8, 22[1-135] Frühjahr-Sommer 1877
22 [1]
Fenster grüner Gaze
22 [2]
Den Freunden Gruss und Widmung.
22 [3]
die—man verliert das Ufer, überlässt sich den Wogen.
22 [4]
Roheit, welche sich als Kraft giebt—Kunst.
22 [5]
So zu handeln, dass die Menschheit usw.: Da müsste man das Vortheilhafte übersehen können. Wer sagt dass überhaupt für das Ganze eine Art Handeln zuträglich sei? die Geschichte sagt das Gegentheil. Man ist dem Egoismus viel mehr verpflichtet.
22 [6]
Unwissende Menschen, welche mit einer Philosophie bekannt geworden sind, haben den Eindruck, als ob sie jetzt allen anderen Wissenschaften überlegen wären und als ob sie in allem mitsprechen könnten—nichts irrthümlicher.
22 [7]
Feuer Ernst und Glück, wie selten im Augen und Ausdruck eines Jünglings.
22 [8]
- Philologie.
- Der Stil berühmter deutscher Schriftsteller.
- Zur Aesthetik der Musik.
- Zur Moral.
- Entstehung der griechischen Litteratur (Entstehung eines Buches darin).
- Das Zeitalter “gegen Metaphysik.”
- Gefahren der Musik in der Zukunft.
22 [9]
Jene uns verborgene Welt viel bedeutungsleerer als die bekannte. Unwillkürlich nimmt man das Gegentheil an. Aber Noth als Mutter, Irrthum als Vater haben den Glauben geschaffen.
22 [10]
Vorrede über Philologie. Alles als Übung.
Homer’s und Hesiod’s Wettkampf.
Athene als Liebesgöttin.
Solon’s Elegie eine Sammlung.
Der Prolog der Choephoren.
Beispiel kunstvoller Responsion.
Leben Demokrit.
Sceptische Ansichten über Metrik.
Conjectanea als Anhang.
22 [11]
Einleitung in die Philosophie der Gegenwart.
1. Allgemeine Gesichtspuncte (Philosophen).
2. Zur Religion.
3. Zur Musik.
4. Zur Kunst.
5. Wissenschaft und Fortschritt.
22 [12]
Vom Standpuncte des Nutzens ist die Erhaltung der Religion durchaus zu wünschen, Nutzen selbst im höchsten Sinn (Moralität) genommen (nämlich der vormundschaftliche Staat).
Aber sie ist nicht zu erhalten, weil keine aufrichtigen Lehrer mehr da sind.
Also wäre das Erziehungswesen umzustürzen? nach der Absicht der katholischen Kirche? Aber alle sonstigen Vortheile des Lebens ruhen auf der Wissenschaft.
Conflict nicht zu verschärfen—englische Praxis. Consequent sind die Menschen nicht.
Das Aufhören dieses Glaubens entfesselt Kraft, bis jetzt durch metaphysische Tröstungen zurückgehalten. Deshalb nicht zu unterschätzen.
Diese Kräfte sind den bestehenden Ordnungen feindlich.
Ist Revolution nothwendig?— Zunächst ist ein kleiner Bruchtheil der europäischen Menschheit in Betracht.
Den Regierungen freieste Behandlung anzurathen, nichts zu unterdrücken, vielmehr sich voranstellen in der geistigen Befreiung: je geistiger man die Masse macht, um so geordnetere Wege sucht sie.
Von Seiten der Privatpersonen—Gründung eines Vereins dessen M sich aller religiösen Formen enthalten. Propaganda in der ganzen Welt. Damit Überbrückung der Nationen (Gegenstück zur katholischen Überbrückung).
22 [13]
Auch Wein, auch Kunst (Feste) gehört zu diesen Tröstungen. Weg! Vereine gegen geistige Getränke sehr zu Diensten der Freigeister.
22 [14]
Die nationale Idee und Kriege ausgezeichnete Gegenmittel gegen Revolution.
Entflammung der religiösen Interessen (Sinn des Culturkampfs) ebenfalls.
Eine zeitweilige Verrohung nicht zu scheuen (durch Übermacht von Naturwissensch Mechanik).
22 [15]
Ob Lebenserfahrungen in Gestalt von Sentenzen dargestellt einen Nutzen für Andere haben, weiss ich nicht, für den welcher sie macht sind sie eine Wohlthat: sie gehören zu den Mitteln der Erleichterung des Lebens.
Und von den unangenehmsten dornenreichsten Ereignissen oder Lebensstrichen kann man immer noch Sentenzen abpflücken (und einen Mundvoll Annehmlichkeit daraus haben) und sich dabei ein wenig wohl fühlen.
22 [16]
Der Staat hat die Wissenschaft, nicht die Religion, die Astronomie, nicht die Astrologie zu vertreten. Letztere verbleibt dem Privatmann.
22 [17]
Es giebt kürzere und längere Bogen in der Culturentwicklung. Der Höhe der Aufklärung entspricht die Höhe der Gegen-Aufklärung in Schopenhauer und Wagner.
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Die Höhepuncte der kleinen Bogen kommen am nächsten dem grossen Bogen—Romantik.
22 [18]
Unser Ziel muss sein: Eine Art der Bildungsschule für das ganze Volk—und ausserdem Fachschulen.
22 [19]
Schlüssel zu der menschlichen Handlung.
Ein anderer Schlüssel.
22 [20]
Wie ist es möglich dass einer sich in allem verachtet (sich “sündhaft” durch und durch weiss) und doch noch liebt? Die wissenschaftliche Erklärung ist eine ganz andere als der religiöse Mensch sich giebt. Jene Liebe misst er Gotte zu: wenn er in alle möglichen Erlebnisse die Zeichen einer gütigen barmherzigen Gesinnung hineinlegt, jede getröstete Stimmung als Wirkung von dem auffasst, also alle besseren Empfindungen einem Wesen ausser sich als dem wirkenden Urheber zuschreibt, so bekommt die Liebe, mit der er sich im Grunde selber liebt, den Anschein einer göttlichen Liebe. Diese ist unverdient, schliesst der Mensch weiter, ist Gnade.
Voraussetzung ist, dass der Mensch sich freiwillig fühlt und schlecht: dies nur durch eine falsche unwissenschaftliche Auslegung seiner Handlungen und Empfindungen. Er legt in den einen Theil seiner Handlungen den Begriff Sünde hinein, in den andern Theil den Begriff göttliche Gnadenwirkungen. Falsche Psychologie, Phantastik in der Ausdeutung der Motive ist Wesen, des Christenthums.
22 [21]
dem der Staat die Herrschaft des Teufels ist.
22 [22]
Der Verleger denkt, aber der Buchdrucker lenkt.
22 [23]
Oedes graues Auge frühesten Morgens, nasse scharfe Luft.
22 [24]
Was ewig im Gesang soll leben, muss im Leben untergehen (Restauration-Kunstblüthe).
22 [25]
Modif Tempos.— Man ehrt den grossen Künstler der Vergangenheit weniger durch jene unproductive Scheu, welche jede Note liegen lässt, wie er sie gestellt hat, als durch thätige Liebe und jene Versuche, ihn immer von neuem wieder zum Leben zu erwecken, im Leben zu erhalten.
22 [26]
Freigeist. Psychologisches. Moral. Kunst. Religion. Metaphysik.
Übergang von Religion zu Kunst mit “unreinem Denken,” “unlogische Stellung zur Welt.”
Dann der “Dichter.”
Palliative. Erleichterungsmittel des Lebens. Kunst usw.
22 [27]
Moral
Religion
Kunst
zuletzt: Weise werden
22 [28]
Metaphysik: einige Sprossen zurück, nur der erkennende Mensch soll immer über die Leiter hinausschauen, wir sind als volle Menschen nicht nur Erkenntniss.
22 [29]
Wie der Nebel ein Gebirge niedriger erscheinen lässt, so geistige Verstimmung.
22 [30]
Ich wünsche dass man esse um satt zu werden und nicht nur weil es gut schmeckt—Grund wozu Wissenschaft.
22 [31]
Der Hunne Attila “Mensch Gewitterwolke.”
22 [32]
Es lehrt wenn nicht Bescheidenheit so doch Vorsicht. Schopenhauer Goethe.
22 [33]
Erscheinung. Es liegt an unseren Irrthümern, welche in die Constitution unseres Intellects hineinreichen, dass Ding und Erscheinung sich nicht decken.
22 [34]
Wenn ihr Augen habt zu sehen, so gebraucht auch den Mund zu sagen: “ich sah es anders” damit
Höhle von Salamanca.
22 [35]
— wenn man dabei an die unbewussten Heilwirkungen und Ähnliches denkt
22 [36]
Alle Kunst weist den Gedanken an Werden ab. Alle will Improvisation scheinen, augenblickliches Wunder (Tempel als Götterwerk, Statue als Verzauberung einer Seele in Stein). So alle Musik. In gewisser Musik wird dieser beabsichtigte Effect durch Kunstmittel (Unordnung) nahe gelegt.
22 [37]
Nöthig, den ganzen Positivismus in mich aufzunehmen, und doch noch Träger des Idealismus zu sein (Vorrede).
22 [38]
Selbständ Leben. Buch 9.
22 [39]
Musik der schönen Seele
22 [40]
Verrechnung in der Anarchie
22 [41]
Für jemand sterben ist ein geringer Beweis von Liebe.
22 [42]
Dichter-Weisheit.
22 [43]
Liebe so unparteilich wie der Regen der den Sünder bis auf die Haut unter Umständen nass macht.
22 [44]
hängende Wolken der Trübsal, der Verstimmung
22 [45]
Kindisch und schaurig und wehmutsvoll
klang die Weise der Zeit mir oft:
sehet nun sing ich ihr Lied?
hört, ob das Glockenspiel
nicht sich verwandelt in Glockenernst
oder ob es klingt
hoch herab wie vom Genua-Thurm
Kindisch jedoch ach schaurig
Schaurig und wehmutsvoll.
22 [46]
Die Schule soll die grösste Freiheit im Rel lehren, das nüchternste strenge Denken. Die Unklarheit und die gewohnten Neigungen werden sehr weite Grenzen zielen.
22 [47]
Geist der Jugendlichkeit, der Vorrechte, selbst zu einigen Unarten hat,—diess fehlt mir jetzt.
22 [48]
Diese Schrift welche unter dem aufrührerischen Gesamttitel Unzeitgemässe Betrachtungen in vier aufeinander folgenden Theilen der Öffentlichkeit übergeben wurde und welche zwischen Ostern 1873 und August 1876 in allem Wesentlichen vollendet wurde
Herz erst in Unzeitgemässen Betrachtungen ausgeschüttet. Aber Wind und Wetter, welche das Leben noch mehr als unser Stern führen und die mir nicht gerade günstig, waren mir doch vielleicht darin günstig dass
22 [49]
— sei es auch dass dieselbe eine spottende Irreführung der deutschen Leichtgläubigkeit wäre
22 [50]
Jagd im Buche.
Kräftiger Eber und auch zierlicher Rehe gewiss.
22 [51]
Der Charakter der dramatischen Musik, der deutschem Wesen ebenso fern steht wie der Charakter der Bismarckschen Politik.
22 [52]
Wollen ist in jedem Falle eine Selbsttäuschung. Wir können es nur im Gegensatz zum Müssen, als freies Wollen denken: und dies ist ein Irrthum.
22 [53]
— deutscher Jüngling—Ironie—Wohlgelauntheit Lachen Lächeln Wurmfrass Wichtigthun
22 [54]
Wer Religion und Kunst—Goethe
Manfred: Eckermann Riemer
22 [55]
Flöte der Zeit vorblasen, dass rascher und wirbelnder ihr Tanz wird—später die grosse Ruhe, wo schauernd, wie in später Nachmitternacht alles gespenstisch scheint. Ich selbst bin in der Zeit, sie in mir—Selbsterlebtes, Selbstorgiasmus.
22 [56]
Wille. Von einer Eigenschaft dieses Gefühls, zu wollen, wohin zu streben, ist uns unmittelbar gar nichts bewusst.
22 [57]
Der Eine sagt: ich empfinde, aber alle Wesen empfinden, von Anfang an. Der Andere: ich kann es nie erklären, wie an einem bestimmten Puncte der historischen Entwicklung die Empfindung entstanden sein soll: also war sie immer.
22 [58]
Weil ich in mir, als Letztes Unauflösbares, Empfindung antreffe, so muss dies in allen Wesen ebenfalls der Fall sein.
Dass aber Empfindung bei Wesen ohne Gehirn (ohne Denken) wirklich das sei, was wir Empfindung nennen, und nicht ein bloss mechanischer Vorgang, der von uns nur als Empfindung ausgedeutet wird —
dass Empfindung unter Beihülfe des Intellects zu Stande kommt.
Gedächtniss Vorausbildung eigentlich ein Gehirnvorgang.
22 [59]
das Jauchzen des erkenn Menschen
22 [60]
Duell. Blut wischt ein übereiltes Wort weg, Blut giebt selbst einer zweideutigen Handlung hinterdrein die Achtung einer ehrlichen.— Selbstmord, bei Ajax um das überreizte Ehrgefühl zu befriedigen.
22 [61]
Ist von Sorrento’s Duft Nichts hängen blieben?
Ist alles wilde, kühle Bergnatur,
Kaum herbstlich sonnenwarm und ohne Lieben?
So ist ein Theil von mir im Buche nur:
Den bessern Theil, ihn bring ich zum Altar
Für sie die Freundin Mutter Arzt mir war.
22 [62]
Wir denken nicht nur innerhalb des Traumes, sondern der Traum selber ist das Resultat eines Denkens.
22 [63]
Ich finde den Mangel an Gerechtigkeitssinn bei Frauen empörend. Wie sie mit ihrem dolchspitzen Verstand verdächtigen usw.
22 [64]
Die früheren Schriften waren Gemälde, zu denen ich die Farben aus den Stoffen, welche ich darstellte, wie ein Chemiker nahm und wie ein Artist verbrauchte.
22 [65]
Der Autor, das Mädchen, der Soldat, die Mutter ist das unegoistisch?
22 [66]
Urprobleme.
Sprache.
Schriftsteller.
Stil.
Gymn.
Erziehung.
Freigeist.
22 [67]
Wie es für den Menschen keine absolut menschlichen Gebärden giebt, sondern sie immer der Symbolik einer bestimmten Culturstufe, eines Volksthums, eines Standes eignen müssen, so giebt es bei keiner Kunst eine absolute Form. “Formen sprengen” bedeutet nur eine neue Symbolik zur Herrschaft bringen. Alle Form aber ist Convention oder Zwang.
22 [68]
Freunde.
Ihr glaubt mich allein—nun nehmt des Einsamen Gefährten auf.
22 [69]
Ich habe wohl ein Recht, dieser Dichtung hier zu gedenken. Das was ich selber nicht zu sagen vermochte, was aber, wie viele Tropfen Lichtes, mir hier und da auf die Seele gefallen ist—das hat sie gesagt, die Lichttropfen weiter geworfen
Meine Ergänzung: und zwar wie ein zerbrochenes Stück Arm und Bein sich zu einem Ganzbilde verhält.
22 [70]
Die guten Künstler sollen nicht hinhören.
22 [71]
Nicht verdient—Stolz.
22 [72]
— altberühmte Person Hutten Voltaire.
Unter den 7 berühmten Schwaben Strauss voran Muth.
22 [73]
Die gute Meinung über mich habe ich von Anderen erst gelernt und subtrahire fortwährend davon ab, mit Grübelei, wenn ich krank bin.
Ein ruhiges freudiges Alleinsein mit mir, in guten Gedanken und Lachen—wie ich auch bin —
22 [74]
Wann erst die Sprache als Wissenschaft galt—Schilderung der weiteren Sprach förderer. Manuscript Basel
22 [75]
Mag Vernunft den Vernünftigen erbauen
Der Künstler soll nur die Kunst verdauen
Und doch hat ein Künstler dies Buch geschrieben!
Nicht seine Vernunft that’s, es that sein Lieben.
22 [76]
Wir hören wohl das Hämmern des Telegraphen aber verstehen es nicht.
22 [77]
Charactere:
wie sich der gemalte Schuh des Malers zum Schuh des Schuhmachers verhält,
wie die Kenntniss des Malers vom Schuh zu der Kenntniss des Schuhes vom Schuhmacher,
so Charactere von Dichtern entworfen zu wirklichen Characteren.
22 [78]
Lipiner. Der schönste Erfolg, wenn es zwingt das Buch wegzulegen, Athem holen; Thränen tiefer Verzückung, trunkenes Schwimmen im Wohlk welcher die Augen schliessen macht, wie als ob man in die blaue Tiefe südlicher See taucht; wehmutsvolle Ergriffenheit, wenn wir vor uns selber beschämt über uns hinweg sehen.
22 [79]
Wenn die Erkenntniss und immer wieder die Erkenntniss für viele andere Entbehrungen schadlos halten soll, und nun das Organ derselben der Kopf auch da noch Schmerz und Widerspruch —
22 [80]
Im bairischen Walde fieng es an
Basel hat was dazu gethan
In Sorrent erst spann sich’s gross
und breit Und Rosenlaui gab ihm Luft und Freiheit
Die Berge kreissten, am Anfang Mitt’ und End’!
Schrecklich für den, der das Sprichwort kennt!
Dreizehn Monat bis die Mutter des Kinds genesen —
Ist denn ein Elephant gewesen?
Oder gar eine lächerliche Maus? —
So sorgt sich der Vater. Lacht ihn nur aus!
22 [81]
Jacob Burckhardt.
Seit dies Buch mir erwuchs hält Sehnsucht mich und Beschämung
Bis solch Gewächs dir einst hundertfach reicher erblüht.
Jetzt schon kost’ ich des Glücks, dass ich dem Grösseren nachgeh‘,
Wenn er des goldnen Ertrags eigner Pflanzung sich freut.
22 [82]
Die Form eines Kunstwerks hat immer etwas Lässliches. Der Bildhauer kann viele kleine Züge hinzuthun oder weglassen—ebenso der Klavierspieler. Man muss es so stellen, dass es wirkt: d. h. dass Leben auf Leben wirkt. Als ob jemand eine Geschichte aus seinem Leben erzählt. Einschlafen —
22 [83]
Glückselige Insel
Robinson
22 [84]
Strauss—Wagner
22 [85]
Bestätigung dass Jugend Prometheus
22 [86]
Beethoven—jener edle süsse Traum welcher aus dem Herzen in den Geist dringt und ihn in rothumflossenen Dämmerungen nach den Weiten spähen heisst: Hunger einer einsamen Seele.
22 [87]
Das ausserordentliche Vergnügen welches man der Moral (bei Erzählungen) und der Kunst verdankt.
22 [88]
Gef Prom als Regenbogenbrücke über den letzten Jahrtausenden schwebend, das höchste Cultur-Gedicht.
22 [89]
Freundin! Der sich vermass, dich dem Glauben an’s Kreuz zu entreissen,
schickt dir dies Buch: doch er selbst macht vor dem Buch ein Kreuz.
22 [90]
Als der Buddaismus mit seiner milden Reisesser-Moral den Kriegen entgegen arbeitete, wurde Indien aus der Geschichte der Culturmächte gestrichen.
22 [91]
Der Eine hat eine undeutliche Schrift weil sein Auge schwach ist: so liest er sich selber schwer. Der andere sieht viel schärfer und liest auch dessen Handschrift besser als jener
22 [92]
Dem Meister und der Meisterin
Entbietet Gruss mit frohem Sinn,
Beglückt ob einem neuen Kind,
Von Basel Friedrich Freigesinnt.
Er wünscht dass sie mit Herzbewegen
Auf’s Kind die Hände prüfend legen
Und schauen ob es Vater’s Art
Wer weiss? selbst mit ’nem Schnurrenbart —
Und ob es wird, auf Zween und Vieren
Sich tummeln in den Weltrevieren.
In Bergen wollt’ zum Licht es schlüpfen
Gleich neugebornen Zicklein hüpfen
So gleich zu suchen eignen Gang
Und eigne Freude Gunst und Rang
Oder vielleicht Einsiedlers Klaus
Und Waldgethier sich wählet aus?
Was ihm auf seinem Erdenwallen
Beschieden sei: es will gefallen
Nicht Vielen: Fünfzehn an der Zahl
Den Andern werd’es Kreuz und Qual,
Dass nur, zur Abwehr ärgster Tücke
Des Meisters Treuaug segnend blicke!
Dass nur den Weg zur ersten Reise
Der Meisterin kluge Gunst ihm weise!
22 [93]
Dies ist der Herbst.
Die Sonne schleicht zum Berg
Und steigt hinauf
und ruht bei jedem Schritte.
Auf müd gespannten Fäden spielt
Der Wind sein Lied:
Die Hoffnung flieht,
Er klagt ihr nach.
O Frucht des Baums,
Du zitterst, fällst!
Welch ein Geheimniss zeigte dir
Die Nacht,
Dass eis’ger Schauder deine Wange,
Die purpurne, verhüllt? —
Ich bin nicht schön,
So spricht die Sternenblume,
Doch Menschen lieb’ ich,
Und Menschen tröst’ ich,
Sie sollen jetzt noch Blumen sehn,
Nach mir sich bücken,
Ach! und mich brechen —
In ihren Augen glänzet dann
Erinnerung an schönre auf
Und Glück.
Ich seh’s und sterbe dann,
Und sterbe gern.
Dies ist der Herbst. —
22 [94]
Um Mittag, wenn
Der junge Sommer in’s Gebirge steigt,
Da spricht er auch,
Doch sehen wir sein Sprechen nur:
Sein Athem quillt wie eines Wandersmanns
In Winterfrost:
Es geben Eisgebirg und Tann und Quell
Ihm Antwort auch,
Doch sehen wir die Antwort nur.
Denn schneller springt vom Fels herab
Der Sturzbach wie zum Gruss
Und steht als weisse Säule horchend da.
Und dunkler noch und treuer blickt die Tanne
Als sonst sie blickt.
Und zwischen Eis und todtem Graugestein
Blickt plötzlich Leuchten auf:
Wer deutet dir’s?
In todten Mannes Auge
Wird wohl noch einmal Licht:
Sein Kind umschlang ihn harmvoll
Küsst’ ihn.
Da sagt des Auges Leuchten:
“Ich liebe dich”
Und Schneegebirg und Bach und Tann
Sie sagen auch
Zum Sommerknaben nur
Dies Eine Wort:
Wir lieben dich!
Wir lieben dich!
Und er—er küsst sie harmvoll,
Inbrünstiger stets
Und will nicht gehn:
Er bläst sein Wort wie Schleier nur
Von seinem Mund—ein schlimmes Wort. —
Da horcht es rings
Und athmet kaum:
Da überläuft es schaudernd wie
Ein Glitzern am Gebirg
Rings die Natur:
Sie denkt und schweigt. —
Um Mittag war’s
Mein Gruss ist Abschied
Ich sterbe jung. —
22 [95]
Wenn Denken dein Schicksal ist, so verehre dies Schicksal mit göttlichen Ehren und opfere ihm das Beste, das Liebste.
So geht alle Zwietracht, alles Widerstrebende in Eintracht und Einklang zusammen.
22 [96]
Schwur dessen der sich der Erkenntniss weiht.
22 [97]
Ein Mensch der durch Lob und Tadel verdirbt—ein Baum der durch Sonnenschein und Regen verdirbt—beide sind schon verdorben und alles wird ihnen zum Anlass des Untergangs.
22 [98]
Die Dichter werden dann um Elend und Unordnung förmlich beten lernen.
22 [99]
Ich bin gewiss nicht undankbar, aber ich sehe keine Pflicht, mich mit dem Strick der Dankbarkeit zu erdrosseln.
22 [100]
“das schönste Gedicht das je ein Jüngling gedichtet hat”
22 [101]
Zur Natur werden!
22 [102]
Frauen welche denen Holbeins nicht nur äusserlich gleichen und vielleicht nichts wesentlich Verschiedenes in Kopf und Herzen tragen.
22 [103]
Ironie gemein—ironische Kochkunst: unwissend stellen—um so schärfer unser Wissen hervortreten zu lassen.
Gegensatz der Bescheidenheit: unwissend fühlen, wo der Andere das Wissen und Können bewundert.
22 [104]
Schimpfworte hat jedermann gern, aber nie hat jemand geglaubt, dass ihm selber eins mit Recht zukomme.
22 [105]
Die Klugheit gebietet, sich für das, was man gilt, auch zu geben oder vielleicht für etwas Geringeres.
22 [106]
Ich habe noch nie einen bedeutenden Menschen gesehen der durch Lob verdorben worden ist.— Aber es ist ein sicherer Maassstab, wenn jemand durch Lobsprüche faul wird: er ist unbedeutend.
22 [107]
Der Fehler fast jeder Philosophie ist ein Mangel an Menschen-Kenntniss, eine ungenaue psychologische Analyse. Die Moralisten fördern insofern die Erkenntniss mehr als sie sich bei den vorhandenen Analysen der menschlichen Handlungen nicht beruhigen.
Um die falschen psychologischen Facta breitet der Philosoph sein Naturwissen und hüllt alles in metaphysisches Bedürfniss.
22 [108]
Man wird die Menschen und die Welt viel harmloser finden.
22 [109]
“Du sollst Gott über alle Dinge lieben.”
22 [110]
Die Entwicklung des Liedes der Oper giebt der absoluten Musik immer eine neue Zukunft (durch Vermehrung der Symbolik).
22 [111]
Wie ein und dasselbe Christenthum dem Einen jene trübäugige Armsündermiene, dem Anderen ein fröhliches Wohlwollen in’s Gesicht malt.
22 [112]
Ein geübtes Auge, um aus der vielfach überschriebenen Handschrift der menschlichen Züge und Gebärden die Vergangenheit deutlich lesen zu können.
22 [113]
Bewusstes Empfinden ist Empfindung der Empfindung, ebenso bewusstes Urtheilen enthält das Urtheil dass geurtheilt wird. Der Intellect ohne diese Verdoppelung ist uns unbekannt, natürlich. Aber wir können seine Thätigkeit, als die viel reichere, aufzeigen. (Es ergiebt sich, dass “Empfindung” in dem ersten Stadium empfindungslos ist. Erst der Verdoppelung kommt der Name zu. Bei der Verdoppelung ist das Gedächtniss wirksam.) Fühlen ohne dass es durch das Gehirn gegangen ist: was ist das?— Lust und Schmerz reichen nur so weit als es Gehirn giebt.
22 [114]
Es beliebt uns Mittelglieder zu nennen: es waren die entartenden Exemplare die sich so nicht halten konnten.
22 [115]
Wenn jemand beim Anblick von Leidenden und Sterbenden hart ist, wie will man dies tadeln?
22 [116]
Alles Bleibende ergreift, macht Sehnsucht—so sehr verwechseln wir das Bleibende und das Gute.
22 [117]
Die Kraft wohnt in einem bestimmten Gegenstand, ist an eine Lokalität gebunden. Zerstört man den Gegenstand, so auch die Kraft oder das Leben. Der Gegenstand selbst wird “Tod” oder “Leben” genannt—“in dem Ei ist mein Tod” “hier ist dein Tod”—namentlich russisch—erinnert an die Metaphysiker welche auch die “Kraft” lostrennen vom Willen.
22 [118]
“Bildungsphilister.” Aber es ist nicht gut den Winden predigen dass sie uns den Staub nicht in’s Gesicht blasen—sie laufen doch, wohin sie müssen.
22 [119]
Nun ich seh’ mehr als ihr
Will ’s euch erzählen
22 [120]
ein blinder, doch in Schuh und Rock
das ist, als Ziege und Ziegenbock
22 [121]
Nun ist doch sonnenklar
Ein Mensch hat Leib und Seele, ein Paar
22 [122]
Ich weiss was Schatten ist und Licht
Was Leib und Seele—ihr wisst’s nicht
22 [123]
Zieg an Ziege ohne Zagen
Drängt an meinem Knie vorbei
Leckt die Hand und scheint zu fragen
Was ich blind und einsam sei.
22 [124]
Da steckt wohl das Seelchen drin
Er schont es auf Reisen das ist der Sinn
22 [125]
Doch hinter seiner viel werthen Gestalt
Hat jeder ein Bündel angeschnallt
Da steckt er die Seele wohl hinein
Er schont sie auf Reisen wie ich vermein’
22 [126]
Wie der Leib den Schatten wirft
Wirft die Seele Licht
Schatten haben sie allgesamt
Seele aber nicht
22 [127]
Der blinde Knabe am Gebirgswege.
22 [128]
Ich denke ich habe durch meine Kritik von Religion Kunst Metaphysik ihren Werth gesteigert: Kraftquellen mehr als je.
22 [129]
Er kommt dann heim und packt das Seelchen aus
Dasselbe
22 [130]
Wenn ich so am Wege sitze
Bis der Schatten kälter wird,
Bis Ziegenherden ohne Furcht an meinem Knie vorbei
22 [131]
Ich muss Heidelbeerkraut und Tann um mich und vor mir einen Gletscher haben.
22 [132]
Sitz’ den ganzen Tag am Wege
Bis der Schatten kälter wird,
Und in tieferem Gehege
Abwärts zieht Herd und Hirt
Alle Ziegen drängen trau
Sich an meinem Knie vorbei
Lecken mir die Hand
dass ich blind und einsam sei
22 [133]
aller moralischen Phrase (Opfer Pflicht) entäussern, die grosse Comödie der Heuchelei gar nicht mitspielen (denn an diesen Fäden leiten Euch die, welche die Heuchelei durchschaut haben, nach ihren Zielen: weil sie Euch für zu feige und dumm halten). Wahr sein—das sei euch wieder “moralisch.”
22 [134]
Zwei Knaben sassen wohl
im Heidelbeerkraut
und sahen dem grossen
grünen Käfer zu,
auf dessen Rücken
ein Sonnentropfen
glitzerte:
er fiel aus
kühlem Tannenschatten
hinunter.
22 [135]
Ecce ecce homunculus.
8, 22[1-135] Frühjahr-Sommer 1877
22 [1]
Window of green gauze
22 [2]
Greetings and dedication to the friends.
22 [3]
the—one loses the shore, abandons oneself to the waves.
22 [4]
Brutality, which presents itself as strength—art.
22 [5]
To act in such a way that humanity etc.: One would have to be able to overlook what is advantageous. Who says that any one kind of action is beneficial for the whole? History says the opposite. One is much more indebted to egoism.
22 [6]
Ignorant people who have become acquainted with a philosophy have the impression that they are now superior to all other sciences and that they can have a say in everything—nothing more erroneous.
22 [7]
Fire Ernst and happiness, how rarely in the eyes and expression of a young man.
22 [8]
- Philology.
- The style of famous German writers.
- On the aesthetics of music.
- On morality.
- Origin of Greek literature (origin of a book therein).
- The era “against metaphysics.”
- Dangers of music in the future.
22 [9]
That world hidden from us is much more meaningless than the known one. Unconsciously, one assumes the opposite. But necessity as mother, error as father have created belief.
22 [10]
Preface on Philology. Everything as Exercise.
Homer’s and Hesiod’s Contest.
Athena as Goddess of Love.
Solon’s Elegy a Collection.
The Prologue of the Choephori.
Example of Artful Responsion.
Life of Democritus.
Skeptical Views on Metrics.
Conjectanea as Appendix.
22 [11]
Introduction to the Philosophy of the Present.
1. General Viewpoints (Philosophers).
2. On Religion.
3. On Music.
4. On Art.
5. Science and Progress.
22 [12]
From the standpoint of utility, the preservation of religion is entirely desirable, utility taken in the highest sense (morality) (namely the tutelary state).
But it cannot be preserved because there are no more sincere teachers.
So should the educational system be overturned? according to the intention of the Catholic Church? But all other advantages of life rest on science.
Do not intensify the conflict—English practice. People are not consistent.
The cessation of this belief unleashes power, hitherto restrained by metaphysical consolations.
Therefore not to be underestimated.These forces are hostile to the existing orders.
Is revolution necessary?— First, a small fraction of European humanity is to be considered.
To advise governments to give the freest treatment, to suppress nothing, but rather to take the lead in intellectual liberation: the more intellectual the masses become, the more orderly paths they seek.
On the part of private individuals—foundation of an association whose M refrains from all religious forms. Propaganda throughout the world. Thus bridging the nations (counterpart to Catholic bridging).
22 [13]
Wine too, art too (festivals) belong to these consolations. Away! Societies against spirituous drinks very useful to freethinkers.
22 [14]
The national idea and wars are excellent antidotes to revolution.
Inflaming religious interests (meaning of the Kulturkampf) is also effective.
Temporary coarsening should not be shunned (through the dominance of natural science and mechanics).
22 [15]
Whether life experiences presented in the form of maxims are of use to others, I do not know; for the one who creates them, they are a blessing: they are among the means of easing life.
And from the most unpleasant, thorniest events or strokes of life, one can still pluck maxims (and have a mouthful of pleasantness from them) and feel a little better thereby.
22 [16]
The state represents science, not religion, astronomy, not astrology. The latter remains the domain of the private individual.
22 [17]
There are shorter and longer arcs in cultural development. The height of the Enlightenment corresponds to the height of the Counter-Enlightenment in Schopenhauer and Wagner.
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The high points of the small arcs come closest to the great arc—Romanticism.
22 [18]
Our goal must be: One kind of comprehensive school for all people—and additionally vocational schools.
22 [19]
Key to human action.
Another key.
22 [20]
How is it possible that someone despises themselves in everything (knows themselves to be "sinful" through and through) and yet still loves? The scientific explanation is entirely different from the one the religious person gives themselves. They attribute that love to God: when they interpret all possible experiences as signs of a benevolent, merciful disposition, perceive every comforted mood as an effect of it, thus ascribing all better feelings to a being outside themselves as the active originator, then the love with which they fundamentally love themselves takes on the appearance of divine love.This is undeserved, man concludes further, is grace.
Prerequisite is that man feels voluntary and bad: this only through a false unscientific interpretation of his actions and feelings. He puts the concept of sin into one part of his actions, into the other part the concept of divine grace effects. False psychology, fantasy in the interpretation of motives is the essence of Christianity.
22 [21]
to whom the state is the rule of the devil.
22 [22]
The publisher thinks, but the printer steers.
22 [23]
Pale grey eye early in the morning, damp sharp air.
22 [24]
What is to live eternally in song must perish in life (Restauration-artistic bloom).
22 [25]
Modif Tempos.— One honors the great artist of the past less through that unproductive reverence which leaves every note as he placed it, than through active love and those attempts to continually revive him anew, to keep him alive.
22 [26]
Freethinker. Psychological. Morality. Art. Religion. Metaphysics.
Transition from religion to art with “impure thinking,” “illogical stance toward the world.”
Then the “poet.”
Palliatives. Means of easing life. Art, etc.
22 [27]
Morality
Religion
Art
finally: becoming wise
22 [28]
Metaphysics: a few rungs back, only the knowing human should always look beyond the ladder, we are not only knowledge as full humans.
22 [29]
Just as fog makes a mountain range appear lower, so does mental depression.
22 [30]
I wish that one eats to become full and not just because it tastes good—reason for which science.
22 [31]
The Hun Attila “Man Thundercloud.”
22 [32]
It teaches if not modesty then at least caution. Schopenhauer Goethe.
22 [33]
Appearance. It is due to our errors, which reach into the constitution of our intellect, that thing and appearance do not coincide.
22 [34]
If you have eyes to see, then also use your mouth to say: “I saw it differently” so that
Cave of Salamanca.
22 [35]
— if one thinks of the unconscious healing effects and the like
22 [36]
All art rejects the idea of becoming. All wants to seem improvisation, a momentary miracle (temple as divine work, statue as enchantment of a soul in stone). So all music. In certain music, this intended effect is suggested by artistic means (disorder).
22 [37]
Necessary to absorb all of positivism into myself, and yet still be a bearer of idealism (Preface).
22 [38]
Independent Living. Book 9.
22 [39]
Music of the beautiful soul
22 [40]
Settlement in Anarchy
22 [41]
To die for someone is a small proof of love.
22 [42]
Poet's wisdom.
22 [43]
Love as impartial as the rain that soaks the sinner to the skin under certain circumstances.
22 [44]
hanging clouds of gloom, of melancholy
22 [45]
Childish and eerie and melancholy
the tune of time often sounded to me:
see now I sing its song?
listen, if the carillon
does not transform into solemn bells
or if it rings
high down as from the Genoa Tower
Childish yet oh eerie
Eerie and melancholy.
22 [46]
The school should teach the greatest freedom in Rel, the most sober strict thinking. Unclarity and habitual inclinations will aim at very wide boundaries.
22 [47]
Spirit of youthfulness, which has privileges, even to some vices,—this is what I lack now.
22 [48]
This writing, which was handed over to the public under the rebellious overall title Untimely Meditations in four consecutive parts and which was completed in all essentials between Easter 1873 and August 1876
Heart first poured out in Untimely Meditations. But wind and weather, which guide life more than our star and which were not exactly favorable to me, were perhaps favorable to me in that
22 [49]
— be it even if it were a mocking deception of German gullibility
22 [50]
Hunting in the beech.
Strong boar and also delicate deer certainly.
22 [51]
The character of dramatic music, which is as alien to the German spirit as the character of Bismarckian politics.
22 [52]
Wanting is in any case a self-deception. We can only think of it in contrast to having to, as free wanting: and this is an error.
22 [53]
— German youth—irony—good humor laughter smile worm-eaten pretentiousness
22 [54]
Who Religion and Art—Goethe
Manfred: Eckermann Riemer
22 [55]
Blow the flute of time ahead, so that its dance becomes faster and more whirling—later the great calm, where everything seems ghostly, shuddering, as in late midnight. I myself am in time, it in me—self-experienced, self-orgiasmus.
22 [56]
Will. Of a property of this feeling, to want, where to strive, we are not immediately conscious of anything.
22 [57]
One says: I feel, but all beings feel, from the beginning. The other: I can never explain how, at a certain point in historical development, sensation could have arisen: therefore it has always been.
22 [58]
Because I find sensation within myself as the last irreducible element, this must also be the case in all beings.
But that sensation in beings without a brain (without thinking) is truly what we call sensation, and not merely a mechanical process that we only interpret as sensation—
that sensation arises with the aid of the intellect.
Memory, preformation, actually a brain process.
22 [59]
the exultation of the recognizing human
22 [60]
Duel. Blood wipes away a hasty word, blood gives even an ambiguous action afterwards the respect of an honest one.— Suicide, in Ajax to satisfy the overstimulated sense of honor.
22 [61]
Is nothing left of Sorrento’s scent?
Is all wild, cool mountain nature,
Barely autumn-warm and without love?
So only part of me is in the book:
The better part, I bring it to the altar
For her, the friend, mother, doctor she was to me.
22 [62]
We do not only think within the dream, but the dream itself is the result of thinking.
22 [63]
I find the lack of sense of justice in women outrageous. How they suspect with their dagger-sharp minds etc.
22 [64]
The earlier writings were paintings, from which I took the colors from the materials that I depicted, like a chemist, and consumed them like an artist.
22 [65]
The author, the girl, the soldier, the mother is the unselfish?
22 [66]
Primal problems.
Language.
Writer.
Style.
Gymn.
Education.
Freethinker.
22 [67]
Just as there are no absolutely human gestures for humans, but they must always belong to the symbolism of a certain cultural stage, a people, a class, so there is no absolute form in any art. "Breaking forms" only means bringing a new symbolism to power. But all form is convention or compulsion.
22 [68]
Friends.
You believe me to be alone—now take in the companion of the solitary one.
22 [69]
I surely have a right to commemorate this poetry here. What I myself could not express, but which, like many drops of light, has fallen upon my soul here and there—she has said it, casting the drops of light further.
My addition: and indeed how a broken piece of arm and leg relates to a whole image.
22 [70]
The good artists should not listen.
22 [71]
Unearned—pride.
22 [72]
— long-famous person Hutten Voltaire.
Among the 7 famous Swabians Strauss ahead Muth.
22 [73]
The good opinion of myself I have only learned from others and continually subtract from it, with brooding, when I am sick.
A quiet joyful solitude with myself, in good thoughts and laughter—however I may be—
22 [74]
When language was first considered a science—description of further language promoters. Manuscript Basel
22 [75]
May reason edify the reasonable
The artist should only digest art
And yet an artist wrote this book written!
Not his reason did it, it was his love.
22 [76]
We hear the hammering of the telegraph but do not understand it.
22 [77]
Characters:
as the painted shoe of the painter relates to the shoemaker's shoe,
as the painter's knowledge of the shoe relates to the shoemaker's knowledge of the shoe,
so characters designed by poets relate to real characters.
22 [78]
Lipiner. The most beautiful success, when it forces you to put the book down, to catch your breath; tears of deep rapture, drunken swimming in the bliss that makes the eyes close, as if diving into the blue depths of a southern lake; melancholic emotion, when we look beyond ourselves, ashamed before ourselves.
22 [79]
If knowledge and again and again knowledge is to compensate for many other privations, and now the organ of the same, the head, also causes pain and contradiction—
22 [80]
In the Bavarian forest it began
Basel had something to do with it
In Sorrent it first spun large
and wide And Rosenlaui gave it air and freedom
The mountains circled, beginning, middle and end!
Terrible for the one who knows the proverb!
Thirteen months until the mother of the child recovers —
Was it an elephant?
Or even a ridiculous mouse? —
So the father worries. Just laugh at him!
22 [81]
Jacob Burckhardt.
Since this book grew for me, longing and shame hold me
Until such growth may bloom for you a hundredfold richer.
Already I taste the joy of following the greater one,
When he rejoices in the golden harvest of his own planting.
22 [82]
The form of a work of art always has something casual about it. The sculptor can add or omit many small details—just like the pianist. It must be arranged so that it has an effect: i.e., so that life affects life. As if someone were telling a story from their life. Falling asleep—
22 [83]
Blissful Island
Robinson
22 [84]
Strauss—Wagner
22 [85]
Confirmation that Youth Prometheus
22 [86]
Beethoven—that noble sweet dream which penetrates from the heart into the spirit and bids it gaze into the distances in red-tinged twilight: hunger of a lonely soul.
22 [87]
The extraordinary pleasure that one owes to morality (in narratives) and to art.
22 [88]
Gef Prom as a rainbow bridge floating over the last millennia, the highest cultural poem.
22 [89]
Friend! He who dares to tear you away from faith in the cross,
sends you this book: yet he himself makes the sign of the cross before the book.
22 [90]
When Buddhism with its mild rice-eater morality worked against wars, India was erased from the history of cultural powers.
22 [91]
One has an unclear handwriting because his eye is weak: thus he reads himself with difficulty. The other sees much more sharply and reads even his handwriting better than the former
22 [92]
To the master and the mistress
Sends greetings with cheerful spirit,
Delighted by a new child,
From Basel, Friedrich Freigesinnt.
He wishes that with heartfelt emotion
They lay their hands upon the child in examination
And see if it bears its father’s nature
Who knows? even with a whiskered beard —
And if it will, on two and four legs,
Tumble through the world’s quarters.
In mountains it would slip into the light
Like newborn kids leaping
So soon to seek his own path
And his own joy, favor, and rank
Or perhaps a hermit's cell
And forest creatures he chooses?
What is destined for him on his earthly journey
It shall please
Not many: fifteen in number
For the others, it will be cross and torment,
That only, to ward off the worst malice
The master's faithful eye blesses with a glance!
That only the way to the first journey
The mistress's wise favor shows him!
22 [93]
This is the autumn.
The sun creeps to the mountain
And climbs up
and rests with every step.
On wearily stretched threads plays
The wind its song:
Hope flees,
It laments after her.
O fruit of the tree,
You tremble, fall!
What secret did the night show you,
That icy shudder veils your cheek,
The purple one? —
I am not beautiful,
Thus speaks the starflower,
Yet I love people,
And I comfort people,
They shall still see flowers now,
Bend down to me,
Ah! and break me —
In their eyes then shines
Memory of fairer times
And happiness.
I see it and then die,
And die gladly.
This is the autumn. —
22 [94]
At noon, when
The young summer climbs into the mountains,
Then he speaks too,
But we only see his speaking:
His breath wells up like a wanderer’s
In winter frost:
The ice mountains, fir, and spring
Give him answer too,
But we only see the answer.
For faster leaps from the rock
The torrent as if in greeting
And stands as a white column, listening there.
And darker still and more faithful the fir gazes
Than it usually does.
And between ice and dead gray stone
A sudden light appears:
Who interprets it for you?
In a dead man’s eye
Light may yet shine once more:
His child embraced him painfully
Kissed him.
Then the eye's glow said:
"I love you"
And snow mountains and brook and fir
They also say
To the summer boy only
This one word:
We love you!
We love you!
And he—he kisses them painfully,
More fervently still
And does not want to leave:
He breathes his word like a veil only
From his mouth—a wicked word. —
Then it listens all around
And barely breathes:
Then a shudder runs through it like
A glimmer on the mountain
All around nature:
She thinks and is silent. —
It was at noon
My greeting is farewell
I die young. —
22 [95]
If thinking is your destiny, then honor this destiny with divine honors and sacrifice to it the best, the dearest.
Thus all discord, all resistance merges into harmony and accord.
22 [96]
Oath of him who devotes himself to knowledge.
22 [97]
A person who is corrupted by praise and blame—a tree that is corrupted by sunshine and rain—both are already corrupted and everything becomes a cause of their downfall.
22 [98]
The poets will then learn to pray for misery and disorder.
22 [99]
I am certainly not ungrateful, but I see no obligation to strangle myself with the noose of gratitude.
22 [100]
“the most beautiful poem that a young man has ever written”
22 [101]
Become part of nature!
22 [102]
Women who resemble those of Holbein not only externally and perhaps carry nothing essentially different in their heads and hearts.
22 [103]
Irony mean—ironic culinary art: feigning ignorance—to make our knowledge stand out all the sharper.
Contrast to modesty: feeling ignorant where the other admires knowledge and skill.
22 [104]
Everyone likes to use swear words, but no one has ever believed that one rightfully applies to themselves.
22 [105]
Prudence dictates that one should also give for what one is worth, or perhaps for something lesser.
22 [106]
I have never seen a significant person who was spoiled by praise.— But it is a sure measure, if someone becomes lazy through praise: he is insignificant.
22 [107]
The mistake of almost every philosophy is a lack of knowledge of human nature, an imprecise psychological analysis. The moralists promote knowledge insofar as they do not rest content with the existing analyses of human actions.
Around the false psychological facts, the philosopher spreads his natural knowledge and wraps everything in metaphysical need.
22 [108]
You will find people and the world much more harmless.
22 [109]
“You shall love God above all things.”
22 [110]
The development of the song of the opera always gives absolute music a new future (through the increase of symbolism).
22 [111]
How the same Christianity paints that bleary-eyed sinner's expression on one person's face and a cheerful benevolence on another's.
22 [112]
A practiced eye, to be able to clearly read the past from the often overwritten handwriting of human features and gestures.
22 [113]
Conscious sensation is sensation of sensation, just as conscious judging contains the judgment that judgment is being made. The intellect without this duplication is unknown to us, naturally. But we can demonstrate its activity as being much richer. (It follows that “sensation” in the first stage is without sensation. Only with duplication does the name apply. In duplication, memory is active.) Feeling without it having passed through the brain: what is that?—Pleasure and pain extend only as far as there is brain.
22 [114]
It pleases us to call them middle members: they were the degenerate specimens that could not hold themselves thus.
22 [115]
If someone is hard at the sight of the suffering and the dying, how can one reproach this?
22 [116]
Everything permanent seizes us, creates longing—so much do we confuse the permanent and the good.
22 [117]
The power resides in a specific object, is bound to a locality. If the object is destroyed, so is the power or life. The object itself is called “death” or “life”—“in the egg is my death” “here is your death”—particularly Russian—reminds one of the metaphysicians who also separate “power” from the will.
22 [118]
“Educational philistine.” But it is no good preaching to the winds that they should not blow dust in our faces—they will go where they must.
22 [119]
Now I see more than you
Want to tell you
22 [120]
a blind one, yet in shoe and coat
that is, as goat and billy goat
22 [121]
Now it is crystal clear
A human has body and soul, a pair
22 [122]
I know what shadow is and light
What body and soul—you don't know it
22 [123]
Goat to goat without hesitation
Pushes past my knee
Licks the hand and seems to ask
Why I am blind and lonely.
22 [124]
There must be a little soul in there
He spares it while traveling, that's the point
22 [125]
Yet behind his much-valued form
Each one has a bundle strapped on
There he stows his soul, I believe
He spares it on journeys, as I perceive
22 [126]
As the body casts a shadow
The soul casts light
Shadows they all have
But soul they do not
22 [127]
The blind boy on the mountain path.
22 [128]
I think I have increased their value through my criticism of religion, art, metaphysics: sources of power more than ever.
22 [129]
He comes home then and unpacks the little soul
The same
22 [130]
When I sit by the wayside
Until the shadow grows colder,
Until goat herds pass my knee without fear
22 [131]
I need bilberry shrubs and pine trees around me and a glacier in front of me.
22 [132]
Sit by the road all day long
Until the shadow grows colder,
And in deeper enclosures
Downward move herd and shepherd
All the goats press trustingly
Past my knee
Lick my hand
so that I may be blind and alone
22 [133]
rid yourself of all moral phrases (sacrifice, duty), do not participate in the great comedy of hypocrisy (for those who see through the hypocrisy pull your strings to their ends: because they consider you too cowardly and stupid). Be true—let that be your "moral" again.
22 [134]
Two boys sat well
in the blueberry heather
and watched the big
green beetle,
on whose back
a sun-drop
sparkled:
it fell from
cool fir shade
down.
22 [135]
Behold, behold the little man.
