7, 2[1-31] Winter 1869-70 - Frühjahr 1870

2 [1]

Das Christenthum, ursprünglich Sache des Talentes, mußte demokratisirt werden. Langsames Ringen zur Weltreligion, nur indem alles Vertiefte, Esoterische, dem Einzelnen Talentvollen Zugängliche exstirpirt wurde.— Dadurch trat auch der Optimismus wieder hinein, ohne den eine Weltreligion sich nicht halten kann. Purgatorio und sind seine Schöpfungen.

2 [2]

Das certamen Hesiodi et Homeri.
Die Homerfrage.
Die Hesiodfrage.
Demokrit und die Vorplatoniker.
Sokrates und die Tragödie.
Freundschaftsbegriff. Musik und Cultus.
Die christliche Religion als ethische Demokratie.
Platonische Frage. Die aristotelische Aesthetik.
Delphi als Herd der Staatsreligion.
Der Bacchuskult und der Alexanderzug.
Der platonische Staat (der kretische Staat als Musikstaat).

2 [3]

Die Demokratie als Rationalismus siegend und kämpfend mit dem Instinkt: letzterer verzerrt sich.

2 [4]

Einleitung. “Der Lehrer.” (Das Germanenthum.)
Die Sklaverei etwas Instinktives im Hellenenthum.
Idealisirung des Geschlechtstriebes bei Plato.
Alexandrinismus der römischen Dichtung.
Das ägyptisirende Hellenenthum.

2 [5]

Das Christenthum siegte als unmystische Offenbarungsreligion über eine ganz mystisch gewordene Welt.

Ungeheure Einwirkung der Wissenschaft: für den mußte erst eine Lebensart geschaffen werden: im ersten Griechenland war er unmöglich.

2 [6]

Die hellenischen Wahnvorstellungen als nothwendige und für das Hellenenthum heilsame Vorkehrungen des Instinktes.

Das Griechenthum muß nach den Perserkriegen zu Grunde gehn. Jene waren das Erzeugniß starker und im Grunde unhellenischer Idealität. Das Grundelement, der heiß und glühend geliebte Kleinstaat, der sich im Ringkampf mit den anderen bethätigte, war bei jenem Kriege überwunden worden, vor allem ethisch. Bis zu ihm existierte nur der trojanische Krieg. Nach ihm der Alexanderzug.

Die Sage hatte die Trojaner hellenisirt: es war jener Krieg ein Wettspiel der hellenischen Götter.

Höhepunkt der Philosophie bei den Eleaten und Empedocles.

Der “Wille” des Hellenischen ist mit dem Perserkrieg gebrochen: der Intellekt wird extravagant und übermüthig.

2 [7]

Alterthümliche Betrachtungen.

1. Homer und die klassische Philologie.
2. Homer als Wettkämpfer.
3. Das griechische Musikdrama.
4. Socrates und die Tragödie.
5. Democrit.

2 [8]

Winter 1870-716 Vorträge.
Sommer 1870ein Vortrag.
Winter 71-726 Vorträge.
Sommer 18712 Vorträge.
Sommer 18722 Vorträge.
17

Also im Herbst 1872 können die “Betrachtungen” fertig sein.
Im Winter sollen sie erscheinen.
Im Herbst 70 soll Homer als Wettkämpfer erscheinen.
Im Herbst 71 Laertius Diogenes.
Im Herbst 72 Betrachtungen.

2 [9]

Das Musikdrama im griechischen Alterthum.
Sokrates und die griechische Tragödie.

2 [10]

Die Musik ist eine Sprache, die einer unendlichen Verdeutlichung fähig ist.

Die Sprache deutet nur durch Begriffe, also durch das Medium des Gedankens entsteht die Mitempfindung. Dies setzt ihr eine Grenze.

Dies gilt nur von der objektiven Schriftsprache, die Wortsprache ist tönend: und die Intervalle, die Rhythmen, die Tempi’s, die Stärke und Betonung sind alle symbolisch für den darzustellenden Gefühlsinhalt. Dies ist zugleich alles der Musik zu eigen. Die größte Masse des Gefühls aber äußert sich nicht durch Worte. Und auch das Wort deutet eben nur hin: es ist die Oberfläche der bewegten See, während sie in der Tiefe stürmt. Hier ist die Grenze des Wortdramas. Unfähigkeit, das Nebeneinander darzustellen.

Ungeheurer Prozeß des Veraltens in der Musik: alles Symbolische kann nachgemacht werden und dadurch todtgemacht: fortwährende Entwicklung der “Phrase.”

Darin ist die Musik eine der flüchtigsten Künste, ja sie hat etwas von der Kunst des Mimen. Nur pflegt das Gefühlsleben der Meister eine geraume Zeit voraus zu sein. Entwicklung der unverständlichen Hieroglyphe bis zur Phrase.

Die Dichtung ist häufig auf einem Wege zur Musik: entweder indem sie die allerzartesten Begriffe aufsucht, in deren Bereich das Grobmaterielle des Begriffs fast entschwindet

2 [10]

Die Musik ist eine Sprache, die einer unendlichen Verdeutlichung fähig ist.

Die Sprache deutet nur durch Begriffe, also durch das Medium des Gedankens entsteht die Mitempfindung. Dies setzt ihr eine Grenze.

Dies gilt nur von der objektiven Schriftsprache, die Wortsprache ist tönend: und die Intervalle, die Rhythmen, die Tempi’s, die Stärke und Betonung sind alle symbolisch für den darzustellenden Gefühlsinhalt. Dies ist zugleich alles der Musik zu eigen. Die größte Masse des Gefühls aber äußert sich nicht durch Worte. Und auch das Wort deutet eben nur hin: es ist die Oberfläche der bewegten See, während sie in der Tiefe stürmt. Hier ist die Grenze des Wortdramas. Unfähigkeit, das Nebeneinander darzustellen.

Ungeheurer Prozeß des Veraltens in der Musik: alles Symbolische kann nachgemacht werden und dadurch todtgemacht: fortwährende Entwicklung der “Phrase.”

Darin ist die Musik eine der flüchtigsten Künste, ja sie hat etwas von der Kunst des Mimen. Nur pflegt das Gefühlsleben der Meister eine geraume Zeit voraus zu sein. Entwicklung der unverständlichen Hieroglyphe bis zur Phrase.

Die Dichtung ist häufig auf einem Wege zur Musik: entweder indem sie die allerzartesten Begriffe aufsucht, in deren Bereich das Grobmaterielle des Begriffs fast entschwindet

2 [11]

Wort und Musik in der Oper. Die Worte sollen uns die Musik deuten, die Musik aber spricht die Seele der Handlung aus. Worte sind ja die mangelhaftesten Zeichen.

Wir werden durch das Drama zur Phantasie des Willens angeregt, ein scheinbar unsinniger Ausdruck; durch das Epos zur Phantasie des Intellekts, speziell des Auges.

Ein gelesenes Drama kann die Phantasie des Willens nicht recht zur Aufregung und Produktion stimmen, weil die des Schauens zu sehr stimulirt ist.

In der Lyrik treten wir nicht aus uns heraus: aber wir werden zur Produktion eigener Seelenstimmungen angeregt, meistens durch.

2 [12]

Lessing als der ideale Gelehrte, Herder der ideale Dilettant.

2 [13]

Wer nicht mehr den Muth hat Wunder zu erleben, der -laufe zum Protestantenverein—ultima ratio rationis —

2 [14]

Bei der Musik, als bei einer Kunst, in der das Walten des Instinktes übergewaltig ist, erlebt man täglich, wie der Einzelne sein veto gegen Künstler und Kunstwerke ausspricht, wo die Grenze des Verstandenen und Unverständlichen für ihn gekommen ist. Wir wären von allen Musen der Tonkunst verlassen, wenn sie uns um Erlaubniß fragen müßten: aber sie kommen, die Freundlichen, Tröstlichen freiwillig und haben auch jene kräftige Sprache nicht verlernt, mit der sie weiland die böotischen Bauern anredeten: ihr Hirten des Feldes, faules unangenehmes gefräßiges Gesindel!

2 [15]

Derselbe Trieb, der im Anhören des Epos seine Befriedigung fand, fand sie später im Drama. Dadurch erweist sich das Drama als vollkommene Form des Epos. Verwirklichung der bis dahin nur eingebildeten Gemälde:

1. Die Oper, im künstlichen Anlehnen an die Vergangenheit erzeugt, hindert die naturgemäße Erzeugung des Musikdrama’s: weil sie die Kräfte dafür an sich saugt.
2. Das Dramatische entsteht aus einem starken Triebe, einem Glauben an das Unmögliche, das Wunder: höhere Gefühlsstufe als im Epos, dessen ganze Erbschaft es übernimmt. Damit war das Epos todt, weil ausgelebt.
3. Weil nicht die Phantasie zu vorwiegend beschäftigt wird beim Anhören des Dramas (wie bei dem Epos), so ist die Versetzung unsres Selbst in das Fremde möglicher: Selbstvergessen ist Voraussetzung für beide Künste, hier durch stärkste Phantasiethätigkeit, dort durch stärkste Gemüthsthätigkeit. Der Wille durch das Drama, die Anschauung durch das Epos produktiv gestimmt.

Man vergleiche die Erzählung und die persönliche Anschauung eines Selbstmordes.

2 [16]

Die angebliche Scheidung in schöpferische und kritische Naturen ist eine Täuschung, aber eine sehr palpable und unter Geistern der mittleren Zone recht beliebte.

Dies alles soll nur verdeutlichen, wie wichtig und bestimmend für unser als der Spätergeborenen Urtheil jede Kunde ist, die uns über das persönliche Verhalten großer Künstler und Denker zu einander ins Klare setzt. Bei ihnen wirkt vor allem die ganz untrügliche Weisheit ihres Instinktes, mit der sie das Echte und Gute auch unter unscheinbarer Hülle, auch bei noch so großer zeitlicher und räumlicher Entfernung als etwas ihnen Verwandtes entdecken. Mit der Wünschelruthe dieses Instinktes deuten sie auf dunkle Stätten der Vergangenheit, wo Schätze zu haben sind, mit derselben Wünschelruthe verwandeln sie, was in der Gegenwart als Gold gilt, in schwarze Kohle. Die kleine Gemeinde dieser in allen Jahrhunderten zerstreuten und doch sich treulich die Hände reichenden Genien führt ein unerbittlich hartes oligarchisches Regiment, gegen das es keinen Schutz giebt als in der zeitweiligen Täuschung des Wahnes. Ohne diesen Wahn aber würden es jene schon erwähnten Geister der Mittel- und Unterwelt nicht im Dasein aushalten können: für sie ist er ein betäubender zauberischer Trank, den sie schlürfen, um zu leben: wenn seine Macht plötzlich sich kraftlos erwiese, so würden sie sofort von der Leiter herabstürzen, an deren Stufen sie mühsam klimmen. In diesem traumhaften Zustand sehen sie die obersten Sprossen der Leiter und die dort stehenden Genien: aber sie erscheinen dem Wahnverblendeten weniger ferne und voll von schwarzen Flecken, mit dem Ausdrucke niederer Leidenschaften in den Zügen und unter einander beständig uneins und scheelsichtig.

Dies sind die fundamentalen Sätze einer litterar-historischen Forschung: was uns aus dem Alterthum an Urtheilen überliefert ist, ist entweder congenial oder nicht, im letzteren Falle jedenfalls verzerrend, abblassend, entweder panegyrisch, mikrologisch, feindselig usw.

Hier frage ich nun sofort: ist es die Ausgeburt jenes Wahnes oder das unendlich schätzbare Zeugniß eines großen Genius über den anderen, was sich in jener symbolischen Erzählung vom wettkämpfenden Homer verbirgt? Homer, der in

2 [17]

Indem sie das Genie moralisch herunterdrücken, fühlen sie sich vor seinem Intellekt nicht mehr geblendet, sondern recht nahe.

NB. Es ist nöthig den Wahn deutlicher zu beschreiben: in seiner litterar-historischen Wirkung, in dem Streben alles Glänzende möglichst dunkel zu färben.

2 [18]

Es ist das Zeugniß eines ethischen Genies, voll der äußersten Unverzagtheit vor der öffentlichen Meinung: es ist gar kein aesthetisches Urtheil, weil Homer und Hesiod nur Namen für Stoffe sind, nicht formale Differenzen.

Nur in der Höhe wird Frieden: in der mittleren Region des Geistes stößt alles im heftigsten Kampf auf einander.

2 [19]

Alles Halbe Schwächliche Hinkende wird schonungslos von diesen Gewaltherrschern zermalmt: kein Despotismus ist größer als der im Reiche des Geistes. Es giebt eine einzige Rettung vor ihnen, die Blindheit, der Wahn des Einzelnen. In diesem Wahne sieht der Verblendete die Kluft nicht.

Eine glückliche Verblendung hält sein Auge.

Es ist ein Aberglaube, daß die Herrschaft dieser Geister zu Recht bestehe durch die Souveränität der Masse: sie selbst haben sich berufen, wie sich jene sieben Weisen des Alterthums berufen haben, indem jeder Einzelne die Ehre der goldenen Schale und den Preis des weisesten Sterblichen einem Anderen zuerkannte, bis der Kreis sich schloß, nach dem allgültigen Grundsatz: weise muß man sein, um den Weisen zu erkennen.

2 [20]

Große Genies sind den Alltagsfliegen unfaßbar und recht eigentlich unberechenbar. Wenn sich trotzdem eine richtige Werthschätzung derselben allmählich festsetzt, so sind ihre verwandten Geister diejenigen, die sie erkannt haben. Die ganze Summe von aesthetischen Urtheilen läßt sich auf die großen Genien zurückführen: es giebt wenig Urtypen. Deshalb ist die Stellung großer Geister zu einander so erstaunlich wichtig. Ihr Urtheil hat einen stärkeren Instinkt und eine tiefere bewußte Einsicht hinter sich.

Die Alten haben solche Urtheile sorgfältig bewahrt.

2 [21]

Es wäre nicht wunderbar, wenn ein Grammatiker auch ein Zusammentreffen von Hesiod und Homer fingirt hätte.

2 [22]

Die sichere und nie entschwundene Schätzung von Homer ist bei den Griechen der ältesten Zeit ein großes Räthsel: wenn sie überhaupt existirt hat. Aber die Alleinherrschaft von Ilias und Odyssee ist erst später, offenbar durch die Kykliker anerkannt worden. Dies zeigt am besten, wie hoch sie stehen.

Die unbedingte Schätzung Homer’s ist bei den Griechen (auch der besten Zeit) reiner Instinkt. Wie mögen sie nun diese homerische Welt empfunden haben?

Wunderbar! gleich an der Schwelle der griechischen Litteratur steht das höchste Meisterwerk.

2 [23]

Wer über die großen Meister der Kunst und des Gedankens eine im Ganzen treffende Werthschätzung derselben, das Eigenthum aller sogenannten Gebildeten, sieht, so viele richtige Urtheile verbreitet findet, und sich über deren Verbreitung und anstandslose Geltung zu verwundern vermag: der wird auch bei weiterem Nachdenken dazu kommen, nicht etwa von der Urtheilsfähigkeit des vulgus besser zu denken, sondern den Ursprung der richtigen Urtheile an der richtigen Quelle zu suchen lernen, nämlich bei jenen großen Genien selbst, um deren Beurtheilung es sich handelt. Daß die guten Einsichten, von ihnen entweder schriftlich oder im mündlichen Verkehr kundgegeben, nachher sich verbreiten, das geschieht unter Beihülfe der Eitelkeit, der Geistesaffektation, oft auch in einer später eintretenden sklavischen Verehrungswuth usw. Die vereinzelten Stimmen jener großen Künstler und Denker übertönen die Weltgeschichte, so laut und unruhig sie sich mit ihrem Kriegslärm und Staatsaktionen geberden mag. Sie dringen durch, trotzdem sich gegen jeden Genius ein wüster Lärm der herrschenden mediokren Köpfe erhebt, trotzdem daß seinem Urtheile gegenüber sich unzählige mit Geschrei vorgetragene Verkehrtheiten in Geltung und Ansehen setzen wollen: sie dringen durch wie ein Orgelpunkt unerschüttert und unabgelenkt unter dem rauschendsten Stimmengewirr bleibt und am Schluß siegreich und heldenmäßig hervorkommt. Die herrschende Aesthetik einer halbwegs gebildeten Zeit, insofern sie auf Urtheile und Werthabschätzungen der großen Meisterwerke gegründet ist, ist nichts als eine dogmatisch vorgetragene und systematisch zusammengestellte Spruchsammlung der wahrhaft urtheilsfähigen Köpfe d.i. der Schöpfer jener großen Meisterwerke selbst, als solche aber niemals fertig, sondern immer der Revision und Vervollständigung des nächsten Genies entgegensehend.

2 [24]

Allem Schaffen haftet etwas Dunkles Elementares an. Das Selbstbewußtsein hat eine Binde vor den Augen. Homer ist blind. Dies gilt von den reflektirtesten Zeitaltern. Von der bewußten Aesthetik des homerischen Zeitalters kann man sich kaum einen hinreichend naiven Begriff machen. Hier war alles Trieb. Die Zuhörer waren noch unreflektirter: wie Kinder Mährchen hören, schätzten sie die Sänger ab, nach dem besten Stoffe. Aber der Sänger trat ihnen überhaupt zurück: der Stoff ist das Begehrte. Eigenthum und Fremdthum sind bei den Dichtern solcher Zeiten noch nicht ausgebildet.

Alle Anschauungen der homerischen Frage, die von dem Dichtergenius Homer ausgehen, verfehlen die Erklärung des Homer.

Die Stofflichkeit in der alten Agonsage ausgedrückt:

Welcker’s Auffassung ein,

Hoffmanns “Dichter” unnöthig.

2 [25]

Es ist Unsinn von einer Vereinigung von Drama Lyrik und Epos im alten Heldenliede zu sprechen. Denn als das Dramatische wird hier genommen das Tragische: während das unterschiedlich Dramatische nur das Mimische ist.

Der erschütternde Ausgang, und haben gar nichts mit dem Drama zu thun: und sind der Tragödie zu eigen, nicht indem sie Drama ist. Jede Geschichte kann sie haben: die musikalische Lyrik aber am meisten. Wenn das langsame aber ruhige Entfalten von Bild um Bild Sache des Epos ist, so steht es als Kunstwerk überhaupt höher. Alle Kunst verlangt ein “außer sich sein,” eine; von hier aus geschieht der Schritt zum Drama, indem wir nicht in uns zurückkehren, sondern in fremdes Sein einkehren, in unserer; indem wir uns als Verzauberte geberden. Daher das tiefe Erstaunen beim Anschauen des Dramas: der Boden wankt, der Glaube an die Unlöslichkeit des Individuums.

Auch bei der Lyrik sind wir erstaunt, unser eigenstes Fühlen wieder zu empfinden, es zurückgeworfen zu bekommen aus anderen Individuen.

2 [26]

Die Entstehung der dramatischen Grundgesetze soll erklärt werden.

Die großen Aufzüge mit Darstellungen waren schon Drama.

Das Epos will, daß wir Bilder vor Augen bekommen.

Das Drama, das die Bilder gleich vorführt —

was will ich, wenn ich ein Bilderbuch ansehe? ich will es verstehn.

Also umgekehrt: ich verstehe den epischen Erzähler und bekomme Begriff auf Begriff in die Hand: jetzt helfe ich mit der Phantasie nach, fasse alles zusammen und habe ein Bild. Damit ist das Ziel erreicht: das Bild verstehe ich, weil ich selbst es erzeugt habe.

Beim Drama gehe ich vom Bilde aus: wenn ich jetzt ausrechne, das und das hat dies zu bedeuten, so entgeht mir der Genuß. Es soll “selbstverständlich” sein.

2 [27]

Es soll Leute geben, welche zuerst die Vorrede lesen, bevor sie das Buch lesen. doch ohne sich zu letzterem damit zu verpflichten. Noch andre sollen gar nur grundsätzlich das erstere thun. Sie wollen schwerlich etwas lernen, aber fremde Personen, besonders in solchen eiteln, offenbusigen und hochklopfenden Vorreden, machen sie neugierig: wie überhaupt die Gier nach dem Persönlichen auch unter oftmals nur der Grund aller ihrer ist.

Damit die erste Gattung wisse wie ich sie schätze, die letzte wie sehr ich sie verachte, soll von jetzt ab in der Vorrede gar nicht von mir die Rede sein:

2 [28]

Die ältesten Dichter.
Die alten Philosophen.
Die

2 [29]

Zur Dichter- und Philosophengeschichte Griechenlands.

Die Orphiker.
Homer und Hesiod.
Demokritea.

2 [30]

Über die. Stellung der Philosophen im bürgerlichen Leben. Stellung der Dichter.

Indogermanische Aesthetik: das Drama zu Lyrik und Epos.

Laertius.
Suidas und Hesychius.

2 [31]

Einleitung. Geschichte der Entwicklung der aesthetischen Anschauung bei den Griechen.

Damit verbunden die Entwicklung der Vorstellungen über die alten Epiker.

Die Entwicklung des Apollinischen zum Lehrsatze.

Hesiod zu Homer wie Socrates zur Tragoedie.

7, 2[1-31] Winter 1869-70 - Frühjahr 1870

2 [1]

The Christenthum, originally a matter of talent, had to be democratized. Slow struggle towards a world religion, only by extirpating everything profound, esoteric, accessible to the individually talented.— Through this, optimism also re-entered, without which a world religion cannot endure. Purgatorio and are its creations.

2 [2]

The certamen Hesiodi et Homeri.
The Homeric question.
The Hesiodic question.
Democritus and the Pre-Socratics.
Socrates and tragedy.
Concept of friendship. Music and cult.
The Christian religion as ethical democracy.
Platonic question. Aristotelian aesthetics.
Delphi as the hearth of state religion.
The Bacchic cult and Alexander's campaign.
The Platonic state (the Cretan state as a musical state).

2 [3]

Democracy as rationalism triumphant and struggling with instinct: the latter distorts itself.

2 [4]

Introduction. “The Teacher.” (Germanism.)
Slavery as something instinctive in Hellenism.
Idealization of the sexual drive in Plato.
Alexandrianism of Roman poetry.
The Egypticizing Hellenism.

2 [5]

Christianity triumphed as an unmystical revelatory religion over a world that had become entirely mystical.

Enormous influence of science: a way of life had to be created for him first: in early Greece, he was impossible.

2 [6]

The Hellenic delusions as necessary and salutary provisions of instinct for Hellenism.

Hellenism must perish after the Persian Wars. Those wars were the product of a strong and fundamentally un-Hellenic idealism. The basic element, the small state, hotly and ardently loved, which asserted itself in wrestling with the others, had been overcome in that war, above all ethically. Before it, only the Trojan War existed. After it, the campaign of Alexander.

Legend had Hellenized the Trojans: that war was a contest of the Hellenic gods.

Peak of philosophy with the Eleatics and Empedocles.

The “will” of Hellenism is broken with the Persian War: the intellect becomes extravagant and overbold.

2 [7]

Ancient Considerations.

1. Homer and Classical Philology.
2. Homer as a Competitor.
3. The Greek Music Drama.
4. Socrates and Tragedy.
5. Democritus.

2 [8]

Winter 1870-716 lectures.
Summer 1870one lecture.
Winter 71-726 lectures.
Summer 18712 lectures.
Summer 18722 lectures.
17

So in autumn 1872 the "Considerations" can be finished.
In winter they are to appear.
In autumn 70 Homer is to appear as a competitor.
In autumn 71 Laertius Diogenes.
In autumn 72 Considerations.

2 [9]

The musical drama in Greek antiquity.
Socrates and Greek tragedy.

2 [10]

Music is a language capable of infinite clarification.

Language only conveys through concepts, so through the medium of thought arises empathy. This sets a limit for it.

This applies only to objective written language; spoken language is sonorous: and the intervals, rhythms, tempos, strength, and emphasis are all symbolic of the emotional content to be expressed. This is also all inherent to music. The greatest mass of emotion, however, is not expressed through words.

And the word merely hints: it is the surface of the moving sea, while it storms in the depths. Here lies the limit of the word drama. Inability to represent the side-by-side.

Enormous process of aging in music: everything symbolic can be imitated and thereby killed: continuous development of the “phrase.”

In this, music is one of the most fleeting arts, yes, it has something of the art of the mime. Only the emotional life of the masters tends to be a considerable time ahead. Development of the incomprehensible hieroglyph into the phrase.

Poetry is often on a path to music: either by seeking the most delicate concepts, in whose realm the coarse materiality of the concept almost vanishes

2 [10]

Music is a language capable of infinite clarification.

Language only hints through concepts, so through the medium of thought, empathy arises. This sets a limit for it.

This applies only to objective written language; spoken language is sonorous: and the intervals, rhythms, tempos, strength, and emphasis are all symbolic of the emotional content to be expressed. All of this is also inherent in music. The greatest mass of feeling, however, is not expressed through words. And even the word only points: it is the surface of the moving sea, while it storms in the depths.

Here is the boundary of the word drama. Inability to represent the side-by-side.

Enormous process of aging in music: everything symbolic can be imitated and thereby killed: continuous development of the “phrase.”

In this, music is one of the most fleeting arts, yes, it has something of the art of the mime. Only the emotional life of the masters tends to be a considerable time ahead. Development of the incomprehensible hieroglyph to the phrase.

Poetry is often on a path to music: either by seeking the most delicate concepts, in whose realm the coarse material of the concept almost vanishes

2 [11]

Word and music in opera. The words should interpret the music for us, but the music speaks the soul of the action. Words are indeed the most imperfect signs.

We are stimulated by drama to the imagination of the will, a seemingly nonsensical expression; by the epic to the imagination of the intellect, specifically of the eye.

A read drama cannot properly stir the imagination of the will to excitement and production because that of vision is too stimulated.

In lyric poetry, we do not step out of ourselves: but we are stimulated to produce our own moods of the soul, mostly through.

2 [12]

Lessing as the ideal scholar, Herder the ideal dilettante.

2 [13]

Who no longer has the courage to experience miracles, let him—join the Protestant Association—ultima ratio rationis—

2 [14]

In music, as in an art where the power of instinct is overwhelming, one daily experiences how the individual pronounces his veto against artists and works of art, where the boundary of the understood and the incomprehensible has come for him. We would be abandoned by all the muses of music if they had to ask us for permission: but they come, the friendly, comforting ones, voluntarily and have not unlearned that powerful language with which they once addressed the Boeotian peasants: you shepherds of the field, lazy, unpleasant, gluttonous rabble!

2 [15]

The same drive that found its satisfaction in listening to the epic later found it in drama. This proves drama to be the perfect form of the epic. Realization of the hitherto merely imagined paintings:

Thus the epic was dead, because it had been lived out.
1. Opera, artificially leaning on the past, hinders the natural production of music drama: because it absorbs the forces for it.
2. The dramatic arises from a strong drive, a belief in the impossible, the miracle: higher emotional level than in the epic, whose entire legacy it inherits.
3. Because the imagination is not predominantly engaged when listening to the drama (as it is with the epic), the transposition of our self into the foreign is more possible: self-forgetfulness is a prerequisite for both arts, here through the strongest activity of the imagination, there through the strongest activity of the emotions. The will is productively stimulated by the drama, perception by the epic.

Compare the narrative and the personal perception of a suicide.

2 [16]

The alleged division into creative and critical natures is a deception, but a very palpable one and quite popular among spirits of the middle zone.

All this is only meant to illustrate how important and decisive for our judgment as latecomers every piece of information is that clarifies the personal behavior of great artists and thinkers toward one another. Above all, their infallible wisdom of instinct is at work, with which they discover the genuine and good—even under modest guise, even at the greatest temporal and spatial distance—as something akin to them. With the divining rod of this instinct, they point to dark places of the past where treasures are to be found; with the same divining rod, they turn what is considered gold in the present into black coal.

The small community of these geniuses, scattered across all centuries yet faithfully reaching out to one another, is ruled by an unrelentingly harsh oligarchic regime, against which there is no protection except in the temporary deception of delusion. Without this delusion, however, those aforementioned spirits of the middle and underworld could not endure existence: for them, it is a numbing, magical potion they sip to live; if its power were suddenly to prove powerless, they would immediately tumble from the ladder whose rungs they laboriously climb.In this dreamlike state, they see the top rungs of the ladder and the geniuses standing there: but to the deluded, they appear less distant and full of black spots, with the expression of base passions in their features and constantly at odds and suspicious of one another.

These are the fundamental principles of a literary-historical investigation: what has been handed down to us from antiquity in terms of judgments is either congenial or not; in the latter case, it is certainly distorting, fading, either panegyric, micrological, hostile, etc.

Here I ask immediately: is it the offspring of that delusion or the infinitely precious testimony of a great genius about another, which is hidden in that symbolic narrative of the competing Homer? Homer, who in

2 [17]

By morally suppressing genius, they no longer feel dazzled by its intellect but rather quite close to it.

NB. It is necessary to describe the delusion more clearly: in its literary-historical effect, in the endeavor to color everything brilliant as darkly as possible.

2 [18]

It is the testimony of an ethical genius, full of the utmost fearlessness in the face of public opinion: it is by no means an aesthetic judgment, because Homer and Hesiod are merely names for subject matter, not formal differences.

Only at the heights is there peace: in the middle region of the spirit, everything clashes in the fiercest struggle.

2 [19]

All that is half weak and lame is mercilessly crushed by these tyrants: no despotism is greater than that in the realm of the spirit. There is only one salvation from them, blindness, the delusion of the individual. In this delusion, the blinded one does not see the abyss.

A happy delusion holds his eye.

It is a superstition that the rule of these spirits is justified by the sovereignty of the masses: they themselves have called themselves, just as those seven sages of antiquity called themselves, each individual granting the honor of the golden bowl and the prize of the wisest mortal to another, until the circle closed, according to the universally valid principle: one must be wise to recognize the wise.

2 [20]

Great geniuses are incomprehensible and truly unpredictable to everyday flies. If a correct appreciation of them nevertheless gradually establishes itself, it is their kindred spirits who have recognized them. The entire sum of aesthetic judgments can be traced back to the great geniuses: there are few archetypes. That is why the relationship of great minds to one another is so astonishingly important. Their judgment has a stronger instinct and a deeper conscious insight behind it.

The ancients carefully preserved such judgments.

2 [21]

It would not be wonderful if a grammarian had also feigned a meeting of Hesiod and Homer.

2 [22]

The secure and never vanished estimation of Homer is a great riddle among the Greeks of the oldest time: if it has ever existed at all. But the sole dominion of the Iliad and Odyssey was only later, evidently recognized by the Cyclic poets. This shows best how highly they stand.

The unconditional estimation of Homer among the Greeks (even of the best time) is pure instinct. How might they have perceived this Homeric world?

Wonderful! Right at the threshold of Greek literature stands the highest masterpiece.

2 [23]

Whoever observes the generally accurate appreciation of the great masters of art and thought, the property of all so-called educated people, finds so many correct judgments widespread, and is able to marvel at their dissemination and unquestioned validity: upon further reflection, they will come not to think better of the judgment of the vulgar, but to learn to seek the origin of correct judgments at the correct source, namely with those great geniuses themselves whose judgment is at issue. That the good insights, disclosed by them either in writing or in oral communication, later spread, happens with the aid of vanity, intellectual affectation, often also in a later arising slavish veneration, etc.

The isolated voices of those great artists and thinkers drown out world history, no matter how loudly and restlessly it may rage with its war noise and state actions. They break through, even though a wild clamor of the ruling mediocre minds rises against every genius, even though countless errors presented with shouting seek to establish themselves in validity and esteem against his judgment: they break through like an organ point, unshaken and undistracted, remaining beneath the most tumultuous cacophony of voices and emerging at the end victoriously and heroically.The prevailing aesthetic of a somewhat educated era, insofar as it is based on judgments and evaluations of the great masterpieces, is nothing but a dogmatically presented and systematically compiled collection of sayings by the truly judgmental minds, i.e., the creators of those great masterpieces themselves, but as such never complete, always awaiting the revision and completion of the next genius.

2 [24]

All creation has something dark and elemental about it. Self-consciousness has a blindfold over its eyes. Homer is blind. This applies to the most reflective ages. One can hardly form a sufficiently naive conception of the conscious aesthetics of the Homeric age. Here everything was instinct. The listeners were even more unreflective: like children listening to fairy tales, they judged the singers by the best material. But the singer himself receded into the background: the material is what was desired. Ownership and alienation are not yet developed among the poets of such times.

All views of the Homeric question that start from the poetic genius of Homer fail to explain Homer.

The materiality expressed in the old agon legend:

Welcker’s view is one,

Hoffmann’s “poet” unnecessary.

2 [25]

It is nonsense to speak of a union of drama, lyric, and epic in the old heroic lay. For here the dramatic is taken to mean the tragic: while the differently dramatic is only the mimetic.

The shattering outcome, and have nothing to do with drama: and are inherent to tragedy, not because it is drama. Any story can have them: but musical lyric the most. If the slow but calm unfolding of image after image is the business of the epic, then as a work of art it stands higher altogether.

All art demands an “being outside oneself,” a; from here the step to drama occurs, as we do not return into ourselves, but enter into foreign being, in our; as we comport ourselves as the enchanted. Hence the deep astonishment when viewing drama: the ground wavers, the belief in the indissolubility of the individual.

Even with lyric poetry we are astonished to feel our most intimate emotions again, to have them reflected back to us from other individuals.

2 [26]

The origin of the fundamental laws of drama is to be explained.

The grand processions with depictions were already drama.

The epic wants us to see images before our eyes.

The drama, which presents the images directly—

what do I want when I look at a picture book? I want to understand it.

So conversely: I understand the epic narrator and receive concept after concept into my hands: now I assist with my imagination, bring everything together, and have an image. With this, the goal is achieved: I understand the image because I myself have produced it.

With drama, I start from the image: if I now calculate that this and that mean this, then I miss the enjoyment. It should be “self-evident.”

2 [27]

There are said to be people who first read the preface before reading the book, yet without thereby committing themselves to the latter. Others are said to do only the former as a matter of principle. They hardly want to learn anything, but foreign persons, especially in such vain, ostentatious, and high-sounding prefaces, make them curious: for generally the craving for the personal is often the only basis of all their interest.

So that the first kind may know how I esteem them, the last how much I despise them, from now on in the preface there shall be no talk of me at all:

2 [28]

The oldest poets.
The ancient philosophers.
The

2 [29]

On the history of poets and philosophers in Greece.

The Orphics.
Homer and Hesiod.
Democritea.

2 [30]

On the. Position of Philosophers in Bourgeois Life. Position of Poets.

Indo-Germanic Aesthetics: Drama in Relation to Lyric and Epic.

Laertius.
Suidas and Hesychius.

2 [31]

Introduction. History of the development of aesthetic perception among the Greeks.

Connected to this is the development of ideas about the ancient epics.

The development of the Apollonian into doctrine.

Hesiod to Homer as Socrates to tragedy.

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