13, 15[1-120] Frühjahr 1888

15 [1]

Kritik der modernen Werthe.

Die liberalen Institut
der Altruismus der Moral.
die Sociologie.
die Prostitution
die Ehe
der Verbrecher

15 [2]

Das “aufsteigende” Leben und das absteigende Leben: beide formuliren sich ihre obersten Bedürfnisse zu Werthtafeln.

Wie kommt es, daß die obersten Werthe, an die man glaubt, allesammt

15 [3]

In allen Fällen, wo ein Kind ein Verbrechen sein würde: bei chronisch Kranken und Neurasthenikern dritten Grades, wo andererseits dem Geschlechtstrieb überhaupt ein Veto entgegenzusetzen bloß auf fromme Wünsche hinauslaufen würde (—dieser Trieb hat bei derartig Schlechtweggekommenen sogar oft eine widerliche Erregbarkeit) ist die Forderung zu stellen, daß die Zeugung verhindert wird. Die Gesellschaft kennt wenig dergestalt dringliche und grundsätzliche Forderungen. Hier genügt nicht nur die Verachtung, die gesellschaftliche Ehrlosigketis-Erklärung als Mittel, eine niederträchtige Schwächlichkeit des Charakters im Zaum zu halten: man dürfte, ohne Rücksicht auf Stand, Rang und Cultur, mit den härtesten Vermögensstrafen, unter Umständen mit dem Verlust der “Freiheit”, mit Clausur gegen derartige Verbrechen vorgehn. Ein Kind in die Welt setzen, in der man selbst kein Recht zu sein hat, ist schlimmer als ein Leben nehmen. Der Syphilitiker, der ein Kind macht, giebt die Ursache zu einer ganzen Kette verfehlter Leben ab, er schafft einen Einwand gegen das Leben, er ist ein Pessimist der That: wirklich wird durch ihn der Werth des Lebens aufs Unbestimmte hin verringert. —

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Die Prostitution schafft man nicht ab; es giebt Gründe selbst zu wünschen, daß man sie nicht abschafft. Folglich—sollte man sie ennobliren:—ich hoffe man versteht dies Folglich? Woran hängt es aber, daß etwas verächtlich wird? Daran, daß es lange verachtet wurde. Man höre damit auf, die Huren zu verachten: dann werden sie keinen Grund mehr haben, sich zu verachten. Zuletzt steht es überall in diesem Punkte bereits besser als bei uns: die Prostitution ist in der ganzen Welt etwas Unschuldiges und Naives. Es giebt Culturen Asiens, wo sie sogar hohe Ehren genießt. Die Infamie liegt durchaus nicht in der Sache, sie ist erst durch die Widernatur des Christenthums hineingelegt jener Religion, welche selbst noch den Geschlechtstrieb beschmutzt hat! ... La fille canaille ist eine christliche Spezialität: Europa aber ist der Boden, der ihrem Wachsen günstig ist, und die Großstädte Europas die Stätten, wo deren Superlativ gedeiht ...— Problem: welche Bedingungen geben der Hauptstadt des neu-deutschen Reichs eine Überlegenheit in der Kunst, die Dirne zu encanailliren? ... Eine erlaubte Frage: aber man schämt sich, deutsch darauf zu antworten ...

15 [5]

Kritik der Philosophie.

In wiefern die Philosophie ein décadence-Phänomen ist:

Sokrates. Pyrrho.

Die Idiosynkrasie der Philosophen gegen die Sinne:
ihre “wahre Welt”
Was die Furcht vor den Sinnen und der Leidenschaft ist ...
Die Philosophen als Moralisten: sie untergraben den Naturalismus der Moral
Kritik der moralischen Besserung.
der Reue
der Philosophie des Mitleidens
Der Philosoph und die Überzeugung.
Wie die wahre Welt zur Fabel wurde.

Kritik der Kunst.

Kritik der Religion.

Religion.
Ihr Ursprung.Das gefährliche Mißverständniß
Zur Geschichte des Gottesbegriffs.
Heidenthum. Christenthum.
Das christliche Ideal
Das Gefährliche im Christenthum.
 

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1.

Die Eruption der Kunst Wagners: sie bleibt unser letztes großes Ereigniß in der Kunst. Wie vulkanisch geht es überall seitdem zu! Sehr laut vor allem: man hat heute die Ohren nicht mehr wie ehemals, um zu verstehen! ... Man hat sie beinahe, um Nichts mehr zu verstehen! .. Wagner selbst vor Allem bleibt unverstanden. Er ist immer noch eine terra incognita. Man betet ihn einstweilen an. Will man auch ihn verstehen? Der typische Wagnerianer, ein in jedem Betreff viereckiges Wesen, glaubt an Wagner: ersichtlich auch an einen viereckigen Wagner .. aber Wagner war Alles Andere als viereckig: Wagner war “Wagnerisch”. Ich habe mich gefragt, ob überhaupt schon Jemand dagewesen ist, modern, morbid, vielfach und krumm genug, um als vorbereitet für das Problem Wagner zu gelten? Höchstens in Frankreich: Ch. Baudelaire z.B. Vielleicht auch die Gebrüder Goncourt. Die Verfasser der “Faustine” würden sicherlich Einiges an Wagner errathen .. aber es fehlte ihnen die Musik im Leibe.— Hat man begriffen, daß die Musiker allesammt keine Psychologen sind? Das Hier-Nicht-wissen-wollen gehört bei ihnen zum Handwerk, sagen wir, zum Genie ihres Handwerks ... sie würden sich nicht mehr trauen, wenn sie sich verstünden ... Man sagt nicht umsonst den Begriffen und den Worten Valete: man will ins Unbewußte .. Daraus folgt etwas Betrübendes: entweder ist Jemand Musiker: und dann versteht er die Herren Musiker nicht (sich selbst eingerechnet)—wohl aber die Musik. Oder aber er ist Psycholog: und dann versteht er wahrscheinlich die Musik nicht genug und folglich auch nicht die Herren Musiker ... Das ist die Antinomie. Und deshalb giebt es über Beethoven so gut wie über Wagner den Musiker bisher nur Geschwätz. —

2.

Glücklicher Weise ist Wagner nur zu einem Bruchtheil Musiker gewesen: der ganze Wagner war etwas anderes als ein Musiker und sogar eher noch dessen Gegensatz. In ihm haben die Deutschen das außerordentlichste Schauspiel- und Theater-Genie geschenkt bekommen, das es bisher gegeben hat. Man versteht nichts von Wagner, wenn man ihn nicht von dieser Seite aus versteht. Ob Wagner gerade mit diesen Instinkten deutsch war? .. Aber das Gegentheil liegt auf der Hand. Die Deutschen bekommen ihre großen Männer als Ausnahme und Gegensatz selbst zu ihrer Regel: Beethoven, Goethe, Bismarck, Wagner—unsere vier letzten großen Männer—: man kann aus ihnen zusammen auf das Strengste deduziren, was von Grund aus nicht deutsch, undeutsch, antideutsch ist ...

3.

Wagner war so wenig Musiker, daß er alle musikalischen Gesetze und bestimmter geredet, den Stil überhaupt in der Musik geopfert hat, um aus ihr eine Art Rhetorik, ein Mittel des Ausdrucks, der Verstärkung, der Suggestion, des Psychologisch-Pittoresken zu machen. Wagner’s Musik, nicht von der Theater-Optik und -Massivität aus abgeschätzt, sondern als Musik an sich, ist einfach schlechte Musik, Unmusik: ich habe keinen Menschen kennen gelernt, der das nicht wußte. Die Naiven glauben ihm etwas zu Ehren zu sagen, wenn sie dekretiren: Wagner habe den dramatischen Stil der Musik geschaffen. Dieser “dramatische Stil” ist, ohne umschweife geredet, die Stil-losigkeit, Stil-widrigkeit, Stil-Impotenz zum Prinzip gemacht: dramatische Musik, so verstanden, ist nur ein Synonym für die “schlechteste aller möglichen Musiken” ... Man thut Wagner unrecht, wenn man aus ihm einen Musiker machen will.

4.

Die Musik Wagners als solche ist unerträglich: man braucht das Drama, zur Erlösung von dieser Musik. Und dann versteht man mit Einem Mal die Magie, welche noch mit einer gleichsam zerschnittenen und elementarisch gemachten Kunst ausgeübt werden kann! Wagner hat ein beinahe unheimliches Bewußtsein von allem Elementarischen in der Wirkung der Musik: man darf ihn ohne Übertreiben den größten Meister der Hypnotisirung, selbst noch für unser Zeitalter der Hühner und Zauberer, nennen. Er bewegt sich, er sucht, er streicht, er macht Gebärden:—er wird verstanden ... die Weiblein sind bereits kalt ... Wagner rechnet nie als Musiker von irgend einem Musiker-Gewissen aus: er will eine Wirkung, er rechnet aus der Optik des Theaters ... Nichts ist ihm gegensätzlicher als die monologische heimliche Göttlichkeit der Musik Beethovens, das Selbsterklingen der Einsamkeit, die Scham noch im Lautwerden ... Wagner ist unbedenklich, wie Schiller unbedenklich war, wie alle Theatermenschen unbedenklich sind: unter Umständen braucht er den Glauben des Zuhörers, eben eine solche andere Musik zu hören—er macht sie. Es scheint uns, daß er sie macht: wir Unthiere selbst werden betrogen ... Hinterdrein begreifen wir gut genug, daß wir betrogen sind: aber was geht einen Theater-Künstler das “Hinterdrein” an! ... Er hat den Augenblick für sich: Wagner überredet unbedingt. “Es giebt nirgendswo ächten Contrapunkt bei Wagner”—so spricht das Hinterdrein. Aber wozu auch! wir sind im Theater, und es genügt zu glauben, daß es ihn giebt ...

5.

Die Wirkung der Wagnerischen Kunst ist tief, sie ist vor allem schwer: woran liegt das? Zunächst nicht, wie angedeutet, an der Musik: man hielte diese Musik nicht einmal aus, wenn man nicht bereits durch etwas Anderes überwältigt und gleichsam unfrei geworden wäre. Das Andere ist das Wagnerische Pathos, zu dem er sich seine Musik nur hinzuerfunden hat. Es ist die ungeheure Überzeugungskraft dieses Pathos, sein Athemanhalten, sein Nicht-Mehr-loslassenwollen eines extremen Gefühls, es ist die erschreckende Länge dieses Pathos, mit der Wagner über uns siegt und immer siegen wird:—so daß er uns zuletzt noch gar zu seiner Musik überredet ... Ob man mit einem solchen Pathos ein Genie ist? Oder auch nur sein kann? ... Man hat bisweilen unter Genie eines Künstlers seine höchste Freiheit unter dem Gesetz, seine göttliche Leichtigkeit, Leichtfertigkeit im Schwersten verstanden. Dürfte man sagen: “Wagner ist schwer, centnerschwer: folglich—kein Genie?” Aber vielleicht hat man ein Unrecht, die leichten Füße zum Typ des Gottes zu machen.— Eine andere Frage, auf die eine bestimmtere Antwort auf der Hand liegt, ist die: ob Wagner gerade mit einem solchen Pathos deutsch ist? ein Deutscher ist? Nie und nimmermehr! Vielmehr eine Ausnahme aller Ausnahmen ..!

6.

Die Sensibilität Wagners ist nicht deutsch: um so deutscher ist seine Art Geist und Geistigkeit. Ich weiß es sehr gut, warum es deutschen Jünglingen auf eine unvergleichliche Weise wohl bei ihm zu Muthe wurde, inmitten der Wagnerischen Tiefe, Vielheit, Fülle, Willkür, Ungewißheit im Geistigen: damit sind sie bei sich selbst zu Hause! Sie hören mit Entzücken, wie die großen Symbole und Räthsel aus ungeheurer Ferne her mit sanftem Donner laut werden. Sie werden nicht ungehalten, wenn es bisweilen grau, gräßlich und kalt hergeht: sind sie doch sammt und sonders verwandt mit dem schlechten Wetter, dem deutschen Wetter! ... Sie vermissen nicht, was wir Anderen vermissen: Witz, Feuer, Anmuth; die große Logik; die übermüthige Geistigkeit; das halkyonische Glück; den glänzenden Himmel mit seinen Sternbildern und Lichtschaudern ..

7.

Die Sensibilität Wagner’s gehört nicht nach Deutschland: man trifft sie wieder unter den Nächstverwandten Wagner’s, den französischen Romantikern. Die Leidenschaft, so wie sie Wagner versteht, ist jedenfalls das Gegenstück der “Freigeisterei der Leidenschaft”, mit Schiller zu reden, der deutsch-romantischen Sensibilität. Schiller ist ebenso deutsch als Wagner Franzose. Seine Helden, seine Rienzi, Tannhäuser, Lohengrin, Tristan, Parsival—das hat Blut im Leibe, kein Zweifel—, und gewiß kein deutsches Blut! Und wenn sie lieben, diese Helden—werden sie deutsche Mädchen lieben? ... Ich zweifle daran: aber noch mehr bezweifle ich, daß sie gerade Wagnerische Heldinnen lieben würden: was ein armes Volk ist und ein Präparat zu allerlei neurotisch-hypnotisch-erotischen Experimenten Pariser Psychologen! Hat man wohl schon bemerkt, daß keine je ein Kind gebar?— Sie können’s nicht! ...

8.

Man will es heute noch am Wenigsten Wort haben, wie viel Wagner Frankreich verdankt, wie sehr er selbst nach Paris gehört. Der Ehrgeiz großen Stils bei einem Künstler—selbst der ist noch französisch an Wagner ... Und die große Oper! Und der Wettlauf mit Meyerbeer! Und sogar mit Meyerbeerschen Mitteln! Was ist daran deutsch? ... Zuletzt erwägen wir doch das Entscheidende: was charakterisirt die Wagnersche Künstlerschaft? der Histrionismus, das in-Scene-Setzen, die Kunst der étalage, der Wille zur Wirkung um der W willen, das Genie des Vortragens, Vorstellens, Nachmachens, Darstellens, Bedeutens, Scheinens: ist das in irgend einem Genre eine deutsche Art Begabung? ... Wir haben an dieser Stelle wir wissen es zu gut! bisher unsere Schwäche gehabt—und wir wollen uns keinen Stolz aus dieser Schwäche zurechtmachen! ... Aber es ist das Genie Frankreichs! ...

15 [7]

Die Romantik

Der Naturalism

15 [8]

 

Fortschritt.

VI

Daß wir uns nicht täuschen! Die Zeit läuft vorwärts,—wir möchten glauben, daß auch Alles, was in ihr ist, vorwärts läuft ... daß die Entwicklung eine Vorwärts-Entwicklung ist ... Das ist der Augenschein, von dem die Besonnensten verführt werden: aber das neunzehnte Jahrhundert ist kein Fortschritt gegen das sechszehnte: und der deutsche Geist von 1888 ist ein Rückschritt gegen den deutschen Geist von 1788 ... Die “Menschheit” avancirt nicht, sie existirt nicht einmal ... Der Gesamtaspekt ist der einer ungeheuren Experimentir-Werkstätte, wo Einiges gelingt, zerstreut durch alle Zeiten, und Unsägliches mißräth, wo alle Ordnung, Logik, Verbindung und Verbindlichkeit fehlt ... Wie dürften wir verkennen, daß die Heraufkunft des Christenthums eine décadence-Bewegung ist? ... Daß die deutsche Reformation eine Recrudescenz der christlichen Barbarei ist? ... Daß die Revolution den Instinkt zur großen Organisation, die Möglichkeit einer Gesellschaft zerstört hat? ... Der Mensch ist kein Fortschritt gegen das Thier: der Cultur-Zärtling ist eine Mißgeburt im Vergleich zum Araber und Corsen; der Chinese ist ein wohlgerathener Typus, nämlich dauerfähiger als der Europäer ...

15 [9]

Jesus: Dostoiewsky

Ich kenne nur Einen Psychologen, der in der Welt gelebt hat, wo das Christenthum möglich ist, wo ein Christus jeden Augenblick entstehen kann .. Das ist Dostoiewsky. Er hat Christus errathen:—und instinktiv ist er vor allem behütet geblieben diesen Typus sich mit der Vulgarität Renans vorzustellen ... Und in Paris glaubt man, daß Renan an zu vielen finesses leidet! ... Aber kann man ärger fehlgreifen, als wenn man aus Christus, der ein Idiot war, ein Genie macht? Wenn man aus Christus, der den Gegensatz eines heroischen Gefühls darstellt, einen Helden herauslügt?

15 [10]

Was ist tragisch.

Ich habe zu wiederholten Malen den Finger auf das große Mißverständniß des Aristoteles gelegt, als er in zwei deprimirenden Affekten, im Schrecken und im Mitleiden, die tragischen Affekte zu erkennen glaubte. Hätte er Recht, so wäre die Tragödie eine lebensgefährliche Kunst: man müßte vor ihr wie vor etwas Gemeinschädlichem und Anrüchigem warnen. Die Kunst, sonst das große Stimulans des Lebens, ein Rausch am Leben, ein Wille zum Leben, würde hier, im Dienste einer Abwärtsbewegung, gleichsam als Dienerin des Pessimismus, gesundheitsschädlich. (Denn daß man durch Erregung dieser Affekte sich von ihnen “purgirt”, wie Aristoteles zu glauben scheint, ist einfach nicht wahr) Etwas, was habituell Schrecken oder Mitleid erregt, desorganisirt, schwächt, entmuthigt:—und gesetzt, Schopenhauer behielte Recht, daß man der Tragödie die Resignation zu entnehmen habe d.h. eine sanfte Verzichtleistung auf Glück, auf Hoffnung, auf Willen zum Leben, so wäre hiermit eine Kunst concipirt, in der die Kunst sich selbst verneint. Tragödie bedeutete dann einen Auflösungs-prozeß, die Instinkte des Lebens sich im Instinkt der Kunst selbst zerstörend. Christenthum, Nihilismus, tragische Kunst, physiologische décadence: das hielte sich an den Händen, das käme zur selben Stunde zum Übergewicht, das triebe sich gegenseitig vorwärts—abwärts! ... Tragödie wäre ein Symptom des Verfalls.

Man kann diese Theorie in der kaltblütigsten Weise widerlegen: nämlich indem man vermöge des Dynamometers die Wirkung einer tragischen Emotion mißt. Und man bekommt als Ergebniß, was psychologisch zuletzt nur die absolute Verlogenheit eines Systematikers verkennen kann—: daß die Tragödie ein tonicum ist. Wenn Schopenhauer hier nicht begreifen wollte, wenn er die Gesammt-Depression als tragischen Zustand ansetzt, wenn er den Griechen (—die zu seinem Verdruß nicht “resignirten” ...) zu verstehen gab, sie hätten sich nicht auf der Höhe der Weltanschauung befunden: so ist das parti pris, Logik des Systems, Falschmünzerei des Systematikers: eine jener schlimmen Falschmünzereien welche Sch Schritt für Schritt seine ganze Psychologie verdorben hat (: er, der das Genie, die Kunst selbst, die Moral, die heidnische Religion, die Schönheit, die Erkenntniß und ungefähr Alles willkürlich-gewaltsam mißverstanden hat

Aristote

Aristoteles wollte die Tragödie als Purgativ von Mitleid und Schrecken betrachtet wissen,—als eine nützliche Entladung von zwei unmäßig aufgestauten krankhaften Affekten ...

Die anderen Affekte wirken tonisch: aber nur zwei depressive Affekte—und diese sind folglich besonders nachtheilige und ungesunde—das Mitleiden und der Schrecken sollten nach Aristoteles durch die Tragödie wie durch ein Purgativ aus dem Menschen hinausgeschafft werden: die Tragödie indem sie diese gefährlichen Zustände im Übermaß erregt, erlöst den Menschen davon—macht ihn besser. Die Tragödie als eine Cur gegen das Mitleid.

15 [11]

Sie sind heute der einzige Musiker, der mir Musik nach meinem Herzen macht: billigerweise kommt Ihnen Alles zu, was ich gegen die heutige Musik auf dem Herzen habe?

Der Geschmack an der Musik Wagners compromittirt. Ich sage das als einer, der sich ausnimmt,—ich habe mich compromittirt.

15 [12]

Zur Kritik Wagners.

Die Musik Wagners ist antigoethisch.
In der That fehlt Goethe in der deutschen Musik, wie er in der deutschen Politik fehlt. Dagegen: wie viel Schiller, genauer geredet wie viel Thekla ist in Beethoven!
Viel Biedermännerei, viel Salbung:
Wagner hat keine Gedanken, ganz wie V. Hugo: aber er weiß mit einem Zeichen an Stelle eines Gedankens uns dermaaßen zu terrorisiren
ich suche die Ursachen für die extreme Erschöpfung, welche Wagners Kunst mit sich bringt
die veränderliche Optik:
der physiologische Widerstand:
Athem
Gang
die beständige Übertreibung:
die tyrannische Hinterabsicht:
die Reizung der morbiden Nerven und
der Centren durch terroristische Mittel:
sein Zeit-Sinn

15 [13]

Eine Vorrede

Ich habe das Glück und sei’s die Ehre selbst noch mit, nach ganzen Jahrtausenden der Verirrung und Verwirrung, den Weg wiedergefunden zu haben, der zu einem Ja und einem Nein führt.

Ich lehre das Nein Allem, was schwach macht—was erschöpft.

Ich lehre das Ja zu Allem, was stärkt, was Kraft aufspeichert, was den Stolz

Man hat weder das Eine noch das Andre bisher gelehrt: man hat Tugend, Entselbstung, Mitleiden, man hat selbst Verneinung des Lebens gelehrt ... Dies sind alles Werthe der Erschöpften

Ein langes Nachdenken über die Physiologie der Erschöpfung zwang mich zu der Frage, wie weit die Urtheile Erschöpfter in die Welt der Werthe eingedrungen seien.

Mein Ergebniß war so überraschend wie möglich, selbst für mich, der in mancher fremden Welt schon zu Hause war: ich fand alle obersten Werthurtheile, alle, die Herr geworden sind über die Menschheit, mindestens zahm gewordene Menschheit, zurückführbar auf die Urtheile Erschöpfter.

Ich habe erst nöthig zu lehren, daß das Verbrechen, das Coelibat, die Krankheit Folgen der Erschöpfung sind ...

Unter den heiligsten Namen zog ich die zerstörerischen Tendenzen heraus; man hat Gott genannt, was schwächt, Schwäche lehrt, Schwäche inficirt ... ich fand, daß der “gute Mensch” eine Selbstbejahungs-Form der décadence ist.

Jene Tugend, von der noch Schopenhauer gelehrt hat, daß sie die oberste, die einzige und das Fundament aller Tugenden sei: eben jenes Mitleiden erkannte als gefährlicher als irgend ein Laster. Die Auswahl in der Gattung, ihre Reinigung vom Abfall grundsätzlich kreuzen—das hieß bisher Tugend par excellence ...

Die Rasse ist verdorben—nicht durch ihre Laster, sondern ihre Ignoranz: sie ist verdorben, weil sie die Erschöpfung nicht als Erschöpfung verstand: die physiologischen Verwechslungen sind die Ursache alles Übels ihr Instinkt durch die Erschöpften verleitet wurde, ihr Best zu verbergen und das Schwergewicht zu verlieren ... Hinunter stürzen—das Leben verneinen—das sollte auch als Aufgang, als Verklärung, als Vergöttlichung empfunden werden

Die Tugend ist unser großes Mißverständniß.

Problem: wie kamen die Erschöpften dazu, die Gesetze der Werthe zu machen?

Anders gefragt: wie kamen die zur Macht, die die Letzten sind? ... Erkenne die Geschichte! Wie kommt der Instinkt des Thieres Mensch auf den Kopf zu stehn? ...

Ich wünsche, den Begriff “Fortschritt” zu präcisiren und fürchte, daß ich dazu nöthig habe den modernen Ideen ins Gesicht zu schlagen (—mein Trost ist, daß sie keine Gesichter haben, sondern nur Larven ...

Man soll kranke Glieder amputiren: erste Moral der Gesellschaft.

Eine Correktur der Instinkte: ihre Loslösung von der Ignoranz ...

Ich verachte die, welche es von der Gesellschaft verlangen daß sie sich sicher stellt gegen ihre Schädiger. Das ist bei weitem nicht genug. Die Gesellschaft ist ein Leib an dem kein Glied krank sein darf, wenn er nicht überhaupt Gefahr laufen will: ein krankes Glied, das verdirbt, muß amputirt werden: ich werde die amputablen Typen der Gesellschaft bei Namen nennen ...

Man soll das Verhängniß in Ehren halten: das Verhängniß, das zum Schwachen sagt: geh zu Grunde ...

Man hat es Gott genannt, daß man dem Verhängniß widerstrebte,—daß man die Menschheit verdarb und verfaulen machte ... Man soll den Namen Gottes nicht unnützlich führen ...

Wir haben fast alle psychologischen Begriffe, an denen die bisherige Geschichte der Psychologie—was heißt der Philosophie!—hing, annullirt wir leugnen, daß es Willen giebt (gar nicht zu reden vom “freien Willen”)
wir leugnen Bewußtsein, wie als Einheit und Vermögen

wir leugnen, daß gedacht wird (: denn es fehlt uns das was denkt und insgleichen das was gedacht wird

wir leugnen, daß zwischen den Gedanken eine reale Causalität besteht wie sie die Logik glaubt



Meine Schrift wendet sich gegen alle natürlichen Typen der décadence: ich habe die Phänomene des Nihilismus am umfänglichsten durchdacht

d.h. der geborene Vernichter

15 [14]

Vergeben Sie mir! Das ist Alles das alte Spiel von 1830. Wagner hat an die Liebe geglaubt, wie alle Romantiker dieses tollen und zuchtlosen Jahrzehnds. Was blieb davon zurück? Diese unsinnige Vergötterung der Liebe, und, nebenbei, auch der Ausschweifung und selbst des Verbrechens—wie falsch scheint uns das heute! Wie verbraucht vor Allem, wie überflüssig! Wir sind strenger geworden, härter, ungeduldiger gegen solche Vulgär-Psychologie, welche sich gar noch damit “idealistisch” glaubte,—wir sind cynisch selbst gegen diese Verlogenheit und Romantik des “schönen Gefühls” —

15 [15]

Man muß nur zurückgeblieben (oder zurückgegangen) sein, um heute noch an die Probleme Wagner’s zu glauben! Gar nicht zu reden von Wagnerischen Weibern!

Das ist alles krankhaftes Volk, mit all seiner prahlerischen Muskulatur ... Haben Sie bemerkt, daß keine je ein Kind gebiert? ... Sie können’s nicht ... Und wenn es eine Ausnahme giebt, wozu greift Wagner, um die Ausnahme glaublich zu machen? ... Sie wissen es — — an diesem Punkt allein hat Wagner die alte Sage corrigirt ...

Oder halten Sie die Wagnerschen Helden aus? alle diese Unmöglichen, wie er sie auf die Scene gestellt und in Musik gesetzt hat? Mit Muskeln aus Vorzeiten und mit Nerven von Übermorgen? heroisch zugleich und—nervös! Jeder Physiologe sagt dazu: das ist falsch!

Freilich—er hat sich dadurch die alten und die jungen Frauen bei Seite gebracht: das liebt solche Helden,—das liebt vielleicht auch das Unmögliche ...

Das liebt jedenfalls die blonden Heiligen, den Typus Parsifal,—Alles, worin es präexistente Sinnlichkeit giebt ... Wie viel zarte Neugierde inspirirt doch solch ein Fall! Wie viel Entgegenkommen erlaubt er! ... Kurz Beaumarchais machte den Frauen seinen Cherubin zum Geschenk, Wagner—seinen Parsifal .. der Klügere —

15 [16]

Wagner als Vorbild.
Wagner als Gefahr.
Wagner und die Juden
Wagners “Weib”: er kennt nur das hysterische Frauenzimmer. Warum gerade hier die Illusion immer unmöglicher wird?
Wagner und die dramatische Form
Wagners Verhältniß zu Frankreich—“europäisch”
Wagners Verhältniß zu Christenthum und Cultur:
—der Romantiker und der Nihilist—
typische Verwandlung, mit dem normalen schließlichen Zurückkehren zum Christenthum.

15 [17]

Christenthum ...
absolute Bestimmtheit des Nein ...

Daß ich Wagner seinen Parsifal aus einem anderen Grunde nicht verzeihe, wissen Sie. Das ist eine Frage der Redlichkeit—und wenn Sie wollen der Rangordnung. Man gehört hierher, man gehört dort, je nachdem.

Wer mir in seinem Verhältniß zum Christenthum heute zweideutig wird, dem gebe ich nicht erst den letzten Finger meiner zwei Hände. Hier giebt es nur Eine Rechtschaffenheit: ein unbedingtes Nein, ein Nein des Willens und der That ... Wer zeigt mir noch etwas Widerlegteres, etwas von allen höheren Werthgefühlen so endgültig Gerichtetes als das Christenthum? In ihm die Verführung als Verführung erkannt zu haben, in ihm die große Gefahr, den Weg zum Nichts, der sich als Weg zur Gottheit zu geben wußte—diese ewigen Werthe als Verleumder-Werthe erkannt zu haben—was anders macht unseren Stolz, unsere Auszeichnung vor zwei Jahrtausenden aus? ...

15 [18]

Philosoph

Ernst.

* *

Und aller großer Ernst—ist er nicht selbst schon Krankheit? Und eine erste Verhäßlichung?

Der Sinn für das Häßliche erwacht zu gleicher Zeit, wo der Ernst erwacht; man deformirt bereits die Dinge, wenn man sie ernst nimmt ...

Man nehme das Weib ernst: wie häßlich wird alsbald das schönste Weib! ...

* *

Es ist schwer, hier ernst zu bleiben. Inmitten dieser Probleme wird man nicht zum Leichenbitter ... Die Tugend in Sonderheit hat Gebärden am Leibe, daß man dyspeptisch sein muß, um trotzdem seine Würde aufrecht zu erhalten.

* *

Lachen—das ist ungefähr, wenn nicht die klügste, so doch die weiseste Antwort auf solche Fragen ...

15 [19]

Christenthum

Man hat bisher das Christenthum immer auf eine falsche und nicht bloß schüchterne Weise angegriffen. So lange man nicht die Moral des Christenthums als Capital-Verbrechen am Leben empfindet, haben dessen Vertheidiger gutes Spiel. Die Frage der bloßen “Wahrheit” des Christenthums, sei es in Hinsicht auf die Existenz seines Gottes, oder die Geschichtlichkeit seiner Entstehungs-Legende, gar nicht zu reden von der christlichen Astronomie und Naturwissenschaft—ist eine ganz nebensächliche Angelegenheit, solange die Werthfrage der christlichen Moral nicht berührt ist. Taugt die Moral des Christenthums etwas oder ist sie eine Schändung und Schmach trotz aller Heiligkeit der Verführungskünste? Es giebt Schlupfwinkel jeder Art für das Problem von der Wahrheit; und die Gläubigsten können zuletzt sich der Logik der Ungläubigsten bedienen, um sich ein Recht zu schaffen, gewisse Dinge als unwiderlegbar zu affirmiren—nämlich als jenseits der Mittel aller Widerlegung (—dieser Kunstgriff heißt sich heute “Kantischer Kriticismus” —

15 [20]

Zum Plan.

1.Die wahre und die scheinbare Welt. 
2.Die Philosophen als Typen der décadence
3.Die Religion als Ausdruck der décadence
4.Die Moral als Ausdruck der décadence
5.Die Gegenbewegungen: warum sie unterlegen sind.
6.Wohin gehört unsere moderne Welt, in die Erschöpfung oder in den Aufgang?—ihre Vielheit und Unruhe bedingt durch die höchste Form des Bewußtwerdens
7.Der Wille zur Macht: Bewußtwerden des Willens zum Leben ...
8.Die Heilkunst der Zukunft.
8: 600
56
40
70 Seiten

 

Zu 1) “wahre und scheinbare Welt”

1)ein solches Nebeneinanderstellen degradirt die “scheinbare Welt”
2)nochmals überlegt: es wäre nicht nothwendig, daß damit die scheinbare Welt degradirt würde.

15 [21]

Keuschheit.

VII

Im Falle der indischen Priester ist nicht nur die allen Priestern eignende Rancune gegen die Sinnlichkeit in Betracht zu ziehen (—darin nämlich stimmen sie überein: sie nehmen so die Sinnlichkeit als persönlichen Feind.) Das Wesentliche ist, daß nur eine extreme Rigorosität in dieser Hinsicht das Fundament aller Ordnung, die sie geschaffen haben, aufrecht erhält, den Begriff der Kaste, die Distanz der Kasten, die Reinheit der Kasten ...

Sie verlangen die Ehe, mit aller Strenge, sie sind, ähnlich wie die Chinesen, am entgegengesetzten Ende der europäischen Schlaffheit:—sie halten es für eine religiöse Pflicht, einen Sohn zu haben, sie machen das persönliche Heil im Jenseits davon abhängig, daß man einen Sohn hat. Man kann nicht genug Werth auf eine solche Gesinnung legen, eine um hundert Grad würdigere und ernsthaftere Gesinnung, als sie z.B. das Christenthum hat. In letzterem kommt die Ehe als coitus in Betracht und nicht weiter—als eine Concession an die menschliche Schwachheit und als pis aller der Hurerei.

15 [22]

Mit dieser schlechtesten aller möglichen schlechten Musik, mit dieser von Takt zu Takt vorwärts abenteuernden Unruhe und Unform, welche Leidenschaft bedeuten will und in Wahrheit die niedrigste Stufe der aesthetischen Verrohung ist, habe ich kein Erbarmen: hier muß man ein Ende machen.

15 [23]

Renaissance und Reformation

Was beweist die Renaissance? Daß das Reich des “Individuums” nur kurz sein kann. Die Verschwendung ist zu groß; es fehlt die Möglichkeit selbst, zu sammeln, zu capitalisiren, und die Erschöpfung folgt auf dem Fuße. Es sind Zeiten, wo Alles verthan wird, wo die Kraft selbst verthan wird, mit der man sammelt, capitalisirt, Reichthum auf Reichthum häuft ... Selbst die Gegner solcher Bewegungen sind zu einer unsinnigen Kraft-Vergeudung gezwungen; auch sie werden alsbald erschöpft, ausgebraucht, öde.

Wir haben in der Reformation ein wüstes und pöbelhaftes Gegenstück zur Renaissance Italiens, verwandten Antrieben entsprungen, nur daß diese im zurückgebliebenen, gemeingebliebenen Norden sich religiös verkleiden mußten,—dort hatte sich der Begriff des höheren Lebens von dem des religiösen Lebens noch nicht abgelöst.

Auch mit der Reformation will das Individuum zur Freiheit; “jeder sein eigner Priester” ist auch nur eine Formel der Libertinage. In Wahrheit genügte Ein Wort—“evangelische Freiheit”—und alle Instinkte, die Grund hatten, im Verborgenen zu bleiben, brachen wie wilde Hunde heraus, die brutalsten Bedürfnisse bekamen mit Einem Male den Muth zu sich, Alles schien gerechtfertigt ... Man hütete sich zu begreifen, welche Freiheit man im Grunde gemeint hatte, man schloß die Augen vor sich ... Aber daß man die Augen zumachte und die Lippen mit schwärmerischen Reden netzte, hinderte nicht, daß die Hände zugriffen wo etwas zu greifen war, daß der Bauch der Gott des “freien Evangeliums” wurde, daß alle Rache- und Neidgelüste sich in unersättlicher Wuth befriedigten ... Dies dauerte eine Weile: dann kam die Erschöpfung, ganz so wie sie im Süden Europas gekommen war; und auch hier wieder eine gemeine Art der Erschöpfung, ein allgemeines ruere in servitium ... Es kam das unanständige Jahrhundert Deutschlands ...

15 [24]

Eine Vergleichung des indischen Gesetzbuches mit dem christlichen ist nicht zu umgehen; es giebt kein besseres Mittel, um sich das Unreife und Dilettantische in der ganzen christlichen Tentative zu Gemüthe zu führen.

15 [25]

IX

Wenn durch Übung in einer ganzen Reihe von Geschlechtern die Moral gleichsam einmagazinirt worden ist—also die Feinheit, die Vorsicht, die Tapferkeit, die Billigkeit—so strahlt die Gesammtkraft dieser aufgehäuften Tugend selbst noch in die Sphäre aus, wo die Rechtschaffenheit am seltensten, in die geistige Sphäre.

In allem Bewußtwerden drückt sich ein Unbehagen des Organismus aus: es soll etwas Neues versucht werden, es ist nichts genügend zurecht dafür, es giebt Mühsal, Spannung, Überreiz—das alles ist eben Bewußtwerden ... Das Genie sitzt im Instinkt; die Güte ebenfalls. Man handelt nur vollkommen, sofern man instinktiv handelt. Auch moralisch betrachtet, ist alles Denken, das bewußt verläuft, eine bloße Tentative, zumeist das Widerspiel der Moral. Die wissenschaftliche Rechtschaffenheit ist immer ausgehängt, wenn der Denker anfängt zu räsonniren: man mache die Probe, man lege die Weisesten auf die Goldwage, indem man sie Moral reden macht ...

Das läßt sich beweisen, daß alles Denken, das bewußt verläuft, auch einen viel niedrigeren Grad von Moralität darstellen wird, als das Denken desselben, so fern es von seinen Instinkten geführt wird.

Nichts ist seltener unter den Philosophen als intellektuelle Rechtschaffenheit: vielleicht sagen sie das Gegentheil, vielleicht glauben sie es selbst. Aber ihr ganzes Handwerk bringt es mit sich, daß sie nur gewisse Wahrheiten zulassen; sie wissen, was sie beweisen müssen, sie erkennen sich beinahe daran als Philosophen, daß sie über diese “Wahrheiten” einig sind. Da sind z.B. die moralischen Wahrheiten. Aber der Glaube an Moral ist noch kein Beweis von Moralität: es giebt Fälle—und der Fall der Philosophen gehört hierher, wo ein solcher Glaube einfach eine Unmoralität ist.

15 [25]

IX

Wenn durch Übung in einer ganzen Reihe von Geschlechtern die Moral gleichsam einmagazinirt worden ist—also die Feinheit, die Vorsicht, die Tapferkeit, die Billigkeit—so strahlt die Gesammtkraft dieser aufgehäuften Tugend selbst noch in die Sphäre aus, wo die Rechtschaffenheit am seltensten, in die geistige Sphäre.

In allem Bewußtwerden drückt sich ein Unbehagen des Organismus aus: es soll etwas Neues versucht werden, es ist nichts genügend zurecht dafür, es giebt Mühsal, Spannung, Überreiz—das alles ist eben Bewußtwerden ... Das Genie sitzt im Instinkt; die Güte ebenfalls. Man handelt nur vollkommen, sofern man instinktiv handelt. Auch moralisch betrachtet, ist alles Denken, das bewußt verläuft, eine bloße Tentative, zumeist das Widerspiel der Moral. Die wissenschaftliche Rechtschaffenheit ist immer ausgehängt, wenn der Denker anfängt zu räsonniren: man mache die Probe, man lege die Weisesten auf die Goldwage, indem man sie Moral reden macht ...

Das läßt sich beweisen, daß alles Denken, das bewußt verläuft, auch einen viel niedrigeren Grad von Moralität darstellen wird, als das Denken desselben, so fern es von seinen Instinkten geführt wird.

Nichts ist seltener unter den Philosophen als intellektuelle Rechtschaffenheit: vielleicht sagen sie das Gegentheil, vielleicht glauben sie es selbst. Aber ihr ganzes Handwerk bringt es mit sich, daß sie nur gewisse Wahrheiten zulassen; sie wissen, was sie beweisen müssen, sie erkennen sich beinahe daran als Philosophen, daß sie über diese “Wahrheiten” einig sind. Da sind z.B. die moralischen Wahrheiten. Aber der Glaube an Moral ist noch kein Beweis von Moralität: es giebt Fälle—und der Fall der Philosophen gehört hierher, wo ein solcher Glaube einfach eine Unmoralität ist.

15 [26]

Heute, wo in dem Weinberg des deutschen Geistes die Rhinoxera haust

15 [27]

an deren Busen die gelehrte Jugend heute die Milch der Wissenschaft trinkt, Professoren und andere höhere Ammen

15 [28]

Man hat zu allen Zeiten die “schönen Gefühle” für Argumente genommen, den “gehobenen Busen” für den Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung als “Kriterium der Wahrheit”, das Bedürfniß des Gegners als Fragezeichen zur Weisheit: diese Falschheit, Falschmünzerei geht durch die ganze Geschichte der Philosophie. Die achtbaren, aber nur spärlichen Skeptiker abgerechnet, zeigt sich nirgends ein Instinkt von intellektueller Rechtschaffenheit. Zuletzt hat noch Kant in aller Unschuld diese Denker-Corruption mit dem Begriff “praktische Vernunft” zu verwissenschaftlichen gesucht: er erfand eigens eine Vernunft dafür, in welchen Fällen man sich nicht um die Vernunft zu kümmern: nämlich wenn das Bedürfniß des Herzens, wenn die Moral, wenn die Pflicht redet

15 [29]

Décadence X

Zwei Typen der Moral sind nicht zu verwechseln: eine Moral, mit der sich der gesund gebliebene Instinkt gegen die beginnende décadence wehrt—und eine andere Moral, mit der eben diese décadence sich formulirt, rechtfertigt und selber abwärts führt ... Die erstere pflegt stoisch, hart, tyrannisch zu sein—der Stoicismus selbst war eine solche Hemmschuh-Moral—die andere ist schwärmerisch, sentimental, voller Geheimnisse, sie hat die Weiber und die “schönen Gefühle” für sich.

15 [30]

Décadence

Die Erlösung von aller Schuld.”

Man spricht von der “tiefen Ungerechtigkeit” des socialen Pakts: wie als ob die Thatsache, daß dieser unter günstigen, jener unter ungünstigen Verhältnissen geboren wird, von vornherein eine Ungerechtigkeit sei; oder gar schon, daß dieser mit diesen Eigenschaften, jener mit jenen geboren wird. Von Seiten der Aufrichtigsten unter diesen Gegnern der Gesellschaft wird dekretirt: “wir selber sind mit allen unseren schlechten, krankhaften, verbrecherischen Eigenschaften, die wir eingestehen, nur die unvermeidlichen Folgen einer seculären Unterdrückung der Schwachen durch die Starken”; sie schieben ihren Charakter den herrschenden Ständen in’s Gewissen. Und man droht, man zürnt, man verflucht; man wird tugendhaft vor Entrüstung—, man will nicht umsonst ein schlechter Mensch, eine canaille geworden sein ... Diese Attitüde, eine Erfindung unsrer letzten Jahrzehnte, heißt sich, soviel ich höre, auch Pessimismus, und zwar Entrüstungs-Pessimismus. Hier wird der Anspruch gemacht, die Geschichte zu richten, sie ihrer Fatalität zu entkleiden, eine Verantwortlichkeit hinter ihr, Schuldige in ihr zu finden. Denn darum handelt es sich: man braucht Schuldige. Die Schlechtweggekommenen, die décadents jeder Art sind in Revolte über sich und brauchen Opfer, um nicht an sich selbst ihren Vernichtungs-Durst zu löschen (—was an sich vielleicht die Vernunft für sich hätte). Dazu haben sie einen Schein von Recht nöthig, das heißt eine Theorie, auf welche hin sie die Thatsache ihrer Existenz, ihres So-und-so-seins auf irgend einen Sündenbock abwälzen können. Dieser Sündenbock kann Gott sein—es fehlt in Rußland nicht an solchen Atheisten aus ressentiment—oder die gesellschaftliche Ordnung, oder die Erziehung und der Unterricht, oder die Juden, oder die Vornehmen oder überhaupt Gutweggekommene irgend welcher Art. “Es ist ein Verbrechen, unter günstigen Bedingungen geboren zu werden: denn damit hat man die Anderen enterbt, bei Seite gedrückt, zum Laster, selbst zur Arbeit verdammt” ... “Was kann ich dafür, miserabel zu sein! Aber irgendwer muß etwas dafür können, sonst wäre es nicht auszuhalten!” ... Kurz, der Entrüstungs-Pessimismus erfindet Verantwortlichkeiten, um sich ein angenehmes Gefühl zu schaffen—die Rache ... “Süßer als Honig” nennt sie schon der alte Homer. —

2.

Daß eine solche Theorie nicht mehr Verständniß, will sagen Verachtung findet, das macht das Stück Christenthum, das uns Allen noch im Blute steckt: so daß wir tolerant gegen Dinge sind, bloß weil sie von fern etwas christlich riechen ... Die Socialisten appelliren an die christlichen Instinkte, das ist noch ihre feinste Klugheit ... Vom Christenthum her sind wir an den abergläubischen Begriff der “Seele” gewöhnt, an die “unsterbliche Seele”, an die Seelen-Monade, die eigentlich ganz wo anders zu Hause ist und nur zufällig in diese oder jene Umstände, ins “Irdische” gleichsam hineingefallen ist, “Fleisch” geworden ist: doch ohne daß ihr Wesen dadurch berührt, geschweige denn bedingt wäre. Die gesellschaftlichen, verwandtschaftlichen, historischen Verhältnisse sind für die Seele nur Gelegenheiten, Verlegenheiten vielleicht; jedenfalls ist sie nicht deren Werk. Mit dieser Vorstellung ist das Individuum transscendent gemacht; es darf auf sie hin sich eine unsinnige Wichtigkeit beilegen. In der That hat erst das Christenthum das Individuum herausgefordert, sich zum Richter über Alles und Jedes aufzuwerfen, der Größenwahn ist ihm beinahe zur Pflicht gemacht: es hat ja ewige Rechte gegen alles Zeitliche und Bedingte geltend zu machen! Was Staat! Was Gesellschaft! Was historische Gesetze! Was Physiologie! Hier redet ein Jenseits des Werdens, ein Unwandelbares in aller Historie, hier redet etwas unsterbliches, etwas Göttliches, eine Seele! Ein anderer christlicher nicht weniger verrückter Begriff hat sich noch weit tiefer ins Fleisch der Modernität vererbt: der Begriff von der Gleichheit der Seelen vor Gott. In ihm ist das Prototyp aller Theorien der gleichen Rechte gegeben: man hat die Menschheit den Satz von der Gleichheit erst religiös stammeln gelehrt, man hat ihr später eine Moral daraus gemacht: und was Wunder, daß der Mensch damit endet, ihn ernst zu nehmen, ihn praktisch zu nehmen! will sagen politisch, demokratisch, socialistisch, entrüstungs-pessimistisch ...

Überall, wo Verantwortlichkeiten gesucht worden sind, ist es der Instinkt der Rache gewesen, der da suchte. Dieser Instinkt der Rache wurde in Jahrtausenden dermaßen über die Menschheit Herr, daß die ganze Metaphysik, Psychologie, Geschichtsvorstellung, vor Allem aber die Moral mit ihm abgezeichnet worden ist. So weit auch nur der Mensch gedacht hat, so weit hat er den Bacillus der Rache in die Dinge geschleppt. Er hat Gott selbst damit krank gemacht, er hat das Dasein überhaupt um seine Unschuld gebracht: nämlich dadurch, daß er jedes So-und-So-sein auf Willen, auf Absichten, auf Akte der Verantwortlichkeit zurückführte. Die ganze Lehre vom Willen, diese verhängnißvollste Fälschung in der bisherigen Psychologie, wurde wesentlich erfunden zum Zweck der Rache. Es war die gesellschaftliche Nützlichkeit der Strafe, die diesem Begriff seine Würde, seine Macht, seine Wahrheit verbürgte. Die Urheber der älteren Psychologie—der Willens-Psychologie—hat man in den Ständen zu suchen, welche das Strafrecht in den Händen hatten, voran in dem der Priester an der Spitze der ältesten Gemeinwesen: sie wollten sich ein Recht schaffen, Rache zu nehmen—oder sie wollten Gott ein Recht zur Rache schaffen. Zu diesem Zwecke wurde der Mensch “frei” gedacht; zu diesem Zwecke mußte jede Handlung als gewollt, mußte der Ursprung jeder Handlung als im Bewußtsein liegend gedacht werden. Allein in diesen Sätzen ist die alte Psychologie conservirt.— Heute, wo Europa in die umgekehrte Bewegung eingetreten scheint, wo wir Halkyonier zumal mit aller Kraft den Schuldbegriff und Strafbegriff aus der Welt wieder zurückzuziehen, herauszunehmen, auszulöschen suchen, wo unser größter Ernst darauf aus ist, die Psychologie, die Moral, die Geschichte, die Natur, die gesellschaftlichen Institutionen und Sanktionen, Gott selbst von diesem Schmutz zu reinigen—in wem müssen wir unsre natürlichsten Antagonisten sehen? Eben in jenen Aposteln der Rache und des Ressentiments, in jenen Entrüstungs-Pessimisten par excellence, welche eine Mission daraus machen, ihren Schmutz unter dem Namen “Entrüstung” zu heiligen ... Wir Anderen, die wir dem Werden seine Unschuld zurückzugewinnen wünschen, möchten die Missionare eines reinlicheren Gedankens sein; daß Niemand dem Menschen seine Eigenschaften gegeben hat, weder Gott, noch die Gesellschaft, noch seine Eltern und Vorfahren, noch er selbst,—daß Niemand schuld an ihm ist ... Es fehlt ein Wesen, das dafür verantwortlich gemacht werden könnte, daß Jemand überhaupt da ist, daß Jemand so und so ist, daß Jemand unter diesen Umständen, in dieser Umgebung geboren ist.— Es ist ein großes Labsal, daß solch ein Wesen fehlt ... Wir sind nicht das Resultat einer ewigen Absicht, eines Willens, eines Wunsches: mit uns wird nicht der Versuch gemacht, ein “Ideal von Vollkommenheit” oder ein “Ideal von Glück” oder ein “Ideal von Tugend” zu erreichen,—wir sind ebensowenig der Fehlgriff Gottes, vor dem ihm selber angst werden müßte (—mit welchem Gedanken bekanntlich das alte Testament beginnt). Es fehlt jeder Ort, jeder Zweck, jeder Sinn, wohin wir unser Sein, unser So-und-so-sein abwälzen könnten. Vor allem: Niemand könnte es: man kann das Ganze nicht richten, messen, vergleichen oder gar verneinen. Warum nicht?— Aus fünf Gründen, allesammt selbst, bescheidenen Intelligenzen zugänglich: zum Beispiel, weil es nichts giebt außer dem Ganzen.— Und nochmals gesagt, das ist ein großes Labsal, darin liegt die Unschuld alles Daseins.

15 [31]

XI

Grundeinsicht über das Wesen der décadence:

was man bisher als deren Ursachen angesehen hat, sind deren Folgen.

Damit verändert sich die ganze Perspektive der moralischen Probleme.

Laster:

Luxus:

Verbrechen:

selbst Krankheit:

: der ganze Moral-Kampf gegen Laster, Luxus usw. erscheint als Naivetät, als überflüssig ...:

: es giebt keine “Besserung”—gegen die Reue

Die décadence selbst ist nichts, was zu bekämpfen wäre: sie ist absolut nothwendig und jeder Zeit und jedem Volk eigen. Was mit aller Kraft zu bekämpfen, das ist die Einschleppung des Contagiums in die gesunden Theile des Organismus.

Thut man das? Man thut das Gegentheil.

Genau darum bemüht man sich seitens der Humanität

Wie verhalten sich zu dieser biologischen Grundfrage die bisherigen obersten Werthe?

1)Die Philosophie
 die Religion
 die Moral
 die Kunst
 usw.

die Kur: z.B. der Militarism, von Napoleon an, der in der Civilisation seine natürliche Feindin sah ...

Anarchismus
Weibs-Emancipation
 
Abnahme der Defensiv-KräfteKrankheit, Seuchen usw.
Übergewicht des ressentimentder Entrüstungs-pessimismus
das Mitgefühl mit allem Leidendendas Mitleiden
der Mangel an Hemmungs-ApparatenLaster, Corruption (Kritik der Sinne, der Leidenschaften)
die Verhäßlichungdie Zunahme der Häßlichkeit (die Schönheit als erarbeitet
die “Toleranz”die Skepsis, die “Objektivität”
Übergewicht der Schwäche-Gefühledie Pessimisten (physiologisch décadents
die auflösenden Instinktedie liberalen Institutionen
Talent, mehrere Personen darzustellenHeuchelei, Schauspielerei: die Schwächung der Person
das “Umsonst”, die “Sinnlosigkeit”der Nihilismus.
übermäßige Reizbarkeit, die Weibs-Emancipationdie Hyperirritabilität “Musik”
der “Artist”
der “romancier”
Bedürfniß nach ReizmittelnLuxus als
das Bedürfniß der narcotica, die Ausschweifung in Musik und Alkohol (auch Buch)
die Tyrannei des milieu

15 [32]

Die Frage der décadence: zu begreifen, welche Phänomene zueinander gehören und hier ihren gemeinsamen Heerd haben

Anarchismus
Weibs-Emancipation
 
Abnahme der Defensiv-KräfteKrankheit, Seuchen usw.
Übergewicht des ressentimentder Entrüstungs-pessimismus
das Mitgefühl mit allem Leidendendas Mitleiden
der Mangel an Hemmungs-ApparatenLaster, Corruption (Kritik der Sinne, der Leidenschaften)
die Verhäßlichungdie Zunahme der Häßlichkeit (die Schönheit als erarbeitet
die “Toleranz”die Skepsis, die “Objektivität”
Übergewicht der Schwäche-Gefühledie Pessimisten (physiologisch décadents
die auflösenden Instinktedie liberalen Institutionen
Talent, mehrere Personen darzustellenHeuchelei, Schauspielerei: die Schwächung der Person
das “Umsonst”, die “Sinnlosigkeit”der Nihilismus.
übermäßige Reizbarkeit, die Weibs-Emancipationdie Hyperirritabilität “Musik”
der “Artist”
der “romancier”
Bedürfniß nach ReizmittelnLuxus als
das Bedürfniß der narcotica, die Ausschweifung in Musik und Alkohol (auch Buch)
die Tyrannei des milieu

15 [33]

Die Philosophien.
Die Religionen.
Die Moralen.
Sterilität, Coelibat (Haß gegen die
Sinne: bei Schopenhauer z.B.

15 [34]

Die Philosophien des Pessimismus:
physiologisch décadents
z.B. Baudelaire
Schopenhauer
Leopardi:geschlechtliche Irrungen am Anfang,
Impotenz bei Zeiten als Folge

15 [35]

man hat den unwürdigen Versuch gemacht, in Wagner und Schopenhauer Typen der geistig-Gestörten zu sehen: eine ungleich wesentlichere Einsicht wäre gewonnen, den Typus der décadence, den beide darstellen, wissenschaftlich zu präcisiren.

15 [36]

Das gegenwärtige Deutschland, das mit Anspannung aller Kräfte arbeitet und eine Überladung und frühzeitiges Alter zu seinen normalen Folgen zählt, wird sich schon in 2 Generationen abzahlen mit einer tiefen Degenerescenz-Erscheinung ... Einstweilen constatiren wir nur die zunehmende Entgeistigung und Verpöbelung des Geschmacks—ein immer vulgäreres Erholungs-Bedürfniß: die späteren Zeiten werden die krankhaften Bedürfnisse im Vordergrunde finden, die Steigerung der Reizmittel, die alkoholischen und Musik-Opiate.

15 [37]

Féré p. 89.

XII

die Unfähigkeit zur fortgesetzten Arbeit

Folge excessiver Arbeit unter ungenügender Ernährung, namentlich einer immer tieferen und dauerhafte Erschöpfung, welche in der nächsten Generation morbide Erscheinungen zu Tage bringt

wir kennen auch eine hereditäre Überarbeitung: Hauptursache für die Degener einer Rasse,—damit wird sie immer unfähiger für produktive Anstrengungen

Die Faulheit, als Unfähigkeit zu anhaltender Anstrengung, der Degeneration zu eigen. Solche Individuen, die nicht nur Nahrung, sondern spezielle Reizmittel brauchen, um ihre niedergehende Lebenskraft zu steigern, wollen sich erhalten lassen durch die Arbeit Anderer. Sie bedienen sich dazu der List oder der Gewaltthat. (d.h. der einmaligen Anstrengung)

Dreiviertel der Degenerirten sind aus Dürftigkeit, die Hälfte sind ohne Arbeit. Aber die Dürftigkeit ist bereits eine Folge der Arbeits-Unfähigkeit, des typischen Müßiggangs des Degenerirten ...

— die einmalige Anstrengung: Symptom.

Faulheit, Armut, Verbrechen, Parasitismus,



Der Unterricht vermehrt die Bedürfnisse und die Begehrlichkeit, ohne die Mittel zu vermehren, sie zu befriedigen.

Mit dem obligator Unterricht erschöpft man die Reserven einer Rasse.

die Criminalität ist dort am größten, wo die Erschöpfung am größten d.h. wo am unsinnigsten gearbeitet, in der Sphäre des Handels und der Industrie

Überarbeitung, Erschöpfung, Stimulirungs-Bedürfniß (Laster), Steigerung der Irritabilität und der Schwäche (so daß sie explosiv werden)



Die Mißstalteten, die Degenerirten, und Impotenten jeder Art haben eine Art Instinkt für einander: aus ihm wachsen die antisocialen Wesen

(weil ihre Eltern unfähig waren, sich an Gesellschaften anzupassen)

sie suchen, die Irren z.B.

in neuropathischen Familien giebt es eine degenerative Selection (Goethe “Wahlverwandtschaften”)

das Geschlecht aus dem Laster und dem Verbrechen geboren ist antisocial—auch das Dienstboten-Thier (eine leichte Arbeit und relat Wohlbefinden) bereitet antisociale Elemente vor (Huren, Diebe, Verbrecher jeder Art)

Der Trunk und die Ausschweifung steigern die Degenerescenz

Vermehrung der Krankheiten durch Verlangsamung der Ernährung

Neurose, Psychose und Recrudescenz der Criminalität

Das Unvermögen zum Kampf: das ist Degenerescenz

“man muß den Kampf abschaffen
die Kämpfenden zuerst!”

Der Mord und der Selbstmord gehören zusammen und folgen sich im Verhältniß der Lebensalter und der Jahreszeiten

der Pessimismus und der Selbstmord gehören zusammen

Bedürfniß nach Aufregungen und Reizen:

Luxus—einer der ersten Schritte der décadence. Die Reizung macht die Schwäche ...

Die Degenerirten fühlen eine Anziehungskraft von einem Regime, das ihnen schädlich ist, das den Gang der Degenerescenz beschleunigt (die Anämischen, die Hysterischen, die Diabetiker, die Dystrophyker)

15 [38]

Und, inmitten dieser décadence, die Kriege um das “Vaterland”, um diese lächerliche Nachgeburt des Patriotismus, welche, aus wirthschaftlichen Gründen, schon in hundert Jahren, eine Komödie sein wird ...

diese Austilgung der bestgerathenen Männer durch den Krieg —

15 [39]

XIII

Dem Wohlgerathenen, der meinem Herzen wohlthut, aus einem Holz geschnitzt, welches hart, zart und wohlriechend ist,—an dem selbst die Nase noch ihre Freude hat—sei dies Buch geweiht.

ihm schmeckt, was ihm zuträglich ist

sein Gefallen an etwas hört auf, wo das Maaß des Zuträglichen überschritten wird

er erräth die Heilmittel gegen partielle Schädigungen, er hat Krankheiten als große Stimulantia seines Lebens

er versteht seine schlimmen Zufälle auszunützen

er wird stärker, durch die Unglücksfälle, die ihn zu vernichten drohen

er sammelt instinktiv aus allem, was er sieht, hört, erlebt, zu Gunsten seiner Hauptsache—er folgt einem auswählenden Princip,—er läßt viel durchfallen

er reagirt mit der Langsamkeit, welche eine lange Vorsicht und ein gewollter Stolz angezüchtet haben,—er prüft den Reiz, woher er kommt, wohin er will, er unterwirft sich nicht

er ist immer in seiner Gesellschaft, ob er mit Büchern, Menschen oder Landschaften verkehrt: er ehrt, indem er wählt, indem er zuläßt, indem er vertraut ...

15 [40]

Daß die Civilisation den physiologischen Niedergang einer Rasse nach sich zieht.

Der Bauer von den großen Städten aufgefressen: eine unnatürliche Überreizung des Kopfes und der Sinne. Die Ansprüche an ihr Nervensystem sind zu groß; Skropheln, Schwindsucht, Nervenkrankheiten, jedes neue Reizmittel steigert nur das rasche Verschwinden der Schwachen: die Epidemien raffen die Schwachen fort ...

Die Unproduktiven

die Faulheit ist eigen den Nervenschwachen, den Hysterischen, den Melancholikern, den Epileptikern, den Verbrechern

15 [41]

Nicht die Natur ist unmoralisch, wenn sie ohne Mitleid für die Degenerirten ist: das Wachsthum der physiologischen und moralischen Übel im menschlichen Geschlecht ist umgekehrt die Folge einer krankhaften und unnatürlichen Moral

die Sensibilität der Mehrzahl Menschen ist krankhaft und unnatürlich

woran hängt es, daß die Menschheit corrupt ist in moralischer und physiologischer Beziehung?

Der Leib geht zu Grunde, wenn ein Organ alterirt ist ...

man kann nicht das Recht des Altruismus auf die Physiologie zurückführen

ebensowenig das Recht auf Hülfe, auf Gleichheit der Loose: das sind alles Prämien für die Degenerirten und Schlechtweggekommenen.

Es giebt keine Solidarität in einer Gesellschaft, wo es unfruchtbare, unproduktive und zerstörerische Elemente giebt, die übrigens noch entartetere Nachkommen haben werden als sie selbst.

15 [42]

 

Besserung

XIV

Kritik der heiligen Lüge.

Daß zu frommen Zwecken die Lüge erlaubt ist, das gehört zur Theorie aller Priesterschaften,—wie weit es zu ihrer Praxis gehört, soll der Gegenstand dieser Untersuchung sein.

Aber auch die Philosophen, sobald sie mit priesterlichen Hinterabsichten die Leitung der Menschen in die Hände zu nehmen beabsichtigen, haben sofort auch sich ein Recht zur Lügezurecht gemacht: Plato voran. Am großartigsten ist die doppelte durch die typisch-arischen Philosophen des Vedanta entwickelte: zwei Systeme, in allen Hauptpunkten widersprüchlich, aber aus Erziehungszwecken sich ablösend, ausfüllend, ergänzend. Die Lüge des Einen soll einen Zustand schaffen, in dem des anderen Wahrheit überhaupt hörbar wird ...

Wie weit geht die fromme Lüge der Priester und der Philosophen?— Man muß hier fragen, welche Voraussetzungen zur Erziehung sie haben, welche Dogmen sie erfinden müssen, um diesen Voraussetzungen genug zu thun?

Erstens: sie müssen die Macht, die Autorität, die unbedingte Glaubwürdigkeit auf ihrer Seite haben
Zweitens: sie müssen den ganzen Naturverlauf in Händen haben, so daß alles, was den Einzelnen trifft, als bedingt durch ihr Gesetz erscheint

Drittens: sie müssen auch einen weiter reichenden Machtbereich haben, dessen Controle sich den Blicken ihrer Unterworfenen entzieht: das Strafmaaß für das Jenseits, das “Nach-dem-Tode”,—wie billig auch die Mittel, zur Seligkeit den Weg zu wissen

Sie haben den Begriff des natürlichen Verlaufs zu entfernen: da sie aber kluge und nachdenkliche Leute sind, so können sie eine Menge Wirkungen versprechen, natürlich als bedingt durch Gebete oder durch strikte Befolgung ihres Gesetzes ...

sie können insgleichen eine Menge Dinge verordnen, die absolut vernünftig sind,—nur daß sie nicht die Erfahrung, die Empirie als Quelle dieser Weisheit nennen dürfen, sondern eine Offenbarung, oder die Folge “härtester Bußübungen”

die heilige Lüge bezieht sich also principiell: auf den Zweck der Handlung (—der Naturzweck, die Vernunft wird unsichtbar gemacht, ein Moral-Zweck, eine Gesetzeserfüllung, eine Gottesdienstlichkeit erscheint als Zweck

: auf die Folge der Handlung (—die natürliche Folge wird als übernatürliche ausgelegt, und, um sicher zu wirken, es werden uncontrolirbare andre übernatürliche Folgen in Aussicht gestellt.

auf diese Weise wird ein Begriff von Gut und Böse geschaffen, der ganz und gar losgelöst von dem Naturbegriff “nützlich” “schädlich” lebenfördernd, “lebenvermindernd” erscheint—er kann, insofern ein andres Leben erdacht ist, sogar direkt feindselig dem Naturbegriff von Gut und Böse werden

auf diese Weise wird endlich das berühmte “Gewissen” geschaffen: eine innere Stimme, welche bei jeder Handlung nicht den Werth der Handlung an ihren Folgen mißt, sondern in Hinsicht auf die Absicht und Conformität dieser Absicht mit dem “Gesetz”

Die heilige Lüge hat also

einen strafenden und belohnenden Gott erfunden, der exakt das Gesetzbuch der Priester anerkennt und exakt sie als seine Mundstücke und Bevollmächtigten in die Welt schickt

ein Jenseits des Lebens, in dem die große Straf-Maschine erst wirksam gedacht wird,—zu diesem Zwecke die “Unsterblichkeit der Seele

das Gewissen im Menschen, als das Bewußtsein davon, daß Gut und Böse feststeht,—daß Gott selbst hier redet, wenn es die Conformität mit der priesterlichen Vorschrift anräth

die Moral als Leugnung alles natürlichen Verlaufs, als Reduktion alles Geschehens auf ein moralisch-bedingtes Geschehen, die Moralwirkung (d.h. die Straf- und Lohn-Idee) als die Welt durchgringend, als einzige Gewalt, als creator von allem Wechsel

die Wahrheit als gegeben, als geoffenbart, als zusammenfallend mit der Lehre der Priester: als Bedingung alles Heils und Glücks in diesem und jenem Leben

In summa: womit ist die moralische Besserung bezahlt?

Aushängung der Vernunft, Reduktion aller Motive auf Furcht und Hoffnung (Strafe und Lohn)

Abhängigkeit von einer priesterlichen Vormundschaft, von einer Formalien-Genauigkeit, welche den Anspruch macht, einen göttlichen Willen auszudrücken

die Einpflanzung eines “Gewissens”, welches ein falsches Wissen an Stelle der Prüfung und des Versuchs setzt

: wie als ob es bereits feststünde, was zu thun und was zu lassen wäre—eine Art Castration des suchenden und vorwärts strebenden Geistes

: in summa, die ärgste Verstümmelung des Menschen, die man sich vorstellen, angeblich als “der gute Mensch”

In praxi ist die ganze Vernunft, die ganze Erbschaft von Klugheit, Feinheit, Vorsicht, welche die Voraussetzung des priesterlichen Kanons ist, willkürlich hinterdrein auf eine bloße Mechanik reduzirt

die Conformität mit dem Gesetz gilt bereits als Ziel, als oberstes Ziel,—das Leben hat keine Probleme mehr

die ganze Welt-Conception ist beschmutzt mit der Strafidee ...

das Leben selbst ist, mit Hinsicht darauf, das priesterliche Leben als das non plus ultra der Vollkommenheit darzustellen, in eine Verleumdung und Beschmutzung des Lebens umgedacht ...

der Begriff “Gott” stellt eine Abkehr vom Leben, eine Kritik, eine Verachtung selbst des Lebens dar ...

die Wahrheit ist umgedacht als die priesterliche Lüge, das Streben nach Wahrheit als Studium der Schrift, als Mittel, Theolog zu werden ...

15 [43]

Die Verführung der Menschheit unter dem Mantel der heiligsten Absicht

der verbrecherische Gebrauch, der bisher mit dem Worte “Wahrheit” getrieben worden ist

Ich habe eine schlimme und verhängnißvolle Geschichte zu erzählen, die Geschichte des längsten Verbrechens, der unseligsten Verführung, der überlegtesten Giftmischerei, das eigentlich schwarze Ereigniß der Menschheit, unter dessen Bann die tiefsten Instinkte des Lebens verketzert und in Frage gestellt worden sind ...

P: sie verwechseln Ursache und Wirkung

P: sie verwechseln die Ruhe als Stärke und die Ruhe als Ohnmacht

Sollte man glauben, daß es möglich wäre, über Ursache und Wirkung einen Irrthum zu verbreiten, so daß man die Wirkung als Ursache empfindet? Es scheint unmöglich: aber unter der Verführung der Moral ist es gelungen ...

Man hat zu allen Zeiten, seitens der Priester, den Verfall eines Geschlechts, eines Volks, als Strafe für seine Laster, für seine Ungläubigkeit und Freigeisterei, dargestellt man hat insgleichen Krankheit, Seuchen, Geisteskrankheiten als Folgen von Entfremdung vom Glauben dargestellt,

umgekehrt hat man langes Leben und Glück der Familie und Nachkommenschaft als Lohn für die Frömmigkeit und Gesetzes-Erfüllung in Aussicht gestellt

heute sagen wir umgekehrt: die Tüchtigkeit eines Menschen seine “Rechtschaffenheit” ist die Folge langer glücklicher Ehen und der Ausdruck einer vernünftigen Wahl der Zu-Paarenden,—dadurch können Kräfte aufsummirt werden ..., ein Ausdruck vom Glück der Vorfahren

Laster, Verbrechen, Krankhaftigkeit, Irrsinn, Libertinage auch die geistige, sind Folgen der décadence, Symptome derselben,—sie sind folglich unheilbar ...

Die Frömmigkeit der Familien verbürgt so wenig eine gesunde und glückliche Nachkommenschaft, daß gerade unter den frömmsten, hereditär frömmsten Familien im jetzigen Europa die geistigen Störungen, die Melancholie erblich sind ... Es ist der Ausdruck eines leidenden und bedrängten Typus, die Frömmigkeit so sehr nöthig zu haben, um das Leben zu ertragen: unsere Pietisten sind nicht aus Belieben Christen ...

15 [44]

Die Umkehrung der Rangordnung:

die frommen Falschmünzer, die Priester werden unter uns zu Tschandala:

— sie nehmen die Stellung der Charlatans, der Quacksalber, der Falschmünzer, der Zauberer ein: wir halten sie für Willens-Verderber, für die großen Verleumder und Rachsüchtigen des Lebens, für die Empörer unter den Schlechtweggekommenen

* *

Dagegen ist der Tschandala von Ehemals obenauf: voran die Gotteslästerer, die Immoralisten, die Freizügigen je, der Art, die Artisten, die Juden, die Spielleute—im Grunde alle verrufenen Menschenklassen —

— wir haben uns zu ehrenhaften Gedanken emporgehoben, mehr noch, wir bestimmen die Ehre auf Erden, die “Vornehmheit” ...

— wir Alle sind heute die Fürsprecher des Lebens

— wir Immoralisten sind heute die stärkste Macht: die großen anderen Mächte brauchen uns ... wir construiren die Welt nach unserem Bilde —

Wir haben den Begriff Tschandala auf die Priester, Jenseits-Lehrer und die mit ihnen verwachsene, die christliche Gesellschaft übertragen, hinzugenommen, was gleichen Ursprungs ist, die Pessimisten, Nihilisten, Mitleids-Romantiker, Verbrecher, Lasterhaften,—die gesammte Sphäre, wo der Begriff “Gott” als Heiland imaginirt wird ...

* *

Wir sind stolz darauf, keine Lügner mehr sein zu müssen, keine Verleumder, keine Verdächtiger des Lebens ...



NB. Selbst wenn man uns Gott bewiese, wir würden ihn nicht zu glauben wissen.

15 [45]

Zur Kritik des Manu-Gesetzbuchs. —

XV

Das ganze Buch ruht auf der heiligen Lüge:

— ist es das Wohl der Menschheit, welches dieses ganze System inspirirt hat? diese Art Mensch, welche an die Interessirtheit jeder Handlung glaubt, war sie interessirt oder nicht, dieses System durchzusetzen?

— die Menschheit zu verbessern—woher ist diese Absicht inspirirt? Woher ist der Begriff des Bessern genommen?

— wir finden eine Art Mensch, die priesterliche, die sich als Norm, als Spitze, als höchsten Ausdruck des Typus Mensch fühlt: von sich aus nimmt sie den Begriff des “Bessern”

— sie glaubt an ihre Überlegenheit, sie will sie auch in der That: die Ursache der heiligen Lüge ist der Wille zur Macht ...

* * *

Aufrichtung der Herrschaft: zu diesem Zwecke die Herrschaft von Begriffen, welche in der Priesterschaft ein non plus ultra von Macht ansetzen
die Macht durch die Lüge, in Einsicht darüber, daß man sie nicht physisch, militärisch, besitzt ...

die Lüge als Supplement der Macht,—ein neuer Begriff der “Wahrheit”

* *

Man irrt sich, wenn man hier unbewußte und naive Entwicklung voraussetzt, eine Art Selbstbetrug ... Die Fanatiker sind nicht die Erfinder solcher durchdachten Systeme der Unterdrückung ...

Hier hat die kaltblütigste Besonnenheit gearbeitet, dieselbe Art Besonnenheit, wie sie ein Plato hatte, als er sich seinen “Staat” ausdachte

“Man muß die Mittel wollen, wenn man das Ziel will”—über diese Politiker-Einsicht waren alle Gesetzgeber bei sich klar

* *

Wir haben das klassische Muster als spezifisch arisch: wir dürfen also die bestausgestattete und besonnenste Art Mensch verantwortlich machen für die grundsätzlichste Lüge, die je gemacht worden ist ... Man hat das nachgemacht, überall beinahe: der arische Einfluß hat alle Welt verdorben ...

15 [46]

Daß irgend Etwas geglaubt wird

XVI

Der Irrthum und die Unwissenheit sind verhängnißvoll.

Die Behauptung, daß die Wahrheit da sei und daß es ein Ende habe mit der Unwissenheit und dem Irrthum, ist eine der größten Verführungen, die es giebt.

Gesetzt, sie wird geglaubt, so ist damit der Wille zur Prüfung, Forschung, Vorsicht, Versuchung, lahm gelegt: er kann selbst als frevelhaft, nämlich als Zweifel an der Wahrheit gelten ...

Die “Wahrheit” ist folglich verhängnißvoller als der Irrthum und die Unwissenheit, weil sie die Kräfte unterbindet, mit denen an der Aufklärung und Erkenntniß gearbeitet wird.

Der Affekt der Faulheit nimmt jetzt Partei für die “Wahrheit”;

— “Denken ist eine Noth, ein Elend!”

insgleichen die Ordnung, die Regel, das Glück des Besitzes, der Stolz der Weisheit—die Eitelkeit in summa

— es ist bequemer, zu gehorchen als zu prüfen ... es ist schmeichelhafter, zu denken “ich habe die Wahrheit” als um sich herum nur Dunkel zu sehn ...

— vor allem: es beruhigt, es giebt Vertrauen, es erleichtert das Leben—es “verbessert” den Charakter, insofern es das Mißtrauen verringert ...

“der Frieden der Seele”, “die Ruhe des Gewissens” alles Erfindungen, die nur unter der Voraussetzung möglich sind, daß die Wahrheit da ist ...

“An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen” ... Die “Wahrheit” ist Wahrheit, denn sie macht die Menschen besser ...

... der Prozeß setzt sich fort: alles Gute, allen Erfolg der “Wahrheit” auf’s Conto zu setzen ...

Das ist der Beweis der Kraft: das Glück, die Zufriedenheit, der Wohlstand des Gemeinwesens und des Einzelnen werden nunmehr als Folge des Glaubens an die Moral verstanden ...

— die Umkehrung: der schlimme Erfolg ist aus dem Mangel an Glauben abzuleiten —

15 [47]

Die Priester-Moral
Die Herren-Moral
Die Tschandala-Moral
Die Mittelstand-Moral (die “Heerdenthier-Moral”)

Philosophen Gelehrte Berufe
Künstler
Staatsmänner

15 [48]

Was ist die Falschmünzerei an der Moral?

XVII

Sie giebt vor, etwas zu wissen, nämlich was gut und böse sei.

Das heißt, wissen wollen, wozu der Mensch da ist, sein Ziel, seine Bestimmung zu kennen.

Das heißt wissen wollen, daß der Mensch ein Ziel, eine Bestimmung habe

15 [49]

Der Sieg über dieWahrheit”.

Was rückständig ist: der Vorrang der unmoralischen Werthe über die moralischen.

Dies zu beweisen: 1) die moralischen Werthe selbst sind nicht “moralisch”
a) weder der Herkunft nach
b) noch den Machtmitteln nach, mit denen sie sich durchsetzten

15 [50]

Kant, eine Begriffsmaschine, volles 18tes Jahrhundert, mit einem Souterrain von Theologen-Arglist und ein

15 [51]

Nicht der Sieg der Wissenschaft ist das, was unser 19tes Jahrhundert auszeichnet, sondern der Sieg der wissenschaftlichen Methode über die Wissenschaft

15 [52]

XVIII

Wille zur Wahrheit.

Märtyrer

alles, was auf Ehrfurcht sich gründet, bedarf, um bekämpft zu werden, seitens der Angreifenden eine gewisse verwegene, rücksichtslose, selbst schamlose Gesinnung ... Erwägt man nun, daß die Menschheit seit Jahrtausenden nur Irrthümer als Wahrheiten geheiligt hat, daß sie selbst jede Kritik derselben als Zeichen der schlechten Gesinnung brandmarkte, so muß man mit Bedauern sich eingestehen, daß eine gute Anzahl Immoralitäten nöthig war, um die Initiative zum Angriff, will sagen zur Vernunft zu geben ... Daß diese Immoralisten sich selbst immer als “Märtyrer der Wahrheit” aufgespielt haben soll ihnen verziehen sein: die Wahrheit ist, daß nicht der Trieb zur Wahrheit, sondern die Auflösung, die frevelhafte Skepsis, die Lust des Abenteuers der Trieb war, aus dem sie negirten—Im anderen Falle sind es persönliche Rancunen, die sie ins Gebiet der Probleme treiben,—sie kämpfen gegen Probleme, um gegen Personen Recht zu behalten—Vor allem aber ist es die Rache, welche wissenschaftlich nutzbar geworden ist,—die Rache Unterdrückter, solcher, die durch die herrschenden Wahrheiten bei Seite gedrängt und selbst unterdrückt waren ...
Die Wahrheit, will sagen, die wissenschaftliche Methodik ist von solchen erfaßt und gefördert worden, die in ihr ein Werkzeug des Kampfes erriethen,—eine Waffe zur Vernichtung ... Um ihre Gegnerschaft zu Ehren zu bringen, brauchten sie im Übrigen einen Apparat nach Art derer, die sie angriffen:—sie affichirten den Begriff “Wahrheit” ganz so unbedingt, wie ihre Gegner,—sie wurden Fanatiker, zum Mindesten in der Attitüde, weil keine andere Attitüde ernst genommen wurde. Das Übrige that dann die Verfolgung, die Leidenschaft und Unsicherheit des Verfolgten,—der Haß wuchs und folglich nahm die Voraussetzung ab, um auf dem Boden der Wissenschaft zu bleiben. Sie wollten zuletzt allesammt auf eine eben so absurde Weise Recht haben, wie ihre Gegner ... Das Wort “Überzeugung”, “Glaube”, der Stolz des Märtyrerthums—das sind alles die ungünstigsten Zustände für die Erkenntniß. Die Gegner der Wahrheiten haben zuletzt die ganze subjektive Manier, um über Wahrheitzu entscheiden, nämlich mit Attitüden, Opfern, heroischen Entschließungen, von selbst wieder acceptirt,—d.h. die Herrschaft der antiwissenschaftlichen Methode verlängert.— als Märtyrer compromittirten sie ihre eigene That —

15 [53]

Die beiden abscheulichsten Ausgeburten des 18. Jahrhunderts

das Subjekt schafft die Welt, die uns etwas angeht —
die Vernunft schafft die Gesellschaft, in der

die beiden verhängnißvollen Farcen, die Revolution und die Kantische Philosophie, die Praxis der revolutionären Vernunft und die Revolution der “praktischen” Vernunft

die Natur verleugnet, dualist Moral|bei Kant

daß ein Begriff angebl Wissen an Stelle der Natur treten soll, als Bildner, gestalten, bauen will

der Haß gegen das Werden, gegen die sorgfältige Betrachtung des Werdens
ist gemein aller Moral und der Revolution:

15 [54]

Der Wille zur Wahrheit.
Der Philosoph als Problem.
Der Priester: Erfindung der Moral. Der Sieg über die “Wahrheit” (die bisherigen “Wahrheiten” Symptome der décadence)
Der Begriff und Umfang der décadence.

15 [55]

Um billig von der Moral zu denken, müssen wir zwei zoologische Begriffe an ihre Stelle setzen: Zähmung der Bestie und Züchtung einer bestimmten Art.

Die Priester gaben zu allen Zeiten vor, daß sie “bessern” wollen ... Aber wir andern lachen, wenn ein Thierbändiger von seinen “gebesserten” Thieren reden wollte.— Die Zähmung der Bestie wird in den meisten Fällen durch eine Schädigung der Bestie erreicht: auch der vermoralisirte Mensch ist kein besserer Mensch, sondern nur ein geschwächter, ein gründlich verschnittener und verhunzter Mensch. Aber er ist weniger schädlich ...

15 [56]

der Kampf gegen die brutalen Instinkte ist ein anderer als der Kampf gegen die krankhaften Instinkte

: es kann selbst ein Mittel sein, um über die Brutalität Herr zu werden, krank zu machen

: die psychologische Behandlung im Christenthum läuft oft darauf hinaus, aus einem Vieh ein krankes und folglich zahmes Thier zu machen

der Kampf gegen rohe und wüste Naturen muß ein Kampf mit Mitteln sein, die auf sie wirken: die abergläubischen Mittel sind unersetzlich und unerläßlich ...

15 [57]

— an sich verlangen, daß nur “Wahres” gesagt wird, würde voraussetzen daß man die Wahrheit hätte; soll es aber nur heißen, daß man sagt, was einem wahr gilt, so giebt es Fälle, wo es wichtig ist, dasselbe so zu sagen, daß es einem Anderen auch wahr gilt: daß es auf ihn wirkt

Sobald wir selbst die Moral absolut nehmen und z.B. das Verbot der Lüge im religiösen Verstande, so wird die ganze Geschichte der Moral, wie die der Politik, eine Nichtswürdigkeit. Wir leben von Lügen und Falschmünzereien—die herrschenden Stände haben immer gelogen ...

15 [58]

Kapitel: der Wille zur Wahrheit

die psychologischen Verwechslungen:

das Verlangen nach Glauben—verwechselt mit dem “Willen zur Wahrheit” (z.B. bei Carlyle)

aber ebenso ist das Verlangen nach Unglauben verwechselt worden mit dem “Willen zur Wahrheit” (—ein Bedürfniß, loszukommen von einem Glauben, aus hundert Gründen, Recht zu bekommen gegen irgend welche “Gläubigen”)

was inspirirt die Skeptiker? der Haß gegen die Dogmatiker—oder ein Ruhe-Bedürfniß, eine Müdigkeit wie bei Pyrrho

— die Vortheile, welche man von der Wahrheit erwartete, waren die Vortheile des Glaubens an sie:—an sich nämlich könnte ja die Wahrheit durchaus peinlich, schädlich, verhängnißvoll sein —

man hat die “Wahrheiten” auch nur wieder bekämpft, als man Vortheile sich vom Siege versprach ... z.B. Freiheit von den herrschenden Gewalten

die Methodik der Wahrheit ist nicht aus Motiven der Wahrheit gefunden worden, sondern aus Motiven der Macht, des Überlegen-sein-wollens

womit beweist sich die Wahrheit? mit dem Gefühl der erhöhten Macht (“ein Gewißheit-Glaube”)—mit der Nützlichkeit—mit der Unentbehrlichkeit—kurz mit Vortheilen nämlich Voraussetzungen, welcher Art die Wahrheit beschaffen sein sollte, um von uns anerkannt zu werden

aber das ist ein Vorurtheil: ein Zeichen, daß es sich gar nicht um Wahrheit handelt ...

was bedeutet z.B. der “Wille zur Wahrheit” bei den Goncourt’s? bei den Naturalisten? Kritik der “Objektivität”

warum erkennen? warum nicht lieber sich täuschen? ...

was man wollte, war immer der Glaube,—und nicht die Wahrheit ...

Der Glaube wird durch entgegengesetzte Mittel geschaffen als die Methodik der Forschung—: er schließt letztere selbst aus

15 [59]

Die Idee der “wahren Welt” oder “Gottes” als absolut unsinnlich, geistig, gütig ist eine Nothmaßregel im Verhältniß dazu, als die Gegen-Instinkte noch allmächtig sind ...

die Mäßigkeit und erreichte Humanität zeigt sich exakt in der Vermenschlichung der Götter: die Griechen der stärksten Zeit, die vor sich selber keine Furcht hatten, sondern Glück an sich hatten, näherten ihre Götter an alle ihre Affekte — ..

Die Vergeistig der Gottes-Idee ist deshalb fern davon, einen Fortschritt zu bedeuten: man fühlt dies recht herzlich bei der Berührung mit Goethe—wie da die Verdunstung Gottes in Tugend und Geist sich als eine rohere Stufe fühlbar macht ...

15 [60]

Wenn irgend etwas unsre Vermenschlichung, einen wahren thatsächlichen Fortschritt bedeutet, so ist es, daß wir keine excessiven Gegensätze, überhaupt keine Gegensätze mehr brauchen ...

wir dürfen die Sinne lieben, wir haben sie in jedem Grade vergeistigt und artistisch gemacht

wir haben ein Recht auf alle die Dinge, die am schlimmsten bisher verrufen waren

15 [61]

A. In dem Maaße, in dem heute das Christenthum noch nöthig erscheint, ist der Mensch noch wüst und verhängnißvoll ...

B. in anderem Betracht ist es nicht nöthig, sondern extrem schädlich, wirkt aber als anziehend und verführend, weil es dem morbiden Charakter ganzer Schichten, ganzer Typen der jetzigen M entspricht ... sie geben ihrem Hange nach, indem sie christlich aspiriren—die décadents aller Art —

man hat hier zwischen A und B streng zu scheiden. Im Fall A ist Christenthum ein Heilmittel, mindestens ein Bändigungsmittel (—es dient unter Umständen krank zu machen: was nützlich sein kann, um die Wüstheit und Roheit zu brechen)

Im Fall B ist es ein Symptom der Krankheit selbst, vermehrt die décadence; hier wirkt es einem corroborirenden System der Behandlung entgegen, hier ist es der Kranken-Instinkt gegen das, was ihm heilsam ist —

15 [62]

Die Partei der Ernsten, Würdigen, Nachdenklichen

: und ihr gegenüber die wüste, unsaubere, unberechenbare Bestie

: ein bloßes Problem der Thierbändgung:

— wobei der Thierbändiger hart, furchtbar und schreckeneinflößend sein muß für seine Bestie

alle wesentlichen Forderungen müssen mit einer brutalen Deutlichkeit d.h. tausendfach übertrieben gestellt werden

: die Erfüllung der Forderung selbst muß in einer Vergröberung dargestellt werden, daß sie Ehrfurcht erregt
z.B. die Entsinnlichung seitens der Brahmanen.

* * *

Der Kampf mit der Canaille und dem Vieh: ist eine gewisse Bändigung und Ordnung erreicht, so muß die Kluft zwischen diesen Gereinigten und Wiedergeborenen und dem Rest so furchtbar wie möglich aufgerissen werden ...

diese Kluft vermehrt die Selbstachtung, den Glauben an das, was von ihnen dargestellt wird, bei den höheren Kasten

daher der Tschandala. Die Verachtung und deren Übermaß ist vollkommen psychologisch correkt, nämlich hundertfach übertrieben, um überhaupt nachgefühlt zu werden

* * *

Im Kampf mit der Bestie ist Krank-machen oft das einzige Mittel, um schwach zu machen. Und genau so wie sich die Brahmanen gegen die Tschandalas wehren (indem sie dieselben krank machen), verurtheilen sie auch die Verbrecher und Aufständischen aller Art zu Schwächungen (—dies der Sinn der Büßungen usw.)

15 [63]

Im Großen gerechnet, ist in unsrer jetzigen Menschheit ein ungeheures Quantum von Humanität erreicht. Daß dies im allgemeinen nicht empfunden wird, ist selber ein Beweis dafür: wir sind für die kleinen Nothstände so empfindlich geworden, daß wir das, was erreicht ist, unbillig übersehen.

: hier ist abzurechnen, daß es viel décadence giebt: und daß mit solchen Augen gesehen, unsere Welt schlecht und miserabel aussehen muß. Aber diese Augen haben zu allen Zeiten das Gleiche gesehen ...

1) eine gewisse Überreizung selbst der moralischen Empfindung

2) das Quantum Verbitterung und Verdüsterung, das der Pessimismus mit sich in die Beurtheilung trägt

: beides zusammen hat der entgegengesetzten Vorstellung, daß es schlecht mit unserer Moralität steht, zum Übergewicht verholfen.

Die Thatsache des Credits, des ganzen Welthandels, der Verkehrsmittel,—ein ungeheures mildes Vertrauen auf den Menschen drückt sich darin aus ... Dazu trägt auch bei

3) die Loslösung der Wissenschaft von moralischen und religiösen Absichten: ein sehr gutes Zeichen, das aber meistens falsch verstanden ist.

Ich versuche auf meine Weise eine Rechtfertigung der Geschichte

15 [64]

Moral ein nützlicher Irrthum, deutlicher, in Hinsicht auf die größten und vorurtheilsfreiesten ihrer Förderer, eine nothwendig erachtete Lüge

15 [65]

Was ich mit aller Kraft deutlich zu machen wünsche:

a) daß es keine schlimmere Verwechslung giebt als wenn man Zähmung mit Schwächung verwechselt

: was man gethan hat ...

Die Zähmung ist, wie ich sie verstehe, ein Mittel der ungeheuren Kraft-Aufspeicherung der Menschheit, so daß die Geschlechter auf der Arbeit ihrer Vorfahren fortbauen können—nicht nur äußerlich, sondern innerlich, organisch aus ihnen herauswachsend, ins Stärkere ...

b) daß es eine außerordentliche Gefahr giebt, wenn man glaubt, daß die Menschheit als Ganzes fortwüchse und stärker würde, wenn die Individuen schlaff, gleich, durchschnittlich werden ... Menschheit ist ein Abstraktum: das Ziel der Zähmung kann auch im einzelsten Fall immer nur der stärkere Mensch sein (—der ungezähmte ist schwach, vergeuderisch, unbeständig ...

15 [66]

daß die corrupten Pariser romanciers jetzt nach Weihrauch duften, macht sie meiner Nase nicht wohlriechender: Mystik und katholisch-heilige Falten im Gesicht sind nur eine Form der Sinnlichkeit mehr

15 [67]

Wovor ich warne: die décadence-Instinkte nicht mit der Humanität zu verwechseln

: die auflösenden und nothwendig zur décadence treibenden Mittel der Civilisation nicht mit der Cultur zu verwechseln

: die libertinage, das Princip des “laisser aller” nicht mit dem Willen zur Macht zu verwechseln (—er ist dessen Gegenprincip)

15 [68]

Die beiden großen Tentativen, die gemacht worden sind das 18te Jahrhundert zu überwinden:

Napoleon, indem er den Mann, den Soldaten und den großen Kampf um Macht wieder aufweckte—Europa als politische Einheit concipirend

Goethe, indem er eine europäische Cultur imaginirte, die die volle Erbschaft der schon erreichten Humanität macht.

15 [69]

Die deutsche Cultur dieses Jahrhunderts erweckt Mißtrauen —

in der Musik fehlt jenes volle, erlösende und bindende Element Goethe

die Österreicher sind nur durch ihre Musik deutsch geblieben

15 [70]

Wir mißtrauen etwas allen jenen entzückten und extremen Zuständen, in denen man “die Wahrheit mit Händen zu greifen” wähnt —

15 [71]

Wie die Tugend zur Macht kommt

Die Priester—und mit ihnen die Halbpriester, die Philosophen—haben zu allen Zeiten eine Lehre Wahrheit genannt, deren erzieherische Wirkung wohlthätig war oder wohlthätig schien—die “besserte”. Sie gleichen damit einem naiven Heilkünstler und Wundermann aus dem Volke, der, weil er ein Gift als Heilmittel erprobt hat, es verleugnet, daß dasselbe ein Gift ist ... “An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen”—nämlich unsere “Wahrheiten”: das ist das Priester-Raisonnement bis heute noch. Sie haben selbst verhängnißvoll genug ihren Scharfsinn dahin verschwendet, dem “Beweis der Kraft” (oder “aus den Früchten”) den Vorrang, ja die Entscheidung über alle Formen des Beweises zu geben. “Was gut macht, muß gut sein; was gut ist, kann nicht lügen”—so schließen sie unerbittlich—: “was gute Früchte trägt, das muß folglich wahr sein: es giebt kein anderes Kriterium der Wahrheit” ...

Sofern aber das “Besser-machen” als Argument gilt, muß das Schlechter-machen als Widerlegung gelten. Man beweist den Irrthum damit als Irrthum, daß man das Leben derer prüft, die ihn vertreten: ein Fehltritt, ein Laster widerlegt ... Diese unanständigste Art der Gegnerschaft, die von Hinten und Unten, die Hunde-Art, ist insgleichen niemals ausgestorben: die Priester, sofern sie Psychologen sind, haben nie etwas interessanter gefunden, als an den Heimlichkeiten ihrer Gegner zu schnüffeln.— Dies allein macht ihre Optik der Welt-Kenntniß:—sie beweisen damit ihr Christenthum, daß sie bei der “Welt” nach Schmutz suchen. Voran bei den Ersten der Welt, bei den “Genies”: man erinnere sich, wie jeder Zeit in Deutschland gegen Goethe angekämpft worden ist (: Klopstock und Herder giengen hierin mit “gutem Beispiel” voran—Art läßt nicht von Art.)

15 [72]

1.

Man muß sehr unmoralisch sein, um durch die That Moral zu machen ... Die Mittel der Moralisten sind die furchtbarsten Mittel, die je gehandhabt worden sind; wer den Muth nicht zur Unmoralität der That hat, taugt zu allem Übrigen, er taugt nicht zum Moralisten.

2.

Die Moral ist eine Menagerie; ihre Voraussetzung, daß eiserne Stäbe nützlicher sein können als Freiheit, selbst für den Eingefangenen; ihre andere Voraussetzung, daß es Thierbändiger giebt, die sich vor furchtbaren Mitteln nicht fürchten,—die glühendes Eisen zu handhaben wissen. Diese schreckliche Species, die den Kampf mit dem wilden Thier aufnimmt, heißt sich “Priester”.

15 [73]

Der Mensch, eingesperrt in einen eisernen Käfig von Irrthümern, eine Carikatur des Menschen geworden, krank, kümmerlich, gegen sich selbst böswillig, voller Haß auf die Antriebe zum Leben, voller Mißtrauen gegen alles, was schön und glücklich ist am Leben, ein wandelndes Elend: diese künstliche, willkürliche, nachträgliche Mißgeburt, welche die Priester aus ihrem Boden gezogen haben, der “Sünder”: wie werden wir es erlangen, dieses Phänomen trotz alledem zu rechtfertigen?

15 [74]

Das Mittel, Priester und Religionen zu widerlegen, ist immer nur dies: zeigen daß ihre Irrthümer aufgehört haben, wohlthätig zu sein,—daß sie mehr schaden, kurz daß ihr eigener “Beweis der Kraft” nicht mehr Stich hält ...

15 [75]

Niebuhr: “die moralische Achtungswürdigkeit der Neueren, verglichen gegen die Griechen, ist außerordentlich”.

“Geht es Dir nicht auch so, daß nichts leicht einen schmerzlicheren Eindruck macht, als wenn ein großer Geist sich seiner Flügel beraubt und eine Virtuosität in etwas weit Geringerem sucht, indem er dem Höheren entsagt?” (Mit Bezug auf Wilhelm Meister)

15 [76]

Vorrede.

Dies Buch wendet sich nur an Wenige,—an die freigewordenen Menschen, denen nichts mehr verboten ist: wir haben Schritt für Schritt das Recht auf alles Verbotene zurückgewonnen.

Den Beweis für die erreichte Macht und Selbstgewißheit damit geben, daß man sich “zu fürchten verlernt hat”; das Vertrauen zu seinen Instinkten eintauschen dürfen gegen das Mißtrauen und den Verdacht; daß man sich liebt und achtet in seinem Sinn—in seinem Unsinn noch—ein wenig Hanswurst, ein wenig Gott; kein Düsterling, keine Eule; keine Blindschleiche ...

15 [77]

Daß Nichts von dem wahr ist, was ehemals als wahr galt:

daß, was uns als unheilig, verboten, verächtlich, verhängnißvoll ehemals verwehrt wurde—alle diese Blumen wachsen heute am lieblichen Pfade der Wahrheit

Diese ganze alte Moral geht uns nichts mehr an: es ist kein Begriff darin, der noch Achtung verdiente. Wir haben sie überlebt,—wir sind nicht mehr grob und naiv genug, um in dieser Weise uns belügen lassen zu müssen ... Artiger gesagt: wir sind zu tugendhaft dazu ...

Und wenn Wahrheit im alten Sinne nur deshalb “Wahrheit” war, weil die alte Moral zu ihr Ja sagte, Ja sagen durfte: so folgt daraus, daß wir auch keine Wahrheit von Ehedem mehr übrig haben ... Unser Kriterium der Wahrheit ist durchaus nicht die Moralität: wir widerlegen eine Behauptung damit, daß wir sie als abhängig von der Moral, als inspirirt durch edle Gefühle beweisen.

15 [78]

Der Begriffstarker und schwacher Mensch” reduzirt sich darauf, daß im ersten Fall viel Kraft vererbt ist—er ist eine Summe: im anderen noch wenig

— unzureichende Vererbung, Zersplitterung des Ererbten

die Schwäche kann ein Anfangs-Phänomen sein: “noch wenig”; oder ein End-Phänomen: “nicht mehr”

Der Ansatz-Punkt, wo große Kraft ist, wo Kraft auszugeben ist:—die Masse, als die Summe der Schwachen, reagirt langsam ...

‚ wehrt sich gegen Vieles, für das sie zu schwach ist ... von dem sie keinen Nutzen haben kann

‚ schafft nicht, geht nicht voran ...

Dies gegen die Theorie, welche das starke Individuum leugnet und meint, “die Masse thut’s”

Es ist die Differenz, wie zwischen getrennten Geschlechtern: es können 4, 5 Generationen zwischen dem Thätigen und der Masse liegen ... eine chronologische Differenz ...

15 [79]

NB NB. Die Werthe der Schwachen sind obenan, weil die Starken sie übernommen haben, um damit zu leiten ...

15 [80]

Erworbene, nicht ererbte Erschöpfung

unzureichende Ernährung, oft aus Unwissenheit über Ernährung; z.B. bei Gelehrten

die erotische Präcocität: der Fluch vornehmlich der französischen Jugend, der Pariser voran: welche aus den Lyceen bereits verhunzt und beschmutzt in die Welt tritt,—und nicht wieder von der Kette verächtlicher Neigungen loskommt, gegen sich selbst ironisch und schnöde—Galeerensklaven, mit aller Verfeinerung und

: übrigens in den häufigsten Fällen bereits Symptom der Rassen- und Familien-décadence, wie alle Hyper-Reizbarkeit; insgleichen als Contagium des milieu—: auch bestimmbar zu sein durch die Umgebung, gehört zur décadence —

Der Alcoholismus, nicht der Instinkt, sondern die Gewöhnung, die stupide Nachahmung, die feige oder eitle Anpassung an ein herrschendes régime:—Welche Wohlthat ist ein Jude unter Deutschen! wie viel Stumpfheit, wie flächsern der Kopf, wie blau das Auge; der Mangel an esprit in Gesicht, Wort, Haltung; das faule Sichstrecken, das deutsche Erholungs-Bedürfniß, das nicht aus Überarbeitung, sondern aus der widrigen Reizung und Überreizung durch Alcoholica herkommt ...

15 [81]

Die Naivetät ist, daß der Pessimismus sich damit zu begründen meint: während er sich nur damit beweist ...

15 [82]

Der Mangel an Philologie: man verwechselt beständig die Erklärung mit dem Text—und was für eine “Erklärung”!

15 [83]

Frauen, stark gerathen, von altem Schrot und Korn, mit dem Temperament einer Kuh, denen selbst Unfälle wenig anhaben: aber sie nennen es ihr “Gottvertrauen”.— Sie merken nichts davon, daß ihr “Gottvertrauen” nur der Ausdruck ihrer starken und sicheren Gesammtverfassung ist—eine Formulirung, keine Ursache ...

15 [84]

Die Thatsache ist “daß ich so traurig bin”; das Problem “ich weiß nicht was das zu bedeuten hat” ... “Das Märchen aus alten Zeiten”

“ein alter Sünder” würde ein Christ sagen: im anderen Falle, im Falle Heines, hat es “die Lorelei gethan”.

15 [85]

Dieinnere Welt” und ihr berühmterinnerer Sinn”.

Der innere Sinn verwechselt die Folge mit der Ursache

die “Ursache” wird projicirt, nachdem die Wirkung erfolgt ist: Grundthatsache der “inneren Erfahrung”.

15 [86]

Die Goncourt fanden Flaubert campagnardisé, zu gesund, zu robust für sie—sie bemerken, daß sich sein Talent für sie vergröberte ...

Was muß sich für die das Talent Heines vergröbert haben ... Daher der Haß ...

Ungefähr der Haß des Novalis gegen Goethe —

15 [87]

Man bemerke, daß die delikaten Naturen in ihren Abneigungen vergröbern, die starken in ihren Abneigungen verdünnen, verzärteln, verkränkeln—z.B. Goethe gegen Kleist, gegen Hölderlin

15 [88]

Die typischen décadents, die sich nothwendig fühlen in ihrer Verderbniß des Stils, die damit einen höheren Geschmack in Anspruch nehmen und den Anderen ein Gesetz auflegen möchten, die Goncourts, die Richard Wagner, sind zu unterscheiden von den décadents mit schlechtem Gewissen, die widerspänstigen décadents —

15 [89]

Die Unwissenheit in physiologicis—der Christ hat kein Nervensystem—; die Verachtung und das willkürliche Wegsehen-wollen von den Forderungen des Leibes, von der Entdeckung des Leibes; die Voraussetzung, daß es so der höheren Natur des Menschen gemäß sei,—daß es der Seele nothwendig zu Gute komme—die grundsätzliche Reduktion aller Gesammt-Gefühle des Leibes auf moralische Werthe; die Krankheit selbst bedingt gedacht durch die Moral, etwa als Strafe, oder als Prüfung oder auch als Heils-Zustand, in dem der Mensch vollkommener wird als er es in der Gesundheit sein könnte (—der Gedanke Pascals), unter Umständen das freiwillige Sich-krank-machen

15 [90]

Der Phänomenalismus derinneren Welt

die chronologische Umdrehung, so daß die Ursache später ins Bewußtsein tritt, als die Wirkung.

wir haben gelernt, daß der Schmerz an eine Stelle des Leibes projicirt wird, ohne dort seinen Sitz zu haben

wir haben gelernt, daß die Sinnesempfindung, welche man naiv als bedingt durch die Außenwelt ansetzt, vielmehr durch die Innenwelt bedingt ist: daß jede eigentliche Aktion der Außenwelt immer unbewußt verläuft ... Das Stück Außenwelt, das uns bewußt wird, ist nachgeboren nach der Wirkung die von außen auf uns geübt ist, ist nachträglich projicirt als deren “Ursache” ...

In dem Phänomenalismus der “inneren Welt” kehren wir die Chronologie von Ursache und Wirkung um.

Die Grundthatsache der “inneren Erfahrung” ist, daß die Ursache imaginirt wird, nachdem die Wirkung erfolgt ist ...

Dasselbe gilt auch von der Abfolge der Gedanken ... wir suchen den Grund zu einem Gedanken, bevor er uns noch bewußt ist: und dann tritt zuerst der Grund und dann dessen Folge ins Bewußtsein ...

Unser ganzes Träumen ist die Auslegung von Gesammt-Gefühlen auf mögliche Ursachen: und zwar so, daß ein Zustand erst bewußt wird, wenn die dazu erfundene Causalitäts-Kette ins Bewußtsein getreten ist ...

die ganze “innere Erfahrung” beruht darauf, daß zu einer Erregung der Nerven-Centren eine Ursache gesucht und vorgestellt wird—und daß erst die gefundene Ursache ins Bewußtsein tritt: diese Ursache ist schlechterdings nicht adäquat der wirklichen Ursache,—es ist ein Tasten auf Grund der ehemaligen “inneren Erfahrungen”—d.h. des Gedächtnisses. Das Gedächtniß erhält aber auch die Gewohnheiten der alten Interpretat, d.h. deren irrthümliche Ursächlichkeiten ... so daß die “innere Erfahrung” in sich noch die Folgen aller ehemaligen falschen Causal-Fiktionen zu tragen hat

unsere “Außenwelt”, wie wir sie jeden Augenblick projiciren, ist versetzt und unauflöslich gebunden an den alten Irrthum vom Grunde: wir legen sie aus mit dem Schematismus des “Dings”

so wenig der Schmerz in einem einzelnen Falle bloß den einzelnen Fall darstellt, vielmehr eine lange Erfahrung über die Folgen gewisser Verletzungen, eingerechnet die Irrthümer in der Abschätzung dieser Folgen

Die “innere Erfahrung” tritt uns ins Bewußtsein, erst nachdem sie eine Sprache gefunden hat, die das Individuum versteht ... d.h. eine Übersetzung eines Zustandes in ihm bekanntere Zustände —

“verstehen” das heißt naiv bloß: etwas Neues ausdrücken können in der Sprache von etwas Altem, Bekanntem

z.B. “ich befinde mich schlecht”—ein solches Urtheil setzt eine große und späte Neutralität des Beobachtenden voraus—: der naive Mensch sagt immer: das und das macht, daß ich mich schlecht befinde—er wird über sein Schlechtbefinden erst klar, wenn er einen Grund sieht, sich schlecht zu befinden ...

Das nenne ich den Mangel an Philologie: einen Text als Text ablesen können, ohne eine Interpretation dazwischen zu mengen, ist die späteste Form der “inneren Erfahrung”,—vielleicht eine kaum mögliche ...

15 [91]

Die Ursachen des Irrthums liegen ebensosehr im guten Willen des Menschen als im schlechten—: er verbirgt sich in tausend Fällen die Realität, er fälscht sie, um in seinem guten Willen nicht zu leiden

Gott z.B. als Lenker des menschlichen Schicksals: oder die Auslegung seines kleinen Geschicks, wie als ob Alles zum Heil der Seele geschickt und ausgedacht sei—dieser Mangel an “Philologie”, der einem feineren Intellekt als Unsauberkeit und Falschmünzerei gelten muß, wird durchschnittlich unter der Inspiration des guten Willens gemacht ...

Der gute Wille, die “edlen Gefühle”, die “hohen Zustände” sind in ihren Mitteln ebensolche Falschmünzer und Betrüger als die moralisch abgelehnten und egoistisch genannten Affekte, wie Liebe, Haß, Rache.

* * *

Die Irrthümer sind das, was die Menschheit am kostspieligsten zu bezahlen hat: und, ins Große gerechnet, sind es die Irrthümer des “guten Willens”, die sie am tiefsten geschädigt haben. Der Wahn, der glücklich macht, ist verderblicher als der, welcher direkt schlimme Folgen hat: letzterer schärft, macht mißtrauisch, reinigt die Vernunft,—ersterer schläfert sie ein ...

die schönen Gefühle, die “erhabenen Wallungen”, gehören, physiologisch geredet, unter die narkotischen Mittel: ihr Mißbrauch hat ganz dieselbe Folge, wie der Mißbrauch eines anderen Opiums,—die Nervenschwäche ...

15 [92]

Kritik der subjektiven Werthgefühle.

Das Gewissen. Ehemals schloß man: das Gewissen verwirft diese Handlung: folglich ist diese Handlung verwerflich. Thatsächlich verwirft das Gewissen eine Handlung, weil dieselbe lange verworfen worden ist. Es spricht bloß nach: es schafft keine Werthe.

Das, was ehedem dazu bestimmte, gewisse Handlungen zu verwerfen, war nicht das Gewissen: sondern die Einsicht (oder das Vorurtheil) hinsichtlich ihrer Folgen ...

Die Zustimmung des Gewissens, das Wohlgefühl des “Friedens mit sich” ist von gleichem Range als die Lust eines Künstlers an seinem Werke—sie beweist gar nichts ... Die Selbstzufriedenheit ist so wenig ein Werthmaß für das, worauf sie sich bezieht als ihr Mangel ein Gegenargument gegen den Werth einer Sache. Wir wissen bei weitem nicht genug, um den Werth unserer Handlungen messen zu können: es fehlt uns zu alledem die Möglichkeit, objektiv dazu zu stehn: auch wenn wir eine Handlung verwerfen, sind wir nicht Richter, sondern Partei ...

Die edlen Wallungen, als Begleiter von Handlungen, beweisen nichts für deren Werth: ein Künstler kann mit dem allerhöchsten Pathos des Zustandes eine Armseligkeit zur Welt bringen. Eher sollte man sagen, daß diese Wallungen verführerisch seien: sie locken unseren Blick, unsere Kraft ab von der Kritik, von der Vorsicht, von dem Verdacht, daß wir eine Dummheit machen ... sie machen uns dumm —

15 [93]

Ehedem hat man jene Zustände und Folgen der physiologischen Erschöpfung, weil sie reich an Plötzlichem, Schrecklichem, Unerklärlichem und Unberechenbarem sind, für wichtiger genommen, als die gesunden Zustände und deren Folgen. Man fürchtete sich: man setzte hier eine höhere Welt an. Man hat den Schlaf und Traum, man hat den Schatten, die Nacht, den Naturschrecken verantwortlich gemacht für das Entstehen zweiter Welten: vor allem sollte man die Symptome der physiologischen Erschöpfung darauf hin betrachten. Die alten Religionen discipliniren ganz eigentlich den Frommen zu einem Zustande der Erschöpfung, wo er solche Dinge erleben muß ... Man glaubte in eine höhere Ordnung eingetreten zu sein, wo Alles aufhörte, bekannt zu sein.— Der Schein einer höheren Macht ...

15 [94]

siehe im ersten braunen großen Heft

sein Leben lassen für eine Sache—großer Effekt. Aber man läßt für Vieles sein Leben: die Affekte sammt und sonders wollen ihre Befriedigung. Ob es das Mitleid ist oder der Zorn oder die Rache—daß das Leben daran gesetzt wird, verändert nichts am Werthe. Wie viele haben ihr Leben für die hübschen Weiblein geopfert—und selbst, was schlimmer ist, ihre Gesundheit. Wenn man das Temperament hat, so wählt man instinktiv die gefährlichen Dinge: z.B. die Abenteuer der Spekulation, wenn man Philosoph; oder der Immoralität, wenn man tugendhaft ist. Die eine Art Mensch will nichts riskiren, die andre will riskiren. Sind wir Anderen Verächter des Lebens? Im Gegentheil, wir suchen instinktiv ein potenzirtes Leben, das Leben in der Gefahr ... damit, nochmals gesagt, wollen wir nicht tugendhafter sein als die Anderen. Pascal z.B. wollte nichts riskiren und blieb Christ: das war vielleicht tugendhafter.— Man opfert immer ...

15 [95]

“Die großen Gedanken kommen aus dem Herzen”.— Aber das soll man Vauvenargues nicht glauben usw. usw.

15 [96]

Die beste moderne Oper ist die Oper meines Freundes Heinrich Köselitz, die einzige, die von W-Deutschland frei ist: eine Neucomposition des “matrimonio segreto”. Die zweitbeste Oper ist Bizets Carmen—die beinahe davon frei ist; die drittbeste Wagners Meistersinger: ein Meisterstück des Dilettantismus in der Musik. Versuch einer Umwerthung der Werthe.

15 [97]

Was man früher nicht wußte, eine Rückbildung ist nicht möglich. Aber alle Moralisten und Priester suchen die Menschen auf ein früheres Schema zurückzubringen und Tugenden an ihnen zu entwickeln, die ehemals Tugenden gewesen sind. Selbst die Politiker sind nicht frei davon,—namentlich die Conservativen. Man kann eine Entwicklung hemmen, und durch Hemmung, selbst eine Entartung und Vernichtung herbeiführen—mehr kann man nicht.

Die ganze Romantik des Ideals ist darin falsch, daß sie rückbilden für möglich hält. Thatsächlich stellen die Romantiker eine krankhafte décadence-Form vor: sie sind sehr weit voraus, sehr spät und ganz und gar unfruchtbar ... Das Verlangen nach ehedem ist selbst ein Zeugniß für eine tiefe Unlust und Zukunftslosigkeit

also die regressiven Tendenzen beweisen das Gegentheil, daß man sehr spät, zu spät ist, daß man alt ist ...

15 [98]

Ein kleiner tüchtiger Bursch wird ironisch blicken, wenn man ihn fragt: willst du tugendhaft werden? aber er macht die Augen auf, wenn man ihn fragt willst du stärker werden als deine Kameraden

Wie wird man stärker

sich langsam entscheiden; und zähe festhalten an dem, was man entschieden hat. Alles Andere folgt.

Die Plötzlichen und die Veränderlichen: die beiden Arten der Schwachen. Sich nicht mit ihnen verwechseln, die Distanz fühlen—bei Zeiten!

Vorsicht vor den Gutmüthigen! Der Umgang mit ihnen erschlafft

Jeder Umgang ist gut, bei dem die Wehr und Waffen, die man in den Instinkten hat, geübt werden.

die ganze Erfindsamkeit darin, seine Willenskraft auf die Probe zu stellen ... Hier das Unterscheidende sehn, nicht im Wissen, Scharfsinn, Witz ...

Man muß befehlen lernen, bei Zeiten—, ebensogut als gehorchen.

Man muß Bescheidenheit, Takt in der Bescheidenheit lernen: nämlich auszeichnen, ehren, wo man bescheiden ist ...

ebenso mit Vertrauen—auszeichnen, ehren ...

Was büßt man am schlimmsten? Seine Bescheidenheit; seinen eigensten Bedürfnissen kein Gehör geschenkt zu haben; sich verwechseln; sich niedrig nehmen; die Feinheit des Ohrs für seine Instinkte einbüßen;—dieser Mangel an Ehrerbietung gegen sich rächt sich durch jede Art von Einbuße, Gesundheit, Wohlgefühl, Stolz, Heiterkeit, Freiheit, Festigkeit, Muth, Freundschaft. Man vergiebt sich später diesen Mangel an ächtem Egoismus nie: man nimmt ihn als Einwand, als Zweifel an einem wirklichen ego ...

15 [99]

Wagner hat lauter Krankheitsgeschichten in Musik gesetzt, lauter interessante Fälle, lauter ganz moderne Typen der Degenerescenz, die uns gerade deshalb verständlich sind. Nichts ist von den jetzigen Ärzten und Physiologen besser studirt als der hysterisch-hypnotische Typus der Wagnerschen Heldin: Wagner ist hier Kenner, er ist naturwahr bis zum Widerlichen darin—seine Musik ist vor allem eine psychologisch-physiologische Analyse kranker Zustände—sie dürfte als solche ihren Werth noch behalten, selbst wenn ein Geschmack ganz und sie als Musik nicht mehr erschölle. Daß die lieben D dabei von Urgefühlen germanischer Tüchtigkeit und Kraft zu schwärmen verstehen, gehört zu den scherzhaften Anzeichen der psychologischen Cultur der Deutschen:—wir Anderen sind bei W Musik im Hospital und, nochmals gesagt, sehr interessirt ... Die Krankhaftigkeit ist bei Wagner nicht gewollt, nicht Zufall, nicht Ausnahme—sie ist die Essenz seiner Kunst, ihr Instinkt, ihr “Unbewußtes”, sie ist ihre Unschuld: die Sensibilität, das tempo des Affekts, Alles hat an ihr Theil, das Reich der ist von ungeheurer Breite

Senta, Elsa, Isolde, Brünnhilde, Kundry: eine artige Galerie von Krankheitsfällen—wie instinktiv Wagner das Weib als krankes Weib versteht, giebt die sonst natürlicher gerathene Eva aus den M zu verstehen:—Wagner kann nicht umhin ihr eine zwanzig Minuten lange Attitüde zu geben, deren wegen wir das artige Geschöpf unfehlbar unter psychiatrische Aufsicht stellen würden. Gegen die Helden Wagners ist zunächst einzuwenden, daß sie allesammt einen krankhaften Geschmack haben—sie lieben lauter Weiber, die ihnen zuwider sein müßten ... Sie lieben lauter unfüchtbare Weiber—alle diese “Heldinnen” verstehen sich nicht darauf ein Kind zu machen—die Ausnahme ist interessant genug: um zu einem Kinde zu verhelfen, hat Wagner der Sage Gewalt angethan—und vielleicht nicht nur der Sage: nach Wagnerscher Phyologie ist nur die Blutschande eine Gewährschaft für Kinder ... Brünnhilde selbst

15 [100]

Der Wille zur Macht.
Versuch
einer Umwerthung aller Werthe.

Erstes Buch.
Die Niedergangswerthe.
Kritik der großen Worte,
der selbstlose Mensch
  
Zweites Buch.
Warum bloß Niedergangswerthe
zur Herrschaft kamen.
“heroisch”
“Mitleiden”
vom “Frieden der Seele”
  
Drittes Buch.
Modernität
als Zweideutigkeit der Werthe.
der Märtyrer.
Bescheidenheit (wie man
sie büßt ...)
  
Viertes Buch. Der Werth der Zukunft
(als Ausdruck einer stärkeren Art Mensch)
: die zuerst dasein muß ...

15 [101]

Bild der décadence: ihre Symptome.
Überwachsung der höheren Werthe mit diesen Symptomen.

Philosophie als décadence
Moral als décadence.
Religion als décadence.
Kunst als décadence.
Politik als décadence

15 [102]

I.
Die Niedergangs-Werthe

II.
Die Gegenbewegung und deren Schicksal.

III.
Problem der Modernität.

IV.
Der grosse Mittag.

15 [103]

la méditation affaiblit comme feraient des évacuations excessives (Tissot, De la santé des gens de lettres p. 43) 1784

unter dem Einflusse schwieriger Rechnungen nimmt die Sensibilität ab, insgleichen die freiwillige Contraktibilität; der Umfang der Glieder vermindert sich.

15 [104]

Was es mit der Vergeistigung der Begehrlichkeit jeder Art auf sich hat: dafür ist ein klassisches Beispiel die satura Menippea des Petronius. Man lese dieselbe Hand in Hand mit einem Kirchenvater und man frage sich, wo die reinlichere Luft weht ... Hier steht nichts, was nicht einen alten Priester in Verzweiflung brächte durch Unsittlichkeit und lasciven Übermuth

15 [105]

NB NB die Lehre vom Milieu eine décadence-Theorie, aber eingedrungen und Herr geworden in der Physiologie

15 [106]

Die Theorie vom Milieu, heute die Pariser Theorie par excellence, ist selbst ein Beweis von einer verhängnißvollen Disgregation der Persönlichkeit: wenn das Milieu anfängt zu formen und es dem Thatbestand entspricht, die Vordergrunds-Talente als bloße Concrescenzen ihrer Umgebung verstehen zu dürfen, da ist die Zeit vorbei, wo noch gesammelt, gehäuft, geerntet werden kann—die Zukunft ist vorbei ... Der Augenblick frißt auf, was er hervorbringt—und, wehe, er bleibt dabei noch hungrig ...

15 [107]

In summa: der Heroismus ist kein Eigennutz—denn man geht daran zu Grunde ... Oft ist die Verwendung der Kraft bedingt durch den Zufall der Zeit, in die der große Mensch fällt: und dies bringt den Aberglauben mit sich, als ob er der Ausdruck dieser Zeit wäre ... aber dieselbe Kraft könnte sich in vielen anderen Formen ausgeben und zwischen ihm und der Zeit bleibt immer der Unterschied, daß die “öffentliche Meinung” den Instinkt der Heerde, d.h. der Schwachen, anzubeten gewohnt ist und daß er der Starke, das Starke ist ...

15 [108]

Die Gläubigen sind sich bewußt, dem Christenthum Unendliches zu verdanken und schließen folglich daß dessen Urheber eine Personnage ersten Ranges sei ... Dieser Schluß ist falsch, aber es ist der typische Schluß der Verehrenden. Objektiv angesehn, wäre möglich, erstens, daß sie sich irrten über den Werth dessen, was sie dem Christenthum verdanken: Überzeugungen beweisen nichts für das, wovon man überzeugt ist, bei Religionen begründen sie eher noch einen Verdacht dagegen ... Es wäre zweitens möglich, daß was dem Christenthum verdankt werde, nicht seinem Urheber zugeschrieben werden dürfte, sondern eben dem fertigen Gebilde, dem Ganzen, der Kirche aus ihm. Der Begriff “Urheber” ist so vieldeutig, daß er selbst die bloße Gelegenheits-Ursache für eine Bewegung bedeuten kann: man hat die Gestalt des Gründers in dem Maaße vergrößert, als die Kirche wuchs; aber eben diese Optik der Verehrung erlaubt den Schluß, daß irgend wann dieser Gründer etwas sehr Unsicheres und Unfestgestelltes war,—am Anfang ... Man denke, mit welcher Freiheit Paulus das Personal-Problem Jesus behandelt, beinahe eskamotirt—Jemand der gestorben ist, den man nach seinem Tode wieder gesehen hat, Jemand, der von den Juden zum Tode überantwortet wurde ... Ein bloßes “Motiv”: die Musik macht er dann dazu ... Eine Null am Anfang —

15 [109]

Die Herren-Moral
die Priester-Moral
die Tschandala-Moral
(Die Dienstboten-Moral)
 
Die Herdenthier-Moral
Die Décadence-Moral
Die Völker-Moral
 

15 [110]

Altruismus

Damit daß das Christenthum die Lehre von der Uneigennützigkeit und Liebe in den Vordergrund gerückt hat, hat es durchaus noch nicht das Gattungs-Interesse für höherwerthig angesetzt als das Individual-Interesse. Seine eigentlich historische Wirkung, das Verhängniß von Wirkung bleibt umgekehrt gerade die Steigerung des Egoismus, des Individual-Egoismus bis ins Extrem (—bis zum Extrem der Individual-Unsterblichkeit.) Der Einzelne wurde durch das Christenthum so wichtig genommen, so absolut gesetzt daß man ihn nicht mehr opfern konnte: aber die Gattung besteht nur durch Menschenopfer ... Vor Gott werden alle “Seelen” gleich: aber das ist gerade die gefährlichste aller möglichen Werthschätzungen! Setzt man die Einzelnen gleich, so stellt man die Gattung in Frage, so begünstigt man eine Praxis, welche auf den Ruin der Gattung hinausläuft: das Christenthum ist das Gegenprincip gegen die Selektion. Wenn der Entartende und Kranke (“der Christ”) so viel Werth haben soll wie der Gesunde (“der Heide”), oder gar noch mehr, nach Pascal’s Urtheil über Krankheit und Gesundheit, so ist der natürliche Gang der Entwicklung gekreuzt und die Unnatur zum Gesetz gemacht ... Diese allgemeine Menschenliebe ist in Praxi die Bevorzugung alles Leidenden, Schlechtweggekommenen, Degenerirten: sie hat thatsächlich die Kraft, die Verantwortlichkeit, die hohe Pflicht, Menschen zu opfern, heruntergebracht und abgeschwächt. Es blieb, nach dem Schema des christlichen Werthmaaßes, nur noch übrig, sich selbst zu opfern: aber dieser Rest von Menschenopfer, den das Christenthum concedirte und selbst anrieth, hat, vom Standpunkte der Gesammt-Züchtung aus, gar keinen Sinn. Es ist für das Gedeihen der Gattung gleichgültig, ob irgend welche Einzelne sich selbst opfern (—sei es in mönchischer und asketischer Manier oder mit Hülfe von Kreuzen, Scheiterhaufen und Schaffotten, als “Märtyrer” des Irrthums Die Gattung braucht den Untergang der Mißrathenen, Schwachen, Degenerirten: aber gerade an sie wendete sich das Christenthum, als conservirende Gewalt, sie steigerte noch jenen an sich schon so mächtigen Instinkt der Schwachen, sich zu schonen, sich zu erhalten, sich gegenseitig zu halten. Was ist die “Tugend”, was “Menschenliebe” im Christenthum, wenn nicht eben diese Gegenseitigkeit der Erhaltung, diese Solidarität der Schwachen, diese Verhinderung der Selektion? Was ist der christliche Altruismus, wenn nicht der Massen-Egoismus der Schwachen, welcher erräth, daß wenn alle für einander sorgen, jeder Einzelne am längsten erhalten bleibt? ... Wenn man eine solche Gesinnung nicht als eine extreme Unmoralität, als ein Verbrechen am Leben empfindet, so gehört man zur kranken Bande und hat selber deren Instinkte ... Die ächte Menschenliebe verlangt das Opfer zum Besten der Gattung—sie ist hart, sie ist voll Selbstüberwindung, weil sie das Menschenopfer braucht. Und diese Pseudo-Humanität, die Christenthum heißt, will gerade durchsetzen, daß Niemand geopfert wird ...

15 [111]

Über die Wirkung der Musik Wagners

Eine Musik, bei der man nicht im Takte athmen kann, ist ungesund. Wenn die Musik mit einer heiteren Göttlichkeit und Gewißheit daherkommt, feiern auch unsere Muskeln ein Fest:—wir werden stärker, es ist erlaubt, dies Wachsthum von Kraft sogar zu messen. Wie kommt es eigentlich, daß Wagners Musik mich depotenzirt, daß sie mir eine physiologische Ungeduld erregt, welche sich zuletzt in einem sanften Schweiße kundgiebt? Nach einem, höchstens nach zwei Akten Wagner laufe ich davon.— Man halte fest, daß jede Kunst, welche die Physiologie gegen sich hat, eine widerlegte Kunst ist ... Die Musik Wagners kann man physiologisch widerlegen ..

15 [112]

Kritik der modernen Seele.
Die drei Jahrhunderte.

15 [113]

Der gute Mensch. Oder: die Hemiplegie der Tugend.— Für jede starke und Natur gebliebene Art Mensch gehört Liebe und Haß, Dankbarkeit und Rache, Güte und Zorn, Ja-thun und Nein-thun zu einander. Man ist gut, um den Preis, daß man auch böse zu sein weiß; man ist böse, weil man sonst nicht gut zu sein verstünde. Woher nun jene Erkrankung und ideologische Unnatur, welche diese Doppelheit ablehnt—, welche als das Höhere lehrt, nur halbseitig tüchtig zu sein? Woher die Hemiplegie der Tugend, die Erfindung des guten Menschen? Die Forderung geht dahin, daß der Mensch sich an jenen Instinkten verschneidet, mit denen er Feind sein kann, schaden kann, zürnen kann, Rache heischen kann ... Dieser Unnatur entspricht dann jene dualistische Conception eines bloß guten und eines bloß bösen Wesens (Gott, Geist, Mensch), in ersterem alle positiven, in letzterem alle negativen Kräfte, Absichten, Zustände summirend.— Eine solche Werthungsweise glaubt sich damit “idealistisch”; sie zweifelt nicht daran, eine höchste Wünschbarkeit in der Conception “des Guten” angesetzt zu haben. Geht sie auf ihren Gipfel, so denkt sie sich einen Zustand aus, wo alles Böse annullirt ist und wo in Wahrheit nur die guten Wesen übrig geblieben sind. Sie hält es also nicht einmal für ausgemacht, daß jener Gegensatz von Gut und Böse sich gegenseitig bedinge; umgekehrt, letzteres soll verschwinden und ersteres soll übrig bleiben, das Eine hat ein Recht zu sein, das Andere sollte gar nicht da sein ... Was wünscht da eigentlich? — —

Man hat sich zu allen Zeiten und sonderlich zu den christlichen Zeiten viel Mühe gegeben, den Menschen auf diese halbseitige Tüchtigkeit, auf “den Guten” zu reduziren: noch heute fehlt es nicht an kirchlich Verbildeten und Geschwächten, denen diese Absicht mit der “Vermenschlichung” überhaupt oder mit dem “Willen Gottes” oder mit dem “Heil der Seele” zusammenfällt. Hier wird als wesentliche Forderung gestellt, daß der Mensch nichts Böses thue; daß er unter keinen Umständen schade, schaden wolle ... Als Weg dazu gilt: die Verschneidung aller Möglichkeiten zur Feindschaft, die Aushängung aller Instinkte des ressentiment, der “Frieden der Seele” als chronisches Übel.

Diese Denkweise, mit der ein bestimmter Typus Mensch gezüchtet wird, geht von jener absurden Voraussetzung aus: sie nimmt das Gute und das Böse als Realitäten, die mit sich im Widerspruch sind (nicht als complementäre Werthbegriffe, was die Wahrheit wäre), sie räth die Partei des Guten zu nehmen, sie verlangt, daß der Gute dem Bösen bis in die letzte Wurzel entsagt und widerstrebt,—sie verneint thatsächlich damit das Leben, welches in allen seinen Instinkten sowohl das Ja wie das Nein hat. Nicht daß sie dies begriffe: sie träumt umgekehrt davon, zur Ganzheit, zur Einheit, zur Stärke des Lebens zurückzukehren: sie denkt es sich als Zustand der Erlösung, wenn endlich der eignen innern Anarchie, der Unruhe zwischen zwei entgegengesetzten Werth-Antrieben ein Ende gemacht wird.— Vielleicht gab es bisher keine gefährlichere Ideologie, keinen größeren Unfug in psychologicis als diesen Willen zum Guten: man zog den widerlichsten Typus den unfreien Menschen groß, den Mucker, man lehrte, eben nur als Mucker sei man auf dem rechten Wege zur Gottheit, nur ein Mucker-Wandel sei ein göttlicher Wandel ...
— Und selbst hier noch behält das Leben recht—das Leben welches das Ja nicht vom Nein zu trennen weiß—: was hilft es, mit allen Kräften den Krieg für böse zu halten, nicht schaden, nicht Nein thun zu wollen! man führt doch Krieg! man kann gar nicht anders! Der gute Mensch, der dem Bösen entsagt hat, behaftet, wie es ihm wünschbar scheint, mit jener Hemiplegie der Tugend, hört durchaus nicht auf, Krieg zu führen, Feinde zu haben, Nein zu sagen, Nein zu thun. Der Christ zum Beispiel haßt die “Sünde” .. Und was ist ihm nicht alles “Sünde”! Gerade durch jenen Glauben an einen Moral-Gegensatz von Gut und Böse ist ihm die Welt vom Hassenswerthen, vom Ewig-zu-Bekämpfenden übervoll geworden. “Der Gute” sieht sich wie umringt vom Bösen und unter dem beständigen Ansturm des Bösen, er verfeinert sein Auge, er entdeckt unter all seinem Tichten und Trachten noch das Böse:—und so endet er, wie es folgerichtig ist, die Natur für böse, den Menschen für verderbt, das Gutsein als Gnade (das heißt als menschenunmöglich) zu verstehen.— In summa: er verneint das Leben, er begreift, wie das Gute als oberster Werth das Leben verurtheilt ... Damit sollte seine Ideologie von Gut und Böse ihm als widerlegt gelten. Aber eine Krankheit widerlegt man nicht ... Und so concipirt er ein anderes Leben! ...

15 [114]

Die typischen Selbstgestaltungen. Oder: die acht Hauptfragen

1)Ob man sich vielfacher haben will oder einfacher.
2)Ob man glücklicher werden will oder gleichgültiger gegen Glück und Unglück.
3)ob man zufriedner mit sich werden will oder anspruchsvoller und unerbittlicher?
4)ob man weicher, nachgebender, menschlicher werden will oder “unmenschlicher”.
5)ob man klüger werden will oder rücksichtsloser.
6)ob man ein Ziel erreichen will oder allen Zielen ausweichen (—wie es zum Beispiel der Philosoph thut, der in jedem Ziel eine Grenze, einen Winkel, ein Gefängniß, eine Dummheit riecht ...)
7)ob man geachteter werden will oder gefürchteter? Oder verachteter!
8)ob man Tyrann oder Verführer oder Hirt oder Heerdenthier werden will?

15 [115]

Was ist vornehm?

Daß man sich beständig zu repräsentiren hat. Daß man Lagen sucht, wo man beständig Gebärden nöthig hat. Daß man das Glück der großen Zahl überläßt: Glück als Frieden der Seele, Tugend, comfort (englisch-engelhaftes Krämerthum à la Spencer) Daß man instinktiv für sich schwere Verantwortungen sucht. Daß man sich überall Feinde zu schaffen weiß, schlimmsten Falls noch aus sich selbst. Daß man der großen Zahl nicht durch Worte, sondern durch Handlungen beständig widerspricht.

15 [116]

Die Kriegerischen und die Friedlichen

Bist du ein Mensch, der die Instinkte des Krieges im Leibe hat? Und in diesem Falle bliebe noch eine zweite Frage: bist du ein Angriffskrieger oder ein Widerstandskrieger von Instinkt?

— Der Rest von Menschen, alles, was nicht kriegerisch von Instinkt ist, will Frieden, will Eintracht, will “Freiheit”, will “gleiche Rechte”—: das sind nur Namen und Stufen für Ein und dasselbe.

— Dorthin gehen, wo man nicht nöthig hat, sich zu wehren. Solche Menschen werden unzufrieden mit sich, wenn sie genöthigt sind, Widerstand zu leisten

— Zustände schaffen, wo es überhaupt keinen Krieg mehr giebt.

— Schlimmsten Falls sich unterwerfen, gehorchen, einordnen. Immer noch besser als Krieg führen. So räth es zum Beispiel dem Christen sein Instinkt.

Bei den geborenen Kriegern gibt es etwas wie Bewaffnung im Charakter, in der Wahl der Zustände, in der Ausbildung jeder Eigenschaft: die “Waffe” ist im ersten Typus, die Wehr im zweiten am besten entwickelt.

Die unbewaffneten, die Unbewehrten: welche Hülfsmittel und Tugenden sie nöthig haben, um es auszuhalten,—um selbst obzusiegen.

15 [117]

Vom Asketismus der Starken.

Aufgabe dieses Ascetismus, der nur eine Durchgangs-Schulung ist, kein Ziel: sich frei machen von den alten Gefühls-Impulsen der überlieferten Werthe. Schritt für Schritt seinen Weg gehen lernen zum “Jenseits von Gut und Böse”.

Erste Stufe:Atrocitäten aushalten
 Atrocitäten thun
Zweite Stufe, die schwerereMiserabilitäten aushalten
 Miserabilitäten thun: eingerechnet als
 Vorübung: lächerlich werden
 sich lächerlich machen.

— Die Verachtung herausfordern und durch ein (unerrathbares) Lächeln aus der Höhe die Distanz trotzdem festhalten

— eine Anzahl Verbrechen, welche erniedrigen, auf sich nehmen, z.B. Gelddiebstahl, um sein Gleichgewicht auf die Probe zu stellen

eine Zeitlang nichts thun, reden, erstreben, was nicht Furcht oder Verachtung erregt, was nicht die Anständigen und Tugendhaften nothwendig in Kriegszustand versetzt,—was nicht ausschließt ...

das Gegentheil davon darstellen, was man ist (und besser noch: nicht gerade das Gegentheil, sondern bloß ein Anderssein: letzteres ist schwerer)

— auf jedem Seile gehn, auf jeder Möglichkeit tanzen: sein Genie in die Füße bekommen

— seine Ziele zeitweilig durch seine Mittel verleugnen,—selbst verleumden

— ein für alle Mal einen Charakter darstellen, der es verbirgt, daß man fünf sechs andere hat

— sich vor den fünf schlimmen Dingen nicht fürchten, der Feigheit, dem schlechten Ruf, dem Laster, der Lüge, dem Weibe —

15 [118]

Sprüche eines Hyperboreers.

Wir Hyperboreer, wir wissen gut genug, wie abseits wir leben. “Weder zu Wasser, noch zu Lande kannst du den Weg zu den Hyperboreern finden”: das hat Pindar schon von uns gewußt.

Jenseits des Nordens, des Eises, des Todes—unser Leben! unser Glück! ...

Große Dinge verlangen, daß man von ihnen schweigt oder groß redet: groß, das heißt cynisch und mit Unschuld.

Auch der Muthigste von uns hat nur selten den Muth zu dem, was er eigentlich—weiß ...

Man erholt sich in seiner wilden Natur am besten von seiner Unnatur,—von seiner Geistigkeit ...

Wie? ist der Mensch nur ein Fehlgriff Gottes? oder Gott nur ein Fehlgriff des Menschen?

Wir mißtrauen allen Systematikern, wir gehen ihnen aus dem Weg. Der Wille zum System ist, für uns Denker wenigstens, etwas, das compromittirt, eine Form der Unmoralität.

Das Weib, das ewig Weibliche: ein bloß imaginärer Werth, an den allein der Mann glaubt.

Der Mann hat das Weib geschaffen—woraus doch? Aus einer Rippe seines Gottes, seines “Ideals” ...

Man hält das Weib für tief—warum? Weil man nie bei ihr auf den Grund kommt. Aber das Weib hat gar keinen Grund: Es ist das Faß der Danaiden.
Das Weib ist noch nicht einmal flach.

Wer am besten lacht, der lacht auch zuletzt.

“Um allein zu leben, muß man ein Tier oder ein Gott sein”—sagt Aristoteles. Beweisen wir, daß man Beides sein muß ...

Müßiggang ist aller Philosophie Anfang. Folglich—ist Philosophie ein Laster?

Wie wenig gehört zum Glück! Der Ton eines Dudelsacks ... Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum.

Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! Daß man sie nicht hinterdrein in Stich läßt!—Der Gewissensbiß ist unanständig.

Die Ehe hat die längste Zeit das schlechte Gewissen gegen sich gehabt. Sollte man’s glauben?— Ja, man soll es glauben.

Alles, womit der Mensch nicht fertig zu werden weiß, Alles, was kein Mensch noch verdaut hat, der Koth des Daseins—war er bisher nicht unser bester Dünger? ...

Von Zeit zu Zeit eine Dummheit—oh wie einem sofort wieder die eigne Weisheit schmeckt!

Man muß Muth im Leibe haben, um sich eine Schlechtigkeit zu gestatten. Die “Guten” sind zu feige dazu.

Der Mann ist feige vor allem Ewig-Weiblichen: das wissen die Weiblein.

Was uns nicht umbringt—das bringen wir um, das macht uns stärker. Il faut tuer le Wagnerisme.

“Das waren Stufen für mich. Ich bin über sie hinaufgestiegen. Dazu mußte ich über sie hinweg. Aber sie meinten, ich wollte mich auf ihnen zur Ruhe setzen”.

“Alle Wahrheit ist einfach”: das ist eine zwiefache Lüge.

Alles, was einfach ist, ist bloß imaginär, ist nicht “wahr”. Was aber wirklich, was wahr ist, ist weder Eins, noch auch nur reduzirbar auf Eins.

Kann ein Packesel tragisch sein?— Daß man unter einer Last zu Grunde geht, die man weder tragen, noch abwerfen kann? ...

Unter Weibern.— “Die Wahrheit? Oh Sie kennen die Wahrheit nicht! ... Ist sie nicht ein Attentat auf alle unsere pudeurs?”

“Den Gleichen Gleiches, den Ungleichen Ungleiches—so spricht uns die Gerechtigkeit. Und was daraus folgt, Ungleiches niemals gleich machen.”

Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu legen vermag, der legt wenigstens noch einen Sinn hinein: das heißt, er glaubt, daß ein Sinn bereits drin ist.

Der große Stil tritt auf in Folge der großen Leidenschaft. Er verschmäht es, zu gefallen, er vergißt es, zu überreden. Er befiehlt. Er will.

Künstler, wie sie zu sein pflegen, wenn sie ächt sind, bescheiden in ihren Bedürfnissen: sie wollen eigentlich nur Zweierlei ihr Brod und ihre Kunst—panem et Circen ...

Die posthumen Menschen werden schlechter verstanden, aber besser gehört als die zeitgemäßen. Oder, strenger: sie werden nie verstanden—und eben daher ihre Autorität!

Der gute Geschmack in psychologicis: wenn alle Moral-Maskerade unserer Natürlichkeit uns Widerstand macht, wenn auch im Seelischen nur die nackte Natur gefällt.

Man soll nicht unbescheiden sein: wählt man die Tugend und den gehobenen Busen, so soll man nicht auch zugleich die Vortheile der Langfinger haben wollen.

Die Tugend bleibt das kostspieligste Laster: sie soll es bleiben!

Der Mensch ist ein mittelmäßiger Egoist: auch der Klügste nimmt seine Gewohnheit wichtiger als seinen Vortheil.

Die Krankheit ist ein mächtiges Stimulans. Nur muß man gesund genug für das Stimulans sein.

Der vornehme Geschmack zieht auch der Erkenntniß Grenzen. Er will, Ein für alle Mal, Vieles nicht wissen.

Was ist Keuschheit am Mann? Daß sein Geschlechts-Geschmack vornehm geblieben ist; daß er in eroticis weder das Brutale, noch das Krankhafte, noch das Kluge mag.

Hat man sein Warum? des Lebens, so verträgt man sich fast mit jedem Wie? Der Mensch strebt nicht nach Glück, wie die Engländer glauben. —

Wie dürfte man den Mittelmäßigen ihre Mittelmäßigkeit verleiden! Ich thue, man sieht es, das Gegentheil: jeder Schritt weg von ihr führt—so lehre ich—ins Unmoralische ...

Unsere heiligsten Überzeugungen, unser Unwandelbares in Hinsicht auf oberste Werthe sind Urtheile unsrer Muskeln.

“Weißt du noch nicht, was man nöthig hat, um seine Kraft zu verzehnfachen?”—Anhänger?— Nullen!!

— Und wie Jeder, der zu viel Recht hat, mache ich mir nichts daraus, Recht zu behalten. (Schluss der Vorrede)

15 [118]

Sprüche eines Hyperboreers.

Wir Hyperboreer, wir wissen gut genug, wie abseits wir leben. “Weder zu Wasser, noch zu Lande kannst du den Weg zu den Hyperboreern finden”: das hat Pindar schon von uns gewußt.

Jenseits des Nordens, des Eises, des Todes—unser Leben! unser Glück! ...

Große Dinge verlangen, daß man von ihnen schweigt oder groß redet: groß, das heißt cynisch und mit Unschuld.

Auch der Muthigste von uns hat nur selten den Muth zu dem, was er eigentlich—weiß ...

Man erholt sich in seiner wilden Natur am besten von seiner Unnatur,—von seiner Geistigkeit ...

Wie? ist der Mensch nur ein Fehlgriff Gottes? oder Gott nur ein Fehlgriff des Menschen?

Wir mißtrauen allen Systematikern, wir gehen ihnen aus dem Weg. Der Wille zum System ist, für uns Denker wenigstens, etwas, das compromittirt, eine Form der Unmoralität.

Das Weib, das ewig Weibliche: ein bloß imaginärer Werth, an den allein der Mann glaubt.

Der Mann hat das Weib geschaffen—woraus doch? Aus einer Rippe seines Gottes, seines “Ideals” ...

Man hält das Weib für tief—warum? Weil man nie bei ihr auf den Grund kommt. Aber das Weib hat gar keinen Grund: Es ist das Faß der Danaiden.
Das Weib ist noch nicht einmal flach.

Wer am besten lacht, der lacht auch zuletzt.

“Um allein zu leben, muß man ein Tier oder ein Gott sein”—sagt Aristoteles. Beweisen wir, daß man Beides sein muß ...

Müßiggang ist aller Philosophie Anfang. Folglich—ist Philosophie ein Laster?

Wie wenig gehört zum Glück! Der Ton eines Dudelsacks ... Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum.

Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! Daß man sie nicht hinterdrein in Stich läßt!—Der Gewissensbiß ist unanständig.

Die Ehe hat die längste Zeit das schlechte Gewissen gegen sich gehabt. Sollte man’s glauben?— Ja, man soll es glauben.

Alles, womit der Mensch nicht fertig zu werden weiß, Alles, was kein Mensch noch verdaut hat, der Koth des Daseins—war er bisher nicht unser bester Dünger? ...

Von Zeit zu Zeit eine Dummheit—oh wie einem sofort wieder die eigne Weisheit schmeckt!

Man muß Muth im Leibe haben, um sich eine Schlechtigkeit zu gestatten. Die “Guten” sind zu feige dazu.

Der Mann ist feige vor allem Ewig-Weiblichen: das wissen die Weiblein.

Was uns nicht umbringt—das bringen wir um, das macht uns stärker. Il faut tuer le Wagnerisme.

“Das waren Stufen für mich. Ich bin über sie hinaufgestiegen. Dazu mußte ich über sie hinweg. Aber sie meinten, ich wollte mich auf ihnen zur Ruhe setzen”.

“Alle Wahrheit ist einfach”: das ist eine zwiefache Lüge.

Alles, was einfach ist, ist bloß imaginär, ist nicht “wahr”. Was aber wirklich, was wahr ist, ist weder Eins, noch auch nur reduzirbar auf Eins.

Kann ein Packesel tragisch sein?— Daß man unter einer Last zu Grunde geht, die man weder tragen, noch abwerfen kann? ...

Unter Weibern.— “Die Wahrheit? Oh Sie kennen die Wahrheit nicht! ... Ist sie nicht ein Attentat auf alle unsere pudeurs?”

“Den Gleichen Gleiches, den Ungleichen Ungleiches—so spricht uns die Gerechtigkeit. Und was daraus folgt, Ungleiches niemals gleich machen.”

Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu legen vermag, der legt wenigstens noch einen Sinn hinein: das heißt, er glaubt, daß ein Sinn bereits drin ist.

Der große Stil tritt auf in Folge der großen Leidenschaft. Er verschmäht es, zu gefallen, er vergißt es, zu überreden. Er befiehlt. Er will.

Künstler, wie sie zu sein pflegen, wenn sie ächt sind, bescheiden in ihren Bedürfnissen: sie wollen eigentlich nur Zweierlei ihr Brod und ihre Kunst—panem et Circen ...

Die posthumen Menschen werden schlechter verstanden, aber besser gehört als die zeitgemäßen. Oder, strenger: sie werden nie verstanden—und eben daher ihre Autorität!

Der gute Geschmack in psychologicis: wenn alle Moral-Maskerade unserer Natürlichkeit uns Widerstand macht, wenn auch im Seelischen nur die nackte Natur gefällt.

Man soll nicht unbescheiden sein: wählt man die Tugend und den gehobenen Busen, so soll man nicht auch zugleich die Vortheile der Langfinger haben wollen.

Die Tugend bleibt das kostspieligste Laster: sie soll es bleiben!

Der Mensch ist ein mittelmäßiger Egoist: auch der Klügste nimmt seine Gewohnheit wichtiger als seinen Vortheil.

Die Krankheit ist ein mächtiges Stimulans. Nur muß man gesund genug für das Stimulans sein.

Der vornehme Geschmack zieht auch der Erkenntniß Grenzen. Er will, Ein für alle Mal, Vieles nicht wissen.

Was ist Keuschheit am Mann? Daß sein Geschlechts-Geschmack vornehm geblieben ist; daß er in eroticis weder das Brutale, noch das Krankhafte, noch das Kluge mag.

Hat man sein Warum? des Lebens, so verträgt man sich fast mit jedem Wie? Der Mensch strebt nicht nach Glück, wie die Engländer glauben. —

Wie dürfte man den Mittelmäßigen ihre Mittelmäßigkeit verleiden! Ich thue, man sieht es, das Gegentheil: jeder Schritt weg von ihr führt—so lehre ich—ins Unmoralische ...

Unsere heiligsten Überzeugungen, unser Unwandelbares in Hinsicht auf oberste Werthe sind Urtheile unsrer Muskeln.

“Weißt du noch nicht, was man nöthig hat, um seine Kraft zu verzehnfachen?”—Anhänger?— Nullen!!

— Und wie Jeder, der zu viel Recht hat, mache ich mir nichts daraus, Recht zu behalten. (Schluss der Vorrede)

15 [119]

biologische Isothermen

15 [120]

Was ist gut?— Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen steigert.

Was ist schlecht?— Alles, was aus der Schwäche stammt.

Was ist Glück?— Das Gefühl davon, daß wieder die Macht gewachsen,—daß wieder ein Widerstand überwunden ward.

Nicht Zufriedenheit, sondern mehr Macht; nicht Frieden überhaupt, sondern mehr Krieg; nicht Tugend, sondern Tüchtigkeit (Tugend im Renaissance-Stile, virtù, moralinfreie Tugend).

Das was schwach und mißrathen ist soll zu Grunde gehn: oberster Imperativ des Lebens. Und man soll keine Tugend aus dem Mitleiden machen.

Was ist gefährlicher als irgend ein Laster?— Das Mitleiden der That mit allem Mißrathenen und Schwachen,—das Christenthum ...

* * *

Was für ein Typus die Menschheit einmal ablösen wird? Aber das ist bloße Darwinisten-Ideologie. Als ob je Gattung abgelöst wurde! Was mich angeht, das ist das Problem der Rangordnung innerhalb der Gattung Mensch, an deren Vorwärtskommen im Ganzen und Großen ich nicht glaube, das Problem der Rangordnung zwischen menschlichen Typen, die immer dagewesen und immer dasein werden.

Ich unterscheide einen Typus des aufsteigenden Lebens und einen anderen des Verfalls, der Zersetzung, der Schwäche.

Sollte man glauben, daß die Rangfrage zwischen beiden Typen überhaupt noch zu stellen ist? ...

Dieser stärkere Typus ist oft genug schon dagewesen: aber als ein Glücksfall, als eine Ausnahme,—niemals als gewollt. Vielmehr ist er gerade am besten bekämpft worden, verhindert worden,—er hatte immer die große Zahl, den Instinkt jeder Art Mittelmaß, mehr noch er hatte die List, die Feinheit, den Geist der Schwachen gegen sich und—folglich—die “Tugend” ... er war beinahe bisher das Furchtbare: und aus der Furcht heraus hat man den umgekehrten Typus gewollt, gezüchtet, erreicht, das Hausthier, das Heerdenthier, das kranke Thier, den Christen ...

* * *

13, 15[1-120] Frühjahr 1888

15 [1]

Critique of Modern Values.

The liberal institutions
the altruism of morality.
sociology.
prostitution
marriage
the criminal

15 [2]

The “ascending” life and the descending life: both formulate their highest needs into tables of values.

How does it come about that the highest values, in which one believes, all

15 [3]

In all cases where a child would be a crime: in the case of the chronically ill and third-degree neurasthenics, where on the other hand to oppose the sexual drive with a veto would only amount to pious wishes (—this drive in such hopelessly degenerate individuals even often has a disgusting excitability), the demand must be made that procreation be prevented. Society knows few such urgent and fundamental demands.

Here, mere contempt, the declaration of social dishonor as a means of keeping a vile weakness of character in check, is not enough: one should proceed, without regard to class, rank, or culture, with the harshest financial penalties, in some cases with the loss of "freedom," with confinement against such crimes. Bringing a child into a world where one has no right to exist is worse than taking a life. The syphilitic who begets a child gives rise to a whole chain of ruined lives, creates an objection to life, is a pessimist of deed: indeed, through him the value of life is diminished indefinitely. —

15 [4]

Prostitution cannot be abolished; there are reasons even to wish that it not be abolished. Consequently—one should ennoble it:—I hope one understands this "consequently"? But on what does it depend that something becomes contemptible? On the fact that it has long been despised. One should stop despising the whores: then they will have no reason to despise themselves. Finally, in this regard, things are already better everywhere than with us: prostitution is something innocent and naive throughout the world. There are cultures in Asia where it even enjoys high honors.

The infamy does not lie in the matter itself; it was only introduced into that religion by the unnaturalness of Christianity, which has even defiled the sexual drive! ... *La fille canaille* is a Christian specialty: Europe, however, is the soil favorable to its growth, and the great cities of Europe are the places where its superlative thrives ...— Problem: what conditions give the capital of the new German Empire a superiority in the art of *encanailliring* the whore? ... A permitted question: but one is ashamed to answer it in German ...

15 [5]

Critique of Philosophy.

To what extent philosophy is a décadence phenomenon:

Socrates. Pyrrho.

The idiosyncrasy of philosophers against the senses:
their “true world”
What the fear of the senses and passion is ...
The philosophers as moralists: they undermine the naturalism of morality
Critique of moral improvement.
of remorse
of the philosophy of pity
The philosopher and conviction.
How the true world became a fable.

Critique of Art.

Critique of Religion.

Religion.
Its Origin.The Dangerous Misunderstanding
On the History of the Concept of God.
Heathenism. Christianity.
The Christian Ideal
The Danger in Christianity.
 

15 [6]

1.

The eruption of Wagner's art: it remains our last great event in art. How volcanic everything has been since then! Very loud above all: today one no longer has the ears as once before, to understand! ... One almost has them, to understand nothing more! .. Wagner himself above all remains misunderstood. He is still a terra incognita. For now, one worships him. Does one also want to understand him? The typical Wagnerian, a square being in every respect, believes in Wagner: evidently also in a square Wagner .. but Wagner was anything but square: Wagner was "Wagnerian". I have asked myself whether anyone has ever existed, modern, morbid, manifold, and crooked enough to be considered prepared for the problem of Wagner? At most in France: Ch. Baudelaire, for example. Perhaps also the Goncourt brothers.The authors of the “Faustine” would certainly guess a great deal about Wagner .. but they lacked the music in their bodies.— Has one understood that all musicians are not psychologists? This not-wanting-to-know here belongs to their craft, let us say, to the genius of their craft ... they would no longer dare if they understood themselves ... One does not say valete to concepts and words for nothing: one wants to enter the unconscious .. From this follows something sad: either someone is a musician: and then he does not understand the gentlemen musicians (including himself)—but he does understand music. Or else he is a psychologist: and then he probably does not understand music enough and consequently also not the gentlemen musicians ... This is the antinomy. And that is why there has been only chatter so far about Beethoven as well as about Wagner the musician. —

2.

Fortunately, Wagner was only a musician to a fraction: the whole Wagner was something other than a musician and even rather its opposite. In him, the Germans have been given the most extraordinary spectacle and theater genius that has ever existed. One understands nothing of Wagner if one does not understand him from this side. Whether Wagner was precisely German with these instincts? .. But the opposite is obvious. The Germans receive their great men as an exception and contrast to their own rule: Beethoven, Goethe, Bismarck, Wagner—our last four great men—: from them together one can deduce most strictly what is fundamentally not German, un-German, anti-German ...

3.

Wagner was so little a musician that he sacrificed all musical laws and, to put it more precisely, the style in music altogether in order to make it a kind of rhetoric, a means of expression, intensification, suggestion, and the psychologically picturesque. Wagner’s music, not assessed from the perspective of theatrical optics and massiveness, but as music in itself, is simply bad music, non-music: I have not met a single person who did not know this. The naive believe they are honoring him when they decree: Wagner created the dramatic style of music. This “dramatic style,” to speak without circumlocution, is the elevation of stylistic absence, stylistic opposition, and stylistic impotence to a principle: dramatic music, understood in this way, is merely a synonym for the “worst of all possible musics” ...One does Wagner an injustice when one tries to make a musician of him.

4.

The music of Wagner as such is unbearable: one needs the drama, to be redeemed from this music. And then one suddenly understands the magic which can still be exercised with an art that is, as it were, cut up and made elementary! Wagner has an almost uncanny consciousness of everything elementary in the effect of music: one may call him without exaggeration the greatest master of hypnotism, even for our age of hens and magicians. He moves, he searches, he strokes, he makes gestures:—he is understood ... the little women are already cold ... Wagner never calculates as a musician from any musician's conscience: he wants an effect, he calculates from the optics of the theater ...Nothing is more opposed to him than the monological, secret divinity of Beethoven's music, the self-sounding of solitude, the shame even in becoming audible... Wagner is unscrupulous, as Schiller was unscrupulous, as all theater people are unscrupulous: under certain circumstances, he needs the listener's belief that he is hearing such a different kind of music—he creates it. It seems to us that he creates it: we non-animals ourselves are deceived... Afterwards, we understand well enough that we have been deceived: but what does a theater artist care about the "afterwards"! ... He has the moment on his side: Wagner persuades unconditionally. "There is nowhere any genuine counterpoint in Wagner"—so speaks the afterwards. But why should there be! We are in the theater, and it suffices to believe that it exists...

The effect of Wagnerian art is profound, it is above all heavy: what is the reason for this? First of all, not, as suggested, the music: one would not even endure this music if one had not already been overwhelmed and, as it were, made unfree by something else. That something else is the Wagnerian pathos, to which he has merely invented his music as an addition. It is the enormous persuasive power of this pathos, its breathlessness, its refusal to let go of an extreme emotion, it is the terrifying length of this pathos with which Wagner triumphs over us and will always triumph:—so that in the end he even persuades us to his music ... Is one a genius with such pathos? Or can one even be one? ...Man has sometimes understood by the genius of an artist his highest freedom under the law, his divine lightness, levity in the most difficult. Might one say: “Wagner is heavy, hundredweight-heavy: consequently—no genius?” But perhaps one does wrong to make light feet the type of the god.— Another question, to which a more definite answer lies at hand, is this: whether Wagner is precisely with such pathos German? a German? Never and nevermore! Rather an exception of all exceptions ..!

6.

Wagner’s sensibility is not German: all the more German is his kind of spirit and spirituality.I know it very well, why it became incomparably comfortable for German youths with him, amidst the Wagnerian depth, multiplicity, fullness, arbitrariness, uncertainty in the spiritual: with this they are at home with themselves! They listen with delight as the great symbols and riddles sound loudly with gentle thunder from immense distances. They do not become displeased when it sometimes turns gray, gruesome, and cold: are they not all related to the bad weather, the German weather! ... They do not miss what we Others miss: wit, fire, grace; the great logic; the exuberant spirituality; the halcyon happiness; the shining sky with its constellations and light tremors ..

7.

Wagner’s sensibility does not belong to Germany: one encounters it again among Wagner’s closest relatives, the French Romantics. The passion, as Wagner understands it, is in any case the counterpart of the “free-spiritedness of passion,” to speak with Schiller, of the German-Romantic sensibility. Schiller is as German as Wagner is French. His heroes, his Rienzi, Tannhäuser, Lohengrin, Tristan, Parsifal—there is blood in their veins, no doubt—, and certainly not German blood! And when they love, these heroes—would they love German girls? ... I doubt it: but even more I doubt that they would love precisely Wagnerian heroines: what a poor people they are and a preparation for all kinds of neurotic-hypnotic-erotic experiments by Parisian psychologists! Has it ever been noticed that none of them ever bore a child?— They can’t! ...

8.

Today, one least wants to speak of how much Wagner owes to France, how much he himself belongs to Paris. The ambition of grand style in an artist—even that is still French in Wagner... And grand opera! And the rivalry with Meyerbeer! And even with Meyerbeer's means! What is German about that? ... Finally, let us consider the decisive point: what characterizes Wagner's artistry?histrionics, the setting-in-scene, the art of display, the will to effect for the sake of effect, the genius of presentation, representation, imitation, portrayal, signification, semblance: is this in any genre a German kind of talent? ... We have—we know it all too well!—had our weakness here thus far—and we do not want to make a pride out of this weakness! ... But it is the genius of France! ...

15 [7]

The Romanticism

The Naturalism

15 [8]

 

Progress.

VI

Let us not deceive ourselves! Time moves forward,—we would like to believe that everything within it also moves forward ... that development is a forward development ... This is the appearance that deceives even the most sober-minded: but the nineteenth century is no progress compared to the sixteenth; and the German spirit of 1888 is a regression compared to the German spirit of 1788 ... "Humanity" does not advance, it does not even exist ...The overall aspect is that of an enormous experimental workshop, where some things succeed, scattered throughout all times, and unspeakable things fail, where all order, logic, connection, and obligation are lacking... How could we fail to recognize that the advent of Christianity is a *décadence* movement? ... That the German Reformation is a recrudescence of Christian barbarism? ... That the Revolution has destroyed the instinct for great organization, the possibility of a society? ... Man is no progress over the animal: the culture-pampered man is a misbirth compared to the Arab and the Corsican; the Chinese is a well-formed type, namely more durable than the European...

15 [9]

Jesus: Dostoevsky

I know only one psychologist who has lived in the world where Christianity is possible, where a Christ can arise at any moment... That is Dostoevsky. He has guessed Christ—and instinctively he has above all remained protected from imagining this type with the vulgarity of Renan... And in Paris they believe that Renan suffers from too many refinements! ... But can one go more wrong than when one turns Christ, who was an idiot, into a genius? When one lies a hero out of Christ, who represents the opposite of a heroic feeling?

15 [10]

What is tragic.

I have repeatedly pointed out the great misunderstanding of Aristotle when he believed he recognized the tragic affects in two depressing affects, in terror and pity. If he were right, tragedy would be a life-threatening art: one would have to warn against it as something harmful to the community and disgraceful. Art, otherwise the great stimulus of life, an intoxication with life, a will to life, would here, in the service of a downward movement, as it were as a servant of pessimism, be harmful to health.

(For the idea that one "purges" oneself of these affects by arousing them, as Aristotle seems to believe, is simply untrue) Something that habitually arouses terror or pity disorganizes, weakens, discourages:—and assuming Schopenhauer were right, that one should derive resignation from tragedy, i.e., a gentle renunciation of happiness, of hope, of the will to live, then an art would be conceived here in which art itself is negated. Tragedy would then signify a process of dissolution, the instincts of life destroying themselves in the instinct of art. Christianity, nihilism, tragic art, physiological decadence: these would hold hands, come to predominance at the same hour, drive each other forward—downward! ... Tragedy would be a symptom of decline.

One can refute this theory in the coldest manner: namely by measuring the effect of a tragic emotion by means of the dynamometer. And one obtains as a result what only the absolute mendacity of a systematizer can psychologically fail to recognize—: that tragedy is a tonicum. If Schopenhauer did not want to understand here, if he posited the total depression as the tragic state, if he gave the Greeks to understand (—who to his displeasure did not "resign" ...) that they had not been at the height of worldview: that is parti pris, logic of the system, counterfeiting of the systematizer: one of those wicked counterfeitings which step by step has corrupted his entire psychology (: he, the genius, art itself, morality, pagan religion, beauty, knowledge, and approximately everythinghas been arbitrarily-violently misunderstood

Aristotle

Aristotle wanted tragedy to be regarded as a purgative of pity and terror—as a useful discharge of two excessively accumulated pathological affects...

The other affects act tonically: but only two depressive affects—and these are consequently particularly harmful and unhealthy—pity and terror should, according to Aristotle, be expelled from humans through tragedy as through a purgative: tragedy, by excessively arousing these dangerous states, delivers humans from them—makes them better. Tragedy as a cure against pity.

15 [11]

You are today the only musician who makes music to my heart: cheaply, everything that I have against today's music comes to you?

The taste for Wagner's music compromises. I say this as one who takes himself out,—I have compromised myself.

15 [12]

On the Critique of Wagner.

Wagner's music is anti-Goethian.
Indeed, Goethe is lacking in German music, just as he is lacking in German politics. In contrast: how much Schiller, more precisely how much Thekla is in Beethoven!
Much bourgeois sentimentality, much unction:
Wagner has no thoughts, just like V. Hugo: but he knows how to terrorize us with a sign in place of a thought
I seek the causes of the extreme exhaustion which Wagner's art brings with it
the changing optics:
the physiological resistance:
Breath
Walk
the constant exaggeration:
the tyrannical ulterior motive:
the irritation of the morbid nerves and
of the centers through terrorist means:
his Time-sense

15 [13]

A Preface

I have the fortune and, if it be so, the honor myself, after whole millennia of error and confusion, to have found again the path that leads to a Yes and a No.

I teach the No to everything that weakens—what exhausts.

I teach the Yes to everything that strengthens, that stores up power, that increases pride

One has taught neither the one nor the other before: one has taught virtue, self-denial, compassion, one has even taught the negation of life... These are all values of the exhausted

A long reflection on the physiology of exhaustion forced me to ask how far the judgments of the exhausted have penetrated into the world of values.

My result was as surprising as possible, even for me, who had already felt at home in many a foreign world: I found all the highest value judgments, all that have become master over humanity, at least over tamed humanity, traceable back to the judgments of the exhausted.

I first had to teach that crime, celibacy, illness are consequences of exhaustion...

Under the holiest names, I extracted the destructive tendencies; what weakens, teaches weakness, infects with weakness has been called God... I found that the "good man" is a form of self-affirmation of decadence.

That virtue, of which Schopenhauer still taught that it is the highest, the only, and the foundation of all virtues: precisely that compassion I recognized as more dangerous than any vice.The selection in the genus, its purification from waste fundamentally cross—that was previously virtue par excellence ...

The race is corrupted—not by its vices, but by its ignorance: it is corrupted because it did not understand exhaustion as exhaustion: the physiological confusions are the cause of all evil, its instinct was misled by the exhausted, its best to hide and lose the center of gravity ... To fall down—to deny life—that should also be felt as ascent, as transfiguration, as deification.

Virtue is our great misunderstanding.

Problem: how did the exhausted come to make the laws of values?

Put differently: how did those who are the last come to power? ... Recognize history! How does the instinct of the animal human come to stand on its head? ...

I wish to clarify the term "progress" and fear that I must strike the modern ideas in the face (—my consolation is that they have no faces, but only masks ...

One should amputate sick limbs: the first morality of society.

A correction of instincts: their detachment from ignorance ...

I despise those who demand that society protect itself against its harmers. That is far from enough. Society is a body on which no limb may be sick without putting it in danger overall: a sick limb that rots must be amputated: I will name the amputable types of society by name ...

One should honor fate: the fate that says to the weak: perish ...

Man has called it God that one resisted fate—that one corrupted and rotted humanity... One shall not take the name of God in vain...

We have almost all psychological concepts, on which the previous history of psychology—what is called philosophy!—depended, annulled; we deny that there is will (not to mention the "free will")
we deny consciousness, as a unity and faculty

we deny that thinking occurs (: for we lack the what that thinks and likewise the what that is thought

we deny that between thoughts there exists a real causality as logic believes



My writing is directed against all natural types of décadence: I have contemplated the phenomena of nihilism most comprehensively

i.e., the born destroyer

15 [14]

Forgive me! This is all the old game of 1830. Wagner believed in love, like all the Romantics of that mad and dissolute decade. What remains of it? This senseless deification of love, and, by the way, also of debauchery and even of crime—how false that seems to us today! How worn out above all, how unnecessary! We have become stricter, harder, more impatient with such vulgar psychology, which even believed itself to be “idealistic”—we are cynical even about this hypocrisy and romance of the “beautiful feeling”—

15 [15]

One must only be backward (or have gone back) to still believe in Wagner’s problems today! Not to mention Wagnerian women!

They are all sickly people, with all their boastful musculature... Have you noticed that none of them ever bears a child?... They can’t... And if there is an exception, what does Wagner resort to in order to make the exception believable?... You know it — — at this point alone, Wagner has corrected the old legend...

Or can you endure Wagner’s heroes? all these impossibilities, as he has put them on stage and set them to music?With muscles from bygone days and nerves from the day after tomorrow? heroic and yet—nervous! Every physiologist says: that is wrong!

Of course—he has thereby won over both the old and the young women: they love such heroes,—they love perhaps also the impossible ...

They love in any case the blond saints, the Parsifal type,—everything in which there is pre-existent sensuality ... How much tender curiosity does such a case inspire! How much indulgence does it permit! ... In short, Beaumarchais gave the women his Cherubin as a gift, Wagner—his Parsifal .. the wiser one —

15 [16]

Wagner as a role model.
Wagner as a danger.
Wagner and the Jews
Wagner’s “woman”: he knows only the hysterical female. Why here the illusion becomes increasingly impossible?
Wagner and the dramatic form
Wagner’s relationship to France—“European”
Wagner’s relationship to Christianity and culture:
—the Romantic and the Nihilist—
typical transformation, with the normal eventual return to Christianity.

15 [17]

Christianity ...
absolute definiteness of the No ...

That I do not forgive Wagner his Parsifal for another reason, you know. This is a question of honesty—and if you will, of hierarchy. One belongs here, one belongs there, depending on the case.

Whoever becomes ambiguous to me today in their relation to Christianity, I do not first give them the last finger of my two hands.Here there is only one righteousness: an unconditional no, a no of the will and of the deed ... Who shows me anything more refuted, anything so definitively judged by all higher value feelings than Christianity? In it, to have recognized seduction as seduction, in it the great danger, the path to nothingness, which knew how to present itself as the path to divinity—to have recognized these eternal values as slanderer-values—what else makes our pride, our distinction before two millennia? ...

15 [18]

Philosopher

Ernst.

* *

And all great earnestness—is it not itself already sickness? And a first uglification?

The sense for the ugly awakens at the same time as earnestness awakens; one deforms things already when one takes them seriously ...

Take woman seriously: how ugly the most beautiful woman becomes at once! ...

* *

It is hard to remain serious here. Amidst these problems, one does not become a mournful mourner ... Virtue in particular has gestures that one must be dyspeptic to maintain one's dignity nonetheless.

* *

Laughing—that is roughly, if not the cleverest, then the wisest answer to such questions ...

15 [19]

Christianity

Up to now, Christianity has always been attacked in a false and not merely timid manner. As long as one does not perceive the morality of Christianity as a capital crime against life, its defenders have an easy game. The question of the mere "truth" of Christianity, whether with regard to the existence of its God, or the historicity of its origin legend, not to mention Christian astronomy and natural science—is a completely secondary matter, as long as the value question of Christian morality is not touched.

Is the morality of Christianity worth anything, or is it a disgrace and shame despite all the holiness of the arts of seduction? There are hiding places of every kind for the problem of truth; and the most faithful can ultimately avail themselves of the logic of the most unbelieving to create a right to affirm certain things as irrefutable—namely as beyond the means of all refutation (—this trick is called today “Kantian criticism” —

15 [20]

To the Plan.

1.The true and the apparent world. 
2.The philosophers as types of décadence
3.The religion as expression of décadence
4.The morality as expression of décadence
5.The counter-movements: why they are inferior.
6.Where does our modern world belong, in exhaustion or in ascent?—its multiplicity and restlessness conditioned by the highest form of becoming conscious
7.The Will to Power: becoming conscious of the will to live ...
8.The healing art of the future.
8: 600
56
40
70 pages

 

On 1) “true and apparent world”

1)such a juxtaposition degrades the “apparent world”
2)reconsidered: it would not be necessary for the apparent world to be degraded thereby.

15 [21]

Chastity.

VII

In the case of the Indian priests, not only the rancor against sensuality common to all priests must be taken into account (—in this they agree: they regard sensuality as a personal enemy.) The essential point is that only an extreme rigor in this regard upholds the foundation of all order they have created, the concept of caste, the distance between castes, the purity of castes ...

They demand marriage, with all strictness, they are, similar to the Chinese, at the opposite end of European laxity:—they consider it a religious duty to have a son, they make personal salvation in the hereafter dependent on having a son. One cannot place enough value on such an attitude, an attitude a hundred degrees more worthy and serious than that of, for example, Christianity. In the latter, marriage is considered as coitus and nothing more—as a concession to human weakness and as the lesser evil of fornication.

15 [22]

With this worst of all possible bad music, with this restlessness and formlessness advancing from bar to bar, which is supposed to signify passion and in truth is the lowest stage of aesthetic brutality, I have no mercy: here one must put an end to it.

15 [23]

Renaissance and Reformation

What does the Renaissance prove? That the reign of the "individual" can only be brief. The waste is too great; there is no possibility even to gather, to capitalise, and exhaustion follows on its heels. These are times when everything is squandered, when even the strength to gather, to capitalise, to heap wealth upon wealth is squandered... Even the opponents of such movements are forced into senseless waste of power; they too soon become exhausted, used up, barren.

In the Reformation we have a wild and plebeian counterpart to the Italian Renaissance, born of related impulses, except that these had to disguise themselves religiously in the backward, common North—there the concept of higher life had not yet detached itself from that of religious life.



Even with the Reformation, the individual seeks freedom; “each his own priest” is also merely a formula of libertinage. In truth, one word—“evangelical freedom”—was enough, and all instincts that had reason to remain hidden burst forth like wild dogs; the most brutal needs suddenly found the courage to assert themselves, everything seemed justified... One took care not to understand what freedom was truly meant, one closed one’s eyes to oneself...But that one closed one's eyes and moistened one's lips with rapturous speeches did not prevent the hands from grabbing wherever there was something to grab, that the belly became the god of the "free gospel," that all desires for revenge and envy satisfied themselves in insatiable fury... This lasted for a while: then came exhaustion, just as it had come in southern Europe; and here again a *common* kind of exhaustion, a general ruere in servitium... There came Germany's *indecent* century...

15 [24]

Comparing the Indian law book with the Christian one is unavoidable; there is no better way to bring home to oneself the immaturity and dilettantism of the entire Christian attempt.

15 [25]

IX

When, through practice over a whole series of generations, morality has been, as it were, stored up—thus refinement, caution, courage, fairness—then the total power of this accumulated virtue radiates even into the sphere where honesty is rarest, into the intellectual sphere.

In all becoming conscious, an uneasiness of the organism expresses itself: something new is to be attempted, nothing is sufficiently prepared for it, there is effort, tension, overstimulation—all this is precisely becoming conscious... Genius resides in instinct; goodness does likewise.One acts perfectly only insofar as one acts instinctively. Even morally considered, all thinking that proceeds consciously is a mere tentative, mostly the antithesis of morality. Scientific integrity is always suspended when the thinker begins to reason: let one make the test, let one put the wisest on the scales by making them talk about morality...

It can be proven that all thinking that proceeds consciously will also represent a much lower degree of morality than the thinking of the same, insofar as it is guided by its instincts.

Nothing is rarer among philosophers than intellectual integrity: perhaps they say the opposite, perhaps they even believe it themselves. But their entire craft entails that they only allow certain truths; they know what they must prove, they recognize themselves almost by their agreement on these “truths.” For example, there are moral truths. But belief in morality is not yet proof of morality: there are cases—and the case of philosophers belongs here—where such a belief is simply an immorality.

15 [25]

IX

When through practice over a whole series of generations morality has, as it were, been stored up—thus refinement, caution, courage, fairness—then the total force of this accumulated virtue radiates even into the sphere where righteousness is rarest, into the intellectual sphere.

In all becoming conscious, an uneasiness of the organism expresses itself: something new is to be attempted, nothing is sufficiently prepared for it, there is toil, tension, overstimulation—all this is precisely becoming conscious... Genius resides in instinct; goodness does likewise. One acts perfectly only insofar as one acts instinctively. Even from a moral standpoint, all thinking that proceeds consciously is merely a tentative, mostly the antithesis of morality.Scientific integrity is always at stake when the thinker begins to reason: let us put it to the test, let us weigh the wisest on the gold scale by making them talk about morality...

It can be proven that all thinking that occurs consciously will also represent a much lower degree of morality than the thinking of the same person, insofar as it is guided by his instincts.

Nothing is rarer among philosophers than intellectual integrity: perhaps they say the opposite, perhaps they even believe it themselves.But their entire craft involves allowing only certain truths; they know what they must prove, they almost recognize themselves as philosophers by the fact that they agree on these “truths”. For example, there are moral truths. But belief in morality is not yet proof of morality: there are cases—and the case of philosophers belongs here—where such a belief is simply an immorality.

15 [26]

Today, where in the vineyard of the German spirit the Rhinoxera dwells

15 [27]

at whose bosom the learned youth today drinks the milk of science, professors and other higher nurses

15 [28]

At all times, people have taken "beautiful feelings" for arguments, the "heaving bosom" for the bellows of divinity, conviction as the "criterion of truth," the opponent's need as a question mark to wisdom: this falsity, this counterfeiting runs through the entire history of philosophy. Apart from the respectable but sparse skeptics, nowhere is there an instinct for intellectual integrity. Finally, even Kant, in all innocence, sought to scientize this corruption of thought with the concept of "practical reason": he invented a special reason for cases where one need not concern oneself with reason—namely, when the heart's need, when morality, when duty speaks.

15 [29]

Décadence X

Two types of morality must not be confused: one morality with which the healthy instinct defends itself against the beginning décadence—and another morality with which this very décadence formulates, justifies, and leads itself downward... The former tends to be stoic, hard, tyrannical—Stoicism itself was such a restraining morality—the latter is enthusiastic, sentimental, full of mysteries, it has women and the “beautiful feelings” on its side.

15 [30]

Décadence

The redemption from all guilt.”

One speaks of the “profound injustice” of the social pact: as if the fact that one is born under favorable, another under unfavorable circumstances, were in itself an injustice; or even that one is born with these qualities, another with those. From the side of the most sincere among these opponents of society, it is decreed: “we ourselves, with all our bad, sickly, criminal qualities that we admit, are only the inevitable consequences of a secular oppression of the weak by the strong”; they push their character onto the conscience of the ruling classes.

And one threatens, one rages, one curses; one becomes virtuous out of indignation—one does not want to have become a bad person, a canaille in vain... This attitude, an invention of our last decades, is called, as far as I hear, pessimism, and indeed indignation-pessimism. Here the claim is made to judge history, to strip it of its fatality, to find responsibility behind it, guilty parties within it. For that is what it is about: one needs guilty parties. The ill-fated, the décadents of every kind are in revolt against themselves and need victims to quench their thirst for annihilation (—which in itself might perhaps have reason on its side).They need a semblance of right, that is, a theory by which they can shift the fact of their existence, of their being such-and-such, onto some scapegoat. This scapegoat can be God—there is no lack of such atheists from ressentiment in Russia—or the social order, or education and instruction, or the Jews, or the nobles, or in general the well-off of any kind. “It is a crime to be born under favorable conditions: for thereby one has disinherited others, pushed them aside, condemned them to vice, even to labor” ... “What can I do about being miserable! But someone must be to blame, otherwise it would be unbearable!” ...Briefly, the indignation-pessimism invents responsibilities to create a pleasant feeling for itself—revenge... “Sweeter than honey” is what the old Homer already calls it. —

2.

That such a theory does not find more understanding, that is to say, contempt, is due to the piece of Christianity that still lingers in all our blood: so that we are tolerant towards things merely because they smell faintly of something Christian... The Socialists appeal to Christian instincts, that is still their finest cleverness...From Christianity, we are accustomed to the superstitious concept of the “soul,” the “immortal soul,” the soul-monad, which is actually quite at home elsewhere and has only accidentally fallen into this or that circumstance, into the “earthly,” so to speak, become “flesh”: yet without its essence being affected, let alone conditioned by it. The social, familial, historical relations are for the soul only opportunities, perhaps embarrassments; in any case, it is not their work. With this idea, the individual is made transcendent; it may ascribe to itself an absurd importance.In truth, it was Christianity that first challenged the individual to set himself up as judge over everything and everyone; megalomania was almost made a duty for him: after all, he had to assert eternal rights against everything temporal and conditional! What is the state! What is society! What are historical laws! What is physiology! Here speaks a beyond of becoming, an unchanging element in all history, here speaks something immortal, something divine, a soul! Another Christian concept, no less insane, has been inherited even more deeply into the flesh of modernity: the concept of the equality of souls before God.In him is given the prototype of all theories of equal rights: mankind was first taught to stammer the proposition of equality religiously, later a morality was made of it: and what wonder that man ends by taking it seriously, by taking it practically! that is to say, politically, democratically, socialistically, indignation-pessimistically...

Wherever responsibilities have been sought, it has been the instinct of revenge that sought them. This instinct of revenge has become so master over mankind through millennia that the whole of metaphysics, psychology, historical conception, above all morality, has been stamped with it. As far as man has thought at all, he has dragged the bacillus of revenge into things.He has made God himself sick with it, he has robbed existence itself of its innocence: namely by tracing every such-and-such-being back to will, to intentions, to acts of responsibility. The entire doctrine of the will, this most fateful falsification in psychology up to now, was essentially invented for the purpose of revenge. It was the social utility of punishment that guaranteed this concept its dignity, its power, its truth. The originators of the older psychology—the psychology of the will—are to be sought in the classes that held penal law in their hands, foremost among them the priests at the head of the oldest communities: they wanted to create a right for themselves to take revenge—or they wanted to create a right for God to take revenge.To this end, man was conceived as "free"; to this end, every action had to be thought of as willed, the origin of every action had to be thought of as lying in consciousness. In these propositions alone is the old psychology preserved.— Today, when Europe seems to have entered the opposite movement, when we Halkyonians in particular are striving with all our might to withdraw, remove, and erase the concept of guilt and concept of punishment from the world again, where our greatest earnestness is directed toward cleansing psychology, morality, history, nature, social institutions and sanctions, even God himself of this filth—in whom must we see our most natural antagonists?Just in those apostles of revenge and resentment, in those outraged pessimists par excellence, who make a mission of sanctifying their filth under the name of "outrage" ... We others, who wish to restore innocence to becoming, would like to be the missionaries of a cleaner thought; that no one has given man his qualities, neither God, nor society, nor his parents and ancestors, nor himself—that no one is *guilty* of him ... There is no being that could be held responsible for someone existing at all, for someone being this way or that, for someone being born under these circumstances, in this environment.—*It is a great relief that such a being does not exist* ...We are not the result of an eternal intention, a will, a desire: with us, no attempt is being made to achieve an “ideal of perfection” or an “ideal of happiness” or an “ideal of virtue”—we are equally little God’s blunder, before which even He would have to feel fear (—with which thought, as is well known, the Old Testament begins). There is no place, no purpose, no meaning to which we could shift our being, our being-such-and-such. Above all: no one could do it: one cannot judge, measure, compare, or even negate the whole. Why not?—For five reasons, all of them accessible even to modest intelligences: for example, because there is nothing besides the whole.—And once again, this is a great solace, therein lies the innocence of all existence.

15 [31]

XI

Fundamental insight into the nature of décadence:

what has hitherto been regarded as its causes, are its effects.

This changes the entire perspective of moral problems.

Vice:

Luxury:

Crime:

even illness:

: the entire moral struggle against vice, luxury, etc. appears as naivety, as superfluous ...:

: there is no “improvement”—against remorse

Décadence itself is nothing to be fought against: it is absolutely necessary and inherent to every time and every people. What must be fought with all one's might is the introduction of the contagion into the healthy parts of the organism.

Is this being done? One does the opposite.

Precisely this is what humanity is striving for

How do the previous supreme values relate to this biological fundamental question?

1)Philosophy
 religion
 morality
 art
 etc.

the cure: e.g., militarism, from Napoleon onward, who saw in civilization his natural enemy ...

Anarchism
Women's Emancipation
 
Decline of defensive forcesIllness, plagues, etc.
Preponderance of ressentimentthe indignation-pessimism
the sympathy with all sufferingthe compassion
the lack of inhibitory mechanismsVices, corruption (critique of the senses, the passions)
the uglificationthe increase of ugliness (beauty as earned
the “tolerance”the skepticism, the “objectivity”
Preponderance of weakness-feelingsthe pessimists (physiologically décadents
the dissolving instinctsthe liberal institutions
Talent for representing several personsHypocrisy, acting: the weakening of the person
the “for nothing”, the “meaninglessness”nihilism.
excessive irritability, women's emancipationthe hyperirritability “music”
the “artist”
the “novelist”
need for stimulantsluxury as
the need for narcotics, excess in music and alcohol (also book)
the tyranny of the milieu

15 [32]

The question of décadence: to understand which phenomena belong together and have their common hearth here

Anarchism
Women's Emancipation
 
Decline of defensive forcesIllness, epidemics, etc.
Preponderance of ressentimentthe indignation-pessimism
the sympathy with all sufferingthe compassion
the lack of inhibitory mechanismsVice, corruption (critique of the senses, of the passions)
the uglificationthe increase of ugliness (beauty as earned
the “tolerance”the skepticism, the “objectivity”
preponderance of weakness-feelingsthe pessimists (physiologically décadents
the dissolving instinctsthe liberal institutions
talent to represent several personshypocrisy, playacting: the weakening of the person
the “free”, the “meaninglessness”nihilism.
excessive irritability, women's emancipationhyperirritability “music”
the “artist”
the “novelist”
need for stimulantsluxury as
the need for narcotics, excess in music and alcohol (also book)
the tyranny of the milieu

15 [33]

The philosophies.
The religions.
The morals.
Sterility, celibacy (hatred against the
senses: e.g., in Schopenhauer

15 [34]

The Philosophies of Pessimism:
physiologically decadent
e.g., Baudelaire
Schopenhauer
Leopardi:sexual aberrations at the beginning,
impotence at times as a consequence

15 [35]

an attempt has been made to see in Wagner and Schopenhauer types of the mentally disturbed: a far more essential insight would be gained by scientifically defining the type of décadence that both represent.

15 [36]

The present-day Germany, which works with the straining of all its forces and counts overburdening and premature aging among its normal consequences, will already in 2 generations pay the price with a deep degeneration phenomenon ... For the time being, we only note the increasing de-spiritualization and vulgarization of taste—an ever more vulgar need for recreation: later times will find the pathological needs in the foreground, the intensification of stimulants, the alcoholic and music opiates.

15 [37]

Féré p. 89.

XII

the inability to sustain continuous work

Consequence of excessive work with insufficient nutrition, particularly a progressively deeper and lasting exhaustion, which brings morbid phenomena to light in the next generation

we also know of a hereditary overwork: the main cause of a race's degeneration,—thus making it increasingly incapable of productive efforts

Laziness, as the inability to sustain prolonged effort, is inherent to degeneration. Such individuals, who require not only nourishment but specific stimulants to boost their declining vitality, wish to be maintained by the labor of others. They resort to cunning or acts of violence to achieve this. (i.e., one-time exertion)

Three-quarters of the degenerate are from poverty, half are without work. But the poverty is already a consequence of the inability to work, of the typical idleness of the degenerate ...

— the one-time effort: symptom.

Laziness, poverty, crime, parasitism,



Education increases needs and desires without increasing the means to satisfy them.

With compulsory education, one exhausts the reserves of a race.

Criminality is greatest where the exhaustion is greatest, i.e., where the most senseless work is done, in the sphere of trade and industry

Overwork, exhaustion, stimulation-need (vice), increase in irritability and weakness (so that they become explosive)



The misshapen, the degenerate, and the impotent of every kind have a kind of instinct for one another: from this grow the antisocial beings

(because their parents were incapable of adapting to societies)

they seek, the insane for example.

in neuropathic families there is a degenerative selection (Goethe “Elective Affinities”)

the sex born of vice and crime is antisocial—also the servant-animal (light work and relative well-being) prepares antisocial elements (whores, thieves, criminals of every kind)

Drunkenness and debauchery increase degeneracy

Increase of diseases through slowing of nutrition

Neurosis, psychosis, and recrudescence of criminality

The inability to fight: that is degeneracy

“one must abolish the fight
the fighters first!”

Murder and suicide belong together and follow each other in the ratio of ages and seasons

pessimism and suicide belong together

Need for excitement and stimuli:

Luxury—one of the first steps of decadence. Stimulation makes the weakness...

The degenerate feel an attraction to a regime that is harmful to them, that accelerates the course of degeneracy (the anemic, the hysterical, the diabetic, the dystrophic)

15 [38]

And, amidst this décadence, the wars over the “fatherland”, over this ridiculous afterbirth of patriotism, which, for economic reasons, will already be a comedy in a hundred years ...

this extinction of the best-advised men through war —

15 [39]

XIII

To the Well-Turned-Out, who does my heart good, carved from a wood that is hard, tender, and fragrant—even the nose takes pleasure in it—this book is dedicated.

he enjoys what is good for him

his pleasure in something ceases where the measure of what is good for him is exceeded

he guesses the remedies for partial injuries, he has illnesses as great stimulants of his life

he knows how to exploit his misfortunes

he grows stronger through the misfortunes that threaten to destroy him

he instinctively collects from everything he sees, hears, experiences, for the sake of his main cause—he follows a selective principle,—he lets much slip through

he reacts with the slowness that long caution and a deliberate pride have cultivated,—he tests the stimulus, where it comes from, where it wants to go, he does not submit

he is always in his own company, whether he deals with books, people, or landscapes: he honors by choosing, by admitting, by trusting ...

15 [40]

That civilization leads to the physiological decline of a race.

The farmer devoured by the big cities: an unnatural overstimulation of the head and the senses. The demands on their nervous system are too great; scrofula, consumption, nervous diseases, every new stimulant only accelerates the rapid disappearance of the weak: epidemics carry off the weak away ...

The Unproductive

laziness is inherent in the nerve-weak, the hysterical, the melancholic, the epileptic, the criminals

15 [41]

It is not nature that is immoral when it shows no pity for the degenerate: on the contrary, the growth of physiological and moral evils in the human race is the result of a sick and unnatural morality

the sensitivity of the majority of people is sick and unnatural

what does it depend on that humanity is corrupt in moral and physiological terms?

The body perishes when an organ is altered...

one cannot trace the right of altruism back to physiology

nor the right to help, to equality of lots: these are all rewards for the degenerate and those who have gone astray.

There is no solidarity in a society where there are unproductive, unproductive, and destructive elements, who, moreover, will have even more degenerate descendants than themselves.

15 [42]

 

Improvement

XIV

Critique of the Holy Lie.

That lying is permitted for pious purposes belongs to the theory of all priesthoods—how far it belongs to their practice shall be the subject of this investigation.

But philosophers, too, as soon as they intend to take the guidance of mankind into their hands with priestly ulterior motives, have immediately also claimed a right to lie: Plato first and foremost.The most magnificent is the duality developed by the typically Aryan philosophers of Vedanta: two systems, contradictory in all main points, but alternating, filling, complementing for educational purposes. The lie of the one is to create a state in which the truth of the other becomes audible at all ...

How far does the pious lie of the priests and philosophers go?— One must ask here what prerequisites they have for education, what dogmas they must invent to satisfy these prerequisites?

First: they must have power, authority, unconditional credibility on their side
Second: they must have the entire course of nature in their hands, so that everything that happens to the individual appears as conditioned by their law

Thirdly: they must also have a more far-reaching sphere of power, the control of which eludes the gaze of their subjects: the measure of punishment for the hereafter, the “after-death”—however fair the means to know the way to salvation

They must remove the concept of the natural course: but since they are clever and thoughtful people, they can promise a multitude of effects, naturally conditioned by prayers or strict adherence to their law...

they can likewise prescribe a multitude of things that are absolutely reasonable—only they must not name experience, empiricism as the source of this wisdom, but rather a revelation, or the consequence of “hardest penitential exercises”

the holy lie thus refers principally: to the purpose of the action (—the natural purpose, reason is made invisible, a moral purpose, a fulfillment of the law, a service to God appears as the purpose

: to the consequence of the action (—the natural consequence is interpreted as supernatural, and, to be sure to take effect, other uncontrollable supernatural consequences are held out in prospect.

in this way, a concept of Good and Evil is created that appears entirely detached from the natural concept of “useful” “harmful,” life-promoting, “life-diminishing”—it can, insofar as an other life is imagined, even become directly hostile to the natural concept of Good and Evil

in this way, the famous "conscience" is finally created: an inner voice that, in every action, does not measure the value of the action by its consequences, but rather in relation to the intention and conformity of that intention with the "Law"

The holy lie has thus

invented a punishing and rewarding God who precisely acknowledges the priests' law book and precisely sends them into the world as his mouthpieces and authorized representatives

an afterlife in which the great punishment machine is first conceived to be effective,—for this purpose, the "immortality of the soul"

the conscience in man, as the awareness that good and evil are fixed,—that God himself speaks here when it advises conformity with the priestly prescription

morality as the denial of all natural processes, as the reduction of all events to a morally conditioned event, the moral effect (i.e., the idea of punishment and reward) as permeating the world, as the sole power, as the creator of all change

the truth as given, as revealed, as coinciding with the teaching of the priests: as the condition of all salvation and happiness in this life and the next

In summa: what is the price paid for moral improvement?

the suspension of reason, the reduction of all motives to fear and hope (punishment and reward)

dependence on priestly guardianship, on a formal precision that claims to express a divine will

the implantation of a "conscience" that substitutes false knowledge for examination and experimentation
: as if it were already settled what to do and what to leave undone—a kind of castration of the searching and forward-striving spirit

: in summa, the worst maiming of man that one can imagine, supposedly as “the good man”

In praxi, all reason, the entire inheritance of wisdom, subtlety, caution, which is the prerequisite of the priestly canon, is arbitrarily reduced afterward to a mere mechanics

conformity with the law is already considered the goal, the highest goal,—life has no more problems
the entire world-conception is tainted with the idea of punishment ...

life itself is, with regard to it, reimagined as a slander and defilement of life in order to present the priestly life as the non plus ultra of perfection ...

the concept of “God” represents a turning away from life, a critique, a contempt for life itself ...

truth is reimagined as the priestly lie, the pursuit of truth as study of scripture, as a means to become a theologian ...

15 [43]

The seduction of mankind under the guise of the holiest intention

the criminal misuse that has been driven with the word “truth”

I have a grim and fateful story to tell, the story of the longest crime, the most disastrous seduction, the most deliberate poison-mixing, the truly black event of mankind, under whose spell the deepest instincts of life have been condemned and called into question ...

P: they confuse cause and effect

P: they confuse rest as strength and rest as powerlessness

Should one believe that it would be possible to spread an error about cause and effect, so that one perceives the effect as the cause? It seems impossible: but under the seduction of morality, it has succeeded ...

At all times, priests have portrayed the decline of a generation, a people, as punishment for their vices, their unbelief and free-thinking; likewise, illness, plagues, and mental illnesses have been depicted as consequences of alienation from faith,

conversely, long life and happiness for the family and descendants have been promised as a reward for piety and fulfillment of the law

today, we say the opposite: a person's competence, their "righteousness," is the result of long, happy marriages and the expression of a reasonable choice of partners—through this, forces can be summed up ..., an expression of the happiness of ancestors

Vices, crimes, sickness, madness, libertinism—even the intellectual kind—are consequences of décadence, symptoms of it,—they are therefore incurable ...

The piety of families guarantees a healthy and happy offspring so little that it is precisely among the most pious, hereditarily pious families in present-day Europe that mental disorders, melancholy are hereditary ... It is the expression of a suffering and oppressed type that needs piety so much to endure life: our Pietists are not Christians by choice ...

15 [44]

The reversal of the hierarchy:

the pious counterfeiters, the priests become among us Tschandala:

— they take the position of charlatans, quacks, counterfeiters, sorcerers: we consider them corruptors of the will, the great slanderers and vengeful ones of life, the rebels among the misguided

* *

In contrast, the Tschandala of yore are on top: foremost the blasphemers, the immoralists, the free spirits, the artists, the Jews, the minstrels—fundamentally all notorious classes of people —

— we have elevated ourselves to honorable thoughts, more still, we determine honor on earth, the “nobility” ...

— we are all the advocates of life today —

— we immoralists are today the strongest power: the great other powers need us ... we construct the world in our image —

We have transferred the concept of Chandala to the priests, teachers of the beyond, and the Christian society grown together with them, including what is of the same origin: the pessimists, nihilists, compassion romantics, criminals, the vicious,—the entire sphere where the concept of “God” is imagined as a savior ...

* *

We are proud no longer to have to be liars, slanderers, or life’s accusers ...



NB. Even if someone proved God to us, we would not know how to believe in him.

15 [45]

On the Critique of the Manu Code. —

XV

The entire book rests on the holy lie:

— is it the welfare of humanity that has inspired this entire system? this kind of human, who believes in the self-interest of every action, was it in their interest or not to enforce this system?

— to improve humanity—where does this intention come from? Where is the concept of the better taken from?

— we find a kind of human, the priestly, who feels themselves to be the norm, the pinnacle, the highest expression of the human type: from themselves, they take the concept of the “better”

— she believes in her superiority, she wants it also in deed: the cause of the holy lie is the will to power ...

* * *

Establishment of dominion: for this purpose the dominion of concepts, which in the priesthood set a non plus ultra of power
the power through the lie, in insight that one does not possess it physically, militarily, ...

the lie as supplement of power,—a new concept of “truth”

* *

One errs if one assumes here unconscious and naive development, a kind of self-deception ...The fanatics are not the inventors of such well-thought-out systems of oppression...

Here, the coldest-blooded composure has been at work, the same kind of composure that a Plato had when he conceived his "Republic"

"One must will the means if one wills the end"—all legislators were clear about this political insight within themselves

* *

We have the classical model as specifically Aryan: we may therefore hold the best-equipped and most composed type of human responsible for the most fundamental lie that has ever been made... This has been imitated almost everywhere: the Aryan influence has corrupted the whole world...

15 [46]

That something is believed

XVI

Error and ignorance are fateful.

The assertion that truth exists and that there is an end to ignorance and error is one of the greatest seductions there is.

Suppose it is believed, then the will to examination, research, caution, and experimentation is paralyzed: it can even be considered sacrilegious, namely as doubt of the truth...

The "truth" is consequently more fateful than error and ignorance because it restrains the forces with which enlightenment and knowledge are pursued.

The affect of laziness now takes the side of "truth";

— "Thinking is a necessity, a misery!"

likewise order, rule, the happiness of possession, the pride of wisdom—vanity in sum

— it is more comfortable to obey than to examine ... it is more flattering to think "I have the truth" than to see only darkness around oneself ...

— above all: it calms, it gives confidence, it eases life—it "improves" the character, insofar as it reduces mistrust ...

"peace of soul," "tranquility of conscience"—all inventions that are only possible on the assumption that truth is there ...
“By their fruits you shall know them” ... The “truth” is truth, because it makes people better ...

... the process continues: to attribute all good, all success to the “truth” ...

This is the proof of strength: happiness, satisfaction, the prosperity of the community and the individual are now understood as a consequence of belief in morality ...

— the reversal: the bad outcome is to be derived from the lack of belief

15 [47]

The Priestly Morality
The Master Morality
The Tschandala Morality
The Middle-Class Morality (the “Herd-Animal Morality”)

Philosophers Scholars Professions
Artists
Statesmen

15 [48]

What is the counterfeiting of morality?

XVII

It pretends to know something, namely what is good and evil.

That is, to want to know for what purpose man exists, to know his goal, his destiny.

That is, to want to know that man has a goal, a destiny —

15 [49]

The victory overtruth”.

What is backward: the priority of immoral values over moral ones.

To prove this: 1) the moral values themselves are not “moral”
a) neither in origin
b) nor in the means of power by which they prevailed

15 [50]

Kant, a conceptual machine, full 18th century, with a basement of theologian cunning and a

15 [51]

It is not the triumph of science that characterizes our 19th century, but the triumph of the scientific method over science

15 [52]

XVIII

Will to Truth.

Martyrs

everything that is based on reverence requires, in order to be combated, on the part of the attackers a certain reckless, ruthless, even shameless attitude ... If one considers that humanity has sanctified errors as truths for millennia, that it even branded any criticism of them as a sign of bad attitude, one must admit with regret that a good number of immoralities were necessary to take the initiative for the attack, that is to say for reason ...That these immoralists have always portrayed themselves as "martyrs of truth" may be forgiven them: the truth is that it was not the drive for truth, but dissolution, sacrilegious skepticism, the lust for adventure that was the drive from which they negated—In other cases, it is personal rancor that drives them into the realm of problems,—they fight against problems to be right against persons—Above all, however, it is revenge that has become scientifically useful,—the revenge of the oppressed, those who were pushed aside and even oppressed by the dominant truths...
The truth, that is, the scientific methodology, has been grasped and promoted by those who guessed in it a tool of struggle,—a weapon for destruction...To honor their opposition, they needed, moreover, an apparatus similar to those they attacked:—they displayed the concept of "truth" just as unconditionally as their opponents,—they became fanatics, at least in attitude, because no other attitude was taken seriously. The rest was done by persecution, the passion and uncertainty of the persecuted,—hatred grew and consequently the prerequisite diminished to remain on the ground of science.They all wanted to be right in the end in a way just as absurd as their opponents ... The word “conviction”, “faith”, the pride of martyrdom—these are all the most unfavorable conditions for knowledge. The opponents of truths have in the end accepted the entire subjective manner of deciding on truth, namely with attitudes, sacrifices, heroic resolutions, and thus again prolonged the dominance of the anti-scientific method extended.— as martyrs they compromised their own deed —

15 [53]

The two most abominable spawns of the 18th century

the subject creates the world that concerns us —
reason creates the society in which

the two fateful farces, the Revolution and Kantian philosophy, the practice of revolutionary reason and the revolution of “practical” reason

nature is denied, dualist morality|in Kant

that a concept is supposed to be knowledge taking the place of nature, as a shaper, to form, to build

the hatred against becoming, against the careful consideration of becoming
is common to all morality and the Revolution:

15 [54]

The will to truth.
The philosopher as a problem.
The priest: invention of morality. The victory over “truth” (the previous “truths” symptoms of décadence)
The concept and scope of décadence.

15 [55]

To think cheaply of morality, we must put two zoological concepts in its place: taming the beast and breeding a particular species.

The priests have always pretended that they want to “improve” ... But we others laugh when an animal tamer talks about his “improved” animals.— Taming the beast is in most cases achieved by harming the beast: the moralized man is not a better man, but only a weakened, a thoroughly mutilated and ruined man. But he is less harmful ...

15 [56]

the struggle against the brutal instincts is different from the struggle against the pathological instincts

: it can even be a means to gain mastery over brutality by making one sick

: the psychological treatment in Christianity often amounts to turning a beast into a sick and hence tame animal

the struggle against raw and wild natures must be a struggle with means that affect them: the superstitious means are irreplaceable and indispensable ...

15 [57]

— in itself demand that only “truth” be spoken would presuppose that one possesses the truth; but if it is only to mean that one says what seems true to oneself, there are cases where it is important to say it in such a way that it also seems true to another: that it has an effect on him

As soon as we take morality absolutely and, for example, the prohibition of lying in the religious sense, the entire history of morality, like that of politics, becomes worthless. We live on lies and counterfeits—the ruling classes have always lied ...

15 [58]

Chapter: the will to truth

the psychological confusions:

the desire for belief—confused with the “will to truth” (e.g., in Carlyle)

but equally, the desire for unbelief has been confused with the “will to truth” (—a need to break free from a belief, for a hundred reasons, to be right against any “believers”)

what inspires the skeptics? hatred of the dogmatists—or a need for rest, a weariness as in Pyrrho

— the advantages one expected from truth were the advantages of believing in it:—in itself, after all, truth could be quite painful, harmful, disastrous —

one has only fought “truths” again when one hoped for advantages from victory ... e.g.Freedom from the ruling powers

the methodology of truth was not found from motives of truth, but from motives of power, of wanting to be superior

with what does truth prove itself? with the feeling of increased power (“a certainty-belief”)—with usefulness—with indispensability—in short with advantages namely presuppositions, of what kind truth should be constituted in order to be recognized by us

but this is a prejudice: a sign that it is not about truth at all ...

what does the “will to truth” mean, for example, in the Goncourts? in the Naturalists? Critique of “objectivity”

why recognize? why not rather deceive oneself? ...

what was always wanted was belief,—and not the truth ...

Belief is created by opposite means than the methodology of research—: it excludes the latter itself

15 [59]

The idea of the “true world” or “God” as absolutely non-sensual, spiritual, and benevolent is an emergency measure in relation to the fact that the opposing instincts are still all-powerful ...

moderation and achieved humanity is shown precisely in the humanization of the gods: the Greeks of the strongest era, who had no fear of themselves but rather had happiness in themselves, brought their gods closer to all their affects — ..

The spiritualization of the God-idea is therefore far from signifying a progress: one feels this very keenly upon contact with Goethe—how the evaporation of God into virtue and spirit makes itself felt as a cruder stage ...

15 [60]

If anything means our humanization, a true actual progress, it is that we no longer need excessive opposites, indeed no opposites at all ...

we may love the senses, we have spiritualized and made them artistic in every degree

we have a right to all the things that have hitherto been most reviled

15 [61]

A. To the extent that Christianity still seems necessary today, man is still wild and fateful ...

B. in another respect it is not necessary, but extremely harmful, yet it acts as attractive and seductive, because it corresponds to the morbid character of entire classes, entire types of the present M ... they yield to their inclination by aspiring to Christianity—all kinds of décadents—

one must strictly distinguish between A and B here. In case A, Christianity is a remedy, at least a means of restraint (—under certain circumstances it serves to make one sick: which can be useful in order to break the wildness and crudeness)

In case B, it is a symptom of the illness itself, increases the décadence; here it counteracts a corroborating system of treatment, here it is the sick person's instinct against what is salutary for him —

15 [62]

The party of the Serious, Dignified, Thoughtful

: and opposite them the wild, unclean, unpredictable beast

: a mere problem of animal taming:

— whereby the animal tamer must be hard, terrible, and awe-inspiring for his beast

all essential demands must be presented with brutal clarity, i.e., exaggerated a thousandfold

: the fulfillment of the demand itself must be depicted in a coarsening that arouses reverence
e.g., the desensualization by the Brahmins.

* * *

The struggle with the rabble and the cattle: once a certain taming and order is achieved, the chasm between these Purified and Reborn and the Rest must be torn open as terribly as possible ...

this chasm increases self-respect, the belief in what is represented by them, among the higher castes

hence the Chandala. The contempt and its excess is completely psychologically correct, namely a hundredfold exaggerated, in order to be felt at all

* * *

In the struggle with the beast, making sick is often the only means to make weak. And just as the Brahmins defend themselves against the Chandalas (by making them sick), they also condemn criminals and rebels of all kinds to weakening (—this is the meaning of penances etc.)

15 [63]

On the whole, an enormous amount of humanity has been achieved in our present-day humanity. The fact that this is not generally felt is itself proof of it: we have become so sensitive to minor hardships that we unfairly overlook what has been achieved.

: here one must take into account that there is much decadence: and that with such eyes, our world must appear bad and miserable. But these eyes have seen the same thing in all ages ...

1) a certain overstimulation even of moral feeling

2) the amount of bitterness and gloom that pessimism brings into judgment

: both together have helped the opposite idea, that it is bad for our morality, to gain the upper hand.

The fact of credit, of world trade, of transportation—an immense gentle trust in humanity is expressed in it ... This is also contributed to by

3) the detachment of science from moral and religious intentions: a very good sign, but one that is usually misunderstood.

I attempt in my own way a justification of history

15 [64]

Morality a useful error, more clearly, in regard to the greatest and most unprejudiced of its promoters, a necessary lie

15 [65]

What I wish to make clear with all my might:

a) that there is no worse confusion than confusing taming with weakening

: what has been done ...

Taming, as I understand it, is a means of the immense accumulation of power in humanity, so that generations can build upon the work of their ancestors—not only externally, but internally, organically growing out of them, into the stronger ...

b) that there is an extraordinary danger if one believes that humanity as a whole would grow and become stronger if individuals become slack, equal, average ... Humanity is an abstraction: the goal of taming can, even in the most individual case, only ever be the stronger human (—the untamed is weak, wasteful, unstable ...

15 [66]

that the corrupt Parisian novelists now smell of incense does not make them more fragrant to my nose: mysticism and Catholic-holy folds in the face are just another form of sensuality

15 [67]

What I warn against: not confusing the décadence instincts with humanity

: not confusing the dissolving and necessarily decadence-driving means of civilization with culture

: not confusing libertinage, the principle of “laisser aller,” with the will to power (—it is its counter-principle)

15 [68]

The two great attempts that have been made to overcome the 18th century:

Napoleon, by reawakening the man, the soldier, and the great struggle for power—conceiving Europe as a political unity

Goethe, by imagining a European culture that makes full use of the already achieved heritage of humanity.

15 [69]

The German culture of this century arouses mistrust —

in music, that full, redeeming, and binding element of Goethe is missing

the Austrians have remained German only through their music

15 [70]

We distrust somewhat all those enraptured and extreme states in which one imagines “to grasp the truth with one’s hands”—

15 [71]

How Virtue Comes to Power

The priests—and with them the half-priests, the philosophers—have at all times called a doctrine truth whose educational effect was beneficial or seemed beneficial—one that "improved." In this, they resemble a naive folk healer and wonder-worker who, because he has tested a poison as a remedy, denies that it is a poison... "By their fruits you shall know them"—namely, our "truths": this is the priestly reasoning to this day. They have themselves fatefully squandered their acumen in giving precedence, indeed the decisive vote, to the "proof of power" (or "from the fruits") over all other forms of proof.

“What does good must be good; what is good cannot lie”—so they conclude inexorably—: “what bears good fruits must therefore be true: there is no other criterion of truth” ...

However, if “making better” counts as an argument, then “making worse” must count as a refutation. One proves error as error by examining the lives of those who uphold it: a misstep, a vice refutes ...This most indecent form of opposition, from behind and below, the dog-like kind, has likewise never died out: the priests, insofar as they are psychologists, have never found anything more interesting than sniffing around the secrets of their opponents.—This alone constitutes their optics of world-knowledge:—they prove their Christianity by seeking filth in the “world.” Especially among the first of the world, among the “geniuses”: one should recall how Goethe was always fought against in Germany (: Klopstock and Herder led the way with “good example”—like attracts like.)

15 [72]

1.

One must be very immoral to make morality through action... The means of moralists are the most terrible means that have ever been employed; whoever lacks the courage for the immorality of action is fit for everything else, but not to be a moralist.

2.

Morality is a menagerie; its premise is that iron bars can be more useful than freedom, even for the captive; its other premise is that there are animal tamers who do not shy away from terrible means—who know how to handle red-hot iron. This terrible species, which takes on the fight with the wild beast, calls itself “Priests.”

15 [73]

Man, locked in an iron cage of errors, having become a caricature of man, sick, wretched, malevolent towards himself, full of hatred for the impulses of life, full of mistrust towards everything that is beautiful and happy in life, a walking misery: this artificial, arbitrary, retrospective monstrosity, which the priests have drawn from their soil, the “sinner”: how will we manage to justify this phenomenon despite all this?

15 [74]

The means to refute priests and religions is always only this: to show that their errors have ceased to be beneficial—that they do more harm, in short, that their own “proof of power” no longer holds up...

15 [75]

Niebuhr: “the moral respectability of the moderns, compared to the Greeks, is extraordinary”.

“Does it not also happen to you that nothing easily makes a more painful impression than when a great mind deprives itself of its wings and seeks virtuosity in something far lesser, by renouncing the higher?” (With reference to Wilhelm Meister)

15 [76]

Preface.

This book addresses only a few—those liberated individuals for whom nothing is forbidden: we have step by step regained the right to everything that was once prohibited.

To prove the attained power and self-assurance by having "unlearned to fear"; to exchange trust in one's instincts for distrust and suspicion; to love and respect oneself in one's sense—in one's nonsense still—a little fool, a little god; no gloomy soul, no owl; no slowworm...

15 [77]

That nothing of what was once considered true is true:

that what was once forbidden to us as unholy, prohibited, contemptible, fateful—all these flowers now grow on the lovely path of truth

This entire old morality no longer concerns us: there is no concept in it that still deserves respect. We have outlived it,—we are no longer coarse and naive enough to have to let ourselves be deceived in this way ... More politely put: we are too virtuous for that ...

And if truth in the old sense was only "truth" because the old morality said Yes to it, was allowed to say Yes: it follows that we no longer have any truth from former times left ... Our criterion of truth is by no means morality: we refute a claim by proving that it is dependent on morality, inspired by noble feelings.

15 [78]

The conceptstrong and weak person” reduces to the fact that in the first case much strength is inherited—it is a sum: in the other still little

— insufficient inheritance, fragmentation of the inherited

the weakness can be an initial phenomenon: “still little”; or an end phenomenon: “no longer”

The starting point where great strength is, where strength is to be expended:—the mass, as the sum of the weak, reacts slowly ...

‚ resists much that it is too weak for ... from which it can derive no benefit

‚ does not create, does not advance ...

This against the theory that denies the strong individual and claims, “the mass does it”

It is the difference, as between separate sexes: there can be 4, 5 generations between the Active and the mass ... a chronological difference ...

15 [79]

NB NB. The values of the weak are at the top because the strong have adopted them in order to lead with them ...

15 [80]

Acquired, not inherited exhaustion

inadequate nutrition, often due to ignorance about nutrition; e.g., among scholars

erotic precocity: the curse primarily of French youth, especially the Parisians, who emerge from the lycées already ruined and defiled—and never break free from the chain of contemptible inclinations, becoming ironic and vulgar toward themselves—galley slaves, with all refinement and

: by the way, in most cases already a symptom of racial and familial decadence, like all hyper-excitability; likewise as a contagion of the milieu—: being determined by one's surroundings also belongs to decadence—

Alcoholism, not instinct, but habit, the stupid imitation, the cowardly or vain adaptation to a prevailing régime:—What a blessing is a Jew among Germans! how much dullness, how flaxen the head, how blue the eye; the lack of esprit in face, word, bearing; the lazy stretching, the German need for recreation, which does not come from overwork, but from the adverse irritation and overstimulation by alcoholica ...

15 [81]

The naivety is that pessimism believes it can justify itself with this: while it only proves itself with it ...

15 [82]

The lack of philology: one constantly confuses the explanation with the text—and what an “explanation”!

15 [83]

Women, strongly advised, of old stock and grain, with the temperament of a cow, to whom even accidents do little harm: but they call it their “trust in God”.— They do not notice that their “trust in God” is only the expression of their strong and secure overall constitution—a formulation, not a cause ...

15 [84]

The fact is “that I am so sad”; the problem “I don’t know what it means” ... “The fairy tale from olden times”

“an old sinner” would a Christian say: in the other case, in Heine’s case, it “was the Lorelei’s doing”.

15 [85]

Theinner world” and its famousinner sense”.

The inner sense confuses the sequence with the cause

the “cause” is projected after the effect has occurred: fundamental fact of “inner experience”.

15 [86]

The Goncourts found Flaubert campagnardisé, too healthy, too robust for them—they note that his talent had coarsened for them...

How much Heine’s talent must have coarsened for them... Hence the hatred...

Roughly the hatred of Novalis against Goethe—

15 [87]

Note that delicate natures coarsen in their aversions, the strong thin out, soften, embitter—for example, Goethe against Kleist, against Hölderlin

15 [88]

The typical décadents, who feel necessarily in their corruption of style, who thereby claim a higher taste and wish to impose a law on the Others, the Goncourts, the Richard Wagner, are to be distinguished from the décadents with a bad conscience, the recalcitrant décadents—

15 [89]

The ignorance in physiologicis—the Christian has no nervous system—; the contempt and the deliberate wanting-to-look-away from the demands of the body, from the discovery of the body; the assumption that it is in accordance with the higher nature of man,—that it is necessary for the soul to benefit—the fundamental reduction of all overall feelings of the body to moral values; the illness itself conceived through morality, perhaps as punishment, or as a test, or even as a state of salvation in which man becomes more perfect than he could be in health (—Pascal's thought), in some cases the voluntary making-oneself-sick

15 [90]

The phenomenalism of theinner world

the chronological reversal, so that the cause enters consciousness later than the effect.

we have learned that pain is projected to a part of the body without having its seat there

we have learned that the sensory perception, which one naively assumes to be conditioned by the external world, is rather conditioned by the inner world: that every actual action of the external world always occurs unconsciously ... The piece of the external world that becomes conscious to us is born after the effect that is exerted on us from outside, is projected afterward as its “cause” ...

In the phenomenalism of the “inner world,” we reverse the chronology of cause and effect.

The fundamental fact of “inner experience” is that the cause is imagined after the effect has occurred ...

The same applies to the sequence of thoughts ... we seek the reason for a thought before it even becomes conscious to us: and then the reason appears first, followed by its consequence in consciousness ...

All our dreaming is the interpretation of overall feelings in terms of possible causes: and indeed in such a way that a state only becomes conscious when the invented chain of causality has entered consciousness ...

the entire “inner experience” is based on the fact that a cause is sought and imagined for an excitation of the nerve centers—and that only the found cause enters consciousness: this cause is by no means adequate to the real cause,—it is a groping based on former “inner experiences”—i.e., memory. Memory also preserves the habits of old interpretations, i.e.,their erroneous causalities ... so that the “inner experience” still bears within itself the consequences of all former false causal fictions

our “external world,” as we project it every moment, is displaced and inseparably bound to the old error of the ground: we interpret it with the schematism of the “thing”

just as pain in a single case does not merely represent that single case, but rather a long experience of the consequences of certain injuries, including the errors in estimating those consequences

The “inner experience” enters our consciousness only after it has found a language that the individual understands ...i.e., a translation of a state into states more familiar to him —

“to understand” means, naively, merely: being able to express something new in the language of something old, familiar

e.g., “I feel unwell”—such a judgment presupposes a great and late neutrality of the observer—: the naive person always says: this and that causes me to feel unwell—he only becomes clear about his malaise when he sees a reason to feel unwell ...

I call this the lack of philology: being able to read a text as text without mixing in an interpretation is the latest form of “inner experience”—perhaps an almost impossible one ...

15 [91]

The causes of error lie just as much in the good will of man as in the bad—: he conceals reality from himself in a thousand cases, he falsifies it, so as not to suffer in his good will

God, for example, as the guide of human destiny: or the interpretation of his small fate, as if everything were sent and devised for the salvation of the soul—this lack of “philology,” which must appear to a finer intellect as uncleanliness and counterfeiting, is usually done under the inspiration of good will ...

Good will, the “noble feelings,” the “high states” are in their means just as much counterfeiters and deceivers as the morally rejected and egoistically named affects, such as love, hatred, revenge.

* * *

Errors are what humanity has paid for most dearly: and, on a grand scale, it is the errors of "good will" that have harmed it most deeply. The delusion that makes one happy is more pernicious than the one that has directly bad consequences: the latter sharpens, makes one suspicious, purifies reason,—the former lulls it to sleep ...

the beautiful feelings, the "sublime emotions," belong, physiologically speaking, among the narcotics: their abuse has exactly the same consequence as the abuse of another opium,—nerve weakness ...

15 [92]

Critique of subjective value feelings.

The conscience. Formerly, one concluded: the conscience rejects this action: therefore, this action is reprehensible. In fact, the conscience rejects an action because the same has long been rejected. It merely echoes: it does not create values.

What formerly determined the rejection of certain actions was not the conscience: but rather the insight (or prejudice) regarding their consequences ...

The approval of the conscience, the sense of well-being in “peace with oneself,” is of the same rank as the pleasure of an artist in his work—it proves nothing ...Self-satisfaction is as little a measure of value for that to which it relates as its absence is a counterargument against the value of a thing. We know far too little to be able to measure the value of our actions: we lack the possibility of standing objectively in relation to all this: even when we reject an action, we are not judges, but parties...

Noble emotions, as companions of actions, prove nothing about their value: an artist can bring a wretchedness into the world with the highest pathos of the state. Rather, one should say that these emotions are seductive: they lure our gaze, our strength away from criticism, from caution, from the suspicion that we are making a foolishness... they make us foolish—

15 [93]

In former times, those states and consequences of physiological exhaustion, because they are rich in the sudden, the terrible, the inexplicable, and the unpredictable, were considered more important than the healthy states and their consequences. People were afraid: they posited a higher world here. Sleep and dreams, shadows, night, and the terrors of nature were held responsible for the emergence of second worlds: above all, one should examine the symptoms of physiological exhaustion in this regard. The ancient religions discipline the pious to a state of exhaustion where they must experience such things ... People believed they had entered a higher order where everything ceased to be familiar.— The semblance of a higher power ...

15 [94]

see in the first large brown notebook

to lay down one's life for a cause—great effect. But one lays down one's life for many things: all the affects, without exception, demand their satisfaction. Whether it is pity or anger or revenge—that life is staked on it changes nothing about the value. How many have sacrificed their lives for pretty little women—and even, what is worse, their health. If one has the temperament, one instinctively chooses dangerous things: e.g.the adventures of speculation, if one is a philosopher; or of immorality, if one is virtuous. One kind of person wants to risk nothing, the other wants to risk. Are we others despisers of life? On the contrary, we instinctively seek a potentiated life, life in danger... with that, once again, we do not want to be more virtuous than the others. Pascal, for example, wanted to risk nothing and remained a Christian: that was perhaps more virtuous.— One always sacrifices...

15 [95]

“Great thoughts come from the heart.”— But one should not believe Vauvenargues, etc. etc.

15 [96]

The best modern opera is the opera of my friend Heinrich Köselitz, the only one that is free from W-Germany: a new composition of the “matrimonio segreto”. The second-best opera is Bizet’s Carmen—almost free from it; the third-best is Wagner’s Meistersinger: a masterpiece of dilettantism in music. Attempt at a revaluation of values.

15 [97]

What was not known in the past, a regression is not possible. But all moralists and priests seek to bring people back to an earlier scheme and to develop virtues in them that were once virtues. Even politicians are not free from this,—especially the Conservatives. One can inhibit a development, and through inhibition, even bring about degeneration and destruction—no more can be done.

The entire romance of the ideal is wrong in that it considers regression possible. In reality, the romantics represent a pathological form of decadence: they are far ahead, very late, and entirely unproductive... The longing for the past is itself evidence of deep discontent and a lack of future

thus the regressive tendencies prove the opposite, that one is very late, too late, that one is old...

15 [98]

A clever little lad will look ironically when asked: do you want to become virtuous? but he pricks up his ears when asked: do you want to become stronger than your comrades

How does one become stronger

decide slowly; and tenaciously hold fast to what one has decided. Everything else follows.

The Sudden and the Changeable: the two types of the weak. Do not confuse oneself with them, feel the distance—in time!

Beware of the good-natured! Association with them enervates

Every association is good in which the defenses and weapons one has in one's instincts are exercised.

all inventiveness in putting one's willpower to the test ... Here lies the distinguishing mark, not in knowledge, acumen, wit ...
One must learn to command in time—just as well as to obey.

One must learn modesty, tact in modesty: namely, to distinguish, to honor where one is modest ...

likewise with trust—distinguish, honor ...

What does one lose most severely? One's modesty; not having lent an ear to one's own needs; confusing oneself; lowering oneself; losing the fineness of the ear for one's instincts;—this lack of reverence towards oneself avenges itself through every kind of loss, health, well-being, pride, cheerfulness, freedom, firmness, courage, friendship. One never forgives oneself later for this lack of genuine egoism: one takes it as an objection, as a doubt about a real ego ...

15 [99]

Wagner has set nothing but sickness stories to music, nothing but interesting cases, nothing but entirely modern types of degeneracy, which are understandable to us precisely for that reason. Nothing is better studied by today's doctors and physiologists than the hysterical-hypnotic type of the Wagnerian heroine: Wagner is an expert here, he is true to nature to the point of disgust—his music is above all a psychological-physiological analysis of sick states—it may retain its value as such, even if a taste completely and no longer resounds as music. That the dear Ds know how to rave about primeval feelings of Germanic efficiency and strength belongs to the humorous signs of the psychological culture of the Germans:—we others are in the hospital with W's music and, as said again, very interested ...The pathological nature in Wagner is not intentional, not accidental, not an exception—it is the essence of his art, its instinct, its "unconscious," it is its innocence: the sensitivity, the tempo of affect, everything partakes in it, the realm of is of immense breadth

Senta, Elsa, Isolde, Brünnhilde, Kundry: a charming gallery of pathological cases—how instinctively Wagner understands woman as a sick woman is made clear by the otherwise more naturally conceived Eva from the M:—Wagner cannot help but give her a twenty-minute-long attitude, on account of which we would inevitably place the charming creature under psychiatric supervision.Against Wagner's heroes, the first objection is that they all have a morbid taste—they love nothing but women who should be repulsive to them... They love nothing but barren women—all these "heroines" are incapable of bearing a child—the exception is interesting enough: to secure a child, Wagner did violence to the legend—and perhaps not only to the legend: according to Wagnerian physiology, only incest guarantees offspring... Brünnhilde herself

15 [100]

The Will to Power.
Attempt
at a Revaluation of All Values.

First Book.
The Decline Values.
Critique of the Great Words,
the selfless man
  
Second Book.
Why Only Decline Values
Came to Dominance.
“heroic”
“compassion”
from the “peace of the soul”
  
Third Book.
Modernity
as Ambiguity of Values.
of the martyr.
Modesty (how one
atones for it ...)
  
Fourth Book. The Value of the Future
(as an Expression of a Stronger Type of Human)
: who must first exist ...

15 [101]

Image of decadence: its symptoms.
Overgrowth of higher values with these symptoms.

Philosophy as decadence
Morality as decadence.
Religion as decadence.
Art as decadence.
Politics as decadence

15 [102]

I.
The Values of Decline

II.
The Counter-Movement and Its Fate.

III.
Problem of Modernity.

IV.
The Great Noon.

15 [103]

la méditation affaiblit comme feraient des évacuations excessives (Tissot, De la santé des gens de lettres p. 43) 1784

under the influence of difficult calculations, sensitivity decreases, as does voluntary contractility; the circumference of the limbs diminishes.

15 [104]

What the spiritualization of all kinds of desire is about: a classic example of this is Petronius' Menippean satire. Read it hand in hand with a Church Father and ask yourself where the purer air blows ... There is nothing here that would not drive an old priest to despair through indecency and lascivious excess

15 [105]

NB NB the doctrine of the milieu a décadence theory, but infiltrated and become dominant in physiology

15 [106]

The theory of the milieu, today the Parisian theory par excellence, is itself proof of a fateful disintegration of personality: when the milieu begins to shape and it corresponds to the facts, the foreground talents may be understood as mere concrescences of their environment—then the time is past when one could still gather, accumulate, harvest—the future is past ... The moment devours what it produces—and, alas, it remains hungry still ...

15 [107]

In sum: heroism is not self-interest—for one perishes in it ... Often the use of strength is conditioned by the chance of the time into which the great man falls: and this brings with it the superstition that he is the expression of this time ... but the same strength could manifest itself in many other forms, and between him and the time there always remains the difference that “public opinion” is accustomed to worship the instinct of the herd, i.e., of the weak, and that he is the strong, the strong ...

15 [108]

The believers are aware of owing infinite things to Christianity and consequently conclude that its originator is a personage of the first rank ... This conclusion is false, but it is the typical conclusion of the reverent. Objectively considered, it would be possible, firstly, that they are mistaken about the value of what they owe to Christianity: convictions prove nothing about that of which one is convinced; in the case of religions, they rather give rise to a suspicion against it ... It would be secondly possible that what is owed to Christianity may not be attributed to its originator, but rather to the finished structure, the whole, the Church that emerged from it.The term “author” is so ambiguous that it can even mean the mere occasional cause of a movement: the figure of the founder has been magnified in proportion to the growth of the Church; but this very optics of veneration allows the conclusion that at some point this founder was something very uncertain and unestablished—at the beginning... Consider with what freedom Paul treats the personal problem of Jesus, almost conjuring him away—someone who died, whom one saw again after his death, someone who was handed over to death by the Jews... A mere “motif”: the music makes it then... A zero at the beginning—

15 [109]

The Master-Morality
the Priest-Morality
the Tschandala-Morality
(The Servant-Morality)
 
The Herd-Animal Morality
The Décadence-Morality
The Peoples'-Morality
 

15 [110]

Altruism

By placing the doctrine of selflessness and love at the forefront, Christianity has by no means yet valued the interest of the species higher than the interest of the individual. Its actual historical effect, the fateful effect, is rather precisely the intensification of egoism, of individual egoism to the extreme (—to the extreme of individual immortality.) The individual was taken so seriously by Christianity, so absolutely set, that he could no longer be sacrificed: but the species exists only through human sacrifice... Before God all “souls” are equal: but that is precisely the most dangerous of all possible valuations!

If one sets the individuals equal, one calls the species into question, thus favoring a practice that leads to the ruin of the species: Christianity is the counter-principle against selection. If the degenerate and the sick (“the Christian”) are to have as much value as the healthy (“the pagan”), or even more, according to Pascal’s judgment on sickness and health, then the natural course of development is crossed and unnaturalness is made the law... This universal love of mankind is in practice the preference for all who suffer, the ill-fated, the degenerate: it has in fact the power to weaken and diminish responsibility, the high duty to sacrifice people.It remained, according to the scheme of the Christian measure of value, only to sacrifice oneself: but this remnant of human sacrifice, which Christianity conceded and even encouraged, has, from the standpoint of overall breeding, no meaning at all. It is indifferent to the prosperity of the species whether any individuals sacrifice themselves (—whether in monastic and ascetic fashion or with the help of crosses, stakes, and scaffolds, as “martyrs” of error). The species needs the perishing of the misbegotten, the weak, the degenerate: but it was precisely to them that Christianity turned, as a conserving power, further enhancing that already so powerful instinct of the weak to spare themselves, to preserve themselves, to hold on to one another.What is "virtue," what is "love of mankind" in Christianity, if not precisely this reciprocity of preservation, this solidarity of the weak, this prevention of selection? What is Christian altruism, if not the mass egoism of the weak, which guesses that if all care for one another, each individual will be preserved the longest? ... If one does not sense such a disposition as an extreme immorality, as a crime against life, then one belongs to the sick band and has their instincts oneself ... True love of mankind demands sacrifice for the good of the species—it is hard, it is full of self-overcoming, because it requires human sacrifice. And this pseudo-humanity, which is called Christianity, wants precisely to ensure that no one is sacrificed ...

15 [111]

On the Effect of Wagner's Music

A music with which one cannot breathe in time is unhealthy. When music comes with a cheerful divinity and certainty, our muscles also celebrate a festival:—we become stronger, it is even permitted to measure this growth of strength. How does it happen that Wagner's music depotenziates me, that it arouses in me a physiological impatience which finally manifests itself in a gentle sweat? After one, at most two acts of Wagner, I run away.— One must hold fast that every art which has physiology against it is a refuted art ... Wagner's music can be physiologically refuted ..

15 [112]

Critique of the Modern Soul.
The Three Centuries.

15 [113]

The good person. Or: the hemiplegia of virtue.— For every strong and naturally preserved type of human being, love and hate, gratitude and revenge, kindness and anger, saying yes and saying no belong together. One is good at the price of also knowing how to be evil; one is evil because otherwise one would not understand how to be good. Whence, then, comes that sickness and ideological unnaturalness which rejects this duality—, which teaches as the higher path to be capable only on one side? Whence the hemiplegia of virtue, the invention of the good person? The demand is that a person should cut off those instincts with which they can be an enemy, can cause harm, can be angry, can demand revenge ...This unnaturalness then corresponds to that dualistic conception of a purely good and a purely evil being (God, spirit, man), summing up in the former all positive, in the latter all negative forces, intentions, states.— Such a valuation believes itself to be "idealistic" with this; it does not doubt that it has posited a highest desirability in the conception of "the Good." When it reaches its peak, it imagines a state in which all evil is annulled and in which, in truth, only the good beings remain. It does not even consider it settled that this opposition of good and evil mutually conditions each other; on the contrary, the latter should disappear and the former should remain, the one has a right to be, the other should not be there at all... What is actually being wished for here? — —

Man has always, and especially in Christian times, made great efforts to reduce people to this one-sided competence, to "the Good": even today, there is no shortage of church-educated and weakened individuals for whom this intention coincides with "humanization" in general, or with the "will of God," or with the "salvation of the soul." Here, the essential demand is that man do nothing evil; that under no circumstances should he harm or wish to harm... The path to this is seen as: the suppression of all possibilities for hostility, the elimination of all instincts of resentment, the "peace of the soul" as a chronic affliction.

This way of thinking, with which a certain type of human is bred, proceeds from that absurd premise: it takes the good and the evil as realities that contradict each other (not as complementary value concepts, which would be the truth), it advises taking the side of the good, it demands that the good renounce and resist the evil down to its last root,—it thereby actually denies life, which in all its instincts has both the yes and the no.Not that she understands this: she dreams, on the contrary, of returning to wholeness, to unity, to the strength of life: she imagines it as a state of redemption when finally an end is put to her own inner anarchy, the unrest between two opposing value-drives.— Perhaps there has never been a more dangerous ideology, no greater nonsense in psychologicis than this will to the good: one raised the most repulsive type, the unfree human, the hypocrite, one taught that only as a hypocrite is one on the right path to divinity, that only a hypocrite’s way is a divine way ...
— And even here, life still proves right—life which cannot separate the yes from the no—: what good does it do to consider war evil with all one’s might, to want to do no harm, to refuse to say no! one still wages war!one cannot do otherwise! The good person, who has renounced evil, afflicted, as it seems desirable to him, with that hemiplegia of virtue, by no means ceases to wage war, to have enemies, to say No, to do No. The Christian, for example, hates “sin” .. And what is not “sin” to him! Precisely through that belief in a moral opposition of good and evil, the world has become overfull for him of what is hateful, of what must be fought eternally.“The Good” sees himself as surrounded by evil and under the constant onslaught of evil; he refines his eye, he discovers evil even in all his striving and scheming—and so he ends, as is logical, by understanding nature as evil, man as corrupt, goodness as grace (that is, as impossible for man).— In summa: he denies life, he comprehends how the good, as the highest value, condemns life ... With this, his ideology of good and evil should be refuted for him. But one does not refute an illness ... And so he conceives of an other life! ...

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The typical self-formations. Or: the eight main questions

1)Whether one wants to have more or simpler.
2)Whether one wants to become happier or more indifferent to happiness and unhappiness.
3)whether one wants to become more content with oneself or more demanding and unrelenting?
4)whether one wants to become softer, more yielding, more human or "inhuman".
5)whether one wants to become wiser or more ruthless.
6)whether one wants to achieve a goal or avoid all goals (—as the philosopher does, for example, who smells in every goal a boundary, a corner, a prison, a stupidity ...)
7)whether one wants to be more respected or more feared? Or despised!
8)whether one wants to become a tyrant or a seducer or a shepherd or a herd animal?

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What is noble?

That one must constantly represent oneself. That one seeks situations where one constantly needs gestures. That one leaves happiness to the great multitude: happiness as peace of the soul, virtue, comfort (English-angelic petty bourgeoisie à la Spencer). That one instinctively seeks heavy responsibilities for oneself. That one knows how to make enemies everywhere, in the worst case even from oneself. That one constantly contradicts the great multitude not through words, but through actions.

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The Warlike and the Peaceful

Are you a person who has the instincts of war within you? And in this case, a second question remains: are you an aggressive warrior or a defensive warrior by instinct?

— The rest of humanity, all those who are not warlike by instinct, want peace, want harmony, want “freedom,” want “equal rights”—: these are merely names and stages for one and the same thing.

— To go where one does not need to defend oneself. Such people become dissatisfied with themselves when they are forced to resist


— To create conditions where there is no war at all.

— In the worst case, submit, obey, conform. Still better than waging war. This is what instinct advises the Christian, for example.

In born warriors, there is something like armament in character, in the choice of conditions, in the development of every trait: the "weapon" is best developed in the first type, the defense in the second.

The unarmed, the unarmored: what means and virtues they need to endure—to even prevail.

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On the Asceticism of the Strong.

Task of this asceticism, which is only a transitional training, not a goal: to free oneself from the old emotional impulses of traditional values. Step by step, learn to walk one's path to the "Beyond Good and Evil".

First Stage:Endure atrocities
 Commit atrocities
Second Stage, the harderEndure miseries
 Commit miseries: included as
 Preliminary exercise: becoming ridiculous
 making oneself ridiculous.

— Challenging contempt and maintaining distance through an (unfathomable) smile from above

— taking upon oneself a number of crimes that degrade, e.g., theft of money, to test one's equilibrium

for a time, doing, speaking, striving for nothing that does not arouse fear or contempt, that does not necessarily put the decent and virtuous into a state of war,—that does not exclude ...

representing the opposite of what one is (and even better: not exactly the opposite, but merely a different being: the latter is harder)

— to walk on every rope, to dance on every possibility: to get his genius into his feet

— temporarily deny his goals through his means,—even slander himself

— once and for all represent a character that hides the fact that he has five or six others

— not fear the five evil things: cowardice, bad reputation, vice, lies, women —

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Maxims of a Hyperborean.

We Hyperboreans, we know well enough how remote we live. “Neither by water nor by land can you find the way to the Hyperboreans”: Pindar already knew this of us.

Beyond the North, the ice, death—our life! our happiness! ...

Great things demand that one remain silent about them or speak greatly: greatly, that is, cynically and with innocence.
Even the bravest among us rarely has the courage for what he actually—knows ...

One recovers best from one's unnaturalness—in his wild nature,—from one's spirituality ...

What? Is man merely a blunder of God? Or is God merely a blunder of man?

We distrust all systematizers; we avoid them. The will to a system is, for us thinkers at least, something compromising, a form of immorality.

Woman, the eternal feminine: a merely imaginary value, in which only the man believes.

Man has created woman—out of what? From a rib of his God, of his “ideal” ...

Woman is considered deep—why? Because one never reaches the bottom with her. But woman has no bottom: she is the cask of the Danaids.
Woman is not even shallow.

Who laughs best, laughs last.

“To live alone, one must be an animal or a god”—says Aristotle. Let us prove that one must be both ...

Idleness is the beginning of all philosophy. Consequently—is philosophy a vice?

How little is needed for happiness! The sound of a bagpipe ... Without music, life would be a mistake.

That one commits no cowardice against one’s actions! That one does not abandon them afterward!—Remorse is indecent.

Marriage has had a bad conscience against it for the longest time. Should one believe it?—Yes, one should believe it.

Everything with which man cannot cope, everything no man has yet digested, the dung of existence—has it not been our best fertilizer? ...

From time to time a stupidity—oh how one immediately tastes one's own wisdom again!

One must have courage in one's body to allow oneself a wickedness. The "good" are too cowardly for that.

Man is cowardly before everything eternally feminine: the women know that.

What does not kill us—we kill that, that makes us stronger. Il faut tuer le Wagnerisme.

"Those were steps for me. I climbed up over them. For that I had to go over them. But they thought I wanted to settle down on them."

"All truth is simple": that is a twofold lie.

Everything that is simple is merely imaginary, is not "true". But what is real, what is true, is neither one, nor even reducible to one.

Can a pack donkey be tragic?— That one perishes under a burden that one can neither carry nor throw off?...

Among women.— “The truth? Oh, you do not know the truth! ... Is it not an assault on all our modesty?”

“To equals, equal things; to unequals, unequal things—thus justice speaks to us. And what follows from this: never make unequal things equal.”

He who cannot impose his will upon things at least imposes a meaning upon them: that is, he believes that a meaning is already in them.

The great style arises as a result of great passion. It disdains to please, it forgets to persuade. It commands. It wills.

Artists, as they tend to be when they are genuine, modest in their needs: they really want only two things—their bread and their art—panem et Circen ...

Posthumous people are understood worse, but heard better than those of their time.Or, more strictly: they are never understood—and hence their authority!

Good taste in psychologicis: when all moral masquerade of our naturalness resists us, when even in the psychological only the naked nature pleases.

One should not be immodest: if one chooses virtue and the elevated bosom, one should not also want the advantages of the light-fingered.

Virtue remains the most expensive vice: it shall remain so!

Man is a mediocre egoist: even the wisest takes his habit more seriously than his advantage.

Illness is a powerful stimulant. Only one must be healthy enough for the stimulant.

The noble taste also sets limits to knowledge. It wants, once and for all, to not know many things.

What is chastity in a man? That his sexual taste has remained noble; that in erotic matters he dislikes neither the brutal, nor the sickly, nor the clever.

If one has the *Why?* of life, one can put up with almost any *How?*. Man does not strive for happiness, as the English believe. —

How could one make the mediocre dislike their mediocrity! I do, as one sees, the opposite: every step away from it leads—so I teach—into the *Immoral* ...

Our most sacred convictions, our unchangeable views regarding supreme values are judgments of our muscles.

“Do you not yet know what one needs to multiply one’s strength tenfold?”—Followers?—Zeros!!

— And like everyone who has too much right, I care nothing about being right. (End of the Preface)

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Sayings of a Hyperborean.

We Hyperboreans, we know well enough how remote we live. “Neither by water nor by land can you find the way to the Hyperboreans”: Pindar already knew this of us.

Beyond the North, the ice, death—our life! our happiness! ...

Great things demand that one remain silent about them or speak greatly: greatly, that is, cynically and with innocence.

Even the bravest among us rarely has the courage for what he actually—knows ...

One recovers best from one’s unnaturalness in one’s wild nature,—from one’s spirituality ...

What? Is man merely a blunder of God? Or is God merely a blunder of man?

We distrust all systematizers, we avoid them.The will to system is, for us thinkers at least, something that compromises, a form of immorality.

Woman, the eternal feminine: a merely imaginary value, in which only man believes.

Man has created woman—from what? From a rib of his God, his “ideal” ...

Woman is considered deep—why? Because one never gets to the bottom with her. But woman has no bottom: she is the cask of the Danaids.
Woman is not even shallow.

He who laughs best, laughs last.

“To live alone, one must be an animal or a god”—says Aristotle. Let us prove that one must be both ...

Idleness is the beginning of all philosophy. Consequently—is philosophy a vice?

How little is needed for happiness! The sound of a bagpipe ... Without music, life would be a mistake.

That one does not commit cowardice against one's actions! That one does not abandon them afterward!—Remorse is indecent.

Marriage has had a bad conscience against it for the longest time. Should one believe it?—Yes, one should believe it.

Everything with which man does not know how to cope, everything that no man has yet digested, the filth of existence—has it not been our best fertilizer? ...

From time to time a stupidity—oh how one’s own wisdom tastes again immediately!

One must have courage in one’s body to allow oneself a wickedness. The “good” are too cowardly for that.

Man is cowardly before everything eternally feminine: the little women know that.

What does not kill us—we kill it, that makes us stronger. Il faut tuer le Wagnerisme.

“These were steps for me. I climbed up them. To do so, I had to step over them. But they thought I wanted to settle down on them.” “All truth is simple”: that is a twofold lie. Everything that is simple is merely imaginary, is not “true.” What is real, what is true, is neither One, nor even reducible to One. Can a pack donkey be tragic?—That one perishes under a burden that one can neither bear nor cast off? ... Among women.—“The truth? Oh, you don’t know the truth! ... Isn’t it an assault on all our modesty?” “To equals, equal things; to unequals, unequal things—thus justice speaks to us. And what follows from this: never make unequal things equal.”Who cannot impose his will upon things imposes at least a *meaning* upon them: that is, he believes that a meaning is already in them.

The great style appears as a result of great passion. It disdains to please, it forgets to persuade. It commands. It *wills*.

Artists, as they tend to be when they are genuine, modest in their needs: they really want only two things—their bread and their art—*panem et* Circen ...

Posthumous people are understood worse, but heard better than those of their time. Or, more strictly: they are never understood—and precisely hence their *authority*!

Good taste in psychology: when all moral masquerade of our naturalness resists us, when even in the psychological only the *naked nature* pleases.

One should not be immodest: if one chooses virtue and the elevated bosom, one should not also want the advantages of the light-fingered at the same time.

Virtue remains the most expensive vice: it shall remain so!

Man is a mediocre egoist: even the wisest takes his habit more seriously than his advantage.

Illness is a powerful stimulant. Only one must be healthy enough for the stimulant.

The noble taste also draws boundaries for knowledge. It wants, once and for all, not to know many things.

What is chastity in a man? That his sexual taste has remained noble; that in erotic matters he dislikes neither the brutal, nor the sickly, nor the clever.
If one has the Why? of life, one can endure almost any How? Man does not strive for happiness, as the English believe. —

How could one make the mediocre dislike their mediocrity! I do, as one sees, the opposite: every step away from it leads—so I teach—into the Immoral ...

Our most sacred convictions, our unchangeable views regarding supreme values are judgments of our muscles.

“Do you not yet know what one needs to multiply one’s strength tenfold?”—Followers?—Zeros!!

— And like everyone who has too much right, I care nothing about being right. (End of the Preface)

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biological isotherms

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What is good?— Everything that increases the feeling of power, the will to power, power itself in man.

What is bad?— Everything that stems from weakness.

What is happiness?— The feeling that power has grown again,—that a resistance has been overcome again.

Not contentment, but more power; not peace at all, but more war; not virtue, but proficiency (virtue in the Renaissance style, virtù, virtue free of morality).

What is weak and botched should perish: the supreme imperative of life. And one should not make a virtue out of pity.

What is more dangerous than any vice?— The pity of the deed for everything botched and weak,—Christianity ...

* * *

What type will one day replace humanity? But that is mere Darwinist ideology.As if your species were being superseded! As far as I am concerned, that is the problem of the hierarchy within the human species, in whose overall progress I do not believe, the problem of the hierarchy between human types that have always existed and will always exist.

I distinguish a type of ascending life and another of decline, decomposition, weakness.

Should one believe that the question of rank between these two types is even still to be posed? ...

This stronger type has often enough already existed: but as a stroke of luck, as an exception,—never as something willed.Rather, he has just been best fought, prevented,—he always had the great number, the instinct of every kind of mediocrity, even more he had the cunning, the subtlety, the spirit of the weak against him and—consequently—the “virtue” ... he was almost hitherto the terrible: and out of fear one has desired, bred, achieved, the domestic animal, the herd animal, the sick animal, the Christian ...

* * *

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