8, 47[1-15] September-November 1879

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“Er hat einen starken Willen,” sein Intellekt sein Urtheil und Phantasie ist sehr gleich in versch Zeiten, sagt dieselben Dinge oder so nahe und reizvoll—

es hat nichts mit dem freien Willen zu thun: er ist unabhängig von Anderen, also frei (als abhängig von sich). Der Unfreie Schwache ist von sich nicht genug abhängig, daher sehr von Anderen abhängig.

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Narren, die wir sind! An solche Dinge zu denken, wo Europa in zwei militärische über und über in Erz starrende Gruppen auseinandertritt (hier und dort) anscheinend, um damit die gesammt-europäischen Kriege zu verhüten, mit dem vermutlichen Erfolge aber, daß—

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Für das Volk ein Maulkorb-Christenthum!— So sagen viele Gebildete, die sich nicht zum Volk rechnen, unter sich: denn laut dürfen sie es nicht sagen, die Angst vor dem Volke ist ihr Maulkorb.

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Wenn ein griechischer K sich seine Zuhörer oder Zuschauer vor die Seele stellte, so dachte er nicht an die Frauen (weder an die Mädchen, wie deutsche Romanschriftsteller, noch an die jungen Frauen, wie alle französischen Romanschriftsteller, noch an die alten, wie die englischen Romanschriftsteller), auch dachte er nicht an das “Volk,” an die große Masse, welche arbeitend und schwitzend die Straßen und Werkstätten seiner Vaterstadt füllte: ich meine die Sklaven; er vergaß ganz die Bauern ringsumher so wie die Fremden und zeitweilig Angesiedelten seines Heimwesens: sondern allein jene Hunderte oder Tausende von regierenden Männern standen vor ihm, die eigentliche Bürgerschaft seines Ortes, also eine sehr kleine Minderheit der Einwohnerschaft, ausgezeichnet durch eine gleiche Erziehung und ähnliche Ansprüche in allen Dingen. Der Blick auf eine so feste und gleichartige Größe gab allen seinen Schriften eine sichere “Culturperspektive”: etwas, das heutzutage z. B. allen fehlt, die an den Zeitungen arbeiten.

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Der große Grund-Fehler Schopenhauer’s liegt darin, nicht gesehen zu haben, daß das Begehren (der “Wille”) nur eine Art des Erkennens und gar nichts weiter ist.

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Der Genuß der Eitelkeit ist der Genuß eines Mittels zu einem Zwecke, den man selber vergessen hat.

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O über diesen erhabenen halbblödsinnigen Ernst! Giebt es denn kein Fältchen um dein Auge? Kannst du nicht einen Gedanken auf die Fingerspitzen nehmen und ihn emporschnellen? Hat dein Mund nur diesen einen verkniffenen verdrießlichen Zug? Giebt es keine Gelegenheit, die Achseln emporzuwerfen? Ich wollte, du pfiffest einmal und benähmest dich wie in schlechter Gesellschaft, als daß du so achtbar und unausstehlich sittsam mit deinem Autor zusammensitzest.

Ein Autor hat immer seinen Worten Bewegung mitzutheilen.

Hier ist ein Leser; er merkt nicht, daß ich ihn beobachte. Er ist mir von ehemals her bekannt—ein gescheuter Kopf: es schadet nicht, von ihm gelesen zu werden.— Aber er ist ja ganz verwandelt: bin ich es, der ihn verwandelt hat?

Kommata, Frage- und Ausrufezeichen, und der Leser sollte seinen Körper dazu geben und zeigen, daß das Bewegende auch bewegt.

Da ist er. Er ist ganz verwandelt.

Moral: man soll gutlesen lernen; man soll gutlesen lehren.

Die Moral ist: man soll nicht für seine Leser schreiben. Sie meinen, man soll nicht schreiben. Womöglich für sich

Beachten Sie wie schnell er liest, wie er die Seiten umschlägt—genau nach der gleichen Sekundenzahl Seite für Seite. Nehmen Sie die Uhr zur Hand.

Es sind lauter einzelne wohlüberdenkbare Gedanken schwerere leichtere—und er hat für alle Einen Genuß! Er liest sie durch, der Unglückliche, als ob man je Gedanken-Sammlungen durchlesen dürfte!

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Daß die dramatische Person (auch wenn das Thema der Gegenwart gehört) singt, ist erlaubt, das ist unsere Art Kothurn des Gefühls.

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In wiefern kann das Gefühl der Überlegenheit oder gar der Herrschaft Freude machen? Nicht an sich und ursprünglich, sondern nur als der Born vieler Güter und das Hinderniß vieler Übel—also als Mittel, das eigentlich nur im Vorgenießen des Zieles selber Freude machen könnte. Aber, um so häufiger, ist die Macht allmählich das Mittel zum Zweck geworden und wird um seiner selber willen begehrt: als etwas Begehrtes macht es Freude, sobald es erlangt wird: namentlich im Hinblick auf die, welche nicht an’s gl Ziel kamen.

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Man wird gegen all das Lästige und Langweilige, was die Herrschaft der Demokratie mit sich bringt (und bringen wird—), geduldiger und milder gestimmt, wenn man sie als eine jahrhundertelange sehr nothwendige “Quarantäne” betrachtet, welche die Gesellschaft innerhalb ihres eignen Gebietes um die neue “Einschleppung,” das neue Um-sich-greifen des Despotischen, Gewaltthätigen, Autokratischen zu verhindern.

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Gewählte Cultur

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Blindschleichen.— Aber vielleicht thut es euren Augen wohl, daß ihr in euren dunklen Zimmern wohnt—wer hätte ein Recht, euch drob zu schelten!

47 [13]

Richard Wagner sucht die Musik zu den Empfindungen, welche er beim (inneren) Anblick dramatischer Scenen hat. Nach dieser Musik zu schließen, ist er der ideale Zuschauer des Dramas.

47 [14]

“Ich denke einen langen Schlaf zu thun.”

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Schwangerschaft
Larochef und Rée
Cultur-Ansiedelungen gegen das Nomade
— Wundt “Aberglaube in der Wissenschaft”
— halbasiatische Barbaren
— umnebelter Sumpf
— Retorte

8, 47[1-15] September-November 1879

47 [1]

“He has a strong will,” his intellect, his judgment, and imagination are very consistent at different times, says the same things or so close and charming—

it has nothing to do with free will: he is independent of others, thus free (as dependent on himself). The unfree weak person is not sufficiently dependent on himself, hence very dependent on others.

47 [2]

Fools that we are! To think of such things, where Europe is splitting into two military groups, stiff with armor from head to toe (here and there), apparently to prevent pan-European wars, but with the likely result that—

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For the people a muzzle-Christianity!— So say many educated people, who do not count themselves among the people, among themselves: for aloud they may not say it, the fear of the people is their muzzle.

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When a Greek K imagined his listeners or spectators before his soul, he did not think of the women (neither the girls, as German novelists do, nor the young women, as all French novelists do, nor the old ones, as English novelists do), nor did he think of the "people," the great mass that filled the streets and workshops of his homeland with labor and sweat: I mean the slaves; he completely forgot the farmers all around him, just as

the strangers and temporarily settled of his homeland: but rather those hundreds or thousands of ruling men stood before him, the actual citizenry of his place, thus a very small minority of the population, distinguished by a common education and similar claims in all things. The view of such a firm and uniform entity gave all his writings a secure “Culturperspektive”: something that today, for example, is lacking in all those who work at the newspapers.

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The great fundamental error of Schopenhauer lies in not having seen that desire (the "will") is only a kind of knowing and nothing more.

47 [6]

The enjoyment of vanity is the enjoyment of a means to an end that one has oneself forgotten.

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O about this sublime half-idiotic seriousness! Is there not a single wrinkle around your eye? Can you not take a thought on your fingertips and make it soar? Does your mouth have only this one pinched, displeased expression? Is there no occasion to shrug your shoulders? I wish you would whistle once and behave as if in bad company, rather than sitting so respectably and unbearably primly with your author.

An author must always impart movement to his words.

Here is a reader; he does not notice that I am observing him. He is known to me from former times—a clever fellow: it does no harm to be read by him.— But he is completely transformed: is it I who have transformed him?

Commas, question marks, and exclamation points, and the reader should give his body to it and show that what moves also moves.

There he is. He is completely transformed.

Moral: one should learn to read well; one should teach to read well.

The moral is: one should not write for one's readers. They think one should not write. Perhaps for oneself

Notice how fast he reads, how he turns the pages—exactly the same number of seconds per page. Take the clock in hand.

They are all individual, well-considered thoughts—heavier, lighter—and he has one pleasure for all of them! He reads them through, the unfortunate one, as if one were ever allowed to read through collections of thoughts!

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That the dramatic character (even if the subject belongs to the present) sings is permitted, that is our kind of Kothurn des Gefühls.

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To what extent can the feeling of superiority or even domination bring joy? Not in itself and originally, but only as the source of many goods and the obstacle to many evils—thus as a means, which could actually only bring joy in the anticipation of the goal itself. But, more often, power has gradually become the end in itself and is desired for its own sake: as something desired, it brings joy as soon as it is attained: especially in view of those who did not reach the goal.

47 [10]

One becomes more patient and milder towards all the tedious and boring things that the rule of democracy brings with it (and will bring—), if one regards it as a centuries-long, very necessary "quarantine," which society imposes within its own domain to prevent the new "infiltration," the new spread of the despotic, violent, autocratic.

47 [11]

Selected Culture

47 [12]

Blindworms.— But perhaps it does your eyes good that you live in your dark rooms—who would have the right to scold you for it!

47 [13]

Richard Wagner seeks the music for the emotions he experiences when (internally) viewing dramatic scenes. Judging by this music, he is the ideal spectator of the drama.

47 [14]

“I think I shall take a long sleep.”

47 [15]

Pregnancy
Larochef and Rée
Cultural settlements against the nomad
— Wundt “Superstition in Science”
— semi-Asiatic barbarians
— fog-shrouded swamp
— retort

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