.

11 [202]

The measure of the All-Power is determined, nothing infinite: let us guard against such excesses of the concept! Consequently, the number of positions, changes, combinations, and developments of this power is indeed enormously large and practically “immeasurable,” but in any case also determined and not infinite. However, the time in which the All exerts its power is infinite, i.e., the power is eternally the same and eternally active:—up to this moment, an infinity has already passed, i.e., all possible developments must already have been. Consequently, the present development must be a repetition, and so must the one that gave birth to it and the one that arises from it, and so on forward and backward!

Everything has been present countless times, insofar as the total constellation of all forces always recurs. Whether anything equal has ever existed, apart from that, is entirely unprovable. It seems that the total constellation recreates the properties down to the smallest detail, so that two different total constellations can have nothing equal. Can there be something equal within a single total constellation, e.g., two leaves? I doubt it: it would presuppose that they had an absolutely identical origin, and with that we would have to assume that going back to all eternity something equal had existed, despite all changes in total constellations and the creation of new properties—an impossible assumption!

11 [203]

Let us examine how the thought that something repeats has affected us so far (the year, for example, or periodic illnesses, waking and sleeping, etc.). Even if circular repetition is only a probability or possibility, even the thought of a possibility can shake and transform us—not just sensations or specific expectations! How the possibility of eternal damnation has affected us!

11 [204]

The situation in which people find themselves, in relation to nature and to other people, shapes their characteristics—it is like with atoms.

11 [205]

Let us beware of believing that the universe has a tendency to achieve certain forms, that it wants to become more beautiful, perfect, or complicated! All of this is anthropomorphism! Anarchy, ugliness, form—these are inappropriate concepts. For mechanics, there is nothing imperfect.

11 [206]

Everything has returned: the Sirius and the spider and your thoughts in this hour and this your thought that everything returns.

11 [207]

How strange and superior we act towards the death of the inorganic, and yet we are three-quarters a column of water, and have inorganic salts within us, which perhaps have more power over our well-being and woe than the entire living society!

11 [208]

The philosophers have done it as the peoples have: they have placed their narrow morality into the essence of things. The ideal of every philosopher should also be inherent in the thing-in-itself.

11 [209]

Herd people and special people!

11 [210]

The inorganic conditions us entirely: water air soil terrain electricity etc. We are plants under such conditions.

11 [211]

My task: the dehumanization of nature and then the naturalization of man, after he has gained the pure concept of "nature".

11 [212]

All habits (e.g., to a certain food, like coffee, or a certain time division) have in the long run the result of breeding people of a certain kind. So look around you! Examine the smallest things! Where does it lead? Does it belong to your kind, to your goal?

11 [213]

The infinitely new becoming is a contradiction, it would presuppose an infinitely growing power. But from what should it grow! From where to nourish itself, to nourish itself with surplus! The assumption that the universe is an organism contradicts the essence of the organic.

11 [214]

Friends of salt are not “carnivores.” There are always aristocrats and show-offs who would like to conceal that little meat is eaten: pay attention to whether the people need much or little salt!

11 [215]

A faint or harsh or insignificant smell and taste: consequently, one should add the flowers!

11 [216]

The foods (e.g., onions and irritant-narcotics like tobacco) prove that not pleasure and the avoidance of displeasure, but being stimulated is what is most important to humans. Stimulus is in itself something different from pleasure and displeasure (or the latter are its extremes)

11 [217]

We temporarily need blindness and must leave certain articles of faith and errors untouched within us—as long as they preserve us in life.

We must be conscientious regarding truth and error as long as it concerns life—precisely so that we may then spend life again in the service of truth and intellectual conscience. This is our ebb and flow, the energy of our contraction and expansion.

11 [218]

Reproduction often without any individual inclination.

11 [219]

These slaves are often tired and regularly tired—hence they are content with their pleasures (which is the strangest feature of our time) their beer and wine taverns, their measure of pleasant entertainment, their festivals, their churches—everything is so mediocre, for not much spirit and strength may be expended there, nor may it be demanded—one wants to rest.— Yes! Otium! That is the idleness of those who still have all their strength within them.

11 [220]

The most powerful thought consumes much energy that was previously available for other purposes, thus it has a transforming effect, it creates new laws of motion for energy, but not new energy. However, this is the basis for the possibility of redefining and reorganizing individuals in their affects.

11 [221]

Slavery is generally visible, although it does not admit this to itself;—we must strive to be everywhere, to know all its circumstances, to represent all its opinions best, only thus can we dominate and use it. Our essence must remain hidden: like that of the Jesuits, who exercised a dictatorship in general anarchy but introduced themselves as tool and function. What is our function, our cloak of slavery? Teaching?— Slavery should not be eradicated, it is necessary. We only want to ensure that such people always arise again, for whom work is done, so that this enormous mass of political-commercial forces does not consume itself in vain. Even the fact that there are spectators and no-longer-participants!

11 [222]

From the spirit of function, philosophers now ponder transforming humanity into a single organism—it is the opposite of my tendency. Rather, as many changing and diverse organisms as possible, which, having reached their maturity and decay, drop their fruit; the individuals, most of whom perish, but it is the few that matter.— Socialism is a fermentation heralding countless state experiments, and thus also state collapses and new eggs. The ripening of current states happens faster; military violence grows ever greater.

11 [223]

I feel the effort, cumbersomeness, and the desire to possess spirit in every turn!

11 [224]

We have rendered the lightning harmless: we must be inventive to make it useful, to make it work.

11 [225]

The “chaos of existence” as the exclusion of all purposeful activity does not contradict the idea of the cycle: the latter is precisely an unreasonable necessity, without any formal ethical or aesthetic consideration. There is no choice, in the smallest detail or in the whole.

11 [226]

The egoism is still infinitely weak! One calls the effects of the herd-forming affects very inaccurately: One is greedy and accumulates wealth (drive of the family of the tribe), another is excessive in Venere, another vain (taxation of himself according to the measure of the herd), one speaks of the egoism of the conqueror, the statesman, etc.—they think only of themselves, but of “themselves” insofar as the ego is developed by the herd-forming affect. Egoism of mothers, of teachers.

Just ask once how few thoroughly examine: why do you live here? why do you associate with that? How did you come to this religion? What influence does this or that diet have on you? Is this house built for you? etc. Nothing is rarer than the establishment of the ego before ourselves. The prejudice prevails that one knows the ego, it does not fail to stir constantly: but almost no effort and intelligence is devoted to it—as if we were exempted from research into self-knowledge by an intuition!

11 [227]

Here the mountain shows its 3 humps: with a sharper glass I see a multitude of new humps, the line becomes new with every sharper glass, the old one becomes an arbitrary phantom. Finally, I reach the point where the line can no longer be observed because the movement of weathering escapes our eye. But the movement lifts the line

11 [228]

We can protect ourselves very little in the grand scheme: a comet could shatter the sun at any moment, or an electrical force could emerge, in which the star system melts away all at once. What is "statistics" in these matters! We may have a couple of million years for Earth and the sun in which such a thing has not happened: it proves nothing.— To naturalize humanity belongs the readiness for the absolutely sudden and disruptive.

The sudden things have accustomed people to a false contrast, they call it enduring, regular, etc.—but the sudden is continually present in the smallest things, in every nerve; and it is precisely regular, even if it appears to us incalculable in time. Enduring is that whose changes we do not see because they are too gradual and too fine for us.

11 [229]

When we gradually formulate the opposites to all our fundamental opinions, we approach the truth. It is initially a cold, dead world of concepts; we intermingle it with our other errors and drives and thus draw one piece after another into life. Only by adapting to living errors can the initially always dead truth be brought to life.

11 [230]

People talk about stomach patients and mean those who suffer from digestion—as if the stomach alone were the digesting organ! And the educated talk about “gastric juice.”— It is very good that such errors do not affect the organization, otherwise we would have perished long ago.— And through healing methods and dietary nonsense, they have acted deadly enough! —

11 [231]

The coexistence of two completely identical things is impossible: it would require the absolutely identical existence history, going back into eternity. This, however, would presuppose the universal absolutely identical history of origin, i.e., everything else would also have to be absolutely identical at all times, i.e., the entire rest would have to continually repeat itself, within itself and detached from the two identical things.— But equally, one can prove absolute difference and inequality in coexistence with just a single difference: a detachment is unthinkable; if one thing changes, the repercussion passes through everything

11 [232]

Infinitely many power positions have existed, but not infinitely different: the latter required an indeterminate power. It has only a “number” of possible properties.

11 [233]

The mechanics takes force as something absolutely divisible: but it must first check each of its possibilities against reality. There is nothing in that force that can be divided into equal parts; in every position it is a property, and properties cannot be halved: which is why there has never been an equilibrium of force

11 [234]

It is wonderful that for our needs (machines, bridges, etc.) the assumptions of mechanics suffice; these are indeed very great needs, and the “small errors” do not come into consideration.

11 [235]

We cannot conceive of movement without lines: its essence is veiled from us. "Force" in mathematical points and mathematical lines is the ultimate consequence, and reveals the whole absurdity. Ultimately, they are practical sciences, based on the fundamental errors of man, that there are things, and that there are equals.

11 [236]
 
v.Analysis d W

We can perceive the same movement as sound, color, warmth, electricity. The perception makes the properties of things so colorful and varied for us. In truth, everything could be much simpler and different! How do we distinguish between red and blue, how does it affect the mind differently, except for the mad!—and yet! Perception makes the chasms, the differences much greater than they are in nature.

11 [236]

v. Analysis d W

We can perceive the same movement as sound, color, warmth, electricity. The perception makes the properties of things so colorful and varied for us. In truth, everything could be much simpler and different! How do we distinguish between red and blue, how does it affect the mind differently, nam of the mad!—and yet! The perception makes the chasms, the differences much greater than they are in nature.

11 [237]

Urbild” is a fiction like purpose, line, etc. That which is similar in form is never strived for in nature, but arises where slightly different degrees in the quantity of forces prevail. “Slightly” different for us! And “similar” for us!

Similar qualities, we should say, instead of “equal”—also in chemistry. And “similar” for us. Nothing occurs twice, the oxygen atom is without its equal, in truth, for us suffices the assumption that there are countless identical ones.

11 [238]

The M and the philosophers used to project the human into nature—let us dehumanize nature! Later, they will project more into themselves; instead of philosophies and works of art, there will be ideal humans who shape a new ideal from themselves every 5 years.

11 [239]

49 hundredweight less—atmospheric pressure here at an altitude of 6000 feet: if I let my sensation have its say, it says in response: “two pounds less to carry than down by the sea—and perhaps not even that much less!”

11 [240]

First, people must learn the new desire—and for that, someone must be there to arouse it in them, a teacher: I trust that they will then be clever and inventive enough to find the ways to satisfy the desire themselves—step by step and through trial, as they are accustomed.— It does not matter if my suggestions are “impractical”—they are only meant to whet the appetite (e.g., the treatment of criminals).

11 [241]

If our affects are the means to sustain the movements and formations of a social organism, it would still be nothing more erroneous than to conclude in reverse that in the lowest organism it is precisely the affects that regulate, assimilate, excrete, transform, regenerate—thus presupposing affects there as well, pleasure, displeasure, will, inclination, aversion. It would be as absurd an error as if one, based on the fact of blood circulation in the human body, were to infer a similar blood circulation for the lowest organisms.— Our affects presuppose thoughts and tastes, these a nervous system, etc.

11 [242]

We see as far as we feel—feeling is idiosyncrasy, so seeing (scope and degree of clarity) is also idiosyncrasy

11 [243]

Strange: that of which man is proudest, his self-regulation through reason, is also achieved by the lowest organism, and better, more reliably! Acting according to purposes is, however, in fact only the smallest part of our self-regulation: if mankind really acted according to its reason, i.e., according to the foundation of its opinion and knowledge, it would have perished long ago. Reason is a slowly developing auxiliary organ, which fortunately has little power to determine man for enormous periods of time; it works in the service of the organic drives and slowly emancipates itself to equality with them—so that reason (opinion and knowledge) struggles with the drives as a new drive of its own—and late, very late to predominance.

11 [244]

The differences in temperament are perhaps more determined by the different distribution and mass of inorganic salts than by anything else. Bilious people have too little sodium sulfate, melancholic people lack sulfur and potassium phosphate; too little calcium phosphate in phlegmatic people. Courageous natures have an excess of iron phosphate.

11 [245]

If a balance of power had ever been achieved, it would still be ongoing: thus it has never occurred. The current state contradicts this assumption. If one assumes that there was once a state absolutely identical to the current one, this assumption is not refuted by the current state. Among the infinite possibilities, there must have been this case, for an infinity has already passed by now. If equilibrium were possible, it would have occurred.— And if this current state existed, then so did the one that gave rise to it and its preceding state—from this it follows that it has also been present a second, third, etc., time—likewise that it will be present a second, third time—countless times, forward—and backward. That is,

everything that becomes moves in the repetition of a certain number of completely identical states.— What is all possible cannot, of course, be left to the human mind to conceive: but in any case, the present state is a possible one, quite apart from our ability or inability to judge the possible—for it is an actual one. Thus, it would be said: all actual states must already have had their like, assuming that the number of cases is not infinite, and that in the course of infinite time only a finite number must have occurred?because an infinity has already elapsed when counted backward from every moment? The standstill of forces, their equilibrium, is a conceivable case: but it has not occurred, hence the number of possibilities is greater than that of realities.— That nothing equal recurs could not be explained by chance, but only by an intentionality inherent in the nature of force: for, assuming an enormous mass of cases, the accidental attainment of the same throw is more probable than absolute never-equality.

11 [246]

Basic idea of trading culture: the lower masses with their small possessions are made dissatisfied by the sight of the rich, they believe that the rich are the happy ones.— The working, overworked, rarely resting slave mass believes that the person without physical work is the happy one (e.g.already the monk—hence why slaves so gladly became monks).— The one tormented by desires and rarely free believes that the scholar and the immobile and also the cleric is the happy one.— The nervous, torn back and forth believes that the person of great single passion is the happy one.— The person who has come to know small distinctions thinks that the most honored is the happy one. It is the rarely and to a small degree possessed that stirs the imagination of people to the image of the happy onenot what they lack—the lack produces indifference to the opposite of the lack.

11 [247]

There are explosions in the molecule and changes in the path of all atoms, and sudden releases of force. It could also happen in one moment that our entire solar system experiences such a stimulus as the nerve exerts on the muscle. That this has never happened or will happen is not provable.

11 [248]

Hypothesis in the long run more powerful than any belief—provided that it lasts much longer than a rel dogma.

11 [249]

Boldness inward and modesty outward, toward all “outer”—a German union of virtues, as was once believed,—I have so far found most beautifully in Swiss artists and scholars: in Switzerland, where all German qualities seem to me to grow far more abundantly because far more protected than in present-day Germany. And what poet could Germany set against the Swiss Gottfried Keller? Does it have a similar path-seeking painter like Böcklin? A similar wise scholar like J.Burckhardt? Does the great fame of the naturalist Häckel detract in any way from the greater worthiness of fame of Rütimeyer?—to name just a series of good names. Alpine and Alpine valley plants of the spirit still grow there, and just as in Goethe's youth one drew high German impulses from Switzerland itself, as Voltaire, Gibbon, and Byron learned to indulge their supranational sensibilities there, so even now a temporary Verschweizerung is a advisable means to look a little beyond the German momentary economy.

11 [250]

Not remorse! but to make evil good through a good deed!

11 [251]

In Lohengrin there is much blue music. Wagner knows the opiate and narcotic effects and uses them against the nervous restlessness of his musical inventiveness, of which he is well aware.

11 [252]

I am always amazed, stepping outside to think, with what splendid certainty everything affects us, the forest like this and the mountain like that, and that there is no confusion and mistake and hesitation in us, with regard to all sensations. And yet the greatest uncertainty and something chaotic must have existed, only over enormous periods of time has all this become so firmly inherited; people who felt essentially differently, about spatial distance, light and color, etc., were pushed aside and could hardly reproduce. This way of feeling differently must have been perceived and avoided as “the madness” over long millennia. One no longer understood each other, one let the “exception” perish by the wayside.

An enormous cruelty has existed since the beginning of all organic life, excluding everything that “felt differently.”— Science is perhaps only a continuation of this exclusion process; it is completely impossible unless it recognizes “the normal human” as the supreme “measure,” to be preserved by all means!— We live in the remnants of the sensations of our ancestors: as it were, in fossilized feelings.You have written poetry and fantasized—but the decision whether such poetry and fantasy could remain alive was determined by experience, whether one could live with it or whether one would perish with it. Errors or truths—if only life was possible with them! Gradually, an impenetrable net has emerged! Entangled in it, we enter life, and even science does not free us.

11 [253]

When moral sufferings have made life difficult—it is because it is by no means possible to take a moral feeling relatively; it is essentially unconditional, just as bodies appear unconditional to us, as do the state, the soul, and the community. No matter how much we remind ourselves of the becoming of all these things: they affect us as uncreated, imperishable, and impose absolute duties. “The neighbor” as well, no matter how wise we may be about him. The drive to take things unconditionally has been cultivated very powerfully.

11 [254]

There would be no suffering if there were nothing organic, i.e., without the belief in the same, i.e., without this error there would be no pain in the world!

11 [255]

Science has increasingly succeeded in establishing the sequence of things in their course, so that the processes become practical for us (e.g., as they are practical in the machine). The insight into cause and effect is not thereby created, but a power over nature can be gained in this way. The proof soon reaches its end, and further refinement would be of no use to mankind.— Up to now, this has been mankind's great achievement: in many things, to attain the possible precision in observing the sequence and thus to be able to imitate it for his purposes.

11 [256]

Our parents continue to grow within us; their later-acquired traits, which are also present in the embryo, take time. We only come to know the traits of our father as he was when he was a man when we ourselves become men.

11 [257]

I have seen tragedy with music high above Wagner—and heard music in the tragedy of existence high above Schopenhauer.

11 [258]

On the "cure of the individual."

1) he should start from the nearest and smallest things and establish all the dependencies into which he was born and raised

2) likewise, he should understand the accustomed rhythm of his thinking and feeling, his intellectual nutritional needs

3) Then he should attempt change of all kinds, initially to break habits (many diet changes, with the finest observation

4) he should lean intellectually on his adversaries once, he should try to eat their food. He should travel, in every sense. During this time, he will be “restless and fleeting.” From time to time, he should rest over his experiences—and digest.

5) Then comes the higher: the attempt to compose an ideal. This precedes the even higher—living this ideal.

6. He must go through a series of ideals.

11 [259]

Principle: what is to be venerated must not be pleasant. Consequently

11 [260]

There is a part of the night that I call “here time stops!” After all night watches, especially after nighttime journeys and wanderings, one has a strange feeling about this period: it was always far too short or far too long, our sense of time feels an anomaly. It may be that we also have to atone for it while awake, that we usually spend that time in the temporal chaos of dreams! enough, at night from 1-3 a.m. we no longer have the clock in our heads.It seems to me that this is exactly what the ancients expressed with *intempestiva nocte* and (Aeschylus) “when in the night, where there is no time”; and I also interpret etymologically a dark word of Homer’s to denote the deepest, stillest part of the night: let the translators render it as “time of the night-milking”—where in all the world has anyone ever milked cows at one o’clock at night! Where was one ever so foolish!

11 [261]

It is our task to preserve the purity of music and to prevent it from being misused for mystical, semi-religious purposes now that, after having been shaped by the Baroque style and after long assimilation, it has now been made capable of tremendous sudden effects:—every future sorcerer and Cagliostro will attempt to work with music and spiritism, and revivals of religious and moral instincts are possible in this way—perhaps one will try to restore an inner glow to the Christian Eucharist through music.— That it requires no words is its greatest advantage over poetry, which appeals to concepts and thus collides with philosophy and science: but we do not notice when music leads us away from philosophy and science, seduces us!

11 [262]

The history of philosophy has so far been only brief: it is a beginning, it has not yet waged wars or united peoples; the highest point of its preliminary stage are the ecclesiastical wars, the age of religion is far from over. Later, philosophical opinions will one day be taken as matters of life and existence, just as religious and political ones have sometimes been—taste and disgust in opinions will become so great that one will no longer want to live as long as another opinion still exists.

The entire philosophy will be lived out before this forum of mass taste and mass disgust—probably there were already preceding, but entirely indifferent religious individuals before the age of religions, corresponding to the preceding and indifferent individual philosophers.— As "truth," what corresponds to the necessary life conditions of the time, the group, will always prevail: in the long run, the sum of opinions of humanity will be incorporated, those in which it has its greatest benefit, i.e., the possibility of the longest duration. The most essential of these opinions, on which the duration of humanity is based, have long been incorporated, e.g., the belief in equality, number, space, etc.Therefore the struggle will not revolve—it can only be an expansion of these erroneous foundations of our animal existence.— Important as the most significant monument of the enduring spirit is the Chinese way of thinking.— It will thus hardly be the history of “truth,” but rather that of an organic structure of errors, which passes into body and soul and finally dominates the sensations and instincts.There is a continuous selection of what belongs to life. The claim to life preservation will increasingly tyrannically take the place of the "sense of truth," i.e., it will receive and retain its name from it.— We individuals live our precursor existence, leaving it to those who come after us to wage wars over our opinions—we live in the middle of human time: greatest happiness!

11 [263]

Deepest error in the judgment of people: we assess them by their effects, using the measure effectus aequat causam. But a person only exerts stimuli on other people; it depends on what is present in other people whether the powder explodes or the stimulus has almost no effect. Who would judge a match by the fact that it later destroyed a city! Yet that is what we do! The effects prove which elements were present in the other people of the time: that he exerted a stimulus; and with what means and with what actual intentions, one must still ask!— It is teleology to believe that the great one must come at the time when the existing elements are ready to explode.

What is important, in any case, is that the incentivizing power of a person can remain after their death, through their works or through the legend that forms about their life: this is what those should consider who exert no “charm” on their time.

Finally: we err just as much about things because we judge them by their effects on us: how different blue and red seem to us, and yet it is merely a matter of more or less length of the nerve! Or the same chemical components arranged in different ways yield different results, and how we perceive this difference! We measure everything by the explosion that a stimulus triggers in us, as large, small, etc.

11 [264]

The impact is not the first mechanical fact, but rather that something exists which can impact, that aggregate-herd state of atoms which is not merely dust but holds together: here there is precisely non-impact and yet force, not only of counter-striving, resistance, but above all of arrangement, integration, adherence, transitional and unifying force. Such a clump can later, as a whole, “impact”!

11 [265]

The complete equilibrium must either be an impossibility in itself, or the changes in force enter the cycle before that equilibrium, which is possible in itself, has been achieved.— To ascribe a “self-preservation instinct” to being! Madness! To ascribe “striving for pleasure and displeasure” to atoms!

11 [266]

One did not eat the flesh because one did not want to consume the souls of humans, so it was merely a revulsion against cannibalism, in Pythagoras as with the Indians. Not pity for the animals! Causing pain through killing is not necessary at all: and with regard to the probable natural death, the human who kills the animals has, in general, eased the lot of the animal world, especially since they have no foreknowledge of death.— Whoever does not wish to live “off the living” should also abstain from plants!— The pity of the Christian saints was pity for beings in whom the devil dwells—not for the “living.”

11 [267]

“The immorality” of Boccaccio is of Indian origin.

11 [268]

For there to be a subject at all, there must be something enduring, and likewise much sameness and similarity must be present. The unconditionally different in constant change could not be grasped, could not be held onto anything, it would flow away like rain from a stone. And without something enduring, there would be no mirror at all in which a side-by-side and succession could be shown: the mirror already presupposes something enduring.—Now, however, I believe: the subject could arise through the error of the same arising, e.g., when a protoplasm receives only one stimulus from different forces (light electricity pressure) and concludes from the one stimulus to the equality of the causes: or in general is capable of only one stimulus and perceives everything else as the same—and this is probably how it must proceed in the organic at the deepest level.

First, belief arises in the persistence and equality outside us—and only later do we grasp ourselves, after the immense practice with the external, as something persisting and self-equal, as unconditional. The belief (the judgment) must therefore have arisen before self-consciousness: in the process of assimilation of the organic, this belief is already present—i.e., this error!— This is the secret: how did the organic come to the judgment of the equal, the similar, and the persisting? Pleasure and displeasure are only consequences of this judgment and its incorporation; they already presuppose the accustomed stimuli of nourishment from the equal and similar!

11 [269]

Formerly, it was thought that infinite activity in time required an infinite force that would not be exhausted by any consumption. Now, force is thought to be always the same, and it no longer needs to become infinitely large. It is eternally active, but it can no longer create infinite cases; it must repeat itself: this is my conclusion.

11 [270]

Stimulus and causative thing confused from the very beginning! The equality of stimuli gave rise to the belief in “equal things”: the persistently equal stimuli created the belief in “things,” “substances.”

In the way the first organic formations perceived stimuli and judged the external, the life-preserving principle must be sought: the belief that prevailed, that preserved itself, was the one with which survival became possible; not the most true, but the most useful belief.“Subject” is the life condition of organic existence, therefore not “true,” but subject-sensation can essentially be false, yet as the sole means of preservation. The error father of the living!

This primal error is to be understood as a chance occurrence! To be guessed!

In the most developed states, we still commit the oldest error: for example, we imagine the state as a whole, enduring, real, as a thing, and accordingly we integrate ourselves into it as a function. Without the protoplasm’s conception of a “lasting thing” beyond itself, there would be no integration, no assimilation.

There are very few stimuli compared to the truly many stimulating causes—upon this the oldest error was based.

11 [271]

In the forest, the tree grows quickly, in its longing for air and light, but “it develops few roots and is therefore not very durable: while the trees, to which light and air have free access, stand for centuries: the depth and spread of the roots is proportional to their durability. But consequently, slow ascent!”

11 [272]

My opposition to the spirit of commerce, as the spirit of the age.

11 [273]

I would like Germany to take possession of Mexicos, in order to set the tone on earth through an exemplary forestry culture in the conservative interest of future humanity.— The time is coming when the struggle for world domination will be fought—it will be fought in the name of philosophical principles. Already now the first power groups are forming, one is practicing the great principle of blood and racial kinship.

Nations” are much finer concepts than races, fundamentally a discovery of science that is now being incorporated into feeling: wars are the great teachers of such concepts and will continue to be.— Then come social wars—and again concepts will be incorporated! Until finally the concepts no longer serve merely as pretexts, names, etc., for movements of peoples, but the most powerful concept must prevail.

The social wars are notably wars against the commercial spirit and restrictions on the national spirit. Climatic decisions about populations and races in America.— Slavic-Germanic-Nordic culture!—the inferior, but stronger and more industrious one!

11 [274]

There is a continuous progress in climatic adaptation, and now it is enormously accelerated because the elimination of unsuitable individuals is so easy: and also because adaptation is now supported by science (e.g., heat, groundwater, etc.).

Animal species have mostly, like plants, achieved an adaptation to a specific part of the Earth, and now have something fixed and stabilizing for their character; they do not change in essence anymore.

Unlike man, who is always restless and unwilling to adapt permanently to a single climate, humanity strives to create a being capable of thriving in all climates (even through fantasies like "equality of men"): a universal earthly man shall emerge, therefore man still changes (where he has adapted, e.g., in China, he remains almost unchanged for millennia). The trans-climatic artificial man, who knows how to compensate for the disadvantages of each climate and provide substitutes for what the climate lacks (e.g.B. stoves), drags into every climate—a demanding, hard-to-maintain being! The "workers' distress" prevails where the climate is in contradiction to man! and only a few can create the means of compensation (naturally, in struggle, and tyrannically).

In the educated circles of the North, the winter sickness prevails.—Perhaps the stoves bring about a permanent poisoning! Compared to the French, the German appears like a stunted stove-sitter.

11 [275]

Do not be a despiser of pleasure!

11 [276]

The transformation of man first requires millennia for the formation of the type, then generations: finally, one man passes through several individuals during his life.

Why should we not achieve in man what the Chinese know how to do with the tree—that it bears roses on one side and pears on the other?

Those natural processes of breeding man, for example, which have hitherto been practiced infinitely slowly and clumsily, could be taken in hand by men: and the old clumsiness of races, racial struggles, national fevers, and personal jealousies could, at least in experiments, be compressed into short periods.— Entire parts of the earth could devote themselves to conscious experimentation!

11 [277]

It would be conceivable to have noses whose olfactory nerves would only be tickled by the ejecta of a volcano. In fact, the surfaces of all things that smell seem to be in a state of constant explosion; the force with which the small masses are emitted must be enormous—I think, for example, of the effect of camphor on water.— Thus, the Earth is always enveloped in thick clouds of the finest matters; without these, the water vapor would not be able to condense into clouds.

11 [278]

To infer from the large to the small: we see currents at work everywhere, but these are not lines! It will likely be the same in the realm of atoms, where forces flow and exert pressure just as much horizontally as in relation to what they strike. A line is an abstraction compared to the probable state of affairs: we cannot depict a moving force with any sign, but rather conceptually isolate 1) the direction 2) the moving object 3) the pressure, etc. In reality, these isolated things do not exist!

11 [279]

The principle “to do something for the sake of one’s neighbor” is either an atavism of feeling, at a time when the bond with the community has weakened, or an unclear feeling of herd instinct, which does not even consider people outside the community, because they are so distant, and only has the member of the community in mind when it comes to the neighbor (e.g., with “freedom” and “equality,” where one certainly does not think of the Hottentots). Or it is a mask for that feeling: a community is to be formed, e.g., the Christian one. Where that principle appears, one usually wants to form communities, e.g., the followers of Comte.

11 [280]

The laws are not the expression of a people's character: I mean, the flaws in character, as they appear to the powerful (as obstacles to their power and intentions) are emphasized. Moreover, they are fixed and the people evolve: so that very soon a disproportion arises.

11 [281]

Only the sequence creates the concept of time. Suppose we did not perceive causes and effects, but rather a continuum, then we would not believe in time. For the movement of becoming does not consist of static points, of equal resting intervals. ◎ The outer periphery of a wheel is just like the inner periphery, always in motion and, though slower, yet compared to the faster-moving inner, not at rest. Between slow and fast motion, "time" cannot decide.

In absolute becoming, force can never rest, never be un-force: “slow and fast movement of the same” is not measured by a unit that is absent here. A continuum of force is without succession and without juxtaposition (this too would again presuppose human intellect and gaps between things). Without succession and without juxtaposition, there is for us no becoming, no plurality—we could only claim that this continuum is one, still, unchanging, no becoming, without time and space. But this is precisely only the human opposite.

11 [282]

Which articles of faith are essential for the refinement of humanity?— First, to avoid reverting to savagery and unsociability. There could also be indispensable errors here.

11 [283]

Jesus was a great egoist.

11 [284]

The feeling of power first conquering, then dominating (organizing)—it regulates the overcome to its preservation and to that end it preserves the overcome itself.— Even the function arose from the feeling of power, in the struggle with even weaker forces. The function preserves itself in the overwhelming and domination over even lower functions—in this it is supported by the higher power!

11 [285]

Once I thought our existence was the artistic dream of a god, all our thoughts and feelings fundamentally his inventions in the imagining of his drama—even that we believed, “I think” “I act” was his thought. The lawfulness of nature would be comprehensible as the lawfulness of his ideas—or it would suffice that he thought of us as those who perceive nature as we perceive it.— Not a happy god, but precisely an artist-god!

11 [286]

Without the immense certainty of faith and willingness of faith, man and animal would not be viable. On the basis of the smallest induction to generalize, to make a rule for one's behavior, to believe the once-done, which has proven itself, as the only means to the end—that, fundamentally the crude intellectuality, has preserved man and animal. Countless times to err thus and suffer from the false conclusion is far less harmful in the whole than skepticism and indecision and caution. To regard success and failure as proofs and counterproofs against the faith is a human fundamental trait: “what succeeds, its thought is true.”— How securely the world stands before us as a result of this raging greedy faith! How securely we execute all movements!“I”—how secure one feels about that!—So the *low* intellect, the *un*scientific nature is the *condition* of existence, of action; we would starve without it. Skepticism and caution are permitted only late and always rarely. *Habit* and *unconditional belief* that things must be as they are is the foundation of all growth and strengthening.—Our entire worldview has arisen in such a way that it has been proven by *success*; we can *live* with it (belief in external things, freedom of the will).Likewise, every morality is only proven thus.— Now the great counter-question arises: there can probably be countless forms of life and consequently also of representation and belief. If we establish everything necessary in our current mode of thought, we have proven nothing about the “True in itself,” but only “the True for us,” i.e., that which enables our existence based on experience—and the process is so old that rethinking is impossible. Everything a priori belongs here.

11 [287]

The dissolution of custom, of society is a state in which the new egg (or several eggs) emerge—eggs (individuals) as germs of new societies and units. The appearance of individuals is the sign of the attained reproductive capacity of society: as soon as it appears, the old society dies off. This is no allegory.— Our eternal “states” are something unnatural.— As many new formations as possible!— Or conversely: if the tendency toward perpetuation of the state appears, then also a decline of individuals and infertility of the whole: for this reason the Chinese consider great men a national misfortune; they have eternal duration in view. Individuals are signs of decay.

11 [288]

There is something intoxicating in voluptuousness, which the ancient religions utilized. And even now, poets and musicians seek to harness this part of intoxicating power by evoking erotic sensations.— Artists employ all possible means of effect, quite uninhibitedly.

11 [289]

First, compulsion forces something to be done often, and later the need arises after the compulsion has been internalized (e.g., to walk when the animal can no longer swim is first compulsion, and the opposite of desire: later it becomes a need)

11 [290]

The ultimate benefit of knowledge and science is to enable the detachment of new eggs from the ovary and to allow ever new species to emerge: for science provides the knowledge of the means of preservation for new individuals.— Without advances in knowledge, new individuals would always perish quickly, the conditions of existence would be too harsh and accidental. Already the torment of inner contradiction!

11 [291]

There are probably many types of intelligence, but each has its own lawfulness, which makes the conception of a different lawfulness impossible for it. Since we therefore cannot have any empirical knowledge of the various intelligences, every path to insight into the origin of intelligence is also closed. The general phenomenon of intelligence is unknown to us; we only have the special case, and cannot generalize. Here alone we are entirely slaves, even if we wanted to be fantasists! On the other hand, there must be an understanding of the world from each type of intelligence—but I believe it is only the fully realized adaptation of the lawfulness of the individual type of intelligence—it enforces itself everywhere. Every intelligence believes in itself

11 [292]

Let us go backwards once. If the world had a goal, it would have to be achieved: if there were an (unintended) final state for it, it would also have to be reached. If it were capable of persevering and becoming rigid at all, if there were only one moment of “being” in the strict sense in its course, then there could be no more becoming, and thus no thinking, no observing of a becoming. If it were eternally becoming anew, it would thereby be posited as something in itself wonderful and free and self-creative-divine.

The eternal new becoming presupposes: that the force increases itself arbitrarily, that it not only has the intention but also the means to guard itself against repetition, to relapse into an old form, thus in every moment to control every movement for this avoidance—or the inability to get into the same situation: that would mean that the quantity of force is nothing fixed and likewise the properties of the force. Something un-fixed of force, something undulatory is unthinkable to us. If we do not want to fantasize into the unthinkable and not fall back into the old creator concept (increase from nothing, decrease from nothing, absolute arbitrariness and freedom in growing and in properties) —

11 [293]

With regard to all our experience, we must always remain skeptical and say, for example: we cannot claim eternal validity for any "law of nature," we cannot claim eternal persistence for any chemical quality, we are not fine enough to perceive the presumed absolute flux of events: the permanent exists only by virtue of our coarse organs, which summarize and project onto surfaces what so does not exist at all.

The tree is in every moment something new: the form is asserted by us because we cannot perceive the finest absolute movement: we impose a mathematical average line into the absolute movement, we add lines and surfaces at all, based on the intellect, which is the error: the assumption of the same and the persistent, because we can only see what is persistent and only remember what is similar (the same). But in itself it is different: we must not transfer our skepticism into the essence.

11 [294]

The prosperity, the comfort that creates satisfaction for the senses, is now desired, the whole world wants above all that. Consequently, it will move towards a spiritual slavery that has never existed before. For this goal is to be achieved, the greatest disturbances now must not deceive. The Chinese are proof that permanence can also be part of it. The spiritual Caesarism hovers over all endeavors of merchants and philosophers.

11 [295]

Our current education has the value of a kind of compulsory wandering in the time of the Middle Ages and the guilds. The counterbalance, to comfortably settle at home according to homely standards, once had an effect. Now, the intention is towards sensory prosperity and alongside it the image of all other cultures that wanted something beyond or against sensory prosperity.

The guild compulsion taught learning: eventually, an individual learning drive emerged through inheritance. Learning is originally harder than all work, hence hated. The scholars therefore had an advantage in the Middle Ages.

11 [296]

Whoever hates or despises foreign blood is not yet an individual, but rather a kind of human protoplasm.

11 [297]

Become more and more the one you are—the teacher and creator of yourself! You are not a writer, you write only for yourself! Thus you preserve the memory of your good moments and find their connection, the golden chain of your self! Thus you prepare yourself for the time when you must speak! Perhaps you will then be ashamed of speaking, as you have sometimes been ashamed of writing, that it is still necessary to interpret oneself, that actions and non-actions are not enough to communicate yourself. Yes, you want to communicate yourself!There will come a time when much reading will be considered bad taste: then you will no longer have to be ashamed of being read; whereas now anyone who addresses you as a writer insults you; and whoever praises you for your writings gives you a sign that his tact is not refined, he creates a chasm between himself and you—he does not even suspect how much he degrades himself when he believes he is elevating you so. I know the state of present-day people when they read: Ugh! To want to provide and create for this state!

11 [298]

When people are divided over opinions and shed blood and make sacrifices, culture is high: for opinions have become goods.

11 [299]

Hellwald, Häckel and their ilk—they have the mindset of specialists, and a frog-nosed wisdom. The tiny piece of brain that is open to the knowledge of their world has nothing to do with their entirety; it is a corner talent, like when one draws, another plays the piano; they remind me of the old honest David Strauss, who quite innocently recounts how he must pinch and prod himself to determine whether he still has any feeling for general existence. These specialists do not have it and are therefore so “cold”; education camels, on whose humps much good insight and knowledge sit, without preventing the whole from being just a camel.

11 [300]

Plant-based food and wine—that would be the craziest of all possible lifestyles!

11 [301]

Without imagination and memory, there would be no pleasure and no pain. The emotions aroused thereby instantly draw on past similar cases and on the worst possibilities, interpreting them, reading into them. That is why a pain is generally entirely out of proportion to its significance for life—it is purposeless. But where an injury is not perceived by the eye or touch, it is much less painful; there, the imagination is untrained. Pain is greatest in the fingers, in the teeth, in the head, etc.

11 [302]

The magnificent in nature, all sensations of the lofty, noble, graceful, beautiful, kind, stern, powerful, overwhelming, which we have in nature and in man and history, are not immediate feelings, but aftereffects of countless errors incorporated into us—everything would be cold and dead to us without this long schooling. Even the sure lines of the mountains, the sure gradations of color, the different pleasure in each color are legacies: at some point this color was less associated with threatening phenomena than another and gradually it had a calming effect (like blue)

11 [303]

The egoism has been vilified by those who practiced it (communities, princes, party leaders, founders of religions, philosophers like Plato); they needed the opposite attitude in the people who were to serve them as function.— Where a time, a people, a city stands out, it is always because the egoism of the same becomes conscious and no longer shuns any means (no longer ashamed of itself). Wealth in individuals is wealth in those who are no longer ashamed of their own and deviant nature. When a people becomes proud and seeks opponents, it grows in strength and goodness.— To glorify selflessness! and admit, as Kant does, that probably never an act of it has been done!

So just to degrade the opposite principle, to depress its value, to make people cold and contemptuous, consequently to make them lazy in thought toward egoism!—For so far it has been the lack of fine, systematic, thought-rich egoism that has kept people as a whole on such a low level! Equality is considered binding and desirable! A false notion of harmony and peace haunts us as the most useful state. In truth, a strong antagonism is needed everywhere—in marriage, friendship, state, federation of states, corporations, scholarly associations, religion—so that something proper may grow. Opposition is the form of strength—in peace as in war, consequently different forces and not equal ones must exist, for the latter would balance each other out!

11 [304]

Absorb your life situations and coincidences—and then transition into others! It is not enough to be one person, even if it is the necessary beginning! Ultimately, it would mean urging you to be limited! But to transition from one into another and live through a series of beings!

11 [305]

Infinite new changes and states of a specific force is a contradiction, no matter how great or how sparingly it changes, assuming it is eternal. Thus, one would conclude 1) either it has only been active from a certain point in time and will likewise cease at some point—but to conceive of a beginning of its activity is absurd; if it were in equilibrium, it would be so eternally! 2) or there are not infinitely new changes, but rather a cycle of a fixed number of them repeats again and again: the activity is eternal, the number of products and force states finite.

11 [306]

Nature does not build for the eye; form is a random result. Consider that in an egg cell, all atoms perform their movements, that forms only exist for eyes, and that atoms without eyes cannot want them either.

11 [307]

Schopenhauer was probably left with a thought of Spinoza’s in his heart: that the essence of every thing’s appetitus is and that this appetitus consists in persisting in existence. This once dawned on him and made such sense to him that he never again carefully reconsidered the process “Will” (just as little as all his fundamental concepts—he was without doubt regarding them, because he had come to them without proper reason and empiricism).

11 [308]

How irregular is the Milky Way! (Vogt. p 110)

11 [309]

Observe how a pleasure arises, how many ideas must come together! and finally it is One and Whole, and no longer wants to be recognized as a plurality. So it could be with every pleasure, every pain! They are brain phenomena! But long since incorporated into us and now presenting themselves only as a whole! Why does a cut finger hurt? In itself it does not hurt (even though it experiences "stimuli"), the one whose brain is chloroformized has no "pain" in the finger.Would it have been necessary for the judgment about the injury of a functioning organ to come first from the representing unity? Is it the unity that alone conceives the damage and—now causes us to perceive it as pain by sending the strongest stimuli to where the harm occurred? Could the intention of flight, defense, caution, or rescue also lie within the pain? A means to prevent further damage? At the same time, rage over the injury, a feeling of revenge, all in one? Everything together—pain? Thus coming to our consciousness as a confusion and unity of feeling?

11 [310]

He was ashamed of his holiness and disguised it.

11 [311]

Isn't the existence of some diversity and not complete circularity in the world around us already a sufficient counterargument against a uniform circular form of all that exists? Where does the diversity within the circle come from? Where does the duration of this unfolding diversity come from? Isn't everything far too manifold to have arisen from One? And aren't the many chemical laws and again organic species and forms inexplicable from One? Or from Two?— Suppose there were a uniform “contraction energy” in all force centers of the universe, the question arises, where could even the slightest diversity come from?

Then the universe would have to dissolve into countless completely identical rings and spheres of existence, and we would have countless completely identical worlds side by side. Is it necessary for me to assume this? An eternal succession of identical worlds alongside an eternal coexistence? But the multiplicity and disorder in the world known to us so far contradicts this—it cannot be that such universal uniformity of development has existed; it should also have resulted in a uniform spherical existence for our part! Could the emergence of qualities truly not be inherently lawful?Should different things be able to emerge from "power"? Arbitrary things? Should the regularity that we observe deceive us? Not be a fundamental law? Should the diversity of qualities in our world also be a consequence of the absolute emergence of arbitrary properties? Only that it no longer occurs in our corner of the world? Or has it adopted a rule that we call cause and effect, without it actually being one (a whim that has become a rule, e.g., oxygen and hydrogen chemically)??? Should this rule merely be a longer whim?

11 [312]

Whoever does not believe in a circular process of the universe must believe in an arbitrary God—this is how my consideration conditions itself in contrast to all previous theistic ones! (see Vogt p. 90.)

11 [313]

What I propose as a counter-hypothesis against the circular process is:

Could it be possible to derive the laws of the mechanical world equally as exceptions and, so to speak, accidents of general existence, as one possibility among countless others? That we have been accidentally thrown into this mechanical corner of world order? That all chemistry is in turn the exception and the accident within the mechanical world order, and finally that the organism within the chemical world is the exception and the accident?— Should we really assume, as the most general form of existence, a world that is not yet mechanical, one that is exempt from mechanical laws (though not inaccessible to them)?Which in fact would be the most general even now and always? So that the emergence of the mechanical world would be a lawless game, which finally gains just as much consistency as the organic laws do for our observation? So that all our mechanical laws would not be eternal, but have become, among countless different mechanical laws, remaining from them, or having come to dominate in individual parts of the world, but not in others?— It seems we need a whim, a real lawlessness, only an ability to become lawful, a primordial stupidity, which is not even fit for mechanics? The origin of qualities presupposes the origin of quantities, and these in turn could arise according to a thousand kinds of mechanics.

11 [314]

Our higher pains, the so-called pains of the soul, whose dialectic we often still see when some event occurs, are slow and prolonged, compared to lower pain (e.g., in the case of an injury), whose character is suddenness. But the latter is just as complicated and dialectical at its core, and intellectual—the essential thing is that many affects burst forth at once and oneach other—this sudden confusion and chaos is for consciousness the physical pain.— Pleasure and pain are not “immediate facts,” as representation is. A multitude of representations, incorporated into drives, are at hand in a flash and against each other. The opposite is the case with pleasure: the representations, equally quick at hand, are in harmony and balance—and this is perceived by the intellect as pleasure.

11 [315]

There have been countless modi cogitandi, but only those that advanced organic life have been preserved—will they have been the finest?— The simplification is the main necessity of the organic; to see the relationships much more compressed, to grasp cause and effect without the many intermediate links, to find much dissimilarity similar—this was necessary—thus an incomparably greater search for nourishment and assimilation took place, because the belief that something could be found for nourishment was aroused much more often—a great advantage in the growth of the organic!The desire multiplied a thousandfold by the thousandfold probability of satisfaction, the organs of searching strengthened—: the erring and misreaching may grow into the countless, but the favorable grasps become more frequent! The “error” is the means to the happy accident!

11 [316]

The last organisms, whose formation we observe (peoples, states, societies), must be used to instruct us about the first organisms. The ego-consciousness is the last thing to be added when an organism is fully functioning, almost something superfluous: the consciousness of unity, in any case something highly imperfect and often misguided compared to the truly innate, incorporated, working unity of all functions. Unconscious is the great main activity. Consciousness appears usually only when the whole seeks to subordinate itself to a higher whole—initially as consciousness of this higher whole, the beyond-itself. Consciousness arises in relation to the being of which we could be a function—it is the means to incorporate us.

As long as it concerns self-preservation, consciousness of the self is unnecessary.— Already in the lowest organism. The foreign, larger, stronger is first represented as such.— Our judgments about our “self” lag behind and are carried out after the introduction of the external, the power that rules over us. We signify to ourselves that, as what we count in the higher organism—general law.

The sensations and affects of the organic are all long since fully developed before the unitary feeling of consciousness arises.

Oldest organisms: chemical slow processes, enclosed in even much slower ones as if in shells, exploding from time to time and then spreading around and thereby drawing new nourishment to themselves.

11 [317]

You say: “those errors were necessary for that stage, as a remedy—the cure of the human race has had a necessarily rational course!” In this sense, I deny the rationality. It is accidental that this and every article of faith prevailed, not necessary—the same healing effect might have come from another. But above all! The consequence of the healing effects has been very arbitrary, very irrational! Moreover, almost all brought with them a deep other illness! This entire cure of humanity has been endured by it—that is the most remarkable thing! It was certainly not the most rational, nor the only-possible one! But it was possible!

11 [318]

You think you have long rest until rebirth—but do not deceive yourselves! Between the last moment of consciousness and the first glimmer of new life lies “no time”—it passes as quickly as a lightning strike, even if living creatures could measure it after billions of years and not even measure it. Timelessness and succession coexist as soon as the intellect is gone.

11 [319]

Intellectually measured, how erroneous are pleasure and pain! How false it would be to judge if one were to conclude the value for life based on the degree of pleasure or pain! In pain there is as much stupidity as in blind affects, indeed it is anger, revenge, flight, disgust, hatred, overflow of the imagination (exaggeration) itself; pain is the undifferentiated, confluent mass of affects. Without intellect there is no pain, but the lowest form of intellect comes to light there—the intellect of “matter,” of “atoms.”— There is a way to be surprised by an injury (like the one who, sitting on a cherry tree, got a shotgun pellet through his cheek) so that one does not feel the pain at all. Pain is a brain product.

11 [320]

If one understands how even now life on a large scale (in the course of states' moralities, etc.) is generated by errors: how these errors must always become higher and finer: then it becomes probable that what originally generated life was precisely the crudest conceivable error—that this error first developed and that, in general, the oldest and most deeply ingrained errors are those on which the continuation of society depends.Not the truth, but the usefulness and preservability of opinions has had to prove itself in the course of empiricism; it is a delusion, contradicted even by our present experience, that the greatest possible adaptation to the actual state of affairs is the most life-favorable condition.— There may have been very many approaches to conceptions of things that were truer (and there are still some), but they perish, they no longer wish to incorporate themselves—the foundation of errors on which everything now rests acts selectively, regulatively, it demands from everything "recognized" an adaptation as a function—otherwise it excludes it.— Within every small circle, the process repeats itself: many approaches to new opinions are made, but a selection takes place, the living and the will-to-remain-in-life decides.Opinions have never destroyed anything—but in every collapse, the opinions that were previously suppressed shoot up freely. Every new insight is harmful until it has transformed into an organ of the old and acknowledges the hierarchy of old and young within it—it must remain embryonic-weak for a long time; ideas often only reveal their true nature late, they needed time to incorporate themselves and grow large.

11 [321]

The untruth must be derivable from the "own true essence" of things: the splitting into subject and object must correspond to the real state of affairs. Not knowledge belongs to the essence of things, but error. The belief in the unconditional must be derivable from the essence of esse, from the general conditionedness! Evil and pain belong to what is real: but not as permanent properties of esse.For evil and pain are only consequences of imagining, and that imagining is an eternal and universal property of all being—whether there can be enduring properties at all, whether becoming does not exclude all that is equal and enduring, except in the form of error and illusion, while imagining itself is a process without equality or endurance?—Has error arisen as a property of being? To err is then a continual becoming and changing?

11 [322]

The higher the intellect, the more the extent of pain and pleasure increases, in scope and degree.

11 [323]

How completely erroneous is the sensation! All our movements based on sensations are grounded in judgments—ingrained opinions about specific causes and effects, about a mechanism, about our “I” etc. But all of it is false! Nevertheless: we may know better, but as soon as we act practically, we must act against this better knowledge and place ourselves in the service of the sensory judgments! This is the stage of cognition, which is much older than the stage of language invention—mostly animalistic!

11 [324]

Imagining itself is not the opposite of the properties of esse: rather only its content and its law.— Feeling and will are known to us only as representations, thus their existence is not proven. If they are known to us only as the content of representation and according to the law of representation, then they must appear to us as similarly persistent, etc. In fact, every feeling is grasped by us as something somehow enduring (a sudden blow?) and not as something inherently new and unique, but as something similar and equal to what is known.

11 [325]

We would have nothing to measure, compare, and represent without assuming a mode of being opposed to true reality: error is the prerequisite of knowledge. Partial persistence, relative bodies, identical processes, similar processes—with these we falsify the true state of affairs, but it would be impossible to know anything about it without first having falsified it in this way. For although every cognition is still false in this way, there is nevertheless such a representing, and among representations again a multitude of degrees of the false. To determine the degrees of the false and the necessity of the fundamental error as the lifecondition of representational being—task of science.

Not "how is error possible," the question reads, but: how is a kind of truth possible despite the fundamental untruth in cognition at all possible?— The representing being is certain, indeed our only certainty: what it represents and how it must represent is the problem. That being represents is no problem, it is simply the fact: whether there is any being other than a representing being at all, whether representing does not belong to the property of being, is a problem.

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I am always learning more: the distinguishing factor between people is how long they can maintain a high mood within themselves. Some barely an hour, and with others one might doubt whether they are capable of high moods at all. There is something physiological about it.

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Women who are overly lively and wish to dampen the impression of it choose blue colors: and likewise, there are blue color tones in books with which their creator seeks to balance his restless excitability.

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A person who has to swallow so many poisonous brews every day is always to be admired when they know times of great emotions and do not have a principled disgust for the "Great".

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The antinomy: “the elements in the given reality that are alien to the true essence of things cannot originate from it, must therefore have been added—but from where? since there is nothing beyond the true essence—consequently, an explanation of the world is as necessary as it is impossible.” I resolve this as follows: the true essence of things is a fabrication of the representing being, without which it cannot represent.

Those elements in the given reality which are foreign to this fabricated "true essence" are the properties of being, are not added. But also the representing being, whose existence is bound to the erroneous belief, must have arisen, if those properties (of change, of relativity) are inherent to esse: simultaneously must have arisen representing and belief in the self-identical and enduring.— I mean that already all organic presupposes representing.

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Basic certainty.

“I represent, therefore there is a being” cogito, ergo est.— That I am this representing being, that representing is an activity of the I, is no longer certain: just as little is everything that I represent.— The only being that we know is the representing being. If we describe it correctly, then the predicates of being in general must be contained within it.(But when we take the act of representing itself as an object of representation, does it not become permeated, falsified, uncertain by the laws of representation?—) Representation is characterized by change, not motion: indeed, by passing away and coming into being, and within representation itself, there is nothing enduring; yet it posits two enduring things—it believes in the endurance of 1) an I 2) a content: this belief in the endurance of substance, i.e., in the sameness of the same with itself, is a contradiction to the process of representation itself.(Even if I, as here, speak quite generally of representation, I make a persistent thing out of it) In itself clear is, however, that representation is nothing at rest, nothing unchanging and identical to itself: the being that is uniquely guaranteed to us is therefore changing, not identical with itself, has relations (the conditioned; thought must have a content in order to be thought).— This is the fundamental certainty of being. Now, representation claims precisely the opposite of being! But it does not therefore have to be true!Rather, perhaps this assertion of the opposite is merely an existential condition of this kind of being, the representational kind! That is: thinking would be impossible if it did not fundamentally misconceive the essence of esse: it must assert substance and sameness because recognizing the utterly fluid is impossible; it must attribute properties to being in order to exist itself. There need be no subject and no object for representation to be possible, but representation must believe in both.— In short: what thinking grasps as the real, must grasp, can be the opposite of being!

11 [331]

We are milder and more humane! But all mildness and humanity consist in the fact that we attribute much to the circumstances and no longer everything to the person! and that we allow egoism to count in many ways and no longer regard it as evil and reprehensible in itself (as it was esteemed in the community). So: in the relaxation of our belief in the absolute responsibility of the person and our belief in the reprehensibility of the individual consists our progress out of barbarism!

11 [332]

You say: “certain articles of faith are salutary for humanity, therefore they must be believed” (thus every community has judged). But that is my deed, to have demanded the counter-reckoning for the first time!—thus to have asked: what unspeakable misery, what deterioration of mankind has arisen from the fact that the ideal of selflessness was set up, thus calling egoism evil and making it felt as evil!!—from the fact that the will of man was called free and full responsibility was ascribed to him, thus the responsibility for all egoistic—“called evil”—d.h. Natural necessities of his being: thus they gave him a bad reputation and a bad conscience:—by conceiving a holy God above man and thereby impressing the evil nature upon all action, and indeed the finer and nobler a man felt?— The relaxation of these terrible articles of faith and the relaxation in the compulsion and enforcement of faith in general has banished barbarism!— Admittedly: an even earlier barbarism, a coarser one, could only be banished by those "salutary" delusions!

11 [333]

Every imagining comes about with the help of memory, and is the product of countless experiences, judgments, errors, pleasures, displeasures of past moments in a person: even if it appears ever so suddenly. When I imagine a mountain lake, a completely different past is at work in this imagination than when a Berliner imagines it. Or: “Church” “Philosopher” “Nobleman” “Idler” etc.

11 [334]

Every pleasure and displeasure is now for us a highly complicated result, however suddenly it may appear; the whole of experience and an incalculable sum of valuations and errors of the same are contained therein. The measure of pain is not in proportion to the danger; our insight contradicts it. Likewise, the measure of pleasure is not in proportion to our present knowledge—yet it is in proportion to the “knowledge” of the most primitive and longest pre-period of human and animal existence. We stand under the law of the past, i.e., its assumptions and valuations.

11 [335]

Only the kinds of assumptions with which survival was possible have been preserved—this is the oldest critique, and for a long time the only one! Through this, the coarsest errors have become ingrained in us, ineradicable—for they often did not prevent survival. Whether an assumption in the long run caused harm (e.g., the assumption that a drink was healthy, yet shortened life in the long run), that was not considered. The short lifespan of humans may be the consequence of faulty ingrained assumptions.

At the beginning of all intellectual activity stand the coarsest assumptions and fictions, e.g., the persistence of identical things. They are as old as the intellect, and it has shaped its nature accordingly.—Only the assumptions that were compatible with organic life remained.

11 [336]

To E. R.

If I lay myself out, then I lay myself in
So may a friend be my interpreter.
And when he rises on his own path,
He carries the friend's image with him upward.
February 1882.

11 [337]

Gaya Scienza.

AlbasMorning Songs
SerenasEvening Songs
TenzoniDebate Songs
SirventesSongs of Praise and Rebuke
SontasSongs of Joy
LaïsSongs of Sorrow

11 [338]

The future of history: more and more, this idea will prevail—and those who do not believe in it must, by their very nature, finally die out!

Only those who consider their existence capable of eternal repetition will remain: among such people, however, a state is possible that no utopian has ever imagined!

11 [339]

Are you now prepared? You must have experienced every degree of skepticism and bathed with delight in icy streams—otherwise you have no right to this thought; I want to defend myself against the credulous and the fanatical! I want to defend my thought in advance! It shall be the religion of the freest, most cheerful, and most sublime souls—a lovely meadow between gilded ice and pure sky!

11 [340]

1) Enormous fact: all our moral judgments have arisen from the opposite: how did this happen?

2) how did the older moral judgment arise?

11 [341]

The punishment is not dishonoring, as long as it also affects the unintentional wrongdoer.

11 [342]

Pangs of conscience even after unintentional transgression. E.g., Oedipus.

essential: disgust with oneself!

aesthetic fundamental nature of judgment.

11 [343]

Against Spencer: “it is not expedient”—this is not a moral judgment

“It is not right, even though it is expedient”

“it degrades me” “it makes me feel horror and disgust.”

Consideration for one’s own benefit or that of society does not yet make the matter “moral”! “It is harmful to others, beneficial to me”—what must happen for this to be felt as “degrading,” as disgusting?— In and of itself, it is the right action, the natural one, in which everything thrives and flourishes.

The free will, the knowledge of the purposes of actions were felt to be immoral: this is herd instinct. Knowledge has had the bad conscience on its side.

11 [344]

In the herd no love of neighbor: but a sense for the whole and indifference toward the neighbor. This indifference is something very lofty!

11 [345]

In which sentence and belief is the decisive turning point best expressed, which has occurred through the predominance of the scientific over the religious, god-inventing spirit? We insist that the world, as a force, must not be thought of as unlimited—we forbid ourselves the concept of an infinite force, as incompatible with the concept of “force.”

11 [346]

man taking nature into service and overwhelming it

the scientific man works in the instinct of this will to power and feels justified

progress in knowledge as progress in power (but not as an individual). Rather, this slavish consumption of the scholar makes the individual lower.

11 [347]

Antagonism:Increase and intensification of the type!
Increase and intensification of its individual
organs and functions.

11 [348]

For and to me—what for? —

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