7, 19[1-330] Sommer 1872 - Anfang 1873
19 [1]
In einer rechten Höhe kommt alles zusammen und über eins—die Gedanken des Philosophen, die Werke des Künstlers und die guten Thaten.
Es ist zu zeigen, wie das ganze Leben eines Volkes unrein und verworren das Bild widerspiegelt, das seine höchsten Genien bieten: diese sind nicht das Produkt der Masse, aber die Masse zeigt ihre Reperkussion.
Oder welches ist das Verhältniß?
Es giebt eine unsichtbare Brücke von Genius zu Genius—das ist die wahrhaft reale “Geschichte” eines Volkes, alles andere ist schattenhafte unzählige Variation in schlechterem Stoffe, Kopien ungeübter Hände.
Auch die ethischen Kräfte einer Nation zeigen sich in ihren Genien.
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Charakteristik der nachsokratischen Moralen—alle eudämonisch und individual.
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Die Welt zu umschreiben, in der der Philosoph und der Künstler zu Hause sind.
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Vorrede an Schopenhauer—Eingang zur Unterwelt—ich habe dir manches schwarze Schaf geopfert—worüber sich die andren Schafe beschweren.
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In der herrlichen Kunstwelt—wie philosophirten sie! Wenn eine Vollendung des Lebens erreicht wird, hört dann das Philosophiren auf? Nein: jetzt beginnt erst das wahre Philosophiren. Ihr Urtheil über das Dasein besagt mehr, weil es die relative Vollendung und alle Kunstschleier und Illusionen vor sich hat.
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Die Alten waren sehr viel tugendhafter als wir, weil sie so viel weniger Mode hatten.
Die tugendhafte Energie ihrer Künstler!
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Gegensatz zur Presse—die öffentlich meinende—wir die öffentlich belehrenden.
Wir haben die unsterblichen Sorgen des Volks—wir müssen frei sein von den momentanen, zeitlichen.
Bild der Aufgabe der neueren philosophischen Generation.
Die Forderung, sich selbst zu überwinden, d. h. das saeculare, den Zeitgeist.
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Charakteristik Schopenhauers: das Einsame, in der höchsten Gesellschaft.
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Jene griechischen Philosophen überwanden den Zeitgeist, um den Geist des Hellenischen nachempfinden zu können: sie drücken das Bedürfniß nach der Lösung ewiger Fragen aus.
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In der Welt der Kunst und der Philosophie baut der Mensch an einer “Unsterblichkeit des Intellekts.”
Der Wille allein ist unsterblich—damit zu vergleichen, wie elend es mit jener Unsterblichkeit des Intellekts, durch die Bildung, aussieht, die Menschenhirne voraussetzt:
man sieht, in welcher Linie dies für die Natur kommt.
— Wie kann aber das Genie zugleich das höchste Ziel der Natur sein!
Das Weiterleben durch Historie und das Weiterleben durch Zeugung.
Hier Plato’s Erzeugen im Schönen—also zur Geburt des Genius ist Überwindung der Historie nöthig, sie ist in die Schönheit zu tauchen und zu aeternisiren.
Gegen die ikonische Geschichtsschreibung! Sie hat ein barbarisirendes Element in sich.
Sie hat nur von dem Großen und Einzigen zu reden, von dem Vorbild.
Damit ist die Aufgabe der neuen philosophischen Generation erfaßt.
Alle die großen Griechen aus der Zeit der Tragödie haben nichts vom Historiker an sich:
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Der Erkenntnißtrieb ohne Auswahl steht gleich dem wahllosen Geschlechtstrieb—Zeichen der Gemeinheit
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Die Aufgabe des Philosophen, alle die verzeitlichenden Elemente mit Bewußtsein zu bekämpfen—und darum die unbewußte Aufgabe der Kunst zu unterstützen.
In beiden erreicht ein Volk die Einheit aller seiner Eigenschaften und ihre höchste Schönheit.
Die jetzige Aufgabe den Wissenschaften gegenüber.
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Der Philosoph des tragischen Zeitalters.
Der Philosoph steht nicht so ganz abseits, wie eine Ausnahme, vom Volk: der Wille will auch mit ihm etwas. Die Absicht ist die gleiche, wie bei der Kunst—seine eigne Verklärung und Erlösung. Der Wille strebt nach Reinheit und Veredelung: von einer Stufe zur Andern.
Die Daseinsform als Bildung und Kultur—der Wille auf den Köpfen der Menschen.
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Der beschränkte Erkenntnißtrieb.
Die sieben Weisen—die episch-apollinische Stufe der Philosophie.
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Die Triebe, welche die Griechen von andern Völkern unterscheiden, kommen in ihrer Philosophie zum Ausdruck.
Das aber sind gerade ihre klassischen Triebe.
Wichtig ihre Art mit der Historie umzugehen.
Die allmähliche Entartung des Historikerbegriffs im Alterthum—die Auflösung in die neugierige Allwisserei.
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Aufgabe: Die Teleologie des philosophischen Genius zu erkennen. Ist er wirklich nur ein zufällig erscheinender Wanderer? Jedenfalls hat er, wenn es ein rechter ist, nichts mit der zufälligen politischen Lage eines Volks zu thun, sondern seinem Volk gegenüber ist er zeitlos. Aber deshalb nicht mit diesem Volke zufällig verbunden—das Spezifische des Volkes kommt hier als Individuum zu Tage und zwar der Volkstrieb als Welttrieb erklärt, zur Welträthsellösung benutzt. Der Natur gelingt es einmal, ihre Triebe durch Separation rein anzuschauen. Der Philosoph ist ein Mittel, im rastlosen Strome zur Ruhe zu kommen, mit Verachtung der unendlichen Vielheit sich der bleibenden Typen bewußt zu werden.
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Der Philosoph ist ein Sich-offenbaren der Werkstätte der Natur—Philosoph und Künstler reden von den Handwerksgeheimnissen der Natur.
Über dem Getümmel der Zeitgeschichte lebt die Sphäre des Philosophen und des Künstlers, abseits der Noth.
Der Philosoph als Hemmschuh im Rade der Zeit.
Es sind die Zeiten großer Gefahr, in denen die Philosophen erscheinen—dann wenn das Rad immer schneller rollt—sie und die Kunst treten an Stelle des verschwindenden Mythus. Sie werden aber weit vorausgeworfen, weil die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen erst langsam ihnen sich zuwendet.
Ein Volk, das sich seiner Gefahren bewußt wird, erzeugt den Genius.
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Freiheit vom Mythus. Thales. Ein Element als Proteus!
Das Tragische des Daseins. Anaximander.
Das künstlerische Spiel des Kosmos. Heraclit.
Die ewige Logik. Parmenides. Der Wortkampf.
Das Erbarmen mit allem Lebenden. Empedocles. Der Sklave.
Maaß und Zahl. Pythagoras. Democrit.
(Der Wettkampf. Heraclit.)
(Liebe und Bildung. Socrates.)
Der kleinste Annahme. Anaxagoras.
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Wir dulden nicht jeden, daß er uns etwas vorphilosophirt, z. B. nicht David Strauss, dem nicht zu helfen ist, wenn er aus seiner spezifisch historisch-kritischen Luft heraustritt.
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Nach Sokrates ist das allgemeine Wohl nicht mehr zu retten, darum die individualisirende Ethik, die die Einzelnen retten will.
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Der maaßlose unwählerische Erkenntnißtrieb, mit historischem Hintergrunde, ist ein Zeichen, daß das Leben alt geworden ist: die Gefahr ist groß, daß die Individuen schlecht werden, deshalb werden ihre Interessen gewaltsam an Erkenntnißobjekte gefesselt, gleichviel welche. Die allgemeinen Triebe sind so matt geworden und halten das Individuum nicht mehr im Zaume.
Der Germane hat alle seine Beschränktheiten durch die Wissenschaften verklärt, indem er sie übertrug: Treue Bescheidenheit Selbstbeschränkung Fleiß Reinlichkeit Ordnungsliebe, es sind Familientugenden: aber auch die Formlosigkeit, die ganze Unlebendigkeit des Lebens, die Kleinlichkeit—sein unbeschränkter Erkenntnißtrieb ist die Folge eines dürftigen Lebens: er würde, ohne ihn, kleinlich und boshaft und ist es oft, trotz ihrer.
Jetzt ist uns eine höhere Form des Lebens gegeben, ein Hintergrund der Kunst—jetzt ist auch die nächste Folge ein wählerischer Erkenntnißtrieb d. h. Philosophie.
Schreckliche Gefahr: daß das amerikanische-politische Getreibe und die haltlose Gelehrtenkultur sich verschmelzen.
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Die Schönheit tritt bei dem wählerischen Erkenntnißtrieb wieder als Macht hervor.
Höchst merkwürdig, daß Schopenhauer schön schreibt! Sein Leben hat auch mehr Stil als das der Universitätslehrer—aber verkümmerte Umgebungen!
Jetzt weiß kein Mensch, wie ein gutes Buch aussieht, man muß es vormachen: sie verstehen die Composition nicht. Die Presse ruinirt dazu immer mehr das Gefühl.
Das Erhabene festhalten zu können!
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Gegen die ikonische Geschichtsschreibung und gegen die Naturwissenschaften sind ungeheure künstlerische Kräfte nöthig.
Was soll der Philosoph? Inmitten der ameisenhaften Wimmelei das Problem des Daseins, überhaupt die ewigen Probleme zu betonen.
Der Philosoph soll erkennen, was noth thut, und der Künstler soll es schaffen. Der Philosoph soll am stärksten das allgemeine Leid nachempfinden: wie die alten griechischen Philosophen jeder eine Noth ausdrückt: dort, in die Lücke hinein stellt er sein System. Er baut seine Welt in diese Lücke hinein.
Es sind alle Mittel zu sammeln, durch die es möglich ist den Menschen zur Ruhe zu retten: bei absterbenden Religionen!
Den Unterschied in der Wirkung der Philosophie und der Wissenschaft klar zu machen: und ebenso den Unterschied in der Entstehung.
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Es handelt sich nicht um eine Vernichtung der Wissenschaft, sondern um eine Beherrschung. Sie hängt nämlich in allen ihren Zielen und Methoden durch und durch ab von philosophischen Ansichten, vergißt dies aber leicht. Die beherrschende Philosophie hat aber auch das Problem zu bedenken, bis zu welchem Grade die Wissenschaft wachsen darf: sie hat den Werth zu bestimmen!
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Nachweis der barbarisirenden Wirkungen der Wissenschaften. Sie verlieren sich leicht in den Dienst der “praktischen Interessen.”
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Werth Schopenhauers, weil er naive allgemeine Wahrheiten in’s Gedächtniß ruft: er wagt es, sogenannte “Trivialitäten” schön auszusprechen.
Wir haben keine edle Popularphilosophie, weil wir keinen edlen Begriff von peuple publicum haben. Unsere Popularphilosophie ist für den peuple, nicht für das Publikum.
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Wenn wir noch je eine Kultur erringen sollen, so sind unerhörte Kunstkräfte nöthig, um den unbeschränkten Erkenntnißtrieb zu brechen, um eine Einheit wieder zu erzeugen. Höchste Würde des Philosophen zeigt sich hier, wo er den unbeschränkten Erkenntnißtrieb concentrirt, zur Einheit bändigt.
So sind die älteren griechischen Philosophen zu verstehen, sie bändigen den Erkenntnißtrieb. Wie kam es, daß nach Sokrates er allmählich aus der Hand fiel? Zunächst sehen wir selbst bei Sokrates und Schule dieselbe Tendenz: er soll eingeschränkt werden durch die individuelle Rücksicht auf Glücklich-Leben. Es ist eine letzte niedere Phase. Ehemals handelte es sich nicht um Individuen, sondern um die Hellenen.
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Die großen alten Philosophen gehören in das Allgemeinben des Hellenischen: nach Sokrates bilden sich Sekten. Allmählich verliert die Philosophie die Zügel der Wissenschaft aus den Händen.
Im Mittelalter übernimmt die Theologie die Zügel der Wissenschaft: jetzt gefährliche Emancipationszeit.
Die allgemeine Wohlfahrt will wieder eine Bändigung und dadurch zugleich Erhebung und Concentration.
Das laisser aller unserer Wissenschaft, wie bei gewissen nationalökonomischen Dogmen: man glaubt an einen unbedingt heilsamen Erfolg.
Kant hat in gewissem Sinne mit schädlich eingewirkt: denn der Glaube an die Metaphysik ist verloren gegangen. Auf sein “Ding an sich” wird niemand rechnen können, als ob es ein bändigendes Princip sei.
Jetzt begreifen wir die merkwürdige Erscheinung Schopenhauer’s: er sammelt alle Elemente, die zur Beherrschung der Wissenschaft noch taugen. Er kommt auf die tiefsten Urprobleme der Ethik und der Kunst, er wirft die Frage vom Werthe des Daseins auf.
Wunderbare Einheit Wagner’s und Schopenhauer’s! Sie entstammen dem gleichen Triebe. Die tiefsten Eigenschaften des germanischen Geistes rüsten sich hier zum Kampfe: wie bei den Griechen. Wiederkehr der Besonnenheit.
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Schilderung der ungeheuren Gefahr der Verweltlichung im 6ten und 5ten Jahrhundert: die Üppigkeit der Kolonien, der Reichthum, die Sinnlichkeit.
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Das Problem: die Kultur zu unserer Musik zu finden!
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Es ist die Methode zu bezeichnen, wie der philosophische Mensch zu leben hat.
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Zur Charakteristik der Oberflächlichkeit unserer Kultur: David Strauß, unsere Theater, unsere Dichter, unsere Kritik, unsere Schulen.
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Meine Aufgabe: den inneren Zusammenhang und die Nothwendigkeit jeder wahren Kultur zu begreifen. Die Schutz- und Heilmittel einer Kultur, das Verhältniß derselben zum Volksgenius. Die Consequenz jeder großen Kunstwelt ist eine Kultur: aber oft kommt es, durch feindselige Gegenströmungen, nicht zu diesem Ausklingen eines Kunstwerks.
Die Philosophie soll den geistigen Höhenzug durch die Jahrhunderte festhalten: damit die ewige Fruchtbarkeit alles Großen.
Für die Wissenschaft giebt es kein Groß und Klein—aber für die Philosophie! An jenem Satze mißt sich der Werth der Wissenschaft.
Das Festhalten des Erhabenen!
Welcher außerordentliche Mangel an Büchern in unserer Zeit, die eine heroische Kraft athmen!— Selbst Plutarch wird nicht mehr gelesen!
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Kant sagt (2. Vorrede zur Kritik): “ich mußte das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen, und der Dogmatismus der Metaphysik, das ist das Vorurtheil, in ihr ohne Kritik der reinen Vernunft fortzukommen, ist die wahre Quelle alles der Moralität widerstrebenden Unglaubens, der jederzeit gar sehr dogmatisch ist.” Sehr wichtig! Eine Kulturnoth hat ihn getrieben!
Sonderbarer Gegensatz “Wissen und Glauben”! Was hätten die Griechen davon gedacht! Kant kannte keinen andern Gegensatz! Aber wir!
Eine Kulturnoth treibt Kant: er will ein Gebiet vor dem Wissen retten: dorthin legt die Wurzeln alles Höchsten und Tiefsten, Kunst und Ethik—Schopenhauer.
Andrerseits sammelt er alles Wissenswürdige für alle Zeit—die ethische Volks- und Menschenweisheit (Standpunkt der 7 Weisen, der griechischen popularphilosophen).
Er zersetzt die Elemente jenes Glaubens und zeigt, wie wenig gerade der christliche Glaube dem tiefsten Bedürfniß genügt: Frage nach dem Werthe des Daseins!
Der Kampf des Wissens mit dem Wissen!
Schopenhauer macht selbst auf das uns unbewußte Denken und Wissen aufmerksam.
Die Bändigung des Erkenntnißtriebes—ob zu Gunsten einer Religion? Oder einer künstlerischen Kultur, soll sich nun zeigen; ich stehe auf der zweiten Seite.
Ich setze hinzu die Frage nach dem Werthe des historischen ikonischen Erkennens, auch der Natur.
Bei den Griechen ist es die Bändigung zu Gunsten einer künstlerischen Kultur (und Religion?), die Bändigung, welche ein volles Entfesseltsein verhüten will: wir wollen den ganz entfesselten wieder zurückbändigen.
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Der Philosoph der tragischen Erkenntniß. Er bändigt den entfesselten Wissenstrieb, nicht durch eine neue Metaphysik. Er stellt keinen neuen Glauben auf. Er empfindet den weggezogenen Boden der Metaphysik tragisch und kann sich doch an dem bunten Wirbelspiele der Wissenschaften nie befriedigen. Er baut an einem neuen Leben: der Kunst giebt er ihre Rechte wieder zurück.
Der Philosoph der desperaten Erkenntniß wird in blinder Wissenschaft aufgehen: Wissen um jeden Preis.
Für den tragischen Philosophen vollendet es das Bild des Daseins, daß das Metaphysische nur anthropomorphisch erscheint. Er ist nicht Skeptiker.
Hier ist ein Begriff zu schaffen: denn Skepsis ist nicht das Ziel. Der Erkenntnißtrieb, an seine Grenzen gelangt, wendet sich gegen sich selbst, um nun zur Kritik des Wissens zu schreiten. Die Erkenntniß im Dienste des besten Lebens.
Man muß selbst die Illusion wollen—darin liegt das Tragische.
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Der letzte Philosoph—es können ganze Generationen sein. Er hat nur zum Leben zu helfen. “Der letzte,” natürlich relativ. Für unsere Welt. Er beweist die Nothwendigkeit der Illusion, der Kunst und der das Leben beherrschenden Kunst. Es ist für uns nicht möglich, wieder eine solche Reihe von Philosophen zu erzeugen, wie Griechenland zur Zeit der Tragödie. Ihre Aufgabe erfüllt jetzt ganz allein die Kunst. Nur als Kunst ist noch so ein System möglich. Vom jetzigen Standpunkt aus fällt auch jene ganze Periode der griechischen Philosophie mit ins Bereich ihrer Kunst.
Die Bändigung der Wissenschaft geschieht jetzt nur noch durch die Kunst. Es handelt sich um Werthurtheile über das Wissen und Vielwissen.
Ungeheure Aufgabe und Würde der Kunst in dieser Aufgabe! Sie muß alles neu schaffen und ganz allein das Leben neu gebären! Was sie kann, zeigen uns die Griechen: hätten wir diese nicht, so wäre unser Glaube chimärisch.
Ob eine Religion hier hinein, in das Vacuum hinein, sich bauen kann, hängt von ihrer Kraft ab. Wir sind der Kultur zugekehrt: das “Deutsche” als erlösende Kraft!
Jedenfalls müßte die Religion, welche es könnte, eine ungeheure Liebeskraft haben: an der zerbricht auch das Wissen, wie es an der Sprache der Kunst zerbricht.
Aber vielleicht vermag die Kunst sogar sich eine Religion zu schaffen, den Mythus zu gebären? So bei den Griechen.
19 [37]
Die jetzt vernichteten Philosophien und Theologien wirken aber noch immer fort in den Wissenschaften: auch wenn die Wurzeln abgestorben sind, ist hier in den Zweigen noch eine Zeitlang Leben. Das Historische ist besonders als Gegenkraft gegen den theologischen Mythus, aber auch gegen die Philosophie, so breit entwickelt: das absolute Erkennen feiert hier und in den mathematischen Naturwissenschaften seine Saturnalien, das Geringste, was hier wirklich ausgemacht werden kann, gilt höher als alle metaphysischen Ideen. Der Grad der Sicherheit bestimmt hier den Werth, nicht der Grad der Unentbehrlichkeit für Menschen. Es ist der alte Kampf von Glauben und Wissen.
Es sind dies barbarische Einseitigkeiten.
Jetzt kann die Philosophie nur noch das Relative aller Erkenntniß betonen und das Anthropomorphische, so wie die überall herrschende Kraft der Illusion. Sie kann damit den entfesselten Erkenntnißtrieb nicht mehr hemmen: der immer mehr nach dem Grade der Sicherheit urtheilt und immer kleinere Objekte sucht. Während jeder Mensch zufrieden ist, wenn ein Tag vorbei ist, wühlt gräbt und combinirt später der Historiker nach diesem Tag, um ihn der Vergessenheit zu entreißen: das Kleine soll auch ewig sein, weil es erkennbar ist.
Für uns gilt nur der aesthetische Maaßstab: das Große hat ein Recht auf Historie, aber auf keine ikonische, sondern eine produktive erregende Geschichtsmalerei. Wir lassen die Gräber ruhn: aber bemächtigen uns des ewig Lebendigen.
Lieblingsthema der Zeit: die großen Wirkungen des Kleinsten. Das historische Wühlen hat z. B. als Ganzes etwas Großartiges: es ist wie die dürftige Vegetation, die allmählich die Alpen zerreibt. Wir sehen einen großen Trieb, der kleine Werkzeuge, aber großartig viele hat.
Man könnte dagegen stellen: die kleinen Wirkungen des Großen! wenn es nämlich durch Individuen vertreten wird. Es ist schwer zu fassen, oft stirbt die Tradition weg, der Haß dagegen ist allgemein, sein Werth beruht auf der Qualität, die hat immer wenig Schätzer.
Das Große wirkt nur auf das Große: wie die Fackelpost im Agamemnon nur von Höhe zu Höhe springt. Es ist die Aufgabe einer Kultur, daß das Große in einem Volke nicht als Einsiedler erscheint, noch als Verbannter.
Deshalb wollen wir reden, was wir empfinden: es ist nicht unsere Sache zu warten, bis der matte Abglanz dessen, was mir hell erscheint, auch bis in die Thäler dringt. Zuletzt nämlich sind die großen Wirkungen des Kleinsten eben die Nachwirkungen der Großen; sie haben eine Lawine in’s Rollen gebracht. Nun haben wir Mühe, sie aufzuhalten.
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Das Historische und die Naturwissenschaften waren nöthig gegen das Mittelalter: das Wissen gegen den Glauben. Wir richten jetzt gegen das Wissen die Kunst: Rückkehr zum Leben! Bändigung des Erkenntnißtriebes! Stärkung der moralischen und ästhetischen Instinkte!
Dies erscheint uns als Rettung des deutschen Geistes, damit er wieder Retter sei!
Das Wesen dieses Geistes ist uns in der Musik aufgegangen. Wir verstehen jetzt, wie die Griechen ihre Kultur von der Musik abhängig machten.
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Die Schöpfung einer Religion würde darin liegen, daß einer für sein in das Vacuum hineingestelltes mythisches Gebäude Glauben erweckt, d. h. daß er einem außerordentlichen Bedürfnisse entspricht.
Es ist unwahrscheinlich, daß das je wieder geschieht, seit der Kritik der reinen Vernunft.
Dagegen kann ich mir eine ganz neue Art des Philosophen-Künstlers imaginiren, der ein Kunstwerk hinein in die Lücke stellt, mit ästhetischem Werthe.
Das Gutsein und das Mitleiden ist glücklicherweise unabhängig vom Verderben und Gedeihen einer Religion: dagegen ist das Guthandeln sehr bestimmt durch religiöse Imperative. Die weitaus größte Masse der guten pflichtmäßigen Handlungen hat keinen ethischen Werth, sondern ist erzwungen.
Die praktische Moralität wird bei allem Zusammenbrechen einer Religion sehr leiden. Die strafende und belohnende Metaphysik scheint unentbehrlich.
Wenn man die Sitte, die mächtige Sitte schaffen kann! Damit hat man auch die Sittlichkeit.
Die Sitte aber durch Vorangehn einzelner mächtiger Persönlichkeiten gebildet.
Auf erwachende Güte in der Masse der Besitzenden rechne ich nicht, wohl aber könnte man sie zu einer Sitte bringen, zu einer Pflicht gegen das Herkommen.
Wenn die Menschheit, was sie bis jetzt auf den Bau von Kirchen, auf Erziehung und Schulen verwendet, wenn sie den Intellekt, den sie auf Theologie, jetzt auf Erziehung richtet.
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Die freidichtende Art, wie die Griechen mit ihren Göttern umgiengen!
Wir sind an den Gegensatz von historischer Wahrheit und Unwahrheit zu sehr gewöhnt. Es ist komisch, daß die christlichen Mythen durchaus historisch sein sollen!
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Das Problem einer Kultur selten richtig gefaßt. Ihr Ziel ist nicht das größtmögliche Glück eines Volkes, auch nicht die ungehinderte Entwicklung aller seiner Begabungen: sondern in der richtigen Proportion dieser Entwicklungen zeigt sie sich. Ihr Ziel zeigt über das Erdenglück hinaus: die Erzeugung großer Werke ist ihr Ziel.
In allen griechischen Trieben zeigt sich eine bändigende Einheit: nennen wir sie den hellenischen Willen. Jeder dieser Triebe versucht allein in’s Unendliche zu existiren. Die alten Philosophen versuchen aus ihnen die Welt zu construiren.
Die Kultur eines Volkes offenbart sich in der einheitlichen Bändigung der Triebe dieses Volkes: die Philosophie bändigt den Erkenntnißtrieb, die Kunst den Formentrieb und die Ekstasis, die den usw.
Die Erkenntniß isolirt: die älteren Philosophen stellen isolirt dar, was die griechische Kunst zusammen erscheinen läßt.
Der Inhalt der Kunst und der alten Philosophie fällt zusammen, aber als Philosophie sehen wir die isolirten Bestandtheile der Kunst verwendet, um den Erkenntnißtrieb zu bändigen. Das muß sich auch bei den Italiänern zeigen lassen: der Individualismus im Leben und der Kunst.
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Die Griechen als Entdecker und Reisende und Kolonisatoren. Sie verstehen zu lernen: ungeheure Aneignungskraft. Unsre Zeit soll nicht glauben, in ihrem Wissenstrieb so viel höher zu stehen: nur wurde bei den Griechen alles Leben! Bei uns bleibt es Erkenntniß!
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Wenn es auf den Werth der Erkenntniß ankommt, anderseits ein schöner Wahn, wenn nur an ihn geglaubt wird, ganz den gleichen Werth wie eine Erkenntniß hat, so sieht man, daß das Leben Illusionen braucht, d. h. für Wahrheiten gehaltene Unwahrheiten. Es braucht den Glauben an die Wahrheit, aber es genügt dann die Illusion, d. h. die “Wahrheiten” beweisen sich durch ihre Wirkungen, nicht durch logische Beweise, Beweise der Kraft. Das Wahre und das Wirkende gilt für identisch, man beugt sich der Gewalt auch hier. Wie kommt es dann, daß ein logisches Wahrheitsbeweisen überhaupt stattfand? Im Kampf von “Wahrheit” und “Wahrheit” suchen sie die Alliance der Reflexion. Alles wirkliche Wahrheitsstreben ist in die Welt gekommen durch den Kampf um eine heilige Überzeugung, durch das des Kämpfens: sonst hat der Mensch kein Interesse für den logischen Ursprung.
19 [44]
Zweck, die Teleologie des Philosophen inmitten der Kultur zu bestimmen.
Wir fragen die Griechen, in der Zeit, in der eine Einheit in ihrer Kultur war.
Wichtig: es giebt auch für die reichste Kultur die Philosophie. Wozu?
Wir fragen die großen Philosophen. Ach, sie sind zu Grunde gegangen! Wie leichtfertig verfährt die Natur!
19 [45]
Wie verhält sich der philosophische Genius zur Kunst? Aus dem direkten Verhalten ist wenig zu lernen. Wir müssen fragen: was ist an seiner Philosophie Kunst? Kunstwerk? Was bleibt, wenn sein System als Wissenschaft vernichtet ist? Gerade dieses Bleibende aber muß es sein, was den Wissenstrieb bändigt, also das Künstlerische daran. Warum ist eine solche Bändigung nöthig? Denn wissenschaftlich betrachtet, ist es eine Illusion, eine Unwahrheit, die den Trieb nach Erkenntniß täuscht und nur vorläufig befriedigt. Der Werth der Philosophie in dieser Bändigung liegt nicht in der Erkenntnißsphäre, sondern in der Lebenssphäre: der Wille zum Dasein benutzt die Philosophie zum Zwecke einer höheren Daseinsform.
Es ist nicht möglich, daß Kunst und Philosophie sich gegen den Willen richten könnten: aber ebenfalls die Moral ist in seinem Dienste. Allherrschaft des Willens. Eine der zartesten Daseinsformen das relative Nirvana.
19 [46]
Es ist alles so bestimmt wie möglich zu sagen und jeder terminus, auch “Wille,” bei Seite zu lassen.
19 [47]
Die Schönheit und die Großartigkeit einer Weltconstruktion (alias Philosophie) entscheidet jetzt über ihren Werth—d. h. sie wird als Kunst beurtheilt. Ihre Form wird sich wahrscheinlich verändern! Die starre mathematische Formel (wie bei Spinoza)—die auf Göthe einen so beruhigenden Eindruck machte, hat eben nur noch als ästhetisches Ausdrucksmittel ein Recht.
19 [48]
Der Satz ist festzustellen—wir leben nur durch Illusionen—unser Bewußtsein streift die Oberfläche. Vieles ist vor unsern Blicken verborgen. Es ist auch nie zu fürchten, daß der Mensch sich ganz erkennt, daß er in jedem Augenblicke alle die Gesetze der Hebelkräfte, der Mechanik, alle die Formeln der Baukunst, der Chemie, die zu seinem Leben nöthig sind, durchschaue. Wohl aber ist möglich, daß durch Schema alles erkannt werde. Das ändert für unser Leben fast nichts. Zudem sind es alles nur Formeln für absolut unerkennbare Kräfte.
19 [49]
Wir leben allerdings durch die Oberflächlichkeit unseres Intellekts in einer fortwährenden Illusion: d. h. wir brauchen, um zu leben, in jedem Augenblicke die Kunst. Unser Auge hält uns an den Formen fest. Wenn wir es aber selbst sind, die allmählich uns dies Auge anerzogen haben, so sehen wir in uns selbst eine Kunstkraft walten. Wir sehen also in der Natur selbst Mechanismen gegen das absolute Wissen: der Philosoph erkennt die Sprache der Natur und sagt: “wir brauchen die Kunst” und “Wir bedürfen nur eines Theils des Wissens.”
19 [50]
Jede Art von Kultur beginnt damit, daß eine Menge von Dingen verschleiert werden. Der Fortschritt des Menschen hängt an diesem Verschleiern—das Leben in einer reinen und edlen Sphäre und das Abschließen der gemeineren Reizungen. Der Kampf gegen die “Sinnlichkeit” durch die Tugend ist wesentlich ästhetischer Art. Wenn wir die großen Individuen als unsere Leitsterne gebrauchen, so verschleiern wir viel an ihnen, ja wir verhüllen alle die Umstände und Zufälle, die ihr Entstehen möglich machen, wir isoliren sie uns, um sie zu verehren. Jede Religion enthält so ein Element: die Menschen unter göttlicher Obhut, als etwas unendlich Wichtiges. Ja, alle Ethik beginnt damit, daß wir das einzelne Individuum unendlich wichtig nehmen—anders als die Natur, die grausam und spielend verfährt. Wenn wir besser und edler sind, so haben es die isolirenden Illusionen gemacht!
Dem stellt nun die Naturwissenschaft die absolute Naturwahrheit entgegen: die höhere Physiologie wird freilich die künstlerischen Kräfte schon in unserem Werden begreifen, ja nicht nur in dem des Menschen, sondern des Thieres: sie wird sagen, daß mit dem Organischen auch das Künstlerische beginnt.
19 [51]
| Die Konsequenzen der Kantischen Lehre. Ende der Metaphysik als Wissenschaft. |
| Die barbarisirende Einwirkung des Wissens. |
| Die Bändigung des Wissens als Trieb der Kunst. |
| Wir leben nur durch diese Illusionen der Kunst. |
| Jede höhere Kultur ist es durch diese Bändigung. |
| Die philosophischen Systeme der älteren Griechen. |
| Es offenbart sich dieselbe Welt, die die Tragödie schuf. |
| Hier begreifen wir die Einheit der Philosophie und der Kunst zum Zweck der Kultur. |
| Der ästhetische Begriff des Großen und Erhabenen: dazu zu erziehn die Aufgabe. Die Kultur abhängig von der Art, wie man “das Große” definirt. |
19 [52]
Das absolute Wissen führt zum Pessimismus: die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
Die Philosophie ist zur Bildung unentbehrlich, weil sie das Wissen in eine künstlerische Weltconception hineinzieht und dadurch veredelt.
19 [53]
Die Sorge, daß das ewige Werk der Menschheit nicht vorenthalten werde und nicht zu Grunde gehe, bestimmte Schopenhauer durchaus: er kannte das Schicksal Heraklits, und seine erste Auflage wurde eingestampft! Er hatte die Vorsorge eines Vaters: alle die unangenehmen Züge seines Wesens, sein Umgang mit Litteraten wie Frauenstädt ist hierher zu erklären. Die Ruhmsucht ist hier ein vorsorglicher Instinkt zu Gunsten der Menschheit: er kannte den Lauf der Welt.
Man kann sich gewiß noch eine größere Erhabenheit über die Menschheit denken: dann hätte er aber nicht geschrieben! Er sehnte sich nach dem Weiterzeugen im Schönen!
19 [54]
Die chemischen Verwandlungen in der unorganischen Natur sind vielleicht auch künstlerische Prozesse, mimische Rollen zu nennen, die eine Kraft spielt: es giebt aber mehrere! die sie spielen kann.
19 [55]
Denen, welche nur eine gelehrte Befriedigung dabei empfinden wollen, habe ich es nicht leicht gemacht, weil ich auf sie zuletzt gar nicht rechnete. Die Citate fehlen.
19 [56]
Mit dem Eigenthum weiser Sprüche nahm es das Zeitalter der sieben Weisen nicht genau, aber sehr wichtig, wenn erst Jemand einen Spruch annektirte.
19 [57]
Die Chronologie der griechischen Philosophen.
Rhythmus.
Choephoren.
19 [58]
Die Philologen dieser Zeit haben sich als unwürdig erwiesen, mich und mein Buch zu sich rechnen zu dürfen: es bedarf kaum der Versicherung, daß auch in diesem Falle ich es ihnen anheim gebe, ob sie etwas lernen wollen oder nicht, fühle mich aber nicht geneigt, ihnen irgendwie entgegenzukommen.
Das was sich jetzt “Philologie” nennt und was ich mit Absicht nur neutral bezeichne, möge auch diesmal mein Buch übersehen: denn es ist männlicher Natur und taugt nicht für Castraten. Denen geziemt vielmehr am Conjekturenwebstuhl zu sitzen.
19 [59]
Über die und ihren Ursprung (in der Geschichte der älteren Philosophen).
Apollodor bekämpft sie: wer hat sie aufgestellt?
19 [60]
Die Entstehung philosophischer Secten im griechischen Alterthum.
Aus der tiefsten Umwandlung des hellenischen Geistes.
Anfang mit den Pythagoreern, von denen lernt es Plato.
Die Akademie giebt den Typus an. Es sind Oppositionsanstalten gegen das hellenische Leben.
Die früheren Philosophen sind Isolirungen einzelner Triebe des hellenischen Wesens.
Wir erleben den Übergang des philosophischen Sektengeistes in das Kulturbewußtsein, Übergang der Philosophie in die Kultur. Dort Scheidung der Philosophie und der Kultur.
Die Oberflächlichkeit aller nachsokratischen Ethik! Die tiefe hellenische ältere Ethik hat sich nicht In Worten und Begriffen darstellen lassen.
19 [61]
Heraklit in seinem Hasse gegen das Dionysische Element, auch gegen Pythagoras, auch gegen das viele Wissen. Er ist ein apollinisches Produkt und redet Orakel, deren Wesen man sich und ihm deuten muß. Er empfindet das Leiden nicht, aber die Dummheit.
19 [62]
Große Verlegenheit, ob de Philosophie eine Kunst oder eine Wissenschaft ist.
Es ist eine Kunst in ihren Zwecken und in ihrer Produktion. Aber das Mittel, die Darstellung in Begriffen, hat sie mit der Wissenschaft gemein. Es ist eine Form der Dichtkunst.— Sie ist nicht unterzubringen: deshalb müssen wir eine Species erfinden und charakterisiren.
Die Naturbeschreibung des Philosophen. Er erkennt, indem er dichtet, und dichtet, indem er erkennt.
Er wächst nicht, ich meine, die Philosophie nimmt nicht den Verlauf, wie die andern Wissenschaften: wenn auch irgend welche Gebiete des Philosophen allmählich in die Hände der Wissenschaft übergehen. Heraklit kann nie veralten. Es ist die Dichtung außer den Grenzen der Erfahrung, Fortsetzung des mythischen Triebes—auch wesentlich in Bildern. Die mathematische Darstellung gehört nicht zum Wesen des Philosophen.
Überwindung des Wissens durch mythenbildende Kräfte. Kant merkwürdig—Wissen und Glauben! Innerste Verwandtschaft der Philosophen und der Religionsstifter!
19 [63]
Sonderbares Problem: das sich Verzehren der philosophischen Systeme! Unerhört für die Wissenschaft wie für die Kunst! Ähnlich steht es mit den Religionen: das ist merkwürdig und bezeichnend.
19 [64]
Die Illusion nöthig für das empfindende Wesen, um zu leben.
Die Illusion nöthig, um in der Kultur fortzuschreiten.
Was will der unersättliche Erkenntnißtrieb?
— Jedenfalls ist er kulturfeindlich.
Die Philosophie sucht ihn zu bändigen; ist ein Mittel der Kultur.
Die älteren Philosophen.
19 [65]
Durchaus unpersönlich und kalt zu schreiben. Kein “ich” und “wir.”
19 [66]
Unser Verstand ist eine Flächenkraft, ist oberflächlich. Das nennt man auch “subjektiv.” Er erkennt durch Begriffe: das heißt unser Denken ist ein Rubriziren, ein Benamsen. Also etwas, was auf eine Willkür des Menschen hinausläuft und nicht das Ding selbst trifft. Nur rechnen und nur in den Formen des Raumes hat der Mensch absolute Erkenntniß d. h. die letzte Grenze alles Erkennbaren sind Quantitäten, er versteht keine Qualität, sondern nur eine Quantität.
Was kann der Zweck einer solchen Flächenkraft sein?
Dem Begriff entspricht zuerst das Bild, Bilder sind Urdenken d. h. die Oberflächen der Dinge im Spiegel des Auges zusammengefaßt.
Das Bild ist das eine, das Rechenexempel das andre.
Bilder in menschlichen Augen! Das beherrscht alles menschliche Wesen: vom Auge aus! Subjekt! das Ohr hört den Klang! Eine ganz andere wunderbare Conception derselben Welt.
Auf der Ungenauigkeit des Sehens beruht die Kunst. Auch beim Ohr Ungenauigkeit in Rhythmus, Temperatur usw. darauf beruht wiederum die Kunst.
19 [67]
Es ist eine Kraft in uns, die die großen Züge des Spiegelbildes intensiver wahrnehmen läßt, und wieder eine Kraft, die den gleichen Rhythmus auch über die wirkliche Ungenauigkeit hinweg betont. Dies muß eine Kunstkraft sein. Denn sie schafft. Ihr Hauptmittel ist weglassen und übersehen und überhören. Also antiwissenschaftlich: denn sie hat nicht für alles Wahrgenommene ein gleiches Interesse.
Das Wort enthält nur ein Bild, daraus der Begriff. Das Denken rechnet also mit künstlerischen Größen.
Alles Rubriziren ist ein Versuch zum Bilde zu kommen.
Zu jedem wahren Sein verhalten wir uns oberflächlich, wir reden die Sprache des Symbols, des Bildes: sodann thun wir etwas hinzu, mit künstlerischer Kraft, indem wir die Hauptzüge verstärken, die Nebenzüge vergessen.
19 [68]
Apologie der Kunst.
Thales längst vorbei—aber ein Bildner, am Wasserfall stehend, wird ihm doch noch Recht geben.
19 [69]
Unser öffentliches staatliches und sociales Leben läuft auf ein Gleichgewicht der Egoismen hinaus: Lösung der Frage, wie man ein leidliches Dasein, ohne jede Liebeskraft, rein aus der Klugheit der betheiligten Egoismen erziele.
Diese Zeit hat einen Haß auf die Kunst, wie auf die Religion. Sie will weder eine Abfindung durch einen Hinweis auf das Jenseits, noch durch einen Hinweis auf die Verklärung der Kunstwelt. Sie hält das für unnütze “Poesie,” Spaß usw. Unsre “Dichter” entsprechen. Aber die Kunst als furchtbarer Ernst! Die neue Metaphysik als furchtbarer Ernst! Wir wollen euch die Welt noch so umstellen mit Bildern, daß euch schaudert. Das aber steht in unserer Hand! Verstopft euch die Ohren, eure Augen werden unseren Mythus sehen. Unsere Flüche werden euch treffen!
Die Wissenschaft muß ihre Utilität jetzt zeigen! Sie ist zur Ernährerin geworden, im Dienste des Egoismus: der Staat und die Gesellschaft haben sie in ihren Frohndienst genommen, um sie auszubeuten zu ihren Zwecken.
Der normale Zustand ist der Krieg: wir schließen Frieden nur auf bestimmte Zeiten.
19 [70]
Es ist mir nöthig zu wissen, wie die Griechen zur Zeit ihrer Kunst philosophirt haben. Die sokratischen Schulen saßen inmitten eines Meeres der Schönheit—was merkt man davon bei ihnen? Ungeheurer Aufwand wird für die Kunst gemacht. Die Sokratiker haben entweder ein feindseliges oder theoretisches Verhalten dazu.
Dagegen waltet in den älteren Philosophen zum Theil ein ähnlicher Trieb, wie der, welcher die Tragödie schuf.
19 [71]
Der Begriff des Philosophen und die Typen.— Was ist allen gemeinsam?
Er ist entweder seiner Kultur entsprungen oder ihr feindlich.
Er ist beschaulich wie der bildende Künstler, mitempfindend wie der Religiöse, causal wie der Mann der Wissenschaft: er sucht alle Töne der Welt in sich nachklingen zu lassen und diesen Gesammtklang aus sich heraus zu stellen in Begriffen. Das Aufschwellen zum Makrokosmos und dabei besonnenes Betrachten—wie der Schauspieler oder der dramatische Dichter, der sich verwandelt und dabei die Besonnenheit behält, nach außen sich zu projiciren.
Das dialektische Denken als Sturzbad darüber gegossen.
Merkwürdig Plato: Enthusiast der Dialektik d. h. jener Besonnenheit.
19 [72]
Die Philosophen. Naturbeschreibung des Philosophen.
Der Philosoph neben dem wissenschaftlichen Menschen und dem Künstler.
| Bändigung | des Erkenntnißtriebes durch die Kunst, des religiösen Einheitstriebes durch den Begriff. |
Sonderbar das Nebeneinander von Conception und Abstraktion.
Bedeutung für die Kultur.
Die Metaphysik als Vacuum.
19 [73]
Der Philosoph der Zukunft? er muß das Obertribunal einer künstlerischen Kultur werden, gleichsam die Sicherheitsbehörde gegen alle Ausschreitungen.
19 [74]
Wir werden doch nicht alles Rubriziren, alle Allgemeinbegriffe als “philosophisch” bezeichnen. Ebensowenig alles Unbewußte und Intuitive: auch selbst bei der philologischen Conjektur giebt es ein Erzeugen, das nicht ganz in bewußtes Denken aufzulösen ist.
19 [75]
Das philosophische Denken ist mitten in allem wissenschaftlichen Denken zu spüren: selbst bei der Conjektur. Es springt voraus auf leichten Stützen: schwerfällig keucht der Verstand hinter drein und sucht bessere Stützen, nachdem ihm das lockende Zauberbild erschienen ist. Ein unendlich rasches Durchfliegen großer Räume! Ist es nur die größere Schnelligkeit? Nein. Es ist Flügelschlag der Phantasie, d. h. ein Weiterspringen von Möglichkeit zu Möglichkeit, die einstweilen als Sicherheiten genommen werden. Hier und da von Möglichkeit zu einer Sicherheit und wieder zu einer Möglichkeit.—
Was ist aber eine solche “Möglichkeit”? Ein Einfall z. B. “es könnte vielleicht.” Aber wie kommt der Einfall? Mitunter zufällig äußerlich: ein Vergleichen, das Entdecken irgend einer Analogie findet statt. Nun tritt eine Erweiterung ein. Die Phantasie besteht im schnellen Ähnlichkeiten-schauen. Die Reflexion mißt nachher Begriff an Begriff und prüft. Die Ähnlichkeit soll ersetzt werden durch Causalität.
Ist denn nun “wissenschaftliches” Denken und “philosophisches” nur durch die Dosis verschieden? Oder vielleicht durch die Gebiete?
19 [76]
Es giebt keine aparte Philosophie, getrennt von der Wissenschaft: dort wie hier wird gleich gedacht. Daß ein unbeweisbares Philosophiren noch einen Werth hat, mehr als meistens ein wissenschaftlicher Satz, hat seinen Grund in dem aesthetischen Werthe eines solchen Philosophirens, d. h. durch Schönheit und Erhabenheit. Es ist als Kunstwerk noch vorhanden, wenn es sich als wissenschaftlicher Bau nicht erweisen kann. Ist das aber bei wissenschaftlichen Dingen nicht ebenso? —
Mit anderen Worten: es entscheidet nicht der reine Erkenntnißtrieb, sondern der aesthetische : die wenig erwiesene Philosophie des Heraklit hat einen größeren Kunstwerth als alle Sätze des Aristoteles.
Der Erkenntnißtrieb wird also gebändigt durch die Phantasie in der Kultur eines Volkes. Dabei ist der Philosoph vom höchsten Wahrheitspathos erfüllt: der Werth seiner Erkenntniß verbürgt ihm ihre Wahrheit. Alle Fruchtbarkeit, und alle treibende Kraft liegt in diesen vorausgeworfnen Blicken.
19 [77]
Die Phantasieerzeugung kann man im Auge beobachten. Ähnlichkeit führt zur kecksten Fortbildung: aber auch ganz andre Verhältnisse, Contrast den Contrast, und unaufhörlich. Hier sieht man die außerordentliche Produktivität des Intellekts. Es ist ein Bilderleben.
19 [78]
Man muß beim Denken schon haben, was man sucht, durch Phantasie—dann erst kann die Reflexion es beurtheilen. Dies thut sie, indem sie es an gewöhnlichen und häufig erprobten Ketten mißt.
Was ist eigentlich “logisch” beim Bilderdenken? —
Der nüchterne Mensch braucht die Phantasie wenig und hat sie wenig.
Es ist jedenfalls etwas Künstlerisches, dieses Erzeugen von Formen, bei denen dann der Erinnerung etwas einfällt: diese Form hebt sie heraus und verstärkt sie dadurch. Denken ist ein Herausheben.
Es ist viel mehr von Bilderreihen im Gehirn, als zum Denken verbraucht wird: der Intellekt wählt schnell ähnliche Bilder: das Gewählte erzeugt wieder eine ganze Fülle von Bildern: schnell aber wählt er wieder eines davon usw.
Das bewußte Denken ist nur ein Herauswählen von Vorstellungen. Es ist ein langer Weg bis zur Abstraktion.
1) Die Kraft, die die Bilderfülle erzeugt 2) die Kraft, welche das Ähnliche auswählt und betont.
Fieberkranke an Wänden und Tapeten verfahren so, nur projiciren die Gesunden die Tapete mit.
19 [79]
Es ist zwiefach eine künstlerische Kraft da, die bildererzeugende und die auswählende.
Die Traumeswelt beweist die Richtigkeit: der Mensch geht hier nicht bis zur Abstraktion weiter, oder: er wird nicht von den Bildern, die durch’s Auge einströmen, geleitet und modificirt.
Sieht man jene Kraft näher an, so ist hier auch kein künstlerisches ganz freies Erfinden: das wäre etwas Willkürliches, also Unmögliches. Sondern die feinsten Ausstrahlungen von Nerventhätigkeit auf einer Fläche gesehn: sie verhalten sich wie die Chladni’schen Klangfiguren zu dem Klang selbst: so diese Bilder zu der darunter sich bewegenden Nerventhätigkeit. Das allerzarteste sich Schwingen und Zittern! Der künstlerische Prozeß ist physiologisch absolut bestimmt und nothwendig. Alles Denken erscheint uns auf der Oberfläche als willkürlich, als in unserem Belieben: wir bemerken die unendliche Thätigkeit nicht.
Einen künstlerischen Vorgang ohne Gehirn zu denken ist eine starke Anthropopathie: aber ebenso steht es mit dem Willen, der Moral usw.
Das Begehren ist doch nur eine physiologische Ubertät, die sich entladen möchte, und einen Druck bis zum Gehirn ausübt.
19 [80]
Resultat: es kommt nur auf die Grade und Quantitäten an: alle Menschen sind künstlerisch philosophisch wissenschaftlich usw.
Unsre Werthschätzung bezieht sich auf Quantitäten, nicht auf Qualitäten. Wir verehren das Große. Das ist freilich auch das Unnormale.
Denn die Verehrung der großartigen Wirkungen des Kleinen ist nur ein Staunen vor dem Resultat und dem Mißverhältniß der kleinsten Ursache. Nur indem wir sehr viele Wirkungen zusammenaddiren und als Einheit anschauen, haben wir den Eindruck der Größe: d. h. wir erzeugen, durch diese Einheit, die Größe.
Die Menschheit wächst aber nur durch die Verehrung des Seltnen Großen. Selbst das als Selten Groß Gewähnte, z. B. das Wunder, übt diese Wirkung. Das Erschrecken ist der Menschheit bestes Theil.
19 [81]
Das Träumen als die auswählende Fortsetzung der Augenbilder.
Im Reiche des Intellekts ist alles Qualitative nur ein Quantitatives. Zu den Qualitäten führt uns der Begriff, das Wort.
19 [82]
Vielleicht kann der Mensch nichts vergessen. Die Operation des Sehens und des Erkennens ist viel zu complicirt, als daß es möglich wäre, sie völlig wieder zu verwischen, d. h. alle Formen, die einmal vom Gehirn und Nervensystem erzeugt sind, wiederholt es von jetzt ab so oft. Eine gleiche Nerventhätigkeit erzeugt das gleiche Bild wieder.
19 [83]
Das philosophische Denken ist spezifisch gleichartig mit dem wissenschaftlichen, aber bezieht sich auf große Dinge und Angelegenheiten. Der Begriff der Größe ist aber ein wandelbarer, theils ästhetisch, theils moralisch. Es ist eine Bändigung des Erkenntnißtriebes. Darin liegt die Kulturbedeutung.
Wenn aber die Metaphysik beseitigt ist, dann wird allmählich der Menschheit manches Andere wieder groß erscheinen. Ich meine, die Philosophen werden andere Gebiete bevorzugen: und hoffentlich die, wo sie auf die neue Kultur heilsam einwirken.
Es ist eine Gesetzgebung der Größe, ein “Namengeben” mit der Philosophie verbunden: “das ist groß” sagt er und dadurch erhebt er den Menschen. Es beginnt mit der Gesetzgebung der Moral: “das ist groß,” Standpunkt der sieben Weisen, den die Römer in guter Zeit nie verlassen haben.
19 [84]
Das eigentliche Material alles Erkennens sind die allerzartesten Lust- und Unlustempfindungen: auf jener Fläche, in die die Nerventhätigkeit in Lust und Schmerz Formen hinzeichnet, ist das eigentliche Geheimniß: das, was Empfindung ist, projicirt zugleich Formen, die dann wieder neue Empfindungen erzeugen.
Es ist das Wesen der Lust- und Unlustempfindung, sich in adäquaten Bewegungen auszudrücken: dadurch daß diese adäquaten Bewegungen wieder andere Nerven zur Empfindung veranlassen, entsteht die Empfindung des Bildes.
19 [85]
Weisheit und Wissenschaft.
Über die Philosophen.
Arthur Schopenhauer dem Unsterblichen geweiht.
19 [86]
und. enthält das Wählende in sich, das Geschmackhabende: während sich die Wissenschaft ohne solchen Feingeschmack auf alles Wissenswürdige stürzt.
19 [87]
Auch bei dem Bilderdenken hat der Darwinismus Recht: das kräftigere Bild verzehrt die geringeren.
19 [88]
“Im lieben niederträchtigen Deutschland!”
19 [89]
Was ist der Philosoph? Zu beantworten an den alten Griechen?
Thales. Mytholog und Philosoph.
Anaximander. Tragische Weltbetrachtung. Tragödie.
Heraclit. Illusion. Künstlerisches im Philosophen. Kunst.
Pythagoras. Mystik und Philosophie. Religion.
Anaxagoras. Zwecke. Geist und Materie.
Parmenides. Zeno. Das Logische. Logik.
Empedocles. Liebe Haß. Recht und Liebesmoral. Moral.
Democrit. Zahl und Maß, Aussicht aller Physik. Naturphilosophie.
Pythagoreer. Das Sektenwesen.
Socrates. Der Philosoph und die Kultur. Cultur.
Entstehung der Philosophen und—das Philosophentribunal für die Kultur der Zukunft.
19 [90]
Ob das Denken mit Lust oder Unlust vor sich geht, ist ganz wesentlich: wem es rechte Beschwerde macht, der ist eben weniger dazu angelegt und wird wohl auch weniger weit kommen: er zwingt sich und in diesem Bereich ist es nichts nütze.
19 [91]
Alle Naturwissenschaft ist nur ein Versuch, den Menschen, das Anthropologische zu verstehen: noch richtiger, auf den ungeheuersten Umwegen immer zum Menschen zurückzukommen. Das Aufschwellen des Menschen zum Makrokosmos, um am Ende zu sagen “du bist am Ende, was du bist.”
19 [92]
Mitunter erweist sich das durch Sprünge erreichte Resultat sofort als wahr und fruchtbar, von seinen Consequenzen aus.
Wird ein genialer Forscher von einer richtigen Ahnung geleitet? Ja, er sieht eben Möglichkeiten, ohne zureichende Stützen: daß er aber so etwas für möglich hält, zeigt seine Genialität. Er überschlägt sehr schnell das ungefähr für ihn Beweisbare.
Der Mißbrauch der Erkenntniß im ewigen Wiederholen von Experimenten und von Materialsammeln, während der Schluß sich schon aus wenigen ergiebt. Auch in der Philologie ist es so: die Vollständigkeit des Materials ist in vielen Fällen etwas Unnützes.
19 [93]
Auch das Moralische hat keine andere Quelle als den Intellekt, aber die verbindende Bilderkette wirkt hier anders als bei dem Künstler und Denker: sie reizt zur That. Ganz gewiß ist das Empfinden des Ähnlichen, das Identificiren nothwendige Voraussetzung. Sodann Erinnerung an eignen Schmerz. Gut sein hieße also: sehr leicht identificiren und sehr schnell. Es ist also eine Verwandlung, ähnlich wie bei dem Schauspieler.
Alle Rechtschaffenheit und alles Recht dagegen kommt aus einem Gleichgewicht der Egoismen: gegenseitige Anerkennung sich nicht zu schädigen. Also aus Klugheit. In der Form von festen Grundsätzen sieht es dann wieder anders aus: als Charakterfestigkeit. Liebe und Recht Gegensätze: Kulminationspunkt Aufopfern für die Welt.
Das Vorausnehmen von möglichen Unlustempfindungen bestimmt die Handlung des rechtlichen Menschen: er kennt empirisch die Folgen der Verletzung des Nächsten: aber auch der Verletzung seiner selbst.
Dagegen ist die christliche Ethik der Gegensatz: sie beruht auf dem Identificiren seiner selbst mit dem Nächsten, anderen wohlthun ist hier ein Sich-selbst-wohlthun, mit anderen leiden ist hier gleich dem eignen Leid. Liebe ist mit einer Begierde zur Einheit verbunden.
19 [94]
Es genügte ein ehrliches Wort des edlen Zöllner, um in unserer gelehrten Pöbel-Republik fast einstimmig verfehmt zu werden.
19 [95]
Ich nehme in diesem Buche auf die gegenwärtigen Gelehrten keine Rücksicht und errege dadurch den Schein, als ob ich sie den gleichgültigen Dingen zurechne. Will man aber ruhig über ernste Dinge nachdenken, so muß man nicht durch ekelhaften Anblick gestört werden. Jetzt wende ich meine Augen mit Widerstreben auf sie, um ihnen zu sagen, daß sie mir nicht gleichgültig sind, daß ich aber wünschen möchte, sie wären’s mir.
19 [96]
Es war ein großer Mathematiker, mit dem die Philosophie in Griechenland anhebt. Dorther stammt sein Gefühl für das Abstrakte, Unmythische. Bei einer antimythischen Gesinnung gilt er doch als der “Weise” in Delphi:—Orphiker zeigen den abstrakten Gedanken in Allegorie.
Die Griechen übernehmen die Wissenschaft von den Orientalen. Die Mathematik und Astronomie ist älter als die Philosophie.
19 [97]
Die Wahrheit fordert der Mensch und leistet sie im moralischen Verkehr mit Menschen, darauf beruht alles Zusammenleben. Man anticipirt die schlimmen Folgen gegenseitiger Lügen. Von hier aus entsteht die Pflicht der Wahrheit. Dem epischen Erzähler gestattet man die Lüge, weil hier keine schädliche Wirkung zu ersehen ist.— Also wo die Lüge als angenehm gilt, ist sie erlaubt: die Schönheit und Anmuth der Lüge, vorausgesetzt daß sie nicht schadet. So erfindet der Priester Mythen seiner Götter: sie rechtfertigt ihre Erhabenheit. Außerordentlich schwer, das mythische Gefühl der freien Lüge wieder sich lebendig zu machen. Die großen griechischen Philosophen leben noch ganz in dieser Berechtigung zur Lüge.
Wo man nichts Wahres wissen kann, ist die Lüge erlaubt.
Jeder Mensch läßt sich Nachts im Traume fortwährend belügen.
Das Wahrheitsstreben ist ein unendlich langsamer Erwerb der Menschheit. Unser historisches Gefühl etwas ganz Neues in der Welt. Es wäre möglich, daß es die Kunst ganz unterdrückte.
Das Aussprechen der Wahrheit um jeden Preis ist sokratisch.
19 [98]
Der Philosoph.
Betrachtungen über den Kampf von Kunst und Erkenntniss
19 [99]
Die “Gelehrten-Ochlokratie” statt Gelehrten-Republik.
19 [100]
Sehr lehrreich, wenn Heraclit seine Sprache mit Apollo und Sibylle vergleicht.
19 [101]
Die Sinne machen uns etwas vor.
19 [102]
Wahrheit und Lüge physiologisch. Wahrheit als Moralgesetz—zwei Quellen der Moral. Das Wesen der Wahrheit nach den Wirkungen beurtheilt.
Die Wirkungen verführen zur Annahme von unbewiesenen “Wahrheiten.”
Im Kampf solcher durch die Kraft lebenden “Wahrheiten” zeigt sich das Bedürfniß, einen andern Weg zu ihnen zu finden. Entweder von dort alles erklärend, oder von den Exempeln, Erscheinungen zu ihr hinaufsteigend.
Wunderbare Erfindung der Logik.
Allmähliches Überwiegen der logischen Kräfte und Beschränkung des Wissens möglichen.
Fortwährende Reaktion der künstlerischen Kräfte und Beschränkung auf das Wissens würdige (nach der Wirkung beurtheilt).
19 [103]
Kampf im Philosophen.
Sein universaler Trieb zwingt ihn zum schlechten Denken das ungeheure Pathos der Wahrheit, am Weitblick seines Standpunktes erzeugt, zwingt ihn zur Mittheilung und diese wieder zur Logik.
Auf der einen Seite erzeugt sich eine optimistische Metaphysik der Logik—allmählich alles vergiftend und belügend. Die Logik, als Alleinherrscherin, führt zur Lüge: denn sie ist nicht die Alleinherrscherin.
Das andre Wahrheitsgefühl stammt aus der Liebe, Beweis der Kraft.
Das Aussprechen der beseligenden Wahrheit aus Liebe: bezieht sich auf Erkenntnisse des Einzelnen, die er nicht mittheilen muß, aber deren überquellende Beseligung ihn zwingt.
19 [104]
Ganz wahrhaftig zu sein—herrliche heroische Lust des Menschen, in einer lügenhaften Natur! Aber nur sehr relativ möglich! Das ist tragisch. Das ist das tragische Problem Kants! Jetzt bekommt die Kunst eine ganz neue Würde. Die Wissenschaften dagegen sind einen Grad degradirt.
19 [105]
Wahrhaftigkeit der Kunst : sie ist allein jetzt ehrlich.
So kommen, wir, auf ungeheurem Umweg, wieder auf das natürliche Verhalten (bei den Griechen) zurück. Es hat sich unmöglich erwiesen, eine Kultur auf das Wissen zu bauen.
19 [106]
Kämpfen für eine Wahrheit und Kämpfen um die Wahrheit ist etwas ganz Verschiedenes.
19 [107]
Die unbewußten Schlüsse erregen mein Bedenken: es wird wohl jenes Übergehn von Bild zu Bild sein: das letzterreichte Bild wirkt dann als Reiz und Motiv.
Das unbewußte Denken muß sich ohne Begriffe vollziehn: also in Anschauungen.
Dies ist aber das Schlußverfahren des beschaulichen Philosophen und des Künstlers. Er thut dasselbe, was Jeder in physiologischen persönlichen Antrieben thut, übertragen auf eine unpersönliche Welt.
Dieses Bilderdenken ist nicht von vorn herein streng logischer Natur, aber doch mehr oder weniger logisch. Der Philosoph bemüht sich dann, an Stelle des Bilderdenkens ein Begriffsdenken zu setzen. Die Instinkte scheinen auch ein solches Bilderdenken zu sein, das zuletzt zum Reiz und Motiv wird.
19 [108]
Wie stark die ethische Kraft der Stoiker war, zeigt sich darin, daß sie ihr Princip zu Gunsten der Willensfreiheit durchbrechen.
19 [109]
Zur Theorie der Moral: in der Politik anticipirt oft der Staatsmann das Thun seines Gegners und thut die That vorher: “wenn ich sie nicht thue, thut er sie.” Eine Art Nothwehr als politischer Grundsatz. Standpunkt des Kriegs.
19 [110]
Die alten Griechen ohne normative Theologie: jeder hat das Recht daran zu dichten und er kann glauben was er will.
Die ungeheure Masse philosophischen Denkens bei den Griechen (mit der Fortsetzung als Theologie durch alle Jahrhunderte).
Die großen logischen Kräfte erweisen sich z. B. im Ordnen der Kultsphären der einzelnen Städte.
19 [111]
Die Orphiker unplastisch in ihren Phantasmen, grenzen an die Allegorie.
Logische
19 [112]
Die Götter der Stoiker bekümmern sich nur um das Große, vernachlässigen das Kleine und Einzelne.
19 [113]
Schopenhauer leugnet die Wirksamkeit der moralischen Philosophie auf die Moralitäten: wie der Künstler nicht nach Begriffen schaffe. Merkwürdig! Es ist wahr, jeder Mensch ist schon ein intelligibles Wesen (durch zahllose Generationen bedingt?). Aber das stärkere Erregen bestimmter Reizempfindungen durch Begriffe wirkt doch stärkend für diese moralischen Kräfte. Es bildet sich nichts Neues, aber es concentrirt sich nach einer Seite hin die schaffende Energie. Z. B. der kategorische Imperativ hat die uneigennützige Tugendempfindung sehr bestärkt.
Wir sehen auch hier, daß der einzelne hervorragende moralische Mensch einen Zauber der Nachahmung ausübt. Diesen Zauber soll der Philosoph verbreiten. Was für die höchsten Exemplare Gesetz ist, muß allmählich überhaupt als Gesetz gelten: wenn auch nur als Schranke der Anderen.
19 [114]
Die Stoiker haben Heraklit in’s Flache umgedeutet und mißverstanden. Auch die Epikureer haben in die strengen Principien des Democrit Weichliches eingeschwärzt (Möglichkeiten).
Die höchste Gesetzmäßigkeit der Welt, aber doch kein Optimismus bei Heraclit.
19 [115]
Der Prozeß aller Religion und Philosophie und Wissenschaft gegenüber der Welt: er beginnt mit den gröbsten Anthropomorphismen und hört nie auf sich zu verfeinern.
Der einzelne Mensch betrachtet sogar das Sternensystem als ihm dienend oder mit ihm im Zusammenhang.
Die Griechen haben in ihrer Mythologie die ganze Natur in Griechen aufgelöst. Sie sahen gleichsam die Natur nur als Maskerade und Verkleidung von Menschen-Göttern an. Sie waren darin das Gegenstück aller Realisten. Der Gegensatz von Wahrheit und Erscheinung war tief in ihnen. Die Metamorphosen sind das Spezifische.
Dies drückte Thales in seinem Satz aus: daß alles Wasser sei.
19 [116]
Bezieht sich die Intuition auf die Gattungsbegriffe oder auf die vollendeten Typen? Aber der Gattungsbegriff bleibt immer weit hinter einem guten Exemplar zurück, der Vollkommenheitstypus geht über die Wirklichkeit hinaus.
| Ethische Anthropomorphismen: | Anaximander: Gericht. Heraklit: Gesetz. Empedokles: Liebe und Haß. | |
| Logische Anthropomorphismen: | Parmenides: nur Sein. Anaxagoras:. Pythagoras: alles Zahl. |
19 [117]
Die Weltgeschichte ist am Kürzesten, wenn man sie nach den bedeutenden philosophischen Erkenntnissen bemißt und die ihnen feindlichen Zeiträume bei Seite läßt. Wir sehen da eine Regsamkeit und schöpferische Kraft, wie nirgends, bei den Griechen: sie füllen den größten Zeitraum aus, sie haben wirklich alle Typen erzeugt.
Es sind die Entdecker der Logik.
Hat nicht die Sprache schon die Befähigung des Menschen zur Erzeugung der Logik verrathen?
Gewiß, es ist die bewunderungswürdigste logische Operation und Distinktion. Aber sie ist nicht auf einmal geworden, sondern endlos langer Zeiträume logisches Ergebniß. Hier ist an die Entstehung der Instinkte zu denken: ganz allmählich erwachsen.
Die geistige Thätigkeit von Jahrtausenden in der Sprache niedergelegt.
19 [118]
Der Mensch kommt erst ganz langsam dahinter, wie unendlich complicirt die Welt ist. Zuerst denkt er sie sich ganz einfach, d. h. so oberflächlich als er selbst ist.
Er geht von sich aus, von dem allerspätesten Resultat der Natur, und denkt sich die Kräfte, die Urkräfte so, wie das ist, was in sein Bewußtsein kommt.
Er nimmt die Wirkungen der complicirtesten Mechanismen, des Gehirns, an, als seien die Wirkungen seit Uranfang gleicher Art. Weil dieser complicirte Mechanismus etwas Verständiges in kurzer Zeit hervorbringt, nimmt er das Dasein der Welt für sehr jung: es kann dem Schöpfer nicht so viel Zeit gekostet haben, meint er.
So glaubt er mit dem Wort “Instinkt” irgendetwas erklärt und er überträgt wohl gar die unbewußten Zweckhandlungen auf das Urwerden der Dinge.
Zeit Raum und Kausalitätsempfindung scheint mit der ersten Empfindung gegeben zu sein.
Der Mensch kennt die Welt in dem Grade, als er sich kennt: d. h. ihre Tiefe entschleiert sich ihm in dem Grade, als er über sich und seine Komplicirtheit erstaunt.
19 [119]
Es muß durchaus zu zeigen sein, daß alles Vorhandene und Seiende irgendwann nicht war und deshalb auch irgendwann nicht sein wird. Das Werden Heraclits.
19 [120]
Die moralischen künstlerischen religiösen Bedürfnisse des Menschen der Welt zu Grunde zu legen ist ebenso rationell als die mechanischen: d. h. wir kennen weder den Stoß, noch die Schwere.(?)
19 [121]
Wir kennen nicht das wahre Wesen einer einzigen Kausalität.
Absolute Skepsis: Nothwendigkeit der Kunst und Illusion.
19 [122]
Die Schwere vielleicht aus dem bewegten Aether zu erklären, der um ein ungeheures Gestirn, mit dem gesammten Sonnensystem rotirt.
19 [123]
Zu erweisen ist weder die metaphysische, noch die ethische, noch die aesthetische Bedeutung des Daseins.
19 [124]
Die Ordnung in der Welt, das mühsamste und langsamste Resultat entsetzlicher Evolutionen als Wesen der Welt begriffen—Heraklit!
19 [125]
Es ist zu beweisen, daß alle Weltconstruktionen Anthropomorphismen sind: ja alle Wissenschaften, wenn Kant Recht hat. Freilich giebt es hier einen Cirkelschluß—haben die Wissenschaften Recht, so stehen wir nicht auf Kant’s Grundlage: hat Kant Recht, so haben die Wissenschaften Unrecht.
Gegen Kant ist dann immer noch einzuwenden, daß, alle seine Sätze zugegeben, doch noch die volle Möglichkeit bestehen bleibt, daß die Welt so ist, wie sie uns erscheint. Persönlich ist übrigens diese ganze Position unbrauchbar. In dieser Skepsis kann niemand leben.
Wir müssen über diese Skepsis hinaus, wir müssen sie vergessen! Wie viel müssen wir nicht vergessen in dieser Welt! Kunst, die Idealgestalt, die Temperatur.
Nicht im Erkennen, im Schaffen liegt unser Hell! Im höchsten Scheine, in der edelsten Wallung liegt unsre Größe. Geht uns das Weltall nichts an, so wollen wir das Recht haben es zu verachten.
19 [126]
Furchtbare Einsamkeit des letzten Philosophen! Ihn umstarrt die Natur, Geier schweben über ihm. Und so ruft er in die Natur: Gieb Vergessen! Vergessen!— Nein, er erträgt das Leiden als Titan—bis die Versöhnung ihm geboten wird in der höchsten tragischen Kunst.
19 [127]
Den “Geist,” das Gehirnerzeugniß als übernatürlich zu betrachten! gar zu vergöttern, welche Tollheit!
19 [128]
Unter Millionen verderbender Welten ein Mal eine mögliche! Auch sie verdirbt! Sie war die erste nicht!
19 [129]
| Vorplatonische Philosophen. | Poetik. |
| Plato. | Rhythmik. |
| Sokratische Schulen. | Rhetorik. |
19 [130]
| Choephoren. | Lateinische Grammatik. |
| Erga. | Griechische Grammatik. |
| Lyriker. | Rhetorik. |
| Theognis. |
19 [131]
Oedipus.
Reden
des letzten Philosophen
mit sich selbst.
Ein Fragment
aus der Geschichte der Nachwelt.
Den letzten Philosophen nenne ich mich, denn ich bin der letzte Mensch. Niemand redet mit mir als ich selbst, und meine Stimme kommt wie die eines Sterbenden zu mir. Mit dir, geliebte Stimme, mit dir, dem letzten Erinnerungshauch alles Menschenglücks, laß mich nur eine Stunde noch verkehren, durch dich täusche ich mir die Einsamkeit hinweg und lüge mich in die Vielheit und die Liebe hinein, denn mein Herz sträubt sich zu glauben, daß die Liebe todt sei, es erträgt den Schauder der einsamsten Einsamkeit nicht und zwingt mich zu reden, als ob ich Zwei wäre.
Höre ich dich noch, meine Stimme? Du flüsterst, indem du fluchst? Und doch sollte dein Fluch die Eingeweide dieser Welt zerbersten machen! Aber sie lebt noch und schaut mich nur noch glänzender und kälter mit ihren mitleidslosen Sternen an, sie lebt, so dumm und blind wie je vorher, und nur Eines stirbt—der Mensch.— Und doch! Ich höre dich noch, geliebte Stimme! Es stirbt noch Einer außer mir, dem letzten Menschen, in diesem Weltall: der letzte Seufzer, dein Seufzer, stirbt mit mir, das hingezogene Wehe! Wehe! geseufzt um mich, der Wehemenschen letzten, Oedipus.
19 [132]
Die entsetzliche Consequenz des Darwinismus, den ich übrigens für wahr halte. Alle unsre Verehrung bezieht sich auf Qualitäten, die wir für ewig halten: moralisch, künstlerisch, religiös usw.
Mit den Instinkten kommt man keinen Schritt weiter, um die Zweckmäßigkeit zu erklären. Denn eben diese Instinkte sind bereits das Erzeugniß endlos lang fortgesetzter Prozesse.
Der Wille objektivirt sich nicht adäquat, wie Schopenhauer sagt: so scheint es, wenn man von den vollendetsten Formen ausgeht.
Auch dieser Wille ist ein höchst complicirtes Letztes in der Natur. Nerven vorausgesetzt.
Und selbst die Schwerkraft: ist doch kein einfaches Phänomen, sondern wieder Wirkung von einer Sonnensystembewegung, von Aether usw.
Und der mechanische Stoß ist auch etwas Complicirtes.
Der Weltaether als Urstoff.
19 [133]
Alles Erkennen ist ein Wiederspiegeln in ganz bestimmten Formen, die von vornherein nicht existiren. Die Natur kennt keine Gestalt, keine Größe, sondern nur für ein Erkennendes treten die Dinge so groß und so klein auf. Das Unendliche in der Natur: sie hat keine Grenze, nirgends. Nur für uns giebt es Endliches. Die Zeit in’s Unendliche theilbar.
19 [134]
Von Thales bis Sokrates—lauter Übertragungen des Menschen auf die Natur—ungeheure Schattenspiele des Menschen auf der Natur, wie auf Gebirgen!
Sokrates und Plato. Erkennen und Gut universal. Das Schöne in dem Anfang. Ideen des Künstlers.
| Pythagoreer | die Zahl. | ||||
| Demokrit | der Stoff. | ||||
| Pythagoras | der Mensch nicht Produkt der Vergangenheit, sondern Wiederkehr. Einheit alles Lebendigen. | ||||
| Empedokles | Thier und Pflanzenwelt moralisch verstanden, der universale Geschlechtstrieb und Haß. “Wille” universal. | ||||
| Anaxagoras | Geist als uranfänglich. | ||||
| Eleaten | |||||
| Heraclit | die bildende Kraft des Künstlers uranfänglich. | ||||
| Anaximander | Gericht und Strafe universal. | ||||
| Thales. |
Vorher die Götter und die Natur. Die Religionen sind nur unverhülltere Ausdrücke. Astrologie. Der Mensch als Zweck. “Weltgeschichte.”
Kant’s Ding an sich als Kategorie.
Der Philosoph ist die Fortsetzung des Triebes, mit dem wir fortwährend, durch anthropomorphische Illusionen, mit der Natur verkehren. Das Auge. Zeit.
19 [135]
Der Philosoph in den Netzen der Sprache eingefangen.
19 [136]
Ich will die ungeheure Entwicklung des einen Philosophen, der die Erkenntniß will, des Menschheits-Philosophen, schildern und nachempfinden.
Die meisten stehen so unter der Leitung des Triebes, daß sie gar nicht merken, was geschieht. Ich will es sagen und merken lassen, was geschieht.
Der eine Philosoph ist hier identisch mit allem Wissenschaftsstreben. Denn alle Wissenschaften ruhen nur auf dem allgemeinen Fundamente des Philosophen.
Die ungeheure Einheit in allen Erkenntnißtrieben nachzuweisen: der zerbrochene Gelehrte.
19 [137]
Aufgaben:
Die sogenannten Abstraktionen.
Formen als Oberflächen.
19 [138]
Apologie der Kunst.
Einleitung.
Nothlüge und die veracite du dieu des Descartes.
Plato gegen die Kunst.
1. Sprache und Begriff.
2. Formen als Oberflächen.
3. Pathos der Wahrheit.
4.
19 [139]
Die Unendlichkeit ist die uranfängliche Thatsache: es wäre nur zu erklären, woher das Endliche stamme. Aber der Gesichtspunkt des Endlichen ist rein sinnlich d. h. eine Täuschung.
Wie kann man von einer Bestimmung der Erde zu reden wagen!
In der unendlichen Zeit und dem unendlichen Raume giebt es keine Ziele: was da ist, ist ewig da in irgend welchen Formen. Was für eine methaphysische Welt es geben soll, ist gar nicht abzusehn.
Ohne jede derartige Anlehnung muß die Menschheit stehen können—ungeheure Aufgabe der Künstler!
19 [140]
Zeit an sich ist Unsinn: nur für ein empfindendes Wesen giebt es Zeit. Ebenso Raum.
Alle Gestalt ist dem Subjekt zugehörig. Es ist das Erfassen der Oberflächen durch Spiegel. Alle Qualitäten müssen wir abziehn.
Wir können uns die Dinge nicht denken, wie sie sind, weil wir sie eben nicht denken dürften.
Es bleibt alles so, wie es ist: d. h. alle Qualitäten verrathen einen undefinirbaren absoluten Sachverhalt.— Das Verhältniß etwa wie die Chladnischen Klangfiguren zu den Schwingungen.
19 [141]
Alles Wissen entsteht durch Separation, Abgrenzung, Beschränkung; kein absolutes Wissen eines Ganzen!
19 [142]
Lust und Unlust als universale Empfindungen? Ich glaube nicht.
Aber wo treten die künstlerischen Kräfte auf? Gewiß im Krystall. Die Bildung der Gestalt: doch ist da nicht ein anschauendes Wesen vorauszusetzen?
19 [143]
Die Musik als Supplement der Sprache: viele Reize, und ganze Reizzustände, die die Sprache nicht darstellen kann, giebt die Musik wieder.
19 [144]
Es giebt keine Form in der Natur, denn es giebt kein Inneres und kein Äußeres.
Alle Kunst beruht auf dem Spiegel des Auges.
19 [145]
Die menschliche Sinnenerkenntniß ist sicherlich auf Schönheit aus, sie verklärt die Welt. Was haschen wir nach einer anderen? Was wollen wir über unsere Sinne hinaus? Die rastlose Erkenntniß geht in’s Oede und Häßliche.— Zufriedensein mit der künstlerisch angeschauten Welt!
19 [146]
Sobald man das Ding an sich erkennen will, so ist es eben diese Welt—erkennen ist nur möglich, als ein Wiederspiegeln und Sichmessen an einem Maße (Empfindung).
Wir wissen, was die Welt ist: absolute und unbedingte Erkenntniß ist Erkennenwollen ohne Erkenntniß.
19 [147]
Die sogenannten unbewußten Schlüsse sind zurückzuführen auf das alles aufbewahrende Gedächtniß, das Erfahrungen paralleler Art darbietet und somit die Folgen einer Handlung schon kennt. Es ist nicht Anticipation der Wirkung, sondern das Gefühl: gleiche Ursachen gleiche Wirkungen, hervorgebracht durch ein Gedächtnißbild.
19 [148]
Gar zu leicht verwechseln wir Kants Ding an sich und das wahre Wesen der Dinge der Buddhisten: d. h. die Wirklichkeit zeigt ganz Schein oder eine der Wahrheit ganz adäquate Erscheinung.
Schein als Nichtsein und Erscheinung des Seienden werden mit einander verwechselt.
In das Vacuum setzen sich alle möglichen Superstitionen.
19 [149]
Der Gang der Philosophie: es werden zuerst Menschen als Urheber aller Dinge gedacht—allmählich erklärt man sich die Dinge nach Analogie einzelner menschlicher Eigenschaften—zuletzt langt man bei der Empfindung an. Große Frage: ist die Empfindung eine Urthatsache aller Materie?
Anziehung und Abstoßung?
19 [150]
Der historische Erkenntnißtrieb—sein Ziel den Menschen im Werden zu begreifen, auch hier das Wunder zu beseitigen.
Dieser Trieb entzieht dem Kulturtriebe die größte Kraft: das Erkennen ist rein luxuriirend, dadurch wird die gegenwärtige Kultur um nichts höher.
19 [151]
Die Philosophie anzuschauen wie die Astrologie: nämlich das Schicksal der Welt mit dem des Menschen zu verknüpfen: d. h. die höchste Evolution des Menschen als die höchste Evolution der Welt zu betrachten. Von diesem philosophischen Triebe aus empfangen alle Wissenschaften ihre Nahrung. Die Menschheit vernichtet erst die Religionen, dann die Wissenschaft.
19 [152]
Der Schönheitssinn zusammenhängend mit der Zeugung.
19 [153]
Auch die Kantische Erkenntnißtheorie hat der Mensch sofort zu einer Glorifikation des Menschen benutzt: die Welt hat nur in ihm Realität. Sie wird wie ein Ball in seinen Köpfen hin und hergeworfen. In Wahrheit heißt es doch nur: man denke daß ein Kunstwerk besteht und ein dummer Mensch, es zu betrachten. Freilich existirt es als Gehirnphänomen für jenen Dummen, nur soweit er selbst noch Künstler ist und die Formen mitbringt. Er könnte kühn behaupten: außer meinem Gehirn hat es gar keine Realität.
Die Formen des Intellekts sind aus der Materie entstanden, sehr allmählich. Es ist an sich wahrscheinlich, daß sie streng der Wahrheit adäquat sind. Woher sollte so ein Apparat, der etwas Neues erfindet, gekommen sein!
Die Hauptfähigkeit scheint mir die Gestalt zu percipiren, d. h. beruhend auf dem Spiegel. Raum und Zeit sind nur gemessene, an einem Rhythmus gemessene Dinge.
19 [154]
Ihr sollt nicht in eine Metaphysik flüchten, sondern sollt euch der werdenden Kultur thätig opfern! Deshalb bin ich streng gegen den Traumidealismus.
19 [155]
Alles, Erkennen ist ein Messen an einem Maßstabe. Ohne einen Maßstab, d. h. ohne jede Beschränkung, giebt es kein Erkennen. So steht es im Bereiche der intellektuellen Formen eben so, wie wenn ich nach dem Werthe des Erkennens überhaupt frage: ich muß irgend eine Position nehmen, die höher steht oder die wenigstens fest ist, um als Maßstab zu dienen.
19 [156]
Führen wir die ganze intellektuelle Welt zurück bis zum Reiz und zur Empfindung, so erklärt diese dürftigste Perception am wenigsten.
Der Satz: es giebt keine Erkenntniß ohne ein Erkennendes oder kein Subjekt ohne Objekt und kein Objekt ohne Subjekt, ist ganz wahr, aber die äußerste Trivialität.
Wir können vom Ding an sich nichts aussagen, weil wir den Standpunkt des Erkennenden d. h. des Messenden uns unter den Füßen weggezogen haben. Eine Qualität existirt für uns d. h. gemessen an uns. Ziehen wir das Maaß weg, was ist dann noch Qualität!
Was die Dinge sind, ist aber nur zu beweisen durch ein daneben gestelltes messendes Subjekt. Ihre Eigenschaften an sich gehen uns nichts an, aber insofern sie auf uns wirken.
Nun ist zu fragen: wie entstand ein solches messendes Wesen?
Die Pflanze ist auch ein messendes Wesen.
19 [157]
Der ungeheure Consensus der Menschen über die Dinge beweist die volle Gleichartigkeit ihres Perceptionsapparates.
19 [158]
Für die Pflanze ist die Welt so und so—für uns so und so. Vergleichen wir die beiden Perceptionskräfte, so gilt uns unsre Auffassung der Welt als richtiger d. h. der Wahrheit entsprechender. Nun hat sich der Mensch langsam entwickelt und die Erkenntniß entwickelt sich noch: also das Weltbild wird immer wahrer und vollständiger. Natürlich ist es nur eine Wiederspiegelung, eine immer deutlichere. Der Spiegel selbst ist aber nichts ganz Fremdes und dem Wesen der Dinge Ungehöriges, sondern selbst langsam entstanden als Wesen der Dinge gleichfalls. Wir sehen ein Streben, den Spiegel immer adäquater zu machen: den natürlichen Prozeß setzt die Wissenschaft fort.— So spiegeln sich die Dinge immer reiner: allmähliche Befreiung vom allzu Anthropomorphischen. Für die Pflanze ist die ganze Welt Pflanze, für uns Mensch.
19 [159]
Der Stoß, das Einwirken des einen Atoms auf das andre, setzt ebenso Empfindung voraus. Etwas an sich Fremdes kann nicht auf einander wirken.
Nicht das Erwachen der Empfindung, sondern das des Bewußtseins in der Welt, ist das Schwere. Aber doch noch erklärbar, wenn alles Empfindung hat.
Wenn alles Empfindung hat, so haben wir ein Durcheinander von kleinsten größeren und größten Empfindungscentren. Diese Empfindungscomplexe, größer oder kleiner, wären “Wille” zu benennen.
Wir machen uns schwer von den Qualitäten los.
19 [160]
Von einem unbewußten Ziele der Menschheit zu reden halte ich für falsch. Sie ist kein Ganzes wie ein Ameisenhaufen. Vielleicht kann man von dem unbewußten Ziele einer Stadt, eines Volkes reden: aber was heißt es, von dem unbewußten Ziele aller Ameisenhaufen der Erde zu reden!
19 [161]
Empfindung, Reflexbewegungen, sehr häufige und blitzschnell erfolgende, allmählich ganz eingelebte, erzeugen die Schlußoperation d. h. das Gefühl der Kausalität. Von der Kausalitätsempfindung hängen Raum und Zeit ab.
Das Gedächtniß bewahrt die gemachten Reflexbewegungen.
Das Bewußtsein hebt an mit der Kausalitätsempfindung d. h. das Gedächtniß ist älter als das Bewußtsein. Z. B. bei der Mimosa haben wir Gedächtniß, aber kein Bewußtsein. Gedächtniß natürlich ohne Bild, bei der Pflanze.
Aber Gedächtniß muß dann zum Wesen der Empfindung gehören, also eine Ureigenschaft der Dinge. Dann aber auch die Reflexbewegung.
Die Unverbrüchlichkeit der Naturgesetze heißt doch: Empfindung und Gedächtniß ist im Wesen der Dinge. Daß sich ein Stoff, bei der Berührung mit einem anderen, gerade so entscheidet, ist Gedächtniß und Empfindungssache. Irgendwann hat er es gelernt, d. h. die Thätigkeiten der Stoffe sind gewordene Gesetze. Dann aber muß die Entscheidung gegeben sein durch Lust und Unlust.
Wenn aber Lust Unlust Empfindung Gedächtniß Reflexbewegung zum Wesen der Materie gehört, dann reicht die Erkenntniß des Menschen viel tiefer in’s Wesen der Dinge.
Die ganze Logik in der Natur löst sich dann auf in ein Lust- und Unlustsystem. Jedes greift nach der Lust und flieht die Unlust, das sind die ewigen Naturgesetze.
19 [162]
Gedächtniß hat nichts mit Nerven, mit Gehirn zu thun. Es ist eine Ureigenschaft. Denn der Mensch trägt das Gedächtniß aller vorigen Generationen mit sich herum.
Das Gedächtnißbild etwas sehr Künstliches und Seltenes.
19 [163]
Von einem nicht irrenden Gedächtniß kann ebenso wenig als von einem absolut zweckmäßigen Handeln der Naturgesetze die Rede sein.
19 [164]
Ist es ein unbewußter Schluß? Schließt die Materie? Sie empfindet und kämpft für ihr individuelles Sein. Der “Wille” zeigt sich erstens in der Veränderung, d. h. es giebt eine
Art freien Willen, welcher die Essenz eines Dinges modificirt, aus Lust und der Flucht vor Unlust.— Die Materie hat eine Anzahl Qualitäten, die proteusartig sind, die sie je nach dem Angriff betont, verstärkt, für das Ganze einsetzt.
Die Qualitäten scheinen nur bestimmte modificirte Thätigkeiten einer Materie zu sein. Je nach den Maaß- und Zahlproportionen auftretend.
19 [165]
Wir kennen nur eine Realität—die der Gedanken. Wie wenn das das Wesen der Dinge wäre!
Wenn Gedächtniß und Empfindung das Material der Dinge wären!
19 [166]
Der Gedanke giebt uns den Begriff einer ganz neuen Form der Realität: er ist aus Empfindung und Gedächtniß zusammengesetzt.
19 [167]
Der Mensch in der Welt könnte sich wirklich begreifen als Einer aus einem Traume, der selbst mitgeträumt wird.
19 [168]
Der Philosoph bei den Griechen setzt, in heller Beleuchtung und Sichtbarkeit, die Thätigkeit fort, durch welche die Griechen zu ihrer Kultur gekommen sind.
19 [169]
1. Keine.
2. Die verschiedenen Typen.
19 [170]
Die Philosophen sind die vornehmste Klasse der Großen des Geistes. Sie haben kein Publikum, sie brauchen den Ruhm. Ihre höchsten Freuden mitzutheilen, brauchen sie den Beweis: darin sind sie unglücklicher als die Künstler.
19 [171]
Wir sehen an dem gegenwärtigen Deutschland, daß die Blüthe der Wissenschaften in einer barbarisirten Kultur möglich ist; ebenfalls hat die Utilität nichts mit den Wissenschaften zu thun (obwohl es so scheint, in der Bevorzugung der chemischen und naturwissenschaftlichen Anstalten, und reine Chemiker gar als “Capacitäten” berühmt werden können).
Sie hat einen eignen Lebensaether für sich. Eine sinkende Kultur (wie die alexandrinische) und eine Unkultur (wie die unsrige) machen sie nicht unmöglich.
Das Erkennen ist wohl gar ein Ersatz der Kultur.
19 [172]
Es ist wohl nur die Vereinzelung des Erkennens durch Trennung der Wissenschaften, daß das Erkennen und die Kultur einander fremd bleiben können. Im Philosophen berührt sich das Erkennen wieder mit der Kultur.
Er umfaßt das Wissen und regt die Frage nach dem Werthe der Erkenntniß auf. Das ist ein Kulturproblem: Erkenntniß und Leben.
19 [173]
Sind die Verdunkelungen z. B. im Mittelalter wirklich Gesundheitsperioden, etwa Schlafenszeiten für den intellektuellen Genius der Menschen?
Oder: sind auch die Verdunkelungen Resultate höherer Zwecke? Wenn Bücher ihre fata haben, dann ist wohl auch das Untergehen eines Buchs ein fatum, mit irgend einem Zweck.
Die Zwecke bringen uns in Verwirrung.
19 [174]
Im Philosophen setzen sich Thätigkeiten fort, durch Metapher. Das Streben nach einheitlichem Beherrschen. Jedes Ding strebt ins Unermeßliche, der Individualcharakter in der Natur ist selten fest, sondern immer weiter greifend. Ob langsam oder schnell, ist eine höchst menschliche Frage. Wenn man nach der Seite des unendlich Kleinen hinsieht, ist jede Entwicklung immer eine unendlich schnelle.
19 [175]
Was thut den Menschen die Wahrheit!
Es ist das höchste und reinste Leben möglich, im Glauben die Wahrheit zu haben. Der Glaube an die Wahrheit ist dem Menschen nöthig.
Die Wahrheit erscheint als sociales Bedürfniß: durch eine Metastase wird sie nachher auf alles angewandt, wo sie nicht nöthig ist.
Alle Tugenden entstehn aus Nothdurften. Mit der Societät beginnt das Bedürfniß nach Wahrhaftigkeit. Sonst lebt der Mensch in ewigen Verschleierungen. Die Staatengründung erregt die Wahrhaftigkeit. —
Der Trieb zur Erkenntniß hat eine moralische Quelle.
19 [176]
Wie viel die Welt werth ist, muß auch ihr kleinster Bruchtheil offenbaren—seht den Menschen, dann wißt ihr, was ihr von der Welt zu halten habt.
19 [177]
Die Noth erzeugt, unter Fällen, die Wahrhaftigkeit, als Existenzmittel einer Societät.
Durch häufige Übung erstarkt der Trieb und wird jetzt durch Metastase, unberechtigt, übertragen. Er wird zum Hang an sich. Aus einer Übung für bestimmte Fälle wird eine Qualität.— Nun haben wir den Trieb nach Erkenntniß.
Diese Verallgemeinerung geschieht durch den dazwischentretenden Begriff. Mit einem falschen Urtheil beginnt diese Qualität—wahr sein heißt immer wahr sein. Daraus entsteht der Hang nicht in der Lüge zu leben: Beseitigung aller Illusionen.
Aber er wird aus einem Netz in’s andere gejagt.
Der gute Mensch will nun auch wahr sein und glaubt an die Wahrheit aller Dinge. Nicht nur der Societät, sondern der Welt. Somit auch an die Ergründbarkeit. Denn weshalb sollte die Welt ihn täuschen?
Also er überträgt seinen Hang auf die Welt und glaubt, daß auch die Welt wahr gegen ihn sein muß.
19 [178]
Ich frage nicht nach dem Zwecke des Erkennens: es ist zufällig, d. h. nicht mit einer vernünftigen Zweckabsicht entstanden. Als eine Erweiterung oder als ein Hart- und Festwerden einer in gewissen Fällen nöthigen Denk- und Handelnsweise.
Von Natur ist der Mensch nicht zum Erkennen da.
Zwei zu verschiedenen Zwecken nöthige Eigenschaften—die Wahrhaftigkeit—und die Metapher—haben den Hang zur Wahrheit erzeugt. Also ein moralisches Phänomen, aesthetisch verallgemeinert, erzeugt den intellektuellen
Trieb.
Instinkt ist hier eben Gewohnheit, oft so zu schließen und daraus eine Pflicht überhaupt immer so schließen zu müssen.
19 [179]
Die Natur hat den Menschen in lauter Illusionen gebettet.— Das ist sein eigentliches Element. Formen sieht er, Reize empfindet er statt der Wahrheiten. Er träumt, er imaginirt sich Göttermenschen als Natur.
Der Mensch ist zufällig ein erkennendes Wesen geworden, durch die unabsichtliche Paarung zweier Qualitäten. Irgendwann wird er aufhören und es. wird nichts geschehen sein.
Sie waren es lange nicht und wenn sie selbst aufgehört haben zu existiren, wird sich nichts begeben haben. Sie sind ohne weitere Mission und ohne Zweck.
Der Mensch ist ein höchst pathetisches Thier und nimmt alle seine Eigenschaften so wichtig als ob die Angeln der Welt sich in ihnen drehten.
Das Ähnliche erinnert an das Ähnliche und vergleicht sich damit: das ist das Erkennen, das schnelle Subsumiren des Gleichartigen. Nur das Ähnliche percipirt das Ähnliche: ein physiologischer Prozeß. Dasselbe, was Gedächtniß ist, ist auch Perception des Neuen. Nicht Gedanke auf Gedanke
19 [180]
Über die Lüge.
| Heraklit. Glaube an die Ewigkeit der Wahrheit. |
| Untergang seines Werks—einmal Untergang aller Erkenntniß. Und was ist an Heraklit Wahrheit! |
| Darstellung seiner Lehre als Anthropomorphismus. Ebenso Anaximander. Anaxagoras. |
| Beziehung Heraklits zu dem griechischen Volkscharakter. Es ist der hellenische Kosmos. |
| Entstehung des Pathos der Wahrheit. Zufälliges Entstehen des Erkennens. |
| Die Verlogenheit und Illusion, in der der Mensch lebt. Die Lüge und die Wahrheitsrede—Mythus Poesie. |
| Die Fundamente alles Großen und Lebendigen ruhen auf der Illusion. Das Wahrheitspathos führt zum Untergang. (Da liegt das “Große.”) Vor allem zum Untergang der Kultur. |
| Empedokles und die Opfer. Eleaten. Plato braucht zum Staat die Lüge. |
| Trennung von der Kultur duch Sektenwesen bei den Griechen. |
| Wir umgekehrt kehren sektenartig zur Kultur zurück, wir suchen das unermeßliche Erkennen wieder in dem Philosophen zurückzudrängen und diesen wieder von dem Anthropomorphischen aller Erkenntniß zu überzeugen. |
19 [181]
Objektiver Werth der Erkenntniß—sie macht nicht besser. Letzte Weltziele hat sie nicht. Ihr Entstehen zufällig. Werth der Wahrhaftigkeit.— Doch sie macht besser! Ihr Ziel ist der Untergang. Sie opfert auf. Unsere Kunst ist Abbild der desperaten Erkenntniß.
19 [182]
Die Menschheit hat an der Erkenntniß ein schönes Mittel zum Untergang.
19 [182]
Die Menschheit hat an der Erkenntniß ein schönes Mittel zum Untergang.
19 [183]
Daß der Mensch so und nicht anders geworden ist, ist doch gewiß sein Werk: daß er so eingetaucht ist in die Illusion (Traum) und auf die Oberfläche (Auge) angewiesen ist, ist sein Wesen. Ist es wunderbar, wenn auch die Wahrheitstriebe zuletzt doch wieder auf sein Grundwesen hinauslaufen? —
19 [184]
Wir fühlen uns groß, wenn wir von einem Mann hören, dessen Leben an einer Lüge hieng und der doch nicht log—noch mehr wenn ein Staatsmann, aus Wahrhaftigkeit, ein Reich zerstört.
19 [185]
Unsre Gewohnheiten werden zu Tugenden durch eine freie Übertragung ins Reich der Pflicht, d. h. dadurch daß wir die Unverbrüchlichkeit mit in den Begriff hineinnehmen; d. h. unsere Gewohnheiten werden dadurch zu Tugenden, daß wir das eigne Wohl für geringer halten als ihre Unverbrüchlichkeit—somit durch eine Aufopferung des Individuums oder wenigstens durch die vorschwebende Möglichkeit einer solchen Aufopferung.— Dort wo das Individuum sich gering zu achten anfängt, beginnt das Reich der Tugenden und der Künste—unsere metaphysische Welt. Besonders rein wäre die Pflicht, wenn im Wesen der Dinge dem Moralischen nichts entspräche.
19 [186]
Es wirkt nicht etwa Gedanke auf Gedächtniß, sondern der Gedanke durchläuft zahllose feine Metamorphosen, d. h. dem Gedanken entspricht ein Ding an sich, das nun das analoge Ding an sich im Gedächtniß erfaßt.
19 [187]
Die Individuen sind die Brücken, auf denen das Werden beruht. Alle Qualitäten sind ursprünglich nur einmalige Aktionen, dann, in gleichen Fällen öfter wiederholte, endlich Gewohnheiten. An jeder Aktion hat das ganze Wesen des Individuums Theil und einer Gewohnheit entspricht eine spezifische Umbildung des Individuums. In einem Individuum ist bis in die kleinste Zelle hinein alles individuell, d. h. hat Theil an allen Erfahrungen und Vergangenheiten. Daher die Möglichkeit der Zeugung.
19 [188]
Geschichte der griechischen Philosophie bis
Plato nach den Hauptsachen
erzählt
von
F. N.
19 [189]
| Einleitung. |
| 1. Thales Anaximander Heraklit Parmenides Anax Empedokles Demokrit Pyth Sokrates. |
| Kapitel 1. |
| Kapitel 2. |
19 [190]
Geschichte der griechischen Philosophie.
| Einleitung. |
| 1. | Thales. | ||||
| 2. | Anaximander. | ||||
| 3. | Heraklit. | ||||
| 4. | Parmenides. | ||||
| 5. | Anax. | ||||
| 6. | Empedokles. | ||||
| 7. | Demokrit. | ||||
| 8. | Pythag. | ||||
| 9. | Sokrates. |
| Nachtrag. |
19 [190]
Geschichte der griechischen Philosophie.
| Einleitung. |
| 1. | Thales. | ||||
| 2. | Anaximander. | ||||
| 3. | Heraklit. | ||||
| 4. | Parmenides. | ||||
| 5. | Anax. | ||||
| 6. | Empedokles. | ||||
| 7. | Demokrit. | ||||
| 8. | Pythag. | ||||
| 9. | Sokrates. |
| Nachtrag. |
19 [191]
| Einleitung über Wahrheit und Lüge. |
| 1. | Das Pathos der Wahrheit. | ||||
| 2. | Die Genesis der Wahrheit. | ||||
| 3. |
19 [192]
Der politische Sinn der älteren griechischen Philosophen, ebenso nachzuweisen als ihre Kraft zur Metapher.
19 [193]
Wie nur in den niedersten Formen unsre theatralische Anlage sich noch bewährt, so in der Bierbank unsre Geselligkeit.
19 [194]
Am Unmöglichen pflanzt sich die Menschheit fort, das sind ihre Tugenden—der kategorische Imperativ, wie die Forderung “Kindlein liebet euch” sind solche Unmöglichkeitsforderungen.
So ist die reine Logik das Unmögliche, an dem sich die Wissenschaft erhält.
19 [195]
Der Philosoph ist das Seltenste unter dem Großen, weil das Erkennen nur nebenbei, nicht als Originalbegabung zum Menschen kam. Deshalb aber auch der höchste Typus des Großen.
19 [196]
Wir sollen so lernen, wie die Griechen von ihren Vergangenheiten und Nachbarn lernten—zum Leben, also mit größter Auswahl und alles Erlernte sofort als Stütze benutzend, auf der man sich hoch—und höher als alle Nachbarn schwingt. Also nicht gelehrtenhaft! Was nicht zum Leben taugt, ist keine wahre Historie. Freilich kommt es darauf an, wie hoch und wie gemein ihr dieses Leben nehmt. Wer die römische Geschichte durch ekelhafte Beziehung auf klägliche moderne Parteistandpunkte und deren ephemere Bildung lebendig macht, der versündigt sich noch mehr an der Vergangenheit als der bloße Gelehrte, der alles todt und mumienhaft läßt. (So ein in dieser Zeit oft genannter Historiker, Mommsen.)
19 [197]
Das Benehmen des Sokrates bei dem Prozeß der Feldherrn ist sehr merkwürdig, weil es, in politischen Dingen, seine Wahrhaftigkeit zeigt.
19 [198]
Unsre Naturwissenschaft geht auf den Untergang, im Ziele der Erkenntniß, hin.
Unsre historische Bildung auf den Tod jeder Kultur. Sie kämpft gegen die Religionen—nebenbei vernichtet sie die Kulturen.
Es ist eine unnatürliche Reaktion gegen furchtbaren religiösen Druck—jetzt ins Extreme flüchtend. Ohne jedes Maß.
19 [199]
Die Deutschen sind wahrer Kunstschöpfungen gar nicht würdig: denn irgend eine politische Gans, so eine Art Gervinus, setzt sich gleich mit anmaßlicher Brütegeschäftigkeit darauf, als ob diese Eier nur für sie gerade hingelegt wären. Der Vogel Phönix sollte sich hüten, seine goldenen Eier in Deutschland zu legen.
19 [200]
Die abscheuliche deutsche Kultur, die jetzt gar noch die Trompetenstöße des Kriegsruhms um sich her erschallen läßt.
So schlechte Lehrer, als sie eben aus unseren berühmten Philologenschulen erwachsen können.
19 [201]
Selbst ein ehrenfester Bibelkritiker, wie David Strauß, fängt an, wie eine Köchin aus der chemischen Garküche zu reden, wenn der Hegelsche, Dunst allmählich von ihm abgeflogen ist. Die bekanntlich so “gebildeten” Deutschen verstehen sich darauf, mit Naturwissenschaften sich nur als entlaufene Kandidaten der Theologie zu befassen, und hören nur dahin, wo ihnen das “Wunder” recht kräftig in Verruf gethan erscheint.
Jetzt lernt man nun gar, seiner engen Philisterhaftigkeit recht herzlich froh zu sein—der Philister hat seine Unschuld verloren (Riehl). Der Philister und der windige “Gebildete” unserer Zeitungsatmosphäre reichen sich brüderlich die Hand und unter dem gleichen Jauchzen vernichtet der Bonner Afterphilosoph Jürgen Bona-Meyer den Pessimismus und Riehl Jahn oder Strauß die neunte Symphonie.
Wie sich so ein buchhändlerisches Gemächte, eben ein Freitagscher Roman ausnimmt, das empfinden jetzt gar zu wenige: unsere abgeblaßten Herrn von dem Litteraturgewerbe werden da reckenhaft grotesk und reden wie die drei Gewaltigen zusammen—oder sie ergetzen sich an weichlichen Nixen in der Manier des Malers Schwind.
Wenn ihr nicht groß seid, so hütet euch vor dem Großen.
19 [202]
Von irgend einer Vorsehung für gute Bücher vermag ich nichts zu spüren: die schlechten haben fast mehr Aussichten sich zu erhalten. Es sieht wie ein Wunder aus, daß Aeschylus Sophokles und Pindar immer wieder abgeschrieben worden sind und offenbar ist es das zufälligste Ereigniß, daß wir überhaupt eine antike Litteratur besitzen.
19 [203]
Wenn Schopenhauer es, in unserem Saeculum, erleben konnte, daß die erste Auflage seines Werkes als Maculatur eingestampft wurde und es im Grunde der Geschäftigkeit unbedeutender, ja bedenklicher Litteraten zu danken ist, daß sein Name aus tiefer Verschollenheit allmählich auftauchte
19 [204]
Die Abstraktionen sind Metonymien d.h. Vertauschungen von Ursache und Wirkung. Nun aber ist jeder Begriff eine Metonymie und in Begriffen geht das Erkennen vor sich. “Wahrheit” wird zu einer Macht, wenn wir sie erst als Abstraktion losgelöst haben.
19 [205]
Eine verneinende Moral höchst großartig, weil wundervoll unmöglich. Was heißt es, wenn der Mensch, im offnen Bewußtsein, Nein! sagt, während alle seine Sinne und Nerven Ja! sagen und jede Faser, jede Zelle opponirt.
19 [206]
Wenn ich von der furchtbaren Möglichkeit rede, daß die Erkenntniß zum Untergange treibt, so bin ich am wenigsten gewillt, der jetzt lebenden Generation ein Compliment zu machen: von solchen Tendenzen hat sie nichts an sich. Aber wenn man den Gang der Wissenschaft seit dem 15ten Jahrhundert sieht, so offenbart sich allerdings eine solche Macht und Möglichkeit.
19 [207]
Der Mensch, der nicht an die Wahrhaftigkeit der Natur glaubt, sondern überall Metamorphosen Verkleidungen Maskeraden sieht, in Stieren Götter, in Rossen weisheitsvolle Naturergründer, in Bäumen Nymphen erblickt—jetzt, wenn er sich selbst das Gesetz der Wahrhaftigkeit stellt, glaubt auch an die Wahrhaftigkeit der Natur gegen ihn.
19 [208]
Alle “uns” und “wir” und “ich” wegzulassen. Auch die Sätze mit “daß” zu beschränken. Jedes Kunstwort, soweit möglich, zu meiden.
19 [209]
Der Mensch hat immer mehr gelernt, sich die Dinge zu adaptiren und sie zu erkennen. Durch die vollendetere Erkenntniß ist er doch nicht den Dingen ferner gerückt, der Mensch steht doch der Wahrheit hierin näher als die Pflanze.
Ein empfundener Reiz und ein Blick auf eine Bewegung, verbunden, ergeben die Kausalität zunächst als Erfahrungssatz: zwei Dinge, nämlich eine bestimmte Empfindung und ein bestimmtes Gesichtsbild erscheinen immer zusammen: daß das Eine die Ursache des Andern ist, ist eine Metapher, entlehnt aus Wille und That: ein Analogieschluß.
Die einzige Kausalität, die uns bewußt ist, ist zwischen Wollen und Thun—diese übertragen wir auf alle Dinge und deuten uns das Verhältniß von zwei immer beisammen befindlichen Veränderungen. Die Absicht oder das Wollen ergiebt die Nomina, das Thun die Verba. Das Thier als wollendes—das ist sein Wesen.
Aus Qualität und That: eine Eigenschaft von uns führt zum Handeln: während im Grunde es so ist, daß aus Handlungen wir auf Eigenschaften schließen: wir nehmen Eigenschaften an, weil wir Handlungen bestimmter Art sehn.
Also: das Erste ist die Handlung, diese verknüpfen wir mit einer Eigenschaft.
Zuerst entsteht das Wort für die Handlung, von da das Wort für die Qualität. Dies Verhältniß übertragen auf alle Dinge ist Causalität.
Zuerst “sehen,” dann “Gesicht.” Das “Sehende” gilt als Ursache des “Sehens.” Zwischen dem Sinn und seiner Funktion empfinden wir ein regelmäßiges Verhältniß: Causalität ist die Übertragung dieses Verhältnisses (von Sinn auf Sinnesfunktion) auf alle Dinge.
Ein Urphänomen ist: den im Auge empfundenen Reiz auf das Auge zu beziehn, das heißt eine Sinneserregung auf den Sinn zu beziehn. An sich gegeben ist ja nur ein Reiz: diesen als Aktion des Auges zu empfinden und ihn sehen zu nennen ist ein Kausalitätsschluß. Einen Reiz als eine Thätigkeit zu empfinden, etwas Passives aktiv zu empfinden ist die erste Kausalitätsempfindung, d. h. die erste Empfindung bringt bereits diese Kausalitätsempfindung hervor. Der innere Zusammenhang von Reiz und Thätigkeit übertragen auf alle Dinge. So ein Wort “sehen” ist ein Wort für jenes Ineinander von Reiz und Thätigkeit. Das Auge ist thätig auf einen Reiz: d. h. sieht. An unseren Sinnesfunktionen deuten wir uns die Welt: d. h. wir setzen überall eine Kausalität voraus, weil wir selbst solche Veränderungen fortwährend erleben.
19 [210]
Zeit Raum und Kausalität sind nur Erkenntniß metaphern, mit denen wir die Dinge uns deuten. Reiz und Thätigkeit verbunden: wie das ist, wissen wir nicht, wir verstehn keine einzige Kausalität, aber wir haben unmittelbare Erfahrung von ihnen. Jedes Leiden ruft ein Thun hervor, jedes Thun ein Leiden—dies das allgemeinste Gefühl bereits schon Metapher. Die wahrgenommene Vielheit setzt dann schon Zeit und Raum voraus, hintereinander und nebeneinander. Das Nebeneinander in der Zeit erzeugt die Raumempfindung.
Zeitempfindung gegeben mit dem Gefühl von Ursache und Wirkung, als Antwort auf die Frage nach dem Schnelligkeitsgrade bei verschiedenen Kausalitäten.
Raumempfindung erst durch Metapher aus der Zeitempfindung abzuleiten—oder umgekehrt?
Zwei Causalitäten nebeneinander lokalisirt —
19 [211]
Ich mache einen Versuch, denen zu nützen, welche es werth sind, zeitig und ernstlich in das Studium der Philosophie eingeführt zu werden. Dieser Versuch mag nun gelungen sein oder nicht, so weiß ich doch zu gut, daß er zu übertreffen ist und wünsche nichts mehr als, zum Besten jener Philosophie, nachgeahmt und übertroffen zu werden.
Solchen ist aus guten Gründen anzurathen, nicht sich der Führung beliebiger akademischer Berufs-Philosophen anzuvertrauen, Sondern Plato zu lesen.
Sie sollen vor allem allerlei Flausen verlernen und einfach und natürlich werden.
Gefahr in falsche Hände zu gerathen.
19 [212]
| Einleitung. Typen von Köpfen und Lehren zur Einleitung nöthig. Einfach müssen sie sein und leichter zu über schauen. |
| Das, was Philosophie ist, muß deutlich werden, speziell die Aufgabe der Philosophie innerhalb einer Kultur. |
| Daß es die Griechen sind, im Zeitalter der Tragödie, die philosophiren. |
| Der Sinn der Geschichte: eine Metamorphose der Pflanzen. Beispiel. |
| (Ideal und “ikonische” Geschichte—letztere unmöglich |
| Über die Filtration durch den gewöhnlichen Kopf. Schopenhauer, I, XXVI. |
| Widerwille gegen Compilationen. |
| Vorbildlich Schopenhauers Fragen zur Philosophie und Kritik Kants. Schopenhauer, I 290. |
19 [213]
Nach Art der alten Historiker.
2. Griechen rechtfertigen.
3. Thales.
19 [214]
Die Philosophie
im
tragischen Zeitalter der Griechen.
Kurzgefasster Bericht
über die alten philosophischen
Meister der Griechen.
19 [215]
Die einzige Art, die Vielheit zu bezwingen, ist, daß wir Gattungen machen, z. B. kühn eine ganze Menge von Handlungsweisen nennen. Wir erklären sie uns, wenn wir sie unter die Rubrik “kühn” bringen. Alles Erklären und Erkennen ist eigentlich nur ein Rubriziren.— Nun mit kühnem Schwung: die Vielheit der Dinge wird unter einen Hut gebracht, wenn wir sie gleichsam als unzählige Handlungen einer Qualität betrachten z. B. als Handlungen des Wassers, wie bei Thales. Hier haben wir eine Übertragung: eine Abstraktion faßt zahllose Handlungen zusammen und gilt als Ursache. Welches ist die Abstraktion (Eigenschaft), welche die Vielheit aller Dinge zusammenfaßt? Die Qualität “wässerig,” “feucht.” Die ganze Welt ist feucht, also ist Feuchtsein die ganze Welt. Metonymia! Ein falscher Schluß. Ein Prädikat ist verwechselt mit einer Summe von Prädikaten (Definition).
Das logische Denken wenig geübt bei den Ioniern, entwickelt sich ganz langsam. Die falschen Schlüsse werden wir aber richtiger als Metonymien d. h. rhetorisch poetisch fassen.
Alle rhetorischen Figuren (d.h. das Wesen der Sprache) sind logische Fehlschlüsse. Damit fängt die Vernunft an!
19 [216]
Wir sehen, wie zuerst weiter philosophirt wird, so wie die Sprache entstanden ist, d.h. unlogisch.
Nun kommt das Pathos der Wahrheit und Wahrhaftigkeit hinzu. Dies hat zunächst mit dem Logischen nichts zu thun. Es besagt nur, daß keine bewußte Täuschung begangen wird. Jene Täuschungen aber in der Sprache und in der Philosophie sind zuerst unbewußte und sehr schwer zum Bewußtsein zu bringen. Aber durch das Nebeneinander verschiedener mit gleichem Pathos aufgestellter Philosophien (oder religiöser Systeme) entstand ein sonderbarer Kampf. Bei dem Nebeneinander feindlicher Religionen half sich jede dadurch, daß sie die andere für unwahr erklärte: so auch bei den Systemen.
Dies brachte Einige zur Skepsis: die Wahrheit liegt im Brunnen! seufzten sie.
Bei Sokrates kommt die Wahrhaftigkeit in den Besitz der Logik: sie merkt die unendliche Schwierigkeit des richtigen Rubrizirens.
19 [217]
Tropen sind’s, nicht unbewußte Schlüsse, auf denen unsre Sinneswahrnehmungen beruhn. Ähnliches mit Ähnlichem identificiren—irgend welche Ähnlichkeit an einem und einem andern Ding ausfindig machen ist der Urprozeß. Das Gedächtniß lebt von dieser Thätigkeit und übt sich fortwährend. Die Verwechslung ist das Urphänomen.— Dies setzt voraus das Gestaltensehen. Das Bild im Auge ist für unser Erkennen maßgebend, dann der Rhythmus unseres Gehörs. Vom Auge aus würden wir nie zur Zeitvorstellung kommen, vom Ohre aus nie zur Raumvorstellung. Dem Tastgefühl entspricht die Kausalitätsempfindung.
Von vorn herein sehen wir ja die Bilder im Auge nur in uns, wir hören den Ton nur in uns—von da zur Annahme einer Außenwelt ist ein weiter Schritt. Die Pflanze z. B. empfindet keine Außenwelt. Das Tastgefühl, und zugleich das Gesichtsbild geben zwei Empfindungen nebeneinander empirisch, diese, weil sie immer mit einander erscheinen, erwecken die Vorstellung eines Zusammenhangs (durch Metapher—denn nicht alles Miteinander-Erscheinende hängt zusammen).
Die Abstraktion ist ein höchst wichtiges Erzeugniß. Es ist ein dauernder im Gedächtniß festgehaltener und hartgewordener Eindruck, der auf sehr viele Erscheinungen paßt und deshalb, jedem Einzelnen gegenüber, sehr grob und unzureichend ist.
19 [218]
| Wahrheitspathos in einer Lügenwelt. |
| Lügenwelt wieder in den höchsten Spitzen der Philosophie. |
| Zweck dieser höchsten Lügen Bändigung des unumschränkten Erkenntnißtriebes. |
| Entstehung des Erkenntnißtriebes aus der Moral. |
19 [219]
Woher das Wahrheitspathos in der Lügenwelt? Aus der Moral.
Das Wahrheitspathos und die Logik.
Die Kultur und die Wahrheit.
19 [220]
Jede kleine Erkenntniß hat eine große Befriedigung in sich: doch nicht als Wahrheit, sondern als Glaube, die Wahrheit entdeckt zu haben. Welcher Art ist diese Befriedigung?
19 [221]
Die Kultur eine Einheit. Nur scheint der Philosoph außerhalb zu stehn. Er wendet sich an die fernste Nachwelt—Ruhm.
Merkwürdig, daß die Griechen philosophirt haben. Die schöne Lüge.
Aber noch merkwürdiger, daß der Mensch überhaupt zum Wahrheitspathos gekommen.
Die Bilder in ihm sind ja viel mächtiger als die Natur um ihn: wie bei den deutschen Malern des 15ten Jhs., die, trotz der sie umgebenden Natur, so spinnenartige Glieder schaffen—von der alten frommen Tradition bestimmt.
Plato will einen neuen Staat, in dem die Dialektik herrscht, er verneint die Kultur der schönen Lüge.
19 [222]
In Deutschland wird jetzt nicht philosophirt und deshalb ist die Frage: was eigentlich der Philosoph sei, unter den Deutschen unverständlich. Daher auch die anhaltende, zuletzt in Böswilligkeit übergehende Verwunderung, daß jemand, ohne sich um sie zu kümmern, und doch an sie appellirend, als Philosoph unter ihnen leben konnte. Die Deutschen vertragen es jetzt nicht, ebensowenig wie Gespenster, angerufen zu werden.
Die verzweifelte Ungelegenheit, als Philosoph unter den Deutschen geboren zu werden!
19 [223]
Die Moralitätsinstinkte: die Mutterliebe—allmählich zur Liebe überhaupt. Ebenso die Geschlechtsliebe. Überall erkenne ich Übertragungen.
19 [224]
Vieles in der Natur ist feucht: alles in der Natur ist feucht. Feuchtigkeit gehört zum Wesen der Natur: Feuchtigkeit ist das Wesen der Natur. So Thales.
19 [225]
Unwahrheit des Menschen gegen sich selbst und gegen andere: Voraussetzung die Unkenntniß—nöthig, um zu existiren (selbst—und in Gesellschaft). In das vacuum stellt sich die Täuschung der Vorstellungen. Der Traum. Die überkommenen Begriffe (die den altdeutschen Maler, trotz der Natur, beherrschen) in allen Zeiten verschieden. Metonymien. Reize, nicht volle Erkenntnisse. Das Auge giebt Gestalten. Wir hängen an der Oberfläche. Die Neigung zum Schönen. Mangel an Logik, aber Metaphern. Religionen. Philosophien. Nachahmen.
19 [226]
Das Nachahmen ist das Mittel aller Kultur, dadurch wird allmählich der Instinkt erzeugt. Alles Vergleichen (Urdenken) ist ein Nachahmen. So bilden sich Arten, daß die ersten nur ähnliche Exemplare stark nachahmen, d. h. dem größten und kräftigsten Exemplare es nachmachen. Die Anerziehung einer zweiten Natur durch Nachahmung. In der Zeugung ist das unbewußte Nachbilden am merkwürdigsten, dabei das Erziehen einer zweiten Natur.
Unsre Sinne ahmen die Natur nach, indem sie immer mehr dieselbe abkonterfeien.
Das Nachahmen setzt voraus ein Aufnehmen und dann ein fortgesetztes Übertragen des aufgenommenen Bildes in tausend Metaphern, alle wirkend.
Das Analoge —
19 [227]
Welche Macht zwingt zur Nachahmung? Die Aneignung eines fremden Eindrucks durch Metaphern.
Reiz—Erinnerungsbild
durch Metapher (Analogieschluß) verbunden.
Resultat: es werden Ähnlichkeiten entdeckt und neu belebt. An einem Erinnerungsbilde spielt sieh der wiederholte Reiz noch einmal ab.
Reiz percipirt—jetzt wiederholt, in vielen Metaphern, wobei verwandte Bilder, aus den verschiedenen Rubriken, herbeiströmen. Jede Perception erzielt eine vielfache Nachahmung des Reizes, doch mit Übertragung auf verschiedene Gebiete.
Reiz empfunden übertragen auf verwandte Nerven dort, in Übertragung, wiederholt usw.
Es findet ein Übersetzen des einen Sinneseindrucks in den andern statt: manche sehen etwas oder schmecken etwas bei bestimmten Tönen. Dies ein ganz allgemeines Phänomen.
19 [228]
Das Nachahmen ist darin der Gegensatz des Erkennens, daß das Erkennen eben keine Übertragung gelten lassen will, sondern ohne Metapher den Eindruck festhalten will
und ohne Consequenzen. Zu diesem Behufe wird er petrificirt: der Eindruck durch Begriffe eingefangen und abgegränzt, dann getödtet, gehäutet und als Begriff mumisirt und aufbewahrt.
Nun aber giebt es keine “eigentlichen” Ausdrücke und kein eigentliches Erkennen ohne Metapher. Aber die Täuschung darüber besteht, d. h. der Glaube an eine Wahrheit des Sinneneindrucks. Die gewöhnlichsten Metaphern, die usuellen, gelten jetzt als Wahrheiten und als Maaß für die seltneren. An sich herrscht hier nur der Unterschied zwischen Gewöhnung und Neuheit, Häufigkeit und Seltenheit.
Das Erkennen ist nur ein Arbeiten in den beliebtesten Metaphern, also ein nicht mehr als Nachahmung empfundenes Nachahmen. Es kann also natürlich nicht ins Reich der Wahrheit dringen.
Das Pathos des Wahrheitstriebes setzt die Beobachtung voraus, daß die verschiedenen Metapherwelten mit einander uneins sind und kämpfen z. B. der Traum, die Lüge usw. und die gewöhnliche usuelle Auffassung: davon die eine die seltnere, die andere die häufigere ist. Also der Usus kämpft gegen die Ausnahme an, das Regelmäßige gegen das Ungewöhnliche. Daher die Achtung der Tageswirklichkeit vor der Traumwelt.
Nun aber ist das Seltene und Ungewöhnliche das Reizvollere—die Lüge wird als Reiz empfunden. Poesie.
19 [229]
In der politischen Gesellschaft ist eine feste Übereinkunft nöthig, sie ist auf den usuellen Gebrauch von Metaphern gegründet. Jeder ungewöhnliche regt sie auf, ja vernichtet sie. Also jedes Wort so brauchen, wie es die Masse braucht, ist politische Convenienz und Moral. Wahr sein heißt nur nicht abweichen vom usuellen Sinn der Dinge. Das Wahre ist das Seiende, im Gegensatz zum Nichtwirklichen. Die erste Convention ist die über das, was als “seiend” gelten soll.
Aber der Trieb wahr zu sein, übertragen auf die Natur, erzeugt den Glauben daß auch die Natur gegen uns wahr sein muß. Erkenntnißtrieb beruht auf dieser Übertragung.
Unter “wahr” wird zuerst nur verstanden das, was usuell die gewohnte Metapher ist—also nur eine Illusion, die durch häufigen Gebrauch gewohnt worden ist und nicht mehr als Illusion empfunden wird: vergessene Metapher, d. h. eine Metapher, bei der vergessen ist, daß es eine ist.
19 [230]
Der Trieb zur Wahrheit beginnt mit der starken Beobachtung, wie entgegengesetzt die wirkliche Welt und die der Lüge ist und wie alles Menschenleben unsicher ist, wenn die Conventions-Wahrheit nicht unbedingt gilt: es ist eine moralische Überzeugung von der Nothwendigkeit einer festen Convention, wenn eine menschliche Gesellschaft existiren soll. Wenn irgendwo der Kriegszustand aufhören soll, so muß er beginnen mit der Fixirung der Wahrheit d. h. einer gültigen und verbindlichen Bezeichnung der Dinge.
Der Lügner gebraucht die Worte, um das Unwirkliche als Wirklich erscheinen zu machen, d. h. er mißbraucht das feste Fundament.
Andernseits ist der Trieb zu immer neuen Metaphern da, er entladet sich im Dichter, im Schauspieler usw., in der Religion vor allem.
Der Philosoph sucht nun in dem Bereich, in dem die Religionen walteten, auch das “Wirkliche,” das Bleibende, im Gefühl des ewigen mythischen Lügenspiels. Er will Wahrheit, die bleibt. Er breitet also das Bedürfniß nach festen Wahrheitsconventionen auf neue Gebiete aus.
19 [231]
Der älteste Monotheismus meint eben das eine glänzende Himmelsgewölbe und nennt es dewas. Sehr beschränkt und unplastisch. Welcher Fortschritt sind die polytheistischen Religionen.
19 [232]
Die redenden Künste! Da liegt’s, weshalb die Deutschen keine Schriftsteller werden können!
19 [233]
Goethe konnte Märchen erzählen, Herder war Prediger.
Der Faust ist die einzige nationale Redeentfaltung im Knittelvers.
19 [234]
Ich möchte die Frage nach dem Werthe der Erkenntniß behandeln wie ein kalter Engel, der die ganze Lumperei durchschaut. Ohne böse zu sein, aber ohne Gemüth.
19 [235]
Alle Naturgesetze sind nur Relationen eines x zu y und z. Wir definiren Naturgesetze als die Relationen zu einem xyz, davon jedes wiederum uns nur als Relationen zu andern xyz bekannt ist.
19 [236]
Das Erkennen, ganz streng genommen, hat nur die Form der Tautologie und ist leer. Jede uns fördernde Erkenntniß ist ein Identificiren des Nichtgleichen, des Ähnlichen, d. h. ist wesentlich unlogisch.
Wir gewinnen einen Begriff nur auf diesem Wege und thun nachher, als ob der Begriff “Mensch” etwas Thatsächliches wäre, während er doch nur durch Fallenlassen aller individuellen Züge von uns gebildet ist. Wir setzen voraus, daß die Natur nach einem solchen Begriff verfahre: hier ist aber einmal die Natur und sodann der Begriff anthropomorphisch. Das Übersehn des Individuellen giebt uns den Begriff und damit beginnt unsre Erkenntniß: im Rubriziren, in Aufstellungen von Gattungen. Dem entspricht aber das Wesen der Dinge nicht: es ist ein Erkenntnißprozeß, der das Wesen der Dinge nicht trifft. Viele einzelne Züge bestimmen uns ein Ding, nicht alle: die Gleichheit dieser Züge veranlaßt uns viele Dinge unter einen Begriff zusammenzunehmen.
Wir produziren als Träger der Eigenschaften Wesen und Abstraktionen als Ursachen dieser Eigenschaften.
Daß eine Einheit, ein Baum z. B., uns als Vielheit von Eigenschaften, von Relationen erscheint, ist in doppelter Weise anthropomorphisch: erstens existirt diese abgegrenzte Einheit “Baum” nicht, es ist willkürlich ein Ding so herauszuschneiden (nach dem Auge, nach der Form), es ist jede Relation nicht die wahre absolute Relation, sondern wieder anthropomorphisch gefärbt.
19 [237]
Der Philosoph sucht nicht die Wahrheit, sondern die Metamorphose der Welt in den Menschen: er ringt nach einem Verstehen der Welt mit Selbstbewußtsein. Er ringt nach einer Assimilation: er ist befriedigt, wenn er irgend etwas anthropomorphisch zurechtgelegt hat. Wie der Astrolog die Welt im Dienste der einzelnen Individuen ansieht, so der Philosoph die Welt als Mensch.
Der Mensch als Maaß der Dinge ist ebenfalls der Gedanke der Wissenschaft. Jedes Naturgesetz ist zuletzt eine Summe von anthropomorphischen Relationen. Besonders die Zahl: die Auflösung aller Gesetze in Vielheiten, ihr Ausdruck in Zahlenformeln ist eine, wie jemand, der nicht hören kann, die Musik und den Ton nach den Chladnischen Klangfiguren beurtheilt.
19 [238]
Am schwersten entwickelt sich das Gefühl für die Gewißheit. Zunächst sucht man Erklärung: wenn eine Hypothese viel erklärt, so wird der Schluß gemacht, daß sie alles erkläre.
19 [239]
Anaximander entdeckt den widerspruchsvollen Charakter unserer Welt: an ihren Qualitäten geht sie zu Grunde.
19 [240]
Die Welt ist Erscheinung—aber nicht wir allein sind Ursache, daß sie erscheint. Noch von einer anderen Seite her ist sie unreal.
19 [241]
Unsre Erlebnisse bestimmen unser Individuum, und zwar so, daß, nach jedem Gefühlseindruck, unser Individuum bis in die letzte Zelle hinein bestimmt ist.
19 [242]
Das Wesen der Definition: der Bleistift ist ein länglicher usw. Körper. A ist B. Das was länglich ist, ist hier zugleich bunt. Die Eigenschaften enthalten nur Relationen.
Ein bestimmter Körper ist gleich so und so viel Relationen. Relationen können nie das Wesen sein, sondern nur Folgen des Wesens. Das synthetische Urtheil beschreibt ein Ding nach seinen Folgen, d.h. Wesen und Folgen werden identificirt, d.h. eine Metonymie.
Also im Wesen des synthetischen Urtheils liegt eine Metonymie,
d. h. es ist eine falsche Gleichung.
D.h. die synthetischen Schlüsse sind unlogisch. Wenn wir sie anwenden, setzen wir die populäre Metaphysik voraus, d. h. die, welche Wirkungen als Ursachen betrachtet.
Der Begriff “Bleistift” wird verwechselt mit dem “Ding” Bleistift. Das “ist” im synthetischen Urtheil ist falsch, es enthält eine Übertragung, zwei verschiedene Sphären werden neben einander gestellt, zwischen denen nie eine Gleichung stattfinden kann.
Wir leben und denken unter lauter Wirkungen des Unlogischen, in Nichtwissen und Falschwissen.
19 [243]
Die Welt der Unwahrheit:
Der Traum und das Wachen.
Kurzes Selbstbewußtsein.
Schmale Erinnerung.
Synthetische Urtheile.
Die Sprache.
Die Illusionen und Ziele.
Der verlogene Standpunkt der Gesellschaft.
Zeit und Raum.
19 [244]
Woher in aller Welt das Wahrheitspathos?
Es will nicht die Wahrheit, sondern den Glauben, das Zutrauen zu etwas.
19 [245]
Frage nach der Teleologie des Philosophen—der die Dinge nicht historisch und nicht gemüthlich ansieht.
Die Frage erweitert sich ihm zur Frage vom Werthe der Erkenntniß.
Umschreibung des Philosophen—er braucht den Ruhm, er denkt nicht an den Nutzen, der von der Erkenntniß ausgeht, sondern den Nutzen, der in der Erkenntniß selbst liegt.
Wenn er ein Wort fände, das ausgesprochen die Welt vernichten würde, glaubt ihr, er spräche es nicht aus?
Was heißt es, daß er glaubt die Menschheit brauche die Wahrheit?
19 [246]
Welches ist der Werth der Erkenntniß überhaupt?
Die Welt der Lüge—die Wahrheit kommt allmählich zum Rechte—alle Tugenden entstehen aus Lastern.
19 [247]
1. Flucht vor dem Gebildeten und dem Gemüthlichen.
2. Ruhm und der Philosoph.
3. Die Wahrheit und ihr Werth als reines Metaphysikum.
19 [248]
| Haupttheil: die Systeme als Anthropomorphismen. |
| Leben in der Lüge. |
| Pathos der Wahrheit, vermittelt durch Liebe und Selbsterhaltung. |
| Nachahmen und Erkennen. |
| Bändigung des unumschränkten Erkenntnißtriebes durch die Täuschung. |
| Gegen die ikonische Geschichtsschreibung. |
| Die Religionen. |
| Die Kunst. |
| Die Unmöglichkeit und der Fortschritt. |
| Betrachtung eines bösen Dämons über den Werth der Erkenntniß, Hohn. Astrologie. |
| Das Tragische, ja Resignirte der Erkenntniß nach Kant. |
| Kultur und Wissenschaft. |
| Wissenschaft und Philosophie. |
| Gesetzgebung der Größe. |
| Das Weiterzeugen im Schönen. |
| Der Logiker. |
| Resultat: Zwecklos entstanden, zufällig, Unmögliches erstrebend, moralisch und historisch, das Leben verachtend. Das als Wahrheit verehrte Phantom hat die gleichen Wirkungen, gilt ebenfalls als Metaphysikum. |
19 [249]
Metapher heißt etwas als gleich behandeln, was man in einem Punkte als ähnlich erkannt hat.
19 [250]
Der Ruhm täuscht sich darin: nie wird einer wieder das Schöpfergefühl so fühlen, wie es der Schöpfer selbst gefühlt hat. Also auch nie die völlige Schätzung möglich.
19 [251]
Das Vertrauen zu einer gefundenen Wahrheit zeigt sich darin, daß man sie mittheilen will. Man kann sie nun doppelt mittheilen: in ihren Wirkungen, so daß die Anderen durch sie rückwärts von dem Werthe des Fundamentes überzeugt sind. Oder durch Beweisen der Entstehung und logischen Verflechtung von lauter sichern und bereits erkannten Wahrheiten. Die Verflechtung besteht im richtigen Unterordnen spezieller Fälle unter allgemeine Sätze—ist ein reines Rubriziren.
19 [252]
Das Kunstwerk verhält sich ähnlich zur Natur, wie sich der mathematische Kreis zum natürlichen Kreis verhält.
19 [253]
Warum wollen wir nicht getäuscht werden?
— Wir wollen es in der Kunst. Wir begehren wenigstens für vieles die Unwissenheit d. h. auch die Täuschung.
Er will, soweit es zum Leben nöthig ist, nicht getäuscht werden d. h. er muß sich erhalten können, in diesem Bereich des Bedürfnisses will er Zutrauen haben dürfen.
Nur die Täuschung, die feindlich ist, verschmäht er, nicht die erfreuliche. Er flieht das Betrogenwerden, die schlimme Täuschung. Also im Grunde nicht die Täuschung, sondern die Folge der Täuschung und zwar die schlimme Folge. Also wo in seinem Zutrauen mit bösen Folgen getäuscht zu werden möglich ist, da verwirft er die Täuschung. Da will er die Wahrheit d. h. wieder er will die angenehmen Folgen. Die Wahrheit kommt nur in Betracht als Mittel gegen feindselige Täuschungen. Die Forderung der Wahrheit heißt: thue den Menschen durch Betrug nichts Böses. Gegen die reine, folgenlose Erkenntniß der Wahrheit ist der Mensch gleichgültig.
Dafür hat ihn die Natur auch nicht eingerichtet. Der Glaube an die Wahrheit ist der Glaube an gewisse beglückende Wirkungen.— Woher kommt nun alle Moralität des Wahrheitsverlangens? Bis jetzt ist alles egoistisch. Oder: wo wird das Wahrheitsverlangen heroisch und für das Individuum verderblich?
19 [254]
Sucht der Philosoph die Wahrheit?
Nein, dann läge ihm mehr an der Gewißheit.
Die Wahrheit ist kalt, der Glaube an die Wahrheit ist mächtig.
19 [255]
| Herrschaft der Kunst über das Leben—natürliche Seite. |
| Cultur und Religion. |
| Cultur und Wissenschaft. |
| Cultur und Philosophie. |
| Kosmopolitischer Weg zur Cultur. |
| Romanischer und griechischer Begriff der Kunst. |
| Schiller’s und Goethe’s Ringen. |
| Schilderung des “Gebildeten.” |
| Falscher Begriff des Deutschen. |
| Die Musik als lebendiger Keim. |
19 [256]
Auf der natürlichen Vorstufe ist ein Volk nur soweit eine Einheit, als es eine gemeinsame primitive Kunst hat.
19 [257]
Durch Isolation können einige Begriffsfolgen so vehement werden, daß sie die Kraft anderer Triebe an sich ziehn. So z. B. der Erkenntnißtrieb.
Eine so präparirte Natur, bis in die Zelle bestimmt, pflanzt sich nun wieder fort und vererbt sich: sieh steigernd, bis endlich die Absorption nach dieser Seite hin die allgemeine Kräftigkeit zerstört.
19 [258]
Die Wahrheit ist dem Menschen gleichgültig: dies zeigt die Tautologie, als die einzig zugängliche Form der Wahrheit.
Dann heißt die Wahrheit suchen auch richtig rubriziren, d. h. einem vorhandenen Begriff richtig die einzelnen Fälle unterordnen. Hier ist aber der Begriff unsere That, wie auch die vergangenen Zeiten. Die ganze Welt unter die richtigen Begriffe subsumiren heißt doch nichts als unter die ursprünglich menschlichen allgemeinsten Formen der Relation die einzelnen Dinge einreihen: also die Begriffe nur bewähren, das was wir unter sie steckten, wieder auch unter ihnen zu suchen also im Grunde auch Tautologie.
19 [259]
| Anzugreifen: |
| Philologenversammlung. |
| Straßburger Universität. |
| Auerbach in der Augsburgerin, nationale Denkmäler. |
| Freitag Ingo Gelehrte Technik |
| Gottschall. |
| Junges Deutschland. |
| Universität Leipzig, Zöllner. |
| Theaterverschwendung. |
| Kunstdotation im Reichstage. |
| Grimm, Lübke, Julian Schmidt. |
| Jürgen-Meyer, Kuno Fischer, Lotze. |
| Riehl, Schwind. |
| Berliner Professorenwirthschaft. |
| Jahn und Hauptmann. |
| Gervinus. |
| Hanslick. |
| Centralblatt. |
| Abseits-Musikmachen. |
| Leipzig, die Geburtsstadt Wagner’s. |
| Strauß. |
19 [260]
Die “Drastiker” können die unendliche Melodie nicht finden; sie sind immer zu Ende und bei ihren drastischen Accenten.
19 [261]
Elemente der deutschen Kultur
gelehrte
religiös-befreiende
Nachahmungstrieb des Auslandes.
19 [262]
Das laisser aller in den Wissenschaften: jeder Gelehrte für sich. Der Geist der gesammten Gelehrten-Republik empört sich negativ, aber begeistert sich nicht.
19 [263]
Die Milderung der Sitten (Religion), die Gelehrsamkeit und Wissenschaft vertragen sich mit Barbarei.— Der Kulturweg der Deutschen wagt jetzt sich eine Organisation, ein Tribunal zu schaffen.
19 [264]
Ein Glück, daß die Musik nicht spricht—obschon jetzt die Musiker viel schwätzen. Deshalb eignet sie sich zu einem Keim der Rettung.
19 [265]
In Deutschland reden nur drei Sorten von Berufswegen viel: der Magister, der Pastor, die Amme.
19 [266]
Bildung—nicht Lebensnoth, sondern Überfluß.
Die Kunst entweder Convention oder Physis.
Versuch unserer großen Dichter zu einer Convention zu kommen. Goethe und das Schauspielwesen.
Die Naturwahrheit—das Pathologische war zu mächtig.
Sie haben es zu keiner Form gebracht.
19 [267]
1. Schilderung der einsamen Bayreuther Pfingsthoffnungen. Persönliche Interpretation der Neunten auf Wagner und symbolische Hoffnung aus seinem Leben für unsre Kultur. Unsre höchste Furcht, daß wir nicht reif sind für die Wunder, daß ihre Wirkung nicht tief genug ist.
2. Ringsum Stille, keiner merkt etwas. Die Regierungen glauben an die Güte ihrer Bildung, die Gelehrten auch. Benutzung der Wirkung des Krieges. Wodurch hat man ihn geheiligt?— Dumpfe Abneigung gegen Wagner.
3. Den einzigen Lärm erheben die zunächst bedrohten Vertreter der schlechten jetzigen Kunstinstitute, Journale, diese fürchten sich. Lärmende Abneigung. Kann nur bestehen durch Anlehnung an jene dumpfe ahnende Abneigung.
Ahnung des Untergangs des jetzigen Gebildeten.
19 [268]
Plan zu 6 Vorträgen.
| Die Kunst und unsere Pfingsttage. |
| Der Gebildete in seinen Formen. |
| Genesis des Gebildeten. |
| Romanischer und hellenischer Begriff der Kunst und unsre Klassiker. |
| Musik, Drama und Leben. |
| Morgenroth-Perspektiven. Das Tribunal für die höhere Erziehung. Die naiven Phänomene treten der Reihe nach vor, der wahre Künstler, der Sinn der Kunst, der tiefe Ernst einer neuen Weltbetrachtung. |
19 [269]
Unsere Verwunderung zu Pfingsten. Es war kein Musikfest. Es sah wie ein Traum aus.
Jedesmal wenn Wagner beleidigt, berührt er ein tiefes Problem.
Philologenversammlung. Straßburg.— Lehrer und Universitäten und deren Leiter ahnten nichts.
19 [270]
| 1.2.3. | Charakteristik des Gebildeten. | |
| 1.2.3. | Genesis des Gebildeten. Es giebt für sie kein. Ungeheures Ringen Schiller’s und Goethe’s. Sie suchen nach dem Talisman des Deutschen. Lernen vom Auslande bei den Griechen. Romanischer und hellenischer Begriff der Kunst. | |
| 1.2.3. | Wagner erkennt die Musik als solches. Antiker Satz von der Musik und dem Staate. Der nächste Schritt: Musik schafft sich das Drama. Jetzt kommt zu Tage, was das Wortdrama ist: gelehrt, unoriginal, erlogen oder Drastik. Wagner. Goethes Volkslied, Marionettentheater, Volksvers. Mythus. Er schafft erst das Deutsche. Consequenzen der antiken Tragödie für alle Künste und das Leben. Die “Gebildeten” sind in Verlegenheit. |
19 [271]
Woher sollen wir eine Litteratur haben? Wir haben ja keine Redner. Goethe der Mährchenerzähler,
Der Herr Pastor und die Frau Base, idealisirt, ergeben die Grundtypen unserer Schriftsteller. Amme, Magister, Pastor, Junker.
19 [272]
| Unglücksfälle der deutschwerdenden Kultur: |
| Hegel Heine das politische Fieber, das das Nationale betonte. Kriegsruhm. |
| Stützen der deutschwerdenden Kultur: |
| Schopenhauer—vertieft die Weltbetrachtung der Goethe-Schiller-Kultur. |
19 [273]
Masken des bürgerlichen Lustspiels Kotzebue’s.
| Die “alten Jungfern,” die sentimentalischen: |
| Riehl, Gervinus, Schwind, Jahn, Freitag reden viel von der Unschuld und der Schönheit. |
| Die jungen “Greise” (Blasirten), die historischen: |
| Ranke, die Zeitungsschreiber, Mommsen, Bernays. sind über alles hinaus. |
| Die ewigen Gymnasiasten: |
| Gottschall, Lindau, Gutzkow, Laube. |
| Die Unfrommen vom Lande: |
| Strauß. Die Philisterei ist die eigentliche Unfrömmigkeit. |
19 [274]
Bayreuther Horizont-Betrachtungen.
| 1. | Bayreuther Pfingsttage. Ungeheures Nicht-Verstehen rings herum. Philologenversammlung in Leipzig. Der Krieg und die Universität Straßburg. |
| 2. | Die Weichlichen. | ||
| 3. | Die Historischen. | Charakteristik der | |
| 4. | Die Gelehrten. | “Gebildeten.” | |
| 5. | Die Zeitungsschreiber. | ||
| 6. | Die Naturwissenschaftlichen. | ||
| 7.8. 9. | Schulen. Universitäten. Ihr Verfahren mit der Kunst | Genesis des “Gebildeten.” |
| 10. | Der Phönizier in den Hauptstädten: als Nachahmer jener Bildung. |
| 11.12. | Hauptsatz: Es giebt keine deutsche Bildung, weil es noch keinen deutschen Kunststil giebt. Ungeheure Arbeit Schillers Goethes zu einem deutschen Stile zu kommen. Kosmopolitische Tendenz nothwendig. Fortsetzung der Reformationsarbeit. |
Wagner’s; die deutsche Musik. An ihr kann man lernen, wie die deutsche Kultur sich verhalten wird zu anderen Kulturen. Plato über Musik: Kultur. Sie ist nicht “historisch,” an ihr kann man das Lebendige fühlen. Sie hat das Gelehrtenhafte tiefsinnig überwunden und in instinktive Technik verwandelt. Sie belebt den Mythus wieder (Meistersinger).
19 [275]
| Einleitung. |
| Charakteristik des “Gebildeten.” |
| Genesis des “Gebildeten.” |
| Es giebt noch keine Bildung. Schilderung des bisherigen Kampfes. |
| Das Drama (die Drastiker, ihre drastischen Accente sind wie die dramatischen Accente und Fermaten der Oper). |
| Selbst das Trinklied der Deutschen ist gelehrt. |
19 [276]
Die “Bildung” versuchte sich auf der Schiller-Goetheschen Basis, wie auf einem Ruhebette, niederzulassen.
19 [277]
| 1. | Das Rohdesche Fragment. | |
| 2. | Heldenklage. | |
| 3. | Gern und gerner. | |
| 4. | Unendlich! | |
| 5. | Verwelkt. | |
| 6. | Es winkt und neigt sich. | |
| 7. | Ständchen. | |
| 8. | Nachspiel. | |
| 9. | Der Könige Tod. | |
| 10. | So lach doch mal. | |
| 11. | Etes titok. | |
| 12. | Sturmmarsch. | |
| 13. | Aus der ersten Sylvesternacht. | |
| 14. | Miserere. | |
| 15. | Mariae Verkündigung. |
19 [277]
| 1. | Das Rohdesche Fragment. | |
| 2. | Heldenklage. | |
| 3. | Gern und gerner. | |
| 4. | Unendlich! | |
| 5. | Verwelkt. | |
| 6. | Es winkt und neigt sich. | |
| 7. | Ständchen. | |
| 8. | Nachspiel. | |
| 9. | Der Könige Tod. | |
| 10. | So lach doch mal. | |
| 11. | Etes titok. | |
| 12. | Sturmmarsch. | |
| 13. | Aus der ersten Sylvesternacht. | |
| 14. | Miserere. | |
| 15. | Mariae Verkündigung. |
19 [278]
Der feste Punkt, um den sich das griechische Volk krystallisirt, ist seine Sprache.
Der feste Punkt, an dem seine Kultur sich krystallisirt, ist Homer.
Also beidemal sind es Kunstwerke.
19 [279]
A. Dove nimmt sich Puschmanns, P. Lindau des Mohrs an
Das Aufheben, das die Deutschen von dem in allen Kunstfragen wahrhaft albernen Gervinus gemacht haben.
19 [280]
Heinrich Kleist redet als Dramatiker und Erzähler zu uns, als ob er zugleich einen hohen Berg besteige.
Goethe über Kleist: fürchtet sich.
Die dramatische Kunst ist unserm Publikum gegenüber eitel Blendwerk: es hat kein ästhetisches Gefühl, sondern ist pathologisch.
19 [281]
Wir können. uns den Gelehrten ohne Kultur, den Frommen ohne Kultur, den Philosophen ohne Kultur denken: im Gelehrtsein liegt ein Widerspruch mit der Einheit der Bildung, im christlichen Frommsein ein Widerspruch
19 [282]
Scheidung der intellectuellen Faktoren von den intelligibeln im Wesen des Philosophen.
19 [283]
Die Faktoren der jetzigen Cultur.
| 1. | Das Historische, das Werden. | |
| 2. | Das Philistrose, das Sein. | |
| 3. | Das Gelehrtenhafte. | |
| 4. | Cultur ohne Volk. | |
| 5. | Sitte wesentlich fremdländisch. | |
| 6. | Das Unaesthetische (Pathologische). | |
| 7. | Philosophie ohne Praxis. | |
| 8. | Kastenwesen nicht nach Bildung. | |
| 9. | Schreiben, nicht Sprechen. |
19 [284]
Bisher war es die Sprache, an die das Deutsche sich anschloss. Jetzt dazu die Musik.
Die kosmopolitische Tendenz Schillers und Goethes entsprechend der orientalischen Tendenz.
Das Deutsche muss sich erst bilden:
Bildung nicht auf nationaler Grundlage, sondern Bildung des Deutschen, nicht Bildung nach dem Deutschen.
Das Deutsche muss gebildet werden: das noch nicht existirt. Weder auf Tugenden noch auf Laster zu gründen.
19 [285]
Faktoren deutscher Vergangenheit.
Volkskunst der Reformation—Faust, Meistersinger.
Askese und reine Liebe, Rom—Tannhäuser.
Treue und Ritter, Orient—Lohengrin.
Ältester Mythus, der Mensch—Ring des Nibelungen.
Metaphysik der Liebe—Tristan.
Das ist unsre Mythenwelt, sie reicht bis zur Reformation. Der Glaube an sie ist dem der Griechen an ihre Mythen sehr ähnlich.
Nicht deutsche Bildung, sondern Bildung des Deutschen ist unser erstes Ziel.
An Stelle des Historischen—die mythenbildende Kraft.
An Stelle des Philistros-Weichlichen das metaphysische Mit-Leiden.
An Stelle des Gelehrtenhaften—die tragische Weisheit.
An Stelle des Unaesthetisch-Pathologischen—das freie Spiel.
An Stelle des Kastenwesens—das Tribunal der Bildung.
An Stelle des Schreibens—Denken und Sprechen.
An Stelle der Dogmatik—die Philosophie.
Überwindung der Religionsmischung, des Asiatischen (in Hast und Luxus—Phönizisch).
Heilighaltung von Sprache und Musik.
19 [286]
Aesthetik in Deutschland.
Lessing Winckelmann Hamann Herder.
Schiller Goethe.
Grillparzer.
Schopenhauer.
Wagner. Fuchs.
19 [287]
Kurzgefasster Bericht
über
die älteren griechischen Philosophen.
19 [288]
Die Seelenwanderungs-Metamorphosen.
19 [289]
Fortsetzung der Reformation.
Gelehrsamkeit und gelehrtes Wissen, daß Kunst war.
Entdeckung des Volksliedes, Shakespeare, Hamann, Faust instinktiv, regellos—ungelehrt.
Einfache Schönheit der Plastik. Strenge Nothwendigkeit im Drama—: vorbildliche Wirkungen der Alten, Beseitigung der französischen Regeln.
19 [290]
Experimentiren, das Drama zu finden, eine Litteratur zu schaffen—: kosmopolitische Nachahmung.
Vollendete Einsicht in die Zusammenhänge des Lebens mit der Kunst—Überwindung des Begriffs “Litteratur”—: Wagner.
Beseitigung des Abseits-Musikmachens. Gegen das Mönchische der Musik.
Übergang aus der Gelehrsamkeit zum Bedürfniss der Kunst.
Überwindung des romanischen Begriffs der Kunst: Kunst als Convention, als Thesis.
Rückkehr zum hellenischen Begriff: Kunst als Physis.
19 [291]
Auch die hellenische Kunst wurde lange Zeit romanisch verstanden, ich meine so, wie sie die Römer verstanden haben: zum Schmucke, beliebig hineinzusetzen, Gewächshaus im Vergleich zum Walde. Vornehme Convention. —
19 [292]
Das schlechte Buch von Lotze, in dem der Raum mit Besprechung eines ganz unaesthetischen Menschen: Ritter (eines fast schon verschollenen Historikers der Philosophie) oder des verdrehten Leipziger Philosophen Weisse verbraucht wird.
19 [293]
Plautus römische Kunst, neuere attische Komödie. Die feste Masken-Komödie.
19 [294]
Romantiker—theils natürliche Reaktion gegen den gebildeten Cosmopolitismus, theils Reaktion der Musik gegen eine kalte Plastik, theils Erweiterung des kosmopolitischen Nachmachens und Nachsingens. Zu wenig Kraft bei viel Witterung.
Das junge Deutschland ist, wie Kotzebue gegen Schiller-Goethe, Vertreter einer französirenden Aufklärung in plumper Nachmacherei.
19 [295]
Nicht Bildung auf nationaler Grundlage, sondern Bildung des deutschen Stils im Leben Erkennen Schaffen Reden Gehen usw.
19 [296]
Über deutsche Bildung.
Eine Festschrift den Bayreuther Kunstgenossen geweiht.
19 [297]
Unterscheidung der Völker durch ihre Schwächen, ihre Tugenden, bei einiger Civilisation, gemeinsam.
19 [298]
Über die Bildung eines deutschen Kunststils.
Bevor dieser da ist, ist, um zu einiger Bildung zu kommen, nur der kosmopolitische Weg da.
Bildung ist das Leben eines Volkes unter dem Regiment der Kunst. Philosophie ist nicht für das Volk, Religion verträgt sich mit Barbarei, ebenso die Wissenschaft.
Auszugehen von den Forderungen der Kultur nach dem Kriege. 1872. Straßburg, Unfähigkeit auch nur einzusehen, wie lächerlich eine Behauptung des National-Deutschen wäre. Die Kunst hat bei uns die romanische Geltung und nicht einmal. Wissenschaft verträgt sich mit Barbarei.
19 [299]
Begabung ist nur die Voraussetzung für die Cultur, die Hauptsache ist die Zucht nach Mustern.
Die Bildung ist nicht nothwendig eine begriffliche, sondern vor allem eine anschauende und richtig wählende: wie der Musiker richtig im Finstern greift. Die Erziehung eines Volkes zur Bildung ist wesentlich Gewöhnung an gute Vorbilder und Bildung edler Bedürfnisse.
19 [300]
Die Hoffenden in der deutschen Gegenwart.
Die Möglichkeit einer deutschen Cultur.
Hoffnungen auf eine deutsche Cultur.
Festschrift.
19 [301]
Die Hoffenden.
Betrachtungen über die angebliche deutsche Cultur der Gegenwart.
19 [302]
Reden der Hoffenden.
Reden eines Hoffenden.
19 [303]
Bayreuths Horizont.
Der Horizont Bayreuths.
Bayreuther Horizont-Betrachtungen.
19 [304]
Der Deutsche spricht wenig. Deshalb sind alle Dramatiker in Verlegenheit. Das Wahre ist Wagner’s Verfahren. Kurz, tief und mit Wortsymbolik, wie mit Runen. Die ältesten Orakel wohl drei allitterirende Runen.
19 [305]
Wenigen Männern wird es verziehen werden, wenn sie ihr Volk als Barbaren bezeichnen. Aber Goethe hat es gethan, man muß es sich erklären.
19 [306]
Keine Kultur ist in drei Tagen gebaut worden, noch weniger ist jemals eine aus dem Himmel gefallen: sondern nur aus einer früheren Barbarei entsteht eine Kultur und es giebt Zeiten langen Schwankens und Kämpfens, in denen es zweifelhaft ist.
19 [307]
Gebildet nennen wir den, der ein Gebilde geworden, eine Form bekommen hat: Gegensatz der Form ist hier das Ungestaltete Gestaltlose, ohne Einheit.
19 [308]
Woran hängt die Einheit eines Volkes? Äußerlich Regierung, innerlich Sprache und Sitten. Die Sitten aber erst ganz allmählich einheitlich, viel aus Zusammenleben, Einwandern.
19 [309]
Goethe: “wir haben zwar viel ‘kultivirt.’”
19 [310]
Kultur—Herrschaft der Kunst über das Leben. Die Grade ihrer Güte hängen einmal ab vom Grade dieser Herrschaft und zweitens von dem Werthe der Kunst selbst.
19 [311]
Milderungen der Sitten durch Religionen Gesetze usw.
Steigerung der Erkenntniß und dadurch weniger Aberglaube, Finsterniß, Fanatismus, mehr Beschaulichkeit und Ruhe.
Erfindungen, Steigerungen des Wohlstandes, Verkehr mit andern Völkern.
Dabei ist Religion und Barbarei.
Erfindungsgabe Intellekt mit Barbarei verträglich. Selbst Kunst ist möglich und doch kann man das Volk noch ein barbarisches nennen.
Herrschaft der Kunst über das Leben.
19 [312]
Als unter dem ersten Tumult des ausbrechenden letzten großen Krieges ein erbitterter französischer Gelehrter die Deutschen Barbaren nannte und den Mangel einer Kultur ihnen vorwarf, hörte man doch in Deutschland scharf genug, um dies gründlich übel zu nehmen und vielen Zeitungsschreibern gab es Gelegenheit, den nicht unbefleckten Harnisch ihrer Kultur einmal recht hell zu putzen und siegesgewiß mit ihm zu prunken. Man erschöpfte sich in Versicherungen, daß das deutsche Volk das gelehrigste gelehrteste sanftmüthige tugendhafteste und reinlichste von der Welt sei: selbst gegen den Vorwurf der Menschenfresserei und des Seeraubs fühlte man sich hinlänglich sicher. Als nun bald darauf eine Stimme jenseits des Kanals laut wurde und der ehrwürdige Carlyle eben jene Eigenschaften an den Deutschen öffentlich belobte und ihnen ihretwegen den Sieg mit segnenden Händen anwünschte, da war man über die deutsche Kultur im Reinen und nach dem Erfolg war es gewiß unschuldig vom Sieg der deutschen Kultur zu reden. Jetzt, wo die Deutschen Zeit haben manches damals uns zugeschleuderte Wort hinterdrein sich noch einmal anzusehn, dürfte es wohl Einige geben, welche erkennen, daß der Franzose recht hatte: die Deutschen sind Barbaren, trotz aller jener humanen Eigenschaften. Wenn man ihnen, den Barbaren, den Sieg wünschen mußte, so geschah dies natürlich nicht weil sie Barbaren sind, sondern weil die Hoffnung auf eine werdende Kultur die Deutschen heiligt: während es keine Rücksicht auf eine entartete und verbrauchte Kultur giebt: nicht das Weib das sein Kind entarten läßt, sondern das gebären wird ist den Gesetzen heilig. Daß sie im Übrigen noch Barbaren sind, war die Meinung Goethe’s, der alt genug wurde, um sogar diese Wahrheit den Deutschen sagen zu dürfen und an dessen Worte meine Betrachtungen anzuknüpfen ich mir erlauben muß, weil es mir niemand sonst erlauben möchte. Wir haben, sagte er eines Abends zu Eckermann
Die letzte Wendung ist fein, denn sie läßt den Verehrern der Gegenwart die Möglichkeit, in einigen Jahrhunderten werde man sagen, es ist sehr lange her, daß die Deutschen nicht mehr Barbaren sind, nämlich seit der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts. Daß dies nicht eine beliebige Annahme ist, sondern daß wirklich jetzt große Massen an die erreichte deutsche Kultur glauben, aber mit Unrecht, dies will ich eben durch ein Beispiel beweisen. Zuerst ist aber der Begriff der Kultur festzustellen. Goethe setzt hinzu—vom Liede. Ganze Haufen Kriegslieder und Sonette, auch nicht eins aus einem neuen Tone
19 [313]
Das Wort Barbar und Barbarei ist ein böses verwegenes Wort und nicht so ohne Vorrede wage ich es, es zu gebrauchen: und wenn es wahr ist daß die Griechen von dem Sprachtone fremdländischer Völker wie von einem Gequake sprachen und daher mit einem gleichen Namen die Frösche benannten, so sind Barbaren also Quäker—sinnloses und unschönes Geplapper. Mangel an aesthetischer Erziehung.
19 [314]
Der Franzose dachte natürlich an seine in der ganzen Erde siegreiche Civilisation und den Grad von verkümmerter Nachahmung, den er von ihr in der deutschen Gesellschaft wiederfand: er sagte keine Kultur, weil sie keine erzeugt und nicht einmal eine vorhandene geschickt nachahmen können, wie z. B. den Russen zuzugestehen ist.
Und deshalb war jede Kriegsgefahr so furchtbar, weil sie die heimlich wachsende Frucht zerstören konnte.
Der Kriegsruhm fast noch eine größere Gefahr.
19 [315]
Einleitung.
Weisheit Wissenschaft.
Mythische Vorstufe.
Sporadisch-Spruchmäßige.
Vorstufen des.
Thales.
Anaximander.
Anaximenes.
Pythagoras.
Heraclit.
Xenophanes.
Parmenides.
Anaxagoras.
Empedocles.
Democrit.
Pythagoriker.
Socrates. Sehr einfach.
19 [316]
Die
Rechtfertigung der Philosophie
durch die Griechen.
Eine Festschrift.
Von
Friedrich Nietzsche.
19 [317]
Betrachtungen eines Hoffenden.
19 [318]
Der letzte Philosoph.
| 1. | Die Übertragungen des Menschen auf die Natur. | |
| 2. | Das Griechische als Weltprincip. | |
| 3. | Heraklit gegen das Dionysische. Empedokles gegen das Thieropfer. Pythagoreer Ordenswesen. Demokrit der wissensch Reisende. |
19 [319]
Der ursprüngliche Zweck der Philosophie ist vereitelt.
Gegen die ikonische Geschichtsschreibung.
Philosophie, ohne Cultur, und Wissenschaft.
veränderte Stellung der Philosophie seit Kant.
Metaphysik unmöglich. Selbstcastration.
Die tragische Resignation, das Ende der Philosophie.
Nur die Kunst vermag uns zu retten.
19 [320]
1. Die übrigen Philosophen.
2. Wahrheit und Illusion.
3. Illusion und Kultur.
4. Der letzte Philosoph.
19 [321]
Die Methode der Philosophen zum Letzten zu kommen rubrizirt.
Der unlogische Trieb.
Wahrhaftigkeit und Metapher.
Aufgabe des griechischen Philosophen: Bändigung.
Barbarisirende Wirkung der Erkenntniß.
Das Leben in der Illusion.
Philosophie seit Kant todt.
Schopenhauer Vereinfacher, räumt die Scholastik auf.
Wissenschaft und Cultur. Gegensätze.
Aufgabe der Kunst.
Der Weg ist Erziehung.
Die Philosophie hat die tragische Bedürftigkeit zu erzeugen.
19 [322]
Die Philosophie der Neuzeit, unnaiv, scholastisch, mit Formeln überhäuft.
Schopenhauer der Vereinfacher.
Wir erlauben die Begriffsdichtung nicht mehr. Nur im Kunstwerk.
Gegenmittel gegen die Wissenschaft? Wo?
Die Kultur als Gegenmittel. Um für sie empfänglich zu sein, muß man das Ungenügende der Wissenschaft erkannt haben. Tragische Resignation. Gott weiß, was das für eine Kultur wird! Sie fängt von hinten an!
19 [323]
| Januar | 13 Wochen: | 3. | Geschichte der Rhythmik. | |||||
| Februar März | 4. | Horatianische Metra nach Augustin usw. Die Sprache metrisch betrachtet. | ||||||
| 5. | Hexameter. | |||||||
| 6. | Trimeter. | |||||||
| 7. | Logaoedische Verse. | |||||||
| 8. | Dorische Strophen. | |||||||
| 9. | Composition usw. |
19 [324]
Die klassische Philologie.
Hesiod und Homer.
Rhythmik.
19 [325]
Alte philosophische Meister
in Griechenland.
Für einen jungen Freund der
Philosophie niedergeschrieben
von
19 [326]
Entwürfe.
1. Hesiodos.
2. Die zeitmessende Rhythmik der Griechen.
3. Die griechische Tragoedie.
19 [327]
Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen und
nicht zu schreibenden Büchern.
1. Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten.
2. Das Verhältniss der Schopenhauerischen Philosophie zu der deutschen Cultur.
3. Über das Pathos der Wahrheit.
4. Der griechische Staat.
5. Der Wettkampf Homer’s und Hesiod’s.
19 [328]
| Erkennen der Wahrheit unmöglich. Die Kunst und der Philosoph. Das Wahrheitspathos. Wie verhält sich die Philosophie zur Kultur: Schopenhauer. | Alles Erkennen im Dienste der Kunst. |
| Die Einheit einer Kultur. Schilderung der jetzigen Zerfahrenheit. Das Drama als Keimpunkt. |
19 [329]
| Erste Stufe der Kultur: der Glaube an die Sprache, als durchgehende Metapherbezeichnung. |
| Zweite Stufe der Kultur: Einheit und Zusammenhang der Metapherwelt durch Anlehnung an Homer. |
19 [330]
| 1) | Die Bildungsphilister. | |
| 2) | Die historische Krankheit. | |
| 3) | Viel Lesen und Schreiben. | |
| 4) | Litterarische Musiker (wie die Anhänger des Genius die Wirkungen desselben todt machen). | |
| 5) | Deutsch und Afterdeutsch. | |
| 6) | Soldaten-Cultur. | |
| 7) | Allgemeine Bildung—Socialismus usw. | |
| 8) | Bildungs-Theologie. | |
| 9) | Gymnasien und Universitäten. | |
| 10) | Philosophie und Cultur. | |
| 11) | Naturwissenschaft. | |
| 12) | Dichter usw. | |
| 13) | Classische Philologie. |
Entwurf der “Unzeitgemässen Betrachtungen.”
Basel, 2. September 1873.
7, 19[1-330] Sommer 1872 - Anfang 1873
19 [1]
At a certain height, everything comes together and over one—the thoughts of the philosopher, the works of the artist, and the good deeds.
It is to be shown how the entire life of a people impurely and confusedly reflects the image that its highest geniuses offer: these are not the product of the masses, but the masses show their repercussion.
Or what is the relationship?
There is an invisible bridge from genius to genius—this is the truly real “history” of a people, everything else is shadowy, countless variation in inferior material, copies of unskilled hands.
Even the ethical forces of a nation manifest themselves in their geniuses.
19 [2]
Characteristic of post-Socratic moralities—all eudaimonistic and individual.
19 [3]
To rewrite the world in which the philosopher and the artist are at home.
19 [4]
Preface to Schopenhauer—entrance to the underworld—I have sacrificed many a black sheep to you—about which the other sheep complain.
19 [5]
In the splendid art world—how they philosophized! When a perfection of life is achieved, does philosophizing then cease? No: only now does true philosophizing begin. Their judgment about existence says more, because it has relative perfection and all the veils and illusions of art before it.
19 [6]
The ancients were far more virtuous than we are, because they had so much less fashion.
The virtuous energy of their artists!
19 [7]
Contrast to the press—we are the publicly instructing ones, not the publicly opining ones.
We have the immortal concerns of the people—we must be free from the momentary, temporal ones.
Image of the task of the newer philosophical generation.
The demand to overcome oneself, i.e., the secular, the spirit of the age.
19 [8]
Schopenhauer's characteristic: the solitary, in the highest society.
19 [9]
Those Greek philosophers overcame the spirit of the age in order to be able to relive the spirit of Hellenism: they express the need for the solution of eternal questions.
19 [10]
In the world of art and philosophy, man builds an "immortality of the intellect."
The will alone is immortal—compared to how miserable the immortality of the intellect, through education, looks, which presupposes human brains:
one sees in which line this comes for nature.
— How can genius be the highest goal of nature at the same time!
The survival through history and survival through procreation.
Here Plato’s creation in the Beautiful—thus, for the birth of genius, overcoming history is necessary; it must be immersed in beauty and eternalized.
Against iconic historiography! It contains a barbarizing element within itself.
It must speak only of the great and unique, of the exemplar.
With this, the task of the new philosophical generation is grasped.
All the great Greeks from the time of tragedy have nothing of the historian about them:
19 [11]
The drive for knowledge without selection is equal to the indiscriminate sexual drive—sign of commonness
19 [12]
The task of the philosopher, to consciously combat all the temporalizing elements—and thus to support the unconscious task of art.
In both, a people achieve the unity of all their characteristics and their highest beauty.
The current task in relation to the sciences.
19 [13]
The Philosopher of the Tragic Age.
The philosopher does not stand entirely apart from the people, like an exception: the will also wants something with him. The intention is the same as with art—his own transfiguration and redemption. The will strives for purity and refinement: from one stage to the next.
The form of existence as education and culture—the will upon the heads of men.
19 [14]
The Limited Drive for Knowledge.
The Seven Sages—the epic-Apollonian stage of philosophy.
19 [15]
The drives that distinguish the Greeks from other peoples are expressed in their philosophy.
But these are precisely their classical drives.
Important is their way of dealing with history.
The gradual degeneration of the concept of the historian in antiquity—the dissolution into curious omniscience.
19 [16]
Task: To recognize the teleology of the philosophical genius. Is he really just a randomly appearing wanderer? In any case, if he is a true one, he has nothing to do with the accidental political situation of a people, but rather, in relation to his people, he is timeless. But not for that reason accidentally connected with this people—the specific character of the people emerges here as an individual, and indeed, the people's drive is explained as a world-drive, used to solve the world's riddles. Nature succeeds once in purely contemplating its drives through separation. The philosopher is a means to come to rest in the restless stream, to become conscious of the enduring types with contempt for the infinite multiplicity.
19 [17]
The philosopher is a revealing of the workshop of nature—philosopher and artist speak of the trade secrets of nature.
Above the tumult of contemporary history lives the sphere of the philosopher and the artist, apart from distress.
The philosopher as a brake on the wheel of time.
It is the times of great danger in which philosophers appear—when the wheel rolls ever faster—they and art take the place of the vanishing myth. But they are thrown far ahead because the attention of contemporaries turns to them only slowly.
A people that becomes aware of its dangers produces the genius.
19 [18]
Freedom from myth. Thales. An element as Proteus!
The tragedy of existence. Anaximander.
The artistic play of the cosmos. Heraclit.
The eternal logic. Parmenides. The battle of words.
The compassion for all living beings. Empedocles. The slave.
Measure and number. Pythagoras. Democrit.
(The competition. Heraclit.)
(Love and education. Socrates.)
The smallest assumption. Anaxagoras.
19 [19]
We do not tolerate everyone philosophizing to us, for example not David Strauss, who cannot be helped when he steps out of his specifically historical-critical air.
19 [20]
According to Socrates, the general welfare can no longer be saved, hence the individualizing ethics that seeks to save the individuals.
19 [21]
The immoderate indiscriminate drive for knowledge, with a historical background, is a sign that life has grown old: the danger is great that individuals will become bad, which is why their interests are forcibly bound to objects of knowledge, no matter which ones. The general drives have become so weak and no longer keep the individual in check.
The German has transfigured all his limitations through the sciences by transferring them: loyalty, modesty, self-restraint, diligence, cleanliness, love of order—these are family virtues; but also formlessness, the entire lifelessness of life, pettiness—his unbounded drive for knowledge is the consequence of a meager life: without it, he would be petty and malicious, and often is, despite them.
Now a higher form of life is given to us, a background of art—now the immediate consequence is also a selective drive for knowledge, i.e., philosophy.
Terrible danger: that the American-political hustle and the unprincipled scholarly culture merge.
19 [22]
Beauty emerges again as a power in the discerning cognitive drive.
Most remarkable that Schopenhauer writes beautifully! His life also has more style than that of university teachers—but stunted surroundings!
Now no one knows what a good book looks like, one must demonstrate it: they do not understand composition. The press further ruins the sense for it.
To be able to hold onto the sublime!
19 [23]
Against the iconic historiography and against the natural sciences, enormous artistic forces are necessary.
What is the philosopher to do? Amidst the ant-like bustle, to emphasize the problem of existence, indeed the eternal problems.
The philosopher should recognize what is necessary, and the artist should create it. The philosopher should most strongly empathize with the general suffering: like the ancient Greek philosophers, each expressing a necessity: there, into the gap, he places his system. He builds his world into this gap.
All means must be gathered by which it is possible to save humanity to peace: with dying religions!
To clearly make the difference in the effect of philosophy and science: and likewise the difference in their origin.
19 [24]
It is not a destruction of science, but rather a mastery. For in all its goals and methods, it depends entirely on philosophical views, but easily forgets this. The dominant philosophy must also consider the problem, to what extent science may be allowed to grow: it must determine the value!
19 [25]
Proof of the barbarizing effects of the sciences. They easily lose themselves in the service of “practical interests.”
19 [26]
Schopenhauer's worth lies in the fact that he calls to mind naive general truths: he dares to express so-called "trivialities" beautifully.
We have no noble popular philosophy because we have no noble concept of the peuple publicum. Our popular philosophy is for the peuple, not for the public.
19 [27]
If we are ever to achieve a culture, unprecedented artistic forces are necessary to break the unbounded drive for knowledge, to recreate a unity. The highest dignity of the philosopher is shown here, where he concentrates the unbounded drive for knowledge, tames it into unity.
Thus, the older Greek philosophers are to be understood; they tame the drive for knowledge. How did it come about that after Socrates it gradually slipped from their grasp? First, we see even in Socrates and his school the same tendency: it is to be restricted by the individual consideration of happy living. It is a final lower phase. Formerly, it was not about individuals, but about the Hellenes.
19 [28]
The great old philosophers belong to the Generalben of the Hellenic: after Socrates, sects form. Gradually, philosophy loses the reins of science from its hands.
In the Middle Ages, theology takes over the reins of science: now a dangerous time of emancipation.
General welfare once again demands a restraint and thereby simultaneously elevation and concentration.
The laissez-faire of our science, as with certain national economic dogmas: one believes in an unconditionally salutary outcome.
Kant has in a certain sense had a harmful influence: for belief in metaphysics has been lost. No one will be able to rely on his “thing in itself” as if it were a restraining principle.
Now we understand the strange phenomenon of Schopenhauer’s: he gathers all the elements that are still useful for mastering science. He addresses the deepest primordial problems of ethics and art, he raises the question of the value of existence.
Wonderful unity of Wagner and Schopenhauer! They stem from the same drive. The deepest properties of the Germanic spirit arm themselves here for battle: as with the Greeks. Return of self-control.
19 [29]
Description of the immense danger of secularization in the 6th and 5th centuries: the luxury of the colonies, the wealth, the sensuality.
19 [30]
The problem: finding the culture for our music!
19 [31]
It is the method to designate how the philosophical person to live has.
19 [32]
On the characteristic of the superficiality of our culture: David Strauß, our theaters, our poets, our criticism, our schools.
19 [33]
My task: to comprehend the inner connection and the necessity of every true culture. The protective and healing means of a culture, its relation to the genius of the people. The consequence of every great art world is a culture: but often, due to hostile counter-currents, it does not come to this resonance of a work of art.
Philosophy should preserve the spiritual ridge through the centuries: so that the eternal fertility of all greatness.
For science there is no great and small—but for philosophy! The value of science is measured by that proposition.
The preservation of the sublime!
What an extraordinary lack of books in our time that breathe heroic strength!— Even Plutarch is no longer read!
19 [34]
Kant says (2nd Preface to the Critique): “I had to abolish knowledge, to make room for faith, and the dogmatism of metaphysics, that is the prejudice of proceeding in it without criticism of pure reason, is the true source of all unbelief that is contrary to morality, which is always very dogmatic.” Very important! A cultural necessity drove him!
Strange opposition “knowledge and faith”! What would the Greeks have thought of it! Kant knew no other opposition! But we!
A cultural necessity drives Kant: he wants to save an area from knowledge: there he lays the roots of all that is highest and deepest, art and ethics—Schopenhauer.
On the other hand, he collects everything worth knowing for all time—the ethical folk and human wisdom (standpoint of the 7 Sages, the Greek popular philosophers).
He decomposes the elements of that faith and shows how little the Christian faith satisfies the deepest need: the question of the value of existence!
The struggle of knowledge with knowing!
Schopenhauer himself draws attention to our unconscious thinking and knowing.
The taming of the drive for knowledge—whether for the sake of a religion? Or an artistic culture, shall now be revealed; I stand on the second side.
I add the question about the value of historical iconic knowledge, also of nature.
Among the Greeks, it is the taming for the sake of an artistic culture (and religion?), the taming that wants to prevent a full unleashing: we want to restrain the fully unleashed again.
19 [35]
The philosopher of tragic knowledge. He tames the unbridled drive for knowledge, not through a new metaphysics. He does not establish a new faith. He feels the tragically withdrawn ground of metaphysics and yet can never be satisfied with the colorful whirl of the sciences. He builds a new life: he restores art to its rights.
The philosopher of desperate knowledge will dissolve into blind science: knowledge at any cost.
For the tragic philosopher, it completes the image of existence that the metaphysical appears only anthropomorphically. He is not a skeptic.
Here a concept is to be created: for skepticism is not the goal. The drive for knowledge, having reached its limits, turns against itself in order now to proceed to the critique of knowledge. Knowledge in the service of the best life.
One must oneself want the illusion—in this lies the tragic.
19 [36]
The last philosopher—it may be entire generations. He has only to help with life. “The last,” of course, relative. For our world. He proves the necessity of illusion, of art, and of the art that dominates life. It is not possible for us to produce such a series of philosophers again, as Greece did in the time of tragedy. Their task is now fulfilled entirely alone by art. Only as art is such a system still possible. From the present standpoint, that entire period of Greek philosophy also falls within the realm of their art.
The taming of science now happens only still through art. It is about value judgments concerning knowledge and much knowledge.
Immense task and dignity of art in this task! It must recreate everything and give birth to life anew all by itself! What it can do, the Greeks show us: if we did not have them, our faith would be chimerical.
Whether a religion can build itself here, into this vacuum, depends on its strength. We have turned to culture: the “German” as a redeeming force!
In any case, the religion that could do this would have to possess an immense power of love: at this, knowledge also breaks, just as it breaks at the language of art.
But perhaps art is even capable of creating a religion for itself, of giving birth to myth? As with the Greeks.
19 [37]
The now destroyed philosophies and theologies continue to have an effect in the sciences: even if the roots are dead, there is still life in the branches for a time. The Historical is developed particularly broadly as a counterforce against the theological myth, but also against philosophy: absolute knowledge celebrates its Saturnalia here and in the mathematical natural sciences; the smallest thing that can actually be determined here is valued higher than all metaphysical ideas. The degree of certainty determines the value here, not the degree of indispensability for human beings. It is the old struggle between faith and knowledge.
These are barbaric one-sidednesses.
Now philosophy can only emphasize the relative nature of all knowledge and the anthropomorphic, as well as the universally prevailing power of illusion. It can no longer restrain the unbridled drive for knowledge: which increasingly judges by the degree of certainty and seeks ever smaller objects. While every person is content when a day has passed, later the historian digs, excavates, and combines to rescue that day from oblivion: the small shall also be eternal, because it is knowable.
For us, only the aesthetic standard applies: the great has a right to history, but not to an iconic one, rather to a productive, stimulating historical painting. We let the graves rest: but seize the eternally living.
Favorite topic of the time: the great effects of the smallest. Historical digging, for example, as a whole has something grand about it: it is like the meager vegetation that gradually wears down the Alps. We see a great drive that has small tools, but grandly many.
One could counter with: the small effects of the great! when it is represented by individuals. It is hard to grasp, often the tradition dies out, the hatred, on the other hand, is universal, its value depends on the quality, which always has few appreciators.
The great only affects the great: like the torch relay in Agamemnon, which leaps from peak to peak. It is the task of a culture to ensure that the great within a people does not appear as a hermit or an exile.
Therefore, we must speak what we feel: it is not our duty to wait until the dim reflection of what shines brightly to me reaches the valleys. For ultimately, the great effects of the smallest are merely the aftereffects of the Great; they have set an avalanche in motion. Now we struggle to stop it.
19 [38]
History and the natural sciences were necessary against the Middle Ages: knowledge against faith. We now oppose knowledge with art: return to life! Taming of the drive for knowledge! Strengthening of moral and aesthetic instincts!
This appears to us as the salvation of the German spirit, so that it may be a savior again!
The essence of this spirit has dawned upon us in music. We now understand how the Greeks made their culture dependent on music.
19 [39]
The creation of a religion would lie in the fact that someone awakens belief in his mythical edifice placed into the vacuum, i.e., that he corresponds to an extraordinary need.
It is unlikely that this will ever happen again, since the Critique of Pure Reason.
On the other hand, I can imagine a completely new kind of philosopher-artist who places a work of art into the gap, with aesthetic value.
Goodness and compassion are fortunately independent of the decay and flourishing of a religion: on the other hand, good action is very much determined by religious imperatives. The vast majority of good, dutiful actions have no ethical value, but are coerced.
The practical morality will suffer greatly with the collapse of any religion. The punishing and rewarding metaphysics seems indispensable.
If one can create the custom, the powerful custom! With that, one also has morality.
But custom is formed by the example set by individual powerful personalities.
I do not count on awakening kindness in the mass of the possessors, but one could bring them to a custom, to a duty toward tradition.
If humanity, what it has spent so far on building churches, on education and schools, if it now directs the intellect, which it has devoted to theology, toward education.
19 [40]
The freidichtende way the Greeks dealt with their gods!
We are too accustomed to the contrast between historical truth and falsehood. It is funny that the Christian myths are supposed to be historical!
19 [41]
The problem of a culture is rarely grasped correctly. Its goal is not the greatest possible happiness of a people, nor the unobstructed development of all its talents: rather, it reveals itself in the correct proportion of these developments. Its goal extends beyond earthly happiness: the creation of great works is its aim.
In all Greek drives, a restraining unity is evident: let us call it the Hellenic will. Each of these drives attempts to exist alone into the infinite. The ancient philosophers try to construct the world from them.
The culture of a people reveals itself in the unified taming of the drives of this people: philosophy tames the drive for knowledge, art the drive for form and ecstasy, etc.
Knowledge isolates: the older philosophers present in isolation what Greek art brings together.
The content of art and ancient philosophy coincide, but as philosophy we see the isolated components of art used to tame the drive for knowledge. This must also be demonstrable among the Italians: individualism in life and art.
19 [42]
The Greeks as explorers and travelers and colonizers. They know how to learn: immense power of appropriation. Our time should not believe that it stands so much higher in its thirst for knowledge: with the Greeks, everything became life! With us, it remains mere knowledge!
19 [43]
When it comes to the value of knowledge, on the other hand a beautiful delusion, if only believed in, has the same value as knowledge, one sees that life needs illusions, i.e. untruths held as truths. It needs belief in truth, but then the illusion suffices, i.e. the "truths" prove themselves through their effects, not through logical proofs, proofs of power.
The true and the effective are considered identical, one bows to power here as well. How does it happen, then, that a logical proof of truth took place at all? In the struggle between “truth” and “truth” they seek the alliance of reflection. All real striving for truth has come into the world through the struggle for a sacred conviction, through the act of fighting: otherwise, man has no interest in the logical origin.19 [44]
Purpose, to determine the teleology of the philosopher amidst culture.
We ask the Greeks, in the time when there was unity in their culture.
Important: there is also philosophy for the richest culture. For what purpose?
We ask the great philosophers. Alas, they have perished! How recklessly nature proceeds!
19 [45]
How does the philosophical genius relate to art? Little can be learned from direct behavior. We must ask: what in his philosophy is art? Artwork? What remains when his system is destroyed as science? Precisely this remaining element must be what tames the drive for knowledge, thus the artistic aspect of it. Why is such taming necessary? For scientifically speaking, it is an illusion, an untruth that deceives the drive for knowledge and only satisfies it temporarily.
The value of philosophy in this restraint does not lie in the sphere of knowledge, but in the sphere of life: the will to existence uses philosophy for the purpose of a higher form of existence.It is not possible that art and philosophy could be directed against the will: but likewise, morality is in its service. Absolute dominion of the will. One of the most delicate forms of existence is the relative nirvana.
19 [46]
It is all as determined as possible to say and every terminus, even “will,” to put aside.
19 [47]
The beauty and grandeur of a world construction (alias philosophy) now decides its value—that is, it is judged as art. Its form will probably change! The rigid mathematical formula (as in Spinoza)—which had such a calming effect on Goethe—now has a right only as an aesthetic means of expression.
19 [48]
The sentence is to be established—we live only through illusions—our consciousness skims the surface. Much is hidden from our eyes. It is also never to be feared that man will recognize himself completely, that in every moment he will comprehend all the laws of lever forces, of mechanics, all the formulas of architecture, of chemistry, which are necessary for his life. However, it is possible that everything is recognized through schema. This changes almost nothing for our life. Moreover, they are all only formulas for absolutely unknowable forces.
19 [49]
However, we live in a constant illusion due to the superficiality of our intellect: i.e., we need art in every moment to live. Our eye keeps us attached to the forms. But if it is we ourselves who have gradually cultivated this eye, then we see an artistic force at work within us. We thus see in nature itself mechanisms against absolute knowledge: the philosopher recognizes the language of nature and says: “we need art” and “We require only a part of knowledge.”
19 [50]
Every kind of culture begins with the fact that a multitude of things are veiled. The progress of mankind depends on this veiling—life in a pure and noble sphere and the exclusion of baser stimuli. The struggle against “sensuality” through virtue is essentially aesthetic in nature. When we use great individuals as our guiding stars, we veil much about them, yes, we conceal all the circumstances and coincidences that make their emergence possible, we isolate them for ourselves in order to venerate them.
Every religion contains such an element: people under divine care, as something infinitely important. Yes, all ethics begin with the fact that we consider the individual infinitely important—unlike nature, which acts cruelly and playfully. If we are better and nobler, then it is the isolating illusions that have made us so!Now, natural science opposes this with absolute natural truth: higher physiology will indeed comprehend artistic forces already in our becoming, and not only in that of humans, but of animals: it will say that with the organic, the artistic also begins.
19 [51]
| The consequences of Kantian doctrine. The end of metaphysics as a science. |
| The barbarizing influence of knowledge. |
| The taming of knowledge as the drive of art. |
| We live only through these illusions of art. |
| Every higher culture is achieved through this taming. |
| The philosophical systems of the ancient Greeks. |
| It reveals the same world that created tragedy. |
| Here we understand the unity of philosophy and art for the purpose of culture. |
| The aesthetic concept of the great and sublime: to educate towards this is the task. Culture depends on how one defines "the great". |
19 [52]
Absolute knowledge leads to pessimism: art is the remedy for it.
Philosophy is indispensable for education because it draws knowledge into an artistic world conception and thereby refines it.
19 [53]
The concern that the eternal work of humanity should not be withheld and should not perish entirely determined Schopenhauer: he knew the fate of Heraclitus, and his first edition was pulped! He had the foresight of a father: all the unpleasant traits of his character, his dealings with literati like Frauenstädt, are to be explained in this light. The desire for fame is here a provident instinct for the sake of humanity: he knew the course of the world.
One can certainly imagine a greater sublimity above humanity: but then he would not have written! He longed to continue witnessing in the beautiful!
19 [54]
The chemical transformations in inorganic nature may also be called artistic processes, mimetic roles that a force plays: but there are several! that it can play.
19 [55]
For those who only want to feel a scholarly satisfaction, I have not made it easy, because I did not count on them in the end. The citations are missing.
19 [56]
With the property of wise sayings, the age of the seven sages did not take it precisely, but very importantly, once someone annexed a saying.
19 [57]
The chronology of the Greek philosophers.
Rhythm.
Choephori.
19 [58]
The philologists of this time have proven themselves unworthy of counting me and my book among them: it hardly requires assurance that in this case too, I leave it to them whether they wish to learn something or not, but I do not feel inclined to accommodate them in any way.
What now calls itself “philology” and which I intentionally designate only neutrally may also overlook my book this time: for it is of masculine nature and is not suited for castrati. It is more fitting for them to sit at the loom of conjectures.
19 [59]
About them and their origin (in the history of the older philosophers).
Apollodorus opposes them: who established them?
19 [60]
The Emergence of Philosophical Sects in Greek Antiquity.
From the deepest transformation of the Hellenic spirit.
Beginning with the Pythagoreans, from whom Plato learns.
The Academy provides the type. They are oppositional institutions against Hellenic life.
The earlier philosophers are isolations of individual drives of the Hellenic essence.
We experience the transition of the philosophical sectarian spirit into cultural consciousness, transition of philosophy into culture. There, separation of philosophy and culture.
The superficiality of all post-Socratic ethics! The profound earlier Hellenic ethics could not be expressed in words and concepts.
19 [61]
Heraclitus in his hatred of the Dionysian element, also against Pythagoras, also against much knowledge. He is an Apollonian product and speaks oracles, whose essence one must interpret for oneself and for him. He does not feel suffering, but stupidity.
19 [62]
Great embarrassment as to whether philosophy is an art or a science.
It is an art in its purposes and in its production. But the means, the representation in concepts, it shares with science. It is a form of poetry.— It cannot be classified: therefore we must invent and characterize a species.
The naturalist's description of the philosopher. He recognizes by poetizing, and poetizes by recognizing.
It does not grow, I mean, philosophy does not follow the course of the other sciences: even if certain areas of the philosopher gradually pass into the hands of science. Heraclitus can never become outdated. It is poetry beyond the boundaries of experience, continuation of the mythical drive—also essentially in images. Mathematical representation does not belong to the essence of the philosopher.
Overcoming knowledge through myth-forming powers. Kant strange—knowledge and faith! Innermost kinship of philosophers and founders of religion!
19 [63]
Strange problem: the self-consuming of philosophical systems! Unheard of for science as well as for art! Similarly, it is with religions: that is strange and characteristic.
19 [64]
The illusion necessary for the sentient being to live.
The illusion necessary to progress in culture.
What does the insatiable drive for knowledge want?
— In any case, it is hostile to culture.
Philosophy seeks to restrain it; it is a means of culture.
The older philosophers.
19 [65]
Quite impersonal and cold to write. No “I” and “we.”
19 [66]
Our intellect is a surface force, is superficial. This is also called “subjective.” It recognizes through concepts: that is, our thinking is a categorizing, a naming. Thus, something that amounts to a human arbitrariness and does not grasp the thing itself. Only calculating and only in the forms of space does man have absolute knowledge, i.e., the ultimate limit of all knowable things are quantities, he understands no quality, but only a quantity.
What can be the purpose of such a surface force?
The term first corresponds to the image; images are primordial thinking, i.e., the surfaces of things summarized in the mirror of the eye.
The image is one thing, the calculation is another.
Images in human eyes! This dominates all human existence: from the eye outward! Subject! The ear hears the sound! A completely different, wonderful conception of the same world.
Art is based on the imprecision of seeing. Similarly, with the ear, imprecision in rhythm, pitch, etc.—art is based on this as well.
19 [67]
There is a power within us that allows us to perceive the great features of the reflection more intensely, and again a power that emphasizes the same rhythm even beyond the actual inaccuracy. This must be an artistic power. For it creates. Its main means are omission and overlooking and ignoring. Thus anti-scientific: for it does not have an equal interest in everything perceived.
The word contains only an image, from which the concept arises. Thinking therefore operates with artistic magnitudes.
All categorization is an attempt to arrive at the image.
Toward every true being, we behave superficially; we speak the language of the symbol, of the image: then we add something to it, with artistic power, by reinforcing the main features and forgetting the secondary ones.
19 [68]
Apology of Art.
Thales long gone—but a sculptor, standing by the waterfall, will still agree with him.
19 [69]
Our public state and social life amounts to a balance of egoisms: solving the question of how to achieve a tolerable existence, without any loving power, purely from the cleverness of the involved egoisms.
This era has a hatred for art, as for religion. It wants neither compensation through a reference to the hereafter, nor through a reference to the transfiguration of the art world. It considers that useless “poetry,” fun, etc. Our “poets” correspond. But art as terrible earnestness!
The new metaphysics as terrible earnestness! We want to rearrange the world for you with images so that you shudder. But that is in our hands! Plug your ears, your eyes will see our myth. Our curses will strike you!Science must now show its utility! It has become the nourisher, in the service of egoism: the state and society have taken it into their forced labor to exploit it for their purposes.
The normal state is war: we conclude peace only for certain times.
19 [70]
It is necessary for me to know how the Greeks philosophized at the time of their art. The Socratic schools sat in the midst of a sea of beauty—what trace of this do we find in them? An enormous expenditure is made for art. The Socratics either have a hostile or theoretical attitude toward it.
In contrast, in the older philosophers, a similar drive is partly at work, like the one that created tragedy.
19 [71]
The concept of the philosopher and the types.— What do they all have in common?
He is either a product of his culture or hostile to it.
He is contemplative like the visual artist, empathetic like the religious person, causal like the man of science: he seeks to let all the tones of the world resonate within himself and to express this total sound in concepts. The swelling up to the macrocosm and at the same time composed contemplation— like the actor or the dramatic poet, who transforms himself while retaining composure, projecting outward.
Dialectical thinking poured over it like a cold shower.
Remarkable Plato: Enthusiast of dialectics, i.e., that composure.
19 [72]
The Philosophers. Natural Description of the Philosopher.
The philosopher alongside the scientific man and the artist.
| Taming | of the drive for knowledge through art, of the religious drive for unity through the concept. |
Strange the juxtaposition of conception and abstraction.
Significance for culture.
Metaphysics as a vacuum.
19 [73]
The philosopher of the future? he must become the supreme court of an artistic culture, as it were the security authority against all excesses.
19 [74]
We will not, after all, categorize everything, label all general concepts as “philosophical.” Nor will we do so with everything unconscious and intuitive: even in philological conjecture, there is a process of creation that cannot be entirely resolved into conscious thought.
19 [75]
Philosophical thinking can be felt in the midst of all scientific thinking: even in conjecture. It leaps ahead on light supports: the understanding pants heavily behind, seeking better supports after the alluring magical image has appeared to it. An infinitely rapid flight through vast spaces! Is it merely greater speed? No. It is the beating of the wings of imagination, i.e., a leaping from possibility to possibility, which for the time being are taken as certainties. Here and there from possibility to a certainty and again to a possibility.—
But what is such a “possibility”? An idea, for example, “it might perhaps.” But how does the idea come about? Sometimes externally by chance: a comparison takes place, the discovery of some analogy. Now an expansion occurs. Imagination consists in quickly seeing similarities. Reflection later measures concept against concept and examines. The similarity is to be replaced by causality.
Is “scientific” thinking and “philosophical” thinking then only different in degree? Or perhaps in domains?
19 [76]
There is no separate philosophy, separate from science: thinking is the same there as here. That an unprovable philosophizing still has value, more than most scientific statements, has its basis in the aesthetic value of such philosophizing, i.e., through beauty and sublimity. It exists as an artwork, even if it cannot prove itself as a scientific structure. But isn't the same true for scientific things? —
In other words: it is not the pure drive for knowledge that decides, but the aesthetic one: the scarcely proven philosophy of Heraclitus has a greater artistic value than all the propositions of Aristotle.
The drive for knowledge is thus restrained by the imagination in the culture of a people. In doing so, the philosopher is filled with the highest pathos for truth: the value of his knowledge guarantees its truth. All fertility, and all driving force lies in these projected glances.
19 [77]
The production of fantasy can be observed in the eye. Similarity leads to the boldest development: but also completely different relationships, contrast the contrast, and incessantly. Here one sees the extraordinary productivity of the intellect. It is a life of images.
19 [78]
One must already have in thinking what one seeks, through imagination—only then can reflection judge it. It does this by measuring it against ordinary and frequently tested chains.
What is actually “logical” in thinking in images? —
The sober person needs little imagination and has little of it.
It is in any case something artistic, this generating of forms, whereupon something occurs to memory: this form brings it out and thereby strengthens it. Thinking is a bringing out.
There is much more imagery in the brain than is consumed by thinking: the intellect quickly selects similar images: the chosen ones again produce a whole abundance of images: but quickly it selects one of them again, and so on.
Conscious thinking is merely a selection of ideas. It is a long path to abstraction.
1) The force that generates the abundance of images 2) the force that selects and emphasizes the similar.
Feverish patients act this way with walls and wallpapers, only the healthy project the wallpaper along with them.
19 [79]
There is a twofold artistic power here, the image-producing and the selecting.
The dream world proves the correctness: man does not proceed here to abstraction, or: he is not guided and modified by the images that flow in through the eye.
If one looks more closely at that power, there is also no purely free artistic invention here: that would be something arbitrary, hence impossible. Rather, the finest emanations of nerve activity seen on a surface: they relate to the sound itself like Chladni’s sound figures: so these images to the nerve activity moving beneath them.
The most delicate fluttering and trembling! The artistic process is physiologically absolutely determined and necessary. All thinking appears to us on the surface as arbitrary, as within our discretion: we do not notice the infinite activity.To conceive of an artistic process without a brain is a strong anthropopathy: but the same applies to the will, morality, etc.
Desire is merely a physiological overactivity that seeks to discharge itself and exerts pressure up to the brain.
19 [80]
Result: it only depends on the degrees and quantities: all people are artistic, philosophical, scientific, etc.
Our appreciation relates to quantities, not qualities. We revere the Great. That is indeed also the Abnormal.
For the reverence of the magnificent effects of the small is only an amazement at the result and the disproportion of the smallest cause. Only by adding up very many effects and viewing them as a unity do we have the impression of greatness: i.e., we produce, through this unity, the greatness.
Humanity grows only through the reverence of the Rare Great. Even that which is accustomed to being rare and great, e.g., the Miracle, exerts this effect. Terror is humanity's best part.
19 [81]
The dreaming as the selective continuation of the eye images.
In the realm of the intellect, everything qualitative is only a quantitative. To the qualities, the concept, the word leads us.
19 [82]
Perhaps man cannot forget anything. The operation of seeing and recognizing is far too complicated for it to be possible to completely erase it again, i.e., all forms that have once been produced by the brain and nervous system, it repeats them from now on so often. The same nerve activity produces the same image again.
19 [83]
Philosophical thinking is specifically akin to scientific thinking, but relates to great things and matters. The concept of greatness, however, is a mutable one, partly aesthetic, partly moral. It is a taming of the drive for knowledge. Herein lies its cultural significance.
But when metaphysics is eliminated, then gradually other things will again appear great to humanity. I mean, philosophers will favor other domains: and hopefully those where they can beneficially influence the new culture.
It is a legislation of greatness, a “naming” associated with philosophy: “this is great,” he says, and thereby elevates mankind. It begins with the legislation of morality: “this is great,” the standpoint of the seven sages, which the Romans in good times never abandoned.
19 [84]
The actual material of all cognition consists of the most delicate sensations of pleasure and displeasure: on that surface, into which nervous activity traces forms in pleasure and pain, lies the true mystery: that which is sensation simultaneously projects forms, which in turn generate new sensations.
It is the nature of pleasure and displeasure sensations to express themselves in adequate movements: by these adequate movements again stimulating other nerves to sensation, the sensation of the image arises.
19 [85]
Wisdom and Science.
On the Philosophers.
Dedicated to the immortal Arthur Schopenhauer.
19 [86]
and. contains the choosing in itself, the taste-having: while science without such finesse throws itself at everything worth knowing.
19 [87]
Even in the case of image thinking, Darwinism is right: the stronger image consumes the weaker ones.
19 [88]
“In dear, despicable Germany!”
19 [89]
What is the philosopher? To answer from the ancient Greeks?
Thales. Mythologist and philosopher.
Anaximander. Tragic worldview. Tragedy.
Heraclitus. Illusion. The artistic in the philosopher. Art.
Pythagoras. Mysticism and philosophy. Religion.
Anaxagoras. Purposes. Spirit and matter.
Parmenides. Zeno. The logical. Logic.
Empedocles. Love hate. Justice and the morality of love. Morality.
Democritus. Number and measure, prospect of all physics. Natural philosophy.
Pythagoreans. The sectarian system.
Socrates. The philosopher and culture. Culture.
Emergence of philosophers and—the philosophers' tribunal for the culture of the future.
19 [90]
Whether thinking takes place with pleasure or displeasure is quite essential: whoever finds it a real burden is simply less suited for it and will probably not get very far: they force themselves, and in this realm, it does no good.
19 [91]
All natural science is only an attempt to understand the human, the anthropological: more correctly, to always return to the human on the most immense detours. The swelling of the human into the macrocosm, to finally say “you are in the end what you are.”
19 [92]
Sometimes the result achieved through leaps immediately proves to be true and fruitful, based on its consequences.
Is a brilliant researcher guided by a correct intuition? Yes, he simply sees possibilities without sufficient support: that he considers such things possible shows his genius. He quickly estimates what is approximately provable for him.
The misuse of knowledge in the eternal repetition of experiments and the collection of material, while the conclusion can already be drawn from a few. It is the same in philology: the completeness of the material is in many cases something useless.
19 [93]
Even the moral has no other source than the intellect, but the connecting chain of images works differently here than with the artist and thinker: it stimulates to action. Certainly, the feeling of similarity, the identification, is a necessary prerequisite. Then, memory of one's own pain. To be good would therefore mean: to very easily identify and very quickly. It is thus a transformation, similar to that of the actor.
All integrity and all law, on the other hand, come from a balance of egoisms: mutual recognition not to harm each other. Thus, from prudence.
In the form of fixed principles, it looks different again: as characterfirmness. Love and law opposites: culmination point self-sacrifice for the world.The anticipation of possible unpleasant sensations determines the action of the legal person: he knows empirically the consequences of violating the neighbor: but also of violating himself.
In contrast, Christian ethics is the opposite: it is based on identifying oneself with the neighbor, doing good to others is here a doing good to oneself, suffering with others is here equal to one's own suffering. Love is connected with a desire for unity.
19 [94]
It took only an honest word from the noble customs officer to be almost unanimously defamed in our learned rabble republic.
19 [95]
In this book, I pay no regard to the present scholars and thereby create the appearance as if I count them among the indifferent things. But if one wishes to think calmly about serious matters, one must not be disturbed by a repulsive sight. Now I turn my eyes to them with reluctance to tell them that they are not indifferent to me, but that I would wish they were.
19 [96]
It was a great mathematician with whom philosophy begins in Greece. From there comes his sense for the abstract, the unmythical. Despite an anti-mythical disposition, he is still considered the “Wise One” in Delphi:—Orphics express abstract thought in allegory.
The Greeks adopt science from the Orientals. Mathematics and astronomy are older than philosophy.
19 [97]
Man demands the truth and practices it in moral intercourse with people; all communal life is based on this. One anticipates the dire consequences of mutual lies. From this arises the duty of truth. The epic narrator is permitted to lie, because no harmful effect is apparent here.— Thus, where the lie is considered pleasant, it is allowed: the beauty and charm of the lie, provided it does no harm. Thus the priest invents myths of his gods: they justify their sublimity.
Extraordinarily difficult to revive the mythical feeling of the free lie. The great Greek philosophers still live entirely within this justification for lying.Where one can know nothing true, lying is permitted.
Every person allows themselves to be continually deceived in dreams at night.
The pursuit of truth is an infinitely slow acquisition of humanity. Our historical sense is something entirely new in the world. It would be possible for it to completely suppress art.
Speaking the truth at all costs is Socratic.
19 [98]
The Philosopher.
Reflections on the Struggle Between Art and Knowledge
19 [99]
The “scholarly ochlocracy” instead of a republic of scholars.
19 [100]
Very instructive when Heraclit compares his language with Apollo and Sibyl.
19 [101]
Our senses deceive us.
19 [102]
Truth and lies physiologically. Truth as a moral law—two sources of morality. The essence of truth judged by its effects.
The effects seduce into assuming unproven "truths."
In the struggle of such "truths" living by force, the need to find another path to them becomes apparent. Either explaining everything from there, or ascending from examples, phenomena to it.
Wonderful invention of logic.
Gradual predominance of logical forces and restriction of knowledge to the possible.
Continuous reaction of artistic forces and restriction to the knowledge worthy (judged by the effect).
19 [103]
Struggle in the Philosopher.
His universal drive compels him to bad thinking—the immense pathos of truth, generated by the far-sightedness of his standpoint, compels him to communication, and this in turn to logic.
On the one hand, an optimistic metaphysics of logic arises—gradually poisoning and deceiving everything. Logic, as sole ruler, leads to lies: for it is not the sole ruler.
The other sense of truth stems from love, proof of strength.
The utterance of the blissful truth out of love: refers to insights of the individual that he need not communicate, but whose overflowing bliss compels him.
19 [104]
To be entirely truthful—glorious heroic delight of man, in a mendacious nature! But only very relatively possible! That is tragic. That is the tragic problem of Kant! Now art acquires a completely new dignity. The sciences, on the other hand, are degraded by one degree.
19 [105]
Truthfulness of art: it alone is honest now.
Thus, we, by an enormous detour, return to the natural behavior (among the Greeks). It has proven impossible to build a culture on knowledge.
19 [106]
Fighting for one truth and fighting for the truth are two entirely different things.
19 [107]
The unconscious conclusions arouse my concern: it will probably be that transition from image to image: the last image achieved then acts as stimulus and motive.
Unconscious thinking must take place without concepts: thus in intuitions.
But this is the reasoning process of the contemplative philosopher and the artist. He does the same thing that everyone does in physiological personal drives, transferred to an impersonal world.
This image-thinking is not strictly logical in nature from the outset, but still more or less logical. The philosopher then strives to replace image-thinking with conceptual thinking. The instincts also seem to be such image-thinking, which ultimately becomes stimulus and motive.
19 [108]
How strong the ethical power of the Stoics was is shown by the fact that they break their principle in favor of free will.
19 [109]
On the theory of morality: in politics, the statesman often anticipates the actions of his opponent and acts first: “if I do not act, he will.” A kind of self-defense as a political principle. The standpoint of war.
19 [110]
The ancient Greeks without normative theology: everyone has the right to compose poetry about it and can believe what they want.
The enormous mass of philosophical thought among the Greeks (continued as theology through all centuries).
The great logical forces are evident, for example, in the ordering of the cult spheres of individual cities.
19 [111]
The Orphics unplastic in their fantasies, border on allegory.
Logical
19 [112]
The gods of the Stoics concern themselves only with the Great, neglecting the small and individual.
19 [113]
Schopenhauer denies the effectiveness of moral philosophy on moralities: just as the artist does not create according to concepts. Remarkable! It is true, every person is already an intelligible being (conditioned by countless generations?). But the stronger stimulation of certain sensory perceptions through concepts does have a strengthening effect on these moral forces. Nothing new is formed, but the creative energy is concentrated in one direction. For example, the categorical imperative has greatly reinforced the feeling of selfless virtue.
We also see here that the individual outstanding moral person exerts a magic of imitation. The philosopher should spread this magic. What is law for the highest examples must gradually come to be regarded as law in general: even if only as a boundary for others.
19 [114]
The Stoics have misinterpreted and misunderstood Heraclitus in a shallow way. The Epicureans also introduced softness into the strict principles of Democritus (possibilities).
The highest lawfulness of the world, but still no optimism in Heraclitus.
19 [115]
The process of all religion and philosophy and science in relation to the world: it begins with the crudest anthropomorphisms and never ceases to refine itself.
The individual human being even regards the solar system as serving him or connected with him.
The Greeks dissolved all of nature into Greeks in their mythology. They saw nature, as it were, only as a masquerade and disguise of human gods. In this, they were the counterpart of all realists. The opposition between truth and appearance was deeply rooted in them. Metamorphoses are the specific.
This was expressed by Thales in his statement: that everything is water.
19 [116]
Does intuition refer to generic concepts or to completed types? But the generic concept always falls far short of a good specimen, the perfection type goes beyond reality.
| Ethical Anthropomorphisms: | Anaximander: Judgment. Heraclitus: Law. Empedocles: Love and Hate. | |
| Logical Anthropomorphisms: | Parmenides: only Being. Anaxagoras:. Pythagoras: everything Number. |
19 [117]
World history is shortest when measured by significant philosophical insights and the periods hostile to them are set aside. We see there an activity and creative power, as nowhere else, among the Greeks: they fill the greatest span of time, they have truly produced all types.
They are the discoverers of logic.
Has not language already betrayed man's capacity to produce logic?
Certainly, it is the most admirable logical operation and distinction. But it did not come about all at once, but is the logical result of endlessly long periods of time. Here one should think of the origin of instincts: they develop very gradually.
The mental activity of millennia deposited in language.
19 [118]
Man only gradually realizes how infinitely complicated the world is. At first, he imagines it to be very simple, i.e., as superficial as he himself is.
He starts from himself, from the very latest result of nature, and imagines the forces, the primordial forces, as being what enters his consciousness.
He assumes the effects of the most complicated mechanisms, the brain, to have been of the same kind since the beginning of time.
Because this complicated mechanism produces something intelligible in a short time, it assumes the existence of the world to be very young: it could not have cost the Creator so much time, it thinks.Thus, he believes that with the word “instinct” he has somehow explained something, and he even transfers unconscious purposeful actions to the primordial becoming of things.
Time, space, and the sensation of causality seem to be given with the first sensation.
Man knows the world to the extent that he knows himself: that is, its depth is revealed to him to the extent that he is amazed by himself and his complexity.
19 [119]
It must certainly be possible to show that everything existing and being was at some point not and will therefore also at some point not be. The becoming of Heraclitus.
19 [120]
The moral, artistic, and religious needs of man to lay at the foundation of the world is as rational as the mechanical: i.e., we know neither the impulse nor the gravity.(?)
19 [121]
We do not know the true nature of a single causality.
Absolute skepticism: Necessity of art and illusion.
19 [122]
Perhaps to explain gravity from the moving aether, which rotates around an enormous star with the entire solar system.
19 [123]
To prove is neither the metaphysical, nor the ethical, nor the aesthetic meaning of existence.
19 [124]
The order in the world, the most laborious and slowest result of terrible evolutions understood as the essence of the world—Heraclitus!
19 [125]
It is to be proven that all world constructions are anthropomorphisms: yes, all sciences, if Kant is right. Of course, there is a circular conclusion here—if the sciences are right, we do not stand on Kant’s foundation: if Kant is right, the sciences are wrong.
Against Kant, it must still be objected that, even if all his propositions are granted, the full possibility remains that the world is as it appears to us.
Personally, this entire position is unusable, by the way. No one can live in this skepticism.We must move beyond this skepticism, we must forget it! How much must we not forget in this world! Art, the ideal form, the temperature.
Not in knowing, but in creating lies our salvation! In the highest radiance, in the noblest surge lies our greatness. If the universe means nothing to us, then we want the right to despise it.
19 [126]
Terrible loneliness of the last philosopher! Nature stares at him, vultures hover over him. And so he calls into nature: Give oblivion! Oblivion!— No, he endures the suffering as a Titan—until reconciliation is offered to him in the highest tragic art.
19 [127]
To consider the "spirit," the product of the brain, as supernatural! to deify it, what madness!
19 [128]
Among millions of corrupting worlds, once a possible one! It too corrupts! It was not the first!
19 [129]
| Pre-Platonic philosophers. | Poetics. |
| Plato. | Rhythmics. |
| Socratic schools. | Rhetoric. |
19 [130]
| Choephoren. | Latin Grammar. |
| Erga. | Greek Grammar. |
| Lyriker. | Rhetoric. |
| Theognis. |
19 [131]
Oedipus.
Speeches
of the last philosopher
with himself.
A fragment
from the history of posterity.
The last philosopher I call myself, for I am the last human. No one speaks to me but myself, and my voice comes to me like that of a dying man. With you, beloved voice, with you, the last breath of all human happiness, let me converse for just one more hour; through you, I deceive myself out of loneliness and lie myself into multiplicity and love, for my heart rebels against believing that love is dead, it cannot endure the horror of the loneliest solitude and compels me to speak as if I were two.
Do I still hear you, my voice? You whisper by cursing? And yet your curse should have torn the entrails of this world apart! But it still lives and looks at me only more brightly and coldly with its pitiless stars, it lives, as dumb and blind as ever before, and only one thing dies—the human.—And yet! I still hear you, beloved voice! One more dies besides me, the last human, in this universe: the last sigh, your sigh, dies with me, the drawn-out woe! Woe! sighed for me, the last of woeful men, Oedipus.
19 [132]
The terrible consequence of Darwinism, which I consider to be true, by the way. All our veneration relates to qualities that we consider eternal: moral, artistic, religious, etc.
With instincts, one does not get a step further in explaining purposefulness. For these very instincts are already the product of endlessly long continued processes.
The will does not objectify itself adequately, as Schopenhauer says: so it seems when one starts from the most perfect forms.
Even this will is a highly complicated ultimate in nature. Nerves presupposed.
And even gravity: is not a simple phenomenon, but rather the effect of a solar system movement, of ether, etc.
And the mechanical impact is also something complicated.
The world ether as primordial substance.
19 [133]
All cognition is a reflection in very specific forms that do not exist from the outset. Nature knows no form, no size, but only for a cognizing being do things appear so large and so small. The infinite in nature: it has no boundary, nowhere. Only for us does the finite exist. Time divisible into the infinite.
19 [134]
From Thales to Socrates—all projections of man onto nature—immense shadow plays of man upon nature, as on mountains!
Socrates and Plato. Knowledge and Good universal. The Beautiful in the beginning. Ideas of the artist.
| Pythagoreans | the number. | ||||
| Democritus | the matter. | ||||
| Pythagoras | man not a product of the past, but recurrence. Unity of all living things. | ||||
| Empedocles | Animal and plant world morally understood, the universal sexual drive and hatred. "Will" universal. | ||||
| Anaxagoras | Spirit as primordial. | ||||
| Eleatics | |||||
| Heraclitus | the formative power of the artist as primordial. | ||||
| Anaximander | Universal judgment and punishment. | ||||
| Thales. |
Previously the gods and nature. Religions are only more unveiled expressions. Astrology. Man as purpose. “World history.”
Kant’s thing-in-itself as a category.
The philosopher is the continuation of the drive, with which we constantly, through anthropomorphic illusions, interact with nature. The eye. Time.
19 [135]
The philosopher caught in the nets of language.
19 [136]
I want to depict and empathize with the immense development of the one philosopher who seeks knowledge, the philosopher of humanity.
Most are so guided by instinct that they do not even notice what is happening. I want to say and make it noticed what is happening.
The one philosopher is here identical with all scientific endeavor. For all sciences rest only on the general foundation of the philosopher.
To demonstrate the immense unity in all knowledge drives: the broken scholar.
19 [137]
Tasks:
The so-called abstractions.
Shapes as surfaces.
19 [138]
Apology of Art.
Introduction.
White lie and the veracite du dieu of Descartes.
Plato against art.
1. Language and concept.
2. Forms as surfaces.
3. Pathos of truth.
4.
19 [139]
The infinity is the primordial fact: it would only be necessary to explain whence the finite originates. But the perspective of the finite is purely sensual, i.e., an illusion.
How can one dare to speak of a purpose of the Earth!
In infinite time and infinite space, there are no goals: what is there, is eternally there in some form or other. What kind of metaphysical world there is supposed to be is utterly inconceivable.
Without any such reliance, humanity must be able to stand—a tremendous task for artists!
19 [140]
Time in itself is nonsense: there is time only for a sentient being. The same applies to space.
All form belongs to the subject. It is the grasping of surfaces through mirrors. We must subtract all qualities.
We cannot conceive of things as they are, because we would not be allowed to think them at all.
Everything remains as it is: i.e., all qualities reveal an undefinable absolute state of affairs.— The relationship is somewhat like that of Chladni's sound figures to vibrations.
19 [141]
All knowledge arises through separation, demarcation, limitation; no absolute knowledge of a whole!
19 [142]
Pleasure and displeasure as universal sensations? I don't think so.
But where do the artistic forces appear? Certainly in the crystal. The formation of the Gestalt: but isn't an observing being presupposed there?
19 [143]
Music as a supplement to language: many stimuli, and entire states of stimulation, which language cannot represent, are rendered by music.
19 [144]
There is no form in nature, for there is no inside and no outside.
All art is based on the mirror of the eye.
19 [145]
Human sensory cognition is certainly directed towards beauty, it transfigures the world. Why do we chase after another? What do we want beyond our senses? Restless cognition leads into the desolate and ugly.— Contentment with the artistically perceived world!
19 [146]
As soon as one wants to recognize the thing in itself, it is precisely this world—recognition is only possible as a reflection and measuring oneself against a measure (sensation).
We know what the world is: absolute and unconditional knowledge is the desire to recognize without knowledge.
19 [147]
The so-called unconscious conclusions can be traced back to the all-retaining memory, which presents experiences of a parallel kind and thus already knows the consequences of an action. It is not anticipation of the effect, but the feeling: like causes like effects, produced by a memory image.
19 [148]
All too easily we confuse Kant's thing-in-itself and the true essence of things of the Buddhists: i.e., reality shows either complete illusion or an appearance entirely adequate to truth.
Illusion as non-being and the appearance of being are confused with one another.
Into the vacuum step all manner of superstitions.
19 [149]
The course of philosophy: first, humans are thought of as the originators of all things—gradually, things are explained by analogy to individual human qualities—finally, one arrives at sensation. Great question: is sensation an original fact of all matter?
Attraction and repulsion?
19 [150]
The historical drive for knowledge—its goal to comprehend man in the process of becoming, here too to eliminate the miracle.
This drive deprives the cultural drive of its greatest strength: knowledge is purely luxurious, thereby the present culture is not elevated in the least.
19 [151]
To view philosophy as astrology: namely, to link the fate of the world with that of humanity: i.e., to regard the highest evolution of humanity as the highest evolution of the world. From this philosophical drive, all sciences receive their nourishment. Humanity first destroys religions, then science.
19 [152]
The sense of beauty connected with procreation.
19 [153]
Even Kant's theory of knowledge was immediately used by man to glorify man: the world has reality only in him. It is tossed back and forth like a ball in his heads. In truth, it only means: imagine that a work of art exists and a stupid man to look at it. Of course, it exists as a brain phenomenon for that fool, only insofar as he himself is still an artist and brings the forms with him.
He could boldly claim: apart from my brain, there is no reality at all.The forms of the intellect have emerged from matter, very gradually. It is inherently probable that they are strictly adequate to the truth. Where could such an apparatus that invents something new have come from!
The main ability seems to me to be to perceive Gestalt, i.e., based on the mirror. Space and time are only measured things, measured by a rhythm.
19 [154]
You should not flee into metaphysics, but should actively sacrifice yourselves to the emerging culture! That is why I am strict against dream idealism.
19 [155]
Everything, recognizing is a measuring by a standard. Without a standard, i.e., without any limitation, there is no recognizing. So it is in the realm of intellectual forms just as when I ask about the value of recognizing in general: I must take some position that is higher or at least fixed to serve as a standard.
19 [156]
If we trace the entire intellectual world back to stimulus and sensation, this most meager perception explains the least.
The statement: there is no knowledge without a knower or no subject without object and no object without subject, is entirely true, but the utmost triviality.
We can say nothing about the thing-in-itself because we have pulled the standpoint of the knower, i.e., the measurer, out from under our feet. A quality exists for us, i.e., measured against us. Remove the measure—what then is quality!
What things are can only be proven by a measuring subject placed alongside them. Their properties in themselves do not concern us, but only insofar as they affect us.
Now the question is: how did such a measuring being arise?
The plant is also a measuring being.
19 [157]
The enormous consensus among people about things proves the complete uniformity of their perceptual apparatus.
19 [158]
For the plant, the world is like this and like that—for us, like this and like that. If we compare the two perceptual powers, our conception of the world appears to us as more correct, i.e., corresponding more to the truth. Now, humans have evolved slowly, and knowledge is still evolving: thus, the image of the world becomes ever truer and more complete. Of course, it is only a reflection, an ever clearer one. The mirror itself, however, is not something entirely foreign and alien to the nature of things, but has itself slowly emerged as part of the nature of things. We see an effort to make the mirror ever more adequate: science continues the natural process.— Thus, things are reflected ever more purely: gradual liberation from the overly anthropomorphic. For the plant, the entire world is plant, for us, human.
19 [159]
The impact, the effect of one atom on the other, likewise presupposes sensation. Something inherently foreign cannot act upon another.
Not the awakening of sensation, but that of consciousness in the world, is the difficult part. Yet still explicable if everything has sensation.
If everything has sensation, then we have a jumble of smallest, larger, and largest centers of sensation. These complexes of sensation, larger or smaller, would be termed “will.”
We struggle to free ourselves from the qualities.
19 [160]
To speak of an unconscious goal of humanity I consider wrong. It is not a whole like an anthill. Perhaps one can speak of the unconscious goal of a city, of a people: but what does it mean to speak of the unconscious goal of all anthills on earth!
19 [161]
Sensation, reflex movements, very frequent and lightning-fast, gradually becoming entirely ingrained, produce the concluding operation, i.e., the feeling of causality. Space and time depend on the sensation of causality.
Memory preserves the reflex movements that have been made.
Consciousness begins with the sensation of causality, i.e., memory is older than consciousness. For example, in the mimosa, we have memory but no consciousness. Memory, of course, without image in the plant.
But memory must then belong to the essence of sensation, thus an original property of things. Then also the reflex movement.
The inviolability of natural laws means: sensation and memory are inherent in the essence of things. That a substance, upon contact with another, decides in a particular way is a matter of memory and sensation. At some point, it learned this, i.e., the activities of substances are become laws. But then the decision must be determined by pleasure and displeasure.
If, however, pleasure, displeasure, sensation, memory, and reflex movement belong to the essence of matter, then human cognition reaches much deeper into’the essence of things.
The entire logic in nature then dissolves into a pleasure- and displeasure system. Everything strives for pleasure and flees displeasure—these are the eternal laws of nature.
19 [162]
Memory has nothing to do with nerves, with the brain. It is a primordial property. For man carries the memory of all previous generations with him.
The memoryimage is something very artificial and rare.
19 [163]
There can be no more talk of an infallible memory than of absolutely purposeful action of the laws of nature.
19 [164]
Is it an unconscious conclusion? Does matter conclude? It feels and fights for its individual being. The “will” first shows itself in change, i.e., there is a
kind of free will, which modifies the essence of a thing, out of pleasure and the flight from displeasure.— Matter has a number of qualities that are protean in nature, which it emphasizes, strengthens, and employs for the whole depending on the attack.
The qualities seem to be only certain modified activities of matter. Appearing according to the proportions of measure and number.
19 [165]
We know only one reality—the one of thoughts. As if that were the essence of things!
If memory and sensation were the material of things!
19 [166]
The thought gives us the concept of a completely new form of reality: it is composed of sensation and memory.
19 [167]
Humanity in the world could truly understand itself as one from a dream, which is itself being dreamed.
19 [168]
The philosopher among the Greeks continues, in bright illumination and visibility, the activity through which the Greeks attained their culture.
19 [169]
1. None.
2. The different types.
19 [170]
The philosophers are the noblest class of the great minds. They have no audience, they need fame. To share their highest joys, they need proof: in this they are more unfortunate than the artists.
19 [171]
We see in present-day Germany that the flourishing of the sciences is possible in a barbarized culture; likewise, utility has nothing to do with the sciences (although it may seem so, given the preference for chemical and natural science institutions, and pure chemists can even become famous as "capacities").
It has its own life ether. A declining culture (like the Alexandrian) and an unculture (like ours) do not make it impossible.
Cognition may well be a substitute for culture.
19 [172]
It is probably only the isolation of cognition through the separation of the sciences that cognition and culture can remain strangers to each other. In the philosopher, cognition reconnects with culture.
He encompasses knowledge and stimulates the question of the value of cognition. That is a cultural problem: cognition and life.
19 [173]
Are the eclipses e.g. in the Middle Ages really periods of health, perhaps sleeping times for the intellectual genius of mankind?
Or: are the eclipses also results of higher purposes? If books have their fata, then the decline of a book is probably also a fatum, with some purpose.
The purposes bring us into confusion.
19 [174]
In the philosopher, activities continue through metaphor. The striving for uniform mastery. Every thing strives into the immeasurable; the individual character in nature is rarely fixed but always reaching further. Whether slow or fast is a highly human question. When one looks toward the side of the infinitely small, every development is always an infinitely fast one.
19 [175]
What does truth do to people!
It is the highest and purest life possible, to have the truth in faith. Faith in the truth is necessary for people.
Truth appears as a social necessity: through a metastasis it is later applied to everything where it is not necessary.
All virtues arise from necessities. With society begins the need for truthfulness. Otherwise, people live in eternal disguises. The founding of states arouses truthfulness. —
The drive for knowledge has a moral source.
19 [176]
How much the world is worth must also be revealed by its smallest fragment—look at man, then you will know what to make of the world.
19 [177]
The necessity produces, in cases, the truthfulness, as a means of existence of a society.
Through frequent practice, the drive strengthens and is now, unjustifiably, transferred by metastasis. It becomes a tendency in itself. From a practice for specific cases, it becomes a quality.— Now we have the drive for knowledge.
This generalization occurs through the intervening concept. With a false judgment, this quality begins—being true means always being true.
This creates the inclination not to live in lies: elimination of all illusions.But he is driven from one net into another.
The good person now also wants to be true and believes in the truth of all things. Not only of society, but of the world. Thus also in its fathomability. For why should the world deceive him?
So he transfers his inclination onto the world and believes that the world must also be true to him.
19 [178]
I do not ask about the purpose of cognition: it is accidental, i.e., it did not arise with a rational purpose in mind. As an extension or a hardening and solidifying of a way of thinking and acting necessary in certain cases.
By nature, man is not meant for cognition.
Two properties necessary for different purposes—the truthfulness—and the metaphor—have generated the inclination toward truth. Thus, a moral phenomenon, aesthetically generalized, produces the intellectual
drive.
Instinct here is merely habit, often concluding in this way and from this a duty to always conclude in this way.
19 [179]
Nature has cradled man in nothing but illusions.— That is his true element. He sees forms, feels charms instead of truths. He dreams, he imagines god-men as nature.
Man has accidentally become a knowing being, through the unintentional pairing of two qualities. Someday he will cease to exist and nothing will have happened.
They have not been around for a long time and when they themselves have ceased to exist, nothing will have occurred.
You are without further mission and without purpose.Man is a highly pathetic animal and takes all his qualities as seriously as if the hinges of the world turned on them.
The similar reminds of the similar and compares itself with it: that is cognition, the quick subsumption of the like. Only the similar perceives the similar: a physiological process. The same that is memory is also perception of the new. Not thought upon thought
19 [180]
On the Lie.
| Heraclitus. Belief in the eternity of truth. |
| Downfall of his work—once downfall of all knowledge. And what is truth in Heraclitus! |
| Presentation of his doctrine as anthropomorphism. Likewise Anaximander. Anaxagoras. |
| Relation of Heraclitus to the Greek national character. It is the Hellenic cosmos. |
| Origin of the pathos of truth. Accidental emergence of cognition. |
| The deceit and illusion in which man lives. |
| The foundations of all great and living things rest on illusion. The pathos of truth leads to ruin. (There lies the "Great.") Above all, to the ruin of culture. |
| Empedocles and the sacrifices. Eleatics. Plato needs the lie for the state. |
| Separation from culture through sectarianism among the Greeks. |
| We, conversely, return sect-like to culture, we seek to push back the immeasurable knowing into the philosopher and to convince him again of the anthropomorphic nature of all knowledge. |
19 [181]
Objective value of knowledge—it does not make one better. It has no ultimate world goals. Its emergence is accidental. Value of truthfulness.—Yet it does make one better! Its goal is destruction. It sacrifices. Our art is an image of desperate knowledge.
19 [182]
Humanity has in knowledge a beautiful means to destruction.
19 [182]
The humanity has in the knowledge a beautiful means to the downfall.
19 [183]
That man has become thus and not otherwise is certainly his own doing: that he is so immersed in illusion (dream) and dependent on the surface (eye) is his essence. Is it surprising if even the drives for truth ultimately revert to his fundamental nature? —
19 [184]
We feel great when we hear of a man whose life depended on a lie and yet did not lie—even more so when a statesman, out of truthfulness, destroys an empire.
19 [185]
Our habits become virtues through a free transfer into the realm of duty, i.e., by incorporating inviolability into the concept; i.e., our habits become virtues by considering our own well-being as less important than their inviolability—thus through a sacrifice of the individual or at least through the looming possibility of such a sacrifice.— Where the individual begins to hold itself in low esteem, the realm of virtues and the arts begins—our metaphysical world. Particularly pure would be duty if in the nature of things nothing corresponded to the moral.
19 [186]
It is not that thought acts upon memory, but rather that thought undergoes countless subtle metamorphoses, i.e., to the thought corresponds a thing-in-itself, which then grasps the analogous thing-in-itself in memory.
19 [187]
The individuals are the bridges on which becoming is based. All qualities are originally only unique actions, then, in similar cases, repeated more often, finally habits. In every action, the entire being of the individual participates, and a habit corresponds to a specific transformation of the individual. In an individual, down to the smallest cell, everything is individual, i.e., participates in all experiences and pasts. Hence the possibility of procreation.
19 [188]
History of Greek Philosophy up to
Plato according to the main points
narrated
by
F. N.
19 [189]
| Introduction. |
| 1. Thales Anaximander Heraclitus Parmenides Anax Empedocles Democritus Pyth Socrates. |
| Chapter 1. |
| Chapter 2. |
19 [190]
History of Greek Philosophy.
| Introduction. |
| 1. | Thales. | ||||
| 2. | Anaximander. | ||||
| 3. | Heraclitus. | ||||
| 4. | Parmenides. | ||||
| 5. | Anax. | ||||
| 6. | Empedocles. | ||||
| 7. | Democritus. | ||||
| 8. | Pythag. | ||||
| 9. | Socrates. |
| Addendum. |
19 [190]
History of Greek Philosophy.
| Introduction. |
| 1. | Thales. | ||||
| 2. | Anaximander. | ||||
| 3. | Heraclitus. | ||||
| 4. | Parmenides. | ||||
| 5. | Anax. | ||||
| 6. | Empedocles. | ||||
| 7. | Democritus. | ||||
| 8. | Pythag. | ||||
| 9. | Socrates. |
| Addendum. |
19 [191]
| Introduction on Truth and Lies. |
| 1. | The Pathos of Truth. | ||||
| 2. | The Genesis of Truth. | ||||
| 3. |
19 [192]
The political sense of the older Greek philosophers, just as much to demonstrate as their power for metaphor.
19 [193]
Just as our theatrical disposition only proves itself in the lowest forms, so does our sociability on the beer bench.
19 [194]
Humanity propagates itself through the impossible, these are its virtues—the categorical imperative, like the demand “love one another, little children,” are such demands of impossibility.
Thus, pure logic is the impossible by which science sustains itself.
19 [195]
The philosopher is the rarest among the great, because knowledge came to man only incidentally, not as an original talent. Therefore, he is also the highest type of the great.
19 [196]
We should learn as the Greeks learned from their pasts and neighbors—for life, that is, with the greatest selection and immediately using everything learned as a support on which to swing oneself up—and higher than all neighbors. So not in a scholarly manner! What is not useful for life is not true history. Of course, it depends on how high or how common you take this life to be. Whoever makes Roman history come alive through disgusting references to wretched modern party positions and their ephemeral education sins even more against the past than the mere scholar who leaves everything dead and mummified. (Such a historian, often mentioned in this time, is Mommsen.)
19 [197]
The behavior of Socrates during the trial of the generals is very remarkable because it, in political matters, shows his truthfulness.
19 [198]
Our natural science is heading towards downfall, in the goal of knowledge.
Our historical education towards the death of every culture. It fights against religions—by the way, it destroys cultures.
It is an unnatural reaction against terrible religious pressure—now fleeing into the extreme. Without any measure.
19 [199]
The Germans are not worthy of true works of art: for some political goose, a kind of Gervinus, immediately sits on them with presumptuous brooding busyness, as if these eggs had been laid just for her. The bird Phoenix should beware of laying its golden eggs in Germany.
19 [200]
The abominable German culture, which now even lets the trumpet blasts of war glory resound around itself.
Such poor teachers as can only emerge from our famous philological schools.
19 [201]
Even a Bible critic as honorable as David Strauss begins to talk like a cook from the chemical kitchen when the Hegelian haze has gradually dissipated from him. The famously "educated" Germans know how to engage with natural sciences only as runaway candidates of theology, and they only listen where the "miracle" appears to be thoroughly discredited.
Now one even learns to be heartily glad of his narrow philistinism—the philistine has lost his innocence (Riehl).
The Philistine and the windy "educated man" of our newspaper atmosphere shake hands fraternally, and under the same jubilation, the Bonn after-philosopher Jürgen Bona-Meyer destroys pessimism, while Riehl, Jahn, or Strauss annihilate the Ninth Symphony.How such a bookseller's contraption, a Freitag novel, appears is now felt by far too few: our faded gentlemen of the literary trade become grotesquely gigantic and speak like the three mighty ones together—or they delight in soft nymphs in the manner of the painter Schwind.
If you are not great, then beware of the great.
19 [202]
Of any providence for good books I can feel nothing: the bad ones have almost more prospects of being preserved. It looks like a miracle that Aeschylus, Sophocles, and Pindar were copied again and again, and apparently it is the most accidental event that we possess an ancient literature at all.
19 [203]
If Schopenhauer could experience, in our Saeculum, that the first edition of his work was pulped as waste paper and that it is essentially due to the busyness of insignificant, indeed questionable literati that his name gradually emerged from deep obscurity
19 [204]
The abstractions are metonymies, i.e., exchanges of cause and effect. But now every concept is a metonymy, and recognition takes place in concepts. “Truth” becomes a power once we have detached it as an abstraction.
19 [205]
A negative morality highly magnificent, because wonderfully impossible. What does it mean when man, in open consciousness, says No! while all his senses and nerves say Yes! and every fiber, every cell opposes.
19 [206]
When I speak of the terrible possibility that knowledge drives to ruin, I am least inclined to pay a compliment to the present living generation: it has nothing of such tendencies in itself. But if one looks at the course of science since the 15th century, such a power and possibility is indeed revealed.
19 [207]
The person who does not believe in the truthfulness of nature, but sees metamorphoses, disguises, masquerades everywhere, perceives gods in bulls, wise explorers of nature in horses, nymphs in trees—now, when they impose the law of truthfulness upon themselves, they also believe in the truthfulness of nature toward them.
19 [208]
To omit all "us" and "we" and "I". Also to limit sentences with "that". To avoid every artificial word, as far as possible.
19 [209]
The human being has learned more and more to adapt things and to recognize them. Through more perfect knowledge, they have not moved further away from things; rather, the human being stands closer to the truth in this regard than the plant.
A perceived stimulus and a glance at a movement, combined, yield causality first as an empirical proposition: two things, namely a particular sensation and a particular visual image, always appear together: that one is the cause of the other is a metaphor, borrowed from will and deed: an analogical conclusion.
The only causality of which we are conscious is between willing and doing—we transfer this to all things and interpret the relationship between two changes that are always found together. Intention or willing yields the nouns, doing yields the verbs.
The animal as willing—that is its essence.From quality and deed: a property of ours leads to action: whereas in truth it is such that from actions we infer properties: we assume properties because we see actions of a certain kind.
Thus: the first is the action, which we associate with a property.
First the word for the action arises, then the word for the quality. This relationship, transferred to all things, is causality.
First “seeing,” then “sight.” The “seer” is regarded as the cause of “seeing.” Between the sense and its function, we perceive a regular relationship: causality is the transfer of this relationship (from sense to sensory function) to all things.
A primordial phenomenon is: to relate the stimulus perceived in the eye to the eye, that is, to relate a sensory excitation to the sense. In itself, only a stimulus is given: to perceive this as an action of the eye and to call it seeing is a causal inference. To perceive a stimulus as an activity, to perceive something passive as active is the first causal sensation, i.e., the first sensation already produces this causal sensation. The inner connection between stimulus and activity transferred to all things. Such a word "see" is a word for that interweaving of stimulus and activity. The eye is active toward a stimulus: i.e., sees. Through our sensory functions, we interpret the world to ourselves: i.e., we assume causality everywhere because we ourselves continually experience such changes.
19 [210]
Time, space, and causality are merely metaphors of cognition with which we interpret things. Stimulus and activity connected: how this is, we do not know; we understand no single causality, but we have immediate experience of them. Every suffering evokes an action, every action a suffering—this is the most general feeling, already a metaphor. The perceived multiplicity already presupposes time and space, one after the other and side by side. The side-by-side in time produces the sensation of space.
Sensation of time given with the feeling of cause and effect, as an answer to the question about the degree of speed in different causalities.
Sensation of space only to be derived from the sensation of time through metaphor—or vice versa?
Two causalities localized side by side—
19 [211]
I am making an attempt to benefit those who are worthy of being introduced early and earnestly to the study of philosophy. Whether this attempt has succeeded or not, I know full well that it can be surpassed, and I wish for nothing more than to be imitated and surpassed for the sake of that philosophy.
For good reasons, it is advisable not to entrust oneself to the guidance of arbitrary academic professional philosophers, but rather to read Plato.
Above all, they should unlearn all sorts of nonsense and become simple and natural.
Danger of falling into the wrong hands.
19 [212]
| Introduction. Types of heads and teachings necessary for the introduction. They must be simple and easier to oversee. |
| What philosophy is must become clear, especially the task of philosophy within a culture. |
| That it is the Greeks, in the age of tragedy, who philosophize. |
| The meaning of history: a metamorphosis of plants. Example. |
| (Ideal and “iconic” history—the latter impossible |
| Through filtration by the ordinary mind. Schopenhauer, I, XXVI. |
| Aversion to compilations. |
| Exemplary Schopenhauer’s questions on philosophy and critique of Kant. Schopenhauer, I 290. |
19 [213]
In the manner of the ancient historians.
2. Justify the Greeks.
3. Thales.
19 [214]
The Philosophy
in
the Tragic Age of the Greeks.
Concise Report
on the Ancient Philosophical
Masters of the Greeks.
19 [215]
The only way to conquer multiplicity is for us to create genera, e.g., boldly naming a whole set of actions. We explain them to ourselves when we categorize them under the heading “bold.” All explaining and knowing is essentially just categorizing.— Now with a bold sweep: the multiplicity of things is brought under one roof when we regard them, as it were, as countless actions of one quality, e.g., as actions of water, as with Thales. Here we have a transference: an abstraction encompasses countless actions and is taken as the cause.
What is the abstraction (property) that unites the multiplicity of all things? The quality “watery,” “moist.” The whole world is moist, so moistness is the whole world. Metonymy! A false conclusion. A predicate is confused with a sum of predicates (definition).The logical thinking little practiced among the Ionians, develops very slowly. The false conclusions we will rather grasp as metonymies, i.e., rhetorically poetically.
All rhetorical figures (i.e., the essence of language) are logical fallacies. With this, reason begins!
19 [216]
We see how first of all philosophizing continues, just as language originated, i.e., illogically.
Now the pathos of truth and truthfulness is added. This initially has nothing to do with the logical. It only means that no conscious deception is committed. Those deceptions in language and in philosophy are first unconscious and very difficult to bring to consciousness.
But through the coexistence of various philosophies (or religious systems) set up with equal pathos, a strange struggle arose. In the coexistence of hostile religions, each helped itself by declaring the other untrue: the same happened with the systems.This led some to skepticism: the truth lies in the well! they sighed.
With Socrates, truthfulness comes into the possession of logic: it notices the infinite difficulty of correct categorization.
19 [217]
Tropes are what our sensory perceptions are based on, not unconscious conclusions. Identifying the similar with the similar—discovering some similarity in one thing and another—is the primordial process. Memory thrives on this activity and continually practices it. Confusion is the primordial phenomenon.—This presupposes gestalt perception. The image in the eye is decisive for our cognition, then the rhythm of our hearing. From the eye, we would never arrive at the concept of time; from the ear, never at the concept of space. The sense of touch corresponds to the sensation of causality.
From the very beginning, we see the images in the eye only within us, we hear the sound only within us—from there to the assumption of an external world is a long step. The plant, for example, does not perceive an external world. The sense of touch, and at the same time the visual image, provide two sensations side by side empirically; these, because they always appear together, evoke the idea of a connection (through metaphor—for not everything that appears together is connected).
Abstraction is a highly important product. It is a lasting impression, firmly held in memory and hardened, which fits many phenomena and is therefore, in relation to each individual case, very coarse and inadequate.
19 [218]
| Pathos of truth in a world of lies. |
| World of lies again in the highest peaks of philosophy. |
| Purpose of these highest lies: taming the unbridled drive for knowledge. |
| Origin of the drive for knowledge from morality. |
19 [219]
Where does the pathos of truth come from in the world of lies? From morality.
The pathos of truth and logic.
Culture and truth.
19 [220]
Every small insight contains great satisfaction within itself: not as truth, but as the belief of having discovered the truth. What kind of satisfaction is this?
19 [221]
Culture is a unity. Only the philosopher seems to stand outside. He turns to the most distant posterity—fame.
Remarkable that the Greeks philosophized. The beautiful lie.
But even more remarkable that man came to the pathos of truth at all.
The images within him are far more powerful than the nature around him: as with the German painters of the 15th century, who, despite the nature surrounding them, create such spider-like limbs—determined by the old pious tradition.
Plato wants a new state in which dialectic reigns, he negates the culture of the beautiful lie.
19 [222]
In Germany, philosophy is not practiced now, and therefore the question of what a philosopher actually is remains incomprehensible to the Germans. Hence the persistent, ultimately malicious astonishment that someone could live among them as a philosopher, without concerning himself with them and yet appealing to them. The Germans cannot tolerate being addressed now, any more than they can tolerate ghosts.
The desperate inconvenience of being born a philosopher among the Germans!
19 [223]
The moral instincts: maternal love—gradually becoming love in general. Likewise sexual love. Everywhere I recognize transferences.
19 [224]
Much in nature is moist: everything in nature is moist. Moisture belongs to the essence of nature: moisture is the essence of nature. So Thales.
19 [225]
Untruth of man towards himself and towards others: prerequisite is ignorance—necessary in order to exist (both—individually and in society). Into the vacuum steps the deception of ideas. The dream. The inherited concepts (which dominate the old German painter, despite nature) differ in all ages. Metonymies. Charms, not full knowledge. The eye gives shapes. We cling to the surface. The inclination towards the beautiful. Lack of logic, but metaphors. Religions. Philosophies. Imitation.
19 [226]
The imitation is the means of all culture, thereby the instinct is gradually produced. All comparing (primordial thinking) is an imitation. Thus, species are formed, such that the first strongly imitate only similar specimens, i.e., they imitate the largest and strongest specimen. The cultivation of a second nature through imitation. In procreation, the unconscious replication is most remarkable, thereby educating a second nature.
Our senses imitate nature by increasingly counterfeiting it.
Imitation presupposes an absorption and then a continued transfer of the absorbed image into a thousand metaphors, all acting.
The analogous —
19 [227]
What power forces imitation? The appropriation of a foreign impression through metaphors.
Stimulus—memory image
connected through metaphor (analogical conclusion).
Result: similarities are discovered and revived. A repeated stimulus plays out again on a memory image.
Stimulus perceived—now repeated, in many metaphors, whereby related images, from different categories, flow in. Every perception achieves a multiple imitation of the stimulus, but with transfer to different areas.
Stimulus felt, transferred to related nerves there, in transfer, repeated, etc.
There is a translation of one sensory impression into another: some see something or taste something with certain tones. This is a very general phenomenon.
19 [228]
The imitation is the opposite of recognition in that recognition does not want to allow any transfer, but rather wants to capture the impression without metaphor
and without consequences. For this purpose, it is petrified: the impression is captured and delimited by concepts, then killed, skinned, and mummified as a concept and preserved.
But there are no “proper” expressions and no proper recognition without metaphor. However, the deception about this exists, i.e., the belief in a truth of sensory impression. The most common metaphors, the usual ones, are now considered truths and as a measure for the rarer ones. In itself, there is only the difference between habit and novelty, frequency and rarity.
The recognition is only a working in the most popular metaphors, thus an imitation no longer felt as imitation. It can therefore naturally not penetrate the realm of truth.
The pathos of the truth drive presupposes the observation that the different metaphor worlds are at odds with one another and fight, e.g., the dream, the lie, etc., and the ordinary usual conception: of which the one is the rarer, the other the more frequent. Thus, usage fights against the exception, the regular against the irregular. Hence the respect of daytime reality over the dream world.
Now, however, the rare and unusual is the more stimulating—the lie is perceived as a stimulus. Poetry.
19 [229]
In political society, a firm agreement is necessary; it is founded on the usual use of metaphors. Any unusual usage agitates it, even destroys it. Therefore, using every word as the masses do is political convenience and morality. Being true means only not deviating from the usual meaning of things. The true is the being, in contrast to the non-real. The first convention is the one about what should be considered "being."
But the drive to be truthful, transferred to nature, produces the belief that nature must also be truthful toward us. The drive for knowledge is based on this transference.
By “true” is first understood only that which is the usual, habitual metaphor—thus only an illusion that has become habitual through frequent use and is no longer felt as an illusion: a forgotten metaphor, i.e., a metaphor in which it is forgotten that it is one.
19 [230]
The drive for truth begins with the strong observation of how opposed the real world and that of lies are, and how all human life is uncertain if conventional truth does not absolutely hold: it is a moral conviction of the necessity of a firm convention if human society is to exist. If the state of war is to end anywhere, it must begin with the fixing of truth, i.e., a valid and binding designation of things.
The liar uses words to make the unreal appear real, i.e., he misuses the solid foundation.
On the other hand, there is the drive for ever new metaphors, which discharges itself in the poet, the actor, etc., and above all in religion.
The philosopher now seeks, in the realm where religions held sway, also the “real,” the enduring, amid the feeling of the eternal mythical game of lies. He wants truth that endures. He thus extends the need for fixed truth conventions into new domains.
19 [231]
The oldest monotheism means precisely the one shining celestial vault and calls it something. Very limited and unplastic. What progress the polytheistic religions are.
19 [232]
The speaking arts! That's why the Germans can't become writers!
19 [233]
Goethe could tell fairy tales, Herder was a preacher.
The Faust is the only national speech development in Knittelvers.
19 [234]
I want to treat the question of the value of knowledge like a cold angel who sees through all the riff-raff. Without being evil, but without emotion.
19 [235]
All natural laws are only relations of an x to y and z. We define natural laws as the relations to an xyz, each of which in turn is known to us only as relations to other xyz.
19 [236]
Recognition, strictly speaking, has only the form of tautology and is empty. Every insight that benefits us is an identification of the non-identical, of the similar, i.e., is essentially illogical.
We acquire a concept only in this way and then act as if the concept “human” were something factual, whereas it is formed by us only by dropping all individual traits. We assume that nature proceeds according to such a concept: here, however, nature is anthropomorphic, as is the concept. The overlooking of the individual gives us the concept, and with this our knowledge begins: in categorizing, in establishing genera.
But this does not correspond to the nature of things: it is a process of cognition that does not grasp the nature of things. Many individual features determine a thing for us, not all: the similarity of these features leads us to group many things under one concept.We produce beings as bearers of properties and abstractions as causes of these properties.
That a unity, a tree for example, appears to us as a plurality of properties, of relations, is anthropomorphic in a twofold way: first, this delimited unity “tree” does not exist, it is arbitrary to carve out a thing in this way (according to the eye, according to the form), every relation is not the true absolute relation, but again anthropomorphically colored.
19 [237]
The philosopher does not seek the truth, but rather the metamorphosis of the world in humans: he strives for an understanding of the world with self-consciousness. He strives for an assimilation: he is satisfied when he has arranged something anthropomorphically. Just as the astrologer views the world in the service of individual beings, so the philosopher views the world as human.
Man as the measure of all things is also the thought of science. Every natural law is ultimately a sum of anthropomorphic relations. Especially the number: the dissolution of all laws into multiplicities, their expression in numerical formulas is like someone who cannot hear judging music and sound by Chladni's sound figures.
19 [238]
The sense of certainty is the hardest to develop. At first, one seeks explanation: if a hypothesis explains much, the conclusion is drawn that it explains everything.
19 [239]
Anaximander discovers the contradictory nature of our world: it perishes by its qualities.
19 [240]
The world is appearance—but not we alone are the cause that it appears. From yet another side, it is unreal.
19 [241]
Our experiences determine our individuality, and indeed in such a way that, after every emotional impression, our individuality is determined down to the last cell.
19 [242]
The nature of the definition: the pencil is an elongated etc. body. A is B. What is elongated is here at the same time colorful. The properties contain only relations.
A certain body is equal to so and so many relations. Relations can never be the essence, but only consequences of the essence. The synthetic judgment describes a thing according to its consequences, i.e., essence and consequences are identified, i.e., a metonymy.
Thus, in the essence of the synthetic judgment lies a metonymy,
i.e.it is a false equation.
i.e. the synthetic conclusions are illogical. If we apply them, we presuppose popular metaphysics, i.e. the one that considers effects as causes.
The concept “pencil” is confused with the “thing” pencil. The “is” in the synthetic judgment is false; it contains a transference, two different spheres are placed side by side, between which an equation can never take place.
We live and think under the mere effects of the illogical, in ignorance and false knowledge.
19 [243]
The World of Untruth:
The Dream and the Waking.
Brief Self-Consciousness.
Narrow Memory.
Synthetic Judgments.
Language.
The Illusions and Goals.
The Dishonest Standpoint of Society.
Time and Space.
19 [244]
Where in the world does the truth pathos come from?
It does not want the truth, but rather belief, trust in something.
19 [245]
Question about the teleology of the philosopher—who does not view things historically or sentimentally.
The question expands for him into the question of the value of knowledge.
Description of the philosopher—he needs fame, he does not think of the utility that comes from knowledge, but rather the utility that lies within knowledge itself.
If he found a word that, when spoken, would destroy the world, do you think he would not say it?
What does it mean that he believes humanity needs the truth?
19 [246]
What is the value of knowledge in general?
The world of lies—truth gradually comes into its own—all virtues arise from vices.
19 [247]
1. Flight from the educated and the cozy.
2. Fame and the philosopher.
3. The truth and its value as pure metaphysics.
19 [248]
| Main part: the systems as anthropomorphisms. |
| Living in the lie. |
| Pathos of truth, mediated through love and self-preservation. |
| Imitation and recognition. |
| Taming of the unbridled drive for knowledge through deception. |
| Against iconic historiography. |
| The religions. |
| The art. |
| The impossibility and the progress. |
| Consideration of an evil demon on the value of knowledge, scorn. Astrology. |
| The tragic, indeed resigned nature of knowledge according to Kant. |
| Culture and science. |
| Science and philosophy. |
| Legislation of greatness. |
| Perpetuation in the beautiful. |
| The logician. |
| Result: Arisen without purpose, by chance, striving for the impossible, moral and historical, despising life. The phantom revered as truth has the same effects, is likewise regarded as metaphysical. |
19 [249]
Metaphor means treating something as equal that has been recognized as similar in one respect.
19 [250]
Fame deceives itself in this: no one will ever feel the creator's feeling as the creator himself felt it. Thus, complete appreciation is also never possible.
19 [251]
Trust in a discovered truth is shown by the desire to communicate it. This communication can take two forms: through its effects, so that others are convinced of the value of the foundation by working backward from them. Or by proving its origin and logical interconnection with other certain and already recognized truths. The interconnection consists in correctly subordinating specific cases under general propositions—it is a pure categorization.
19 [252]
The work of art relates to nature in the same way that the mathematical circle relates to the natural circle.
19 [253]
Why don't we want to be deceived?
— We want it in art. We desire, at least for many things, ignorance, i.e., also deception.
He wants, as far as it is necessary for life, not to be deceived, i.e., he must be able to preserve himself; in this realm of necessity, he must be allowed to have trust.
He rejects only the deception that is hostile, not the pleasant one. He flees being deceived, the bad deception. So, fundamentally, not deception itself, but the consequence of deception, and specifically the bad consequence. Thus, where in his trust it is possible to be deceived with evil consequences, there he rejects deception.
Here he wants the truth, i.e., he wants the pleasant consequences again. The truth only comes into consideration as a means against hostile deceptions. The demand for truth means: do not harm people through deception. Man is indifferent to the pure, consequence-free knowledge of truth.Nature has not equipped him for that. The belief in truth is the belief in certain blissful effects.— Where does all the morality of the demand for truth come from? So far, everything is egoistic. Or: where does the demand for truth become heroic and destructive for the individual?
19 [254]
Does the philosopher seek the truth?
No, then he would care more about certainty.
The truth is cold, the belief in the truth is powerful.
19 [255]
| Dominion of Art over Life—Natural Aspect. |
| Culture and Religion. |
| Culture and Science. |
| Culture and Philosophy. |
| Cosmopolitan Path to Culture. |
| Romantic and Greek Concept of Art. |
| Schiller’s and Goethe’s Struggle. |
| Depiction of the “Cultured.” |
| False Concept of the German. |
| Music as a Living Germ. |
19 [256]
On the natural preliminary stage, a people is only a unity insofar as it has a common primitive art.
19 [257]
Through isolation, some sequences of concepts can become so vehement that they draw the power of other drives to themselves. For example, the drive for knowledge.
A nature thus prepared, determined down to the cell, now reproduces and inherits itself: increasing, until finally the absorption in this direction destroys the general strength.
19 [258]
The truth is indifferent to man: this is shown by the tautology, as the only accessible form of truth.
Then seeking the truth also means correctly categorizing, i.e., correctly subordinating individual cases under an existing concept. Here, however, the concept is our deed, as well as past times. To subsume the entire world under the correct concepts means nothing more than to arrange individual things under the originally human, most general forms of relation: thus only proving the concepts, to seek again under them what we have placed under them, which is fundamentally also tautology.
19 [259]
| To attack: |
| Philologists' assembly. |
| University of Strasbourg. |
| Auerbach in the Augsburgerin, national monuments. |
| Friday Ingo Scholars Technology |
| Gottschall. |
| Young Germany. |
| University of Leipzig, Zöllner. |
| Theater extravagance. |
| Art endowment in the Reichstag. |
| Grimm, Lübke, Julian Schmidt. |
| Jürgen-Meyer, Kuno Fischer, Lotze. |
| Riehl, Schwind. |
| Berlin professors' social life. |
| Jahn and Hauptmann. |
| Gervinus. |
| Hanslick. |
| Centralblatt. |
| Making music off the beaten path. |
| Leipzig, Wagner’s birthplace. |
| Strauß. |
19 [260]
The “Drastiker” cannot find the infinite melody; they are always at an end and with their drastic accents.
19 [261]
Elements of German Culture
learned
religious-liberating
imitation drive of foreign countries.
19 [262]
The laisser aller in the sciences: each scholar for himself. The spirit of the entire scholarly republic rebels negatively, but is not inspired.
19 [263]
The mitigation of customs (Religion), scholarship and science are compatible with barbarism.— The cultural path of the Germans now dares to create an organization, a tribunal.
19 [264]
Fortunately, music does not speak—though musicians now chatter a lot. That is why it is suited to be a seed of salvation.
19 [265]
In Germany, only three types of professions talk a lot: the magistrate, the pastor, the nurse.
19 [266]
Education—not necessity of life, but abundance.
Art either convention or nature.
Attempt of our great poets to reach a convention. Goethe and the theater.
Natural truth—the pathological was too powerful.
They did not bring it to any form.
19 [267]
1. Description of the lonely Bayreuth Pentecost hopes. Personal interpretation of the Ninth on Wagner and symbolic hope from his life for our culture. Our greatest fear, that we are not mature enough for the wonders, that their effect is not deep enough.
2. Silence all around, no one notices anything. The governments believe in the goodness of their education, the scholars too. Utilization of the effect of the war. By what has it been sanctified?— Dull aversion against Wagner.
3. The only noise is raised by the immediately threatened representatives of the current bad art institutions, journals, these are afraid. Noisy aversion. Can only exist by leaning on that dull, foreboding aversion.
Foreboding of the downfall of the current educated.
19 [268]
Plan for 6 Lectures.
| Art and Our Pentecost Days. |
| The Educated Man in His Forms. |
| Genesis of the Educated Man. |
| Romantic and Hellenic Concepts of Art and Our Classics. |
| Music, Drama, and Life. |
| Morning Red Perspectives. The Tribunal for Higher Education. The naive phenomena appear one after another, the true artist, the meaning of art, the profound seriousness of a new worldview. |
19 [269]
Our astonishment at Pentecost. It was not a music festival. It looked like a dream.
Every time Wagner is insulted, he touches a deep problem.
Philologists' assembly. Strasbourg.— Teachers and universities and their leaders suspected nothing.
19 [270]
| 1.2.3. | Characteristic of the Educated. | |
| 1.2.3. | Genesis of the Educated. There is none for them. Schiller’s and Goethe’s tremendous struggle. They seek the talisman of the German. Learning from abroad among the Greeks. Romantic and Hellenic concept of art. | |
| 1.2.3. | Wagner recognizes music as such. Ancient statement about music and the state. The next step: music creates drama for itself. Now it becomes clear what the word drama is: learned, unoriginal, fabricated, or drastic. Wagner. Goethe's folk song, puppet theater, folk verse. Myth. He creates the German first. Consequences of ancient tragedy for all arts and life. The "educated" are in embarrassment. |
19 [271]
Where are we to get a literature from? We have no speakers. Goethe the fairy-tale teller,
The pastor and the aunt, idealized, yield the basic types of our writers. Nurse, schoolmaster, pastor, squire.
19 [272]
| Misfortunes of Germanizing culture: |
| Hegel Heine the political fever that emphasized the National. War glory. |
| Pillars of Germanizing culture: |
| Schopenhauer—deepens the worldview of the Goethe-Schiller culture. |
19 [273]
Masks of the bourgeois comedy Kotzebue’s.
| The “old maids,” the sentimental ones: |
| Riehl, Gervinus, Schwind, Jahn, Freitag talk much about innocence and beauty. |
| The young “old men” (Blasirten), the historical ones: |
| Ranke, the newspaper writers, Mommsen, Bernays. are beyond everything. |
| The eternal gymnasium students: |
| Gottschall, Lindau, Gutzkow, Laube. |
| The Unfrommen from the countryside: |
| Strauß. Philistinism is the true ungodliness. |
19 [274]
Bayreuth Horizon Considerations.
| 1. | Bayreuth Whitsun Days. Enormous misunderstanding all around. Philologists' meeting in Leipzig. The war and the University of Strasbourg. |
| 2. | The Weaklings. | ||
| 3. | The Historical. | Characteristic of | |
| 4. | The Scholars. | “Educated.” | |
| 5. | The Newspaper Writers. | ||
| 6. | The Natural Scientists. | ||
| 7.8. 9. | Schools. Universities. Your procedure with art | Genesis of the “Cultured.” |
| 10. | The Phoenician in the capitals: as an imitator of that culture. |
| 11.12. | Main principle: There is no German culture, because there is still no German art style.Enormous work of Schiller and Goethe to achieve a German style. Cosmopolitan tendency necessary. Continuation of the Reformation work. |
Wagner’s; German music. From it, one can learn how German culture will relate to other cultures. Plato on music: culture. It is not “historical,” in it one can feel the living. It has profoundly overcome the scholarly and transformed it into instinctive technique. It revives the myth again (Meistersinger).
19 [275]
| Introduction. |
| Characteristics of the "Educated." |
| Genesis of the "Educated." |
| There is no education yet. Description of the previous struggle. |
| The Drama (the Drastics, their drastic accents are like the dramatic accents and fermatas of the opera). |
| Even the German drinking song is learned. |
19 [276]
“Education” attempted to settle down on the Schiller-Goetheschen basis as if on a resting bed.
19 [277]
| 1. | The Rohdesche Fragment. | |
| 2. | Hero’s Lament. | |
| 3. | Gern und gerner. | |
| 4. | Infinite! | |
| 5. | Withered. | |
| 6. | It beckons and inclines. | |
| 7. | Serenade. | |
| 8. | Postlude. | |
| 9. | The King's Death. | |
| 10. | Just laugh once. | |
| 11. | Etes titok. | |
| 12. | Storm March. | |
| 13. | From the First New Year's Eve. | |
| 14. | Miserere. | |
| 15. | Annunciation of Mary. |
19 [277]
| 1. | The Rohdesche Fragment. | |
| 2. | Hero's Lament. | |
| 3. | Gern und gerner. | |
| 4. | Infinite! | |
| 5. | Withered. | |
| 6. | It beckons and bends. | |
| 7. | Serenade. | |
| 8. | Postlude. | |
| 9. | The King's Death. | |
| 10. | Just laugh once. | |
| 11. | Etes titok. | |
| 12. | Storm March. | |
| 13. | From the first New Year's Eve. | |
| 14. | Miserere. | |
| 15. | Annunciation of Mary. |
19 [278]
The fixed point around which the Greek people crystallize is their language.
The fixed point at which their culture crystallizes is Homer.
Thus, in both cases, they are works of art.
19 [279]
A. Dove takes on Puschmann, P. Lindau takes on the Moor
The fuss that the Germans have made about Gervinus, who is truly foolish in all matters of art.
19 [280]
Heinrich Kleist speaks to us as a dramatist and narrator as if he were simultaneously climbing a high mountain.
Goethe on Kleist: is afraid.
Dramatic art is mere deception in relation to our audience: it has no aesthetic sense, but is pathological.
19 [281]
We can imagine the scholar without culture, the pious without culture, the philosopher without culture: in scholarship lies a contradiction with the unity of education, in Christian piety a contradiction
19 [282]
Separation of the intellectual factors from the intelligible in the essence of the philosopher.
19 [283]
The factors of the current culture.
| 1. | The historical, the becoming. | |
| 2. | The philistine, the being. | |
| 3. | The scholarly. | |
| 4. | Culture without people. | |
| 5. | Customs essentially foreign. | |
| 6. | The Unaesthetic (Pathological). | |
| 7. | Philosophy without practice. | |
| 8. | Caste system not based on education. | |
| 9. | Writing, not speaking. |
19 [284]
So far it was the language to which German attached itself. Now, in addition, the music.
The cosmopolitan tendency of Schiller and Goethe corresponding to the oriental tendency.
German must first be formed:
Education not on a national basis, but education of the German, not education according to the German.
German must be educated: that which does not yet exist. Neither to be founded on virtues nor on vices.
19 [285]
Factors of German Past.
Folk art of the Reformation—Faust, Meistersinger.
Asceticism and pure love, Rome—Tannhäuser.
Loyalty and knights, Orient—Lohengrin.
Oldest myth, mankind—Ring of the Nibelung.
Metaphysics of love—Tristan.
This is our mythical world, it reaches back to the Reformation. The belief in it is very similar to that of the Greeks in their myths.
Not German education, but education of the German is our first goal.
In place of the historical—the myth-forming power.
In place of the philistine-soft—the metaphysical co-suffering.
In place of the scholarly—the tragic wisdom.
In place of the unaesthetic-pathological—the free play.
In place of the caste system—the tribunal of education.
In place of writing—thinking and speaking.
In place of dogmatism—philosophy.
Overcoming of religious mixture, of the Asiatic (in haste and luxury—Phoenician).
Sanctification of language and music.
19 [286]
Aesthetics in Germany.
Lessing Winckelmann Hamann Herder.
Schiller Goethe.
Grillparzer.
Schopenhauer.
Wagner. Fuchs.
19 [287]
Concise Report
on
the Older Greek Philosophers.
19 [288]
The soul-transmigration metamorphoses.
19 [289]
Continuation of the Reformation.
Scholarship and learned knowledge, that was art.
Discovery of the folk song, Shakespeare, Hamann, Faust instinctively, without rules—unlearned.
Simple beauty of sculpture. Strict necessity in drama—: exemplary effects of the ancients, abolition of the French rules.
19 [290]
Experimenting to find the drama, creating a literature—: cosmopolitan imitation.
Complete insight into the connections of life with art—overcoming the concept of “literature”—: Wagner.
Elimination of making music apart. Against the monastic nature of music.
Transition from scholarship to the need for art.
Overcoming the Romantic concept of art: art as convention, as thesis.
Return to the Hellenic concept: art as nature.
19 [291]
Even Hellenic art was long understood as Roman, I mean as the Romans understood it: for decoration, to be inserted arbitrarily, a greenhouse compared to the forest. Noble convention. —
19 [292]
The bad book by Lotze, in which space is wasted discussing a completely unaesthetic person: Ritter (an almost forgotten historian of philosophy) or the twisted Leipzig philosopher Weisse.
19 [293]
Plautus Roman art, newer Attic comedy. The fixed mask-comedy.
19 [294]
Romantics—partly a natural reaction against educated cosmopolitanism, partly a reaction of music against cold plastic art, partly an expansion of cosmopolitan imitation and singing along. Too little strength with much weather.
The young Germany is, like Kotzebue against Schiller-Goethe, a representative of a French-influenced Enlightenment in clumsy imitation.
19 [295]
Not education on a national basis, but education of the German style in life recognizing creating speaking walking etc.
19 [296]
On German Education.
A Festschrift dedicated to the Bayreuth Art Comrades.
19 [297]
Distinction of peoples through their weaknesses, their virtues, with some civilization, common.
19 [298]
On the Formation of a German Artistic Style.
Before this exists, the only way to achieve some education is the cosmopolitan path.
Education is the life of a people under the rule of art. Philosophy is not for the people, religion is compatible with barbarism, as is science.
Starting from the demands of culture after the War. 1872. Strasbourg, inability even to see how ridiculous a claim of the National-German would be. Art has Romantic validity among us and not even once. Science is compatible with barbarism.
19 [299]
Talent is only the prerequisite for culture, the main thing is discipline according to patterns.
Education is not necessarily conceptual, but above all perceptive and correctly selective: like the musician who reaches correctly in the dark. The education of a people towards culture is essentially habituation to good examples and the cultivation of noble needs.
19 [300]
The hopeful in German present.
The possibility of a German culture.
Hopes for a German culture.
Festschrift.
19 [301]
The Hopeful Ones.
Reflections on the Alleged German Culture of the Present.
19 [302]
Speeches of the Hoping.
Speeches of a Hoping One.
19 [303]
Bayreuth's horizon.
The horizon of Bayreuth.
Bayreuth horizon contemplations.
19 [304]
The German speaks little. That is why all dramatists are in a quandary. The true method is Wagner’s approach. Brief, profound, and with word symbolism, like runes. The oldest oracles probably three alliterating runes.
19 [305]
Few men will be forgiven for calling their people barbarians. But Goethe did it, and one must explain it.
19 [306]
No culture has been built in three days, nor has one ever fallen from the sky: rather, a culture only emerges from an earlier barbarism, and there are long periods of fluctuation and struggle in which it is doubtful.
19 [307]
We call educated the one who has become a formation, who has received a form: the opposite of form here is the unformed, the shapeless, without unity.
19 [308]
What does the unity of a people depend on? Outwardly government, inwardly language and customs. The customs, however, only gradually become uniform, much from living together, immigration.
19 [309]
Goethe: “we have indeed cultivated much.”
19 [310]
Culture—dominion of art over life. The degrees of its goodness depend once on the degree of this dominion and secondly on the value of the art itself.
19 [311]
Mitigation of customs through religions, laws, etc.
Increase of knowledge and thereby less superstition, darkness, fanaticism, more contemplation and calm.
Inventions, increases in prosperity, interaction with other peoples.
Yet there is religion and barbarism.
Inventiveness, intellect compatible with barbarism. Even art is possible, and yet one can still call the people barbaric.
Dominance of art over life.
19 [312]
When, amid the first tumult of the outbreak of the last great war, an embittered French scholar called the Germans barbarians and accused them of lacking culture, it was heard sharply enough in Germany to take this very badly, and many newspaper writers were given the opportunity to polish the not unblemished armor of their culture until it shone brightly and to flaunt it with victorious certainty. People exhausted themselves in assurances that the German people were the most learned, most scholarly, most gentle, most virtuous, and most cleanly in the world: even against the accusation of cannibalism and piracy, they felt sufficiently secure.
When a voice soon arose beyond the Channel and the venerable Carlyle publicly praised those very qualities in the Germans, even wishing them victory with blessing hands, then one was certain about German culture, and after the success it was surely innocent to speak of the victory of German culture. Now that the Germans have time to look back at many a word hurled at us then, there may well be some who recognize that the Frenchman was right: the Germans are barbarians, despite all those humane qualities.If one had to wish them, the barbarians, victory, this was of course not because they are barbarians, but because the hope of an emerging culture sanctifies the Germans: while there is no regard for a degenerate and exhausted culture: not the woman who lets her child degenerate, but the one who will give birth is sacred to the laws. That they are still barbarians in other respects was Goethe’s opinion, who lived long enough to even be allowed to tell this truth to the Germans and to whose words I must permit myself to link my reflections, because no one else would permit me to do so.We have, he said one evening to EckermannThe final turn is fine, for it leaves admirers of the present with the possibility that in a few centuries, one will say, it has been a very long time since the Germans were no longer barbarians, namely since the second half of the 19th century. That this is not an arbitrary assumption, but that great masses now truly believe in the achieved German culture, though wrongly, is what I intend to prove with an example. First, however, the concept of culture must be established. Goethe adds—about the song. Whole heaps of war songs and sonnets, not a single one in a new tone
19 [313]
The word barbarian and barbarism is an evil, audacious word, and not without preamble do I dare to use it: and if it is true that the Greeks spoke of the speech sounds of foreign peoples as if they were a quacking, and thus named the frogs with the same name, then barbarians are therefore Quakers—senseless and ugly chatter. Lack of aesthetic education.
19 [314]
The Frenchman naturally thought of his civilization, victorious throughout the world, and the degree of stunted imitation he found of it in German society: he said no culture, because they produce none and cannot even skillfully imitate an existing one, as one must concede to the Russians, for example.
And that is why every danger of war was so terrible, because it could destroy the secretly growing fruit.
The glory of war almost an even greater danger.
19 [315]
Introduction.
Wisdom Science.
Mythical Precursor.
Sporadic-Proverbial.
Precursors of.
Thales.
Anaximander.
Anaximenes.
Pythagoras.
Heraclitus.
Xenophanes.
Parmenides.
Anaxagoras.
Empedocles.
Democritus.
Pythagoreans.
Socrates. Very simple.
19 [316]
The
Justification of Philosophy
by the Greeks.
A Festschrift.
By
Friedrich Nietzsche.
19 [317]
Reflections of a Hoping One.
19 [318]
The Last Philosopher.
| 1. | The projections of man onto nature. | |
| 2. | The Greek as world principle. | |
| 3. | Heraclitus against the Dionysian. Empedocles against animal sacrifice. Pythagorean order system. Democritus the scientific traveler. |
19 [319]
The original purpose of philosophy is thwarted.
Against iconic historiography.
Philosophy, without culture, and science.
changed position of philosophy since Kant.
Metaphysics impossible. Self-castration.
The tragic resignation, the end of philosophy.
Only art can save us.
19 [320]
1. The remaining philosophers.
2. Truth and illusion.
3. Illusion and culture.
4. The last philosopher.
19 [321]
The method of philosophers to reach the ultimate is categorized.
The illogical drive.
Truthfulness and metaphor.
Task of the Greek philosopher: taming.
Barbarizing effect of knowledge.
Life in illusion.
Philosophy dead since Kant.
Schopenhauer simplifier, clears away scholasticism.
Science and culture. Contrasts.
Task of art.
The path is education.
Philosophy must produce tragic need.
19 [322]
The philosophy of modern times, unnaive, scholastic, overloaded with formulas.
Schopenhauer the simplifier.
We no longer permit conceptual poetry. Only in the work of art.
Antidote to science? Where?
Culture as the antidote. To be receptive to it, one must have recognized the inadequacy of science. Tragic resignation. God knows what kind of culture this will be! It starts from behind!
19 [323]
| January | 13 weeks: | 3. | History of Rhythmics. | |||||
| February March | 4. | Horatian Metres according to Augustine etc. Language considered metrically. | ||||||
| 5. | Hexameter. | |||||||
| 6. | Trimeter. | |||||||
| 7. | Logaoedic verses. | |||||||
| 8. | Doric strophes. | |||||||
| 9. | Composition etc. |
19 [324]
The classical philology.
Hesiod and Homer.
Rhythmics.
19 [325]
Old philosophical masters
in Greece.
Written down for a young friend
of philosophy by
19 [326]
Drafts.
1. Hesiod.
2. The time-measuring rhythm of the Greeks.
3. Greek tragedy.
19 [327]
Five Prefaces to Five Unwritten and
Unwritable Books.
1. On the Future of Our Educational Institutions.
2. The Relationship of Schopenhauer's Philosophy to German Culture.
3. On the Pathos of Truth.
4. The Greek State.
5. The Contest of Homer and Hesiod.
19 [328]
| Recognizing the truth impossible. Art and the philosopher. The pathos of truth. How philosophy relates to culture: Schopenhauer. | All cognition in the service of art. |
| The unity of a culture. Description of the current confusion. Drama as the focal point. |
19 [329]
| First stage of culture: belief in language as a continuous metaphorical designation. |
| Second stage of culture: unity and coherence of the metaphorical world through reliance on Homer. |
19 [330]
| 1) | The educational philistines. | |
| 2) | The historical sickness. | |
| 3) | Much reading and writing. | |
| 4) | Literary musicians (how the followers of genius kill its effects). | |
| 5) | German and After-German. | |
| 6) | Soldier culture. | |
| 7) | General education—socialism, etc. | |
| 8) | Educational theology. | |
| 9) | Gymnasia and universities. | |
| 10) | Philosophy and Culture. | |
| 11) | Natural Science. | |
| 12) | Poets etc. | |
| 13) | Classical Philology. |
Draft of the “Untimely Meditations.”
Basel, 2 September 1873.