8, 40[1-27] Juni-Juli 1879

40 [1]

Octobermensch. Bauern im Schwarzwald.

40 [2]

Nur fehlt mir ein Menschlein.

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Ich schließe: Beschränkung seiner Bedürfnisse. In diesen aber muß Jeder zusehen, Fachkenner zu werden (z.B. in Betreff seiner Speisung, Kleidung, Wohnung, Heizung, Clima usw.). Sein Leben auf so viel oder wenig Fundamente stellen als man ausreichend beurtheilen kann—so fördert man die allgemeine Moralität, d.h. man zwingt jeden Handwerker, uns ehrlich zu behandeln, weil wir Kenner sind. Ein Bedürfniß, worin wir nicht Kenner werden wollen, müssen wir uns verbieten: dies ist die neue Moralität.

Kennerschaft hinsichtlich der Personen, welche wir gebrauchen, ist das erste Surrogat. Also Menschenkunde, dort, wo unsere Sachkunde aufhört.

Also: eine ganz andere Art von Wissen zu erwerben, auf Grund unserer Bedürfnisse.

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Die Maschine controlirt furchtbar, daß alles zur rechten Zeit und recht geschieht. Der Arbeiter gehorcht dem blinden Despoten, er ist mehr als sein Sklave. Die Maschine erzieht nicht den Willen zur Selbstbeherrschung. Sie weckt Reaktionsgelüste gegen den Despotismus—die Ausschweifung, den Unsinn, den Rausch. Die Maschine ruft Saturnalien hervor.

40 [5]

Die Unfreiheit der Gesinnung und Person wird durch den revolutionären Hang bewiesen.

Die Freiheit durch Zufriedenheit, Sich-einpassen und persönliches Bessermachen.

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Gegen die Schädlichkeit der Maschine, Heilmittel

1)Häufiger Wechsel der Funktionen an derselben Maschine und an verschiedenen Maschinen.
2)Verständniß des Gesamtbaus und seiner Fehler und Verbesserungsfähigkeit
(der demokratische Staat, der seine Beamten oft wechselt)

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Bei einem weniger gewaltsamen Charakter des socialen Lebens verlieren die letzten Entscheidungen (über sogenannte ewige Fragen) ihre Wichtigkeit. Man bedenke, wie selten schon jetzt ein Mensch etwas mit ihnen zu thun hat.

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Mein größter Schmerz.

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Mir wurde Angst beim Anblick der Unsicherheit des modernen Culturhorizonts. Etwas verschämt lobte ich die Culturen unter Glocke und Sturzglas. Endlich ermannte ich mich und warf mich in das freie Weltmeer.

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Sentimentale Stimmungen (über die Vergänglichkeit aller Freude, oder melodisches Seufzen nach Befreiung aus dem Gefängniß) immer als Ausdruck deprimirter Nerventhätigkeit. Der größte Theil der Musikfreude gehört hieher.— Es giebt Culturen der aufsteigenden Nerventhätigkeit und solche der absteigenden; ebenso Philosophien, Dichtungen.

Nur die Ermüdung (des Denkens) namentlich in einer zeitweiligen Hoffnungsarmut führt sie in den Wagnerischen Dunstkreis.

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Das “Lied an die Freude” (22. Mai 1872) eine meiner höchsten Stimmungen. Erst jetzt fühle ich mich in dieser Bahn. “Froh wie seine Sonnen fliegen, wandelt Brüder eure Bahn—.” Was für ein gedrücktes und falsches “Fest” war das von 1876. Und jetzt qualmt aus den Bayreuther Blättern alles gegen das Lied an die Freude.

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Wie auf unseren Theatern Helden mit Lindwürmern kämpfen und wir an ihr Heldenthum glauben sollen, trotzdem wir sehen—also sehen und doch glauben—so auch bei ganz B.

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Musik-sentiment.
Zu beschreiben.
Nachtwach, schlafsehnsüchtig—hell röthlich braun.

40 [14]

Je vollkommner die Maschine, desto mehr Moralität macht sie nöthig. (Beil Flinte usw.)

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Je feiner der Geist, desto mehr leidet der Mensch beim Übermaß der Begierden. Insofern bringt geistige Verfeinerung auch dasselbe hervor was die Moralität der gebundenen Geister.

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Die Lehre von den nächsten Dingen.
Eintheilung des Tags, Ziel des Tags (Perioden).
Speisung.
Umgang.
Natur.
Einsamkeit.
Schlaf.
Broderwerb.
Erziehung (eigne und fremde).
Benutzung der Stimmung und Witterung.
Gesundheit.
Zurückgezogenheit von der Politik.

Unnatürliche Verschiebung:
die Krankheit (als heilsam)
der Tod (als Segen)
das Unglück (als Wohlthat)
Kampf gegen den Schmerz. Die Kampfmittel werden wieder zu Schmerzen (im Kämpfen liegt die Übertreibung, das auf-die-Spitze-treiben). Natur als Schmerz, Religion als Schmerz, Gesellschaft als Schmerz, Cultur als Schmerz, Wissen als Schmerz. Also: Kampf gegen den Kampf!

Heilung der Seele.
Sorge.
Langeweile.
Begierde.
Schwäche.
Wildheit, Rache.
Entbehrung.
Verlust.
Krankheit.
Freude. Dreifaltigkeit der Freude

1) als Erhebung
2) als Erhellung
3) als Ruhe
4) dreieinig.

40 [17]

Wir schätzen die Dinge nach der Mühe ab, die das Herstellen oder Fangen derselben uns gemacht hat. Daher “Werth.” Dies wird auf die Wahrheit übertragen und giebt lächerliche Resultate.

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Gegen die philosoph-relig Kuppler

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Der Lehrer ist, durch Verbreitung der Selbst-Erziehung, auf die höchsten Ansprüche zu steigern, in seinen mittleren Formen zu vernichten.

Die Schule zu ersetzen durch lernbegierige Freundschafts-Vereine.

40 [20]

Das unstäte Reiseleben der Gebildeten ist ein Beweis, daß sie sich aufsuchen müssen und daß so wenig Gebildete an einem Ort leben. Zehn gereifte und mannigfache Vertreter des Geistes bannen sich fest durch den gemeinsamen Zauber ihres Zusammenlebens.— Das Natur-suchen ist ein Surrogat bei dem Mangel an guter Gesellschaft. Lieber allein als schlecht gepaart. Man flieht nicht sowohl vor sich selbst als vor seinem Umgange, wenn man regelmäßig alle Sommer den Ort verläßt.

Anwurzelung ist aber nothwendig für das Bestehen aller gemeinsamen Institutionen. Man wird Reisender “Wanderer,” wenn man nirgends heimisch ist. Also: das moderne Kloster.

40 [21]

Metaphysik und Philosophie sind Versuche, sich gewaltsam der fruchtbarsten Gebiete zu bemächtigen: sie gehen immer eher zu Grunde, weil Wälder entwurzeln über die Kräfte des Einzelnen geht.

40 [22]

Gegen die geheuchelte Verachtung der nächsten Dinge und deren wirkliche Vernachlässigung (rohe Auffassung).

40 [23]

Die nächsten und die fernsten Dinge.

40 [24]

Wann ich geweint habe:
1) Commune
2) Gedicht Rosenlaui
3) Bauern Schwarzwald
4) Traum
5) Adresse aus Wien Geburtstag

40 [25]

Der Faden, auf dem die Gedanken manches Denkers laufen, ist so fein, daß wir ihn nicht sehen und daß wir vermeinen, jener fliege oder schwebe oder treibe die Kunst der beflügelten Dichter. Aber wie die Spinne oft an einem zarten Fädchen herab läuft —

40 [26]

Jetzt müssen wir unsere Zurückgezogenheit rechtfertigen: universal —

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Wie erzeugt man Menschen mit gutem Temperament?

8, 40[1-27] Juni-Juli 1879

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October person. Farmers in the Black Forest.

40 [2]

I just miss a little person.

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I conclude: restriction of his needs. But in these, everyone must strive to become an expert (e.g., regarding their food, clothing, housing, heating, climate, etc.). To base one's life on as many or as few foundations as one can adequately judge—this promotes general morality, i.e., it forces every craftsman to treat us honestly because we are connoisseurs. A need in which we do not wish to become experts, we must forbid ourselves: this is the new morality.

Expertise regarding the people we employ is the first substitute. Thus, knowledge of human nature, where our technical expertise ends.

Thus: a completely different kind of knowledge to acquire, based on our needs.

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The machine controls terribly, so that everything happens at the right time and correctly. The worker obeys the blind despot, he is more than his slave. The machine does not educate the will to self-control. It awakens reactive desires against despotism—excess, nonsense, intoxication. The machine calls forth Saturnalia.

40 [5]

The unfreedom of mindset and person is proven by the revolutionary inclination.

Freedom through contentment, adapting oneself, and personal improvement.

40 [6]

Against the harmfulness of the machine, remedies

1)Frequent change of functions on the same machine and on different machines.
2)Understanding of the overall structure and its flaws and potential for improvement
(the democratic state that frequently changes its officials)

40 [7]

In a less violent character of social life, the final decisions (on so-called eternal questions) lose their importance. Consider how rarely a person already has anything to do with them today.

40 [8]

My greatest pain.

40 [9]

I felt fear at the sight of the uncertainty of the modern cultural horizon. Somewhat shyly, I praised the cultures under bell jars and beakers. Finally, I gathered my courage and threw myself into the free world sea.

40 [10]

Sentimental moods (on the transience of all joy, or melodic sighing for liberation from prison) always as an expression of depressed nerve activity. The greatest part of musical enjoyment belongs here.— There are cultures of ascending nerve activity and those of descending; likewise philosophies, poetries.

Only fatigue (of thinking), especially in a temporary lack of hope, leads them into the Wagnerian sphere.

40 [11]

The “Ode to Joy” (22 May 1872) one of my highest moods. Only now do I feel myself in this path. “Joyful as his suns fly, walk brothers your path—.” What a depressed and false “festival” that of 1876 was. And now everything in the Bayreuth Blätter smolders against the Ode to Joy.

40 [12]

How on our theaters heroes fight with Lindwürmern and we are supposed to believe in their heroism, despite the fact that we see—so see and yet believe—so also with ganz B.

40 [13]

Music-sentiment.
To describe.
Night-watch, sleep-longing—bright reddish brown.

40 [14]

The more perfect the machine, the more morality it requires. (Example: rifle, etc.)

40 [15]

The finer the spirit, the more the human suffers from the excess of desires. In this sense, spiritual refinement also produces the same as the morality of bound spirits.

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The doctrine of the nearest things.
Division of the day, purpose of the day (periods).
Nourishment.
Intercourse.
Nature.
Solitude.
Sleep.
Earning a living.
Education (one's own and others').
Utilization of mood and weather.
Health.
Withdrawal from politics.

Unnatural displacement:
illness (as salutary)
death (as a blessing)
misfortune (as a benefit)
Struggle against pain. The means of struggle become pains again (in the struggle lies the exaggeration, the driving to extremes).Nature as pain, religion as pain, society as pain, culture as pain, knowledge as pain. Therefore: Struggle against the struggle!

Healing of the soul.
Care.
Boredom.
Desire.
Weakness.
Wildness, revenge.
Deprivation.
Loss.
Illness.
Joy. Trinity of joy

1) as elevation
2) as enlightenment
3) as rest
4) triune.

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We value things according to the effort it took to produce or obtain them. Hence “value.” This is transferred to truth and yields ridiculous results.

40 [18]

Against the philosophical-religious matchmakers

40 [19]

The teacher is, through the spread of self-education, to be elevated to the highest demands and abolished in its mediocre forms.

The school to be replaced by eager-to-learn friendship associations.

40 [20]

The restless traveling life of the educated is proof that they must seek each other out and that so few educated people live in one place. Ten mature and diverse representatives of the intellect bind themselves firmly through the shared magic of their coexistence.— Seeking nature is a substitute for the lack of good company. Better alone than poorly paired. One flees not so much from oneself as from one’s surroundings when one regularly leaves the place every summer.

Taking root is necessary for the existence of all shared institutions. One becomes a traveler—“wanderer”—when one is at home nowhere. Hence: the modern monastery.

40 [21]

Metaphysics and philosophy are attempts to forcibly take possession of the most fertile areas: they always perish sooner because uprooting forests exceeds the strength of the individual.

40 [22]

Against the feigned contempt for the nearest things and their real neglect (crude conception).

40 [23]

The nearest and the farthest things.

40 [24]

When I cried have:
1) Commune
2) Poem Rosenlaui
3) Farmers Black Forest
4) Dream
5) Address from Vienna birthday

40 [25]

The thread on which the thoughts of many a thinker run is so fine that we cannot see it and that we imagine that he flies or hovers or drifts like the art of winged poets. But just as the spider often runs down on a delicate thread—

40 [26]

Now we must justify our withdrawal: universal —

40 [27]

How do you create people with good temperament?

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