13, 14[1-227] Frühjahr 1888

14 [1]

Kunst. Vorrede

Über Kunst zu reden verträgt sich bei mir nicht mit sauertöpfischen Gebärden: ich will von ihr reden, wie ich mit mir selber rede, auf wilden und einsamen Spaziergängen, wo ich mitunter ein frevelhaftes Glück und Ideal in mein Leben herunter erhasche. Sein Leben zwischen zarten und absurden Dingen verbringen; der Realität fremd; halb Künstler, halb Vogel und Metaphysikus; ohne Ja und Nein für die Realität, es sei denn daß man sie ab und zu in der Art eines guten Tänzers mit den Fußspitzen anerkennt; immer von irgend einem Sonnenstrahle des Glücks gekitzelt; ausgelassen und ermuthigt selbst durch Trübsal—denn Trübsal erhält den Glücklichen—; einen kleinen Schwanz von Posse auch noch dem Heiligsten anhängend—dies, wie sich von selbst versteht, das Ideal eines schweren, zentnerschweren Geistes, eines Geistes der Schwere ...

14 [2]

Homoeopathica

Die Wirkung von Infinitesimal-Dosen ist spezifisch bei Nervenkranken: ego.

“man ist um so unglücklicher als man intelligent ist”

Schopenhauer

14 [3]

Die unbemerkbaren Phasen: die der Erregung, bald die der Erschöpfung

Der hypnotische Schlummer kann durch alle Sorten sensorieller Erregungen (des Gesichts, Gehörs, Geruchs) herbeigeführt werden, nur müssen sie genügend stark und lang sein: der erste Effekt ist immer der einer allgemeinen Steigerung der Beweglichkeit. Endlich aber Erschöpfung de l’influx cérébral. Die Erregung setzt eine Kraft in Spiel, die sich erschöpft ...

14 [4]

Psychologica

Die Begierde, angenehm, wenn man sich stark genug glaubt, die Objekte zu erreichen

als Vorstellung von dem, was unser Gefühl von Macht mehren wird: erster Anfang des Vergnügens

sonst unangenehm; und bald gegen sich einnehmend. Die Begierde wird ein Nothstand: wie bei Schopenhauer.

14 [5]

Religion. décadence

Die Gefährlichkeit des Christenthums

Trotzdem daß das Christenthum die Lehre von der Uneigennützigkeit und Liebe in den Vordergrund gerückt hat, bleibt seine eigentliche historische Wirkung die Steigerung des Egoismus des Individual-Egoismus bis in sein äußerstes Extrem—das Extrem ist der Glaube an eine Individual-Unsterblichkeit. Der Einzelne war so wichtig geworden, daß man ihn nicht mehr opfern konnte: vor Gott waren die “Seelen” gleich. Das heißt aber das Leben der Gattung auf die gefährlichste Weise in Frage stellen: das begünstigte eine Praxis, welche der Gegensatz des Gattungs-Interesses ist. Der Altruismus des Christenthums ist eine lebensgefährliche Conception: es setzt jeden einander gleich ...

Damit ist aber der natürliche Gang der Entwickl ... und alle natürlichen Werthe umgestoßen. Wenn der Kranke so viel Werth haben soll wie der Gesunde (oder gar noch mehr, nach Pascal)

Diese allgemeine Menschenliebe, in praxi die Bevorzugung aller Leidenden, Schlechtweggekommenen, Kranken

hat thatsächlich die Kraft, Menschen zu opfern, abgeschwächt: sie hat die Verantwortlichkeit darauf reduziren wollen, sich zu opfern:—aber gerade dieser absurde persönliche Altruismus hat, vom Standpunkte der Züchtung aus, gar keinen Werth. Wenn man darauf warten wollte, wie viele sich selber opfern zur Erhaltung der Gattung, so wäre man genarrt ...

alle großen Bewegungen, Kriege usw. bringen die Menschen dazu, sich zu opfern: es sind die Starken, die auf diese Weise fortwährend ihre Zahl vermindern ...

dagegen haben die Schwachen einen erschrecklichen Instinkt, sich zu schonen, sich zu erhalten, sich gegenseitig zu halten ...

diese “Gegenseitigkeit der Erhaltung” soll beinahe die Tugend und jedenfalls die Menschenliebe sein! ... typisch: sie wollen vom Staate geschützt sein, sie meinen, das “sei dessen oberste Pflicht!”

unter dem allgemeinen Lobe des “Altruismus” verbirgt sich der Instinkt, daß wenn alle für einander sorgen, der Einzelne am besten bewahrt bleibt ... es ist der Egoismus der Schwachen, der das Lob, das ausschließliche Lob des Altruismus geschaffen hat ...

Die gefährliche Antinatürlichkeit des Christenthums:

— sie kreuzt die Selektion

1)sie erfindet einen imaginären Werth der Person, so ausschweifend und wichtig, daß ungefähr jeder gleich werth ist
2)sie stellt den Schutz-Selbsterhaltungstrieb der Schwachen unter sich als höchstes Werthmaß hin, sie befeindet nichts mehr als was wie die Natur mit Schwachen und Schlechtweggekommenen handelt: schädigend, ausnützend, zerstörend ...
3)sie will nicht Wort haben, daß der höchste Typus Mensch der wohlgerathene und glückliche ist ... sie ist die Verleumdung, die Vergiftung, die Anbröckelung aller Natur-Werthung

14 [6]

Wille zur Macht als Moral

Die Zusammengehörigkeit aller Corruptions-Formen zu begreifen; und dabei nicht die christliche Corruption zu vergessen

Pascal als Typus

ebensowenig die socialistisch-communistische Corruption (eine Folge der christlichen)

höchste Societäts-Conception der Socialisten die niederste in der Rangordnung der Societäten

die “Jenseits”-Corruption: wie als ob es außer der wirklichen Welt, der des Werdens, eine Welt des Seienden gäbe

Hier darf es keinen Vertrag geben: hier muß man ausmerzen, vernichten, Krieg führen—man muß das christlich-nihilistische Werthmaß überall noch hinausziehen und es unter jeder Maske bekämpfen ... Aus der jetzigen Sociologie zum Beispiel, aus der jetzigen Musik z.B. aus dem jetzigen Pessimismus (—alles Formen des christlichen Werthideals—)

Entweder Eins oder das Andere ist wahr: wahr d.h. hier den Typus Mensch emporhebend ...

Der Priester, der Seelsorger, als verwerfliche Daseins-Formen

die gesammte Erziehung bisher hülflos, haltlos, ohne Schwergewicht, mit dem Widerspruch der Werthe behaftet —

14 [7]

Zur Modernität.

Die Feigheit vor der Consequenz—das moderne Laster.

Romantik: die Feindschaft

gegen die Renaissance (Chateaubriand, R. Wagner)
gegen das antike Werthideal
gegen die dominirende Geistigkeit
gegen den klassischen Geschmack, den einfachen, den strengen, den großen Stil
gegen die “Glücklichen”
gegen die “Kriegerischen”

14 [8]

Werth ..

Das höchste Quantum Macht, das der Mensch sich einzuverleiben vermag

der Mensch: nicht die Menschheit ...

die Menschheit ist viel eher noch ein Mittel, als ein Ziel. Es handelt sich um den Typus: die Menschheit ist bloß das Versuchsmaterial, der ungeheure Überschuß des Mißrathenen, ein Trümmerfeld ...

14 [9]

Nihilismus

Nichts wäre nützlicher und mehr zu fördern als ein consequenter Nihilismus der That

: so wie ich alle Phänomene des Christenthums, des Pessimismus verstehe, so drücken sie aus “wir sind reif, nicht zu sein; für uns ist es vernünftig, nicht zu sein”

diese Sprache der “Vernunft” wäre in diesem Falle auch die Sprache der selektiven Natur

Was über alle Begriffe dagegen zu verurtheilen ist, das ist die zweideutige und feige Halbheit einer Religion, wie die des Christenthums: deutlicher, der Kirche: welche, statt zum Tode und zur Selbstvernichtung zu ermuthigen, alles Mißrathene und Kranke schützt und sich selbst fortpflanzen macht —

Problem: mit was für Mitteln würde eine strenge Form des großen contagiösen Nihilism erzielt werden: eine solche, welche, mit wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit, den freiwilligen Tod lehrt und übt ... (und nicht das schwächliche Fortvegetiren mit Hinsicht auf eine falsche Postexistenz—)

Man kann das Christenthum nicht genug verurtheilen, weil es den Werth einer solchen reinigenden großen Nihilismus-Bewegung, wie sie vielleicht im Gange war, durch den Gedanken der unsterblichen Privat-Person entwerthet hat: insgleichen durch die Hoffnung auf Auferstehung: kurz, immer durch ein Abhalten von der That des Nihilismus, dem Selbstmord ... Es substituirte den langsamen Selbstmord; allmählich ein kleines armes aber dauerhaftes Leben; allmählich ein ganz gewöhnliches bürgerliches mittelmäßiges Leben usw.

14 [10]

Religion als décadence

Kritik des Christenthums

Es bedarf großer Selektions- und Reinigungs-Krisen: jedenfalls durch nihilistische Religionen und Philosophien eingeführt.

Man begreift, daß das Christenthum etwas unsterblich Verfehltes und Mißrathenes ist: aus einem Mittel der Zuchtwahl wurde es deren Gegner, Hemmschuh und Giftgewächs

14 [11]

die Jasagenden Affecte

Der Stolz
die Freude
die Gesundheit
die Liebe der Geschlechter
die Feindschaft und der Krieg
die Ehrfurcht
die schönen Gebärden, Manieren, Gegenstände
der starke Wille
die Zucht der hohen Geistigkeit
der Wille zur Macht
die Dankbarkeit gegen Erde und Leben
: alles, was reich ist und abgeben will und das Leben beschenkt und vergoldet und verewigt und vergöttlicht—die ganze Gewalt verklärender Tugenden ... alles Gutheißende, Jasagende, Jathuende —

14 [12]

Priester und andere Tintenwischer, Tintenfische —

14 [13]

Physiologie der nihilistischen Religionen

ein typischer Krankheits-Verlauf

NB die nihilistischen Religionen allesammt: systematis Krankheits-Geschichten unter einer religiös-moral Nomenklatur.

— in dem heidnischen Cultus ist es der große Jahreskreislauf, um dessen Ausdeutung sich der Cultus dreht

— im christlichen Cultus ein Kreislauf paralytischer Phänomene, um die sich der Cultus dreht ...

 
“der Glaube,” eine Form der Geisteskrankheit
die Reue 
die Erlösungalles neurasthenisch 
das Gebet 
die Sünde, eine fixe Idee
der Haß gegen die Natur, gegen die Vernunft
Die Christlichkeit als Krankheit
Das Christenthum als Symptom physiologischer décadence

14 [14]

Gegenbewegung Kunst

Geburt der Tragoedie

III

Diese beiden Kunst-Naturgewalten: werden von Nietzsche als das Dionysische und das Apollinische einander entgegengesetzt: er behauptet, daß Mit dem Wort “dionysisch” ist ausgedrückt: ein Drang zur Einheit, ein Hinausgreifen über Person, Alltag, Gesellschaft, Realität, als Abgrund des Vergessens, das leidenschaftlich-schmerzliche Überschwellen in dunklere vollere schwebendere Zustände; ein verzücktes Jasagen zum Gesammt-Charakter des Lebens, als dem in allem Wechsel Gleichen, Gleich-Mächtigen, Gleich-Seligen; die große pantheistische Mitfreudigkeit und Mitleidigkeit, welche auch die furchtbarsten und fragwürdigsten Eigenschaften des Lebens gutheißt und heiligt, aus einem ewigen Willen zur Zeugung, zur Fruchtbarkeit, zur Ewigkeit heraus: als Einheitsgefühl von der Nothwendigkeit des Schaffens und Vernichtens ... Mit dem Wort apollinisch ist ausgedrückt: der Drang zum vollkommenen Für-sich-sein, zum typischen “Individuum,” zu Allem, was vereinfacht, heraushebt, stark, deutlich, unzweideutig, typisch macht: die Freiheit unter dem Gesetz.

An ihren Antagonismus ist die Fortentwicklung der Kunst eben so nothwendig geknüpft, als die Fortentwicklung der Menschheit an den Antagonismus der Geschlechter. Die Fülle der Macht und die Mäßigung, die höchste Form der Selbstbejahung in einer kühlen, vornehmen, spröden Schönheit: der Apollinismus des hellenischen Willens

der Ursprung der Tragödie und Komödie als ein Gegenwärtig-sehen eines göttlichen Typus im Zustand einer Gesammt-Verzückung, als ein Miterleben der Ortslegende, des Besuchs, Wunders, Stiftungsakts, des “Dramas” ( —

Diese Gegensätzlichkeit des Dionysischen und Apollinischen innerhalb der griechischen Seele ist eines der großen Räthsel, von dem N sich angesichts des griechischen Wesens angezogen fühlte. Nietzsche bemühte sich im Grunde um nichts als um zu errathen, warum gerade der griechische Apollinismus aus einem dionysischen Untergrund herauswachsen mußte: der dionysische Grieche nöthig hatte, apollinisch zu werden, das heißt: seinen Willen zum Ungeheuren, Vielfachen, Ungewissen, Entsetzlichen zu brechen an einem Willen zum Maaß, zur Einfachheit, zur Einordnung in Regel und Begriff. Das Maßlose, Wüste, Asiatische liegt auf seinem Grunde: die Tapferkeit des Griechen besteht im Kampfe mit seinem Asiatismus: die Schönheit ist ihm nicht geschenkt, sowenig als die Logik, als die Natürlichkeit der Sitte—sie ist erobert, gewollt, erkämpft—sie ist sein Sieg ...

14 [15]

Dies Buch ist antipessimistisch: es lehrt eine Gegenkraft gegen alles Neinsagen und Neinthun, ein Heilmittel der großen Müdigkeit

14 [16]

Typus Gottes nach dem Typus des schöpferischen Geistes, des “großen Menschen”

14 [17]

Geburt der Tragödie.

2.

Anfang des Abschnitts zwei Seiten später: II.

Die Kunst gilt hier als einzige überlegene Gegenkraft gegen allen Willen zur Verneinung des Lebens: als das Antichristliche, Antibuddhistische, Antinihilistische par excellence ...

Sie ist die Erlösung des Erkennenden—dessen, der den furchtbaren und fragwürdigen Charakter des Lebens sieht, sehen will, des tragischen Erkennenden.

Sie ist die Erlösung des Handelnden—dessen,der den furchtbaren und fragwürdigen Charakter des Lebens nicht nur sieht, sondern lebt, leben will, des tragischen Menschen, des Helden ..

Sie ist die Erlösung des Leidenden—als Weg zu Zuständen, wo das Leiden gewollt, verklärt, vergöttlicht wird, wo das Leiden eine Form der großen Entzückung ist ...

14 [18]

III

Es giebt zwei Zustände, in denen die Kunst selber als eine Art Naturgewalt im Menschen auftritt: einmal als Vision, andrerseits als der dionysische Orgiasmus. Dieselben sind physiologisch vorgebildet im Traum und im Rausch: ersterer als Einübung jener Kraft zur Vision verstanden, als eine Lust am Gestalten-sehen, Gestalten-bilden.

Der Wille zum Schein, zur Illusion, zur Täuschung, zum Werden und Wechseln ist tiefer, “metaphysischer” als der Wille zur Wahrheit, zur Wirklichkeit, zum Sein: die Lust ist ursprünglicher als der Schmerz; der letztere ist selbst nur die Folge eines Willens zur Lust (—zum Schaffen, Gestalten, zu-Grunde-richten, Zerstören) und, in der höchsten Form, eine Art der Lust ...

14 [19]

6.

Diese Schrift ist antimodern: sie glaubt an die moderne Kunst, sonst an nichts, und im Grunde auch nicht an die moderne Kunst, sondern an die moderne Musik, und im Grunde nicht an die moderne Musik überhaupt, sondern nur an Wagner ... Und im Grunde vielleicht nicht einmal an Wagner, es sei denn faute de mieux.

p. 116. “Was wüßten wir sonst zu nennen, heißt es mit einer schmerzlichen Gebärde

Schopenhauer, Dürer.

Es glaubt daran, daß eine Musik kommen wird .. an eine dionysische Musik ...

14 [20]

7.

Diese Schrift gebärdet sich deutsch, selbst reichstreu—sie glaubt selbst noch an den deutschen Geist! ... Ihre nuance ist, daß sie deutsch-antichristlich ist: “das Schmerzlichste, heißt es in ihr auf S. 142, ist für uns die lange Entwürdigung, unter der der deutsche Geist, entfremdet von Haus und Heimat, im Dienst tückischer Zwerge lebte.” Diese tückischen Zwerge sind die Priester.— An einer anderen Stelle wird die Frage aufgeworfen, ob der deutsche Geist noch stark genug sei, sich auf sich selbst zurückzubesinnen; ob er mit der Ausscheidung fremder Elemente noch Ernst machen könne; oder fortfahren werde, sich wie ein sieches, verkümmertes Gewächs in krankhaftem Mühen zu verzehren. In diesem Buche gilt die Überpflanzung eines tief widerdeutschen Mythos, des christlichen in’s deutsche Herz als das eigentlich deutsche Verhängniß.

14 [21]

4.

Dieses Buch ist dergestalt sogar antipessimistisch: nämlich in dem Sinn, daß es etwas lehrt, das stärker ist als der Pessimismus, das göttlicher ist als “Wahrheit”: die Kunst.

Niemand würde, wie es scheint, einer radikalen Verneinung des Lebens, einem wirklichen Neinthun noch mehr als Neinsagen zum Leben so sehr das Wort reden, wie der Verfasser dieses Buchs: nur weiß er,—er hat es erlebt, er hat vielleicht nichts andres erlebt—daß die Kunst mehr werth ist als die “Wahrheit”.

In der Vorrede bereits, mit der Richard Wagner wie zu einem Zwiegespräch eingeladen wird, erscheint das Glaubensbekenntniß, das Artisten-Evangelium: “die Kunst als die eigentliche Aufgabe des Lebens, die Kunst als metaphysische Thätigkeit” ...

14 [22]

5.

Was muß, unter solcher Voraussetzung, aus der Wissenschaft werden? Wie steht sie da? In einem bedeutenden Sinne beinahe als Gegnerin der Wahrheit: denn sie ist optimistisch, denn sie glaubt an die Logik. Es wird physiologisch nachgerechnet, daß es die Niedergangs-Zeiten einer starken Rasse sind, wo der Typus des wissenschaftlichen Menschen in ihr reif wird. Die Kritik des Socrates macht den Haupttheil des Buches aus: Socrates als Gegner der Tragödie, als Auflöser jener dämonisch-prophylaktischen Instinkte der Kunst; der Sokratismus als das große Mißverständniß von Leben und Kunst: die Moral, Dialektik, Genügsamkeit des theoretischen Menschen eine Form der Ermüdung; die berühmte griechische Heiterkeit nur eine Abendröthe ... Die starken Rassen, so lange sie reich und überreich noch an Kraft sind, haben den Muth dazu die Dinge zu sehen, wie sie sind: tragisch ... Für sie ist die Kunst mehr als eine Unterhaltung und Ergötzlichkeit; sie ist eine Kur ...

Das Buch lehrt, “allen modernen Ideen und Vorurtheilen des demokratischen Geschmacks zum Trotz,” daß die Griechen—p. X der Vorrede.

14 [23]

II

Das Wesentliche an dieser Conception ist der Begriff der Kunst im Verhältniß zum Leben: sie wird, ebenso psychologisch als physiologisch, als das große Stimulans aufgefaßt, als das, was ewig zum Leben, zum ewigen Leben drängt ...

14 [24]

3.

Man sieht, daß in diesem Buche der Pessimismus, sagen wir deutlicher, der Nihilismus als die “Wahrheit” gilt: aber die Wahrheit gilt nicht als ein oberstes Werthmaß, noch weniger als oberste Macht.

Der Wille zum Schein, zur Illusion, zur Täuschung, zum Werden und Wechseln gilt hier als tiefer und ursprünglicher “metaphysischer” als der Wille zur Wahrheit, zur Wirklichkeit zum Sein:—letzterer ist selbst bloß eine Form des Willens zur Illusion. Ebenso gilt die Lust als ursprünglicher als der Schmerz: der Schmerz ist nur bedingt als eine Folge des Willens zur Lust (des Willens zum Werden, Wachsen, Gestalten, folglich zur Überwältigung, zum Widerstand, zum Krieg, zur Zerstörung) Es wird ein höchster Zustand der Daseins-Bejahung concipirt, in dem sogar der Schmerz, jede Art von Schmerz als Mittel der Steigerung ewig einbegriffen ist: der tragisch-dionysische Zustand.

14 [25]

ZurGeburt der Tragödie.”

VIII.

Die neue Conception der Griechen ist das Auszeichnende dieses Buches; wir haben bereits seine beiden anderen Verdienste angedeutet—die neue Conception der Kunst, als das große Stimulans des Lebens, zum Leben; insgleichen die Conception des Pessimismus, eines Pessimismus der Stärke, eines klassischen Pessimismus: das Wort klassisch hier nicht zur historischen, sondern zur psychologischen Abgrenzung gebraucht. Der Gegensatz des klassischen Pessimismus ist der romantische: jener in dem sich die Schwäche, die Ermüdung, die Rassen-décadence in Begriffen und Werthungen formulirt: der Pessimismus Schopenhauers z.B., insgleichen der de Vigny’s, Dostoijevsky’s, Leopardi’s, Pascals, der aller großen nihilistischen Religionen (des Brahmanismus, Buddhismus, Christenthums—sie dürfen nihilistisch genannt werden, weil sie alle den Gegensatzbegriff des Lebens, das Nichts, als Ziel, als höchstes Gut, als “Gott” verherrlicht haben)

Was Nietzsche auszeichnet: die Spontaneität seiner psychologischen Vision, eine schwindelerregende Weite der Umschau, des Erlebten, Errathenen, Erschlossenen, der Wille zur Consequenz, die Furchtlosigkeit vor der Härte und gefährlichen Consequenz.

14 [26]

Geburt der Tragödie

Aber kommen wir zur Hauptsache, zu dem, was das Buch auszeichnet und bei Seite stellt, zu seiner Originalität: es enthält drei neue Conceptionen. Die erste haben wir bereits genannt: die Kunst als das große Stimulans des Lebens, zum Leben. Die zweite: es bringt einen neuen Typus des Pessimismus, den klassischen. Zu dritt: es stellt ein Problem der Psychologie neu, das griechische.

14 [27]

Philosophie als décadence

Zur Psychologie des Psychologen

Psychologen, wie sie erst vom 19ten Jahrhundert möglich sind: nicht mehr jene Eckensteher, die drei, vier Schritt vor sich blicken und beinahe zufrieden sind, in sich hinein zu graben. Wir Psychologen der Zukunft—wir haben wenig guten Willen zur Selbstbeobachtung: wir nehmen es fast als ein Zeichen von Entartung, wenn ein Instrument “sich selbst zu erkennen” sucht: wir sind Instrumente der Erkenntniß und möchten die ganze Naivetät und Präcision eines Instrumentes haben;—folglich dürfen wir uns selbst nicht analysiren, nicht “kennen.” Erstes Merkmal eines Selbsterhaltungs-Instinkts des großen Psychologen: er sucht sich nie, er hat kein Auge, kein Interesse, keine Neugierde für sich ... Der große Egoismus unseres dominirenden Willens will es so von uns, daß wir hübsch vor uns die Augen schließen,—daß wir als “unpersönlich,” “désintéressé,” “objektiv” erscheinen müssen ... oh wie sehr wir das Gegentheil von dem sind! Nur weil wir in einem excentrischen Grade Psychologen sind

14 [28]

Der Psycholog.

1) Wir sind keine Pascals, wir sind nicht sonderlich am “Heil der Seele,” am eigenen Glück, an der eigenen Tugend interessirt ... —

2) Wir haben weder Zeit noch Neugierde genug, uns dergestalt um uns selbst zu drehn. Es steht, tiefer angesehn, sogar noch anders: wir mißtrauen allen Nabelbeschauern aus dem Grunde, weil uns die Selbstbeobachtung als eine Entartungsform des psychologischen Genies gilt, als ein Fragezeichen am Instinkt des Psychologen: so gewiß ein Maler-Auge entartet ist, hinter dem der Wille steht, zu sehn, um zu sehn

14 [29]

Ursprung der Moral-Werthe.

Der Egoismus ist so viel werth als der physiologisch werth ist, der ihn hat.

Jeder Einzelne ist die ganze Linie der Entwicklung noch (und nicht nur, wie ihn die Moral, etwas das mit der Geburt beginnt): stellt er das Aufsteigen der Linie Mensch dar, so ist sein Werth in der That außerordentlich; und die Sorge um Erhaltung und Begünstigung seines Wachsthums darf extrem sein. (Es ist die Sorge um die in ihm verheißene Zukunft, welche dem wohlgerathenen Einzelnen ein so außerordentliches Recht auf Egoismus giebt) Stellt er die absteigende Linie dar, den Verfall, die chronische Erkrankung: so kommt ihm wenig Werth zu: und die erste Billigkeit ist, daß er so wenig als möglich Platz, Kraft und Sonnenschein den Wohlgerathenen wegnimmt. In diesem Falle hat die Gesellschaft die Niederhaltung des Egoism (—der mitunter absurd, krankhaft, aufrührerisch sich äußert—) zur Aufgabe: handle es sich nun um Einzelne oder um ganze verkommende verkümmerte Volks-Schichten. Eine Lehre und Religion der “Liebe,” der Niederhaltung der Selbstbejahung, des Duldens, Tragens, Helfens, der Gegenseitigkeit in That und Wort kann innerhalb solcher Schichten vom höchsten Werthe sein, selbst mit den Augen der Herrschenden gesehn: denn sie hält die Gefühle der Rivalität, des ressentiment, des Neides nieder, die allzu natürlichen Gefühle der Schlechtweggekommenen,—sie vergöttlicht ihnen selbst unter dem Ideal der Demuth und des Gehorsams das Sklave-sein, das Beherrschtwerden, das Armsein, das Kranksein, das Unten-stehn. Hieraus ergiebt sich, warum die herrschenden Classen oder Rassen und Einzelnen jeder Zeit den Cultus der Selbstlosigkeit, das Evangelium der Niedrigen, “den Gott am Kreuze” aufrecht erhalten haben.

Das Übergewicht einer altruistischen Werthungsweise ist die Folge eines Instinktes für Mißrathen-sein. Das Werthurtheil auf unterstem Grunde sagt hier: “ich bin nicht viel werth”: ein bloß physiologisches Werthurtheil, noch deutlicher: das Gefühl der Ohnmacht, der Mangel der großen bejahenden Gefühle der Macht (in Muskeln, Nerven, Bewegungscentren). Dies Werthurtheil übersetzt sich, je nach der Cultur dieser Schichten, in ein moralisches oder religiöses Urtheil (—die Vorherrschaft religiöser und moralischer Urtheile ist immer ein Zeichen niedriger Cultur—): es sucht sich zu begründen, aus Sphären, woher ihnen der Begriff “Werth” überhaupt bekannt ist. Die Auslegung, mit der der christliche Sünder sich zu verstehen glaubt, ist ein Versuch, den Mangel an Macht und Selbstgewißheit berechtigt zu finden: er will lieber sich schuldig finden, als umsonst sich schlecht fühlen: an sich ist es ein Symptom von Verfall, Interpretationen dieser Art überhaupt zu brauchen. In andern Fällen sucht der Schlechtweggekommene den Grund dafür nicht in seiner “Schuld” (wie der Christ), sondern in der Gesellschaft: der Socialist, der Anarchist, der Nihilist, indem sie ihr Dasein als etwas empfinden, an dem Jemand schuld sein soll, ist damit immer noch der Nächstverwandte des Christen, der auch das Sichschlechtbefinden und Mißrathen besser zu ertragen glaubt, wenn er Jemanden gefunden hat, den er dafür verantwortlich machen kann. Der Instinkt der Rache und des ressentiment ist in beiden Fällen, erscheint hier als Mittel, es auszuhalten, als Instinkt der Selbsterhaltung: ebenso wie die Bevorzugung der altruistischen Theorie und Praxis. Der Haß gegen den Egoismus, sei es gegen den eigenen, wie beim Christen, sei es gegen den fremden, wie beim Socialisten, ergiebt sich dergestalt als ein Werthurtheil unter der Vorherrschaft der Rache; andrerseits als eine Klugheit der Selbsterhaltung Leidender durch Steigerung ihrer Gegenseitigkeits- und Solidaritätsgefühle ... Zuletzt ist, wie schon angedeutet, auch jene Entladung des Ressentiment im Richten, Verwerfen, Bestrafen des Egoism (des eigenen oder eines fremden) noch ein Instinkt der Selbsterhaltung bei Schlechtweggekommenen. In summa: der Cultus des Altruismus ist eine spezifische Form des Egoismus, die unter bestimmten physiologischen Voraussetzungen regelmäßig auftritt.

14 [30]

Wenn der Socialist mit einer schönen Entrüstung “Gerechtigkeit,” “Recht,” “gleiche Rechte” verlangt, so steht er nur unter dem Druck seiner ungenügenden Cultur, welche nicht zu begreifen weiß, warum er leidet: andrerseits macht er sich ein Vergnügen damit; befände er sich besser, so würde er sich hüten, so zu schreien: er fände dann anderswo sein Vergnügen. Dasselbe gilt vom Christen: “die Welt” wird von ihm verurtheilt, verleumdet, verflucht—er nimmt sich selbst nicht aus. Aber das ist kein Grund, sein Geschrei ernst zu nehmen. In beiden Fällen sind wir immer noch unter Kranken, denen es wohlthut, zu schreien, denen die Verleumdung eine Erleichterung ist.

14 [31]

Werth ...

Der Begriff “verwerfliche Handlung” macht uns Schwierigkeit: es kann nichts an sich Verwerfliches geben. Nichts von Alledem, was überhaupt geschieht, kann an sich verwerflich sein: denn man dürfte es nicht weghaben wollen: denn Jegliches ist so mit Allem verbunden, daß irgend Etwas ausschließen wollen, Alles ausschließen heißt. Eine verwerfliche Handlung: heißt eine verworfene Welt überhaupt ..

Und selbst dann noch: in einer verworfenen Welt würde auch das Verwerfen verwerflich sein ... Und die Consequenz einer Denkweise, welche Alles verwirft, wäre eine Praxis, die Alles bejaht ... Wenn das Werden ein großer Ring ist, so ist Jegliches gleich werth, ewig, nothwendig ...

In allen Correlationen von Ja und Nein, von Vorziehen und Abweisen, Lieben und Hassen drückt sich nur eine Perspektive, ein Interesse bestimmter Typen des Lebens aus: an sich redet Alles, was ist, das Ja.

14 [32]

Werth ...

eine nihilistische Werthschätzung sagt: “ich bin werth, nicht zu sein.” Geht sie weiter und sagt: “du bist werth, nicht zu sein.”

14 [33]

Was das tragische Pathos angeht, so nimmt Nietzsche nicht das alte Mißverständniß des Aristoteles wieder auf —

als Transfiguration von Wollust und Grausamkeit ins Griechische: Elemente, welche in den orgiastischen Festen

das Dionysische als eine Überströmung und Einheit vielfacher, zum Theil schrecklicher Erregungen

14 [34]

Drama

das Drama ist nicht, wie die Halbgelehrten glauben, die Handlung, sondern, gemäß der dorischen Herkunft vom Wort “Drama,” auch dorisch-hieratisch zu verstehen: es ist das Begebniß, das “Ereigniß,” die heilige Geschichte, die Gründungs-Legende, das “Nachsinnen,” die Vergegenwärtigung der Aufgabe des Hieratischen.

14 [35]

Kunst als Gegenbewegung.

Das orgiastische Element in der Kunst der Griechen war bisher unterschätzt worden; daß aber der Orgiasmus eine der tiefsten Bewegungen und Krisen für die griechische Seele selbst bedeutet

Man erinnert sich vielleicht der frivolen und kalten Art, mit der Lobeck sich das ganze Gebiet von Riten, Mythen und Geheimnissen vom Leibe hielt p. 564. 565.

Man möchte sagen, daß der Begriff “klassisch”—, wie ihn Winckelmann und Goethe gebildet hatten, jenes dionysische Element nicht nur nicht erklärte, sondern von sich ausschloß: und

es gab eine Zeit, wo man unter Philologen mit besonderer Dankbarkeit Lobeck

14 [36]

Apollinisch, dionysisch

III

Es giebt zwei Zustände, in denen die Kunst selbst wie eine Naturgewalt im Menschen auftritt, über ihn verfügend, ob er will oder nicht: einmal als Zwang zur Vision, andrerseits als Zwang zum Orgiasmus. Beide Zustände sind auch im normalen Leben, nur schwächer, im Traum und im Rausch, wie in

Aber derselbe Gegensatz besteht noch zwischen Traum und Rausch: beide entfesseln in uns künstlerische Gewalten, jeder aber verschieden: der Traum die des Sehens, Verknüpfens, Dichtens; der Rausch die der Gebärde, der Leidenschaft, des Gesangs, des Tanzes.

14 [37]

Zur Modernität.

Was uns Ehre macht.

Wenn irgend etwas uns Ehre macht, so ist es dies: wir haben den Ernst wo andershin gelegt: wir nehmen die von allen Zeiten verachteten und bei Seite gelassenen niedrigen Dinge wichtig—wir geben dagegen die “schönen Gefühle” wohlfeil ...

Giebt es eine gefährlichere Verirrung, als die Verachtung des Leibes? Als ob nicht mit ihr die ganze Geistigkeit verurtheilt wäre krankhaft zu werden, zu den vapeurs des “Idealismus”!

Es hat Alles nicht Hand und Fuß, was von Christen und Idealisten ausgedacht worden ist: wir sind radikaler. Wir haben die “kleinste Welt” als das überall-Entscheidende entdeckt: wir sind auf eine gefährliche Weise in die

Straßenpflaster, gute Luft im Zimmer, die Bude nicht vergiftet, die Speisen auf ihren Werth begriffen, wir haben Ernst gemacht mit allen Necessitäten des Daseins und verachten alles “Schönseelenthum” als eine Art der “Leichtfertigkeit und Frivolität.”

Das bisher Verachtetste ist in die erste Linie gerückt.

ich füge die Unmoralität hinzu: Moralität ist nur eine Form der Unmoralität, welche in Hinsicht auf den Vortheil, den eine bestimmte Art davon hat,

14 [38]

TypusJesus” ...

Jesus ist das Gegenstück eines Genies: er ist ein Idiot. Man fühle seine Unfähigkeit, eine Realität zu verstehn: er bewegt sich im Kreise um fünf, sechs Begriffe, die er früher gehört und allmählich verstanden, d.h. falsch verstanden hat—in ihnen hat er seine Erfahrung, seine Welt, seine Wahrheit,—der Rest ist ihm fremd. Er spricht Worte, wie sie Jedermann braucht—er versteht sie nicht wie Jedermann, er versteht nur seine fünf, sechs schwimmenden Begriffe. Daß die eigentlichen Manns-Instinkte—nicht nur die geschlechtlichen, sondern auch die des Kampfes, des Stolzes, des Heroismus—nie bei ihm aufgewacht sind, daß er zurückgeblieben ist und kindhaft im Alter der Pubertät geblieben ist: das gehört zum Typus gewisser epilepsoider Neurosen.

Jesus ist in seinen tiefsten Instinkten unheroisch: er kämpft nie: wer etwas wie einen Held in ihm sieht, wie Renan, hat den Typus vulgärisirt ins Unerkenntliche.

man fühle andererseits seine Unfähigkeit, etwas Geistiges zu verstehen: das Wort Geist wird in seinem Munde zum Mißverständniß! Nicht der entfernteste Hauch von Wissenschaft, Geschmack, geistiger Zucht, Logik hat diesen heiligen Idioten angeweht: so wenig als ihn das Leben berührt hat.— Natur? Gesetze der Natur?— Niemand hat ihm verrathen daß es eine Natur giebt. Er kennt nur moralische Wirkungen: Zeichen der untersten und absurdesten Cultur. Man muß das festhalten: er ist Idiot inmitten eines sehr klugen Volkes ... Nur daß seine Schüler es nicht waren—Paulus war ganz und gar kein Idiot!—daran hängt die Geschichte des Christenthums.

14 [39]

Kritik des Christenthums.
Moral als Circe der Philosophen
Der Kampf ums
Ich.”

14 [40]

Die unbewußte Wirkung der décadence auf die Ideale der Wissenschaft

Es giebt eine tiefe und vollkommen unbewußte Wirkung der décadence selbst auf die Ideale der Wissenschaft: unsere ganze Sociologie ist der Beweis für diesen Satz. Ihr bleibt vorzuwerfen, daß sie nur das Verfalls-Gebilde der Societät aus Erfahrung kennt und unvermeidlich die eigenen Verfalls-Instinkte als Norm des sociologischen Urtheils nimmt.

Das niedersinkende Leben im jetzigen Europa formulirt in ihnen seine Gesellschafts-Ideale: sie sehen alle zum Verwechseln dem Ideal alter überlebter Rassen ähnlich ...

Der Heerdeninstinkt sodann—eine jetzt souverän gewordene Macht—ist etwas Grundverschiedenes vom Instinkt einer aristokratischen Societät: und es kommt auf den Werth der Einheiten an, was die Summe zu bedeuten hat ...

Unsere ganze Sociologie kennt gar keinen anderen Instinkt als den der Heerde, d.h. der summirten Nullen ... wo jede Null “gleiche Rechte” hat, wo es tugendhaft ist, Null zu sein ...

Die Werthung, mit der heute die verschiedenen Formen der Societät beurteilt werden, ist ganz und gar eins mit jener, welche dem Frieden einen höheren Werth zuertheilt als dem Krieg: aber dies Urtheil ist antibiologisch, ist selbst eine Ausgeburt der décadence des Lebens ... Herr Herbert Spencer ist als Biologe ein décadent,—meist auch als Moralist (—er sieht im Sieg des Altruismus etwas Wünschenswerthes!!!). Das Leben ist eine Folge des Krieges, die Gesellschaft selbst ein Mittel zum Krieg.

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Renan, der das mit den Weibern gemeinsam hat, daß er nur lebensgefährlich wird, wenn er liebt; er der niemals ohne kleine mörderische Nebenabsichten einen alten Götzen von Ideal umarmt hat, immer neugierig, ob das, was er umarmt, nicht bereits wackelt ...

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— Deutsch =

(4) Religion in der Musik.

Wie viel uneingeständliche und selbst unverstandene Befriedigung aller religiösen Bedürfnisse ist noch in der Wagnerschen Musik! Wie viel Gebet, Tugend, Salbung, “Jungfräulichkeit” “Erlösung” redet da noch mit! .. Daß die Musik vom Worte vom Begriffe absehen darf—oh wie sie daraus ihren Vortheil zieht, diese arglistige Heilige, die zu allem zurückführt, zurückverführt, was einst geglaubt wurde! .. Unser intellekt Gewissen braucht sich nicht zu schämen,—es bleibt außerhalb—wenn irgend ein alter Instinkt mit zitternden Lippen aus verbotenen Bechern trinkt ... Das ist klug, gesund und, insofern es Scham vor der Befriedigung des religiösen Instinktes verräth, sogar ein gutes Zeichen ... Heimtückische Christlichkeit: Typus der Musik des “letzten Wagner.”

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Durch Alkohol und Musik bringt man sich auf Stufen der Cultur und Unkultur zurück, welche unsere Voreltern überwunden haben: insofern ist nichts lehrreicher, nichts “wissenschaftlicher” als sich zu berauschen ... Auch manche Speisen enthalten Offenbarungen über etwas, woraus wir herkommen. Wie viel Geheimniß steckt zum Beispiel in der Correlation der deutschen Knödel und des deutschen “kindlichen Gemüthes”! ... Wenn man erstere im Leibe hat, regt sich sofort das Letztere: man beginnt zu ahnen! ... Oh wie fern man alsbald vom “Verstand der Verständigen” ist! —

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Gegen diese Verderbniß der Musik wehre ich mich mit allen Mitteln, und wie ein schöner Teufel

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Was hat der deutsche Geist aus dem Christenthum gemacht!— Und daß ich beim Protestantismus stehen bleibe, wie viel Bier ist wieder in der protestantischen Christlichkeit! Ist eine geistig verdumpftere, faulere, gliederstreckendere Form des Christen-Glaubens noch denkbar! als die eines deutschen Durchschnitts-Protestanten? .. Das nenne ich mir ein bescheidenes Christenthum! eine Homöopathie des Christenthums nenne ich’s!— Man erinnert mich daran, daß es heute auch einen unbescheidenen Protestantismus giebt, den der Hofprediger und antisemitischen Spekulanten: aber Niemand hat noch behauptet, daß irgend ein “Geist” auf diesen Gewässern “schwebe” ... Das ist bloß eine unanständigere Form der Christlichkeit, durchaus noch keine verständigere ...

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Im dionysischen Rausche ist die Geschlechtlichkeit und die Wollust: sie fehlt nicht im apollinischen. Es muß noch eine tempo-Verschiedenheit in beiden Zuständen geben ... Die extreme Ruhe gewisser Rauschempfindungen (strenger: die Verlangsamung des Zeit- und Raumgefühls) spiegelt sich gern in der Vision der ruhigsten Gebärden und Seelen-Arten. Der klassische Stil stellt wesentlich diese Ruhe, Vereinfachung, Abkürzung, Concentration dar—das höchste Gefühl der Macht ist concentrirt im klassischen Typus. Schwer reagiren: ein großes Bewußtsein: kein Gefühl von Kampf:

Der Naturrausch:

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Gegenbewegung der Kunst.

Pessimismus in der Kunst? —

der Künstler liebt allmählich die Mittel um ihrer selber willen, in denen sich der Rauschzustand zu erkennen giebt: die extreme Feinheit und Pracht der Farbe, die Deutlichkeit der Linie, die nuance des Tons: das Distinkte, wo sonst, im Normalen, alle Distinktion fehlt

—: alle distinkten Sachen, alle Nuancen, insofern sie an die extremen Kraftsteigerungen erinnern, welche der Rausch erzeugt, wecken rückwärts dieses Gefühl des Rausches.

—: die Wirkung der Kunstwerke ist die Erregung des kunstschaffenden Zustandes, des Rausches ...

—: das Wesentliche an der Kunst bleibt ihre Daseins-Vollendung, ihr Hervorbringen der Vollkommenheit und Fülle

Kunst ist wesentlich Bejahung, Segnung, Vergöttlichung des Daseins ...

—: Was bedeutet eine pessimistische Kunst? Ist das nicht eine contradictio?— Ja.

Schopenhauer irrt, wenn er gewisse Werke der Kunst in den Dienst des Pessimism stellt. Die Tragödie lehrt nicht “Resignation” ...

— Die furchtbaren und fragwürdigen Dinge darstellen ist selbst schon ein Instinkt der Macht und Herrlichkeit am Künstler: er fürchtet sie nicht ...

Es giebt keine pessimistische Kunst .. Die Kunst bejaht. Hiob bejaht.

Aber Zola? Aber de Goncourt?

— die Dinge sind häßlich, die sie zeigen: aber daß sie dieselben zeigen, ist aus Lust an diesem Häßlichen ...

— hilft nichts! ihr betrügt euch, wenn ihr’s anders behauptet

Wie erlösend ist Dostoiewsky!

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Überschriften über einem modernen Narrenhaus.

“Denknothwendigkeiten sind Moralnothwendigkeiten.”

Herbert Spencer.

 
“Der letzte Prüfstein für die Wahrheit eines Satzes ist die Unbegreiflichkeit ihrer Verneinung.”

Herbert Spencer.

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Modernität.

Die Verhäßlichung der Musik.

die Herrschaft des Abstrakten: “das bedeutet”: gleichgültig gegen den “Sumpf,” zu dem die Sinne gar nicht Ja sagen sollen ...

Musik soll durchaus etwas bedeuten, was nicht Musik ist: dabei wird aus ihr

der Rhythmus
die Melodie
die Farbe
der Bau

der falsche Tiefsinn als Stille der Gedanken; die Wuth, die Reue, der Krampf, die Ekstase—alles leichte Dinge, Spielereien, die man noch immer vermischen kann bis zur Vollendung

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5.Die Mittel, mit denen der Schauspieler obenauf kommt
6.Die Gefahr des Theaters als Ort der Verderbniß aller Künste.
7.Das Überflüssige aller Neuerungen Wagner’s selbst in der Oper
8.Carmen: und die deprimirende Wirkung Wagner’s: physiologische Einsprache gegen Wagner
9.die große Zweideutigkeit der tragischen Tendenz bei Wagner: mein realismus in aestheticis ...
10.Wiederherstellung des Begriffs “tragisch”
11.Die Bedeutung dieses psychologisch-aesthetischen Phänomens für die Geschichte der “modernen Seele.”
12. : wesentlich undeutsch,—darin liegt seine Auszeichnung ...
13. : Kritik der “Romantik.”

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Wagner als Problem.
Ein Wort zur Aufklärung.
Von
Friedrich Nietzsche.

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dessen Klugheit zur rechten Zeit mit dem deutschen Wesen Frieden machte, den Kaisermarsch dichtete, General-Kapellmeister-Stellungen ambitionirte

der zu jedem Schmutz condescendirte, mit dem sich der deutsche Geist, dieser so corrupte deutsche Geist, befleckt hat

der mit seinem Parsifal allen Feigheiten der modernen Seele zuredete.

Diese sehr zweideutig gewordene Personnage, auf deren Grab nichtsdestoweniger ein Wagner-Verein—der Münchener—einen Kranz mit der Inschrift niederlegte:

Erlösung dem Erlöser!

... Man sieht, das Problem ist groß, das Mißverständniß ungeheuer.

Wenn Wagner zum Erlöser werden konnte,

Wer erlöst uns von dieser Erlösung?

wer erlöst uns von diesem Erlöser? ...

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Es giebt Instrumente, mit denen man die Eingeweide überredet, andere haben ihren Erfolg im Rückenmark ... Man hat mir verrathen, daß die Wirkung Wagnerischer Musik am stärksten nach einer Kur in Carlsbad ist ...

14 [54]

Aber Wagner ist nicht nur hier ein Vorbild ... Und man hat ihn in der ganzen Welt verstanden ... Man macht seit Wagner eine neue Musik, man macht sie in Rußland, in Paris, in Südamerika, man macht sie selbst in Deutschland ... Ich selbst wüßte Unterricht zu geben, wie man diese neue Musik macht. Will man eine kleine Lektion? ...

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Unter Musikern.

Wir sind späte Musiker. Eine ungeheure Vergangenheit ist in uns vererbt. Unser Gedächtniß citirt beständig. Wir dürfen unter uns auf eine fast gelehrte Weise anspielen: wir verstehen uns schon. Auch unsere Zuhörer lieben es, daß wir anspielen: es schmeichelt ihnen, sie fühlen sich dabei gelehrt.

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Erster Satz aller Theater-Optik: was als wahr wirken soll, darf nicht wahr sein.

Der Schauspieler hat das Gefühl nicht, das er darstellt; er wäre verloren, wenn er es hätte

Man kennt, wie ich hoffe, die berühmten Ausführungen Talmas

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Überzeugung

Zur Psychologie des Paulus.

Das Faktum ist der Tod Jesu. Dies bleibt auszulegen ...

Daß es eine Wahrheit und einen Irrthum in der Auslegung giebt, ist gar nicht solchen Leuten in den Sinn gekommen: eines Tages steigt ihnen eine sublime Möglichkeit in den Kopf, “es könnte dieser Tod das und das bedeuten”

und sofort ist er das! Eine Hypothese beweist sich durch den sublimen Schwung, welchen sie ihrem Urheber giebt ...

“Der Beweis der Kraft”: d.h. ein Gedanke wird durch seine Wirkung bewiesen,—(“an seinen Früchten,” wie die Bibel naiv sagt)

was begeistert, muß wahr sein —

wofür man sein Blut läßt, muß wahr sein —

* *

Hier wird überall das plötzliche Machtgefühl, das ein Gedanke in seinem Urheber erregt, diesem Gedanken als Werth zugerechnet:—und da man einen Gedanken gar nicht anders zu ehren weiß, als indem man ihn als wahr bezeichnet, so ist das erste Prädikat, das er zu seiner Ehre bekommt, er sei wahr .. Wie könnte er sonst wirken? Er wird von einer Macht imaginirt: gesetzt sie wäre nicht real, so könnte sie nicht wirken ... Er wird als inspirirt aufgefaßt: die Wirkung, die er ausübt, hat etwas von der Übergewalt eines dämonischen Einflusses —

Ein Gedanke, dem ein solcher décadent nicht Widerstand zu leisten vermag, dem er vollends verfällt, ist als wahr “bewiesen”!!!

Alle diese heiligen Epileptiker und Gesichte-Seher besaßen nicht ein Tausendstel von jener Rechtschaffenheit der Selbstcritik, mit der heute ein Philologe einen Text liest oder ein historisches Ereigniß auf seine Wahrheit prüft ...

es sind, im Vergleich zu uns, moralische Cretins ...

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Carlyle ...

Die Herkunft der Wissenschaft: man gebe Acht. Sie entsteht nicht bei den Priestern und den Philosophen, ihren natürlichen Gegnern. Sie entsteht bei den Söhnen von Handwerkern und Geschäftsleuten aller Art, bei Advokaten usw.: solchen, welchen die Tüchtigkeit des Handwerks und dessen Voraussetzung sich auch auf solche Fragen und deren Beantwortung übertrug.

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Überzeugung und Lüge.
Die “Besserung.”
Wie man die Tugend zur Macht bringt.
Mitleiden.
“Altruismus.”
Entsagung.
Entsinnlichung

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Ein Glaube der behauptet “selig” zu machen, nachdem er krank machte. Ein Glaube, der sich auf Bücher beruft,—ein Glaube, der eine Offenbarung für sich in Anspruch nimmt—ein Glaube, der den Zweifel an sich als “Sünde” betrachtet, ein Glaube, der sich durch Märtyrertode beweist

Ein anderes Abzeichen des Theologen ist sein Unvermögen zur Philologie. Ich verstehe hier das Wort Philologie in einem sehr allgemeinen Sinne: Thatsachen ablesen können ohne sie durch Interpretation zu fälschen, ohne

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Wille zur Macht als Kunst

Musik”—und der große Styl

Die Größe eines Künstlers bemißt sich nicht nach den “schönen Gefühlen” die er erregt: das mögen die Weiblein glauben. Sondern nach dem Grade, in dem er sich dem großen Stile nähert, in dem er fähig ist des großen Stils. Dieser Stil hat das mit der großen Leidenschaft gemein, daß er es verschmäht zu gefallen; daß er es vergißt zu überreden; daß er befiehlt; daß er will ... Über das Chaos Herr werden das man ist; sein Chaos zwingen, Form zu werden; Nothwendigkeit werden in Form: logisch, einfach, unzweideutig, Mathematik werden; Gesetz werden—: das ist hier die große Ambition. Mit ihr stößt man zurück; nichts reizt mehr die Liebe zu solchen Gewaltmenschen—eine Einöde legt sich um sie, ein Schweigen, eine Furcht wie vor einem großen Frevel ...

Alle Künste kennen solche Ambitiöse des großen Stils: warum fehlen sie in der Musik? Noch niemals hat ein Musiker gebaut, wie jener Baumeister, der den Palazzo Pitti schuf? .. Hier liegt ein Problem. Gehört die Musik vielleicht in jene Cultur, wo das Reich aller Art Gewaltmenschen schon zu Ende gieng? Widerspräche zuletzt der Begriff großer Stil schon der Seele der Musik,—dem “Weibe” in unserer Musik? ...

Ich berühre hier eine Cardinal-Frage: wohin gehört unsere ganze Musik? Die Zeitalter des klassischen Geschmacks kennen nichts ihr Vergleichbares: sie ist aufgeblüht, als die Renaissance-Welt ihren Abend erreichte, als die “Freiheit” aus den Sitten und selbst aus den Wünschen davon war: gehört es zu ihrem Charakter, Gegenrenaissance zu sein? Und anders ausgedrückt eine Décadence-Kunst zu sein? etwa wie der Barockstil eine Décadence-Kunst ist? Ist sie die Schwester des Barockstils, da sie jedenfalls seine Zeitgenossin ist? Ist Musik, moderne Musik nicht schon décadence? ...

Die Musik ist Gegenrenaissance in der Kunst: sie ist auch décadence als Gesellschafts-Ausdruck

Ich habe schon früher einmal den Finger auf diese Frage gelegt: ob unsere Musik nicht ein Stück Gegenrenaissance in der Kunst ist? ob sie nicht die Nächstverwandte des Barockstils ist? ob sie nicht im Widerspruch zu allem klassischen Geschmack gewachsen ist, so daß sich in ihr jede Ambition der Classicität von selbst verböte? ...

Auf diese Werthfrage ersten Ranges würde die Antwort nicht zweifelhaft sein dürfen, wenn die Thatsache richtig abgeschätzt worden wäre, daß die Musik als Romantik ihre höchste Reife und Fülle erlangt—noch einmal als Reaktions-Bewegung gegen die Classicität ...

Mozart—eine zärtliche und verliebte Seele, aber ganz achtzehntes Jahrhundert, auch noch in seinem Ernste ... Beethoven der erste große Romantiker, im Sinne des französischen Begriffs Romantik, wie Wagner der letzte große Romantiker ist ... beides instinktive Widersacher des klassischen Geschmacks, des strengen Stils,—um vom “großen” hier nicht zu reden ... beides

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Modernität

die deutsche romantische Musik, ihre Ungeistigkeit, ihr Haß gegen dieAufklärungundVernunft

Verkümmerung der Melodie das Gleiche, wie das Verkümmern der “Idee,” der Dialektik, der Freiheit geistigster Bewegung,—wie viel Kampf gegen Voltaire ist in der deutschen Musik! ...

wie viel Plumpheit, Gestopftheit, was sich zu neuen Begriffen und selbst zu Principien entwickelt —

man hat immer die Principien seiner Begabung

gegen die höhere Tragödie und spöttische Geistigkeit, gegen das Buffo

ich habe Biertrinker und Militärärzte gesehen, die Wagner “verstanden” ...

Wagners Ehrgeiz, auch die Idioten zu zwingen, Wagner zu verstehen

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Der Held, wie ihn Wagner concipirt, wie modern! wie kühn! wie geistreich-complex hat er ihn concipirt! Wie verstand Wagner, den drei Grundbedürfnissen der modernen Seele mit seinen Helden entgegenzukommen—sie will das Brutale, das Krankhafte und das Unschuldige ...

diese prachtvollen Ungethüme, mit Leibern aus Vorzeiten und Nerven von Übermorgen; diese blonden Heiligen, deren kaum präexistente Sinnlichkeit den Frauen so viel zarte Neugierde inspirirt und so viel Entgegenkommen erlaubt ... Beaumarchais hat Cherubin, Wagner hat Parsifal den schönen Frauen zum Geschenk gemacht:

Und was die hysterisch-heroischen Wesen angeht, die Wagner als Weib concipirt hat, vergöttlicht hat, den Typus Senta, Elsa, Isolde, Brünnhilde, Kundry: so sind sie im Theater interessant genug—aber wer möchte sie? ...

daß dieser Typus selbst in Deutschland nicht gänzlich degoutirt hat, hat darin seinen Grund (wenn auch noch lange nicht sein Recht:) daß bereits ein unvergleichlich größerer Dichter als Wagner, der edle Heinrich von Kleist, ihm daselbst die Fürsprache des Genies gegeben hatte

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Frage: ist das Entpersönlichung durch eine Wahrheit, wenn man sich in einen Gedanken versenkt?

... Herzen behauptet das: er meint, es sei etwas ganz Gewöhnliches, daß man sein moi vergesse und fahren lasse —

Frage: ob auch da nicht bloße Scheinbarkeit ist; ob das, was eine Frage interessant findet, nicht unser ganzes vielfaches Ich ist ...

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décad

Was sich vererbt, das ist nicht die Krankheit, sondern die Krankhaftigkeit: die Unkraft im Widerstande gegen die Gefahr schädlicher Einwanderungen usw.; die gebrochene Widerstandskraft—moralisch ausgedrückt: die Resignation und Demuth vor dem Feinde.

Ich habe mich gefragt, ob man nicht alle diese obersten Werthe der bisherigen Philosophie Moral und Religion mit den Werthen der Geschwächten, Geisteskranken und Neurastheniker vergleichen kann: sie stellen, in einer milderen Form, dieselben Übel dar ...

der Werth aller morbiden Zustände ist, daß sie in einem Vergrößerungsglas gewisse Zustände, die normal aber als normal schlecht sichtbar sind, zeigen ...

Gesundheit und Krankheit sind nichts wesentlich Verschiedenes, wie es die alten Mediziner und heute noch einige Praktiker glauben. Man muß nicht distinkte Principien, oder Entitäten daraus machen, die sich um den lebenden Organismus streiten und aus ihm ihren Kampfplatz machen. Das ist altes Zeug und Geschwätz, das zu nichts mehr taugt. Thatsächlich giebt es zwischen diesen beiden Arten des Daseins nur Gradunterschiede: die Übertreibung, die Disproportion, die Nicht-Harmonie der normalen Phänomene constituiren den krankhaften Zustand. Claude Bernard.

So gut das Böse betrachtet werden kann als Übertreibung, Disharmonie, Disproportion, so gut kann das Gute eine Schutzdiät gegen die Gefahr der Übertreibung, Disharmonie und Disproportion sein

Die erbliche Schwäche, als dominirendes Gefühl: Ursache der obersten Werthe.

NB. Man will Schwäche: warum? ... meistens, weil man nothwendig schwach ist ...

Die Schwächung als Aufgabe: Schwächung der Begehrungen, der Lust- und Unlustgefühle, des Willens zur Macht, zum Stolzgefühl, zum Haben und Mehr-haben-wollen; die Schwächung als Demuth; die Schwächung als Glaube; die Schwächung als Widerwille und Scham an allem Natürlichen, als Verneinung des Lebens, als Krankheit und habituelle Schwäche ...

die Schwächung als Verzichtleisten auf Rache, auf Widerstand, auf Feindschaft und Zorn.

der Fehlgriff in der Behandlung: man will die Schwäche nicht bekämpfen durch ein système fortifiant, sondern durch eine Art Rechtfertigung und Moralisirung: d.h. durch eine Auslegung ...

Die Verwechslung zweier gänzlich verschiedener Zustände: z.B. die Ruhe der Stärke, welche wesentlich Enthaltung der Reaktion ist, der Typus der Götter, welche nichts bewegt ...

und die Ruhe der Erschöpfung, die Starrheit, bis zur Anaesthesie.

: alle philosophisch-asketischen Prozeduren streben nach der zweiten, aber meinen in der That die erste ... Denn sie legen dem erreichten Zustande die Prädikate bei, wie als ob ein göttlicher Zustand erreicht sei.

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Moral als décadence

Warum die Schwäche nicht bekämpft, sondern nur “gerechtfertigt” wird

Die Abnahme des Heilkraft-Instinktes bei den Geschwächten: so daß sie als remedium begehren, was ihren Untergang beschleunigt. Z.B. die meisten Vegetarier hätten eine corroborirende Kost nöthig, um der erschlafften Faser wieder Energie zu geben: aber sie halten ihr penchant zum Milden und Sanften für einen Wink der Natur:—und schwächen sich noch ...

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Das Weib reagirt langsamer als der Mann, der Chinese langsamer als der Europäer ...

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Religion als décadence

Das gefährlichste Missverständniss.

Es giebt einen Begriff, der anscheinend keine Verwechslung, keine Zweideutigkeit zuläßt: das ist der der Erschöpfung. Diese kann erworben sein; sie kann vererbt sein—in jedem Falle verändert sie den Aspekt der Dinge, den Werth der Dinge ...

Im Gegensatz zu dem, der, aus der Fülle, welche er darstellt und fühlt, unfreiwillig abgiebt an die Dinge, sie voller, mächtiger, zukunftsreicher sieht—der jedenfalls schenken kann, verkleinert und verhunzt der Erschöpfte alles was er sieht,—er verarmt den Werth: er ist schädlich ...

Hierüber scheint kein Fehlgriff möglich: trotzdem enthält die Geschichte die schauerliche Thatsache, daß die Erschöpften immer verwechselt worden sind mit den Vollsten—und die Vollsten mit den Schädlichsten.

Der Arme an Leben der Schwache verarmt noch das Leben: der Reiche an Leben der Starke bereichert es ...

Der Erste ist dessen Parasit; der Zweite ein Hinzuschenkender ...

Wie ist eine Verwechslung möglich? ...

Wenn der Erschöpfte mit der Gebärde der höchsten Aktivität und Energie auftritt: wenn die Entartung einen Exceß der geistigen oder nervösen Entladung bedingt, dann verwechselte man ihn mit dem Reichen ... Er erregte Furcht ...

der Cultus des Narren ist immer noch der Cultus des An-Leben-Reichen des Mächtigen

der Fanatiker, der Besessene, der religiöse Epileptiker, alle Excentrischen sind als höchste Typen der Macht empfunden worden

: als göttlich

diese Art Stärke, die Furcht erregt, galt vor allem als göttlich: hierher nahm die Autorität ihren Ausgangspunkt, hier interpretirte, hörte, suchte man Weisheit ...

Hieraus entwickelte sich, überall beinahe, ein Wille zur “Vergöttlichung,” d.h. zur typischen Entartung von Geist, Leib und Nerven: ein Versuch, den Weg zu dieser höheren Art Sein zu finden

sich krank, sich toll machen: die Symptome der Zerrüttung provociren—das hieß stärker, übermenschlicher, furchtbarer, weiser werden:

— man glaubte damit so reich an Macht zu werden, daß man abgeben konnte: überall, wo angebetet worden ist, suchte man einen, der abgeben kann.



daß man den Narren für etwas Übermenschliches nahm

daß man in den Nervenkranken und Epileptikern furchtbare Mächte thätig glaubte

Hier war irreführend die Erfahrung des Rausches ...

dieser vermehrt im höchsten Grade das Gefühl der Macht

folglich, naiv beurtheilt, die Macht

auf der höchsten Stufe der Macht mußte der Berauschteste stehen, der Ekstatische

es giebt zwei Ausgangspunkte des Rausches: die übergroße Fülle des Lebens und einen Zustand von krankhafter Ernährung des Gehirns



Nichts hat sich theurer bezahlt gemacht, als die Verwechslung im Physiologischen. —

14 [69]

Die physiologischen Mißverständnisse.

1. die Krankheit als höhere Form des Lebens mißverstanden
2. der Rausch
3. die Impassibilität.

14 [70]

Die Lust tritt auf, wo Gefühl der Macht

Das Glück in dem herrschend gewordenen Bewußtsein der Macht und des Siegs

Der Fortschritt: die Verstärkung des Typus, die Fähigkeit zum großen Wollen: alles andere ist Mißverständniß, Gefahr,

14 [71]

Wille zur Macht als “Naturgesetz”
Wille zur Macht als Leben
Wille zur Macht als Kunst.
Wille zur Macht als Moral.
Wille zur Macht als Politik
Wille zur Macht als Wissenschaft.
Wille zur Macht als Religion

14 [72]

Wille zur Macht.

Morphologie.

Wille zur Machtals “Natur”
als Leben
als Gesellschaft
als Wille zur Wahrheit
als Religion
als Kunst
als Moral
als Menschheit

Die Gegenbewegung
Wille zum Nichts

die Überwundenen. Der Abfall, die Entarteten

14 [73]

Folgen der décadence.

Das Laster, die Lasterhaftigkeit
die Krankheit, die Krankhaftigkeit
das Verbrechen, die Criminalität
das Coelibat, die Sterilität
der Hysterismus, die Willensschwäche, der Alkoholismus
der Pessimismus
der Anarchismus

14 [74]

Die Degenerescenz:

Erster Grundsatz: was man bisher als Ursachen der Degeneration ansah, sind deren Folgen.

:das Laster: als Folge;
:die Krankheit die Sterilität
:das Verbrechen
die VerleumderScepsis
UntergraberAsketik
AnzweiflerNihilismus
ZerstörerJenseitigkeit

: die libertinage (auch die geistige)—Coelibat.

: die Willensschwäche: der Pessimismus; der Anarchismus;


Aber auch, was man als Heilmittel gegen die Entartung betrachtet, sind nur Palliative gegen gewisse Wirkungen derselben: die “Geheilten” sind nur ein Typus der Degenerirten.

14 [75]

Begriffdécadence

Der Abfall, Verfall, Ausschuß ist nichts, was an sich zu verurtheilen wäre: er ist eine nothwendige Consequenz des Lebens, des Wachsthums an Leben. Die Erscheinung der décadence ist so nothwendig, wie irgend ein Aufgang und Vorwärts des Lebens: man hat es nicht in der Hand sie abzuschaffen. Die Vernunft will umgekehrt, daß ihr ihr Recht wird ...

Es ist eine Schmach für alle socialistischen Systematiker, daß sie meinen, es könnte Umstände geben, gesellschaftliche Combinationen, unter denen das Laster, die Krankheit, das Verbrechen, die Prostitution, die Noth nicht mehr wüchse ... Aber das heißt das Leben verurtheilen ... Es steht einer Gesellschaft nicht frei, jung zu bleiben. Und noch in ihrer besten Kraft muß sie Unrath und Abfallsstoffe bilden. Je energischer und kühner sie vorgeht, um so reicher wird sie an Mißglückten, an Mißgebilden sein, um so näher dem Niedergang sein ... Alter schafft man nicht durch Institutionen ab. Die Krankheit auch nicht. Das Laster auch nicht.

14 [76]

Ehemals sagte man von jeder Moral: “an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen”; ich sage von jeder Moral: sie ist eine Frucht, an der ich den Boden erkenne, aus dem sie wuchs.

14 [77]

Wir Hyperboreer.
Eine Vorrede.

Der Wille zur Macht.
Erster Theil.

Psychologie der décadence.
Theorie der décadence.
Zweiter Theil.

Kritik des Zeitgeistes.
Dritter Theil.

Der große Mittag.
Vierter Theil.

Die Starken.
Die Schwachen.
Wohin gehören wir?
Die große Wahl.

14 [78]

Der Wille zur Macht.
Versuch einer Umwerthung aller Werthe.

Erster Theil.
Was aus der Stärke stammt.

Zweiter Theil.
Was aus der Schwäche stammt.

Dritter Theil.
Und woraus stammen wir? —

Vierter Theil.
Die grosse Wahl.

14 [79]

Wille zur Macht

Philosophie

Machtquanta. Kritik des Mechanismus

entfernen wir hier die zwei populären Begriffe “Nothwendigkeit” und “Gesetz”: das erste legt einen falschen Zwang, das zweite eine falsche Freiheit in die Welt. “Die Dinge” betragen sich nicht regelmäßig, nicht nach einer Regel: es giebt keine Dinge (—das ist unsere Fiktion) sie betragen sich ebensowenig unter einem Zwang von Nothwendigkeit. Hier wird nicht gehorcht: denn daß etwas so ist, wie es ist, so stark, so schwach, das ist nicht die Folge eines Gehorchens oder einer Regel oder eines Zwanges ...

Der Grad von Widerstand und der Grad von Übermacht—darum handelt sich bei allem Geschehen: wenn wir, zu unserem Hausgebrauch der Berechnung, das in Formeln von “Gesetzen” auszudrücken wissen, um so besser für uns! Aber wir haben damit keine “Moralität” in die Welt gelegt, daß wir sie gehorsam fingiren —

Es giebt kein Gesetz: jede Macht zieht in jedem Augenblick ihre letzte Consequenz. Gerade, daß es kein mezzo termine giebt, darauf beruht die Berechenbarkeit.

Ein Machtquantum ist durch die Wirkung, die es übt und der es widersteht, bezeichnet. Es fehlt die Adiaphorie: die an sich denkbar wäre. Es ist essentiell ein Wille zur Vergewaltigung und sich gegen Vergewaltigungen zu wehren. Nicht Selbsterhaltung: jedes Atom wirkt in das ganze Sein hinaus,—es ist weggedacht, wenn man diese Strahlung von Machtwillen wegdenkt. Deshalb nenne ich es ein Quantum “Wille zur Macht”: damit ist der Charakter ausgedrückt, der aus der mechanischen Ordnung nicht weggedacht werden kann, ohne sie selbst wegzudenken.

Eine Übersetzung dieser Welt von Wirkung in eine sichtbare Welt—eine Welt für’s Auge—ist der Begriff “Bewegung.” Hier ist immer subintelligirt, daß etwas bewegt wird,—hierbei wird, sei es nun in der Fiktion eines Klümpchen-Atoms oder selbst von dessen Abstraktion, dem dynamischen Atom, immer noch ein Ding gedacht, welches wirkt,—d.h. wir sind aus der Gewohnheit nicht herausgetreten, zu der uns Sinne und Sprache verleiten. Subjekt, Objekt, ein Thäter zum Thun, das Thun und das, was es thut, gesondert: vergessen wir nicht, daß das eine bloße Semiotik und nichts Reales bezeichnet. Die Mechanik als eine Lehre der Bewegung ist bereits eine Übersetzung in die Sinnensprache des Menschen.

Wir haben Einheiten nöthig, um rechnen zu können: deshalb ist nicht anzunehmen, daß es solche Einheiten giebt. Wir haben den Begriff der Einheit entlehnt von unserem “Ich” begriff,—unserem ältesten Glaubensartikel. Wenn wir uns nicht für Einheiten hielten, hätten wir nie den Begriff “Ding” gebildet. Jetzt, ziemlich spät, sind wir reichlich davon überzeugt, daß unsere Conception des Ich-Begriffs nichts für eine reale Einheit verbürgt. Wir haben also, um den Mechanismus der Welt theoretisch aufrecht zu erhalten, immer die Clausel zu machen, in wie fern wir sie mit zwei Fiktionen durchführen: dem Begriff der Bewegung (aus unserer Sinnensprache genommen) und dem Begriff des Atoms = Einheit (aus unserer psychischen “Erfahrung” herstammend): sie hat ein Sinnen-Vorurtheil und ein psychologisches Vorurtheil zu ihrer Voraussetzung.

Die mechanistische Welt ist so imaginirt, wie das Auge und das Getast sich allein eine Welt vorstellen (als “bewegt”)

so, daß sie berechnet werden kann,—daß Einheiten fingirt sind,

so daß ursächliche Einheiten fingirt sind, “Dinge” (Atome), deren Wirkung constant bleibt (—Übertragung des falschen Subjektbegriffs auf den Atombegriff)

Zahlbegriff.
Dingbegriff (Subjektbegriff
Thätigkeitsbegriff (Trennung von Ursache-sein und Wirken)
Bewegung (Auge und Getast)
: daß alle Wirkung Bewegung ist
: daß wo Bewegung ist, etwas bewegt wird

Phänomenal ist also: die Einmischung des Zahlbegriffs, des Subjektbegriffs, des Bewegungsbegriffs: wir haben unser Auge, unsere Psychologie immer noch darin.

Eliminiren wir diese Zuthaten: so bleiben keine Dinge übrig, sondern dynamische Quanta, in einem Spannungsverhältniß zu allen anderen dynamischen Quanten: deren Wesen in ihrem Verhältniß zu allen anderen Quanten besteht, in ihrem “Wirken” auf dieselben—der Wille zur Macht nicht ein Sein, nicht ein Werden, sondern ein Pathos ist die elementarste Thatsache, aus der sich erst ein Werden, ein Wirken ergiebt ...

die Mechanik formulirt Folgeerscheinungen noch dazu semiotisch in sinnlichen und psychologischen Ausdrucksmitteln, sie berührt die ursächliche Kraft nicht ...

14 [80]

Wenn das innerste Wesen des Seins Wille zur Macht ist, wenn Lust alles Wachsthum der Macht, Unlust alles Gefühl, nicht widerstehen und Herr werden zu können, ist: dürfen wir dann nicht Lust und Unlust als Cardinal-Thatsachen ansetzen? Ist Wille möglich ohne diese beiden Oscillationen des Ja und des Nein? Aber wer fühlt Lust? ... Aber wer will Macht? ... Absurde Frage: wenn das Wesen selbst Machtwille und folglich Lust- und Unlust-fühlen ist. Trotzdem: es bedarf der Gegensätze, der Widerstände, also, relativ, der übergreifenden Einheiten ... Lokalisirt

wenn A auf B wirkt, so ist A erst lokalisirt getrennt von B

14 [81]

Kritik des BegriffsUrsache

Psychologisch nachgerechnet: so ist der Begriff “Ursache” unser Machtgefühl vom sogenannten Wollen—unser Begriff “Wirkung” der Aberglaube, daß das Machtgefühl die Macht selbst ist, welche bewegt ...

ein Zustand, der ein Geschehen begleitet, und schon eine Wirkung des Geschehens ist, wird projicirt als “zureichender Grund” desselben

das Spannungsverhältniß unseres Machtgefühls: die Lust als Gefühl der Macht: des überwundenen Widerstandes—sind das Illusionen?

übersetzen wir den Begriff “Ursache” wieder zurück in die uns einzig bekannte Sphäre, woraus wir ihn genommen haben: so ist uns keine Veränderung vorstellbar, bei der es nicht einen Willen zur Macht giebt. Wir wissen eine Veränderung nicht abzuleiten, wenn nicht ein Übergreifen von Macht über andere Macht statt hat.

Die Mechanik zeigt uns nur Folgen, und noch dazu im Bilde (Bewegung ist eine Bilderrede)

Die Gravitation selbst hat keine mechanische Ursache, da sie der Grund erst für mechanische Folgen ist



Der Wille zur Accumulation von Kraft als spezifisch für das Phänomen des Lebens, für Ernährung, Zeugung, Vererbung,

für Gesellschaft, Staat, Sitte, Autorität

sollten wir diesen Willen nicht als bewegende Ursache auch in der Chemie annehmen dürfen?

und in der kosmischen Ordnung?

nicht bloß Constanz der Energie: sondern Maximal-Ökonomie des Verbrauchs: so daß das Stärker-werden-wollen von jedem Kraftcentrum aus die einzige Realität ist,—nicht Selbstbewahrung, sondern Aneignung, Herr-werden-, Mehr-werden-, Stärker-werden-wollen.



Daß Wissenschaft möglich ist, das soll uns ein Causalitäts-Princip beweisen?

“aus gleichen Ursachen gleiche Wirkungen”:

“ein permanentes Gesetz der Dinge”

“eine invariable Ordnung”

weil etwas berechenbar ist, ist es deshalb schon nothwendig?

wenn etwas so und nicht anders geschieht, so ist darin kein “Princip,” kein “Gesetz,” keine “Ordnung”

Kraft-Quanta, deren Wesen darin besteht, auf alle anderen Kraft-Quanta Macht auszuüben

Beim Glauben an Ursache und Wirkung ist die Hauptsache immer vergessen: das Geschehen selbst.

man hat einen Thäter angesetzt, man hat das Gethane wieder hypothesirt

14 [82]

Können wir ein Streben nach Macht annehmen, ohne eine Lust- und Unlust-Empfindung d.h. ohne ein Gefühl von der Steigerung und Verminderung der Macht?

der Mechanismus ist nur eine Zeichensprache für die interne Thatsachen-Welt kämpfender und überwindender Willens-Quanta?

alle Voraussetzungen des Mechanismus, Stoff, Atom, Druck und Stoß, Schwere sind nicht “Thatsachen an sich,” sondern Interpretationen mit Hülfe psychischer Fiktionen.

das Leben als die uns bekannteste Form des Seins ist spezifisch ein Wille zur Accumulation der Kraft

: alle Prozesse des Lebens haben hier ihren Hebel

: nichts will sich erhalten, alles soll summirt und accumulirt werden

Das Leben, als ein Einzelfall: Hypothese von da aus auf den Gesammtcharakter des Daseins.

: strebt nach einem Maximal-Gefühl von Macht

: ist essentiell ein Streben nach Mehr von Macht

: Streben ist nichts anderes als Streben nach Macht

: das Unterste und Innerste bleibt dieser Wille: Mechanik ist eine bloße Semiotik der Folgen.

14 [83]

Problem des Philosophen und des

wissenschaftlichen Menschen.

Aufgangs-Typus
Stärke in der Ruhe. In der relativen Gleichgültigkeit und Schwierigkeit, zu reagiren.
Die großen Affekte, alle, und wunderbar einander zu Hülfe kommend ...
 
Einfluß des Alters
depressive Gewohnheiten (Stubenhocken à la Kant)
Überarbeitung
unzureichende Ernährung des Gehirns
Lesen

Wesentlicher: ob nicht ein Décadence-Symptom schon in der Richtung auf solche Allgemeinheit gegeben ist: Objektivität als Willens-Disgregation (so fern bleiben können ...

dies setzt eine große Adiaphorie gegen die starken Triebe voraus:

eine Art Isolation
Ausnahme-Stellung
Widerstand
gegen die Normal-Triebe

Typus: die Loslösung von der Heimat, in immer weitere Kreise, der wachsende Exotismus, das Stummwerden der alten Imperative— —gar dieses beständige Fragen “wohin?” (“Glück”) ist ein Zeichen der Herauslösung aus Organisations-Formen, Herausbruch.

Problem: ob der wissenschaftliche Mensch eher noch ein Décadence-Symptom ist als der Philosoph —

er ist als Ganzes nicht losgelöst, nur ein Theil von ihm ist absolut der Erkenntniß geweiht, dressirt für eine Ecke und Optik —

— er hat hier alle Tugenden einer starken Rasse und Gesundheit nöthig

— große Strenge, Männlichkeit, Klugheit —

— hier könnte man von einer Arbeitstheilung und Dressur reden, die sehr zum Nutzen des Ganzen und nur bei einem sehr hohen Grad von Cultur möglich ist. Er ist mehr ein Symptom hoher Vielfachheit der Cultur als von deren Müdigkeit.

Der décadence-Gelehrte ist ein schlechter Gelehrter. Während der décadence-Philosoph bisher wenigstens als der typische Philosoph galt.

14 [84]

Verglichen mit dem Künstler ist das Erscheinen des wissenschaftlichen Menschen in der That ein Zeichen einer gewissen Eindämmung und Niveau-Erniedrigung des Lebens.

Aber auch einer Verstärkung, Strenge, Willenskraft.

: inwiefern die Falschheit, die Gleichgültigkeit gegen Wahr und Nützlich beim Künstler Zeichen von Jugend, von “Kinderei” sein mögen ...

: ihre habituelle Art, ihre Unvernünftigkeit, ihre Ignoranz über sich, ihre Gleichgültigkeit gegen ewige Werthe, Ernst im “Spiele” ... ihr Mangel an Würde; Hanswurst und Gott benachbart; der Heilige und die canaille ...

: das Nachmachen als Instinkt, commandirend

Die bejahenden, die Niedergangs-Künstler.

Aufgangs-Künstler—Niedergangs-Künstler: ob sie nicht allen Phasen zugehören ... Ja

14 [85]

Pyrrho, ein griechischer Buddhist

Plato, vielleicht bei den Juden in die Schule gegangen

14 [86]

Zum Begriff “Décadence” —

1.die Skepsis ist eine Folge der décadence: ebenso wie die libertinage des Geistes.
2.die Corruption der Sitten ist eine Folge der décadence: Schwäche des Willens, Bedürfniß starker Reizmittel ...
3.die Kurmethoden, die psychologischen, moralischen, verändern nicht den Gang der décadence, sie halten nicht auf, sie sind physiologisch null

: Einsicht in die große Nullität dieser anmaaßlichen “Reaktionen”

: es sind Formen der Narkotisirung gegen gewisse fatale Folge-Erscheinungen, sie bringen das morbide Element nicht heraus

: sie sind oft heroische Versuche, den Menschen der décadence zu annulliren, ein Minimum seiner Schädlichkeit durchzusetzen.

4.der Nihilism ist keine Ursache, sondern nur die Logik der décadence
5.der “Gute” und der “Schlechte” sind nur zwei Typen der décadence: sie halten zu einander in allen Grundphänomenen.
6.die sociale Frage ist eine Folge der décadence
7.die Krankheiten, vor allen die Nerven- und Kopfkrankheiten sind Anzeichen, daß die Defensiv-Kraft der starken Natur fehlt; ebendafür spricht die Irritabilität, so daß Lust und Unlust die Vordergrunds-Probleme werden.

14 [87]

der antike Philos von Socrates hat die Stigmata der décadence: Moralismus und Glück.

Höhepunkt Pyrrho. Stufe des Buddhismus erreicht



Epicureismus im Christenthum



Wege zum Glück: Zeichen, daß alle Hauptkräfte des Lebens erschöpft sind

14 [88]

Die accumulativen Zeiten und Einzelnen

die verschwenderischen: die genialen, die siegreichen, die erobernden, die entdeckenden, die abenteuerlichen

nach letzteren folgt nothwendig der décadent

14 [89]

Gegenbewegung: Religion

Die zwei Typen:
Dionysos und der Gekreuzigte.

Festzuhalten: der typische religiöse Mensch—ob eine décadence-Form?

Die großen Neuerer sind sammt und sonders krankhaft und epileptisch

: aber lassen wir nicht da einen Typus des religiösen Menschen aus, den heidnischen? Ist der heidnische Cult nicht eine Form der Danksagung und Bejahung des Lebens? Müßte nicht sein höchster Repräsentant eine Apologie und Vergöttlichung des Lebens sein?

Typus eines vollgerathenen und entzückt-überströmenden Geistes ...

Typus eines die Widersprüche und Fragwürdigkeiten des Daseins in sich hineinnehmenden und erlösenden Typus?

— Hierher stelle ich den Dionysos der Griechen:

die religiöse Bejahung des Lebens, des ganzen, nicht verleugneten und halbirten Lebens

typisch: daß der Geschlechts-Akt Tiefe, Geheimniß, Ehrfurcht erweckt

Dionysos gegen den “Gekreuzigten”: da habt ihr den Gegensatz. Es ist nicht eine Differenz hinsichtlich des Martyriums,—nur hat dasselbe einen anderen Sinn. Das Leben selbst, seine ewige Fruchtbarkeit und Wiederkehr bedingt die Qual, die Zerstörung, den Willen zur Vernichtung ...

im anderen Fall gilt das Leiden, der “Gekreuzigte als der Unschuldige,” als Einwand gegen dieses Leben, als Formel seiner Verurtheilung.

Man erräth: das Problem ist das vom Sinn des Leidens: ob ein christlicher Sinn, ob ein tragischer Sinn ... Im ersten Falle soll es der Weg sein zu einem seligen Sein, im letzteren gilt das Sein als selig genug, um ein Ungeheures von Leid noch zu rechtfertigen

Der tragische Mensch bejaht noch das herbste Leiden: er ist stark, voll, vergöttlichend genug dazu

Der christliche verneint noch das glücklichste Los auf Erden: er ist schwach, arm, enterbt genug, um in jeder Form noch am Leben zu leiden ...

“der Gott am Kreuz” ist ein Fluch auf Leben, ein Fingerzeig, sich von ihm zu erlösen

der in Stücke geschnittene Dionysos ist eine Verheißung ins Leben: es wird ewig wieder geboren und aus der Zerstörung heimkommen

14 [90]

Die physiologische Falschheit auf den Bildern Raffaels.

Ein Weib mit normalen Sekretionen hat kein Bedürfniß nach Erlösung. Daß all diese wohlgerathenen und vortheilhaften Naturen sich ewig um jenen anämischen Heiligen von Nazareth bekümmern, geht wider die Naturgeschichte. Der gehörte unter eine andere Species: eine solche, wie sie Dostoiewsky kennt,—rührende, verderbte und verdrehte Mißgeburten mit Idiotismus und Schwärmerei, mit Liebe ...

14 [91]

die Religion als décadence

Buddha gegen denGekreuzigten

Innerhalb der nihilistischen Bewegung darf man immer noch die christliche und die buddhistische scharf auseinander halten

: die buddhistische drückt einen schönen Abend aus, eine vollendete Süßigkeit und Milde,—es ist Dankbarkeit gegen alles, was hinten liegt, mit eingerechnet, es fehlt die Bitterkeit, die Enttäuschung, die Rancune

: zuletzt, die hohe geistige Liebe, das Raffinement des physiologischen Widerspruchs ist hinter ihm, auch davon ruht es aus: aber von diesem hat es noch seine geistige Glorie und Sonnenuntergangs-Gluth. (—Herkunft aus den obersten Kasten. —

: die christliche Bewegung ist eine Degenerescenz-Bewegung aus Abfalls- und Ausschuß-Elementen aller Art: sie drückt nicht den Niedergang einer Rasse aus, sie ist von Anfang an eine Aggregat-Bildung aus sich zusammendrängenden und sich suchenden Krankheits-Gebilden ... Sie ist deshalb nicht national, nicht rassebedingt: sie wendet sich an die Enterbten von Überall

sie hat die Rancune auf dem Grunde gegen alle Wohlgerathene und Herrschende, sie braucht ein Symbol, welches den Fluch auf die Wohlgerathenen und Herrschenden darstellt ...

sie steht im Gegensatz auch zu aller geistigen Bewegung, zu aller Philosophie: sie nimmt die Partei der Idioten und spricht einen Fluch gegen den Geist aus. Rancune gegen die Begabten, Gelehrten, Geistig-Unabhängigen: sie erräth in ihnen das Wohlgerathene, das Herrschaftliche

14 [92]

Das Problem des Socrates.

Die beiden Gegensätze:

die tragische Gesinnung
die sokratische Gesinnung
gemessen an dem
Gesetz des Lebens

: in wiefern die sokratische Gesinnung ein Phänomen der décadence ist

: in wiefern aber noch eine starke Gesundheit und Kraft im ganzen Habitus, in der Dialektik und Tüchtigkeit, Straffheit des wissenschaftlichen Menschen sich zeigt (—die Gesundheit des Plebejers dessen Bosheit, esprit frondeur dessen Scharfsinn dessen Canaille au fond im Zaum gehalten durch die Klugheit: “häßlich”

Verhäßlichung:
die Selbstverhöhnung
die dialektische Dürre
die Klugheit als Tyrann gegen “den Tyrannen” (den Instinkt)
 
es ist alles übertrieben, excentrisch, Carikatur an Sokrates, ein buffo, mit den Instinkten Voltaires im Leibe;
 
er entdeckt eine neue Art Agon
er ist der erste Fechtmeister in den vornehmen Kreisen Athens
er vertritt nichts als die höchste Klugheit: er nennt sie “Tugend” (—er errieth sie als Rettung: es stand ihm nicht frei, klug zu sein, es war de rigueur
sich in Gewalt haben, um mit Gründen und nicht mit Affekten in den Kampf zu treten—die List des Spinoza—das Aufdröseln der Affekt-Irrthümer ... entdecken, wie man Jeden fängt, den man in Affekt bringt, daß der Affekt unlogisch prozedirt ... Übung in der Selbstverspottung, um das Rancune-Gefühl in der Wurzel zu schädigen
  

Ich suche zu begreifen, aus welchen partiellen und idiosynkratischen Zuständen das sokratische Problem abzuleiten ist: seine Gleichsetzung von Vernunft = Tugend = Glück. Mit diesem Absurdum von Identitäts-Lehre hat er bezaubert: die antike Philosophie kam nicht wieder los ...



Problem des Sokrates. Die Klugheit, Helle, Härte und Logicität als Waffe wider die Wildheit der Triebe. Letztere müssen gefährlich und untergangdrohend sein: sonst hat es keinen Sinn, die Klugheit bis zu dieser Tyrannei auszubilden. Aus der Klugheit einen Tyrannen machen: aber dazu müssen die Triebe Tyrannen sein. Dies das Problem.— Es war sehr zeitgemäß damals. Vernunft wurde = Tugend = Glück.



absoluter Mangel an objektiven Interessen: Haß gegen die Wissenschaft: Idiosynkrasie, sich selbst als Problem fühlen



Akustische Hallucinationen bei Socrates: morbides Element



Mit Moral sich abgeben widersteht am meisten, wo der Geistreich und unabhängig ist. Wie kommt es, daß Socrates Moral-Monoman ist?



Alle “praktische” Philosophie tritt in Nothlagen sofort in den Vordergrund. Moral und Religion als Hauptinteressen sind Nothstands-Zeichen



Lösung: die griechischen Philosophen stehen auf der gleichen Grundthatsache ihrer inneren Erfahrungen, wie Sokrates: 5 Schritt weit vom Exceß, von der Anarchie, von der Ausschweifung, alles Décadence-Menschen. Sie empfinden ihn als Arzt:



Lösung: Die Wildheit und Anarchie der Instinkte bei Sokrates ist ein décadence-Symptom. Die Superfötation der Logik und der Vernunft-Helligkeit insgleichen. Beide sind Abnormitäten, beide gehören zu einander



Logik als Wille zur Macht, zur Selbstherrschaft, zum “Glück”



Kritik. Die décadence verräth sich in dieser Präoccupation des “Glücks” (d.h. des “Heils der Seele” d.h. seinen Zustand als Gefahr empfinden)

ihr Fanatismus des Interesses für “Glück” zeigt die Pathologie des Untergrundes: es war ein Lebensinteresse. Vernünftig sein oder zu Grunde gehen war die Alternative vor der sie alle standen

der Moralismus der griechischen Philosophen zeigt, daß sie sich in Gefahr fühlten ...

14 [93]

Wille zur Macht als Erkenntniss
Kritik des Begriffs “wahre und scheinbare Welt”

von diesen ist die erste eine bloße Fiktion, aus lauter fingirten Dingen gebildet

die “Scheinbarkeit” gehört selbst zur Realität: sie ist eine Form ihres Seins d.h.

in einer Welt, wo es kein Sein giebt, muß durch den Schein erst eine gewisse berechenbare Welt identischer Fälle geschaffen werden: ein tempo, in dem Beobachtung und Vergleichung möglich ist usw.

“Scheinbarkeit” ist eine zurechtgemachte und vereinfachte Welt, an der unsere praktischen Instinkte gearbeitet haben: sie ist für uns vollkommen recht: nämlich wir leben, wir können in ihr leben: Beweis ihrer Wahrheit für uns ...

: die Welt, abgesehen von unserer Bedingung, in ihr zu leben, die Welt, die wir nicht auf unser Sein, unsere Logik, und psychologischen Vorurtheile reduzirt haben

existirt nicht als Welt “an sich”

sie ist essentiell Relations-Welt: sie hat, unter Umständen, von jedem Punkt aus ihr verschiedenes Gesicht: ihr Sein ist essentiell an jedem Punkte anders: sie drückt auf jeden Punkt, es widersteht ihr jeder Punkt—und diese Summirungen sind in jedem Falle gänzlich incongruent.

Das Maß von Macht bestimmt, welches Wesen das andre Maß von Macht hat: unter welcher Form, Gewalt, Nöthigung es wirkt oder widersteht

Unser Einzelfall ist interessant genug: wir haben eine Conception gemacht, um in einer Welt leben zu können, um gerade genug zu percipiren, daß wir noch es aushalten ...

14 [94]

Philosophie als décadence
Zur Kritik des Philosophen

Es ist ein Selbstbetrug der Philosophen und Moralisten, damit aus der décadence herauszutreten, daß sie gegen dieselbe ankämpfen.

Das steht außerhalb ihres Willens: und, so wenig sie esanerkennen, später entdeckt man, wie sie zu den kräftigsten Förderern der décadence gehört haben.

Die Philosophen Griechenlands z.B.: Plato, der Mann des Guten—aber er löste die Instinkte ab von der Polis, vom Wettkampfe, von der militärischen Tüchtigkeit, von der Kunst und Schönheit, von den Mysterien, von dem Glauben an Tradition und Großväter ...

— er war der Verführer der nobles: er selbst verführt durch den Roturier Sokrates ...

— er negirte alle Voraussetzungen des “vornehmen Griechen” von Schrot und Korn, nahm Dialektik in die Alltags-Praxis auf, conspirirte mit den Tyrannen, trieb Zukunfts-Politik und gab das Beispiel der vollkommensten Instinkt-Ablösung vom Alten.

Er ist tief, leidenschaftlich in allem Antihellenischen ...



Sie stellen der Reihe nach die typischen Décadence-Formen dar, diese großen Philosophen:

die moralisch-religiöse Idiosynkrasie 
den Anarchismus 
den Nihilismus
den Cynismus 
 die Verhärtung
den Hedonismus, 
den Reaktionismus 

die Frage vom “Glück” von der “Tugend,” vom “Heil der Seele” ist der Ausdruck der physiologischen Widersprüchlichkeit in diesen Niedergangsnaturen: es fehlt in den Instinkten das Schwergewicht, das Wohin?

: warum wagt Keiner, die Freiheit des Willens zu leugnen? Sie sind alle präoccupirt durch ihr “Heil der Seele”—was liegt ihnen an der Wahrheit?

14 [95]

Zwei aufeinander folgende Zustände: der eine Ursache, der andere Wirkung

: ist falsch.

der erste Zustand hat nichts zu bewirken den zweiten hat nichts bewirkt.

: es handelt sich um einen Kampf zweier an Macht ungleichen Elemente: es wird ein Neuarrangement der Kräfte erreicht, je nach dem Maß von Macht eines jeden.

der zweite Zustand ist etwas Grundverschiedenes vom ersten (nicht dessen “Wirkung”): das Wesentliche ist, daß die im Kampf befindlichen Faktoren mit anderen Machtquanten herauskommen.

14 [96]

Sie verachten den Leib: sie ließen ihn außer Rechnung: mehr noch, sie behandelten ihn wie einen Feind. Ihr Wahnwitz war zu glauben, man könne eine “schöne Seele,” in einer Mißgeburt von Cadaver herumtragen ... Um das auch Anderen glaublich zu machen, hatten sie nöthig, den Begriff “schöne Seele” anders anzusetzen, den natürlichen Werth umzuwerthen, bis endlich ein bleiches, krankhaftes, idiotisch-schwärmerisches Wesen als Vollkommenheit, als “englisch,” als Verklärung, als höherer Mensch empfunden wurde.

14 [97]

“Wille zur Macht”

“Der Wille zur Macht” wird in demokratischen Zeitaltern dermaaßen gehaßt, daß deren ganze Psychologie auf seine Verkleinerung und Verleumdung gerichtet scheint ...

Der Typus des großen Ehrgeizigen: das soll Napoleon sein! Und Caesar! Und Alexander! ... Als ob das nicht gerade die größten Verächter der Ehre wären! ...

Und Helvétius entwickelt uns, daß man nach Macht strebt,um die Genüsse zu haben, welche dem Mächtigen zu Gebote stehen ...: er versteht dieses Streben nach Macht als Willen zum Genuß, als Hedonismus ...

Stuart Mill:

14 [98]

Wille zur Macht principiell

Kritik des BegriffsUrsache

Ich brauche den Ausgangspunkt “Wille zur Macht” als Ursprung der Bewegung. Folglich darf die Bewegung nicht von außen her bedingt sein—nicht verursacht ...

Ich brauche Bewegungsansätze und -Centren, von wo aus der Wille um sich greift ...



Wir haben absolut keine Erfahrung über eine Ursache

: psychologisch nachgerechnet, kommt uns der ganze Begriff aus der subjektiven Überzeugung, daß wir Ursache sind, nämlich, daß der Arm sich bewegt ... Aber das ist ein Irrthum

: wir unterscheiden uns, die Thäter, vom Thun und von diesem Schema machen wir überall Gebrauch,—wir suchen nach einem Thäter zu jedem Geschehen ..

: was haben wir gemacht? wir haben ein Gefühl von Kraft, Anspannung, Widerstand, ein Muskelgefühl, das schon der Beginn der Handlung ist, als Ursache mißverstanden

: oder den Willen, das und das zu thun, weil auf ihn die Aktion folgt, als Ursache verstanden—Ursache, d.h.

“Ursache” kommt gar nicht vor: von einigen Fällen, wo sie uns gegeben schien und von wo aus wir sie projicirt haben zum Verständniß des Geschehens, ist die Selbsttäuschung nachgewiesen.

Unser “Verständniß eines Geschehens” bestand darin, daß wir ein Subjekt erfanden welches verantwortlich wurde dafür, daß etwas geschah und wie es geschah.

Wir haben unser Willens-Gefühl, unser “Freiheits-Gefühl,” unser Verantwortlichkeits-Gefühl und unsere Absicht von einem Thun in den Begriff “Ursache” zusammengefaßt:

: causa efficiens und finalis ist in der Grundconception Eins.

Wir meinten, eine Wirkung sei erklärt, wenn ein Zustand aufgezeigt würde, in dem sie bereits inhärirt

Thatsächlich erfinden wir alle Ursachen nach dem Schema der Wirkung: letztere ist uns bekannt ... Umgekehrt sind wir außer Stande, von irgend einem Ding voraus zu sagen, was es “wirkt.”

Das Ding, das Subjekt, der Wille, die Absicht—alles inhärirt der Conception “Ursache.”

Wir suchen nach Dingen, um zu erklären, weshalb sich etwas verändert hat. Selbst noch das Atom ist ein solches hinzugedachtes “Ding” und “Ursubjekt” ..

Endlich begreifen wir, daß Dinge, folglich auch Atome nichts wirken: weil sie gar nicht da sind ... daß der Begriff Causalität vollkommen unbrauchbar ist — Aus einer nothwendigen Reihenfolge von Zuständen folgt nicht deren Causal-Verhältniß (—das hieße deren wirkende Vermögen von 1 auf 2, auf 3, auf 4, auf 5 springen zu machen)

Die Causalitäts-Interpretation eine Täuschung ...

die Bew ist ein Wort, die Bew ist keine Ursache —

ein “Ding” ist eine Summe seiner Wirkungen, synthetisch gebunden durch einen Begriff, Bild ...

Es giebt weder Ursachen, noch Wirkungen.

Sprachlich wissen wir davon nicht loszukommen. Aber daran liegt nichts. Wenn ich den Muskel von seinen “Wirkungen” getrennt denke, so habe ich ihn negirt ...

In summa: ein Geschehen ist weder bewirkt, noch bewirkend

Causa ist ein Vermögen zu wirken, hinzu erfunden zum Geschehen ..

es giebt nicht was Kant meint, keinen Causalitäts-Sinn

man wundert sich, man ist beunruhigt, man will etwas Bekanntes, woran man sich halten kann ...

sobald im Neuen uns etwas Altes aufgezeigt wird, sind wir beruhigt.

Der angebliche Causalitäts-Instinkt ist nur die Furcht vor dem Ungewohnten und der Versuch, in ihm etwas Bekanntes zu entdecken

ein Suchen nicht nach Ursachen sondern nach Bekanntem ...

Der Mensch ist sofort beruhigt, wenn er zu einem Neuen er bemüht sich nicht, zu verstehen, in wiefern das Streichhölzchen Feuer verursacht



Thatsächlich hat die Wissenschaft den Begriff Causalität seines Inhalts entleert und ihn übrig behalten zu einer Gleichnißformel, bei der es im Grunde gleichgültig geworden ist, auf welcher Seite Ursache oder Wirkung. Es wird behauptet, daß in zwei Complexen Zuständen (Kraftconstellationen) die Quanten Kraft gleich blieben.

Die Berechenbarkeit eines Geschehens liegt nicht darin, daß eine Regel befolgt wurde

oder einer Nothwendigkeit gehorcht wurde

oder ein Gesetz von Causalität von uns in jedes Geschehen projicirt wurde:

sie liegt in der Wiederkehr identischer Fälle

14 [99]

Philosophie als décadence
Die weise Müdigkeit. Pyrrho. Der Buddhist. Vergleich mit Epikur.

Pyrrho. Unter den Niedrigen leben, niedrig. Kein Stolz. Auf die gemeine Art leben; ehren und glauben, was Alle glauben. Auf der Hut gegen Wissenschaft und Geist, auch Alles, was bläht ... Einfach: unbeschreiblich geduldig, unbekümmert, mild.

, mehr noch.

Ein Buddhist für Griechenland, zwischen dem Tumult der Schulen aufgewachsen; spät gekommen; ermüdet; der Protest des Müden gegen den Eifer der Dialektiker; der Unglaube des Müden an die Wichtigkeit aller Dinge. Er hat Alexander gesehen, er hat die indischen Büßer gesehen. Auf solche Späte und Raffinirte wirkt alles Niedrige, alles Arme, alles Idiotische selbst verführerisch. Das narkotisirt: das macht ausstrecken: Pascal. Sie empfinden andrerseits, mitten im Gewimmel und verwechselt mit Jedermann, ein wenig Wärme: sie haben Wärme nöthig, diese Müden ...

Den Widerspruch überwinden; kein Wettkampf; kein Wille zur Auszeichnung: die griechischen Instinkte verneinen.— Pyrrho lebte mit seiner Schwester zusammen, die Hebamme war. —

Die Weisheit verkleiden, daß sie nicht mehr auszeichnet; ihr einen Mantel von Armut und Lumpen geben; die niedrigsten Verrichtungen thun: auf den Markt gehen und Milchschweine verkaufen ...

Süßigkeit; Helle; Gleichgültigkeit; keine Tugenden, die Gebärden brauchen. Sich auch in der Tugend gleichsetzen: letzte Selbstüberwindung, letzte Gleichgültigkeit.

Pyrrho, gleich Epikur, zwei Formen der griechischen décadence: verwandt, im Haß gegen die Dialektik und gegen alle schauspielerischen Tugenden—Beides zusammen hieß damals Philosophie—; absichtlich das, was sie lieben, niedrig; die gewöhnlichen, selbst verachteten Namen dafür wählend; einen Zustand darstellend, wo man weder krank, noch gesund, noch lebendig, noch todt ist ... Epikur, naiver, idyllischer, dankbarer; Pyrrho, gereister, verlebter, nihilistischer ...

Sein Leben war ein Protest gegen die große Identitätslehre (Glück = Tugend = Erkenntniß).

Das rechte Leben findet man nicht durch Wissenschaft: Weisheit macht nicht “weise” ..

Das rechte Leben will nicht Glück, sieht ab von Glück ...

14 [100]

Die eigentlichen Philosophen der Griechen sind die vor Sokrates: mit Sokrates verändert sich etwas

das sind Alles vornehme Personnagen, abseits sich stellend von Volk und Sitte, gereist, ernst bis zur Düsterkeit, mit langsamem Auge, den Staatsgeschäften und der Diplomatie nicht fremd. Sie nehmen den Weisen alle großen Conceptionen der Dinge vorweg: sie stellen sie selber dar, sie bringen sich in System.

Nichts giebt einen höheren Begriff vom griechischen Geist, als diese plötzliche Fruchtbarkeit an Typen, als diese ungewollte Vollständigkeit in der Aufstellung der großen Möglichkeiten philosophischen Ideals.

Ich sehe nur noch Eine originale Figur in den Kommenden: einen Spätling, aber nothwendig den letzten ... den Nihilisten Pyrrho, ... er hat den Instinkt gegen alles das, was inzwischen obenauf, die Sokratiker, Plato

Pyrrho greift über Protagoras zu Demokrit zurück ...

der Artisten-Optimismus Heraklits,

14 [101]

die décadence überhaupt

Wenn Lust und Unlust sich auf das Gefühl der Macht beziehen, so müßte Leben ein Wachsthum von Macht darstellen, so daß die Differenz des “Mehr” ins Bewußtsein träte ... Ein Niveau von Macht festgehalten: würde sich die Lust nur an Verminderungen des Niveaus zu messen haben, an Unlustzuständen,—nicht an Lustzuständen ... Der Wille zum Mehr liegt im Wesen der Lust: daß die Macht wächst, daß die Differenz in’s Bewußtsein tritt ...

Von einem gewissen Punkte an, bei der décadence tritt die umgekehrte Differenz ins Bewußtsein, die Abnahme: das Gedächtniß der starken Augenblicke von ehedem drückt die gegenwärtigen Lustgefühle herab,—der Vergleich schwächt jetzt die Lust ...

14 [102]

Zur Hygiene derSchwachen.”— Alles, was in der Schwäche gethan wird, mißräth. Moral: nichts thun. Nur ist das Schlimme, daß gerade die Kraft, das Thun auszuhängen, nicht zu reagiren, am stärksten krank ist unter dem Einfluß der Schwäche: daß man nie schneller, nie blinder reagirt als dann, wenn man gar nicht reagiren sollte ...

Die Stärke einer Natur zeigt sich im Abwarten und Aufschieben der Reaktion: eine gewisse ist ihr so zu eigen, wie der Schwäche die Unfreiheit der Gegenbewegung, die Plötzlichkeit, Unhemmbarkeit der “Handlung” ...

der Wille ist schwach: und das Recept, um dumme Sachen zu verhüten, wäre, starken Willen zu haben, und nichts zu thun ...

Contradictio ...

Eine Art Selbstzerstörung, der Instinkt der Erhaltung ist compromittirt ... Der Schwache schadet sich selber ... das ist der Typus der décadence ...

Thatsächlich finden wir ein ungeheures Nachdenken über Praktiken, die Impassibilität zu provociren. Der Instinkt ist insofern auf richtiger Spur als nichts-thun nützlicher ist als etwas thun ...

Alle Praktiken der Orden, der solitären Philosophen, der Fakirs sind von dem richtigen Werthmaße eingegeben, daß eine gewisse Art Mensch sich noch am meisten nützt, wenn sie sich so viel wie möglich hindert, zu handeln ...

Erleichterungsmittel: der absolute Gehorsam

die machinale Thätigkeit

die Separation von Menschen und Dingen, welche ein sofortiges Entschließen und Handeln fördern würden

14 [103]

1.

Ich sehe mit Erstaunen, daß die Wissenschaft sich heute resignirt, auf die scheinbare Welt angewiesen zu sein: eine wahre Welt—sie mag sein, wie sie will, gewiß haben wir kein Organ der Erkenntniß für sie.

Hier dürfte man nun schon fragen: mit welchem Organ der Erkenntniß setzt man auch diesen Gegensatz nur an? ...

Damit daß eine Welt, die unseren Organen zugänglich ist, auch als abhängig von diesen Organen verstanden wird, damit daß wir eine Welt als subjektiv bedingt damit ist nicht ausgedrückt, daß eine objektive Welt überhaupt möglich. Wer wehrt uns zu denken, daß die Subjektivität real, essentiell ist?

das “An sich” ist sogar eine widersinnige Conception: eine “Beschaffenheit an sich” ist Unsinn: wir haben den Begriff “Sein,” “Ding” immer nur als Relationsbegriff ...

Das Schlimme ist—daß mit dem alten Gegensatz “scheinbar” und “wahr” sich das correlative Werthurtheil fortgepflanzt: geringer an Werth und absolut “werthvoll”

die scheinbare Welt gilt uns nicht als eine “werthvolle” Welt; der Schein soll eine Instanz gegen die oberste Werthheit sein. Werthvoll an sich kann nur eine “wahre” Welt sein ...



Erstens: man behauptet, sie existirt

zweitens: man hat eine ganz bestimmte Werthvorstellung von ihr



Vorurtheil der Vorurtheile!
Erstens wäre an sich möglich, daß die wahre Beschaffenheit der Dinge dermaßen den Voraussetzungen des Lebens schädlich wäre, entgegengesetzt wäre, daß eben der Schein noth thäte, um leben zu können ... Dies ist ja der Fall in so vielen Lagen: z.B. in der Ehe

Unsere empirische Welt wäre aus den Instinkten der Selbsterhaltung auch in ihren Erkenntnißgrenzen bedingt: wir hielten für wahr, für gut, für werthvoll, was der Erhaltung der Gattung frommt ...

a.wir haben keine Kategorien, nach denen wir eine wahre und eine scheinbare Welt scheiden dürften. Es könnte eben bloß eine scheinbare Welt geben, aber nicht nur unsere scheinbare Welt ...
b.die wahre Welt angenommen, so könnte sie immer noch die geringere an Werth für uns sein: gerade das Quantum Illusion möchte in seinem Erhaltungswerth für uns höheren Ranges sein. Es sei denn, daß der Schein an sich ein Verwerfungsurtheil begründete?
c.daß eine Correlation besteht zwischen den Graden der Werthe und den Graden der Realität, so daß die obersten Werthe auch die oberste Realität hätten: ist ein metaphysisches Postulat von der Voraussetzung ausgehend, daß wir die Rangordnung der Werthe kennen: nämlich daß diese Rangordnung eine moralische ist ... Nur in dieser Voraussetzung ist die Wahrheit nothwendig für die Definition alles Höchstwerthigen

der “Schein” wäre ein Einwand gegen einen Werth überhaupt

2.

Es ist von kardinaler Wichtigkeit, daß man die wahre Welt abschafft. Sie ist die große Anzweiflerin und Werthverminderung der Welt, die wir sind: Sie war bisher unser gefährlichstes Attentat auf das Leben

Krieg gegen alle Voraussetzungen, auf welche hin man eine wahre Welt fingirt hat. Zu diesen Voraussetzungen gehört, daß die moralischen Werthe die obersten sind

Die moralische Werthung als oberste wäre widerlegt, wenn sie bewiesen werden könnte als die Folge einer unmoralischen Werthung

: als ein Spezialfall der realen Unmoralität

: sie reduzirte sich damit selbst auf einen Anschein

und als Anschein hätte sie, von sich aus, kein Recht mehr, den Schein zu verurtheilen.

3.

“Der Wille zur Wahrheit” wäre sodann psychologisch zu untersuchen: er ist keine moralische Gewalt, sondern eine Form des Willens zur Macht. Dies wäre damit zu beweisen, daß er sich aller unmoralischen Mittel bedient: der Metaphysik voran —

: die Methodik der Forschung ist erst erreicht, wenn alle moralischen Vorurtheile überwunden sind ... sie stellte einen Sieg über die Moral dar ...

NB. Wir sind heute vor die Prüfung der Behauptung gestellt, daß die moralischen Werthe die obersten Werthe sind.

14 [104]

Die Moralwerthe als Scheinwerthe, verglichen mit den physiologischen.

14 [105]

Unsere Erkenntniß ist in dem Maaße wissenschaftlich geworden, als sie Zahl und Maaß anwenden kann ...

Der Versuch wäre zu machen, ob nicht eine wissenschaftliche Ordnung der Werthe einfach auf eine Zahl- und Maßscala der Kraft aufzubauen wäre ...

— alle sonstigen “Werthe” sind Vorurtheile, Naivetäten, Mißverständnisse ...

— sie sind überall reduzirbar auf jene Zahl- und Maß-Scala der Kraft

— das Aufwärts in dieser Scala bedeutet jedes Wachsen an Werth:

das Abwärts in dieser Skala bedeutet Verminderung des Werths

Hier hat man den Schein und das Vorurtheil wider sich.



eine Moral, eine durch lange Erfahrung und Prüfung erprobte, bewiesene Lebensweise kommt zuletzt als Gesetz zum Bewußtsein, als dominirend ..

und damit tritt die ganze Gruppe verwandter Werthe und Zustände in sie hinein: sie wird ehrwürdig, unangreifbar, heilig, wahrhaft

es gehört zu ihrer Entwicklung, daß ihre Herkunft vergessen wird ... Es ist ein Zeichen, daß sie Herr geworden ist ...

* * *

Ganz dasselbe könnte geschehen sein mit den Kategorien der Vernunft: dieselben könnten, unter vielem Tasten und Herumgreifen, sich bewährt haben durch relative Nützlichkeit ... Es kam ein Punkt, wo man sie zusammenfaßte, sich als Ganzes zum Bewußtsein brachte,—und wo man sie befahl ... d.h. wo sie wirkten als befehlend ...

Von jetzt ab galten sie als a priori ..., als jenseits der Erfahrung, als unabweisbar ...

Und doch drücken sie vielleicht nichts aus als eine bestimmte Rassen- und Gattungs-Zweckmäßigkeit,—bloß ihre Nützlichkeit ist ihre “Wahrheit” —

Von der Herkunft der Vernunft
A.
Die obersten Werthe waren bisher die moralischen.
B.
Kritik dieser Werthe.
C.

14 [106]

Vorschrift für den jungen Theologen:

1. daß er sich des Weibes enthalte und überhaupt jeder gegorenen Substanz; daß er weder Stiefeln, noch Sonnenschirm trage; daß er sich jedes Sinnenreizes (Gesang, Tanz und Musik) enthalte

2. Wenn der Candidat unfreiwillig eine Befleckung während seines Schlummers empfängt, so soll er sich bei dem Aufgang der Sonne drei Mal in den heiligen Sumpf tauchen, mit den Worten “daß Das, was wider Willen von mir gegangen ist, zu mir zurückkomme!”

3. Wenn sein Lehrer ihn unterbricht, so soll er ihm weder liegend, noch sitzend, noch essend, noch laufend, noch von fern, noch mit einem Seitenblick antworten:

4. Vielmehr soll er zu ihm kommen und, aufrecht, respektvoll, ihn ansehen und Antwort geben.

Wenn er im Wagen ist und seinen Lehrer bemerkt, soll er sofort aussteigen, um ihm seine honneurs zu machen.

Der Schüler darf das Weib seines Lehrers nicht beim Baden bedienen, noch sie parfümiren, noch sie massiren, noch ihren Haar-Aufputz arrangiren, noch sie salben

Er darf sich auch nicht vor der jungen Gattin seines Lehrers niederwerfen und respectvoll ihre Füße berühren, gesetzt nämlich, daß er durch sein Alter bereits das Wissen von Gut und Böse hat.

Es liegt in der Natur des Weibes daß es den Männern gefalle und sie versuchen will. Aber die Weisen lassen sich niemals so weit gehen, dieser Anziehungskraft nachzugeben, nämlich in Fällen, wo dies tadelnswerth ist.

Man soll nicht an einsamen Orten allein mit seiner Mutter, seiner Schwester, seiner Tochter und anderen Verwandtinnen weilen: die durch Einsamkeit aufgeregten Sinne sind so mächtig daß sie bisweilen über die Weisesten Recht bekommen.

Dies war der Fall mit dem weisen Vasta, der, um vor der Bosheit der Leute von Gotha zu fliehen, sich mit seinen 2 Töchtern in eine Höhle zurückzog: woselbst er sie alle beide zu Müttern machte.

14 [106]

Vorschrift für den jungen Theologen:

1. daß er sich des Weibes enthalte und überhaupt jeder gegorenen Substanz; daß er weder Stiefeln, noch Sonnenschirm trage; daß er sich jedes Sinnenreizes (Gesang, Tanz und Musik) enthalte

2. Wenn der Candidat unfreiwillig eine Befleckung während seines Schlummers empfängt, so soll er sich bei dem Aufgang der Sonne drei Mal in den heiligen Sumpf tauchen, mit den Worten “daß Das, was wider Willen von mir gegangen ist, zu mir zurückkomme!”

3. Wenn sein Lehrer ihn unterbricht, so soll er ihm weder liegend, noch sitzend, noch essend, noch laufend, noch von fern, noch mit einem Seitenblick antworten:

4. Vielmehr soll er zu ihm kommen und, aufrecht, respektvoll, ihn ansehen und Antwort geben.

Wenn er im Wagen ist und seinen Lehrer bemerkt, soll er sofort aussteigen, um ihm seine honneurs zu machen.

Der Schüler darf das Weib seines Lehrers nicht beim Baden bedienen, noch sie parfümiren, noch sie massiren, noch ihren Haar-Aufputz arrangiren, noch sie salben

Er darf sich auch nicht vor der jungen Gattin seines Lehrers niederwerfen und respectvoll ihre Füße berühren, gesetzt nämlich, daß er durch sein Alter bereits das Wissen von Gut und Böse hat.

Es liegt in der Natur des Weibes daß es den Männern gefalle und sie versuchen will. Aber die Weisen lassen sich niemals so weit gehen, dieser Anziehungskraft nachzugeben, nämlich in Fällen, wo dies tadelnswerth ist.

Man soll nicht an einsamen Orten allein mit seiner Mutter, seiner Schwester, seiner Tochter und anderen Verwandtinnen weilen: die durch Einsamkeit aufgeregten Sinne sind so mächtig daß sie bisweilen über die Weisesten Recht bekommen.

Dies war der Fall mit dem weisen Vasta, der, um vor der Bosheit der Leute von Gotha zu fliehen, sich mit seinen 2 Töchtern in eine Höhle zurückzog: woselbst er sie alle beide zu Müttern machte.

14 [107]

Theorie und Praxis
Kritik vom Werth der Moral

Gefährliche Unterscheidung zwischentheoretischundpraktisch” z.B. bei Kant, aber auch bei den Alten

— sie thun, als ob die reine Geistigkeit ihnen die Probleme der Erkenntniß und Metaphysik vorlege

— sie thun, als ob, wie auch die Antwort der Theorie ausfalle, die Praxis nach eigenem Werthmaße zu beurtheilen sei.

Gegen das Erste richte ich meine Psychologie der Philosophen: ihr entfremdetster Calcul und “Geistigkeit” bleibt immer nur der letzte blasseste Abdruck einer physiologischen Thatsache; es fehlt absolut die Freiwilligkeit darin, Alles ist Instinkt, Alles ist von vorn herein in bestimmte Bahnen gelenkt ...

— gegen das Zweite frage ich, ob wir eine andere Methode kennen, um gut zu handeln als immer gut zu denken: letzteres ist ein Handeln, und ersteres setzt Denken voraus. Haben wir ein Vermögen, den Werth einer Lebensweise anderswie zu beurtheilen als den Werth einer Theorie durch Induktion, durch Vergleichung? ... Die Naiven glauben, hier wären wir besser daran, hier wüßten wir, was “gut” ist,—die Philosophen reden’s nach. Wir schließen, daß hier ein Glaube vorhanden ist, weiter nichts ...

“Man muß handeln; folglich bedarf es einer Richtschnur”—sagten selbst die antiken Skeptiker

die Dringlichkeit einer Entscheidung als Argument, irgend etwas hier für wahr zu halten! ...

Man muß nicht handeln:—sagten ihre consequenteren Brüder, die Buddhisten und ersannen eine Richtschnur, wie man sich losmachte vom Handeln ...

Sich einordnen, leben wie der “gemeine Mann” lebt, gut und recht halten, was er recht hält: das ist die Unterwerfung unter den Herdeninstinkt.

Man muß seinen Muth und seine Strenge so weit treiben, eine solche Unterwerfung wie eine Scham zu empfinden

Nicht mit zweierlei Maß leben! .. Nicht Theorie und Praxis trennen! —

14 [108]

Wille zur Macht als Moral

Die Vorherrschaft der moralischen Werthe.

Folgen dieser Vorherrschaft, die Verderbniß der Psychologie usw.

das Verhängniß überall, das an ihr hängt

Was bedeutet diese Vorherrschaft? Worauf weist sie hin?

— eine gewisse größere Dringlichkeit eines bestimmten Ja und Nein auf diesem Gebiete

— man hat alle Arten Imperative darauf verwendet, um die moralischen Werthe als fest erscheinen zu lassen: sie sind am längsten commandirt worden:—sie scheinen instinktiv wie innere Commandos ...

— es drücken sich Erhaltungsbedingungen der Societät darin aus, daß die moralischen Werthe als undiskutirbar empfunden werden

— die Praxis: das will heißen, die Nützlichkeit, mit einander sich über die obersten Werthe zu verstehen, hat hier eine Art Sanktion erlangt

— wir sehen alle Mittel angewendet, wodurch das Nachdenken und die Kritik auf diesem Gebiete lahm gelegt wird:—welche Attitüde nimmt noch Kant, nicht zu reden von denen, welche es als unmoralisch ablehnen, hier zu “forschen” —

Wie man die Moral zur Herrschaft gebracht hat

14 [109]

Wissenschaft und Philosophie

Alle diese Werthe sind empirisch und bedingt. Aber der, der an sie glaubt, der sie verehrt, will eben diesen Charakter nicht anerkennen ...

die Philosophen glauben allesammt an diese Werthe und eine Form ihrer Verehrung war die Bemühung, aus ihnen a priori Wahrheiten zu machen

fälschender Charakter der Verehrung ...

die Verehrung ist die hohe Probe der intellektuellen Rechtschaffenheit: aber es giebt in der ganzen Geschichte der Philosophie keine intellektuelle Rechtschaffenheit

sondern die “Liebe zum Guten” ...

: der absolute Mangel an Methode, um das Maaß dieser Werthe zu prüfen

zweitens: die Abneigung, diese Werthe zu prüfen, überhaupt sie bedingt zu nehmen

Bei den Moral-Werthen kamen alle antiwissenschaftlichen Instinkte zusammen in Betracht, um hier die Wissenschaft auszuschließen ...

Wie der unglaubliche Skandal, den die Moral in der Geschichte der Wissenschaft darstellt, zu erklären ..

14 [110]

Formel des “Fortschritts”-Aberglaubens eines berühmten Physiologen der cerebralen Thätigkeiten

“L’animal ne fait jamais de progrès comme espèce; l’homme seul fait de progrès comme espèce.”

Nein:

14 [111]

Philosophie als décadence

Die große Vernunft in aller Erziehung zur Moral war immer, daß man hier die Sicherheit eines Instinkts zu erreichen suchte: so daß weder die gute Absicht, noch die guten Mittel als solche erst ins Bewußtsein traten. So wie der Soldat exercirt, so sollte der Mensch handeln lernen. In der That gehört dieses Unbewußtsein zu jeder Art Vollkommenheit: selbst noch der Mathematiker handhabt seine Combinationen unbewußt ...

Was bedeutet nun die Reaktion des Sokrates, welcher die Dialektik als Weg zur Tugend anempfahl und sich darüber lustig machte, wenn die Moral sich nicht logisch zu rechtfertigen wußte? ... Aber eben das Letztere gehört zu ihrer Güte ... ohne sie taugt sie nichts! ... Scham erregen war ein nothwendiges Attribut des Vollkommenen! ...

Es bedeutet exakt die Auflösung der griechischen Instinkte, als man die Beweisbarkeit als Voraussetzung der persönlichen Tüchtigkeit in der Tugend voranstellte. Es sind selbst Typen der Auflösung, alle diese großen “Tugendhaften” und Wortemacher ...

In praxi bedeutet es, daß die moralischen Urtheile aus ihrer Bedingtheit, aus der sie gewachsen sind und in der allein sie Sinn haben, aus ihrem griechischen und griechisch-politischen Grund und Boden ausgerissen werden und, unter dem Anschein von Sublimirung, entnatürlicht werden. Die großen Begriffe “gut” “gerecht” werden losgemacht von den Voraussetzungen, zu denen sie gehören: und als frei gewordene “Ideen” Gegenstände der Dialektik. Man sucht hinter ihnen eine Wahrheit, man nimmt sie als Entitäten oder als Zeichen von Entitäten: man erdichtet eine Welt, wo sie zu Hause sind, wo sie herkommen ...

In summa: der Unfug ist aufeiner Spitze bereits bei Plato ...Und nun hatte man nöthig, auch den abstrakt-vollkommenen Menschen hinzuerfinden

gut, gerecht, weise, Dialektiker—kurz die Vogelscheuche des antiken Philosophen,

eine Pflanze, aus jedem Boden losgelöst; eine Menschlichkeit ohne alle bestimmten regulirenden Instinkte; eine Tugend, die sich mit Gründen “beweist.”

das vollkommen absurde “Individuum” an sich! die Unnatur höchsten Rangs ...

Kurz, die Entnatürlichung der Moralwerthe hatte zur Consequenz, einen entartenden Typus des Menschen zu schaffen—“den Guten,” “den Glücklichen,” “den Weisen”

Sokrates ist ein Moment der tiefsten Perversität in der Geschichte der Menschen

14 [112]

Es würde uns Zweifel gegen einen Menschen machen, zu hören, daß er Gründe nöthig hat, um anständig zu bleiben: gewiß ist, daß wir seinen Umgang meiden. Das Wörtchen “denn” compromittirt in gewissen Fällen; man widerlegt sich mitunter sogar durch ein einziges “denn.” Hören wir nun des Weiteren daß ein solcher Aspirant der Tugend schlechte Gründe nöthig hat, um respektabel zu bleiben, so giebt das noch keinen Grund ab, unseren Respekt vor ihm zu steigern. Aber er geht weiter, er kommt zu uns, er sagt uns ins Gesicht: “Sie stören meine Moralität mit Ihrem Unglauben, mein Herr Ungläubiger; so lange Sie nicht an meine schlechten Gründe, will sagen an Gott, an ein strafendes Jenseits, an eine Freiheit des Willens glauben, verhindern Sie meine Tugend ... Moral: man muß die Ungläubigen abschaffen, sie verhindern die Moralisirung der Massen.”

14 [113]

Moral als décadence

Heute, wo uns jedes “so und so soll der Mensch sein” eine kleine Ironie in den Mund legt, wo wir durchaus daran festhalten, daß man, trotz allem, nur das wird, was man ist (trotz allem: will sagen Erziehung, Unterricht, milieu, Zufälle und Unfälle), haben wir in Dingen der Moral auf eine curiose Weise das Verhältniß von Ursache und Folge umdrehen gelernt,—nichts unterscheidet uns vielleicht gründlicher von den alten Moralgläubigen. Wir sagen z.B. nicht mehr “das Laster ist die Ursache davon, daß ein Mensch auch physiologisch zu Grunde geht”; wir sagen ebenso wenig “durch die Tugend gedeiht ein Mensch, sie bringt langes Leben und Glück.” Unsere Meinung ist vielmehr, daß Laster und Tugend keine Ursachen, sondern nur Folgen sind. Man wird ein anständiger Mensch, weil man ein anständiger Mensch ist: das heißt weil man als Capitalist guter Instinkte und gedeihlicher Verhältnisse geboren ist ... Kommt man arm zur Welt, von Eltern her, welche in Allem nur verschwendet und nichts gesammelt haben, so ist man “unverbesserlich,” will sagen reif für Zuchthaus und Irrenhaus ... Wir wissen heute die moralische Degenerescenz nicht mehr abgetrennt von der physiologischen zu denken: sie ist ein bloßer Symptom-Complex der letzteren; ist nothwendig schlecht, wie man nothwendig krank ist ... Schlecht: das Wort drückt hier gewisse Unvermögen aus, die physiologisch mit dem Typus der Degenerescenz verbunden sind: z.B. die Schwäche des Willens, die Unsicherheit und selbst Mehrheit der “Person,” die Ohnmacht, auf irgend einen Reiz hin die Reaktion auszusetzen und sich zu “beherrschen,” die Unfreiheit vor jeder Art Suggestion eines fremden Willens. Laster ist keine Ursache; Laster ist eine Folge ... Laster ist eine ziemlich willkürliche Begriffs-Abgrenzung, um gewisse Folgen der physiologischen Entartung zusammenzufassen. Ein allgemeiner Satz, wie ihn das Christenthum lehrte, “der Mensch ist schlecht,” würde berechtigt sein, wenn es berechtigt wäre, den Typus des Degenerirten als Normal-Typus des Menschen zu nehmen. Aber das ist vielleicht eine Übertreibung. Gewiß hat der Satz überall dort ein Recht, wo gerade das Christenthum gedeiht und obenauf ist: denn damit ist ein morbider Boden bewiesen, ein Gebiet für Degenerescenz.

14 [114]

Wachsthum oder Erschöpfung

Kritik der christlichen Werthe.

Kritik der antiken Philosophie.

Zur Geschichte des europäischen Nihilismus.

das Christenthum nihilistisch

die Vorarbeit dazu: die antike Philosophie

14 [115]

Wissenschaft und Philosophie

Wie weit die Verderbniß der Psychologen durch die Moral-Idiosynkrasie geht:

Niemand der alten Philosophen hat den Muth zur Theorie des “unfreien Willens” gehabt (das heißt zu einer die Moral negirenden Theorie)

Niemand hat den Muth gehabt, das Typische der Lust, jeder Art Lust (“Glück”) zu definiren als Gefühl der Macht: denn die Lust an der Macht galt als unmoralisch

Niemand hat den Muth gehabt, die Tugend als eine Folge der Unmoralität (eines Machtwillens) im Dienste der Gattung (oder der Rasse oder der Polis) zu begreifen (denn der Machtwille galt als Unmoralität, denn damit wäre erkannt worden, was die Wahrheit daß Tugend nur Form der Unmoralität ist)

Es kommt in der ganzen Entwicklung der Moral keine Wahrheit vor: alle Begriffs-Elemente, mit denen gearbeitet wird, sind Fiktionen, alle Psychologica, an die man sich hält, sind Fälschungen; alle Formen der Logik, welche man in dies Reich der Lüge einschleppt, sind Sophismen. Was die Moral-Philosophen selbst auszeichnet: das ist die vollkommene Absenz jeder Sauberkeit, jeder Selbst-Zucht des Intellekts: sie halten “schöne Gefühle” für Argumente: ihr “geschwellter Busen” dünkt ihnen der Blasebalg der Gottheit ... Die Moral-Philosophie ist die scabreuse Partie in der Geschichte des Geistes.

Das erste große Beispiel: unter dem Namen der Moral, als Patronat der Moral ein unerhörter Unfug ausgeübt, thatsächlich eine décadence in jeder Hinsicht.

14 [116]

Philosophie als décadence

Man kann nicht streng genug darauf insistiren, daß die großen griechischen Philosophen die décadence jedweder griechischen Tüchtigkeit repräsentiren und contagiös machen ... Diese gänzlich abstrakt gemachte “Tugend” war die größte Verführung, sich selbst abstrakt zu machen: d.h. sich herauszulösen ...

Der Augenblick ist sehr merkwürdig: die Sophisten streifen an die erste Kritik der Moral, die erste Einsicht in die Moral ...

— sie stellen die Mehrheit (die lokale Bedingtheit) der moralischen Werthurtheile neben einander

— sie geben zu verstehen, daß jede Moral sich dialektisch rechtfertigen,—daß es keinen Unterschied mache: das heißt, sie errathen, wie alle Begründung einer Moral nothwendig sophistisch sein muß —

— ein Satz, der hinterdrein im allergrößten Stil durch die antiken Philosophen von Plato an (bis Kant) bewiesen worden ist

— sie stellen die erste Wahrheit hin, daß “eine Moral an sich,” ein “Gutes an sich” nicht existirt, daß es Schwindel ist, von “Wahrheit” auf diesem Gebiete zu reden

Wo war nur die intellektuelle Rechtschaffenheit damals?

die griechische Cultur der Sophisten war aus allen griechischen Instinkten herausgewachsen: sie gehört zur Cultur der Perikleischen Zeit, so nothwendig wie Plato nicht zu ihr gehört: sie hat ihre Vorgänger in Heraklit, in Demokrit, in den wissenschaftlichen Typen der alten Philosophie; sie hat in der hohen Cultur des Thukydides z.B. ihren Ausdruck

— und, sie hat schließlich Recht bekommen: jeder Fortschritt der erkenntnißtheoretischen und moralistischen Erkenntniß hat die Sophisten restituirt ...

unsere heutige Denkweise ist in einem hohen Grade heraklitisch, demokritisch und protagoreisch ... es genügte zu sagen, daß sie protagoreisch, weil Protagoras die beiden Stücke Heraklit und Demokrit in sich zusammennahm

Plato: ein großer Cagliostro,—man denke, wie ihn Epicur beurtheilte; wie ihn Timon, der Freund Pyrrhos, beurtheilte — —

Steht vielleicht die Rechtschaffenheit Platos außer Zweifel? ... Aber wir wissen zum Mindesten, daß er als absolute Wahrheit gelehrt wissen wollte, was nicht einmal bedingt ihm als Wahrheit galt: nämlich die Sonderexistenz und Sonder-Unsterblichkeit der “Seelen”

14 [117]

die Gegenbewegung: die Kunst

Das Rauschgefühl, thatsächlich einem Mehr von Kraft entsprechend:

am stärksten in der Paarungszeit der Geschlechter:

neue Organe, neue Fertigkeiten, Farben, Formen ...

die “Verschönerung” ist eine Folge der erhöhten Kraft

Verschönerung als nothwendige Folge der Kraft-Erhöhung

Verschönerung als Ausdruck eines siegreichen Willens, einer gesteigerten Coordination, einer Harmonisirung aller starken Begehrungen, eines unfehlbar perpendikulären Schwergewichts

die logische und geometrische Vereinfachung ist eine Folge der Krafterhöhung: umgekehrt erhöht wieder das Wahrnehmen solcher Vereinfachung das Kraftgefühl ...

Spitze der Entwicklung: der große Stil

Die Häßlichkeit bedeutet décadence eines Typus, Widerspruch und mangelnde Coordination der inneren Begehrungen

bedeutet einen Niedergang an organisirender Kraft, an “Willen” physiologisch geredet ...



der Lustzustand, den man Rausch nennt, ist exakt ein hohes Machtgefühl ...

die Raum- und Zeit-Empfindungen sind verändert: ungeheure Fernen werden überschaut und gleichsam erst wahrnehmbar

die Ausdehnung des Blicks über größere Mengen und Weiten

die Verfeinerung des Organs für die Wahrnehmung vieles Kleinsten und Flüchtigsten

die Divination, die Kraft des Verstehens auf die leiseste Hülfe hin, auf jede Suggestion hin, die “intelligente” Sinnlichkeit ...

die Stärke als Herrschaftsgefühl in den Muskeln, als Geschmeidigkeit und Lust an der Bewegung, als Tanz, als Leichtigkeit und Presto

die Stärke als Lust am Beweis der Stärke, als Bravourstück, Abenteuer, Furchtlosigkeit, gleichgültiges Wesen ...

Alle diese Höhen-Momente des Lebens regen sich gegenseitig an; die Bilder- und Vorstellungswelt der Einen genügt, als Suggestion, für die anderen ... Dergestalt sind schließlich Zustände in einander verwachsen, die vielleicht Grund hätten, sich fremd zu bleiben. Zum Beispiel

das religiöse Rauschgefühl und die Geschlechtserregung (zwei tiefe Gefühle, nachgerade fast verwunderlich coordinirt. Was gefällt allen frommen Frauen, alten und jungen? Antwort: ein Heiliger mit schönen Beinen, noch jung, noch Idiot ...)

die Grausamkeit in der Tragödie und das Mitleid (—ebenfalls normal coordinirt ...

Frühling, Tanz, Musik, alles Wettbewerb der Geschlechter—und auch noch jene Faustische “Unendlichkeit im Busen” ...

die Künstler, wenn sie etwas taugen, sind stark (auch leiblich) angelegt, überschüssig, Kraftthiere, sensuell; ohne eine gewisse Überheizung des geschlechtlichen Systems ist kein Raffael zu denken ... Musik machen ist auch noch eine Art Kindermachen; Keuschheit ist bloß die Ökonomie eines Künstlers:—und jedenfalls hört auch bei Künstlern die Fruchtbarkeit mit der Zeugungskraft auf ...

die Künstler sollen nichts so sehen, wie es ist, sondern voller, sondern einfacher, sondern stärker: dazu muß ihnen eine Art ewiger Jugend und Frühling, eine Art habitueller Rausch im Leibe sein.

Beyle und Flaubert, zwei unbedenkliche in solchen Fragen, haben in der That den Künstlern im Interesse ihres Handwerks Keuschheit anempfohlen: ich hätte auch Renan zu nennen der den gleichen Rath giebt, Renan ist Priester ...

14 [118]

die Epidemien‚die Hallucinationen,
‚die Tänze und Gebärden-Zeichen
‚das Lied (Überrest von Tanz
normale Funktionen:
sich übend
: der Traum (ein rauschartiger Zustand leitet ihn ein)
: die optischen Gesichtsbilder
: Gehörsbilder
: Tastbilder

14 [119]

Gegenbewegung

die Kunst

alle Kunst wirkt als Suggestion auf die Muskeln und Sinne, welche ursprünglich beim naiven künstlerischen Menschen thätig sind: sie redet immer nur zu Künstlern,—sie redet zu dieser Art von feiner Erreglichkeit des Leibes. Der Begriff “Laie” ist ein Fehlgriff. Der Taube ist keine Species des Guthörigen.

Alle Kunst wirkt tonisch, mehrt die Kraft, entzündet die Lust (d.h. das Gefühl der Kraft), regt alle die feineren Erinnerungen des Rausches an,—es giebt ein eigenes Gedächtniß, das in solche Zustände hinunterkommt: eine ferne und flüchtige Welt von Sensationen kehrt da zurück ...

Das Häßliche d.h. der Widerspruch zur Kunst, das, was ausgeschlossen wird von der Kunst, ihr Nein—jedes Mal, wenn der Niedergang, die Verarmung an Leben, die Ohnmacht, die Auflösung, die Verwesung von Fern nur angeregt wird, reagirt der aesthetische Mensch mit seinem Nein

Das Häßliche wirkt depressiv, es ist der Ausdruck einer Depression. Es nimmt Kraft, es verarmt, es drückt ...

Das Häßliche suggerirt Häßliches; man kann an seinen Gesundheitszuständen erproben, wie unterschiedlich das Schlechtbefinden auch die Fähigkeit der Phantasie des Häßlichen steigert. Die Auswahl wird anders, von Sachen, Interessen, Fragen: es giebt einen dem Häßlichen nächstverwandten Zustand auch im Logischen—Schwere, Dumpfheit ... Mechanisch fehlt dabei das Schwergewicht: das Häßliche hinkt, das Häßliche stolpert:—Gegensatz einer göttlichen Leichtfertigkeit des Tanzenden ...

Der aesthetische Zustand hat einen Überreichthum von Mittheilungsmitteln, zugleich mit einer extremen Empfänglichkeit für Reize und Zeichen. Er ist der Höhepunkt der Mittheilsamkeit und Übertragbarkeit zwischen lebenden Wesen,—er ist die Quelle der Sprachen.

die Sprachen haben hier ihren Entstehungsherd: die Tonsprachen, sogut als die Gebärden- und Blicksprachen. Das vollere Phänomen ist immer der Anfang: unsere Culturmensch-Vermögen sind subtrahirte aus volleren Vermögen. Aber auch heute hört man noch mit den Muskeln, man liest selbst noch mit den Muskeln.

Jede reife Kunst hat eine Fülle Convention zur Grundlage: insofern sie Sprache ist. Die Convention ist die Bedingung der großen Kunst, nicht deren Verhinderung ...

Jede Erhöhung des Lebens steigert die Mittheilungs-Kraft, insgleichen die Verständniß-Kraft des Menschen. Das Sichhineinleben in andere Seelen ist urspr nichts Moralisches, sondern eine physiologische Reizbarkeit der Suggestion: die “Sympathie” oder was man “Altruismus” nennt, sind bloße Ausgestaltungen jenes zur Geistigkeit gerechneten psychomotorischen Rapports (induction psycho-motrice meint Ch. Féré) Man theilt sich nie Gedanken mit, man theilt sich Bewegungen mit, mimische Zeichen, welche von uns auf Gedanken hin zurück gelesen werden ...

* * *

Ich setze hier eine Reihe psychologischer Zustände als Zeichen vollen und blühenden Lebens hin, welche man heute gewohnt ist, als krankhaft zu beurtheilen. Nun haben wir verlernt, inzwischen, zwischen gesund und krank von einem Gegensatze zu reden: es handelt sich um Grade, — meine Behauptung in diesem Falle ist, daß was heute “gesund” genannt wird, ein niedrigeres Niveau von dem darstellt, was unter günstigen Verhältnissen gesund wäre ... daß wir relativ krank sind ... Der Künstler gehört zu einer noch stärkeren Rasse. Was uns schon schädlich, was bei uns krankhaft wäre, ist bei ihm Natur



die Überfülle an Säften und Kräften kann so gut Symptome der Partiellen Unfreiheit von Sinnes-Hallucinationen, von Suggestions-Raffinements mit sich bringen, wie eine Verarmung an Leben ... der Reiz ist anders bedingt, die Wirkung bleibt sich gleich ...

Vor allem ist die Nachwirkung nicht dieselbe; die extreme Erschlaffung aller morbiden Natur nach ihren Nerven-Excentricitäten hat nichts mit den Zuständen des Künstlers gemein: der seine guten Zeiten nicht abzubüßen hat ...

Er ist reich genug dazu: er kann verschwenden, ohne arm zu werden ...



Wie man heute “Genie” als eine Form der Neurose beurtheilen dürfte, so vielleicht auch die künstlerische Suggestions-Kraft, — und unsere Artisten sind in der That den hysterischen Weiblein nur zu verwandt!!! Das aber spricht gegen “heute ” und nicht gegen die “Künstler”...



Aber man wendet uns ein, daß gerade die Verarmung der Maschine die extravagante Verständnißkraft über jedwede Suggestion ermögliche: Zeugniß unsere hysterischen Weiblein “unsere Jenseitsforscher”

* * *

Inspiration: Beschreibung.

* * *

Die unkünstlerischen Zustände: die der Objektivität, der Spiegelung, des ausgehängten Willens ...

das skandalöse Mißverständniß Schopenhauers, der die Kunst als Brücke zur Verneinung des Lebens nimmt ...

* * *

Die unkünstlerischen Zustände: die Verarmenden, Abziehenden, Ablassenden unter deren Blick das Leben leidet .. der Christ...

* * *

Problem der tragischen Kunst.

* * *

Die Romantiker: eine zweideutige Frage, wie alles Moderne.

* * *

der Schauspieler

14 [120]

Liebe

Will man den erstaunlichsten Beweis dafür, wie weit die Transfigurationskraft des Rausches geht? Die “Liebe” ist dieser Beweis, das, was Liebe heißt, in allen Sprachen und Stummheiten der Welt. Der Rausch wird hier mit der Realität in einer Weise fertig, daß im Bewußtsein des Liebenden die Ursache ausgelöscht und etwas Andres sich an ihrer Stelle zu finden scheint—ein Zittern und Aufglänzen aller Zauberspiegel der Circe ... Hier macht Mensch und Thier keinen Unterschied; noch weniger, Geist, Güte, Rechtschaffenheit ... Man wird fein genarrt, wenn man fein ist, man wird grob genarrt, wenn man grob ist: aber die Liebe, und selbst die Liebe zu Gott, die Heiligen-Liebe “erlöster Seelen,” bleibt in der Wurzel Eins: als ein Fieber, das Gründe, sich zu transfiguriren, ein Rausch, der gut thut, über sich zu lügen ... Und jedenfalls lügt man gut, wenn man liebt, vor sich und über sich: man scheint sich transfigurirt, stärker, reicher, vollkommener, man ist vollkommener ... Wir finden hier die Kunst als organische Funktion: wir finden sie eingelegt in den engelhaftesten Instinkt des Lebens: wir finden sie als größtes Stimulans des Lebens,—Kunst somit, sublim zweckmäßig auch noch darin, daß sie lügt ... Aber wir würden irren, bei ihrer Kraft zu lügen stehen zu bleiben: sie thut mehr als bloß imaginiren, sie verschiebt selbst die Werthe. Und nicht nur daß sie das Gefühl der Werthe verschiebt ... Der Liebende ist mehr werth, ist stärker. Bei den Thieren treibt dieser Zustand neue Stoffe, Pigmente, Farben und Formen heraus: vor allem neue Bewegungen, neue Rythmen, neue Locktöne und Verführungen. Beim Menschen ist es nicht anders. Sein Gesammthaushalt ist reicher als je, mächtiger ganzer als im Nichtliebenden. Der Liebende wird Verschwender: er ist reich genug dazu. Er wagt jetzt, wird Abenteurer, wird ein Esel an Großmuth und Unschuld; er glaubt wieder an Gott, er glaubt an die Tugend weil er an die Liebe glaubt: und andrerseits wachsen diesem Idioten des Glücks Flügel und neue Fähigkeiten und selbst zur Kunst thut sich ihm die Thüre auf. Rechnen wir aus der Lyrik in Ton und Wort die Suggestion jenes intestinalen Fiebers ab: was bleibt von der Lyrik und Musik übrig? ... L’art pour l’art vielleicht: das virtuose Gequak kaltgestellter Frösche, die in ihrem Sumpfe desperiren ... Den ganzen Rest schuf die Liebe ...

14 [121]

Wille zur Macht psychologisch

Einheitsconception der Psychologie.

Wir sind gewöhnt daran, die Ausgestaltung einer ungeheuren Fülle von Formen verträglich zu halten mit einer Herkunft aus der Einheit.

Daß der Wille zur Macht die primitive Affekt-Form ist, daß alle anderen Affekte nur seine Ausgestaltungen sind:

Daß es eine bedeutende Aufklärung giebt, an Stelle des individuellen “Glücks” nach dem jedes Lebende streben soll, zu setzen Macht: “es strebt nach Macht, nach Mehr in der Macht”—Lust ist nur ein Symptom vom Gefühl der erreichten Macht, eine Differenz-Bewußtheit —

— es strebt nicht nach Lust, sondern Lust tritt ein, wenn es erreicht, wonach es strebt: Lust begleitet, Lust bewegt nicht ...

Daß alle treibende Kraft Wille zur Macht ist, das es keine physische, dynamische oder psychische Kraft außerdem giebt ...

— in unserer Wissenschaft, wo der Begriff Ursache und Wirkung reduzirt ist auf das Gleichungs-Verhältniß, mit dem Ehrgeiz, zu beweisen, daß auf jeder Seite dasselbe Quantum von Kraft ist, fehlt die treibende Kraft: wir betrachten nur Resultate, wir setzen sie als gleich in Hinsicht auf Inhalt an Kraft, wir erlassen uns die Frage der Verursachung einer Veränderung ...

es ist eine bloße Erfahrungssache, daß die Veränderung nicht aufhört: an sich haben wir nicht den geringsten Grund zu verstehen, daß auf eine Ver eine andere folgen müsse. Im Gegentheil: ein erreichter Zustand schiene sich selbst erhalten zu müssen, wenn es nicht ein Vermögen in ihm gebe, eben nicht sich erhalten wollen ...

Der Satz des Spinoza von der Selbsterhaltung müßte eigentlich der Veränderung einen Halt setzen: aber der Satz ist falsch, das Gegentheil ist wahr. Gerade an allem Lebendigen ist am deutlichsten zu zeigen, daß es alles thut, um nicht sich zu erhalten, sondern um mehr zu werden ...

ist “Wille zur Macht” eine Art “Wille” oder identisch mit dem Begriff “Wille”? heißt es so viel als begehren? oder commandiren?

ist es der “Wille,” von dem Schopenhauer meint, er sei das “An sich der Dinge”?

: mein Satz ist: daß Wille der bisherigen Psychologie, eine ungerechtfertigte Verallgemeinerung ist, daß es diesen Willen gar nicht giebt, daß statt die Ausgestaltung Eines bestimmten Willens in viele Formen zu fassen, man den Charakter des Willens weggestrichen hat, indem man den Inhalt, das Wohin? heraus subtrahirt hat

: das ist im höchsten Grade bei Schopenhauer der Fall: das ist ein bloßes leeres Wort, was er “Wille” nennt. Es handelt sich noch weniger um einen “Willen zum Leben”: denn das Leben ist bloß ein Einzelfall des Willens zur Macht,—es ist ganz willkürlich zu behaupten, daß Alles danach strebe, in diese Form des Willens zur Macht überzutreten

14 [122]

Zur Erkenntnisstheorie: bloß empirisch:

Es giebt weder “Geist,” noch Vernunft, noch Denken, noch Bewußtsein, noch Seele, noch Wille, noch Wahrheit: alles Fiktionen, die unbrauchbar sind. Es handelt sich nicht um “Subjekt und Objekt” sondern um eine bestimmte Thierart, welche nur unter einer gewissen relativen Richtigkeit, vor allem Regelmäßigkeit ihrer Wahrnehmungen (so daß sie Erfahrung capitalisiren kann) gedeiht ...

Die Erkenntniß arbeitet als Werkzeug der Macht. So liegt es auf der Hand, daß sie wächst mit jedem Mehr von Macht ...

Sinn der “Erkenntniß”: hier ist, wie bei “gut” oder “schön,” der Begriff streng und eng anthropocentrisch und biologisch zu nehmen. Damit eine bestimmte Art sich erhält—und wächst in ihrer Macht—, muß sie in ihrer Conception der Realität so viel Berechenbares und Gleichbleibendes erfassen, daß darauf hin ein Schema ihres Verhaltens construirt werden kann. Die Nützlichkeit der Erhaltung, nicht irgend ein abstrakttheoretisches Bedürfniß, nicht betrogen zu werden, steht als Motiv hinter der Entwicklung der Erkenntnißorgane ... sie entwickeln sich so, daß ihre Beobachtung genügt, uns zu erhalten. Anders: das Maß des Erkennenwollens hängt ab von dem Maß des Wachsens des Willens zur Macht der Art: eine Art ergreift so viel Realität, um über sie Herr zu werden, um sie in Dienst zu nehmen.



der mechanistische Begriff der Bewegung ist bereits eine Übersetzung des Original-Vorgangs in die Zeichensprache von Auge und Getast.

der Begriff “Atom” die Unterscheidung zwischen einem “Sitz der treibenden Kraft und ihr selber” ist eine Zeichensprache aus unserer logisch-psychischen Welt her.

Es steht nicht in unserem Belieben, unser Ausdrucksmittel zu verändern: es ist möglich, zu begreifen, in wiefern es bloße Semiotik ist.

Die Forderung einer adäquaten Ausdrucksweise ist unsinnig: es liegt im Wesen einer Sprache, eines Ausdrucksmittels, eine bloße Relation auszudrücken ... Der Begriff “Wahrheit” ist widersinnig ... das ganze Reich von “wahr” “falsch” bezieht sich nur auf Relationen zwischen Wesen, nicht auf das “An sich” .. Unsinn: es giebt kein “Wesen an sich,” die Relationen constituiren erst Wesen, so wenig es eine “Erkenntniß an sich” geben kann ...

14 [123]

Gegenbewegung

Anti-Darwin.

Was mich beim Überblick über die großen Schicksale des Menschen am meisten überrascht ist, immer das Gegentheil vor Augen zu sehen von dem, was heute Darwin mit seiner Schule sieht oder sehen will: die Selektion zu Gunsten der Stärkeren, Besser-Weggekommenen, den Fortschritt der Gattung. Gerade das Gegentheil greift sich mit Händen: das Durchstreichen der Glücksfälle, die Unnützlichkeit der höher gerathenen Typen, das unvermeidliche Herr-werden der mittleren, selbst der untermittleren Typen. Gesetzt, daß man uns nicht den Grund aufzeigt, warum der Mensch die Ausnahme unter den Creaturen ist, neige ich zum Vorurtheil, daß die Schule Darwins sich überall getäuscht hat. Jener Wille zur Macht, in dem ich den letzten Grund und Charakter aller Veränderung wieder erkenne, giebt uns das Mittel in die Hand, warum gerade die Selektion zu Gunsten der Ausnahmen und Glücksfälle nicht statt hat: die Stärksten und Glücklichsten sind schwach, wenn sie organisirte Heerdeninstinkte, wenn sie die Furchtsamkeit der Schwachen, der Überzahl gegen sich haben. Mein Gesammtaspekt der Welt der Werthe zeigt, daß in den obersten Werthen, die über der Menschheit heute aufgehängt sind, nicht die Glücksfälle, die Selektions-Typen, die Oberhand: vielmehr die Typen der décadence—vielleicht giebt es nichts Interessanteres in der Welt als dies unerwünschte Schauspiel ....

So seltsam es klingt: man hat die Starken immer zu bewaffnen gegen die Schwachen; die Glücklichen gegen die Mißglückten; die Gesunden gegen die Verkommenden und Erblich-Belasteten. Will man die Realität zur Moral formuliren: so lautet diese Moral: die Mittleren sind mehr werth als die Ausnahmen, die Decadenz-Gebilde mehr als die Mittleren, der Wille zum Nichts hat die Oberhand über den Willen zum Leben—und das Gesammtziel ist

nun, christlich, buddhistisch, schopenhauerisch ausgedrückt:

besser nicht sein als sein

Gegen die Formulirung der Realität zur Moral empöre ich mich: deshalb perhorrescire ich das Christenthum mit einem tödtlichen Haß, weil es die sublimen Worte und Gebärden schuf, um einer schauderhaften Wirklichkeit den Mantel des Rechts der Tugend, der Göttlichkeit zu geben ...

Ich sehe alle Philosophen, ich sehe die Wissenschaft auf den Knien vor der Realität vom umgekehrten Kampf ums Dasein, als ihn die Schule Darwins lehrt—nämlich überall die obenauf, die übrigbleibend, die das Leben, den Werth des Lebens compromittiren.— Der Irrthum der Schule Darwins wurde mir zum Problem: wie kann man blind sein, um gerade hier falsch zu sehen? ... Daß die Gattungen einen Fortschritt darstellen, ist die unvernünftigste Behauptung von der Welt: einstweilen stellen sie ein Niveau dar, —

daß die höheren Organismen aus den niederen sich entwickelt haben, ist durch keinen Fall bisher bezeugt —

ich sehe, daß die niederen durch die Menge, durch die Klugheit, durch die List im Übergewicht sind—ich sehe nicht, wie eine zufällige Veränderung einen Vortheil abgiebt, zum Mindesten nicht für eine so lange Zeit, diese w wieder ein neues Motiv, zu erklären, w eine zufällige Veränderung derartig stark geworden ist —

— ich finde die “Grausamkeit der Natur,” von der man so viel redet, an einer anderen Stelle: sie ist grausam gegen ihre Glückskinder, sie schont und schützt und liebt les humbles—ganz wie

* * *

In summa: das Wachsthum der Macht einer Gattung ist durch die Präponderanz ihrer Glückskinder, ihrer Starken vielleicht weniger garantirt als durch die Präponderanz der mittleren und niederen Typen ... In letzteren ist die große Fruchtbarkeit, die Dauer; mit ersteren wächst die Gefahr, die rasche Verwüstung, die schnelle Zahl-Verminderung.

* * *

14 [124]

Gegenbewegung

Vom Ursprung der Religion

In derselben Weise, in der jetzt noch der ungebildete Mensch daran glaubt, der Zorn sei die Ursache davon, wenn er zürnt, der Geist davon, daß er denkt, die Seele davon, daß er fühlt, kurz so wie auch jetzt noch unbedenklich eine Masse von psychologischen Entitäten angesetzt wird welche Ursachen sein sollen: so hat der Mensch auf einer noch naiveren Stufe eben dieselben Erscheinungen mit Hülfe von psychologischen Personal-Entitäten erklärt. Die Zustände, die ihm fremd, hinreißend, überwältigend schienen, legte er sich als Obsession und Verzauberung unter der Macht einer Person zurecht. So führt der Christ, die heute am meisten naive und zurückgebildete Art Mensch, die Hoffnung, die Ruhe, das Gefühl der “Erlösung” auf ein psychologisches Inspiriren Gottes zurück: bei ihm, als einem wesentlich leidenden und beunruhigten Typus erscheinen billigerweise die Glücks- Erhebungs- und Ruhegefühle als das Fremde, als das der Erklärung Bedürftige. Unter klugen, starken und lebensvollen Rassen erregte am meisten der Epileptische die Überzeugung, daß hier eine fremde Macht im Spiel ist; aber auch jede verwandte Unfreiheit, z.B. die des Begeisterten, des Dichters, des großen Verbrechers, der Passionen wie Liebe und Rache dient zur Erfindung von außermenschlichen Mächten. Man concrescirt einen Zustand in eine Person: und behauptet, dieser Zustand, wenn er an uns auftritt, sei die Wirkung jener Person. Mit anderen Worten: in der psychologischen Gottbildung wird ein Zustand, um Wirkung zu sein, als Ursache personifizirt.

Die psychologische Logik ist die: das Gefühl der Macht, wenn es plötzlich und überwältigend den Menschen überzieht,—und das ist in allen großen Affekten der Fall—erregt ihm einen Zweifel an seiner Person: er wagt sich nicht als Ursache dieses erstaunlichen Gefühls zu denken—und so setzt er eine stärkere Person, eine Gottheit für diesen Fall an.

In summa: der Ursprung der Religion liegt in den extremen Gefühlen der Macht, welche als fremd den Menschen überraschen: und dem Kranken gleich, der ein Glied zu schwer und seltsam fühlt und zum Schluß kommt, daß ein anderer Mensch über ihm liege, legt sich der naive homo religiosus in mehrere Personen auseinander. Die Religion ist ein Fall der “altération de la personnalité.” Eine Art Furcht- und Schreckgefühl vor sich selbst ...

Aber ebenso ein außerordentliches Glücks- und Höhengefühl ...

unter Kranken genügt das Gesundheits-Gefühl, um an Gott, an die Nähe Gottes zu glauben

14 [125]

Rudimentäre Psychologie des religiösen Menschen

alle Veränderungen sind Wirkungen,

alle Wirkungen sind Willens-Wirkungen. Der Begriff “Natur,” “Naturgesetz” fehlt.

zu allen Wirkungen gehört ein Thäter

rudimentäre Psychologie: man ist selber nur in dem Falle Ursache, wo man weiß, daß man gewollt hat.

Folge: die Zustände der Macht imputiren dem Menschen das Gefühl, nicht die Ursache zu sein, unverantwortlich dafür zu sein

: sie kommen, ohne gewollt zu sein: folglich sind wir nicht die Urheber

: der unfreie Wille (d.h. das Bewußtsein einer Veränderung mit uns, ohne daß wir sie gewollt haben) bedarf eines fremden Willens

Consequenz: der Mensch hat alle seine starken und erstaunlichen Momente nicht gewagt, sich zuzurechnen,—er hat sie als “passiv,” als “erlitten” als Überwältigungen concipirt

: die Religion ist eine Ausgeburt eines Zweifels an der Einheit der Person, eine altération der Persönlichkeit

: insofern alles Große und Starke vom Menschen als übermenschlich als fremd concipirt wurde, verkleinerte sich der Mensch,—er legte die zwei Seiten, eine sehr erbärmliche und schwache und eine sehr starke und erstaunliche in zwei Sphären auseinander, hieß die erste “Mensch,” die zweite “Gott.”

Er hat das immer fortgesetzt, er hat, in der Periode der moral Idiosynkrasie, seine hohen und sublimen Moral-Zustände nicht als “gewollt,” als “Werk” der Person ausgelegt. Auch der Christ legt seine Person in eine mesquine und schwache Fiktion, die er Mensch nennt und eine andere, die er Gott (Erlöser, Heiland) nennt auseinander —

Die Religion hat den Begriff “Mensch” erniedrigt; ihre extreme Consequenz ist, daß alles Gute, Große, Wahre übermenschlich ist und nur durch eine Gnade geschenkt ...

14 [126]

Gegenbewegung: Religion

Moral als Versuch, den menschlichen Stolz herzustellen

Die Theorie vom “freien Willen” ist antireligiös. Sie will dem Menschen ein Anrecht schaffen, sich für seine hohen Zustände und Handlungen als Ursache denken zu dürfen; sie ist eine Form des wachsenden Stolzgefühls

Der Mensch fühlt seine Macht, sein “Glück,” wie man sagt: es muß “Wille” sein vor diesem Zustand,—sonst gehört er ihm nicht an

die Tugend ist der Versuch, ein Faktum von Wollen und Gewollt-haben, als nothwendiges Antecedens vor jedes hohe und starke Glücksgefühl zu setzen

wenn regelmäßig der Wille zu gewissen Handlungen im Bewußtsein vorhanden ist, so darf ein Machtgefühl als dessen Wirkung ausgelegt werden

Das ist eine bloße Optik der Psychologie: immer unter der falschen Voraussetzung, daß uns nichts zugehört, was wir nicht als gewollt im Bewußtsein haben

Die ganze Verantwortlichkeitslehre hängt an dieser naiven Psychologie, daß nur der Wille Ursache ist und daß man wissen muß, gewollt zu haben, um sich als Ursache glauben zu dürfen

der Mensch darf nur vor sich Achtung haben, sofern er tugendhaft ist.

Kommt die Gegenbewegung: die der Moralphilosophen, immer noch unter dem gleichen Vorurtheile, daß man nur für etwas verantwortlich ist das man gewollt hat.

Der Werth des Menschen als moralischer Werth angesetzt: folglich muß seine Moralität eine causa prima sein

folglich muß ein Princip im Menschen sein, ein “freier Wille” als causa prima

Hier ist immer der Hintergedanke: wenn der Mensch nicht causa prima ist als Wille, so ist er unverantwortlich,—folglich gehört er gar nicht vor das moralische Forum,—die Tugend oder das Laster wären automatisch oder machinal ...

In summa: damit der Mensch vor sich Achtung haben kann, muß er fähig sein, auch böse zu werden

14 [127]

Eine Form der Religion, um den Volks-Stolz herzustellen

Ein andrer Weg, den Menschen aus seiner Erniedrigung zu ziehen, welche der Abgang der hohen und starken Zustände, wie als fremder Zustände, mit sich brachte, war die Verwandtschafts-Theorie

: diese hohen und starken Zustände konnten wenigstens als Einwirkungen unserer Vorfahren ausgelegt werden, wir gehörten zu einander, solidarisch, wir wachsen in unseren eigenen Augen, indem wir nach uns bekannter Norm handeln.

Versuch, vornehmer Familien, die Religion mit ihrem Selbstgefühl auszugleichen

Die Transfiguration, die zeitweilige Metamorphose

— Dasselbe thun die Dichter und Seher, sie fühlen sich stolz, gewürdigt und auserwählt zu sein zu solchem Verkehre,—sie legen Werth darauf, als Individuen gar nicht in Betracht zu kommen, bloße Mundstücke zu sein (Homer)

Noch eine Form der Religion. Der Gott wählt aus, der Gott wird Mensch, oder Gott wohnt mit Menschen zusammen und hinterläßt große Wohlthaten, die Ortslegende, als “Drama” ewig dargestellt

Schrittweises Besitz-ergreifen von seinen hohen und stolzen Zuständen, Besitz-ergreifen von seinen Handlungen und Werken

— ehedem glaubte man sich zu ehren, wenn man für die höchsten Dinge, die man that, sich nicht verantwortlich wußte, sondern—Gott —

die Unfreiheit des Willens galt als das, was einer Handlung einen höheren Werth verlieh: damals war ein Gott zu ihrem Urheber gemacht ...

14 [128]

Wille zur Macht—Moral

Die Schauspielerei als Folge der Moral des “freien Willens”

Es ist ein Schritt in der Entwicklung des Machtgefühls selbst, seine hohen Zustände (seine Vollkommenheit) selber auch verursacht zu haben—folglich, schloß man sofort, gewollt zu haben ...

Kritik: alles vollkommene Thun ist gerade unbewußt und nicht mehr gewollt, das Bewußtsein drückt einen unvollkommenen und oft krankhaften Personalzustand aus. Die persönliche Vollkommenheit als bedingt durch Willen, als Bewußtheit, als Vernunft mit Dialektik ist eine Carikatur, eine Art von Selbstwiderspruch ... Der Grad von Bewußtsein macht ja die Vollkommenheit unmöglich ... Form der Schauspielerei.

14 [129]

Philosophie als décadence

Warum Alles auf Schauspielerei hinauskam.

Die rudimentäre Psychologie, welche nur die bewußten Momente des Menschen rechnete, als Ursachen, welche “Bewußtheit” als Attribut der Seele nahm, welche einen Willen (d.h. eine Absicht) hinter allem Thun suchte

: sie hatte nur nöthig zu antworten: erstens, was will der Mensch?

Antwort: das Glück (—man durfte nicht sagen “Macht”: das wäre unmoralisch gewesen)—folglich ist in allem Handeln des Menschen eine Absicht, mit ihm das Glück zu erreichen —

zweitens, wenn thatsächlich der Mensch das Glück nicht erreicht, woran liegt es? An den Fehlgriffen in Bezug auf die Mittel.

Welches ist unfehlbar das Mittel zum Glück? Antwort: die Tugend.

Warum die Tugend? Weil sie die höchste Vernünftigkeit, und weil Vernünftigkeit den Fehler unmöglich macht, sich in den Mitteln zu vergreifen

als Vernunft ist die Tugend der Weg zum Glück ...

die Dialektik ist das beständige Handwerk der Tugend, weil sie alle Trübung des Intellekts, alle Affekte ausschließt

Thatsächlich will der Mensch nicht das “Glück” ...

Lust ist ein Gefühl von Macht: wenn man die Affekte ausschließt, so schließt man die Zustände aus, die am höchsten das Gefühl der Macht, folglich Lust geben.

die höchste Vernünftigkeit ist ein kalter, klarer Zustand, der fern davon ist, jenes Gefühl von Glück zu geben, das der Rausch jeder Art mit sich bringt ...

die antiken Phil bekämpften alles, was berauscht,—was die absolute Kälte und Neutralität des Bewußtseins beeinträchtigt ...

sie waren consequent, auf Grund ihrer falschen Voraussetzung: daß Bewußtsein der hohe, der oberste Zustand sei, die Voraussetzung der Vollkommenheit,

während das Gegentheil wahr ist

Soweit gewollt wird, soweit gewußt wird, giebt es keine Vollkommenheit im Thun irgendwelcher Art. Die antiken Philosophen waren die größten Stümper der Praxis, weil sie sich theoretisch verurtheilten, zur Stümperei ... In praxi lief Alles auf Schauspielerei hinaus:—und wer dahinter kam, Pyrrho z.B., urtheilte wie Jedermann, nämlich daß in der Güte und Rechtschaffenheit die “kleinen Leute” den Philosophen weit über sind

Alle tieferen Naturen des Alterthums haben Ekel an den Philosophen der Tugend gehabt:

man sah Streithämmel und Schauspieler in ihnen.

Urtheil über Platoseitens Epikurs
 seitens Pyrrhos

Resultat: in der Praxis des Lebens, in der Geduld, Güte und gegenseitigen Förderung sind ihnen die kleinen Leute über: ungefähr das Urtheil, wie es Dostojewsky oder Tolstoi für seine Moujik’s in Anspruch nimmt: sie sind philosophischer in der Praxis, sie haben eine beherztere Art, mit dem Nothwendigen fertig zu werden ...

14 [130]

Gegenbewegung: Religion

Moral als décadence

Reaktion der kleinen Leute:

das höchste Gefühl der Macht giebt die Liebe

Zu begreifen, in wiefern hier nicht der Mensch überhaupt, sondern eine Art Mensch redet. Diese ist näher auszugraben

“wir sind göttlich in der Liebe, wir werden ‘Kinder Gottes,’ Gott liebt uns und will gar nichts von uns, als Liebe”

das heißt: alle Moral, alles Gehorchen und Thun, bringt nicht jenes Gefühl von Macht und Freiheit hervor, wie es die Liebe hervorbringt

— aus Liebe thut man nichts Schlimmes, man thut viel mehr als man aus Gehorsam und Tugend thäte —

— hier ist das Heerdenglück, das Gemeinschafts-Gefühl im Großen und Kleinen, das lebendige Eins-Gefühl als Summe des Lebensgefühls empfunden

— das Helfen und Sorgen und Nützen erregt fortwährend das Gefühl der Macht, der sichtbare Erfolg, der Ausdruck der Freude unterstreicht das Gefühl der Macht

— der Stolz fehlt nicht, als Gemeinde, als Wohnstätte Gottes, als “Auserwählte.” —

Thatsächlich hat der Mensch nochmals eine Alteration der Persönlichkeit erlebt: dies Mal nannte er sein Liebesgefühl Gott

man muß ein Erwachen eines solchen Gefühls sich denken, eine Art Entzücken, eine fremde Rede, ein “Evangelium” —

diese Neuheit war es, welche ihm nicht erlaubte, sich die Liebe zuzurechnen—: er meinte, daß Gott vor ihm wandele, und in ihm lebendig geworden sei —

“Gott kommt zu den Menschen,” der “Nächste” wird transfigurirt, in einen Gott (insofern an ihm das Gefühl der Liebe sich auslöst) Jesus ist der Nächste, so wie dieser zur Gottheit, zur Machtgefühl erregenden Ursache umgedacht wurde.

14 [131]

Wissenschaft und Philosophie

Wissenschaftlichkeit: als Dressur oder als Instinkt.

Bei den griechischen Philosophen sehe ich einen Niedergang der Instinkte: sonst hätten sie nicht dermaßen fehlgreifen können, den bewußten Zustand als den werthvolleren anzusetzen

die Intensität des Bewußtseins steht im umgekehrten Verhältniß zur Leichtigkeit und Schnelligkeit der cerebralen Übermittlung.

Dort regierte die umgekehrte Meinung über den Instinkt: was immer das Zeichen geschwächter Instinkte ist.

Wir müssen in der That das vollkommene Leben dort suchen, wo es am wenigsten mehr bewußt wird (d.h. seine Logik, seine Gründe, seine Mittel und Absichten, seine Nützlichkeit sich vorführt)

Die Rückkehr zur Thatsache des bon sens, des bon homme, der “kleinen Leute” aller Art

einmagazinirte Rechtschaffenheit und Klugheit seit Geschlechtern, die sich niemals ihrer Principien bewußt wird und selbst einen kleinen Schauder vor Principien hat

das Verlangen nach einer räsonnirenden Tugend ist nicht räsonnabel ... Ein Philosoph ist mit einem solchen Verlangen compromittirt.

14 [132]

Wenn durch Übung in einer langen Geschlechterkette genug Feinheit, Tapferkeit, Vorsicht und Mäßigung aufgesammelt ist, so strahlt die Instinkt-Kraft dieser einverleibten Tugend auch noch ins Geistigste aus—und jenes seltene Phänomen wird sichtbar, die intellektuelle Rechtschaffenheit. Dasselbe ist sehr selten: es fehlt bei den Philosophen.

man kann die Wissenschaftlichkeit oder moralisch ausgedrückt die intellektuelle Rechtschaffenheit eines Denkers, seine Instinkt gewordene Feinheit, Tapferkeit, Vorsicht, Mäßigung, die sich ins Geistigste noch übersetzt, auf eine Goldwage legen: man mache ihn Moral reden ...

und die berühmtesten Philosophen zeigen dann, daß ihre Wissenschaftlichkeit nur erst eine bewußte Sache, ein Ansatz, ein “guter Wille,” eine Mühsal ist—und daß eben im Augenblick, wo ihr Instinkt zu reden beginnt, wo sie moralisiren, es zu Ende mit der Zucht und Feinheit ihres Gewissens

die Wissenschaftlichkeit, ob bloße Dressur und Außenseite oder Endresultat einer langen Zucht und Moral-Übung:

im ersten Falle vikarirt sie sofort, wenn der Instinkt redet (z.B. der religiöse oder der Pflichtbegriffs-Instinkt)

im anderen Falle steht sie an Stelle dieser Instinkte und läßt sie nicht mehr zu, empfindet sie als Unsauberkeit und Verführungen ...

14 [132]

Wenn durch Übung in einer langen Geschlechterkette genug Feinheit, Tapferkeit, Vorsicht und Mäßigung aufgesammelt ist, so strahlt die Instinkt-Kraft dieser einverleibten Tugend auch noch ins Geistigste aus—und jenes seltene Phänomen wird sichtbar, die intellektuelle Rechtschaffenheit. Dasselbe ist sehr selten: es fehlt bei den Philosophen.

man kann die Wissenschaftlichkeit oder moralisch ausgedrückt die intellektuelle Rechtschaffenheit eines Denkers, seine Instinkt gewordene Feinheit, Tapferkeit, Vorsicht, Mäßigung, die sich ins Geistigste noch übersetzt, auf eine Goldwage legen: man mache ihn Moral reden ...

und die berühmtesten Philosophen zeigen dann, daß ihre Wissenschaftlichkeit nur erst eine bewußte Sache, ein Ansatz, ein “guter Wille,” eine Mühsal ist—und daß eben im Augenblick, wo ihr Instinkt zu reden beginnt, wo sie moralisiren, es zu Ende mit der Zucht und Feinheit ihres Gewissens

die Wissenschaftlichkeit, ob bloße Dressur und Außenseite oder Endresultat einer langen Zucht und Moral-Übung:

im ersten Falle vikarirt sie sofort, wenn der Instinkt redet (z.B. der religiöse oder der Pflichtbegriffs-Instinkt)

im anderen Falle steht sie an Stelle dieser Instinkte und läßt sie nicht mehr zu, empfindet sie als Unsauberkeit und Verführungen ...

14 [133]

Anti-Darwin

Die Domestikation des Menschen: welchen definitiven Werth kann sie haben? oder hat überhaupt eine Domestikation einen definitiven Werth?— Man hat Gründe, dies letztere zu leugnen.

Die Schule Darwins macht zwar große Anstrengung, uns zum Gegentheil zu überreden: sie will, daß die Wirkung der Domestikation tief, ja fundamental werden kann. Einstweilen halten wir am Alten fest: es hat sich Nichts bisher bewiesen, als eine ganz oberflächliche Wirkung durch Domestikation—oder aber die Degenerescenz. Und Alles, was der menschlichen Hand und Züchtung entschlüpft, kehrt fast sofort wieder in seinen Natur-Zustand zurück. Der Typus bleibt constant: man kann nicht “dénaturer la nature.”

Man rechnet auf den Kampf um die Existenz den Tod der schwächlichen Wesen und das Überleben der Robustesten und Bestbegabten; folglich imaginirt man ein beständiges Wachsthum der Vollkommenheit für die Wesen. Wir haben uns umgekehrt versichert, daß, in dem Kampfe um das Leben, der Zufall den Schwachen so gut dient, wie den Starken, daß die List die Kraft oft mit Vortheil sich supplirt, daß die Fruchtbarkeit der Gattungen in einem merkwürdigen Rapport zu den Chancen der Zerstörung steht ...

Man theilt der natürlichen Selection zugleich langsame und unendliche Metamorphosen zu: man will glauben, daß jeder Vortheil sich vererbt und sich in abfolgenden Geschlechtern immer stärker ausdrückt (während die Erblichkeit so capriciös ist ...); man betrachtet die glücklichen Anpassungen gewisser Wesen an sehr besondere Lebensbedingungen und man erklärt, daß sie durch den Einfluß der milieux erlangt sind. Man findet aber Beispiele der unbewußten Selection nirgendswo (ganz und gar nicht) Die disparatesten Individuen einigen sich, die extremen mischen sich in die Masse. Alles concurrirt, den Typus aufrecht zu erhalten; Wesen, die äußere Zeichen haben, die sie gegen gewisse Gefahren schützen, verlieren dieselben nicht, wenn sie unter Umstände kommen, wo sie ohne Gefahr leben ... Wenn sie Orte bewohnen, wo das Kleid aufhört, sie zu verbergen, nähern sie sich keineswegs dem Milieu an.

Man hat die Auslese der Schönsten in einer Weise übertrieben, wie sie weit über den Schönheitstrieb unserer eigenen Rasse hinausgeht! Thatsächlich paart sich das Schönste mit sehr enterbten Creaturen, das Größte mit dem Kleinsten. Fast immer sehen wir Männchen und Weibchen jeder zufälligen Begegnung profitiren und sich ganz und gar nicht wählerisch zeigen.

Modifikation durch Clima und Nahrung. Aber in Wahrheit absolut gleichgültig.

Es giebt keine Übergangsformen ..

Verschiedene Arten auf Eine zurückgeführt. Die Erfahrung sagt, daß die Einigung zur Sterilität verurtheilt und Ein Typus wieder Herr wird.

Man behauptet die wachsende Entwicklung der Wesen. Es fehlt jedes Fundament. Jeder Typus hat seine Grenze: über diese hinaus giebt es keine Entwicklung. Bis dahin absolute Regelmäßigkeit.

Die primitiven Wesen sollen die Vorfahren der jetzigen sein. Aber ein Blick auf die fauna und flora der Tertiärperiode erlaubt uns nur wie an ein noch unerforschtes Land zu denken, wo es Typen giebt, die anderwärts nicht existiren und einander verwandt und selbst die, die anderwärts existiren.

Meine Consequenzen

Meine Gesammtansicht.— Erster Satz: der Mensch als Gattung ist nicht im Fortschritt. Höhere Typen werden wohl erreicht, aber sie halten sich nicht. Das Niveau der Gattung wird nicht gehoben.

Zweiter Satz: der Mensch als Gattung stellt keinen Fortschritt im Vergleich zu irgend einem anderen Thier dar. Die gesammte Thier- und Pflanzenwelt entwickelt sich nicht vom Niederen zum Höheren ... Sondern Alles zugleich, und übereinander und durcheinander und gegeneinander.

Die reichsten und complexesten Formen—denn mehr besagt das Wort “höherer Typus” nicht—gehen leichter zu Grunde: nur die niedrigsten halten eine scheinbare Unvergänglichkeit fest. Erstere werden selten erreicht und halten sich mit Noth oben: letztere haben eine comprimittirende Fruchtbarkeit für sich.— Auch in der Menschheit gehen unter wechselnder Gunst und Ungunst die höheren Typen, die Glücksfälle der Entwicklung, am leichtesten zu Grunde.

Sie sind jeder Art von décadence ausgesetzt: sie sind extrem, und damit selbst beinahe schon décadents ... Die kurze Dauer der Schönheit, des Genies, des Caesar, ist sui generis: dergleichen vererbt sich nicht. Der Typus vererbt sich; ein Typus ist nichts Extremes, kein “Glücksfall” ...

Das liegt an keinem besonderen Verhängniß und “bösen Willen” der Natur, sondern einfach am Begriff “höherer Typus”: der höhere Typus stellt eine unvergleichlich größere Complexität,—eine größere Summe coordinirter Elemente dar: damit wird auch die Disgregation unvergleichlich wahrscheinlicher.

Das “Genie” ist die sublimste Maschine, die es giebt,—folglich die zerbrechlichste.

Dritter Satz: die Domestikation (“die Cultur”) des Menschen geht nicht tief ... Wo sie tief geht, ist sie sofort die Degenerescenz (Typus: der Christ) Der “wilde” Mensch (oder, moralisch ausgedrückt: der böse Mensch) ist seine Rückkehr zur Natur—und, in gewissem Sinne,—seine Wiederherstellung, seine Heilung von der “Cultur” ...

14 [134]

Philosophie als décadence

Warum die Philosophen Verleumder sind?

Die tückische und blinde Feindseligkeit der Philosophen gegen die Sinne

Die Sinne sind es nicht, die täuschen! —

— unsere Nase, von der, soviel ich weiß, noch nie ein Philosoph mit Ehrerbietung gesprochen hat, ist einstweilen das delikateste physikalische Instrument, das es giebt: es vermag noch Schwingungen zu constatiren, wo selbst das Spektroscop ohnmächtig ist.

Wie viel Pöbel und Biedermann ist in all diesem Haß!

Das Volk betrachtet einen Mißbrauch, von dem es schlechte Folgen fühlt, immer als Einwand gegen das, was mißbraucht worden ist: alle aufständischen Bewegungen gegen Principien, sei es im Gebiete der Politik, oder der Wirthschaft, argumentiren immer so, mit dem Hintergedanken, einen abusus als dem Princip nothwendig und inhärent darzustellen.

Das ist eine jammervolle Geschichte: der Mensch sucht nach einem Princip, von wo aus er den Menschen verachten kann,—er erfindet eine Welt, um diese Welt verleumden und beschmutzen zu können: thatsächlich greift er jedes Mal nach dem Nichts, und construirt das Nichts zum “Gott”, zur “Wahrheit”, und jedenfalls zum Richter und Verurtheiler dieses Seins ...

Wenn man einen Beweis dafür haben will, wie tief und gründlich die eigentlich barbarischen Bedürfnisse des Menschen auch noch in seiner Zähmung und “Civilisation” Befriedigung suchen: so sehe man die “Leitmotive” der ganzen Entwicklung der Philosophie an. Eine Art Rache an der Wirklichkeit, ein heimtückisches Zugrunderichten der Werthung, in der der Mensch lebt, eine unbefriedigte Seele, die die Zustände der Zähmung als Tortur empfindet und an einem krankhaften Aufdröseln aller Bande, die mit ihr verbinden, ihre Wollust hat.

Die Geschichte der Philosophie ist ein heimliches Wüthen gegen die Voraussetzungen des Lebens, gegen die Werthgefühle des Lebens, gegen das Parteinehmen zu Gunsten des Lebens. Die Philosophen haben nie gezögert, eine Welt zu bejahen, vorausgesetzt, daß sie dieser Welt widerspricht, daß sie eine Handhabe abgiebt, von dieser Welt schlecht zu reden. Es war bisher die große Schule der Verleumdung: und sie hat so sehr imponirt, daß heute noch unsere sich als Fürsprecherin des Lebens gebende Wissenschaft die Grundposition der Verleumdung acceptirt hat und diese Welt als scheinbar, diese Ursachenkette als bloß phänomenal handhabt. Was haßt da eigentlich? ...

Ich fürchte, es ist immer die Circe der Philosophen, die Moral, welche ihnen diesen Streich gespielt, zu allen Zeiten Verleumder sein zu müssen ... Sie glaubten an die moralischen “Wahrheiten”, sie fanden da die obersten Werthe,—was blieb ihnen übrig, als, je mehr sie das Dasein begriffen, um so mehr zu ihm Nein zu sagen? ... denn dieses Dasein ist unmoralisch ... Und dieses Leben ruht auf unmoralischen Voraussetzungen: und alle Moral verneint das Leben —

— Schaffen wir die wahre Welt ab: und, um dies zu können, haben wir die bisherigen obersten Werthe abzuschaffen, die Moral ...

Es genügt nachzuweisen, daß auch die Moral unmoralisch ist, in dem Sinne, in dem das Unmoralische bis jetzt verurtheilt worden ist. Ist auf diese Weise die Tyrannei der bisherigen Werthe gebrochen, haben wir die “wahre Welt” abgeschafft, so wird eine neue Ordnung der Werthe von selbst folgen müssen.

NB NB. Die scheinbare Welt und die erlogene Welt: ist der Gegensatz: letztere hieß bisher die “wahre Welt”, die “Wahrheit”, “Gott”. Diese haben wir abzuschaffen.

14 [135]

Logik meiner Conception:

1.Moral als oberster Werth (Herrin über alle Phasen der Philosophie, selbst der Skeptiker): Resultat: diese Welt taugt nichts, sie ist nicht die “wahre Welt”
2.Was bestimmt hier den obersten Werth? Was ist eigentlich Moral?

Der Instinkt der décadence, es sind die Erschöpften und Enterbten, die auf diese Weise Rache nehmen

Historischer Nachweis: die Philosophen sind immer décadents ... im Dienste der nihilistischen Religionen.
3.Der Instinkt der décadence, der als Wille zur Macht auftritt.

Beweis: die absolute Unmoralität der Mittel in der ganzen Geschichte der Moral.
  
IIWir haben in der ganzen Beweg nur einen Spezialfall des Willens zur Macht erkannt.

14 [136]

Der Wille zur Macht.
Versuch
einer Umwerthung aller Werthe.

I.
Kritik der bisherigen Werthe.

II.
Das neue Princip des Werths.
Morphologie des “Willens zur Macht”

III.
Frage vom Werthe unserer modernen Welt
: gemessen nach diesem Princip

IV.
Der grosse Krieg.

14 [137]

Erstes Buch.
welche Werthe bisher obenauf waren.

1. Moral als oberster Werth, in allen Phasen der Philosophie (selbst bei den Skeptikern)

Resultat: diese Welt taugt nichts, es muß eine “wahre Welt” geben

2. Was bestimmt hier eigentlich den obersten Werth? Was ist eigentlich Moral? Der Instinkt der décadence, es sind die Erschöpften und Enterbten, die auf diese Weise Rache nehmen und die Herren machen ...

Historischer Nachweis: die Philosophen immer décadents, immer im Dienste der nihilistischen Religionen.

3. Der Instinkt der décadence, der als Wille zur Macht auftritt. Vorführung seines Systems der Mittel: absolute Unmoralität der Mittel.

Gesammtansicht: die bisherigen obersten Werthe sind ein Spezialfall des Willens zur Macht; die Moral selbst ist ein Spezialfall der Unmoralität.

Zweites Buch.
warum die gegnerischen Werthe immer unterlagen.

1. Wie war das eigentlich möglich? Frage: warum unterlag das Leben, die physiologische Wohlgerathenheit überall? Warum gab es keine Philosophie des Ja, keine Religion des Ja? ... Die historischen Anzeichen solcher Bewegungen:

die heidnische Religion.Dionysos gegen den “Gekreuzigten”
die Renaissance.Die Kunst

2. Die Starken und die Schwachen: die Gesunden und die Kranken; die Ausnahme und die Regel. Es ist kein Zweifel, wer der Stärkere ist ...

Gesammtaspekt der Geschichte. Ist der Mensch damit eine Ausnahme in der Geschichte des Lebens?— Einsprache gegen den Darwinismus. Die Mittel der Schwachen, um sich oben zu erhalten, sind Instinkte, sind “Menschlichkeit” geworden, sind “Institutionen” ...

3. Nachweis dieser Herrschaft in unseren politischen Instinkten, in unseren socialen Werthurtheilen, in unseren Künsten, in unserer Wissenschaft.

Wir haben zwei “Willen zur Macht” im Kampfe gesehen; im Specialfall: wir haben ein Princip, dem Einen Recht zu geben, der bisher unterlag, und dem, der bisher siegte, Unrecht zu geben: wir haben die “wahre Welt” als eine “erlogene Welt” und die Moral als eine Form der Unmoralität erkannt. Wir sagen nicht: “der Stärkere hat Unrecht” ...

Drittes Buch

was die Ursache aller Werthe und Verschiedenheit der Werthe ist

1.die nihilistischen Werthe sind obenauf
2.die Gegenbewegung ist immer unterlegen,—alsbald entartet ..
3.Die Gegenbewegung bisher nur in halben und entarteten Formen bekannt.
 Reinigung und Wiederherstellung ihres Typus.
 Präciser Ausdruck des Systems:
Psychologie
Historie
Kunst
Politik

14 [138]

3. Reinigung der bisher unterlegenen Werthe

Wir haben begriffen, was bisher den obersten Werth bestimmt hat

und warum es Herr geworden ist über die gegnerische Werthung:

es war stärker ...

Reinigen wir jetzt die gegnerische Werthung von der Infektion und Halbheit, von der Entartung, in der sie uns allen bekannt ist.

Theorie ihrer Entnatürlichung und Wiederherstellung der Natur: moralinfrei



Erkenntnißtheorie, Wille zur Wahrheit
Theorie der Psychologie
Ursprung der Religion
Ursprung der Kunst
Theorie der Herrschaftsgebilde
Theorie des Lebens
Leben und Natur



Geschichte der Gegenbewegungen:
 Renaissance
 Revolution
 Emancipation der Wissenschaft

14 [139]

Der corrupte und gemischte Zustand der Werthe entspricht dem physiologischen Zustand der jetzigen Menschen: Theorie der Modernität

14 [140]

Die Niedergangs-Instinkte sind Herr über die Aufgangs-Instinkte geworden ...

der Wille zum Nichts ist Herr geworden über den Willen zum Leben ..

— ist das wahr? ist nicht vielleicht eine größere Garantie des Lebens, der Gattung in diesem Sieg der Schwachen und Mittleren?

— ist es vielleicht nur ein Mittel in der Gesammtbewegung zum Leben, eine tempo-Verzögerung? eine Nothwehr gegen etwas noch Schlimmeres?

— gesetzt, die Starken wären Herren, in Allem und auch in den Werthschätzungen geworden: ziehen wir die Consequenz, wie sie über Krankheit, Leiden, Opfer denken würden? Eine Selbstverachtung der Schwachen wäre die Folge; sie würden suchen, zu verschwinden und sich auszulöschen ... Und wäre dies vielleicht wünschenswerth? ...

— und möchten wir eigentlich eine Welt, wo die Nachwirkung der Schwachen, ihre Feinheit, Rücksicht, Geistigkeit, Biegsamkeit fehlte? ...

14 [141]

Wissenschaft

Wissenschaft bekämpft von den Philosophen

Das ist außerordentlich. Wir finden von Anfang der griechischen Philosophie an einen Kampf gegen die Wissenschaft, mit den Mitteln einer Erkenntnißtheorie, resp. Skepsis: und wozu? immer zu Gunsten der Moral ...

Der Haß gegen die Physiker und Ärzte

Sokrates, Aristipp, die Megariker, die Cyniker, Epikur, Pyrrho—General-Ansturm gegen die Erkenntniß zu Gunsten der Moral ...

Haß auch gegen die Dialektik ...

Es bleibt ein Problem: sie nähern sich der Sophistik, um die Wissenschaft los zu werden

Andererseits sind die Physiker alle so weit unterjocht, um das Schema der Wahrheit, des wahren Seins in ihre Fundamente aufzunehmen: z.B. das Atom, die 4 Elemente (Juxtaposition eines Seienden, um die Vielheit und Veränderung zu erklären—)

Verachtung gelehrt gegen die Objektivität des Interesses: Rückkehr zu dem praktischen Interesse, zur Personal-Nützlichkeit aller Erkenntniß ...

Der Kampf gegen die Wissenschaft richtet sich gegen
1) deren Pathos (Objektivität),
2) deren Mittel (d.h. gegen deren Nützlichkeit
3) deren Resultate (als kindisch

Es ist derselbe Kampf, der später wieder von Seiten der Kirche, im Namen der Frömmigkeit geführt wird:

: sie erbt das ganze antike Rüstzeug zum Kampfe.

Die Erkenntnißtheorie spielt dabei dieselbe Rolle, wie bei Kant, wie bei den Indern ...

Man will sich nicht drum zu bekümmern haben: man will die Hand behalten für seinen “Weg”

wogegen wehren sie sich eigentlich? Gegen die Verbindlichkeit, gegen die Gesetzlichkeit, gegen die Nöthigung, Hand in Hand zu gehen —

: ich glaube, man nennt das Freiheit ...

Darin drückt sich décadence aus: der Instinkt der Solidarität ist so entartet, daß die Solidarität als Tyrannei empfunden wird:

: sie wollen keine Autorität
 keine Solidarität
 keine Einordnung in Reih und Glied und unend Langsamkeit der Bewegung

sie hassen das Schrittweise, das tempo der Wissenschaft, sie hassen das Nicht-anlangen-wollen, den langen Athem, die Personal-Indifferenz des wissenschaftlichen Menschen —.

14 [142]

Theorie und Praxis

Verhängnißvolle Unterscheidung, wie als ob es einen eigenen Erkenntnißtrieb gäbe, der, ohne Rücksicht auf Fragen des Nutzens und Schadens, blindlings auf die Wahrheit los gienge: und dann, davon abgetrennt, die ganze Welt der praktischen Interessen ...

Dagegen suche ich zu zeigen, welche Instinkte hinter all diesen reinen Theoretikern thätig gewesen sind,—wie sie allesammt fatalistisch im Bann ihrer Instinkte auf Etwas losgiengen, was für sie “Wahrheit” war, für sie und nur für sie. Der Kampf der Systeme, sammt dem der erkenntnißtheoretischen Skrupel, ist ein Kampf ganz bestimmter Instinkte (Formen der Vitalität, des Niedergangs, der Stände, der Rassen usw.)

Der sogenannte Erkenntnißtrieb ist zurückzuführen auf einen Aneignungs- und Überwältigungstrieb: diesem Triebe folgend haben sich die Sinne, das Gedächtniß, die Instinkte usw. entwickelt ...

— die möglichst schnelle Reduktion der Phänomene, die Oekonomie, die Accumulation des erworbenen Schatzes an Erkenntniß (d.h. angeeigneter und handlich gemachter Welt



Die Moral ist deshalb eine so curiose Wissenschaft, weil sie im höchsten Grade praktisch ist: so daß die reine Erkenntnißposition, die wissenschaftliche Rechtschaffenheit sofort preisgegeben wird, sobald die Moral ihre Antworten fordert

Die Moral sagt: ich brauche manche Antworten,—Gründe, Argumente. Scrupel mögen hinterdrein kommen, oder auch nicht —

“Wie soll gehandelt werden?”

Denkt man nun nach, daß man mit einem souverän entwickelten Typus zu thun hat, von dem seit unzähligen Jahrtausenden “gehandelt” worden ist und alles Instinkt, Zweckmäßigkeit, Automatismus, Fatalität geworden ist, so kommt Einem die Dringlichkeit dieser Moral-Frage sogar ganz komisch vor.

“Wie soll gehandelt werden?”— Moral war immer ein Mißverständniß: thatsächlich wollte eine Art, die ein Fatum, so und so zu handeln, im Leibe hatte, sich rechtfertigen, indem sie ihre Norm als Universalnorm aufdekretiren wollte ...

“Wie soll gehandelt werden?” ist keine Ursache, sondern eine Wirkung. Die Moral folgt, das Ideal kommt am Ende.

— Andrerseits verräth das Auftreten der moralischen Skrupel, anders ausgedrückt: das Bewußtwerden der Werthe, nach denen man handelt, eine gewisse Krankhaftigkeit; starke Zeiten und Völker reflektiren nicht über ihr Recht, über Prinzipien zu handeln, über Instinkt und Vernunft —

das Bewußtwerden ist ein Zeichen davon, daß die eigentliche Moralität, d.h. Instinkt-Gewißheit des Handelns, zum Teufel geht ...

Die Moralisten sind, wie jedes Mal, daß eine neue Bewußtseins-Welt geschaffen wird, Zeichen einer Schädigung, Verarmung, Desorganisation —

die Tief-Instinktiven haben eine Scheu vor dem Logisiren der Pflichten: unter ihnen findet man pyrrhonistische Gegner der Dialektik und der Erkennbarkeit überhaupt ... Eine Tugend wird mit “um” widerlegt ...

Thesis: das Auftreten der Moralisten gehört in die Zeiten, wo es zu Ende geht mit der Moralität

Thesis: der Moralist ist ein Auflöser der moralischen Instinkte, so sehr er deren Wiederhersteller zu sein glaubt

Thesis: das, was den Moralisten thatsächlich führt, sind nicht moralische Instinkte, sondern die Instinkte der décadence, übersetzt in die Formeln der Moral: er empfindet das Unsicherwerden der Instinkte als Corruption: thatsächlich

Thesis: die Instinkte der décadence, die durch die Moralisten über die Instinkt-Moral starker Rassen und Zeiten Herr werden wollen, sind

1)die Instinkte der Schwachen und Schlechtweggekommenen
2)die Instinkte der Ausnahmen, der Solitären, der Ausgelösten, des abortus im Hohen und Geringen
3)die Instinkte der Habituell-Leidenden, welche eine noble Auslegung ihres Zustandes brauchen und deshalb so wenig als möglich Physiologen sein dürfen

Moral als décadence

14 [143]

Ein Philosoph ist klug, wenn er “unpraktisch” ist: er erweckt Glauben an seine Ächtheit, Einfalt, Unschuld im Verkehr mit Gedanken,—unpraktisch bedeutet in seinem Falle “objektiv”. Schopenhauer war klug, als er sich einmal mit falsch zugeknöpfter Weste photographiren ließ: er sagte damit: “ich gehöre nicht in diese Welt: was geht einen Philosophen die Convention paralleler Nähte und Knöpfe an! ... Ich bin zu objektiv dafür! ...”



Es genügt nicht zu beweisen, daß man unpraktisch ist: die meisten Philosophen glauben damit genug gethan zu haben, um die Objektivität und Reinheit der Vernunft über allen Zweifel zu erheben.



1. Der angeblich reine Erkenntnißtrieb aller Philosophen ist commandirt durch ihre Moral- “wahrheiten”,—ist nur scheinbar unabhängig ...

2. die “Moralwahrheiten” “so soll gehandelt werden” sind bloße Bewußtseins-Formen eines müde-werdenden Instinkts: “so und so wird bei uns gehandelt”. Das “Ideal” soll einen Instinkt wiederherstellen, stärken: es schmeichelt dem Menschen, gehorsam zu sein, wo er nur Automat ist.

14 [144]

Wo es eine gewisse Einheit in der Gruppirung giebt, hat man immer den Geist als Ursache dieser Coordination gesetzt: wozu jeder Grund fehlt. Warum sollte die Idee eines complexen Factums eine der Bedingungen dieses Factums sein? oder warum müßte einem complexen Factum die Vorstellung davon präcediren? —

Wir werden uns hüten, die Zweckmäßigkeit durch den Geist zu erklären: es fehlt jeder Grund, dem Geiste die Eigenthümlichkeit zu organisiren und zu systematisiren zuzuschreiben.

Das Nervensystem hat ein viel ausgedehnteres Reich: die Bewußtseinswelt ist hinzugefügt. Im Gesammtprozeß der Adaptation und Systematisation spielt es keine Rolle.



Nichts ist fehlerhafter als aus psychischen und physischen Phänomenen die zwei Gesichter die zwei Offenbarungen einer und derselben Substanz zu machen. Damit erklärt man nichts: der Begriff “Substanz” ist vollkommen unbrauchbar, wenn man erklären will.



Das Bewußtsein, in zweiter Rolle, fast indifferent, überflüssig, bestimmt vielleicht zu verschwinden, und einem vollkommenen Automatismus Platz zu machen —



Wenn wir nur die inneren Phänomene beobachten, so sind wir vergleichbar den Taubstummen, die aus der Bewegung der Lippen die Worte errathen, die sie nicht hören. Wir schließen aus den Erscheinungen des inneren Sinns auf sichtbare und andere Phänomene, welche wir wahrnehmen würden, wenn unsere Beobachtungs-Mittel zureichend wären und welche man den Nervenstrom nennt.

14 [145]

Daß eine Welt, für die uns alle feineren Organe abgehen, so daß wir eine tausendfache Complexität noch als Einheit empfinden, so daß wir eine Causalität hineinerfinden, wo jeder Grund der Bewegung und Veränderung uns unsichtbar bleibt (die Aufeinanderfolge von Gedanken, von Gefühlen ist ja nur das Sichtbar-werden derselben im Bewußtsein; daß diese Reihenfolge irgend etwas mit einer Causal-Verkettung zu thun habe, ist völlig unglaubwürdig: das Bewußtsein liefert uns nie ein Beispiel von Ursache und Wirkung)

14 [146]

Wissenschaft gegen Philosophie

Die ungeheuren Fehlgriffe:
1)die unsinnige Überschätzung des Bewußtseins, aus ihm eine Einheit gemacht, ein Wesen gemacht, “der Geist”, “die Seele”, etwas, das fühlt, denkt, will —
2)der Geist als Ursache, namentlich überall wo Zweckmäßigkeit, System, Coordination erscheinen
3)das Bewußtsein als höchste erreichbare Form, als oberste Art Sein, als “Gott”
4)der Wille überall eingetragen, wo es Wirkung giebt
5)die “wahre Welt” als geistige Welt, als zugänglich durch Bewußtseins-Thatsachen
6)die Erkenntniß absolut als Fähigkeit des Bewußtseins, wo überhaupt es Erkenntniß giebt
 
 
Folgerungen:
jeder Fortschritt liegt in dem Fortschritt zum Bewußtwerden; jeder Rückschritt im Unbewußtwerden.
Man nähert sich der Realität, dem “wahren Sein” durch Dialektik; man entfernt sich von ihm durch Instinkte, Sinne, Mechanismus ...
Den Menschen in Geist auflösen hieße ihn zu Gott machen: Geist, Wille, Güte —
Eins Alles Gute muß aus der Geistigkeit stammen, muß Bewußtseins-Thatsache sein
Der Fortschritt zum Besseren kann nur ein Fortschritt im Bewußtwerden sein
Das Unbewußtwerden galt als Verfallensein an die Begierden und Sinne—als Verthierung ...
 
 

Der Kampf gegen Sokrates, Plato, die sämmtlichen sokratischen Schulen geht von dem tiefen Instinkt aus, daß man den Menschen nicht besser macht, wenn man ihm die Tugend als beweisbar und als gründefordernd darstellt...



Zuletzt ist es die mesquine Thatsache, daß der agonale Instinkt alle diese geborenen Dialektiker dazu zwang, ihre Personal-Fähigkeit als oberste Eigenschaft zu verherrlichen, und alles übrige Gute als bedingt durch sie darzustellen. Der antiwissenschaftliche Geist dieser ganzen “Philosophie”: sie will Recht behalten.

14 [147]

Der Kampf der Wissenschaft

Sophisten

Die Sophisten sind nichts weiter als Realisten: sie formuliren die allen gang und gäben Werthe und Praktiken zum Range der Werthe,—sie haben den Muth, den alle starken Geister haben, um ihre Unmoralität zu wissen ...

Glaubt man vielleicht, daß diese kleinen griechischen Freistädte, welche sich vor Wuth und Eifersucht gern aufgefressen hätten, von menschenfreundlichen und rechtschaffenen Principien geleitet wurden? Macht man vielleicht dem Thukydides einen Vorwurf aus seiner Rede, die er den athenischen Gesandten in den Mund legt, als sie mit den Meliern über Untergang oder Unterwerfung verhandeln?

Inmitten dieser entsetzlichen Spannung von Tugend zu reden war nur vollendeten Tartuffes möglich—oder Abseits-Gestellten, Einsiedlern, Flüchtlingen und Auswanderern aus der Realität ... alles Leute, die negirten, um selber leben zu können —

Die Sophisten waren Griechen: als Sokrates und Plato die Partei der Tugend und Gerechtigkeit nahmen, waren sie Juden oder ich weiß nicht was— Die Taktik Grotes zur Verteidigung der Sophisten ist falsch: er will sie zu Ehrenmännern und Moral-Standarten erheben—aber ihre Ehre war, keinen Schwindel mit großen Worten und Tugenden zu treiben ...

14 [148]

Parmenides hat gesagt “man denkt das nicht, was nicht ist”—wir sind am anderen Ende und sagen “was gedacht werden kann, muß sicherlich eine Fiktion sein”. Denken hat keinen Griff auf Reales, sondern nur auf

14 [149]

Die Anhänger Pyrrho’s haben sich auch mit den Juden beschäftigt, namentlich der am aegyptischen Hofe lebende Hekatäus von Abdera, der über die Philosophie der Aegypter schrieb.

14 [150]

“Für das praktische Leben ist ein Glaube nothwendig”

14 [151]

die “Besserung”
Moral als décadence

Die allgemeine Täuschung und Täuscherei im Gebiete der sogenannten moralischen Besserung. Wir glauben nicht daran, daß ein Mensch ein Anderer wird, wenn er es nicht schon ist: d.h. wenn er nicht, wie es oft genug vorkommt, eine Vielheit von Personen, mindestens von Ansätzen zu Personen, ist. In diesem Falle erreicht man, daß eine andere Rolle in den Vordergrund tritt, daß “der alte Mensch” zurückgeschoben wird ... Der Anblick ist verändert, nicht das Wesen ... Selbst das ist nicht immer erreicht, daß es die Gewöhnung an ein gewisses Thun aufhebt, den besten Grund dazu nimmt. Wer fatum und Fähigkeit Verbrecher ist, verlernt nichts, sondern lernt immer hinzu: und eine lange Entbehrung wirkt sogar als tonicum auf sein Talent ... Daß Jemand aufhört, gewisse Handlungen zu thun, ist ein bloßes fatum brutum, das die verschiedenste Deutung zuläßt. Für die Gesellschaft freilich hat gerade das allein ein Interesse, daß Jemand gewisse Handlungen nicht mehr thut: sie nimmt ihn zu diesem Zwecke aus den Bedingungen heraus, wo er gewisse Handlungen thun kann: das ist jedenfalls weiser als das Unmögliche versuchen, nämlich die Fatalität seines So-und-So-seins zu brechen.

Die Kirche—und sie hat nichts gethan als die antike Philosophie hierin abzulösen und zu beerben—, von einem anderen Werthmaaße ausgehend und eine “Seele”, das “Heil” einer Seele retten wollend, glaubt einmal an die sühnende Kraft der Strafe und sodann an die auslöschende Kraft der Vergebung: beides sind Täuschungen des religiösen Vorurtheils—die Strafe sühnt nicht, die Vergebung löscht nicht aus, Gethanes wird nicht ungethan gemacht. Damit daß Jemand Etwas vergißt, ist bei weitem nicht erreicht, daß Etwas nicht mehr ist ... Eine That zieht ihre Consequenzen, im Menschen und außer dem Menschen, gleichgültig ob sie als bestraft, “gesühnt”, “vergeben” oder “ausgelöscht” gilt, gleichgültig ob die Kirche inzwischen ihren Thäter selbst zu einem Heiligen avancirt hat. Die Kirche glaubt an Dinge die es nicht giebt, an “Seelen”; sie glaubt an Wirkungen, die es nicht giebt, an göttliche Wirkungen; sie glaubt an Zustände, die es nicht giebt, an Sünde, an Erlösung, an das Heil der Seele; sie bleibt überall bei der Oberfläche stehen, bei Zeichen, Gebärden, Worten, Emblemen denen sie eine arbiträre Auslegung giebt: sie hat eine zu Ende gedachte Methodik der psychologischen Falschmünzerei.

14 [152]

Wille zur Macht als Erkenntniss

nicht “erkennen”, sondern schematisiren, dem Chaos so viel Regularität und Formen auferlegen, als es unserem praktischen Bedürfniß genug thut

In der Bildung der Vernunft, der Logik, der Kategorien ist das Bedürfniß maaßgebend gewesen: das Bedürfniß, nicht zu “erkennen”, sondern zu subsumiren, zu schematisiren, zum Zweck der Verständigung, der Berechnung ...

das Zurechtmachen, das Ausdichten zum Ähnlichen, Gleichen—derselbe Proceß, den jeder Sinneseindruck durchmacht, ist die Entwicklung der Vernunft!

Hier hat nicht eine präexistente “Idee” gearbeitet: sondern die Nützlichkeit, daß nur, wenn wir grob und gleich gemacht die Dinge sehen, sie für uns berechenbar und handlich werden ...

die Finalität in der Vernunft ist eine Wirkung, keine Ursache: bei jeder anderen Art Vernunft, zu der es fortwährend Ansätze giebt, mißräth das Leben,—es wird unübersichtlich—zu ungleich —

Die Kategorien sind “Wahrheiten” nur in dem Sinne, als sie lebenbedingend für uns sind: wie der Euklidische Raum eine solche bedingte “Wahrheit” ist. (An sich geredet, da Niemand die Nothwendigkeit, daß es gerade Menschen giebt, aufrecht erhalten wird, ist die Vernunft, so wie der Euklidische Raum eine bloße Idiosynkrasie bestimmter Thierarten und eine neben vielen anderen ...)

Die subjektive Nöthigung, hier nicht widersprechen zu können, ist eine biologische Nöthigung: der Instinkt der Nützlichkeit, so zu schließen wie wir schließen, steckt uns im Leibe, wir sind beinahe dieser Instinkt ... Welche Naivetät aber, daraus einen Beweis zu ziehen, daß wir damit eine “Wahrheit an sich” besäßen ...

Das Nicht-Widersprechen-können beweist ein Unvermögen, nicht eine “Wahrheit”.

* *

Man muß den Phänomenalismus nicht an der falschen Stelle suchen: nichts ist phänomenaler (oder deutlicher) nichts ist so sehr Täuschung, als diese innere Welt die wir mit dem berühmten “inneren Sinn” beobachten.

Wir haben den Willen als Ursache geglaubt, bis zu dem Maße, daß wir nach unserer Personal-Erfahrung überhaupt eine Ursache in das Geschehen hineingelegt haben (d.h. Absicht als Ursache von Geschehen—)

Wir glauben, daß Gedanke und Gedanke, wie sie in uns nacheinander folgen, in irgend einer causalen Verkettung stehen: der Logiker in Sonderheit, der thatsächlich von lauter Fällen redet, die niemals in der Wirklichkeit vorkommen, hat sich an das Vorurtheil gewöhnt, daß Gedanken Gedanken verursachen,—er nennt das—Denken ...

Wir glauben—und selbst unsere Physiologen glauben es noch—daß Lust und Schmerz Ursache sind von Reaktionen, daß es der Sinn von Lust und Schmerz ist, Anlaß zu Reaktionen zu geben. Man hat Lust und das Vermeiden der Unlust geradezu Jahrtausende lang als Motive für jedes Handeln aufgestellt. Mit einiger Besinnung dürften wir zugeben, daß Alles so verlaufen würde, nach genau derselben Verkettung der Ursachen und Wirkungen, wenn diese Zustände “Lust und Schmerz” fehlten: und man täuscht sich einfach, zu behaupten, daß sie irgend etwas verursachen:—es sind Begleiterscheinungen mit einer ganz anderen Finalität, als der, Reaktionen hervorzurufen; es sind bereits Wirkungen innerhalb des eingeleiteten Prozesses der Reaktion ...

In summa: alles, was bewußt wird, ist eine Enderscheinung, ein Schluß—und verursacht nichts—alles Nacheinander im Bewußtsein ist vollkommen atomistisch. Und wir haben die Welt versucht zu verstehen mit der umgekehrten Auffassung,—als ob nichts wirke und real sei als Denken, Fühlen, Wollen ...

14 [153]

die Wissenschaft

Capitel I
Ursprung der “wahren Welt

Die Verirrung der Philosophie ruht darauf, daß man, statt in der Logik und den Vernunftkategorien Mittel zu sehen, zum Zurechtmachen der Welt zu Nützlichkeits-Zwecken (also “principiell”, zu einer nützlichen Fälschung) man in ihnen das Criterium der Wahrheit resp. der Realität zu haben glaubte. Das “Kriterium der Wahrheit” war in der That bloß die biologische Nützlichkeit eines solchen Systems principieller Fälschung: und da eine Gattung Thier nichts Wichtigeres kennt als sich zu erhalten, so dürfte man in der That hier von “Wahrheit” reden. Die Naivetät war nur die, die anthropocentrische Idiosynkrasie als Maß der Dinge, als Richtschnur über “real” und “unreal” zu nehmen: kurz, eine Bedingtheit zu verabsolutiren. Und siehe da, jetzt fiel mit Einem Mal die Welt auseinander in eine wahre Welt und eine “scheinbare”: und genau die Welt, in der der Mensch zu wohnen und sich einzurichten seine Vernunft erfunden hatte, genau dieselbe wurde ihm diskreditirt. Statt die Formen als Handhabe zu benutzen, sich die Welt handlich und berechenbar zu machen, kam der verrückte Scharfsinn der Philosophen dahinter, daß in diesen Kategorien der Begriff jener Welt gegeben ist, dem die andere Welt, die in der man lebt, nicht entspricht ... Die Mittel wurden mißverstanden als Werthmaaß, selbst als Verurtheilung der Absicht ...

Die Absicht war, sich auf eine nützliche Weise zu täuschen: die Mittel dazu, die Erfindung von Formeln und Zeichen, mit deren Hülfe man die verwirrende Vielheit auf ein zweckmäßiges und handliches Schema reduzirte.

Aber wehe! jetzt brachte man eine Moral-Kategorie ins Spiel: kein Wesen will sich täuschen, kein Wesen darf täuschen,—folglich giebt es nur einen Willen zur Wahrheit. Was ist “Wahrheit”?

Der Satz vom Widerspruch gab das Schema: die wahre Welt, zu der man den Weg sucht, kann nicht mit sich in Widerspruch sein, kann nicht wechseln, kann nicht werden, hat keinen Ursprung und kein Ende.

Das ist der größte Irrthum, der begangen worden ist, das eigentliche Verhängniß des Irrthums auf Erden: man glaubte ein Kriterium der Realität in den Vernunftformen zu haben, während man sie hatte, um Herr zu werden über die Realität, um auf eine kluge Weise die Realität mißzuverstehen ...

Und siehe da: jetzt wurde die Welt falsch, und exakt der Eigenschaften wegen, die ihre Realität ausmachen, Wechsel, Werden, Vielheit, Gegensatz, Widerspruch, Krieg.

Und nun war das ganze Verhängniß da:

1) wie kommt man los von der falschen, der bloß scheinbaren Welt? (—es war die wirkliche, die einzige

2) wie wird man selbst möglichst der Gegensatz zu dem Charakter der scheinbaren Welt? (Begriff des vollkommenen Wesens als eines Gegensatzes zu jedem realen Wesen, deutlicher als Widerspruch zum Leben ...

3) die ganze Richtung der Werthe war auf Verleumdung des Lebens aus

4) man schuf eine Verwechslung des Ideal-Dogmatismus mit der Erkenntniß überhaupt: so daß die Gegenpartei immer nun auch die Wissenschaft perhorrescirte

der Weg zur Wissenschaft war dergestalt doppelt versperrt: einmal durch den Glauben an die wahre Welt und dann durch die Gegner dieses Glaubens.

Die Naturwissenschaft, Physiologie war 1) in ihren Objecten verurtheilt 2) um ihre Unschuld gebracht ...

In der wirklichen Welt, wo schlechterdings Alles verkettet und bedingt ist, heißt irgend Etwas verurtheilen und wegdenken, Alles wegdenken und verurtheilen.

Das Wort “das sollte nicht sein”, “das hätte nicht sein sollen” ist eine farce ... Denkt man die Consequenzen aus, so ruinirte man den Quell des Lebens, wenn man das abschaffen wollte, was in irgendeinem Sinne schädlich, zerstörerisch ist. Die Physiologie demonstrirt es ja besser!

14 [154]

Moral als décadence

Wir sehen, wie die Moral

a)die ganze Weltauffassung vergiftet
b)den Weg zur Erkenntniß, zur Wissenschaft abschneidet
c)alle wirklichen Instinkte auflöst und untergräbt (indem sie deren Wurzeln als unmoralisch empfinden lehrt

Wir sehen ein furchtbares Werkzeug der décadence vor uns arbeiten, das sich mit den heiligsten Namen und Gebärden aufrecht hält

14 [155]

décad

Religion als décadence

Gegen Reue und ihre rein-psychologische Behandlung
(Ich empfehle die Behandlung des Gewissenbisses mit der Mitchells-Kur — — )

Mit einem Erlebniß nicht fertig werden ist bereits ein Zeichen von décadence. Dieses Wieder-Aufreißen alter Wunden, das Sich-Wälzen in Selbstverachtung und Zerknirschung ist eine Krankheit mehr, aus der nimmermehr das “Heil der Seele”, sondern immer nur eine neue Krankheitsform derselben entstehen kann ...

diese “Erlösungs-Zustände” im Christen sind bloße Wechsel eines und desselben krankhaften Zustandes,—Auslegungen der epileptischen Crise unter einer bestimmten Formel, welche nicht die Wissenschaft, sondern der religiöse Wahn giebt

man ist auf eine krankhafte Manier gut, wenn man krank ist ... wir rechnen jetzt den größten Theil des Psychologischen Apparates, mit dem das Christenthum gearbeitet hat, unter die Formen der Hysterie und der Epilepsoidis.

diese ganze Praxis der seelischen Wiederherstellung muß auf eine physiologische Grundlage zurückgestellt werden: der “Gewissensbiß” als solcher ist ein Hinderniß der Genesung,—man muß Alles aufzuwiegen suchen durch neue Handlungen und möglichst schnell das Siechthum der Selbsttortur ...

man sollte die rein psychologische Praktik der Kirche und der Sekten als gesundheitsgefährlich in Verruf bringen ...

man heilt einen Kranken nicht durch Gebete, und Beschwörungen böser Geister: die Zustände der “Ruhe”, die unter solchen Einwirkungen eintreten, sind fern davon, im physiologischen Sinne Vertrauen zu erwecken ...

man ist gesund, wenn man sich über seinen Ernst und Eifer lustig macht, mit dem irgend eine Einzelheit unseres Lebens dergestalt uns hypnotisirt hat, wenn man beim Gewissensbiß Etwas fühlt wie beim Biß eines Hundes wider einen Stein,—wenn man sich seiner Reue schämt, —

Die bisherige Praxis, die rein psychologische und religiöse, war nur auf eine Veränderung der Symptome aus: sie hielt einen Menschen wiederhergestellt, wenn er vor dem Kreuze sich erniedrigte, und Schwüre that, ein guter Mensch zu sein ... Aber ein Verbrecher, der mit einem gewissen düsteren Ernst sein Schicksal festhält und nicht seine That hinterdrein verleumdet, hat mehr Gesundheit der Seele ... Die Verbrecher, mit denen D zusammen im Zuchthaus lebte, waren sammt und sonders ungebrochene Naturen, — sind sie nicht hundert Mal mehr werth als ein “gebrochener” Christ?

14 [156]

Der Wille zur Macht
Versuch
einer Umwerthung aller Werthe.

Erstes Capitel:

die wahre und die scheinbare Welt
 

Zweites Capitel:

wie ist ein solcher Fehlgriff möglich? Was bedeutet das Mißverstehenwollen des Lebens?
Critik der Philosophen, als Typen der décadence.
 

Drittes Capitel.

Die Moral als Ausdruck der décadence.
Kritik des Altruismus, des Mitleids, des Christenthums, der Entsinnlichung
 

Viertes Capitel.

Giebt es keine Ansätze einer gegentheiligen Stellung?
1. Heidnisches in der Religion
2. “die Kunst”
3. Staat
Der Krieg gegen sie: was sich immer gegen sie verschwört ...
 

Fünftes Capitel.

Kritik der Gegenwart: wohin gehört sie?
ihr nihilistisches Abzeichen
ihre jasagenden Typen: man muß das ungeheure Faktum begreifen, daß ein gutes Gewissen der Wissenschaft besteht ...
 

Sechstes Capitel.

Der Wille zur Macht, als Leben
 

Siebentes Capitel.

Wir Hyperboreer.
Lauter absolute Stellungen z.B. Glück!! z.B. Geschichte ungeheurer Genuß und Triumph am Schluß, lauter klare Jas und Neins zu haben ... Erlösung von der Ungewißheit!

14 [157]

Moral als décadence

décadence

Sinne,” “Leidenschaften

Die Furcht vor den Sinnen, vor den Begierden, vor den Leidenschaften, wenn sie so weit geht, dieselben zu widerrathen, ist ein Symptom bereits von Schwäche: die extremen Mittel kennzeichnen immer abnormale Zustände. Was hier fehlt, resp. angebröckelt ist, das ist die Kraft zur Hemmung eines Impulses: wenn man den Instinkt hat, nachgeben zu müssen d.h. reagiren zu müssen, dann thut man gut, den Gelegenheiten (“Verführungen”) aus dem Wege zu gehen.

Ein “Anreiz der Sinne” ist nur insofern eine Verführung, als es sich um Wesen handelt, deren System zu leicht beweglich und bestimmbar ist: im entgegengesetzten Falle, bei großer Schwerfälligkeit und Härte des Systems, sind starke Reize nöthig, um die Funktionen in Gang zu bringen ...

Die Ausschweifung ist uns nur ein Einwand gegen den, der zu ihr kein Recht hat; und fast alle Leidenschaften sind in schlechten Ruf derentwegen gebracht, die nicht stark genug sind, sie zu ihrem Nutzen zu wenden —

Man muß sich darüber verstehen, daß gegen Leidenschaft eingewendet werden kann, was gegen Krankheit einzuwenden ist: trotzdem — wir dürften der Krankheit nicht entbehren und noch weniger der Leidenschaften ...

Wir brauchen das Anormale, wir geben dem Leben einen ungeheuren choc durch diese großen Krankheiten ...

* * *

Im Einzelnen ist zu unterscheiden:

1) die dominirende Leidenschaft, welche sogar die supremste Form der Gesundheit überhaupt mit sich bringt: hier ist die Coordination der inneren Systeme und ihr Arbeiten in Einem Dienste am besten erreicht—aber das ist beinahe die Definition der Gesundheit!

2) das Gegeneinander der Leidenschaften, die Zweiheit, Dreiheit, Vielheit der “Seelen in Einer Brust”: sehr ungesund, innerer Ruin, auseinanderlösend, einen inneren Zwiespalt und Anarchismus verrathend und steigernd—: es sei denn, daß eine Leidenschaft endlich Herr wird. Rückkehr der Gesundheit

3) das Nebeneinander, ohne ein Gegeneinander und Füreinander zu sein: oft periodisch, und dann, sobald es eine Ordnung gefunden hat, auch gesund ... Die interessantesten Menschen gehören hierher, die Chamaeleons; sie sind nicht im Widerspruch mit sich, sie sind glücklich und sicher, aber sie haben keine Entwicklung,—ihre Zustände liegen neben einander, wenn sie auch siebenmal getrennt sind. Sie wechseln, sie werden nicht ..

14 [158]

Moral als décadence

Der “gute Mensch” als Tyrann

Die Menschheit hat immer denselben Fehler wiederholt: daß sie aus einem Mittel zum Leben einen Maßstab des Lebens gemacht hat

: daß sie, statt in der höchsten Steigerung des Lebens selbst, im Problem des Wachsthums und der Erschöpfung das Maaß zu finden, die Mittel zu einem ganz bestimmten Leben zum Ausschluß aller anderen Formen des Lebens, kurz zur Kritik und Selektion des Lebens benutzt hat

: d.h. der Mensch liebt endlich die Mittel um ihrer selbst willen und vergißt sie als Mittel: so daß sie jetzt als Ziele ihm ins Bewußtsein treten, als Maaßstäbe von Zwecken ...

: d.h. eine bestimmte Species Mensch behandelt ihre Existenzbedingungen als gesetzlich aufzuerlegende Bedingungen, als “Wahrheit”, “Gut”, “Vollkommen”: sie tyrannisirt ...

: es ist eine Form des Glaubens, des Instinkts, daß eine Art Mensch nicht die Bedingtheit ihrer eigenen Art, ihre Relativität im Vergleich zu anderen einsieht:

: wenigstens scheint es zu Ende zu sein mit einer Art Mensch (Volk, Rasse) wenn sie tolerant wird, gleiche Rechte zugesteht und nicht mehr daran denkt, Herr sein zu wollen—

14 [159]

Religion als décadence

Kritik des Glaubens
Überzeugung und Lüge.

1. “Zwischen einer Lüge und einer Überzeugung besteht ein Gegensatz”: es giebt keinen größeren ...

2. Aber es ist mit Recht gesagt worden, daß Überzeugungen gefährlichere Feinde der Wahrheit sind als Lügen (M.AM.)

3. Müßte vielleicht auch die vorangestellte Überzeugung unter die Feinde der Wahrheit gezählt werden? Und unter ihre gefährlichsten?

Eine jede Überzeugung hat ihre Geschichte, ihre Vorformen, ihre Tentativen und Fehlgriffe: sie wird Überzeugung, nachdem sie es lange nicht ist und noch länger kaum ist ...

könnte unter diesen Embryonal-Zuständen der Überzeugung nicht auch die Lüge sein? ...

sie bedarf oft eines Personen-Wechsels (—erst im Sohne wird Überzeugung, was im Vater noch Tendenz war—)

Was macht es, daß ein Lügner uns einen Irrthum für eine Wahrheit verkauft? Seine “praktische Vernunft” (—sein Vortheil, populärer geredet)

Was macht es, daß man zwischen verschiedenen Möglichkeiten sich entscheidet? Seine praktische Vernunft, sein Vortheil ...

Was macht es, daß man zwischen verschiedenen Hypothesen so und so wählt? Der Vortheil.

Welcher Unterschied bleibt zwischen einem Überzeugten und einem Belogenen? Keiner, wenn er gut belogen ist.

Was macht es, was alle Philosophen bestimmt, ihre Überzeugungen für Wahrheiten zu halten? Ihr Vortheil, ihre “praktische Vernunft”

Die Fiktion, die Nützlichkeit, die Vermuthung, die Wahrscheinlichkeit, die Gewißheit, die Überzeugung—eine Geschichte des inneren Pathos, an dessen Anfang die Lüge, deren Gott steht ...

“Ich will etwas für wahr halten”: ist das der Instinkt der Wahrheit oder nicht gerade ein anderer, der es sehr wenig streng nimmt mit der Wahrheit, aber den Vortheil kennt, den der Glaube mit sich bringt? ...

Gesetzt, man hat einen Vortheil davon, sich selbst zu belügen, worin unterscheidet sich das Pathos der Selbst-Belogenheit vom Pathos der Überzeugung? ...

Ist im Glauben, wie das Christenthum versteht, die Klugheit oder die Wahrheit zur Herrschaft gebracht? Der Beweis der Kraft (d.h. der Vortheile, welche ein Glaube mit sich bringt), oder der

Und was Märtyrer macht, ist das der Instinkt der Wahrheit, oder nicht umgekehrt eine Lücke der inneren Organisation, der Mangel eines solchen Instinkts? Wir betrachten Märtyrer als eine niedrigere Species: eine Überzeugung zu beweisen, hat gar keinen Sinn; sondern es gilt zu beweisen, daß man ein Recht hat, so überzeugt zu sein ... Die Überzeugung ist ein Einwand, ein Fragezeichen, ein défi, man hat zu beweisen, daß man nicht nur überzeugt ist—daß man nicht nur Narr ist ...

der Tod am Kreuze beweist keine Wahrheit, nur eine Überzeugung, nur eine Idiosynkrasie (—sehr populärer Irrthum: den Muth zu seiner Überzeugung haben—? aber den Muth zum Angriff auf seine Überzeugung haben!!!

14 [160]

Religion als décadence—die Überzeugung

Kritik des Opfertodes

Wir würden heute für manche Dinge in den Tod gehn, ohne dieses Opfer sehr feierlich zu nehmen, es liegt uns fern mit solchen Dingen Götzendienst zu treiben, bloß weil sie Menschen fordern ... Das berühmte “Vaterland” z.B., ein Begriff, der heute in Europa absonderlich theuer bezahlt wird: die noch berühmtere “Wissenschaft”, die, wie ich voraussetze, irgendwann einmal noch kostspieliger sogar werden dürfte, als der Begriff “Vaterland”

Ein Tod für ein



Ist es nöthig, Recht zu haben, um Recht zu behalten? Im Gegentheil! Und abgesehen davon heißt es unbescheiden sein. Man muß nicht zu viel Ehre wollen ... Aber alle diese großen Weisen waren bescheiden:—sie behielten bloß Recht ...



Ihr meint eine Sache wird dadurch ehrenhaft, daß ihr mit eurem Leben dafür bezahlt? ... Ein Irrthum, der ehrenhaft wird, ist ein Irrthum, der eine Verführungskunst mehr besitzt! glaubt ihr, daß wir wünschen werden euch zu einem Opfertod für eure “Wahrheit” zu ermuthigen? ... Genau das war die welthistorische Dummheit aller Verfolger: sie zwangen ihre Gegner, Heroen zu werden ... sie haben alle Dummheiten zu Fetischen für die Menschheit gemacht ... Das Weib liegt heute noch auf den Knien vor einer Lehre, deren Lehrer am Kreuz gestorben ist ... ist das Kreuz ein Beweis?



Ein gewisser Grad von Glaube genügt uns heute als Einwand gegen das Geglaubte, noch mehr als Fragezeichen an der geistigen Gesundheit des Gläubigen: die “felsenfesten Überzeugungen” gehören fast immer ins Irrenhaus.

14 [161]

Ich sehe durchaus nicht ab, wie Einer es wieder gut machen kann, der versäumt hat, zur rechten Zeit in eine gute Schule zu gehen. Ein solcher kennt sich nicht; er geht durchs Leben, ohne gehen gelernt zu haben; der schlaffe Muskel verräth sich bei jedem Schritt noch. Mitunter ist das Leben so barmherzig, diese harte Schule nachzuholen: jahrelanges Siechthum vielleicht, das die äußerste Willenskraft und Selbstgenugsamkeit herausfordert; oder eine plötzlich hereinbrechende Nothlage, zugleich noch für Weib und Kind, welche eine Thätigkeit erzwingt, die den erschlafften Fasern wieder Energie giebt und dem Willen zum Leben die Zähigkeit zurückgewinnt ... Das Wünschenswertheste bleibt unter allen Umständen eine harte Disciplin zur rechten Zeit, das heißt in jenem Alter noch, wo es stolz macht, viel von sich verlangt zu sehen. Denn dies unterscheidet die harte Schule als gute Schule von jeder anderen: daß Viel verlangt wird; daß streng verlangt wird; daß das Gute, das Ausgezeichnete selbst als normal verlangt wird; daß das Lob selten ist, daß die Indulgenz fehlt; daß der Tadel scharf, sachlich, ohne Rücksicht auf Talent und Herkunft laut wird. Eine solche Schule hat man in jedem Betracht nöthig: das gilt vom Leiblichsten wie vom Geistigsten: es wäre verhängnißvoll, hier trennen zu wollen! Die gleiche Disziplin macht den Militär und den Gelehrten tüchtig: und näher besehen, es giebt keinen tüchtigen Gelehrten der nicht die Instinkte eines tüchtigen Militärs im Leibe hat ... in Reih und Glied stehen, aber fähig jeder Zeit, voranzugehen; die Gefahr dem Behagen vorziehen; das Erlaubte und Unerlaubte nicht in einer Krämerwage wiegen; dem Mesquinen, Schlauen, Parasitischen mehr feind sein als dem Bösen ...

— Was lernt man in einer harten Schule? Gehorchen und Befehlen,

14 [162]

Philosoph

Pyrrho, der mildeste und geduldigste Mensch, der je unter Griechen gelebt hat, ein Buddhist obschon Grieche, ein Buddha selbst, wurde ein einziges Mal außer Rand und Band gebracht, durch wen?—durch seine Schwester, mit der er zusammenlebte: sie war Hebamme. Seitdem fürchteten sich am Allermeisten die Philosophen vor der Schwester—die Schwester! Schwester! ’s klingt so fürchterlich!—und vor der Hebamme! ... (Ursprung des Coelibats)

14 [163]

(Zum Capitel: Religion als décadence)

Die religiöse Moral

Der Affekt, die große Begierde, die Leidenschaften der Macht, der Liebe, der Rache, des Besitzes—: die Moralisten wollen sie auslöschen, herausreißen, die Seele von ihnen “reinigen”

Die Logik ist: diese Begierden richten oft großes Unheil an,—folglich sind sie böse, verwerflich. Der Mensch muß los von ihnen kommen: eher kann er nicht ein guter Mensch sein ...

Das ist dieselbe Logik wie: “ärgert dich ein Glied, so reiße es aus”. In dem besonderen Fall, wie es jene gefährliche “Unschuld vom Lande”, der Stifter des Christenthums, seinen Jüngern zur Praxis empfahl, im Fall der geschlechtlichen Irritabilität, folgt leider dies nicht nur, daß ein Glied fehlt, sondern daß der Charakter des M entmannt ist ... und das Gleiche gilt von dem Moralisten-Wahnsinn, welcher, statt der Bändigung, die Exstirpation der Leidenschaften verlangt. Ihr Schluß ist immer: erst der entmannte Mensch ist der gute Mensch.

Die großen Kraftquellen, jene oft so gefährlich und überwältigend hervorströmenden Wildwasser der Seele, statt ihre Macht in Dienst zu nehmen und zu ökonomisiren, will diese kurzsichtigste und verderblichste Denkweise, die Moral-Denkweise, versiegen machen.

14 [164]

Die christlichen Moral-Quacksalber

Mitleid und Verachtung folgen sich in schnellem Wechsel, und mitunter bin ich empört, wie beim Anblick eines schnöden Verbrechens. Hier ist der Irrthum zur Pflicht gemacht—zur Tugend—der Fehlgriff ist Handgriff geworden, der Zerstörer-Instinkt systematisirt als “Erlösung”; hier wird aus jeder Operation eine Verletzung, eine Ausschneidung selbst von Organen, deren Energie die Voraussetzung jeder Wiederkehr der Gesundheit ist. Und besten Falls, wird nicht geheilt, sondern nur eine Symptomen-Reihe des Übels in eine andere eingetauscht ... Und dieser gefährliche Unsinn, das System der Schändung und Verschneidung des Lebens gilt als heilig, als unantastbar; in seinem Dienste leben, Werkzeug dieser Heilkunst sein, Priester sein hebt heraus, macht ehrwürdig, macht heilig und unantastbar selbst. Nur die Gottheit kann die Urheberin dieser höchsten Heilkunst sein: nur als Offenbarung ist die Erlösung begreiflich, als Art der Gnade, als unverdientestes Geschenk, das der Creatur gemacht ist.



Erster Satz: die Gesundheit der Seele wird als Krankheit angesehen, mißtrauisch ...

Zweiter Satz: die Voraussetzungen für ein starkes und blühendes Leben, die starken Begehrungen und Leidenschaften, gelten als Einwände gegen ein starkes und blühendes Leben

Dritter Satz: Alles, woher dem Menschen Gefahr droht, Alles, was über ihn Herr werden und zu Grunde richten kann, ist böse, ist verwerflich,—ist mit der Wurzel aus seiner Seele auszureißen.

Vierter Satz: der Mensch, ungefährlich gemacht, gegen sich und Andere, schwach, niedergeworfen in Demuth und Bescheidenheit, seiner Schwäche bewußt, der “Sünder”—das ist der wünschbarste Typus, der, welchen man mit einiger Chirurgie der Seele auch herstellen kann ...

14 [165]

Der Muth.

1.

Ich unterscheide den Muth vor Personen, den Muth vor Sachen und den Muth vor dem Papier. Letzterer war zum Beispiel der Muth David Straußens. Ich unterscheide nochmals den Muth vor Zeugen und den Muth ohne Zeugen: der Muth eines Christen, eines Gottgläubigen überhaupt kann niemals Muth ohne Zeugen sein—er ist damit allein schon degradirt. Ich unterscheide endlich den Muth aus Temperament und den Muth aus Furcht vor der Furcht: ein Einzelfall der letzteren Species ist der moralische Muth. Hierzu kommt noch der Muth aus Verzweiflung.



Wagner als Verführer.

2.

Wagner hatte diesen Muth. Seine Lage hinsichtlich der Musik war im Grunde verzweifelt. Ihm fehlte Beides, was zum guten Musiker befähigt: Natur und Cultur, die Vorbestimmung für Musik und die Zucht und Schulung zur Musik. Er hatte Muth: er schuf aus diesem Mangel ein Princip,—er erfand sich eine Gattung Musik. Die “dramatische Musik”, wie er sie erfand, ist die Musik, welche er machen konnte ... ihr Begriff sind die Grenzen Wagner’s.

Und man hat ihn mißverstanden— Hat man ihn mißverstanden? ... Fünf Sechstel der modernen Künstler sind in seinem Falle. Wagner ist ihr Retter: fünf Sechstel sind übrigens die “geringste Zahl”. Jedesmal, wo die Natur sich unerbittlich gezeigt hat und wo andrerseits die Cultur ein Zufall, eine Tentative, ein Dilettantismus blieb, wendet sich jetzt der Künstler mit Instinkt, was sage ich? mit Begeisterung an Wagner: “halb zog er ihn, halb sank er hin”, wie der Dichter sagt.

2.

Der Erfolg Wagners ist ein großer Verführer. Setzen wir einmal den Fall, daß dieser Verführer reden lernt, daß er sich in Gestalt eines klugen Freundes und Gewissensraths zu jungen Musikern gesellt, die in der Tiefe ihres Ichs ein kleines Verhängniß tragen—und schon hören wir ihn reden, zutraulich, biedermännisch, von einer engelhaften Toleranz für alle “kleinen Verhängnisse” ...

14 [166]

Motiv zu einem Bild. Ein Fuhrmann. Winterlandschaft. Der Fuhrmann schlägt mit einem Ausdruck schnödesten Cynismus sein Wasser an seinem eigenen Pferde ab. Die arme geschundene Creatur blickt sich um dazu—dankbar, sehr dankbar ...

14 [167]

Wagner als Problem.
Wagner der Schauspieler.
Das was populär geworden ist
Wagner als Vorbild.
Wagner als Verführung.



Musik als Mimik. Jeder Gedanke

14 [168]

Die wahre und die scheinbare Welt

Entwurf des ersten Capitels

A.

Die Verführungen, die von diesem Begriff ausgehen, sind drei Art:

eine unbekannte Welt:—wir sind Abenteurer, neugierig,—das Bekannte scheint uns müde zu machen (—die Gefahr des Begriffs liegt darin, uns “diese” Welt als bekannt zu insinuiren ...

eine andere Welt, wo es anders ist:—es rechnet Etwas in uns nach, unsere stille Ergebung, unser Schweigen verliert dabei ihren Werth,—vielleicht wird Alles gut, wir haben nicht umsonst gehofft ... die Welt, wo es anders, wo wir selbst—wer weiß? anders sind ...

eine wahre Welt:—das ist der wunderlichste Streich und Angriff, der auf uns gemacht wird; es ist so Vieles an das Wort “wahr” ankrustirt, unwillkürlich machen wir’s auch der “Wahren Welt” zum Geschenk: die wahre Welt muß auch eine wahrhaftige sein, eine solche, die uns nicht betrügt, nicht zu Narren hat: an sie glauben ist beinahe glauben müssen (—aus Anstand, wie es unter zutrauenswürdigen Wesen geschieht—)

der Begriff die “unbekannte Welt” insinuirt uns diese Welt als “bekannt” (—als langweilig—)

der Begriff die “andere Welt” insinuirt, als ob die Welt anders sein könnte—hebt die Nothwendigkeit und das Faktum auf (—unnütz, sich zu ergeben, sich anzupassen—)

der Begriff die “wahre Welt” insinuirt diese Welt als eine unwahrhaftige, betrügerische, unredliche, unächte, unwesentliche—und folglich auch nicht unserem Nutzen zugethane Welt (—unrathsam, sich ihr anzupassen, besser: ihr widerstreben)

wir entziehen uns also in dreierlei Weise dieser Welt:

mit unserer Neugierde, wie als ob der interessantere Theil wo anders wäre

: mit unserer Ergebung, wie als ob es nicht nöthig sei, sich zu ergeben,—wie als ob diese Welt keine Nothwendigkeit letzten Ranges sei

: mit unserer Sympathie und Achtung: wie als ob diese Welt sie nicht verdiente, als unlauter, als gegen uns nicht redlich ...

In summa: wir sind auf eine dreifache Weise revoltirt: wir haben ein x zur Kritik der “bekannten Welt” gemacht.

Erster Schritt der Besonnenheit: zu begreifen, in wiefern wir verführt sind —

nämlich es könnte an sich exakt umgekehrt sein.

a)die unbekannte Welt könnte derartig beschaffen sein, um uns Lust zu machen zu dieser Welt,—als eine vielleicht stupide und geringere Form des Daseins
b)die andere Welt, geschweige daß sie unseren Wünschen, die hier keinen Austrag fänden, Rechnung trüge, könnte mit unter der Masse dessen sein, was uns diese Welt möglich macht: sie kennen lernen wäre ein Mittel, uns zufrieden zu machen
3)die wahre Welt: aber wer sagt uns eigentlich, daß die scheinbare Welt weniger Werth sein muß als die wahre? Widerspricht nicht unser Instinkt diesem Urtheile? Schafft sich nicht ewig der Mensch eine fingirte Welt, weil er eine bessere Welt haben will als die Realität? ...

Vor allem: wie kommen wir darauf, daß nicht unsere Welt die wahre ist? ... zunächst könnte doch die andere Welt die “scheinbare” sein ... in der That haben sich die Griechen z.B. ein Schattenreich, eine Scheinexistenz neben der wahren Existenz gedacht— Und endlich: was giebt uns ein Recht, gleichsam Grade der Realität anzusetzen? das ist etwas Anderes als eine unbekannte Welt, das ist bereits etwas-wissen-wollen von der unbekannten.

NB. Die “andere”, die unbekannte Welt—gut! aber sagen “wahre Welt” das heißt “etwas wissen von ihr”—das ist der Gegensatz zur Annahme einer x-Welt ...

In summa: die Welt x könnte langweiliger, unmenschlicher und unwürdiger in jedem Sinne sein als diese Welt.

Es stünde anders, wenn behauptet würde, es gäbe x Welten, d.h. jede mögliche Welt noch außer dieser. Aber das ist nie behauptet worden ...

Die “wahre” Welt = die wahrhaftige, die uns nicht belügt, die ehrlich ist
 = die rechte, auf die allein es ankommt
 = die ächte, im Gegensatz zu etwas Nachgemachtem und Gefälschtem

C.

Problem: warum die Vorstellung von der anderen Welt immer zum Nachtheil, resp. zur Kritik dieser Welt ausgefallen ist,—worauf das weist? —

Nämlich: ein Volk, das auf sich stolz ist, das im Aufgang des Lebens ist, denkt das Anders-sein immer als Niedriger-, Werthloser-sein; es betrachtet die fremde, die unbekannte Welt als seinen Feind, als seinen Gegensatz, es fühlt sich ohne Neugierde, in voller Ablehnung gegen das Fremde ...

ein Volk würde nicht zugeben, daß ein anderes Volk das “wahre Volk” wäre ...

schon daß ein solches Unterscheiden möglich ist—daß man diese Welt für die “scheinbare” und jene für die “wahre” nimmt, ist symptomatisch

Die Entstehungsheerde der Vorstellung: “andere Welt”
der Philosoph, der eine Vernunft-Welt erfindet, wo die Vernunft und die logischen Funktionen adaequat sind:—hierher stammt die “wahre” Welt
der religiöse Mensch, der eine “göttliche Welt”—hierher stammt die “entnatürlichte, widernatürliche” Welt
der moralische Mensch, der eine “freie Welt” fingirt—hierher stammt die “gute, vollkommene, gerechte, heilige,” Welt.
 
Das Gemeinsame der drei Entstehungsheerde ..
der psychologische Fehlgriff ... die physiologischen Verwechslungen

“die andere Welt”, wie sie thatsächlich in der Geschichte erscheint, mit welchen Prädikaten,—abgezeichnet mit den Stigmaten

des philosophischen 
des religiösenVorurtheils
des moralischen 

die andere Welt, wie sie aus diesen Thatsachen erhellt, als ein Synonym des Nicht-seins, des Nicht-lebens, des Nicht-leben-wollens ...



Gesammteinsicht: der Instinkt der Lebens-Müdigkeit und nicht der des Lebens hat die andere Welt geschaffen.



Consequenz: Philosophie, Religion und Moral
sind Symptome der décadence.

2tes Capitel

Historischer Nachweis, daß Religion, Moral und Philosophie décadence-Formen der Menschheit sind.

3tes Capitel

1. die Gründe, darauf hin “diese” Welt als “scheinbar” bezeichnet worden ist, begründen vielmehr ihre Realität:—eine andere Art Realität ist absolut unnachweisbar.

2. die Kennzeichen, welche man dem “wahren Sein” der Dinge gegeben hat, sind die Kennzeichen des Nicht-seins,—man hat die “wahre Welt” aus dem Widerspruch zur “wirklichen Welt” aufgebaut: eine “scheinbare Welt” in der That, eine solche, die eine optisch-moralische Täuschung ist

3. In summa: von einer andren Welt als dieser zu fabeln hat gar keinen Sinn,—vorausgesetzt, daß nicht ein Instinkt der Verleumdung, Verkleinerung, Verdächtigung des Lebens in uns mächtig ist: im letzteren Falle rächen wir uns am Leben mit der Phantasmagorie eines “besseren Lebens” ...

4. Die Welt scheiden in eine “wahre” und eine “scheinbare” ist eine Suggestion der décadence:—den Schein höher zu schätzen als die Realität, wie es der Künstler thut, ist kein Einwand dagegen. Denn der Schein bedeutet hier nur diese Realität noch einmal in der Auswahl, Verstärkung, Correktur ... Oder giebt es pessimistische Künstler?— Ist der tragische Künstler Pessimist? ...

14 [169]

1.Die wahre und die scheinbare Welt.
2.Der Philosoph als Typus der décadence.
3.Der religiöse Mensch als Typus der décadence.
4.Der gute Mensch als Typus der décadence.
5.Die Gegenbewegung: die Kunst.
Problem des Tragischen.
6.Das Heidnische in der Religion.
7.Die Wissenschaft gegen Philosophie.
8.Politica.
9.Kritik der Gegenwart.
10.Der Nihilismus und sein Gegenbild: die Wiederkünftigen.
11.Der Wille zur Macht.
  
1)Gesetzt, sie ist mehr werth, warum sollte sie mehr real sein als diese?
... ist die Realität eine Qualität der Vollkommenheit?— Aber das ist ja der ontologische Beweis Gottes ...
2)Gesetzt aber, sie ist wahr, so könnte sie weniger werth sein als unsere Welt ...

14 [170]

Die Gegenbewegungen: die Kunst.

Es sind die Ausnahme-Zustände, die den Künstler bedingen: alle die mit krankhaften Erscheinungen tief verwandt und verwachsen sind: so daß es nicht möglich scheint, Künstler zu sein und nicht krank zu sein.

Die physiologischen Zustände, welche im Künstler gleichsam zur “Person” gezüchtet sind, die an sich in irgend welchem Grade dem Menschen überhaupt anhaften:

1. der Rausch: das erhöhte Machtgefühl; die innere Nöthigung, aus den Dingen einen Reflex der eigenen Fülle und Vollkommenheit zu machen —

2. die extreme Schärfe gewisser Sinne: so daß sie eine ganz andere Zeichensprache verstehen—und schaffen ...— dieselbe, die mit manchen Nervenkrankheiten verbunden erscheint—die extreme Beweglichkeit, aus der eine extreme Mittheilsamkeit wird; das Redenwollen alles dessen, was Zeichen zu geben weiß ... ein Bedürfniß, sich gleichsam loszuwerden durch Zeichen und Gebärden; Fähigkeit von sich durch hundert Sprachmittel zu reden ... ein explosiver Zustand—man muß sich diesen Zustand zuerst als Zwang und Drang denken, durch alle Art Muskelarbeit und Beweglichkeit die Exuberanz der inneren Spannung loszuwerden: sodann als unfreiwillige Coordination dieser Bewegung zu den inneren Vorgängen (Bildern, Gedanken, Begierden)—als eine Art Automatismus des ganzen Muskelsystems unter dem Impuls von Innen wirkender starker Reize—Unfähigkeit, die Reaktion zu verhindern: der Hemmungsapparat gleichsam ausgehängt. Jede innere Bewegung (Gefühl, Gedanke, Affekt) ist begleitet von Vaskular-Veränderungen und folglich von Veränderungen der Farbe, der Temperatur, der Sekretion: die suggestive Kraft der Musik, ihre “suggestion mentale”;

3. das Nachmachen-Müssen: eine extreme Irritabilität, bei der sich ein gegebenes Vorbild contagiös mittheilt,—ein Zustand wird nach Zeichen schon errathen und dargestellt ... Ein Bild, innerlich auftauchend, wirkt schon als Bewegung der Glieder ... eine gewisse Willens-Aushängung ... (Schopenhauer!!!!)

Eine Art Taubsein, Blindsein nach außen hin,—das Reich der zugelassenen Reize ist scharf umgrenzt —

* * *

Dies unterscheidet den Künstler vom Laien (dem künstlerisch-Empfänglichen): letzterer hat im Aufnehmen seinen Höhepunkt von Reizbarkeit; ersterer im Geben—dergestalt, daß ein Antagonismus dieser beiden Begabungen nicht nur natürlich, sondern wünschenswerth ist. Jeder dieser Zustände hat eine umgekehrte Optik,—vom Künstler verlangen, daß er sich die Optik des Zuhörers (Kritikers,—) einübe, heißt verlangen, daß er sich und seine spezifische Kraft verarme ... Es ist hier wie bei der Differenz der Geschlechter: man soll vom Künstler, der giebt, nicht verlangen, daß er Weib wird—daß er “empfängt” ...

Unsere Aesthetik war insofern bisher eine Weibs-Aesthetik, als nur die Empfänglichen für Kunst ihre Erfahrungen “was ist schön?” formulirt haben. In der ganzen Philosophie bis heute fehlt der Künstler ... Das ist, wie das Vorhergehende andeutete, ein nothwendiger Fehler; denn der Künstler, der anfangen würde sich zu begreifen, würde sich damit vergreifen—er hat nicht zurück zu sehen, er hat überhaupt nicht zu sehen, er hat zu geben— Es ehrt einen Künstler, der Kritik unfähig zu sein ... andernfalls ist er halb und halb, ist er “modern”...

14 [171]

Religion als décadence

der Schlaf als Folge jeder Erschöpfung, die Erschöpfung als Folge jeder übermäßigen Reizung ...

das Bedürfniß nach Schlaf, die Vergöttlichung und Adoration selbst des Begriffs “Schlaf” in allen pessimistischen Religionen und Philosophien —

die Erschöpfung ist in diesem Fall eine Rassen-Erschöpfung; der Schlaf, physiologisch genommen, nur ein Gleichniß eines viel tieferen und längeren Ruhen-Müssens ... In praxi ist es der Tod, der hier unter dem Bilde seines Bruders, des Schlafes, so verführerisch wirkt ...

14 [172]

Die religiöse Monomanie erscheint gewöhnlich in der Form der folie circulaire, mit zwei contradiktorischen Zuständen, dem der Depression und dem der Tonicität.

Féré p 123.

14 [173]

Der Wille zur Macht als Leben

Psychologie des Willens zur Macht.

Lust Unlust

Der Schmerz ist etwas Anderes als die Lust,—ich will sagen, er ist nicht deren Gegentheil. Wenn das Wesen der Lust zutreffend bezeichnet worden ist als ein Plus-Gefühl von Macht (somit als ein Differenz-Gefühl, das die Vergleichung voraussetzt), so ist damit das Wesen der Unlust noch nicht definirt. Die falschen Gegensätze, an die das Volk und folglich die Sprache glaubt, sind immer gefährliche Fußfesseln für den Gang der Wahrheit gewesen. Es giebt sogar Fälle, wo eine Art Lust bedingt ist durch eine gewisse rhythmische Abfolge kleiner Unlust-Reize: damit wird ein sehr schnelles Anwachsen des Machtgefühls, des Lustgefühls erreicht. Dies ist der Fall z.B. beim Kitzel, auch beim geschlechtlichen Kitzel im Akt des coitus: wir sehen dergestalt die Unlust als Ingredienz der Lust thätig. Es scheint, eine kleine Hemmung, die überwunden wird und der sofort wieder eine kleine Hemmung folgt, die wieder überwunden wird—dieses Spiel von Widerstand und Sieg regt jenes Gesammtgefühl von überschüssiger überflüssiger Macht am stärksten an, das das Wesen der Lust ausmacht.— Die Umkehrung, eine Vermehrung der Schmerzempfindung durch kleine eingeschobene Lustreize, fehlt: Lust und Schmerz sind eben nichts Umgekehrtes.— Der Schmerz ist ein intellektueller Vorgang, in dem entschieden ein Urtheil laut wurde,—das Urtheil “schädlich”, in dem sich lange Erfahrung aufsummirt hat. An sich giebt es keinen Schmerz. Es ist nicht die Verwundung, die weh thut; es ist die Erfahrung, von welchen schlimmen Folgen eine Verwundung für den Gesammt-Organismus sein kann, welche in Gestalt jener tiefen Erschütterung redet, die Unlust heißt (bei schädigenden Einflüssen, welche der älteren Menschheit unbekannt geblieben sind, z.B. von Seiten neu combinirter giftiger Chemikalien, fehlt auch die Aussage des Schmerzes,—und wir sind verloren ...) Im Schmerz ist das eigentlich Spezifische immer die lange Erschütterung, das Nachzittern eines schreckenerregenden choc’s in dem cerebralen Heerde des Nervensystems:—man leidet eigentlich nicht an der Ursache des Schmerzes (irgend einer Verletzung zum Beispiel), sondern an der langen Gleichgewichtsstörung, welche in Folge jenes choc’s eintritt. Der Schmerz ist eine Krankheit der cerebralen Nervenheerde—die Lust ist durchaus keine Krankheit ...— Daß der Schmerz die Ursache ist zu Gegenbewegungen, hat zwar den Augenschein und sogar das Philosophen-Vorurtheil für sich; aber in plötzlichen Fällen kommt, wenn man genau beobachtet, die Gegenbewegung ersichtlich früher als die Schmerzempfindung. Es stünde schlimm um mich, wenn ich bei einem Fehltritt zu warten hätte, bis das Faktum an die Glocke des Bewußtseins schlüge und ein Wink, was zu thun ist, zurücktelegraphirt würde ... Vielmehr unterscheide ich so deutlich als möglich, daß erst die Gegenbewegung des Fußes, um den Fall zu verhüten, folgt und dann, in einer meßbaren Zeitdistanz, eine Art schmerzhafter Welle plötzlich im vorderen Kopfe fühlbar wird. Man reagirt also nicht auf den Schmerz. Der Schmerz wird nachher projicirt in die verwundete Stelle:—aber das Wesen dieses Lokal-Schmerzes bleibt trotzdem nicht der Ausdruck der Art der Lokal-Verwundung, es ist ein bloßes Ortszeichen, dessen Stärke und Tonart der Verwundung gemäß ist, welches die Nerven-Centren davon empfangen haben. Daß in Folge jenes choc’s die Muskelkraft des Organismus meßbar heruntergeht, giebt durchaus noch keinen Anhalt dafür, das Wesen des Schmerzes in einer Verminderung des Machtgefühls zu suchen ... Man reagirt, nochmals gesagt, nicht auf den Schmerz: die Unlust ist keine “Ursache” von Handlungen, der Schmerz selbst ist eine Reaktion, die Gegenbewegung ist eine andere und frühere Reaktion,—beide nehmen von verschiedenen Stellen ihren Ausgangspunkt. —

14 [174]

Der Wille zur Macht als Leben

Der Mensch sucht nicht die Lust und vermeidet nicht die Unlust: man versteht, welchem berühmten Vorurtheile ich hiermit widerspreche. Lust und Unlust sind bloße Folge, bloße Begleiterscheinung,—was der Mensch will, was jeder kleinste Theil eines lebenden Organismus will, das ist ein plus von Macht. Im Streben danach folgt sowohl Lust als Unlust; aus jenem Willen heraus sucht er nach Widerstand, braucht er etwas, das sich entgegenstellt. Die Unlust, als Hemmung seines Willens zur Macht, ist also ein normales Faktum, das normale Ingredienz jedes organischen Geschehens, der Mensch weicht ihr nicht aus, er hat sie vielmehr fortwährend nöthig: jeder Sieg, jedes Lustgefühl, jedes Geschehen setzt einen überwundenen Widerstand voraus.

Nehmen wir den einfachsten Fall, den der primitiven Ernährung: das Protoplasma streckt seine Pseudopodien aus, um nach etwas zu suchen, was ihm widersteht—nicht aus Hunger, sondern aus Willen zur Macht. Darauf macht es den Versuch, dasselbe zu überwinden, sich anzueignen, sich einzuverleiben:—das, was man “Ernährung” nennt, ist bloß eine Folge-Erscheinung, eine Nutzanwendung jenes ursprünglichen Willens, stärker zu werden

Es ist nicht möglich, den Hunger als primum mobile zu nehmen: ebenso wenig als die Selbsterhaltung: der Hunger als Folge der Unterernährung aufgefaßt, heißt: der Hunger als Folge eines nicht mehr Herr werdenden Willens zur Macht

die Zweiheit als Folge einer zu schwachen Einheit



es handelt sich durchaus nicht um eine Wiederherstellung eines Verlustes,—erst spät, in Folge Arbeitstheilung, nachdem der Wille zur Macht ganz andere Wege zu seiner Befriedigung einschlagen lernt, wird das Aneignungsbedürfniß des Organismus reduzirt auf den Hunger, auf das Wiederersatzbedürfniß des Verlorenen.



Die Unlust hat also so wenig nothwendig eine Verminderung unseres Machtgefühls zur Folge, daß, in durchschnittlichen Fällen, sie gerade als Reiz auf dieses Machtgefühl wirkt,—das Hemmniß ist der Stimulus dieses Willens zur Macht.

Man hat die Unlust verwechselt mit einer Art der Unlust, mit der der Erschöpfung: letztere stellt in der That eine tiefe Verminderung und Herabstimmung des Willens zur Macht, eine meßbare Einbuße an Kraft dar. Das will sagen: Unlust als Reizmittel zur Verstärkung der Macht und Unlust nach einer Vergeudung von Macht; im ersteren Fall ein stimulus, im letzteren die Folge einer übermäßigen Reizung ... Die Unfähigkeit zum Widerstand ist der letzteren Unlust zu eigen: die Herausforderung des Widerstehenden gehört zur ersteren ... Die Lust welche im Zustande der Erschöpfung allein noch empfunden wird, ist das Einschlafen; die Lust im anderen Fall ist der Sieg ...



Die große Verwechslung der Psychologen bestand darin, daß sie diese beiden Lustarten die des Einschlafens und die des Sieges nicht auseinanderhielten

die Erschöpften wollen Ruhe, Gliederausstrecken, Frieden, Stille —

es ist das Glück der nihilistischen Religionen und Philosophien

die Reichen und Lebendigen wollen Sieg, überwundene Gegner, Überströmen des Machtgefühls über weitere Bereiche als bisher:

alle gesunden Funktionen des Organismus haben dies Bedürfniß,—und der ganze Organismus, bis zum Alter der Pubertät, ist ein solcher nach Wachsthum von Machtgefühlen ringender Complex von Systemen

14 [175]

Plato:

aber Manu sagt: der Akt, durch den die Seele nach dem Unbekannten aspirirt, ist eine Erinnerung an das Swarga, von dem sie eine Spur zurückbehalten hat, wie man oft unsicher beim Erwachen die Bilder sieht, die uns in den Träumen getroffen haben

14 [176]

Alcoholismus.

Der Brahmane, der sich berauscht, in Vergessenheit der göttlichen Substanz, aus der seine Person gebildet ist, sinkt zum Rang des unreinen Sudra hinab.

Der dwidja, der sich gegorenen Getränken hingiebt, wird durch ihr Feuer innerlich verbrannt werden. Er reinige sich, indem er kochenden Urin der Kühe trinkt

14 [177]

Möge er eine Kuh retten: diese verdienstliche Handlung sühnt den Mord eines Brahmanen.

14 [178]

Priester

— Der Brahmane ist eine Autorität in dieser Welt und in der anderen; der Brahmane ist ein Objekt der Verehrung für die Götter.

Der Mörder einer Kuh soll drei Monate bedeckt bleiben mit der Haut dieser Kuh und dann drei Monate im Dienste eines Kuhhirten zubringen. Dann soll er den Brahmanen zehn Kühe und einen Stier zum Geschenk oder besser noch, Alles, was er besitzt: dann ist sein Fehler gebüßt.

Wer einen Beschnittenen tödtet, reinigt sich durch eine einfache Darbringung (während überhaupt ein Thier tödten sechs Monate Pönitenz im Wald, mit Wachsenlassen von Bart und Haar fordert.)

14 [179]

Von der christlichen Praxis.

Der Mensch kannte sich nicht physiologisch, die ganze Kette der Jahrtausende entlang: er kennt sich auch heute noch nicht. Zu wissen z.B., daß man ein Nervensystem habe (—aber keine “Seele”) bleibt immer noch das Vorrecht der Unterrichtetsten. Aber der Mensch beargwöhnt sich nicht, hier nicht zu wissen;—man muß sehr human sein, um zu sagen “ich weiß das nicht”, um sich Ignoranzen zu gönnen ... gesetzt, er leidet oder er ist in guter Laune, so zweifelt er nicht, den Grund dafür zu finden, wenn er nur sucht. Also sucht er ihn ... In Wahrheit kann er den Grund nicht finden, weil er nicht einmal argwöhnt, wo er zu suchen hätte ... Was geschieht? ... Er nimmt eine Folge seines Zustandes als dessen Ursache

z.B. ein Werk, in guter Laune unternommen (im Grunde unternommen, weil schon die gute Laune Muth dazu gab) geräth: ecco, das Werk ist der Grund, zur guten Laune ...

Thatsächlich war wiederum das Gelingen bedingt durch dasselbe, was die gute Laune bedingte,—durch die glückliche Coordination der physiologischen Kräfte und Systeme

Er befindet sich schlecht: und folglich wird er mit einer Sorge, einem Skrupel, einer Selbst-Kritik nicht fertig ... In Wahrheit glaubt der Mensch, sein schlechter Zustand sei die Folge seines Skrupels, seiner “Sünde”, seiner “Selbstkritik” ...

Aber der Zustand der Wiederherstellung, oft nach einer tiefen Erschöpfung und Prostration, kehrt zurück. “Wie ist das möglich, daß ich so frei, so gelöst bin? Das ist ein Wunder, das kann nur Gott mir gethan haben” Schluß: “er hat mir meine Sünde vergeben” ...

Daraus ergiebt sich eine Praktik: um Sündengefühle anzuregen, um Zerknirschungen vorzubereiten, hat man den Körper in einen krankhaften und nervösen Zustand zu bringen. Die Methodik dafür ist bekannt. Wie billig, argwöhnt man nicht, die causale Logik der Thatsachen—man hat eine religiöse Deutung für die Kasteiung des Fleisches, sie erscheint als Zweck an sich, während sie sich nur als Mittel ergiebt, um jene krankhafte Indigestion der Reue möglich zu machen (die “Idée fixe” der Sünde, die Hypnotisirung der Henne durch den Strich “Sünde”)

Die Mißhandlung des Leibes erzeugt den Boden für die Reihe der “Schuldgefühle” ... d.h. ein allgemeines Leiden, das erklärt sein wird ...

Andrerseits ergiebt sich ebenso die Methodik der “Erlösung”: man hat jede Ausschweifung des Gefühls durch Gebete, Bewegungen, Gebärden, Schwüre herausgefordert,—die Erschöpfung folgt, oft jäh, oft unter epileptischer Form. Und, hinter dem Zustand tiefer Somnolenz kommt der Schein der Genesung—religiös geredet: “Erlösung”

14 [180]

der Muhammedanismus, als eine Religion für Männer, hat eine tiefe Verachtung für die Sentimentalität und Verlogenheit des Christenthums ... einer Weibs-Religion, als welche er sie fühlt —

14 [181]

Der religiöse Mensch als Typus der décadence

die religiösen Zustände in ihrer Verwandtschaft mit dem Irrsinn, mit der Neurasthenie

der Zeitpunkt, wo die religiöse Krisis ein Volk ergreift—historisch —

die Phantasie des religiösen Menschen als die Phantasie des Entnervten und Überreizten

die “moralische Nervösität” des Christen.



Wir haben jetzt die Aufgabe, das schwierige nicht nur uns zweideutige Phänomen des Christenthums darzustellen.



Das ganze christliche Buß- und Erlösungs-training kann aufgefaßt als eine willkürlich erzeugte folie circulaire; wie billig nur in bereits prädestinirten (nämlich morbid angelegten) Individuen erzeugbar.

14 [182]

Warum die Schwachen siegen.

In summa: die Kranken und Schwachen haben mehr Mitgefühl, sind “menschlicher” —

: die Kranken und Schwachen haben mehr Geist, sind wechselnder, vielfacher, unterhaltender,—boshafter: die Kranken allein haben die Bosheit erfunden.

(eine krankhafte Frühreife häufig bei Rhachitischen, Skrofulosen und Tuberkulosen.—)

esprit: Eigenthum später Rassen (Juden, Franzosen, Chinesen) Die Antisemiten vergeben es den Juden nicht, daß die Juden “Geist” haben—und Geld: der Antisemitismus, ein Name der “Schlechtweggekommenen”)

: der Narr und der Heilige—die zwei interessantesten Arten Mensch ...

in enger Verwandtschaft das “Genie” die großen “Abenteurer und Verbrecher”

: die Kranken und Schwachen haben die Fascination für sich gehabt, sie sind interessanter als die Gesunden

und alle Menschen, die gesündesten voran, sind gewisse Zeiten ihres Lebens krank:—die großen Gemüthsbewegungen, die Leidenschaft der Macht, die Liebe, die Rache sind von tiefen Störungen begleitet ...

Und was die décadence betrifft: so stellt sie jeder Mensch, der nicht zu früh stirbt, in jedem Sinne beinahe dar:—er kennt also auch die Instinkte, welche zu ihr gehören, aus Erfahrung —

: für die Hälfte fast jedes Menschenlebens ist der Mensch décadent.

Endlich: das Weib! die Eine Hälfte der Menschheit ist schwach, typisch-krank, wechselnd, unbeständig—das Weib braucht die Stärke, um sich an sie zu klammern,—und eine Religion der Schwäche, welche es als göttlich verherrlicht, schwach sein, zu lieben, demüthig zu sein ...

oder, besser, es macht die Starken schwach,—es herrscht, wenn es gelingt, die Starken zu überwältigen ...

das Weib hat immer mit den Typen der décadence, den Priestern zusammen conspirirt gegen die “Mächtigen”, die “Starken”, die Männer

das Weib bringt die Kinder bei Seite für den Cultus der Pietät, des Mitleids, der Liebe—die Mutter repräsentirt den Altruismus überzeugend ...

Endlich: die zunehmende Civilisation, die zugleich nothwendig auch die Zunahme der morbiden Elemente, des Neurotisch-Psychiatrischen und des Criminalistischen mit sich bringt ...

eine Zwischen-species entsteht, der Artist, von der Criminalität der That durch Willensschwäche und sociale Furchtsamkeit abgetrennt, insgleichen noch nicht reif für das Irrenhaus, aber mit seinen Fühlhörnern in beide Sphären neugierig hineingreifend: diese spezifische Cultur-Pflanze, der moderne Artist, Maler, Musiker, vor allem romancier, der für seine Art zu sein das sehr uneigentliche Wort “naturalisme” handhabt ...

Die Irren, die Verbrecher und die “Naturalisten” nehmen zu: Zeichen einer wachsenden und jäh vorwärts eilenden Cultur—das heißt der Ausschuß, der Abfall, die Auswurfstoffe gewinnen Importanz,—das Abwärts hält Schritt ...

Endlich: der sociale Mischmasch, Folge der Revolution, der Herstellung gleicher Rechte, des Aberglaubens an “gleiche Menschen”. Dabei mischen sich die Träger der Niedergangs-Instinkte (des ressentiment, der unzufriedenheit, des Zerstörer-Triebs, des Anarchismus und Nihilismus), eingerechnet der Sklaven-Instinkte, der Feigheits-, Schlauheits- und Canaillen-Instinkte der lange unten gehaltenen Schichten in alles Blut aller Stände hinein: zwei, drei Geschlechter darauf ist die Rasse nicht mehr zu erkennen—Alles ist verpöbelt. Hieraus resultirt ein Gesammtinstinkt gegen die Auswahl, gegen das Privilegium jeder Art, von einer Macht und Sicherheit, Härte, Grausamkeit der Praxis, daß in der That sich alsbald selbst die Privilegirten unterwerfen:

— was noch Macht festhalten will, schmeichelt dem Pöbel, muß den Pöbel auf seiner Seite haben —

die “Genies” voran: sie werden Herolde der Gefühle, mit denen man Massen begeistert—die Note des Mitleids, der Ehrfurcht selbst vor Allem, was leidend, niedrig, verachtet, verfolgt gelebt hat, klingt über alle anderen Noten weg (Typen: V. Hugo und R. Wagner).

die Heraufkunft des Pöbels bedeutet noch einmal die Heraufkunft der alten Werthe ...

* *

Bei einer solchen extremen Bewegung in Hinsicht auf tempo und Mittel, wie sie unsere Civilisation darstellt, verlegt sich das Schwergewicht der Menschen: der Menschen, auf die am meisten ankommt, die es gleichsam auf sich haben, die ganze große Gefahr einer solchen krankhaften Bewegung zu compensiren;—es werden die Verzögerer par excellence, die Langsam-Aufnehmenden, die Schwer-Loslassenden, die Relativ-Dauerhaften inmitten dieses ungeheuren Wechselns und Mischens von Elementen sein. Das Schwergewicht fällt unter solchen Umständen nothwendig den Mediokren zu: gegen die Herrschaft des Pöbels und der Excentrischen (beide meist verbündet) consolidirt sich die Mediokrität, als die Bürgschaft und Trägerin der Zukunft. Daraus erwächst für die Ausnahme-Menschen ein neuer Gegner—oder aber eine neue Verführung. Gesetzt, daß sie sich nicht dem Pöbel anpassen und dem Instinkte der “Enterbten” zu Gefallen Lieder singen, werden sie nöthig haben, “mittelmäßig” und “gediegen” zu sein. Sie wissen: die mediocritas ist auch aurea,—sie allein sogar verfügt über Geld und Gold (—über Alles was glänzt ...) ... Und noch einmal gewinnt die alte Tugend, und überhaupt die ganze verlebte Welt des Ideals eine begabte Fürsprecherschaft ... Resultat: die Mediokrität bekommt Geist, Witz, Genie,—sie wird unterhaltend, sie verführt ...

* *

Resultat. Ich sage noch ein Wort von der dritten Kraft. Das Handwerk, der Handel, der Ackerbau, die Wissenschaft, ein großer Theil der Kunst—das Alles kann nur stehen auf einem breiten Boden, auf einer stark und gesund consolidirten Mittelmäßigkeit. In ihrem Dienste und von ihr bedient arbeitet die Wissenschaft—und selbst die Kunst. Die W kann es sich nicht besser wünschen: sie gehört als solche zu einer mittleren Art Mensch,—sie ist deplacirt unter Ausnahmen,—sie hat nichts Aristokratisches und noch weniger etwas Anarchistisches in ihren Instinkten.— Die Macht der Mitte wird sodann aufrecht gehalten durch den Handel, vor allem den Geldhandel: der Instinkt der Großfinanciers geht gegen alles Extreme,—die Juden sind deshalb einstweilen die conservirendste Macht in unserem so bedrohten und unsicheren Europa. Sie können weder Revolutionen brauchen, noch Socialismus, noch Militarismus: wenn sie Macht haben wollen und brauchen auch über die revolutionäre Partei, so ist dies nur eine Folge des Vorhergesagten und nicht im Widerspruch dazu. Sie haben nöthig, gegen andere extreme Richtungen gelegentlich Furcht zu erregen—dadurch daß sie zeigen, was Alles in ihrer Hand steht. Aber ihr Instinkt selbst ist unwandelbar conservativ—und “mittelmäßig” ... Sie wissen überall, wo es Macht giebt, mächtig zu sein: aber die Ausnützung ihrer Macht geht immer in Einer Richtung. Das Ehren-Wort für mittelmäßig ist bekannt das Wort “liberal” ...

etwas, das nicht witzig und nicht einmal wahr ist ...



Besinnung.— Es ist unsinnig, voraussetzen, daß dieser ganze Sieg der Werthe antibiologisch sei: man muß suchen, ihn zu erklären aus einem Interesse des Lebens

die Aufrechterhaltung des Typus “Mensch” selbst durch diese Methodik der Überherrschaft der Schwachen und Schlechtweggekommenen —

: im anderen Falle existirte der Mensch nicht mehr?

Problem

Die Steigerung des Typus verhängnißvoll für die Erhaltung der Art?

warum?

die Erfahrungen der Geschichte:

die starken Rassen dezimiren sich gegenseitig: Krieg, Machtbegierde, Abenteuer; ihre Existenz ist kostspielig, kurz,—sie reiben sich unter einander auf —

die starken Affekte: die Vergeudung—es wird Kraft nicht mehr kapitalisirt ...

die geistige Störung, durch die übertriebene Spannung—es treten Perioden tiefer Abspannung und Schlaffheit ein alle großen Zeiten werden bezahlt ...

die Starken sind hinterdrein schwächer, willenloser, absurder als die durchschnittlich-Schwachen

Es sind verschwenderische Rassen. —

Die “Dauer” an sich hätte ja keinen Werth: man möchte wohl eine kürzere, aber werthreichere Existenz der Gattung vorziehen.

Es bliebe übrig, zu beweisen, daß selbst so ein reicherer Werthertrag erzielt würde, als im Fall der kürzeren Existenz.

d.h. der Mensch als Aufsummirung von Kraft gewinnt ein viel höheres Quantum von Herrschaft über die Dinge, wenn es so geht, wie es geht ...

Wir stehen vor einem Problem der Oekonomie

14 [183]

Ich gebe meine Argumentation in allen wesentlichen Schritten, Punkt für Punkt. Mit etwas Logik in dem Leibe und einer mir verwandten Energie, mit einem Muth zu dem, was man eigentlich weiß ... hätte man diese Argumentation auch schon meinen früheren Schriften entnehmen können. Man hat das Umgekehrte gethan und sich darüber beschwert, daß es denselben an Consequenz fehle: dieses Mischmasch-Gesindel von heute wagt das Wort Consequenz in den Mund zu nehmen!

14 [184]

die “Scheinbarkeit” = spezifische Aktions-Reaktions-thätigkeit

die scheinbare Welt d.h. eine Welt, nach Werthen angesehen, geordnet, ausgewählt nach Werthen d.h. in diesem Falle nach dem Nützlichkeits-Gesichtspunkt in Hinsicht auf die Erhaltung und Macht-Steigerung einer bestimmten Gattung von Animal.

das Perspektivische also giebt den Charakter der “Scheinbarkeit” ab!

Als ob eine Welt noch übrig bliebe, wenn man das Perspektivische abrechnete! Damit hätte man ja die Relativität abgerechnet, das —

jedes Kraftcentrum hat für den ganzen Rest seine Perspektive d.h. seine ganz bestimmte Werthung, seine Aktions-Art, seine Widerstandsart

Die “scheinbare Welt” reduzirt sich als auf eine spezifische Art von Aktion auf die Welt, ausgehend von einem Centrum

Nun giebt es gar keine andere Art Aktion: und die “Welt” ist nur ein Wort für das Gesammtspiel dieser Aktionen

Die Realität besteht exakt in dieser Partikulär-Aktion und Reaktion jedes Einzelnen gegen das Ganze ...

Es bleibt kein Schatten von Recht mehr übrig, hier von Schein zu reden ...

Die spezifische Art zu reagiren ist die einzige Art des Reagirens: wir wissen nicht wie viele und was für Arten es Alles giebt.

Aber es giebt kein “anderes”, kein “wahres”, kein wesentliches Sein—damit würde eine Welt ohne Aktion und Reaktion ausgedrückt sein ...

Der Gegensatz der scheinbaren Welt und der wahren Welt reduzirt sich auf den Gegensatz “Welt” und “Nichts” —

14 [185]

Moral

Daß der Werth einer Handlung von dem abhängen soll, was ihr im Bewußtsein vorausgieng—wie falsch ist das!— Und man hat die Moralität danach bemessen, selbst die Criminalität ...

Man hat gemeint, man müsse ihre Folgen wissen: und die naiven Psych von ehedem sagten

Der Werth einer Handlung muß aus ihren Folgen bemessen werden—sagen die Utilitarier:—sie nach ihrer Herkunft zu messen, implicirt eine Unmöglichkeit, nämlich diese zu wissen.

Aber weiß man die Folgen? Fünf Schritt weit vielleicht. Wer kann sagen, was eine Handlung anregt, aufregt, wider sich erregt? Als Stimulans? als Zündfunke vielleicht für einen Explosivstoff? ... Die Utilitarier sind naiv ... Und zuletzt müßten wir erst wissen, was nützlich ist: auch hier geht ihr Blick nur fünf Schritt weit... Sie haben keinen Begriff von der großen Ökonomie, die des Übels nicht zu entrathen weiß—.

Man weiß die Herkunft nicht, und weiß die Folgen nicht:—hat folglich eine Handlung überhaupt einen Werth? ...

Bleibt die Handlung selbst: ihre Begleiterscheinungen im Bewußtsein, das Ja und das Nein, das ihrer Ausführung folgt: liegt der Werth einer Handlung in den subjektiven Begleiterscheinungen—? Sicherlich begleiten sie Werthgefühle, ein Macht- ein Zwang- ein Ohnmachtgefühl z.B., die Freiheit, die Leichtigkeit, anders gefragt: könnte man den Werth einer Handlung auf physiologische Werthe reduziren: ob sie ein Ausdruck des vollständigen oder gehemmten Lebens ist? der biologische Werth einer Handlung?

ist es erlaubt, ihren Werth nach Begleiterscheinungen abzumessen, nach Lust und Unlust, dem Spiel der Affekte, dem Gefühl der Entladung, Explosion, Freiheit ...

es mag sein, daß sich ihr biologischer Werth darin ausdrückt ...

das hieße den Werth der Musik nach dem Vergnügen oder Mißvergnügen abmessen, das sie uns macht ... das sie ihrem Componisten macht ...

Wenn also die Handlung weder nach ihrer Herkunft, noch nach ihren Folgen, noch nach ihren Begleiterscheinungen abwerthbar ist, so ist ihr Werth x, unbekannt ...

Also: hat eine Handlung keinen Werth.

In summa, in der Sprache des Kirchenliedes: “Kreuch fleug und schleich auf Gottes Wegen”

14 [186]

Philosophie

Die Physiker glauben an eine “wahre Welt” auf ihre Art: eine feste, für alle Wesen gleiche Atom-Systematisation in nothwendigen Bewegungen,—so daß für sie die “scheinbare Welt” sich reduzirt auf die jedem Wesen nach seiner Art zugängliche Seite des allgemeinen und allgemein nothwendigen Seins (zugänglich und auch noch zurechtgemacht—“subjektiv” gemacht) Aber damit verirren sie sich: das Atom, das sie ansetzen, ist erschlossen nach der Logik jenes Bewußtseins-Perspektivism,—ist somit auch selbst eine subjektive Fiktion. Dieses Weltbild, das sie entwerfen, ist durchaus nicht wesensverschieden von dem Subjektiv-Weltbild: es ist nur mit weitergedachten Sinnen construirt, aber durchaus mit unseren Sinnen ... Und zuletzt haben sie in der Constellation etwas ausgelassen, ohne es zu wissen: eben den nothwendigen Perspektivismus, vermöge dessen jedes Kraftcentrum—und nicht nur der Mensch—von sich aus die ganze übrige Welt construirt d.h. an seiner Kraft mißt, betastet, gestaltet ... Sie haben vergessen, diese Perspektiven-setzende Kraft in das “wahre Sein” einzurechnen ... In der Schulsprache geredet: das Subjekt-sein. Sie meinen, dies sei “entwickelt”, hinzugekommen —

Aber noch der Chemiker braucht es: es ist ja das Spezifisch-Sein, das bestimmt So-und-So-Agiren und -Reagiren, je nachdem

Der Perspektivismus ist nur eine complexe Form der Spezifität

Meine Vorstellung ist, daß jeder spezifische Körper darnach strebt, über den ganzen Raum Herr zu werden und seine Kraft auszudehnen (—sein Wille zur Macht:) und Alles das zurückzustoßen, was seiner Ausdehnung widerstrebt. Aber er stößt fortwährend auf gleiche Bestrebungen anderer Körper und endet, sich mit denen zu arrangiren (“vereinigen”), welche ihm verwandt genug sind:—so conspiriren sie dann zusammen zur Macht. Und der Prozeß geht weiter ...

14 [187]

Philosophie

Es giebt nichts Unveränderliches in der Chemie, das ist nur Schein, ein bloßes Schulvorurtheil. Wir haben das Unveränderliche eingeschleppt, immer noch aus der Metaphysik, meine Herren Physiker. Es ist ganz naiv von der Oberfläche abgelesen, zu behaupten, daß der Diamant, der Graphit und die Kohle identisch sind. Warum? Bloß weil man keinen Substanz-Verlust durch die Wage constatiren kann! Nun gut, damit haben sie noch etwas gemein, aber die Molekül-Arbeit bei der Verwandlung, die wir nicht sehen und wägen können, macht eben aus dem einen Stoff etwas Anderes,—mit spezifisch anderen Eigenschaften

14 [188]

Die neue Welt-Conception

1) Die Welt besteht; sie ist nichts, was wird, nichts, was vergeht. Oder vielmehr: sie wird, sie vergeht, aber sie hat nie angefangen zu werden und nie aufgehört zu vergehen—sie erhält sich in Beidem ... Sie lebt von sich selber: ihre Excremente sind ihre Nahrung ...

2) Die Hypothese einer geschaffenen Welt soll uns nicht einen Augenblick bekümmern. Der Begriff “schaffen” ist heute vollkommen undefinirbar, unvollziehbar; bloß ein Wort noch, rudimentär aus Zeiten des Aberglaubens; mit einem Wort erklärt man Nichts. Der letzte Versuch, eine Welt, die anfängt, zu concipiren, ist neuerdings mehrfach mit Hülfe einer logischen Prozedur gemacht worden—zumeist, wie zu errathen ist, aus einer theologischen Hinterabsicht

Die ewige Wiederkunft.

Philosophie

3 Man hat neuerdings mehrfach in dem Begriff Zeit-Unendlichkeit der Welt nach hinten einen Widerspruch finden gewollt: man hat ihn selbst gefunden, um den Preis freilich, dabei Kopf mit dem Schwanz zu verwechseln. Nichts kann mich hindern, von diesem Augenblick an rückwärts rechnend zu sagen “ich werde nie dabei an ein Ende kommen”: wie ich vom gleichen Augenblick vorwärts rechnen kann, ins Unendliche hinaus. Erst wenn ich den Fehler machen wollte—ich werde mich hüten, es zu thun—diesen correkten Begriff eines regressus in infinitum gleichzusetzen mit einem gar nicht vollziehbaren Begriff eines unendlichen progressus bis jetzt, wenn ich die Richtung (vorwärts oder rückwärts) als logisch indifferent setzte, würde ich den Kopf, diesen Augenblick, als Schwanz zu fassen bekommen: das bleibe Ihnen überlassen, mein Herr Dühring! ...

4) Ich bin auf diesen Gedanken bei früheren Denkern gestoßen: jedes Mal war er durch andere Hintergedanken bestimmt (—meistens theologische, zu Gunsten des creator spiritus) Wenn die Welt überhaupt erstarren, vertrocknen, absterben, Nichts werden könnte, oder wenn sie einen Gleichgewichtszustand erreichen könnte, oder wenn sie überhaupt irgend ein Ziel hätte, das die Dauer, die Unveränderlichkeit, das Ein-für-alle-Mal in sich schlösse (kurz, metaphysisch geredet: wenn das Werden in das Sein oder ins Nichts münden könnte) so müßte dieser Zustand erreicht sein. Aber er ist nicht erreicht: woraus folgt ... Das ist unsere einzige Gewißheit, die wir in den Händen halten, um als Correktiv gegen eine große Menge an sich möglicher Welt-Hypothesen zu dienen. Kann z.B. der Mechanismus der Consequenz eines Finalzustandes nicht entgehen, welche Thompson ihm gezogen hat, so ist damit der Mechanismus widerlegt.

Philosophie

5) Wenn die Welt als bestimmte Größe von Kraft und als bestimmte Zahl von Kraftcentren gedacht werden darf—und jede andere Vorstellung bleibt unbestimmt und folglich unbrauchbar—so folgt daraus, daß sie eine berechenbare Zahl von Combinationen, im großen Würfelspiel ihres Daseins, durchzumachen hat. In einer unendlichen Zeit würde jede mögliche Combination irgendwann einmal erreicht sein; mehr noch, sie würde unendliche Male erreicht sein. Und da zwischen jeder “Combination” und ihrer nächsten “Wiederkehr” alle überhaupt noch möglichen Combinationen abgelaufen sein müßten und jede dieser Combinationen die ganze Folge der Combinationen in derselben Reihe bedingt, so wäre damit ein Kreislauf von absolut identischen Reihen bewiesen: die Welt als Kreislauf der sich unendlich oft bereits wiederholt hat und der sein Spiel in infinitum spielt.

Diese Conception ist nicht ohne weiteres eine mechanistische: denn wäre sie das, so würde sie nicht eine unendliche Wiederkehr identischer Fälle bedingen, sondern einen Finalzustand. Weil die Welt ihn nicht erreicht hat, muß der Mechanismus uns als unvollkommene und nur vorläufige Hypothese gelten.

14 [189]

Der Philosoph als Weiter-Entwicklung des priesterlichen Typus

— hat dessen Erbschaft im Leibe

— ist, selbst noch als Rivale, genöthigt, um dasselbe mit denselben Mitteln zu ringen, wie der Priester seiner Zeit.

— er aspirirt die höchste Autorität

was giebt Autorität, wenn man nicht die physische Macht in den Händen hat (keine Heere, keine Waffen überhaupt ...)?

wie gewinnt man namentlich die Autorität über die, welche die physische Gewalt und die Autorität besitzen?

sie concurriren mit der Ehrfurcht vor dem Fürsten, vor dem siegreichen Eroberer, dem weisen Staatsmann.

* *

Nur, indem sie den Glauben erwecken, eine höhere, stärkere Gewalt in den Händen zu haben,—Gott

Es ist Nichts stark genug: man hat die Vermittlung und die Dienste des Priesters nöthig.

Sie stellen sich als unentbehrlich dazwischen:—sie haben als Existenzbedingung nöthig,

1) daß an die absolute Überlegenheit ihres Gottes, daß an ihren Gott geglaubt wird

2) daß es keine anderen direkten Zugänge zu Gott giebt

Die zweite Forderung allein schafft den Begriff der “Heterodoxie”; die erste den des “Ungläubigen” (d.h. der an einen anderen Gott glaubt — ).

* *

Was ist denn am Philosophen rückständig?

Daß er seine Qualitäten als nothwendige und einzige Qualitäten lehrt, um zum “höchsten Gut” zu gelangen (z.B. Dialektik, wie Plato

Daß er alle Arten Mensch gradatim aufsteigen läßt zu seinem Typus als dem höchsten

Daß sie geringschätzen, was sonst geschätzt wird,—daß sie eine Kluft aufreißen den obersten priesterlichen Werthen und den weltlichen

daß er weiß, was wahr ist, was Gott ist, was das Ziel ist, was der Weg ist ... der typische Philosoph ist hier absolut Dogmatiker;—wenn er Skepsis nöthig hat, so ist es, um von seiner Hauptsache dogmatisch reden zu dürfen

14 [190]

Das Problem der Unterdrückten

Ich sehe nicht ab, ob die Semiten nicht schon in sehr alten Zeiten unter der entsetzlichen Knechtschaft der Hindus gewesen sind: als Tschandala’s, so daß damals einige Eigenthümlichkeiten bereits festgewurzelt sind, die zum Typus des Geknechteten und Verachteten gehören (—wie später in Aegypten).

Später ennobliren sie sich, in dem Grade, in dem sie kriegerisch werden ... Und eigene Länder, eigene Götter sich erobern. Die semitische Götterbildung ist historisch zusammenfallend mit ihrem Eintritt in die Geschichte ...

Der “Geist”, die zähe Geduld, die verachteten Gewerbe

Der offizielle Begriff des Tschandala ist genau der eines Auswurfs und Excrements der vornehmen Classen ...

14 [191]

Plato ist ganz im Geiste Manu’s: man hat ihn in Aegypten eingeweiht. Die Moral der Kasten, der Gott der Guten, die “ewige einzige Seele”

— Plato der Brahmanist

— Pyrrho der Buddhist

copirt: der Typus des Philosophen.

die Kasten

die Trennung der Lehre in Esoterisch und Exoterisch

die “große Seele”

die Seelenwanderung als umgekehrter Darwinismus (—ist nicht griechisch)

14 [192]

BegriffEgoismus

Es gehört zum Begriff des Lebendigen, daß es wachsen muß,—daß es seine Macht erweitert und folglich fremde Kräfte in sich hineinnehmen muß. Man redet, unter der Benebelung durch die Moral-Narkose, von einem Recht des Individuums, sich zu vertheidigen: im gleichen Sinne dürfte man auch von seinem Rechte anzugreifen reden: denn Beides—und das Zweite noch mehr als das Erste—sind Necessitäten für jedes Lebendige—der aggressive und der defensive Egoismus sind nicht Sache der Wahl oder gar des “freien Willens”, sondern die Fatalität des Lebens selbst.

Hierbei gilt es gleich, ob man ein Individuum oder einen lebendigen Körper, eine aufwärtsstrebende “Gesellschaft” ins Auge faßt. Das Recht zur Strafe (oder die gesellschaftliche Selbstvertheidigung) ist im Grunde nur durch einen Mißbrauch zum Worte “Recht” gelangt: ein Recht wird durch Verträge erworben,—aber das Sich-wehren und Sich-vertheidigen ruht nicht auf der Basis eines Vertrags. Wenigstens dürfte ein Volk mit ebensoviel gutem Sinn sein Eroberungsbedürfniß, sein Machtgelüst, sei es mit Waffen, sei es durch Handel, Verkehr und Colonisation als Recht bezeichnen,—Wachsthums-Recht etwa. Eine Gesellschaft, die endgültig und ihrem Instinkt nach den Krieg und die Eroberung abweist, ist im Niedergang: sie ist reif für Demokratie und Krämerregiment ... In den meisten Fällen freilich sind die Friedensversicherungen bloße Betäubungsmittel

14 [193]

Im alten Strafrecht war ein religiöser Begriff mächtig: der der sühnenden Kraft der Strafe. Die Strafe reinigt: in der modernen Welt befleckt sie. Die Strafe ist eine Abzahlung: man ist wirklich das los, für was man so viel hat leiden wollen. Gesetzt daß an diese Kraft der Strafe geglaubt wird, so giebt es hinterdrein eine Erleichterung und ein Aufathmen, das wirklich einer neuen Gesundheit, einer Wiederherstellung nahe kommt. Man hat nicht nur seinen Frieden wieder mit der Gesellschaft gemacht, man ist vor sich selbst auch wieder achtungswürdig geworden,—“rein” ... Heute isolirt die Strafe noch mehr als das Vergehen; das Verhängniß hinter einem Vergehen ist dergestalt gewachsen, daß es unheilbar geworden ist. Man kommt als Feind der Gesellschaft aus der Strafe heraus ... Von jetzt ab giebt es einen Feind mehr ...

Das jus talionis kann diktirt sein durch den Geist der Vergeltung (d.h. durch eine Art Mäßigung des Rache-Instinkts); aber bei Manu z.B. ist es das Bedürfniß, ein Äquivalent zu haben, um zu sühnen, um religiös wieder “frei” zu sein

14 [194]

Der Philosoph gegen die Rivalen, z.B. gegen die Wissenschaft

: da wird er Skeptiker

: da behälter sich eine Form der Erkenntniß vor, die er dem wissenschaftlichen Menschen abstreitet

: da geht er mit dem Priester Hand in Hand, um den Verdacht des Atheismus, Materialismus zu erregen

: er betrachtet einen Angriff auf sich als einen Angriff auf die Moral, die Tugend, die Religion, die Ordnung—er weiß seine Gegner als “Verführer” und “Unterminirer” in Verruf zu bringen

— da geht er mit der Macht Hand in Hand

Der Philosoph im Kampf mit anderen Philosophen:

: er sucht sie dahin zu drängen, als Anarchisten, Ungläubige, Gegner der Autorität zu erscheinen

In summa: soweit er kämpft, kämpft er ganz wie ein Priester, wie eine Priesterschaft.

14 [195]

Wie eine Jasagende arische Religion, die Ausgeburt der herrschenden Classen, aussieht:

das Gesetzbuch Manu’s.

Wie eine Jasagende semitische Religion, die Ausgeburt der herrschenden Classen, aussieht:

das Gesetzbuch Muhammeds. Das alte Testament, in den älteren Theilen

Wie eine Nein-sagende semitische Religion, als Ausgeburt der unterdrückten Klassen, aussieht:

nach indisch-arischen Begriffen: das neue Testament—eine Tschandala-Religion

Wie eine Neinsagende arische Religion aussieht, gewachsen unter den herrschenden Ständen .

: der Buddhismus.

Es ist vollkommen in Ordnung, daß wir keine Religion unterdrückter arischer Rassen haben: denn das ist ein Widerspruch: eine Herrenrasse ist obenauf oder geht zu Grunde.

14 [196]

Egoismus

Grundsatz: nur Einzelne fühlen sich verantwortlich. Die Vielheiten sind erfunden, um Dinge zu thun, zu denen der Einzelne nicht den Muth hat.

Eben deshalb sind alle Gemeinwesen, Gesellschaften hundert Mal aufrichtiger und belehrender über das Wesen des Menschen als das Individuum, welches zu schwach ist, um den Muth zu seinen Begierden zu haben ...

Der ganze “Altruismus” ergiebt sich als Privatmann-Klugheit: die Gesellschaften sind nicht “altruistisch” gegen einander ...

Das Gebot der Nächstenliebe ist noch niemals zu einem Gebote der Nachbar-Liebe erweitert worden. Vielmehr gilt da noch, was bei Manu steht ...

Die “Toleranz”

Das Studium der Gesellschaft ist deshalb so unschätzbar, weil der Mensch als Gesellschaft viel naiver ist als der Mensch als “Einheit”.

Die “Gesellschaft” hat die Tugend nie anders angesehen als als Mittel der Stärke, der Macht, der Ordnung.

Wie einfältig und würdig sagt es Manu:

14 [197]

“Lohn und Strafe” ... Das lebt miteinander, das verfällt mit einander. Heute will man nicht belohnt sein, man will Niemanden anerkennen, der straft ...

Man hat den Kriegsfuß hergestellt: man will etwas, man hat Gegner dabei, man erreicht es vielleicht am vernünftigsten, wenn man sich verträgt,—wenn man einen Vertrag macht

Eine moderne Gesellschaft, bei der jeder Einzelne seinen “Vertrag” gemacht hat: der Verbrecher ist ein Vertragsbrüchiger ... Das wäre ein klarer Begriff. Aber dann könnte man nicht Anarchisten und principielle Gegner einer Gesellschaftsform innerhalb derselben dulden ...

14 [198]

“Bei Gott ist kein Ding unmöglich” denkt der Christ. Aber der Inder sagt: bei Frömmigkeit und Wissenschaft des Veda ist kein Ding unmöglich: die Götter sind denen unterworfen und gehorsam. Wo ist der Gott, der dem frommen Ernst und Gebet eines in den Wald zurückgezogenen Yati widerstehen könnte?

Wie ein Stein, den man in den See wirft, im Augenblick verschwindet, so tauchen die Sünden unter und verschwinden in der Wissenschaft des Veda.

14 [199]

Herkunft der Moral

Der Priester will durchsetzen, daß er als höchster Typus des Menschen gilt

daß er herrscht,—auch noch über die, welche die Macht in den Händen haben

daß er unverletzlich ist, unangreifbar ...

daß er die stärkste Macht in der Gemeinde ist, absolut nicht zu ersetzen und zu unterschätzen



Mittel.

Er allein ist der Wissende.

Er allein ist der Tugendhafte.

Er allein hat die höchste Herrschaft über sich

Er allein ist in einem gewissen Sinn Gott und geht zurück in die Gottheit

Er allein ist die Zwischenperson zwischen Gott und den Anderen

Die Gottheit straft jeden Nachtheil, jeden Gedanken wider einen Priester gerichtet



Mittel

Die Wahrheit existirt.

Es giebt nur eine Form, sie zu erlangen: Priester werden

Alles, was gut ist, in der Ordnung, in der Natur, in dem Herkommen, geht auf die Weisheit der Priester zurück.

Das heilige Buch ist ihr Werk. Die ganze Natur ist nur eine Ausführung der Satzungen darin

Es giebt keinen anderen Quell des Guten als den Priester.

Alle andere Art von Vortrefflichkeit ist rangverschieden von der des Priesters z.B. die des Kriegers



Consequenz:

wenn der Priester der höchste Typus sein soll: so muß die Gradation zu seinen Tugenden die Werthgradation der Menschen ausmachen.

Das Studium, die Entsinnlichung, das Nicht-Aktive, das Impassible, Affektlose, das Feierliche.— Gegensatz (die tiefste Gattung Mensch:



Das Furchteinflößen
die Gebärden, die hieratischen Manieren
der Exceß der Verachtung des Leibes und der Sinne
— die Widernatur als Anzeichen der Übernatur



Der Priester hat Eine Art Moral gelehrt: um selbst als höchster Typus empfunden zu werden

Er concipirt einen Gegensatz-Typus: den Tschandala. Diesen mit allen Mitteln verächtlich zu machen giebt die Folie ab für die Kasten-Ordnung

seine extreme Angst vor der Sinnlichkeit ist zugleich bedingt durch die Einsicht, daß hier die Kasten-Ordnung (d.h. die Ordnung überhaupt) am schlimmsten bedroht ist ... Jede “freiere Tendenz” in puncto puncti wirft die Ehegesetzgebung über den Haufen

14 [200]

An dieser Conception ist Einiges bewunderungswürdig: z.B. die absolute Abtrennung der Auswurf-Stoffe der Gesellschaft, mit der Tendenz, sie zu Grunde zu richten. Sie begriffen, was ein lebendiger Körper nöthig hat,—die kranken Glieder ausschneiden ...



1) Sie ist auf eine bewunderungswürdige Weise fern von der schlaffen Instinkt-Entartung, welche man jetzt “Humanität” nennt...

Sodann die Degradation aus einer Kaste in die andere ...



Sodann die Formulirung der Ehe: die Stellung der “Liebesheirath” (die Art der “himmlischen Musiker”:

2) der Kampf gegen den Alcoholismus ... p. 332.

3) ihre vollkommene Würdigung des hohen Alters, des Weibes p 127

4) sie gehen davon aus, den Menschen ehrwürdig zu machen, vor sich selber: sie haben nöthig, selbst das Natürlichste zu transfiguriren, dadurch daß sie die Pflicht, als heilige Observanz dem Gefühl entgegenführen

14 [200]

An dieser Conception ist Einiges bewunderungswürdig: z.B. die absolute Abtrennung der Auswurf-Stoffe der Gesellschaft, mit der Tendenz, sie zu Grunde zu richten. Sie begriffen, was ein lebendiger Körper nöthig hat,—die kranken Glieder ausschneiden ...



1) Sie ist auf eine bewunderungswürdige Weise fern von der schlaffen Instinkt-Entartung, welche man jetzt “Humanität” nennt...

Sodann die Degradation aus einer Kaste in die andere ...



Sodann die Formulirung der Ehe: die Stellung der “Liebesheirath” (die Art der “himmlischen Musiker”:

2) der Kampf gegen den Alcoholismus ... p. 332.

3) ihre vollkommene Würdigung des hohen Alters, des Weibes p 127

4) sie gehen davon aus, den Menschen ehrwürdig zu machen, vor sich selber: sie haben nöthig, selbst das Natürlichste zu transfiguriren, dadurch daß sie die Pflicht, als heilige Observanz dem Gefühl entgegenführen

14 [201]

Die Kasten begriffen als eine Arbeitstheilung, andrerseits als einzige Form, die vollkommene Leistung instinktiv zu machen ...

das Wesentliche ist die Tradition der Arbeit, die Mechanik, welche ebendamit, durch Geschlechter hindurch, vollkommen wird ...

14 [202]

Wenn die Einigung eines jungen Mannes und eines jungen Mädchens die Frucht einer gegenseitigen Wahl ist, so heißt diese Einigung, geboren, wie sie ist, aus der Liebe und die Liebe zum Zweck habend:

die Art der “himmlischen Musiker”

Die 4 letzteren Arten Ehe bringen nur Verschwender, Händelsuchende, Lügner als Kinder hervor, die die heilige Schrift und die Pflichten, welche sie vorschreibt, nicht kennen

Aus honnetten und lobenswerthen Ehen entstehen honnette und lobenswerthe Kinder; aber die schlechten Ehen sehen nur eine verächtliche Nachkommenschaft.

Das Lob der Jungfrau: p. 225

14 [202]

Wenn die Einigung eines jungen Mannes und eines jungen Mädchens die Frucht einer gegenseitigen Wahl ist, so heißt diese Einigung, geboren, wie sie ist, aus der Liebe und die Liebe zum Zweck habend:

die Art der “himmlischen Musiker”

Die 4 letzteren Arten Ehe bringen nur Verschwender, Händelsuchende, Lügner als Kinder hervor, die die heilige Schrift und die Pflichten, welche sie vorschreibt, nicht kennen

Aus honnetten und lobenswerthen Ehen entstehen honnette und lobenswerthe Kinder; aber die schlechten Ehen sehen nur eine verächtliche Nachkommenschaft.

Das Lob der Jungfrau: p. 225

14 [203]

Kritik Manus:

Reduktion der Natur auf die Moral: einen Strafzustand des Menschen: es giebt keine natürlichen Wirkungen—die Ursache ist das Brahman.

Reduktion der menschlichen Triebfedern auf die Furcht vor der Strafe und die Hoffnung auf Lohn: d.h. vor dem Gesetz, das Beides in der Hand hat ...

Man hat absolut conform dem Gesetz zu leben: das Vernünftige wird gethan, weil es befohlen ist; der naturgemäßeste Instinkt wird befriedigt, weil das Gesetz es vorgeschrieben hat.

Das ist eine Schule der Verdummung: in einer solchen Theologen-Brutanstalt (wo auch der junge Militär und Ackerbauer einen neunjährigen Cursus Theologie durchmachen muß, um “constant” zu werden—den neunjährigen “Militärdienst” der 3 obersten Kasten) müssen die Tschandala’s die Intelligenz und selbst das Interessante für sich gehabt haben. Sie waren die einzigen, welche die wahre Quelle des Wissens, die Empirie zugänglich hatten ... Hinzugerechnet die Inzucht der Kasten ...

Es fehlt die Natur, die Technik, die Geschichte, die Kunst, die Wissenschaft,

14 [204]

Man redet heute viel von dem semitischen Geiste des neuen Testaments: aber was man so nennt, ist bloß priesterlich,—und im arischen Gesetzbuche reinster Rasse, im Manu, ist diese Art “Semitismus” d.h. Priester-Geist schlimmer als irgendwo.

* * *

Die Entwicklung des jüdischen Priesterstaates ist nicht original: sie haben das Schema in Babylon kennen gelernt: das Schema ist arisch. Wenn dasselbe später wieder, unter dem Übergewicht des germanischen Bluts, in Europa dominirte, so war dies dem Geiste der herrschenden Rasse gemäß: ein großer Atavismus. Das germanische Mittelalter war auf Wiederherstellung der arischen Kasten-Ordnung aus.

* * *

Muhammedanismus hat von den Christen wiederum gelernt: die Benutzung des “Jenseits” als Straf-Organ.

* *

Das Schema eines unveränderlichen Gemeinwesens, mit Priestern an der Spitze: das älteste große Cultur-Produkt Asiens im Gebiete der Organisation—muß natürlich in jeder Beziehung zum Nachdenken und Nachmachen aufgefordert haben.

Noch Plato: aber vor allen die Aegypter.

14 [205]

Eins wird am schwersten verziehen: daß man sich selbst achtet. Ein solches Wesen ist einfach abominabel: er bringt ja an’s Licht, was es mit der Toleranz, der einzigen Tugend der Übrigen und Aller auf sich hat ...



Ich wollte, man fienge damit an, sich selbst zu achten: Alles Andere folgt daraus. Freilich hört man eben damit für die Anderen auf: denn das gerade verzeihen sie am letzten. Wie? Ein Mensch der sich selbst achtet?

Das ist etwas Anderes als der blinde Trieb, sich selbst zu lieben: nichts ist gewöhnlicher, in der Liebe der Geschlechter, wie in der Zweiheit, welche “ich” genannt wird, als Verachtung gegen das, was man liebt, der Fatalismus in der Liebe —

14 [206]

Gegen das Contagium der Neurose
Wahl der Orte, Sachen, Bücher,
Der Alkoholismus
und die Musik ...
das klimatische und meteorologische optimum wählen; insgleichen das Culinarische
Verminderung der Zahl der Eindrücke:
Zeiten reserviren wo kein Buch und kein Ding zu uns redet, — geschweige ein Mensch ...
Wiederherstellungs-Zeiten, régime Genua; der Gesündeste hat solche Zeiten heute nöthig:—Fasten-Zeiten —
Gegen den Vegetarismus:

14 [207]

Wir sind Tschandala: und unsere Künstler und Artisten voran ...

14 [208]

weshalb Alles Schauspielerei wird?

dem modernen Menschen fehlt:

der sichere Instinkt (Folge einer langen gleichartigen Thätigkeitsform einer Art Mensch)

die Unfähigkeit etwas Vollkommenes zu leisten ist bloß die Folge davon:—man kann als Einzelner die Schule nie nachholen

14 [209]

Die Zeiten, wo man mit Lohn und Strafe den Menschen lenkt, haben eine niedere noch primitive Art Mensch im Auge: das ist wie bei Kindern ...

Inmitten unserer späten Cultur ist die Fatalität und die Degenerescenz etwas, das vollkommen den Sinn von Lohn und Strafe aufhebt ...

— es setzt junge, starke, kräftige Rassen voraus, dieses wirkliche Bestimmen der Handlung durch Lohn- und Straf-Aussicht ...

in alten Rassen sind die Impulse so unwiderstehlich, daß eine bloße Vorstellung ganz ohnmächtig ist ...

nicht Widerstand leisten können, wo ein Reiz gegeben ist, sondern ihm folgen müssen: diese extreme Irritabilität der décadents macht solche Straf- und Besserungs-Systeme vollkommen sinnlos ...

* *

Der Begriff “Besserung” auf der Voraussetzung eines normalen und starken Menschen, dessen Einzel-Handlung irgendwie wieder ausgeglichen werden soll, um ihn nicht zu verlieren, um ihn nicht als Feind zu haben ...

14 [210]

Die Decadence-Moralen haben das eigenthümlich, daß sie eine Praxis, ein Regime, empfehlen, welche die décadence beschleunigt ...

— sowohl physiologisch, als psychologisch: der Instinkt der Reparation und Plastik fungirt nicht mehr ...

— sie glauben Heilung, Erlösung auch welche, an die das Nichts, die tiefste Erschöpfung stößt

— sie suchen das Gleichartige zusammen aus allen Dingen, Zuständen und Zeiten: Beispiel die Gebrüder Goncourt ...

14 [211]

Die Energie der Gesundheit verräth sich bei Kranken in dem brüsken Widerstande gegen die krankmachenden Elemente ...

einer Reaktion des Instinkts, z.B. gegen Musik bei mir —

14 [212]

Die Bestimmung des Weibes ist, die Familie durch Kinder fortzusetzen, die des Mannes diese zu zeugen: diese doppelte Pflicht, für die Mann und Weib zusammen thätig sind, hat ihre Heiligung durch die Schrift.



Welche sind zu betrachten als die Schuldigsten? Der Mörder eines Brahmanen, der Trinker von Spirituosen, der, welcher das Weib seines geistlichen Rathgebers verführt



Nach der vorgeschriebenen Sühnung soll er diese zum Tode oder zu anderen körperlichen Strafen verurtheilen. Er soll die Stirn dessen, der die Frau seines Rathgebers verführt hat, mit dem Bild des weiblichen Geschlechtstheils stigmatisiren, den Trinker von Spirituosen mit dem Zeichen des Destillations-Instrumentes, den Mörder eines Brahmanen mit dem Bilde eines Leibes ohne Kopf.

14 [212]

Die Bestimmung des Weibes ist, die Familie durch Kinder fortzusetzen, die des Mannes diese zu zeugen: diese doppelte Pflicht, für die Mann und Weib zusammen thätig sind, hat ihre Heiligung durch die Schrift.



Welche sind zu betrachten als die Schuldigsten? Der Mörder eines Brahmanen, der Trinker von Spirituosen, der, welcher das Weib seines geistlichen Rathgebers verführt



Nach der vorgeschriebenen Sühnung soll er diese zum Tode oder zu anderen körperlichen Strafen verurtheilen. Er soll die Stirn dessen, der die Frau seines Rathgebers verführt hat, mit dem Bild des weiblichen Geschlechtstheils stigmatisiren, den Trinker von Spirituosen mit dem Zeichen des Destillations-Instrumentes, den Mörder eines Brahmanen mit dem Bilde eines Leibes ohne Kopf.

14 [213]

Ein solches Gesetzbuch resümirt die Erfahrung, Klugheit und experimentelle Moral von langen Jahrhunderten: es schließt ab, es beendet eine Epoche, es schafft Nichts mehr —

Die Mittel, einer schwer und kostspielig erworbenen Wahrheit Autorität zu schaffen, sind grundverschieden von den Mitteln, mit denen man sie beweisen würde. Ein Gesetzbuch beweist niemals den Nutzen und den Nachtheil einer Vorschrift: es zeigt nur die schlimmen Folgen für das Individuum, wenn es ein Gesetz als Gesetz nicht hält,—wenn es ungehorsam ist.

Alle natürlichen schlimmen Folgen einer Gesetzes-Übertretung werden nie in Hinsicht auf diese Natürlichkeit in Betracht gezogen: sondern die schlimme Folge ist eine übernatürliche Strafe, für die Nicht-Befolgung einer Vorschrift.

Das Problem ist dies: in einem gewissen Moment der Geschichte des Volks erklärt die intelligenteste Schicht desselben die Erfahrung, wonach gelebt oder nicht gelebt werden darf, für abgeschlossen. Ihr Ziel geht darauf, die Ernte möglichst reich und vollständig heimzubringen von den langen Perioden des Experiments und der schlimmen Erfahrung ...

Was jetzt vor allem zu verhüten ist, das ist das Neu-Experimentiren, das Fortfahren-Wollen in der Prüfung und Auswahl: dem wird eine doppelte Mauer entgegengestellt 1) die Offenbarung 2) die Tradition. Beides sind heilige Lügen: der intelligente Stand der sie erfindet, versteht sie so gut als Plato sie verstand.

Die Offenbarung: das ist die Behauptung, daß die Vernunft jener Gesetze nicht menschlichen Ursprungs, nicht langsam und mit Fehlgriffen gesucht und gefunden ist, sondern daß sie mit Einem Mal von der Gottheit mitgetheilt wurde ...

Die Tradition: das ist die Behauptung, daß es bereits seit uralten Zeiten so gewesen wäre. Genug, eine principielle Umfälschung der ganzen Geschichte eines Volks. (Beispiel die jüdische Umdeutung nach dem Exil,—das Mißverstehen wollen ihrer Vergangenheit)

1) es ist gottlos, das Gesetz zu kritisiren

2) es ist pietätlos,—es ist ein Verbrechen an den Vorfahren—man reizt sie gegen sich auf —

14 [214]

Das Weib, das seinen Gatten von sich stößt, weil er die Passion des Spiels oder der geistigen Getränke hat, an Stelle, daß sie ihn wie einen Kranken pflegt, soll drei Monate in die inneren Gemächer eingesperrt werden, ohne jedweden Putz und Zierat (avis an George Eliot!)

14 [215]

Transfiguration der natürlichen Folgen einer Handlung

es giebt keine natürlichen Folgen mehr: sondern der Ungehorsam wird bestraft, und die Tugend wird belohnt.

das Glück, das lange Leben, die Nachkommenschaft—alles sind Folgen der Tugend, vermittelt durch die ewige Ordnung der Dinge —

die Unreinlichkeit z.B. wird verboten, nicht, weil ihre Folgen der Gesundheit schaden: sondern, weil sie verboten ist, schadet sie der Gesundheit ...

* *

Also, principiell: die natürliche Folge einer Handlung wird dargestellt, als Lohn oder Strafe, je nachdem etwas geboten oder verboten ist ...

dazu ist nöthig, daß die größte Menge der Strafen eben nicht natürliche sind, sondern übernatürliche, jenseitige, bloß zukünftige ...

* *

Also, principiell: jeder Nachtheil, jedes Unglück ist Beweis von Verschuldung: selbst jede niedrige Existenzform (die Thiere z.B.)

Die Welt ist vollkommen: vorausgesetzt, daß dem Gesetz Genüge geschieht. Die ganze Unvollkommenheit kommt vom Ungehorsam gegen das Gesetz.

* * *

Die oberste Kaste hat, als die vollkommene, auch das Glück darzustellen: deshalb ist nichts unangemessener als der Pessimismus und die Entrüstung ...

kein Zorn, keine Entgegnung im Schlimmen —

die Askese nur als Mittel zu höherem Glück, zur Erlösung von Vielem

die oberste Klasse hat ein Glück aufrecht zu erhalten, unter dem Preis, den unbedingten Gehorsam, jede Art von Härte, Selbstbezwingung und Strenge gegen sich darzustellen—sie will als die ehrwürdigste Art Mensch empfunden werden,—auch als die bewundernswertheste: folglich kann sie nicht jede Art Glück brauchen —

14 [216]

Kritik des Gesetzes.

Die höhere Vernunft einer solchen Prozedur ist, das Bewußtsein Schritt für Schritt von dem als richtig erkannten Leben zurückzudrängen: so daß ein vollkommener Automatismus des Instinktes erreicht wird

— d.h. die Voraussetzung jeder Art Meisterschaft

Es ist fromm, es ist üblich, es ist das Abzeichen braver und hochsinniger Menschen, so und so zu handeln:—das bleibt übrig:

die Herkunft, die Nützlichkeit, die Vernunft der Vorschrift wird aus dem Bewußtsein verdrängt.

Das wesentlichste Mittel zu dieser Verdrängung ist, daß zwei andere Begriffe mit ungeheurer Gewalt in den Vordergrund treten: beide das eigentliche Nachdenken über die Herkunft und die Kritik des Gesetzes ausschließend ...

1) der Lohn

2) die Strafe

“Jeder Mensch, der eine Strafe für ein Vergehen empfangen hat auf Befehl des Königs, geht zum Himmel frei von jeder Befleckung, eben so rein wie der, der immer nur das Gute geübt hat.”

Es wird eine Sache der obersten Selbsterhaltung, des “Eins ist Noth”, hier absolut zu gehorchen ... Es wird zur höchsten Unklugheit umgestempelt, hier nicht zu gehorchen —

Der Egoismus wird in’s Spiel gezogen, dergestalt, daß Gehorchen und Nichtgehorchen wie Glück und tiefste Selbstbenachtheiligung sich gegenüber treten

Zu diesem Zwecke wird das ganze Leben in eine Jenseits-Perspektive gesetzt, so daß es als folgenreich im allererschreckendsten Sinne begriffen wird ...

— die relative Unsterblichkeit ist das große Vergrößerungsglas, um den Begriff Strafe ... Lohn unerhört zu steigern.

Diese Weisen glauben nicht daran:—sonst würden sie es nicht erfinden ...

14 [217]

Eine Kaste, welche alle Wehr- und Angriffs-Arbeit, selbst in der Gesinnung von sich abgelehnt hat,—und den Begriff “gut” streng nimmt ...

14 [218]

Der “gute Mensch”, als ein Gebilde der décadence, der “sich ergiebt”, der den Nachtheil alles Feind-seins, alles Zürnens und Sich-rächenwollens begreift,—der zu schwach ist, zu nervenschwach dazu ...

Der “gute Mensch”, aus Stärke, aus Machtfülle, als herrschender Typus, der sich eine Existenz ausgewählt hat, die ihn der Nöthigung enthebt, aggressive und defensive Affekte zu haben ...; der eine eigene Kaste mit diese Affekten beauftragt hat ... Ein solcher schafft sich nun auch einen “Gott” nach seinem Bilde —

— für ihn ist auch die Welt gerechtfertigt: das Übel hat einen pädagogischen Zweck, d.h. einen Straf-Zweck ...

14 [219]

Schwäche des Willens: das ist ein Gleichniß, das irreführen kann. Denn es giebt keinen Willen, und folglich weder einen starken, noch schwachen Willen. Die Vielheit und Disgregation der Antriebe, der Mangel an System unter ihnen resultirt als “schwacher Wille”; die Coordination derselben unter der Vorherrschaft eines einzelnen resultirt als “starker Wille”;—im ersteren Falle ist es das Oscilliren und der Mangel an Schwergewicht; im letzteren die Präcision und Klarheit der Richtung

14 [220]

Die Ja-sagende Religion.

Die höchste Ehrfurcht vor dem Zeugungsakt und der Familie:
Man hat die Schulden Vorfahren zu bezahlen ...
der Instinkt der Tradition, die tiefste Verachtung gegen alles was die Tradition unterbrach ...
Der Instinkt gegen die Degenerescenz ...
Das ist zu studiren: was Alles zusammengerechnet wurde als degenerirt.
Die Lasterhaften
Die Geisteskranken.
Die Schwer-Aussätzigen
Die Huren.
Die Künstler.

14 [221]

Die Ordnung der Kasten beruht auf der Beobachtung, daß es drei oder vier Arten Mensch giebt, zu anderer Thätigkeit bestimmt und am besten entwickelt, wie diese Thätigkeit durch Arbeitstheilung ihnen allen zusteht ...

eine Art Sein als Vorrecht, eine Art Thätigkeit ebenfalls

die Ordnung der Kasten ist nur die Sanktionirung eines Naturabstandes zwischen mehreren physiologischen Typen (Charakteren, Temperamenten usw.)

— sie ist nur die Sanktion der Erfahrung, sie geht ihr nicht voraus, noch weniger hebt sie dieselbe auf ...

a)die geistigeren Menschen, (—die Gelehrten, die Rathgeber, die Richter, die Philosophen—)—Lehrstand
b)die muskulären Menschen, der Kriegerstand—Wehrstand
c)die Handel, Landbau und Viehzucht—Nährstand
d)endlich eine niedrige (unterworfene Art) von Eingeborenen, als Dienstboten-Rasse anerkannt.

Hier ist überall die Voraussetzung eine wirkliche Natur-Abscheidung: der Begriff Kaste sanktionirt nur die Natur-Abscheidung.

Die Heiligkeit der Familie, die Solidarität von Geschlecht mit Geschlecht ist die Voraussetzung des ganzen Baues:—folglich muß sie gerade ganz und gar ins Jenseitige übersetzt werden.

Man hat einen Sohn nöthig, weil nur ein Sohn erlöst ... man verheirathet sich, “um die Schuld der Vorfahren zu zahlen”

14 [222]

Die modernen Pessimisten als décadents:
Schopenhauer
Leopardi Baudelaire
Mainländer Goncourt
Dostoiewsky
man hat den geschmacklosen Versuch gemacht, Wagner und Schopenhauer unter die Geisteskranken zu subsumiren: was der Wahrheit ganz entsprach, war die scharfe Betonung der physiologischen décadence in ihrem Typus hervorzuheben ...

14 [223]

Die Juden machen den Versuch, sich durchzusetzen, nachdem ihnen zwei Kasten, die der Krieger und die der Ackerbauer, verloren gegangen sind

sie sind in diesem Sinne die “Verschnittenen”

— sie haben den Priester—und dann sofort den Tschandala ...

Wie billig, kommt es bei ihnen zu einem Bruch, zu einem Aufstand der Tschandala: der Ursprung des Christenthums.

Damit daß sie den Krieger nur als ihren Herrn kannten, brachten sie in ihre Religion die Feindschaft gegen die Vornehmen, gegen den Edeln, Stolzen, gegen die Macht, gegen die herrschenden Stände—: sie sind Entrüstungs-Pessimisten ...

Damit schufen sie eine wichtige neue Position: der Priester an der Spitze der Tschandala—

gegen die vornehmen Stände ...

das Christenthum zog die letzte Consequenz dieser Bewegung: auch im jüdischen Priesterthum empfand es noch die Kaste, den Privilegirten, den Vornehmen —

es strich den Priester aus

Christ ist der Tschandala, der den Priester ablehnt ... Der Tschandala, der sich selbst erlöst ...

Deshalb ist die französische Revolution die Tochter und Fortsetzerin des Christenthums ... sie hat den Instinkt gegen die Kirche, gegen die Vornehmen, gegen die letzten Privilegien — —

14 [224]

Man muß dies nicht verwechseln: die Sudras, eine Dienstboten-Rasse: wahrscheinlich eine niedrigere Art Volk, welche vorgefunden wurde auf dem Boden, wo diese Arier Fuß faßten ...

Aber der Begriff Tschandala drückt die Degenerirten aller Kasten aus: die Auswurfstoffe in Permanenz, die wiederum unter sich sich fortpflanzen

wider sie redet der tiefste Instinkt der Gesundheit einer Rasse. Hier hart zu sein ist synonym mit “gesund” sein: es ist der Ekel vor der Entartung, der hier eine Menge moralischer und religiöser Formeln findet ...

Nichts ist lehrreicher als die Bestandtheile dieses Auswurfs:—die alten feinen und tiefen Weisen haben gewußt, was man nicht gewußt hat—bis heute!!)

: daß Laster
Krankheit
Geistesstörung
Hyper-Nervosität gewisser
Symptome der physiologischen décadence sind.
 

geistiger Anlagen

  

Sie rechnen die Künstler unter die décadents ...

14 [225]

Gesetzt, es fallen die Gründe weg, um jene metaphysischen Hypothesen machen zu müssen, gesetzt, man will nicht mehr regieren, erziehen, seinen Typus als höchsten und ersten aufrecht erhalten:

gesetzt, man denkt als Tschandala über die Dinge, so findet man vielleicht die ganze Kette von Erfahrungen und Schlüssen wieder zusammen, die jenen Alten zur Voraussetzung diente, ihre Hypothesen zu machen: ich will sagen, man findet die “Wahrheit”—aber genau in der Auflösung aller Autorität, alles Respekts aller Traditionen, aller moralischen Vorurtheile—wir verbrauchen unseren Rest ererbter Moral bei dieser Arbeit ...

das, was jetzt Wissenschaft ist, ist ein genauer Gradmesser für den Niedergang des moralischen und religiösen Glaubens:—wir sind aufgelöst, wenn wir am Ende unserer “Weisheit” sind,—wir haben alle positiven Kräfte verbraucht, zur Erkenntniß ... Das Wissen an sich ist ja ohnmächtig: und was den “Egoismus” betrifft, so sind wir in einer décadence-Zeit durchaus nicht sicher, unseren Vortheil zu wollen: die Antriebe sind viel zu mächtig, als daß der Nutzen der leitende Gesichtspunkt bliebe— Der “Altruismus”, das Mitleben und Zusammenfühlen von aller Art Gefühlen und Zuständen ist in diesem Falle eine große Krankheit mehr: es ist das Tschandala-Gewissen, eine Schwäche, die mit Lust verknüpft ist ...

14 [226]

das, was eine Moral, ein Gesetzbuch schafft, der tiefe Instinkt dafür, daß erst der Automatismus die Vollkommenheit möglich macht in Leben und Schaffen ...

Aber jetzt haben wir den entgegengesetzten Punkt erreicht, ja, wir haben ihn erreichen gewollt—die extremste Bewußtheit, die Selbstdurchschauung des Menschen und der Geschichte ...

— damit sind wir praktisch am fernsten von der Vollkommenheit in Sein, Thun und Wollen: unsere Begierde, unser Wille selbst zur Erkenntniß ist ein Symptom einer ungeheuren décadence ... Wir streben nach dem Gegentheil von dem, was starke Rassen, starke Naturen—wollen

— das Begreifen ist ein Ende ...

Daß Wissenschaft möglich ist in diesem Sinne, wie sie heute geübt wird, ist der Beweis dafür, daß alle elementaren Instinkte, Nothwehr- und Schutz-Instinkte des Lebens nicht mehr fungiren —

wir sammeln nicht mehr, wir verschwenden die Capitalien der Vorfahren, auch noch in der Art, wie wir erkennen

14 [227]

Man hat mit einem willkürlichen und in jedem Betracht zufälligen Wort, dem Worte “Pessimismus” einen Mißbrauch getrieben, der wie ein Contagium um sich greift: man hat das Problem dabei übersehen in dem wir leben, das wir sind

es handelt sich nicht darum, wer Recht hat,—es fragt sich, wohin wir gehören, ob zu den Verurtheilten, den Niedergangs-Gebilden ... In diesem Fall urtheilen wir nihilistisch.

Man hat zwei Denkweisen gegen einander gestellt, wie als ob sie miteinander über die Wahrheit zu streiten hätten: während sie beide nur Symptome von Zuständen sind, während ihr Kampf das Vorhandensein eines cardinalen Lebens-Problems—und nicht eines Philosophen-Problems beweist. Wohin gehören wir?—sind wir

13, 14[1-227] Frühjahr 1888

14 [1]

Art. Preface

Talking about art does not go well with sour-faced gestures for me: I want to speak of it as I speak to myself, on wild and solitary walks, where I sometimes snatch a blasphemous happiness and ideal into my life. To spend one's life among tender and absurd things; alien to reality; half artist, half bird, and metaphysician; without yes and no for reality, unless one occasionally acknowledges it in the manner of a good dancer with the tips of one's toes; always tickled by some ray of happiness; exuberant and encouraged even by sorrow—for sorrow preserves the happy—; attaching a little tail of farce even to the holiest—this, as goes without saying, is the ideal of a heavy, hundredweight-heavy spirit, a spirit of gravity...

14 [2]

Homoeopathica

The effect of infinitesimal doses is specific in the nervous sick: ego.

“one is the more unhappy the more intelligent one is”

Schopenhauer

14 [3]

The unnoticeable phases: those of excitation, soon those of exhaustion

The hypnotic slumber can be induced by all kinds of sensory excitations (of sight, hearing, smell), only they must be sufficiently strong and prolonged: the first effect is always that of a general increase in mobility. Finally, however, exhaustion de l’influx cérébral. The excitation sets a force in motion that exhausts itself ...

14 [4]

Psychologica

The desire, pleasant when one believes oneself strong enough to attain the objects

as an idea of what will increase our sense of power: the first beginning of pleasure

otherwise unpleasant; and soon taking hold of oneself. Desire becomes a necessity: as with Schopenhauer.

14 [5]

Religion. decadence

The Danger of Christianity

Despite the fact that Christianity has placed the doctrine of selflessness and love in the foreground, its actual historical effect remains the intensification of egoism—of individual egoism to its utmost extreme—the extreme being the belief in individual immortality. The individual had become so important that he could no longer be sacrificed: before God, "souls" were equal. But this means calling the life of the species into question in the most dangerous way: it favored a practice that is the opposite of the species' interest. The altruism of Christianity is a life-threatening conception: it equates everyone...

But this disrupts the natural course of development... and overturns all natural values.

If the sick are to have as much value as the healthy (or even more, according to Pascal)

This general love of mankind, in practice the preference for all the suffering, the downtrodden, the sick

has in fact the power to sacrifice people, weakened: it has wanted to reduce responsibility to sacrificing oneself:—but this absurd personal altruism has, from the standpoint of breeding, no value at all. If one were to wait to see how many would sacrifice themselves for the preservation of the species, one would be deceived ...

all great movements, wars, etc., bring people to sacrifice themselves: it is the strong who in this way continually reduce their numbers ...

on the other hand, the weak have a terrifying instinct to spare themselves, to preserve themselves, to support each other ...

this “mutual preservation” is supposed to be almost the virtue and in any case human love! ... typical: they want to be protected by the state, they believe “that is its highest duty!”

beneath the general praise of “altruism” hides the instinct that if everyone takes care of each other, the individual is best preserved ... it is the egoism of the weak that has created the praise, the exclusive praise of altruism ...

The dangerous unnaturalness of Christianity:

— it crosses the selection

1)she invents an imaginary value of the person, so extravagant and important that approximately everyone is of equal value
2)she presents the protective self-preservation instinct of the weak beneath her as the highest measure of value, she opposes nothing more than what, like nature, does with the weak and the ill-fated: harming, exploiting, destroying ...
3)she does not want it said that the highest type of human is the well-turned-out and happy one ... she is the slander, the poisoning, the undermining of all natural valuation

14 [6]

Will to Power as Morality

To comprehend the interconnectedness of all forms of corruption; and not to forget Christian corruption

Pascal as a type

nor socialist-communist corruption (a consequence of Christian corruption)

the highest societal conception of the socialists is the lowest in the hierarchy of societies

the “Beyond” corruption: as if there were a world of being beyond the real world, the world of becoming

Here there must be no contract: here one must eradicate, destroy, wage war—one must still draw out the Christian-nihilistic value measure everywhere and combat it under every mask ... From the current sociology, for example, from the current music, e.g., from the current pessimism (—all forms of the Christian value ideal—)

Either one or the other is true: true, i.e., here elevating the type of man ...

The priest, the pastor, as reprehensible forms of existence

all education hitherto helpless, without foundation, without gravity, afflicted with the contradiction of values —

14 [7]

On modernity.

Cowardice before the consequence—the modern vice.

Romanticism: the hostility

against the Renaissance (Chateaubriand, R. Wagner)
against the ancient ideal of value
against the dominant spirituality
against the classical taste, the simple, the strict, the grand style
against the “happy ones”
against the “warrior-like”

14 [8]

Worth ..

The highest quantum of power that man can incorporate into himself

man: not mankind ...

mankind is rather more a means than an end. It is about the type: mankind is merely the experimental material, the enormous surplus of the failed, a field of ruins ...

14 [9]

Nihilism

Nothing would be more useful and more to be promoted than a consequent Nihilism of the Deed

: just as I understand all phenomena of Christianity, of pessimism, they express “we are ripe, not to be; for us it is reasonable, not to be”

this language of “reason” would in this case also be the language of the selective nature

What is to be condemned beyond all concepts is the ambiguous and cowardly half-heartedness of a religion, like that of Christianity: more clearly, the Church: which, instead of encouraging death and self-destruction, protects and perpetuates everything that has failed and is sick —

Problem: with what means would a strict form of the great contagious nihilism be achieved: one which, with scientific conscientiousness, teaches and practices voluntary death ... (and not the feeble continuation of existence with regard to a false post-existence—)

One cannot condemn Christianity enough, because it has devalued the value of such a purifying great nihilism movement, as it may have been underway, through the thought of the immortal private person: likewise through the hope of resurrection: in short, always through a deterrence from the act of nihilism, suicide ... It substituted the slow suicide; gradually a small poor but enduring life; gradually a quite ordinary bourgeois mediocre life etc.

14 [10]

Religion as décadence

Critique of Christianity

Great selection and purification crises are required: in any case, introduced through nihilistic religions and philosophies.

One understands that Christianity is something immortally botched and failed: from a means of selective breeding, it became its opponent, hindrance, and poisonous growth.

14 [11]

the affirming affects

Pride
joy
health
the love of the sexes
enmity and war
reverence
beautiful gestures, manners, objects
the strong will
the discipline of high spirituality
the will to power
gratitude toward earth and life
: everything that is rich and wishes to give and enriches life and gilds it and eternalizes it and deifies it—all the power of transfiguring virtues... all that says yes, affirms, sanctifies—

14 [12]

Priests and other ink-slingers, squids —

14 [13]

Physiology of Nihilistic Religions

a typical disease progression

NB the nihilistic religions all: systematis disease histories under a religious-moral nomenclature.

— in the pagan cult, it is the great annual cycle around whose interpretation the cult revolves

— in the Christian cult, a cycle of paralytic phenomena around which the cult revolves...

 
“faith,” a form of mental illness
remorse 
redemptioneverything neurasthenic 
prayer 
sin, a fixed idea
hatred against nature, against reason
Christianity as illness
Christianity as a symptom of physiological decadence

14 [14]

Counter-movement Art

Birth of Tragedy

III

These two art-natural forces: are opposed to each other by Nietzsche as the Dionysian and the Apollonian: he claims that with the word “dionysian” is expressed: a drive towards unity, a reaching beyond person, everyday life, society, reality, as an abyss of forgetting, the passionate-painful overflowing into darker, fuller, floating states; an ecstatic affirmation of the overall character of life, as that which remains the same, equally powerful, equally blissful in all change; the great pantheistic joy and compassion, which also approves and sanctifies the most terrible and questionable properties of life, from an eternal will to procreation, to fertility, to eternity: as a feeling of unity with the necessity of

Creation and destruction ... The word Apollinian expresses: the drive toward perfect self-sufficiency, toward the typical "individual," toward everything that simplifies, emphasizes, strengthens, clarifies, makes unambiguous, typical: freedom under the law.

Art's further development is just as necessarily bound to their antagonism as the development of humanity is to the antagonism of the sexes. The fullness of power and moderation, the highest form of self-affirmation in a cool, noble, austere beauty: the Apollinian nature of the Hellenic will

the origin of tragedy and comedy as a present-seeing of a divine type in a state of collective ecstasy, as a shared experience of the local legend, the visitation, miracle, founding act, the "drama" (—

This opposition of the Dionysian and Apollonian within the Greek soul is one of the great riddles that N felt drawn to in the face of the Greek essence. Nietzsche was fundamentally concerned with nothing but guessing why Greek Apollonianism had to grow out of a Dionysian substratum: why the Dionysian Greek needed to become Apollonian, that is: to break his will to the monstrous, the manifold, the uncertain, the terrible against a will to measure, to simplicity, to subordination to rule and concept. The immeasurable, the desolate, the Asiatic lies at its foundation: the courage of the Greek consists in the struggle with his Asiaticism: beauty is not given to him, any more than logic, any more than the naturalness of custom—it is conquered, willed, fought for—it is his victory ...

14 [15]

This book is anti-pessimistic: it teaches a counterforce against all saying no and doing nothing, a remedy for the great fatigue

14 [16]

Type of God according to the type of the creative spirit, the “great man”

14 [17]

Birth of Tragedy.

2.

Beginning of section two pages later: II.

Art is considered here as the only superior counterforce against all will to negate life: as the anti-Christian, anti-Buddhist, anti-nihilistic par excellence ...

It is the redemption of the knowing one—of him who sees, wants to see, the terrible and questionable character of life, the tragic knowing one.

It is the redemption of the acting one—of him who not only sees the terrible and questionable character of life but lives it, wants to live it, the tragic man, the hero ..

It is the redemption of the suffering one—as a path to states where suffering is willed, transfigured, deified, where suffering is a form of great ecstasy ...

14 [18]

III

There are two states in which art itself appears in man as a kind of natural force: once as vision, on the other hand as Dionysian orgy. These are physiologically prefigured in dreams and intoxication: the former understood as an exercise of that power of vision, as a pleasure in seeing shapes, forming shapes.

The will to illusion, to deception, to becoming and change is deeper, "metaphysical" than the will to truth, to reality, to being: pleasure is more original than pain; the latter is itself only the consequence of a will to pleasure (—to create, to shape, to lay waste, to destroy) and, in its highest form, a kind of pleasure...

14 [19]

6.

This writing is antimodern: it believes in modern art, in nothing else, and fundamentally not even in modern art, but in modern music, and fundamentally not in modern music at all, but only in Wagner ... And fundamentally perhaps not even in Wagner, except faute de mieux.

p. 116. “What else would we know to name, it says with a painful gesture

Schopenhauer, Dürer.

It believes that a music will come .. in a Dionysian music ...

14 [20]

7.

This writing behaves German, even loyal to the Reich—it still believes in the German spirit! ... Its nuance is that it is German-anti-Christian: “the most painful thing, it says on p. 142, is for us the long degradation under which the German spirit, alienated from home and homeland, lived in the service of treacherous dwarves.” These treacherous dwarves are the priests.— Elsewhere, the question is raised whether the German spirit is still strong enough to reflect on itself; whether it can still take seriously the elimination of foreign elements; or whether it will continue to consume itself like a sickly, stunted plant in morbid exertion. In this book, the transplantation of a deeply anti-German myth, the Christian one, into the German heart is considered the true German fate.

14 [21]

4.

This book is, in fact, even anti-pessimistic: namely in the sense that it teaches something that is stronger than pessimism, something more divine than "truth": art.

No one, it seems, would advocate for a radical negation of life, a true undoing rather than merely saying no to life, as much as the author of this book: only he knows—he has experienced it, he has perhaps experienced nothing else—that art is worth more than "truth".

Already in the preface, where Richard Wagner is invited as if to a dialogue, the confession of faith, the artist's gospel, appears: "art as the true task of life, art as metaphysical activity" ...

14 [22]

5.

What must, under such a presupposition, become of science? How does it stand? In a significant sense, almost as an opponent of truth: for it is optimistic, for it believes in logic. It is physiologically calculated that it is the times of decline of a strong race when the type of the scientific man matures within it.The critique of Socrates constitutes the main part of the book: Socrates as the opponent of tragedy, as the dissolver of those demonic-prophylactic instincts of art; Socraticism as the great misunderstanding of life and art: the morality, dialectic, contentment of the theoretical man a form of fatigue; the famous Greek cheerfulness only an evening glow ... The strong races, as long as they are still rich and overrich in strength, have the courage to see things as they are: tragic ... For them, art is more than entertainment and delight; it is a cure ...

The book teaches, “despite all modern ideas and prejudices of democratic taste,” that the Greeks—p. X of the preface.

14 [23]

II

The essential aspect of this conception is the concept of art in relation to life: it is understood, both psychologically and physiologically, as the great stimulus, as that which eternally urges toward life, toward eternal life drives ...

14 [24]

3.

One sees that in this book pessimism, let us say more clearly, nihilism is considered the “truth”: but truth is not regarded as the highest measure of value, still less as the highest power.

The will to appearance, to illusion, to deception, to becoming and change is here considered deeper and more original, “metaphysical,” than the will to truth, to reality, to being:—the latter is itself merely a form of the will to illusion.

Likewise, pleasure is considered more original than pain: pain is only conditional as a consequence of the will to pleasure (the will to becoming, growing, shaping, consequently to overcoming, resistance, war, destruction). A highest state of affirmation of existence is conceived, in which even pain, every kind of pain, is eternally included as a means of enhancement: the tragic-dionysian state.

14 [25]

OnThe Birth of Tragedy.”

VIII.

The new conception of the Greeks is the distinguishing feature of this book; we have already indicated its two other merits—the new conception of art as the great stimulus to life, for life; likewise the conception of pessimism, a pessimism of strength, a classical pessimism: the word classical here used not for historical, but for psychological demarcation.The opposite of classical pessimism is the romantic kind: that in which weakness, fatigue, and racial decadence express themselves in concepts and values—the pessimism of Schopenhauer, for example, as well as that of de Vigny, Dostoevsky, Leopardi, Pascal, and all the great nihilistic religions (Brahmanism, Buddhism, Christianity—they may be called nihilistic because they all glorified the antithesis of life, nothingness, as the goal, the highest good, as "God")

What distinguishes Nietzsche: the spontaneity of his psychological vision, a dizzying breadth of perspective, of experience, divination, and insight, the will to consistency, the fearlessness in the face of harsh and dangerous consequences.

14 [26]

Birth of Tragedy

But let us come to the main point, to what distinguishes the book and sets it apart, to its originality: it contains three new conceptions. The first we have already named: art as the great stimulus to life, for life. The second: it introduces a new type of pessimism, the classical. Third: it re-examines a problem of psychology, the Greek one.

14 [27]

Philosophy as décadence

On the Psychology of the Psychologist

Psychologists, as they were only possible from the 19th century onward: no longer those corner-dwellers who look three or four steps ahead and are almost content to dig into themselves. We psychologists of the future—we have little goodwill toward self-observation: we almost take it as a sign of degeneration when an instrument seeks "to know itself": we are instruments of knowledge and would like to preserve all the naivety and

Precision of an instrument;—consequently, we must not analyze ourselves, must not “know” ourselves. First characteristic of a self-preservation instinct of the great psychologist: he never seeks himself, he has no eye, no interest, no curiosity for himself... The great egoism of our dominant will demands of us that we nicely close our eyes to ourselves,—that we must appear as “impersonal,” “disinterested,” “objective”... oh how much we are the opposite of that! Only because we are psychologists to an eccentric degree

14 [28]

The Psychologist.

1) We are no Pascals, we are not particularly interested in the “salvation of the soul,” in our own happiness, in our own virtue ... —

2) We have neither the time nor the curiosity to revolve around ourselves in such a way. Seen more deeply, it is even different: we distrust all navel-gazers on principle, because self-observation seems to us a degenerative form of psychological genius, a question mark on the psychologist’s instinct: just as a painter’s eye is degenerate when the will stands behind it, to see in order to see

14 [29]

Origin of Moral Values.

Egoism is worth as much as the physiological worth of the one who possesses it.

Every individual is the entire line of development still (and not only, as morality would have it, something that begins with birth): if he represents the ascent of the human line, then his worth is indeed extraordinary; and the care for his preservation and promotion of his growth may be extreme. (It is the care for the future promised in him that gives the well-turned-out individual such an extraordinary right to egoism.) If he represents the descending line, the decline, the chronic illness: then he is of little worth: and the first fairness is that he takes as little space, strength, and sunshine as possible from the well-turned-out.

In this case, society has the task of suppressing egoism (—which sometimes manifests itself absurdly, pathologically, rebelliously—), whether it concerns individuals or entire degenerate, stunted layers of the population. A doctrine and religion of “love,” of suppression of self-affirmation, of endurance, bearing, helping, of reciprocity in deed and word can be of the highest value within such layers, even in the eyes of the rulers: for it keeps down the feelings of rivalry, resentment, envy, the all-too-natural feelings of the downtrodden,—it deifies for them, under the ideal of humility and obedience, being a slave, being dominated, being poor, being sick, being at the bottom.This explains why the ruling classes or races and individuals have always upheld the cult of selflessness, the gospel of the lowly, "the God on the cross."

The predominance of an altruistic system of values is the result of an instinct for being a failure. The value judgment at its most basic level says here: "I am not worth much": a purely physiological value judgment, even more clearly: the feeling of powerlessness, the lack of the great affirmative feelings of power (in muscles, nerves, movement centers). This value judgment translates, depending on the culture of these strata, into a moral or religious judgment (—the predominance of religious and moral judgments is always a sign of low culture—): it seeks to justify itself from spheres where the concept of "value" is known to them at all.The interpretation with which the Christian sinner believes he understands himself is an attempt to find the lack of power and self-confidence *justified*: he would rather find himself guilty than feel bad for nothing: in itself, it is a symptom of decay to need interpretations of this kind at all. In other cases, the one who has gone astray does not seek the reason for it in his "guilt" (like the Christian), but in society: the socialist, the anarchist, the nihilist, by feeling their existence as something for which someone *is to blame*, are still the closest relatives of the Christian, who also believes that feeling bad and failing is easier to bear if he has found someone whom he can hold *responsible* for it.The instinct of revenge and ressentiment is in both cases, appears here as a means to endure it, as an instinct of self-preservation: just as the preference for altruistic theory and practice. The hatred against egoism, whether against one's own, as with the Christian, or against that of others, as with the Socialist, thus emerges as a value judgment under the dominance of revenge; on the other hand, as a prudence of self-preservation of the suffering through the enhancement of their reciprocity and solidarity feelings...Finally, as already indicated, even that discharge of resentment in judging, rejecting, punishing egoism (one's own or another's) is still an instinct of self-preservation among the ill-adapted. In summa: the cult of altruism is a specific form of egoism that regularly appears under certain physiological conditions.

14 [30]

When the Socialist demands with fine indignation “justice,” “right,” “equal rights,” he is merely under the pressure of his insufficient culture, which cannot comprehend why he suffers: on the other hand, he takes pleasure in it; if he were better off, he would be careful not to shout so: he would then find his pleasure elsewhere. The same applies to the Christian: “the world” is condemned, slandered, cursed by him—he does not exclude himself. But that is no reason to take his shouting seriously. In both cases, we are still dealing with the sick, for whom it does good to shout, for whom slander is a relief.

14 [31]

Werth ...

The concept of “reprehensible action” poses a difficulty for us: there can be nothing inherently reprehensible. Nothing at all that happens can be inherently reprehensible: for one would not wish to do without it: for everything is so interconnected with everything else that wishing to exclude anything means excluding everything. A reprehensible action: means a rejected world altogether ..

And even then: in a rejected world, even rejection would be reprehensible ... And the consequence of a way of thinking that rejects everything would be a practice that affirms everything ... If becoming is a great ring, then everything is of equal value, eternal, necessary ...

In all correlations of yes and no, of preferring and rejecting, loving and hating, only a perspective, an interest of certain types of life is expressed: in itself, everything that is says yes.

14 [32]

Werth ...

a nihilistic valuation says: “I am worth not being.” It goes further and says: “you are worth not being.”

14 [33]

As far as tragic pathos is concerned, Nietzsche does not revive the old misunderstanding of Aristotle —

as a transfiguration of lust and cruelty into the Greek: elements which in the orgiastic festivals

the Dionysian as an overflow and unity of manifold, in part terrible excitations

14 [34]

Drama

drama is not, as the half-educated believe, the action, but rather, according to its Doric origin from the word “Drama,” also to be understood in a Doric-hieratic sense: it is the event, the “occurrence,” the sacred history, the founding legend, the “contemplation,” the actualization of the task of the hieratic.

14 [35]

Art as a Counter-Movement.

The orgiastic element in Greek art had previously been underestimated; but that orgiasm signifies one of the deepest movements and crises for the Greek soul itself

One may recall the frivolous and cold manner in which Lobeck kept the entire realm of rites, myths, and mysteries at bay pp. 564. 565.

One might say that the concept of "classical"—as shaped by Winckelmann and Goethe—not only failed to explain that Dionysian element but excluded it entirely: and

there was a time when philologists expressed particular gratitude to Lobeck

14 [36]

Apollonian, Dionysian

III

There are two states in which art itself arises in man like a natural force, disposing of him whether he wills it or not: once as the compulsion to vision, and otherwise as the compulsion to orgiastic excess. Both states also occur in normal life, though weaker, in dreams and in intoxication, as in

But the same opposition still exists between dream and intoxication: both unleash artistic powers within us, but each differently: the dream those of seeing, connecting, composing; intoxication those of gesture, passion, song, dance.

14 [37]

On modernity.

What brings us honor.

If anything brings us honor, it is this: we have placed seriousness elsewhere: we take the lowly things despised and set aside by all ages seriously—we, on the other hand, give away the “beautiful feelings” cheaply...

Is there a more dangerous aberration than the contempt for the body? As if with it all spirituality were not condemned to become sickly, to the vapors of “idealism”!

Everything that has been devised by Christians and idealists lacks hand and foot: we are more radical.

We have discovered the "smallest world" as the universally decisive factor: we have dangerously immersed ourselves in the

cobblestones, good air in the room, the den not poisoned, the foods understood for their worth, we have taken seriously all the necessities of existence and despise all "beautiful soul-ness" as a kind of "frivolity and levity."

What was previously most despised has been moved to the forefront.

I add immorality to it: morality is only a form of immorality, which, with regard to the advantage that a certain kind of it has,

14 [38]

TypeJesus” ...

Jesus is the counterpart of a genius: he is an idiot. One should sense his inability to understand a reality: he moves in circles around five, six concepts that he had heard earlier and gradually understood, i.e., misunderstood—in them he has his experience, his world, his truth,—the rest is foreign to him. He speaks words as everyone needs them—he does not understand them as everyone does, he understands only his five, six floating concepts. That the actual male instincts—not only the sexual ones, but also those of struggle, pride, heroism—never awoke in him, that he remained behind and childlike in the age of puberty: this belongs to the type of certain epileptoid neuroses.

Jesus is unheroic in his deepest instincts: he never fights: whoever sees something like a hero in him, like Renan, has vulgarized the type beyond recognition.

on the other hand, one should feel his inability to understand anything spiritual: the word spirit becomes a misunderstanding in his mouth! Not the faintest breath of science, taste, intellectual discipline, logic has touched this holy idiot: just as little as life has touched him.— Nature? Laws of nature?— No one has revealed to him that there is a nature. He knows only moral effects: signs of the lowest and most absurd culture. One must hold fast to this: he is idiot amidst a very clever people... Only that his disciples were not—Paul was by no means an idiot!—on this hangs the history of Christianity.

14 [39]

Critique of Christianity.
Morality as Circe of the Philosophers
The Struggle for the
I.”

14 [40]

The unconscious effect of décadence on the ideals of science

There is a deep and completely unconscious effect of décadence itself on the ideals of science: our entire sociology is proof of this proposition. It remains to be reproached that it knows only the decay-structure of society from experience and inevitably takes its own decay-instincts as the norm of sociological judgment.

The sinking life in present-day Europe formulates in them its social ideals: they all resemble, to the point of confusion, the ideal of old surviving races ...

The herd instinct—now a sovereign power—is something fundamentally different from the instinct of an aristocratic society: and it depends on the value of the units what the sum is to mean ...

Our entire sociology knows no other instinct than that of the herd, i.e., of the summed zeros ... where every zero has "equal rights," where it is virtuous to be a zero ...

The valuation with which the various forms of society are judged today is entirely one with that which assigns a higher value to peace than to war: but this judgment is anti-biological, is itself a product of the décadence of life ... Mr. Herbert Spencer is a décadent as a biologist,—and mostly as a moralist (—he sees in the victory of altruism something desirable!!!). Life is a consequence of war, society itself a means to war.

14 [41]

Renan, who shares with women the trait that he only becomes life-threatening when he loves; he who has never embraced an old idol of an ideal without small murderous side intentions, always curious whether what he embraces is not already wobbling ...

14 [42]

— German =

(4) Religion in Music.

How much unacknowledged and even misunderstood satisfaction of all religious needs is still in Wagner's music! How much prayer, virtue, anointing, "virginity," "redemption" speaks there still! .. That music may disregard the word, the concept—oh how it takes advantage of this, this cunning saint, who leads back to everything, seduces back, to what was once believed! .. Our intellectual conscience need not be ashamed—it remains outside—when some old instinct drinks with trembling lips from forbidden cups ... This is clever, healthy, and, insofar as it betrays shame at the satisfaction of the religious instinct, even a good sign ... Treacherous Christianity: the type of music of the "last Wagner."

14 [43]

Through alcohol and music, one regresses to levels of culture and unculture that our ancestors have overcome: in this sense, nothing is more instructive, nothing more “scientific” than getting intoxicated... Some foods also contain revelations about something from which we originate. How much mystery lies, for example, in the correlation of German dumplings and the German “childlike spirit”! ... When one has the former in their stomach, the latter immediately stirs: one begins to sense! ... Oh, how far one is then from the “understanding of the reasonable” ! —

14 [44]

Against this corruption of music I defend myself with all means, and like a beautiful devil

14 [45]

What has the German spirit made of Christianity!— And that I remain with Protestantism, how much beer is again in Protestant Christianity! Is a more spiritually dulled, lazier, limb-stretching form of Christian faith still conceivable! than that of an average German Protestant? .. I call this a modest Christianity! a homeopathy of Christianity I call it!— I am reminded that there is also an immodest Protestantism today, that of the court preacher and antisemitic speculator: but no one has yet claimed that any “spirit” “hovers” over these waters ... This is merely a more indecent form of Christianity, by no means a more intelligent one ...

14 [46]

In the Dionysian intoxication, there is sexuality and lust: it is not lacking in the Apollonian. There must still be a tempo-difference in both states ... The extreme calm of certain intoxication sensations (more strictly: the slowing of the sense of time and space) is gladly reflected in the vision of the calmest gestures and types of soul. The classical style essentially represents this calm, simplification, abbreviation, concentration—the highest feeling of power is concentrated in the classical type. Slow to react: a great consciousness: no feeling of struggle:

The intoxication of nature:

14 [47]

Counter-movement of art.

Pessimism in art? —

the artist gradually loves the means for their own sake, in which the state of intoxication reveals itself: the extreme fineness and splendor of color, the clarity of the line, the nuance of the tone: the distinct, where otherwise, in the normal, all distinction is lacking

—: all distinct things, all nuances, insofar as they recall the extreme increases in power that intoxication produces, awaken in turn this feeling of intoxication.

—: the effect of works of art is the excitation of the art-creating state, of intoxication ...

—: the essential thing about art remains its perfection of existence, its bringing forth of perfection and fullness

Art is essentially affirmation, blessing, deification of existence ...

—: What does a pessimistic art mean? Is that not a contradiction?— Yes.

Schopenhauer errs when he places certain works of art in the service of pessimism. Tragedy does not teach “resignation” ...

— To depict terrible and questionable things is itself an instinct of power and glory in the artist: he does not fear them ...

There is no pessimistic art .. Art affirms. Job affirms.

But Zola? But de Goncourt?

— the things they show are ugly: but that they show them is out of joy in this ugliness ...

— no use! you deceive yourselves if you claim otherwise

How redeeming is Dostoevsky!

14 [48]

Headings above a modern madhouse.

“Necessities of thought are necessities of morality.”

Herbert Spencer.

 
“The final test of the truth of a proposition is the incomprehensibility of its negation.”

Herbert Spencer.

14 [49]

Modernity.

The Uglification of Music.

the rule of the abstract: “that means”: indifferent to the “swamp,” to which the senses are not supposed to say Yes at all ...

Music should definitely mean something that is not music: in doing so, it becomes

the rhythm
the melody
the color
the structure

the false profundity as silence of thoughts; the fury, the remorse, the spasm, the ecstasy—all light things, trifles, which one can still mix until perfection

14 [50]

5.The means by which the actor comes out on top
6.The danger of the theater as a place of corruption of all arts.
7.The superfluity of all Wagner’s own innovations in opera
8.Carmen: and the depressing effect of Wagner: physiological objection against Wagner
9.the great ambiguity of the tragic tendency in Wagner: my realism in aestheticis ...
10.Restoration of the concept “tragic”
11.The significance of this psychological-aesthetic phenomenon for the history of the “modern soul.”
12. : essentially unGerman,—in this lies its distinction ...
13. : Critique of the “Romantic.”

14 [51]

Wagner as a Problem.
A Word of Clarification.
By
Friedrich Nietzsche.

14 [52]

whose wisdom made peace with the German character at the right time, composed the Kaisermarsch, aspired to General Kapellmeister positions

who condescended to every filth, with which the German spirit, this so corrupt German spirit, has stained itself

who with his Parsifal spoke to all the cowardices of the modern soul.

This very ambiguous personage, on whose grave nevertheless a Wagner Society—the Munich one—laid a wreath with the inscription:

Redemption to the Redeemer!

... One sees, the problem is great, the misunderstanding enormous.

If Wagner could become the redeemer,

Who redeems us from this redemption?

who redeems us from this redeemer? ...

14 [53]

There are instruments with which one persuades the entrails, others have their success in the spinal cord ... I have been told that the effect of Wagnerian music is strongest after a cure in Carlsbad ...

14 [54]

But Wagner is not only a role model here ... And he has been understood all over the world ... Since Wagner, people have been making new music, they make it in Russia, in Paris, in South America, they even make it in Germany ... I myself would know how to teach how to make this new music. Would you like a little lesson? ...

14 [55]

Among Musicians.

We are late musicians. An immense past is inherited in us. Our memory constantly quotes. We may allude among ourselves in an almost scholarly manner: we understand each other already. Even our listeners love it when we allude: it flatters them, they feel learned thereby.

14 [56]

First sentence of all theater optics: what is supposed to appear true must not be true.

The actor does not have the feeling he portrays; he would be lost if he had it.

One knows, as I hope, the famous explanations of Talma.

14 [57]

Conviction

On the Psychology of Paul.

The fact is the death of Jesus. This remains to be interpreted ...

That there is a truth and an error in interpretation has never occurred to such people: one day a sublime possibility enters their minds, “this death could mean this and that”

and immediately it is that! A hypothesis proves itself by the sublime impulse it gives its originator ...

“The proof of power”: i.e., a thought is proven by its effect,—(“by its fruits,” as the Bible naively says)

what inspires must be true

for which one sheds one’s blood must be true

* *

Here, the sudden sense of power that a thought arouses in its originator is attributed to the thought as value:—and since one knows no other way to honor a thought than by calling it true, the first predicate it receives for its honor is that it is true... How else could it have an effect? It is imagined as a power: if it were not real, it could not have an effect... It is understood as inspired: the effect it exerts has something of the overwhelming force of a demonic influence—

A thought to which such a décadent cannot resist, to which he completely succumbs, is as true “proven”!!!

All these holy epileptics and visionaries did not possess a thousandth of that integrity of self-criticism with which today a philologist reads a text or examines a historical event for its truth ...

they are, compared to us, moral cretins ...

14 [58]

Carlyle ...

The origin of science: pay attention. It does not arise among priests and philosophers, its natural opponents. It arises among the sons of craftsmen and businessmen of all kinds, among lawyers, etc.: those to whom the skill of the craft and its prerequisites also transferred to such questions and their answers.

14 [59]

Conviction and Lie.
The “Improvement.”
How to Bring Virtue to Power.
Compassion.
“Altruism.”
Renunciation.
Desensualization

14 [60]

A faith that claims to make one "blessed" after making one sick. A faith that appeals to books—a faith that claims revelation for itself—a faith that regards doubt as "sin," a faith that proves itself through martyrdom.

Another mark of the theologian is his inability to engage in philology. Here I understand the word philology in a very general sense: being able to read facts without falsifying them through interpretation, without

14 [61]

Will to Power as Art

Music”—and the Great Style

The greatness of an artist is not measured by the “beautiful feelings” he arouses: that may be what the little women believe. Rather, it is measured by the degree to which he approaches the great style, by the degree to which he is capable of the great style. This style has in common with great passion that it disdains to please; that it forgets to persuade; that it commands; that it wills ... To become master over the chaos that one is; to compel one’s chaos to become form; to become necessity in form: to become logical, simple, unambiguous, mathematics; to become law—that is the great ambition here. With it, one is pushed back; nothing entices love for such violent men anymore—a wilderness spreads around them, a silence, a fear as before a great sacrilege ...

All arts know such ambitious ones of the great style: why are they missing in music? Never has a musician built, like that master builder who created the Palazzo Pitti? .. Here lies a problem. Does music perhaps belong to that culture where the empire of all kinds of violent men had already come to an end? Would the concept of great style ultimately contradict the soul of music,—the “woman” in our music? ...

I touch upon a cardinal question here: where does our entire music belong? The ages of classical taste know nothing comparable to it: it flourished when the Renaissance world reached its evening, when “freedom” had departed from customs and even from desires: is it part of its character to be Counter-Renaissance? And expressed differently, to be a Décadence art? perhaps like the Baroque style is a Décadence art?

Is she the sister of the Baroque style, since she is at least its contemporary? Is music, modern music not already décadence? ...

Music is the Counter-Renaissance in art: it is also décadence as an expression of society

I have already pointed my finger at this question before: whether our music is not a piece of Counter-Renaissance in art? whether it is not the closest relative of the Baroque style? whether it has not grown in contradiction to all classical taste, so that in it every ambition of classicism would forbid itself? ...

To this question of value of the first rank, the answer should not be in doubt if the fact had been correctly assessed that music, as Romanticism, attained its highest maturity and fullness—once again as a reactionary movement against classicism...

Mozart—a tender and enamored soul, but entirely eighteenth century, even in his seriousness... Beethoven the first great Romantic, in the sense of the French concept of Romanticism, just as Wagner is the last great Romantic... both instinctive adversaries of classical taste, of the strict style,—not to mention the "great" here... both

14 [62]

Modernity

German romantic music, its unspirituality, its hatred ofEnlightenmentandReason

The atrophy of melody is the same as the atrophy of the “Idea,” of dialectics, of the freedom of the most spiritual movement—how much struggle against Voltaire is in German music! ...

how much clumsiness, stuffiness, which develops into new concepts and even into principles—

one always has the principles of one’s talent

against higher tragedy and mocking intellect, against the buffo

I have seen beer drinkers and military doctors who “understood” Wagner ...

Wagner’s ambition to force even idiots to understand Wagner

14 [63]

The hero, as Wagner conceived him, how modern! how bold! how ingeniously complex he conceived him! How Wagner understood how to meet the three basic needs of the modern soul with his heroes—it wants the brutal, the sickly, and the innocent...

these magnificent monsters, with bodies from prehistoric times and nerves from the day after tomorrow; these blond saints, whose barely pre-existent sensuality inspires such tender curiosity in women and permits so much accommodation erlaubt... Beaumarchais gave Cherubin to beautiful women, Wagner gave Parsifal:

And as for the hysterically-heroic beings that Wagner has conceived as woman, deified, the type Senta, Elsa, Isolde, Brünnhilde, Kundry: they are interesting enough in the theater—but who would want them? ...

that this type itself has not been entirely disgusted in Germany has its reason (though by no means its right:) that an incomparably greater poet than Wagner, the noble Heinrich von Kleist, had already given it the advocacy of genius there

14 [64]

Question: is it depersonalization through a truth when one immerses oneself in a thought?

... the heart claims this: he means that it is something quite ordinary to forget and let go of one's moi

Question: whether even there it is not mere appearance; whether what finds a question interesting is not our entire manifold self...

14 [65]

décad

What is inherited is not the disease itself, but the disease-proneness: the weakness in resisting the danger of harmful invasions, etc.; the broken resistance—morally expressed: resignation and humility before the enemy.

I have asked myself whether one might not compare all these highest values of previous philosophy, morality, and religion with the values of the weak, the mentally ill, and neurasthenics: they represent, in a milder form, the same evils...

The value of all morbid states is that they reveal, under a magnifying glass, certain states that are normal but poorly visible as normal...

Health and disease are not essentially different, as the old physicians and some practitioners still believe today.

One must not make distinct principles, or entities out of them, that compete for the living organism and make it their battleground. That is old stuff and chatter, which is no longer of any use. In fact, there are only gradations between these two modes of existence: exaggeration, disproportion, the non-harmony of normal phenomena constitute the pathological state. Claude Bernard.

Just as the evil can be considered as exaggeration, disharmony, disproportion, so can the good be a protective diet against the danger of exaggeration, disharmony, and disproportion.

The hereditary weakness, as a dominant feeling: cause of the highest values.

NB. One wants weakness: why? ... usually, because one is necessarily weak ...

Weakening as a task: weakening of desires, of pleasure and displeasure, of the will to power, to pride, to having and wanting more; weakening as humility; weakening as faith; weakening as disgust and shame towards all that is natural, as negation of life, as illness and habitual weakness...

weakening as renunciation of revenge, of resistance, of enmity and anger.

the misstep in treatment: one does not want to combat weakness through a fortifying system, but through a kind of justification and moralization:

through an interpretation ...

The confusion of two entirely different states: e.g., the calm of strength, which is essentially abstention from reaction, the type of gods, which nothing moves ...

and the calm of exhaustion, the rigidity, up to anesthesia.

: all philosophical-ascetic procedures strive for the second, but actually mean the first ... For they attribute to the achieved state the predicates as if a divine state had been reached.

14 [66]

Morality as decadence

Why weakness is not combated, but only “justified”

The decline of the healing power instinct among the weakened: so that they desire as a remedy what accelerates their downfall. For example, most vegetarians would need a strengthening diet to restore energy to their enfeebled fibers: but they take their penchant for the mild and gentle as a hint from nature:—and weaken themselves further ...

14 [67]

The woman reacts more slowly than the man, the Chinese more slowly than the European ...

14 [68]

Religion as décadence

The most dangerous misunderstanding.

There is a concept that apparently allows no confusion, no ambiguity: that is the concept of exhaustion. This can be acquired; it can be inherited—in either case, it changes the aspect of things, the value of things...

In contrast to the one who, from the abundance that he represents and feels, involuntarily gives to things, sees them fuller, more powerful, richer in future—the one who can certainly give—the exhausted one diminishes and disfigures everything he sees,—he impoverishes the value: he is harmful...

Here, no mistake seems possible: nevertheless, history contains the horrifying fact that the exhausted have always been confused with the fullest—and the fullest with the most harmful.

The poor in life, the weak, impoverish life even more: the rich in life, the strong, enrich it...

The first is its parasite; the second a giver...

How is confusion possible?...

When the exhausted appears with the gesture of the highest activity and energy: when degeneration conditions an excess of spiritual or nervous discharge, then one confused him with the rich... He aroused fear...

the cult of the fool is still the cult of the life-rich, the powerful

the fanatic, the possessed, the religious epileptic, all eccentrics have been perceived as the highest types of power

: as divine

this kind of strength, which arouses fear, was considered above all divine: here authority took its starting point, here one interpreted, listened, sought wisdom ...

From this developed, almost everywhere, a will to “deification,” i.e., to the typical degeneration of spirit, body, and nerves: an attempt to find the path to this higher kind of being

to make oneself sick, to make oneself mad: to provoke the symptoms of ruin—that was to become stronger, superhuman, more terrible, wiser:

— one believed that in this way one would become so rich in power that one could give away: wherever worship has taken place, one sought someone who can give away.



that one took the fool for something superhuman

that one believed terrible powers to be active in the mentally ill and epileptics

Here, the experience of intoxication was misleading...

this increases to the highest degree the feeling of power

consequently, naively judged, the power

on the highest level of power, the most intoxicated must stand, the ecstatic

there are two starting points of intoxication: the excessive abundance of life and a state of pathological nutrition of the brain



Nothing has been paid for more dearly than the confusion in the Physiological. —

14 [69]

The physiological misunderstandings.

1. illness misunderstood as a higher form of life
2. intoxication
3. impassibility.

14 [70]

The desire arises where feeling of power

The happiness in the dominant consciousness of power and victory

The progress: the strengthening of the type, the ability to great will: everything else is misunderstanding, danger,

14 [71]

Will to Power as “Natural Law”
Will to Power as Life
Will to Power as Art.
Will to Power as Morality.
Will to Power as Politics
Will to Power as Science.
Will to Power as Religion

14 [72]

Will to Power.

Morphology.

Will to Poweras “Nature”
as Life
as Society
as Will to Truth
as Religion
as Art
as Morality
as Humanity

The Counter-Movement
Will to Nothingness

the Overcome. The Fallen, the Degenerate

14 [73]

Consequences of décadence.

The vice, the depravity
the illness, the morbidity
the crime, the criminality
the celibacy, the sterility
the hysteria, the weakness of will, the alcoholism
the pessimism
the anarchism

14 [74]

The Degeneracy:

First Principle: what was previously considered the causes of degeneration are its consequences.

:vice: as consequence;
:disease sterility
:crime
the slanderersSkepticism
UnderminersAsceticism
DoubtersNihilism
DestroyersOtherworldliness

: the libertinage (also the intellectual)—Celibacy.

: the weakness of will: the pessimism; the anarchism;


But also, what is considered as remedy against degeneration are only palliatives against certain effects of the same: the “cured” are only a type of the degenerate.

14 [75]

Conceptdécadence

The decline, decay, waste is not something to be condemned in itself: it is a necessary consequence of life, of growth in life. The phenomenon of décadence is as necessary as any rise and progress of life: one cannot abolish it. Reason, on the contrary, demands that its right be granted ...

It is a disgrace for all socialist systematists that they believe there could be circumstances, social combinations, under which vice, disease, crime, prostitution, and distress would no longer thrive... But that means condemning life... A society is not free to remain young. Even in its prime, it must produce waste and byproducts. The more energetically and boldly it proceeds, the richer it will be in failures, in malformations, the closer it will be to decline... Age is not abolished by institutions. Neither is disease. Nor is vice.

14 [76]

Formerly, one said of every morality: “by their fruits you shall know them”; I say of every morality: it is a fruit by which I recognize the soil from which it grew.

14 [77]

We Hyperboreans.
A Preface.

The Will to Power.
First Part.

Psychology of decadence.
Theory of decadence.
Second Part.

Critique of the Spirit of the Age.
Third Part.

The Great Noon.
Fourth Part.

The Strong.
The Weak.
Where Do We Belong?
The Great Choice.

14 [78]

The Will to Power.
An Attempt at a Revaluation of All Values.

First Part.
What Stems from Strength.

Second Part.
What Stems from Weakness.

Third Part.
And from what do we stem? —

Fourth Part.
The Great Choice.

14 [79]

Will to Power

Philosophy

Power quanta. Critique of Mechanism

let us remove here the two popular concepts “necessity” and “law”: the first imposes a false compulsion, the second a false freedom upon the world. “Things” do not behave regularly, not according to a rule: there are no things (—that is our fiction) they do not behave under a compulsion of necessity either.Here there is no obedience: for that something is as it is, as it is, so strong, so weak, that is not the consequence of an obedience or a rule or a compulsion ...

The degree of resistance and the degree of superiority—this is what all happening is about: if we, for our domestic use of calculation, know how to express this in formulas of “laws,” so much the better for us! But we have not thereby placed a “morality” into the world, that we obediently feign it—

There is no law: every power draws its ultimate consequence at every moment. Precisely, that there is no mezzo termine, upon this rests the calculability.

A quantum of power is designated by the effect it exerts and that which resists it. There is no adiaphory: which in itself would be conceivable. It is essentially a will to violate and to defend itself against violations.Not self-preservation: every atom acts out into the whole of being—it is unthinkable if one removes this radiation of will to power. Therefore, I call it a quantum of “will to power”: this expresses the character that cannot be removed from the mechanical order without removing it itself.

A translation of this world of effect into a visible world—a world for the eye—is the concept of “movement.” Here, it is always implied that something is moved,—in doing so, whether in the fiction of a clump-atom or even in its abstraction, the dynamic atom, a thing that acts is still thought,—i.e., we have not escaped the habit to which our senses and language seduce us.Subject, object, an agent to act, the act and what it does, separated: let us not forget that this is merely a semiotics and denotes nothing real. Mechanics as a doctrine of movement is already a translation into the sensory language of humans.

We need units in order to calculate: therefore it is not to be assumed that such units exist. We have borrowed the concept of unity from our “I” concept,—our oldest article of faith. If we did not consider ourselves units, we would never have formed the concept “thing.” Now, rather late, we are sufficiently convinced that our conception of the I-concept guarantees nothing for a real unity.We therefore always have to make the clause, in order to theoretically uphold the mechanism of the world, to what extent we carry it out with two fictions: the concept of motion (taken from our sensory language) and the concept of the atom = unity (derived from our psychological "experience"): it has a sensory prejudice and a psychological prejudice as its presupposition.

The mechanistic world is imagined as the eye and touch alone can imagine a world (as "moving")

so that it can be calculated,—that units are fictitious,

so that causal units are fictitious, "things" (atoms), whose effect remains constant (—transfer of the false subject concept to the atom concept)

Concept of number.
Concept of thing (concept of subject
Concept of activity (separation of being a cause and effecting)
Movement (eye and touch)
: that all effect is movement
: that where there is movement, something is moved

Phenomenal is therefore: the interference of the concept of number, the concept of subject, the concept of movement: we still have our eye, our psychology in it.

Eliminate these additions: no things remain, but dynamic quanta, in a state of tension with all other dynamic quanta: whose essence consists in their relation to all other quanta, in their “effect” upon them—the will to power is not a being, not a becoming, but a pathos is the most elemental fact, from which alone a becoming, an effect arises...

mechanics formulates subsequent phenomena, moreover semiotic in sensory and psychological means of expression, it does not touch the causal force...

14 [80]

If the innermost essence of being is will to power, if pleasure is all growth of power, displeasure all feeling of not being able to resist and become master: may we not then set pleasure and displeasure as cardinal facts? Is will possible without these two oscillations of yes and no? But who feels pleasure? ... But who wills power? ... Absurd question: if the essence itself is will to power and consequently feeling pleasure and displeasure. Nevertheless: it requires opposites, resistances, thus, relatively, overarching unities ... Localized

if A acts upon B, then A is first localized separately from B

14 [81]

Critique of the ConceptCause

Psychologically recalculated: the concept “cause” is our feeling of power from the so-called will—our concept “effect” is the superstition that the feeling of power is the power itself that moves ...

a state that accompanies an event, and is already an effect of the event, is projected as the “sufficient reason” for it

the tension of our feeling of power: pleasure as a feeling of power: of overcome resistance—are these illusions?

if we translate the concept “cause” back into the only sphere we know, from which we took it: then no change is conceivable to us in which there is not a will to power. We do not know how to derive a change unless there is an encroachment of power over other power.

Mechanics only shows us consequences, and even then in images (movement is a figurative language)

Gravity itself has no mechanical cause, as it is the very basis for mechanical consequences



The will to accumulate force as specific to the phenomenon of life, for nutrition, procreation, inheritance,

for society, state, custom, authority

should we not be allowed to assume this will as a driving cause in chemistry as well?

and in the cosmic order?

not merely constancy of energy: but maximal economy of consumption: so that the desire to become stronger of every power center is the only reality,—not self-preservation, but appropriation, becoming-master-, becoming-more-, becoming-stronger-wanting.




That science is possible, a principle of causality is supposed to prove this to us?

“from equal causes equal effects”:

“a permanent law of things”

“an invariable order”

because something is calculable, is it therefore necessary?

if something happens thus and not otherwise, there is no “principle,” no “law,” no “order” in it

force quanta, whose essence consists in exerting power over all other force quanta

In the belief in cause and effect, the main thing is always forgotten: the event itself.

one has posited a doer, one has again hypothesized the deed

14 [82]

Can we assume a striving for power without a pleasure and displeasure sensation i.e. without a feeling of the increase and decrease of power?

the mechanism is only a sign language for the internal world of facts of struggling and overcoming will-quanta?

all prerequisites of the mechanism, matter, atom, pressure and impact, gravity are not “facts in themselves,” but interpretations with the help of psychic fictions.

life as the form of being most familiar to us is specifically a will to the accumulation of force

: all processes of life have their lever here

: nothing wants to preserve itself, everything should be summed and accumulated

Life, as an individual case: hypothesis from there on the overall character of existence.

: strives for a maximal feeling of power

: is essentially a striving for more power

: striving is nothing other than striving for power

: the deepest and innermost remains this will: mechanics is a mere semiotic of consequences.

14 [83]

Problem of the philosopher and the

scientific person.

Rising-Type
Strength in calmness. In the relative indifference and difficulty to react.
The great affects, all, and wonderfully aiding one another ...
 
Influence of age
depressive habits (staying indoors like Kant)
overwork
inadequate nutrition of the brain
reading

Essential: whether a décadence symptom is not already given in the direction towards such generality: objectivity as disintegration of the will (being able to remain so far away ...

this presupposes a great adiaphoria towards the strong drives:

a kind of isolation
exceptional position
resistance
against the normal drives

Type: the detachment from the homeland, into ever wider circles, the growing exoticism, the muting of the old imperatives— —even this constant questioning “where to?” (“happiness”) is a sign of detachment from organizational forms, a breaking free.

Problem: whether the scientific man is still more a symptom of decadence than the philosopher —

he is not detached as a whole, only a part of him is absolutely devoted to knowledge, trained for a corner and an optic —

— he needs here all the virtues of a strong race and health

— great strictness, masculinity, cleverness —

— here one could speak of a division of labor and training that is very beneficial to the whole and only possible at a very high degree of culture. He is more a symptom of high multiplicity of culture than of its fatigue.

The décadence scholar is a bad scholar. While the décadence philosopher has hitherto at least been considered the typical philosopher.

14 [84]

Compared to the artist, the appearance of the scientific man is indeed a sign of a certain restraint and lowering of the level of life.

But also of a strengthening, strictness, willpower.

: to what extent the falsity, the indifference to truth and usefulness in the artist may be signs of youth, of “childishness” ...

: their habitual manner, their unreasonableness, their ignorance of themselves, their indifference to eternal values, seriousness in “play” ... their lack of dignity; Hanswurst and God adjacent; the saint and the canaille ...

: the imitation as instinct, commanding

The affirming, the decline-artists.

Rise-artists—decline-artists: whether they do not belong to all phases ... Yes

14 [85]

Pyrrho, a Greek Buddhist

Plato, perhaps schooled by the Jews

14 [86]

On the concept of “Décadence” —

1.skepticism is a consequence of décadence: just as the libertinage of the spirit is.
2.the corruption of morals is a consequence of décadence: weakness of the will, need for strong stimulants ...
3.the methods of cure, the psychological, moral ones, do not alter the course of décadence, they do not stop it, they are physiologically null

: insight into the great nullity of these presumptuous “reactions”

: they are forms of narcotization against certain fatal consequences, they do not bring out the morbid element

: they are often heroic attempts to annul the man of décadence, to enforce a minimum of his harmfulness.

4.nihilism is not a cause, but only the logic of décadence
5.the “Good” and the “Bad” are only two types of décadence: they are related to each other in all fundamental phenomena.
6.the social question is a consequence of décadence
7.diseases, above all nervous and mental illnesses, are signs that the defensive power of strong nature is lacking; this is also indicated by irritability, so that pleasure and displeasure become the foreground problems.

14 [87]

the ancient Philos of Socrates has the Stigmata der décadence: moralism and happiness.

Climax Pyrrho. Stage of Buddhism reached



Epicureanism in Christianity



Paths to Happiness: sign that all main forces of life are exhausted

14 [88]

The accumulative times and individuals

the prodigal: the brilliant, the victorious, the conquering, the discovering, the adventurous

after the latter, the décadent necessarily follows

14 [89]

Counter-movement: Religion

The two types:
Dionysus and the Crucified.

To note: the typical religious person—is this a décadence form?

The great innovators are all, without exception, sickly and epileptic

: but should we not exclude one type of religious person, the pagan? Is pagan cult not a form of gratitude and affirmation of life? Should not its highest representative be an apology and deification of life?

Type of a fully realized and ecstatically overflowing spirit...

Type of a being that takes in and redeems the contradictions and question marks of existence?

— Here I place the Dionysus of the Greeks:

the religious affirmation of life, of the whole, unnegated and unhalved life

typical: that the sexual act evokes depth, mystery, reverence

Dionysus versus the “Crucified”: there you have the contrast. It is not a difference regarding martyrdom,—only the same has a different meaning. Life itself, its eternal fertility and recurrence, conditions the torment, the destruction, the will to annihilation...

in the other case, suffering, the “Crucified as the Innocent,” serves as an objection to this life, as a formula for its condemnation.

One guesses: the problem is that of the meaning of suffering: whether a Christian meaning, whether a tragic meaning...

In the first case, it is to be the path to a blissful being; in the latter, being is considered blissful enough to still justify an enormous amount of suffering

The tragic man still affirms even the harshest suffering: he is strong, full, deified enough to do so

The Christian still denies even the happiest fate on earth: he is weak, poor, disinherited enough to suffer in every form of life...

“the God on the cross” is a curse on life, a sign to redeem oneself from it

the dismembered Dionysus is a promise of life: it will be eternally reborn and return from destruction

14 [90]

The physiological falsehood in Raphael's images.

A woman with normal secretions has no need for redemption. That all these well-formed and advantageous natures eternally concern themselves with that anemic holy man from Nazareth goes against natural history. He belonged to another species: one such as Dostoevsky knows—touching, corrupted, and twisted miscreations with idiocy and fanaticism, with love ...

14 [91]

religion as décadence

Buddha against theCrucified One

Within the nihilistic movement, one may still sharply distinguish the Christian and the Buddhist

: the Buddhist expresses a beautiful evening, a perfect sweetness and mildness,—it is gratitude for everything that lies behind, included, it lacks bitterness, disappointment, rancor

: finally, the high spiritual love, the refinement of physiological contradiction is behind it, it also rests from that: but from this it still has its spiritual glory and sunset glow. (—Origin from the highest castes. —

: the Christian movement is a degeneracy movement made up of refuse and outcast elements of all kinds: it does not express the decline of a race, it is from the beginning an aggregate formation of disease structures pressing together and seeking each other ... It is therefore not national, not race-conditioned: it appeals to the disinherited from everywhere

it has rancor at its core against all the well-constituted and ruling, it needs a symbol that represents the curse on the well-constituted and ruling ...

it stands in opposition to all intellectual movement, to all philosophy: it takes the side of the idiots and pronounces a curse against the spirit. Rancor against the gifted, the scholars, the intellectually independent: it divines in them the well-constituted, the dominant

14 [92]

The Problem of Socrates.

The two opposites:

the tragic disposition
the Socratic disposition
measured against
the law of life

: to what extent the Socratic disposition is a phenomenon of décadence

: to what extent, however, a strong health and vigor still shows itself in the entire habitus, in the dialectic and competence, tautness of the scientific man (—the health of the plebeian whose malice, esprit frondeur whose sharpness whose Canaille au fond kept in check by prudence: “ugly”

Uglification:
self-derision
dialectical aridity
prudence as tyrant against “the tyrant” (the instinct)
 
it is all exaggerated, eccentric, a caricature of Socrates, a buffoon, with the instincts of Voltaire in his body;
 
he discovers a new kind of Agon
he is the first fencing master in the noble circles of Athens
he represents nothing but the highest wisdom: he calls it “virtue” (—he guessed it as salvation: he was not free to be wise, it was de rigueur
to have self-control in order to enter the fight with reasons and not with affects—the cunning of Spinoza—the unraveling of affective errors ... discovering how to catch everyone who is put into affect, that affect proceeds illogically ... practice in self-mockery to damage the rancune-feeling at its root
  

I seek to comprehend from which partial and idiosyncratic states the Socratic problem is to be derived: his equation of reason = virtue = happiness. With this absurdity of identity doctrine, he enchanted: ancient philosophy could not break free ...



Problem of Socrates. Prudence, clarity, hardness, and logic as a weapon against the wildness of the drives. The latter must be dangerous and threatening ruin: otherwise, it makes no sense to cultivate prudence to this tyranny. To make a tyrant out of prudence: but for that, the drives must be tyrants. This is the problem.— It was very timely back then. Reason became = virtue = happiness.



absolute lack of objective interests: hatred of science: idiosyncrasy, feeling oneself as a problem



Acoustic hallucinations in Socrates: morbid element



Dealing with morality is most resisted where the mind is rich and independent. How is it that Socrates is a moral monomaniac?



All "practical" philosophy comes to the fore in emergencies. Morality and religion as main interests are signs of distress



Solution: the Greek philosophers stand on the same basic fact of their inner experiences as Socrates: 5 steps away from excess, from anarchy, from dissipation, all décadence people. They feel him as a doctor:



Solution: The wildness and anarchy of instincts in Socrates is a décadence symptom.The superfetation of logic and the brightness of reason likewise. Both are abnormalities, both belong together



Logic as will to power, to self-domination, to "happiness"



Critique. The décadence betrays itself in this preoccupation with "happiness" (i.e., the "salvation of the soul" i.e., feeling one's state as a danger)

their fanaticism of interest in "happiness" reveals the pathology of the underground: it was a vital interest. Being reasonable or perishing was the alternative before which they all stood

the moralism of the Greek philosophers shows that they felt in danger ...

14 [93]

Will to Power as Knowledge
Critique of the Concept “True and Apparent World”

of these, the first is a mere fiction, formed from purely fictitious things

the “appearance” itself belongs to reality: it is a form of its being, i.e.

in a world where there is no being, the appearance must first create a certain calculable world of identical cases: a tempo in which observation and comparison are possible, etc.

“Appearance” is a fabricated and simplified world that our practical instincts have worked on: it is perfectly right for us: namely, we live, we can live in it: proof of its truth for us...

: the world, apart from our condition of living in it, the world that we have not reduced to our being, our logic, and psychological prejudices

does not exist as a world “in itself”

it is essentially a relational world: under certain circumstances, it has a different face from every point: its being is essentially different at every point: it presses on every point, every point resists it—and these summations are in every case completely incongruent.

The measure of power determines what essence the other measure of power has: in what form, force, coercion it acts or resists

Our individual case is interesting enough: we have made a conception in order to be able to live in a world, to perceive just enough so that we can still endure it...

14 [94]

Philosophy as décadence
On the Critique of the Philosopher

It is a self-deception of philosophers and moralists to believe that they can escape décadence by fighting against it.

This lies beyond their will: and, as little as they recognize it, later one discovers how they have been among the strongest promoters of décadence.

The philosophers of Greece, for example: Plato, the man of the Good—but he detached the instincts from the polis, from competition, from military prowess, from art and beauty, from the mysteries, from belief in tradition and ancestors...

— he was the seducer of the nobles: he himself seduced by the roturier Socrates...

— he negated all the prerequisites of the “noble Greek” of the old school, incorporated dialectics into everyday practice, conspired with tyrants, pursued future politics, and set the example of the most complete instinctual detachment from the old.

He is deeply, passionately immersed in everything anti-Hellenic ...



They represent, in sequence, the typical forms of decadence, these great philosophers:

the moral-religious idiosyncrasy 
anarchism 
nihilism
cynicism 
 hardening
hedonism, 
reactionism 

the question of "happiness," of "virtue," of the "salvation of the soul" is the expression of the physiological contradiction in these declining natures: the instincts lack the gravitas, the whither?

: why does no one dare to deny the freedom of the will? They are all preoccupied with their "salvation of the soul"—what do they care about truth?

14 [95]

Two successive states: one cause, the other effect

: is wrong.

the first state has nothing to effect the second has effected nothing.

: it is a struggle of two elements unequal in power: a new arrangement of forces is achieved, depending on the measure of power of each.

the second state is something fundamentally different from the first (not its “effect”): the essential thing is that the factors involved in the struggle emerge with different quanta of power.

14 [96]

They despise the body: they left it out of account: more still, they treated it like an enemy. Their madness was to believe that one could carry around a “beautiful soul” in a misshapen corpse ... To make this credible to others as well, they needed to redefine the concept of “beautiful soul,” to invert the natural value, until finally a pale, sickly, idiotically-ecstatic being was perceived as perfection, as “English,” as transfiguration, as a higher human.

14 [97]

“Will to Power”

“The will to power” is so hated in democratic ages that their entire psychology seems directed toward its diminishment and slander ...

The type of the great ambitious: that is supposed to be Napoleon! And Caesar! And Alexander! ... As if they were not precisely the greatest despisers of honor! ...

And Helvétius explains to us that one strives for power in order to have the pleasures available to the powerful ...: he understands this striving for power as the will to pleasure, as hedonism ...

Stuart Mill:

14 [98]

Will to Power in principle

Critique of the ConceptCause

I need the starting point “Will to Power” as the origin of movement. Consequently, the movement must not be conditioned from the outside—not caused ...

I need approaches and centers of movement from which the will spreads ...



We have absolutely no experience of a cause

: psychologically calculated, the entire concept comes to us from the subjective conviction that we are the cause, namely, that the arm moves ... But this is an error

: we distinguish ourselves, the doers, from the deed, and we apply this schema everywhere—we seek a doer for every event ..

: what have we done?we have a feeling of strength, tension, resistance, a muscle feeling, which is already the beginning of the action, misunderstood as cause mißverstanden

: or the will to do this and that, because action follows it, understood as cause—cause, i.e.

“Cause” does not occur at all: in some cases where it seemed given to us and from where we projected it for the understanding of the event, the self-deception has been proven.

Our “understanding of an event” consisted in inventing a subject that became responsible for something happening and how it happened.

We have combined our feeling of will, our “feeling of freedom,” our feeling of responsibility, and our intention to act into the concept of “cause”:

: causa efficiens and finalis are one in the basic conception.

We thought an effect was explained when a state was shown in which it was already inherent.

In fact, we invent all causes according to the pattern of the effect: the latter is known to us... Conversely, we are unable to say in advance what anything "effects."

The thing, the subject, the will, the intention—all are inherent in the conception of "cause."

We seek things to explain why something has changed. Even the atom is such an imagined "thing" and "primordial subject"...

Finally, we understand that things, and thus atoms, effect nothing: because they are not there at all...

that the concept of causality is completely useless — From a necessary sequence of states, it does not follow their causal relationship (—that would mean making their active powers jump from 1 to 2, to 3, to 4, to 5)

The causal interpretation is a deception ...

consciousness is a word, consciousness is not a cause —

a “thing” is a sum of its effects, synthetically bound by a concept, image ...

There are neither causes, nor effects.

Linguistically, we cannot escape this. But that is of no consequence. If I think of the muscle separated from its “effects,” then I have negated it ...

In sum: an event is neither caused, nor causing

Causa is an ability to act, added to the event ..

there is not what Kant means, no sense of causality

one is surprised, one is unsettled, one wants something familiar to hold onto ...

as soon as something old is shown to us in the new, we are reassured.

The alleged causality instinct is only the fear of the unfamiliar and the attempt to discover something familiar in it

a search not for causes but for the familiar ...

Man is immediately reassured when he encounters something new; he does not strive to understand how the match causes fire



In fact, science has emptied the concept of causality of its content and retained it as a mere metaphorical formula, where it is essentially irrelevant which side is cause or effect. It is claimed that in two complex states (force constellations), the quanta of force remain equal.

The calculability of an event does not lie in the fact that a rule was followed

or that a necessity was obeyed

or that a law of causality was projected by us into every event:

it lies in the recurrence of identical cases

14 [99]

Philosophy as décadence
The wise fatigue. Pyrrho. The Buddhist. Comparison with Epicurus.

Pyrrho. Living among the lowly, lowly. No pride. Living in the common way; honoring and believing what everyone believes. On guard against science and intellect, also everything that puffs up ... Simple: indescribably patient, carefree, gentle.

, even more.

A Buddhist for Greece, raised amid the tumult of the schools; arrived late; weary; the protest of the weary against the zeal of the dialecticians; the unbelief of the weary in the importance of all things. He has seen Alexander, he has seen the Indian ascetics. For such late and refined individuals, everything lowly, everything poor, everything idiotic itself becomes seductive. It narcotizes: it makes one stretch out: Pascal.On the other hand, they feel a little warmth in the midst of the crowd and mixed with everyone: they need warmth, these weary ones ...

Overcoming contradiction; no competition; no will to distinction: the Greek instincts deny.— Pyrrho lived with his sister, who was a midwife. —

Disguising wisdom so that it no longer distinguishes; giving it a cloak of poverty and rags; performing the lowest tasks: going to the market and selling milk pigs ...

Sweetness; brightness; indifference; no virtues that require gestures. To equalize oneself even in virtue: final self-overcoming, final indifference.

Pyrrho, like Epicurus, two forms of Greek décadence: related, in hatred against dialectics and against all theatrical virtues—both together were called philosophy at the time—; deliberately choosing lowly names for what they love, the common, self-despisable names; representing a state where one is neither sick, nor healthy, nor alive, nor dead... Epicurus, more naive, idyllic, grateful; Pyrrho, more traveled, world-weary, nihilistic...

His life was a protest against the great doctrine of identity (happiness = virtue = knowledge).

The right life is not found through science: wisdom does not make one “wise”..

The right life does not want happiness, renounces happiness...

14 [100]

The actual philosophers of the Greeks are those before Socrates: with Socrates, something changes

they are all noble figures, setting themselves apart from the people and customs, traveled, serious to the point of gloom, with a slow gaze, not unfamiliar with state affairs and diplomacy. They anticipate all the great conceptions of things for the wise: they present them themselves, they bring themselves into a system.

Nothing gives a higher notion of the Greek spirit than this sudden fertility of types, than this unintended completeness in the establishment of the great possibilities of philosophical ideals.

I see only one original figure in the coming ones: a latecomer, but necessarily the last ... the nihilist Pyrrho, ... he has the instinct against everything that has since been on top, the Socratics, Plato

Pyrrho reaches back beyond Protagoras to Democritus ...

the artist-optimism of Heraclitus,

14 [101]

the décadence altogether

If pleasure and displeasure relate to the feeling of power, then life must represent a growth of power, so that the difference of "more" enters consciousness ... A level of power maintained: pleasure would only be measured by reductions in the level, by states of displeasure,—not by states of pleasure ... The will to more lies in the essence of pleasure: that power grows, that the difference enters consciousness ...

From a certain point onward, in the décadence, the reverse difference enters consciousness, the decline: the memory of the strong moments of yore depresses the present feelings of pleasure,—the comparison weakens pleasure now ...

14 [102]

On the Hygiene of theWeak.”— Everything done in weakness turns out badly. Moral: do nothing. Only the problem is that the very strength to refrain from action, not to react, is most severely sickened under the influence of weakness: that one never reacts more quickly, more blindly than when one should not react at all ...

The strength of a nature shows itself in waiting and postponing reaction: a certain measure of it is as inherent to it as the weakness’s lack of freedom in counter-movement, the suddenness, the uncontrollability of the “action” ...

the will is weak: and the recipe for preventing foolish things would be to have a strong will, and do nothing ...

Contradictio ...

A kind of self-destruction, the instinct of preservation is compromised ... The weak harm themselves ... this is the type of décadence ...

In fact, we find an enormous amount of reflection on practices that provoke impassivity. The instinct is on the right track insofar as doing nothing is more useful than doing something ...

All practices of the orders, the solitary philosophers, the fakirs are guided by the correct measure of value, that a certain type of person still benefits the most when they hinder themselves as much as possible from acting ...

Means of relief: absolute obedience

mechanical activity

separation from people and things that would promote immediate decision and action

14 [103]

1.

I see with astonishment that science today resigns itself to being confined to the apparent world: a true world—whatever it may be, certainly we have no organ of knowledge for it.

Here one might already ask: with what organ of knowledge does one even posit this opposition? ...

By the fact that a world accessible to our organs is also understood as dependent on these organs, by the fact that we regard a world as subjectively conditioned, it is not expressed that an objective world is possible at all. Who prevents us from thinking that subjectivity is real, essential?

The “thing-in-itself” is even a nonsensical conception: a “quality in itself” is nonsense: we have the concept “being,” “thing” only ever as a relational concept ...

The terrible thing is—that with the old opposition “apparent” and “true,” the correlative value judgment has propagated: lesser in value and absolutely “valuable.”

The apparent world does not count for us as a “valuable” world; appearance should be an instance against the highest value. Only a “true” world can be valuable in itself ...



First: one claims it exists

second: one has a very specific value conception of it



Prejudice of prejudices!
First, it would in itself be possible that the true nature of things is so harmful to the presuppositions of life, so opposed, that precisely appearance would be necessary in order to live ... This is indeed the case in so many situations: e.g., in marriage

Our empirical world would be conditioned by the instincts of self-preservation even in its cognitive limits: we would hold to be true, good, valuable what serves the preservation of the species ...

Unless the appearance itself constitutes a judgment of rejection?
a.we have no categories by which we might separate a true and an apparent world. There might well be only an apparent world, but not only our apparent world ...
b.the true world assumed, it could still be the lesser in value for us: precisely the quantum of illusion might be of higher rank in its preservative value for us.
c.that there is a correlation between the degrees of values and the degrees of reality, such that the highest values would also have the highest reality: is a metaphysical postulate based on the assumption that we know the hierarchy of values: namely, that this hierarchy is a moral one ... Only under this assumption is truth necessary for the definition of everything most valuable

the "appearance" would be an objection against a value altogether

2.

It is of cardinal importance that one abolishes the true world.She is the great doubter and devaluation of the world, that we are: She has been our most dangerous attempt on life so far

War against all prerequisites on which a true world has been feigned. Among these prerequisites is that the moral values are the highest

The moral evaluation as the highest would be refuted if it could be proven as the consequence of an immoral evaluation

: as a special case of real immorality

: it would thereby reduce itself to an appearance

and as an appearance, she would, of her own accord, no longer have the right to condemn the semblance.

3.

“The will to truth” would then have to be examined psychologically: it is not a moral power, but a form of the will to power. This would be proven by the fact that it employs all immoral means: metaphysics foremost —

: the methodology of research is only achieved when all moral prejudices have been overcome ... it represented a victory over morality ...

NB. Today we are faced with the test of the claim that moral values are the highest values.

14 [104]

Moral values as apparent values, compared with the physiological ones.

14 [105]

Our knowledge has become scientific to the extent that it can apply number and measure ...

The attempt would be to see if a scientific order of values could not simply be built on a scale of number and measure of power ...

— all other “values” are prejudices, naiveties, misunderstandings ...

— they are everywhere reducible to that scale of number and measure of power

— the upward in this scale means every increase in value:

the downward in this scale means diminution of value

Here one has appearance and prejudice against oneself.



a morality, a way of life tested and proven through long experience and trial, ultimately comes to consciousness as law, as dominant ..

and thus the entire group of related values and states enters into it: it becomes venerable, inviolable, sacred, true

it is part of its development that its origin is forgotten ... It is a sign that it has become master ...

* * *

Exactly the same could have happened with the categories of reason: they could have proven themselves through relative usefulness by much groping and grasping ... There came a point where they were summarized, brought to consciousness as a whole,—and where they were commanded ... i.e., where they acted as commanding ...

From now on they were considered a priori ..., as beyond experience, as irrefutable ...

And yet they perhaps express nothing but a certain racial and species utility—only their usefulness is their "truth"—

On the Origin of Reason
A.
The highest values have hitherto been the moral ones.
B.
Critique of these values.
C.

14 [106]

Prescription for the young theologian:

1. that he abstain from women and from all fermented substances; that he wear neither boots nor an umbrella; that he abstain from all sensory stimuli (singing, dancing, and music)

2.If the candidate involuntarily receives a stain during his slumber, he shall immerse himself three times in the holy swamp at sunrise, with the words “that what has left me against my will may return to me!” 3. If his teacher interrupts him, he shall answer him neither lying down, nor sitting, nor eating, nor running, nor from afar, nor with a sideways glance: 4. Rather, he shall come to him and, standing upright and respectfully, look at him and give his answer. If he is in a carriage and notices his teacher, he shall immediately alight to pay him his respects. The student may not assist his teacher’s wife in bathing, nor perfume her, nor massage her, nor arrange her hair, nor anoint her

He must also not prostrate himself before his teacher's young wife and respectfully touch her feet, namely, if he has already acquired the knowledge of good and evil through his age.

It is in the nature of woman to please men and to try to tempt them. But the wise never allow themselves to go so far as to yield to this attraction, namely in cases where it is blameworthy.

One should not linger alone with one's mother, sister, daughter, and other female relatives in secluded places: the senses, excited by solitude, are so powerful that they sometimes overcome even the wisest.

This was the case with the wise Vasta, who, to flee from the wickedness of the people of Gotha, withdrew with his 2 daughters into a cave: where he made them both mothers.

14 [106]

Regulation for the Young Theologian:

1. that he abstain from women and from all fermented substances; that he wear neither boots nor umbrella; that he refrain from all sensory stimuli (song, dance, and music)

2. If the candidate involuntarily receives a defilement during his slumber, he shall immerse himself three times in the holy swamp at sunrise, saying the words “may that which left me against my will return to me!”

3. If his teacher interrupts him, he shall not answer him while lying down, nor sitting, nor eating, nor running, nor from afar, nor with a sideways glance:

4. Rather, he shall come to him and, standing upright and respectfully, look at him and give his answer.

If he is in a carriage and notices his teacher, he shall immediately alight to pay him his respects.

The pupil may not serve his teacher's wife while bathing, nor perfume her, nor massage her, nor arrange her hair adornment, nor anoint her.

He may also not prostrate himself before his teacher's young wife and touch her feet respectfully, provided that he has already attained the knowledge of good and evil through his age.

It is in the nature of woman to please men and to tempt them.But the wise never allow themselves to go so far as to yield to this attraction, namely in cases where it is blameworthy.

One should not linger alone with one's mother, sister, daughter, or other female relatives in secluded places: the senses, stirred by solitude, are so powerful that they sometimes overcome even the wisest.

This was the case with the wise Vasta, who, to flee from the wickedness of the people of Gotha, withdrew with his 2 daughters into a cave: where he made them both mothers.

14 [107]

Theory and Practice
Critique of the Value of Morality

Dangerous distinction betweentheoreticalandpractical” e.g., in Kant, but also among the Ancients

— they act as if pure spirituality presents them with the problems of cognition and metaphysics

— they act as if, no matter how the answer of theory turns out, practice is to be judged by its own standard of value.

Against the first, I direct my Psychology of Philosophers: their most alienated calculation and “spirituality” remains always only the last, palest imprint of a physiological fact; there is absolutely no voluntariness in it, everything is instinct, everything is from the outset directed into certain paths ...

— against the second I ask whether we know any other method of acting well than always thinking well: the latter is an action, and the former presupposes thinking. Do we have a faculty to judge the value of a way of life other than by judging the value of a theory through induction, through comparison? ... The naive believe that here we are better off, that here we know what “good” is,—the philosophers echo it. We conclude that here there is a belief, nothing more ...

“One must act; therefore a guideline is needed”—even the ancient skeptics said

the urgency of a decision as an argument to hold anything here as true! ...

One must not act:—said their more consistent brothers, the Buddhists, and devised a guideline for how to detach oneself from action ...

To conform, to live as the “common man” lives, to uphold as good and right what he holds as right: that is the submission to the herd instinct.

One must take one’s courage and rigor so far as to feel such submission as a shame

Do not live by a double standard! .. Do not separate theory and practice! —

14 [108]

Will to Power as Morality

The Predominance of Moral Values.

Consequences of this predominance, the corruption of psychology, etc.

the fate everywhere that depends on it

What does this predominance mean? What does it indicate?

— a certain greater urgency of a particular yes and no in this domain

— all kinds of imperatives have been employed to make moral values appear fixed: they have been commanded the longest:—they seem instinctive like inner commands ...

— it expresses conditions for the preservation of society in that moral values are felt to be undiscussable

— the practice: that is to say, the utility of reaching an understanding with one another about the highest values has here attained a kind of sanction

— we see all means employed by which reflection and criticism in this domain are paralyzed:—what attitude does even Kant take, not to mention those who reject it as immoral to “investigate” here —

How morality has been brought to dominance

14 [109]

Science and Philosophy

All these values are empirical and conditional. But the one who believes in them, who reveres them, wants precisely not to acknowledge this character ...

all philosophers believe in these values, and one form of their reverence was the effort to turn them into a priori truths

deceptive character of reverence ...

reverence is the supreme test of intellectual integrity: but there is no intellectual integrity in the entire history of philosophy

but the “love of the good” ...

: the absolute lack of method to examine the measure of these values

secondly: the aversion to examining these values, to taking them conditionally at all

With moral values, all anti-scientific instincts came together to exclude science here ...

How to explain the incredible scandal that morality represents in the history of science ..

14 [110]

Formula of the “Progress”-Superstition of a famous physiologist of cerebral activities

“The animal never makes progress as a species; man alone makes progress as a species.”

No:

14 [111]

Philosophy as décadence

The great reason in all education towards morality was always that one sought to achieve here the certainty of an instinct: so that neither the good intention nor the good means as such first entered consciousness. Just as the soldier drills, so man should learn to act. In fact, this unconsciousness belongs to every kind of perfection: even the mathematician handles his combinations unconsciously...

What does the reaction of Socrates mean, who recommended dialectics as the path to virtue and made fun of it when morality could not justify itself logically? ... But it is precisely the latter that belongs to its goodness ... without it it is worth nothing! ... Shame was a necessary attribute of the perfect! ...

It means exactly the dissolution of the Greek instincts, when one placed provability as a prerequisite of personal excellence in virtue. They are themselves types of dissolution, all these great “virtuous” ones and word-makers...

In practice, it means that moral judgments are torn from their conditioned context, from which they have grown and in which alone they make sense, from their Greek and Greek-political foundation, and, under the guise of sublimation, become denatured. The great concepts “good” “just” are detached from the prerequisites to which they belong: and as freed “ideas,” they become objects of dialectic.

One seeks behind them a truth, one takes them as entities or as signs of entities: one invents a world where they are at home, where they come from ...

In summa: the nonsense is already at its peak with Plato ...And now it was necessary to also invent the abstract-perfect man

good, just, wise, dialectician—shortly, the scarecrow of the ancient philosopher,

a plant, uprooted from every soil; a humanity without any definite regulating instincts; a virtue that "proves" itself with reasons.

the perfectly absurd "individual" in itself! the unnaturalness of the highest rank...

In short, the denaturalization of moral values had the consequence of creating a degenerate type of human—"the Good," "the Happy," "the Wise"

Socrates is a moment of deepest perversity in the history of mankind

14 [112]

It would make us doubt a person to hear that he needs reasons to remain decent: certainly, we would avoid his company. The little word “denn” compromises in certain cases; one sometimes even refutes oneself with a single “denn.” Now let us hear further that such an aspirant to virtue needs bad reasons to remain respectable—this gives no reason to increase our respect for him. But he goes further, he comes to us, he says to our face: “You disturb my morality with your unbelief, my dear unbeliever; as long as you do not believe in my bad reasons, that is, in God, in a punishing afterlife, in free will, you prevent my virtue... Morality: one must abolish the unbelievers, they prevent the moralization of the masses.”

14 [113]

Morality as decadence

Today, where every “so and so should a person be” puts a small irony in our mouths, where we firmly hold that, despite everything, one only becomes what one is (despite everything: that is, education, instruction, milieu, chances and mishaps), we have learned in matters of morality to reverse the relationship of cause and effect in a curious way—nothing perhaps distinguishes us more fundamentally from the old moral believers. We no longer say, for example, “vice is the cause of a person also perishing physiologically”; we equally do not say “through virtue a person thrives, it brings long life and happiness.” Our opinion is rather that vice and virtue are not causes, but only consequences.

One becomes a decent person because one is a decent person: that is, because one is born as a capitalist with good instincts and prosperous circumstances... If one comes into the world poor, from parents who have only squandered everything and saved nothing, then one is "incorrigible," meaning ripe for prison and the madhouse... Today we no longer think of moral degeneration as separate from physiological degeneration: it is merely a symptom complex of the latter; it is necessarily bad, just as one is necessarily sick... Bad: the word here expresses certain inabilities that are physiologically connected with the type of degeneration: e.g.the weakness of the will, the uncertainty and even the majority of the “person,” the powerlessness to suspend a reaction to any stimulus and to “control” oneself, the lack of freedom in the face of any kind of suggestion from a foreign will. Vice is not a cause; vice is a consequence ... Vice is a fairly arbitrary conceptual demarcation to summarize certain consequences of physiological degeneration. A general proposition, as taught by Christianity, “man is evil,” would be justified if it were justified to take the type of the degenerate as the normal type of man. But that is perhaps an exaggeration. Certainly, the proposition has a right wherever Christianity thrives and is on top: for this proves a morbid soil, a domain for degeneracy.

14 [114]

Growth or Exhaustion

Critique of Christian Values.

Critique of Ancient Philosophy.

On the History of European Nihilism.

Christianity nihilistic

the preparatory work: ancient philosophy

14 [115]

Science and Philosophy

How far the corruption of psychologists goes through moral idiosyncrasy:

None of the ancient philosophers had the courage for the theory of the “unfree will” (that is, a theory negating morality)

No one had the courage to define the typical nature of pleasure, every kind of pleasure (“happiness”), as a feeling of power: for the pleasure in power was considered immoral

No one had the courage to understand virtue as a consequence of immorality (a will to power) in the service of the species (or the race or the polis) (for the will to power was considered immorality, for thereby it would have been recognized what the truth is—that virtue is only a form of immorality)

No truth occurs in the entire development of morality: all conceptual elements with which one works are fictions, all psychological notions to which one clings are falsifications; all forms of logic which one smuggles into this realm of lies are sophisms. What distinguishes the moral philosophers themselves: it is the complete absence of any cleanliness, any self-discipline of the intellect: they take “beautiful feelings” for arguments: their “swollen bosom” seems to them the bellows of divinity ... Moral philosophy is the scabrous part in the history of the mind.

The first great example: under the name of morality, as patronage of morality, an unprecedented mischief was practiced, in fact a décadence in every respect.

14 [116]

Philosophy as décadence

One cannot insist too strictly that the great Greek philosophers represent and make contagious the décadence of all Greek excellence ... This entirely abstracted "virtue" was the greatest temptation to make oneself abstract: i.e., to detach oneself ...

The moment is very remarkable: the Sophists brush against the first critique of morality, the first insight into morality ...

— they place the majority (the local conditionality) of moral value judgments side by side

— they imply that every morality can justify itself dialectically,—that it makes no difference: that is, they guess how any justification of morality must necessarily be sophistical

— a sentence that was later proven in the grandest style by the ancient philosophers from Plato onwards (up to Kant)

— they establish the first truth that “a morality in itself,” a “Good in itself” does not exist, that it is fraud to speak of “truth” in this domain

Where was the intellectual integrity back then?

the Greek culture of the Sophists had grown out of all Greek instincts: it belongs to the culture of the Periclean era, just as necessarily as Plato does not belong to it: it has its predecessors in Heraclitus, in Democritus, in the scientific types of ancient philosophy; it finds its expression, for example, in the high culture of Thucydides

— and, she has finally been proven right: every advance in epistemological and moralistic knowledge has restored the Sophists ...

our current way of thinking is to a high degree Heraclitean, Democritean, and Protagorean ... it would suffice to say that it is Protagorean, because Protagoras combined the two elements Heraclitus and Democritus within himself

Plato: a great Cagliostro,—consider how Epicurus judged him; how Timon, the friend of Pyrrho, judged him — —

Is Plato’s integrity beyond doubt? ... But we know at least that he wanted to teach as absolute truth what did not even conditionally hold as truth for him: namely the separate existence and separate immortality of “souls”

14 [117]

the counter-movement: art

The feeling of intoxication, actually corresponding to a more of power:

strongest during the mating season of the sexes:

new organs, new skills, colors, forms ...

the “embellishment” is a consequence of increased power

Embellishment as a necessary consequence of power enhancement

Embellishment as an expression of a victorious will, an increased coordination, a harmonization of all strong desires, an infallibly perpendicular center of gravity

the logical and geometric simplification is a consequence of power enhancement: conversely, the perception of such simplification again increases the feeling of power ...

Peak of development: the great style

Ugliness means décadence of a type, contradiction and lack of coordination of inner desires

means a decline in organizing power, in “will” physiologically speaking ...



the state of pleasure called intoxication is exactly a high power feeling ...

the sensations of space and time are altered: immense distances are surveyed and, as it were, only perceptible

the expansion of the gaze over greater quantities and expanses

the refinement of the organ for perceiving the smallest and most fleeting things

the divination, the power of understanding with the slightest help, with every suggestion, the “intelligent” sensuality ...

the strength as a feeling of mastery in the muscles, as suppleness and joy in movement, as dance, as lightness and presto

strength as the joy of proving strength, as a feat of daring, adventure, fearlessness, indifferent demeanor ...

All these high moments of life stimulate each other; the imagery and ideas of one suffice as suggestion for the others ... In this way, states have finally grown into one another that perhaps had reason to remain strangers. For example

the religious ecstasy and sexual arousal (two deep feelings, almost surprisingly coordinated by now. What pleases all pious women, old and young? Answer: a saint with beautiful legs, still young, still an idiot ...)

cruelty in tragedy and pity (—likewise normally coordinated ...

spring, dance, music, all competition of the sexes—and also that Faustian “infinity in the breast” ...

the artists, if they are worth anything, are strongly (also physically) built, excessive, power animals, sensual; without a certain overheating of the sexual system, no Raphael can be imagined ... making music is also a kind of making children; chastity is merely the economy of an artist:—and in any case, fertility in artists also ceases with procreative power ...

artists should not see things as they are, but fuller, simpler, stronger: for this, there must be a kind of eternal youth and spring, a kind of habitual intoxication in their bodies.

Beyle and Flaubert, two unscrupulous men in such matters, have in fact recommended chastity to artists in the interest of their craft: I could also mention Renan who gives the same advice, Renan is a priest ...

14 [118]

the epidemics‚the hallucinations,
‚the dances and gesture signs
‚the song (remnant of dance
normal functions:
practicing oneself
: the dream (a rapture-like state introduces it)
: the optical images
: auditory images
: tactile images

14 [119]

Counter-movement

art

all art acts as a suggestion on the muscles and senses that were originally active in the naive artistic person: it always speaks only to artists,—it speaks to this kind of fine excitability of the body. The concept of "layman" is a misnomer. The deaf are not a species of the good-hearing.

All art acts tonically, increases strength, ignites desire (i.e., the feeling of strength), stirs all the finer memories of intoxication,—there is a special memory that descends into such states: a distant and fleeting world of sensations returns there ...

The ugly i.e.the contradiction to art, that which is excluded by art, its No—every time decay, the impoverishment of life, powerlessness, dissolution, putrefaction are merely stimulated from afar, the aesthetic person reacts with his No

The ugly acts depressively, it is the expression of a depression. It takes strength, it impoverishes, it weighs down ...

The ugly suggests ugliness; one can test by one's states of health how differently even the capacity for imagining the ugly is heightened by malaise. The selection becomes different, of things, interests, questions: there is a state most closely related to the ugly also in the logical—heaviness, dullness ... Mechanically, the center of gravity is lacking: the ugly limps, the ugly stumbles:—opposite of a divine lightness of the dancing ...

The aesthetic state has an overabundance of means of communication, along with an extreme receptivity to stimuli and signs. It is the pinnacle of communicability and transferability between living beings—it is the source of languages.

Languages have their origin here: tonal languages, as well as gesture and gaze languages. The fuller phenomenon is always the beginning: our civilized human capacities are subtracted from fuller capacities. But even today, one still listens with the muscles, one even reads with the muscles.

Every mature art has a wealth of convention as its foundation: insofar as it is language. Convention is the condition of great art, not its hindrance...

Every elevation of life increases the power of communication, as well as the power of understanding in humans.

The empathizing with other souls is orig nothing moral, but a physiological irritability of suggestion: the “sympathy” or what one calls “altruism” are mere elaborations of that psychomotor rapport counted as spirituality (induction psycho-motrice means Ch. Féré) One never shares thoughts, one shares movements, mimetic signs, which are read back by us as thoughts ...

* * *

I present here a series of psychological states as signs of full and flourishing life, which today one is accustomed to judge as pathological.Now we have unlearned, meanwhile, to speak of a contrast between healthy and sick: it is a matter of degrees, — my claim in this case is that what is called “healthy” today represents a lower level of what would be healthy under favorable conditions ... that we are relatively sick ... The artist belongs to an even stronger race. What would already be harmful to us, what would be pathological in us, is natural to him



the abundance of juices and forces can just as well bring symptoms of partial unfreedom from sensory hallucinations, from suggestion refinements, as an impoverishment of life ... the stimulus is differently conditioned, the effect remains the same ...

Above all, the aftereffect is not the same; the extreme relaxation of all morbid nature after its nervous eccentricities has nothing in common with the states of the artist: who does not have to atone for his good times ...

He is rich enough for that: he can squander without becoming poor ...



As one might today judge “genius” as a form of neurosis, so perhaps also the artistic power of suggestion, — and our artists are indeed all too closely related to hysterical women!!! But this speaks against “today” and not against the “artists”...



But it is objected to us that it is precisely the impoverishment of the machine that enables the extravagant power of understanding over any suggestion: witness our hysterical women “our beyond-researchers”

* * *

Inspiration: description.

* * *

The unartistic states: those of objectivity, reflection, the suspended will...

the scandalous misunderstanding of Schopenhauer, who takes art as a bridge to the negation of life...

* * *

The unartistic states: the impoverishing, withdrawing, indulging ones under whose gaze life suffers... the Christian...

* * *

Problem of tragic art.

* * *

The Romantics: an ambiguous question, like all things modern.

* * *

the actor

14 [120]

Love

Do you want the most astonishing proof of how far the transfiguring power of intoxication goes? "Love" is this proof, that which is called love, in all languages and silences of the world. Intoxication deals with reality here in such a way that in the consciousness of the lover, the cause is erased and something else seems to take its place—a trembling and glowing of all the magic mirrors of Circe... Here, human and animal make no difference; even less so, spirit, goodness, integrity... One is finely deceived if one is fine, one is coarsely deceived if one is coarse: but love, and even the love of God, the saintly love of "redeemed souls," remains at root One: as a fever that finds reasons to transfigure itself, an intoxication that does good to lie to itself...And in any case, one lies well when one loves, to oneself and about oneself: one seems transfigured, stronger, richer, more perfect, one *is* more perfect... Here we find *art* as an organic function: we find it embedded in the most angelic instinct of life: we find it as the greatest stimulus of life—art thus, sublimely purposeful even in that it lies... But we would err to stop at its power to lie: it does more than merely imagine, it shifts the very values. And not only does it shift the feeling of values... The lover is worth more, is stronger. In animals, this state drives out new substances, pigments, colors, and forms: above all, new movements, new rhythms, new lures and seductions.It is no different with man. His overall economy is richer than ever, more powerful as a whole than in the non-loving. The lover becomes a spendthrift: he is rich enough for it. He now dares, becomes an adventurer, becomes an ass in generosity and innocence; he believes again in God, he believes in virtue because he believes in love: and on the other hand, wings and new abilities grow for this idiot of happiness, and even the door to art opens for him. Let us subtract from the lyric in tone and word the suggestion of that intestinal fever: what remains of lyric and music? ... L’art pour l’art perhaps: the virtuosic quacking of cold-stored frogs, who despair in their swamp ... The whole rest was created by love ...

14 [121]

Will to Power psychologically

Unified conception of psychology.

We are accustomed to keeping the development of an enormous abundance of forms compatible with an origin from unity.

That the will to power is the primitive form of affect, that all other affects are only its developments:

That there is a significant enlightenment, to replace the individual "happiness" that every living being is supposed to strive for, with power: "it strives for power, for more in power"—pleasure is only a symptom of the feeling of achieved power, a consciousness of difference—

—it does not strive for pleasure, but pleasure occurs when it achieves what it strives for: pleasure accompanies, pleasure does not motivate...

That all driving force is will to power, that there is no physical, dynamic, or psychic force besides it...

— in our science, where the concept of cause and effect is reduced to the equation-relation, with the ambition to prove that on each side there is the same quantum of force, the driving force is missing: we consider only results, we set them as equal in terms of content in force, we dispense with the question of the causation of a change ...

it is a mere matter of experience that the change does not cease: in itself we have not the slightest reason to understand that one state must follow another. On the contrary: an attained state would seem to have to maintain itself, if there were not a power in it that precisely does not want to maintain itself ...

Spinoza's proposition of self-preservation should actually put a stop to change: but the proposition is false, the opposite is true. It is most clearly evident in all living things that they do everything not to preserve themselves, but to become more...

is "will to power" a kind of "will" or identical with the concept of "will"? does it mean as much as desiring? or commanding?

is it the "will" of which Schopenhauer thinks it is the "thing-in-itself of things"?

: my sentence is: that will of previous psychology is an unjustified generalization, that this will does not exist at all, that instead of grasping the elaboration of One specific will into many forms, the character of the will has been erased by subtracting the content, the "whither?"

: this is the case to the highest degree with Schopenhauer: what he calls "will" is merely an empty word. It is even less a matter of a "will to live": for life is merely a particular case of the will to power,—it is entirely arbitrary to claim that everything strives to pass into this form of the will to power

14 [122]

On the Theory of Knowledge: purely empirical:

There is neither “spirit,” nor reason, nor thinking, nor consciousness, nor soul, nor will, nor truth: all fictions that are useless. It is not about “subject and object” but about a certain animal species that thrives only under a certain relative correctness, above all regularity of its perceptions (so that it can capitalize on experience) ...

Knowledge works as a tool of power. Thus, it is obvious that it grows with every increase in power ...

Meaning of “knowledge”: here, as with “good” or “beautiful,” the concept must be taken strictly and narrowly in an anthropocentric and biological sense.Thus, for a particular species to preserve itself—and to grow in its power—it must grasp in its conception of reality so much that is calculable and constant that a schema of its behavior can be constructed on that basis. The utility of preservation, not some abstract theoretical need not to be deceived, stands as the motive behind the development of the cognitive organs... they develop in such a way that their observations suffice to preserve us. In other words: the measure of the will to know depends on the measure of the growth of the will to power of the species: a species grasps as much reality as is needed to master it, to put it into service.



the mechanistic concept of movement is already a translation of the original process into the sign language of eye and touch.

The term “Atom” distinguishes between a “seat of the driving force and the force itself” is a sign language from our logical-psychological world.

It is not within our power to change our means of expression: it is possible to understand to what extent it is mere semiotics.

The demand for an adequate mode of expression is nonsensical: it lies in the nature of a language, of a means of expression, to convey a mere relation ... The concept of “truth” is contradictory ... the entire realm of “true” and “false” refers only to relations between beings, not to the “thing-in-itself” .. Nonsense: there is no “being-in-itself,” relations first constitute beings, just as there can be no “knowledge-in-itself” ...

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Counter-movement

Anti-Darwin.

What surprises me most when surveying the great destinies of mankind is always seeing the opposite of what Darwin and his school see or want to see today: selection in favor of the stronger, the better-adapted, the progress of the species. Precisely the opposite is palpable: the elimination of fortunate cases, the uselessness of the higher-developed types, the inevitable dominance of the average, even the below-average types. Unless we are shown the reason why man is the exception among creatures, I am inclined to the prejudice that Darwin's school has been mistaken everywhere.That will to power, in which I recognize the ultimate ground and character of all change, gives us the means to understand why selection in favor of exceptions and lucky chances does not take place: the strongest and happiest are weak when they face organized herd instincts, when they face the fearfulness of the weak, of the majority. My overall perspective on the world of values shows that in the highest values that are suspended over humanity today, not the lucky chances, the selection types, have the upper hand: rather the types of decadence—perhaps there is nothing more interesting in the world than this undesirable spectacle....

As strange as it sounds: one has always armed the strong against the weak; the happy against the unfortunate; the healthy against the degenerate and the hereditarily burdened.If one wants to formulate reality as morality: then this morality reads: the mediocre are worth more than the exceptions, the decadent creations more than the mediocre, the will to nothingness has the upper hand over the will to life—and the overall goal is

now, expressed in Christian, Buddhist, Schopenhauerian terms:

better not to be than to be

Against the formulation of reality as morality, I revolt: that is why I abhor Christianity with a deadly hatred, because it created the sublime words and gestures to give a horrifying reality the cloak of right, of virtue, of divinity ...

I see all philosophers, I see science on its knees before the reality of the inverted struggle for existence, as taught by Darwin's school—namely everywhere those on top, those remaining, those who compromise life, the value of life.— The error of Darwin's school became a problem for me: how can one be blind enough to see falsely precisely here? ... That the species represent progress is the most unreasonable claim in the world: for the time being, they represent a level, —

that higher organisms have developed from lower ones has not been proven by any case so far —

I see that the lower classes are superior through numbers, through cleverness, through cunning—I do not see how a random change gives an advantage, at least not for such a long time, this w again a new motive to explain, w a random change has become so strong—

— I find the “cruelty of nature,” which is so often spoken of, in another place: it is cruel to its favorites, it spares and protects and loves les humbles—just as

* * *

In sum: the growth of the power of a species is perhaps less guaranteed by the preponderance of its fortunate ones, its strong ones, than by the preponderance of the middle and lower types ... In the latter lies great fertility, endurance; with the former grows danger, rapid devastation, swift reduction in numbers.

* * *

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Counter-movement

On the Origin of Religion

In the same way that even now the uneducated person believes that anger is the cause of his being angry, the mind the cause of his thinking, the soul the cause of his feeling—indeed, just as even now a multitude of psychological entities are unhesitatingly posited as causes: so, at a still more naive stage, man explained these same phenomena by means of psychological personal entities. The states that seemed strange, overwhelming, and overpowering to him, he interpreted as obsession and enchantment under the power of a person.Thus, the Christian, the most naive and backward type of person today, attributes hope, peace, and the feeling of "redemption" to a psychological inspiration from God: for him, as an essentially suffering and anxious type, feelings of happiness, elevation, and peace naturally appear as the foreign, as something in need of explanation. Among clever, strong, and life-affirming races, the epileptic most strongly aroused the conviction that a foreign power was at play; but any related lack of freedom, such as that of the inspired, the poet, the great criminal, or the passions like love and revenge, served to invent superhuman powers. One solidifies a state into a person: and claims that when this state occurs in us, it is the effect of that person.In other words: in the psychological formation of God, a state, in order to be an effect, is personified as a cause.

The psychological logic is this: the feeling of power, when it suddenly and overwhelmingly seizes a person—and this is the case in all great affects—arouses in him a doubt about his person: he does not dare to think of himself as the cause of this astonishing feeling—and so he posits a stronger person, a deity, for this case.

In sum: the origin of religion lies in the extreme feelings of power, which surprise humans as foreign: and like the sick person who feels a limb too heavy and strange and concludes that another person is lying on top of him, the naive homo religiosus splits himself into multiple persons. Religion is a case of “altération de la personnalité.” A kind of fear- and terror-sensation of oneself...

But equally an extraordinary bliss- and exaltation-sensation...

among the sick, the health-sensation suffices to believe in God, in the proximity of God

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Rudimentary Psychology of the Religious Person

all changes are effects,

all effects are effects of will. The concept of “nature,” “natural law” is absent.

every effect requires an agent

rudimentary psychology: one is only a cause in the case where one knows that one has willed.

Consequence: states of power impute to the person the feeling of not being the cause, of being unaccountable for it

: they come without being willed: consequently, we are not the authors

: the unfree will (i.e., the consciousness of a change within us, without our having willed it) requires a foreign will

Consequence: man has not dared to attribute all his strong and amazing moments to himself—he has conceived them as “passive,” as “suffered,” as overwhelmings

: religion is a product of a doubt about the unity of the person, an altération of personality

: insofar as everything great and strong was conceived by man as superhuman as foreign, man diminished himself,—he separated the two sides, one very miserable and weak and one very strong and amazing, into two spheres, called the first “man,” the second “God.”

He has always continued, he has, in the period of moral idiosyncrasy, not interpreted his high and sublime moral states as "willed," as "work" of the person. Even the Christian splits his person into a miserable and weak fiction, which he calls man, and another, which he calls God (Redeemer, Savior) —

Religion has degraded the concept of "man"; its extreme consequence is that everything good, great, true is superhuman and only given by grace ...

14 [126]

Counter-movement: Religion

Morality as an attempt, to restore human pride

The theory of the “free will” is anti-religious. It wants to give man a right to consider himself the cause of his high states and actions; it is a form of growing pride

Man feels his power, his “happiness,” as it is called: it must be “will” before this state,—otherwise it does not belong to him

virtue is the attempt to place a fact of willing and having-willed as a necessary antecedent before every high and strong feeling of happiness

if regularly the will to certain actions is present in consciousness, then a feeling of power may be interpreted as its effect

This is a mere optics of psychology: always under the false premise that nothing belongs to us that we do not have as intended in consciousness

The entire doctrine of responsibility hinges on this naive psychology, that only the will is cause and that one must know to have willed in order to believe oneself to be cause

man may only have respect for himself insofar as he is virtuous.

Comes the counter-movement: that of the moral philosophers, still under the same prejudice, that one is only responsible for something that one has willed.

The value of man as moral value posited: consequently, his morality must be a causa prima

consequently, there must be a principle in man, a “free will” as causa prima

Here is always the ulterior thought: if man is not causa prima as will, then he is irresponsible,—consequently, he does not belong before the moral forum at all,—virtue or vice would be automatic or machinal...

In summa: in order for man to have respect for himself, he must be capable of becoming evil

14 [127]

A form of religion, to restore national pride

Another way to lift man from his humiliation, which the decline of high and strong states, as if they were foreign states, brought with it, was the kinship theory

: these high and strong states could at least be interpreted as influences of our ancestors, we belonged together, in solidarity, we grow in our own eyes by acting according to a known norm.

Attempt by noble families to reconcile religion with their self-esteem

The Transfiguration, the temporary metamorphosis

— The same is done by poets and seers; they feel proud, honored, and chosen to engage in such intercourse,—they value not being considered as individuals at all, but merely as mouthpieces (Homer)

Another form of religion. God selects, God becomes man, or God dwells among men and leaves behind great blessings, the local legend, eternally depicted as a “drama”

Gradual taking possession of his lofty and proud states, taking possession of his actions and works

— formerly, one believed oneself honored when one knew oneself not responsible for the highest things one did, but—God —

the unfreedom of the will was considered that which lent a higher value to an action: at that time, a god was made its author...

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Will to Power—Morality

The acting as a consequence of the morality of the “free will”

It is a step in the development of the feeling of power itself to have also caused its high states (its perfection) oneself—consequently, one immediately concluded, to have willed them ...

Critique: all perfect doing is precisely unconscious and no longer willed; consciousness expresses an imperfect and often pathological personal state. The personal perfection as conditioned by will, as consciousness, as reason with dialectic is a caricature, a kind of self-contradiction ... The degree of consciousness makes perfection impossible ... Form of acting.

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Philosophy as decadence

Why Everything Came Down to Acting.

The rudimentary psychology, which only counted the conscious moments of man as causes, which took "consciousness" as an attribute of the soul, which sought a will (i.e., an intention) behind every action

: it only needed to answer: first, what does man want?

Answer: happiness (—one could not say "power": that would have been immoral)—consequently, in all human action there is an intention to achieve happiness with it—

secondly, if in fact man does not achieve happiness, what is the reason? The mistakes regarding the means.

What is the infallible means to happiness? Answer: virtue.

Why virtue?Because they represent the highest rationality, and because rationality makes it impossible to err in the means

as reason, virtue is the path to happiness...

dialectics is the constant craft of virtue, for it excludes all clouding of the intellect, all affects

In fact, man does not want “happiness”...

Pleasure is a feeling of power: if one excludes the affects, one excludes the states that most highly give the feeling of power, hence pleasure.

the highest rationality is a cold, clear state, far from giving that feeling of happiness which intoxication of any kind brings...

the ancient philosophers fought against everything that intoxicates—everything that impairs the absolute coldness and neutrality of consciousness...

they were consistent, based on their false premise: that consciousness is the high, the supreme state, the prerequisite of perfection,

while the opposite is true

As long as there is will, as long as there is knowledge, there is no perfection in doing of any kind. The ancient philosophers were the greatest bunglers of practice, because they theoretically condemned themselves to bungling... In practice, everything amounted to play-acting:—and whoever saw through it, Pyrrho for example, judged like everyone else, namely that in goodness and integrity the “little people” are far superior to the philosophers

All deeper natures of antiquity have had disgust for the philosophers of virtue:

one saw quarrelsome fools and actors in them.

Judgment on Platoby Epicurus
 by Pyrrho

Result: in the practice of life, in patience, kindness, and mutual support, the little people are superior to them: roughly the judgment that Dostoevsky or Tolstoy claims for his moujiks: they are more philosophical in practice, they have a more resolute way of dealing with the necessary ...

14 [130]

Counter-movement: Religion

Morality as décadence

Reaction of the little people:

the highest feeling of power is given by love

To understand to what extent it is not man in general who speaks here, but a kind of man. This is to be excavated more closely

“we are divine in love, we become ‘children of God,’ God loves us and wants nothing from us but love”

that is: all morality, all obedience and action, does not produce that feeling of power and freedom as love does

— out of love one does nothing bad, one does much more than one would out of obedience and virtue —

— here the hearth-happiness, the feeling of community in the large and small, the living feeling of oneness is experienced as the sum of the feeling of life

— helping and caring and being useful continually arouses the feeling of power, visible success, the expression of joy underscores the feeling of power

— pride is not lacking, as a community, as the dwelling place of God, as the “chosen ones.” —

In fact, man has once again experienced an alteration of personality: this time he called his feeling of love God

one must imagine an awakening of such a feeling, a kind of ecstasy, a foreign speech, a “Gospel” —

this novelty was what did not allow him to attribute love to himself—: he believed that God walked before him and had come alive in him—

“God comes to people,” the “neighbor” is transfigured into a God (insofar as the feeling of love is triggered in him) Jesus is the neighbor, just as this neighbor was reimagined as divinity, as a cause that arouses a sense of power.

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Science and Philosophy

Scientificity: as training or as instinct.

In the Greek philosophers, I see a decline of instincts: otherwise, they could not have erred so greatly in setting the conscious state as the more valuable one.

The intensity of consciousness is in inverse proportion to the ease and speed of cerebral transmission.

There, the opposite opinion about instinct prevailed: which is always a sign of weakened instincts.

Indeed, we must seek the perfect life where it is least conscious anymore (i.e., where it presents its logic, its reasons, its means and purposes, its utility).

The return to the fact of common sense, of the good man, of the "little people" of all kinds

magazined honesty and wisdom for generations, which never becomes aware of its principles and even has a slight shudder at principles

the desire for a reasoning virtue is not reasonable... A philosopher is compromised by such a desire.

14 [132]

When through practice in a long chain of generations enough finesse, courage, caution, and moderation has been gathered, the instinctive power of this incorporated virtue also radiates into the most spiritual—and that rare phenomenon becomes visible, the intellectual honesty. The same is very rare: it is lacking in philosophers.

one can weigh the scientificity or, morally speaking, the intellectual integrity of a thinker, his instinctive refinement, courage, caution, moderation, which translates even into the most spiritual, on a gold scale: let him speak of morality...

and the most famous philosophers then show that their scientificity is still only a conscious matter, a beginning, a "good will," a toil—and that precisely at the moment when their instinct begins to speak, when they moralize, it is over with the discipline and refinement of their conscience

the scientific nature, whether mere training and outward appearance or the final result of a long breeding and moral exercise:

in the first case, it immediately takes over when instinct speaks (e.g., the religious or the duty-concept instinct)

in the other case, it stands in place of these instincts and no longer allows them, perceiving them as impurity and temptations ...

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When, through practice over a long chain of generations, enough refinement, courage, caution, and moderation has been accumulated, the instinctive power of this incorporated virtue also radiates into the most spiritual—and that rare phenomenon becomes visible, intellectual integrity. The same is very rare: it is lacking in philosophers.

one can weigh the scientificity or, morally expressed, the intellectual integrity of a thinker, his instinctive refinement, courage, caution, moderation, which translates even into the most spiritual, on a gold scale: let him speak about morality...

and the most famous philosophers then show that their scientificity is only a conscious matter, an approach, a “good will,” a toil—and that precisely at the moment when their instinct begins to speak, when they moralize, it is over with the discipline and refinement of their conscience

scientificity, whether mere training and outward appearance or the final result of a long discipline and moral exercise:

in the first case, it immediately takes over when instinct speaks (e.g., the religious or duty-concept instinct)

in the other case, it stands in place of these instincts and no longer allows them, perceiving them as impurity and temptations ...

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Anti-Darwin

The domestication of man: what definitive value can it have? or does domestication have any definitive value at all?— There are reasons to deny the latter.

The school of Darwin certainly makes great efforts to persuade us to the contrary: it wants the effect of domestication to be deep, even fundamental. For now, we hold to the old view: nothing has been proven so far except a very superficial effect of domestication—or rather, degeneration. And everything that escapes the human hand and breeding almost immediately returns to its natural state. The type remains constant: one cannot “dénaturer la nature.”

One reckons on the struggle for existence the death of the feeble beings and the survival of the most robust and best-endowed; consequently, one imagines a constant growth of perfection for the beings. We, on the contrary, have assured ourselves that, in the struggle for life, chance serves the weak as well as the strong, that cunning often supplants strength with advantage, that the fertility of the species stands in a remarkable rapport to the chances of destruction ...

One attributes to natural selection both slow and infinite metamorphoses: one wants to believe that every advantage is inherited and expresses itself more strongly in successive generations (while heredity is so capricious ...); one observes the fortunate adaptations of certain beings to very particular living conditions and explains that they were achieved through the influence of environments. However, examples of unconscious selection are found nowhere (not at all). The most disparate individuals unite, the extremes mix into the mass. Everything conspires to maintain the type; beings that have external traits protecting them against certain dangers do not lose them when they come into circumstances where they live without danger ...When they inhabit places where clothing ceases to conceal them, they by no means adapt to the environment.

One has exaggerated the selection of the most beautiful in a way that far exceeds the aesthetic drive of our own race! In fact, the most beautiful mate with very disinherited creatures, the largest with the smallest. Almost always, we see males and females of every chance encounter benefiting and showing no selectivity at all.

Modification by climate and nutrition. But in truth, absolutely indifferent.

There are no transitional forms..

Different species traced back to one. Experience shows that unification is doomed to sterility, and one type regains dominance.

One claims the growing development of beings. There is no foundation.Each type has its limit: beyond this, there is no development. Up to this point, absolute regularity.

The primitive beings are said to be the ancestors of the present ones. But a glance at the fauna and flora of the Tertiary period allows us only to think of an unexplored land, where there are types that do not exist elsewhere and are related to each other and even those that exist elsewhere.

My Consequences

My Overall View.— First proposition: man as a species is not progressing. Higher types may be achieved, but they do not endure. The level of the species is not raised.

Second proposition: man as a species represents no progress compared to any other animal. The entire animal and plant world does not develop from lower to higher ...But everything at once, and on top of each other and intertwined and against each other.

The richest and most complex forms—for the term “higher type” means nothing more—perish more easily: only the lowest cling to an apparent immortality. The former are rarely achieved and maintain themselves with difficulty at the top; the latter have a compromising fertility on their side.— Even among humanity, under changing favor and disfavor, the higher types, the lucky strokes of development, perish most easily.

They are exposed to every kind of decadence: they are extreme, and thus almost decadents themselves... The brief duration of beauty, of genius, of Caesar, is sui generis: such things are not inherited.The type is inherited; a type is nothing extreme, no "stroke of luck" ...

This is not due to any special fate or "evil will" of nature, but simply to the concept of "higher type": the higher type represents an incomparably greater complexity,—a greater sum of coordinated elements: thus, disintegration also becomes incomparably more probable.

The "genius" is the most sublime machine there is,—hence the most fragile.

Third proposition: the domestication ("culture") of man does not run deep ... Where it does run deep, it is immediately degeneration (type: the Christian). The "wild" man (or, morally expressed: the evil man) is his return to nature—and, in a certain sense,—his restoration, his healing from "culture" ...

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Philosophy as décadence

Why are philosophers slanderers?

The treacherous and blind hostility of philosophers toward the senses

It is not the senses that deceive! —

— our nose, which, as far as I know, no philosopher has ever spoken of with reverence, is for the time being the most delicate physical instrument there is: it can still detect vibrations where even the spectroscope is powerless.

How much rabble and commoner is in all this hatred!

The people regard an abuse, from which they feel bad consequences, always as an objection against that which has been abused: all rebellious movements against principles, whether in the realm of politics or economics, always argue in this way, with the ulterior motive of presenting an abusus as necessary and inherent to the principle.

This is a wretched history: man seeks a principle from which he can despise mankind—he invents a world in order to slander and defile this world: in fact, he reaches for nothing each time, and constructs nothing into “God,” into “Truth,” and in any case into the judge and condemner of this existence...

If one wants proof of how deep and thorough the essentially barbaric needs of man still seek satisfaction in his taming and "civilization": then look at the "leitmotifs" of the entire development of philosophy. A kind of revenge on reality, a treacherous undermining of the valuation in which man lives, an unsatisfied soul that perceives the conditions of taming as torture and takes pleasure in a morbid unraveling of all bonds that connect it.

The history of philosophy is a secret raging against the presuppositions of life, against the value-feelings of life, against taking sides in favor of life.The philosophers have never hesitated to affirm a world, provided that it contradicts this world, that it provides a handle for speaking ill of this world. It has been the great school of slander so far: and it has impressed so much that even today our science, which presents itself as an advocate of life, has accepted the fundamental position of slander and treats this world as apparent, this chain of causes as merely phenomenal. What is actually hated here? ...

I fear it is always the Circe of the philosophers, morality, which has played this trick on them, forcing them to be slanderers at all times ... They believed in the moral "truths," they found the highest values there—what was left for them but, the more they understood existence, to say No to it all the more?... for this existence is immoral ... And this life rests on immoral presuppositions: and all morality denies life —

— Let us abolish the true world: and, in order to do this, we must abolish the previous highest values, morality ...

It suffices to prove that morality is also immoral, in the sense in which the immoral has hitherto been condemned. If in this way the tyranny of the previous values is broken, if we have abolished the “true world,” then a new order of values must follow of its own accord.

NB NB. The apparent world and the lying world: this is the antithesis: the latter was hitherto called the “true world,” “truth,” “God.” These we must abolish.

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Logic of my Conception:

1.Morality as the highest value (mistress over all phases of philosophy, even the skeptic): Result: this world is worthless, it is not the “true world”
2.What determines the highest value here? What is morality actually?

The instinct of decadence, it is the exhausted and disinherited who take revenge in this way

Historical evidence: the philosophers have always been décadents ... in the service of nihilistic religions.
3.The instinct of décadence, which appears as the will to power.

Proof: the absolute immorality of the means in the entire history of morality.
  
IIWe have recognized in the entire movement only a special case of the will to power.

14 [136]

The Will to Power.
Attempt
at a Revaluation of All Values.

I.
Critique of Previous Values.

II.
The New Principle of Value.
Morphology of the “Will to Power”

III.
The Question of the Value of Our Modern World
: measured by this Principle

IV.
The Great War.

14 [137]

First Book.
which values have been paramount so far.

1. Morality as the supreme value, in all phases of philosophy (even among the skeptics)

Result: this world is worthless, there must be a “true world”

2. What actually determines the supreme value here? What is morality, really? The instinct of décadence, it is the exhausted and disinherited who take revenge in this way and make the masters...

Historical proof: philosophers always décadents, always in the service of nihilistic religions.

3. The instinct of décadence, which appears as the will to power. Demonstration of its system of means: absolute immorality of the means.

Gesammtansicht: the previous highest values are a special case of the will to power; morality itself is a special case of immorality.

Second Book.
why the opposing values always succumbed.

1. How was that actually possible? Question: why did life, physiological well-being succumb everywhere? Why was there no philosophy of Yes, no religion of Yes? ... The historical signs of such movements:

the pagan religion.Dionysus against the “Crucified”
the Renaissance.The Art

2.The strong and the weak: the healthy and the sick; the exception and the rule. There is no doubt, who is the stronger one ...

Total aspect of history. Is man thereby an exception in the history of life?— Objection to Darwinism. The means of the weak to maintain themselves at the top are instincts, have become “humanity,” have become “institutions” ...

3. Proof of this dominion in our political instincts, in our social value judgments, in our arts, in our science.

We have seen two "wills to power" in conflict; in the special case: we have a principle, to give the one who has so far been defeated the right, and to give the one who has so far been victorious the wrong: we have recognized the "true world" as a "lying world" and morality as a form of immorality. We do not say: "the stronger is in the wrong" ...

Third Book

what is the cause of all values and the difference in values

1.the nihilistic values are on top
2.the counter-movement is always inferior,—soon degenerates ..
3.The counter-movement so far known only in half and degenerate forms.
 Purification and restoration of its type.
 Precise expression of the system:
Psychology
History
Art
Politics

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3. Cleansing of the hitherto subordinate values

We have understood what has hitherto determined the highest value

and why it has become master over the opposing valuation:

it was stronger ...

Let us now cleanse the opposing valuation of the infection and half-heartedness, of the degeneration, in which it is known to all of us.

Theory of its denaturalization and restoration of nature: free from morality



Theory of knowledge, will to truth
Theory of Psychology
Origin of Religion
Origin of Art
Theory of Power Structures
Theory of Life
Life and Nature



History of Counter-Movements:
 Renaissance
 Revolution
 Emancipation of Science

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The corrupt and mixed state of values corresponds to the physiological state of present-day people: Theory of Modernity

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The instincts of decline have become master over the instincts of ascent ...

the will to nothingness has become master over the will to life ...

— is this true? is there not perhaps a greater guarantee of life, of the species in this victory of the weak and the mediocre?

— is it perhaps only a means in the overall movement toward life, a tempo delay? a necessary defense against something even worse?

— suppose the strong had become masters in everything, including in valuations: let us draw the conclusion, how would they think about illness, suffering, sacrifice? A self-contempt of the weak would be the consequence; they would seek to disappear and erase themselves ... And would this perhaps be desirable? ...

— and would we actually want a world where the aftereffect of the weak, their finesse, consideration, spirituality, flexibility were missing? ...

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Science

Science combated by the philosophers

This is extraordinary. From the beginning of Greek philosophy, we find a struggle against science, using the means of a theory of knowledge, resp. skepticism: and to what end? always in favor of morality ...

The hatred against the physicists and physicians

Socrates, Aristippus, the Megarians, the Cynics, Epicurus, Pyrrho—general assault on knowledge in favor of morality ...

Hatred also against dialectics ...

It remains a problem: they approach sophistry to get rid of science

On the other hand, the physicists are all so far subjugated as to incorporate the schema of truth, of true being, into their foundations: e.g.the atom, the 4 elements (Juxtaposition of a being, to explain the multiplicity and change—)

Contempt taught against the objectivity of interest: return to the practical interest, to the personal utility of all knowledge ...

The struggle against science is directed against
1) its pathos (objectivity),
2) its means (i.e., against its utility
3) its results (as childish

It is the same struggle that is later waged again by the Church, in the name of piety:

: it inherits the entire ancient arsenal for the fight.

The theory of knowledge plays the same role as with Kant, as with the Indians...

One does not want to be bothered with it: one wants to keep one's hand free for one's "path"

against what are they actually defending themselves? Against obligation, against legality, against the compulsion to walk hand in hand —

: I believe that is called freedom...

In this, décadence is expressed: the instinct of solidarity has degenerated to such an extent that solidarity is perceived as tyranny:

: they want no authority
 no solidarity
 no fitting into rank and file and endless slowness of movement

they hate the step-by-step, the tempo of science, they hate the not-wanting-to-arrive, the long breath, the personal indifference of the scientific person —.

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Theory and Practice

Fateful distinction, as if there were a separate drive for knowledge that, without regard for questions of benefit and harm, blindly pursued truth: and then, separate from that, the entire world of practical interests...

In contrast, I seek to show which instincts have been at work behind all these pure theorists—how they all, fatalistically bound by their instincts, pursued something that was “truth” for them, for them and only for them. The struggle of systems, along with that of epistemological scruples, is a struggle of very specific instincts (forms of vitality, decline, classes, races, etc.)

The so-called Erkenntnißtrieb is to be traced back to an Aneignungs- and Überwältigungstrieb: following this drive, the senses, memory, instincts, etc., have developed...

—the fastest possible reduction of phenomena, economy, the accumulation of the acquired treasure of knowledge (i.e., appropriated and manageably shaped world)



Morality is therefore such a curious science because it is highly practical: so that the pure position of knowledge, scientific integrity, is immediately abandoned as soon as morality demands its answers.

Morality says: I need certain answers—reasons, arguments. Scruples may follow afterward, or they may not—

“How should one act?”

When one now reflects that one is dealing with a sovereignly developed type, which has been "traded" for countless millennia and everything has become instinct, expediency, automatism, fatality, the urgency of this moral question even seems quite comical.

"How should one act?"—Morality was always a misunderstanding: in fact, a species that had a fate, to act in such and such a way, in its body, wanted to justify itself by wanting to decree its norm as a universal norm...

"How should one act?" is not a cause, but an effect. Morality follows, the ideal comes at the end.

— On the other hand, the emergence of moral scruples, in other words: the becoming conscious of the values by which one acts, reveals a certain pathological condition; strong ages and peoples do not reflect on their right, on principles of action, on instinct and reason —

the becoming conscious is a sign that the actual morality, i.e., the instinctive certainty of action, is going to the devil ...

The moralists are, as every time a new world of consciousness is created, signs of damage, impoverishment, disorganization —

the deeply instinctive have an aversion to the logic of duties: among them one finds Pyrrhonian opponents of dialectic and of knowability in general ... A virtue is "refuted" with an "um" ...

Thesis: the emergence of moralists belongs to the times when morality is coming to an end

Thesis: the moralist is a dissolver of moral instincts, however much he believes himself to be their restorer

Thesis: what actually guides the moralists are not moral instincts, but the instincts of décadence, translated into the formulas of morality: he perceives the uncertainty of instincts as corruption: actually

Thesis: the instincts of décadence, which through the moralists seek to gain mastery over the instinct-morality of strong races and times, are

1)the instincts of the weak and the ill-fated
2)the instincts of the exceptions, the solitaries, the disenfranchised, the abortus in high and low
3)the instincts of the habitually suffering, who need a noble interpretation of their condition and therefore must be as little as possible physiologists

Morality as décadence

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A philosopher is wise when he is "impractical": he inspires belief in his authenticity, simplicity, innocence in dealing with thoughts—impractical in his case means "objective". Schopenhauer was wise when he once had himself photographed with his waistcoat buttoned incorrectly: he thereby said: "I do not belong in this world: what does a philosopher care about the convention of parallel seams and buttons! ... I am too objective for that! ..."



It is not enough to prove that one is impractical: most philosophers believe they have done enough with that to elevate the objectivity and purity of reason above all doubt.



1. The supposedly pure drive for knowledge of all philosophers is commanded by their moral "truths"—is only apparently independent...

2. the "moral truths" "one should act in this way" are mere forms of consciousness of an instinct growing weary: "this is how we act". The "ideal" is meant to restore, strengthen an instinct: it flatters man to be obedient where he is merely an automaton.

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Where there is a certain unity in the grouping, the spirit has always been set as the cause of this coordination: for which there is no reason. Why should the idea of a complex fact be one of the conditions of this fact? or why must the representation of a complex fact precede it? —

We will be careful not to explain purposefulness through the spirit: there is no reason to attribute to the spirit the peculiarity of organizing and systematizing.

The nervous system has a much more extensive realm: the world of consciousness is added. In the overall process of adaptation and systematization, it plays no role.



Nothing is more erroneous than making the two faces of psychic and physical phenomena the two revelations of one and the same substance. This explains nothing: the concept of "substance" is completely useless when one wants to explain.



Consciousness, in a secondary role, almost indifferent, superfluous, perhaps destined to disappear, and to make way for a perfect automatism —



If we observe only the inner phenomena, we are comparable to the deaf-mutes who guess the words from the movement of the lips that they cannot hear. We infer from the phenomena of the inner sense to visible and other phenomena, which we would perceive if our means of observation were sufficient and which are called the nerve current.

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That a world for which we all lack the finer organs, so that we perceive a thousandfold complexity as a unity, so that we find causality where every reason for movement and change remains invisible to us (the sequence of thoughts, of feelings is merely their becoming visible in consciousness; that this sequence has anything to do with a causal chain is completely incredible: consciousness never provides us with an example of cause and effect)

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Science versus Philosophy

The enormous blunders:
1)the nonsensical overestimation of consciousness, making it a unity, an entity, “the mind”, “the soul”, something that feels, thinks, wills —
2)the mind as cause, especially wherever purposefulness, system, coordination appear
3)consciousness as the highest attainable form, as the supreme kind of being, as “God”
4)the will inscribed everywhere where there is effect
5)the “true world” as a spiritual world, as accessible through facts of consciousness
6)the knowledge absolutely as a capacity of consciousness, wherever there is knowledge at all
 
 
Consequences:
every progress lies in the progress towards becoming conscious; every regression in becoming unconscious.
One approaches reality, the “true being” through dialectics; one distances oneself from it through instincts, senses, mechanism...
To dissolve man into spirit would mean to make him God: spirit, will, goodness—
One All Good must stem from spirituality, must be a fact of consciousness
Progress towards the Better can only be progress in becoming conscious
Unconsciousness was considered a surrender to desires and senses—as bestialization...
 
 

The struggle against Socrates, Plato, all the Socratic schools stems from the deep instinct that one does not make man better by presenting virtue as provable and as requiring justification...



Ultimately, it is the petty fact that the agonistic instinct compelled all these born dialecticians to glorify their personal ability as the supreme quality and to present all other good as conditional upon it. The anti-scientific spirit of this entire "philosophy": it wants to be right.

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The Struggle of Science

Sophists

The Sophists are nothing more than realists: they formulate all common values and practices into the rank of values,—they have the courage that all strong spirits have to know their immorality...

Does one perhaps believe that these small Greek free cities, which would have gladly devoured each other in rage and jealousy, were guided by philanthropic and upright principles? Does one perhaps reproach Thucydides for his speech, which he puts into the mouths of the Athenian envoys when they negotiate with the Melians about destruction or submission?

To speak of virtue in the midst of this terrible tension was only possible for consummate Tartuffes—or outsiders, hermits, fugitives, and emigrants from reality... all people who negated in order to be able to live themselves—

The Sophists were Greeks: when Socrates and Plato took the side of virtue and justice, they were Jews or I don’t know what— The tactic of Grotes in defending the Sophists is wrong: he wants to elevate them to men of honor and moral standard-bearers—but their honor was not to engage in deception with grand words and virtues...

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Parmenides said “one does not think what is not”—we are at the other end and say “what can be thought must certainly be a fiction”. Thinking has no grip on the real, but only on

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The followers of Pyrrho also dealt with the Jews, notably Hecataeus of Abdera, who lived at the Egyptian court and wrote about the philosophy of the Egyptians.

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“For practical life, a belief is necessary”

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the “improvement”
Morality as décadence

The general deception and self-deception in the realm of so-called moral improvement. We do not believe that a person becomes someone else if they are not already: that is, if they are not, as often happens, a multiplicity of persons, at least of beginnings of persons. In this case, one achieves that another role comes to the fore, that “the old man” is pushed back ... The appearance is changed, not the essence ... Even this is not always achieved, that it removes the habit of a certain doing, the best reason for it. Whoever is a criminal by fate and ability does not unlearn anything, but always learns more: and a long deprivation even acts as a tonic on their talent ...That someone stops performing certain actions is a mere *fatum brutum*, which allows for the most varied interpretations. For society, however, the only thing of interest is that someone no longer performs certain actions: to this end, it removes them from the conditions where they *can* perform certain actions: this is certainly wiser than attempting the impossible, namely breaking the fatality of their being-so-and-so.

The Church—and it has done nothing but replace and inherit ancient philosophy in this regard—, proceeding from a different measure of value and seeking to save the “soul,” the “salvation” of a soul, believes once in the atoning power of punishment and then in the erasing power of forgiveness: both are delusions of religious prejudice—punishment does not atone, forgiveness does not erase, what has been done is not undone.That someone forgets something is by no means sufficient for something to no longer be... An action draws its consequences, in man and outside of man, regardless of whether it is considered punished, “atoned for”, “forgiven”, or “erased”, regardless of whether the Church has meanwhile advanced its perpetrator to a saint. The Church believes in things that do not exist, in “souls”; it believes in effects that do not exist, in divine effects; it believes in states that do not exist, in sin, in redemption, in the salvation of the soul; it remains everywhere at the surface, at signs, gestures, words, emblems to which it gives an arbitrary interpretation: it has a thoroughly considered methodology of psychological counterfeiting.

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Will to Power as Knowledge

not “to know,” but to schematize, to impose as much regularity and form on chaos as satisfies our practical need

In the formation of reason, logic, categories, need has been decisive: the need not to “know,” but to subsume, to schematize, for the purpose of communication, calculation...

the adjusting, the inventing of the similar, the equal—the same process that every sensory impression undergoes, is the development of reason!

Here no pre-existent “Idea” has been at work: but utility, that only when we see things coarsely and made equal do they become calculable and manageable for us...

the finality in reason is an effect, not a cause: with every other kind of reason, to which there are continual approaches, life miscarries—it becomes incomprehensible—too unequal—

The categories are “truths” only in the sense that they are life-conditioning for us: just as Euclidean space is such a conditional “truth.” (Speaking in itself, since no one will uphold the necessity that there should be precisely humans, reason, like Euclidean space, is a mere idiosyncrasy of certain animal species and one among many others...)

The subjective compulsion not to be able to contradict here is a biological compulsion: the instinct of utility, to conclude as we conclude, is ingrained in us, we are almost this instinct...Which naivety, however, to draw proof from this that we thereby possess a "truth in itself" ...

The inability to contradict does not prove a "truth," but rather an incapacity.

* *

One must not look for phenomenalism in the wrong place: nothing is more phenomenal (or clearer), nothing is so much an illusion, as this inner world that we observe with the famous "inner sense."

We have believed the will to be the cause, to the extent that, based on our personal experience, we have altogether placed a cause into the event (i.e., intention as the cause of the event—)

We believe that thought and thought, as they follow one another in us, stand in some causal chain: the logician in particular, who actually speaks of nothing but cases that never occur in reality, has become accustomed to the prejudice that thoughts cause thoughts—he calls this—thinking...

We believe—and even our physiologists still believe it—that pleasure and pain are the cause of reactions, that the purpose of pleasure and pain is to give occasion for reactions. For millennia, pleasure and the avoidance of displeasure have been set up as motives for every action.With some reflection, we would likely admit that everything would proceed in exactly the same way, following the very same chain of causes and effects, if these states of "pleasure and pain" were absent: and one simply deceives oneself by claiming that they cause anything:—they are accompanying phenomena with an entirely different purpose than that of triggering reactions; they are already effects within the initiated process of reaction...

In summa: everything that becomes conscious is a final phenomenon, a conclusion—and causes nothing—all succession in consciousness is completely atomistic. And we have attempted to understand the world with the opposite conception,—as if nothing were effective and real except thinking, feeling, willing...

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science

Chapter I
Origin of the “true world

The error of philosophy rests on the fact that, instead of seeing logic and the categories of reason as means for adjusting the world to utility purposes (thus “principally”, to a useful falsification), one believed to have in them the criterion of truth resp. of reality. The “criterion of truth” was in fact merely the biological utility of such a system of principal falsification: and since a species of animal knows nothing more important than to preserve itself, one might indeed speak here of “truth”. The naivety was only to take the anthropocentric idiosyncrasy as the measure of things, as the guideline for “real” and “unreal”: in short, to absolutize a conditionality.

And lo and behold, now the world suddenly fell apart into a true world and an "apparent" one: and precisely the world in which man had invented his reason to dwell and arrange himself, that very same world was discredited. Instead of using the forms as a means to make the world manageable and calculable, the mad acumen of the philosophers discovered that in these categories the concept of that world is given, to which the other world, the one in which one lives, does not correspond... The means were misunderstood as a measure of value, even as a condemnation of the intention...

The intention was to deceive oneself in a useful way: the means to do so, the invention of formulas and signs, with whose help one reduced the confusing multiplicity to a purposeful and manageable scheme.

But woe!now one introduced a moral category: no being wants to be deceived, no being may deceive—hence there is only a will to truth. What is “truth”?

The principle of contradiction provided the schema: the true world, for which one seeks the path, cannot contradict itself, cannot change, cannot become, has no origin and no end.

This is the greatest error that has been committed, the actual fate of error on earth: one believed to have a criterion of reality in the forms of reason, whereas one had them in order to become master over reality, to misunderstand reality in a clever way...

And behold: now the world became false, and precisely because of the properties that constitute its reality, change, becoming, multiplicity, opposition, contradiction, war.

And now the whole disaster was there:

1) how does one escape from the false, the merely apparent world? (—it was the real, the only

2) how does one become oneself as much as possible the opposite of the character of the apparent world? (Concept of the perfect being as an opposite to every real being, more clearly as contradiction to life ...

3) the entire direction of values was aimed at slander of life

4) one created a confusion of ideal-dogmatism with knowledge in general: so that the opposing party now also abhorred sciencethe path to science was thus doubly blocked: first by belief in the true world and then by the opponents of this belief.

Natural science, physiology was 1) condemned in its objects 2) robbed of its innocence ...

In the real world, where absolutely everything is interconnected and conditional, to condemn and dismiss anything is to dismiss and condemn everything.

The phrase “this should not be,” “this should not have been” is a farce ... If one follows the consequences, one would ruin the source of life if one were to abolish what is in any sense harmful, destructive. Physiology demonstrates it better!

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Morality as decadence

We see how morality

a)poisons the entire worldview
b)cuts off the path to knowledge, to science
c)dissolves and undermines all real instincts (by teaching that their roots are immoral

We see a terrible tool of decadence at work before us, which upholds itself with the most sacred names and gestures

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décad

Religion as décadence

Against Remorse and its purely psychological Treatment
(I recommend the treatment of pangs of conscience with the Mitchell cure — — )

Not being able to cope with an experience is already a sign of décadence. This reopening of old wounds, this wallowing in self-contempt and contrition is yet another illness, from which the “salvation of the soul” can never arise, but only ever a new form of the same illness ...

these “states of redemption” in Christians are merely shifts within one and the same pathological state,—interpretations of the epileptic crisis under a specific formula, which is not given by science, but by religious delusion

one is good in a pathological manner when one is sick ...we now classify the greatest part of the psychological apparatus with which Christianity has worked as forms of hysteria and epileptoidism.

this entire practice of spiritual restoration must be placed back on a physiological foundation: the “pangs of conscience” as such are an obstacle to recovery,—one must seek to counterbalance everything through new actions and as quickly as possible the sickness of self-torture ...

one should discredit the purely psychological practice of the Church and the sects as hazardous to health ...

one does not heal a sick person through prayers and exorcisms of evil spirits: the states of “calm” that occur under such influences are far from inspiring trust in the physiological sense ...

one is healthy when one can laugh at one's own seriousness and zeal with which some detail of our life has thus hypnotized us, when one feels something like the bite of a dog against a stone when conscience bites,—when one is ashamed of one's remorse,—

The previous practice, purely psychological and religious, aimed only at a change of symptoms: it considered a person restored when he humbled himself before the cross and made vows to be a good person... But a criminal who holds fast to his fate with a certain grim seriousness and does not slander his deed afterward has more health of the soul... The criminals with whom D lived in prison were all unbroken natures,—are they not a hundred times more worth than a "broken" Christian?

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The Will to Power
Attempt
at a Revaluation of All Values.

First Chapter:

the true and the apparent world
 

Second Chapter:

how is such a mistake possible? What does the will to misunderstand life mean?
Critique of the Philosophers, as Types of the décadence.
 

Third Chapter.

The Morality as Expression of the décadence.
Critique of Altruism, Compassion, Christianity, Desensualization
 

Fourth Chapter.

Are there no beginnings of an opposite position?
1. Paganism in Religion
2. “Art”
3. State
The war against them: what always conspires against them...
 

Fifth Chapter.

Critique of the Present: where does it belong?
its nihilistic badge
its affirming types: one must grasp the enormous fact that a good conscience of science exists ...
 

Sixth Chapter.

The Will to Power, as Life
 

Seventh Chapter.

We Hyperboreans.
Nothing but absolute positions, e.g., happiness!! e.g., history—enormous enjoyment and triumph at the end, to have nothing but clear yeses and nos ... Redemption from uncertainty!

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Morality as decadence

decadence

Senses,” “Passions

The fear of the senses, of desires, of passions, when it goes so far as to discourage them, is already a symptom of weakness: extreme measures always characterize abnormal states. What is lacking here, or crumbling, is the strength to restrain an impulse: if one has the instinct that one must yield—that is, must react—then it is wise to avoid the occasions (“temptations”).

A “stimulus of the senses” is only a seduction insofar as it concerns beings whose system is too easily moved and determined: in the opposite case, with great sluggishness and hardness of the system, strong stimuli are necessary to set the functions in motion...

Excess is only an objection against those who have no right to it; and almost all passions have been brought into disrepute because of those who are not strong enough to turn them to their advantage

One must understand that what can be objected to passion is the same as what can be objected to illness: nevertheless—we could not do without illness, and even less without passions...

We need the abnormal, we give life an enormous shock through these great illnesses...

* * *

In detail, the following distinctions must be made:

1) the dominant passion, which even brings with it the supreme form of health in general: here the coordination of the inner systems and their working in one service is best achieved—but that is almost the definition of health!

2) the opposition of the passions, the duality, triplicity, multiplicity of “souls in one breast”: very unhealthy, inner ruin, disintegrating, revealing and increasing an inner conflict and anarchism—: unless one passion finally becomes master.Return of Health

3) the side-by-side, without being against or for each other: often periodic, and then, as soon as it has found an order, also healthy ... The most interesting people belong here, the chameleons; they are not in contradiction with themselves, they are happy and secure, but they have no development,—their states lie side by side, even if they are separated seven times. They change, they become not ..

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Morality as décadence

The “good person” as tyrant

The humanity has always repeated the same mistake: that it has made a standard of life out of a means to life

: that instead of finding the measure in the highest intensification of life itself, in the problem of growth and exhaustion, it has used the means to a very specific life to exclude all other forms of life, in short, to criticize and select life

: i.e., man finally loves the means for their own sake and forgets them as means: so that they now appear to him as goals, as standards of purposes ...

: i.e. a particular species of man treats its conditions of existence as legally imposed conditions, as “truth”, “good”, “perfection”: it tyrannizes ...

: it is a form of belief, of instinct, that a kind of man does not see the conditioned nature of its own kind, its relativity compared to others:

: at least it seems to be the end of a kind of man (people, race) when it becomes tolerant, grants equal rights, and no longer thinks of wanting to be master—

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Religion as décadence

Critique of Faith
Conviction and Lie.

1. “Between a lie and a conviction there is an opposition”: there is no greater ...

2. But it has been rightly said that convictions are more dangerous enemies of truth than lies (M.AM.)

3. Should perhaps even the aforementioned conviction be counted among the enemies of truth? And among its most dangerous?

Every conviction has its history, its preforms, its attempts and errors: it becomes a conviction after it has long not been one and even longer barely been one ...

could the lie not also be among these embryonic states of conviction? ...

it often requires a change of persons (—only in the son does what was still tendency in the father become conviction—)

What makes it that a liar sells us an error as a truth? His “practical reason” (—his advantage, more popularly spoken)

What makes it that one decides between different possibilities? His practical reason, his advantage...

What makes it that one chooses between different hypotheses in this or that way? The advantage.

What difference remains between a convinced person and a deceived one? None, if he is well deceived.

What makes it that all philosophers are determined to hold their convictions for truths? Their advantage, their “practical reason”

The fiction, the utility, the supposition, the probability, the certainty, the conviction—a history of inner pathos, at whose beginning stands the lie, whose god...

“I want to hold something for true”: is this the instinct of truth or not rather another, which takes very little strictly with the truth, but knows the advantage that belief brings with it? ...

Suppose one has an advantage from deceiving oneself, in what does the pathos of self-deception differ from the pathos of conviction? ...

Is it cleverness or truth that has been brought to dominion in belief, as Christianity understands it? The proof of power (i.e., the advantages which a belief brings with it), or theAnd what makes martyrs, is it the instinct of truth, or rather the opposite, a gap in inner organization, the lack of such an instinct? We regard martyrs as a lower species: proving a conviction makes no sense at all; rather, one must prove that one has the right to be so convinced... Conviction is an objection, a question mark, a défi—one must prove that one is not merely convinced, that one is not merely a fool...

The death on the cross proves no truth, only a conviction, only an idiosyncrasy (—very popular error: having the courage of one's conviction—? but having the courage to attack one's conviction!!!

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Religion as décadence—the conviction

Critique of Sacrificial Death

We would today go to our deaths for certain things without taking this sacrifice very solemnly, it is far from us to practice idolatry with such things, merely because they demand people... The famous “fatherland,” for example, a concept that is being paid for strangely dearly in Europe today: the even more famous “science,” which, as I presume, will someday become even more costly than the concept of “fatherland.”

A death for a



Is it necessary to be right in order to remain right? On the contrary! And apart from that, it means being immodest. One must not want too much honor... But all these great sages were modest:—they merely remained right...




You think a thing becomes honorable because you pay for it with your life? ... An error that becomes honorable is an error that possesses one more art of seduction! Do you believe that we will wish to encourage you to a sacrificial death for your "truth"? ... That was precisely the world-historical stupidity of all persecutors: they forced their opponents to become heroes ... they have made all stupidities into fetishes for humanity ... The woman still lies on her knees today before a doctrine whose teacher died on the cross ... is the cross a proof?



A certain degree of faith suffices for us today as an objection against what is believed, even more as a question mark regarding the mental health of the believer: the "rock-solid convictions" almost always belong in the madhouse.

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I do not see at all how one can make up for having missed going to a good school at the right time. Such a person does not know themselves; they go through life without having learned to walk; the slack muscle betrays itself with every step. Sometimes life is so merciful as to make up for this hard school: perhaps years of illness that challenges the utmost willpower and self-sufficiency; or a sudden crisis, also for wife and child, which forces an activity that gives energy back to the slackened fibers and regains the tenacity of the will to live... The most desirable thing remains, under all circumstances, a hard discipline at the right time, that is, at that age when it makes one proud to see much demanded of oneself.

For this distinguishes the rigorous school as a good school from any other: that much is demanded; that strict demands are made; that the good, the excellent itself is demanded as normal; that praise is rare, that indulgence is absent; that reproach is sharp, objective, without regard to talent and origin. Such a school is necessary in every respect: this applies to the most physical as well as the most intellectual: it would be disastrous to want to separate here!The same discipline makes the military and the scholar capable: and on closer inspection, there is no capable scholar who does not have the instincts of a capable military man in his body ... to stand in rank and file, but capable of advancing at any time; to prefer danger to comfort; not to weigh the permitted and the forbidden in a grocer's scale; to be more hostile to the petty, the cunning, the parasitic than to evil ...

— What does one learn in a hard school? To obey and to command,

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Philosopher

Pyrrho, the mildest and most patient man who ever lived among the Greeks, a Buddhist though Greek, a Buddha himself, was driven out of his mind just once—by whom?—by his sister, with whom he lived: she was a midwife. Ever since, philosophers have feared the sister most of all—the sister! Sister! It sounds so terrible!—and the midwife! ... (Origin of celibacy)

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(On the Chapter: Religion as décadence)

Religious Morality

The affect, the great desire, the passions of power, love, revenge, possession—: the moralists want to extinguish them, tear them out, "purify" the soul of them

The logic is: these desires often cause great harm,—hence they are evil, reprehensible. Man must be rid of them: otherwise he cannot be a good man...

This is the same logic as: "if a limb offends you, tear it out."In the special case, as that dangerous "innocence from the countryside," the founder of Christianity, recommended to his disciples as practice, in the case of sexual irritability, it unfortunately follows not only that a limb is missing, but that the character of the M entmannt is... and the same applies to the moralist's madness, which, instead of taming, demands the extirpation of the passions. Their conclusion is always: only the emasculated man is the good man.

The great sources of power, those often so dangerous and overwhelmingly surging torrents of the soul, instead of harnessing their power and ökonomisiren, this most short-sighted and pernicious way of thinking, the moral way of thinking, wants to versiegen.

14 [164]

The Christian Moral Quacks

Pity and contempt follow each other in rapid succession, and at times I am outraged, as at the sight of a vile crime. Here error is made a duty—into virtue—the misstep has become a deliberate act, the destructive instinct systematized as “salvation”; here every operation becomes an injury, an excision even of organs whose energy is the prerequisite for any return to health. And at best, there is no healing, only an exchange of one series of symptoms for another... And this dangerous nonsense, the system of mutilation and castration of life, is held sacred, untouchable; to live in its service, to be an instrument of this healing art, to be a priest, elevates one, makes one venerable, sacred, and untouchable.

Only the divinity can be the originator of this highest healing art: only as revelation is redemption comprehensible, as a form of grace, as the most undeserved gift bestowed upon the creature.



First sentence: the health of the soul is regarded as illness, distrustfully...

Second sentence: the prerequisites for a strong and flourishing life, the strong desires and passions, are considered objections to a strong and flourishing life
Third proposition: Everything from which danger threatens man, everything that can gain mastery over him and ruin him, is evil, is reprehensible—is to be rooted out of his soul with all its roots.

Fourth proposition: man, made harmless, against himself and others, weak, cast down in humility and modesty, conscious of his weakness, the “sinner”—this is the most desirable type, the one which can also be produced with some surgery of the soul ...

14 [165]

The courage.

1.

I distinguish courage before persons, courage before things, and courage before paper. The latter was, for example, the courage of David Strauss. I distinguish again courage before witnesses and courage without witnesses: the courage of a Christian, of a believer in God in general, can never be courage without witnesses—it is thereby already degraded. I finally distinguish courage from temperament and courage from fear of fear: a special case of the latter species is moral courage. Added to this is courage from despair.



Wagner as seducer.

2.

Wagner had this courage. His position regarding music was fundamentally desperate. He lacked both what enables a good musician: nature and culture, the predestination for music and the discipline and training for music.He had courage: he made a principle out of this deficiency—he invented a kind of music for himself. The “dramatic music,” as he invented it, is the music that he could make ... its concept is the limits of Wagner.

And he has been misunderstood— Has he been misunderstood? ... Five-sixths of modern artists are in his case. Wagner is their savior: five-sixths are, moreover, the “smallest number.” Whenever nature has shown itself relentless and, on the other hand, culture has remained a chance, an attempt, a dilettantism, the artist now turns with instinct, what do I say?with enthusiasm about Wagner: "half pulled him, half sank he in," as the poet says.

2.

Wagner's success is a great temptation. Let us assume that this tempter learns to speak, that he joins young musicians in the guise of a wise friend and conscience advisor, who carry a small doom within the depths of their self—and soon we hear him speak, confidingly, bourgeoisly, with an angelic tolerance for all "small dooms" ...

14 [166]

Motif for a picture. A carter. Winter landscape. The carter urinates with an expression of the most vulgar cynicism against his own horse. The poor, abused creature looks around at this—grateful, very grateful...

14 [167]

Wagner as a problem.
Wagner the actor.
What has become popular
Wagner as a role model.
Wagner as seduction.



Music as mimicry. Every thought

14 [168]

The true and the apparent world

Draft of the first chapter

A.

The temptations that arise from this concept are of three kinds:

an unknown world:—we are adventurers, curious,—the known seems to weary us (—the danger of the concept lies in insinuating to us that “this” world is known ...

another world, where things are different:—something in us calculates, our quiet resignation, our silence loses its value,—perhaps everything will turn out well, we have not hoped in vain ... the world where things are different, where we ourselves—who knows?—are different ...

a true world:—that is the strangest trick and assault that has been made upon us; so much has become encrusted upon the word “true,” that we unconsciously bestow it as a gift upon the “True World” as well: the true world must also be a truthful one, a world that does not deceive us, does not make fools of us: to believe in it is almost to be compelled to believe (—out of decency, as is proper among trustworthy beings—)

the concept of the “unknown world” insinuates to us that this world is “known” (—as boring—)

the concept of the “other world” insinuates that the world could be different—abolishes necessity and fact (—useless to submit, to adapt—)

the concept of the “true world” insinuates this world as an untruthful, deceptive, dishonest, inauthentic, inessential world—and consequently also not a world suited to our benefit (—unwise to adapt to it, better: to resist it)

we withdraw from this world in three ways:

with our curiosity, as if the more interesting part were elsewhere

: with our devotion, as if it were not necessary to devote oneself,—as if this world were not a necessity of the highest order

: with our sympathy and respect: as if this world did not deserve them, as dishonest, as not honest with us ...

In summa: we are in three ways revolted: we have made an x of critique of the “known world.”

First step of composure: to comprehend to what extent we are seduced

namely, it could in itself be exactly the opposite.

a)the unknown world could be constituted in such a way as to entice us to this world,—as a perhaps stupid and inferior form of existence
b)the other world, far from accommodating our desires that find no fulfillment here, could be among the mass of what this world makes possible for us: getting to know it would be a means to satisfy us
3)the true world: but who tells us, in fact, that the apparent world must be of less value than the true one? Does not our instinct contradict this judgment? Does not man eternally create a fictitious world because he wants a better world than reality? ...

Above all: how do we come to think that our world is not the true one? ... first of all, the other world could indeed be the "apparent" one ... in fact, the Greeks, for example, imagined a shadow realm, a illusory existence alongside the true existence— And finally: what gives us the right to posit, as it were, degrees of reality? that is something different from an unknown world, that is already wanting-to-know-something about the unknown.

NB.The “other,” the unknown world—fine! but to say “true world” means “to know something about it”—that is the opposite of assuming an x-world...

In sum: the world x could be more boring, inhuman, and unworthy in every sense than this world.

It would be different if it were claimed that there are x worlds, i.e., every possible world beyond this one. But that has never been claimed...

The “true” world = the truthful, the one that does not deceive us, the honest one
 = the right, the one that alone matters
 = the genuine, in contrast to something counterfeit and fake

C.

Problem: why the idea of the other world has always turned out to the disadvantage, or to the criticism, of this world—what does this indicate? —

Namely: a people that is proud of itself, that is in the ascent of life, always thinks of the Other as being lower, worthless; it regards the foreign, the unknown world as its enemy, as its opposite, it feels without curiosity, in full rejection of the foreign ...

a people would not admit that another people would be the “true people” ...

already that such a distinguishing is possible—that one takes this world for the “apparent” and that one for the “true” is symptomatic

The Origins of the Notion: “Other World”
the philosopher, who invents a reason-world where reason and the logical functions are adequate:—here originates the “true” world
the religious person, who invents a “divine world”—here originates the “denatured, unnatural” world
the moral man, who invents a “free world”—here belongs the “good, perfect, just, holy” world.
 
The common of the three origins ..
the psychological misstep ... the physiological confusions

“the other world”, as it actually appears in history, with what predicates,—marked with the stigmata

of the philosophical 
of the religiousprejudice
of the moral 

the other world, as it emerges from these facts, as a synonym for non-being, for non-life, for not-wanting to live...



Overall insight: the instinct of weariness of life and not that of life has created the other world.



Consequence: Philosophy, Religion, and Morality
are symptoms of decadence.

2nd Chapter

Historical proof that religion, morality, and philosophy are decadence forms of humanity.

3rd Chapter

1. the reasons for which “this” world has been designated as “apparent” rather substantiate its reality:—a different kind of reality is absolutely unprovable.

2. the characteristics attributed to the “true being” of things are the characteristics of non-being,—the “true world” has been constructed from the contradiction to the “real world”: an “apparent world” indeed, one that is an optical-moral illusion

3.In sum: to fable about a different world than this one makes no sense at all—assuming that an instinct of slander, belittlement, suspicion of life is not powerful within us: in the latter case, we avenge ourselves on life with the phantasmagoria of a “better life” ...

4. Dividing the world into a “true” and an “apparent” one is a suggestion of decadence:—valuing the appearance higher than reality, as the artist does, is no objection to this. For here, appearance means only this reality once more in selection, intensification, correction ... Or are there pessimistic artists?— Is the tragic artist a pessimist? ...

14 [169]

1.The true and the apparent world.
2.The philosopher as a type of décadence.
3.The religious person as a type of décadence.
4.The good person as a type of décadence.
5.The counter-movement: art.
Problem of the tragic.
6.The Pagan in Religion.
7.Science versus Philosophy.
8.Politica.
9.Critique of the Present.
10.Nihilism and Its Counter-Image: The Recurring Ones.
11.The Will to Power.
  
1)Suppose she is more valuable, why should she be more real than this?
... is reality a quality of perfection?— But that is the ontological proof of God ...
2)But suppose she is true, she could be less valuable than our world ...

14 [170]

The counter-movements: art.

It is the exceptional states that condition the artist: all those deeply related and intertwined with pathological phenomena, so that it seems impossible to be an artist and not be sick.

The physiological states that are, as it were, cultivated into the "person" of the artist, which in some degree inherently cling to humanity:

1. intoxication: the heightened sense of power; the inner compulsion to make things a reflection of one's own fullness and perfection—

2.the extreme sharpness of certain senses: so that they understand—and create—a completely different sign language—the same one that appears connected to certain nervous disorders—the extreme mobility, which becomes extreme communicativeness; the desire to speak of everything that knows how to give signs ... a need to, as it were, unburden oneself through signs and gestures; the ability to express oneself through a hundred linguistic means ...an explosive state—one must first imagine this state as compulsion and urge, to rid oneself of the exuberance of inner tension through all kinds of muscle work and mobility: then as involuntary coordination of this movement with internal processes (images, thoughts, desires)—as a kind of automatism of the entire muscular system under the impulse of strong stimuli acting from within—inability to prevent the reaction: the inhibitory apparatus, as it were, disengaged. Every internal movement (feeling, thought, affect) is accompanied by vascular changes and consequently by changes in color, temperature, secretion: the suggestive power of music, its “suggestion mentale”;

3.the compulsion to imitate: an extreme irritability, in which a given model is contagiously communicated,—a state is already guessed at from signs and depicted ... An image, emerging inwardly, already acts as movement of the limbs ... a certain will-display ... (Schopenhauer!!!!)

A kind of deafness, blindness outward,—the realm of admitted stimuli is sharply defined —

* * *

This distinguishes the artist from the layman (the artistically-receptive): the latter has his peak of excitability in receiving; the former in giving—such that an antagonism between these two talents is not only natural but desirable.Each of these states has a reversed optics,—to demand of the artist that he practice the optics of the listener (critic,—) means to demand that he impoverish himself and his specific power... It is here as with the difference of the sexes: one should not demand of the artist, who gives, that he become woman—that he “receives”...

Our aesthetics have hitherto been a woman’s aesthetics, insofar as only the receptive to art have formulated their experiences of “what is beautiful?”In all of philosophy up to now, the artist is missing... This is, as the preceding suggested, a necessary flaw; for the artist who began to comprehend himself would thereby overreach—he must not look back, he must not see at all, he must give— It honors an artist to be incapable of criticism... otherwise he is half and half, he is “modern”...

14 [171]

Religion as décadence

sleep as the consequence of every exhaustion, exhaustion as the consequence of every excessive stimulation ...

the need for sleep, the deification and adoration even of the concept of “sleep” in all pessimistic religions and philosophies —

the exhaustion in this case is a racial exhaustion; sleep, physiologically speaking, only a parable of a much deeper and longer having-to-rest ... In practice, it is death that here, under the image of its brother, sleep, acts so seductively ...

14 [172]

Religious monomania usually appears in the form of folie circulaire, with two contradictory states, that of depression and that of tonicity.

Féré p 123.

14 [173]

The Will to Power as Life

Psychology of the Will to Power.

Pleasure Displeasure

Pain is something different from pleasure,—I want to say, it is not its opposite. If the essence of pleasure has been correctly described as a plus-feeling of power (thus as a differential feeling that presupposes comparison), then the essence of displeasure has not yet been defined. The false opposites that the people and consequently language believe in have always been dangerous fetters for the progress of truth. There are even cases where a kind of pleasure is conditioned by a certain rhythmic sequence of small displeasure stimuli: thereby a very rapid increase of the feeling of power, the feeling of pleasure, is achieved. This is the case, for example,during tickling, also during sexual tickling in the act of coitus: we thus see displeasure active as an ingredient of pleasure. It seems, a small inhibition that is overcome and immediately followed by another small inhibition that is again overcome—this play of resistance and victory most strongly stimulates that overall feeling of excessive, superfluous power which constitutes the essence of pleasure.— The reverse, an increase in pain sensation through small interspersed pleasurable stimuli, is absent: pleasure and pain are simply not opposites.— Pain is an intellectual process in which a judgment has been pronounced,—the judgment “harmful,” in which long experience has been summed up. In itself, there is no pain.It is not the wound that hurts; it is the experience of what terrible consequences a wound can have for the entire organism, which speaks in the form of that deep shock called displeasure (with harmful influences that remained unknown to older humanity, e.g., from newly combined toxic chemicals, the statement of pain is also lacking—and we are lost...) In pain, the truly specific element is always the prolonged shock, the aftershock of a terrifying impact in the cerebral center of the nervous system:—one does not actually suffer from the cause of the pain (some injury, for example), but from the long-lasting imbalance that occurs as a result of that impact.The pain is a disease of the cerebral nerve centers—pleasure is by no means a disease ...— That pain is the cause of counter-movements has both the appearance and even the philosopher's prejudice in its favor; but in sudden cases, if one observes closely, the counter-movement is evidently earlier than the sensation of pain. It would be bad for me if, upon a misstep, I had to wait until the fact rang the bell of consciousness and a hint of what to do was telegraphed back ... Rather, I distinguish as clearly as possible that first the counter-movement of the foot follows to prevent the fall, and then, at a measurable time distance, a kind of painful wave suddenly becomes noticeable in the front of the head. One does not, therefore, react to the pain.The pain is later projected into the wounded area:—but the nature of this local pain still does not remain the expression of the type of local injury; it is merely a positional sign, whose strength and tone correspond to the injury that the nerve centers have received from it. That, as a result of that shock, the muscle strength of the organism measurably decreases, by no means provides any basis for seeking the essence of pain in a reduction of the sense of power... One does not react, as has been said again, not to the pain: displeasure is not a “cause” of actions; the pain itself is a reaction, the counter-movement is another and earlier reaction,—both originate from different points. —

14 [174]

The will to power as life

Man does not seek pleasure and does not avoid displeasure: one understands which famous prejudice I hereby contradict. Pleasure and displeasure are mere consequences, mere accompaniments,—what man wants, what every smallest part of a living organism wants, is a surplus of power. In striving for this, both pleasure and displeasure follow; from that will, he seeks resistance, needs something that opposes him. Displeasure, as an inhibition of his will to power, is thus a normal fact, the normal ingredient of every organic event; man does not avoid it, but rather continually needs it: every victory, every feeling of pleasure, every event presupposes an overcome resistance.

Let us take the simplest case, that of primitive nutrition: the protoplasm extends its pseudopodia to seek something that resists it—not out of hunger, but out of the will to power. Then it attempts to overcome, appropriate, and incorporate it—that which is called “nutrition” is merely a subsequent phenomenon, a utilization of that original will to become stronger

It is not possible to take hunger as the primum mobile: nor is it possible to take self-preservation: hunger understood as a consequence of undernourishment means: hunger as a consequence of a will to power that is no longer mastering

duality as a consequence of a unit that is too weak



it is by no means a matter of restoring a loss—only late, as a result of the division of labor, after the will to power has learned to take entirely different paths to its satisfaction, does the organism's need for appropriation become reduced to hunger, to the need to replace what has been lost.



Displeasure, therefore, does not necessarily result in a diminution of our sense of power; on the contrary, in average cases, it acts as a stimulus to this sense of power—the obstacle is the stimulus of this will to power.

Displeasure has been confused with a type of displeasure, that of exhaustion: the latter indeed represents a profound diminution and depression of the will to power, a measurable loss of strength.That is to say: displeasure as a stimulus to increase power and displeasure after a squandering of power; in the former case a stimulus, in the latter the consequence of excessive stimulation ... The inability to resist is inherent to the latter displeasure: the challenge of the resistant belongs to the former ... The pleasure that is still felt in a state of exhaustion is falling asleep; the pleasure in the other case is victory ...



The great confusion of psychologists was that they did not distinguish between these two types of pleasure, that of falling asleep and that of victory
the exhausted want rest, stretching out their limbs, peace, silence —

it is the happiness of nihilistic religions and philosophies

the rich and lively want victory, overcome opponents, overflowing of the feeling of power over wider areas than before:

all healthy functions of the organism have this need,—and the whole organism, up to the age of puberty, is such a complex of systems striving for growth in feelings of power

14 [175]

Plato:

but Manu says: the act through which the soul aspires to the unknown is a memory of Swarga, of which it has retained a trace, just as one often sees uncertain images upon awakening that struck us in our dreams

14 [176]

Alcoholism.

The Brahmin who intoxicates himself, forgetting the divine substance from which his person is formed, sinks to the rank of the impure Sudra.

The dwidja who indulges in fermented drinks will be internally burned by their fire. He shall purify himself by drinking the boiling urine of cows

14 [177]

May he save a cow: this meritorious act atones for the murder of a Brahmin.

14 [178]

Priest

— The Brahmin is an authority in this world and in the next; the Brahmin is an object of veneration for the gods.

The killer of a cow shall remain covered for three months with the hide of that cow and then spend three months in the service of a cowherd. Then he shall give the Brahmins ten cows and a bull as a gift, or better yet, everything he possesses: then his offense is atoned for.

Whoever kills a circumcised man purifies himself through a simple offering (while killing an animal generally requires six months of penance in the forest, with growing out of beard and hair.)

14 [179]

Of Christian practice.

Man did not know himself physiologically, throughout the entire chain of millennia: he still does not know himself today. To know, for example, that one has a nervous system (—but no “soul”) remains the privilege of the most educated. But man does not suspect himself of not knowing here;—one must be very humane to say “I do not know,” to allow oneself ignorances ... assuming he suffers or is in a good mood, he does not doubt finding the reason for it if he only searches. So he searches for it ... In truth, he cannot find the reason because he does not even suspect where he should look ... What happens? ... He takes a consequence of his condition as its cause

e.g.a work, undertaken in good spirits (in fact, undertaken because the good spirits already gave courage to do so) turns out: ecco, the work is the reason for the good spirits...

In reality, success was again conditioned by the same thing that conditioned the good spirits—by the fortunate coordination of physiological forces and systems

He is in poor condition: and consequently he cannot cope with a worry, a scruple, a self-criticism... In truth, man believes his poor condition is the consequence of his scruple, his “sin,” his “self-criticism”...

But the state of recovery, often after deep exhaustion and prostration, returns. “How is it possible that I am so free, so released? This is a miracle, only God could have done this to me” Conclusion: “He has forgiven me my sin”...

From this arises a practice: to stimulate feelings of sin, to prepare contrition, one must bring the body into a sickly and nervous state. The methodology for this is known. How cheap, one suspects, the causal logic of facts—one has a religious interpretation for the mortification of the flesh, it appears as an end in itself, while it only emerges as a means to make that sickly indigestion of remorse possible (the “idée fixe” of sin, the hypnotization of the hen by the stroke “sin”)

The mistreatment of the body creates the ground for the series of “guilt feelings” ... i.e., a general suffering that will be explained ...

On the other hand, the methodology of “redemption” emerges equally: one has provoked every excess of feeling through prayers, movements, gestures, oaths—exhaustion follows, often suddenly, often in epileptic form. And, behind the state of deep somnolence comes the semblance of recovery—religiously spoken: “redemption”

14 [180]

the Muhammedanism, as a religion for men, has a deep contempt for the sentimentality and hypocrisy of Christianity ... a woman's religion, as which he feels it —

14 [181]

The religious person as a type of décadence

the religious states in their kinship with madness, with neurasthenia

the moment when the religious crisis seizes a people—historically—

the imagination of the religious person as the imagination of the enervated and overstimulated

the “moral nervousness” of the Christian.



We now have the task of presenting the difficult, not only ambiguous phenomenon of Christianity.



The entire Christian penitential and redemptive training can be understood as an artificially induced folie circulaire; how easily it can be produced only in already predestined (namely morbidly disposed) individuals.

14 [182]

Why the Weak Triumph.

In summa: the sick and weak have more compassion, are “more human” —

: the sick and weak have more spirit, are more changeable, manifold, entertaining,—malicious: the sick alone have invented malice.

(a pathological precocity often found in rachitic, scrofulous, and tubercular individuals.—)

esprit: property of later races (Jews, French, Chinese) The anti-Semites do not forgive the Jews for having “spirit”—and money: anti-Semitism, a name for the “failed ones”)

: the fool and the saint—the two most interesting types of human ...

closely related to “genius,” the great “adventurers and criminals”

: the sick and the weak have had the Fascination for themselves, they are more interesting than the healthy

and all people, the healthiest first and foremost, are at certain times of their lives sick:—the great emotional upheavals, the passion for power, love, revenge are accompanied by deep disturbances...

And as for décadence: every person who does not die too early represents it in almost every sense:—they therefore also know the instincts that belong to it from experience—

: for almost half of every human life, the person is décadent.

Finally: Woman!the One Half of Humanity is weak, typically sick, changeable, inconstant—the woman needs strength to cling to it—and a religion of weakness, which glorifies being weak as divine, to love, to be humble...

or, better, it makes the strong weak—it rules, when it succeeds in overwhelming the strong...

the woman has always conspired with the types of décadence, the priests, against the “Powerful”, the “Strong”, the Men

the woman brings the Children aside for the cult of piety, compassion, love—the Mother represents altruism convincingly...

Finally: the increasing civilization, which necessarily also brings with it the increase of morbid elements, the Neurotic-Psychiatric and the Criminalistic ...

an intermediate species emerges, the Artist, separated from the criminality of the deed by weakness of will and social timidity, likewise not yet ripe for the madhouse, but curiously reaching into both spheres with his feelers: this specific culture-plant, the modern artist, painter, musician, above all the novelist, who handles the very improper word “naturalism” for his way of being ...

The mad, the criminals, and the “Naturalists” are increasing: signs of a growing and rapidly advancing culture—that is, the waste, the refuse, the excretions gain importance,—the downward keeps pace ...

Finally: the social mix-up, consequence of the Revolution, the establishment of equal rights, the superstition of “equal people”. In the process, the bearers of the instincts of decline (of ressentiment, discontent, the destructive drive, anarchism and nihilism), including the slave instincts, the cowardice-, cunning- and scoundrel-instincts of the long suppressed classes, mix into the blood of all estates: after two, three generations, the race is no longer recognizable—everything is vulgarized. From this results a collective instinct against selection, against privilege of any kind, with a power and certainty, hardness, cruelty of practice, that in fact even the privileged soon submit:

— whoever still wants to hold onto power flatters the rabble, must have the rabble on their side —

the “geniuses” lead the way: they become heralds of the feelings with which one inspires the masses—the note of pity, of reverence even for everything that has lived in suffering, lowliness, contempt, persecution, rings out above all other notes (types: V. Hugo and R. Wagner).

the advent of the rabble means once again the advent of the old values ...

* *

In such an extreme movement in terms of tempo and means, as our civilization represents, the center of gravity of people shifts: of people who matter most, who, as it were, have it upon themselves to compensate for the entire great danger of such a pathological movement;—they will be the delayers par excellence, the slow absorbers, the hard releasers, the relatively enduring amidst this immense changing and mixing of elements. Under such circumstances, the center of gravity necessarily falls to the mediocre: against the rule of the rabble and the eccentrics (both mostly allied), mediocrity consolidates itself as the guarantee and bearer of the future. From this arises for the exceptional individuals a new opponent—or else a new temptation.

Assuming they do not adapt to the rabble and sing songs to please the instinct of the "disinherited," they will need to be "mediocre" and "solid." They know: mediocritas is also aurea—it alone even possesses money and gold (—everything that shines...) ... And once again, the old virtue, and indeed the entire outdated world of the ideal, gains a gifted advocacy... Result: mediocrity acquires spirit, wit, genius—it becomes entertaining, it seduces...

* *

Result. I will say one more word about the third force. Craftsmanship, trade, agriculture, science, a large part of art—all of this can only stand on a broad foundation, on a strongly and healthily consolidated mediocrity.In her service and served by her, science works—and even art. Science could not wish for better: as such, it belongs to a middle kind of human—it is displaced among exceptions—it has nothing aristocratic and even less anarchistic in its instincts.— The power of the middle is then upheld by commerce, above all by money commerce: the instinct of the great financiers is against all extremes—Jews are therefore for the time being the most conservative power in our so threatened and uncertain Europe. They can use neither revolutions, nor socialism, nor militarism: if they want and need power even over the revolutionary party, this is only a consequence of what has been said before and not in contradiction to it.They need to occasionally instill fear against other extreme directions—by showing what all is in their hands. But their instinct itself is unchangeably conservative—and “mediocre” ... They know how to be powerful wherever there is power: but the exploitation of their power always goes in one direction. The honor-word for mediocre is known to be the word “liberal” ...

something that is neither witty nor even true ...



Reflection.— It is nonsensical to assume that this entire triumph of values is anti-biological: one must seek to explain it from an interest of life

the preservation of the type “human” itself through this methodology of overdominance by the weak and the ill-adapted —

: otherwise, would humanity no longer exist?

Problem

The increase of the type fatal for the preservation of the species?

why?

the experiences of history:

the strong races decimate each other: war, lust for power, adventure; their existence is costly, short,—they wear each other down

the strong affects: the waste—power is no longer capitalized...

the mental disturbance, through the excessive tension—periods of deep exhaustion and slackness set in; all great times are paid for...

the strong become weaker, more listless, more absurd than the average-weak

They are prodigal races. —

Duration” in itself would have no value: one would prefer a shorter but more valuable existence of the species.

It would remain to prove that even such a richer value yield is achieved than in the case of the shorter existence.

i.e., man as a summation of power gains a much higher quantum of dominion over things when it goes as it goes...

We face a problem of economy

14 [183]

I present my argumentation in all essential steps, point by point. With a bit of logic in the body and an energy akin to mine, with a courage for what one actually knows ... one could have already derived this argumentation from my earlier writings. The opposite has been done, and complaints have been made that they lack consistency: this ragtag rabble of today dares to utter the word consistency!

14 [184]

the “apparentness” = specific action-reaction-activity

the apparent world i.e. a world, viewed according to values, ordered, selected according to values i.e. in this case according to the utility perspective with regard to the preservation and power-increase of a certain species of animal.

the perspectival thus gives the character of “apparentness”!

As if a world would still remain, if one subtracted the perspectival! With that one would have subtracted the relativity, the —

every force-center has for the entire rest its perspective i.e. its quite specific valuation, its action-mode, its resistance-mode

The “apparent world” reduces itself to a specific kind of action upon the world, emanating from a center
Now there is no other kind of action: and the “world” is only a word for the total play of these actions

The reality consists exactly in this particular action and reaction of each individual against the whole ...

Not a shadow of right remains to speak here of appearance ...

The specific way of reacting is the only way of reacting: we do not know how many and what kinds there are in total.

But there is no “other,” no “true,” no essential being—this would express a world without action and reaction ...

The contrast between the apparent world and the true world reduces to the contrast “world” and “nothing” —

14 [185]

Morality

That the value of an action should depend on what preceded it in consciousness—how false that is!—And morality has been measured accordingly, even criminality...

It was thought that one must know its consequences: and the naive psychologists of old said

The value of an action must be measured by its consequences—say the Utilitarians:—to measure it by its origin implies an impossibility, namely to know it.

But do we know the consequences? Five steps ahead, perhaps. Who can say what an action stimulates, excites, or provokes against itself? As a stimulant? As a spark perhaps for an explosive? ... The Utilitarians are naive ... And finally, we would first have to know what is useful: here too, their gaze extends only five steps...You have no concept of the great economy that does not know how to rid itself of evil—.

One does not know the origin, and does not know the consequences:—does an action therefore have any value at all? ...

The action itself remains: its accompanying phenomena in consciousness, the yes and the no that follows its execution: does the value of an action lie in the subjective accompanying phenomena—? Certainly, they are accompanied by feelings of value, a feeling of power, compulsion, or powerlessness, for example, freedom, ease—put differently: could one reduce the value of an action to physiological values: whether it is an expression of complete or inhibited life? the biological value of an action?
is it permitted to measure their value by accompanying phenomena, by pleasure and displeasure, the play of affects, the feeling of discharge, explosion, freedom ...

it may be that their biological value is expressed therein ...

that would mean measuring the value of music by the pleasure or displeasure it gives us ... that it gives its composer ...

If, therefore, the action is neither devalued by its origin, nor by its consequences, nor by its accompanying phenomena, then its value is x, unknown ...

Therefore: an action has no value.

In summa, in the language of the hymn: “Kreuch fleug und schleich auf Gottes Wegen”

14 [186]

Philosophy

The physicists believe in a “true world” in their own way: a fixed, identical atomic systematization for all beings in necessary motions,—so that for them the “apparent world” reduces to the side of the general and universally necessary being accessible to each being according to its nature (accessible and also still adjusted—“subjectively” made). But with this they go astray: the atom they posit is inferred according to the logic of that consciousness-perspectivism,—is thus itself a subjective fiction. This worldview they design is by no means essentially different from the subjective worldview: it is only constructed with more far-reaching senses, but entirely with our senses...

And finally, they have omitted something in the Constellation without knowing it: namely, the necessary perspectivism, by virtue of which every center of force—and not only man—constructs the entire rest of the world from itself, i.e., measures it by its own strength, touches it, shapes it... They have forgotten to include this perspective-setting force in the "true being"... In school language: the subject-being. They think this is "developed," added—

But even the chemist needs it: it is, after all, the specific-being, which determines such-and-such acting and reacting, depending on
Perspectivism is merely a complex form of specificity

My idea is that every specific body strives to gain mastery over all space and to extend its power (—its will to power:) and to repel everything that resists its expansion. But it continually encounters similar efforts by other bodies and ends up arranging itself with those that are sufficiently related to it:—thus they then conspire together for power. And the process continues ...

14 [187]

Philosophy

There is nothing unchanging in chemistry, that is merely an illusion, a mere school prejudice. We have introduced the unchanging, still from metaphysics, my gentlemen physicists. It is quite naive to read from the surface, to claim that diamond, graphite, and coal are identical. Why? Merely because no loss of substance can be confirmed by the scale! Very well, they still have something in common, but the molecular work during the transformation, which we cannot see or weigh, makes one substance into something else—with specifically different properties.

14 [188]

The New World-Conception

1) The world exists; it is nothing that becomes, nothing that passes away. Or rather: it becomes, it passes away, but it has never begun to become and never ceased to pass away—it preserves itself in both... It lives from itself: its excrement is its nourishment...

2) The hypothesis of a created world should not concern us for a moment. The concept of "creation" is today completely undefinable, incomprehensible; merely a word, a rudiment from times of superstition; with a word, one explains nothing. The last attempt to conceive of a world that begins has recently been made multiple times with the help of a logical procedure—mostly, as one might guess, with a theological ulterior motive.

The Eternal Recurrence.

Philosophy

3 Recently, some have repeatedly sought to find a contradiction in the concept of the world's time-infinity backwards: they have indeed found it, though at the cost of confusing head with tail. Nothing prevents me from saying, counting backwards from this moment, "I will never reach an end": just as I can count forward from the same moment, into infinity.Only when I wanted to make the mistake—I will be careful not to do it—of equating this correct concept of a regressus in infinitum with a completely unfeasible concept of an infinite progressus up to now, if I were to treat the direction (forward or backward) as logically indifferent, would I grasp the head, this moment, as the tail: that is for you to decide, Mr. Dühring! ...

4) I have encountered this thought in earlier thinkers: each time it was determined by other ulterior motives (—mostly theological, in favor of the creator spiritus). If the world could at all become rigid, dry up, die, become Nothing, or if it could reach a state of equilibrium, or if it had any goal at all that would contain duration, unchangeability, the once-and-for-all (in short, metaphysically speaking: if becoming could culminate in being or in nothingness at all), then this state must have been reached. But it has not been reached: from which it follows... This is our only certainty that we hold in our hands to serve as a corrective against a great number of possible world-hypotheses in themselves. For example,the mechanism of the consequence of a final state cannot escape what Thompson has drawn for it, so the mechanism is thereby refuted.

Philosophy

5) If the world may be thought of as a definite quantity of force and as a definite number of force centers—and any other conception remains indeterminate and consequently useless—it follows that it must go through a calculable number of combinations in the great dice game of its existence. In an infinite time, every possible combination would be reached at some point; moreover, it would be reached infinitely many times.And since between every "combination" and its next "recurrence" all possible combinations must have already occurred, and each of these combinations conditions the entire sequence of combinations in the same series, this would prove a cycle of absolutely identical series: the world as a cycle that has already repeated itself infinitely and plays its game in infinitum.

This conception is not immediately mechanistic: for if it were, it would not condition an infinite recurrence of identical cases, but rather a final state. Because the world has not reached it, the mechanism must be regarded as an imperfect and merely provisional hypothesis.

14 [189]

The philosopher as further development of the priestly type

— has its inheritance in the body

— is, even as a rival, compelled to contend for the same with the same means as the priest of his time.

— he aspires to the highest authority

what gives authority, if one does not have physical power in one's hands (no armies, no weapons at all ...)?

how does one gain authority over those who possess physical force and authority?

they compete with the reverence for the prince, the victorious conqueror, the wise statesman.

* *

Only by awakening the belief that they hold a higher, stronger power in their hands,—God

Nothing is strong enough: one needs the mediation and services of the priest necessary.

They position themselves as indispensable in between:—they require as a condition of existence,

1) that belief is placed in the absolute superiority of their god, that in their god is believed

2) that there are no other direct paths to God

The second demand alone creates the concept of “heterodoxy”; the first that of the “unbeliever” (i.e., one who believes in another god — ).

* *

What is backward about the philosopher?

That he teaches his qualities as necessary and sole qualities to attain the “highest good” (e.g., dialectics, as Plato

That he lets all kinds of humans gradatim ascend to his type as the highest

That they despise what is otherwise esteemed,—that they tear open a chasm between the highest priestly values and the secular

that he knows what is true, what God is, what the goal is, what the path is ... the typical philosopher is here absolutely dogmatic;—if he needs skepticism, it is to speak dogmatically about his main concern

14 [190]

The Problem of the Oppressed

I do not see whether the Semites have not already been under the terrible bondage of the Hindus in very ancient times: as Tschandala’s, so that at that time some peculiarities were already firmly rooted which belong to the type of the Enslaved and Despised (—as later in Egypt).

Later they ennoble themselves, to the degree that they become warlike ... And conquer their own lands, their own gods. The Semitic formation of gods coincides historically with their entry into history ...

The “spirit,” the tenacious patience, the despised trades

The official concept of the Tschandala is precisely that of an outcast and excrement of the noble classes ...

14 [191]

Plato is entirely in the spirit of Manu: he was initiated in Egypt. The morality of castes, the god of the good, the “eternal single soul”

— Plato the Brahmanist

— Pyrrho the Buddhist

copied: the type of the philosopher.

the castes

the division of doctrine into Esoteric and Exoteric

the “great soul”

the transmigration of souls as reversed Darwinism (—is not Greek)

14 [192]

ConceptEgoism

It is part of the concept of the living that it must grow,—that it must expand its power and consequently absorb foreign forces. Under the fog of moral narcosis, one speaks of an individual's right to defend itself: in the same sense, one might also speak of its right to attack: for both—and the latter even more than the former—are necessities for every living thing—the aggressive and defensive egoism are not matters of choice or even of “free will,” but rather the fatality of life itself.

Here, it makes no difference whether one considers an individual or a living body, an upward-striving “society.”The right to punish (or societal self-defense) has essentially only come to be called a "right" through an abuse of the word: a right is acquired through contracts,—but defending and protecting oneself does not rest on the basis of a contract. At least a people might with just as much good sense call their need for conquest, their lust for power, whether by arms or through trade, commerce, and colonization, a right—perhaps a right of growth. A society that definitively and by its instinct rejects war and conquest is in decline: it is ripe for democracy and shopkeeper rule... In most cases, however, peace assurances are merely narcotics

14 [193]

In the old penal law, a religious concept was powerful: that of the expiatory power of punishment. Punishment purifies: in the modern world, it stains. Punishment is a repayment: one is truly rid of that for which one has suffered so much wanted to suffer. Assuming that this power of punishment is believed in, there is afterward a relief and a breathing again that truly comes close to a new health, a restoration. One has not only made peace again with society, one has also become respectable again in one's own eyes—“pure” ...Today, punishment isolates more than the offense; the fate behind an offense has grown to such an extent that it has become incurable. One emerges from punishment as an enemy of society ... From now on, there is one more enemy ...

The jus talionis can be dictated by the spirit of retribution (i.e., by a kind of moderation of the instinct for revenge); but in Manu, for example, it is the need to have an equivalent in order to atone, to be religiously "free" again

14 [194]

The philosopher against the rivals, e.g., against science

: here he becomes a skeptic

: here he reserves a form of knowledge for himself that he denies to the scientific person

: here he joins hands with the priest to arouse suspicion of atheism, materialism

: he regards an attack on himself as an attack on morality, virtue, religion, order—he knows how to discredit his opponents as “seducers” and “subversives”

— here he joins hands with power

The philosopher in struggle with other philosophers:

: he seeks to push them into appearing as anarchists, unbelievers, opponents of authority

In summa: insofar as he fights, he fights entirely like a priest, like a priesthood.

14 [195]

How a yes-saying Aryan religion, the product of the ruling classes, looks:

the Lawbook of Manu.

How a yes-saying Semitic religion, the product of the ruling classes, looks:

the Lawbook of Muhammad. The Old Testament, in its older parts

How a no-saying Semitic religion, as the product of the oppressed classes, looks:

by Indo-Aryan standards: the New Testament—a Chandala religion

How a no-saying Aryan religion looks, having grown among the ruling classes.

: Buddhism.

It is perfectly fine that we have no religion of oppressed Aryan races: for that is a contradiction: a master race is either on top or perishes.

14 [196]

Egoism

Principle: only individuals feel responsible. The multitudes are invented to do things for which the individual lacks the courage.

Precisely for this reason, all communities and societies are a hundred times more honest and instructive about the nature of man than the individual, who is too weak to have the courage for his desires...

All "altruism" proves to be private-man prudence: societies are not "altruistic" toward one another...


The commandment of love for one's neighbor has never been extended to a commandment of love for one's neighbor. Rather, what Manu says still applies...

"Tolerance"

The study of society is so invaluable because man as a society is much more naive than man as a "unit".

"Society" has never viewed virtue as anything other than a means of strength, power, order.

How simple and dignified Manu puts it:

14 [197]

“Reward and punishment” ... These live together, they decay together. Today one does not want to be rewarded, one does not want to acknowledge anyone who punishes ...

One has taken a hostile stance: one wants something, one has opponents in doing so, one might achieve it most reasonably by coming to an agreement—by making a contract

A modern society in which every individual has made their “contract”: the criminal is a contract-breaker ... That would be a clear concept. But then one could not tolerate anarchists and principled opponents of a social order within it ...

14 [198]

“With God nothing is impossible” thinks the Christian. But the Indian says: with piety and the science of the Veda nothing is impossible: the gods are subject to them and obedient. Where is the god who could resist the pious earnestness and prayer of a Yati withdrawn into the forest?

Like a stone thrown into the lake disappears in an instant, so sins sink and vanish in the science of the Veda.

14 [199]

Origin of Morality

The priest wants to enforce that he is considered the highest type of human

that he rules,—even over those who hold power in their hands

that he is inviolable, untouchable...

that he is the strongest power in the community, absolutely irreplaceable and not to be underestimated



Means.

He alone is the Knowing One.

He alone is the Virtuous One.

He alone has the highest mastery over himself

He alone is, in a certain sense, God and traces back to divinity

He alone is the intermediary between God and the Others

The divinity punishes every harm, every thought directed against a priest



Means

The Truth exists.

There is only one way to attain it: become a priest

Everything that is good, in order, in nature, in tradition, traces back to the wisdom of the priests.

The holy book is their work. All of nature is merely an execution of the statutes within it.

There is no other source of the Good than the priest.

Every other kind of excellence is of a different rank from that of the priest, e.g., that of the warrior



Consequence:

if the priest is to be the highest type: then the gradation toward his virtues must constitute the value gradation of humanity.

Study, desensualization, non-action, impassivity, affectlessness, solemnity.— Contrast (the deepest kind of human:



The inspiring of fear
the gestures, the hieratic manners
the excess of contempt for the body and the senses
— the unnaturalness as a sign of the supernatural



The priest has taught one kind of morality: to be felt as the highest type himself

He conceives an opposite type: the Chandala. To make this one contemptible by all means provides the foil for the caste order

his extreme fear of sensuality is at the same time conditioned by the insight that here the caste order (i.e., the order as such) is most severely threatened ... Every “freer tendency” in puncto puncti overturns the marriage legislation —

14 [200]

There is something admirable about this conception: for example, the absolute separation of society's waste products, with the tendency to destroy them. They understood what a living body needs—to cut off the sick limbs...



1) It is admirably far from the flaccid instinctual degeneration now called "humanity"...

Then the degradation from one caste to another ...



Then the formulation of marriage: the position of the “love marriage” (the kind of “heavenly musicians”:

2) the struggle against alcoholism ... p. 332.

3) their complete appreciation of old age, of women p 127

4) they proceed from making man venerable before himself: they need to transfigure even the most natural, by leading duty, as a sacred observance, to meet feeling

14 [200]

There is something admirable about this conception: for example, the absolute separation of society's waste products, with the tendency to destroy them. They understood what a living body needs—to cut out the diseased limbs...



1) It is admirably far from the flaccid instinctual degeneration now called “humanity”...

Then the degradation from one caste to another...



Then the formulation of marriage: the position of the “love marriage” (the kind of “heavenly musicians”:

2) the struggle against alcoholism ... p. 332.

3) their complete appreciation of old age, of women p. 127

4) they proceed from making people venerable before themselves: they need to transfigure even the most natural by leading duty, as a sacred observance, toward feeling

14 [201]

The boxes understood as a division of labor, on the other hand as the only form to make perfect performance instinctively ...

the essential is the tradition of work, the mechanics, which thereby, through generations, becomes perfect ...

14 [202]

If the union of a young man and a young woman is the fruit of mutual choice, then this union, born as it is from love and having love as its purpose, is called:

the kind of “heavenly musicians”

The last 4 types of marriage produce only prodigals, troublemakers, liars as children, who do not know the holy scripture and the duties it prescribes.

From honest and praiseworthy marriages come honest and praiseworthy children; but bad marriages see only a contemptible offspring.

The praise of the virgin: p. 225

14 [202]

If the union of a young man and a young woman is the fruit of mutual choice, then this union, born as it is from love and having love as its purpose, is called:

the kind of “heavenly musicians”

The last 4 types of marriage produce only prodigals, troublemakers, liars as children, who do not know the holy scripture and the duties it prescribes.

From honest and praiseworthy marriages come honest and praiseworthy children; but bad marriages see only a contemptible offspring.

The praise of the virgin: p. 225

14 [203]

Critique of Manus:

Reduction of nature to morality: a state of punishment for man: there are no natural effects—the cause is Brahman.

Reduction of human motives to the fear of punishment and the hope of reward: i.e., before the law, which holds both in its hand ...

One must live absolutely in conformity with the law: the reasonable is done, because it is commanded; the most natural instinct is satisfied, because the law has prescribed it.

This is a school of stupidity: in such a theologian breeding ground (where even the young military man and farmer must go through a nine-year course in theology to become "constant"—the nine-year "military service" of the three highest castes), the Tschandala’s must have had intelligence and even the interesting for themselves. They were the only ones who had access to the true source of knowledge, empiricism ... Added to that the inbreeding of the castes ...

Nature, technology, history, art, science are missing,

14 [204]

Today, much is said about the Semitic spirit of the New Testament: but what is called that is merely priestly,—and in the Aryan lawbook of the purest race, in Manu, this kind of “Semitism,” i.e., priestly spirit, is worse than anywhere else.

* * *

The development of the Jewish priestly state is not original: they learned the schema in Babylon: the schema is Aryan. If the same later again, under the preponderance of Germanic blood, dominated Europe, this was in accordance with the spirit of the ruling race: a great atavism.

The Germanic Middle Ages aimed at the restoration of the Aryan caste order.

* * *

Muhammadanism, in turn, learned from the Christians: the use of the “hereafter” as a punitive organ.

* *

The schema of an unchangeable commonwealth, with priests at the head: the oldest great cultural product of Asia in the realm of organization—must naturally have invited reflection and imitation in every respect.

Even Plato: but above all the Egyptians.

14 [205]

One thing is forgiven the least: that one respects oneself. Such a being is simply abominable: he brings to light what tolerance, the only virtue of the others and of all, is really about ...



I wish one would start by respecting oneself: everything else follows from that. Of course, one thereby ceases to exist for others: for that is precisely what they forgive least. What? A person who respects himself?

That is something different from the blind drive to love oneself: nothing is more common, in the love between the sexes, as in the duality called “I,” than contempt for what one loves, the fatalism in love —

14 [206]

Against the Contagion of Neurosis
Choice of places, things, books,
Alcoholism
and the music ...
choose the climatic and meteorological optimum; likewise the culinary
reduction of the number of impressions:
reserve times when no book and no thing speaks to us, — let alone a person ...
recovery times, régime Genua; even the healthiest person needs such times today:—fasting times —
Against vegetarianism:

14 [207]

We are Tschandala: and our artists and artisans ahead ...

14 [208]

why everything becomes acting?

the modern human lacks:

the secure instinct (result of a long uniform activity form of a type of human)

the inability to achieve something perfect is merely the consequence of this:—one can never catch up as an individual

14 [209]

The times when one steers people with reward and punishment have in mind a lower or primitive kind of human: it is as with children ...

Amidst our late culture, fatality and degeneracy are something that completely abolishes the sense of reward and punishment ...

— it presupposes young, strong, vigorous races, this real determination of action by the prospect of reward and punishment ...

in old races, the impulses are so irresistible that a mere idea is entirely powerless ...
not being able to resist where a stimulus is given, but must follow it: this extreme irritability of the décadents makes such systems of punishment and improvement completely meaningless ...

* *

The concept of "improvement" based on the assumption of a normal and strong person whose individual action should somehow be balanced in order not to lose them, not to have them as an enemy ...

14 [210]

The decadence moralities have the peculiarity that they recommend a practice, a regime, which accelerates decadence ...

— both physiologically and psychologically: the instinct of reparation and plasticity no longer functions ...

— they believe in healing, redemption, even that to which nothingness, the deepest exhaustion, leads

— they seek the like-minded from all things, states, and times: example the Goncourt brothers ...

14 [211]

The energy of health reveals itself in the sick through abrupt resistance to the disease-causing elements ...

a reaction of instinct, e.g., against music in my case —

14 [212]

The purpose of woman is to continue the family through children, that of man is to beget them: this dual duty, for which man and woman work together, has its sanctification through Scripture.



Who are to be considered the most guilty? The murderer of a Brahmin, the drinker of spirits, the one who seduces the wife of his spiritual advisor



After the prescribed atonement, he shall sentence them to death or other bodily punishments. He shall stigmatize the forehead of the one who seduced the wife of his advisor with the image of the female genitalia, the drinker of spirits with the mark of the distillation instrument, the murderer of a Brahmin with the image of a headless body.

14 [212]

The purpose of the woman is to continue the family through children, that of the man is to beget them: this double duty, for which man and woman are active together, has its sanctification through Scripture.



Who are to be considered the most guilty? The murderer of a Brahmin, the drinker of spirits, the one who seduces the wife of his spiritual advisor.



After the prescribed atonement, he shall sentence them to death or other bodily punishments. He shall stigmatize the forehead of the one who seduced the wife of his advisor with the image of the female genitalia, the drinker of spirits with the sign of the distillation instrument, the murderer of a Brahmin with the image of a body without a head.

14 [213]

Such a code of laws summarizes the experience, wisdom, and experimental morality of long centuries: it concludes, it ends an era, it creates nothing more—

The means of giving authority to a truth acquired with difficulty and at great cost are fundamentally different from the means by which one would prove it. A code of laws never proves the benefit and harm of a regulation: it only shows the dire consequences for the individual if they do not uphold a law as law—if they are disobedient.

All natural dire consequences of violating a law are never considered in terms of their naturalness: rather, the dire consequence is a supernatural punishment for not following a regulation.

The problem is this: at a certain moment in the history of a people, the most intelligent stratum of that people declares the experience by which one may or may not live to be complete. Their aim is to bring home the harvest as richly and completely as possible from the long periods of experimentation and terrible experience...

What must above all be prevented now is the re-experimenting, the desire to continue in testing and selection: a double wall is erected against this 1) revelation 2) tradition. Both are holy lies: the intelligent class that invents them understands them as well as Plato understood them.
The revelation: that is the claim that reason is not of human origin, not slowly and with errors sought and found, but that it was communicated all at once by the divinity...

The tradition: that is the claim that it has been so since ancient times. Enough, a fundamental falsification of the entire history of a people. (Example: the Jewish reinterpretation after the exile—the willing misunderstanding of their past)

1) it is godless to criticize the law

2) it is impious—it is a crime against the ancestors—one provokes them against oneself—

14 [214]

The woman who rejects her husband because he has the passion for gambling or for spirituous drinks, instead of nursing him like a sick man, shall be locked up in the inner chambers for three months, without any adornment or ornament (avis to George Eliot!)

14 [215]

Transfiguration of the natural consequences of an action

there are no natural consequences anymore: rather, disobedience is punished, and virtue is rewarded.

happiness, long life, descendants—everything is a consequence of virtue, mediated through the eternal order of things—

uncleanliness, for example, is forbidden, not because its consequences harm health: rather, because it is forbidden, it harms health ...

* *

Thus, in principle: the natural consequence of an action is presented as a reward or punishment, depending on whether something is commanded or forbidden ...

for this, it is necessary that the greatest number of punishments are not natural, but supernatural, otherworldly, merely future ...

* *

Also, in principle: every disadvantage, every misfortune is proof of guilt: even every low form of existence (animals, for example)

The world is perfect: provided that the law is satisfied. All imperfection comes from disobedience to the law.

* * *

The highest caste, being the perfect one, must also represent happiness: therefore nothing is more inappropriate than pessimism and indignation ...

no anger, no retort in the worst —

asceticism only as a means to higher happiness, to liberation from much

the highest class has a happiness to uphold, at the price of unconditional obedience, every kind of hardness, self-conquest, and severity against itself—it wants to be perceived as the most venerable kind of human,—also as the most admirable: consequently, it cannot use every kind of happiness

14 [216]

Critique of the Law.

The higher reason of such a procedure is to push back consciousness step by step from the life recognized as correct: so that a perfect automatism of instinct is achieved

— i.e., the prerequisite of every kind of mastery

It is pious, it is customary, it is the mark of decent and high-minded people to act thus and so:—this remains:

the origin, the utility, the reason of the prescription is suppressed from consciousness.

The most essential means for this suppression is that two other concepts come to the fore with enormous force: both excluding actual reflection on the origin and the critique of the law ...

1) the reward

2) the punishment

“Every person who has received punishment for an offense by order of the king goes to heaven free from every blemish, just as pure as the one who has always only practiced the good.”

It becomes a matter of utmost self-preservation, of “One is Necessity,” to obey absolutely here... It is transformed into the highest folly not to obey here—

Selfishness is drawn into the game in such a way that obeying and disobeying confront each other like fortune and deepest self-disadvantage

For this purpose, the entire life is placed in an afterlife perspective, so that it is understood as consequential in the most terrifying sense ...

— relative immortality is the great magnifying glass to increase the concept of punishment ... reward immeasurably.

These sages do not believe in it:—otherwise they would not invent it ...

14 [217]

A caste that has rejected all defensive and offensive work, even in disposition,—and takes the concept of “good” strictly ...

14 [218]

The “good person”, as a product of décadence, who “surrenders”, who understands the disadvantage of all hostility, all anger and desire for revenge,—who is too weak, too nerve-weak for it ...

The “good person”, from strength, from abundance of power, as a ruling type, who has chosen an existence that relieves him of the necessity of having aggressive and defensive affects ...; who has entrusted a separate caste with these affects ... Such a person now also creates a “God” in his own image —

— for him, the world is also justified: evil has a pedagogical purpose, i.e., a punitive purpose ...

14 [219]

Weakness of the will: this is a metaphor that can mislead. For there is no will, and consequently neither a strong nor a weak will. The multiplicity and disintegration of the drives, the lack of system among them results as “weak will”; the coordination of the same under the dominance of a single one results as “strong will”;—in the former case, it is the oscillation and the lack of gravity; in the latter, the precision and clarity of direction

14 [220]

The Yes-saying Religion.

The highest reverence for the act of procreation and the family:
One has debts to pay to ancestors ...
the instinct of tradition, the deepest contempt for everything that interrupted tradition ...
The instinct against degeneration ...
This is to be studied: what all was counted as degenerate.
The depraved
The mentally ill.
The severely leprous
The whores.
The artists.

14 [221]

The order of castes is based on the observation that there are three or four types of human beings, destined for different activities and best developed as this activity is assigned to them all through division of labor ...

one type of being as a privilege, one type of activity likewise

the order of castes is merely the sanctioning of a natural distance between several physiological types (characters, temperaments, etc.)

— it is merely the sanction of experience, it does not precede it, nor does it abolish it ...

a)the more spiritual people, (—the scholars, the advisors, the judges, the philosophers—)—teaching class
b)the muscular people, the warrior class—defense class
c)trade, agriculture, and livestock farming—nourishment class
d)finally a low (subjugated type) of natives, recognized as a servant race.

Here, the prerequisite everywhere is a real natural separation: the concept of caste merely sanctions the natural separation.

The sanctity of the family, the solidarity of generation with generation is the prerequisite of the entire structure:—consequently, it must be translated entirely into the beyond.

One needs a son because only a son redeems ... one marries “to pay the debt of the ancestors”

14 [222]

The modern pessimists as décadents:
Schopenhauer
Leopardi Baudelaire
Mainländer Goncourt
Dostoevsky
the tasteless attempt was made to subsume Wagner and Schopenhauer under the mentally ill: what corresponded entirely to the truth was the sharp emphasis on the physiological décadence in their type to highlight ...

14 [223]

The Jews make the attempt to assert themselves after two castes, those of the warriors and the farmers, have been lost to them

they are in this sense the “castrated”

— they have the priest—and then immediately the Chandala...

How cheaply, it comes among them to a rupture, to an uprising of the Chandala: the origin of Christianity.

By knowing the warrior only as their master, they brought into their religion the hostility against the noble, against the noble, proud, against power, against the ruling classes—: they are indignation-pessimists...

Thus they created an important new position: the priest at the head of the Chandala—

against the noble classes ...

Christianity drew the final consequence of this movement: even in the Jewish priesthood it still sensed the caste, the privileged, the noble —

it struck out the priest

A Christian is the Chandala who rejects the priest ... The Chandala who redeems himself ...

That is why the French Revolution is the daughter and continuator of Christianity ... it has the instinct against the Church, against the nobles, against the last privileges — —

14 [224]

One must not confuse this: the Sudras, a servant race: probably a lower kind of people, which was found on the soil where these Aryans took root ...

But the concept of Chandala expresses the degenerates of all castes: the outcasts in permanence, who in turn reproduce among themselves

against them speaks the deepest instinct of a race's health. To be hard here is synonymous with being "healthy": it is the disgust of degeneration, which here finds a multitude of moral and religious formulas ...

Nothing is more instructive than the components of this discharge:—the old fine and profound sages have known what one has not known—until today!!)

: that Vice
Illness
Mental disorder
Hyper-nervousness of certain
are symptoms of physiological decadence.
 

mental faculties

  

They count the artists among the decadents...

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Suppose the reasons fall away for having to make those metaphysical hypotheses, suppose one no longer wants to govern, educate, uphold one’s type as the highest and first:

suppose one thinks about things as a Chandala, then one may perhaps find the entire chain of experiences and conclusions that served those ancients as a presupposition for making their hypotheses: I mean, one finds the “truth”—but precisely in the dissolution of all authority, all respect for all traditions, all moral prejudices—we consume our remaining inherited morality in this work ...

what is now science is a precise measure of the decline of moral and religious faith:—we are undone when we reach the end of our “wisdom,”—we have consumed all positive forces, for knowledge ... Knowledge in itself is powerless: and as for “egoism,” in a time of decadence we are by no means certain of wanting our advantage: the impulses are far too powerful for utility to remain the guiding perspective—“Altruism,” the co-experiencing and sharing of all kinds of feelings and states, is in this case yet another great sickness: it is the Tschandala conscience, a weakness linked with pleasure ...

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that which creates a morality, a code of laws, the deep instinct that only automatism makes perfection possible in life and creation ...

But now we have reached the opposite point, yes, we have wanted to reach it—the most extreme consciousness, the self-examination of man and history ...

— with this, we are practically farthest from perfection in being, doing, and willing: our desire, our very will to knowledge is a symptom of an enormous décadence ...We strive for the opposite of what strong races, strong natures—want

— comprehension is an end ...

That science is possible in this sense, as it is practiced today, is proof that all elementary instincts, self-defense and protection instincts of life no longer function —

we no longer gather, we squander the capital of our ancestors, even in the way we know

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One has driven an abuse with an arbitrary and in every respect accidental word, the word "Pessimism," which spreads like a contagion: one has overlooked the problem in which we live, which we are

it is not about who is right,—the question is, where we belong, whether to the condemned, the decline-formations... In this case, we judge nihilistically.

One has set two ways of thinking against each other, as if they had to dispute the truth with each other: while both are only symptoms of conditions, while their struggle proves the existence of a cardinal life-problem—and not a philosopher's problem. Where do we belong?—are we

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