8, 21[1-84] Ende 1876 - Sommer 1877
21 [1]
Gletscher Steinchen Blümchen
21 [2]
Alle Schriftsteller erleben zu bewusst, zu unsicher.
21 [3]
Kamm, Halsband, Ohrringe Broche—Ein Stil es ist Filigran.
21 [4]
“anständige Verbrecher”
“die Eitelkeit des Gelehrten”
“Freundschaft”
“Lob des Irrthums”
“der europäische Mensch”
21 [5]
Eitelkeit verträgt sich mit Selbstverachtung—höhere Warte des Selbstmordes.
21 [6]
Periode der grossartigen Mot das Persönliche nicht das Unpersönliche.
21 [7]
Offenheit Verstecktheit—als Ausgangspuncte der Tugenden niederer Bevölkerung.
Vornehm—vulgär für die höhere Kaste.
21 [8]
Wir hören nicht gerne Handlungen erzählen, welche der Erzählende uns nicht zutraut: oder sie müssen ganz in’s Erstaunliche und Ausnahmsweise gehen.
21 [9]
der Freigeist
die Ehe
das leichte Leben
psychologische Beobachtungen
21 [10]
Die munteren hüpfenden Bewegungen des Wallfisches machen Freude als ob sie Spiel und Lust bedeuteten: inzwischen ist es die Qual die die Natur im Innern ihm macht. So bewundert man die Munterkeit grosser Staatsmänner.
21 [11]
Menschheit, eine unordentlich fungirende Maschine mit ungeheuren Kräften.
21 [12]
Auf vulkanischem Boden gedeiht alles.
21 [13]
Schopenhauer zur Welt wie Blinder zur Schrift.
21 [14]
Das Ahnungsvolle Intuitiv-Unlogische im deutschen Wesen ist Zeichen, dass es zurückgeblieben, noch mittelalterlich-bestimmt ist—manche Vorzüge liegen darin, wie in allen Dingen.
21 [15]
Die deutsche Zukunft ist nicht die der deutschen Geldbeutel.
21 [16]
Bildung des Auges wichtiger als des Ohres.
21 [17]
Weg vom Freidenken geht nicht zum Freihandeln (individuell) sondern zum regierungsweisen Umgestalten der Institutionen.
21 [18]
Säugethier Zeugethier
21 [19]
elfter Finger—Fingerhut
21 [20]
Es verwundet, den Hochverehrten sich zum Dank verpflichten.
21 [21]
Traum von der Kröte.
21 [22]
Ehrgeizige Menschen, durch Krankheit zur Unthätigkeit verurtheilt, werden sich selbst die bösesten Feinde. Der thätige Ehrgeiz ist eine Hautkrankheit der Seele, er treibt alles Schädliche nach aussen.
21 [23]
Wer sich erlaubt öffentlich zu sprechen ist verpflichtet sich auch öffentlich zu widersprechen, sobald er seine Meinungen ändert.
21 [24]
Es giebt nur Gründe gegen den Selbstmord individuell. Starke Medizin. Moralische Gründe gar nicht.
21 [25]
Man muss nicht zu viel Recht haben wollen, aber auch nicht zu wenig.
21 [26]
Der Freund der moralischste Mensch. Aristoteles.
21 [27]
Auf That kommt alles an—Nutz.
21 [28]
Für die jetzige, europäische Cultur ist characteristisch die langsame Berauschung und das Stillestehen an einer gewissen Grenze.
21 [29]
Man denkt nie soviel an eine Freundin oder Geliebte, als wenn die Freundschaft oder Liebschaft im letzten Viertel steht.
21 [30]
Wer an den Vergnügungen erst vorsichtig herumkostet, behält nachher kaum einen Mund voll Annehmlk übrig.
21 [31]
Das Egoistische gilt als böse, in den meisten Fällen mit Unrecht; denn dass es schädigt, giebt ihm nicht diesen Character. Es will sich erhalten, Character der Nothwehr (selber Emotion der Nerven zu haben kann Bedürfniss sein). Ohne Bedürfniss schädigen und mit Absicht ist Unsinn.
21 [32]
Man klagt dass socialistische Arbeiter denselben besitzsüchtigen bürgerlichen Sinn haben, sobald, sie das Ziel erreichen.
Falsch: Das ist das Richtige. Die Anschauungen aus der Lage: niemand ist Schutzzöllner wenn
21 [33]
Alles gesellschaftliche Essen und Trinken, widerwärtig.
21 [34]
Musik anhören Rauchen Essen und Trinken—von der lutherischen schwerfälligen Gemüthlichkeit aus.
21 [35]
Gegen den Rausch.
21 [36]
Nützlichkeit im Wesen der Moral—der Grenzbewohner als Mörder.
21 [37]
Inconsequenz des Princips, mit in den Gang hineingerissen, eingewachsen, fortwachsend, mitunter dem Princip eine andere Richtung gebend.
21 [38]
Glockenlaute—goldenes Licht durch die Fenster. Traum. Ursache a posteriori hineingedichtet wie bei den Augenempfindungen.
21 [39]
Eduard Leuchtenberg Roon
Pflugschaar.
1 Sentenzen.
2 Zur Kenntniss des Menschen.
3 Allgemeine Orientirung.
4 Religion.
5 Kunst.
6 Moral.
21 [40]
Liebe und Hass blödsichtig einäugig, ebenso “Wille.”
21 [41]
Unsern höchsten Stimmungen entsprechende Naturerklärung ist metaphysisch.
21 [42]
Stelle im Tristram über Barbarei.
C. Desmoulins
Henker
Cynismus die Hinrichtung erfrischt.
21 [43]
Der Socialismus beruht auf dern Entschluss die Menschen gleich zu setzen und gerecht gegen jeden zu sein: es ist die höchste Moralität.
21 [44]
Der Reiz der Wissenschaft hebt sich jetzt noch durch den Contrast.
21 [45]
Wer es kann, der folge mir in der Gerechtigkeit gegen verschiedene Culturen.
21 [46]
Philosophie ist die Fata Morgana welche die Lösung den ermüdeten Jüngern der Wissenschaften vorspiegelt.
21 [47]
Inhaltsreiche Menschen haben in Bezug auf die selben Dinge Ebbe und Fluth, Zuneigung und Abneigung. Man muss jede dieser verschiedenen Strömungen
21 [48]
Die Wahrheit steht hier ganz auf dem Kopf, was für die Wahrheit besonders unschicklich ist.
21 [49]
Leichenzug im Carneval einstmals historisch wie jetzt die anderen Wagen.
21 [50]
Tristan: Auf- und Überschwung der Leidenschaft.
21 [51]
Gewisse Erkenntnisse schützen sich selbst: man versteht sie nicht.
21 [52]
Glaube an die Wahrheit
Wer sich erniedrigt
Mitleid schweigt
21 [53]
Die Wissenschaft macht dem, welcher sie fördert, Lust: sehr wenig dem, welcher Resultate empfängt.
Aber anders mit Kunst Religion usw. Wir müssen das Reich der Unwahrheit in uns halten: dies ist die Tragödie.
21 [54]
Violette (mehr roth als blau) Tapeten Vorhänge nerven beruhigend, ein amerikanischer Arzt hat Wahnsinn damit kurirt.
21 [55]
Hat man sich auch einer Religion entwöhnt, so glaubt man doch einen Satz besser bewiesen, wenn seine Stimmung uns religiös anmuthet z. B. “ein ganz sicheres Evangelium.”
21 [56]
A. Bedingungen der Erzieher.
- Beschaulichkeit
- 2. mehrere Culturen durchlebt
- eine Wissenschaft.
Themata:
C. Erholungen
Centra der Cultur nöthig, sonst die Verflachung: warum die Höfe, die Universitäten, die grossen Städte es nicht sind?
21 [57]
Pflüger.
Richter zugl Seelsorger.
Vorrede hinterdrein.
21 [58]
Contrast tief leidender Betrachtung, ihrer Erfordernisse zur Tröstung und der wissenschaftlichen Cultur.
21 [59]
Würdige Beurtheilung eines Metaphysikers wie Schopenhauer als Zeugniss für den Menschen (aber einen unwissenschaftlichen).
21 [60]
Wenn der Mensch sofort mit Einsicht in die Wahrheit begabt wäre, die Schule des Irrtums nicht durchgemacht hätte?
21 [61]
Wirkung des Feuertodes, die Grausamkeit als Kraftquelle für die Nächsten.
21 [62]
Die Wahrheit einflusslos wie die gehende Sonne.
21 [63]
Anfang: unsere Erzieher sind selber nicht erzogen.
Schluss: Tod so lange wie möglich zu verscheuchen. Aeternität.
21 [64]
Auferstehung je 300 Jahre.
21 [65]
F. Wenn man etwas nimmt hat man es?
Ja.
Aber die Jungfrauschaft?
21 [66]
Hat man angefangen öffentlich zu denken, so muß man sich erlauben, sich öffentlich zu widersprechen.
21 [67]
Goethe’s Lieblingsproblem im Wilhelm Meister.
21 [68]
Separiren geistiger Phasen mit Bewusstsein, Zeichen von Cultur.
21 [69]
Frauen Heirathen Trauung
21 [70]
Optim Pessim nichts
21 [71]
Graugrün Oberkleid und blau hell Unterkleid mit weissen Spitzen
21 [72]
Die bösen Handlungen auf Irrthümern beruhend z. B. Rache auf dem Glauben an Verantwortlichkeit, ebenso Grausamkeit, soweit Triumph der Macht.
21 [73]
Alle bösen Eigenschaften gehen auf den Erhaltungstrieb des Einzelnen zurück, der doch gewiss nicht böse ist. Missgunst bei Hunger, wenn ein anderer
21 [74]
Aus einem metaphysischen Zeitalter in ein realistisches ist ein tödtlicher S Übergänge
21 [75]
Gegen Aristoteles, Geistergeschichten—durch die Kunst das Mitgefühl der Menschen gemehrt, darauf Moral, ebenso durch die Religion.
21 [76]
Wie wäre der Genius der Cultur?
21 [77]
Einzug der Wissenschaft in die Welt auf Schleichwegen nicht effectvoll.
21 [78]
Warum zögern wir noch und betrüben uns selber durch unsere Freuden—es ist gleichgültig—aber wer uns ein schändliches geben will sonst braucht man sich nicht zu schämen.
21 [79]
Mädchen-Affe.
21 [80]
Was wir lieben, daran sollen wir alle guten Seiten
Nun lieben wir uns selber
21 [81]
Entweder schätzen wir uns auf Grund eignen Urtheils oder auf Autorität.
Vergleichung ein Hauptmittel zur Lust an uns.
21 [82]
| I | Zur Geschichte der Cultur. | |
| II | Menschliches, Allzumenschliches. | |
| III | Sentenzen-Buch. | |
| IV | Entstehung der griechischen Litteratur. | |
| V | Schriftsteller und Buch. | |
| VI | Philologica. |
21 [83]
Moralität hängt oft vom Erfolg.
21 [84]
Schluss gelöbniss über Wissenschaft. Wenn ihr es könnt, werdet ihr müssen.
8, 21[1-84] Ende 1876 - Sommer 1877
21 [1]
Glacier pebbles flowers
21 [2]
All writers experience too consciously, too uncertainly.
21 [3]
Comb, necklace, earrings brooch—One style it is filigree.
21 [4]
“decent criminals”
“the vanity of the scholar”
“friendship”
“in praise of error”
“the European man”
21 [5]
Vanity is compatible with self-contempt—higher vantage point of suicide.
21 [6]
Period of the magnificent Mot the personal not the impersonal.
21 [7]
Openness Concealment—as starting points of the virtues of the lower population.
Noble—vulgar for the higher caste.
21 [8]
We do not like to hear about actions that the narrator does not believe we are capable of: or they must be entirely astonishing and exceptional.
21 [9]
the free spirit
marriage
the easy life
psychological observations
21 [10]
The lively, jumping movements of the whale bring joy as if they meant play and pleasure: meanwhile, it is the torment that nature inflicts upon it from within. Thus, one admires the liveliness of great statesmen.
21 [11]
Humanity, a disorderly functioning machine with immense forces.
21 [12]
Everything thrives on volcanic soil.
21 [13]
Schopenhauer to the world as a blind man to writing.
21 [14]
The intuitive-illogical in the German character is a sign that it is backward, still medieval-determined—some advantages lie therein, as in all things.
21 [15]
The German future is not that of the German wallets.
21 [16]
Formation of the eye more important than the ear.
21 [17]
Moving away from free thinking does not lead to free action (individual) but to government-led reshaping of institutions.
21 [18]
Mammal Zeugethier
21 [19]
eleventh finger—thimble
21 [20]
It wounds, the highly honored one to feel obliged to thank.
21 [21]
Dream of the toad.
21 [22]
Ambitious people, condemned to inactivity by illness, become their own worst enemies. Active ambition is a skin disease of the soul, it drives everything harmful outward.
21 [23]
Anyone who allows themselves to speak publicly is obliged to contradict themselves publicly as soon as they change their opinions.
21 [24]
There are only reasons against suicide individually. Strong medicine. Moral reasons not at all.
21 [25]
One should not want too much justice, but also not too little.
21 [26]
The friend is the most moral person. Aristotle.
21 [27]
It all depends on That—useful.
21 [28]
For the current, European culture, the slow intoxication and the standing still at a certain limit are characteristic.
21 [29]
One never thinks so much of a friend or lover as when the friendship or love affair is in its final quarter.
21 [30]
Those who only cautiously sample pleasures will hardly have a mouthful of enjoyment left afterward.
21 [31]
The selfish is considered evil, in most cases unjustly; for the fact that it harms does not give it this character. It wants to preserve itself, character of self-defense (having an emotion of the nerves itself can be a necessity). Harming without necessity and with intention is nonsense.
21 [32]
One complains that socialist workers have the same possessive bourgeois mentality as soon as they reach the goal.
Wrong: That is correct. The views from the situation: no one is a protectionist when
21 [33]
All social eating and drinking, repulsive.
21 [34]
Listening to music, smoking, eating and drinking—from the Lutheran cumbersome cosiness.
21 [35]
Against the rush.
21 [36]
Utility in the essence of morality—the border dweller as murderer.
21 [37]
Inconsistency of the principle, drawn into the process, ingrained, continuing to grow, sometimes giving the principle a different direction.
21 [38]
Chime sounds—golden light through the windows. Dream. Cause a posteriori imagined as with visual sensations.
21 [39]
Eduard Leuchtenberg Roon
Ploughshare.
1 Sentences.
2 On the Knowledge of Man.
3 General Orientation.
4 Religion.
5 Art.
6 Morality.
21 [40]
Love and hate one-eyed, likewise “Will.”
21 [41]
Nature explanation corresponding to our highest moods is metaphysical.
21 [42]
Position in Tristram on barbarism.
C. Desmoulins
Executioner
Cynicism refreshes the execution.
21 [43]
Socialism is based on the decision to make people equal and to be just to everyone: it is the highest morality.
21 [44]
The charm of science is now enhanced by the contrast.
21 [45]
Whoever can, let them follow me in justice towards different cultures.
21 [46]
Philosophy is the mirage that promises a solution to the weary disciples of the sciences.
21 [47]
Content-rich people have ebb and flow, affection and aversion in relation to the same things. One must each of these different currents
21 [48]
The truth is completely upside down here, which is particularly unbecoming for the truth.
21 [49]
Funeral procession in Carnival once historically like the other floats now.
21 [50]
Tristan: Rise and surge of passion.
21 [51]
Certain insights protect themselves: one does not understand them.
21 [52]
Believe in the truth
Who humbles themselves
Compassion is silent
21 [53]
Science gives pleasure to the one who promotes it: very little to the one who receives results.
But it is different with art, religion, etc. We must keep the realm of untruth within us: this is the tragedy.
21 [54]
Violet (more red than blue) wallpapers curtains calm the nerves, an American doctor has cured madness with it.
21 [55]
Even if one has weaned oneself from a religion, one still believes a proposition to be better proven if its tone strikes us as religious, e.g., “a completely certain gospel.”
21 [56]
A. Conditions of the Educator.
- Contemplation
- 2. experienced multiple cultures
- a science.
Themes:
C. Recreations
Centers of culture necessary, otherwise superficiality: why the courts, the universities, the great cities are not?
21 [57]
Pflüger.
Judge and spiritual advisor.
Foreword afterwards.
21 [58]
Contrast of deeply suffering contemplation, its requirements for consolation, and scientific culture.
21 [59]
Worthy assessment of a metaphysician like Schopenhauer as testimony for the man (but an unscientific one).
21 [60]
If man were immediately endowed with insight into the truth, had not gone through the school of error?
21 [61]
Effect of death by fire, cruelty as a source of power for the next ones.
21 [62]
The truth as powerless as the setting sun.
21 [63]
Beginning: our educators are not educated themselves.
End: to ward off death for as long as possible. Eternity.
21 [64]
Resurrection every 300 years.
21 [65]
F. If you take something, do you have it?
Yes.
But what about virginity?
21 [66]
Once one has begun to think publicly, one must allow oneself to contradict oneself publicly.
21 [67]
Goethe’s favorite problem in Wilhelm Meister.
21 [68]
Separating spiritual phases with consciousness, signs of culture.
21 [69]
Women Marriage Wedding
21 [70]
Optim Pessim nothing
21 [71]
Gray-green overdress and light blue underdress with white lace
21 [72]
Evil actions based on errors, e.g., revenge based on the belief in responsibility, as well as cruelty, insofar as it is the triumph of power.
21 [73]
All evil properties go back to the preservation instinct of the individual, which is certainly not evil. Envy when hungry, if another
21 [74]
A transition from a metaphysical age into a realistic one is a deadly leap
21 [75]
Against Aristotle, ghost stories—through art the compassion of people increased, upon which morality, likewise through religion.
21 [76]
What would the genius of culture be?
21 [77]
Science's entry into the world via backdoors is not effectful.
21 [78]
Why do we still hesitate and sadden ourselves through our joys—it is irrelevant—but whoever wants to give us something shameful otherwise one need not be ashamed.
21 [79]
Girl monkey.
21 [80]
What we love, we should see all the good sides of it
Now we love ourselves
21 [81]
Either we value ourselves based on our own judgment or on authority.
Comparison is a main means to pleasure in ourselves.
21 [82]
| I | On the History of Culture. | |
| II | Human, All Too Human. | |
| III | Book of Sentences. | |
| IV | Origin of Greek Literature. | |
| V | Writers and Books. | |
| VI | Philologica. |
21 [83]
Morality often depends on success.
21 [84]
Final pledge on science. If you can, you must.