7, 29[1-232] Sommer-Herbst 1873

29 [1]

Die Wahrheit zu sagen ohne eudämonologischen Zweck rein aus Pflicht. Dabei wird häufig die eigenthümliche Lust vergessen, die das Aussprechen der W mit sich bringt. Der reinste Fall der, in dem die Wahrheit eine viel größere Unlust mit sich führt, selbst den Untergang—und trotzdem wird die Wahrheit gesagt. Ein Staatsmann hat die Existenz eines Staates durch ein Wort in der Hand: er sagt die Wahrheit und zerstört den Staat. Rede Kant’s an die Pflicht. Ein großer Mensch ist mehr werth als ein Reich, weil er heilsamer für alle Nachwelt ist. Sinn der großen That—große Thaten zu erzeugen.

29 [2]

Analyse des gewöhnlichen Wahrheitssinnes bei Gelehrten. Lüge aus Nothwehr, Nothlüge enthält einen eudämonologischen Charakter: sie sucht das Individuum zu retten.

29 [3]

Begriff der Unmöglichkeit in allen Tugenden, in denen der Mensch groß ist.

29 [4]

1. Wahrheit als Pflicht—verderbliche Wahrheit. Analyse des Wahrheitstriebes—Pathos.

2. Das Unmögliche in den Tugenden.

3. Der Mensch ist nicht aus diesen höchsten Trieben herausgewachsen, sein ganzes Wesen zeigt eine laxere Moral, er springt über sein Wesen mit der reinsten Moral hinaus.

4. Lüge in der menschlichen Natur—Traum z. B. Selbstbewußtsein (Verschleierung der Wahrheit).

5. Sprache Empfindung Begriffe.

6. Materie.

7. Kunst. Noth-Lüge und Frei-Lüge. Letztere doch wieder auf eine Noth zurückzuführen.

Alle Lügen sind Nothlügen. Die Lust an der Lüge ist künstlerisch. Sonst hat nur die Wahrheit eine Lust an sich. Die künstlerische Lust die größte, weil sie die Wahrheit ganz allgemein spricht in der Form der Lüge.

Begriff der Persönlichkeit, ja der der moralischen Freiheit nothwendige Illusionen, so daß selbst unsere Wahrheitstriebe auf dem Fundament der Lüge ruhn.

Die Wahrheit im System des Pessimismus. Das Denken ist etwas, was besser nicht wäre.

29 [5]

Ika! Ika! Bäh-Bäh-

29 [6]

Benjamin Constant: “der sittliche Grundsatz: es sei eine Pflicht, die Wahrheit zu sagen, würde, wenn man ihn unbedingt und vereinzelt nähme, jede Gesellschaft zur Unmöglichkeit machen.”



Der Ungar und der Hegelsche Professor in Berlin.



Rameau’s Neffe. “Man schlingt die Lüge, die uns schmeichelt, in vollen Zügen hinab, und kostet Tropfen für Tropfen die Wahrheit, die uns bitter ist.”

29 [7]

“Wahrheit.”

  1. Wahrheit als unbedingte Pflicht feindselig weltvernichtend.
  2. Analyse des gemeinen Wahrheitssinnes (Inconsequenz).
  3. Das Pathos der Wahrheit.
  4. Das Unmögliche als Correctiv des Menschen.
  5. Das Fundament des Menschen lügnerisch, weil optimistisch.
  6. Die Körperwelt.
  7. Individuen.
  8. Formen.
  9. Die Kunst. Feindschaft gegen sie.
  10. Ohne Unwahrheit weder Gesellschaft noch Kultur. Der tragische Conflikt. Alles Gute und Schöne hängt an der Täuschung: Wahrheit tödtet—ja tödtet sich selbst (insofern sie erkennt, daß ihr Fundament der Irrthum ist).

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1. Was entspricht der Askese in Betreff der Wahrheit?— Wahrhaftigkeit, als Fundament aller Verträge und Voraussetzung des Bestehens des Menschengeschlechts, ist eine eudämonistische Forderung: dagegen tritt die Erkenntniß, daß die höchste Wohlfahrt der Menschen vielmehr in Illusionen liegt: daß also, nach dem eudämonistischen Grundsatze, Wahrheit und Lüge angewendet werden müßten—wie es auch geschieht. Begriff der verbotenen Wahrheit d. h. einer solchen, die gerade die eudämonistische Lüge verhüllt und maskirt. Gegensatz: die verbotene Lüge, dort eintretend, wo die erlaubte Wahrheit ihr Bereich hat.

2. Symbol der verbotenen Wahrheit: fiat veritas, pereat mundus.

Symbol der verbotenen Lüge: fiat mendacium! pereat mundus.

Das Erste, was durch die verbotenen Wahrheiten zu Grunde geht, ist das Individuum, das sie ausspricht. Das Letzte, was durch die verbotene Lüge zu Grunde geht, ist das Individuum. Jenes opfert sich selbst sammt der Welt, dieses opfert die Welt sich und seiner Existenz.

Casuistik: ist es erlaubt, der Wahrheit die Menschheit zu opfern?— 1) Es ist nicht wohl möglich! Wollte Gott, die Menschheit könnte an der Wahrheit sterben. 2) Wenn es möglich wäre, so wäre es ein guter Tod und eine Befreiung vom Leben. 3) Niemand kann ohne einigen Wahn so fest glauben die Wahrheit zu haben: die Skepsis wird nicht ausbleiben. Die Frage: ist es erlaubt, einem Wahne die Menschheit zu opfern, müßte verneint werden. Aber praktisch geschieht, weil Wahn eben Glauben an die Wahrheit ist.

3. Der Glaube an die Wahrheit—oder der Wahn. Ausscheidung aller eudämonistischen Bestandtheile (1. als mein eigner Glaube, 2. als gefunden von mir, 3. als Quelle guter Meinungen bei andern, des Ruhms, des Geliebtwerdens, 4. als herrisches Widerstands-Lustgefühl).

Ist, nach Abzug aller dieser Bestandtheile, das Aussprechen der Wahrheit rein als Pflicht noch möglich? Analyse des Glaubens an die Wahrheit: denn alles Wahrheit-haben ist im Grunde nur ein Glaube die Wahrheit zu haben. Das Pathos, das Pflichtgefühl geht von diesem Glauben aus, nicht von der angeblichen Wahrheit. Der Glaube setzt eine unbedingte Erkenntnißkraft voraus, bei dem Individuum, sodann die Überzeugung, daß nie ein erkennendes Wesen hierin weiterkommen werde: also die Verbindlichkeit für alle Weiten erkennender Wesen. Die Relation hebt das Pathos des Glaubens auf, etwa die Begrenzung auf das Menschliche, mit der skeptischen Annahme, daß wir vielleicht alle irren.

Wie ist aber Skepsis möglich? Sie erscheint als der eigentlich asketische Standpunkt des Denkers. Denn sie glaubt nicht an den Glauben und zerstört damit alles Segensreiche des Glaubens.

Selbst die Skepsis enthält aber in sich einen Glauben: den Glauben an die Logik. Das äußerste ist also Preisgeben der Logik, das credo quia absurdum est, Zweifel an der Vernunft und deren Verneinung. Wie dies im Gefolge der Askesis auftritt. Leben kann niemand darin, ebensowenig wie in der reinen Askesis. Womit erwiesen ist, daß der Glaube an die Logik und überhaupt der Glaube zum Leben nothwendig ist, daß also das Bereich des Denkens eudämonistisch ist. Dann tritt aber die Forderung der Lüge hervor: wenn nämlich Leben und ein Argument ist. Gegen die verbotenen Wahrheiten wendet sich die Skepsis. Dann fehlt das Fundament für die reine Wahrheit an sich, der Trieb darnach ist nur ein maskirter eudämonischer.

4. Jeder Naturvorgang ist uns im Grunde unerklärlich: wir können nur die jedesmalige Scenerie feststellen, bei der das eigentliche Drama sich begiebt. Wir sprechen dann von Kausalitäten, während wir im Grunde nur ein Nacheinander von Ereignissen sehen. Daß dies Nacheinander bei einer bestimmten Scenerie immer eintreten müsse, ist ein Glaube, der unendlich oft widerlegt wird.

5. Die Logik ist nur die Sklaverei in den Banden der Sprache. Diese aber hat ein unlogisches Element in sich, die Metapher usw. Die erste Kraft bewirkt ein Gleichsetzen des Ungleichen, ist also Wirkung der Phantasie. Darauf beruht die Existenz der Begriffe, Formen usw.

6. Formen.

7. “Naturgesetze.” Lauter Relationen zu einander und zum Menschen.

8. Der Mensch als fertig und hart gewordenes Maaß der Dinge. Sobald wir ihn uns als flüssig und schwankend denken, hört die Strenge der Naturgesetze auf. Die Empfindungsgesetze—als Kern der Naturgesetze. Mechanik der Bewegungen. Der Glaube an die Außenwelt und an die Vergangenheit, in der Naturwissenschaft.

9. Das Wahrste in dieser Welt—die Liebe Religion und die Kunst. Erstere sieht durch alle Verstellungen und Maskeraden hindurch auf den Kern, das leidende Individuum und leidet mit, letztere tröstet, als praktische Liebe, über das Leiden, indem sie von einer anderen Weltordnung erzählt, und diese verachten lehrt. Es sind die drei unlogischen Mächte, die sich als solche bekennen.

“auf der ausgedörrten Steinwüste des morschen Erdballs”

29 [9]

Penzel, von Preußischen Werbern angeworben, stand als gemeiner Musketier in Königsberg. Kant hält ihn vom Katheder zurück, “(Kant) indem er ihn für einen niederträchtigen Menschen hielt, weil er seinen Soldatenstand so ruhig bisher ertragen habe.” Eine Stelle bei Luther, dass wenn Gott an das schwere Geschütz gedacht hätte, er die Welt nicht geschaffen hätte.

29 [10]

Analysis des Gelehrten, hinsichtlich seines Wahrheitssinnes.

1) Gewohnheit 2) Flucht vor der Langenweile 3) Broderwerb 4) Achtung bei anderen Gelehrten, Furcht vor ihrer Mißachtung 5) Erwerbssinn von etwas Eignem (es muß “wahr” sein, sonst rauben es die Andren wieder) 6) Knötchen knüpfen, Knötchen lösen.— Maaß des Wahrheitssinnes: beim Umwerfen einer alten Theorie, bei Angriffen auf ihren Stand, ihre Bildung, beim Lautwerden der Unzünftigen, Haß gegen die Philosophie, weil sie sich nichts aus dem Gelehrten macht. Die Unwahrheit, wenn sie in allgemeiner Geltung ist, wird von dem Gelehrten als Wahrheit behandelt. Furcht vor Religionen und Regierungen.— 7) Ein gewisser Stumpfsinn, sie sehen die Folgen nicht und sind mitleidslos. 8) Sie merken die Hauptprobleme des Lebens nicht, deshalb beschäftigen sie sich mit den kleinsten Problemchen, d. h. in der Hauptsache haben sie kein Bedürfniss nach Wahrheit. Daher giebt es nirgends eine Gelehrten-Republik, sondern immer nur eine Gelehrten-Ochlokratie. Verhaßt und durch Scherbengericht vertrieben ist der seltene geniale Kopf, der Wahrheitsfreund, ebenso der Künstler.

29 [11]

Die unbedingte Übereinstimmung im Logischen und Mathematischen weist nicht auf ein Gehirn, auf ein leitendes und abnorm ausfallendes Organ hin—auf eine Vernunft? Seele?— Das ganz und gar Subjektive ist es, vermöge dessen wir—Menschen sind. Es ist das angehäufte Erbgut, an dem alle Theil haben.

29 [12]

Naturwissenschaft ist Sichbewußtwerden, was man alles als Erbgut besitzt, Registratur der festen und starren Empfindungsgesetze.

29 [13]

Der Gelehrte.

1. Eine gewisse Biederkeit, fast nur Ungelenkigkeit zur Verstellung, zu der einiger Witz gehört. Überall wo dialektische Advocatenmanier da ist, mag man auch in Betreff dieser Biederkeit Zweifel haben und auf seiner Hut sein. Es ist bequemer, in adiaphoris die Wahrheit zu sagen, es entspricht einer gewissen Trägheit. Gegen das copernikanische System z. B. machte gerade die Biederkeit Opposition, weil es dem Augenschein widersprach: Augenschein und Wahrheit fällt aber für die trägen Geister zusammen. Auch der Hass gegen die Philosophie bei den Gelehrten ist vor allem Hass gegen die langen Schlussketten und die Künstlichkeit der Beweise: die Bewunderung des Scharfsinns ist mit Furcht verbunden, und im Grunde hat jede Gelehrtengeneration ein Maass für den erlaubten Scharfsinn: was darüber hinaus ist, wird abgelehnt.

2. Scharfsichtigkeit in der Nähe mit grosser Myopie in die Ferne und in das Allgemeine. Das Gesichtsfeld sehr klein und die Augen werden sehr nahe heran gehalten. Will der Gelehrte von einem eben durchforschten Punkte zu einem neuen, so rückt er den ganzen Sehapparat zu jenem Punkte: er zerlegt ein Bild, wie durch Anwendung eines Opernglases, in lauter Flecke. Sie alle sieht er nie verbunden, sondern berechnet nur ihren Zusammenhang: deshalb hat er von allem Allgemeinen keinen starken Eindruck. Er beurtheilt z. B. eine Schrift, die er im Ganzen nicht zu überschauen vermag, nach einem Flecken aus dem Bereiche seiner Studien: er würde nach seiner Art zu sehen zuerst behaupten müssen, ein Oelgemälde sei ein wilder Haufen von Klexen.

3. Normalität seiner Motive, Nüchternheit, insofern zu allen Zeiten die gemeineren Naturen und somit die Masse von gleichen Motiven geleitet worden ist. Diese wittert er heraus. In einem Maulwurfsloch findet sich der Maulwurf am besten zurecht. Er ist behütet vor vielen künstlichen und abnormen Hypothesen und vor allem Ausschweifenden und gräbt, wenn er beharrlich ist, alle gemeinen Motive der Vergangenheit, durch seine eigne Gemeinheit, aus. Freilich ist er deshalb unfähig, das Seltne Grosse und Abnorme, d. h. das Wichtige und Wesentliche zu verstehen.

4. Gefühlsarmut befähigt sie selbst zu Vivisectionen. Er ahnt das Leiden nicht, das manche Erkenntniss mit sich führt und fürchtet sich deshalb nicht auf gefährlichstem Bereiche. Das Maulthier kennt den Schwindel nicht. Sie sind kalt und erscheinen deshalb leicht grausam, ohne es zu sein.

5. Geringe Selbstschätzung, ja Bescheidenheit. Sie fühlen, im dürftigsten Studienbezirk, nichts von Vergeudung, selbst nichts von Aufopferung, sie wissen es im tiefsten Grunde, dass sie kriechendes, nicht fliegendes Gethier sind. Darin sind sie oft rührend.

6. Treue gegen ihre Führer und Lehrer; diesen wollen sie helfen und sie wissen wohl, dass sie ihnen am besten mit der Wahrheit helfen. Gegen diese sind sie dankbar gestimmt, weil sie nur durch sie Einlass in die würdigen Hallen der Wissenschaft bekommen haben, in die sie, auf eignem Wege, nie hineingekommen wären. Wer in Deutschland ein Gebiet zu erschliessen weiss, auf dem die geringen Köpfe arbeiten können, ist ein berühmter Mann: so gross ist alsbald der Schwarm. Freilich ist Jedermann aus diesem Schwarm zugleich die Caricatur des Meisters, in irgend einem Sinne: selbst dessen Gebresten erscheinen karikirt, nämlich unmässig gross und übertrieben, an einem viel kleineren Individuum: während die Tugenden des Meisters an eben demselben Individuum proportional verkleinert erscheinen. In so fern ist es eine Missgestalt, und wirkt als solche, wenn sie es aus Treue ist, rührend-drollig.

7. Gewohnheitsmässiges Fortlaufen auf der Bahn, in die man ihn gestossen hat: Wahrheitssinn aus Gedankenlosigkeit und Bequemlichkeit in der einmal angenommenen Gewöhnung. Dies gilt besonders von dem Lernen, das Viele von ihrer Übung im Gymnasium her, wie im Bann einer unentrinnbaren Noth, betreiben. Solche Naturen sind Sammler, Commentatoren, Verfertiger von Indices, Herbarien etc. Der Fleiss derselben entsteht beinahe aus Trägheit, ihr Denken aus Gedankenlosigkeit.

8. Flucht vor der Langeweile. Während der wirkliche Denker nichts mehr ersehnt als Musse, flieht der Gelehrte vor ihr, weil er mit ihr nichts anzufangen weiss. Seine Tröster sind die Bücher: d. h. er hört zu, wie jemand Anderes denkt und lässt sich auf diese Art unterhalten und über den langen Tag hinweg unterhalten. Besonders wählt er Bücher, bei denen sein Interesse, sein persönlicher Wille irgendwie aufgeregt wird, wo er ein wenig, durch Neigung oder Abneigung, in Affect gerathen kann. Schriften, wo er in Betracht kommt, oder sein Stand, seine politische oder ästhetische oder grammatische Meinung: hat er erst eine eigne Wissenschaft, so hat er auch ein Mittel, immer wieder interessirt zu werden.

9. Broderwerb. Der Wahrheit wird gedient, wenn sie im Stande ist, zu höheren Stellungen und Gehalten zu verhelfen, wenn durch sie Beförderung bei Höheren erreicht werden kann. Aber eben auch nur dieser Wahrheit wird gedient: weshalb sich eine Grenze für die erspriessliche Wahrheit und die unerspriessliche W finden lässt. Letztere wirkt nicht zu Gunsten des Broderwerbs und, da sie Mühe und Zeit braucht und diese der ersteren wegnimmt, sogar gegen den Broderwerb. Ingenii largitor venter. Die “Borborygmen eines leidenden Magens.”

10. Achtung bei andern Gelehrten, Furcht vor ihrer Missachtung. Sie Alle überwachen sich eifersüchtig, damit die Wahrheit, an der so viel hängt, Ehre, Broderwerb, Beamtungen, wirklich auf den Namen des Erfinders lautet. Die Achtung vor der Wahrheit, die ein Andrer gefunden, wird gezollt, weil man sie wieder fordert, bei der, die man selbst findet. Die Unwahrheit wird schallend explodirt, damit sie nicht als Wahrheit gelte und Ehren und Titel an sich reisse, die nur der unwiderstehlichen Wahrheit gegönnt werden. Gelegentlich wird auch die wirkliche Wahrheit explodirt, damit wenigstens Platz für andre Wahrheiten, die Anerkennung wollen, geschafft werde. “Moralische Idiotismen, die man Schelmenstreiche nennt.” “Ausnahmen vom allgemeinen Gewissen.”

11. Der Gelehrte aus Eitelkeit, schon eine seltnere Spielart. Er will etwas ganz für sich haben, wählt deshalb die Curiositäten als sein Forschungsfeld und freut sich, wenn er selbst als Curiosität neugierig betrachtet wird. Er begnügt sich meistens mit dieser Art Ehrbezeigung und gründet nicht seinen Lebensunterhalt auf einen solchen Wahrheitstrieb.

12. Der Gelehrte aus Spieltrieb. Seine Ergötzlichkeit ist, Knötchen zu suchen und sie zu lösen: wobei er sich nicht zu sehr anstrengen mag, damit er das Gefühl des Spiels nicht verliert. Deshalb dringt er nicht gerade in die Tiefe, doch sieht er oft etwas, was der Brodgelehrte in seiner stumpfen und mühsam kriechenden Befangenheit des Auges nicht wahr nimmt: er hat doch wenigstens ein Vergnügen an der Wahrheit und ist Dilettant, bildet in sofern sogar den Gegensatz des unlustigen Brodgelehrten, der nur gezwungen und gleichsam unter dem Joche des bezahlten Berufs oder dem Peitschenschlag seiner Beförderungssucht seine Arbeit thut.

29 [14]

Es giebt keinen Trieb nach Erkenntniss und Wahrheit, sondern nur einen Trieb nach Glauben an die Wahrheit. Die reine Erkenntniss ist trieblos.

29 [15]

Triebe, die mit einem Wahrheitstriebe leicht verwechselt werden:

1. Neubegier, gesteigert Sucht nach Abenteuern der Erkenntniss. Das Neue, Seltne im Gegensatze zum Langweilig-Alten.

2. Dialektischer Spür- und Spieltrieb, Lust an verschmitzten Fuchsgängen: nicht die Wahrheit wird gesucht, sondern das listige Herumschleichen, Umzingeln usw.

3. Trieb zum Widerspruch, die Persönlichkeit will sich einer andern gegenüber geltend machen. Klopffechterthum, der Kampf ist die Lust, persönlicher Sieg das Ziel.

4. Trieb aus Unterthänigkeit gegen Personen Religionen Regierungen, gewisse “Wahrheiten” zu finden.

5. Trieb aus Liebe Mitleid usw. gegen einen Menschen, Stand oder die Menschheit, eine rettende beglückende Wahrheit zu finden—Trieb der Religionsstifter.

29 [16]

Alle Triebe mit Lust und Unlust verbunden—einen Trieb zur Wahrheit d. h. zur völlig folgenlosen reinen affectlosen Wahrheit kann es nicht geben, denn dort hörte Lust und Unlust auf, und es giebt keinen Trieb, der nicht in seiner Befriedigung eine Lust ahnte. Die Lust zu denken weist nicht auf ein Begehren nach Wahrheit. Die Lust aller Sinneswahrnehmung liegt darin, dass sie mit Schlüssen zu Stande gebracht sind. Der Mensch schwimmt insofern immer in einem Lustmeere. In wiefern kann aber der Schluss, die logische Operation, Lust bereiten?

29 [17]

Wie ist nur die Kunst als Lüge möglich!

Mein Auge, geschlossen, sieht in sich zahllose wechselnde Bilder—diese producirt die Phantasie und ich weiss dass sie der Realität nicht entsprechen. Also ich glaube ihnen nur als Bildern, nicht als Realitäten.

Oberflächen Formen.

Kunst enthält die Freude, durch Oberflächen Glauben zu erwecken: aber man wird ja nicht getäuscht? Dann hörte ja die Kunst auf!

Die Kunst legt es doch auf eine Täuschung ab—aber wir werden nicht getäuscht?

Woher die Lust an der versuchten Täuschung, an dem Schein, der immer als Schein erkannt wird?

Kunst behandelt also den Schein als Schein, will also gerade nicht täuschen, ist wahr.

Das reine begierdenlose Betrachten ist nur an dem Scheine möglich, der als Schein erkannt wird, der gar nicht zum Glauben verführen will und insofern unsern Willen gar nicht anregt.

Nur der, der die ganze Welt als Schein betrachten könnte, wäre im Stande, sie begierden- und trieblos anzusehen—Künstler und Philosoph. Hier hört der Trieb auf.

So lange man Wahrheit an der Welt sucht, steht man unter der Herrschaft des Triebes: der aber will Lust und nicht Wahrheit, er will den Glauben an die Wahrheit, also die Lustwirkungen dieses Glaubens.

Die Welt als Schein—Heiliger Künstler Philosoph.

29 [18]

Alle eudämonistischen Triebe erwecken Glauben an die Wahrheit der Dinge, der Welt—so die ganze Wissenschaft—auf das Werden gerichtet, nicht auf das Sein.

29 [19]

Plato als Kriegsgefangner, auf einem Sclavenmarkte ausgeboten—wozu wollen wohl die Menschen den Philosophen?— Das lässt errathen, wozu sie die Wahrheit wollen.

29 [20]

  1. Wahrheit als Deckmantel ganz anderer Regungen und Triebe.
  2. Das Pathos der Wahrheit bezieht sich auf den Glauben.
  3. Der Trieb zur Lüge fundamental.
  4. Die Wahrheit ist unerkennbar. Alles Erkennbare Schein. Bedeutung der Kunst als des wahrhaftigen Scheines.

29 [21]

  1. Schilderung der Diener der Wahrheit.
  2. Bändigung und Beschränkung der Erkenntniss zu Gunsten des Lebens, der Cultur.
  3. Gerechtigkeit unter den Objecten der Erkenntniss, Abschätzung ihrer Wichtigkeit. Das Grosse.
    Zurückzurufen zur Hauptsache und den Hauptproblemen.
    Beseitigung des falschen Glanzes.

29 [22]

Die geistig wirksamen Mächte sind über alle Vergangenheiten hin zerstreut—Colonienbildung! Aber die eigentliche Heimat verarmt, wenn alles auswandert. Sie sind zurückzurufen zum Nothwendigsten. Gegen das laisser aller in der Wissenschaft.

Alle sind so zerstreut und von einander entfernt, dass kein Band sie alle umschlingt: den verbindenden Kitt giebt unsre Zeitungscultur.

Ist es erlaubt, dass ein Jüngling seine beste Kraft in der mikroscopischen Arbeit verschwendet und abgezogen wird von der Ausbildung seiner selbst?

29 [23]

Allerlei Diener der Wahrheit.

Zuerst optimistisches Staunen! Wie viele Wahrheitsforscher!

Ist es erlaubt, dass die besten Kräfte sich so zerstreuen?

Bändigung des Erkenntnisstriebes: classisch—antiquarisch.

— Pessimistisches Erstaunen! Das sind ja alles keine Wahrheitsforscher!

Preis der Gerechtigkeit als der Mutter des wahren Wahrheitstriebes.

Prüfung der “Diener der Wahrheit” nach ihrem Sinn für Gerechtigkeit.

Es ist recht gut, dass diese alle exilirt sind: denn sie würden überall nur stören und Schaden anrichten. Wir wollen sie die Lohnarbeiter der Wahrheit nennen, sie dienen ihr wider Willen und seufzend.

Die Wissenschaft ist für jene eine Correctionsanstalt, eine Galeere.

Hinweis auf Socrates, der sie alle wahnsinnig nennt, im Hause wissen sie nicht, was gut und böse.

Unschädlichmachung der Wissenschaft durch Klöster.

Unsre Aufgabe: das Gespaltene Zerstreute wieder zusammenzubringen und zusammenzuschweissen, einen Herd für die deutsche Culturarbeit zu gründen, abseits von aller Zeitungscultur und Popularisirung der Wissenschaften.

29 [24]

Was Zöllner beklagt, das unendliche Experimentiren und der Mangel an logisch-deductiver Kraft, ist ebenfalls in den historischen Disciplinen zu sehen—Unterschätzung des Classischen im Gegensatze zu dem Antiquarischen: so geht der Sinn der historischen Wissenschaft verloren, alles verflacht sich. Wie dort das Weltbild immer gemeiner wird und eigentlich nur noch von den Popularisirern gezeichnet wird, so hier das Vergangenheitsbild.

29 [25]

Schiller: ihr geht aus, die Wahrheit mit Stangen zu fangen,
aber sie geht mitten hindurch.

29 [26]

Allerlei Diener der Wahrheit.”

1.Schilderung des laisser faire der Wissenschaft. Es fehlt die Dictatur.
2.Folge. es fehlt der rechte Kitt—(dafür Zeitungscultur-Kitt!)
im Allgemeinen immer grössere Roheit.
Verkümmerung des Bildes des Wahrheitsdieners.
3.Daher haben sich Viele eingeschlichen. Schilderung.
4.Stellung der deutschen Cultur dazu: was ist die Aufgabe? (Goethes Stellung zur Naturwissenschaft.)

29 [27]

Protest gegen die Section des Lebendigen d. h. sie sollen leben lassen, was noch nicht todt ist, und es nicht sofort als wissenschaftliches Object behandeln.

29 [28]

Durch Wissen tödten: eig ist es nicht einmal das Wissen, sondern nur das neugierige unruhige Belauern, also ein nothwendiges Mittel und conditio der Wissenschaft. Mitreden-Wollen, wo man nur stört, wenn man redet.

Defienda me Dios de my “Gott behüte mich vor mir.”

29 [29]

Alles Erinnern ist Vergleichen d. h. Gleichsetzen. Jeder Begriff sagt uns das; es ist das “historische” Urphänomen. Das Leben erfordert also das Gleichsetzen des Gegenwärtigen mit dem Vergangnen; so dass immer eine gewisse Gewaltsamkeit und Entstellung mit dem Vergleichen verbunden ist. Diesen Trieb bezeichne ich als den Trieb nach dem Klassischen und Mustergültigen: die Vergangenheit dient der Gegenwart als Urbild. Entgegen steht der antiquarische Trieb, der sich bemüht das Vergangne als vergangen zu fassen und nicht zu entstellen, nicht zu idealisiren. Das Lebensbedürfniss verlangt nach dem Klassischen, das Wahrheitsbedürfniss nach dem Antiquarischen. Das Erste behandelt das Vergangne mit Kunst und künstlerischer Verklärungskraft.

Denkt man sich die andre Richtung übermächtig, so hört die Vergangenheit auf, vorbildlich und mustergültig zu wirken, weil sie aufhört, Ideal zu sein, und individuelle Wirklichkeit wie die Gegenwart selbst geworden ist. Sie dient dann nicht mehr dem Leben, sondern ist gegen dieses Leben. Man erreicht so praktisch, was man erreichte, wenn man alle Kunstkammern und Bibliotheken verbrennen würde. Die Gegenwart wird isolirt, wird zufriedner mit sich und entspricht ihrem Wesen und ihren Bedürfnissen, zeigt also, was sie ist, wie gross oder gemein sie ist.— Wodurch nützt aber der Trieb zum Klassischen der Gegenwart? Er deutet an, dass, was einmal war, jedenfalls einmal möglich war und deshalb wohl auch wieder möglich sein wird ( wie die Pythagoreer meinen dass, wenn die Sterne die gleiche Stellung haben, alles wieder völlig gleich geschehen werde). An das Mögliche und Unmögliche denkt aber der Muthige und der Verwegene: ihn stärkt die Vergangenheit: z. B. wenn er hofft, dass 100 productive Menschen im Stande sind, die ganze deutsche Cultur zu gründen und findet, dass auf ähnliche Weise die Cultur der Renaissance möglich geworden ist. Am Grossen und Unmöglichen aber pflanzt sich die Menschheit fort.

29 [30]

Nehme man an dass jemand glaube, es gehörten nicht mehr als 100 productive, in einem neuen Geiste erzogene Menschen dazu, um der in Deutschland jetzt gerade modischen Gebildetheit den Garaus zu machen, was müsste es ihn bestärken wahrzunehmen, dass die Cultur der Renaissance auf den Schultern einer solchen Schaar Hundert-Männer sich heraushob.

29 [31]

Die Schätzung der Geschichte und die in ihr verschwendete Kraft. Die antiquarische Manier, die das Klassische möglichst beseitigt oder als ganz individuelle Möglichkeit zu begreifen sucht. Weil viel Vernunft verwendet wird, irgend ein Stückchen Vergangenheit so zu begreifen, meint man zuletzt auch, dass Vernunft sie zu Stande gebracht. So entsteht der Aberglaube an die Vernünftigkeit der Geschichte: wobei die absolute Nothwendigkeit verstanden wird als Manifestation des Vernünftigen und Zweckmässigen. Aber die grösste historische Macht ist die Dummheit und der Teufel. Es schwächt den Muth ab, so viele Möglichkeiten zu wissen als dagewesen: wenn es nicht darauf abgesehn ist, abzuschätzen (also das Klassische und Gute aus dem Vergangnen auszuscheiden), sondern nur alles als geworden zu begreifen, so lähmt der antiquarische Sinn; denn er wittert auch im Unsinnigen Zweck und Vernunft. Die Geschichte will nur , eine grosse Behandlung; sonst macht sie Sclaven.

Nun giebt es zweitens ein Maass des erlaubten Retrospectiven und des Unerlaubten. Verboten ist die Vivisection; es soll den Kindern verboten werden zu lauern, wo Eier gelegt werden. Der Wahrheitstrieb, der den eben erlebten Moment secirt, tödtet den nächsten. Solange erkannt wird, wird nicht gelebt.

Dazu—welche Gefahren bringt der antiquarische Sinn, wenn er sich der Menge und der geringen Köpfe bemächtigt! Zuletzt zerfällt alles in Solche, welche historisch leben, und Solche, welche nur historisch tödten. Welche fatale Neubegierde, Unruhe, Belauern, Verrathen, Ablisten des eben Werdenden. Am Tag wird kein Geist citirt. Jede Zeit bedarf so viel Historie, als sie in Fleisch und Blut, durch Verdauen, umsetzen kann; so dass die stärkste und gewaltigste am meisten Geschichte vertragen wird. Wie aber, wenn schwächliche Zeiten mit ihr überfüllt werden! Welche Verdauungsbeschwerden, welche Ermüdung und Kraftlosigkeit!

29 [32]

Es ist möglich, dass ein Volk durch Geschichte sich selbst tödtet: etwa wie ein Mensch, der sich dem Schlaf entzieht. Wiederkäuen ist die Sache gewisser Thiere: sich aber durch Wiederkäuen ruiniren scheint hier und da einmal bei dem menschlichen Rindvieh vorzukommen. Wenn alles, was wird, interessant, des Studiums würdig erachtet wird, so fehlt bald für alles, was man thun soll, der Maassstab und das Gefühl, der Mensch wird in der Hauptsache gleichgültig.

29 [33]

Die Mythologie, mit der sich die antiquarischen Menschen umgeben—die Ideen “die es lieben, sich in immer reineren Formen zu offenbaren” usw.

29 [34]

Das Monumentale sieht von den Ursachen ab. “Effect an sich” “das, was zu allen Zeiten Effect macht” (oder das zu allen Zeiten entstehen kann, zu dem die Ursachen immer da sind).

29 [35]

3. Wie ist nur das Monumentale möglich? Oder über den Nutzen der Geschichte. Hülfsbegriff das rein-Menschliche—oder das Grosse und Ungemeine, an dem sich immer wieder das Grosse entzündet. Bestreben der Antiquare, das Ungemeine in das Verständliche d. h. Gemeine herabzuziehn. Deshalb vernichten sie das Monumentale nach besten Kräften.

Sodann wird aber aus dem Codex des Monumentalen ein Zwang und Canon der gegenwärtigen Künstler, mit dem gegen das Entstehn, gegen die Entwicklung angekämpft wird: das Grosse soll nicht werden, es soll dasein.

Die Antiquare sagen: das Grosse ist im Grunde das Gemeine und Allgemeine; auch sie kämpfen gegen das Werden des Grossen (durch Verkleinern, Begeifern usw.).

So kämpfen beide historische Schulen gegen das Grosse an: sowohl mit dem Monumentalen, als dem Gemeinen. Dies war zu allen Zeiten so. Gegen Beides muss das Historisch-Grosse Recht behalten, gegen ersteres, dadurch dass es sich den Eintritt im Tempel des Monumentalen erzwingt, gegen die Antiquare, dadurch dass es endlich wieder selbst Erkenntnissobject wird und damit auch den Antiquaren “interessant” wird.

29 [36]

Die Geschichte gehört dem Thätigen. Es ist ein widerliches Schauspiel, neugierige Mikrologe oder Egoisten oder Touristen auf Pyramiden herumklettern zu sehn. Die Geschichte ist jetzt ebenso zur Schau gestellt wie Bilder in der Gallerie: für den Müssiggänger. Früher suchte man sich von dort Kraft und Trost, jetzt will man Gewissheit, Unterhaltung im Realen, aus Feindschaft gegen die Kunst und gegen das Grosse.

29 [37]

Woraus erklärt sich die Hypertrophie des historischen Sinnes?

  1. Feindschaft gegen das erdichtete, Mythische.
  2. Feindschaft gegen die Lebensprobleme.
  3. Sie verbirgt oder drapirt die, welche sich damit befassen—ist leichter als ein Kunstwerk.
  4. Sie löst auf und macht schlaff, weil sie durch Analogien das Rechtsgefühl und die Instinkte, kurz das Naive in Sitte und Handeln tödtet oder lähmt.
  5. Sie ist demokratisch und lässt jedermann zu, beschäftigt die geringsten Köpfe. Sie ist das Ideal eines Wahrheitsstrebens, bei dem nichts herauskommt.
  6. Wie sie im Grunde nicht von fruchtbaren kräftigen Instinkten geleitet wird, zeigt z. B. die Historie bei der Evangelien-Kritik. Man vergleiche die Reformationszeit.

29 [38]

Die historische Krankheit.

  1. Bei pythagoreischer Constellation wäre von einem Nutzen der Geschichte zu reden. So aber ist die Motivirung jeder Handlung eine verschiedne.
  2. Vergleichung setzt ein Gleichsetzen voraus. Gedächtniss-Begriff. Das Klassische und Monumentale, der “Effect an sich” idealisirende Entstellung und Verallgemeinerung, das “Allgemein-Menschliche” als Wahn. Der Wahn des Monumentalen befördert die Fortzeugung des Grossen.
  3. Kampf gegen das Grosse und Seltne und gegen das Monumentale durch die Antiquare. Alles Gewesene interessant, vernünftig: lähmender Einfluss der Antiquare auf die historische Thatkraft.
  4. Der moderne Historiker als Amalgam von beiden Trieben, Hermaphrodit. Seine Mythologie. Seine negative Praxis. Einwirkung auf Kunst Religion. Gefährlich für eine werdende Cultur. Die Vivisection. Man soll nicht Beides sein, Classiker und Antiquar, sondern Eins, aber ganz. Wirkungslosigkeit der modernen Historiker: ihr Niederschlag in der nörgelnden Kritik und der amerikanisirenden Presse. Es fehlt dem modernen Historiker das Fundament: er ist im Monumentalen willkürlich, im Antiquarischen tödtend und wurzelt nicht in einer Cultur.

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Im Grunde ist jedermann zufrieden, wenn ein Tag vorüber ist. Ihn so ernst zu nehmen, dass er am andern Tag bereits historische Untersuchungen anstellt, ist lächerlich. Denn damit ist die Hauptlehre, die jeder Tag giebt, verwirkt, “das Leben ist abzuleiden” “es ist eine Busse.” In der Hauptsache d. h. gerade in dem, was die Gesammtschätzung des Lebens betrifft, kann kein Ereigniss etwas wesentlich Neues lehren und einer, der vor ein Paar tausend Jahren lebte, kann ebenso weise sein wie einer, der die Geschichte dieser 2000 Jahre zu Hülfe nimmt. Für den Menschen, der das Dasein ableidet, ist Geschichte nichts: er findet überall dasselbe Problem, das jeder Tag ihm zeigt. Sie ist aber etwas für den Thätigen, Unweisen, der alles noch zu hoffen hat, der nicht resignirt, der kämpft—der braucht Geschichte als Exempla dessen, was Einer erreichen kann, wie Einer geehrt werden kann, besonders aber als Tempel des Ruhms. Sie wirkt vorbildlich und stärkend.

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Nun aber die Geschichte als Wissenschaft! Da handelt es sich also um Gesetze, die Personen kommen wenig in Betracht, Muth und Begeisterung sind hier nicht mehr zu gewinnen, sie stören vielmehr. Vorausgesetzt dass sich Gesetze finden liessen, so bekämen wir als Resultat den Determinismus und der Thätige würde mit Gewalt wieder zu einem Leidenden gemacht, ohne dass eine moralische Empfindung ihn zur Resignation brächte. Zudem sind die Gesetze wenig werth: weil sie aus den Massen und deren Bedürfnissen abgeleitet sind, also als Bewegungsgesetze der niederen Lehm- und Thonschichten. Die Dummheit und der Hunger sind immer dabei, wie bei jedem französischen Criminalprozess la femme. Wozu sollte man auch solche Gesetze wissen, da ja Jedermann, ohne sie zu kennen, schon Jahrtausende hindurch, nach ihnen gehandelt hat! Der starke und grosse Mensch hat sich immer, wider diese Gesetze, durchgeschlagen: von ihm sollte eigentlich allein die Rede sein. Die Massen sind nur zu betrachten einmal 1) als verschwimmende Copien der grossen Männer, auf schlechtem Papier und mit abgenutzten Platten 2) als Widerstand gegen die Grossen 3) als Werkzeug der Grossen. Im Übrigen hole sie der Teufel.

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Die Statistik beweist dass es Gesetze in der Geschichte giebt. Ja, sie beweist, wie gemein und ekelhaft uniform die Masse ist. Ihr hättet einmal in Athen Statistik treiben sollen! Da würdet ihr den Unterschied gefühlt haben! Je niedriger und unindividueller eine Masse ist, um so strenger das statistische Gesetz. Ist die Menge feiner und edler zusammengesetzt, geht sofort das Gesetz zum Teufel. Und ganz hoch oben, bei den grossen Geistern, könnt ihr gar nicht mehr rechnen: z. B. wann haben die grossen Künstler geheirathet! Hoffnungslos ihr, die ihr da ein Gesetz suchen wollt. Also: so weit es Gesetze giebt in der Geschichte, sind sie nichts werth und ist die Geschichte d. h. das, was geschehen ist, nichts werth.

Überdies: was heisst denn hier “Gesetze”? Stehen sie irgendwie gleich einem Naturgesetz oder einem Rechtsgesetz? Es sagt doch nicht “ihr sollt,” sondern “leider war es so.” Es ist der Ausdruck eines dummen faktischen Verhältnisses, bei dem Niemand mehr nach dem Warum? fragen darf. “Hier werden jährlich c. 40 Ehen geschlossen”—Warum denn so viel und nicht 80? “Es ist nun einmal nicht anders”!— Sehr belehrend! Wir danken.

Es giebt aber eine Richtung, welche die grossen Massentriebe als das Wichtige betrachtet und alle grossen Männer nur als den Ausdruck, gleichsam das sichtbar werdende Bläschen auf der Wasserfluth betrachtet. Da soll die Masse aus sich heraus das Grosse, das Chaos aus sich heraus die Ordnung gebären. Am Ende wird natürlich der Hymnus auf die gebärende Masse angestimmt; es lebe die Geschichte!

Eine andre Richtung will alles in Betracht ziehn, was “eine historische Macht” gewesen ist und schätzt darnach “das Grosse” ab: “Gross” heisst, was historisch nachhaltig gewirkt hat. Das heisst recht Quantität und Qualität verwechseln. Wenn die plumpe Masse irgend einen Gedanken, eine Religion sich recht adäquat gefunden hat und ihn zäh vertheidigt: soll der Finder und Gründer jenes Gedankens “gross” sein! Warum doch! Das Edelste und Höchste wirkt gar nicht auf die Massen: und der historische Erfolg des Christenthums beweist glücklicherweise nichts über seinen Gründer, da es im Grunde gegen ihn beweisen würde: hier scheint aber das Ursprüngliche ganz verloren gegangen zu sein und der Name für Tendenzen der Massen und vieler ehrsüchtig-egoistischen Einzelnen geblieben zu sein.

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Vergötterung des Erfolgs ist recht der menschlichen Gemeinheit angemessen. Wer aber nur einen einzigen Erfolg einmal genau studirt hat, weiss, was für Faktoren (Dummheit, Bosheit, Faulheit usw.) immer mitgewirkt haben, und nicht als die schwächsten Faktoren. Es ist toll, dass der Erfolg mehr werth sein soll als die unmittelbar vorher noch bestehende schöne Möglichkeit! Gar aber in der Geschichte die Verwirklichung des Guten und Rechten sehen ist Blasphemie gegen das Gute und Rechte. Diese schöne Weltgeschichte ist, um Heraklitisch zu reden, “ein wirrer Kehrichthaufen”! Das Kräftige schlägt sich durch, das ist das allgemeine Gesetz: wenn es nur nicht so oft gerade das Dumme und das Böse wäre!

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Luther: “Cicero, ein weiser und fleissiger Mann, hat viel gelitten und gethan.”

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Der Engländer über Berlin: “in Berlin, wer nicht Geschmack hat an Bierstuben und Weinstuben, er sei arm oder reich, er lebt und stirbt armselig.”

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Die schreckliche Übung, Charactere und Individuen zu begreifen und somit aus ihrem Lebensnerv zu rechtfertigen, scheint vielleicht auf Gerechtigkeit zu beruhen und auf Gerechtigkeit gegen die Zeitgenossen hinzuwirken. Dem steht entgegen, dass wir gerade an den Zeitgenossen die fatalste Uniformität fordern und am wenigsten gerecht gegen die mannigfachen Charactere sind. Der geübteste Historiker ist, der Zeit gegenüber, “un personnage haineux,” und ist ungerecht oder blasirt.

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Der wissenschaftliche Stand ist eine Art Clerus und missachtet die Laien; er ist der Erbe des geistlichen Clerus, ohne diese vererbte Ehrfurcht würde schwerlich unsere Zeit so die Wissenschaften pflegen. Was man früher der Kirche gab, giebt man jetzt, obzwar spärlicher, der Wissenschaft: dass man aber giebt, hat einstmals die Kraft der Kirche bewirkt, die noch jetzt, in dem wissenschaftlichen Clerus, nachwirkt. Und gerade Geschichte zu treiben ist immer noch eine verkappte Theologie, als Lehre von dem Wirken Gottes oder des Vernünftigen. Bemächtigt sich der Menge die Meinung, Geschichte sei ein Wust und keine Wissenschaft, so ist es aus mit ihrer Förderung.

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Die verfluchte Volksseele! Wenn wir von deutschem Geiste reden, so meinen wir die deutschen grossen Geister, Luther, Goethe, Schiller und einige Andere, nicht den mythologischen Phantom der vereinigten Ungeistermasse, in der Besser wäre es schon, von lutherartigen Menschen usw. zu reden. Wir wollen vorsichtig sein, etwas deutsch zu nennen—. zunächst ist es die Sprache, diese aber als Ausdruck des Volkscharacters zu fassen, ist eine reine Phrase und bis jetzt bei keinem Volke möglich gewesen, ohne fatale Unbestimmtheiten und Redensarten. Griechische Sprache und griechisches Volk! Das bringe Einer zusammen! Überdies steht es ähnlich wie bei der Schrift: das allerwichtigste Fundament der Sprache ist eben nicht griechisch, sondern wie man jetzt sagt, indogermanisch. Schon besser steht es mit Stil und Mensch. Von einem Volke Prädikate auszusagen, ist immer sehr gefährlich: zuletzt ist alles so gemischt, dass erst immer später eine Einheit wieder an der Sprache sich einfindet oder eine Illusion der Einheit sich an ihr einstellt. Ja Deutsche! Deutsches Reich! Das ist etwas, Deutschsprechende ist auch etwas. Aber Race-Deutsche! Das Deutsche als künstlerische Stileigenschaft ist erst noch zu finden, wie bei den Griechen der griechische Stil erst spät gefunden ist: eine frühere Einheit gab es nicht, wohl aber eine schreckliche.

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Gegen die Parallele der Geschichte mit Jugend, Mannesalter und Greisenalter: auch nicht die Spur Wahrheit daran! Ein fünf-sechs Jahrtausende ist gar nichts und vor allem keine Einheit, weil immer wieder neue Völker hinzukommen und alte in einen Winterschlaf verfallen. Zuletzt aber handelt es sich gar nicht um Völker, sondern um Menschen, die Nationalität ist zumeist nur die Consequenz starrer Regierungsmassregeln, d. h. einer Art Züchtung durch umschliessende Gewalt und Bändigung, nebst Nöthigung, sich zu heirathen und mit einander zu sprechen und zu leben.

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Christlich ausgedrückt: so ist der Teufel der Regent der Welt und dabei wird es im Wesentlichen bleiben. Aber jetzt sagt man gebildeter: das System miteinander kämpfender Egoismen: wobei man an den Wald denkt, der so gleichförmig und regelmässig wächst, weil alle Bäume nur ihren Egoismus befriedigen.

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1) Die Gefahr des Monumentalen, das, zusammengeschleppt aus allen Zeiten, den suchenden Instinkt verwirrt und schwächt. So auch die Kenntniss aller Verhältnisse und Gesellschaftsschichten: hätte sie der Bauer, was würde er wohl mit dem Pfluge anfangen!

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Eine Bändigung des unbegrenzten historischen Sinnes ist nöthig: und thatsächlich besteht eine schon, die aber nicht nöthig ist, die Bändigung durch den nüchternen uniformirten Zeitgeist, der sich überall sucht und zu finden glaubt, und die Geschichte auf sein Maass herunterschraubt. Ein solches Herunterschrauben nehme ich wahr bei Cicero (Mommsen), Seneca (Hausrath), Luther (Protestantenverein) usw. In andrer Art bändigte und streckte Hegel die Geschichte, er, der recht eigentlich der deutsche “Genius der Historie” zu nennen ist; denn er fühlte sich auf der Höhe und am Ende der Entwicklung und damit auch im Besitz aller ehemaligen Zeiten, als deren ordnender. Jeder Versuch, das Gegenwärtige als das Höchste zu begreifen, ruinirt die Gegenwart, weil er die vorbildliche Bedeutung des Geschichtlichen leugnet. Die schrecklichste Formel ist die Hartmannsche “sich dem Weltprozess hinzugeben.”

Wohin es führt, die Geschichte als einen Prozess anzusehen, zeigt E. von Hartmann p. 618 (woraus mir der ungeheure Erfolg klar wird). Die historische Ansicht verbrüdert sich hier mit dem Pessimismus: nun sehe man die Consequenzen! Die Lebensalter des Einzelnen bieten die Analogie, die gar nicht schmeichelhafte Schilderung der Gegenwart erweckt nur den Schluss, dass es noch schlimmer kommt und dass dies der nothwendige Process sei, dem man sich hinzugeben habe. Zur Analogie dient ein recht gemeines Menschenkind, dessen Mannesalter es zur “gediegenen Mittelmässigkeit” und zu einer Kunst bringt, die ihm durchschnittlich etwa das ist, “was dem Berliner Börsenmann etwa Abends die Posse ist.” Er nimmt vor allem “auf eine bedächtig in die Zukunft schauende praktisch wohnliche Einrichtung in der irdischen Heimath Bedacht.” Dabei eine Art von sauersüssem Imperativ: “Unbarmherzig und grausam ist dieses Handwerk der Zerstörung der Illusion, wie der rauhe Druck der Hand, der einen süss Träumenden zur Qual der Wirklichkeit erweckt; aber die Welt muss vorwärts; nicht erträumt werden kann das Ziel, es muss erkämpft und errungen werden, und nur durch Schmerzen geht der Weg zur Erlösung.” Nur ist unbegreiflich, wie der Process, dessen Mannesalter vorhin geschildert wurde, endlich “in eine Periode der reifen Beschaulichkeit eintritt, wo sie die ganzen wüst durchstürmten Leiden ihres vergangnen Lebenslaufes mit wehmüthiger Trauer in Eins fassend überschaut und die ganze Eitelkeit der bisherigen vermeintlichen Ziele ihres Strebens begreift.” p. 625f. Wenn aber die Menschheit als eine Art Leopardi ihr Greisenalter erleben soll, so müsste sie edler sein als sie ist und vor allem ein anderes Mannesalter haben, als Hartmann ihr ertheilt. Der Greis, der einem solchen Mannesalter entspräche, würde sehr ekelhaft sein und würde mit widriger Gier am Leben hängen, in die gemeinsten Illusionen mehr als je verstrickt.

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Hartmann ist wichtig, weil er den Gedanken eines Weltprozesses todtmacht, dadurch dass er consequent ist. Um ihn zu ertragen, legt er als zu Grunde die bewusste Erlösung und Freiheit von Illusionen und das Wählen des Unterganges. Aber das Ende der Menschheit kann jeden Augenblick durch eine geologische Umwälzung da sein: und jene Illusionslosigkeit setzte eine höhere Entwicklung der moralischen und intellectuellen Kräfte voraus: was ganz unwahrscheinlich ist: vielmehr dürften, wenn diese alt würden, die Illusionen nur immer mächtiger werden und das Greisenalter mit einem Kindisch-werden schliessen. Tröstlich ist somit das letzte Resultat keinesfalls und könnte gewiss nicht als bezeichnet werden. So wie er das Mannesalter schildert, nimmt überdies die Fähigkeit, das Dasein als Problem zu nehmen, immer mehr ab und das Bedürfniss nach Erlösung wird immer geringer. Wir wollen uns ja aller Constructionen der Menschheitsgeschichte enthalten und überhaupt nicht die Massen betrachten, sondern die überall hin zerstreuten Einzelnen: diese bilden eine Brücke über den wüsten Strom. Diese setzen nicht etwa einen Prozess fort; sondern sie leben gemeinsam und gleichzeitig, Dank der Geschichte, die ein solches Zusammenwirken zulässt.

Es ist die “Genialen-Republik.” Die Aufgabe der Geschichte ist, zwischen ihnen zu vermitteln und so immer wieder zur Erzeugung des Grossen und Schönen Anlass zu geben und Kraft zu verleihen. Das Ziel der Menschheit kann nicht am Ende liegen, sondern in den höchsten Exemplaren, die, zerstreut durch Jahrtausende, zusammen alle höchsten Kräfte, die in der Menschheit verborgen sind, repräsentiren.

Überdies: Weltprozess!! Es handelt sich doch nur um die Lumperei der menschlichen Erdflöhe!

Hartmann sagt p. 637. “So wenig es sich mit dem Begriff der Entwicklung vertragen würde, dem Weltprozess eine unendliche Dauer in der Vergangenheit zuzuschreiben, weil dann jede irgend denkbare Entwicklung bereits durchlaufen sein müsste, was doch nicht der Fall ist (!!!), ebensowenig können wir dem Prozess eine unendliche Dauer für die Zukunft zugestehen; beides höbe den Begriff der Entwicklung zu einem Ziele auf und stellte den Weltprozess dem Wasserschöpfen der Danaïden gleich. Der vollendete Sieg des Logischen über das Unlogische muss also mit dem zeitlichen Ende des Weltprozesses, dem jüngsten Tage zusammenfallen (!!).”

Von diesem Hartmannschen “Weltprozess” flüchtet man gern zu dem demokritischen Atomengewirr und zur Darwinistischen Lehre vom Bestehen des Lebensfähigen unter den zahllosen Combinationen. Hier ist doch noch ein Platz für die grossen Individuen, sei es auch dass ein Zufall sie herausgeschleudert. Bei Hartmann ist die Willensverneinung eine Verirrung und die Bejahung des Lebens die eigentliche Pflicht. Zuletzt sollen gar die Majoritäten auf der Erde für die Vernichtung und die Rückkehr in’s Nichts abstimmen!

Dagegen unsre Lehre, dass das Bewusstsein nur durch immer höhere Illusionen gefördert und entwickelt wird. Wir stehen deshalb mit unserm “Bewusstsein” so niedrig (verglichen etwa mit den Griechen), weil unsre Illusionen niedriger und gemeiner sind, als die ihrigen. Diesen Fortschritt zur Gemeinheit bin ich nicht im Stande, einen Fortschritt zum “Mannesalter” zu nennen. Dächte man die Illusionen verschwinden, so verdunstet das Bewusstsein bis zur Pflanze. Illusionen sind übrigens nur der Ausdruck für einen unbekannten Sachverhalt. Die Menschheit zur Blasirtheit zu führen ist das Hartmannsche Ziel: dann allgemeiner Selbstmord: von der Majorität der Menschen ausgeführt! Dann kippt die Welt um und versinkt wieder ins Meer des Nichts. Aufgabe der nächsten Generationen, durch Hingabe an den Weltprozess d. h. Bejahung des Willens zum Leben die Blasirtheit einzuleiten!

Ekelhaftes Buch, eine Schande für die Zeit! Wie unendlich reiner, höher und sittlicher wirkt Schopenhauers Pessimismus! Diese Hartmannsche Philosophie ist die Fratze des Christenthums, mit ihrer absoluten Weisheit, ihrem jüngsten Tag, ihrer Erlösung usw. Die Speculation auf den Effect der monströsen Paradoxie, verbunden mit dem laissez faire, war nie toller. Die David-Straussische Gegenwart wird in den Weltprozess eingeordnet, findet ihre Stelle und wird also justificirt. Daher der Erfolg bei der Litteraten-Masse (das heisst nämlich jetzt “Erfolg” überhaupt: die vermögen es schon, das Publikum zum Kaufen aufzureizen!).

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Der Hegelsche “Weltprozess” verlief sich in einen fetten preussischen Staat mit guter Polizei. Das ist alles verkappte Theologie, auch bei Hartmann noch. Wir vermögen aber Anfang und Ende nicht zu denken: so lassen wir doch diese “Entwicklung” auf sich beruhen! Es ist sofort lächerlich! Der Mensch und der “Weltprozess”! Der Erdfloh und der Weltgeist!

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Wozu die Menschen da sind, wozu “der Mensch” da ist, soll uns gar nicht kümmern: aber wozu Du da bist, das frage dich: und wenn Du es nicht erfahren kannst, nun so stecke Dir selber Ziele, hohe und edle Ziele und gehe an ihnen zu Grunde! Ich weiss keinen besseren Lebenszweck als am Grossen und Unmöglichen zu Grunde zu gehen: animae magnae prodigus.

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  1. Schilderung des historischen Sinns, zuletzt mit seinem Extrem, dem Weltprozess und daraus abgeleiteten Moralgesetz.
  2. Innere Gründe dieser Hypertrophie des historischen Sinns.
  3. Bedeutung der Historie für eine Cultur.

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Das Historische in der Erziehung. Der junge Mensch wird durch alle Jahrtausende gepeitscht, das wurde der Grieche und Römer nicht. Dazu politische Geschichte für Jünglinge! Die nichts von einem Kriege, nichts von einer Staatsaktion, von Handelspolitik, Machtfragen usw. verstehen können! So geht der moderne Mensch durch Galerien, so hört er Concerte! Das klingt anders als jenes, fühlt er, und das nennt er dann “historisches Urtheil.”— Die Masse ist so gross, dass Abstumpfung die Folge sein muss. Das Schreckliche und Barbarische dringt hinzu, im Übermaass, und wo ein feineres Bewusstsein da ist, muss das Gefühl eins sein: Ekel. Dazu wird der junge Mensch seiner Heimat entfremdet und lernt an allen Sitten und Begriffen zweifeln. Es war in jeder Zeit anders: “es kommt nicht darauf an, wie du bist.” Je nach dem, wird jetzt der Mensch sich zum Schlimmen oder Guten (d. h. Grossen) lösen: “So geht frei, aber gefährlich, ohne Gängelband.” Glücklicher Weise ist der Sinn der Jugend meist so stumpf, dass gar nichts wesentlich herauskommt, ausser einer unklaren Betäubung; es fehlt die starke Phantasie und dazu sind die einströmenden Massen zu gewaltig, es wird alles überfluthet.

Ein solches Maass von Historie ist für Niemanden nöthig, wie die Alten zeigen, ja im hohen Grade gefährlich, wie die Neueren zeigen.

Nun der historische Student! Ein ganz isolirtes Capitelchen der Vergangenheit hat er erforscht: jetzt ist er Diener der Wissenschaft, der Wahrheit, jetzt ist es vorbei mit aller Bescheidenheit, er ist fertig! Der gelehrte Dünkel hindert die höhere Erziehung. Ich betrachte junge Doktoren der Geschichte als Menschen, welche in der Bildung nicht bis drei zählen können und meistens auch nie zählen werden: denn sie sind bereits “produktiv”! Herr Je!

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Alles “objectiv” nehmen, über nichts zürnen, nichts lieben, alles “begreifen”—das heisst jetzt “historischer Sinn.” Die Regierungen fördern einen solchen Sinn ebenso gern, als sie die Hegelei gefördert haben; denn er macht gefügig und schmiegsam. Vor allem aber ist die ganze Presse darin erzogen: man zürnt und ärgert sich nur noch “artistisch,” übrigens ist man “blasirt” und “versteht” alles: tout comprendre c’est tout pardonner: aber man “verzeiht” nicht, man justificirt alles. Selbst nicht gebunden, leugnet der historische Journalist alle Bande: er lässt sie nur im utilitarischen Sinne bestehn.

Es soll nicht mehr das Zeitalter der harmonischen Persönlichkeit sein, sondern das der “gemeinsamen Arbeit.” Das heisst doch nur: die Menschen, bevor sie fertig sind, werden in der Fabrik gebraucht. Aber seid überzeugt, in Kurzem ist die Wissenschaft ebenso ruinirt, wie die Menschen dieser Fabrikarbeit. Die “gediegene Mittelmässigkeit” wird immer mittelmässiger, der Mensch ist weiser als irgend ein Mensch in einem Punkt und in allen andern dümmer als irgend ein ehemaliger Gelehrter: in summa aber unendlich dünkelhafter. System der Kärrner, die das Genie als überflüssig dekretiren: man wird es euren Bauten ansehen, dass sie zusammengekarrt, nicht zusammengebaut sind. Dem, der ewig “Arbeitstheilung!” “In Reih und Glied” usw. im Munde hat, ist klärlich und voll zu sagen: wollt ihr die Wissenschaft möglichst schnell fördern, so werdet ihr sie auch möglichst schnell vernichten: wie auch die Henne zu Grunde geht, die ihr künstlich zum allzuschnellen Eierlegen zwingt. Gut, die Wissenschaft ist in den letzten Jahrzehnden schnell gefördert: aber seht euch die Gelehrten, die erschöpften Hennen an. Es sind wahrhaftig keine “harmonischen” Naturen mehr: nur gackern können sie mehr als je, aber die Eier sind auch kleiner als je. Daher nun auch die beliebte “Popularisirung” der Geschichte für “gemischtes Publikum.” Das wird den Gelehrten so leicht, weil sie selbst, von einem ganz kleinen Bereiche abgesehn, “sehr gemischtes Publikum” sind und dessen Bedürfnisse in sich tragen. Sie brauchen sich nur einmal bequem im Schlafrock hinzusetzen, so gelingt es ihnen, auch ihr kleines Studienbereich jenen gemischt-populären Bedürfnissen aufzuschliessen: für diesen Bequemlichkeits-Akt affichirt man den Namen “bescheidne Herablassung des Gelehrten zum Volk,” während im Grunde der Gelehrte nur zu sich, so weit er nicht Gelehrter, sondern Pöbel ist, herabstieg. Schafft erst ein Volk—das könnt ihr euch nie edel und hoch genug denken! Euer “gemischtes Publikum” kann man sich aber nicht leicht gemein genug denken!

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Zum Schlusse. Wenn ihr durch diese Betrachtung unmuthig geworden seid, so kann euch der Autor sagen, dass er dies vorausgesehen hat: etwas aber, was er nicht voraussehen kann, ist, wohin ihr nun jenen Unmuth richten werdet: ob nämlich gegen den Autor oder gegen euch selbst. Im letzteren, gewiss seltnen Falle, werdet ihr am besten thun, den Autor ganz zu vergessen: was kommt auch darauf an, wer eine Wahrheit sagt: wenn sie nur überhaupt gesagt wird und solche da sind, die sie zu Herzen nehmen. Geschrieben habe ich für beide Classen und, wie ich hoffe, deutlich genug.

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In der ganzen Welt redet man nicht vom Unbewussten, weil es seinem Wesen nach ungewusst ist; nur in Berlin redet und weiss man etwas davon und erzählt uns, worauf es eigentlich abgesehn ist. Nämlich darauf, dass unsre Zeit gerade so sein muss wie sie ist, wenn die Menschheit dieses Dasein einmal satt bekommen soll: was wir von Herzen glauben—während nur E. von H es weiss.— Was David Strauss als naive Thatsächlichkeit hinnimmt, wird bei H nicht nur von hinten, ex causis efficientibus gerechtfertigt, sondern sogar von vorn, ex causa finali: von dem jüngsten Tage her lässt H das Licht über unsre Zeit strahlen, und da findet sich, dass sie sich dem Mannesalter der Menschheit nähert, jenem beglückten Zustande, wo es nur noch gediegene Mittelmässigkeit, Kunst von der Art, wie sie der Berliner Börsenmann am Abend braucht, wo die “Genies kein Bedürfniss der Zeit mehr sind, weil es hiesse, die Perlen vor die Säue werfen oder auch weil die Zeit über das Stadium, welchem Genie’s gebührten, zu einem wichtigeren hinweggeschritten ist” (p. 619). Wir wünschten, wir hätten uns verschrieben; aber ich habe nur abgeschrieben. Moral: es steht ganz und gar erbärmlich, es wird noch erbärmlicher kommen, aber es muss so stehen, es muss so kommen, “sichtbar greift der Antichrist weiter und weiter um sich” (p. 610). Aber wir sind auf dem besten Wege mit dem allem: “darum rüstig vorwärts im Weltprozess als Arbeiter im Weinberge des Herrn, denn der Prozess ist es allein, der zur Erlösung führen kann” p. 638. Errathen wir den Sinn des H, wenn wir in ihm den ironischen Farceur wittern, der ein für allemal die Vorstellung vom “Weltprozess” der Lächerlichkeit preisgeben will? In diesem Sinne haben wir selten eine lustigere Erfindung und eine philosophischere Schelmerei gelesen: aber das gesammte Litteratenthum hat nicht recht hingehört und nur seine eigene Rechtfertigung im apokalyptischen Lichte darin gefunden, so dass ihm entgangen ist, dass H geradezu die Weltprozess-Philosophie als eine Philosophie für zeitgenössisches Strolchthum geschrieben hat. Das ist der eigentliche Reiz bei allen Erfindungen H’s: der Wissende fühlt, dass er es gar nicht ernsthaft meint, ausser so weit es nöthig ist, die Unwissenden zu biederem Ernste zu verführen.

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Grillparzer “jeder Mensch hat zugleich seine Separat-Nothwendigkeit, so dass Millionen Richtungen parallel, in krummen und geraden Linien nebeneinander laufen, sich durchkreuzen, fördern, hemmen, vor- und rückwärtsstreben, und dadurch für einander den Character des Zufalls annehmen, und es so, abgerechnet die Einwirkungen der Naturereignisse, unmöglich machen, eine durchgreifende, alle umfassende Nothwendigkeit des Geschehenden nachzuweisen.”

Übrigens wäre nur das Abgeschlossne Fertige Todte zu studiren, weil die letzten belehrenden Consequenzen sichtbar werden.— Geschichte als “Weltsystem von Irrthümern und Leidenschaften.” Negative Lehre: wovor man sich zu hüten hat.

Grillparzer: “es ist etwas Eigenes um das Aufblühen und Verwelken der Völker. In jedem ist eine hervorstechende Kraft, die heilsam wirkt, solange sie Hindernisse zu besiegen hat, nach diesem Siege aber sich gegen sich selbst kehrt.

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Wenn ein Stoiker und ein Epicureer eins werden, dann verschwören sie sich, Cäsar zu ermorden.

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Die Fakta selbst werden als “unmittelbare Ausflüsse des Weltgeistes” betrachtet, nur sie allein hätten deshalb die nöthige Würde und Tiefe, deshalb solle die tragische Kunst sich der Geschichte unterordnen. Lächerlich! Der Geschichte! “Was ist denn Geschichte anders als die Art, wie der Geist des Menschen diese ihm undurchdringlichen Begebenheiten aufnimmt; das, weiss Gott ob Zusammengehörige, verbindet; das Unverständliche durch etwas Verständliches ersetzt; seine Begriffe von Zweckmässigkeit nach Aussen einem Ganzen unterschiebt, das wohl nur eine nach innen kennt; und wieder Zufall, wo tausend kleine Ursachen wirkten. Was anders ist die Geschichte! Was anders als das Werk der Menschen! Da es nun aber nicht die Begebenheiten, sondern ihre Verbindung und Begründung ist, worauf es dem Dichter ankommt, so lasst ihn in Gottes Namen sich auch seine Begebenheiten selbst erfinden, wenn er anders dazu Lust hat.”

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Wie man vom Schauspieler gesagt hat, seine Kunst habe drei Stufen: “eine Rolle verstehen, eine Rolle fühlen und das Wesen einer Rolle anschauen,” und nur alles dreies den wahren Schauspieler macht: so wird man anders vom historisch grossen Menschen sagen: er schaut vor allem das, was zu thun ist, seine Mission, als eine Summe von lauter einzelnen anschaulichen Fällen, selten fühlt er die Einheit aller dieser Fälle als seine Mission und am seltensten versteht er seine Mission. Aber der Historiker folgt ihm auf den Fersen und kann alles dreies.

29 [64]

Ungar und der Hegelsche Professor.

Die Geschichte als “der sich selbst realisirende Begriff, mit nachweisbarer Nothwendigkeit und zu immerwährendem Fortschritt. Sie bekommt dadurch “einen theoretischen Heiligenschein,” sie ist “das Wandeln Gottes auf der Erde, welcher Gott aber seinerseits erst durch die Geschichte gemacht wird.” Da möchte ich fast dem Spanier Juan Huart beistimmen, der von den Deutschen sagt, sie hätten ein starkes Gedächtniss und wenig Verstand; ihr Verstand wäre immer wie der Verstand der Betrunknen, weil ihnen die viele Feuchtigkeit, womit ihr Gehirn und ihr übriger Körper ausgefüllt sind, nicht verstatte in die Natur der Dinge einzudringen.” Auch wird man daran erinnert, dass er ihnen grosse Erfindungskraft in Uhrwerken, Wasserkünsten und mechanischen Kunststücken zuschreibt und wäre geneigt, ein solches sich selbst realisirendes Begriffs-Uhrwerk in diese Reihe zu stellen.

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Grillparzer eifert “gegen den in neuerer Zeit prätendirten Nutzen der Litterargeschichte selbst für die praktische weitere Fortbildung der Litteraturzweige und zählt sie vielmehr jenen mitunter gefährlichen Bestrebungen zu, die, indess sie einerseits die Masse der oberflächlichen Kenntnisse, will sagen: Notizen vermehren, auf der anderen Seite den Gesichtskreis in’s Unermessliche erweitern, so dass endlich jene innere Concentration immer schwieriger wird, ohne die eine That oder ein Werk nicht möglich wird. Im Mangel dieser Concentration liegt aber der Fluch unserer Zeit.”

Wir empfinden mit Abstraction, sagt Grillparzer. Wir wissen kaum mehr, wie sich die Empfindung bei unsern Zeitgenossen äussert; wir lassen sie Sprünge machen, wie man sie heut zu Tage nicht mehr macht. Shakespeare hat uns Neueren alle verdorben.— Wer wird an die Wahrheit der Empfindung eines Heine glauben! Etwa so wenig ich an die eines E. von Hartmann glaube. Aber sie reproduciren mit einem ironischen Hange, in der Manier grosser Dichter und grosser Philosophen: wobei sie im Grunde eine satirische Richtung haben und ihre Zeitgenossen verspotten, die sich gerne etwas vorlügen lassen, in Philosophie und Lyrik, und daher mit ihren neugierigen Brillenaugen ernsthaft zusehen, um sofort die historische Rubrik zu finden, wo diese neuen Genie’s ihren Platz haben: Goethe und Heine, Schopenhauer und Hartmann! Es lebe der feine “historische” Sinn der Deutschen!

29 [66]

Alles redet fortwährend vom Volksgeist, vom Unbewussten, von den Ideen in der Geschichte usw., aber für die Gegenwart kommt nichts dabei heraus. Man scheint nur zu schätzen, was aus dem tiefsten Borne des Volksgeistes unbewusst entspringt und praktisch macht man alles, möglichst bewusst und leider möglichst ungeschickt, nach: englischen Parlamentarismus, französische Moden und englische Krämermoral und französische, ja internationale Fortschritt-Phraseologien, dazu Gemälde aller Zeiten und Völker, und das Befremdende gilt nun einmal dem modernen Deutschen als der schönste Luxus. Man denke sich Freitag an der Siegessäule: was für Gefühle schwellen ihn an! Dann steht es freilich bei uns, wie der Schalk Hartmann erzählt, dass wir uns “seit dem letzten Jahrhundert jenem idealen Zustande nähern, wo das Menschengeschlecht seine Geschichte mit Bewusstsein macht” (p. 291); wir ahnen sogar den noch idealeren Zustand, wo die Menschheit mit ihrer Geschichte und mit dem Weltprozess überhaupt ein Ende macht und sich sammt der Welt “in’s Nichts zurückschleudert,” vielleicht nach telegraphischer Verständigung über den Erdball hin, dass dafür die Majorität (s. p. 640) gewonnen sei und mit der polizeilichen Verordnung, dass nächsten Samstag Abends pünktlich 12 Uhr die Welt untergehen soll, die überstimmte Minorität mit eingeschlossen. “Von morgen an wird keine Zeit mehr sein”: wozu Hartmann der Schalk citiren würde Offenbarung Johannis 10,6 (s. Philosophie des Unbewussten, p. 637).

Derselbe Schalk bezeichnet als die “vierte und letzte” Phase der socialen Entwicklung die freie Association: der Arbeiter ist zur Reife zu erziehen, diese Erziehung (durch Schultze-Delitzsch’sche Vereine, bessere Schulbildung, Arbeiterbildungsvereine usw.) zu üben, das ist die wichtigste sociale Aufgabe der Gegenwart. p. 296: “Das Endziel dieser socialen Entwicklung würde das sein, dass jeder bei einer Arbeitszeit, die ihm für seine intellectuelle Ausbildung genügende Musse lässt, ein comfortables Dasein führe.”

29 [67]

Hartmann und Heine sind unbewusste Ironiker, Schalke gegen sich selbst: Kant leugnet zwar, dass jemand sich selbst belügen könne.

29 [68]

“In die Zukunft schauen ist schwer, sagt Grillparzer in die Vergangenheit rein zurückblicken, noch schwerer. Ich sage rein, d. h. ohne von dem, was in der Zwischenzeit sich begeben oder herausgestellt hat, etwas in den Rückblick mit einzumischen.”

Grillparzer: “Der Grundfehler des deutschen Denkens und Strebens liegt in einer schwachen Persönlichkeit, zufolge dessen das Wirkliche, das Bestehende nur einen geringen Eindruck auf den Deutschen macht.”

29 [69]

Innerlichkeit—nach aussen Unehrlichkeit. Philosophie.

29 [70]

Polybios sagt “gleichwie ein Thier durch den Verlust der Augen durchaus untauglich wird, so ist die der Wahrheit beraubte Geschichte nichts als eine unnütze Erzählung.”

“Geschichte die Vorbereitung auf die Staatsverwaltung und die vorzüglichste Lehrerin, weil sie durch Erinnerung an die Unfälle Anderer die Abwechslungen des Glücks standhaft zu ertragen uns ermahne.”

29 [71]

Wie sich die kriegerischen Leit- und Lärmartikel der Kölnischen Zeitung während des letzten Krieges zu einer Demosthenischen Rede verhalten, so verhält sich dieses ausgeblasene Präparat, der historische Fiebermann, zu den historischen Thatenmännern. Ein Zeitungsredacteur mit der tyrtäischen Schlachttrompete ist eben so komisch als Demosthenes als Leitartikelschreiber. Wer etwas ordentliches thun will, muss vorempfinden und nicht nachempfinden und darf sich überhaupt nicht umsehn.

29 [72]

Hegel “wenn der Geist einen Ruck macht, da sind wir Philosophen auch dabei.” In der Philosophie ist es der Geist eines Volkes, der Geist einer Zeit, der sich darin zum Bewusstsein kommt. Nun da wird wohl auch bei Hartmann etwas von dem ironischen Bewusstsein zu finden

Gott soll “der in allen Völkergeistern thätige allgemeine Geist der Menschheit” sein, die Erhebung zum Genuss der Idee an und für sich soll Religion sein. Hegel: “die allgemeine Weltgeschichte, deren Begebenheiten die Dialektik der besonderen Völkergeister,—die er auf Fläschchen hat,—das Weltgericht darstellt.” “Dass der Geschichte und zwar wesentlich der Weltgeschichte ein Endzweck an und für sich zum Grunde liege und derselbe wirklich in ihr realisirt worden sei und werde—der Plan der Vorsehung—dass überhaupt Vernunft in der Geschichte sei, muss für sich selbst philosophisch und damit als an und für sich nothwendig ausgemacht werden.” “Eine Geschichte ohne solchen Zweck und ohne solche Beurtheilung wäre nur ein schwachsinniges Ergehen des Vorstellens, nicht einmal ein Kindermährchen, denn selbst die Kinder fordern in den Erzählungen ein Interesse, das ist einen wenigstens zu ahnden gegebnen Zweck und die Beziehung der Begebenheiten und Handlungen auf denselben.” Schluss: jede Erzählung muss einen Zweck haben, also auch die Geschichte eines Volkes, die Geschichte der Welt. D. h. Weil es “Weltgeschichte” giebt, muss auch im Weltprozess ein Zweck sein. D. h. wir fordern Erzählungen nur mit Zwecken: aber wir fordern gar keine Erzählungen vom Weltprozess, weil wir es für Schwindel halten, davon zu reden. Dass mein Leben keinen Zweck hat, ist schon aus der Zufälligkeit seines Entstehens klar; dass ich einen Zweck mir setzen kann, ist etwas anderes. Aber ein Staat hat keinen Zweck: sondern nur wir geben ihm diesen oder jenen.

29 [73]

Zur Mythologie des Historischen. Hegel “was einem Volke geschieht und innerhalb desselben vorgeht, hat in der Beziehung auf den Staat seine wesentliche Bedeutung; die blossen Particularitäten der Individuen sind am entferntesten von jenem der Geschichte angehörigen Gegenstand.” Der Staat ist aber immer nur das Mittel zur Erhaltung vieler Individuen: wie sollte er Zweck sein! Die Hoffnung ist, dass bei der Erhaltung so vieler Nieten auch einige mit geschützt werden, in denen die Menschheit kulminirt. Sonst hat es gar keinen Sinn, so viele elende Menschen zu erhalten. Die Geschichte der Staaten ist die Geschichte vom Egoismus der Massen und von dem blinden Begehren, existiren zu wollen: erst durch die Genien wird dieses Streben einigermassen gerechtfertigt, insofern sie dabei existiren können. Particular- und Collectiv-Egoismen im Kampf mit einander—ein Atomenwirbel der Egoismen—wer wird da nach Zwecken suchen wollen!

Durch das Genie kommt bei jenem Atomenwirbel doch etwas heraus und jetzt denkt man milder über das Sinnlose jenes Treibens: etwa als ob ein blinder Jäger viele hundert Male umsonst schiesst und endlich, aus Zufall, einen Vogel trifft. Endlich kommt doch was dabei heraus, sagt er sich und schiesst weiter.

29 [74]

Hegel “das Interesse einer Biographie scheint direkt einem allgemeinen Zwecke gegenüber zu stehen, aber sie selbst hat die historische Welt zum Hintergrunde, mit welchem das Individuum verwickelt ist.” Daher also die Entschuldigungstitel “Demosthenes und seine Zeit” usw. Wenn es 10 Biographien aus Einer Zeit giebt, so hat man zehn Mal dasselbe: Buchmacherei! Über den “Geist der Zeit des Ambrosius und sogar—mit Lichter zu reden—etwas über die individuelle Paticularität Ambrosius, soweit sie mit dem Hintergrunde dieser Zeit verwickelt ist.”

Übrigens wäre alles ganz schön, wenn es nur nicht so absurd wäre, von “Weltgeschichte” zu reden: gesetzt es gäbe einen Weltzweck, so wäre es unmöglich ihn zu wissen, weil wir Erdflöhe und nicht Weltregierer sind. Jede Vergötterung der abgezogenen Allgemeinbegriffe, Staat, Volk, Menschheit, Weltprozess hat den Nachtheil, die Bürde des Individuums kleiner zu machen und seine Verantwortung zu erleichtern. Wenn es auf den Staat ankommt, dann liegt wenig am Einzelnen: wie jeder Krieg zeigt. In’s Moralische gewendet: wer dem Menschen den Glauben nimmt, dass er etwas Fundamental-Werthvolleres sei als alle die Mittel zu seiner Existenz, der macht ihn schlechter. Die Abstracta sind seine Erzeugnisse, seine Mittel zur Existenz—nichts mehr, nicht seine Herren. Es muss ihm als dem moralischen Wesen, jederzeit erlaubt sein, im Kampfe gegen übermächtig werdende, zu Zwecken umgedeutete Mittel zu Grunde zu gehen, d. h. Märtyrer zu werden: um nicht propter vitam vitae perdere causas.

29 [75]

Was der Mensch als Ursache und Wirkung in einander greifen sieht, ist er geneigt, als Mittel und Absicht zu verbinden. Schiller: “eine Erscheinung nach der andern fängt an, sich dem blinden Ohngefähr, der gesetzlosen Freiheit zu entziehen und sich einem übereinstimmenden Ganzen—das freilich nur in seiner Vorstellung vorhanden ist—als ein passendes Glied einzureihen.” Ich stelle als allgemeinen Kanon auf, die Geschichte der Völker mit Anwendung eines Minimums von Geist und Absicht, im Ganzen rein materiell, nach Analogie von stossenden Atomencomplexen, zu erklären. Schwerkraft Dummheit.— Gegen die Mythologie.

29 [76]

Gewiss ist das Bedürfniss des Umgangs mit grossen Vorgängern das Zeichen einer höheren Anlage, aber eben so sehr hat Goethe Recht, dass ein Lump freilich ein Lump bleibt und dass eine kleinliche Natur durch einen selbst täglichen Verkehr mit der Grossheit antiker Gesinnung um keinen Zoll grösser werde. Wenn aber solche kleinliche Naturen nun gar noch mit vergangnen Kleinheiten und Schlechtigkeiten vertraut umzugehen lernen und in der Geschichte die Wirkungen des Kleinen mit Vorliebe herausspüren, so werden sie von Tag zu Tag immer koboldartiger, schadenfroher, tückischer und treiben ihre üble Behendigkeit zum Ärgerniss aller Rechten und Grossen.

29 [77]

Wie sehr das historische Wissen tödtet, hat Goethe einmal ausgedrückt. “Hätte ich so deutlich wie jetzt gewusst, wie viel Vortreffliches seit Jahrhunderten und Jahrtausenden da ist, ich hätte keine Zeile geschrieben, sondern etwas anderes gethan.”

29 [78]

Goethe: “unsre Zeit ist so schlecht, dass dem Dichter im umgebenden menschlichen Leben keine brauchbare Natur mehr begegnet. Um sich nun aufzuerbauen, griff Schiller zu zwei grossen Dingen: zu Philosophie und Geschichte.”

Goethe “eigentlich ist es nicht mein Bestreben, in den düstern Regionen der Geschichte bis auf einen gewissen Grad deutlicher und heller zu sehn—Niebuhr war es eigentlich und nicht die römische Geschichte, was mich beschäftigte. So eines Mannes tiefer Sinn und emsige Weise ist eigentlich das, was uns auferbaut. Die sämmtlichen Ackergesetze gehen mich eigentlich gar nichts an, aber die Art, wie er sie aufklärt, wie er mir die complicirten Verhältnisse deutlich macht, das ist’s, was mich fördert, was mir die Pflicht auferlegt, in den Geschäften, die ich übernehme, auf gleiche gewissenhafte Weise zu verfahren.”

Goethe an Lavater “Resultate und Abstractionen mag ich nicht, Geschichte und Einzelheiten will ich nicht.”

29 [79]

Goethe “Schiller erscheint hier, wie immer, im absoluten Besitz seiner erhabnen Natur; er ist so gross am Theetisch, wie er es im Staatsrath gewesen sein würde. Nichts geniert ihn, nichts engt ihn ein, nichts zieht den Flug seiner Gedanken herab; was in ihm von grossen Ansichten lebt, geht immer frei heraus, ohne Rücksicht und ohne Bedenken. Das war ein rechter Mensch, und so sollte man auch sein!”

29 [80]

Mit der historischen Bildung steht es wie mit der Gelehrsamkeit.

Lichtenberg sagt “ich glaube, dass einige der grössten Geister, die je gelebt haben, nicht halb so viel gelesen hatten und bei weitem nicht so viel wussten, als manche unserer mittelmässigen Gelehrten. Und mancher unserer sehr mittelmässigen Gelehrten hätte ein grösserer Mann werden können, wenn er nicht so viel gelesen hätte.”

Lichtenberg “sollte es nicht sehr viel besser um das menschliche Geschlecht stehen, wenn wir gar keine Geschichte, wenigstens keine politische, mehr hätten? Der Mensch würde mehr nach den jedesmaligen Kräften handeln, die er hat; da jetzt hier und da das Exempel, gegen einen, den es bessert, Tausende schlimmer macht.”

Goethe “Wer sich von nun an nicht auf eine Kunst oder Handwerk legt, der wird übel daran sein. Das Wissen fördert nicht mehr, bei dem schnellen Umtrieb der Welt; bis man von allem Notiz genommen hat, verliert man sich selbst.”

29 [81]

Durch die historischen Studien ist der Gegensatz von “Gebildet” und “Ungebildet” in die Welt gekommen: was hat der produktive Geist dabei verloren! Es ist unaussprechlich! Er hat das Zutrauen zu seinem Volk verloren, weil er dessen Empfindung gefälscht und verfärbt weiss. Mag auch diese Empfindung bei einem kleinen Theile feiner und edler geworden sein: das entschädigt ihn nicht, denn er redet dann gleichsam zu einer Sekte und fühlt sich nicht mehr nothwendig in seinem Volke. Er vergräbt seinen Schatz lieber, weil er einen Ekel empfindet, von einer Classe anspruchsvoll patronisirt zu werden, während sein Herz voll ist von Mitleid mit Allen. Es ist mit den Religionen zu Ende, wie mit den Künsten, wenn es nicht einem blitzenden Gotte gelingt, jene Mauer niederzuwerfen.

29 [82]

Die Zahl der jährlich erscheinenden historischen Schriften? Dazu noch zu rechnen, dass fast die ganze Alterthumswissenschaft noch hinzugehört! Und überdiess in fast allen Wissenschaften beinahe die überwiegende Masse Schriften historisch ist, ausgenommen die Mathematik und einzelne Disciplinen der Medecin und Naturwissenschaft.

Ich wundere mich immer, dass die Menschen nicht einen Widerwillen gegen sich bekommen, wenn sie immer das Vergangne betrachten. Aber neben einander steht das historische Fieber und die grösste augenblickliche Eitelkeit.

29 [83]

Goethe Natur.
Gesetzt es wäre wahr—dann fehlt der Wahn:
bei grossen Dingen,
die nie ohn’ ein’gen Wahn gelingen.

29 [84]

“Nur durch eine erhöhte Praxis, sagt Goethe, sollten die Wissenschaften auf die äussere Welt wirken; denn eigentlich sind sie alle esoterische und können nur durch Verbesserung irgend eines Thuns exoterisch werden. Alle übrige Theilname führt zu nichts.— Dass man auch die übrige Welt dazu beruft und ihr davon Notiz giebt, wie es in der neueren Zeit geschieht, ist ein Missbrauch und trägt mehr Schaden als Nutzen.”

Goethe “Durchaus aber bleibt ein Hauptkennzeichen, woran das Wahre vom Blendwerk am sichersten zu unterscheiden ist: jenes wirkt immer fruchtbar und begünstigt den, der es besitzt und hegt; dahingegen das Falsche an und für sich todt und fruchtlos daliegt, ja sogar wie eine Nekrose anzusehen ist, wo der absterbende Theil den lebendigen hindert die Heilung zu vollbringen.”

29 [85]

“Brav, meiner Treu, Nachbar Schlehwein! Seht ihr, der liebe Gott ist ein guter Mann; wenn ihrer zwei auf Einem Pferde reiten, so muss schon einer hinten aufsitzen.”

29 [86]

“Fragen Sie sich selbst, sagt Hume, oder jeden ihrer Bekannten, ob sie die letzten zehn oder 20 Jahre ihres Lebens noch einmal zu durchleben wünschten. Nein! Aber die nächsten 20 werden besser sein, sagen sie —

And from the dregs of live hope to recive,
What the first sprightly running could not give.”

Das Elend treibt die Menschen in die Zukunft, das Elend treibt sie in eine frühere Vergangenheit, um sich daran das relative Glück der Gegenwart zu demonstriren oder sich zu trösten, dass andern es doch einmal gut gegangen. Der Trieb nach Glück ist es, der die Menschen abhält, die Lehre ihres Tages, Resignation, zu finden; da das Glück nicht da ist, muss es offenbar kommen, schliessen sie, oder dagewesen sein. Oder es ist schon da, verglichen mit dem früheren Unglück usw. Was jeden Menschen vorwärts treibt, treibt sie alle vorwärts: sie benutzen die Geschichte zum Glücklicherwerden in der Zukunft.

Es giebt zwei Betrachtungsarten des Vergangnen: für die eine genügt jeder Zeitraum, jedes Volk, jeder Tag; die andre ist unersättlich, weil sie nirgends die Antwort findet, die sie sucht: wie sich’s glücklich lebt. Nach der ersten lebt der Weise, nach der zweiten, der historischen, der Unweise, thätige Mensch. Nun giebt es eine Art, Geschichte zu treiben, die die Menschen hindert, thätig zu sein, ohne sie zur Resignation zu bringen. Das ist unsere Manier.

David Hume “diese Welt ist, im Vergleiche mit einem höhern Maassstabe, sehr gebrechlich und unvollkommen. Sie war nur der erste rohe Versuch einer noch jugendlichen Gottheit, welche nachher dieselbe aus Schaam über die misslungne Arbeit im Stiche liess: sie ist vielleicht nur das Werk irgend einer abhängigen Untergottheit und der Gegenstand des Hohngelächters höherer Wesen: vielleicht ist sie die Geburt des Alters und der Schwachheit, einer der Last der Jahre unterliegenden Gottheit und hat, seit dem Tode derselben, nach dem ersten Anstosse und der von ihr mitgetheilt erhaltenen Thätigkeit, sich auf gut Glück fortbewegt.”

Hume: “wenn ein Fremder plötzlich auf unsere Erdkugel verschlagen würde, so würde ich, um ihm ein Vorbild ihrer Leiden zu geben, demselben ein mit Krankheiten angefülltes Hospital zeigen, oder ein Gefängniss, das von Missethätern oder Schuldnern überladen ist, oder ein Schlachtfeld mit Leichen übersäet, eine untergehende Flotte auf der See, eine Nation, die unter Tyrannei, Hungersnoth und Pest dahinschmachtet. Um ihm die fröhliche Seite des Lebens zu zeigen und ihm einen Begriff von den Vergnügungen desselben zu geben—wohin soll ich ihn führen? Auf einen Ball, in eine Oper, an einen Hof? Mit Recht würde er glauben, ich wollte ihm nur eine andre Art von Kümmernissen und Sorgen zeigen.”

29 [87]

Jemanden über den Sinn des Erdenlebens aufzuklären—das eine Ziel; jemanden im Erdenleben festzuhalten und mit ihm zahlreiche kommende Generationen (wozu es nöthig ist, ihm die erste Betrachtung vorzuenthalten)—das ist das andre Ziel. Das erste sucht nach einem Quietiv für das Wollen, das zweite auch: das erste findet es in der nächsten Nähe und ist bald satt am Dasein, das andre ist unersättlich und schweift in jede Ferne.

Bei der zweiten Art sollte eigentlich die Vergangenheit immer nur pessimistisch betrachtet werden—um nämlich die Gegenwart relativ erträglich zu finden. Jedoch wieder nicht so pessimistisch, dass sie jene erste Lehre von der Werthlosigkeit gäbe, sondern so, dass sie zwar schlechter ist als die Gegenwart, und der Gegenwärtige mit ihr nicht tauschen mag, aber doch einen Fortschritt in sich zeigt, eben zur Gegenwart hin, damit der Glaube bekräftigt werde, dass das Glück bei einem weitern Fortschreiten zu erreichen sei. Je nachdem also eine Zeit ihr eignes Elend erkennt, um so dunkler wird sie die Vergangenheit zeichnen, je weniger, um so heller. Und die Glücklichen d. h. die Behaglichen werden alles Vergangene im fröhlichen Lichte sehn, die Gegenwart aber im fröhlichsten. Aber überhaupt wird der Trieb, rückwärts zu sehen, um so stärker sein, je grösser die Noth der Gegenwart: für die fröhlich-thätigen Zeiten ist Geschichte wenig nöthig und wird, für die Behäbigen, sogar zum Luxus.

Bei uns ist nun der historische Trieb ausserordentlich stark wie noch nie: und trotzdem ist die Überzeugung von dem Glück der Gegenwart eben so stark. Ein Widerspruch! Hier scheint das natürliche Verhältniss zu fehlen.

Man denke an Livius’ Ziel, an Tacitus, an Macciavell—Flucht vor der Gegenwart und Trost—oft genügt schon die Betrachtung, dass es einmal anders war, oft dass es ebenso war, oft dass es besser war.

Unsre Zeit dagegen capricirt sich auf die objective Geschichtsschreibung, das heisst Geschichte als Luxus: und verräth das allergrösste Behagen an sich selbst.

Geschichte treiben ist zum luxuriirenden Triebe geworden: deshalb soll man sich der Nöthe bewusst werden und damit ein naturgemässes Verhältniss von Geschichte und gegenwärtiger Noth herstellen.

Wie kommt es, dass das Nothgefühl so schwach geworden ist? Von der schwachen Persönlichkeit.

Der luxuriirende historische Trieb macht diese aber immer schwächer.

29 [88]

Es giebt zwei Arten das Vergangne zu betrachten, und wenn ich die eine die historische, die andre die unhistorische nenne, so will ich doch damit die erstere nicht gelobt, die letztere noch weniger etwa getadelt haben. Nur wolle man mit der zweiten nicht die schlecht-historische verwechseln, d. h. die erste in ihrer Entartung oder Unreife. Die unhistorische Art der Betrachtung findet in jedem Zeitmoment, jedem Erlebniss, unter jedem Himmel und jedem Volke, den Sinn des Menschenlebens überhaupt: und wie alle Sprachen die gleichen Bedürfnisse des Menschen ausdrücken, so scheint dem unhistorischen Betrachter jener allen Geschichten im Grossen und Kleinen zu Grunde liegende Ursinn von innen heraus hellseherisch erleuchtet, so dass die mannichfachen Hieroglyphen ihn nichts mehr kümmern: Bettler und Fürst, Dorf und Stadt, Griechen und Türken—alle lehren über das Dasein das Gleiche. Solche Betrachtung ist bei uns selten: wir fordern Historie, wie wir den geschichtlichen Völkern und Personen soweit den Vorzug geben, dass wir die anderen verachten. Am Ganges leben nach unserer Meinung schwach gewordene, in heissem Clima und Trägheit überdrüssige Menschen; wir werfen ihnen die schwache Persönlichkeit vor und erklären ihre unhistorische Betrachtungsart als Zeichen der Stagnation. Vielleicht aber ist auch unsere Forderung geschichtlicher Menschen und Völker nur ein occidentalisches Vorurtheil. Gewiss ist wenigstens, dass die Weisen aller Zeiten so unhistorisch gedacht haben und dass durch Jahrtausende von historischen Erlebnissen auch keinen Schritt breit mehr Weisheit zu erlangen ist. Die folgende Untersuchung aber wendet sich an die Unweisen und Thätigen, um zu fragen, ob nicht gerade unsre jetzige Manier Geschichte zu treiben erst recht der Ausdruck schwacher Persönlichkeiten ist: während wir doch mit dieser Manier so weit als möglich von jenem unhistorischen Betrachten und Weisewerden entfernt sind. —

Nehmen wir an, die historische Untersuchung vermöchte in Betreff von etwas Lebendigem die Wahrheit zu erreichen, z. B. in Betreff des Christenthums: dann hätte sie jedenfalls den Wahn zerstört, der um alles Lebendige und Thätige, wie eine Atmosphaere, sich breitet,—nämlich

“bei allen grossen Dingen,
“die nie ohn’ einigen Wahn gelingen.”

Man hätte durch die Beseitigung des Wahns, z. B. in Betreff der Religion, die Religiosität bei sich selbst, d. h. die productive Stimmung, zerstört und hätte ein kaltes leeres Wissen, nebst dem Gefühle der Enttäuschung in den Händen zurück behalten.

29 [89]

Wer einmal nicht mehr in jedem Sperling, der vom Dache fällt, das Walten eines persönlichen Gottes sieht, der wird viel besonnener sein, weil er jetzt keine mythologischen Wesen, wie die Idee, das Logische, das Unbewusste usw. an dessen Stelle setzt, sondern den Versuch macht, mit einer blinden Weltbeherrscherin das Bestehen der Welt verständlich zu machen. Mag er also einmal von Naturzwecken absehn, noch mehr von dem Zwecke, den ein Volksgeist, oder gar den ein Weltgeist zu erfüllen habe. Wage er es, den Menschen als ein zufälliges Ohngefähr, als ein unbeschütztes und jedem Verderben preisgegebenes Nichts zu betrachten: von hier aus gelingt es ebenfalls den Willen des Menschen zu brechen, wie von dem einer göttlichen Regierung. Der historische Sinn ist nur eine verkappte Theologie “wir sollen es noch einmal herrlich weit bringen!” Ein Endzweck schwebt dem Menschen vor. Das Christenthum, das die Menschheit verdammt und seltne Exemplare herausnimmt, ist deshalb durch und durch unhistorisch, weil es leugnet, dass bei den folgenden Jahrtausenden etwas herauskäme, was nicht jedem jetzt schon und seit 1800 Jahren zu Gebote stünde. Wenn trotzdem die gegenwärtige Zeit durch und durch historisch gesinnt ist, so giebt sie zu verstehen, dass sie nicht mehr von dem Christenthum niedergehalten ist, dass sie wieder unchristlich ist, wie sie es vor ein Paar Jahrtausenden war.

29 [90]

I. Historisch—Unhistorisch.
II. Monumental—Antiquarisch.
III. Wirkungen der Hypertrophie.
IV. Ursachen derselben. Hartmann als Illustration zum Schluss.
V. Die schwache Persönlichkeit. Deshalb ist jener Trieb zu bezwingen, er ruht auf einer Schwäche.
(Mythologie der Geschichte.)
Mittel gegen das historische Fieber:
1) Keine Geschichte?
2) Leugnung aller Zwecke: das Atomengewirr.
3) Goethe Naturwissenschaft.
4) Pflege des unhistorischen Sinns: Philosophie—Religion —
Kunst. Seher: Zukunft.

29 [91]

Viele Schwachen machen noch nichts Furchtbares: wohl aber viele Dummen, die geben den Esel in concreto, ein furchtbares Thier. Dumm ist die Zeit nicht.

Starker, freue dich der Kraft.

29 [92]

Wenn solche Historiker wie Ranke allgemein werden, belehren sie nicht: solche Sätze wusste man längst vor ihrer Arbeit: sie erinnern an das unsinnige Experimentiren, über das Zöllner in den Naturwissenschaften klagt.

29 [93]

Mirabeau: si j’ai dit la vérité, pourquoi ma vehémence en l’exprimant, diminuerait elle de son prix?

29 [94]

— Der Weg, auf den die Blindheit der letzten Generationen hintreibt, ist der, an dessen Ende, nach einem wahren Wort des Herrn von Stein, “die Juden die herrschende Klasse, der Bauer ein Lump und der Handwerker ein Pfuscher sein wird: wo alles aufgelöst sein wird und nur das Schwert herrscht.”

29 [95]

Niebuhr (fere): “zu einer Sache wenigstens ist die Geschichte, klar und ausführlich begriffen, nutz: dass man weiss, wie auch die grössten und höchsten Geister unsres menschlichen Geschlechts nicht wissen wie zufällig ihr Auge die Form angenommen hat, wodurch sie sehen, und wodurch zu sehen sie von Jedermann gewaltsam fordern, gewaltsam nämlich, weil die Intensität ihres Bewusstseins ausnehmend gross ist. Wer dies nicht ganz bestimmt und in vielen Fällen weiss und begriffen hat, den unterjocht die Erscheinung eines mächtigen Geistes, der in eine gegebene Form die höchste Leidenschaftlichkeit bringt: ist der Leser unreif, so bewirkt das unmittelbare Anschauen des täglichen intellectuellen Lebens eines Mächtigen in seiner Seele den gleichen Nachtheil, den Romanlecture für ein schwaches Mädchen hat.”

29 [96]

“Objectivität des Historikers” ist ein Unsinn. Man meint, es bedeute, dass ein Ereigniss in allen seinen Motiven und Folgen so rein angeschaut werde, dass es keine Wirkung mehr thut, nämlich ein reiner intellectueller Process bleibt: wie die Landschaft für den Künstler, der sie nur darstellt. “Interesseloses Anschauen,” ein ästhetisches Phänomen, Abwesenheit aller Willensregungen. Mit “objectiv” ist also ein Zustand im Historiker gemeint, die künstlerische Beschaulichkeit: ein Aberglaube aber ist es, dass das Bild, das die Dinge in einem solchermassen gestimmten Menschen zeigen, das wahre Wesen der Dinge offenbare. Oder meint man, dass in jenem Zustande die Dinge sich förmlich abphotographiren, meint man, es sei ein rein passiver Zustand? Im Gegentheil: es ist die eigentliche Zeugungszeit des Kunstwerks, ein Compositionsmoment allerhöchster Art: der Einzelwille schläft dabei. Das Gemälde ist künstlerisch wahr, gewiss noch nicht historisch; es sind die facta nicht, sondern deren Gewebe und Zusammenhang, der hier hinzugedichtet ist und der zufällig wahr sein kann: ist er aber falsch, immer noch “objectiv.”

Objectiv Geschichte denken ist die stille Arbeit des Dramatikers: alles an einander denken, alles Vereinzelte zum Ganzen zu weben: überall mit der künstlerischen Voraussetzung, dass der Plan, der Zusammenhang darin sei: eine Voraussetzung, die gar nicht empirisch-historisch ist und aller “Objectivität,” wie man sie gewöhnlich versteht, widerstreitet. Dass der Mensch die Vergangenheit überspinnt und bändigt, ist Kunsttrieb: nicht Wahrheitstrieb. Die vollkommene Form einer solchen Geschichtsschreibung ist rein Kunstwerk: ohne einen Funken der gemeinen Wahrheit.

Ist es erlaubt, dass alles küntlerisch betrachtet werde? Für das Vergangne wünsche ich vor allem die moralische Abschätzung. Also eine bedenkliche Verwechslung des Künstlerischen und des Moralischen: wodurch das Moralische abgeschwächt wird.

Nun aber ist meistens jene Objectivität nur eine Phrase, weil die künstlerische Potenz fehlt. An Stelle jener künstlerischen Ruhe tritt die schauspielerische Affectation der Ruhe: der Mangel an Pathos und moralischer Kraft kleidet sich als überlegne Kälte der Betrachtung. In gemeineren Fälle tritt die Banalität, und Allerweltsweisheit, die allerdings gar nichts Aufregendes hat, an Stelle der künstlerischen Interesselosigkeit. Alles Nichtaufregende wird gesucht —

Wo nun gerade das Höchste und Seltenste behandelt wird, da ist die gemeine und flache Motivation empörend, wenn sie aus der Eitelkeit des Historikers herstammt. (Swift: “jeder Mann hat gerade soviel Eitelkeit, als es ihm am Verstande mangelt.”)

Soll der Richter kühl sein? Nein: er soll nicht parteiisch sein, nicht Nutzen und Schaden für sich im Auge haben. Vor allem muss er wirklich über den Parteien stehen. Ich sehe nicht ein, weshalb ein Spätgeborner schon deshalb Richter aller früher Gebornen sein solle. Die meisten Historiker stehen unter ihren Objecten!

Man nimmt jetzt an: der, den ein Moment der Vergangenheit gar nichts angeht, sei berufen ihn darzustellen: Philologen und Griechen verhalten sich meistens so zu einander: sie gehen sich nichts an. Das nennt man auch “Objectivität”: selbst zum Photographiren gehört, ausser Object und Platte, das Licht: doch meint man, es genüge Object und Platte. An strahlendem Sonnenlicht fehlt es: im besten Falle glaubt man, dass das Oellicht der Studirstube genüge.

Ganz unbesonnene Menschen glauben überhaupt dass sie und ihre Zeit, in allen Popularansichten, Recht habe: wie jede Religion es von sich glaubt. Sie nennen “Objectivität” das Messen vergangner Meinungen an den Allerweltsmeinungen, in denen sie den Canon aller Wahrheiten suchen. Übersetzung der Vergangenheit in die Trivialität der Gegenwart ist ihre Arbeit. Feindselig sind sie gegen jede Geschichtsschreibung, die diese Popularmeinungen nicht für kanonisch hält: das soll “subjectiv” sein!

Nur aus der höchsten Kraft der Gegenwart dürft ihr das Vergangne deuten: nur in der höchsten Anspannung werdet ihr errathen, was in dem Vergangnen wissenswürdig ist. Gleiches durch Gleiches! Sonst seid ihr verloren, sonst zieht ihr das Vergangne zu euch nieder. Glaubt einer Geschichtsschreibung nicht, wenn sie nicht in den Händen der seltensten Geister ist: ihr werdet es immer merken, welcher Qualität ihr Geist ist, wenn einmal ein allgemeiner Satz ausgesprochen wird. Es kann Keiner zugleich ein grosser Historiker und ein Flach- oder Duselkopf sein. Verwechselt mir aber die Arbeiter nicht: z. B. les historiens de Ms. Thiers wie man in Frankreich naiver sagt. Ein grosser Gelehrter und zugleich ein Flachkopf—das ist möglich!

Also: Geschichte bedarf der Thätige, Geschichte schreibt der Erfahrne! Wer nicht Einiges grösser und höher erlebt hat als alle, wird auch nichts aus der Vergangenheit zu deuten vermögen.— Der Spruch der Vergangenheit ist immer ein Orakelspruch: nur als Seher in die Zukunft, als Wissende der Gegenwart werdet ihr ihn deuten. Man erklärt jetzt die Wirkung Delphi’s besonders daraus, dass diese Priester genaue Kenner des Vergangnen waren: jetzt geziemt sich zu wissen, dass nur der, welcher die Zukunft baut, ein Recht habe, die Vergangenheit zu richten: als Seher nur ist er Historiker. Die Gegenwart ist schlecht und, nur eine Linie.

29 [97]

  1. Keine Betrachtung des Vergangnen. Thier—Leopardi.
  2. Monumental—Antiquarisch.
  3. “Objectivität.”
  4. Hypertrophie aus Schwäche.
  5. Wirkungen.
  6. Erziehung darin.
  7. Mythologie der Historie.
  8. Ursachen.
  9. Hartmann.
  10. Reaction—Atomengewirr.
  11. Gegenmittel.
  12. Maassstab der zukünftigen Historiker.

29 [98]

Die Heerde weidet an uns vorüber: sie fühlt keine Vergangenheit, springt frisst ruht verdaut, springt wieder und so vom Morgen bis zur Nacht und von Tag zu Tage, kurz angebunden mit ihrer Lust und Unlust, nämlich an den Pflock des Augenblicks: so dass der Mensch sie sehend seufzen muss und sie anreden möchte, wie Giacomo Leopardi im Nachtgesang des Hirten in Asien:

Ach wie muss ich dich beneiden!
Nicht nur weil frei du scheinest
Beinah von allen Leiden,
Mühsal, Verlust, die schlimmste
Beängstigung im Augenblick vergessend —
Mehr noch, weil nie der Überdruss dich quälet!

Wir seufzen aber über uns, dass wir das Vergangne nicht los werden können: während es uns scheinen will, als ob das Thier glücklich sein müsse, weil es überdrüssig wird, sofort vergisst und fortwährend den erlebten Augenblick in Nebel und Nacht zurückweichen sieht. So geht es auf in der Gegenwart, wie eine Zahl in einer andern ohne Rest aufgeht, und erscheint ais das ganz und gar, was es ist, in jedem Moment, ohne alle Schauspielerei und absichtliches Verbergen. Wir dagegen leiden alle an dem dunkeln und unauflöslichen Reste des Gewesenen und sind etwas anderes als was wir erscheinen, fühlen uns ergriffen, die Heerde oder, in vertrauterer Nähe, das Kind zu sehen, das noch ohne dieses Leiden zwischen den beiden Thoren der Vergangenheit und Zukunft in allzu kurzer und allzu seliger Blindheit spielt, ja vielleicht nur zu spielen scheint, wir scheuen uns sein Spiel zu stören und es aus der Vergessenheit zu wecken—weil wir wissen, dass mit dem Wort “es war” das Leiden und der Kampf beginnt und das Leben als ein unendliches Imperfectum inaugurirt wird: zuletzt drückt der Tod auf diese Erkenntniss, dass das Dasein ein ewiges Imperfectum ist—als ewiges Gewesensein—, sein Siegel, indem er zwar das begehrte Vergessen bringt, aber die Gegenwart und Dasein selbst dabei unterschlägt.

Wir müssen also das Vergangne betrachten—das ist nun einmal Menschenloos: unter diesem harten Joche hart zu werden soll keinem erspart sein, und wenn einer sehr hart geworden ist, bringt er es vielleicht sogar so weit, das Menschenloos eben wegen jenes Nichtvergessenkönnens zu preisen, eben deshalb weil das Vergangne in uns nicht sterben kann und uns mit der Unruhe eines Gespenstes rastlos weiter treibt, die ganze Stufenleiter alles dessen hinauf, was die Menschen gross, erstaunlich, unsterblich göttlich nennen.

29 [99]

Dass die gewöhnliche Geschichtsschreibung als angenehm gilt, führe ich auf denselben Grund zurück, aus dem eine gewöhnliche Unterhaltung als angenehm gilt: ihr Character ist aus Höflichkeit und Lüge zusammengesetzt.

29 [100]

Diejenige Betrachtung der Geschichte ist die beste, welche die fruchtbarste ist, aber für das Leben. Was nützt es, die Ursachen streng zu sammeln, daraus das Factum herzustellen und so zu mortificiren! Bei einer anderen Betrachtung hätte es noch lebendig weiterzeugen können: sobald es als Resultat der Rechnung erscheint, wirkt es nicht mehr, sondern vergeudet alle Kräfte in der Erklärung seiner selbst.

29 [101]

Antiquarisch—Monumental.
Alle Gefahren beider vereinigt in der “Objectivität.”
Welche Menschen dadurch an die Historie gekommen sind —
Allgemeine Hypertrophie dadurch eingetreten.
Niebuhr—Goethe fanden kein Verhältniss; Niebuhr siegte. Das mag gut sein, des Nationalen wegen: aber jetzt ist die höchste Zeit zurück zu gehen.

29 [102]

Einwirkung auf’s Leben.

Natürliche Bedingungen bei Monumentalem und Antiquarischem.

Historie als Luxus—Einwirkung rein negativ.

Diese Triebe bringen Gefahren für die Wahrheit der Geschichte mit sich: deshalb hat man sie exstirpiren wollen: aber jetzt hat Historie keinen Sinn.

  1. Nachmachen—nicht nachmachen—Resultat: Assimilation. Gesichtspunkt des Monumentalen.

    Verehren, Dank: Resultat Treue—Motiv des Antiquarischen—Pietät. “Es war einmal so” “Trost.”
  2. Historie ohne alle subjectiven Anlässe, ohne Nachahmung, Pietät, gegenwärtige Noth.

    Höchste Schätzung des Wahren ein Characteristikum der Zeit: Kant—Lüge.

    Jetzt reines Begreifen, ohne Beziehung zum Leben—übernimmt die Ausartung des Antiquarischen (das Todte ohne Verehrung) und des Monumentalen (das Lebende ohne Nachahmung).

    Schilderung der Objectivität.

  3. Von welchen Trieben lebt dieser Luxus (da die natürlichen fehlen).
    Motive der Hypertrophie.
  4. Consequenzen solcher Historiker für die Historie selbst. Neue Mythologie.
  5. Consequenzen für das Volk, Kunst usw. Politik, Religion.
  6. Letzte Consequenz für das Moralische—Hartmann.
  7. Heilmittel: Historie kein Luxus.

29 [103]

Was bedeutet Historie für die Bildung einer Cultur?

Sie warnt und räth ab: sie ist gleich dem Dämonion zu benutzen: sonst nicht.

29 [104]

Historie ohne Nachahmung (ohne sich dem Grossen zu unterwerfen), ohne Pietät (ohne die Atmosphaere des Lebendigen zu schonen), ohne gegenwärtige Noth

29 [105]

Niebuhr schreibt 1796, dass es mit Deutschland’s Litteratur sichtbarlich auf die Neige gehe, dass Schiller und Goethe schlimmer als todt seien “soll Voss allein stehen bleiben?” Als Grund wird zunächst angeführt “der gewöhnliche Naturgang, der sich durchgängig bewiesen hat bei allen Völkern.” “Mich freuts die Erbitterung über den heurigen Schillerschen Almanach mit Baggesen zu theilen.”

29 [106]

Hölderlin “du wirst durchaus finden, dass jetzt die menschlichen Organisationen, Gemüther, welche die Natur zur Humanität am bestimmtesten gebildet zu haben scheint, dass diese jetzt überall die unglücklicheren sind, eben weil sie seltener sind als sonst in anderen Zeiten und Gegenden. Die Barbaren um uns her zerreissen unsre besten Kräfte, ehe sie zur Bildung kommen können, und nur die feste tiefe Einsicht dieses Schicksals kann uns retten, dass wir wenigstens nicht in Unwürdigkeit vergehen. Wir müssen das Treffliche aufsuchen, zusammenhalten mit ihm, so viel wir können, uns im Gefühle desselben stärken und heilen und so Kraft gewinnen; das Rohe, Schiefe, Ungestalte nicht nur im Schmerz, sondern als das, was es ist, was seinen Character, seinen eigenthümlichen Mangel ausmacht, zu erkennen.”

29 [107]

Hölderlin, “auch ich, mit allem guten Willen, tappe mit meinem Thun und Denken diesen einzigen Menschen (den Griechen) in der Welt nur nach und bin in dem, was ich treibe und sage, oft nur um so ungeschickter und ungereimter, weil ich wie die Gänse mit platten Füssen im modernen Wasser stehe und unmächtig zum griechischen Himmel emporflügle.”

29 [108]

Den grössten Nutzen, wenn sich alles (pythagoreisch) wiederholte: dann müsste man die Vergangenheit und Constellation kennen, um die Wiederholung genau zu erkennen. Nun wiederholt sich nichts.

29 [109]

Man klagt, dass der Cosmopolitismus vorüber sei: in der Geschichte besteht er, als Residuum: aber die Voraussetzung, die universale Pietät ist verloren, der Wunsch überall zu helfen.

29 [110]

Goethe an Sch “Sie haben ganz Recht, dass in den Gestalten der alten Dichtkunst, wie in der Bildhauerkunst, ein Abstractum erscheint, das seine Höhe nur durch das, was man Styl nennt, erreichen kann. Es giebt auch Abstracta durch Manier, wie bei den Franzosen.”

29 [111]

Epische und dramatische Behandlung des Vergangenen. Schiller: “der epische Dichter schildert uns bloss das ruhige Dasein und Wirken der Dinge nach ihren Naturen; sein Zweck liegt schon in jedem Punkte der Bewegung; darum eilen wir nicht ungeduldig zu einem Ziele, sondern verweilen mit Liebe bei jedem Schritte.”

29 [112]

Goethe “es ist doch nur die Neigung, die alles sehen kann, was das Kunstwerk enthält, und die reine Neigung, die dabei noch sehen kann, was ihm mangelt.”

Goethe “es ist lustig zu sehen, was diese Menschenart eigentlich geärgert hat, was sie glauben, dass einen ärgert, wie schaal leer und gemein sie eine fremde Existenz ansehen, wie sie ihre Pfeile gegen das Aussenwerk der Erscheinung richten, wie wenig sie auch nur ahnen, in welcher unzugänglichen Burg der Mensch wohnt, dem es nur immer Ernst um sich und um die Sachen ist.”

29 [113]

Die Pietät für das Vergangene geht so weit, dass die Griechen den hieratischen Stil neben dem freien und grossen duldeten, mit den spitzen Nasen und dem Lächeln: später wurde daraus eine Feinschmeckerei. So die antiquarische Manier gegenüber der monumentalen.

29 [114]

Antiquarisch.— Pietät gegen das, woraus oder worin wir sind. Heiligende Macht der Persönlichkeit—Urväterhausrath und Gemeindeinstitutionen bekommen Würde und erregen eifriges Nachforschen. Das Kleine, das Beschränkte wird geadelt—frauenhaft—das Idyllische gefunden. Überall Zeugnisse von braver treuer fleissiger Sinnesart.

Schäden: alles Vergangne gleich wichtig genommen, keine Beziehung aufs Leben als bewahrend, nicht schaffend, das Lebendige zu Gunsten des Verehrten (Hieratischen) unterschätzt. Mangel an Urtheil, alles Vergangene liegt wie eine bunte Jagdbeute da. Hindert den kräftigen Entschluss, lähmt den Handelnden, der immer die Pietät verletzt. Der ehrwürdige “Alte”; de mortuis nil nisi bene. Die ältesten Sitten, Religionen usw. rechtfertigen sich durch Alter und verwirren alle Werthabschätzungen: weil sie die viele Sympathie, die die Griechen ihnen geschenkt haben, zusammenrechnen. Das, was die meiste Sympathie erzeugt hat, ist am ehrwürdigsten: man ehrt die Masse Liebe. Man vergisst nach den Motiven dieser Sympathie zu fragen: Faulheit Egoismus Gedankenbequemlichkeit usw.

Wie leidet dabei die Vergangenheit? Es giebt keine Proportion der Dinge zu einander, der Eine hält dies, der Andere das wichtig. Die V zerfällt: ein Partikel ist jemandem sympathisch, das nächste kalt und gleichgültig. Dazu wird das Unbedeutende perpetuirt.

Allmählich entsteht eine gelehrtenhafte Gewohnheit, die Pietät stirbt ab, die Sammelwuth tritt ein, völlige Verwirrung der menschlichen Aufgaben: bedeutende Naturen verlieren sich in bibliographische Fragen usw. In summa Ruin der Lebendigen, die fortwährend durch ehrwürdigen Moderduft geplagt werden.

29 [115]

Der Mensch will schaffenmonumentalisch
im Gewohnten verharrenantiquarisch
von Noth sich befreienkritisch.

29 [116]

Gegen den Contrast von Sentimentalisch und Naiv wäre einzuwenden: dass gerade unsere Gegenwart jene frostig klare und nüchterne Atmosphaere hat, in der der Mythos nicht gedeiht, die Luft des Historischen—während die Griechen in der dämmerigen Luft des Mythischen lebten und dafür in ihren Dichtungen, im Contrast klar und linienbestimmt sein konnten: da wir die Dämmerung in der Kunst suchen, weil das Leben zu hell ist. Damit stimmt, dass Goethe die Stellung des Menschen in der Natur und die umgebende Natur selbst geheimnissvoller räthselhafter und dämonischer nahm als seine Zeitgenossen, um so mehr aber in der Helligkeit und scharfen Bestimmtheit des Kunstwerkes ausruhte.

29 [117]

Schiller gebrauchte die Historie im monumentalen Sinne, doch nicht als handelnder Mensch, sondern als zur That antreibender, als zum Dran drängender Dramatiker. Vielleicht müssen wir jetzt alle Dinge eine Stufe weiter stellen: wozu früher die Historie diente, dazu jetzt das Drama. Schillers Ahnung war die rechte: das Wortdrama muss die Historie bezwingen, um die Wirkung hervorzubringen, die ursprünglich die Historie (monumentalisch dargestellt) hatte. Das historische Drama darf aber um keinen Preis antiquarisch sein; Shakespeare hat das Rechte, der Römer als Engländer auftreten liess. Im Drama wird der mächtige Mensch vorangestellt: es ist nicht als statistisches Gesetz, darin liegt die Erhebung über die jetzige Wirkung der Geschichte. Nur mache man nicht die höchsten Kunstansprüche daran: man stelle das Drama hin als ein rhetorisches Kunstwerk: was es wirklich bei Schiller ist, man unterschätze nicht die Kraft der Beredsamkeit und lasse wenigstens unsre Schauspieler gut reden lernen, da sie wahrscheinlich gar nicht mehr lernen werden, etwas Poetisches vorzutragen. Dadurch dass wir alle die höchsten Wirkungen der Tragödie für das musikalische Drama separiren, bekommen wir eine freiere Stellung zum Wortdrama: es darf rhetorisch sein, es darf dialektisch sein, es darf naturalistisch sein, es soll auf die Moralität wirken, es soll schillerisch sein. Der Prinz von Homburg ist das Musterdrama. “Natürlich” zu sprechen ist in der höchsten Kunst wieder nöthig: da es aber jetzt auch im Leben keine Natürlichkeit des Sprechens giebt, so übe man die Schauspieler in der Convention des Rhetorischen und verachte die Franzosen nicht. Der Weg zum Stil muss gemacht, nicht übersprungen werden: dem hieratisch bedingten “Stile,” das heisst einer Convention, wird man nicht ausweichen können. Goethe’s Theaterleitung.

29 [118]

Nachdem wir aus der Schule der Franzosen heraus sind, sind wir hülflos geworden: wir wollten natürlicher werden, sind es auch geworden, indem man sich möglichst gehen liess und im Grunde nur schlotterig und beliebig nachmachte, was man früher peinlich nachmachte. Es ist alles erlaubt zu denken, aber im Grunde ist gerade nur die öffentliche Meinung erlaubt. Man ist scheinbar frei geworden, indem man sich die Fesseln der strengen Convention zerriss und die Stricke der Philisterei eintauschte.

Einfach und natürlich” zu sein ist das höchste und letzte Ziel der Cultur: inzwischen wollen wir uns bestreben, uns zu binden und zu formen, damit wir zuletzt vielleicht ins Einfache und Schöne zurückkommen. Es ist ein so toller Widerspruch in unserer Schätzung der Griechen und. unserer Befähigung für deren Stil und Leben. Fast ist es unmöglich gemacht, auf einer der unteren und niederen Stufen des Stils stehen zu bleiben (was doch so nöthig wäre!), weil das Wissen um das Höhere und Bessere so mächtig ist, dass man gar nicht mehr den Muth hat, das Geringere auch nur zu können. Hier ist die grösste Gefahr der Historie.

29 [119]

Mein Ausgangspunct ist der preussische Soldat: hier ist eine wirkliche Convention, hier ist Zwang, Ernst und Disciplin, auch in Betreff der Form. Sie ist aus dem Bedürfniss entstanden. Freilich weit entfernt vom “Einfachen und Natürlichen”! Seine Stellung zur Geschichte ist empirisch und darum zuversichtlich lebendig, nicht gelehrt. Sie ist, für einige Personen, fast mythisch. Sie geht aus von der Zucht des Körpers und von der peinlichst geforderten Pflichttreue.

Goethe sodann ist vorbildlich: der ungestüme Naturalismus: der allmählich zur strengen Würde wird. Er ist, als stilisirter Mensch, höher als je irgend ein Deutscher gekommen. Jetzt ist man so bornirt, daraus ihm einen Vorwurf zu machen und gar sein Altwerden anzuklagen. Man lese Eckermann und frage sich, ob je ein Mensch in Deutschland so weit in einer edlen Form gekommen ist. Von da bis zur Einfachheit und Grösse ist freilich noch ein grosser Schritt, aber wir sollten nur gar nicht glauben Goethe überspringen zu können, sondern müssen es immer, wie er, wieder anfangen.

29 [120]

Wirkung des musikalischen Drama’s auf die Entwicklung der Gruppe, der langen Stellung.

29 [121]

In Deutschland ist die Furcht vor der Convention epidemisch. Aber bevor es zu einem nationalen Stile kommt, ist eine Convention nöthig. Dazu lebt man doch in einer bummelig-inkorrecten Convention, wie all unser Gehen Stehen Unterhalten anzeigt. Es scheint, man will die Convention, die am wenigsten Selbstüberwindung kostet, bei der jeder recht schlampen kann. Die Historie ist freilich sehr gefährlich, indem sie alle Conventionen neben einander zur Vergleichung stellt und damit das Urtheil dort aufruft, wo die alles entscheidet.

Man gehe durch eine deutsche Stadt alle Convention, verglichen mit anderen Nationen, zeigt sich im Negativen, alles ist farblos, bummelig, abgelebt, jeder treibt es nach Belieben, aber nicht nach einem kräftigen gedankenreichen Belieben, sondern nach der Bequemlichkeit, die unsre Kleidung bereits als Hauptrücksicht anklagt. Zudem will man keine Zeit verlieren, denn man ist in Hast. Nur die Convention ist gebilligt, die dem Faulen-Hastigen gemäss ist.

Es ist wie beim Christenthum; der Protestantismus rühmt sich, dass Alles innerlich geworden ist: darüber ist die Sache verloren gegangen. So ist bei dem Deutschen alles innerlich, man sieht aber auch nichts mehr davon.

29 [122]

Gegensatz der Convention und der Mode. Gerade die letztere wird von dem historischen Sinne befruchtet: sie erwächst aus Luxusbedürfnissen, sucht das Neue seiner selbst wegen, vor allem das Auffallende, ist solange “Mode” als es “neu” ist. Die Deutschen sind fast gewillt, eine französische Convention, rein aus Bequemlichkeit und Sinn für das Gewohnte, zur Convention zu machen.

29 [123]

Ist es wahr, dass es zum Wesen des Deutschen gehört, stillos zu sein? Oder ist es ein Zeichen seiner Unfertigkeit? Es ist wohl so: das, was deutsch ist, hat sich noch nicht völlig klar herausgestellt. Durch Zurückschauen ist es nicht zu lernen: man muss der eignen Kraft vertrauen.

Das deutsche Wesen ist noch gar nicht da, es muss erst werden; es muss irgendwann einmal herausgeboren werden, damit es vor allein sichtbar und ehrlich vor sich selber sei. Aber jede Geburt ist schmerzlich und gewaltsam.

29 [124]

Heilmittel: die Schillersche Benutzung der Historie
ihre Gefahren (Drastiker usw.)
Bedeutung als Warnerin, als Dämonion—ja sie warnt vor sich selber.

29 [125]

Goethe: Madame de Stael “gerirt sich mit aller Artigkeit noch immer grob genug als Reisende zu den Hyperboreern, deren capitale alte Fichten und Eichen, deren Eisen und Bernstein sich noch so ganz wohl in Nutz und Putz verwenden liessen; indessen nöthigt sie einen doch die alten Teppiche als Gastgeschenk und die verrosteten Waffen zur Vertheidigung hervorzuholen.”

Goethe: “übrigens ist mir Alles verhasst, was mich bloss belehrt, ohne meine Thätigkeit zu vermehren, oder unmittelbar zu beleben.”

29 [126]

Schiller: “ich kann nicht anders glauben, als dass der naive Geist, welchen alle Kunstwerke aus einer gewissen Periode des Alterthums gemeinschaftlich zeigen, die Wirkung und folglich auch der Beweis für die Wirksamkeit der Überlieferung durch Lehre und Muster ist. Nun wäre aber die Frage, was sich in einer Zeit wie die unserige von einer Schule für die Kunst erwarten liesse. Jene alten Schulen waren Erziehungsanstalten für Zöglinge, die neueren müssten Correctionshäuser für Züchtlinge sein und sich dabei, wegen Armuth des productiven Genie’s, mehr kritisch als schöpferisch bildend beweisen.”

29 [127]

Goethe ein alter Hofgärtner pflegte zu sagen: “die Natur lässt sich wohl forciren aber nicht zwingen.”

Goethe “wie wird es möglich, dass das Alberne, ja das Absurde sich mit der höchsten ästhetischen Herrlichkeit der Musik so glücklich verbindet? Es geschieht dieses allein durch das Humor; denn dieses, selbst ohne poetisch zu sein, ist eine Art von Poesie und erhebt uns seiner Natur nach über den Gegenstand. Dafür hat der Deutsche so selten Sinn, weil ihn seine Philisterhaftigkeit jede Albernheit nur ästimiren lässt, die einen Schein von Empfindung oder Menschenverstand vor sich trägt.”

29 [128]

Schiller zu Goethe “Sie sind wirklich, so lang Sie arbeiten, im Dunkeln, und das Licht ist bloss in Ihnen; und wenn Sie anfangen zu reflectiren, so tritt das innere Licht von Ihnen heraus und bestrahlt die Gegenstände Ihnen und andern.”

29 [129]

Schiller “dass die Deutschen nur für’s Allgemeine, für’s Verständige und für’s Moralische Sinn haben” (nichts verriethe “einen Blick in die poetische Oekonomie des Ganzen”). Goethe “in Herrmann und Dorothea habe ich, was das Material

29 [130]

Goethe: “Niemand hat das materielle Costüme mehr verachtet als er; er kennt recht gut das innere Menschen-Costüme, und hier gleichen sich Alle. Man sagt, er habe die Römer vortrefflich dargestellt; ich finde es nicht; es sind lauter eingefleischte Engländer, aber freilich Menschen sind es, Menschen von Grund aus, und denen passt wohl auch die römische Toga.” “Der Dichter lebt zur würdigen und wichtigen Zeit und stellt ihre Bildung, ja Verbildung mit grosser Heiterkeit uns dar.” —

— Nun frage ich, ob es auch nur möglich wäre, Römer als moderne Deutsche im Überrock und Litteraten- Beamten- oder Leutnantsmanieren vorzuführen. Es wäre eine Carikatur: woraus sich ergiebt, dass sie keine Menschen sind.

Dies gehört zum historischen Thema. Wir pflegen uns durch fremde Zeiten und Sitten zu drapiren: sobald wir die fremden Zeiten und Menschen mit uns drapiren wollten, machen wir sie zur läppischen Carikatur.

29 [131]

Goethe “genau aber genommen, so ist nichts theatralisch, als was für die Augen zugleich symbolisch ist: eine wichtige Handlung, die auf eine noch wichtigere deutet.”

29 [132]

Man findet, dass “der Deutsche isolirt lebe und eine Ehre darin suche, seine Individualität originell auszubilden.” Ich kann jetzt nicht mehr zugeben: ja, eine gewisse Freiheit der Sinnesart ist erlaubt: die Handlungsart ist uniformirt und starr imperativisch. Es bleibt überall bei dem Innern ohne ein Äusseres, wie der Protestantismus das Christenthum gereinigt zu haben glaubt, indem er es durch Verinnerlichung verflüchtigte und aus der Welt schaffte. An Stelle der Sitte d. h. der natürlich zutreffenden und angemessenen Tracht steht die Mode, die willkürlich übergehängte, die Individuen auszeichnende und sofort wieder uniformirende Tracht. Man erlaubt jetzt die Mode, aber nicht mehr die abweichende Denk- und Handlungsart. Umgekehrt hätte der antike Mensch die Mode ausgelacht, aber die individuelle Manier zu leben, bis auf die Kleidung, gutgeheissen. Die Individuen waren stärker und freier und unabhängiger in allem, was sichtbar werden kann in Handlung und Leben. Unsre Individuen sind schwach und furchtsam: ein widerhaariger Geist des Individuellen hat sich in’s Innere zurückgezogen und zeigt seine Mucken hier und da; er widerstrebt verdriesslich und versteckt. Die Pressfreiheit hat diesen muckenden Individuen Luft gemacht: sie können jetzt ohne Gefahr sogar ihr elendes Separatvotumchen schriftlich geben: für das Leben bleibt es beim Alten. Die Renaissance zeigt freilich einen andern Anlauf, nämlich in’s Heidnisch-stark-Persönliche zurück. Aber auch das Mittelalter war freier und stärker. Die “Neuzeit” wirkt durch Massen gleichartiger Natur: ob sie “gebildet” sind, ist gleichgültig.

29 [133]

Das Wort “Tugend” ist in Deutschland alt und doch verrostet und ein wenig lächerlich geworden: man merkt aber auch praktisch nichts mehr von der Strenge der Selbstzucht, von dem kategorischen Imperativ und einer bewussten Moralität. Wie viele Lehrer würden sich nicht lächerlich fühlen, wenn sie davon reden sollten! Man beruhigt sich dabei, die Sache zu haben: was mir aber auch zweifelhaft wird.

29 [134]

Die reife Goethesche Weisheit kann man nicht im Sprunge erfassen; nicht als junger Mensch. Da ist es nur “Blasirtheit.”

29 [135]

Man kann seine Ehrfurcht vor dem deutschen Soldaten nur dadurch ausdrücken, dass man sagt “er wusste nicht was er sang, er hörte es gar nicht”; jene Lieder des letzten deutschen Kriegs, jene Märsche der vorangehenden preussischen Kriege sind plumpe, mitunter sogar süsslich-widrige Gemeinheit, die Hefe jener “Bildung,” die jetzt so gerühmt wird. Freilich nur die Hefe! Aber es gab andre Hefen! Kein Zug wahrer Volksthümlichkeit darin, wahre Beschimpfung der Worte “Volkslied, Volksweise”! Etwa wie sich ein Kölner Leitartikelschreiber zu Tyrtäus verhält. Pfui dich mal an, Junfer Bildung, würde Luther sagen.

29 [136]

Der historische Sinn des Deutschen wurde offenbar in dem Sturm der Empfindung, mit der Goethe an Erwin von Steinbach dachte: im Faust, in W’s R d N, in Luther, in dem deutschen Soldaten, in Grimm. Ein Hindurchfühlen und -Ahnen, ein Wittern auf fast verlöschten Spuren, ein Herauslesen des Palympsest, ja Myriopsest—vieles Irren Vergreifen möglich!

29 [137]

Programm. 6. November 1873.

  1. Freiheit der Städte—die conditio.
  2. Schule und Sitte in der städtischen Gewalt.
  3. Der absolute Lehrer vernichtet (“Bildungskosak”).
  4. Der historische Sinn als Pietät, nicht als Rechnung tragen.
  5. Der Soldat zur Vorbereitung einer ernsteren Cultur zu benutzen.
  6. Folgen der Centralisation und Uniformirung der Meinungen zum Äussersten zu steigern, um ihre reinste Formel zu gewinnen und abzuschrecken.
  7. Die sociale Crisis nur städtisch zu lösen, nicht staatlich.
  8. Beseitigung der Presse durch städtische Beredsamkeit.
  9. Die Vernichtung der grossen uniformirenden politischen Parteien.
  10. Das religiöse Problem localisiren.
    Herstellung der Volksgemeinde und der Gefolgschaften (Armee, Diplomaten).

Die objectiv genannte Geschichtsschreibung ist ein Ungedanke: die objectiven Historiker sind vernichtete oder blasirte Persönlichkeiten.

29 [138]

Zu Lichtenberg’s Zeiten wusste man nichts davon, dass die Deutschen die Historie im Übermaasse trieben. Wohl aber spricht er ihnen Begabung für die höhere Historie zu. Neuerdings ist die ganze Bildung historisch fundirt: liegt es nun an der Historie, wenn die deutsche Bildung im Ganzen so wenig werth ist?

Geschichte rein als Erkenntnissproblem, in niederem Grade nur auf Kunde, nicht auf Einsicht gerichtet, im höheren Sinne ohne Rückwirkung auf das Leben.

Ungeheurer Aufwand der Mittel, ohne kräftige Praxis.

29 [139]

Die Statistik betrachtet die handelnden grossen Personen auf der Bühne der Geschichte nicht, sondern nur die Statisten, das Volk usw.

29 [140]

Wie leicht geht die objective Geschichtsschreibung in die tendenziöse über! Das ist eigentlich das Kunststück, das zweite zu sein und das erste zu scheinen.

29 [141]

Platonische Erziehung ohne Historie. Hartmann.

Progressive Hast: wo stürzt man hin?

Gründung der modernen Institute.

Die Welt utilisirt sich immer mehr.

Alles wird abstrakter, was die Menschen ehemals gebunden hat.

Man macht das Experiment, ob der Mensch von Natur gut oder böse ist.

Die Institutionen werden auf Furcht und Noth basirt.

Im Grunde muss der Kosmopolitismus um sich greifen.

Die willkürlichen Begrenzungen Staat Nation sind ohne Mysterium allmählich und erscheinen viel grausamer und schlechter. Die Gegensätze schärfen sich heillos. Am Fieber zu Grunde gehen.

29 [142]

Schilderung der Ruhe der unhistorischen Welt.

Sehnen nach der Umschattung des Kunstwerks: in dem leben wir wenigstens auf Stunden unhistorisch.

“Zu den redenden Künsten gehört die schweigende.” Jean Paul.

“Es braucht viel Zeit, bis eine Welt untergeht—weiter aber auch nichts” sagt Gibbon.

29 [143]

Wenn Glück das Ziel wäre, so stünden die Thiere am höchsten. Ihr Cynismus liegt im Vergessen: das ist der kürzeste Weg zum Glücke, wenn auch zu einem, das nicht viel werth ist.

29 [144]

Schopenhauer meint, vielleicht liege alles Genie im genauen Erinnern des eignen Lebenslaufes. Wenn reine Erkenntniss das Ziel wäre—wäre dann unsre Zeit die genialste Zeit? Ist die grösste Menschen- und Sachkenntniss Zeichen der Grösse? Ist Richter zu sein die Aufgabe jeder Generation? Ich denke, die Aufgabe ist vielmehr, etwas zu thun, was Spätere richten mögen.

29 [145]

Alles Historische misst sich an etwas. Was hat unsre Zeit entgegenzusetzen?

29 [146]

  1. Innerlich.
  2. Gerecht und objectiv.
  3. Illusion zerstört.
  4. Alter der Menschheit.
  5. Mythologie.
  6. Hartmann.
  7. Unhistorisch.
  8. Die naivsten Stufen der Historie.
  9. Umgränzung des Horizontes.

29 [147]

Plan.

  1. Unhistorisch—Historisch.
  2. Nutzen und Schaden der Historie. Allgemein.
  3. Übergang zur Zeitschilderung.
  4. Innerlichkeit.
  5. Gerecht, objectiv.
  6. Illusion zerstört.
  7. Alter der Menschheit. Hartmann. Mythologie.
  8. Ob Unhistorisch? Plato.
  9. Maass des Historischen. Begrenzung. Beherrschung.
  10. Deutsche Kultur. Werth der Historie für dieselbe.
    Stil. Nationale Modification.

29 [148]

Er sagt seine Sachen immer noch etwas deutlicher als er sie denkt.

29 [149]

Fortsetzung der Zoologie.
Dass der Mensch als Heerdenthier ist, beweist die Statistik.

29 [150]

Wartburgwettkampf: von der Hagen, Minnesinger, II 2ff. vom Jahr 1300.
Ludus Paschalis de adventu et interitu Antichristi. Pezii thesau Anecdot N 2.

29 [151]

Thier Mensch—Historisch Unhistorisch.
Plastische Kraft.
Unhistorisches Fundament.
Staat als Beispiel. (Vergessen des Vergangnen und Illusion über das Vergangne.)
Geschichte dient dem Leben, sie steht im Dienste des Unhistorischen.

29 [152]

Was heisst unhistorisch?
Leidenschaft wirkt unhistorisch.
Auch grosse Ziele, ob Mensch ob Volk.
Übermässige Schätzung—Niebuhr. Leopardi.

29 [153]

1.Thema und Thesen.
2.
3.
4.

Geschichte zum Leben.
Monumental.
Antiquarisch.
Kritisch.
5.Übergang zur Zeitkritik.
6.
7.

8.
9.
10.
Geschichte
dem Leben
feindlich.


innerlich.
angebliche Gerechtigkeit,
Objectivität.
nicht mehr reif.
Spätlinge.
Weltprocess.
11.Übergang zu den Remedia:
Plato. Keine Historie.
12.
13.
Remedia.

29 [154]

Erdichtetes Mythisches.
Liebe und Selbstvergessen.
Das Leben als Problem.
Recht reif zu werden.
Die Ehrlichkeit und die Keckheit des Wortes.
Die Hitze des Rechtsgefühls.

29 [155]

Das Übermaass bewiesen 1) dadurch dass alles innerlich bleibt
2) dass nichts mehr reif wird
3) das Gefühl Spätlinge zu sein
4) Stadium der Selbstverspottung
5) die Historie selbst erlahmt: angebliche Objectivität.

Übergang: da wirft man sich gern einmal in den Gedanken: gar keine Historie. Rousseau.

29 [156]

Die historische Bildung als die Bildung überhaupt.
Die historische Objectivität als die Gerechtigkeit.
Unreif.
Ironie—Alter der Menschheit.
Weltprozess.
Kluger Egoismus.

Vorrede.
Einleitung.
Historie zum Leben.
Historie dem Leben schädlich.

29 [157]

  1. Historisch, Unhistorisch und Überhistorisch.
  2. Die Historie im Dienste des Lebens.
  3. Die Historie dem Leben schädlich.
  4. Das Unhistorische und das Überhistorische als Heilmittel für das durch Historie geschädigte Leben.

29 [158]

Die Historie dem Leben feindlich.

  1. erzeugt den gefährlichen Contrast von Innerlich und Äusserlich.
  2. erweckt den Anschein der Gerechtigkeit.
  3. hindert das Reif- und Fertigwerden.
  4. erweckt den Glauben an das Alter der Menschheit und ist der advocatus diaboli.
  5. eignet für den Dienst des klugen Egoismus.

29 [159]

Kennt mein Leser die Stimmung, in der der Betrachtende lebt? Vermag er sich zu vergessen, den Autor zu vergessen und in seine Seele gleichsam Dinge, die wir zusammen betrachten, überwandern zu lassen? Ist er bereit aus dem ruhigen in ein bewegtes Wellenspiel fortgetragen zu werden, ohne die Stimmung des Betrachtenden dabei zu verlieren? Liebt er das Pfeifen des Sturmes und erträgt er die Ausbrüche des Zorns und der Verachtung? Und noch einmal: vermag er es, bei dem allen, weder an sich noch an den Autor zu denken?— Nun wohlan, ich glaube von ihm ein Ja gehört zu haben und halte mich nun nicht länger zurück, ihn also anzureden.

29 [160]

Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben.

Vorrede.

I. Historisch, Unhistorisch, Überhistorisch.

II. Die Historie im Dienste des Lebens.

a) die monumentale Historie
b) die antiquarische
c) die kritische

III. Die Historie dem Leben feindlich.

a) Sie erzeugt den gefährlichen Contrast von Innerlich und Äusserlich.
b) Sie erweckt den Anschein der Gerechtigkeit.
c) Sie zerstört die Instinkte und hindert das Reifwerden.
d) Sie pflanzt den Glauben an das Alter der Menschheit.
e) Sie wird von dem klugen Egoismus benutzt.

IV. Das Unhistorische und das Überhistorische als Heilmittel für das durch Historie geschädigte Leben.

29 [161]

Capitel über Leben und Historie: was die Wissenschaft dazu sagt: laissez faire. Es fehlt die dazu gehörige Praxis, die Heilkunst.

29 [162]

Zum Schluss.
Von der Ironie zum Cynismus.
Plato’s Mittel die Jugend für den Staat zu retten.
Schiller—Correctionsanstalten.
Hülfswissenschaft nöthig—angewandte Historie, Gesundheitslehre.
Heilmittel das Unhistorische, das Überhistorische. Lob der Kunst und ihrer Kraft Atmosphaere zu bilden.

29 [163]

Entwurf der Unzeitgemässen Betrachtungen.

1873    David Strauss.
Nutzen und Nachtheil der Historie.
1874    Viel-Lesen und Viel-Schreiben.
Der Gelehrte.
1875    Gymnasien und Universitäten.
Soldaten-Kultur.
1876    Der absolute Lehrer.
Die sociale Crisis.
1877    Zur Religion.
Klassische Philologie.
1878    Die Stadt.
Wesen der Kultur (Original-).
1879    Volk und Naturwissenschaft.

29 [164]

1 Vorspiel.
2 
3 Die Bedrängniss der Philosophie.
4 Der Gelehrte.
5 Die Kunst.
6 Die höhere Schule.
7 Staat Krieg Nation.
8 Social.
9 Klassische Philologie.
10 Religion.
11 Naturwissenschaft.
12 Lesen Schreiben Presse.
13 Weg zur Freiheit (als Epilog).

29 [165]

Plato und seine Vorgänger.
Homer.

Skeptische Einfälle.

29 [166]

Ausgezeichnete Schilderung der Deutschen und der Franzosen:
Görres, Europa und die Revolution, p. 206.

Wie veränderlich und schwimmend die Grenzlinien jeder gemachten Zeichnung sind. Licht I 206.

29 [167]

Cyclus von Vorlesungen.

Rhetorik.
Rhythmik.
Geschichte der Poesie.
Prosa.
Alte Philosophie: 1) Vorplatoniker und Plato.
2) Aristoteles und Socratiker.
Choephoren.
Hesiod’s Erga.
Thucydides, B: I.
Lyriker.
Aristoteles Poetik.

29 [168]

Römer und Griechen: Stellung der Römer zu der griechischen Kultur. Ihre Urtheile darüber. Von ihnen stammt die dekorative Manier der Cultur.

29 [169]

Drei Abhandlungen von Friedrich Nietzsche.

Homer und die klassische Philologie.
Über Wahrheit und Lüge.
Die Grundlagen des Staats. (Wettkampf, Krieg.)

29 [170]

3.

Schilderung des chaotischen Durcheinanders in einem mythischen Zeitalter. Das Orientalische. Anfänge der Philosophie als Ordnerin der Kulte, Mythen, sie organisirt die Einheit der Religion.

4.

Anfänge einer ironischen Stellung zur Religion. Neues Auftauchen der Philosophie.

5. usw. Erzählung.

Schluss: Plato’s Staat als überhellenisch, als nicht unmöglich. Philosophie erreicht hier ihre Höhe, als Staatengründerin eines metaphysisch geordneten Staates.

29 [171]

Griechen und Barbaren.

Erster Theil: Geburt der Tragödie.
Zweiter Theil: die Philosophie im tragischen Zeitalter.
Dritter Theil: über dekorative Kultur.

29 [172]

Es ist gar nichts Unsinniges zu denken, dass das Gedächtniss für die Vergangenheit auch bei uns geringer sei und dass der historische Sinn etwa ebenso schliefe, wie er in der höchsten Akme der Griechen schlief. Bald hinter der Gegenwart begänne das Dunkel: in ihm wandeln schattenhaft unsicher grosse Gestalten ins Ungeheure sich ausdehnend, wirkend auf uns, aber fast wie Heroen, nicht wie gemeine helle Tageswirklichkeit. Alle Tradition wäre jene fast unbewusste der ererbten Charactere: die lebenden Menschen wären, in ihren Handlungen, Beweise, was im Grunde durch sie tradirt werde; mit Fleisch und Blut liefe die Geschichte herum, nicht als vergilbtes Document und als papiernes Gedächtniss. Die Sitten der Eltern und der Grosseltern gelten bei den Kindern als die Vergangenheit: was ferne dahinter lag, wirkt kaum noch als übrig gebliebene Architectur, als Tempel, als Aberglaube auf die Gegenwärtigen ein. Ähnlich lebt jetzt noch der Bauer, ähnlich fast jedes grosse Volk der Vergangenheit. Der Hauptgewinn für beide ist und war, dass die gegenwärtige Generation nicht so peinlich vergleicht und sich misst, so dass sie über sich selbst in Unbewusstheit des Urtheils bleiben kann. Sie wird zutrauensvoller zu ihrer Kraft sein, weil ihre Kraft nur durch das wirkliche, nicht durch das eingebildete und anerzogene Bedürfniss in Anspruch genommen wird und Kraft und Bedürfniss sich meistens entsprechen. Sie wird vor dem Überdrusse mehr bewahrt bleiben als ein Volk, das historischer und gebildeter ist, als seine Productionskraft auszuhalten vermag. Nicht so oft irregeführt nach dem unerreichbaren Ziele, zum Ekel gestimmt über das Erreichte, kommt der Mensch zu einer Ruhe, die der Gegensatz der modernen durch und durch historischen Welt und ihrer Hast ist. Sollte man es nicht zu büssen haben, wenn man in kostbaren Bildergallerien aller Zeiten lebt und der Blick immer vergleichend zu dem Betrachter zurückkehrt, mit Frage, was er eigentlich in diesen Räumen zu suchen habe? Und so entfährt dem Verwegensten wohl einmal der Fluch: “weg mit allem Vergangenen, ins Feuer mit den Archiven, Bibliotheken, Kunstkammern! Lasst doch die Gegenwart selbst produciren, was ihr noththut, denn nur dessen, was sie selbst kann, ist sie werth. Quält sie nicht durch Mumisirung des einmal, in ferner Zeit Gültigen und Nothwendigen und schafft das Todtengerippe weg, damit die Lebenden ihres Tages und Thuns froh werden können.” Ja, wenn Glück, Freiheit von Überdruss, Behagen unsre Losung sein dürfte: dann wäre es erlaubt, das Thier zu preisen, das immer auf der schmalen Linie der Gegenwart lebt und ohne Verdrossenheit und Überdruss frisst, verdaut, wieder frisst, ruht und springt. “Historisch fühlen” heisst wissen, dass man jedenfalls zum Leiden geboren ist und dass alles unser Arbeiten im schönsten Fall Vergessenheit des Leidens erringt. Immer lebten früher die Halbgötter, immer ist das gegenwärtige Geschlecht das entartete. Was seine Auszeichnung ist, weiss es selten; denn das Vergangne umgiebt uns wie eine geschwärzte verdunkelnde Zimmerwand. Erst der Nachkomme vermag zu würdigen, worin auch wir Halbgötter waren. Nicht dass es somit ewig abwärts gienge und alles Grosse in immer kleineren Proportionen sich wiederholte: aber immer ist jede Zeit zugleich eine absterbende und seufzt unter dem herbstlichen Fall der Blätter. Man sehe nur das einzelne Menschenleben an: was der Jüngling verliert, wenn er die Kindheit verlässt, ist so unersetzlich, dass er wünschen müsste, nach diesem Verlust das Leben als gleichgültig hinzugeben. Und doch verliert er als Mann noch einmal Unschätzbares, um endlich als Greis auch noch das letzte Gut zu verlieren, so dass er nun das Leben kennt und es zu verlieren bereit ist. Welches verlorne Bemühen, wollten wir als Jünglinge nach dem ringen, was der Kindheit Glück und Kraft ausmachte. Der Verlust ist zu erleiden, die Erinnerung häuft immer mehr Verluste zusammen, und am Schluss, wenn wir wissen alles verloren zu haben, nimmt uns tröstlich der Tod dieses Wissen, unser letztes Erbgut.

29 [173]

Homer und die klassische Philologie. 24.
Der Wettkampf bei den Griechen. 15.
Über Wahrheit und Lüge. 20.
Der griechische Staat. 15.

Vier Abhandlungen.

29 [174]

Plato.

Jugend.  Pest.
Critias.
Das Künstlerische in Plato.
Heracliteer.
Sokrates. Der platonische Socrates.
Reisen.  Ziele—das praktische Ideal.
Pythagoreer—Ideen (geringere Conception).
Dion.
Akademie.  Der Philosoph im Staate. Sophist. Rhetor.
Kunst.
Schriftstellerei—Eros. Dialektik.
Zweite Reise.
Dritte Reise—Staatsideal.
Dion’s Ende. Andre politische Wirkungen.
Parmenides. Präludirende Skepsis zu der Theorie: Plato hauptsächlich Legislator und Reformator, nie darin Skeptiker.

29 [175]

Empedocles.
Democrit.
Pythagoreer: Kampf gegen die Eleaten, mehr um sich zu schützen. Beschreibung ihres Bundes.
Socrates. Moralisch—dialektisch—plebejisch.

29 [176]

“Die Neigung der Menschen, kleine Dinge für wichtig zu halten, hat sehr viel Grosses hervorgebracht” sagt Lichtenberg.

29 [177]

Historie, die zwar nicht unmittelbar oder mittelbar zu besseren Menschen und zu besseren Bürgern macht, ist nur, nach einem Ausdrucke, den Bolingbroke in seinen berühmten Briefen on the study and use of history anwendet “a specious and ingenious sort of idleness.”

29 [178]

Aristoteles “zwei Dinge sind es ja, welche vorzüglich die Menschen zu hegender Sorgfalt und Anhänglichkeit bestimmen: der alleinige Besitz und die Seltenheit der besessenen Sache, durch welche sie dem Besitzer theuer wird.” So pflegt der antiquarische Mensch das Vergangne, weil es so ganz und gar individuell und einmalig ist—ganz abgesehen wie gering oder wie kostbar an sich—, er fühlt sich als den Besitzer dieses kleinen Besitzthums, das er vor allen Menschen voraus hat. Die kleinste Erkenntniss, sobald sie Eigenthum ist, macht ihren Erfinder glücklich, z. B. eine Correctur in einem gedruckten oder geschriebenen Buche.

29 [179]

Von der kritischen Historie gilt auch, was Benjamin Constant sagt: “der sittliche Grundsatz, es sei eine Pflicht die Wahrheit zu sagen, würde, wenn man ihn unbedingt und vereinzelt nähme, jede Gesellschaft zur Unmöglichkeit machen.” Man denke nur an sein eignes Leben: wäre es die Aufgabe, seine Vergangenheit überhaupt laut zu sagen, wer würde es selbst aushalten können? Es gehört sehr viel Kraft zum Vergessen dazu, um leben zu können.

29 [180]

Luther: “dass Gott, wenn er an das schwere Geschütz gedacht hätte, er die Welt nicht erschaffen hätte.” Vergessen gehört nun einmal zu allem Schaffen.

29 [181]

Denken wir uns den letzten Menschen auf der ausgedörrten Wüste des morschen Erdballs sitzen —

29 [182]

Was birgt nicht alles der Mensch in sich, was er nie kennen lernen darf: weshalb der alte Spanier sagte “Defienda me Dios de my” “Gott behüte mich vor mir.”

29 [183]

Die Antiquare sagen: “das Grosse ist im Grunde das Gemeine und Allgemeine,” auch sie kämpfen gegen das Werden des Grossen (durch Verkleinern Begeifern Mikrologie).

29 [184]

Luther “Cicero ein weiser und fleissiger Mann hat viel gelitten und gethan.”

Man schraubt die Geschichte je nach seiner Höhe herauf und herunter: so schraubt Mommsen seinen Cicero zum Journalisten herab, Luther nennt ihn (siehe vorher).

29 [185]

Gewiss ist das Bedürfniss des Umgangs mit grossen Vorgängern usw. Umgang mit den kleinen, koboldartig (siehe hinten).

29 [186]

Goethe (wer sich von nun an nicht auf eine Kunst oder ein Handwerk legt usw.).

Pietät für das Vergangene zu Gunsten des Hieratischen (s. h).

Zu den redenden Künsten gehört die schweigende.

“Es braucht viel Zeit bis eine Welt untergeht—weiter auch nichts.”

29 [187]

Zum Schlusse. Goethe über Niebuhr “der Historiker als das eigentlich werthvolle Object, nicht die Historie.” Davon ist etwas zu hoffen (siehe hinten).

Schiller von Goethe gepriesen (siehe hinten).

29 [188]

Gegenmittel: 1) Keine Geschichte?
  2) Leugnung der Zwecke Atomengewirr?
  3) Interesse für den Historiker gegen die Historie gewendet?
Die meisten Historiker unter ihren Objecten.
  4) Goethe, Natur.
  5) Pflege des Überhistorischen und Unhistorischen. Religion Mitleid Kunst.

29 [189]

Niebuhr zur Vertheidigung Macchiavelli “es giebt Zeiten, in denen Einem jeder Mensch heilig sein muss: andre wo man sie nur als Masse behandeln kann und soll; es kommt darauf an, die Zeit zu kennen.”

29 [190]

“Der Deutsche ist von Natur, seitdem er seinen einfachen grossen Character verloren hat, afterrederisch und verunglimpfend, und nichts weniger als billig: und noch weniger liebend.”

29 [191]

Gehofftes Resultat:

Character zu offenbaren in der Bildung, keine dekorative Bildung, sondern eine organische.

So gelingt vielleicht den Deutschen noch, was den Griechen in Betreff des Orients gelang—und so das, was “deutsch” ist, erst zu finden.

29 [192]

Von sich selbst Besitz zu ergreifen, das Chaotische zu organisiren, alle Furcht vor der “Bildung” wegzuwerfen und ehrlich zu sein: Aufforderung zum, nicht im grüblerischen Sinne, sondern um wirklich zu wissen, was unsre ächten Bedürfnisse sind. Von da aus kühn bei Seite werfen, was fremd ist, und aus sich hinaus wachsen, nicht in ein Ausser-uns sich hineinpassen.

Zum Organisiren des Chaotischen eignet sich Kunst und Religion: letztere giebt Liebe zu den Menschen, erstere Liebe zum Dasein

dabei Verachtung

29 [193]

Tradition anpflanzen, fortschreitende Bewegung, Eichbäume für die Enkel. Organisation zu finden, um der ersten Generation ihre Existenz zu ermöglichen und dann die Volksbildung zu übernehmen. Wie ein Gestirn ohne Rast, ohne Hast.

Die Ruhe der Arbeitenden. Der ruhige Blick in die Zukunft erst möglich, wenn wir uns nicht mehr so ephemer fühlen, so wie eine Welle.

29 [194]

Die unhistorischen Mächte heissen Vergessen und Wahn. Die überhistorischen Kunst Religion Mitleid Natur Philosophie.

29 [195]

Handwerk lernen, nothwendige Rückkehr des Bildungsbedürftigen in den kleinsten Kreis, den er möglichst idealisirt. Kampf gegen die abstracte Production der Maschinen und Fabriken.

Ein Hohn und Hass gegen das zu erzeugen, was jetzt als “Bildung” gilt: dadurch dass man eine reifere Bildung dagegen stellt.

29 [196]

Und was wird aus uns, werden die Historiker unwillig entgegnen: wohin soll die Wissenschaft der Historie? unsre berühmte strenge nüchterne mütterliche Wissenschaft?— Geh in ein Kloster, Ophelia, sagt Hamlet; in welches Kloster wir aber die Wissenschaft und den historischen Gelehrten bannen wollen, dieses Räthsel wird der Leser sich selber aufgeben, sich selber lösen, falls er zu ungeduldig ist dem langsamen Gange des Autors zu folgen und einer hiermit versprochenen späteren Betrachtung “über den Gelehrten” und die gedankenlose Einordnung desselben in die moderne Gesellschaft vorauszueilen vorzieht.

Schluss. Es giebt eine Gesellschaft der Hoffenden.

29 [197]

Die Bedrängniss der Philosophie.

Von aussen: Naturwissenschaft Geschichte (Beispiel Instinkt. Begriff geworden).

Von innen: der Muth, eine Philosophie zu leben, ist gebrochen.

Die anderen Wissenschaften (Natur, Geschichte) vermögen nur zu erklären, nicht zu befehlen. Und wenn sie befehlen, vermögen sie nur auf den Nutzen zu verweisen. Jede Religion, jede Philosophie hat aber gerade irgendwo eine erhabene Naturwidrigkeit, eine auffallende Unnützlichkeit. Damit wäre es denn zu Ende?— Wie mit der Poesie, die eine Art Unsinn ist.

Das Glück des Menschen beruht darauf, dass es irgendwo für ihn eine Undiskutirbare Wahrheit giebt, gröbere (z. B. das Wohl seiner Familie als höchsten Beweggrund) feinere, der Glaube an die Kirche usw. Hier hört er gar nicht hin, wenn dagegen gesprochen wird.

In der ungeheuren Bewegtheit sollte der Philosoph Hemmschuh sein: kann er es noch sein?

Das Misstrauen der strengen Forscher gegen jedes deductive System, vid. Bagehot.

29 [198]

Die Bedrängniss der Philosophie.

A. Die Anforderungen an den Philosophen in der Noth der Zeit. Grösser als je.
B. Die Angriffe auf die Philosophie grösser als je.
C. Und die Philosophen schwächer als je.

29 [199]

Die Philosophie rein zur Wissenschaft zu machen (wie Trendelenburg) heisst die Flinte in’s Korn werfen.

29 [200]

Die mangelhaft entwickelte Logik! Durch die historischen Studien ist sie verkümmert. Auch Zöllner klagt. Lob des Spir. Und der Engländer.

29 [201]

Welche Naturen werden jetzt noch Philosophen?

29 [202]

“Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste.” Hölderlin.

“Ein Räthsel ist Reinentsprungenes. Auch
Der Gesang kaum darf es enthüllen. Denn
Wie du anfingst, wirst du bleiben,
So viel auch wirket die Noth
Und die Zucht, das Meiste nämlich
Vermag die Geburt
Und der Lichtstrahl, der
Dem Neugebornen begegnet.” Hölderlin.

29 [203]

Zur Religion. Ich bemerke eine Erschöpfung, man ist an den bedeutenden Symbolen ermüdet. Alle Möglichkeiten des christlichen Lebens, die ernstesten und lässigsten, die harmlosesten und die reflektirtesten, sind durchprobirt, es ist Zeit zur Nachahmung oder zu etwas Anderem. Selbst der Spott, der Cynismus, die Feindschaft ist abgespielt—man sieht eine Eisfläche bei erwärmtem Wetter, überall das Eis schmutzig, zerrissen, ohne Glanz, mit Wasserpfützen, gefährlich. Da scheint mir nur eine rücksichtsvolle ganz und gar ziemliche Enthaltung am Platze: ich ehre durch sie die Religion, ob es schon eine sterbende ist. Mildern und beruhigen ist alles, nur gegen die schlechten gedankenlosen Köche, zumal wenn es Gelehrte sind, muss protestirt werden.— Das Christenthum ist ganz der kritischen Historie preiszugeben.

29 [204]

Wenn ich einmal recht in Wünschen ausschweife, So denke ich mir, dass mir die schreckliche Bemühung, sich selbst zu erziehen erleichtert worden wäre und ich einen Philosophen als Erzieher gefunden hätte, dem man gehorchen könnte, weil man ihm mehr als sich vertraute! Dann suche ich wohl die Grundsätze seiner Erziehung zu errathen, z. B. über harmonische und partielle Bildung: und seine Methoden. Mühsam würde es sein, und wir, an die Bequemlichkeit der Erziehung und an das Sichgehenlassen gewöhnt, würden oft verzagen.— So aber, ohne solche Erzieher, fühlt man seine Kräfte oft im Kampfe mit einander, in Empörung, auch seine geistigen Triebe. Zwar glauben die Gelehrten, man könne mit der Wissenschaft nicht leicht genug thun: der Wissenschaft nicht genug, das ist wahr, aber sich übergenug, zuviel: das ist auch wahr. Ich sehe lauter geistige Krüppel: ihre partielle Ausbildung hat ihnen einen Höcker zugetragen.— Was heisst harmonisch und partiell? Sollten wir etwa die partielle Ausbildung überhaupt fürchten? Die pars soll vielmehr nur das Centrum werden für alle andern Kräfte, die Sonne im Systeme. Aber ein Balanciren mit Gegengewichten ist überall nöthig, wo eine grosse Kraft ist. Kleist—Philosophie (ihm fehlte Schopenhauer).

29 [205]

Der Philosoph ist einmal für sich, sodann für andre Philosoph. Es ist nicht möglich, es ganz allein für sich zu sein. Denn als Mensch hat er Beziehung zu andern Menschen: und ist er Philosoph, so muss er es auch in diesen Beziehungen sein. Ich meine: selbst wenn er sich streng von ihnen absondert, als Einsiedler, so giebt er damit eine Lehre, ein Beispiel und ist Philosoph auch für die Andern. Er mag sich benehmen, wie er will: sein Philosoph-sein hat eine Seite, die den Menschen zugekehrt ist.

Das Product des Philosophen ist sein Leben (zuerst, vor seinen Werken ). Das ist sein Kunstwerk. Jedes Kunstwerk ist einmal dem Künstler, sodann den andern Menschen zugekehrt.— Welches sind die Wirkungen des Philosophen auf die Nichtphilosophen und andre Philosophen?

Der Staat, die Gesellschaft, die Religion usw., alle können fragen: was hat uns die Philosophie geleistet? Was kann sie uns jetzt leisten? So auch Cultur.

Frage nach den Culturwirkungen der Philosophie überhaupt.

Umschreibung der Cultur—als einer Temperatur und Stimmung vieler ursprünglich feindselig Kräfte, die jetzt eine Melodie abspielen lassen.

29 [206]

Die feindseligen Kräfte werden im Mittelalter durch die Kirche ungefähr zusammengehalten: als dies Band zerreisst, so empört sich eins wider das andre. Die Reformation erklärte vieles für—von da greift die Scheidung immer mehr um sich. Zuletzt sind es die derbsten Kräfte, die fast allein noch alles bestimmen; der militärische Staat voran. Versuch des Staates alles aus sich zu organisiren und das Band zu sein für die feindseligen Kräfte. Begriffe einer Staatskultur, im Gegensatz zu einer Religionskultur. Nun ist die Macht böse, und will das Nützliche mehr als alles Andre.

Wir befinden uns in dem eistreibenden Strome des Mittelalters, dasselbe ist aufgethaut, in verheerende Bewegung gerathen.

29 [207]

Unter allen Umständen die Revolution: aber von der Klugheit und Menschlichkeit der nächsten Geschlechter hängt es ab, ob daraus die Barbarei oder etwas Anderes hervorgeht:

der Mangel an ethischer Philosophie in den gebildeten Schichten ist natürlich in deutlicheren Formen in die ungebildeten gedrungen, die immer das vergröbernde Echo waren. Darin geht alles zu Grunde. Kein neuer grosser Gedanke ist weit und breit zu sehen. Nur dass irgendwann einmal von Neuem angefangen wird.

29 [208]

Ich kann mir Schopenhauer nicht an einer Universität denken: die Studenten liefen vor ihm davon und er selbst liefe vor den Mit-Professoren davon.

29 [209]

Wenn ich denke, was für starke frohe Geschlechter gelebt haben—wo sind nur die Kräfte der Reformationszeit hin!—so kommt mir unsre Art zu leben vor wie die Einwinterung auf hohem Gebirge, selten kommt die Sonne, alles ist grau, alle Freuden sind rührend für den Beschauer—so flüchtiges Glück! Es lebt sich so schwer. Und dazu die Erinnerung an Sommertage.

29 [210]

Ach diese Spanne Zeit! Wir wollen sie wenigstens gross und willkürlich behandeln. Für so kleine Gabe sollen wir doch nicht Sklaven der Geber sein! Das ist das Wunderlichste, wie gebunden die Vorstellung und Einbildung der Menschen ist, sie nehmen das Leben nie als ein Ganzes wahr. Sie fürchten sich vor den Worten und Meinungen ihrer Nächsten—ach, nur zwei Generationen weiter und niemand hat mehr die Meinungen, die jetzt herrschen und euch zu Sklaven machen wollen.

29 [211]

Jede Philosophie muss das können, was ich fordere, einen Menschen concentriren—aber jetzt kann es keine.

29 [212]

Zwei Aufgaben: das Neue gegen das Alte zu defendiren und das Alte an das Neue anzuknüpfen.

29 [213]

Zum Plan.

Der Philosoph hat zwei Seiten: eine kehrt er den Menschen zu, die andre bekommen wir nicht zu sehen, da ist er Philosoph für sich. Wir betrachten zuerst das Verhältniss des Philosophen zu den anderen Menschen. Resultat für unsre Zeit: es kommt bei diesem Verhältniss nichts heraus. Warum wohl? Sie sind nicht Philosophen für sich selbst.

“Arzt hilf dir selber!” Müssen wir ihnen zurufen.

29 [214]

Ach wir Menschen dieser Zeit! Es liegt ein Wintertag auf uns und wir wohnen am hohen Gebirge, gefährlich und dürftig. Kurz ist jede Freude und bleich jeder Sonnenglanz, der an den Bergen zu uns herabblickt. Da tönt Musik—es erschüttert den Wanderer dies zu hören: so wild, so verschlossen, so farblos, so hoffnungslos ist alles, was er sieht—und jetzt darin ein Ton der Freude, einer gedankenlosen lauten Freude. Aber schon schleichen die Nebel des frühen Abends, der Ton verklingt, der Schritt des Wanderers knirscht; grausam und todt ist das Gesicht der Natur am Abend, der immer so früh kommt und nicht weichen will.

29 [215]

Die fliegenden Spinnefäden des Altmännersommers—Strauss als Bekenner. —

29 [216]

Wenn einmal die Arbeiterstände dahinter kommen, dass sie uns durch Bildung und Tugend jetzt leicht übertreffen können, dann ist es mit uns vorbei. Aber wenn das nicht eintritt, ist es erst recht mit uns vorbei.

29 [217]

Vom Maler auszugehn und dem Kunstkenner vor dem Bilde—Goethe.

29 [218]

Nicht nur den nennen wir unvernünftig, welcher einen unvernünftigen Zweck verfolgt, sondern auch den, der um einen vernünftigen Zweck zu erreichen unzweckmässige und unverhältnissmässige Mittel anwendet: als sowohl den, der das Meer ausschöpfen will, als den, welcher nach Sperlingen schiesst, aber mit Kartätschen. Von dieser zweiten Art der Unvernunft ist die Natur voll. Auch in ihrem höchsten Bereiche, das wir kennen, innerhalb der Menschen, zeigt sie sich nicht klüger, was die Mittel betrifft, so ausserordentlich ihre Zwecke und Absichten sind. Die Art, wie sie die seltenen Begabungen zum Wohl der Menschen verwendet, ist eben so bewunderungswürdig wegen ihrer Unvernunft als jener Gedanke selbst, das Seltene zum Wohle des Gewöhnlichen zu benutzen, erstaunlich ist: denn das Wohl des Gewöhnlichen liegt eben darin, dass es zum Seltenen erhoben, gesteigert, zum Ungewöhnlichen und Neuen umgeprägt werde. Ich frage nach der Teleologie des Philosophen, eines der seltensten Gebilde, die in der Werkstätte der Natur entstehen: wozu ist er da? Für das Wohl eines Volks und einer Zeit, vielleicht auch aller Völker und aller Zeiten. Und wie wird er für jenen Zweck verwendet? Wie das gleichgültigste Spielzeug, das man liegen lässt oder aufhebt, herumwirft oder zertritt, als ob es zu Tausenden auf den Strassen zu finden wäre. Ist es nicht nöthig, dass die Menschen etwas noch hoffen und der Unvernunft der Natur entgegenarbeiten? Ja, es wäre nöthig, wenn es nur möglich wäre! weil die Natur gerade in den Menschen und durch die Menschen wirkt und ein Volk als Ganzes eben jene Doppelheit der Natur zeigt, die wundersamste Vernunft der Zwecke und die nicht minder wunderbare Unvernunft der Mittel. Der Künstler macht sein Werk für die anderen Menschen, es ist kein Zweifel. Trotzdem weiss er es, dass niemals jemand sein Werk so verstehen und lieben wird, wie er selbst. Der hohe Grad der Erkenntniss und der Liebe ist aber nöthig, damit ein niedriger Grad entstehe: jener niedrigere Grad ist der Zweck, den die Natur mit dem Kunstwerk verfolgt, sie verschwendet ihre Mittel und Kräfte, und die Ausgabe ist viel grösser, als der Ertrag ist. Und doch ist dies das natürliche Verhältniss, überall. Wenig Kosten, aber hundertfältiger Ertrag wäre vernünftiger. Geringere Mühe, geringere Lust und Erkenntniss, im Künstler selbst, aber ungemeines Anwachsen von Lust und Erkenntniss im Kunstempfänger—das wäre vortheilhafter eingerichtet. Könnten wir die Rollen tauschen: der Künstler müsste der schwächere Mensch und die Aufnehmenden Zuhörer Zuschauer die stärkeren Menschen sein. Die Kraft der Kunstwerke müsste erst mit der Resonanz im Volke wachsen: wie die Schnelligkeit wächst mit dem Quadrate der Entfernungen. Ist es sinnlos zu wünschen, dass die Kunstwirkung am Anfange das schwächere, zuletzt das stärkere Ende habe? Oder dass mindestens so viel genommen wird als gegeben ist, dass Ursache und Wirkung gleich stark sind?

Deshalb sieht es oft so aus, als ob ein Künstler und zumal ein Philosoph zufällig in ihrer Zeit seien, versprengte Wanderer oder zurückgebliebene Einsiedler.

Wo wir aber ein Verhältniss zwischen einem Philosophen und einem Volk entdecken, so spüren wir folgende Zwecke der Natur, folgende Bestimmung des Philosophen.

29 [219]

  1. Was der Philosoph zu verschiedenen Zeiten gewesen ist.
  2. Was er in unserer Zeit sein müsste.
  3. Bild der zeitgemässen Philosophie.
  4. Weshalb er das nicht leisten kann, was er nach N. 2 müsste: weil eine feste Cultur fehlt. Der Philosoph als Einsiedler. Schopenhauer zeigt, wie die Natur sich anstrengt: es manquirt doch.

29 [220]

Weisheit unabhängig vom Wissen der Wissenschaft.

Jetzt allein zu hoffen auf die Klassen der niedern ungelehrten Menschen. Die gelehrten und gebildeten Stände sind preiszugeben. Damit auch die Priester, die nur jene Stände verstehen und ihnen angehören. Die Menschen, die noch wissen, was Noth ist, werden auch fühlen, was ihnen Weisheit sein kann.

Die grösste Gefahr ist, wenn die ungelehrten Klassen mit der Hefe der jetzigen Bildung angesteckt werden.

Wenn jetzt ein Luther entstünde, so würde er gegen die ekelhafte Gesinnung der besitzenden Klassen sich erheben, gegen ihre Dummheit und Gedankenlosigkeit, dass sie gar nichts von der Gefahr wittern.

Wo suchen wir das Volk!

Die Bildung wird täglich geringer, weil die Hast grösser wird.

29 [221]

Es ist ernsthaft zu erwägen, ob für eine werdende Kultur überhaupt noch Fundamente da sind. Ob die Philosophie als ein solches Fundament zu gebrauchen ist?— Aber das war sie nie.

Mein Vertrauen zur Religion ist grenzenlos gering: die abfluthenden Gewässer kann man sehen, nach einer ungeheuren Überschwemmung.

29 [222]

Zum Anfang. Überall Symptome eines Absterbens der Bildung, einer völligen Ausrottung. (Laissez faire der Wissenschaften). Hast, abfluthende Gewässer des Religiösen, die nationalen Kämpfe, die zersplitternde und auflösende Wissenschaft, die verächtliche Geld- und Genusswirthschaft der gebildeten Stände, ihr Mangel an Liebe und Grossartigkeit. Dass die gelehrten Stände durchaus in dieser Bewegung darin sind, ist mir immer klarer. Sie werden täglich gedanken- und liebeloser. Alles dient der kommenden Barbarei, die Kunst sowohl wie die Wissenschaft—wohin sollen wir blicken? Die grosse Sündflut der Barbarei ist vor der Thür. Da wir eigentlich nichts zu vertheidigen haben, und alle mit darin stehen—was ist zu machen?

Versuch die wirklich vorhandenen Kräfte noch zu warnen, sich mit ihnen zu verbinden und die Schichten, aus denen die Gefahr der Barbarei droht, noch bei Zeiten zu bändigen. Nur ist jeder Bund mit den “Gebildeten” abzuweisen. Das ist der grösste Feind, weil er den Ärzten hinderlich ist und die Krankheit weglügen will.

29 [223]

Von der Bestimmung des Philosophen.

Es giebt etwas Unzweckmässiges, das der Natur vorzuwerfen ist: man bemerkt es bei der Frage: wozu ist ein Kunstwerk da? Für wen? Für den Künstler? Für die andern Menschen? Aber der Künstler hat es nicht nöthig, ein Bild das er sieht sichtbar zu machen und Andern zu zeigen. Jedenfalls ist das Glück des Künstlers in seinem Werke, ebenso wie sein Verständniss desselben grösser als das Glück und das Verständniss bei allen Übrigen. Diese Disproportion finde ich unzweckmässig. Die Ursache sollte der Wirkung entsprechen. Dies ist nie bei Kunstwerken der Fall. Es ist dumm eine grosse Lawine zu wälzen, um ein wenig Schnee wegzuschieben, einen Menschen zu erschlagen, um die Fliege auf seiner Nase zu tödten. So verfährt die Natur. Der Künstler ist ein Beweis gegen die Teleologie.

Der Philosoph erst recht. Für wen philosophirt er? Für sich? für Andere? Aber das Erstere wäre sinnlose Verschwendung der Natur, das Zweite wieder unzweckmässig. Der Nutzen des Philosophen trifft immer nur Wenige und nicht das Volk: und diese Wenigen trifft er nicht so stark wie den Urheber selbst.

Für wen baut ein Baumeister? Sollte der mannichfache ungleiche Reflex, diese Repercussion in vielen Seelen die Absicht der Natur sein? Ich glaube er baut für den nächsten grossen Baumeister. Jedes Kunstwerk sucht weiter zu zeugen und sucht nach empfänglichen und zeugenden Seelen umher. So der Philosoph.

Die Natur verfährt unverständlich und nicht geschickt. Der Künstler schiesst wie der Philosoph seinen Pfeil in das Gewimmel hinein. Er wird wohl irgendwo hängen bleiben. Sie zielen nicht. Die Natur zielt nicht und schiesst unzählig oft daneben. Künstler und Philosophen gehen zu Grunde, weil ihre Pfeile nicht treffen.

Im Bereiche der Kultur geht die Natur eben so vergeuderisch um wie bei dem Pflanzen und Säen. Ihre Zwecke erfüllt sie auf eine schwerfällige und allgemeine Manier. Sie opfert viel zu viel Kraft auf, zu Zwecken, die nicht im Verhältniss sind. Der Künstler und seine Kenner und Liebhaber verhalten sich zu einander wie ein grosses Geschütz zu einer Anzahl Spatzen.

Die Natur ist gemeinnützig, wendet aber nicht immer die besten und geschicktesten Mittel an. Dass sie mit dem Künstler, dem Philosophen den Andern helfen wollte, ist kein Zweifel: aber wie unverhältnissmässig gering und wie zufällig ist die Wirkung, gerechnet gegen die Ursachen (den Künstler, das Kunstwerk)! Besonders bei dem Philosophen ist die Verlegenheit gross: der Weg von ihm zum Object, auf das gewirkt werden soll, ganz zufällig. Zahllose Male misslingt es. Die Natur verschwendet, doch nicht aus Üppigkeit, sondern aus Unerfahrenheit: es ist anzunehmen, dass sie, wenn sie ein Mensch wäre, aus dem Ärger über sich gar nicht heraus käme.

29 [224]

Ich hasse das Überspringen dieser Welt, dadurch dass man sie in Bausch und Bogen verdammt: aus ihr stammt die Kunst, die Religion.— Ach diese Flucht begreife ich so, hinaus und hinüber in die Ruhe des Einen!

Ach dieser Mangel ah Liebe in diesen Philosophen, die immer nur an die Ausgewählten denken und nicht so viel Glauben zu ihrer Weisheit haben. Es muss die Weisheit wie die Sonne für jedermann scheinen: und ein blasser Strahl selbst in die niedrigste Seele hinabtauchen können.

Einen Besitz den Menschen verheissen! Philosophie und Religion ist Sehnsucht nach einem Eigenthum.

29 [225]

Ich ergötze mich an der Vorstellung, dass die Menschen bald einmal das Lesen satt bekommen werden: und die Schriftsteller dazu; dass der Gelehrte einer kommenden Generation eines Tags sich besinnt, sein Testament macht und verordnet, dass sein Leichnam inmitten seiner Bücher, zumal der eignen Schriften, verbrannt werden solle. Und wenn die Wälder immer spärlicher werden, sollte es nicht bald an der Zeit sein, die Bibliotheken als papiernen Holzstock und Gestrüpp zu behandeln? Sind doch die meisten Bücher aus Rauch und Dampf der Köpfe geboren: so sollen sie auch wieder zu Rauch werden. Ich glaube übrigens, dass ein Geschlecht, das den Geschmack hat mit seinen Bibliotheken seine Öfen zu heizen, gerade deshalb auch den guten Geschmack haben wird, eine kleine Anzahl Bücher und gerade die welche es verdienen auszuwählen und leben zu lassen. Es wäre freilich möglich, dass ein Jahrtausend später gerade unser jetziges Zeitalter als die dunkelste Periode der Vergangenheit gelte, weil nichts von ihm übrig geblieben ist. Wie glücklich sind wir also, dass wir unsre Zeit noch kennen lernen können aus dem überreichen Material, was sie täglich den Druckerpressen übergiebt: hat es nämlich überhaupt einen guten Sinn, sich mit seinem Gegenstand zu beschäftigen, so ist es jedenfalls ein Glück, sich so gründlich mit ihr zu beschäftigen, dass einem kein Zweifel über sie übrig bleibt. Es hat aber einen guten Sinn; denn man lernt viel dadurch selbst kennen, und gerade die schlechte Litteratur einer Zeit erlaubt uns selber im Bilde zu sehen: weil sie den Durchschnitt der gerade herrschenden Moralität usw., also nicht die Ausnahme, sondern die Regel zeigt, während die wirklich guten Bücher der Zeitgenossen meistens von solchen herrühren, die mit der Zeit eben nichts gemein haben als die Zeit. Deshalb sind sie zur Selbsterkenntniss nicht so nützlich wie jene.

Aus den schlechten Büchern und Zeitungen will ich nun beweisen, dass wir alle Stümper in der Philosophie sind und keine Ph haben.

29 [226]

Lesen und Schreiben.

Denken und Reden dagegen: welchen Einfluss übt darauf das viele Lesen und Schreiben?

29 [227]

Manche Dinge werden erst dauerhaft, wenn sie schwach geworden sind: bis dahin bedroht sie die Gefahr eines plötzlichen Unterganges: das Christenthum wird jetzt so fleissig vertheidigt, weil es die bequemste Religion geworden ist; jetzt hat es Aussicht auf Unsterblichkeit, nachdem es die langwierigste Sache der Welt, die menschliche Trägheit und Bequemlichkeit auf seine Seite gezogen hat. So hat auch die Philosophie jetzt ihre grösste Schätzung, denn sie quält die Leute nicht mehr und macht ihnen doch das Maul flüssig. Die heftigen und starken Dinge sind in Gefahr, plötzlich zu verderben, geknickt und von Blitzen getroffen zu werden. Den Vollblütigen fasst der Schlagfluss. Unsere heutige Philosophie stirbt gewiss nicht am Schlagfluss.

29 [228]

Rührend: ein Fest im tiefen Schneegebirge bei Winterszeit.

29 [229]

Der Weg zur Freiheit. Dreizehnte Unzeitgemässe.

Stufe der Beobachtung. Der Verwirrung. Des Hasses. Der Verachtung. Der Verknüpfung. Der Aufklärung. Der Erleuchtung. Des Kampfes für. Des inneren Friedens und Freisinns. Versuche der Construction. Der historischen Einordnung. Der staatlichen Einordnung. Der Freunde.

29 [230]

Der Philosoph.

1.Cap. Die medicinische Moral.
2.  Der Excess des Denkens wirkungslos. Kleist.
3.  Wirkung der Philosophie, sonst und jetzt.
4.  Die Popularphilosophie (Plutarch, Montaigne).
5.  Schopenhauer.
6.  Der Pfaffenstreit zwischen Optimismus und Pessimismus.
7.  Die Urzeiten.
8.  Christenthum und Moral. Warum nicht zur Kraft der Alten?
9.  Die jungen Lehrer und Erzieher als Philosophen.
10.  Verehrung des ethischen Naturalismus.
Ungeheure Operationen: aber es kommt nichts heraus dabei.

29 [231]

Ich würde einem Amte nie erlauben, mir mehr als ein Viertel meiner Kraft zu rauben.

29 [232]

Ich schätze das Glück nicht übermässig, unter den Deutschen geboren zu sein, und würde das Leben mit vielleicht mehr Befriedigung als Spanier betrachten.

7, 29[1-232] Sommer-Herbst 1873

29 [1]

To tell the truth without eudaimonistic purpose purely out of duty. In doing so, the peculiar pleasure that comes with speaking the truth is often forgotten. The purest case is the one in which the truth brings about a much greater displeasure, even downfall—and yet the truth is told. A statesman holds the existence of a state in his hands with a single word: he speaks the truth and destroys the state. Kant’s appeal to duty. A great man is worth more than a kingdom because he is more salutary for all posterity. The meaning of the great deed—to produce great deeds.

29 [2]

Analysis of the ordinary sense of truth among scholars. Lies out of self-defense, emergency lies contain a eudaimonological character: they seek to save the individual.

29 [3]

Concept of impossibility in all virtues, in which man is great.

29 [4]

1. Truth as duty—pernicious truth. Analysis of the truth drive—pathos.

2. The impossible in the virtues.

3. Man has not grown out of these highest drives, his entire being shows a more lax morality, he leaps beyond his being with the purest morality.

4. Lies in human nature—dream, for example. Self-consciousness (veiling of truth).

5. Language, sensation, concepts.

6. Matter.

7. Art. Necessity-lie and freedom-lie.

The latter can again be traced back to a necessity.

All lies are necessary lies. The pleasure in lying is artistic. Otherwise, only truth has a pleasure in itself. The artistic pleasure is the greatest because it speaks the truth entirely generally in the form of a lie.

The concept of personality, indeed that of moral freedom, necessary illusions, so that even our truth drives rest on the foundation of lies.

Truth in the system of Pessimism. Thinking is something that would be better if it did not exist.

29 [5]

Ika! Ika! Yuck-Yuck-

29 [6]

Benjamin Constant: “the moral principle: that it is a duty to tell the truth, would, if taken unconditionally and in isolation, make every society impossible.”



The Hungarian and the Hegelian professor in Berlin.



Rameau’s Nephew. “One swallows the lie that flatters us in full draughts, and sips drop by drop the truth that is bitter to us.”

29 [7]

“Truth.”

  1. Truth as an unconditional duty, hostile and world-destroying.
  2. Analysis of the common sense of truth (inconsistency).
  3. The pathos of truth.
  4. The impossible as a corrective for humanity.
  5. The foundation of humanity is lying, because it is optimistic.
  6. The bodily world.
  7. Individuals.
  8. Forms.
  9. Art. Hostility toward it.
  10. Without falsehood, neither society nor culture. The tragic conflict. All that is good and beautiful depends on deception: truth kills—yes, kills itself (insofar as it recognizes that its foundation is error).

29 [8]

1. What corresponds to asceticism with regard to truth?— Truthfulness, as the foundation of all contracts and prerequisite for the existence of the human race, is a eudaimonistic demand: in contrast, the recognition that the highest welfare of humanity lies rather in illusions: that therefore, according to the eudaimonistic principle, truth and lies must be applied—as indeed happens. Concept of forbidden truth, i.e., one that precisely conceals and masks the eudaimonistic lie. Opposite: the forbidden lie, occurring where permitted truth has its domain.

2. Symbol of forbidden truth: fiat veritas, pereat mundus.

Symbol of forbidden lie: fiat mendacium! pereat mundus.

The first thing destroyed by forbidden truths is the individual who utters them.

The last thing that is destroyed by the forbidden lie is the individual. The former sacrifices itself along with the world, the latter sacrifices the world to itself and its existence.

Casuistry: is it permitted to sacrifice humanity to the truth?— 1) It is not well possible! Would that God, humanity could die of the truth. 2) If it were possible, it would be a good death and a liberation from life. 3) No one can believe so firmly that they possess the truth without some delusion: skepticism will not fail to arise. The question: is it permitted to sacrifice humanity to a delusion, must be answered in the negative. But in practice, it happens because delusion is precisely belief in the truth.

3. The belief in the truth—or the delusion. Elimination of all eudaimonistic components (1. as my own belief, 2. as discovered by me, 3.as a source of good opinions in others, of fame, of being loved, 4. as a domineering resistance-pleasure).

Is, after deducting all these components, the expression of truth purely as a duty still possible? Analysis of the belief in truth: for all having-truth is fundamentally only a belief in having the truth. The pathos, the sense of duty, arises from this belief, not from the alleged truth. The belief presupposes an unconditional cognitive powerforce in the individual, then the conviction that no knowing being will ever advance further in this: thus the obligation for all realms of knowing beings. The relation abolishes the pathos of belief, such as the limitation to the human, with the skeptical assumption that we might all be in error.

But how is skepticism possible?It appears as the truly ascetic standpoint of the thinker. For it does not believe in belief and thereby destroys all that is beneficial in belief.

Even skepticism, however, contains within itself a belief: the belief in logic. The ultimate step is thus the abandonment of logic, the credo quia absurdum est, doubt in reason and its negation. How this emerges in the wake of asceticism. No one can live in it, just as no one can live in pure asceticism. This proves that belief in logic—and belief in general—is necessary for life, and that the realm of thought is therefore eudaimonistic. But then the demand for deception arises: namely, if life is an argument. Skepticism turns against forbidden truths. Then the foundation for pure truth in itself is lacking; the drive toward it is merely a disguised eudaimonistic one.

4. Every natural process is fundamentally inexplicable to us: we can only record the respective scenario in which the actual drama unfolds. We then speak of causalities, while in reality we only see a sequence of events. That this sequence must always occur in a particular scenario is a belief that is refuted infinitely often.

5. Logic is merely slavery in the chains of language. However, language itself contains an illogical element, the metaphor, etc. The first force brings about an equation of the unequal, thus being an effect of the imagination. This is the basis for the existence of concepts, forms, etc.

6. Forms.

7. “Laws of nature.” Mere relations to each other and to humans.

8.

Man as a finished and hardened measure of things. As soon as we imagine him as fluid and fluctuating, the strictness of natural laws ceases. The laws of sensation—as the core of natural laws. Mechanics of movements. The belief in the external world and in the past, in natural science.

9. The truest in this world—love, religion, and art. The former sees through all disguises and masks to the core, the suffering individual, and suffers with it; the latter consoles, as practical love, over suffering by telling of another world order and teaching contempt for it. These are the three illogical powers that acknowledge themselves as such.

“on the parched stone desert of the decaying globe”

29 [9]

Penzel, recruited by Prussian recruiters, served as a common musketeer in Königsberg. Kant kept him from the lectern, “(Kant) because he considered him a despicable man, since he had endured his military service so calmly until then.” A passage from Luther, that if God had thought of heavy artillery, he would not have created the world.

29 [10]

Analysis of the Scholar, regarding his sense of truth.

1) Habit 2) Escape from boredom 3) Earning a living 4) Respect among other scholars, fear of their disdain 5) Acquisitive sense of something unique (it must be “true,” otherwise others will steal it again) 6) Tying knots, untying knots.— Measure of the sense of truth: when overturning an old theory, in attacks on its position, its formation, when the uninitiated speak up, hatred of philosophy because it makes nothing of the scholar.

The untruth, when it is in general validity, is treated by the scholar as truth. Fear of religions and governments.— 7) A certain dullness, they do not see the consequences and are merciless. 8) They do not notice the main problems of life, therefore they occupy themselves with the smallest problems, i.e., in the main matter they have no need for truth. Hence there is nowhere a scholars' republic, but always only a scholars' ochlocracy. Hated and banished by ostracism is the rare genius, the friend of truth, as well as the artist.

29 [11]

The unconditional agreement in the logical and mathematical does not point to a brain, to a guiding and abnormally failing organ—to a reason? Soul?— It is the entirely Subjective by virtue of which we—humans are. It is the accumulated heritage in which all share.

29 [12]

Natural science is becoming aware of what one possesses as heritage, a registry of the fixed and rigid laws of sensation.

29 [13]

The Scholar.

1. A certain honesty, almost only awkwardness in dissembling, which requires some wit. Wherever there is dialectical advocacy, one may also doubt this honesty and be on one's guard. It is more convenient to tell the truth in adiaphora; it corresponds to a certain laziness. For example, it was precisely this honesty that opposed the Copernican system because it contradicted appearances: but for lazy minds, appearance and truth coincide.

Also the hatred of philosophy among scholars is above all hatred of long chains of reasoning and the artificiality of proofs: admiration of acuteness is mixed with fear, and in fact every generation of scholars has a measure for the permitted acuteness; whatever exceeds it is rejected.

2. Keenness of vision in proximity with great myopia toward the distant and the general. The field of vision is very small, and the eyes are held very close. When the scholar wishes to move from a point just investigated to a new one, he shifts the entire visual apparatus to that point: he dissects an image, as if through the use of an opera glass, into mere patches. He never sees them all connected, but only calculates their relationship; hence he has no strong impression of anything general. He judges, for example,a script that he cannot grasp in its entirety, seeking a spot from the realm of his studies: according to his way of seeing, he would first have to claim that an oil painting is a wild heap of scribbles.

3. Normality of his motives, sobriety, insofar as at all times the more common natures and thus the masses have been guided by the same motives. He sniffs these out. A mole feels most at home in a molehill. He is protected from many artificial and abnormal hypotheses and above all from excesses, and if he is persistent, he digs up all the common motives of the past through his own commonness. Of course, he is therefore incapable of understanding the rare, great, and abnormal—that is, the important and essential.

4. Emotional poverty enables them even for vivisections.He does not suspect the suffering that some knowledge brings with it and therefore does not fear the most dangerous areas. The mule does not know dizziness. They are cold and therefore appear easily cruel, without being so.

5. Low self-esteem, even modesty. They feel, in the most meager study area, nothing of waste, not even of sacrifice; they know deep down that they are creeping, not flying creatures. In this, they are often touching.

6. Loyalty to their leaders and teachers; they want to help them and know well that they help them best with the truth. They are grateful to them because only through them have they gained entry into the worthy halls of science, into which they would never have come on their own.Whoever in Germany knows how to open up a field where the lesser minds can work is a famous man: so great is the swarm at once. Of course, everyone in this swarm is at the same time a caricature of the master, in some sense: even his weaknesses appear caricatured, namely, immoderately large and exaggerated, in a much smaller individual: while the master's virtues appear proportionally diminished in the same individual. In this respect, it is a misshapen figure, and as such, it has a touching-comical effect if it is out of loyalty.

7. Habitual continuing along the path into which one has been pushed: sense of truth from thoughtlessness and convenience in the once-adopted habit. This applies especially to learning, which many pursue from their practice in gymnasium, as if under the spell of an inescapable necessity.Such natures are collectors, commentators, makers of indices, herbariums, etc. Their diligence arises almost from laziness, their thinking from thoughtlessness.

8. Flight from boredom. While the true thinker longs for nothing more than leisure, the scholar flees from it because he does not know what to do with it. His comforts are books: that is, he listens to how someone else thinks and lets himself be entertained in this way and carried through the long day. Especially he chooses books where his interest, his personal will is somehow excited, where he can be stirred a little, through inclination or aversion, into affect. Writings where he is considered, or his status, his political or aesthetic or grammatical opinion: once he has his own science, he also has a means to be interested again and again.

9.Broderwerb. The truth is served when it is able to help achieve higher positions and salaries, when through it promotion among superiors can be attained. But only this truth is served: which is why a boundary can be found between profitable truth and unprofitable truth. The latter does not work in favor of Broderwerb and, since it requires effort and time and takes these away from the former, even works against Broderwerb. Ingenii largitor venter. The “borborygmi of a suffering stomach.”

10. Respect from other scholars, fear of their disdain. They all jealously monitor each other to ensure that the truth, on which so much depends—honor, Broderwerb, appointments—is truly credited to the name of the inventor.The respect for the truth that another has found is paid because one demands it again for the truth one finds oneself. Untruth is resoundingly exploded so that it may not pass as truth and seize honors and titles that are granted only to irresistible truth. Occasionally, even real truth is exploded to make room at least for other truths that seek recognition. “Moral idiocies, which are called roguish tricks.” “Exceptions to the general conscience.” 11. The scholar out of vanity, already a rarer species. He wants something entirely for himself, therefore chooses curiosities as his field of research and rejoices when he himself is curiously regarded as a curiosity.He usually contents himself with this kind of homage and does not base his livelihood on such a drive for truth.

12. The Scholar out of Playfulness. His delight is to seek out little knots and untie them: without exerting himself too much, so as not to lose the feeling of play. For this reason, he does not delve particularly deep, yet he often sees something that the bread-scholar, in his dull and laboriously creeping confinement of vision, does not perceive: he at least takes pleasure in truth and is a dilettante, thus forming, in this respect, even the opposite of the joyless bread-scholar, who does his work only under compulsion and, as it were, under the yoke of a paid profession or the lash of his ambition for advancement.

29 [14]

There is no drive for knowledge and truth, but only a drive to believe in the truth. Pure knowledge is devoid of drive.

29 [15]

Drives that can easily be confused with a drive for truth:

1. Curiosity, heightened thirst for adventure in knowledge. The new, the rare in contrast to the boring-old.

2. Dialectical tracking- and play drive, delight in cunning fox-like maneuvers: not truth is sought, but the sly creeping around, encircling, etc.

3. Drive for contradiction, the personality wants to assert itself against another. Fencing with words, the struggle is the pleasure, personal victory the goal.

4. Drive from subservience to persons, religions, governments, to find certain “truths.”

5. Drive from love, pity, etc., for a person, class, or humanity, to find a saving, blissful truth—drive of religious founders.

29 [16]

All drives are associated with pleasure and displeasure—there cannot be a drive for truth, i.e., for a completely consequence-free, pure, affectless truth, for there pleasure and displeasure would cease, and there is no drive that does not sense a pleasure in its satisfaction. The pleasure of thinking does not indicate a desire for truth. The pleasure of all sensory perception lies in the fact that it is achieved through conclusions. In this sense, man always swims in a sea of pleasure. But how can the conclusion, the logical operation, provide pleasure?

29 [17]

How is art possible only as a lie!

My eye, closed, sees within itself countless changing images—these are produced by the imagination, and I know that they do not correspond to reality. So I believe in them only as images, not as realities.

Surface forms.

Art contains the joy of evoking belief through surfaces: but surely one is not deceived? Then art would cease!

Art aims at deception—yet we are not deceived?

Whence the pleasure in the attempted deception, in the illusion that is always recognized as illusion?

Art thus treats illusion as illusion, therefore does not wish to deceive, is true.

The pure desireless contemplation is only possible at the appearance that is recognized as appearance, which does not want to seduce into belief and thus does not stimulate our will at all.

Only he who could view the entire world as appearance would be able to look at it without desire and drive—artist and philosopher. Here the drive ceases.

As long as one seeks truth in the world, one is under the rule of the drive: but it wants pleasure and not truth, it wants the belief in truth, thus the pleasurable effects of this belief.

The world as appearance—holy artist philosopher.

29 [18]

All eudaimonistic drives awaken belief in the truth of things, of the world—thus all of science—directed toward becoming, not toward being.

29 [19]

Plato as a prisoner of war, offered for sale at a slave market—what do people want with the philosopher?— That reveals what they want with the truth.

29 [20]

  1. Truth as a guise for entirely different emotions and drives.
  2. The pathos of truth refers to belief.
  3. The drive to lie is fundamental.
  4. Truth is unknowable. Everything knowable is illusion. The significance of art as the truthful illusion.

29 [21]

  1. Description of the servants of truth.
  2. Taming and limitation of knowledge for the sake of life, of culture.
  3. Justice among the objects of knowledge, assessment of their importance. The Great.
    Calling back to the main thing and the main problems.
    Elimination of false brilliance.

29 [22]

The intellectually effective powers are scattered across all pasts—colony formation! But the true homeland grows poor when everything emigrates. They must be called back to what is most necessary. Against the laissez-faire in science.

All are so scattered and distant from one another that no bond encircles them all: the connecting cement is given by our newspaper culture.

Is it permitted that a youth wastes his best strength in microscopic work and is drawn away from the cultivation of himself?

29 [23]

All Manner of Servants of Truth.

First, optimistic amazement! How many truth-seekers!

Is it permitted that the best forces should scatter so?

Restraint of the drive for knowledge: classical—antiquarian.

— Pessimistic astonishment! These are not truth-seekers at all!

Price of justice as the mother of the true drive for truth.

Examination of the “servants of truth” according to their sense of justice.

It is quite good that all these are exiled: for they would only disturb and cause harm everywhere.We want to call them the wage laborers of truth, they serve it unwillingly and sighing.

Science is for them a correctional institution, a galley.

Reference to Socrates, who calls them all insane, in the house they do not know what is good and evil.

Neutralization of science through monasteries.

Our task: to bring together and weld back the split and scattered, to found a hearth for German cultural work, away from all newspaper culture and popularization of the sciences.

29 [24]

What Zöllner laments, the endless experimenting and the lack of logical-deductive power, is also evident in the historical disciplines—undervaluation of the Classical in contrast to the Antiquarian: thus the meaning of historical science is lost, everything becomes shallow. Just as the worldview there becomes ever more vulgar and is actually only still depicted by the popularizers, so here the image of the past.

29 [25]

Schiller: you go out to catch the truth with poles,
but it walks right through the middle.

29 [26]

All Sorts of Servants of Truth.”

1.Description of the laissez-faire of science. The dictatorship is missing.
2.Consequence. the right cement is missing—(instead, newspaper culture cement!)
in general, always greater coarseness.
Atrophy of the image of the servant of truth.
3.Hence many have crept in. Description.
4.Position of German culture on this: what is the task? (Goethe's stance on natural science.)

29 [27]

Protest against the Section of the Living i.e. they should let live what is not yet dead, and not immediately treat it as a scientific object.

29 [28]

Through knowledge, to kill: actually, it is not even knowledge itself, but only the curious, restless spying, thus a necessary means and condition of science. Wanting to join in the conversation where one only disturbs when one speaks.

Defienda me Dios de my “God protect me from myself.”

29 [29]

All remembering is comparing, i.e., equating. Every concept tells us this; it is the “historical” primordial phenomenon. Life therefore requires equating the present with the past; so that a certain violence and distortion is always associated with comparing. I designate this drive as the drive for the Classical and Exemplary: the past serves the present as an archetype. Opposed to this is the antiquarian drive, which strives to grasp the past as past and not to distort it, not to idealize it. The need for life demands the Classical, the need for truth demands the Antiquarian. The former treats the past with art and artistic transfiguring power.

If one imagines the other direction overpowering, the past ceases to have an exemplary and model effect because it ceases to be an ideal and has become individual reality like the present itself. It then no longer serves life but is against this life. One thus achieves in practice what one would achieve by burning all art collections and libraries. The present becomes isolated, grows more content with itself, and corresponds to its nature and needs, thus showing what it is, how great or common it is.— But how does the drive toward the Classical benefit the present?He suggests that what once was, at least once was possible and therefore will probably be possible again (as the Pythagoreans believe that when the stars are in the same position, everything will happen exactly the same again). The brave and the daring think about the possible and the impossible: the past strengthens them: for example, when they hope that 100 productive people are capable of founding the entire German culture and find that in a similar way the culture of the Renaissance became possible. But humanity propagates itself through the great and the impossible.

29 [30]

Suppose someone believes that no more than 100 productive, newly educated people are needed to put an end to the currently fashionable educatedness in Germany, how much would it strengthen them to realize that the culture of the Renaissance was raised on the shoulders of such a group of a hundred men.

29 [31]

The estimation of history and the power squandered in it. The antiquarian manner, which seeks to eliminate the Classical as much as possible or to understand it as a purely individual possibility. Because much reason is used to comprehend some little piece of the past, one eventually comes to believe that reason brought it about. Thus arises the superstition of the rationality of history: whereby absolute necessity is understood as a manifestation of the reasonable and the purposeful. But the greatest historical power is stupidity and the devil.It weakens courage to know so many possibilities as having existed: if it is not aimed at appraising (thus separating the classical and good from the past), but only at comprehending everything as having come to be, then the antiquarian sense paralyzes; for it sniffs out purpose and reason even in the nonsensical. History demands only a great treatment; otherwise, it makes slaves.

Now, secondly, there is a measure of the permitted retrospective and the forbidden. Vivisection is prohibited; children should be forbidden to lurk where eggs are laid. The truth drive that dissects the just-experienced moment kills the next.As long as recognition is taking place, life is not being lived.

To this—what dangers does the antiquarian sense bring when it takes hold of the masses and the lesser minds! In the end, everything splits into those who live historically and those who only kill historically. What a fatal new curiosity, restlessness, spying, betrayal, eavesdropping on what is just emerging. No spirit is cited by day. Every age needs as much history as it can digest and incorporate into flesh and blood; so that the strongest and most powerful can endure the most history. But what if weak times are overloaded with it! What digestive troubles, what exhaustion and powerlessness!

29 [32]

It is possible for a people to kill themselves through history: much like a person who deprives themselves of sleep. Ruminating is the business of certain animals: but ruining oneself through rumination seems to occur now and then among human cattle. If everything that happens is considered interesting and worthy of study, then soon the measure and the feeling for everything one should do are lost, and man becomes indifferent to the main thing.

29 [33]

The mythology with which antiquarian people surround themselves—the ideas “that love to reveal themselves in ever purer forms” etc.

29 [34]

The Monumental looks away from the causes. “Effect in itself” “that which has an effect at all times” (or that which can arise at all times, for which the causes are always present).

29 [35]

3. How is the monumental possible? Or on the use of history. Auxiliary concept the purely human—or the great and extraordinary, which repeatedly ignites the great. Endeavor of antiquarians to reduce the extraordinary to the comprehensible, i.e., the common. Therefore, they destroy the monumental with all their might.

But then, from the codex of the monumental, a compulsion and canon of present-day artists emerges, with which they fight against becoming, against development: the great should not come into being, it should exist.

The antiquarians say: the great is fundamentally the common and general; they too fight against the becoming of the great (through diminishing, belittling, etc.).

Thus both historical schools fight against the great: both with the monumental and with the common. This has always been the case. Against both, the historically great must prevail, against the former by forcing its entry into the temple of the monumental, against the antiquarians by finally becoming an object of knowledge again and thus also becoming "interesting" to the antiquarians.

29 [36]

History belongs to the active. It is a disgusting spectacle to see curious micrologists or egoists or tourists climbing around on pyramids. History is now put on display just like pictures in the gallery: for the idle. Once, people sought strength and comfort there; now, they want certainty, entertainment in the real, out of hostility toward art and toward the great.

29 [37]

From what does the hypertrophy of the historical sense arise?

  1. Hostility toward the invented, mythical.
  2. Hostility toward the problems of life.
  3. It conceals or drapes those who engage with it—is easier than a work of art.
  4. It dissolves and weakens, because through analogies it kills or paralyzes the sense of justice and the instincts, in short the naive in custom and action.
  5. It is democratic and admits everyone, occupies the smallest minds. It is the ideal of a pursuit of truth from which nothing emerges.
  6. How it is fundamentally not guided by fruitful, strong instincts is shown, for example, by history in the criticism of the Gospels. Compare the Reformation era.

29 [38]

The historical disease.

  1. In a Pythagorean constellation, one might speak of the usefulness of history. As it stands, however, the motivation for every action is different.
  2. Comparison presupposes an equation. Memory-concept. The Classical and Monumental, the “effect in itself” idealizing distortion and generalization, the “universally human” as delusion. The delusion of the Monumental promotes the propagation of the Great.
  3. Struggle against the Great and Rare and against the Monumental by the antiquarians.All past things interesting, reasonable: paralyzing influence of antiquarians on historical effectiveness.
  4. The modern historian as an amalgam of both drives, a hermaphrodite. His mythology. His negative practice. Influence on art and religion. Dangerous for an emerging culture. Vivisection. One should not be both, a classicist and an antiquarian, but one, but wholly. Ineffectiveness of modern historians: their sediment in carping criticism and Americanizing press. The modern historian lacks the foundation: he is arbitrary in the monumental, deadly in the antiquarian, and does not take root in a culture.

29 [39]

Basically, everyone is satisfied when a day has passed. To take it so seriously that one already conducts historical investigations the next day is ridiculous. For with that, the main lesson that every day gives is forfeited, “life is to be suffered” “it is a penance.” In the main, i.e., precisely in what concerns the overall assessment of life, no event can teach anything essentially new, and someone who lived a couple of thousand years ago can be just as wise as someone who uses the history of these 2000 years as an aid.For the person who despises existence, history is nothing: they find the same problem everywhere, the one that every day shows them. But it is something for the active, the unwise, who still has everything to hope for, who does not resign, who fights—such a person needs history as examples of what one can achieve, how one can be honored, but especially as a temple of fame. It serves as an exemplary and strengthening force.

29 [40]

Now, however, history as science! Here, then, it is a matter of laws, persons are of little consideration, courage and enthusiasm are no longer to be gained here, they rather disturb. Assuming that laws could be found, the result would be determinism, and the active would be forcibly turned into a sufferer again, without any moral feeling bringing him to resignation. Moreover, the laws are of little worth: because they are derived from the masses and their needs, thus as laws of motion of the lower clay and loam layers.

Stupidity and hunger are always present, as in every French criminal trial, la femme. Why should one even know such laws, since everyone, without knowing them, has acted according to them for millennia! The strong and great man has always fought his way through against these laws: he alone should actually be the subject of discussion. The masses are only to be considered once 1) as blurred copies of great men, on poor paper and with worn-out plates 2) as resistance against the great 3) as tools of the great. Otherwise, let the devil take them.

29 [41]

The statistics prove that there are laws in history. Yes, they prove how common and disgustingly uniform the masses are. You should have once practiced statistics in Athens! Then you would have felt the difference! The lower and less individual a mass is, the stricter the statistical law. If the crowd is composed more finely and nobly, the law immediately goes to the devil. And way up at the top, among the great spirits, you can no longer calculate at all: for example, when did the great artists marry! Hopeless for you, who seek a law there. So: as far as there are laws in history, they are worth nothing, and history, i.e., what has happened, is worth nothing.

Moreover: what does "laws" even mean here? Do they stand in any way equal to a natural law or a legal law?

It doesn't say "you should," but rather "unfortunately, that's how it was." It is the expression of a stupid factual relationship in which no one is allowed to ask why anymore. "Around 40 marriages are concluded here annually"—Why so many and not 80? "It just isn't any different!"—Very enlightening! We thank you.

However, there is a school of thought that considers the great mass movements as the important thing and views all great men merely as an expression, as it were, the visible bubble on the flood of water. Here, the mass is supposed to give birth to the great, the chaos to order. In the end, of course, the hymn to the birthing mass is struck up; long live history!

Another direction wants to take into account everything that has been "a historical power" and evaluates "the great" accordingly: "Great" means what has had a lasting historical effect. That means confusing quantity and quality quite a bit. If the crude mass has found some idea, some religion quite adequate for itself and defends it tenaciously: should the finder and founder of that idea be "great"? Why indeed! The noblest and highest does not affect the masses at all: and the historical success of Christianity fortunately proves nothing about its founder, since it would essentially prove against him: here the original seems to have been completely lost, and the name remains for tendencies of the masses and many ambitious-egoistic individuals.

29 [42]

Deification of success is quite appropriate to human vulgarity. But whoever has studied a single success closely just once knows what factors (stupidity, malice, laziness, etc.) have always contributed, and not as the weakest factors. It is mad that success should be worth more than the beautiful possibility that still existed immediately before! But to see the realization of the good and the right in history is blasphemy against the good and the right. This beautiful world history is, to speak Heraclitean, “a confused heap of sweepings”! The strong prevails, that is the general law: if only it were not so often precisely the stupid and the evil!

29 [43]

Luther: “Cicero, a wise and diligent man, has suffered and done much.”

29 [44]

The Englishman about Berlin: “in Berlin, whoever has no taste for beer halls and wine taverns, whether poor or rich, lives and dies wretchedly.”

29 [45]

The terrible exercise of comprehending characters and individuals and thus justifying them from their very lifeblood may perhaps be based on justice and aim to promote justice toward contemporaries. Opposed to this is the fact that we demand the most fatal uniformity from our contemporaries and are least just toward the manifold characters. The most practiced historian, in relation to his time, is “un personnage haineux,” and is unjust or blasé.

29 [46]

The scientific establishment is a kind of clergy and disregards the laity; it is the heir of the spiritual clergy, without this inherited reverence, our time would hardly cultivate the sciences so much. What was once given to the church is now given, albeit more sparingly, to science: that one gives at all is due to the power of the church, which still lingers in the scientific clergy. And to pursue history is still a disguised theology, as a doctrine of the workings of God or of the Rational. If the masses come to believe that history is a jumble and not a science, its support will be over.

29 [47]

The cursed Volksseele! When we speak of the German spirit, we mean the great German spirits, Luther, Goethe, Schiller, and a few others, not the mythological phantom of the united mass of unspirits, in which it would already be better to speak of Luther-like people, etc. We want to be careful to call something German—first and foremost, it is the language, but to grasp this as an expression of the national character is a pure phrase and has not yet been possible for any people without fatal ambiguities and clichés. Greek language and Greek people! Let someone bring that together!Furthermore, it is similar to writing: the most important foundation of language is not Greek, but rather, as we now say, Indo-Germanic. The situation is somewhat better with style and humanity. Making predications about a people is always very dangerous: in the end, everything is so mixed that only later does a unity re-emerge in the language, or an illusion of unity establishes itself there. Yes, Germans! German Empire! That is something, German-speaking is also something. But Race-Germans! The German as an artistic style characteristic is yet to be found, just as the Greek style was only found late among the Greeks: an earlier unity did not exist, but rather a terrible one.

29 [48]

Against the parallel of history with youth, manhood, and old age: not even a trace of truth in it! Five or six millennia are nothing at all and above all not a unit, because new peoples keep emerging and old ones fall into a kind of hibernation. Ultimately, however, it is not about peoples at all, but about human beings; nationality is mostly just the consequence of rigid government measures, i.e., a kind of breeding through enclosing force and restraint, along with the compulsion to marry and to speak and live with one another.

29 [49]

Expressed in Christian terms: thus the Devil is the ruler of the world, and it will essentially remain so. But now one says more educated: the system of competing egoisms: whereby one thinks of the forest, which grows so uniformly and regularly because all trees only satisfy their egoism.

29 [50]

1) The danger of the monumental, which, dragged together from all ages, confuses and weakens the seeking instinct. Thus also the knowledge of all conditions and social strata: if the farmer had it, what would he do with the plow!

29 [51]

A taming of the unbounded historical sense is necessary: and indeed one already exists, though it is not necessary—the taming by the sober, uniform spirit of the age, which seeks itself everywhere and believes it has found itself, and screws history down to its own measure. I perceive such a screwing down in the case of Cicero (Mommsen), Seneca (Hausrath), Luther (Protestant Association), etc. In another way, Hegel tamed and stretched history—he who may rightly be called the German “Genius of History”; for he felt himself at the height and end of development and thus also in possession of all former times, as their organizer. Every attempt to comprehend the present as the highest ruins the present, because it denies the exemplary significance of the historical.

The most terrible formula is Hartmann's "to surrender oneself to the world process."

Where it leads to view history as a process is shown by E. von Hartmann on p. 618 (from which the enormous success becomes clear to me). The historical view here fraternizes with pessimism: now see the consequences! The ages of the individual offer the analogy, the far from flattering depiction of the present only evokes the conclusion that it will get even worse and that this is the necessary process to which one must surrender oneself.A suitable analogy is a rather mean-spirited child who, in adulthood, achieves "solid mediocrity" and a form of art that is to him roughly what an evening farce is to a Berlin stockbroker. Above all, he takes care "to establish a practically comfortable home in his earthly abode, with a thoughtful eye on the future." This comes with a kind of bittersweet imperative: "Ruthless and cruel is this craft of destroying illusion, like the rough pressure of a hand that awakens a sweet dreamer to the torment of reality; but the world must move forward; the goal cannot be dreamed—it must be fought for and won, and only through pain does the path to redemption lead." What remains incomprehensible, however, is how the process, whose adulthood was described earlier, ultimately "enters a period of mature contemplation, where it surveys the entire desolatethrough the storms of suffering of their past life course with melancholic sorrow, comprehending and surveying them as one, and grasps the entire vanity of the previous supposed goals of their striving.” p. 625f. But if humanity is to experience its old age as a kind of Leopardi, it would have to be nobler than it is and above all have a different manhood than the one Hartmann assigns to it. The old man corresponding to such a manhood would be very repulsive and would cling to life with repulsive greed, more entangled than ever in the basest illusions.

29 [52]

Hartmann is important because he kills the idea of a world process by being consistent. To endure him, he lays as a foundation the conscious redemption and freedom from illusions and the choice of downfall. But the end of humanity could be present at any moment through a geological upheaval: and that illusionlessness presupposes a higher development of moral and intellectual powers: which is highly unlikely: rather, if these were to grow old, the illusions would only become more powerful and old age would end with a becoming-childish. Thus, the final result is by no means comforting and could certainly not be described as such. Moreover, as he depicts manhood, the ability to take existence as a problem increasingly diminishes, and the need for redemption becomes ever smaller.

We want to avoid all constructions of human history and not consider the masses at all, but rather the scattered individuals everywhere: they form a bridge over the desolate river. They do not continue a process; rather, they live together and simultaneously, thanks to history, which allows such interaction.

It is the “Republic of Geniuses.” The task of history is to mediate between them and thus repeatedly provide the occasion and strength to produce the great and beautiful. The goal of humanity cannot lie at the end, but in the highest examples, which, scattered across millennia, together represent all the highest forces hidden within humanity.

Moreover: world process!! It is only about the ragtag of human earth fleas!

Hartmann says p. 637. “Just as little as the concept of development would be compatible with attributing an infinite duration to the world process in the past, because then every conceivable development would already have been completed, which is not the case (!!!), we cannot grant the process an infinite duration for the future; both would abolish the concept of development toward a goal and equate the world process with the water-drawing of the Danaïds. The complete victory of the logical over the illogical must therefore coincide with the temporal end of the world process, the last day (!!).”

From this Hartmannian “world process,” one gladly flees to the Democritean atomic chaos and to the Darwinian doctrine of the survival of the fittest among the countless combinations.

Here there is still room for the great individuals, even if chance has hurled them forth. In Hartmann, the negation of the will is an aberration, and the affirmation of life is the true duty. Ultimately, the majorities on earth are even supposed to vote for annihilation and the return to nothingness!

In contrast, our doctrine, that consciousness is only promoted and developed through ever higher illusions. We stand so low with our “consciousness” (compared, for example, to the Greeks) because our illusions are lower and more vulgar than theirs. I am not able to call this progress toward vulgarity a progress toward “manhood.” If one were to imagine the illusions disappearing, consciousness would evaporate down to the level of a plant. Illusions, by the way, are only the expression of an unknown state of affairs.The goal of Hartmann is to lead humanity to blasé state: then universal suicide: carried out by the majority of people! Then the world tips over and sinks back into the sea of nothingness. The task of the next generations is to initiate blasé state through devotion to the world process, i.e., affirmation of the will to live!

Disgusting book, a disgrace to the era! How infinitely purer, higher, and more moral Schopenhauer's pessimism appears!This Hartmannian philosophy is the grimace of Christianity, with its absolute wisdom, its judgment day, its redemption, etc. The speculation on the effect of the monstrous paradox, combined with laissez faire, was never wilder. The David-Straussian present is incorporated into the world process, finds its place, and is thus justified. Hence the success with the literary masses (that is what "success" means now: they are already capable of inciting the public to buy!).

29 [53]

The Hegelian “world process” dissolved into a fat Prussian state with good police. This is all disguised theology, even in Hartmann. But we cannot think beginning and end: so let us leave this “development” to itself! It is immediately ridiculous! Man and the “world process”! The earth flea and the world spirit!

29 [54]

What the people are there for, what "man" is there for, should not concern us at all: but what you are there for, ask yourself that: and if you cannot find out, then set yourself goals, lofty and noble goals and perish in pursuit of them! I know no better purpose in life than to perish in pursuit of the great and impossible: animae magnae prodigus.

29 [55]

  1. Description of the historical sense, ultimately with its extreme, the world process and the moral law derived from it.
  2. Internal reasons for this hypertrophy of the historical sense.
  3. Significance of history for a culture.

29 [56]

The historical in education. The young person is whipped through all millennia, which was not the case for the Greeks and Romans. Add political history for young men! Who cannot understand anything about a war, nothing about a state action, about trade policy, power issues, etc.! This is how the modern person walks through galleries, this is how he listens to concerts! It sounds different from that, he feels, and he then calls it “historical judgment.”— The mass is so large that numbness must be the consequence. The terrible and barbaric penetrates, in excess, and where a finer consciousness exists, the feeling must be one: disgust. In addition, the young person is alienated from his homeland and learns to doubt all customs and concepts. It was different in every era: “it does not matter how you are.” Depending on that, the person will now turn to the worse or the better (i.e.Solving great things: "So it goes free, but dangerous, without leading strings." Fortunately, the sense of youth is usually so dull that nothing essential comes out, except an unclear stupor; the strong imagination is lacking, and besides, the incoming masses are too powerful, everything is flooded.

Such a measure of history is necessary for no one, as the ancients show, indeed highly dangerous, as the moderns show.

Now the historical student! He has explored a completely isolated little chapter of the past: now he is a servant of science, of truth, now all modesty is over, he is finished! Scholarly arrogance prevents higher education. I regard young doctors of history as people who cannot count to three in education and mostly never will: for they are already “productive”! Good heavens!

29 [57]

To take everything “objectively,” to be angry about nothing, to love nothing, to “comprehend” everything—that is now called “historical sense.” Governments promote such a sense just as eagerly as they have promoted forestry; for it makes people compliant and pliable. Above all, the entire press is trained in it: one is angry and annoyed only “artistically,” otherwise one is “blasé” and “understands” everything: tout comprendre c’est tout pardonner: but one does not “forgive,” one justifies everything. Not bound himself, the historical journalist denies all bonds: he allows them to exist only in a utilitarian sense.

It is no longer to be the age of the harmonious personality, but that of “collaborative work.” That only means: people, before they are finished, are used in the factory.

But be convinced, in a short time science will be just as ruined as the people of this factory work. The "solid mediocrity" becomes ever more mediocre, man is wiser in one point than any man and in all others more foolish than any former scholar: in summa, however, infinitely more conceited. System of laborers who decree genius as superfluous: one will see from your buildings that they have been carted together, not built together. To him who eternally has "division of labor!" "In rank and file" etc. on his lips, it must be said clearly and fully: if you want to advance science as quickly as possible, you will also destroy it as quickly as possible: just as the hen perishes when you artificially force it to lay eggs too quickly.Well, science has been rapidly advanced in the last decades: but look at the scholars, the exhausted hens. They are truly no longer “harmonious” natures: they can only cackle more than ever, but the eggs are also smaller than ever. Hence now also the popular “popularization” of history for “mixed audiences.” This comes so easily to the scholars because they themselves, apart from a very small area, are “very mixed audiences” and carry those needs within themselves.You only need to sit comfortably in your dressing gown once, and you will succeed in opening up even your small study area to those mixed-popular needs: for this act of convenience, the name “modest condescension of the scholar to the people” is displayed, while in reality the scholar has only descended to himself, insofar as he is not a scholar but a rabble. First create a people—you can never imagine it noble and high enough! But your “mixed audience” cannot be imagined common enough!

29 [58]

In conclusion. If you have become disheartened through this reflection, the author can tell you that he foresaw this: something, however, that he cannot foresee is where you will now direct that discontent: whether namely against the author or against yourselves. In the latter, certainly rare case, you will do best to forget the author entirely: what does it matter who speaks a truth: as long as it is spoken at all and there are those who take it to heart. I have written for both classes and, as I hope, clearly enough.

29 [59]

All over the world, people do not speak of the unconscious because, by its very nature, it is unknown; only in Berlin do they talk and know something about it and tell us what it is actually aimed at. Namely, that our time must be exactly as it is if humanity is to one day grow tired of this existence: what we believe with all our hearts—while only E.from H it is known.— What David Strauss accepts as naive factuality is justified by H not only from behind, ex causis efficientibus, but even from the front, ex causa finali: from the last day, H lets the light shine over our time, and there it is found that it approaches the manhood of humanity, that blessed state where there is only solid mediocrity, art of the kind that the Berlin stockbroker needs in the evening, where “geniuses are no longer a need of the time, because it would mean casting pearls before swine or also because the time has moved on from the stage to which geniuses belonged to a more important one” (p. 619). We wished we had made a mistake; but I have only copied.Moral: it stands utterly wretched, it will become even more wretched, but it must stand thus, it must come thus, “visibly the Antichrist reaches further and further” (p. 610). But we are on the best path with all of this: “therefore vigorously forward in the world process as workers in the vineyard of the Lord, for the process alone is what can lead to redemption” p. 638. Do we guess the meaning of H if we sense in him the ironic farceur who once and for all wants to expose the notion of the “world process” to ridicule?In this sense, we have rarely read a funnier invention and a more philosophical roguery: but the entire literature has not listened properly and has only found its own justification in the apocalyptic light therein, so that it has missed that H has written the world-process philosophy as a philosophy for contemporary roguery. That is the real charm of all H's inventions: the knowing one feels that he does not mean it seriously at all, except insofar as it is necessary to lure the ignorant into honest earnestness.

29 [60]

Grillparzer “every person has at the same time their own separate necessity, so that millions of directions run parallel, in curved and straight lines alongside each other, intersect, promote, hinder, strive forward and backward, and thereby take on the character of chance for one another, and thus, apart from the influences of natural events, make it impossible to demonstrate a comprehensive, all-encompassing necessity of what happens.”

By the way, only the completed, finished, dead would be worth studying, because the final instructive consequences become visible.— History as a “world system of errors and passions.” Negative lesson: what one must guard against.

Grillparzer: “there is something peculiar about the flourishing and withering of peoples. In each there is a prominent force that acts beneficially as long as it has obstacles to overcome, but after this victory turns against itself.

29 [61]

When a Stoic and an Epicurean become one, they conspire to murder Caesar.

29 [62]

The facts themselves are considered "direct emanations of the world spirit," only they alone would therefore have the necessary dignity and depth, therefore tragic art should subordinate itself to history. Ridiculous! To history! "What is history other than the way the human spirit absorbs these impenetrable events for him; that, God knows whether related, connects; the incomprehensible through something comprehensiblereplaces; imposes his notions of expediency outward upon a whole that knows only an inward one; and again chance, where a thousand small causes were at work. What else is history! What else but the work of men! But since it is not the events themselves, but their connection and justification, that matters to the poet, then let him, in God's name, invent his own events if he so desires.”

29 [63]

As it is said of the actor, his art has three stages: “to understand a role, to feel a role, and to behold the essence of a role,” and only all three make the true actor: so one might say differently of the historically great person: he sees above all what is to be done, his mission, as a sum of individual vivid cases, rarely does he feel the unity of all these cases as his mission, and most rarely does he understand his mission. But the historian follows on his heels and can do all three.

29 [64]

Hungarian and the Hegelian Professor.

History as “the self-realizing concept, with demonstrable necessity and eternal progress. It thereby acquires “a theoretical halo,” it is “the walking of God on earth, which God, however, is only made through history.” Here I might almost agree with the Spaniard Juan Huart, who says of the Germans that they have a strong memory and little understanding; their understanding is always like the understanding of the drunk, because the great moisture with which their brain and the rest of their body is filled does not allow them to penetrate the nature of things.” One is also reminded that he attributes to them great inventiveness in clockworks, waterworks, and mechanical contrivances, and one would be inclined to regard such a self-realizing conceptual clockwork as

to place this series.

29 [65]

Grillparzer rails "against the usefulness of literary history itself for the practical further development of literary branches, which has been pretended in recent times, and rather counts it among those sometimes dangerous endeavors that, while on the one hand increasing the mass of superficial knowledge, that is to say: notes, on the other hand expand the horizon immeasurably, so that finally that inner concentration becomes ever more difficult, without which an act or a work is not possible. In the lack of this concentration lies the curse of our time."

We feel with abstraction, says Grillparzer. We hardly know anymore how emotion expresses itself in our contemporaries; we let it make leaps that are no longer made today.

Shakespeare has spoiled us moderns.— Who will believe in the truth of Heine's feelings! Just as little as I believe in those of E. von Hartmann. But they reproduce with an ironic tendency, in the manner of great poets and great philosophers: whereby they fundamentally have a satirical direction and mock their contemporaries, who like to be deceived, in philosophy and lyric poetry, and therefore seriously watch with their curious spectacles to immediately find the historical category where these new geniuses have their place: Goethe and Heine, Schopenhauer and Hartmann! Long live the fine "historical" sense of the Germans!

29 [66]

Everyone keeps talking incessantly about the spirit of the people, the unconscious, the ideas in history, etc., but nothing comes of it for the present. It seems that only what unconsciously springs from the deepest well of the spirit of the people is valued, and in practice, everything is imitated as consciously as possible—and unfortunately as clumsily as possible: English parliamentarism, French fashions, English shopkeeper morality, and French, even international, progress-phraseologies, plus paintings from all eras and peoples, and what is strange is now considered by the modern German as the most beautiful luxury. Imagine Friday at the Victory Column: what feelings swell within him! Then, indeed, it stands with us, as the rogue Hartmann recounts, that we have been approaching "since the last century that ideal state where mankind makes its history with consciousness" (p.291); we even sense the even more ideal state where humanity, along with its history and the world process in general, comes to an end and "hurls itself back into nothingness," perhaps after telegraphic communication across the globe that the majority (see p. 640) has been won for this, and with the police decree that next Saturday evening at precisely 12 o'clock the world shall perish, including the overruled minority. "From tomorrow on there will be no more time": which the rogue Hartmann would cite as Revelation 10:6 (seePhilosophy of the Unconscious, p. 637).

The same jester designates the "fourth and final" phase of social development as free association: the worker must be educated to maturity, this education (through Schultze-Delitzsch associations, better schooling, worker education societies, etc.) must be practiced, that is the most important social task of the present. p. 296: "The ultimate goal of this social development would be that everyone, with a working time that leaves them sufficient leisure for their intellectual training, leads a comfortable existence."

29 [67]

Hartmann and Heine are unconscious ironists, Schalke against themselves: Kant denies that someone can deceive themselves.

29 [68]

“Looking into the future is difficult, says Grillparzer, looking purely back into the past is even harder. I say purely, i.e., without mixing anything into the retrospect that has happened or emerged in the meantime.”

Grillparzer: “The fundamental flaw of German thinking and striving lies in a weak personality, as a result of which the real, the existing makes only a slight impression on the German.”

29 [69]

Inwardness—outward dishonesty. Philosophy.

29 [70]

Polybios says “just as an animal becomes utterly useless through the loss of its eyes, so history stripped of truth is nothing but a useless tale.”

“History is the preparation for state administration and the most excellent teacher, because it exhorts us to endure the vicissitudes of fortune steadfastly by recalling the misfortunes of others.”

29 [71]

How the belligerent leading and noise articles of the Kölnische Zeitung during the last war relate to a Demosthenic speech, so does this inflated preparation, the historical fever man, relate to the historical men of action. A newspaper editor with the Tyrtaean battle trumpet is just as comical as Demosthenes as a leading article writer. Whoever wants to do something proper must feel beforehand and not feel afterwards and must not look around at all.

29 [72]

Hegel “when the spirit makes a leap, we philosophers are also there.” In philosophy, it is the spirit of a people, the spirit of an age, that comes to consciousness in it. Now, something of the ironic consciousness will probably also be found in Hartmann

God is to be “the universal spirit of humanity active in all national spirits,” and the elevation to the enjoyment of the idea in and for itself is to be religion.

Hegel: “the universal world history, whose events represent the dialectic of the particular national spirits—whom he has in little bottles—the world judgment.” “That history, and indeed essentially world history, has an ultimate purpose inherently as its foundation and that this purpose has been and is being realized in it—the plan of Providence—that there is reason in history at all, must be philosophically established in and of itself and thus recognized as inherently necessary.” “A history without such a purpose and without such judgment would be nothing but a feeble meandering of imagination, not even a children’s fairy tale, for even children demand in stories an interest, that is, a purpose at least hinted at and the relation of events and actions to it.” Conclusion: every narrative must have a purpose, thereforealso the history of a people, the history of the world. That is, because there is “world history,” there must also be a purpose in the world process. That is, we demand narratives only with purposes: but we do not demand any narratives of the world process at all, because we consider it nonsense to speak of it. That my life has no purpose is already clear from the randomness of its origin; that I can set a purpose for myself is something else. But a state has no purpose: rather, only we give it this or that one.

29 [73]

On the Mythology of the Historical. Hegel “what happens to a people and what takes place within it has its essential meaning in relation to the state; the mere particularities of individuals are farthest removed from that object belonging to history.” But the state is always only the means for preserving many individuals: how could it be an end! The hope is that, in preserving so many duds, some will also be protected in whom humanity culminates. Otherwise, it makes no sense at all to preserve so many wretched people.The history of states is the history of the egoism of the masses and of the blind desire to exist: only through geniuses is this striving somewhat justified, insofar as they can exist in the process. Particular and collective egoisms in conflict with one another—a whirl of atoms of egoisms—who would want to search for purposes there!

Through genius, something does emerge from that whirl of atoms, and now one thinks more kindly of the senselessness of that activity: somewhat as if a blind hunter shoots many hundreds of times in vain and finally, by chance, hits a bird. Finally, something does come of it, he tells himself, and shoots on.

29 [74]

Hegel “the interest of a biography seems to stand directly opposed to a general purpose, but it itself has the historical world as its background, with which the individual is entangled.” Hence the apologetic titles “Demosthenes and His Time” etc. If there are 10 biographies from one era, then one has the same thing ten times over: bookmaking! About the “spirit of the time of Ambrose and even—speaking with Lichter—something about the individual particularity of Ambrose, insofar as it is entangled with the background of this time.”

Otherwise, everything would be quite fine if it were not so absurd to speak of “world history”: assuming there were a world purpose, it would be impossible to know it, because we are earth-fleas and not world-rulers.

Every deification of abstract general concepts—state, people, humanity, world process—has the disadvantage of making the burden of the individual smaller and lightening his responsibility. When it comes to the state, little depends on the individual: as every war shows. Translated into the moral realm: whoever takes from man the belief that he is something fundamentally more valuable than all the means to his existence makes him worse. The abstractions are his creations, his means of existence—nothing more, not his masters. As a moral being, he must always be allowed to perish in the struggle against means that grow overpowering and are reinterpreted for purposes, i.e., to become a martyr: so as not to *propter vitam vitae perdere causas*.

29 [75]

What man sees as cause and effect interlocking, he is inclined to connect as means and purpose. Schiller: “one phenomenon after another begins to free itself from blind chance, from lawless freedom, and to arrange itself as a fitting member of a harmonious whole—which, to be sure, exists only in his imagination.” I propose as a general canon to explain the history of peoples with the application of a minimum of spirit and intention, on the whole purely materially, by analogy with colliding atomic complexes. Gravity stupidity.— Against mythology.

29 [76]

Certainly, the need for association with great predecessors is a sign of higher disposition, but Goethe is equally right that a scoundrel remains a scoundrel and that a petty nature does not grow an inch taller through even daily intercourse with the grandeur of ancient sentiment. But when such petty natures also learn to deal familiarly with past trivialities and wickedness, and in history eagerly trace the effects of the small, they become more and more goblin-like, malicious, treacherous, and practice their wicked agility to the annoyance of all the upright and great.

29 [77]

How much historical knowledge kills, Goethe once expressed. “Had I known as clearly as I do now how much excellent work has existed for centuries and millennia, I would not have written a single line, but done something else.”

29 [78]

Goethe: “Our time is so bad that the poet no longer encounters any usable nature in the surrounding human life. In order to build himself up, Schiller turned to two great things: philosophy and history.”

Goethe “Actually, it is not my endeavor to see more clearly and brightly to a certain degree in the dark regions of history—Niebuhr was actually what occupied me, not Roman history.So a man's deep sense and diligent manner is actually what builds us up. All the agricultural laws actually don't concern me at all, but the way he explains them, how he makes the complicated circumstances clear to me, that's what promotes me, what imposes the duty on me to proceed in the same conscientious manner in the affairs I take on.”

Goethe to Lavater “Results and abstractions I do not like, history and details I do not want.”

29 [79]

Goethe “Schiller appears here, as always, in absolute possession of his sublime nature; he is as great at the tea table as he would have been in the State Council. Nothing embarrasses him, nothing restricts him, nothing drags down the flight of his thoughts; whatever lives in him of great views always comes out freely, without consideration and without hesitation. That was a true man, and so one should be too!”

29 [80]

With historical education, it is as with scholarship.

Lichtenberg says “I believe that some of the greatest minds that ever lived had not read half as much and knew far less than some of our mediocre scholars. And many of our very mediocre scholars could have become greater men if they had not read so much.”

Lichtenberg “would it not be much better for the human race if we had no history at all, or at least no political history? Man would act more according to the powers he has at any given time; as it is, here and there the example, against one whom it improves, makes thousands worse.”

Goethe “Whoever does not now devote himself to an art or a craft will be in a bad way. Knowledge no longer advances; with the rapid turnover of the world, by the time one has taken note of everything, one loses oneself.”

29 [81]

Through historical studies, the contrast between "educated" and "uneducated" has entered the world: what the productive spirit has lost in the process! It is unspeakable! He has lost confidence in his people because he knows their feelings to be falsified and distorted. Even if this feeling has become more refined and noble in a small part: that does not compensate him, for he then speaks, as it were, to a sect and no longer feels necessary among his people. He would rather bury his treasure because he feels disgust at being patronizingly claimed by a class, while his heart is full of compassion for all. It is the end of religions, as it is of the arts, unless a flashing god succeeds in tearing down that wall.

29 [82]

The number of historical writings published annually? And on top of that, almost the entire field of classical studies must be added! And furthermore, in nearly all sciences, the overwhelming majority of writings are historical, except for mathematics and a few disciplines of medicine and natural science.

I am always amazed that people do not develop a disgust for themselves when they constantly contemplate the past. But side by side stand historical fever and the greatest momentary vanity.

29 [83]

Goethe Nature.
Suppose it were true—then madness is lacking:
in great things,
which never succeed without some madness.

29 [84]

“Only through increased practice, says Goethe, should the sciences act upon the external world; for essentially they are all esoteric and can only become exoteric through the improvement of some action. All other participation leads to nothing.— That one also calls upon the rest of the world and gives it notice of this, as happens in modern times, is an abuse and does more harm than good.”

Goethe “However, a main characteristic remains by which the true can most surely be distinguished from the false: the former always works fruitfully and favors the one who possesses and nurtures it; whereas the latter lies dead and barren in and of itself, and is even to be regarded as a necrosis, where the dying part hinders the living from completing the healing.”

29 [85]

“Well done, by my troth, neighbor Schlehwein! You see, the dear Lord is a good man; if two of them ride on one horse, then one must sit at the back.”

29 [86]

“Ask yourself, says Hume, or any of your acquaintances, whether they would wish to relive the last ten or 20 years of their lives. No! But the next 20 will be better, they say—

And from the dregs of live hope to recive,
What the first sprightly running could not give.”

The misery drives people into the future, the misery drives them into an earlier past, to demonstrate to themselves the relative happiness of the present or to console themselves that others have once fared well. The drive for happiness is what prevents people from finding the lesson of their day, resignation; since happiness is not here, it must evidently come, they conclude, or have been there. Or it is already here, compared to the earlier misery, etc.

What drives every person forward drives them all forward: they use history to become happier in the future.

There are two ways of viewing the past: for one, any period, any people, any day suffices; the other is insatiable because it finds nowhere the answer it seeks: how to live happily. The wise live by the first, the unwise, active person by the second, the historical. Now there is a way of pursuing history that prevents people from being active without leading them to resignation. That is our manner.

David Hume “this world is, compared to a higher standard, very frail and imperfect.She was only the first crude attempt of a still youthful deity, who later abandoned the same out of shame for the failed work: she is perhaps only the creation of some subordinate lesser god and the object of derision by higher beings: perhaps she is the birth of old age and weakness, of a deity burdened by the weight of years, and has, since its death, after the initial impulse and the activity imparted by it, continued to move onward by chance.”

Hume: “if a stranger were suddenly cast upon our globe, I would, to give him a model of its sufferings, show him a hospital filled with diseases, or a prison overloaded with criminals or debtors, or a battlefield strewn with corpses, a sinking fleet at sea, a nation languishing under tyranny, famine, and plague. To show him the cheerful side of life and give him an idea of its pleasures—where should I take him? To a ball, to an opera, to a court? Rightly would he believe I only wanted to show him another kind of troubles and cares.”

29 [87]

To enlighten someone about the meaning of earthly life—that is one goal; to keep someone in earthly life and bind them to numerous future generations (for which it is necessary to withhold the first contemplation from them)—that is the other goal. The first seeks a quietive for the will, the second does too: the first finds it in the nearest proximity and is soon sated with existence, the other is insatiable and roams into every distance.

With the second kind, the past should actually always be viewed pessimistically—in order to find the present relatively bearable.

However, not so pessimistic as to teach the worthlessness of the past, but rather in such a way that, although it is worse than the present, and the present-day person would not wish to exchange with it, it still shows a progress within itself, precisely toward the present, so that the belief may be strengthened that happiness is attainable through further progress. Thus, the more a time recognizes its own misery, the darker it will depict the past; the less it does so, the brighter. And the happy, i.e., the comfortable, will see everything past in a cheerful light, but the present in the cheerfullest. But in general, the impulse to look backward will be all the stronger the greater the distress of the present: for cheerful, active times, history is little needed and, for the comfortable, even becomes a luxury.

With us, the historical drive is now extraordinarily strong as never before: and yet the conviction of the happiness of the present is just as strong. A contradiction! Here the natural relationship seems to be missing.

Think of Livy’s goal, of Tacitus, of Macciavell—flight from the present and consolation—often the mere consideration that it was once different is enough, often that it was the same, often that it was better.

Our time, on the other hand, capriciously indulges in objective historiography, that is, history as a luxury: and betrays the greatest satisfaction with itself.

Engaging in history has become a luxurious drive: therefore, one should become aware of the needs and thus establish a natural relationship between history and present necessity.

How is it that the sense of necessity has become so weak? From the weak personality.

But the luxurious historical drive makes this ever weaker.

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There are two ways to view the past, and if I call one the historical and the other the unhistorical, I do not mean to praise the former or, even less, to criticize the latter. Only, one should not confuse the second with the poorly historical, i.e., the first in its degeneration or immaturity. The unhistorical way of viewing finds, in every moment of time, every experience, under every sky and among every people, the meaning of human life in general: and just as all languages express the same needs of humanity, so to the unhistorical observer, that primordial meaning underlying all histories, great and small, seems illuminated from within with clairvoyant clarity, so that the manifold hieroglyphs no longer concern him: beggar and prince, village and city, Greeks and Turks—all teach the same about existence.

Such consideration is rare among us: we demand history, just as we give preference to historical peoples and individuals to the extent that we despise the others. In our opinion, weak people live on the Ganges, weary from the hot climate and indolence; we reproach them for their weak personalities and declare their unhistorical way of thinking as a sign of stagnation. But perhaps our demand for historical peoples and individuals is also just an occidental prejudice. At least it is certain that the wise of all times have thought unhistorically and that through millennia of historical experiences, not a single step more wisdom is to be gained.The following investigation, however, addresses the unwise and the active, to ask whether our current manner of pursuing history is not precisely the expression of weak personalities: while with this manner we are as far removed as possible from that unhistorical contemplation and becoming wise. —

Let us assume that historical investigation could attain the truth regarding something living, for example,regarding Christianity: then it would have destroyed the delusion that spreads around everything living and active like an atmosphere—namely

“in all great things,
“which never succeed without some delusion.”

By eliminating the delusion, for example regarding religion, one would have destroyed religiosity within oneself, i.e., the productive mood, and would have been left holding a cold, empty knowledge, along with the feeling of disappointment.

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Whoever no longer sees the workings of a personal God in every sparrow that falls from the roof will be much more composed, because they no longer replace it with mythological beings such as the Idea, the Logical, the Unconscious, etc., but instead attempt to make the existence of the world comprehensible with a blind world ruler. So let them disregard natural purposes, even more so the purpose that a national spirit, or even a world spirit, is supposed to fulfill. Let them dare to consider humans as a random accident, as an unprotected and defenseless nothing exposed to every ruin: from here, too, it is possible to break the human will, just as from that of a divine government.

The historical sense is only a disguised theology—“we shall still bring it to a glorious end!” A final purpose hovers before mankind. Christianity, which condemns humanity and selects rare specimens, is therefore thoroughly unhistorical because it denies that anything could emerge in the coming millennia that is not already available to everyone now and has been for 1800 years. If, nevertheless, the present age is thoroughly historically minded, it indicates that it is no longer held down by Christianity, that it has become un-Christian again, as it was a couple of millennia ago.

29 [90]

I. Historical—Unhistorical.
II. Monumental—Antiquarian.
III. Effects of Hypertrophy.
IV. Causes of the same. Hartmann as an illustration in conclusion.
V. The weak personality. Therefore, that drive must be conquered, it rests on a weakness.
(Mythology of history.)
Remedies against historical fever:
1) No history?
2) Denial of all purposes: the atomic chaos.
3) Goethe's natural science.
4) Cultivation of the unhistorical sense: Philosophy—Religion—
Art. Seer: Future.

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Many weak ones do not make anything terrible: but many fools, they give the donkey in concreto, a terrible animal. The time is not stupid.

Strong one, rejoice in strength.

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When historians like Ranke become common, they do not instruct: such statements were known long before their work: they remind us of the senseless experimentation that Zöllner criticizes in the natural sciences.

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Mirabeau: if I have spoken the truth, why should my vehemence in expressing it diminish its value?

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— The path to which the blindness of the last generations drives is the one at whose end, according to a true word of Lord von Stein, “the Jews will be the ruling class, the peasant a scoundrel, and the craftsman a bungler: where everything will be dissolved and only the sword will reign.”

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Niebuhr (fere): “to one thing at least history, clearly and thoroughly understood, is useful: that one knows how even the greatest and highest minds of our human race do not know how by chance their eye has taken the form by which they see, and by which to see they violently demand of everyone, violently namely, because the intensity of their consciousness is exceptionally great. Whoever does not know and understand this quite precisely and in many cases, is subjugated by the appearance of a powerful mind, which brings the highest passion into a given form: if the reader is immature, then the immediate contemplation of the daily intellectual life of a Powerful one causes in his soul the same disadvantage that novel-reading has for a weak girl.”

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“Objectivity of the historian” is nonsense. One thinks it means that an event is viewed in all its motives and consequences so purely that it no longer has any effect, namely, that it remains a pure intellectual process: like the landscape for the artist who merely depicts it. “Disinterested contemplation,” an aesthetic phenomenon, the absence of all volitional impulses. With “objective,” then, a state in the historian is meant, the artistic contemplation: but it is a superstition that the image which things show in a person thus attuned reveals the true essence of things. Or does one mean that in that state things are, as it were, photographed, does one mean that it is a purely passive state?

On the contrary: it is the actual time of conception of the artwork, a moment of composition of the highest kind: the individual will sleeps during this process. The painting is artistically true, certainly not yet historically; it is not the facts, but their fabric and connection, that are here poetically added and which may coincidentally be true: but even if they are false, they are still “objective.”

To think history objectively is the silent work of the dramatist: to think everything together, to weave everything individual into a whole: always with the artistic presupposition that the plan, the connection, is within it: a presupposition that is not at all empirical-historical and contradicts all “objectivity,” as it is commonly understood. That man spins and tames the past is an artistic drive: not a drive for truth.The perfect form of such historiography is pure artwork: without a spark of common truth.

Is it permitted that everything be considered artistically? For the past, I wish above all the moral assessment. Thus, a dangerous confusion of the artistic and the moral: whereby the moral is weakened.

Now, however, that objectivity is usually just a phrase, because the artistic potency is lacking. In place of that artistic calm comes the theatrical affectation of calm: the lack of pathos and moral strength disguises itself as superior coldness of contemplation. In more common cases, banality and commonplace wisdom, which indeed have nothing exciting about them, take the place of artistic disinterestedness. Everything unexciting is sought—

Now that the highest and rarest is being discussed, the common and shallow motivation is outrageous when it stems from the vanity of the historian. (Swift: “every man has just as much vanity as he lacks in understanding.”)

Should the judge be cool? No: he should not be partial, should not have his own advantage and disadvantage in mind. Above all, he must truly stand above the parties. I do not see why a latecomer should therefore be the judge of all those born earlier. Most historians stand below their objects!

It is now assumed that the one to whom a moment of the past is of no concern at all is called to represent it: philologists and Greeks usually behave this way towards each other: they have nothing to do with each other.This is also called “objectivity”: even for photography, besides object and plate, light is needed: yet one thinks that object and plate suffice. Radiant sunlight is lacking: at best, one believes that the oil lamp of the study is enough.

Completely thoughtless people believe in general that they and their time, in all popular views, are right: as every religion believes of itself. They call “objectivity” the measuring of past opinions against the commonplace opinions in which they seek the canon of all truths. Translating the past into the triviality of the present is their work. They are hostile to any historiography that does not consider these popular opinions canonical: that is supposed to be “subjective”!

Only from the highest power of the present may you interpret the past: only in the highest tension will you guess what in the past is worth knowing. Like by like! Otherwise you are lost, otherwise you drag the past down to you. Do not believe a historiography unless it is in the hands of the rarest spirits: you will always notice the quality of their spirit when a general statement is made. No one can be both a great historian and a shallow or dullard. But do not confuse the workers: e.g., les historiens de Ms. Thiers as one naively says in France.A great scholar and at the same time a simpleton—that is possible!

So: History requires the active, History is written by the experienced! Whoever has not experienced something greater and higher than all others will also be unable to interpret anything from the past.— The saying of the past is always an oracle: only as a seer into the future, as one who knows the present, will you be able to interpret it. The effect of Delphi is now particularly explained by the fact that these priests were exact connoisseurs of the past: now it is fitting to know that only he who builds the future has a right to judge the past: only as a seer is he a historian. The present is bad and, only a line.

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  1. No consideration of the past. Thier—Leopardi.
  2. Monumental—Antiquarian.
  3. “Objectivity.”
  4. Hypertrophy from weakness.
  5. Effects.
  6. Education therein.
  7. Mythology of history.
  8. Causes.
  9. Hartmann.
  10. Reaction—atomic chaos.
  11. Countermeasures.
  12. Standard for future historians.

29 [98]

The herd grazes past us: it feels no past, leaps eats rests digests, leaps again and so from morning till night and from day to day, briefly tethered with its pleasure and displeasure, namely to the stake of the moment: so that the human, seeing it, must sigh and would like to address it, as Giacomo Leopardi in the Night Song of the Shepherd in Asia:

Ah, how I must envy you!
Not only because you seem free
Almost from all sufferings,
Toil, loss, the worst
Anxiety in the moment forgetting —
More still, because never does weariness torment you!

We sigh, however, about ourselves, that we cannot let go of the past: while it seems to us as if the animal must be happy because it grows weary, immediately forgets, and continually sees the lived moment recede into fog and night. Thus it dissolves into the present, like a number that is absorbed into another without remainder, and appears as entirely what it is, in every moment, without any pretense or intentional concealment.We, on the other hand, all suffer from the dark and insoluble remnants of the past and are something other than what we appear to be, feel ourselves moved to see the herd or, in more familiar proximity, the child who still plays between the two gates of past and future in all too brief and all too blissful blindness—yes, perhaps only seems to play—we hesitate to disturb its play and awaken it from forgetfulness—because we know that with the word “it was,” suffering and struggle begin, and life is inaugurated as an infinite imperfect: finally, death impresses its seal upon this knowledge that existence is an eternal imperfect—as eternal having-been—by bringing the desired forgetfulness, but in doing so, it suppresses the present and existence itself.

We must therefore consider the past—this is the human lot: no one should be spared from becoming hard under this harsh yoke, and if someone has become very hard, they may even go so far as to praise the human lot precisely because of this inability to forget, precisely because the past cannot die within us and drives us onward with the restlessness of a ghost, up the entire ladder of all that humans call great, astonishing, immortal, divine.

29 [99]

That ordinary historiography is considered pleasant, I attribute to the same reason why ordinary conversation is considered pleasant: its character is composed of politeness and lies.

29 [100]

The best consideration of history is the one that is most fruitful for life. What good is it to strictly collect the causes, to produce the fact from them, and thus to mortify it! With another consideration, it could still have continued to bear witness alive: as soon as it appears as the result of a calculation, it no longer has an effect, but squanders all its strength in explaining itself.

29 [101]

Antiquarian—Monumental.
All dangers of both united in "objectivity."
Which people have thereby come to history—
General hypertrophy has thereby occurred.
Niebuhr—Goethe found no relation; Niebuhr prevailed. That may be good, for the sake of the national: but now it is high time to go back.

29 [102]

Influence on life.

Natural conditions in the monumental and antiquarian.

History as luxury—effect purely negative.

These drives bring dangers to the truth of history with them: therefore one has wanted to exstirpate them: but now history has no meaning.

  1. Imitation—not imitation—result: assimilation. Perspective of the monumental.

    Reverence, gratitude: result loyalty—motive of the antiquarian—piety. “It was once so” “Comfort.”
  2. History without any subjective occasions, without imitation, piety, present need.

    Highest esteem for the true a characteristic of the time: Kant—lie.

    Now pure comprehension, without relation to life—takes over the degeneration of the Antiquarian (the dead without veneration) and the Monumental (the living without imitation).

    Description of objectivity.

  3. By what drives does this luxury live (since the natural ones are lacking).
    Motives of hypertrophy.
  4. Consequences of such historians for history itself. New mythology.
  5. Consequences for the people, art, etc. Politics, religion.
  6. Final consequence for the moral—Hartmann.
  7. Remedy: History no luxury.

29 [103]

What does history mean for the formation of a culture?

It warns and advises against: it is to be used like the Daimonion: otherwise not.

29 [104]

History without imitation (without submitting to the great), without piety (without sparing the atmosphere of the living), without present distress

29 [105]

Niebuhr writes in 1796 that German literature is visibly on the decline, that Schiller and Goethe are worse than dead: "should Voss alone remain standing?" The reason given is first "the usual course of nature, which has been universally proven among all peoples." "I am pleased to share the bitterness over this year's Schiller almanac with Baggesen."

29 [106]

Hölderlin “you will certainly find that now the human organizations, spirits, which nature seems to have formed most distinctly for humanity, that these are now everywhere the more unhappy ones, precisely because they are rarer than in other times and regions. The barbarians around us tear apart our best forces before they can come to formation, and only the firm deep insight into this fate can save us, so that we do not perish in unworthiness. We must seek out the excellent, hold together with it as much as we can, strengthen and heal ourselves in the feeling of it and thus gain strength; the raw, the crooked, the misshapen not only in pain, but as that, which it is, which makes up its character, its peculiar deficiency, to recognize.”

29 [107]

Hölderlin, “even I, with all good will, grope with my actions and thoughts after this single human being (the Greeks) in the world and am, in what I do and say, often all the more clumsy and incoherent because I stand like geese with flat feet in modern water and am powerless to fly up to the Greek heavens.”

29 [108]

The greatest benefit, if everything (Pythagorean) repeated itself: then one would have to know the past and constellation to recognize the repetition exactly. But nothing repeats itself.

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One complains that cosmopolitanism is over: in history it persists, as a residue: but the prerequisite, universal piety, is lost, the desire to help everywhere.

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Goethe to Sch “You are quite right that in the figures of ancient poetry, as in sculpture, an abstract appears that can only reach its height through what one calls style. There are also abstracts through mannerism, as with the French.”

29 [111]

Epic and dramatic treatment of the past. Schiller: “the epic poet depicts for us merely the calm existence and activity of things according to their natures; his purpose lies already in every point of the movement; therefore we do not hurry impatiently toward a goal, but linger with love at every step.”

29 [112]

Goethe “it is only inclination that can see everything the work of art contains, and pure inclination that can also see what it lacks.”

Goethe “it is amusing to see what actually annoys this type of person, what they believe annoys one, how shallow, empty, and common they view a foreign existence, how they direct their arrows at the outer appearance, how little they even suspect in what inaccessible fortress the person dwells who is always serious about themselves and about things.”

29 [113]

The piety for the past goes so far that the Greeks tolerated the hieratic style alongside the free and grand one, with the pointed noses and the smile: later it became a gourmet taste. Thus the antiquarian manner in contrast to the monumental.

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Antiquarian.— Reverence for that from which or in which we are. Sanctifying power of personality—ancestral household goods and communal institutions gain dignity and arouse eager inquiry. The small, the limited is ennobled—womanly—the idyllic is found. Everywhere evidence of honest, loyal, industrious character.

Harms: all that is past is taken as equally important, no relation to life as preserving, not creating, the living is undervalued in favor of the revered (hieratic). Lack of judgment, all the past lies like a colorful hunting spoil. Hinders the resolute decision, paralyzes the actor, who always violates piety. The venerable “Old”; de mortuis nil nisi bene. The oldest customs, religions, etc.justify themselves through age and confuse all value assessments: because they add up the much sympathy that the Greeks have given them. That which has generated the most sympathy is the most venerable: one honors the mass of love. One forgets to ask about the motives of this sympathy: laziness, egoism, intellectual convenience, etc.

How does the past suffer from this? There is no proportion of things to one another, one person considers this important, another that.The V decays: one particle is appealing to someone, the next is cold and indifferent. In addition, the insignificant is perpetuated.

Gradually, a scholarly habit emerges, piety dies out, the collecting frenzy sets in, complete confusion of human tasks: significant natures lose themselves in bibliographic questions, etc. In summa, ruin of the living, who are continually plagued by venerable musty odors.

29 [115]

Man wants to createmonumentally
persist in the familiarantiquarian
free oneself from distresscritically.

29 [116]

Against the contrast of sentimental and naive, one might object: that precisely our present has that frostily clear and sober atmosphere in which myth does not thrive, the air of the historical—while the Greeks lived in the twilight air of the mythical and could therefore be clear and line-determined in their poetry, in contrast: since we seek twilight in art because life is too bright. This aligns with the fact that Goethe perceived the position of man in nature and the surrounding nature itself as more mysterious, enigmatic, and demonic than his contemporaries, all the more so resting in the brightness and sharp precision of the work of art.

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Schiller used history in the monumental sense, but not as an acting human being, but as one who drives to action, as a dramatist who urges to act. Perhaps we must now take all things one step further: what history once served, now drama must serve. Schillers intuition was correct: the word drama must conquer history to produce the effect that history (depicted monumentally) originally had. The historical drama, however, must not under any circumstances be antiquarian; Shakespeare did the right thing when he let the Roman appear as an Englishman. In drama, the powerful human being is placed at the forefront: it is not as a statistical law, therein lies the elevation above the current effect of history.But let us not make the highest artistic demands of it: let us present the drama as a rhetorical work of art: which is what it truly is in Schiller, let us not underestimate the power of eloquence, and let us at least teach our actors to speak well, since they will probably never learn to recite anything poetic. By separating the highest effects of tragedy for musical drama, we gain a freer stance toward the word drama: it may be rhetorical, it may be dialectical, it may be naturalistic, it should influence morality, it should be Schillerian.The Prince of Homburg is the model drama. To speak “naturally” is again necessary in the highest art: but since there is now no naturalness of speech in life either, let the actors be trained in the convention of the rhetorical and let the French not be despised. The path to style must be made, not leapt over: one will not be able to avoid the “style” conditioned by the hieratic, that is, a convention. Goethe’s theater direction.

29 [118]

After we emerged from the school of the French, we became helpless: we wanted to become more natural, and we did, by letting ourselves go as much as possible and essentially only sloppily and arbitrarily imitating what we previously meticulously imitated. Everything is permitted to think, but in reality, only public opinion is permitted. One has seemingly become free by tearing off the shackles of strict convention and exchanging them for the ropes of philistinism.

Simple and natural” is the highest and ultimate goal of culture: in the meantime, we must strive to bind and shape ourselves so that we may eventually return to the simple and beautiful. There is such a mad contradiction in our estimation of the Greeks and our capacity for their style and life. It is almost made impossible to remain on one of the lower and baser levels of style (which would yet be so necessary!), because the knowledge of the higher and better is so powerful that one no longer has the courage even to be able to do the lesser. Here lies the greatest danger of history.

29 [119]

My starting point is the Prussian soldier: here there is a real convention, here there is compulsion, seriousness, and discipline, even with regard to form. It arose from necessity. Certainly far removed from the "Simple and Natural"! His attitude toward history is empirical and therefore confidently alive, not scholarly. For some people, it is almost mythical. It proceeds from the training of the body and from the most meticulously demanded loyalty to duty.

Goethe then is exemplary: the unruly naturalism that gradually becomes strict dignity.

He is, as a stylized man, higher than any German has ever come. Now people are so narrow-minded as to make this a reproach to him and even to accuse him of growing old. Let them read Eckermann and ask themselves whether any man in Germany has ever come so far in a noble form. From there to simplicity and greatness is indeed still a great step, but we should by no means believe that we can leap over Goethe, but must always, like him, begin again.

29 [120]

Effect of the musical drama on the development of the group, the long position.

29 [121]

In Germany, the fear of convention is epidemic. But before a national style can emerge, a convention is necessary. Yet people live in a sluggishly incorrect convention, as all our walking, standing, and conversing shows. It seems one wants the convention that demands the least self-overcoming, where everyone can be quite sloppy. History is indeed very dangerous because it places all conventions side by side for comparison and thus summons judgment where it decides everything.

One walks through a German city, all convention, compared to other nations, reveals itself in the negative, everything is colorless, sluggish, worn out, everyone does as they please, but not according to a vigorous, thought-rich will, but according to the convenience that our clothing already accuses as the main consideration. Moreover, one does not want to waste time, for one is in haste. Only the convention that suits the lazy-hasty is approved.

It is like with Christianity; Protestantism boasts that everything has become inward: thereby the matter has been lost. So with the German, everything is inward, but one also sees nothing more of it.

29 [122]

Contrast of the Convention and the Mode. Precisely the latter is fertilized by the historical sense: it arises from luxury needs, seeks the new for its own sake, above all the striking, is "Mode" as long as it is "new". The Germans are almost willing to make a French convention, purely out of convenience and a sense of the familiar, into a convention.

29 [123]

Is it true that it is part of the German essence to be styless? Or is it a sign of its incompleteness? It is probably so: what is German has not yet fully emerged clearly. It cannot be learned by looking back: one must trust one's own strength.

The German essence is not yet there, it must first become; it must someday be born, so that it may be visible and honest before itself alone. But every birth is painful and violent.

29 [124]

Remedy: the Schillerian use of history
its dangers (Drastiker etc.)
significance as a warner, as a daemon—yes, it warns against itself.

29 [125]

Goethe: Madame de Staël “still surrounds herself with all kinds of grace, yet remains coarse enough as a traveler to the Hyperboreans, whose capital consists of ancient firs and oaks, whose iron and amber could still be put to such good use in utility and adornment; nevertheless, she forces one to bring out the old tapestries as guest gifts and the rusted weapons for defense.”

Goethe: “besides, I detest everything that merely instructs me without increasing my activity or directly enlivening me.”

29 [126]

Schiller: “I cannot believe otherwise than that the naive spirit, which all works of art from a certain period of antiquity commonly exhibit, is the effect and consequently also the proof of the effectiveness of tradition through teaching and example. Now, the question would be what could be expected from a school for art in a time like ours. Those ancient schools were educational institutions for pupils, the modern ones would have to be correctional houses for reprobates and, due to the poverty of productive genius, prove themselves more critically than creatively formative.”

29 [127]

Goethe an old court gardener used to say: “nature may be forced but not compelled.”

Goethe “how is it possible that the silly, even the absurd, combines so happily with the highest aesthetic splendor of music? This happens solely through humor; for this, even without being poetic, is a kind of poetry and elevates us, by its nature, above the object. The German so rarely has a sense for this because his philistinism only allows him to esteem any silliness that carries a semblance of feeling or common sense.”

29 [128]

Schiller to Goethe “You are truly, as long as you work, in the dark, and the light is only within you; and when you begin to reflect, the inner light emerges from you and illuminates the objects for you and others.”

29 [129]

Schiller “that the Germans only have a sense for the general, the reasonable, and the moral” (nothing revealed “a glimpse into the poetic economy of the whole”). Goethe “in Hermann and Dorothea, I have, as far as the material

29 [130]

Goethe: “No one has despised material costumes more than he; he knows the inner human costume very well, and here everyone is alike. It is said that he portrayed the Romans excellently; I do not find it so; they are all thoroughbred Englishmen, but indeed they are humans, humans through and through, and the Roman toga suits them well.” “The poet lives in a worthy and important time and presents its formation, even its deformation, to us with great cheerfulness.” —

— Now I ask whether it would even be possible to present Romans as modern Germans in overcoats and with the manners of literati, officials, or lieutenants. It would be a caricature: from which it follows that they are not human beings.

This belongs to the historical theme. We are accustomed to draping ourselves in foreign times and customs: as soon as we try to drape foreign times and people with ourselves, we turn them into a ridiculous caricature.

29 [131]

Goethe “strictly speaking, nothing is theatrical except what is simultaneously symbolic for the eyes: an important action that points to an even more important one.”

29 [132]

One finds that “the German lives in isolation and seeks honor in developing his individuality in an original way.” I can no longer admit: yes, a certain freedom of mindset is permitted: the manner of action is uniformed and rigidly imperative. It remains everywhere with the inner without an outer, as Protestantism believes it has purified Christianity by volatilizing it through inwardness and removing it from the world. In place of custom, i.e., the naturally appropriate and fitting attire, stands fashion, the arbitrarily imposed, which distinguishes individuals and immediately uniformizes them again. One permits now the fashion, but no longer the deviating way of thinking and acting. Conversely, the ancient human would have laughed at fashion, but approved of the individual manner of living, down to the clothing.

The individuals were stronger and freer and more independent in everything that can be seen in action and life. Our individuals are weak and fearful: a contrary spirit of the individual has withdrawn inward and shows its whims here and there; it resists peevishly and in secret. Freedom of the press has given these whimsical individuals room to breathe: they can now even express their miserable little separate vote in writing without danger: in life, things remain as they were. The Renaissance, to be sure, shows a different attempt, namely a return to the pagan-strong-personal. But the Middle Ages were also freer and stronger. The “modern age” operates through masses of uniform nature: whether they are “educated” is irrelevant.

29 [133]

The word “virtue” is old in Germany and yet rusted and somewhat ridiculous: one hardly notices anything anymore of the strictness of self-discipline, of the categorical imperative, and a conscious morality. How many teachers would not feel ridiculous if they were to speak of it! One consoles oneself with having the matter at hand: but this too becomes doubtful to me.

29 [134]

The mature Goethean wisdom cannot be grasped in a leap; not as a young person. There it is only “Blasirtheit.”

29 [135]

One can only express one's reverence for the German soldier by saying “he did not know what he sang, he did not hear it at all”; those songs of the last German war, those marches of the preceding Prussian wars are clumsy, at times even sickly-sweet vulgarity, the dregs of that “education” which is now so praised. Admittedly, only the dregs! But there were other dregs! Not a trace of true folk character in them, a true insult to the words “folk song, folk tune”! Rather like how a Cologne editorial writer relates to Tyrtæus. Pfui dich mal an, Junfer Bildung, Luther would say.

29 [136]

The historical sense of the German was apparently revealed in the storm of emotion with which Goethe thought of Erwin von Steinbach: in Faust, in W’s R d N, in Luther, in the German soldier, in Grimm. A feeling through and divining, a scenting of almost extinguished traces, a reading out of the palimpsest, yes, myriopsest—much erring and misjudging possible!

29 [137]

Program. 6 November 1873.

  1. Freedom of the Cities—the conditio.
  2. School and Custom under Municipal Authority.
  3. The Absolute Teacher Destroys (“Bildungskosak”).
  4. Historical Sense as Piety, Not as Calculation.
  5. Using the Soldier for Preparation of a More Serious Culture.
  6. Consequences of Centralization and Uniformity of Opinions to be Pushed to the Extreme, to Obtain Their Purest Formula and Deter.
  7. Solving the social crisis only municipally, not nationally.
  8. Abolition of the press through municipal eloquence.
  9. The destruction of the large uniform political parties.
  10. Localizing the religious problem.
    Restoration of the folk community and the retinues (army, diplomats).

The so-called objective historiography is an impossibility: the objective historians are destroyed or blasé personalities.

29 [138]

In Lichtenberg’s time, nothing was known about the Germans driving history to excess. However, he does attribute to them a talent for higher history. Recently, the entire education system has been historically founded: is it now the fault of history that German education as a whole is of so little worth?

History purely as an epistemological problem, in a lower degree directed only at knowledge, not at insight, in a higher sense without any impact on life.

Enormous expenditure of means, without vigorous practice.

29 [139]

Statistics do not consider the major actors on the stage of history, but only the extras, the people, etc.

29 [140]

How easily does objective historiography turn into tendentious historiography! That is actually the trick, to be the second and to seem the first.

29 [141]

Platonic education without history. Hartmann.

Progressive haste: where is one rushing to?

Founding of modern institutes.

The world is becoming more and more utilitarian.

Everything that once bound people is becoming more abstract.

An experiment is being conducted to see whether man is by nature good or evil.

Institutions are based on fear and necessity.

Fundamentally, cosmopolitanism must take hold.

The arbitrary boundaries of state and nation, devoid of mystery, are gradually appearing much more cruel and worse. The contradictions are sharpening hopelessly. Perishing from fever.

29 [142]

Description of the tranquility of the unhistorical world.

Longing for the shadowing of the work of art: in it we live at least for hours unhistorically.

“Among the speaking arts belongs the silent one.” Jean Paul.

“It takes much time for a world to perish—nothing more, however” says Gibbon.

29 [143]

If happiness were the goal, then animals would be the highest. Their cynicism lies in forgetting: that is the shortest path to happiness, even if it is one that is not worth much.

29 [144]

Schopenhauer suggests that perhaps all genius lies in the precise recollection of one's own life. If pure knowledge were the goal—would our time then be the most brilliant era? Is the greatest knowledge of people and things a sign of greatness? Is it the task of every generation to be a judge? I believe the task is rather to do something that later generations may judge.

29 [145]

All historical things measure themselves against something. What does our time have to counter with?

29 [146]

  1. Inwardly.
  2. Just and objective.
  3. Illusion destroyed.
  4. Age of humanity.
  5. Mythology.
  6. Hartmann.
  7. Unhistorical.
  8. The most naive stages of history.
  9. Delineation of the horizon.

29 [147]

Plan.

  1. Unhistorical—Historical.
  2. Use and harm of history. General.
  3. Transition to the description of the times.
  4. Inwardness.
  5. Just, objective.
  6. Illusion destroyed.
  7. Age of humanity. Hartmann. Mythology.
  8. Whether unhistorical? Plato.
  9. Measure of the historical. Limitation. Mastery.
  10. German culture. Value of history for it.
    Style. National modification.

29 [148]

He still says his things a bit more clearly than he thinks them.

29 [149]

Continuation of zoology.
That man is a herd animal is proven by statistics.

29 [150]

Wartburg competition: von der Hagen, Minnesinger, II 2ff. from the year 1300.
Ludus Paschalis on the advent and demise of the Antichrist. Pezii thesau Anecdot N 2.

29 [151]

Animal Man—Historical Unhistorical.
Plastic Power.
Unhistorical Foundation.
State as Example. (Forgetting the Past and Illusion about the Past.)
History serves life, it stands in the service of the Unhistorical.

29 [152]

What does unhistorical mean?
Passion acts unhistorically.
Also great goals, whether man or people.
Excessive estimation—Niebuhr. Leopardi.

29 [153]

1.Topic and Theses.
2.
3.
4.

History to Life.
Monumental.
Antiquarian.
Critical.
5.Transition to Critique of the Present.
6.
7.

8.
9.
10.
History
life
hostile.


inner.
alleged justice,
objectivity.
no longer mature.
latecomers.
world process.
11.Transition to the Remedia:
Plato. No history.
12.
13.
Remedia.

29 [154]

Fictional Mythical.
Love and Self-Forgetfulness.
Life as a Problem.
Ripe enough to mature.
The honesty and audacity of the word.
The heat of the sense of justice.

29 [155]

The excess proven 1) by the fact that everything remains internal
2) that nothing matures anymore
3) the feeling of being latecomers
4) stage of self-mockery
5) that history itself falters: alleged objectivity.

Transition: there one gladly throws oneself into the thought: no history at all. Rousseau.

29 [156]

Historical education as education in general.
Historical objectivity as justice.
Immature.
Irony—age of humanity.
World process.
Wise egoism.

Preface.
Introduction.
History for life.
History harmful to life.

29 [157]

  1. Historical, Unhistorical, and Suprahistorical.
  2. History in the Service of Life.
  3. History Harmful to Life.
  4. The Unhistorical and the Suprahistorical as Remedies for Life Damaged by History.

29 [158]

The history hostile to life.

  1. creates the dangerous contrast between inner and outer.
  2. awakens the appearance of justice.
  3. prevents the ripening and completion.
  4. awakens the belief in the age of humanity and is the advocatus diaboli.
  5. is suitable for the service of clever egoism.

29 [159]

Does my reader know the mood in which the observer lives? Can he forget himself, forget the author, and allow things we contemplate together to migrate into his soul, as it were? Is he prepared to be carried from calm into a restless play of waves without losing the observer's mood? Does he love the whistling of the storm and endure the outbursts of anger and contempt? And once more: can he, amidst all this, refrain from thinking of himself or the author?— Very well, I believe I have heard a "yes" from him and will no longer hold back from addressing him thus.

29 [160]

On the Use and Disadvantage of History for Life.

Preface.

I. Historical, Unhistorical, Suprahistorical.

II. History in the Service of Life.

a) the monumental history
b) the antiquarian
c) the critical

III. History Hostile to Life.

a) It creates the dangerous contrast between inner and outer.
b) It awakens the appearance of justice.
c) It destroys the instincts and hinders maturation.
d) It plants the belief in the age of humanity.
e) It is used by clever egoism.

IV. The Unhistorical and the Suprahistorical as Remedies for Life Damaged by History.

29 [161]

Chapter on life and history: what science says about it: laissez faire. The corresponding practice, the healing art, is missing.

29 [162]

In conclusion.
From irony to cynicism.
Plato’s means to save the youth for the state.
Schiller—correctional institutions.
Auxiliary science necessary—applied history, health education.
Remedy: the unhistorical, the suprahistorical. Praise of art and its power to form atmosphere.

29 [163]

Draft of the Untimely Meditations.

1873    David Strauss.
Use and Disadvantage of History.
1874    Reading and Writing Much.
The Scholar.
1875    Gymnasiums and Universities.
Soldier Culture.
1876    The absolute teacher.
The social crisis.
1877    On religion.
Classical philology.
1878    The city.
Essence of culture (Original-).
1879    People and natural science.

29 [164]

1 Prelude.
2 
3 The Distress of Philosophy.
4 The Scholar.
5 Art.
6 Higher Education.
7 State War Nation.
8 Social.
9 Classical Philology.
10 Religion.
11 Natural Science.
12 Reading Writing Press.
13 Path to Freedom (as Epilogue).

29 [165]

Plato and his predecessors.
Homer.

Skeptical thoughts.

29 [166]

Excellent depiction of the Germans and the French:
Görres, Europa und die Revolution, p. 206.

How changeable and fluid the boundary lines of every drawing are. Licht I 206.

29 [167]

Cycle of Lectures.

Rhetoric.
Rhythmics.
History of Poetry.
Prose.
Ancient Philosophy: 1) Pre-Platonists and Plato.
2) Aristotle and Socratics.
Choephori.
Hesiod’s Works.
Thucydides, B: I.
Lyric Poets.
Aristotle’s Poetics.

29 [168]

Romans and Greeks: The Romans' attitude towards Greek culture. Their judgments about it. They originated the decorative manner of culture.

29 [169]

Three Essays by Friedrich Nietzsche.

Homer and Classical Philology.
On Truth and Lies.
The Foundations of the State. (Competition, War.)

29 [170]

3.

Description of the chaotic confusion in a mythical age. The Oriental. Beginnings of philosophy as the organizer of cults, myths; it organizes the unity of religion.

4.

Beginnings of an ironic stance toward religion. New emergence of philosophy.

5. etc. Narration.

Conclusion: Plato’s State as supra-Hellenic, as not impossible. Philosophy reaches its height here as the founder of a state metaphysically ordered.

29 [171]

Greeks and Barbarians.

First Part: Birth of Tragedy.
Second Part: Philosophy in the Tragic Age.
Third Part: On Decorative Culture.

29 [172]

It is not at all nonsensical to think that the memory for the past might also be weaker in us and that the historical sense might slumber just as it did in the highest acme of the Greeks. Soon behind the present, darkness would begin: in it, great figures wander shadowy and uncertain, expanding into the immense, acting upon us, but almost like heroes, not like common bright daytime reality. All tradition would be that almost unconscious one of inherited characters: living people would be, in their actions, proofs of what is fundamentally transmitted through them; history would walk around with flesh and blood, not as a yellowed document and as a paper memory.

The customs of the parents and grandparents are considered by the children as the past: what lay far beyond that hardly affects the present as remaining architecture, as temples, as superstition. Similarly, the peasant still lives today, similarly almost every great people of the past. The main gain for both is and was that the present generation does not compare and measure itself so painfully, so that it can remain in unconsciousness of judgment about itself. It will be more confident in its strength because its strength is only claimed by real, not imagined and cultivated needs, and strength and need usually correspond. It will be more preserved from surfeit than a people that is more historical and educated than its productive power can bear.Not so often misled by the unattainable goal, disgusted with what has been achieved, man comes to a peace that is the opposite of the modern, thoroughly historical world and its haste. Should one not have to atone for it if one lives in precious picture galleries of all times and the gaze always returns comparingly to the observer, asking what he actually has to seek in these rooms? And so the most daring may once exclaim the curse: "away with all the past, into the fire with the archives, libraries, art chambers! Let the present itself produce what it needs, for only what it can do itself is it worth.Do not torment them by mummifying what was once valid and necessary in distant times, and remove the skeleton of the dead so that the living may rejoice in their day and deeds.” Yes, if happiness, freedom from tedium, and contentment could be our motto: then it would be permissible to praise the animal that always lives on the narrow line of the present, eating, digesting, eating again, resting, and leaping without discontent or boredom. “To feel historically” means knowing that one is certainly born to suffer and that all our labor, at best, achieves forgetfulness of suffering. Always, the demigods lived in earlier times; always, the present generation is the degenerate one. It rarely knows what distinguishes it, for the past surrounds us like a blackened, darkening wall. Only descendants can appreciate in what ways we, too, were demigods.Not that it would thus go eternally downward and everything great would repeat itself in ever smaller proportions: but every time is at once a dying one and sighs under the autumnal fall of the leaves. Just look at the individual human life: what the youth loses when he leaves childhood behind is so irreplaceable that he would have to wish to give up life as indifferent after this loss.And yet, as a man, he loses something priceless once more, only to finally lose his last possession as an old man, so that he now knows life and is ready to lose it. What a futile endeavor, if as young men we were to strive for what made childhood's happiness and strength. The loss must be endured, memory piles up more and more losses, and in the end, when we know we have lost everything, death comfortingly takes this knowledge from us, our last inheritance.

29 [173]

Homer and Classical Philology. 24.
The Competition among the Greeks. 15.
On Truth and Lies. 20.
The Greek State. 15.

Four Essays.

29 [174]

Plato.

Youth.  Plague.
Critias.
The Artistic in Plato.
Heraclitean.
Socrates. The Platonic Socrates.
Travels.  Goals—the practical ideal.
Pythagoreans—Ideas (lesser Conception).
Dion.
Academy.  The Philosopher in the State. Sophist. Rhetor.
Art.
Writing—Eros. Dialectic.
Second Journey.
Third Journey—State Ideal.
Dion’s End. Other Political Effects.
Parmenides. Preluding Skepticism to the Theory: Plato Primarily Legislator and Reformer, Never a Skeptic in That.

29 [175]

Empedocles.
Democritus.
Pythagoreans: struggle against the Eleatics, more to protect themselves. Description of their league.
Socrates. Moral—dialectical—plebeian.

29 [176]

“People’s tendency to consider small things important has produced a great deal of greatness,” says Lichtenberg.

29 [177]

History, which does not directly or indirectly make better people and better citizens, is, according to an expression that Bolingbroke uses in his famous letters On the Study and Use of History, “a specious and ingenious sort of idleness.”

29 [178]

Aristotle "two things are it indeed, which especially determine people to cultivate care and attachment: the sole possession and the rarity of the possessed thing, through which it becomes dear to the owner." Thus the antiquarian person cherishes the past, because it is so entirely individual and unique—quite apart from how insignificant or how precious in itself—, he feels himself as the owner of this small possession, which he has ahead of all people. The smallest knowledge, as soon as it is property, makes its discoverer happy, e.g., a correction in a printed or written book.

29 [179]

Critical historiography also applies what Benjamin Constant says: “the moral principle that it is a duty to tell the truth would, if taken unconditionally and in isolation, make every society impossible.” Just consider one’s own life: if the task were to speak one’s past aloud at all, who could endure it? It takes a great deal of strength to forget in order to be able to live.

29 [180]

Luther: “that God, if he had thought of the heavy artillery, would not have created the world.” Forgetting is simply part of all creation.

29 [181]

Let us imagine the last human sitting on the parched desert of the decaying globe —

29 [182]

What all does a man carry within himself that he must never come to know: which is why the old Spaniard said “Defienda me Dios de my” “God protect me from myself.”

29 [183]

The antiquarians say: “the great is fundamentally the common and general,” they too fight against the becoming of the great (through diminishing, enthusiasm, micrology).

29 [184]

Luther “Cicero a wise and diligent man has suffered much and done much.”

One adjusts history up and down according to one's own level: thus Mommsen reduces his Cicero to a journalist, Luther calls him (see above).

29 [185]

Certainly, the need for interaction with great predecessors etc. Interaction with the small, goblin-like (see below).

29 [186]

Goethe (who from now on does not commit to an art or a craft etc.).

Piety for the past in favor of the hieratic (s. h).

Among the speaking arts belongs the silent one.

“It takes a long time for a world to perish—nothing more.”

29 [187]

In conclusion. Goethe on Niebuhr: “the historian as the truly valuable object, not history itself.” There is something to hope for (see below).

Schiller praised by Goethe (see below).

29 [188]

Antidote: 1) No history?
  2) Denial of the purposes of atomic chaos?
  3) Interest for the historian turned against history?
Most historians among their objects.
  4) Goethe, Nature.
  5) Cultivation of the supra-historical and unhistorical. Religion Compassion Art.

29 [189]

Niebuhr in defense of Machiavelli: "There are times when every person must be sacred to one: others where one can and should treat them only as a mass; it depends on knowing the time."

29 [190]

“The German is by nature, since he has lost his simple great character, slanderous and defamatory, and nothing less than fair: and even less loving.”

29 [191]

Hoped-for result:

Character to reveal in education, not decorative education, but an organic one.

Thus, perhaps the Germans may still succeed in what the Greeks achieved in relation to the Orient—and thus find what is “German” for the first time.

29 [192]

To take possession of oneself, to organize the chaotic, to throw off all fear of "education" and to be honest: an invitation to, not in a brooding sense, but to truly know what our genuine needs are. From there, boldly cast aside what is foreign and grow outward from oneself, not to fit into an outside-of-us.

Art and religion are suited to organizing the chaotic: the latter gives love for people, the former love for existence

with contempt

29 [193]

Planting tradition, progressive movement, oak trees for the grandchildren. Finding an organization to enable the first generation to exist and then take over popular education. Like a celestial body without rest, without haste.

The calm of the workers. The calm gaze into the future only possible when we no longer feel so ephemeral, like a wave.

29 [194]

The unhistorical powers are called forgetting and delusion. The overhistorical art religion compassion nature philosophy.

29 [195]

Craftsmanship to learn, necessary return of the education-needy to the smallest circle, which he idealizes as much as possible. Struggle against the abstract production of machines and factories.

A scorn and hatred for what is now considered "education": by presenting a more mature education in contrast.

29 [196]

And what will become of us, the historians will reluctantly retort: where is the science of history to go? our famous strict, sober, maternal science?— Go to a convent, Ophelia, says Hamlet; but into which convent we wish to banish science and the historical scholar, this riddle the reader will pose to himself, solve for himself, if he is too impatient to follow the slow pace of the author and prefers to hasten ahead of a later reflection herewith promised “on the scholar” and the thoughtless integration of the same into modern society.

Conclusion. There is a society of the hopeful.

29 [197]

The Distress of Philosophy.

From outside: natural science, history (example: instinct. Become a concept).

From inside: the courage to live a philosophy is broken.

The other sciences (natural, historical) can only explain, not command. And when they command, they can only point to utility. Every religion, every philosophy has somewhere a sublime unnaturalness, a striking uselessness.Thus it would be at an end?—As with poetry, which is a kind of nonsense.

Man’s happiness rests upon there being somewhere for him an Undiscussable truth, coarser (e.g., the welfare of his family as the highest motive) or finer, such as faith in the Church, etc. Here he simply does not listen when arguments are raised against it.

Amid this immense restlessness, the philosopher ought to be a drag: can he still be?

The distrust of strict researchers toward every deductive system, cf. Bagehot.

29 [198]

The Distress of Philosophy.

A. The demands on the philosopher in the time of need. Greater than ever.
B. The attacks on philosophy greater than ever.
C. And the philosophers weaker than ever.

29 [199]

To make philosophy purely into a science (like Trendelenburg) means throwing the gun into the corn.

29 [200]

The poorly developed logic! It has atrophied through historical studies. Zöllner also complains. Praise for Spir. And the English.

29 [201]

What natures still become philosophers today?

29 [202]

“Who has thought the deepest, loves the most living.” Hölderlin.

“A riddle is the purely sprung. Even
The song may scarcely reveal it. For
As you began, you will remain,
However much need and discipline act,
For the most part, namely,
Birth prevails
And the ray of light that
Meets the newborn.” Hölderlin.

29 [203]

On religion. I notice an exhaustion, one is weary of the significant symbols. All possibilities of Christian life, the most serious and the most careless, the most harmless and the most reflective, have been tried out—it is time for imitation or for something else. Even mockery, cynicism, hostility have been played out—one sees an ice surface in warm weather, everywhere the ice dirty, torn, without shine, with puddles of water, dangerous. Here, only a considerate, entirely decent abstention seems appropriate to me: I honor religion through it, even if it is a dying one. To mitigate and soothe is everything, but against the bad, thoughtless cooks—especially when they are scholars—one must protest.—Christianity is to be entirely surrendered to critical history.

29 [204]

If I ever indulge in wishes, I imagine that the terrible effort of educating oneself would have been made easier for me and that I would have found a philosopher as an educator to whom one could obey because one trusted him more than oneself! Then I try to guess the principles of his education, e.g., about harmonious and partial education: and his methods. It would be laborious, and we, accustomed to the convenience of education and to letting ourselves go, would often despair.— But without such educators, one often feels one's forces in conflict with each other, in rebellion, even one's intellectual drives.Scholars believe that one cannot do enough with science: not enough for science, that is true, but too much, excessively: that is also true. I see nothing but intellectual cripples: their partial education has given them a hump.— What does harmonious and partial mean? Should we fear partial education altogether? The pars should rather become the center for all other forces, the sun in the system. But balancing with counterweights is necessary everywhere where there is a great force. Kleist—Philosophy (he lacked Schopenhauer).

29 [205]

The philosopher is once for himself, then for others a philosopher. It is not possible to be it entirely alone for oneself. For as a human being, he has relations to other people: and if he is a philosopher, he must be so in these relations as well. I mean: even if he strictly separates himself from them, as a hermit, he thereby gives a teaching, an example, and is a philosopher for others as well. He may behave as he wishes: his being-a-philosopher has a side that is turned toward people.

The product of the philosopher is his life (first, before his works).

This is his work of art. Every work of art is turned first towards the artist, then towards other people.— What are the effects of the philosopher on non-philosophers and other philosophers?

The state, society, religion, etc., all can ask: what has philosophy done for us? What can it do for us now? The same goes for culture.

Question about the cultural effects of philosophy in general.

Description of culture—as a temperature and mood of many originally hostile forces that now allow a melody to be played.

29 [206]

The hostile forces are roughly held together by the Church in the Middle Ages: when this bond tears, one rises up against the other. The Reformation declared much to be—from there, the division spreads more and more. In the end, it is the coarsest forces that almost alone determine everything; the military state leading the way. Attempt by the state to organize everything from itself and to be the bond for the hostile forces. Concepts of a state culture, in contrast to a religious culture. Now power is evil, and wants the useful more than anything else.

We find ourselves in the ice-driving current of the Middle Ages, the same has thawed, fallen into devastating motion.

29 [207]

Under all circumstances the Revolution: but it depends on the wisdom and humanity of the next generations whether barbarism or something else emerges from it:

the lack of ethical philosophy in the educated classes has naturally penetrated the uneducated in more distinct forms, who have always been the coarsening echo. Everything is going to ruin in this. No new great thought is to be seen far and wide. Only that at some point, something new will begin again.

29 [208]

I cannot imagine Schopenhauer at a university: the students would run away from him and he himself would run away from his fellow professors.

29 [209]

When I think of the strong, joyful generations that have lived—where have the forces of the Reformation era gone!—our way of life seems to me like wintering on a high mountain, the sun rarely comes out, everything is gray, all joys are touching to the observer—such fleeting happiness! Life is so hard. And then there are the memories of summer days.

29 [210]

Oh, this span of time! We want to treat it at least grandly and arbitrarily. For such a small gift, we should not be slaves to the givers! It is the strangest thing how bound the imagination and conception of people are; they never perceive life as a whole. They fear the words and opinions of their neighbors—oh, just two generations further and no one will have the opinions that now prevail and want to make you slaves.

29 [211]

Every philosophy must be able to do what I demand, to concentrate a person—but now none can.

29 [212]

Two tasks: to defend the new against the old and to connect the old to the new.

29 [213]

To the Plan.

The philosopher has two sides: one he turns toward people, the other we do not get to see, there he is a philosopher for himself. We first consider the philosopher's relationship to other people. Result for our time: nothing comes of this relationship. Why? They are not philosophers for themselves.

“Physician, heal thyself!” We must call out to them.

29 [214]

Oh, we humans of this time! A winter day lies upon us, and we dwell on the high mountains, dangerously and meagerly. Every joy is brief, and every ray of sunshine that looks down upon us from the mountains is pale. Then music sounds—it shakes the wanderer to hear this: so wild, so closed off, so colorless, so hopeless is everything he sees—and now within it a note of joy, a thoughtless, loud joy. But already the mists of early evening creep in, the sound fades, the wanderer’s step crunches; cruel and dead is the face of nature in the evening, which always comes so early and will not yield.

29 [215]

The flying spider threads of the old man's summer—Strauss as confessor. —

29 [216]

If the working classes ever realize that they can easily surpass us through education and virtue, then we are done for. But if that does not happen, we are even more done for.

29 [217]

To proceed from the painter and the connoisseur before the picture—Goethe.

29 [218]

We do not call only the one unwise who pursues an unwise purpose, but also the one who, to achieve a reasonable purpose, employs inappropriate and disproportionate means: such as both the one who wants to drain the sea and the one who shoots at sparrows with canister shot. Nature is full of this second kind of unreason. Even in its highest realm that we know, within humans, it does not show itself wiser regarding the means, however extraordinary its purposes and intentions may be.

The way she uses rare talents for the benefit of people is just as admirable for its unreason as that very thought of using the rare for the good of the ordinary is astonishing: for the good of the ordinary lies precisely in being elevated to the rare, enhanced, reshaped into the unusual and new. I ask about the teleology of the philosopher, one of the rarest creations that arise in nature's workshop: what is he there for? For the good of a people and a time, perhaps even all peoples and all times. And how is he used for that purpose? Like the most indifferent toy, which one leaves lying or picks up, tosses around or tramples, as if it could be found by the thousands on the streets. Is it not necessary that people still hope for something and work against the unreason of nature?Yes, it would be necessary if only it were possible! because nature acts precisely in and through human beings, and a people as a whole exhibits that very duality of nature—the most wondrous reason of purposes and the no less wondrous unreason of means. The artist creates his work for other people, there is no doubt. Nevertheless, he knows that no one will ever understand and love his work as he himself does. The high degree of knowledge and love is necessary, however, so that a lower degree may arise: that lower degree is the purpose which nature pursues with the work of art; she squanders her means and forces, and the expenditure is much greater than the yield. And yet this is the natural relationship, everywhere. Little cost, but a hundredfold yield would be more reasonable.Less effort, less pleasure and knowledge in the artist himself, but immense growth of pleasure and knowledge in the recipient of art—that would be more advantageous. If we could swap roles: the artist would have to be the weaker person and the receptive listeners and spectators the stronger ones. The power of artworks would first have to grow with the resonance in the people: just as speed increases with the square of the distances.Is it pointless to wish that the effect of art should be weaker at the beginning and stronger at the end? Or that at least as much is taken as is given, that cause and effect are of equal strength?

That is why it often seems as if an artist, and especially a philosopher, were accidentally in their time, scattered wanderers or lingering hermits.

But where we discover a relationship between a philosopher and a people, we sense the following purposes of nature, the following destiny of the philosopher.

29 [219]

  1. What the philosopher has been at different times.
  2. What he should be in our time.
  3. Image of contemporary philosophy.
  4. Why he cannot achieve what he should according to No. 2: because a firm culture is lacking. The philosopher as a hermit. Schopenhauer shows how nature strives: it still falls short.

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Wisdom independent of scientific knowledge.

Now only to hope for the classes of the lower uneducated people. The educated and cultured classes are to be abandoned. This also applies to the priests, who only understand and belong to those classes. The people who still know what need is will also feel what wisdom can be for them.

The greatest danger is when the uneducated classes are infected with the leaven of current education.

If a Luther were to arise now, he would rise up against the disgusting attitude of the possessing classes, against their stupidity and thoughtlessness, that they do not sense anything of the danger.

Where do we seek the people!

Education becomes less every day because haste grows greater.

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It is seriously to be considered whether there are any foundations left at all for a culture in the making. Whether philosophy can be used as such a foundation?— But it never was.

My trust in religion is boundlessly small: the receding waters can be seen, after an enormous flood.

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To the beginning. Everywhere symptoms of a dying education, a complete eradication. (Laissez faire of the sciences). Haste, ebbing waters of the religious, the national struggles, the fragmenting and dissolving science, the contemptible money- and pleasure-economy of the educated classes, their lack of love and grandeur. That the learned classes are entirely caught up in this movement is becoming ever clearer to me. They grow more thoughtless and loveless by the day.

Everything serves the coming barbarism, both art and science—where should we look? The great flood of barbarism is at the door. Since we actually have nothing to defend, and all are involved in it—what is to be done?

Try to warn the truly existing forces, to unite with them, and to curb in time the layers from which the danger of barbarism threatens. Only every alliance with the “educated” must be rejected. They are the greatest enemy because they hinder the doctors and want to lie away the disease.

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On the Destiny of the Philosopher.

There is something impractical that one must reproach nature for: one notices it in the question: what is a work of art for? For whom? For the artist? For other people? But the artist does not need to make visible an image he sees and show it to others. In any case, the artist's happiness in his work, as well as his understanding of it, is greater than the happiness and understanding of all others. I find this disproportion impractical. The cause should correspond to the effect. This is never the case with works of art. It is foolish to roll a great avalanche to move a little snow, to kill a person to kill the fly on his nose. Thus nature proceeds. The artist is proof against teleology.

The philosopher even more so.For whom does he philosophize? For himself? For others? But the former would be a senseless waste of nature, the latter again purposeless. The philosopher's benefit always reaches only a few and not the people: and these few it does not strike as strongly as the originator himself.

For whom does a builder build? Should the manifold unequal reflection, this repercussion in many souls be the intention of nature? I believe he builds for the next great builder. Every work of art seeks to procreate further and seeks receptive and procreating souls around. So does the philosopher.

Nature proceeds incomprehensibly and not skillfully. The artist shoots like the philosopher his arrow into the crowd. It will probably stick somewhere. They do not aim. Nature does not aim and shoots countless times astray.Artists and philosophers perish because their arrows do not hit the mark.

In the realm of culture, nature is just as wasteful as it is with planting and sowing. It fulfills its purposes in a cumbersome and general manner. It sacrifices far too much energy for purposes that are not in proportion. The artist and his connoisseurs and lovers relate to each other like a large cannon to a number of sparrows.

Nature is benevolent, but does not always employ the best and most skillful means.That she wanted to help the other with the artist, the philosopher is no doubt: but how disproportionately small and how accidental is the effect, measured against the causes (the artist, the artwork)! Especially with the philosopher, the embarrassment is great: the path from him to the object on which the effect is to be exerted is entirely accidental. Countless times it fails. Nature squanders, not out of extravagance, but out of inexperience: it is to be assumed that if she were a human being, she would never get over her anger at herself.

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I hate skipping this world by condemning it wholesale: from it comes art, religion.— Oh, I understand this flight so well, out and over into the peace of the One!

Oh, this lack of love in these philosophers, who only think of the chosen ones and do not have so much faith in their wisdom. Wisdom must shine like the sun for everyone: and a pale ray must even be able to descend into the lowest soul.

To promise possession to people! Philosophy and religion is longing for property.

29 [225]

I delight in the thought that people will soon grow tired of reading: and writers too; that a scholar of a future generation will one day reflect, make his will, and decree that his corpse should be burned amidst his books, especially his own writings. And if the forests grow ever scarcer, should it not soon be time to treat libraries as paper woodpiles and thickets? For most books are born of the smoke and steam of minds: so they should become smoke again. I believe, moreover, that a generation which has the taste to heat its stoves with its libraries will for that very reason also have the good taste to select and preserve a small number of books—and precisely those which deserve it.

It would certainly be possible that a thousand years later, our present age might be considered the darkest period of the past because nothing of it has remained. How fortunate we are, then, that we can still come to know our time from the abundant material that it daily pours into the printing presses: for if it makes any sense at all to occupy oneself with one's subject, it is in any case a stroke of luck to engage with it so thoroughly that no doubt about it remains.It has a good meaning, however; for one learns much about oneself through it, and precisely the bad literature of a time allows us to see ourselves in the picture: because it shows the average of the prevailing morality, etc., thus not the exception but the rule, while the truly good books of contemporaries usually come from those who have nothing in common with the time except the time itself. Therefore, they are not as useful for self-knowledge as the former.

From the bad books and newspapers, I now want to prove that we are all bunglers in philosophy and have no Ph.

29 [226]

Reading and Writing.

Thinking and speaking, on the other hand: what influence does all this reading and writing have on them?

29 [227]

Some things only become lasting when they have grown weak: until then they are threatened by the danger of sudden downfall: Christianity is now so zealously defended because it has become the most convenient religion; now it has the prospect of immortality, after having won over the most protracted thing in the world, human inertia and convenience, to its side. So too has philosophy now its greatest esteem, for it no longer torments people and yet makes their tongues loose. The violent and strong things are in danger of perishing suddenly, broken and struck by lightning. The full-blooded are seized by apoplexy. Our present-day philosophy will certainly not die of apoplexy.

29 [228]

Touching: a festival in the deep snow mountains during wintertime.

29 [229]

The Path to Freedom. Thirteenth Untimely.

Stage of observation. Of confusion. Of hatred. Of contempt. Of connection. Of enlightenment. Of illumination. Of struggle for. Of inner peace and free thought. Attempts at construction. Of historical classification. Of state classification. Of friends.

29 [230]

The Philosopher.

1.Cap. Medical Morality.
2.  The Excess of Thought Ineffective. Kleist.
3.  Effect of Philosophy, Then and Now.
4.  Popular Philosophy (Plutarch, Montaigne).
5.  Schopenhauer.
6.  The priests' dispute between optimism and pessimism.
7.  The primordial times.
8.  Christianity and morality. Why not return to the strength of the ancients?
9.  The young teachers and educators as philosophers.
10.  Veneration of ethical naturalism.
Enormous operations: but nothing comes of it.

29 [231]

I would never allow an office to take more than a quarter of my strength.

29 [232]

I do not overly value the fortune of being born among the Germans, and would perhaps view life with more satisfaction as a Spaniard.

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