8, 30[1-192] Sommer 1878
30 [1]
Mein Fehler war der, dass ich nach Bayreuth mit einem Ideal kam: so musste ich denn die bitterste Enttäuschung erleben. Die Überfülle des Hässlichen Verzerrten Überwürzten stiess mich heftig zurück.
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Über die Ursachen der Dichtkunst
Vorurtheile über die Dichter.
Aphorismen.
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Ich sah den Sinn für social Gedankenkreise in den höheren Ständen sich verbreitend: und ich mußte sagen, mit Goethe, “man schien nicht zu fühlen, was alles erst zu verlieren sei, um zu irgend einer Art zweideutigen Gewinns zu gelangen.”
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Goethe: “das Sehnsüchtige, das in mir lag, das ich in früheren Zeiten vielleicht zu sehr gehegt und bei fortschreitendem Leben kräftig zu bekämpfen trachtete, wollte dem Manne nicht mehr ziemen, und er suchte deshalb die volle endliche Befriedigung.” Schluß?
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Goethe: “das Schöne ist, wenn wir das gesetzmäßig Lebendige in seiner größten Thätigkeit und Vollkommenheit schauen, wodurch wir zur Reproduktion gereizt uns gleichfalls lebendig und in höchste Thätigkeit versetzt fühlen.”
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Die Mitte das Beste (in Wahl der Probleme, des Ausdrucks, in der Kunst). Kräftige Äst. Kein Barockstil.
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Montaigne: “wer einmal ein rechter Thor gewesen, wird niemals wieder recht weise werden.” Das ist, um sich hinter den Ohren zu krauen.
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Milton bei Taine I, 656. “Die Wahrheit, die zuerst Schande bringt.”
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Schopenhauer’s Wirkung
| 1) | in den Händen der Ultramontanen—protestantischen und katholischen; | |
| 2) | reinlichste Wissenschaft mit Spiritismus beschmutzt; | |
| 3) | Geistergeschichten; | |
| 4) | Wundergläubige wie Fr W; | |
| 5) | Philosophie des Unbewussten; | |
| 6) | Genius und Inspiration bei Wagner, sodaß alles Erkannte abgelehnt wird; die “Intuition” und der “Instinkt”; | |
| 7) | Ausbeutung des “Willens” praktisch als unbezwinglich, durch Dichter als Effektmittel; | |
| 8) | der grobe Irrthum, daß das Mitleid den Intellekt vertrete, auf die Bühne mit einer wahrhaft spanischen Gläubigkeit gebracht; | |
| 9) | Königthum als überweltlich; | |
| 10) | die Wissenschaft über die Achsel angesehen: in ihr selbst greift die Metaphysik um sich; | |
| 11) | Gwinner’s Biographie, Schopenhauer als Vorhalle zum Christenthum. |
Allgemeines Frommwerden, der leibhafte Voltärianisch gesinnte Schopenhauer, dem sein viertes Buch unverständlich würde, wird bei Seite geschoben.
Mein Mißtrauen gegen das System von Anfang an. Die Person trat hervor, er typisch als Philosoph und Förderer der Kultur. Am Vergänglichen seiner Lehre, an dem, was sein Leben nicht ausprägte, knüpfte aber die allgemeine Verehrung an—im Gegensatz zu mir. Die Erzeugung des Philosophen galt mir als einzige Nachwirkung—aber mich selbst hemmte der Aberglaube vom Genius. Augenschließen.
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Nach Demosthenes muß die Rede sculpta “ausgemeißelt” sein.
Demosthenes studirte den Thukydides hinsichtlich Stils.
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“Enthaltsamkeit der alten Schriftsteller in der Anwendung der staunenerregenden Mittel des Ausdrucks, die ihnen zu Gebote standen.”
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Die Anhäufung von mehr als 2 kurzen Sylben möglichst vermieden—das rhythmische Gesetz des Demosthenes.
30 [13]
Schluß einer Rede wie einer Tragödie möglichst ruhig und würdevoll—ist athenisch.
Wir lieben die finales anders.
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Nutz-Bildung
Zier-Bildung.
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Da ich Wagner mit Demosthenes verglichen habe, muß ich auch den Gegensatz hervorheben. Brougham bei Blass, 188, 196—p.173.;
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Den größten rednerischen Improvisator Demades schätzte man über Demosthenes. Nach Theophrast ist jener “Athens würdig,” dieser “über Athen hinaus.”
30 [17]
“Ein Mensch, der aus Worten und zwar aus bitteren und künstlichen besteht,” sagte Aeschines von Demosthenes.
| 30 [18] Pallas Athene Über Nutz- und Zierwirkungen der Urtheilskraft. | |
30 [18]
Pallas Athene
Über Nutz- und Zierwirkungen der Urtheilskraft.
30 [19]
Wagner, dessen schriftstellerische Vorbilder und Versuche (Anfänge) in jene Zeit gehören, deren allgemeinen Fehler ein Franzose so bezeichnet—au delà sa force.
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Zier-Künste
Zier- und Lust-Bildung
der gesteigerte Prachtsinn.
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Ewige Baukunst der Römer.
Brücke im spanischen Alcantara.
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“Gedankenbild” für Phantasieb.
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Ein, Dramatiker spielt, wenn er von sich redet, eine Rolle; es ist unvermeidlich. Wagner, der von Bach und Beethoven redet, redet als der, als welcher er gelten möchte. Aber er überredet nur die überzeugten, seine Mimik und sein eigentliches Wesen streiten gar zu ingrimmig gegen einander.
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Nachtheil der Metaphysik: sie macht gegen die richtige Ordnung dieses Lebens gleichgültig—insofern gegen Moralität. Ist pessimistisch immer, weil sie kein hiesiges Glück erstrebt.
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In Betreff der griechischen Dichter wurden wir angeleitet, uns selber zu betrügen. Wollte doch jeder sagen: dies mag ich nicht, jenes gilt mir nichts, dort empfinde ich wider die herkömmliche Abschätzung—so hätte man mehr Achtung vor Philologen als ehrlichen Leuten, selbst wenn sie in Gefahr kämen dass ihr klassischer Geschmack angezweifelt würde.
30 [26]
Griechischer Dithyrambus ist Barockstil der Dichtkunst.
30 [27]
Gegen unsere Freude am Übermaß der Metaphern, seltenen Worten usw.— Euripides-Lob.
30 [28]
Was wird aus einer Kunst, die an ihr Ende gekommen ist? Sie selbst stirbt ab—die von ihr gegebene Wirkung kommt anderen Gebieten zu Gute, ebenso die nunmehr, bei ihrem Ende, freiwerdende nicht verwendete Energie. Wo also z. B.?
30 [29]
Weg zur Weisheit
Kräftigung
Mässigung (Schön als Proportion)
Befreiung.
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Auf dieselbe Weise, auf die jetzt bewusst wir uns stärken mit Hülfe des Geistes, so durch Analogie der Schluss nach rückwärts.
30 [31]
Wellen—an ruhigem Sommertage am Ufer schlürfen—Epicur’s Garten-Glück.
30 [32]
Dramata die religiöse Thatsache, Ursprung im Tempelkult. Falscher Begriff vom Mythus—die Griechen halten ihn für Historie. Dagegen erfinden die Dichter sehr ungenirt.
30 [33]
Goethe: “man darf oft dem Irrthum nicht schaden, um der Wahrheit nicht zu schaden.”
30 [34]
Goethe definirt die Pflicht “wo man liebt, was man sich selbst befiehlt.”
Gewöhnlich “wo man sich befiehlt, was man liebt.”
30 [35]
Der rhythmische Sinn zeigt sich zuerst im Grossen:
Gegenüberstellung von Kola (Hexameter und Hexameter). Hebräische Rhythmik darauf stehen geblieben. Ebenso die Periodik der Prosa. Allmählich wird das Zeitgefühl feiner, am Schlusse zuerst.
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“Ipsum viventem quidem relictum, sed sola posteritatis cura et abruptis vitae blandimentis.” Tac. hist. II 54.
30 [37]
Der weiss noch nichts von der Bosheit, der nicht erlebt hat, wie die niederträchtigste Verleumdung und der giftigste Neid sich als Mitleid geberden.
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Da alle Glück wollen, die Eigenschaften Affecte sehr verschieden und kaum veränderlich: so muss man alle Anfänge geistreich benutzen. Ethik für Geistreiche.
30 [39]
Wahrscheinlich: die Herrschaft der Sachverständigen und die Einbildung der Masse, durch jene selber zu herrschen.
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Wer etwas vollbringt, das über den Gesichts- und Gefühlskreis der Bekannten hinausliegt:—Neid und Hass als Mitleid—Partei betrachtet das Werk als Entartung Erkrankung Verführung. Lange Gesichter.
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Statt ins Leben überzuströmen, fördert die Wagnerische Kunst bei den Wagnerianern nur die Tendenzen (z. B. religiöse nationale).
30 [42]
Wir gleichen den lebenden Tieren auf dem Schild des Hephäst—aesthetPhänom aber grausam!
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Man muss den Muth haben, in der Kunst zu lieben, was uns wirklich zusagt und es sich eingestehen, selbst wenn es ein schlechter Geschmack ist. So kann man vorwärts kommen.
30 [44]
Umgekehrte Moral, z.B. im Tristan, wo der Ehebrecher den Vorwurf macht: ganz anders bei den Griechen.
30 [45]
Viel zu viel Musik zum Wagnerischen Drama.
30 [46]
Novelle: des Todes wegen moriendi perdere causas. Ein Selbstmörder, der beim Suchen nach dem Tode
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Man bildet sich ein bei einem Buche, der Grundton sei das Erste, was man aus ihm heraushöre—aber es hört einer gewöhnlich etwas hinein, was er so nennt.
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Cap. VII. Erziehung.
Deutschland in seiner Action-Reaction zeigt sich barbarisch.
30 [49]
Auf moralisches “Verdienst” dringt am meisten der seinen Erfolg nicht sichtbar machen kann—der Unfreie Gedrückte.
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Wagner’s Kunst auf Kurzsichtige berechnet—allzugrosse Nähe nöthig (Miniatur), zugleich aber fernsichtig. Aber kein normales Auge.
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Damals glaubte ich daß die Welt vom aesthetischen Standpunkt aus ein Schauspiel und als solches von ihrem Dichter gemeint sei, daß sie aber als moralisches Phänomen ein Betrug sei: weshalb ich zu dem Schlusse kam, daß nur als aesthetisches Phänomen die Welt sich rechtfertigen lasse.
30 [52]
Wenn ich auf den Gesammtklang der älteren griechischen Philosophen hinhorchte, so meinte ich Töne zu vernehmen, welche ich von der griechischen Kunst, und namentlich von der Tragödie gewohnt war zu hören. In wie weit dies an den Griechen, in wie weit aber auch nur an meinen Ohren, den Ohren eines sehr kunstbedürftigen Menschen, lag—das kann ich auch jetzt noch nicht mit Bestimmheit aussprechen.
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1 Der Einzelne und die Vielen
2 Fortleben der Kunst
3 Neu-Alterthum
4 Quellen der Kraft
5 Bild einer nahen Zukunft
6 Besitz
7 Erziehung.
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Polen das einzige Land abendländisch-römischer Cultur, das nie eine Renaissance erlebt hat. Reformation der Kirche ohne Reform des gesammten Geisteslebens, deshalb ohne dauernde Wurzeln zu schlagen. Jesuitismus—adelige Freiheit richten es zu Grunde. Genau so wäre es den Deutschen ohne Erasmus und der Humanisten Wirkung gegangen.
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Die Griechen waren fertig, als ein Homer ihnen Kunstwerke zeigte—er konnte auf das Verstehen langer überschaulicher Compositionen rechnen—da muß ein Volk weit sein! Man denke an die Germanen mit ihren Augenblicks-Effekten der Edda!
Was Homer konnte, componiren, sieht man an dem Wetteifer Hesiods, der auch componirt.
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Ich wünsche dass billig denkende Menschen dieses Buch als eine Art Sühne dafür gelten lassen, dass ich früher einer gefährlichen Aesthetik Vorschub leistete: deren Bemühen war, alle aesthetischen Phänomene zu “Wundern” zu machen— —ich habe dadurch Schaden angestiftet, unter den Anhängern Wagner’s und vielleicht bei Wagner selbst, der alles gelten lässt, was seiner Kunst höhern Rang verleiht, wie begründet und wie unbegründet es auch sein mag. Vielleicht habe ich ihn durch meine Zustimmung seit seiner Schrift über “die Bestimmung der Oper” zu grösserer Bestimmtheit verleitet und in seine Schriften und Wirken Unhaltbares hineingebracht. Dies bedaure ich sehr.
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Die Dichter-Erfindung kann zum Mythus werden, wenn sie verbreitet Glauben findet:—wie usus und abusus eines Wortes schwankend ist.
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Mit der Harmonie der Lust, in der das menschliche Wesen schwimmt, steht es wirklich wie mit der Harmonie der Sphären: wir hören sie nicht mehr, wenn wir darin leben.
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Analysis des Erhabnen.
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Meine Art, Historisches zu berichten, ist eigentlich, eigene Erlebnisse bei Gelegenheit vergangener Zeiten und Menschen zu erzählen. Nichts Zusammenhängendes—einzelnes ist mir aufgegangen, anderes nicht. Unsere Litterarhistoriker sind langweilig, weil sie sich zwingen, über alles zu reden und zu urtheilen, auch wo sie nichts erlebt haben.
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Was wirkt noch? Princip der Maler und Musiker und Dichter: sie fragen sich selber zuerst, aus der Zeit wo sie nicht productiv waren.
30 [62]
Die Angst dass man den Wagnerischen Figuren nicht glaubt, dass sie leben: sie gebärden sich deshalb so toll.
30 [63]
Man macht Fehler gegen eine vorgenommene Lebensweise, weil unsere Stimmung im Augenblick des Vorsatzes und dem der Ausführung eine ganz verschiedene ist.
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Mit dem Zerrbild hebt die Kunst an. Daß etwas bedeutet, erfreut. Daß das Bedeutende verspottet belacht wird, erfreut mehr. Das Belachen als erstes Zeichen des höheren seelischen Lebens (wie in der bildenden Kunst).
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“Wo die Kunst aber sich in ihren Mitteln einschränkt, muss sie in ihrem Wesen mächtig sein.” Jacob Burckhardt.
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Die griechische Prosa—absichtliche Beschränkung der Mittel. Warum? Das Einfache am Ende des Höhenwegs. Complicirtes zuerst und zuletzt.
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Ich habe dabei das Loos der Idealisten gezogen, welchen der Gegenstand, aus dem sie so viel gemacht haben, dadurch verleidet wird—ideales Monstrum: der wirkliche Wagner schrumpft zusammen.
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Wie wurmstichig und durchlöchert das Menschenleben sei, wie ganz und gar auf Betrug und Verstellung aufgebaut, wie alles Erhebende, wie die Illusionen, alle Lust am Leben dem Irrthum verdankt werden—und wie in so fern der Ursprung einer solchen Welt nicht in einem moralischen Wesen, vielleicht aber in einem Künstler-Schöpfer zu suchen sei, wobei ich meinte daß einem solchen Wesen durchaus keine Verehrung im Sinne der christlichen (welche den Gott der Güte und Liebe aufstellt) gebühre, und sogar die Andeutung nicht scheute, ob dem deutschen Wesen diese Vorstellung, wie sie gewaltsam inokulirt, auch gewaltsam wieder entrissen werden konnte. Dabei meinte ich in Wagner’s Kunst den Weg zu einem deutschen Heidenthum entdeckt zu haben, mindestens eine Brücke zu einer spezifisch unchristlichen Welt- und Menschenbetrachtung. “Die Götter sind schlecht und wissend: sie verdienen den Untergang, der Mensch ist gut und dumm—er hat eine schönere Zukunft und erreicht sie, wenn jene erst in ihre endliche Dämmerung eingegangen sind,”—so werde ich damals mein Glaubensbekenntniß formulirt haben, während ich jetzt
30 [69]
Das was erst herkömmlich ist, wird nicht nur mit Pietät, sondern auch mit Vernunft und Gründen nachträglich überhäuft und gleichsam durchsickert. So sieht zuletzt eine Sache sehr vernünftig aus (vieles an ihr ist zurechtgeschoben und verschönt). Dies täuscht über ihre Herkunft.
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National ist das Nachwirken einer vergangenen Cultur in einer ganz veränderten, auf anderen Grundlagen gestützten Cultur. Also das logisch Widerspruchsvolle im Leben eines Volkes.
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Wir müssen der falschen Nachahmung Wagner’s widerstreben. Wenn er, um den Parcival schaffen zu können, genöthigt ist, aus der religiösen Quelle her neue Kräfte zu pumpen, so ist dies kein Vorbild sondern eine Gefahr.
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Es giebt Leser, welche den etwas hochtrabenden und unsicheren Gang und Klang meiner früheren Schriften dem vorziehen, was ich gegenwärtig anstrebe—möglichste Bestimmtheit der Bezeichnung und Geschmeidigkeit aller Bewegung, vorsichtigste Mäßigung im Gebrauch aller pathetischen und ironischen Kunstmittel. Mögen jene Leser, welche sich ihren Geschmack nicht verkümmern lassen wollen, an diesen hier mitgetheilten Arbeiten etwas Willkommenes zum Ersatz dafür erhalten, daß ich ihnen den Verdruß machte, meinen Geschmack in diesen Dingen zu verändern. Sind wir uns doch allmählich in so vielen und großen Bestrebungen so unähnlich, so fremd geworden, daß ich bei dieser Gelegenheit, wo ich noch einmal zu ihnen reden muß, nur von der harmlosesten aller Differenzen, der Stil-Differenz, reden möchte.
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Wagner hat kein rechtes Vertrauen zur Musik: er zieht verwandte Empfindungen heran, um ihr den Character des Grossen zu geben. Er stimmt sich selber an Anderen, er lässt seinen Zuhörern erst berauschende Getränke geben, um sie glauben zu machen, die Musik habe sie berauscht.
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“Die kindliche Kunst frevelt am Schwersten.” Gruppe vor der Statue, Statue vor der Herme usw. “Man kennt eben die Schwierigkeiten noch nicht.” Jacob Burckhardt.
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Teppich—Heimat des unendlich viel sich Wiederholenden. Auf Vasen und ehernen Geräten finden wir ihn wieder. Da alles klein ist und zahllos, konnte nicht auf Seelenausdruck, sondern nur auf Gebärde gesehen werden.
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Heilsamste Erscheinung ist Brahms, in dessen Musik mehr deutsches Blut fliesst als in der Wagners—womit ich viel Gutes, jedoch keineswegs allein Gutes gesagt haben möchte.
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Ich will es nur gestehen: ich hatte gehofft, durch die Kunst könne den Deutschen das abgestandene Christenthum völlig verleidet werden—deutsche Mythologie als abschwächend, gewöhnend an Polytheismus usw.
Welcher Schrecken über restaurative Strömungen!!
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Wie einer, der auf immer Abschied nimmt, auch den weniger beachteten Bekannten mit wärmerem Gefühle entgegentritt und die Hand reicht, so fühle ich mich gewissen Arbeiten früherer Jahre gerade jetzt gewogener, wo ich mich von den Ufern, an die ich damals mein Schiff lenkte, unaufhaltsam entferne.
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Uralt Porträt-Ähnlichkeit in Mycenä—später diese Spur verlassen.
Thierwelt besser als Mensch—nicht symbolisch gebunden.
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Es ist schwer, im Einzelnen Wagner angreifen und nicht Recht zu behalten; seine Kunstart Leben Character, seine Meinungen, seine Neigungen und Abneigungen, alles hat wunde Stellen. Aber als Ganzes ist die Erscheinung jedem Angriff gewachsen.
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Plato’s Abwendung von der Kunst symbolisch-typisch am Schluss.
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Wenn Wagner hierüber anders denken sollte: nun, so wollen wir bessere Wagnerianer sein als Wagner.
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Entwicklung des Sophocles verstehe ich durch und durch—der Widerwille gegen den Pomp und Prunkeffect.
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Das Lächeln der Ausdruck des Lebens, des Momentanen (selbst wenn sie sterben, Aegineten).
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Die höchste Aufgabe am Schluss, Wagner und Schopenhauer öffentlich zu danken und sie gleichsam gegen sich Partei nehmen zu machen.
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Der thrazische Pessimismus v Herodot, der Geborene wird bewehklagt.
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Diejenigen Schriftsteller, welche mit Vernunft wider die Vernunft schreiben, mögen zusehen, dass sie sich nicht selbst zum Ekel werden.
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Der reiche Stil folgt auf den grossen.
Städte Künstler und Schulen wetteifern.
Körper lange vor Seelenausdruck ausgebildet.
Schenkel viel früher als Brust.
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Das Nützliche steht höher als das Angenehme (Schöne), weil es indirekt und auf die Dauer Angenehmes erstrebt, und nicht Augenblickliches, oder auch die Basis für das Angenehme (z. B. als Gesundheit) zu schaffen sucht. Die Kunst des Schönen ist entweder nur auf den Augenblick berechnet oder fällt mit dem Nützlichem zusammen; das Nützliche ist nie sich selber Zweck, sondern das Wohlgefühl des Angenehmen ist es.
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Man wird es Wagner nie vergessen dürfen dass er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in seiner Weise—die freilich nicht gerade die Weise guter und einsichtiger Menschen ist—die Kunst als eine wichtige und grossartige Sache ins Gedächtniss brachte.
30 [91]
Schreck, bis zu welchem Grade ich selbst an Wagner’s Stil Vergnügen haben konnte, der so nachlässig ist, dass er eines solchen Künstlers nicht würdig ist.
Wagner’s Stil. Die allzuzeitige Gewöhnung über die wichtigsten Gegenstände ohne genügende Kenntnisse mitzureden hat ihn so unbestimmt und unfassbar gemacht: dazu der Ehrgeiz, es den witzigen Feuilletonisten gleich zu thun—und zuletzt die Anmaassung, die sich gern mit Nachlässigkeit paart: “siehe, alles war sehr gut.”
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Das Schönste am Hunger ist, dass er einem Appetit macht.
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Vorrede. Stellung des Weisen zur Kunst. Die Griechen feiner als wir: der Weise, der Mann des Geschmacks.
Nicht nur Hunger thut noth (vielmehr darf dieser nicht zu arg sein)—“Liebe” sagen die Schwärmer:—sondern Geschmack. Ja Geschmack setzt schon Appetit voraus—sonst schmeckt uns nichts. Kritik ist die Lust am Guten, mit Vermehrung der Lust durch Erkenntniss des Missrathenen. Woher die zahllosen Kritiker, wenn nicht Vergnügen dabei? Insofern nützt selbst das Schlechte, indem es zur Vernichtung auffordert und Lust dabei erweckt. Auch Lust zum Bessermachen.
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Emerson, p. 328 (Essays) “das Auge des abrundenden Geistes.”
30 [95]
Vorrede. Dieses Buch hätte ich überschreiben können: aus der Seele der Künstler und Schriftsteller; in der That ist es eine Forsetzung des fünften Hauptstücks, welches jenen Titel trägt.
30 [96]
Vorrede. Ich kenne kein Mittel, um etwas Gutes zu erkennen, als selber etwas Gutes zu machen. Dies giebt uns Flügel, mit denen sich zu manchem entlegenen Neste, in dem Gutes sitzt, fliegen lässt.
30 [97]
Schopenhauer Optimist, wenn er sagt (Parerga, II p. 598) “Es giebt 2 Geschichten: die politische und die der Litteratur und Kunst. Jene ist die des Willens, diese die des Intellekts. Daher ist jene durchweg beängstigend, ja schrecklich— —die andre dagegen ist überall erfreulich und heiter. ” Oho! Ho!
30 [98]
Wie sehr wir auch die Moralität zersetzen—unsre eigene, im ganzen Wesen eingenistet, kann dabei nicht zersetzt werden. Unsre Art, wahr und unwahr zu sein, bleibt undiskutirbar. “Der Ton des Suchens ist einer und der Ton des Habens ist ein anderer.”
30 [99]
Ich habe die Besorgniss dass Wagner’s Wirkungen zuletzt in den Strom einmünden, der jenseits der Berge entspringt und der auch über Berge zu fliessen versteht.
30 [100]
Schopenhauer, Parerga II 630: “ mancher Mensch einen wenigstens 10fach höhern Grad von Dasein hat, als der andere—zehn Mal so sehr da ist”—der Weise ist dann das allerrealste Wesen.
30 [101]
Vergleich mit der Symphonie III Act Tristan, “Geburt der Tragödie”—undeutlich und hochtrabend, wie ich damals nach Wagner’s Vorbilde mich auszudrücken liebte —
30 [102]
Im vierten Jahrhundert wird die Welt der inneren Erregung entdeckt—Scopas, Praxiteles, Ausdruck. (Noch nicht Phidias. Gesetze der Strenge.)
30 [103]
Emerson p. 331 Essays “das Leben der Wahrheit ist kalt und insofern traurig, aber es ist nicht der Sklave usw.”
30 [104]
“Gross sein ist missverstanden werden.”
30 [105]
Schiller’s Idealität zu characterisiren (aus Körner’s Briefen am besten).
30 [106]
Fries in Phigalia von höchster Leidenschaftlichkeit.
30 [107]
Die selbe Summe von Talent und Fleiss, die den Classiker macht, macht, eine Spanne Zeit zu spät, den Barockkünstler.
30 [108]
Man verlangt von ihm dass er zum guten Spiele eine böse Miene mache.
30 [109]
Wagner hat den Gang unterbrochen, unheilvoll, nicht wieder die Bahn zu gewinnen.
Mir schwebte eine sich mit dem Drama deckende Symphonie vor. Vom Liede aus sich erweiternd.
Aber die Oper, der Effekt, das Undeutsche zog Wagner anderswohin. Alle nur denkbaren Kunstmittel in der höchsten Steigerung.
30 [110]
Völlige Abwesenheit der Moral bei Wagner’s Helden. Er hat jenen wundervollen Einfall, der einzig in der Kunst ist: der Vorwurf des Sünders an den Schuldlosen gerichtet: “o König”—Tristan an Marke.
30 [111]
Man höre den zweiten Akt der Götterdämmerung ohne Drama: es ist verworrene Musik, wild wie ein schlechter Traum und so entsetzlich deutlich, als ob sie vor Tauben noch deutlich werden wollte. Dies Reden, ohne etwas zu sagen: ist beängstigend. Das Drama ist die reine Erlösung.— Ist das ein Lob, daß diese Musik allein unerträglich ist (von einzelnen, absichtlich isolirten Stellen abgesehen) als Ganzes?— Genug, diese Musik ist ohne Drama eine fortwährende Verleugnung aller höchsten Stilgesetze der älteren Musik: wer sich völlig an sie gewöhnt, verliert das Gefühl für diese Gesetze. Hat aber das Drama durch diesen Zusatz gewonnen? Es ist eine symbolische Interpretation hinzugetreten, eine Art philologischen Commentars, welcher die immer freie Phantasie des Verstehens mit Bann belegt—tyrannisch! Musik ist die Sprache des Erklärers, der aber fortwährend redet und uns keine Zeit läßt; überdies in einer schweren Sprache, die wieder eine Erklärung fordert. Wer einzeln sich erst die Dichtung (Sprache!) eingelernt hat, dann sie mit dem Auge in Aktion verwandelt hat, dann die Musik-Symbolik herausgesucht und verstanden hat und ganz sich hineinlebt, ja in alles Dreies sich verliebt hat—der hat dann einen ungemeinen Genuß. Aber wie anspruchsvoll! Aber es ist unmöglich, außer für kurze Augenblicke—weil zu angreifend, diese zehnfache Gesammtaufmerksamkeit von Auge Ohr Verstand Gefühl, höchste Thätigkeit des Aufnehmens, ohne jede produktive Gegenwirkung!— Dies thun die Wenigsten: woher doch die Wirkung auf so viele? Weil man intermittirt mit der Aufmerksamkeit, ganze Strecken stumpf ist, weil man bald auf die Musik, bald auf das Drama, bald auf die Scene allein Acht giebt—also das Werk zerlegt.— Damit ist über die Gattung der Stab gebrochen: nicht das Drama, sondern ein Augenblick ist das Resultat oder eine willkürliche Auswahl. Der Schöpfer einer neuen Gattung hat Acht hier zu geben! Nicht die Künste immer nebeneinander—sondern die Mäßigung der Alten, welche der menschlichen Natur gemäß ist.
30 [112]
Mehrere Wege der Musik stehen noch offen (oder standen noch offen, ohne Wagner’s Einfluss). Organische Gebilde als Symphonie mit einem Gegenstück als Drama (oder Mimus ohne Worte?) und dann absolute Musik, welche die Gesetze des organischen Bildens wiedergewinnt und Wagner nur benützt als Vorbereitung. Oder Wagner überbieten: dramatische Chormusik.— Dithyrambus. Wirkung des Unisono.
Musik aus geschlossenen Räumen in’s Gebirge und Waldgehege.
30 [113]
Allmähliches Aufgeben vom
Verband der Nation
Verband der Partei
Verband der Freundschaft
der Consistenz der Handlungen.
30 [114]
Einsicht in die Ungerechtigkeit des Idealismus, darin dass ich mich für meine getäuschten Erwartungen an Wagner rächte.
30 [115]
Wagner, der in seinen Prosaschriften mehr bewundert als verstanden werden will.
30 [116]
Im Frühling grasbewachsener Weg im Walde—Unterholz und Gebüsch, dann höhere Bäume—Gefühl der wonnigen Freiheit.
30 [117]
Wagners’s Natur macht zum Dichter, man erfindet eine noch höhere Natur. Eine seiner herrlichsten Wirkungen, welche gegen ihn zuletzt sich wendet. So muss jeder Mensch sich über sich erheben, die Einsicht über sein Können sich erheben: der Mensch wird zu einer Stufenfolge von Alpenthälern, immer höher hinauf.
30 [118]
Es entschlüpfen ihm kurze Stellen guter Musik: fast immer im Widerspruch zum Drama.
30 [119]
Fürsten und Adlige, deren äusserliche Stellung zum Gedanken der Feste sehr hübsch durch eine kleine Fabel bezeichnet wird. Der höchstgestellte Gast usw.
30 [120]
Betäubung oder Rausch-Wirkung gerade aller Wagnerischen Kunst. Dagegen will ich die Stellen nennen, wo Wagner höher steht, wo reines Glück ihm entströmt.
30 [121]
Einzelne Töne von einer unglaubwürdigen Natürlichkeit wünsche ich nie wieder zu hören; ja sie auch nur vergessen zu können—Materna.
30 [122]
Wagner’s Musik interessirt immer durch irgend etwas: und so kann bald die Empfindung, bald der Verstand ausruhen. Diese gesammte Ausspannung und Erregung unseres Wesens ist es, wofür wir so dankbar sind. Man ist schliesslich geneigt, ihm seine Fehler und Mängel zum Lobe zu rechnen, weil sie uns selber productiv machen.
30 [123]
Wagner, dessen Ehrgeiz noch grösser ist als seine Begabung, hat in zahllosen Fällen gewagt, was über seine Kraft geht—aber es erweckt fast Schauer, jemanden so unablässig gegen das Unbesiegbare—das Fatum in ihm selber—anstürmen zu sehen.
30 [124]
Eine Kunst, welche die Harmonie des Daseins verleugnet, und sie hinter die Welt verlegt. Alle diese Hinterweltler und Metaphysiker.
30 [125]
Die Kritik der Moralität ist eine hohe Stufe der Moralität—aber verschmolzen sind Eitelkeit Ehrgeiz Lust am Siege damit, wie bei aller Kritik.
30 [126]
Unser Denken soll kräftig duften wie ein Kornfeld an Sommer-Abenden.
30 [127]
Goldstaub abblasen.
30 [128]
Über Wagner wie über Schopenhauer kann man unbefangen reden, auch bei ihren Lebzeiten—ihre Größe wird, was man auch gezwungen ist, in die andere Wagschale zu legen, immer siegreich bleiben. Um so mehr ist gegen ihre Gefährlichkeit in der Wirkung zu warnen.
30 [129]
Das Wogende Wallende Schwankende im Ganzen der Wagnerischen Musik.
30 [130]
Ich rathe jedem, sich vor gleichen Pfaden (Wagner und Schopenhauer) nicht zu fürchten. Das ganz eigentlich unphilosophische Gefühl, die Reue, ist mir ganz fremd geworden.
30 [131]
Mir ist zu Muthe, als ob ich von einer Krankheit genesen; ich denke mit unaussprechlicher Süssigkeit an Mozart’s Requiem. Einfache Speisen schmecken mir wieder.
30 [132]
Dionysus erster Gott der Thraker, ihr Zeus, wie Wotan.
30 [133]
Mendelssohn, an dem sie die Kraft des element Erschütterns (beiläufig gesagt: das Talent des Juden des alten Testaments) vermissen, ohne an dem, was er hat, Freiheit im Gesetz und edle Affecte unter der Schranke der Schönheit, einen Ersatz zu finden.
30 [134]
Schopenhauer verherrlicht im Grunde doch den Willen (das Allmächtige, dem alles dient). Wagner verklärt die Leidenschaft als Mutter alles Grossen und selbst Weisen.
Wirkung auf die Jugend.
30 [135]
Dies alles hat sich Wagner oft genug im heimlichen Zwiegespräch selber eingestanden: ich wollte er thäte es auch öffentlich. Denn worin besteht die Grösse eines Characters, als darin dass er, zu Gunsten der Wahrheit, im Stande ist, auch gegen sich Partei zu ergreifen?
30 [136]
Tiefsinn an eine unklare aber hochtrabende Wendung Wagner’s (“zum Raum wird hier die Zeit”) verwendet.
“Auge Wotans” rührend, Mundwinkel des Philologen zucken—aber Unwille über feinere Köpfe, aus denen nur der Parteisinn redet und welche die Nachlässigkeit wohl merken.
30 [137]
Die Naturgesetze der Kunst-Entwicklung sind eigentlich die Folgen psychologischer Dinge, Eitelkeit Ehrgeiz usw.
30 [138]
Barockstil—es muß gesagt werden.
Den Gang der inneren Entwicklung Wagner’s zu finden sehr schwer—auf seine eigene Beschreibung innerer Erlebnisse ist nichts zu geben. Er schreibt Parteischriften für Anhänger.
30 [139]
Untergang der letzten Kunst erleben wir—Bayreuth überzeugte mich davon —
30 [140]
Die Verhäßlichung der menschlichen Seele erfolgt ebenso nothwendig wie der Barockstil auf den klassischen—in ganzen Zeitaltem.
30 [141]
Die Wagnerischen Götter, von denen keiner “etwas taugt.”
30 [142]
Man muß nur etwas Gutes und Neues vollbringen: dann erlebt man an seinen Freunden, was es heißt: zum guten Spiele eine böse Miene machen.
30 [143]
Schiller’s Satz “gegen das Vortreffliche keine Rettung als Liebe” recht wagnerisch. Tiefe Eifersucht gegen alles Große, dem er eine Seite abgewinnen kann—Haß gegen das, wo er nicht heran kann (Renaissance, französische und griechische Kunst des Stils).
30 [144]
Der Irrthum hat die Dichter zu Dichtern gemacht. Der Irrthum hat die Schätzung der Dichter so hoch gemacht. Der Irrthum liess dann wieder die Philosophen sich höher erheben.
30 [145]
Bei Wagner blinde Verleugnung des Guten (wie Brahms), bei der Partei (Fr (W) sehende Verleugnung (Lipiner Rée).
30 [146]
Was ist Partei, was Frivolität? Von letzterer aus verstand ich Wagner nicht.
30 [147]
Anwandlungen der Schönheit: Rheintöchterscene, gebrochene Lichter, Farbenüberschwang wie bei der Herbstsonne, Buntheit der Natur; glühendes Roth Purpur, melancholisches Gelb und Grün fliessen durcheinander.
30 [148]
Vernunft- und Welt-flüchtige Bestrebungen.
30 [149]
Wer wollte Wagner auf den Gipfel seiner Eitelkeit folgen, den er immer dort erreicht, wenn er vom “deutschen Wesen” redet—übrigens der Gipfel seiner Unklugheit: denn wenn Friedrich’s des Grossen Gerechtigkeit, Goethe’s Vornehmheit und Neidlosigkeit, Beethoven’s edle Resignation, Bach’s dürftig verklärtes Innenleben, wenn Schaffen ohne Rücksicht auf Glanz und Erfolg, ohne Neid die eigentlich deutschen Eigenschaften sind, sollte Wagner nicht fast beweisen wollen, dass er kein Deutscher sei?
30 [150]
“C’est la rage de vouloir penser et sentir au delà de sa force.” Doudan.— Die Wagnerianer.
30 [151]
Die griechischen Künstler verwandten ihre Kraft auf die Bändigung, jetzt auf die Entfesselung—stärkster Gegensatz!
Willens-Bändiger, Willens-Entfesseler.
30 [152]
Milton: “es ist fast einerlei, ob man einen Menschen oder ein gutes Buch tödtet.” Gegen die Partei.
30 [153]
Furchtbare Wildheit, das Zerknirschte Vernichtete, der Freudenschrei, die Plötzlichkeit, kurz die Eigenschaften, welche den Semiten innewohnen—ich glaube, semitische Rassen kommen der Wagnerischen Kunst verständnissvoller entgegen als die arische.
30 [154]
Zur Vorrede. Ich möchte meinen Lesern den Rath geben: das Kennzeichen, dass sie in die Empfindung des Verfassers eingedrungen sind aber hier lässt sich nichts erzwingen. Eine Reise begünstigt.
30 [155]
Das creatürliche Leben, das wild geniesst, an sich reisst, an seinem Übermaasse satt wird und nach Verwandlung begehrt—gleich bei Schopenhauer und Wagner.
Zeit entsprechend bei Beiden: keine Lüge und Convention, keine Sitte und Sittlichkeit mehr thatsächlich—ungeheures Eingeständniss, dass der wildeste Egoismus da ist—Ehrlichkeit—Berauschung, nicht Milderung.
30 [156]
Ein Zeichen von der Gesundheit der Alten, dass auch ihre Moral-Philosophie diesseits der Grenze des Glücks blieb. Unsere Wahrheits-Forschung ist ein Excess: diess muss man einsehen.
30 [157]
Weder so heftig am Leben leiden, noch so matt und emotionsbedürftig, dass uns Wagner’s Kunst nothwendig als Medicin wäre.— Dies ist der Hauptgrund der Gegnerschaft, nicht unlautere Motive: man kann etwas, wozu uns kein Bedürfniss treibt, was wir nicht brauchen, nicht so hoch schätzen.
30 [158]
Zeit—elementarische, nicht durch Schönheit verklärte Sinnlichkeit (wie die der Renaissance und der Griechen), Wüstheit und Kaltsinn sind die Voraussetzungen gegen welche Wagner und Schopenhauer kämpfen, auf welche sie wirken—der Boden ihrer Kunst. Brand der Begierde, Kälte des Herzens—Wagner will Brand des Herzens, neben dem Brand der Begierde, Schopenhauer will Kühle der Begierde neben der Kühle des Herzens (der Schopenhauer des Lebens, nicht der der Philosophie).
30 [159]
Goethe—“Byron’s Kühnheit Keckheit und Grandiosität, ist das nicht alles bildend? Wir müssen uns hüten, es stets im entschieden Reinen und Sittlichen suchen zu wollen. Alles Große bildet, sobald wir es gewahr werden.”
Dies auf Wagner’s Kunst anzuwenden.
30 [160]
Voltaire, nach Goethe “die allgemeine Quelle des Lichts.”
30 [161]
Keller, Burckhardt zu erwähnen: vieles Deutsche erhält sich jetzt besser in der Schweiz, man findet es hier deutlicher erhalten.
30 [162]
Aberglaube vom Besitz—er macht nicht freier, sondern sklavischer, braucht viel Zeit, Nachdenken, macht Sorge, verbindet mit Andern, denen man nicht gleichstehen mag, weil man sie braucht; bindet fester an den Ort, an den Staat.— Der Bettler ist freilich abhängiger,—aber wenig Bedürfnisse, ein kleiner dazu ausreichender Erwerb und viel freie Zeit. Für die welche freilich keinen Gebrauch von der freien Zeit machen können, ist das Streben nach Besitz, wie das nach Ehren Orden usw., eine Unterhaltung. Der Reichthum ist oft das Resultat geistiger Inferiorität: er aber erregt Neid, weil durch ihn die Inferiorität mit Bildung maskiren kann. Insofern ist die geistige Ohnmacht der Menschen die indirekte Quelle von der unmoralischen Begehrlichkeit der Andern.— Dies, eine Betrachtung nach dem Kriege. Die Bildung als Maske, der Reichthum als Folge der innerlichen wirklichen Unbildung und Roheit.
30 [163]
Nichts ist schädlicher einer guten Einsicht in die Cultur, als den Genius und sonst nichts gelten zu lassen. Das ist eine subversive Denkart, bei der alles Arbeiten für die Cultur aufhören muss.
30 [164]
Nach dem Kriege missfiel mir der Luxus, die Franzosenverachtung, das Nationale—so wie Wagner an die Franzosen, Goethe an Franzosen und Griechen. Wie weit zurück gegen Goethe—ekelhafte Sinnlichkeit.
30 [165]
Die Dichtkunst ist älter bei den Griechen als die anderen Künste: sie also muss das Volk an den Sinn für Maass gewöhnt haben; ihnen mussten dann die anderen Künstler folgen. Aber was mässigte die Dichter?
30 [166]
Plan.
| Einsicht in die Gefährdung der Cultur. Krieg. Tiefster Schmerz, Brand des Louvre. Schwächung des Culturbegriffs (das Nationale), Bildungsphilister. Historische Krankheit. Wie bekommt der Einzelne gegen die Epidemie Halt? 1) Schopenhauer’s Metaphysik, überhistorisch; heldenhafter Denker. Standpunct fast religiös. 2) Wagner’s Vertheidigung seiner Kunst gegen den Zeitgeschmack. Daraus neue Gefahren das Metaphysische treibt zur Verachtung des Wirklichen: insofern zuletzt culturfeindlich und fast gefährlicher. Überschätzung des Genius. Die Cultur der Musik lehnt die Wissenschaft, die Kritik ab; vieles Beschränkte aus Wagner’s Wesen kommt hinzu. Roheit neben überreizter Sensibilität. Das Deuteln und Symbolisiren nimmt überhand bei den Wagnerianern. Ich entfremdete mich der Kunst, Dichtung (lernte das Alterthum mißverstehen) und der Natur, verlor fast mein gutes Temperament. Dabei das schlechte Gewissen des Metaphysikers. Bedeutung von Bayreuth für mich. Flucht. Kaltwasser-Bad. Die Kunst, die Natur, die Milde kommt wieder. |
Zweck der Mittheilung
Freunde.
30 [167]
Das Undeutsche an Wagner:
es fehlt die deutsche Anmuth und Grazie eines Beethoven Mozart Weber, das flüssige heitere Feuer (allegro con brio) Beethovens Webers, der ausgelassene Humor ohne Verzerrung.
Mangel an Bescheidenheit, die lärmende Glocke. Hang zum Luxus.
Kein guter Beamter wie Bach. Gegen Nebenbuhler nicht Goethisch ruhig.
30 [168]
Neben einer Moral der Gnade steht eine Kunst der Gnade (Inspiration). Beschreibung!
30 [169]
Damals glaubte ich das Christenthum im Verschwinden zu sehen, Wagner sandte ihm auch einige böse Worte nach—dumpfer Aberglaube—jetzt—jenseits der Berge.
30 [170]
Die grosse Oper aus französischen und italiänischen Anfängen. Spontini, als er die Vestalin schuf, hatte wohl noch keine Note eig deutscher Musik gehört. Tannhäuser und Lohengrin—für sie hat es noch keinen Beethoven, allerdings einen Weber gegeben. Bellini Spontini Auber gaben den dramatischen Effect von Berlioz lernte er die Orchestersprache; von Weber das romantische Colorit. —
30 [171]
Was sich alles als Kraft, Inspiration, Gefühls-Überfluss geben möchte—Kunstmittel der Schwäche (der überreizten Künstler) um zu täuschen.
30 [172]
Der Luxus der Mittel der Farben der Ansprüche des Symbolischen. Das Erhabne als das Unbegreifliche Unausschöpfliche in Bezug auf Grösse. Appell an alles andere Grosse.
30 [173]
Ich zweifle nicht dass dieselben Dinge, in einen dicken süssen Brei eingehüllt, williger geschluckt werden.— Wahrheiten über Wagner.
30 [174]
Diese wilden Thiere mit Anwandelungen eines sublimirten Zart- und Tiefsinns—haben nichts mit uns zu thun. Dagegen z. B. Philoctet.
30 [175]
Wotan—die Welt vernichten, weil man Verdruss hat.
Brünnhilde—die Welt vernichten lassen, weil man liebt.
30 [176]
Wotan, wüthender Ekel—mag die Welt zu Grunde gehen.
Brünnhilde liebt—mag die Welt zu Grunde gehen.
Siegfried liebt—was schiert ihn das Mittel des Betrugs. Ebenso Wotan. Wie ist mir dies alles zuwider!
30 [177]
Wie Meister Erwin von Steinbach von seinen französischen Mustern und Meistern abhängig ist, frei und sie überragend, so Wagner von den Franzosen und Italiänern.
30 [178]
Der Gewölbebau wahrscheinlich von den Diadochen auf die Römer übergegangen, wahrscheinlich.
30 [179]
Macht und Pracht, Wille der Römer.
30 [180]
Gegensatz—Horaz unter lauter ewigen festgewordenen Dingen—wir unter lauter ganz kurzen: jedes Geschlecht soll sein eignes Feld bestellen.
30 [181]
Römer Schöpfer aller Rundformen, nicht nur Ausbildner mit Genialität.
30 [182]
Bei Goethe ist der grösste Theil der Kunst in sein Wesen übergegangen. Anders unsere Theaterkünstler, die im Leben unkünstlerisch und nur Theater-Mitleiden Theater Tasso’s.
30 [183]
Die Wirkungen der Wagnerischen Rhetorik sind so heftig, dass unser Verstand hinterdrein Rache übt—es ist wie beim Taschenspieler. Man kritisirt Wagner’s Mittel der Wirkung strenger. Im Grunde ist es ein Verdruss darüber, dass Wagner nicht feinere Mittel nöthig fand um uns zu fangen.
30 [184]
Wie Musik im Freien bei windigem kaltem Wetter.
30 [185]
Die Freude über Rée’s psychologische Beobachtungen eine der allergrössten. Woher? so empfand ich, die Motive der Menschen sind nicht viel werth. Wie Socrates von den weisen Menschen, so ich von den moralischen. Damals machte ich Ausnahmen; um diese recht hoch zu stellen, stellte ich jene so tief (und missverstand dabei gewiss den Autor).
30 [186]
Das vorige Jahrhundert hatte weniger Historie, wußte aber mehr damit anzufangen.
30 [187]
Wie kann man nur solchen Genuß an der Trivialität haben, daß Selbstliebe die Motive aller unserer Handlungen abgiebt! 1) Weil ich lange nichts davon wußte (metaphysische Periode) 2) weil der Satz sehr oft erprobt werden kann und unseren Scharfsinn anregt und so uns Freude macht 3) weil man sich in Gemeinschaft mit allen Erfahrenen und Weisen aller Zeiten fühlt: es ist eine Sprache der Ehrlichen, selbst unter den Schlechten 4) weil es die Sprache von Männern und nicht von schwärmerischen Jünglingen ist (Schopenhauer fand seine Jugendphilosophie namentlich das 4te Buch sich ganz fremd—) 5) weil es antreibt, es auf unsere Art mit dem Leben aufzunehmen, und falsche Maßstäbe abweist; es ermuthigt.
30 [188]
Rückschritt gegen das vorige Jahrhundert in Ethik—Helvetius. Von da abwärts Rousseau Kant Schopenhauer Hegel.
30 [189]
Die Heftigkeit der erregten Empfindung und die Länge der Zeitdauer stehen im Widerspruch. Dies ist ein Punct, worin der Autor selber keine entscheidende Stimme hat: er hat sich langsam an sein Werk gewöhnt und es in langer Zeit geschaffen: er kann sich gar nicht unbefangen auf den Standpunct des Aufnehmenden versetzen. Schiller machte denselben Fehler. Auch im Alterthum wurde viel zurecht geschnitten.
30 [190]
Dies sah ich ein, mit Betrübniss, manches sogar mit plötzlichem Erschrecken. Endlich aber fühlte ich dass ich, gegen mich und meine Vorliebe Partei ergreifend, den Zuspruch und Trost der Wahrheit vernehme—ein viel grösseres Glück kam dadurch über mich, als das war, welchem ich jetzt freiwillig den Rücken wandte.
30 [191]
Wagner’s Nibelungen-Ring sind strengste Lesedramen, auf die innere Phantasie rechnend. Hohes Kunstgenre, auch bei den Griechen.
30 [192]
Widerspruch im vorausgesetzten Zuhörer. Höchst künstlerisch als Empfänger und völlig unproductiv! Die Musik tyrannisirt die Empfindung durch allzupeinliche Ausführung des Symbolischen, die Bühne tyrannisirt das Auge. Etwas Sclavenhaft-Unterthäniges und doch ganz Feuer und Flamme zugleich bei dieser Kunst—deshalb eine Parteizucht sonder Gleichen nöthig. Deshalb Judenthum usw. als Hetzpeitsche.
8, 30[1-192] Sommer 1878
30 [1]
My mistake was that I came to Bayreuth with an ideal: so I had to experience the bitterest disappointment. The abundance of the ugly, the distorted, the over-seasoned repulsed me violently.
30 [2]
On the Causes of Poetry
Prejudices about Poets.
Aphorisms.
30 [3]
I saw the sense for social circles of thought spreading among the higher classes: and I had to say, with Goethe, “one seemed not to feel what all must first be lost in order to arrive at any kind of ambiguous gain.”
30 [4]
Goethe: “the longing that lay within me, which I may have nurtured too much in earlier times and strived to vigorously combat as life progressed, no longer befitted the man, and so he sought full and final satisfaction.” Conclusion?
30 [5]
Goethe: “The beautiful is when we behold the lawfully living in its greatest activity and perfection, whereby we are stimulated to reproduction and likewise feel ourselves alive and elevated to the highest activity.”
30 [6]
The middle is the best (in the choice of problems, of expression, in art). Strong aesthetics. No Baroque style.
30 [7]
Montaigne: “whoever has once been a true fool will never become truly wise again.” That is, to scratch behind one’s ears.
30 [8]
Milton in Taine I, 656. “The truth that first brings shame.”
30 [9]
Schopenhauer’s Influence
| 1) | in the hands of the Ultramontanes—Protestant and Catholic; | |
| 2) | purest science tainted with spiritism; | |
| 3) | ghost stories; | |
| 4) | miracle believers like Fr W; | |
| 5) | philosophy of the unconscious; | |
| 6) | Genius and inspiration in Wagner, so that all knowledge is rejected; the “intuition” and the “instinct”; | |
| 7) | Exploitation of the “will” practically as unconquerable, by poets as an effect tool; | |
| 8) | the crude error that compassion represents the intellect, brought onto the stage with a truly Spanish credulity; | |
| 9) | Kingship as otherworldly; | |
| 10) | science is looked down upon: metaphysics runs rampant within it; | |
| 11) | Gwinner’s biography, Schopenhauer as a vestibule to Christianity. |
General Frommbecoming, the embodied Voltarian-minded Schopenhauer, to whom his fourth book would be incomprehensible, is pushed aside.
My distrust of the system from the beginning. The person stepped forward, he typically as a philosopher and promoter of culture. At the transitory nature of his teachings, at what his life did not embody, the general veneration attached—unlike me. The creation of the philosopher seemed to me the only aftereffect—but I myself was hindered by the superstition of the genius. Closing one's eyes.
30 [10]
According to Demosthenes, the speech must be sculpta "chiseled."
Demosthenes studied Thucydides with regard to style.
30 [11]
“Restraint of the ancient writers in the use of the astonishing means of expression at their disposal.”
30 [12]
The accumulation of more than 2 short syllables should be avoided as much as possible—the rhythmic law of Demosthenes.
30 [13]
End of a speech like a tragedy as calmly and dignified as possible—is Athenian.
We love the finales differently.
30 [14]
Utility-Education
Ornamental-Education.
30 [15]
Since I have compared Wagner to Demosthenes, I must also emphasize the contrast. Brougham in Blass, 188, 196—p.173.;
30 [16]
The greatest oratorical improviser Demades was valued above Demosthenes. According to Theophrast, the former is "worthy of Athens," the latter "beyond Athens."
30 [17]
“A man who consists of words, and indeed of bitter and artificial ones,” said Aeschines of Demosthenes.
| 30 [18] Pallas Athene On the Useful and Ornamental Effects of Judgment. | |
30 [18]
Pallas Athene
On the Useful and Ornamental Effects of Judgment.
30 [19]
Wagner, whose literary role models and attempts (beginnings) belong to that time, whose general error a Frenchman has described—au delà sa force.
30 [20]
Decorative Arts
Decorative and Pleasure Education
the heightened sense of splendor.
30 [21]
Eternal Roman architecture.
Bridge in Spanish Alcantara.
30 [22]
“Thought image” for Phantasieb.
30 [23]
A playwright acts a role when he speaks of himself; it is inevitable. Wagner, when he speaks of Bach and Beethoven, speaks as the one he would like to be regarded as. But he only convinces the already convinced; his mimicry and his true nature clash far too fiercely with each other.
30 [24]
Disadvantage of metaphysics: it makes one indifferent to the correct order of this life—thus indifferent to morality. Is always pessimistic because it does not strive for earthly happiness.
30 [25]
Regarding the Greek poets, we were led to deceive ourselves. If only everyone would say: I don't like this, that means nothing to me, there I feel contrary to the conventional assessment—then there would be more respect for philologists as honest people, even if they risked having their classical taste called into question.
30 [26]
Greek dithyramb is the Baroque style of poetry.
30 [27]
Against our joy in the excess of metaphors, rare words, etc.—praise for Euripides.
30 [28]
What becomes of an art that has come to its end? It itself dies out—the effect it has given benefits other areas, as does the now, at its end, released unused energy. So where, for example?
30 [29]
Path to Wisdom
Strengthening
Moderation (Beauty as Proportion)
Liberation.
30 [30]
In the same way that we now consciously strengthen ourselves with the help of the spirit, so by analogy the conclusion backwards.
30 [31]
Waves—on a quiet summer day lapping at the shore—Epicurus’ garden happiness.
30 [32]
Dramas depict the religious fact, origin in temple cult. False concept of myth—the Greeks consider it history. In contrast, the poets invent very uninhibitedly.
30 [33]
Goethe: “one must often not harm error, so as not to harm truth.”
30 [34]
Goethe defines duty as “where one loves what one commands oneself.”
Usually, “where one commands oneself what one loves.”
30 [35]
The rhythmic sense first appears in the large:
Contrast of cola (hexameter and hexameter). Hebrew rhythm remained at this stage. Likewise, the periodicity of prose. Gradually, the sense of time becomes finer, first at the end.
30 [36]
“Ipsum viventem quidem relictum, sed sola posteritatis cura et abruptis vitae blandimentis.” Tac. hist. II 54.
30 [37]
He who has not experienced how the most despicable slander and the most venomous envy masquerade as pity knows nothing of wickedness.
30 [38]
Since everyone wants happiness, the properties of affects are very different and barely changeable: so one must use all beginnings wittily. Ethics for the Witty.
30 [39]
Probably: the rule of the experts and the delusion of the masses that they themselves rule through them.
30 [40]
Whoever accomplishes something that lies beyond the scope of the familiar and the emotional circle of acquaintances:—envy and hatred as pity—party regards the work as degeneration, illness, seduction. Long faces.
30 [41]
Instead of flowing over into life, Wagnerian art only promotes tendencies (e.g., religious, national) among Wagnerians.
30 [42]
We compare the living animals on Hephaestus' shield—aesthetic phenomenon but cruel!
30 [43]
One must have the courage to love in art what truly appeals to us and to admit it to ourselves, even if it is a bad taste. This is how one can move forward.
30 [44]
Inverted Morality, e.g., in Tristan, where the adulterer makes the accusation: quite different among the Greeks.
30 [45]
Far too much music for the Wagnerian drama.
30 [46]
Novel: because of death moriendi perdere causas. A suicide who, while searching for death
30 [47]
One imagines with a book that the fundamental tone is the first thing one hears from it—but one usually hears something into it that one calls by that name.
30 [48]
Cap. VII. Education.
Germany in its Action-Reaction shows itself barbaric.
30 [49]
It is the one who cannot make his success visible—the oppressed unfree—who insists most on moral “merit.”
30 [50]
Wagner’s art calculated for the short-sighted—too much proximity necessary (miniature), yet also far-sighted. But no normal eye.
30 [51]
At that time, I believed that the world, from an aesthetic standpoint, was a spectacle and as such intended by its poet, but that as a moral phenomenon it was a deception: which is why I came to the conclusion that the world could only be justified as an aesthetic phenomenon.
30 [52]
When I listened to the overall sound of the older Greek philosophers, I thought I heard tones that I was accustomed to hearing from Greek art, and especially from tragedy. To what extent this lay with the Greeks, and to what extent it lay only with my ears, the ears of a person very much in need of art—I still cannot say with certainty today.
30 [53]
1 The Individual and the Many
2 The Survival of Art
3 Neo-Antiquity
4 Sources of Strength
5 Image of a Near Future
6 Possession
7 Education.
30 [54]
Poland the only country of Western-Roman culture that never experienced a Renaissance. Reformation of the Church without reform of the entire intellectual life, therefore without taking lasting roots. Jesuitism—noble freedom ruins it. That is exactly how it would have gone for the Germans without Erasmus and the influence of the humanists.
30 [55]
The Greeks were ready when a Homer showed them works of art—he could rely on the understanding of long, clear compositions—a people must be far advanced for that! Think of the Germans with their momentary effects of the Edda!
What Homer could do, compose, is seen in the rivalry of Hesiod, who also composed.
30 [56]
I wish that people who think cheaply would accept this book as a kind of atonement for the fact that I once promoted a dangerous aesthetic: whose endeavor was to turn all aesthetic phenomena into "miracles"— —I have thereby caused harm, among the followers of Wagner and perhaps in Wagner himself, who accepts everything that lends his art a higher rank, whether it is justified or not. Perhaps I have, through my approval since his essay on "the Destiny of Opera," led him to greater definiteness and introduced unsustainable elements into his writings and works. I deeply regret this.
30 [57]
The poet-invention can become a myth if it finds widespread belief:—just as the usage and misuse of a word fluctuates.
30 [58]
With the harmony of pleasure, in which the human being swims, it is truly like the harmony of the spheres: we no longer hear it when we live in it.
30 [59]
Analysis of the Sublime.
30 [60]
My way of reporting on history is actually to tell my own experiences on the occasion of past times and people. Nothing coherent—some things have dawned on me, others have not. Our literary historians are boring because they force themselves to talk and judge about everything, even where they have experienced nothing.
30 [61]
What works still? Principle of painters and musicians and poets: they ask themselves first, from the time when they were not productive.
30 [62]
The fear that one does not believe in the Wagnerian figures, that they do not live: that is why they behave so wildly.
30 [63]
One makes mistakes against a predetermined way of life because our mood at the moment of resolution and that of execution is entirely different.
30 [64]
Art begins with the caricature. That something means something is pleasing. That what is meaningful is mocked and ridiculed is even more pleasing. Laughter as the first sign of higher spiritual life (as in the visual arts).
30 [65]
“Where art restricts itself in its means, it must be powerful in its essence.” Jacob Burckhardt.
30 [66]
The Greek prose—intentional limitation of means. Why? The simple at the end of the high path. Complicated first and last.
30 [67]
In doing so, I have drawn the lot of the idealists, for whom the object, from which they have made so much, is thereby spoiled—ideal monster: the real Wagner shrinks together.
30 [68]
How worm-eaten and perforated human life is, how entirely built on deception and pretense, how everything uplifting, how the illusions, all joy in life owe themselves to error—and how in this respect the origin of such a world might not be sought in a moral being, but perhaps in an artist-creator, whereby I meant that such a being is by no means deserving of veneration in the sense of the Christian (which posits the God of goodness and love), and even did not shy away from the suggestion whether this conception, having been forcibly inoculated into the German character, could also be forcibly torn out again.I thought I had discovered in Wagner’s art the path to a German heathenism, at least a bridge to a specifically unchristian world- and human-view. “The gods are evil and knowing: they deserve their downfall, man is good and foolish—he has a more beautiful future and attains it when those have finally entered their twilight,”—this is how I would have formulated my creed at that time, whereas now
30 [69]
What was initially conventional is not only treated with reverence but also later overwhelmed with reason and grounds and, as it were, permeated. In the end, something appears very reasonable (much about it has been adjusted and embellished). This deceives about its origin.
30 [70]
National is the aftereffect of a past culture in a completely changed culture based on different foundations. Thus, the logically contradictory in the life of a people.
30 [71]
We must resist the false imitation of Wagner's. If he, in order to be able to create Parsifal, is forced to pump new forces from the religious source, this is not a model but a danger.
30 [72]
There are readers who prefer the somewhat high-flown and uncertain gait and sound of my earlier writings to what I currently strive for—utmost precision in expression and suppleness in all movement, most cautious moderation in the use of all pathetic and ironic artistic devices. May those readers who do not wish to let their taste wither find something welcome in these works shared here as compensation for the annoyance I caused them by changing my taste in these matters. After all, we have gradually become so dissimilar, so alien in so many and great endeavors that, on this occasion where I must speak to them once more, I wish to address only the most harmless of all differences, the difference in style.
30 [73]
Wagner has no real trust in music: he draws on related emotions to give it the character of the great. He attunes himself to others, he first gives his listeners intoxicating drinks to make them believe that the music has intoxicated them.
30 [74]
“The childlike art sins most gravely.” Group in front of the statue, statue in front of the herma etc. “One simply does not yet know the difficulties.” Jacob Burckhardt.
30 [75]
Carpet—home of the infinitely repeating. On vases and bronze vessels we find it again. Since everything is small and countless, attention could not be paid to expression of the soul, but only to gesture.
30 [76]
The most wholesome phenomenon is Brahms, in whose music more German blood flows than in Wagner's—with which I mean to say much good, but by no means only good.
30 [77]
I just want to confess: I had hoped that through art the Germans could be completely turned off by stale Christianity—German mythology as a weakening factor, accustoming them to polytheism, etc.
What horror at restorative currents!!
30 [78]
Like one who takes leave forever, and meets even the less regarded acquaintances with warmer feeling and extends his hand, so do I feel more inclined towards certain works of earlier years, just now, as I am inexorably moving away from the shores to which I once steered my ship.
30 [79]
Ancient portrait resemblance in Mycenae—later this trail abandoned.
Animal world better than human—not symbolically bound.
30 [80]
It is difficult to attack Wagner in detail and not be right; his art, his character, his opinions, his likes and dislikes, everything has sore spots. But as a whole, the phenomenon is equal to any attack.
30 [81]
Plato’s turning away from art symbolically-typically at the end.
30 [82]
If Wagner should think differently about this: well, then we want to be better Wagnerians than Wagner.
30 [83]
I understand the development of Sophocles through and through—the aversion to pomp and splendor effects.
30 [84]
The smile the expression of life, of the momentary (even when they die, Aegineten).
30 [85]
The highest task at the end, to publicly thank Wagner and Schopenhauer and, as it were, to make them take sides against oneself.
30 [86]
The Thracian pessimism of Herodotus, the born is lamented.
30 [87]
Those writers who write with reason against reason should be careful not to become a nuisance to themselves.
30 [88]
The rich style follows the great.
Cities, artists, and schools compete.
Bodies trained long before soul expression.
Thighs much earlier than chest.
30 [89]
The Useful ranks higher than the Pleasant (Beautiful), because it indirectly and in the long run seeks what is pleasant, not momentary pleasure, or also seeks to create the basis for the pleasant (e.g., as health). The art of the beautiful is either calculated only for the moment or coincides with the useful; the useful is never an end in itself, but rather the well-being of the pleasant is.
30 [90]
One must never forget Wagner for the fact that in the second half of the 19th century, in his own way—though it is certainly not the way of good and insightful people—he brought art to mind as an important and magnificent matter.
30 [91]
Shock, to what degree I myself could take pleasure in Wagner’s style, which is so negligent that it is unworthy of such an artist.
Wagner’s style. The all-too-common habit of speaking about the most important subjects without sufficient knowledge has made him so vague and incomprehensible: added to this is the ambition to emulate the witty feuilletonists—and finally the presumption that readily pairs with negligence: “behold, everything was very good.”
30 [92]
The best thing about hunger is that it gives you an appetite.
30 [93]
Preface. The position of the wise towards art. The Greeks more refined than us: the wise man, the man of taste.
Not only hunger is necessary (rather, it must not be too severe)—“Love,” say the enthusiasts:—but taste. Yes, taste already presupposes appetite—otherwise nothing tastes good to us. Criticism is the pleasure in the good, with increase of pleasure through recognition of the failed. Whence the countless critics, if not for the enjoyment in it? In this sense, even the bad serves, as it invites destruction and awakens pleasure. Also pleasure in improving.
30 [94]
Emerson, p. 328 (Essays) “the eye of the rounding spirit.”
30 [95]
Preface. I could have titled this book: from the soul of artists and writers; in fact, it is a continuation of the fifth main section, which bears that title.
30 [96]
Preface. I know of no means to recognize something good other than to do something good oneself. This gives us wings with which to fly to many a distant nest where goodness resides.
30 [97]
Schopenhauer Optimist, when he says (Parerga, II p. 598) “There are 2 histories: the political and that of literature and art. The former is that of the will, the latter that of the intellect. Hence the former is throughout alarming, indeed terrible— —the latter, on the other hand, is everywhere pleasing and cheerful. ” Oho! Ho!
30 [98]
No matter how much we may corrupt morality—our own, ingrained in our very being, cannot be corrupted in the process. Our way of being true and untrue remains undiscussable. “The tone of seeking is one and the tone of having is another.”
30 [99]
I have the concern that Wagner’s effects will ultimately flow into the current that originates beyond the mountains and that also knows how to flow over mountains.
30 [100]
Schopenhauer, Parerga II 630: “some people have at least a tenfold higher degree of existence than others—ten times more there”—the wise is then the most real being.
30 [101]
Comparison with the Symphony III Act Tristan, “Birth of Tragedy”—vague and pompous, as I then liked to express myself after Wagner’s example—
30 [102]
In the fourth century, the world of inner excitement is discovered—Scopas, Praxiteles, expression. (Not yet Phidias. Laws of strictness.)
30 [103]
Emerson p. 331 Essays “the life of truth is cold and in that respect sad, but it is not the slave etc.”
30 [104]
“Being great is being misunderstood.”
30 [105]
Schiller’s idealism to characterize (best from Körner’s letters).
30 [106]
Fries in Phigalia of the highest passion.
30 [107]
The same sum of talent and diligence that makes the classicist, makes, a span of time too late, the baroque artist.
30 [108]
He is expected to make a wicked face for the good game.
30 [109]
Wagner interrupted the course, ominously, not to regain the path.
I envisioned a symphony coinciding with the drama. Expanding from the song.
But opera, the effect, the un-German pulled Wagner elsewhere. All conceivable artistic means in the highest intensification.
30 [110]
Complete absence of morality in Wagner’s heroes. He has that wonderful idea, unique in art: the reproach of the sinner directed at the innocent: “o King”—Tristan to Marke.
30 [111]
Listen to the second act of Götterdämmerung without drama: it is confused music, wild like a bad dream and so terribly clear, as if it still wanted to become clear to the deaf. This speaking, without saying anything: is frightening. The drama is pure redemption.— Is it a praise that this music alone is unbearable (apart from individual, intentionally isolated passages) as a whole?— Enough, this music without drama is a continual denial of all the highest stylistic laws of older music: whoever becomes completely accustomed to it loses the feeling for these laws. But has the drama gained through this addition? A symbolic interpretation has been added, a kind of philological commentary, which places the always free fantasy of understanding under a ban—tyrannical!
Music is the language of the explainer, who, however, speaks incessantly and leaves us no time; moreover, in a difficult language that again demands an explanation. Who has first learned poetry (language!) individually, then transformed it into action with the eye, then sought out and understood musical symbolism and fully immerses themselves in it, yes, falls in love with all three—such a person then experiences immense pleasure. But how demanding! Yet it is impossible, except for brief moments—because it is too overwhelming, this tenfold total attention of eye, ear, intellect, emotion, the highest activity of reception, without any productive counteraction!— Few do this: whence, then, the effect on so many?Because one intermittently pays attention, is dull for long stretches, because one sometimes focuses on the music, sometimes on the drama, sometimes on the scene alone—thus dismantling the work. With this, the genre is broken: not the drama, but a moment is the result, or an arbitrary selection. The creator of a new genre must take heed here! Not the arts always side by side—but the moderation of the ancients, which is in accordance with human nature.30 [112]
Several paths of music remain open (or remained open, without Wagner’s influence). Organic structures as symphony with a counterpart as drama (or mime without words?) and then absolute music, which regains the laws of organic formation and uses Wagner only as preparation. Or surpassing Wagner: dramatic choral music.— Dithyramb. Effect of unison.
Music from enclosed spaces into the mountains and forest enclosures.
30 [113]
Gradual abandonment of
the Union of the Nation
the Union of the Party
the Union of Friendship
the Consistency of Actions.
30 [114]
Insight into the injustice of idealism, in that I avenged myself for my disappointed expectations of Wagner.
30 [115]
Wagner, who in his prose writings wishes to be admired more than understood.
30 [116]
In spring, a grassy path in the forest—undergrowth and shrubs, then taller trees—feeling of blissful freedom.
30 [117]
Wagner’s nature makes him a poet, one invents an even higher nature. One of his most magnificent effects, which against him ultimately turns. Thus, every person must rise above themselves, insight above their ability must rise: the person becomes a sequence of Alpine valleys, ever higher up.
30 [118]
Short passages of good music escape him: almost always in contradiction to the drama.
30 [119]
Princes and nobles, whose outward position in relation to the idea of festivals is very nicely designated by a little fable. The highest-ranking guest etc.
30 [120]
Stupefaction or intoxication-effect of all Wagnerian art. Against this, I want to name the passages where Wagner stands higher, where pure happiness flows from him.
30 [121]
Individual tones of an incredible naturalness I never wish to hear again; yes, even to be able to forget them—Materna.
30 [122]
Wagner’s music always interests us through something: and so either the emotion or the intellect can rest. This entire relaxation and stimulation of our being is what we are so grateful for. In the end, one is inclined to count his faults and deficiencies as virtues, because they make us productive ourselves.
30 [123]
Wagner, whose ambition is even greater than his talent, has dared in countless cases what exceeds his strength—but it almost evokes shudders to see someone so relentlessly storming against the invincible—the fate within himself.
30 [124]
An art that denies the harmony of existence and places it behind the world. All these otherworldly thinkers and metaphysicians.
30 [125]
The Critique of Morality is a high stage of morality—but vanity, ambition, and the pleasure of victory are fused with it, as with all criticism.
30 [126]
Our thinking should smell strongly like a cornfield on summer evenings.
30 [127]
Blow off gold dust.
30 [128]
About Wagner, as about Schopenhauer, one can speak impartially, even during their lifetimes—their greatness will, whatever one is forced to place in the other scale, always remain victorious. All the more reason to warn against their dangerousness in their effect.
30 [129]
The surging, billowing, swaying in the Whole of Wagnerian music.
30 [130]
I advise everyone not to fear the same paths (Wagner and Schopenhauer). The entirely unphilosophical feeling, remorse, has become completely alien to me.
30 [131]
I feel as if I have recovered from an illness; I think with ineffable sweetness of Mozart’s Requiem. Simple foods taste good to me again.
30 [132]
Dionysus first god of the Thracians, their Zeus, like Wotan.
30 [133]
Mendelssohn, in whom they miss the power of elemental shaking (incidentally said: the talent of the Jew of the Old Testament), without finding a substitute in what he has—freedom within the law and noble affects under the constraint of beauty.
30 [134]
Schopenhauer essentially glorifies the will (the Almighty, to which everything serves). Wagner transfigures passion as the mother of all great and even wise things.
Effect on the youth.
30 [135]
All this Wagner has often enough admitted to himself in secret self-dialogue: I wish he would do it publicly too. For wherein lies the greatness of a character, if not in the fact that, for the sake of truth, he is capable of taking a stand against himself?
30 [136]
Depth uses an unclear but high-sounding phrase by Wagner (“here time becomes space”).
“Wotan’s eye” touching, the philologist’s mouth corners twitch—but displeasure at finer minds from whom only party spirit speaks and who certainly notice the negligence.
30 [137]
The natural laws of art development are actually the consequences of psychological things, vanity, ambition, etc.
30 [138]
Baroque style—it must be said.
Finding the course of Wagner’s inner development is very difficult—his own descriptions of inner experiences are unreliable. He writes party pamphlets for followers.
30 [139]
We experience the decline of the last art—Bayreuth convinced me of that—
30 [140]
The uglyfication of the human soul occurs just as necessarily as the Baroque style follows the classical—across entire epochs.
30 [141]
The Wagnerian gods, none of whom “are worth anything.”
30 [142]
One must only accomplish something good and new: then one experiences with one's friends what it means: to make an evil face at a good game.
30 [143]
Schiller’s statement “against the excellent no salvation except love” quite Wagnerian. Deep jealousy towards everything great to which he can one side—hatred towards that which he cannot reach (Renaissance, French and Greek art of style).
30 [144]
Error has made poets into poets. Error has made the estimation of poets so high. Error then again let the philosophers rise higher.
30 [145]
In Wagner blind denial of the good (like Brahms), in the party (Fr (W) seeing denial (Lipiner Rée).
30 [146]
What is Partei, what is frivolity? From the latter, I did not understand Wagner.
30 [147]
Moments of beauty: Rhine daughters scene, broken lights, abundance of colors like the autumn sun, diversity of nature; glowing red, purple, melancholic yellow and green flow into each other.
30 [148]
Reason- and world-fleeing endeavors.
30 [149]
Who would want to follow Wagner to the summit of his vanity, which he always reaches there when he speaks of the "German essence"—by the way, the summit of his imprudence: for if Friedrich the Great's justice, Goethe's nobility and freedom from envy, Beethoven's noble resignation, Bach's meagerly transfigured inner life, if creating without regard for glory and success, without envy, are the truly German qualities, should Wagner not almost want to prove that he is not a German?
30 [150]
“C’est la rage de vouloir penser et sentir au delà de sa force.” Doudan.— The Wagnerians.
30 [151]
The Greek artists applied their strength to restraint, now to unleashing—strongest contrast!
Will-restraints, will-unleashers.
30 [152]
Milton: “it is almost the same whether one kills a man or a good book.” Against the Partei.
30 [153]
Terrible wildness, the crushed annihilated, the cry of joy, the suddenness, in short the qualities inherent in the Semite—I believe Semitic races approach Wagnerian art with greater understanding than the Aryan.
30 [154]
On the Preface. I would like to give my readers the advice: the sign that they have penetrated into the feeling of the author, but nothing can be forced here. A Journey favors.
30 [155]
The creaturely life, which enjoys wildly, seizes for itself, grows sated on its excess, and longs for transformation—alike in Schopenhauer and Wagner.
Time accordingly in both: no lie and convention, no custom and morality any longer in effect—monstrous admission that the wildest egoism is present—honesty—intoxication, not mitigation.
30 [156]
A sign of the health of the ancients, that even their moral philosophy remained on this side of the boundary of happiness. Our truth-seeking is an excess: this must be acknowledged.
30 [157]
Neither suffering so intensely from life, nor being so dull and in need of emotions that Wagner’s art would be necessary to us as medicine.— This is the main reason for the opposition, not dishonest motives: one cannot value something so highly when there is no need driving us, when we do not need it.
30 [158]
Time—elemental, not transfigured by beauty (as with the Renaissance and the Greeks), wildness and coldness are the prerequisites against which Wagner and Schopenhauer struggle, upon which they act—the foundation of their art. Fire of desire, coldness of the heart—Wagner wants fire of the heart, beside the fire of desire, Schopenhauer wants coolness of desire beside the coolness of the heart (the Schopenhauer of life, not that of philosophy).
30 [159]
Goethe—“Byron’s boldness, audacity, and grandeur—isn’t all of that formative? We must be careful not to always seek it in the decidedly pure and moral. Everything great is formative as soon as we become aware of it.”
Applying this to Wagner’s art.
30 [160]
Voltaire, according to Goethe, “the universal source of light.”
30 [161]
Keller, Burckhardt to mention: much of what is German is now better preserved in Switzerland, it is found here more clearly preserved.
30 [162]
Superstition of possession—it does not make one freer, but rather more enslaved, requires much time, reflection, causes worry, connects one with others whom one may not wish to equal, because one needs them; binds one more firmly to the place, to the state.—The beggar is indeed more dependent,—but few needs, a small income sufficient for them, and much free time. For those who indeed cannot make use of free time, the pursuit of possession, like the pursuit of honors, orders, etc., is an entertainment.
Wealth is often the result of intellectual inferiority: it arouses envy because through it, inferiority can be masked with education. In this sense, the intellectual impotence of people is the indirect source of the immoral covetousness of others.— This, a reflection after the war. Education as a mask, wealth as a consequence of inner real lack of education and brutality.30 [163]
Nothing is more harmful to a good insight into culture than to recognize genius and nothing else. This is a subversive way of thinking, in which all work for culture must cease.
30 [164]
After the war, I disliked the luxury, the contempt for the French, the national—just as Wagner felt about the French, Goethe about the French and Greeks. How far back compared to Goethe—disgusting sensuality.
30 [165]
The art of poetry is older among the Greeks than the other arts: it therefore must have accustomed the people to the sense of measure; the other artists then had to follow them. But what moderated the poets?
30 [166]
Plan.
| Insight into the endangerment of culture. War. Deepest sorrow, burning of the Louvre. Weakening of the concept of culture (the national), educated philistines. Historical sickness. How does the individual gain resistance against the epidemic? 1) Schopenhauer’s metaphysics, unhistorical; heroic thinker. Standpoint almost religious. 2) Wagner’s defense of his art against contemporary taste. From this, new dangers: the metaphysical drives toward contempt for the real: ultimately hostile to culture and almost more dangerous. |
The culture of music rejects science, criticism; much of the limited nature of Wagner’s being comes into play. Crudeness alongside overstimulated sensitivity.
The interpreting and symbolizing becomes excessive among the Wagnerians.
I alienated myself from art, poetry (learned to misunderstand antiquity) and nature, nearly lost my good temperament. Alongside the bad conscience of the metaphysician.
Significance of Bayreuth for me.
Flight.
Cold-water bath.
Art, nature, mildness return.
Purpose of the communication
Friends.
30 [167]
The Un-German aspect of Wagner:
it lacks the German charm and grace of a Beethoven, Mozart, Weber, the fluid, cheerful fire (allegro con brio) of Beethoven and Weber, the unrestrained humor without distortion.
Lack of modesty, the clamorous bell. Tendency toward luxury.
Not a good official like Bach. Not Goetheanly calm toward rivals.
30 [168]
Alongside a morality of grace stands an art of grace (Inspiration). Description!
30 [169]
Back then, I believed Christianity was disappearing, Wagner also sent it some harsh words—dull superstition—now—beyond the mountains.
30 [170]
The great opera from French and Italian beginnings. Spontini, when he created the Vestalin, had probably not yet heard a single note of truly German music. Tannhäuser and Lohengrin—for them there had been no Beethoven yet, though there had been a Weber. Bellini Spontini Auber gave the dramatic effect from Berlioz he learned the orchestral language; from Weber the romantic coloration. —
30 [171]
All that wants to present itself as power, inspiration, excess of feeling—artistic means of weakness (of overstimulated artists) to deceive.
30 [172]
The luxury of the means of the colors of the claims of the symbolic. The sublime as the incomprehensible inexhaustible in relation to size. Appeal to all other greatness.
30 [173]
I do not doubt that the same things, wrapped in a thick sweet porridge, will be swallowed more willingly.— Truths about Wagner.
30 [174]
These wild animals with bouts of a sublimated delicacy and profundity—have nothing to do with us. On the other hand, for example, Philoctetes.
30 [175]
Wotan—destroy the world because one is displeased.
Brünnhilde—let the world be destroyed because one loves.
30 [176]
Wotan, raging disgust—let the world perish.
Brünnhilde loves—let the world perish.
Siegfried loves—what does he care about the means of deceit. The same with Wotan. How repulsive all this is to me!
30 [177]
How Master Erwin of Steinbach depends on his French models and masters, freely and surpassing them, so Wagner does from the French and Italians.
30 [178]
The vaulted construction probably passed from the Diadochi to the Romans, probably.
30 [179]
Power and splendor, the will of the Romans.
30 [180]
Contrast—Horace among nothing but eternal, solidified things—we among nothing but very brief ones: each generation should cultivate its own field.
30 [181]
Romans creators of all round shapes, not just trainers with genius.
30 [182]
In Goethe, the greatest part of art has passed into his being. Our theater artists, on the other hand, are unartistic in life and only theater-sympathize with Tasso's theater.
30 [183]
The effects of Wagnerian rhetoric are so violent that our intellect takes revenge afterward—it is like with the conjurer. One criticizes Wagner’s means of effect more strictly. At bottom, it is an annoyance that Wagner did not find finer means necessary to catch us.
30 [184]
Like music outdoors in windy cold weather.
30 [185]
The joy over Rée’s psychological observations one of the very greatest. Whence? so I felt, the motives of people are not worth much. As Socrates did with the wise people, so I with the moral ones. At that time I made exceptions; in order to set these very high, I set those so low (and certainly misunderstood the author in the process).
30 [186]
The previous century had less history, but knew more what to do with it.
30 [187]
How can one take such pleasure in triviality that self-love provides the motives for all our actions! 1) Because I long knew nothing of it (metaphysical period) 2) because the proposition can be tested very often and stimulates our ingenuity, thus giving us joy 3) because one feels in communion with all the experienced and wise of all times: it is the language of the honest, even among the wicked 4) because it is the language of men and not of dreamy youths (Schopenhauer found his youthful philosophy, especially the 4th book, quite alien—) 5) because it spurs us to take life on our own terms and reject false standards; it encourages.
30 [188]
Regression against the previous century in ethics—Helvetius. From there downwards Rousseau Kant Schopenhauer Hegel.
30 [189]
The intensity of the aroused emotion and the length of time are in contradiction. This is a point where the author himself has no decisive voice: he has slowly become accustomed to his work and created it over a long time: he cannot place himself impartially in the position of the recipient. Schiller made the same mistake. In antiquity, too, much was trimmed.
30 [190]
I realized this with sadness, sometimes even with sudden alarm. But finally, I felt that, taking sides against myself and my preferences, I was hearing the encouragement and comfort of truth—a much greater happiness came over me than the one I was now voluntarily turning my back on.
30 [191]
Wagner’s Nibelungen-Ring are strictest Lesedramen, relying on inner imagination. High art genre, also among the Greeks.
30 [192]
Contradiction in the presupposed listener. Highly artistic as a recipient and completely unproductive! Music tyrannizes feeling through overly painful execution of the symbolic, the stage tyrannizes the eye. Something slavishly subservient and yet entirely fire and flame at the same time in this art—hence a party discipline without equal necessary. Hence Judaism etc. as a whip to incite.