12, 5[1-110] Sommer 1886 - Herbst 1887
5 [1]
Bücher Ziegler
Geschichte der Ethik
5 [2]
Morgenröthe
und
fröhliche Wissenschaft
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Wir stellen ein Wort hin, wo unsere Unwissenheit anhebt,—wo wir nicht mehr weiter sehn können z.B. das Wort “ich” das Wort “thun,” das Wort “leiden”: das sind vielleicht Horizontlinien unsrer Erkenntniß, aber keine “Wahrheiten.”
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Der faule Fleck des Kantischen Kriticismus ist allmählich auch den gröberen Augen sichtbar geworden: Kant hatte kein Recht mehr zu seiner Unterscheidung “Erscheinung” und “Ding an sich”—er hatte sich selbst das Recht abgeschnitten, noch fernerhin in dieser alten üblichen Weise zu unterscheiden, insofern er den Schluß von der Erscheinung auf eine Ursache der Erscheinung als unerlaubt ablehnte—gemäß seiner Fassung des Causalitätsbegriffs und dessen rein-intraphänomenaler Gültigkeit: welche Fassung anderseits jene Unterscheidung schon vorwegnimmt, wie als ob “das Ding an sich” nicht nur erschlossen sondern gegeben sei.
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Der Ursprung der moralischen Empfindungen von Dr. Paul Rée: ein kluges langsames Büchlein ohne Schwärmerei und tugendhafte Attitüden, dem überhaupt auf eine angenehme Weise der Charakter der Jugend abgeht. Die Worte, mit welchen ich an dieser Stelle seinen jungen und abseits gestellten Verfasser in den Bereich der Wissenschaft. zu treiben suchte—starke Worte, die man mir sogar zum Vorwurf gemacht hat—gehören vielleicht wirklich unter meine Dummheiten; mindestens waren sie bisher umsonst gesprochen ... (Ich gedenke mit Verdruß, wie man merkt, einer getäuschten Hoffnung, von jener Art Hoffnungen, wie sie mir mehrfach gerade die Begabung von Juden erregt hat,—als die Art Mensch, die im jetzigen Europa bei weitem am ersten Geistigkeit angeerbt bekommen, zugleich aber auch ein tempo der Entwicklung, das verhängnißvoll rasch zur Reife (und leider auch noch über sie hinaus ...) treibt)
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Und wollt ihr ernstlich “das Jenseits” loswerden: ich fürchte, es giebt kein anderes Mittel, ihr müßt euch erst zu meinem “Jenseits” entschließen.
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Das Glück, von dem die Bescheidenen glauben, sein rechter Name sei auf Erden “So! So!”
Wer etwas ist, das leicht zerbricht, fürchtet sich vor Kinderhänden und Allem, was nicht lieben kann, ohne zu zerstören.
Wer in Dornen greift, schont seine Finger weniger als wer einen Dolch führt.
gehörnte Wagnerianer
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Das psychologische Kunststück dieser Jahre war, über einen furchtbaren Abgrund zu gehen und nicht hinunter zu blicken; sondern heiter Schritt für Schritt thun, als ob es sich darum handle, eine bunte Wiese zu überschreiten, an deren Ende vielleicht eine große Gefahr auf uns wartet: kurz, muthig über eine Gefahr weggehn, mit dem Glauben, einer Gefahr entgegenzugehen.
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| Exoterisch — esoterisch |
| 1. | — alles ist Wille gegen Willen |
| 2 | Es giebt gar keinen Willen |
| 1 | Causalismus |
| 2 | Es giebt nichts wie Ursache-Wirkung. |
| 1. | |
| Alle Causalität geht psychologisch auf den Glauben an Absichten zurück: Gerade die Wirkung einer Absicht ist unbeweisbar. (Causa efficiens ist eine Tautologie mit finalis) psychologisch angesehn — |
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Was ist “erkennen”? Zurückführen von etwas Fremdem auf etwas Bekanntes, Vertrautes. Erster Grundsatz: das, woran wir uns gewöhnt haben, gilt uns nicht mehr als Räthsel, als Problem. Abstumpfung des Gefühls des Neuen, Befremdenden: alles, was regelmäßig geschieht, scheint uns nicht mehr fragwürdig. Deshalb ist die Regel suchen der erste Instinkt des Erkennenden: während natürlich mit der Feststellung der Regel noch gar nichts “erkannt” ist!— Daher der Aberglaube der Physiker: wo sie verharren können d.h. wo die Regelmäßigkeit der Erscheinungen die Anwendung von abkürzenden Formeln erlaubt, meinen sie, sei erkannt worden. Sie fühlen “Sicherheit”: aber hinter dieser intellektuellen Sicherheit steht die Beruhigung der Furchtsamkeit: sie wollen die Regel, weil sie die Welt der Furchtbarkeit entkleidet. Die Furcht vor dem Unberechenbaren als Hinter-Instinkt der Wissenschaft.
Die Regelmäßigkeit schläfert den fragenden (d.h. fürchtenden) Instinkt ein: “erklären” d.h. eine Regel des Geschehens aufzeigen. Der Glaube an das “Gesetz” ist der Glaube an die Gefährlichkeit des Willkürlichen. Der gute Wille, an Gesetze zu glauben, hat der Wissenschaft zum Siege verholfen (namentlich in demokratischen Zeitaltern)
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Der Intellekt kann sich nicht selbst kritisiren, eben weil er nicht zu vergleichen ist mit andersgearteten Intellekten und weil sein Vermögen zu erkennen erst Angesichts der “wahren Wirklichkeit” zu Tage treten würde d.h. weil, um den Intellekt zu kritisiren, wir ein höheres Wesen mit “absoluter Erkenntniß” sein müßten. Dies setzte schon voraus, daß es, abseits von allen perspektivischen Arten der Betrachtung und sinnlich-geistiger Aneignung, etwas gäbe, ein “An-sich” — Aber die psychologische Ableitung des Glaubens an Dinge verbietet uns von “Dingen an sich” zu reden.
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Grundfrage: ob das Perspektivische zum Wesen gehört? Und nicht nur eine Betrachtungs-form, eine Relation zwischen verschiedenen Wesen ist? Stehen die verschiedenen Kräfte in Relation, so daß diese Relation gebunden ist an Wahrnehmungs-Optik? Diese wäre möglich, wenn alles Sein essentiell etwas Wahrnehmendes wäre.
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Daß Ähnlichkeit der Form auf Verwandtschaft hinweist, Herkunft aus gemeinsamer Form,—daß Ähnlichkeit des Lautens bei Worten auf Verwandtschaft der Worte hinweist, ist eine Art zu folgern, bei der die inertia soufflirt: als ob es wahrscheinlicher wäre, daß eine Form Ein Mal als daß sie mehreremal entstanden sei ...
Die Succession von Erscheinungen, noch so genau beschrieben, kann nicht das Wesen des Vorgangs geben—aber die Constanz des fälschenden Mediums (unser “ich”—) ist mindestens da. Es ist als ob Reime aus einer Sprache bei einer Übersetzung in eine andre verloren gehen: aber der Glaube hervorgerufen wird, daß in jener Ursprache es ein Gedicht in Reimen war. So erweckt die Folge die Succession den Glauben an eine Art “Zusammenhang” jenseits des von uns gesehenen Wechsels.
5 [14]
Die Entwicklung der Wissenschaft löst das “Bekannte” immer mehr in ein Unbekanntes auf: sie will aber gerade das Umgekehrte und geht von dem Instinkt aus, das Unbekannte auf das Bekannte zurückzuführen.
In summa bereitet die Wissenschaft eine souveräne Unwissenheit vor, ein Gefühl, daß “Erkennen” gar nicht vorkommt, daß es eine Art Hochmuth war, davon zu träumen, mehr noch, daß wir nicht den geringsten Begriff übrig behalten, um auch nur “Erkennen” als eine Möglichkeit gelten zu lassen—daß “Erkennen” selbst eine widerspruchsvolle Vorstellung ist. Wir übersetzen eine uralte Mythologie und Eitelkeit des Menschen in die harte Thatsache: so wenig Ding an sich, so wenig ist “Erkenntniß an sich” noch erlaubt als Begriff. Die Verführung durch “Zahl und Logik”
— — durch die “Gesetze”
“Weisheit” als Versuch über die perspektivischen Schätzungen (d.h. über den “Willen zur Macht”) hinweg zu kommen ein lebensfeindliches und auflösendes Princip, Symptom wie bei den Indern usw. Schwächung der Aneignungskraft.
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So gut der Versuch gemacht wird, Alles ins Todte Unlebendige in unseren Sinnen zu übersetzen (also z.B. in Bewegungen usw. aufzulösen), so erlaubt ist, alles Gesehene, Gehörte, was unsere Sinne bieten, in unsre vitalen Funktionen aufzulösen, also als Begehren, Wahrnehmen, Fühlen usw.
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Die wissenschaftliche Genauigkeit ist bei den oberflächlichsten Erscheinungen am ersten zu erreichen also wo gezählt, gerechnet, getastet, gesehn werden kann, wo Quantitäten constatirt werden können. Also die armseligsten Bereiche des Daseins sind zuerst fruchtbar angebaut worden. Die Forderung, Alles müsse mechanistisch erklärt werden, ist der Instinkt, als ob die werthvollsten und fundamentalsten Erkenntnisse gerade da am ersten gelungen wären: was eine Naivetät ist. Thatsächlich ist uns Alles, was gezählt und gegriffen werden kann, wenig werth: wo man nicht hinkommt mit dem “Begreifen,” das gilt uns als “höher.” Logik und Mechanik sind nur auf das Oberflächlichste anwendbar: eigentlich nur eine Schematisir- und Abkürzungskunst, eine Bewältigung der Vielheit durch eine Kunst des Ausdrucks,—kein “Verstehen,” sondern ein Bezeichnen zum Zweck der Verständigung. Die Welt auf die Oberfläche reduziert denken heißt sie zunächst “begreiflich” machen.
Logik und Mechanik berühren nie die Ursächlichkeit — —
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Wie die skeptischen, an der Unsicherheit leidenden Zeitalter zu einem starren Glauben übergehn: andrerseits, Menschen, mit einem Widerwillen gegen vorzeitige Dogmen und Einengungen, nur langsam und spät sich einen Gesammt-Glauben abzwingen lassen (weil sie an der Unsicherheit nicht leiden, sondern Lust haben) Diese letztere Art von abgezwungenem Gesammt-Glauben und Generalisation haben entscheidenden Werth: sie sind trotz des Gegenhangs gewachsen. Über den Ursprung der systematischen Conceptionen: a) aus den schematischen Köpfen b) aus dem Leiden an der Ungewißheit c) seltnerer Fall, bei solchen, die ungern schematisiren und incerti amici
5 [18]
“Was sich beweisen läßt, ist wahr” Das ist eine willkürliche Festsetzung des Begriffs “wahr,” die sich nicht beweisen läßt! Es ist ein einfaches “das soll als wahr gelten, soll ‘wahr’ heißen!” Im Hintergrunde steht der Nutzen einer solchen Geltung des Begriffs “wahr”: denn das Beweisbare appellirt an das Gemeinsamste in den Köpfen (an die Logik): weshalb es natürlich nicht mehr ist als ein Nützlichkeits-Maaßstab im Interesse der Meisten. “Wahr” “bewiesen” d.h. aus Schlüssen abgeleitet, vorausgesetzt, daß die Urtheile, welche zum Schlusse gebracht werden, schon “wahr” sind (d.h. allgemein zugestanden) Somit ist “wahr,” etwas, das nach einer allgemein zugestandenen Art des Schließens auf allgemein zugestandene Wahrheiten zurückgeführt wird. Das bedeutet also: “was sich beweisen läßt, ist wahr” setzt bereits Wahrheiten als gegeben voraus
5 [19]
Die Welt, die uns etwas angeht, ist nur scheinbar, ist unwirklich.— Aber den Begriff “wirklich, wahrhaft vorhanden” haben wir erst gezogen aus dem “uns-angehn”; je mehr wir in unserem Interesse berührt werden, um so mehr glauben wir an die “Realität” eines Dinges oder Wesens. “Es existirt” heißt: ich fühle mich an ihm als existent.— Antinomie.
So viel Leben aus jenem Gefühl kommt, so viel Sinn setzen wir in das, was wir als Ursache dieser Erregung glauben. Das “Seiende” wird also von uns gefaßt als das auf uns Wirkende, das durch sein Wirken Sich-Beweisende.— “Unwirklich” “scheinbar” wäre das, was nicht Wirkungen hervorzubringen vermag, aber sie hervorzubringen scheint. —
Gesetzt aber, wir legen in die Dinge gewisse Werthe hinein, so wirken diese Werthe dann auf uns zurück, nachdem wir vergessen haben, daß wir die Geber waren.
Gesetzt, ich halte Jemanden für meinen Vater, so folgt daraus vielerlei für jede seiner Äußerungen gegen mich: sie werden anders interpretirt.— Also unsere Auffassungen und Ausdeutungen der Dinge, unsere Interpretation der Dinge gegeben, so folgt, daß alle “wirklichen” Einwirkungen dieser Dinge auf uns daraufhin anders erscheinen, neu interpretirt, kurz anders wirken.
Wenn nun alle Auffassungen der Dinge falsch waren, so folgt, daß alle Einwirkungen der Dinge auf uns auf eine falsche Causalität hin empfunden und ausgelegt werden: kurz, daß wir Werth und Unwerth, Nutzen und Schaden abmessen auf Irrthum hin, daß die Welt, die uns etwas angeht, falsch ist.
5 [20]
Die Luft geht kühl und rein
— ich möchte gern
der Tag blickt gram
Am Abend, wenn auch das tapferste Herz zweifelt und müde blickt.
die Flamme mit weißgrauem Bauche, deren Hals begehrlich sich nach reinen Höhen biegt und dreht
5 [21]
Die Probleme, vor welche ich gestellt bin, scheinen mir von so radikaler Wichtigkeit, daß ich beinahe jedes Jahr ein Paar Mal mich zu der Einbildung verstieg, daß die geistigen Menschen, denen ich diese Probleme sichtbar machte, darüber ihre eigene Arbeit bei Seite legen müßten, um sich einstweilen ganz meinen Angelegenheiten zu widmen. Das, was dann jedes Mal statt dessen geschah, war in so komischer und unheimlicher Weise das Gegentheil davon, was ich erwartet hatte, daß ich alter Menschenkenner mich meiner selbst schämen lernte immer von Neuem wieder aus der Anfänger-Lehre umzulehrnen hatte—daß die Menschen ihre Gewohnheiten hunderttausend Mal wichtiger nehmen als selbst—ihren Vortheil ...
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Grundlösung:
wir glauben an die Vernunft: diese aber ist die Philosophie der grauen Begriffe, die Sprache ist nach den aller naivsten Vorurtheilen hin gebaut
nun lesen wir Disharmonien und Probleme in die Dinge hinein, weil wir nur in der sprachlichen Form denken—somit der “ewigen Wahrheit” der “Vernunft” glauben (z.B. Subjekt Prädikat usw.
wir hören auf zu denken, wenn wir es nicht in dem sprachlichen Zwange thun wollen, wir langen gerade noch bei dem Zweifel an, hier eine Grenze als Grenze zu sehn.
Das vernünftige Denken ist ein Interpretiren nach einem Schema, welches wir nicht abwerfen können.
5 [23]
freiwillig abseits, gelassen, gegen Ding und Zufall leutselig, den kleinsten Sonnenblicken der Gesundheit dankbar, den Schmerz wie eine Regel, wie eine Bedingung, wie etwas Selbstgewolltes annehmend, und mit listigem Zwang zu unseren Zwecken ausnutzend, ausfragend —
5 [24]
Menschen, in deren Leibe beständig das innere Vieh grunzt und rumort
5 [25]
nicht nur die Moral als Vorurtheil, sondern über den höchstgeehrten Typus der bisherigen Moralität hindurchlebend
mit einer ironischen Allwissenheit über die ganze bisherige vita contemplativa stehen bleiben
Mit einem sehr schlechten Willen, in einem der bisherigen Weltbetrachtungs-Winkel sitzen zu bleiben, so tief auch die Neugierde mich in jeden von ihnen einmal hineingetrieben hat: mit einem um so strengeren Willen, den Zustand, aus dem jede einzelne dieser Weltwinkel-Perspektiven, die man eine Philosophie oder eine “Religion” nennt, einmal selbst zu erleben
5 [26]
die erlebte Andeutung von etwas Unendlichem, das zu erobern uns freisteht
5 [27]
Um dies Buch zu verstehen, muß man mir einige Voraufsetzungen zugeben
5 [28]
Daß Jemand selbst die Moral als Vorurtheil nehmen kann, und hinterdrein gar noch in diesem Sieg der Skepsis ein morgenröthliches Glück genießen kann —
5 [29]
Man muß die großen Probleme mit Leib und Seele erleben wollen
5 [30]
Das Volk hat billigerweise den falschesten Begriff von dem Zustand, von dem es am entferntesten ist, von der Weisheit
5 [31]
Jedes große Problem ist ein Symptom: ein Mensch mit einem gewissen Quantum von Kraft, Feinheit, Umfänglichkeit, mit dieser Gefahr, mit dieser Verwegenheit hat es aus sich hervorgetrieben
5 [32]
Das Volk hat Menschen nöthig, die ihm mit gutem Beispiel vorangehn: und indem es sich aus alledem, was es an sich zu überwinden hat, das Ideal eines siegreichen Überwinders ausgearbeitet hat, hat es eine Art Kriterium gewonnen für seine Art höchster Menschen. Darin steckt eine große Gefahr. Man sei doch aufrichtig und gestehe sich zu, weshalb Christus z.B. nur ein Ideal des “gemeinen Mannes” ist.
5 [33]
Das Volk pflegt sich bei einem Philosophen mit biederem Ernste zu fragen, ob er wirklich so gelebt hat, wie er gelehrt hat: es urtheilt bei sich, daß Moral-Predigen leicht sei und wenig zu bedeuten habe, daß es aber etwas damit auf sich habe, Moral, irgend eine Art Moral zu leben. Dies ist eine Naivetät: denn wie sollte Einer anders zum Wissen kommen, wenn er nicht in dem Lande gelebt hat, von dem er redet!
Gesetzt, daß eine Philosophie
Das Volk verlangt von einem Philosophen, daß er nicht lüge: denn es glaubt, daß nur die Wahrhaftigen die Wahrheit erkennen. Insgleichen daß er ohne Sinnenlust lebe, entsagend
5 [34]
Die geistigsten Menschen empfinden den Reiz und Zauber der sinnlichen Dinge wie es sich die anderen Menschen, solche mit den “fleischernen Herzen” gar nicht vorstellen können—auch nicht vorstellen dürften:—sie sind Sensualisten im besten Glauben, weil sie den Sinnen einen grundsätzlicheren Werth zugestehen als jenen feinen Sieben, jenen Verdünnungs-, Verkleinerungsapparaten, oder wie das heißen mag, was man, in der Sprache des Volkes, “Geist” nennt. Die Kraft und Macht der Sinne—dies ist das Wesentlichste an einem wohlgerathenen und ganzen Menschen: das prachtvolle “Thier” muß zuerst gegeben sein—was liegt sonst an aller “Vermenschlichung”!
5 [35]
Die ganze Moral Es hat den Nutzen der Heerde auf dem Grunde: die Trübsal aller höheren seltenen Menschen liegt darin, daß alles, was sie auszeichnet, ihnen mit dem Gefühl der Verkleinerung und Verunglimpfung zum Bewußtsein kommt. Die Stärken des jetzigen Menschen sind die Ursachen der pessimistischen Verdüsterung: die Mittelmäßigen sind, wie die Heerde ist, ohne viel Fragen und Gewissen,—heiter. Zur Verdüsterung der Starken: Schopenhauer Pascal
NB. Je gefährlicher eine Eigenschaft der Heerde scheint, um so gründlicher wird sie in Acht gethan.
5 [36]
Unser “Erkennen” beschränkt sich darauf, Quantitäten festzustellen d.h.
aber wir können durch nichts hindern, diese Quantitäts-Differenzen als Qualitäten zu empfinden. Die Qualität ist eine perspektivische Wahrheit für uns; keine “an sich.”
Unsere Sinne haben ein bestimmtes Quantum als Mittler, innerhalb deren sie funktioniren d.h. wir empfinden groß und klein im Verhältniß zu den Bedingungen unsrer Existenz. Wenn wir unsere Sinne um das Zehnfache verschärften oder verstumpften, würden wir zu Grunde gehn. D.h. wir empfinden auch Größenverhältnisse in Bezug auf unsre Existenz-Ermöglichung als Qualitäten.
5 [37]
Zu beschreiben, wie es Einer thut bei erkenntnißtheoretischem Denken, physiologisch. Primitive,—wie?
5 [38]
Die Antinomie meiner Existenz liegt darin, daß alles das, was ich als radikaler Philosophus radicalis nöthig habe—Freiheit von Beruf, Weib, Kind, Freunden, Gesellschaft, Vaterland, Heimat, Glauben, Freiheit fast von Liebe und Haß—ich als ebenso viel Entbehrungen empfinde, insofern ich glücklicher Weise ein lebendiges Wesen und kein bloßer Abstraktions-Apparat bin. Ich muß hinzufügen, daß mir in jedem Falle die solide Gesundheit fehlt—und daß ich nur in Momenten der Gesundheit die Last jener Entbehrungen weniger hart fühle. Auch weiß ich immer noch nicht die fünf Bedingungen zusammen zu bringen, auf denen eine erträgliche Mittlere meiner labilen Gesundheit sich basiren ließe. Trotzdem wäre es ein verhängnißvoller Fehler, wenn ich, um mir die 5 Bedingungen zu schaffen, mich jener 8 Freiheiten beraubte: Das ist eine objektive Ansicht meiner Lage. —
Die Sache complicirt sich, insofern ich außerdem Dichter bin, wie billig, mit den Bedürfnissen aller Dichter: wozu Sympathie, glänzender Haushalt, Ruhe und dergleichen gehören (in Bezug auf welche Bedürfnisse ich für mein Leben keine andere Bezeichnung habe als Hundestall-Existenz). Die Sache complicirt sich noch einmal, insofern ich außerdem Musiker bin: so daß mir eigentlich nichts im Leben
5 [39]
— daß ich die Sprache der Volks-Moralisten und “heiligen Männer” rede und dies unbefangen ursprünglich ebenso begeistert als lustig, aber zugleich mit einem Artisten-Genusse daran, der nicht zu fern von der Ironie ist—darüber nämlich, daß hier die raffinirteste Form des modernen Gedankens beständig in die Sprache der Naivetät zurückübersetzt wird—also mit einem heimlichen Triumphe über die besiegte Schwierigkeit und scheinbare Unmöglichkeit eines solchen Unterfangens
5 [40]
Zur Genealogie
der Moral.
Erste Abhandlung
von
Friedrich Nietzsche.
2. das asketische Ideal
3. Verantwortlichkeit.
4. “ich” und “er.”
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Vorspiel des P, größte Wohlthat, die mir seit langem erwiesen ist. Die Macht und Strenge des Gefühls, unbeschreiblich, ich kenne nichts, was das Christenthum so in der Tiefe nähme und so scharf zum Mitgefühl brächte. Ganz erhoben und ergriffen—kein Maler hat einen so unbeschreiblich schwermüthigen und zärtlichen Blick gemalt wie Wagner
die Größe im Erfassen einer furchtbaren Gewißheit, aus der etwas von Mitleiden quillt:
das größte Meisterstück des Erhabenen, das ich kenne, die Macht und Strenge im Erfassen einer furchtbaren Gewißheit, ein unbeschreiblicher Ausdruck von Größe im Mitleiden darüber; kein Maler hat einen solchen dunklen, schwermüthigen zärtlichen Blick gemalt wie Wagner in dem letzten Theile des Vorspiels. Auch Dante nicht, auch Leonardo nicht.
Wie als ob seit vielen Jahren endlich einmal Jemand zu mir über die Probleme redete, die mich bekümmern, nicht natürlich mit den Antworten, die ich eben dafür bereit halte, sondern mit den christlichen—welche zuletzt die Antwort stärkerer Seelen gewesen ist als unsere letzten beiden Jahrhunderte hervorgebracht haben. Man legt allerdings beim Hören dieser Musik das Protestant wie ein Mißverständniß bei Seite: so wie die Musik Wagners in Montecarlo mich dazu brachte, wie ich nicht leugnen will, auch die sonst gehörte sehr gute Musik (Haydn Berlioz Brahms Reyers Sigurd-Ouvertüre) ebenfalls wie ein Mißverständniß der Musik bei Seite zu legen. Sonderbar! Als Knabe hatte ich mir die Mission zugedacht, das Mysterium auf die Bühne zu bringen;
5 [42]
Kritik des christlichen Ideals
der Armut,
der Keuschheit,
der Demuth.
Die europäischen Aspirationen zum Fakirthum.
5 [43]
| “ce jeune Juif, à la fois doux et terrible, fin et impérieux, naif et profond, rempli du zèle désintéressé d’une moralité sublime et de l’ardeur d’une personnalité exaltée” |
(“les évangiles”) Renan. |
| C’est du régime féodal et non de sa chute, que sont nés l’égoïsme, l’avidité, les violences et la cruauté, qui conduisirent aux terreurs des massacres de septembre |
v. Sybel!! |
5 [44]
Ehren wir dergestalt die Blinden, die Vertrauenden, die Einfachen, die Friedlichen, die Esel, schützen und vertheidigen wir sie vor uns selbst alle diese arglosen fraglosen kuhwarmen Milchherzen die Nichts vom Leben haben als seine verfänglichste Auszeichnung, es nicht zu kennen ... retten wir sie uns mit dieser Kunst des schnellen Verstummens für unsre eignen bösen Tage—denn auch wir haben zeitweilig Oasen nöthig, Menschen-Oasen, in denen man vergißt, vertraut, einschläft wieder träumt, wieder liebt, wieder “menschlich” wird ...
5 [45]
]
Inzwischen hat ein sehr sonderbarer Herr, Namens Theodor Fritsch aus Leipzig mit mir correspondirt: ich konnte nicht umhin, da er zudringlich war, ihm ein paar freundliche Fußtritte zu versetzen. Diese jetzigen “Deutschen” machen mir immer mehr Ekel.
5 [45]
Inzwischen hat ein sehr sonderbarer Herr, Namens Theodor Fritsch aus Leipzig mit mir correspondirt: ich konnte nicht umhin, da er zudringlich war, ihm ein paar freundliche Fußtritte zu versetzen. Diese jetzigen “Deutschen” machen mir immer mehr Ekel.
5 [46]
Wir Hyperboreer.
Weder zu Wasser, noch zu Lande
kannst du den Weg zu den Hyper-
boreern finden
Pindar.
Jenseits des Nordens, des Eises, der Härte, des Todes — unser Leben! Unser Glück!
5 [47]
Wie sollten sie unser rechtes auditorium abgeben, diese Moralischen, die mit einer schändlichen Zudringlichkeit nur auf das hinhören, was für sie dabei herauskommt und überhaupt, ob etwas für sie dabei herauskommt. Zur Vorrede.
“Was habe ich davon?
Wie nehme ich mich dabei aus?
“Was nehme ich mir dabei heraus?”
— die unerlaubten Geister.
5 [48]
NB “Deutsche Jünglinge” und andres schwärmerisches Hornvieh—kuhwarme Milchherzen
5 [49]
Die Moral als des Menschen größte Gefahr
Die Tugend, z.B. als Wahrhaftigkeit, als unser vornehmer und gefährlicher Luxus; wir müssen nicht die Nachtheile ablehnen, die er mit sich bringt.
5 [50]
1) Jene typische Verwandlung, für die unter Franzosen G. F unter Deutschen R. W das deutlichste Beispiel abgiebt: zwischen 1830 und 1850 wandelt sich der romantische Glaube an die Liebe und die Zukunft in das Verlangen zum Nichts.
2) das tragische Zeitalter für Europa: bedingt durch den Kampf gegen den Nihilismus.
Vielleicht Titel von Nr. 10. |
3) Was bedeutet der Sinn für Farbe bei Franzosen, für Ton (und “Harmonie” speziell) bei Deutschen? Reizmittel theils für eine gröbere Art Mensch theils für eine blasiertere Art Mensch.
4) Der Pessimismus und die aesthet Theorie
5) die griechische Philosophie von Socrates ab als Krankheits-symptom und folglich Vorbereitung des Christenthums.
6) Der Anarchismus
7) Gegen den Causalismus. Bedingungen zu einer Ursache.
8) die erzieherische Lüge. Plato. Dazu gehören alle “Ideale.” Aber Erziehung wozu? Dauerhafte Gebilde zu schaffen, in denen Etwas Langes wachsen kann.
9) Wie entsteht der Ruhm einer moralischen Qualität?
10) Moral geht auf Vermittelmäßigung, Erniedrigung des Niveaus hinaus. Inwiefern hier ein Instinkt der Erhaltung redet.
10) Im großen Menschen sind die spezifischen Eigenschaften des Lebens, Unrecht, Lüge, Ausbeutung am größten. Insofern sie aber überwältigend gewirkt haben, ist ihr Wesen am besten mißverstanden und ins Gute interpretirt worden. Typus Carlyle als Interpret.
11) Antagonismus zwischen Verstärkung und Verbesserung.
12) Gegen die Atomistik.
13) Der Glaube an das Ich
14) eine neue Vollkommenheit ausdenken, bei der unsre ganze menschliche Noth und Ungewißheit nicht revoltirt.
15) Wie entsteht der starke Mensch? v.
16) Die Arten des Rausches?
17) Was bedeutet unser Sinn für Hochgebirge, Wüste, campagna Romana, Nationalismus?
18) Verkleinerung des Menschen seit Copernicus.
19) Die Werthschätzungen als Ursache und als Folge
20) Das Hintereinander ist auch nur Beschreibung.
21) Agnostiker
22) Von der Zuchtlosigkeit des Geistes—was ist Lasterhaftigkeit des Intellekts?
23) Was bedeutet die Herrschaft der Musik?
24) Hingebung an die Person als Erleichterung der Moral. (Vater, Vorfahr, Fürst, Priester, Gott)
25) Mysterien (“Drama”).
26) Strafe: Aufrechterhaltung eines höheren Typus.
27) Der wissenschaftliche “Anschein.” Zur Schauspielerei
28) Zur Physiologie der Macht
29) unsere europäische Cultur—worauf sie drängt, im Gegensatz zur buddhistischen Lösung in Asien?
30) Auslegung, nicht Erklärung.
31) Zur Logik: der Wille zur Gleichheit als Wille zur Macht.
32) “Ding an sich”
33) gegen die Mechanistik
34) Das moral Vorurtheil im Glauben an die Dialektik
35) Das Verleumderische an den Idealen.
36) Psychologie des wissenschaftlichen Bedürfnisses.
37) moderne Verdüsterung
38) die Schauspielerei
39) das Demagogische in den Künsten
40) Hedonism im jetzigen Christenthum.
41) sowohl Kant als Hegel als Schopenhauer durch moral Grundurtheil bestimmt. Ebenso Plato, Spin.
42) Mißverständniß der Heiterkeit, der Ironie.
43) “Gewissensbiß”
44) Umdrehungen des moral Urtheils
45) Lehre vom milieu
46) Volksthümliche Ideale, Fr. v. Assisi.
47) “Wir Immoralisten.”
48) Freiheitsgefühl.
49) Was ist vornehm? (roth-marmorirtes Buch)
50) alle großen Menschen böse Menschen
51) Tartüfferie der Wissenschaftlichkeit
52) wie Descartes die Wahrheit der Sinneswahrnehmung aus der Natur Gottes begründete, könnte man Kants Lehre von der Vernunft, die Illusion schafft, ablehnen. Insofern ist selbst die Erkenntnißtheorie abhängig von einer vorherigen Entscheidung über den moralischen Charakter des Daseins.
Die Engländer meinen, man werde nur einem moralischen Gotte gehorchen.— Die Atheisten sind gerade in moralischen Fragen am befangensten.
53) das Wohlgefühl als das an leichten Widerständen sich auslösende Machtgefühl: denn im gesammten Organismus giebt es fortwährend Überwindung zahlloser Hemmungen,—dies Siegsgefühl kommt als Gesammtgefühl zum Bewußtsein, als Leichtigkeit, “Freiheit”
umgekehrt: giebt es schwere Hemmungen, so wird auch das Machtgefühl nicht ausgelöst:
NB. Also Unlustgefühl ist grundverschieden von Lustgefühl, letzteres ist Machtgefühl, welches, um erregt zu werden, zu seiner Voraussetzung kleine Hemmungen und Unlustgefühle nöthig hat.
5 [51]
Rangordnung
Vergeltung.
Wahrheit und Warhaftigkeit.
Recht, Strafe usw.
Mitleiden
5 [52]
Maxime: mit keinem Menschen umgehn, der an dem verlognen Rassen-Schwindel Antheil hat.
(Wieviel Verlogenheit und Sumpf gehört dazu, um im heutigen Mischmasch-E Rassenfragen aufzurühren!)
5 [53]
Das Jahrhundert als Erbe des vorigen
1) sensualistisch, hedonistisch
(oder pessimistisch)
2) schwärmerisch—moralisch
Freiheit, Erkenntniß, Glück
im Bunde
3)
5 [54]
Der Satz vom Bestehen der Energie fordert die ewige Wiederkehr.
5 [55]
Hauptirrthum der Psychologen: sie nehmen die undeutlichere Vorstellung als eine niedrigere Art der Vorstellung gegen die helle gerechnet: aber was aus unserem Bewußtsein sich entfernt und deshalb dunkel wird, kann deshalb an sich vollkommen klar sein. Das Dunkelwerden ist Sache der Bewußtseins-Perspektive.
Die “Dunkelheit” ist eine Folge der Bewußtseins-Optik, nicht nothwendig etwas dem “Dunkeln” Inhärentes.
5 [56]
Alles, was als “Einheit” ins Bewußtsein tritt, ist bereits ungeheuer complizirt: wir haben immer nur einen Anschein von Einheit.
Das Phänomen des Leibes ist das reichere, deutlichere, faßbarere Phänomen: methodisch voranzustellen, ohne etwas auszumachen über seine letzte Bedeutung.
NB. Wenn das Centrum des “Bewußtseins” auch nicht mit dem physiologischen Centrum zusammenfällt, so wäre doch möglich, daß dennoch das physiologische Centrum auch das psychische Centrum ist.
Die Intellektualität des Gefühls (Lust und Schmerz) d.h. es ist beherrscht von jenem Centrum aus.
5 [57]
Das Problem des Nihilismus (gegen Pessimismus usw.)
Der Kampf gegen ihn verstärkt ihn.
Alle positiven Kräfte des Jahrhunderts scheinen ihn nur vorzubereiten
z.B. Naturwissenschaft
Erklärung: Untergang einer Werthung der Dinge, die den Eindruck macht, als sei keine andere Werthung möglich.
5 [58]
Moral als Illusion der Gattung, um den Einzelnen anzutreiben, sich der Zukunft zu opfern: scheinbar ihm selbst einen unendlichen Werth zugestehend, so daß er, mit diesem Selbstbewußtsein, andere Seiten seiner Natur tyrannisirt und niederhält und schwer mit sich zufrieden ist.
Tiefste Dankbarkeit für das, was die Moral bisher geleistet hat: aber jetzt nur noch ein Druck, der zum Verhängniß werden würde! Sie selbst zwingt als Redlichkeit zur Moral-Verneinung.
5 [59]
Die Voraussetzung der wissenschaftlichen Arbeit: ein Glaube an den Verband und die Fortdauer der wissenschaftlichen Arbeit, so daß der Einzelne an jeder noch so kleinen Stelle arbeiten darf, im Vertrauen, nicht umsonst zu arbeiten. Diese
Es giebt Eine große Lähmung: umsonst arbeiten, umsonst kämpfen. — —
Die aufhäufenden Zeiten, wo Kraft, Machtmittel gefunden werden, deren sich einst die Zukunft bedienen wird: Wissenschaft als mittlere Station, an der die mittleren vielfacheren complicirten Wesen ihre natürlichste Entladung und Befriedigung haben: alle die, denen die That sich widerräth.
5 [60]
Der dogmatische Geist bei Kant
5 [61]
Ein Zeitpunkt, wo der Mensch Kraft im Überfluß zu Diensten hat: die Wissenschaft ist darauf aus, diese Sklaverei der Natur herbeizuführen.
Dann bekommt der Mensch Muße: sich selbst auszubilden, zu etwas Neuem Höherem. Neue Aristokratie
Dann werden eine Menge Tugenden überlebt, die jetzt Existenzbedingungen waren.
Eigenschaften nicht mehr nöthig haben, folglich sie verlieren.
Wir haben die Tugenden nicht mehr nöthig: folglich verlieren wir sie: sowohl die Moral vom “Eins ist noth,” vom Heil der Seele von der Unsterblichkeit: ein Mittel, um dem Menschen eine ungeheure Selbstbezwingung zu ermöglichen (durch den Affekt einer ungeheuren Furcht:::
die verschiedenen Arten Noth, durch deren Zucht der Mensch geformt ist: Noth lehrt arbeiten, denken sich zügeln
Die physiologische Reinigung und Verstärkung
die neue Aristokratie hat einen Gegensatz nöthig, gegen den sie ankämpft: sie muß eine furchtbare Dringlichkeit haben, sich zu erhalten.
die zwei Zukünfte der Menschheit:
1) die Consequenz der Vermittelmäßigung
2) das bewußte Abheben, sich-Gestalten
eine Lehre, die eine Kluft schafft: sie erhält die oberste und die niedrigste Art (sie zerstört die mittlere)
die bisherigen Aristokraten, geistliche und weltliche, beweisen nichts gegen die Nothwendigkeit einer neuen Aristokratie.
Theorie der Herrschaftsgebilde statt: Sociologie
5 [62]
Man darf sich die Wahrheit bis so weit zugestehn als man bereits erhöht genug ist, um nicht mehr die Zwangsschule des Irrthums nöthig zu haben.
Falls man das Dasein moralisch beurtheilt, degoutirt es.
5 [63]
Man soll nicht falsche Personen erfinden z.B. nicht sagen “die Natur ist grausam.” Gerade einzusehen, daß es kein solches Centralwesen der Verantwortlichkeit giebt, erleichtert!
Entwicklung der Menschheit. A. Macht über die Natur zu gewinnen und dazu eine gewisse Macht über sich. Die Moral war nöthig, um den Menschen durchzusetzen im Kampf mit Natur und “wildem Thier.”
B. Ist die Macht über die Natur errungen, so kann man diese Macht benutzen, um sich selbst frei weiterzubilden: Wille zur Macht als Selbsterhöhung und Verstärkung.
5 [64]
Was ist “passiv”? | widerstehen und reagiren. Gehemmt sein in der vorwärtsgreifenden Bewegung: also ein Handeln des Widerstandes und der Reaktion |
Was ist “aktiv”? | nach Macht ausgreifend |
“Ernährung” | ist nur abgeleitet, das Ursprüngliche ist Alles in sich einschließen wollen |
“Zeugung” | nur abgeleitet: ursprünglich, wo Ein Wille nicht ausreicht, das gesamte Angeeignete zu organisiren, tritt ein Gegenwille in Kraft, der die Loslösung vornimmt, ein neues Organisationscentrum, nach einem Kampfe mit dem ursprünglichen Willen |
Lust | als Machtgefühl (die Unlust voraussetzend) |
5 [65]
Alles Denken, Urtheilen, Wahrnehmen als Vergleichen hat als Voraussetzung ein “Gleichsetzen,” noch früher ein “Gleichmachen.” Das Gleichmachen ist dasselbe, was die Einverleibung der angeeigneten Materie in der Amoebe ist.
Erinnerung spät, insofern hier der gleichmachende Trieb bereits gebändigt erscheint: die Differenz wird bewahrt. Erinnern als ein Einrubriziren und Einschachteln, activ—wer?
5 [66]
Der Werth der unvernünftigen Neigungen
z.B. Mutterliebe, Liebe zum “Werke” usw.
nicht “altruistisch”!
5 [67]
Keine “moralische Erziehung” des Menschengeschlechts: sondern die Zwangsschule der Irrthümer ist nöthig, weil die “Wahrheit” degoutirt und das Leben verleidet, vorausgesetzt, daß der Mensch nicht schon unentrinnbar in seine Bahn gestoßen ist und seine redliche Einsicht mit einem tragischen Stolze auf sich nimmt.
5 [68]
Die Physiologen, wie die Philosophen glauben, das Bewußtsein, im Maaße es an Helligkeit zunimmt, wachse im Werthe: das hellste Bewußtsein, das logischste kälteste Denken sei ersten Ranges. Indessen—wonach ist dieser Werth bestimmt?— Das oberflächlichste, vereinfachteste Denken ist in Hinsicht auf Auslösung des Willens das im meisten nützliche (weil es wenig Motive übrig läßt) — es könnte deshalb das usw. NB.
die Präcision des Handelns steht in Antagonismus mit der weitblickenden und oft ungewiß urtheilenden Vorsorglichkeit: letztere durch den tieferen Instinkt geführt.
NB. Werth zu bemessen nach der Weite der Nützlichkeit.
5 [69]
Unsere Leidenschaften und Hänge wollen ihre Befriedigung und dazu die Herrschaft auch über den Intellekt
5 [70]
1. Philosophie der Geschichte.
2. Psychologie.
3. Cultur der Griechen.
4. Philosophie der Moral.
5. Geschichte der griechischen Philosophie.
Nihilismus: Untergang einer Gesammtwerthung (nämlich der moralischen) es fehlen die neuen interpretativen Kräfte.
Zur Geschichte der Werthe.
Der Wille zur Macht und seine Metamorphosen.
(was der bisherige Wille zur Moral war: eine Schule)
Die ewige Wiederkunft als Hammer.
5 [71]
Der europäische Nihilismus.
| Lenzer Heide | den 10. Juni 1887 |
1.
Welche Vortheile bot die christliche Moral-Hypothese?
1) sie verlieh dem Menschen einen absoluten Werth, im Gegensatz zu seiner Kleinheit und Zufälligkeit im Strom des Werdens und Vergehens
2) sie diente den Advokaten Gottes, insofern sie der Welt trotz Leiden und Übel den Charakter der Vollkommenheit ließ,—eingerechnet jene “Freiheit”—das Übel erschien voller Sinn.
3) sie setzte ein Wissen um absolute Werthe beim Menschen an und gab ihm somit gerade für das Wichtigste adäquate Erkenntniß
sie verhütete, daß der Mensch sich als Menschen verachtete, daß er gegen das Leben Partei nahm, daß er am Erkennen verzweifelte: sie war ein Erhaltungsmittel—in summa: Moral war das große Gegenmittel gegen den praktischen und theoretischen Nihilismus.
2.
Aber unter den Kräften, die die Moral großzog, war die Wahrhaftigkeit: diese wendet sich endlich gegen die Moral, entdeckt ihre Teleologie, ihre interessirte Betrachtung—und jetzt wirkt die Einsicht in diese lange eingefleischte Verlogenheit, die man verzweifelt, von sich abzuthun, gerade als stimulans. Zum Nihilismus. Wir constatiren jetzt Bedürfnisse an uns, gepflanzt durch die lange Moral-Interpretation, welche uns jetzt als Bedürfnisse zum Unwahren erscheinen: andererseits sind es die, an denen der Werth zu hängen scheint, derentwegen wir zu leben aushalten. Dieser Antagonismus, das was wir erkennen, nicht zu schätzen und das, was wir uns vorlügen möchten, nicht mehr schätzen zu dürfen:—ergiebt einen Auflösungsprozeß.
3.
Thatsächlich haben wir ein Gegenmittel gegen den ersten Nihilismus nicht mehr so nöthig: das Leben ist nicht mehr dermaaßen ungewiß, zufällig, unsinnig, in unserem Europa. Eine solch ungeheure Potenzirung vom Werth des Menschen, vom Werth des Übels usw. ist jetzt nicht so nöthig, wir ertragen eine bedeutende Ermäßigung dieses Werthes, wir dürfen viel Unsinn und Zufall einräumen: die erreichte Macht des Menschen erlaubt jetzt eine Herabsetzung der Zuchtmittel, von denen die moralische Interpretation das stärkste war. “Gott” ist eine viel zu extreme Hypothese.
4.
Aber extreme Positionen werden nicht durch ermäßigte abgelöst, sondern wiederum durch extreme, aber umgekehrte. Und so ist der Glaube an die absolute Immoralität der Natur, an die Zweck- und Sinnlosigkeit der psychologisch nothwendige Affekt, wenn der Glaube an Gott und eine essentiell moralische Ordnung nicht mehr zu halten ist. Der Nihilismus erscheint jetzt, nicht weil die Unlust am Dasein größer wäre als früher, sondern weil man überhaupt gegen einen “Sinn” im Übel, ja im Dasein mißtrauisch geworden ist. Eine Interpretation gieng zu Grunde; weil sie aber als die Interpretation galt, erscheint es, als ob es gar keinen Sinn im Dasein gebe, als ob alles umsonst sei.
5.
Daß dies “Umsonst!” der Charakter unseres gegenwärtigen Nihilismus ist, bleibt nachzuweisen. Das Mißtrauen gegen unsere früheren Werthschätzungen steigert sich bis zur Frage “sind nicht alle ‘Werthe’ Lockmittel, mit denen die Komödie sich in die Länge zieht, aber durchaus nicht einer Lösung näher kommt?” Die Dauer, mit einem “Umsonst,” ohne Ziel und Zweck, ist der lähmendste Gedanke, namentlich noch wenn man begreift, daß man gefoppt wird und doch ohne Macht, sich nicht foppen zu lassen.
6.
Denken wir diesen Gedanken in seiner furchtbarsten Form: das Dasein, so wie es ist, ohne Sinn und Ziel, aber unvermeidlich wiederkehrend, ohne ein Finale ins Nichts: “die ewige Wiederkehr.”
Das ist die extremste Form des Nihilismus: das Nichts (das “Sinnlose”) ewig!
Europäische Form des Buddhismus: Energie des Stoffes und der Kraft zwingt zu einem solchen Glauben. Es ist die wissenschaftlichste aller möglichen Hypothesen. Wir leugnen Schluß-Ziele: hätte das Dasein eins, so müßte es erreicht sein.
7.
Da begreift man, daß hier ein Gegensatz zum Pantheismus angestrebt wird: denn “Alles vollkommen, göttlich, ewig” zwingt ebenfalls zu einem Glauben an die “ewige Wiederkunft.” Frage: ist mit der Moral auch diese pantheistische Ja-stellung zu allen Dingen unmöglich gemacht? Im Grunde ist ja nur der moralische Gott überwunden. Hat es einen Sinn, sich einen Gott jenseits von “Gut und Böse” zu denken? Wäre ein Pantheismus in diesem Sinne möglich? Bringen wir die Zweckvorstellung aus dem Prozesse weg und bejahen wir trotzdem den Prozeß?— Das wäre der Fall, wenn Etwas innerhalb jenes Prozesses in jedem Momente desselben erreicht würde—und immer das Gleiche
Spinoza gewann eine solche bejahende Stellung, insofern jeder Moment eine logische Nothwendigkeit hat: und er triumphirte mit seinem logischen Grundinstinkte über eine solche Weltbeschaffenheit.
8.
Aber sein Fall ist nur ein Einzel-Fall. Jeder Grundcharakterzug, der jedem Geschehen zu Grunde liegt, der sich an jedem Geschehen ausdrückt, müßte, wenn er von einem Individuum als sein Grundcharakterzug empfunden würde, dieses Individuum dazu treiben, triumphirend jeden Augenblick des allgemeinen Daseins gut zu heißen. Es käme eben darauf an, daß man diesen Grundcharakterzug bei sich als gut, werthvoll, mit Lust empfindet.
9.
Nun hat die Moral das Leben vor der Verzweiflung und dem Sprung ins Nichts bei solchen Menschen und Ständen geschützt, welche von Menschen verwaltthätigt und niedergedrückt wurden: denn die Ohnmacht gegen Menschen, nicht die Ohnmacht gegen die Natur, erzeugt die desperatischste Verbitterung gegen das Dasein. Die Moral hat die Gewalthaber, die Gewaltthätigen, die “Herren” überhaupt als die Feinde behandelt, gegen welche der gemeine M geschützt, d. h. zunächst ermuthigt, gestärkt werden muß. Die Moral hat folglich am tiefsten hassen und verachten gelehrt, was der Grundcharakterzug der Herrschenden ist: ihr Wille zur Macht. Diese Moral abschaffen, leugnen, zersetzen: das wäre den bestgehaßten Trieb mit einer umgekehrten Empfindung und Werthung versehen. Wenn der Leidende, Unterdrückte den Glauben verlöre, ein Recht zu seiner Verachtung des Willens zur Macht zu haben, so träte er in das Stadium der hoffnungslosen Desperation. Dies wäre der Fall, wenn dieser Zug dem Leben essentiell wäre, wenn sich ergäbe, daß selbst in jenem “Willen zur Moral” nur dieser “Wille zur Macht” verkappt sei, daß auch jenes Hassen und Verachten noch ein Machtwille ist. Der Unterdrückte sähe ein, daß er mit dem Unterdrücker auf gleichem Boden steht und daß er kein Vorrecht, keinen höheren Rang vor jenem habe.
10.
Vielmehr umgekehrt! Es giebt nichts am Leben, was Werth hat, außer dem Grade der Macht—gesetzt eben, daß Leben selbst der Wille zur Macht ist. Die Moral behütete die Schlechtweggekommenen vor Nihilismus, indem sie Jedem einen unendlichen Werth, einen metaphysischen Werth beimaß und in eine Ordnung einreihte, die mit der der weltlichen Macht und Rangordnung nicht stimmte: sie lehrte Ergebung, Demuth usw. Gesetzt, daß der Glaube an diese Moral zu Grunde geht, so würden die Schlechtweggekommenen ihren Trost nicht mehr haben—und zu Grunde gehen.
11.
Das zu-Grunde-Gehen präsentirt sich als ein—Sich-zu-Grunde-richten, als ein instinktives Auslesen dessen, was zerstören muß. Symptome dieser Selbstzerstörung der Schlechtweggekommenen: die Selbstvivisektion, die Vergiftung, Berauschung, Romantik, vor allem die instinktive Nöthigung zu Handlungen, mit denen man die Mächtigen zu Todfeinden macht (—gleichsam sich seine Henker selbst züchtend) der Wille zur Zerstörung als Wille eines noch tieferen Instinkts, des Instinkts der Selbstzerstörung, des Willens ins Nichts.
12.
Nihilismus, als Symptom davon, daß die Schlechtweggekommenen keinen Trost mehr haben: daß sie zerstören, um zerstört zu werden, daß sie, von der Moral abgelöst, keinen Grund mehr haben, “sich zu ergeben”—daß sie sich auf den Boden des entgegengesetzten Princips stellen und auch ihrerseits Macht wollen, indem sie die Mächtigen zwingen, ihre Henker zu sein. Dies ist die europäische Form des Buddhismus, das Nein-thun, nachdem alles Dasein seinen “Sinn” verloren hat.
13.
Die “Noth” ist nicht etwa größer geworden; im Gegentheil! “Gott, Moral, Ergebung” waren Heilmittel, auf furchtbaren tiefen Stufen des Elends: der aktive Nihilismus tritt bei relativ viel günstiger gestalteten Verhältnissen auf. Schon, daß die Moral als überwunden empfunden wird, setzt einen ziemlichen Grad geistiger Cultur voraus; diese wieder ein relatives Wohlleben. Eine gewisse geistige Ermüdung, durch den langen Kampf philosophischer Meinungen bis zur hoffnungslosen Scepsis gegen Philosophen gebracht, kennzeichnet ebenfalls den keineswegs niederen Stand jener Nihilisten. Man denke an die Lage, in der Buddha auftrat. Die Lehre der ewigen Wiederkunft würde gelehrte Voraussetzungen haben (wie die Lehrer Buddha solche hatte z.B. Begriff der Causalität usw.).
14.
Was heißt jetzt “schlechtweggekommen”? Vor allem physiologisch? nicht mehr politisch. Die ungesundeste Art Mensch in Europa (in allen Ständen) ist der Boden dieses Nihilismus: sie wird den Glauben an die ewige Wiederkunft als einen Fluch empfinden, von dem getroffen man vor keiner Handlung mehr zurückscheut: nicht passiv auslöschen, sondern Alles auslöschen machen, was in diesem Grade sinn- und ziellos ist: obwohl es nur ein Krampf, ein blindes Wüthen ist bei der Einsicht, daß Alles seit Ewigkeiten da war—auch dieser Moment von Nihilismus und Zerstörungslust.— Der Werth einer solchen Crisis ist, daß sie reinigt, daß sie die verwandten Elemente zusammendrängt und sich an einander verderben macht, daß sie den Menschen entgegengesetzter Denkweisen gemeinsame Aufgaben zuweist—auch unter ihnen die schwächeren, unsichereren ans Licht bringend und so zu einer Rangordnung der Kräfte, im Gesichtspunkte der Gesundheit, den Anstoß giebt: Befehlende als Befehlende erkennend, Gehorchende als Gehorchende. Natürlich abseits von allen bestehenden Gesellschaftsordnungen.
15.
Welche werden sich als die Stärksten dabei erweisen? Die Mäßigsten, die, welche keine extremen Glaubenssätze nöthig haben, die, welche einen guten Theil Zufall, Unsinn nicht nur zugestehen, sondern lieben, die welche vom Menschen mit einer bedeutenden Ermäßigung seines Werthes denken können, ohne dadurch klein und schwach zu werden: die Reichsten an Gesundheit, die den meisten Malheurs gewachsen sind und deshalb sich vor den Malheurs nicht so fürchten—Menschen die ihrer Macht sicher sind, und die die erreichte Kraft des Menschen mit bewußtem Stolze repräsentiren.
16.
Wie dächte ein solcher Mensch an die ewige Wiederkunft? —
5 [72]
Selbstaufhebung der Moral
die Redlichkeit
Gerechtigkeit, Strafe, Mitleid usw.
5 [73]
| Jenseits von Gut und Böse |
17 Bogen die 2te Hälfte |
5 [74]
Zur
Genealogie der Moral.
Eine Streitschrift.
Von
Friedrich Nietzsche.
| Unbekümmert, spöttisch, gewalt- thätig—so will uns die Weisheit: sie ist ein Weib, sie liebt immer nur einen Kriegsmann. Also sprach Zarathustra. |
Leipzig
Verlag von C. G. Naumann.
5 [75]
Der Wille zur Macht.
Versuch einer Umwerthung aller Werthe.
1.
Vom Werth der Wahrheit.
2.
Was daraus folgt.
3.
Zur Geschichte des europäischen Nihilismus.
4.
Die ewige Wiederkunft
5 [76]
Moral als Wille
5 [77]
Sprüche und Pfeile.
von
Friedrich Nietzsche.
Aus dessen Schriften zusammengelesen
und heimgebracht von E. V. W.
5 [78]
Sprüche
eines Immoralisten.
5 [79]
Diesem mesquinen Zeitalter, mit dem ich mich nun einmal irgendwie abfinden muß, eine Probe davon zu geben, was Psychologie in großen Stile ist, hat eigentlich keinen Sinn;—wer käme mir auch nur mit dem Tausendstel von Leidenschaft und Leiden entgegen, um begreifen zu können, wo man zum Wissen um solche fremden und entscheidenden Dingen kommt? ...
Und was muß Einer Alles in sich erlebt haben, um mit seinen 25 Jahren die Geburt der Tragödie zu concipiren!
Ich habe mich nie beklagt über das Unbeschreibliche meiner Entbehrung: nie einen verwandten Laut zu hören, nie von gleichem Leiden und Wollen.
Ich selbst kenne in keiner Litteratur Bücher, welche diesen Reichthum an seelischen Erfahrungen hätten, und dies vom Größten bis zum Kleinsten und Raffinirtesten. Daß das außer mir im Grunde Niemand sieht und weiß, hängt an der Thatsache, daß ich verurtheilt bin, in einer Zeit zu leben, wo das Rhinozeros blüht, und noch dazu unter einem Volke, welchem in psychologischen Dingen überhaupt noch jede Vorschulung fehlt (ein Volk, das Schiller und Fichte ernst genommen hat!!). Wenn ich denke, daß solche M wie R sich im Grunde wie Hornvieh gegen mich benommen haben: was soll eigentlich
5 [80]
8. Zuletzt, daß ich wenigstens mit Einem Worte auf einen ungeheuren und noch gänzlich unentdeckten Thatbestand hinweise, der sich nur langsam, langsam festgestellt hat: es gab bisher keine grundsätzlicheren Probleme als die moralischen, ihre treibende Kraft ist es, aus der alle großen Conceptionen im Reiche der bisherigen Werthe ihren Ursprung genommen haben (—zum Beispiel alles was gemeinhin “Philosophie” genannt wird; und dies bis hinab in deren letzte erkenntnißtheoretische Voraussetzungen). Aber es giebt noch grundsätzlichere Probleme als die moralischen: diese kommen Einem erst in Sicht, wenn man das moral Vorurtheil hinter sich hat ...
5 [81]
a) Der große Stil
Das Nackte: psychologische Reinigung des Geschmacks.
b) die synthetischen Menschen können nicht aus der “Ameise” wachsen.
Unsre Gesellschaft repräsentirt nur die Bildung der “Gebildete” fehlt.
c) die Selbsttödtung Hariri Japans
d) das Recht auf Affekte wiedergewinnen für den Erkennenden
5 [82]
Recht entsteht nur da, wo es Verträge giebt; damit es aber Verträge geben kann, muß ein gewisses Gleichgewicht von Macht da sein. Fehlt ein solches Gleichgewicht, stoßen zwei zu verschiedene Macht-Quanten auf einander, so greift das stärkere über nach dem schwächeren zu dessen fortgesetzter Schwächung, bis endlich Unterwerfung, Anpassung, Einordnung, Einverleibung eintritt: also mit dem Ende, daß aus Zwei Eins geworden ist. Damit Zwei zwei bleibt, ist wie gesagt ein Gleichgewicht nöthig: und deshalb geht alles Recht auf ein vorangehendes Wägen zurück. Es ist deshalb nicht gut zu heißen—denn es führt irre—wenn man die Gerechtigkeit mit einer Wage in der Hand darstellt: das richtige Gleichniß wäre, die Gerechtigkeit auf einer Wage stehen zu machen dergestalt, daß sie die beiden Schalen im Gleichgewicht hält. Man stellt aber die G meistens falsch dar: man legt ihr auch falsche Worte in den Mund. Die Gerechtigkeit spricht nicht: “jedem das Seine,” sondern immer nur “wie du mir, so ich dir.” Daß zwei Mächte im Verhältniß zu einander dem rücksichtslosen Willen zur Macht einen Zaum anlegen und sich einander nicht nur gleich lassen, sondern auch als gleich wollen, das ist der Anfang alles “guten Willens” auf Erden. Ein Vertrag enthält nämlich nicht nur eine bloße Affirmation in Bezug auf ein bestehendes Quantum von Macht, sondern zugleich auch den Willen, diese Quanten auf beiden Seiten als etwas Dauerndes zu affirmiren und somit bis zu einem gewissen Grade selbst aufrecht zu erhalten:—darin steckt, wie gesagt, ein Keim von allem “guten Willen.”
5 [83]
Hier, wo wir vorläufig das Problem des aesthet Zustandes noch nicht vom Künstler aus visiren, sondern aus der Perspektive des Zuschauers, ist vor allem nöthig zu erklären, daß es nicht das Problem ist, “was ist der contemplative Zustand und wie ist er möglich?” Man hat bisher seitens der Philos den contemplativen Zustand und den aesthetischen arglos verwechselt und in Eins gerechnet: aber ersterer ist nur eine Voraussetzung des zweiten und nicht er selber: nur dessen Bedingung, aber, wie man sofort hinzufügen muß, auch dies nicht in dem Sinne, als ob er etwa dessen eigentliche causa und Werdegrund wäre. Dies würde vollkommen irrthümlich behauptet werden: das innere “Muß,” aus dem heraus man aesthetisch, wird ist grundverschieden von dem inneren “Muß,” dessen Folge der contemplative Zustand ist, obwohl letzterer, wie gesagt, eine Voraussetzung für jenen ist, und erreicht sein muß, damit der aesthetische Zustand in die Erscheinung treten kann. Aber ebenso gut kann, nachdem einmal der Boden rein gemacht
5 [84]
Möglichst viele internationale Mächte—um die Welt-Perspektive einzuüben.
5 [85]
Jedes Jahr 5 Capitel
5 [86]
Und wie der Beduine spricht: “auch der Rauch ist zu etwas gut”—denn er verräth dem, der unterwegs ist, die Nähe eines gastfreundlichen Heerdes.
5 [87]
| Pour qu’un homme soit au-dessus de l’humanité, il en coûte trop cher à tous les autres |
|
5 [88]
Geschichte der Juden typisch für die Entstehung des “Idealisten.” “Gott und Israel” im Bunde. 1te Verfeinerung: nur mit dem gerechten Israel bleibt der gerechte Gott im Bunde. 2) aber zuletzt liebt er Israel, auch wenn es leidet, auch noch wenn es um seiner Schuld willen leidet. usw.
Das alte Israel und die Deutschen des Tacitus gleich: ebenso die Araber der Beduinenländer und die Corsen. Die Genueser aus der Zeit, wo sie der Präsident de Brosses besuchte, und die heutigen.
5 [89]
Gegen den großen Irrthum, als ob unsere Zeit (Europa) den höchsten Typus Mensch darstelle. Vielmehr: die Renaissance-Menschen waren höher, und die Griechen ebenfalls; ja vielleicht stehen wir ziemlich tief: das “Verstehen” ist kein Zeichen höchster Kraft, sondern einer tüchtigen Ermüdung; die Moralisirung selbst ist eine “Décadence.”
5 [90]
Ein Wort Napoleons (2. Februar 1809 zu Röderer):
“J’aime le pouvoir, moi; mais c’est en artiste que je l’aime ... Je l’aime comme un musicien aime son violon; je l’aime pour en tirer des sons, des accords, des harmonies.”
5 [91]
(Revue des deux mondes, 15. Febr. 1887. Taine.)
“Plötzlich entfaltet sich die faculté maîtresse: der Künstler, eingeschlossen in den Politiker, kommt heraus de sa gaine; er schafft dans l’idéal et l’impossible. Man erkennt ihn wieder als das, was er ist: der posthume Bruder des Dante und des Michel Angelo: und in Wahrheit, in Hinsicht auf die festen Contouren seiner Vision, die Intensität, Cohärenz und innere Logik seines Traums, die Tiefe seiner Meditation, die übermenschliche Größe seiner Conception, so ist er ihnen gleich et leur égal: son génie a la même taille et la même structure; il est un de trois esprits souverains de la renaissance italienne.”
Nota bene
Dante, Michel Angelo, Napoleon — —
5 [92]
Vom höheren Menschen.
Oder:
die Versuchung Zarathustra’s.
Von
Friedrich Nietzsche.
5 [93]
Dionysos philosophos.
Eine
Satura Menippea.
Von
Friedrich Nietzsche.
5 [94]
Die Antagonismen: Probleme, deren Lösung zuletzt vom Willen abhängig sind (von der Kraft—)
1. zwischen Stärke der M und Dauer der Rasse
2. zwischen der schaffenden Kraft und der “Menschlichkeit”
3.
5 [95]
Nach einem solchen Anrufe aus der innersten Seele keinen Laut von Antwort zu hören, das ist ein furchtbares Erlebniß, an dem der zäheste Mensch zu Grunde gehen kann: es hat mich aus allen Banden mit lebendigen Menschen herausgehoben.
5 [96]
Gedanken über die Griechen.
Mit einem Vorwort
an
Jakob Burckhardt.
Von
Friedrich Nietzsche.
5 [97]
1. Der europäische Nihilismus.
2. Die bisherige Moral als lebensfeindlich.
3. Die bisherige Moral “unmoralisch” selbst
5 [98]
1.
Wer darüber nachdenkt, auf welche Weise der Typus Mensch zu seiner größten Pracht und Mächtigkeit gesteigert werden kann, der wird zuallererst begreifen, daß er sich außerhalb der Moral stellen muß: denn die Moral war im Wesentlichen auf das Entgegengesetzte aus, jene prachtvolle Entwicklung, wo sie im Zuge war, zu hemmen oder zu vernichten. Denn in der That consumirt eine derartige Entwicklung eine solche ungeheure Quantität von Menschen in ihrem Dienste, daß eine umgekehrte Bewegung nur zu natürlich ist: die schwächeren zarteren mittleren Existenzen haben nöthig Partei zu machen gegen jene Glorie von Leben und Kraft und dazu müssen sie vor sich eine neue Schätzung bekommen, vermöge deren sie das Leben in dieser höchsten Fülle verurtheilen und womöglich zerstören. Eine lebensfeindliche Tendenz ist daher der Moral zu eigen, insofern sie die stärksten Typen des Lebens überwältigen will.
5 [99]
NB
1) Versuch, die Aesthetik durch die Elimination des “Ich” der unegoistischen Ethik anzunähern (als deren Vorbereitung)
2) Versuch sie der Erkenntniß anzunähern (reines Subjekt “reiner Spiegel des Objekts”)
— dagegen: das Objekt, in der aesthetischen Betrachtung, ist durch und durch gefälscht
“reines willenloses schmerzloses zeitloses Subjekt der Erkenntniß”
— durchaus nicht “Erkenntniß”!
— der Wille, der alles das unterstreicht (und das Übrige eliminirt), was ihm an einem Objekte dazu dient, mit sich selbst zufrieden u harmonisch zu sein
die Erdichtung und Zurechtmachung einer Welt, bei der wir selbst in unseren innersten Bedürfnissen uns bejahen
Farben Töne Gestalten Bewegungen—unbewußtes Gedächtniß thätig, in dem nützliche Eigenschaften dieser Qualitäten (oder Associationen) erhalten bleiben
eine im höchsten Grad interessirte und rücksichtslos interessirte Zurechtmachung der Dinge
eine wesentliche Fälschung, eine Ausschließung gerade des bloß feststellenden erkennenden objektiven Sinnes
das Vereinfachen, Hervorheben des Typischen—Genuß an der Überwältigung durch Hineinlegen eines Sinnes
das Wegdenken aller schädigenden und feindseligen Faktoren im Angeschauten (z.B. einer Landschaft, eines Gewitters)
der aesthetische Zuschauer gestattet ein Überwältigen, und thut das Gegentheil von dem, was er sonst gegen das von außen Kommende thut—er hängt sein Mißtrauen aus, keine Defensive—ein Ausnahme-zustand: das zutrauende ehrfurchtsvolle liebevolle Empfangen
der Wille
? Interesse für die Ursachen und das Typische (Dominirende)
5 [100]
Zur Kritik der Ideale: diese so beginnen, daß man das Wort “Ideal” abschafft: Kritik der Wünschbarkeiten.
5 [101]
einem armen Anarchisten-Schreiteufel ein Ohr schenken, der indem er die ganze Geschichte mit dem Gifte seines Hasses besprützt, uns einreden möchte, damit der Geschichtsschreiber zu sein.
5 [102]
Ein Leben unter Hornvieh!
5 [103]
Was muß man erlebt haben, um mit dem 26 Jahr die Geburt der Tragödie schreiben zu können!
5 [104]
ma non si deve fischiar in presenza d’un professore: ciò pecca contro la buona creanza
5 [105]
Eine Handlung gut, zu der das Gewissen Ja gesagt hat! als ob ein Werk schön wäre, bloß weil es dem Künstler gründlich gefällt! Der “Werth” abhängig von begleitenden Lustgefühlen des Thäters! (—wer rechnet da Eitelkeit, Ruhen im Herkömmlichen usw. auseinander!)
Andrerseits sind alle entscheidenden und werthvollen Handlungen ohne jene Sicherheit gethan worden ...
Man muß zusehn, nach objektiven Werthen zu urtheilen. Ist “der Nutzen” der Gemeinschaft ein solcher? Ja: nur wird er gewöhnlich wieder mit den “Lustgefühlen” der Gemeinschaft verwechselt. Eine “schlimme Handlung” die für die Gemeinschaft als Stimulans wirkt und sehr unangenehme Gefühle zunächst erregt, wäre in sofern eine werthvolle Handlung.
5 [106]
Gegen die Heerden-Moral. Eine Kriegserklärung.
5 [107]
Kritik der “Gerechtigkeit” und “Gleichheit vor dem Gesetz”: was eigentlich damit weggeschafft werden soll? Die Spannung, die Feindschaft, der Haß,—aber ein Irrthum ist es, daß dergestalt “das Glück” gemehrt wird: die Corsen genießen mehr Glück als die Continentalen
5 [108]
Grundfehler: die Ziele in die Heerde und nicht in einzelne Individuen zu legen! Die Heerde ist Mittel, nicht mehr! Aber jetzt versucht man, die Heerde als Individuum zu verstehen und ihr einen höheren Rang als dem Einzelnen zuzuschreiben,—tiefstes Mißverständniß!!! Insgleichen das, was heerdenhaft macht, die Mitgefühle, als die werthvollere Seite unserer Natur zu charakterisiren!
5 [109]
Diese Pariser Dichter und romanciers von heute, feine neugierige Hunde, welche mit aufgeregten Augen “dem Weibe” bis in seine übelriechendsten Heimlichkeiten nachgehen
5 [110]
Gury, Compendium theologiae Moralis Ratisb 1862]
Stein, Studien über die Hesychasten 1874
Braid, Hypnotism, deutsch von Preyer 1882
v. Cremer, Culturgeschichte des Orients
” Geschichte der herrschenden Ideen des Islams 1868
” Geschichtliche Streifzüge auf dem Gebiet des Islams 1873
12, 5[1-110] Sommer 1886 - Herbst 1887
5 [1]
Books Ziegler
History of Ethics
5 [2]
Dawn
and
joyful Science
5 [3]
We place a word where our ignorance begins,—where we can no longer see further, e.g., the word “I,” the word “do,” the word “suffer”: these may be horizons of our knowledge, but not “truths.”
5 [4]
The lazy spot of Kantian criticism has gradually become visible even to coarser eyes: Kant no longer had the right to his distinction between “appearance” and “thing in itself”—he had cut off his own right to continue distinguishing in this old customary way, insofar as he rejected the inference from the appearance to a cause of the appearance as impermissible—according to his conception of the causality concept and its purely intra-phenomenal validity: which conception, on the other hand, already anticipates that distinction, as if the “thing in itself” were not only inferred but given.
5 [5]
The origin of moral sensations by Dr. Paul Rée: a clever, slow little book without enthusiasm and virtuous attitudes, which in a pleasant way lacks the character of youth. The words with which I sought to drive its young and isolated author into the realm of science at this point—strong words, which have even been held against me—perhaps truly belong among my foolishnesses; at least they have so far been spoken in vain ...(I recall with displeasure, as one can see, a disappointed hope, of that kind of hope which the talent of Jews has often aroused in me—as the kind of people who in present-day Europe have by far inherited the most spirituality, but at the same time also a tempo of development that drives them fatally quickly to maturity (and unfortunately even beyond it...))
5 [6]
And if you seriously want to get rid of “that beyond”: I fear there is no other means, you must first resolve to my “beyond”.
5 [7]
The happiness that the modest believe its rightful name on earth is “So! So!”
Whoever is something that easily breaks fears children’s hands and everything that cannot love without destroying.
Whoever reaches into thorns spares their fingers less than one who wields a dagger.
horned Wagnerians
5 [8]
The psychological feat of these years was to walk across a terrible abyss and not look down; but to cheerfully take step by step as if it were a matter of crossing a colorful meadow, at the end of which perhaps a great danger awaits us: in short, to boldly walk away from a danger, with the belief of walking towards a danger.
5 [9]
| Exoteric — esoteric |
| 1. | — everything is will against will |
| 2 | There is no will at all |
| 1 | Causalism |
| 2 | There is nothing like cause and effect. |
| 1. | |
| All causality psychologically goes back to the belief in intentions: Precisely the effect of an intention is unprovable. (Causa efficiens is a tautology with finalis) psychologically considered — |
5 [10]
What is “recognizing”? Reducing something foreign to something known, familiar. First principle: that to which we have become accustomed no longer appears to us as a riddle, as a problem. Dulling of the sense of the new, the strange: everything that happens regularly no longer seems questionable to us. Therefore, seeking the rule is the first instinct of the one who recognizes: while naturally, with the establishment of the rule, nothing has yet been “recognized” at all!— Hence the superstition of physicists: where they can persist, i.e., where the regularity of phenomena permits the use of abbreviating formulas, they believe something has been recognized.
They feel "security": but behind this intellectual security lies the calming of fearfulness: they want the rule, because it strips the world of its terror. The fear of the unpredictable as the background instinct of science.Regularity lulls the questioning (i.e., fearful) instinct to sleep: "to explain" means to demonstrate a rule of occurrence. Belief in the "law" is belief in the danger of the arbitrary. The good will to believe in laws has helped science to victory (especially in democratic ages)
5 [11]
The intellect cannot criticize itself, precisely because it cannot be compared with intellects of a different nature and because its capacity for cognition would only become apparent in the face of “true reality”—that is, because, in order to criticize the intellect, we would have to be a higher being with “absolute knowledge.” This would already presuppose that, apart from all perspectival modes of observation and sensuous-spiritual appropriation, there would be something, an “in-itself”—But the psychological derivation of the belief in things forbids us from speaking of “things-in-themselves.”
5 [12]
Fundamental question: whether the perspectival belongs to the essence? And is not just a form of consideration, a relation between different essences? Do the various forces stand in relation, such that this relation is bound to perceptual optics? This would be possible, if all being essentially were something perceiving.
5 [13]
That similarity of form indicates kinship, origin from a common form—that similarity of sound in words indicates kinship of words, is a way of inferring in which inertia whispers: as if it were more probable that a form arose once rather than multiple times...
The succession of phenomena, no matter how precisely described, cannot give the essence of the process—but the constancy of the distorting medium (our “I”—) is at least present. It is as if rhymes from one language are lost in a translation into another: but the belief is evoked that in that original language it was a poem in rhymes. Thus, the sequence evokes the succession, the belief in a kind of “connection” beyond the change we observe.
5 [14]
The development of science increasingly dissolves the "known" into the unknown: but it wants precisely the opposite and proceeds from the instinct to reduce the unknown to the known.
In summa, science prepares a sovereign ignorance, a feeling that "knowing" does not occur at all, that it was a kind of arrogance to dream of it, even more, that we do not retain the slightest concept to even allow "knowing" as a possibility—that "knowing" itself is a contradictory idea.
— — through the “laws”
“Wisdom” as an attempt to go beyond the perspectival valuations (i.e., beyond the “will to power”) beyond a life-hostile and dissolving principle, symptom as with the Indians etc. Weakening of the power of appropriation.
5 [15]
As good as the attempt is made to translate everything into the dead, inanimate in our senses (i.e., to resolve into movements, etc.), it is equally permissible to resolve everything seen, heard, what our senses offer, into our vital functions, i.e., as desire, perception, feeling, etc.
5 [16]
The scientific accuracy is first to be achieved with the most superficial phenomena, i.e., where counting, calculating, touching, seeing can be done, where quantities can be ascertained. Thus, the most wretched areas of existence have been cultivated first. The demand that everything must be explained mechanistically is the instinct as if the most valuable and fundamental insights had succeeded first precisely there: which is a naivety.
Actually, everything that can be counted and grasped is of little value to us: where we cannot reach with "comprehension," that is what we consider "higher." Logic and mechanics are applicable only to the most superficial: actually only a schematizing and abbreviating art, a mastery of multiplicity through an art of expression—not "understanding," but a designation for the purpose of communication. To think of the world reduced to the surface is to make it first "comprehensible."Logic and mechanics never touch causality — —
5 [17]
How the skeptical, uncertainty-suffering ages transition to rigid belief: on the other hand, people, with an aversion to premature dogmas and constraints, only slowly and late force themselves into an overall belief (because they do not suffer from uncertainty, but take pleasure in it). This latter kind of forced overall belief and generalization has decisive value: they have grown despite the counter-tendency. On the origin of systematic conceptions: a) from schematic minds b) from suffering due to uncertainty c) rarer case, among those who dislike schematizing and are incerti amici
5 [18]
“What can be proven is true” That is an arbitrary definition of the concept “true,” which cannot be proven! It is a simple “this shall be considered true, shall be called ‘true’!” In the background stands the utility of such validity of the concept “true”: for the provable appeals to the most common in minds (to logic): which is why it is naturally nothing more than a utility measure in the interest of the majority. “True” “proven” i.e. derived from conclusions, provided that the judgments which are brought to conclusion are already “true” (i.e. generally accepted) Thus “true” is something that, according to a generally accepted manner of reasoning, is traced back to generally accepted truths. This therefore means: “what can be proven is true” already presupposes truths as given
5 [19]
The world that concerns us is only apparent, is unreal.— But we have derived the concept of “real, truly existing” from “concerning us”; the more we are affected in our interest, the more we believe in the “reality” of a thing or being. “It exists” means: I feel myself as existing through it.— Antinomy.
As much life comes from that feeling, as much meaning we attribute to what we believe to be the cause of this excitement. The “being” is thus grasped by us as that which acts upon us, that which proves itself through its action.— “Unreal” “apparent” would be that which cannot produce effects, but seems to produce them. —
Suppose, however, that we place certain values in things, then these values act back upon us in return, after we have forgotten that we were the givers.
Suppose I consider someone to be my father, then much follows for each of his expressions toward me: they are interpreted differently.— Thus, given our conceptions and interpretations of things, our interpretation of things, it follows that all “real” effects of these things upon us appear differently, newly interpreted, in short, act differently.
If now all conceptions of things were false, it follows that all effects of things upon us are felt and interpreted based on a false causality: in short, that we measure value and disvalue, benefit and harm based on error, that the world which concerns us is false.
5 [20]
The air goes cool and pure
— I would like to
the day looks grim
In the evening, when even the bravest heart doubts and looks weary.
the flame with white-gray belly, whose neck longingly bends and turns toward pure heights
5 [21]
The problems with which I am confronted seem to me of such radical importance that I almost every year a couple of times rose to the delusion that the intellectual people to whom I made these problems visible would have to set aside their own work for the time being in order to devote themselves entirely to my affairs. What then happened each time instead was in such a comical and eerie way the opposite of what I had expected that I, an old connoisseur of human nature, learned to be ashamed of myself again and again had to relearn from the beginner's lesson—that people take their habits a hundred thousand times more important than even—their advantage...
5 [22]
Basic solution:
we believe in reason: but this is the philosophy of the gray concepts, language is constructed according to the most naive prejudices
now we read disharmonies and problems into things because we only think in linguistic form—thus believing in the “eternal truth” of “reason” (e.g., subject predicate etc.
we stop thinking, when we do not want to do it under the linguistic constraint, we barely reach the doubt of seeing a boundary as a boundary.
Rational thinking is an interpretation according to a schema, which we cannot discard.
5 [23]
voluntarily apart, composed, gracious towards things and chance, grateful for the smallest glimpses of health, accepting pain as a rule, as a condition, as something self-willed, and exploiting it with cunning compulsion for our purposes, interrogating —
5 [24]
People in whose bodies the inner beast constantly grunts and rumbles
5 [25]
not only morality as prejudice, but living beyond the most highly honored type of previous morality
remaining with an ironic omniscience over the entire previous vita contemplativa
With a very bad will to remain seated in one of the previous worldview angles, no matter how deeply curiosity has driven me into each of them: with an all the stricter will to experience for myself the state from which each of these world-angle perspectives, which one calls a philosophy or a “religion,” once arose
5 [26]
the experienced hint of something infinite, which we are free to conquer
5 [27]
To understand this book, you must grant me some prerequisites
5 [28]
That someone can even take morality as prejudice, and afterwards still enjoy a dawn-like happiness in this victory of skepticism —
5 [29]
One must want to experience the great problems with body and soul erleben
5 [30]
The people have, quite reasonably, the most false notion of the state from which they are most distant, of wisdom
5 [31]
Every great problem is a symptom: a person with a certain quantum of strength, finesse, comprehensiveness, with this danger, with this audacity has brought it forth from within themselves
5 [32]
The people need individuals who lead by good example: and by shaping from all that it must overcome within itself the ideal of a victorious overcomer, it has gained a kind of criterion for its kind of highest humans. Therein lies a great danger. Let us be honest and admit to ourselves why Christ, for example, is only an ideal of the “common man.”
5 [33]
The people tend to ask a philosopher with earnest seriousness whether he really lived as he taught: they judge for themselves that moral preaching is easy and of little significance, but that it is something to live morality, any kind of morality. This is a naivety: for how could one come to knowledge if he had not lived in the land of which he speaks!
Suppose that a philosophy
The people demand of a philosopher that he not lie: for they believe that only the truthful recognize the truth. Likewise, that he live without sensual pleasure, renouncing
5 [34]
The most intellectual people experience the charm and magic of sensual things in a way that other people, those with “fleshy hearts,” cannot even imagine—nor should they imagine it: they are sensualists in the best sense, because they grant the senses a more fundamental value than those fine sieves, those dilution and reduction apparatuses, or whatever one might call what is referred to, in the language of the people, as “spirit.” The strength and power of the senses—this is the most essential aspect of a well-formed and whole human being: the magnificent “animal” must first be given—what good is all “humanization” otherwise!
5 [35]
The whole morality has the utility of the herd at its core: the sorrow of all higher, rare individuals lies in the fact that everything that distinguishes them comes to their consciousness with a feeling of diminishment and disparagement. The strengths of the present-day human are the causes of the pessimistic darkening: the mediocre, like the herd, are without much questioning and conscience—cheerful. On the darkening of the strong: Schopenhauer Pascal
NB. The more dangerous a property seems to the herd, the more thoroughly it is held in check.
5 [36]
Our “recognizing” is limited to determining quantities, i.e.
but we cannot prevent ourselves from perceiving these quantitative differences as qualities. The quality is a perspectival truth for us; not an “in itself.”
Our senses have a certain quantum as a mediator, within which they function, i.e., we perceive large and small in relation to the conditions of our existence. If we sharpened or dulled our senses tenfold, we would perish. That is, we also perceive size ratios in relation to the enabling of our existence as qualities.
5 [37]
To describe how one does it in epistemological thinking, physiologically. Primitive,—how?
5 [38]
The antinomy of my existence lies in the fact that everything I need as a radical Philosophus radicalis—freedom from profession, wife, child, friends, society, fatherland, homeland, faith, freedom almost from love and hate—I experience as just as many privations, insofar as I am fortunately a living being and not merely an abstraction apparatus. I must add that in any case I lack solid health—and that I feel the burden of those privations less harshly only in moments of health. I still do not know how to bring together the five conditions on which a tolerable middle state of my labile health could be based.
Nevertheless, it would be a fateful mistake if, in order to create the 5 conditions for myself, I deprived myself of those 8 freedoms: This is an objective view of my situation. —The matter complicates itself insofar as I am also a poet, as is fitting, with the needs of all poets: which include sympathy, a brilliant household, peace, and the like (with regard to which needs I have no other designation for my life than a doghouse existence). The matter complicates itself once again insofar as I am also a musician: so that actually nothing in life
5 [39]
— that I speak the language of the people’s moralists and “holy men” and do so with uninhibited originality, as enthusiastically as merrily, but at the same time with an artist’s delight that is not far from irony—namely, over the fact that here the most refined form of modern thought is constantly translated back into the language of naivety—thus with a secret triumph over the conquered difficulty and apparent impossibility of such an undertaking
5 [40]
On the Genealogy
of Morality.
First Treatise
by
Friedrich Nietzsche.
2. the ascetic ideal
3. responsibility.
4. “I” and “he.”
5 [41]
Prelude of P, greatest kindness that has been shown to me for a long time. The power and severity of the feeling, indescribable, I know nothing that takes Christianity so deeply and brings it so sharply to compassion. Completely uplifted and moved—no painter has painted such an indescribably melancholic and tender look as Wagner
the greatness in grasping a terrible certainty, from which something of compassion wells up:
the greatest masterpiece of the sublime that I know, the power and severity in grasping a terrible certainty, an indescribable expression of greatness in compassion about it; no painter has painted such a dark, melancholic, tender look as Wagner in the last part of the prelude.Not Dante either, not Leonardo either.
As if, after many years, someone were finally speaking to me about the problems that trouble me, not of course with the answers I have ready for them, but with the Christian ones—which have ultimately been the answers of stronger souls than our last two centuries have produced. One does, however, set aside Protestantism as a misunderstanding when listening to this music: just as Wagner’s music in Monte Carlo led me—though I won’t deny it—to also set aside the otherwise heard very good music (Haydn Berlioz Brahms Reyers Sigurd-Overture) as a misunderstanding of music. Strange! As a boy, I had envisioned the mission of bringing the mystery onto the stage;
5 [42]
Critique of the Christian ideal
of poverty,
of chastity,
of humility.
The European aspirations to Fakirthum.
5 [43]
| “this young Jew, at once gentle and terrible, refined and imperious, naive and profound, filled with the selfless zeal of a sublime morality and the ardor of an exalted personality” |
(“the gospels”) Renan. |
| It is from the feudal system and not from its fall that egoism, avarice, violence, and cruelty were born, which led to the terrors of the September massacres |
v. Sybel!! |
5 [44]
Let us thus honor the blind, the trusting, the simple, the peaceful, the donkeys, let us protect and defend them from ourselves—all these guileless, unquestioning, cow-warm milk-hearted souls who have nothing of life but its most treacherous distinction, not to know it... let us preserve them for ourselves with this art of swift silence for our own evil days—for we too need oases from time to time, human oases, where one forgets, trusts, falls asleep again, dreams again, loves again, becomes “human” again...
5 [45]
]
Meanwhile, a very peculiar gentleman named Theodor Fritsch from Leipzig has corresponded with me: I could not help but, since he was pushy, give him a couple of friendly kicks. These present-day “Germans” disgust me more and more.
5 [45]
Meanwhile, a very peculiar gentleman, named Theodor Fritsch from Leipzig, has corresponded with me: I could not help but, since he was pushy, give him a couple of friendly kicks. These current “Germans” are making me more and more disgusted.
5 [46]
We Hyperboreans.
Neither by water, nor by land
can you find the way to the Hyper-
boreans
Pindar.
Beyond the North, the ice, the hardness, the death — our life! Our happiness!
5 [47]
How should they give up our right audience, these Moralists, who with a shameful presumption only listen to what they get out of it and whether anything comes out of it for them at all. To the Preface.
“What do I get out of it?
How do I look in this?
“What do I take for myself here?”
— the unauthorized spirits.
5 [48]
NB “German youths” and other fervent cattle—cow-warm milk hearts
5 [49]
Morality as man's greatest danger
Virtue, e.g., as truthfulness, as our noble and dangerous luxury; we must not reject the disadvantages it brings with it.
5 [50]
1) That typical transformation, for which among the French G. F. and among the Germans R. W. provide the clearest example: between 1830 and 1850, the romantic belief in love and the future transforms into the desire for nothingness.
2) the tragic age for Europe: conditioned by the struggle against nihilism.
Perhaps title of No. 10. |
3) What does the sense for color among the French, for tone (and “harmony” specifically) among the Germans mean? Stimulus partly for a coarser type of person, partly for a more blasé type of person.
4) Pessimism and the aesthetic theory
5) Greek philosophy from Socrates onward as a symptom of sickness and consequently a preparation for Christianity.
6) Anarchism
7) Against causation. Conditions for a cause.
8) the educational lie. Plato. This includes all "ideals." But education for what? To create lasting structures in which something long can grow.
9) How does the fame of a moral quality arise?
10) Morality leads to mediocrity, lowering of the level. To what extent an instinct of preservation speaks here.
10) In the great man, the specific properties of life—wrongdoing, lying, exploitation—are greatest. Yet insofar as they have had an overwhelming effect, their essence has been most misunderstood and interpreted as good. Carlyle as interpreter.11) Antagonism between reinforcement and improvement.
12) Against atomism.
13) The belief in the self
14) to invent a new perfection in which our entire human distress and uncertainty do not revolt.
15) How does the strong person arise? v.
16) The types of intoxication?
17) What does our sense for high mountains, desert, campagna Romana, nationalism mean?
18) Diminishment of humanity since Copernicus.
19) Evaluations as cause and as consequence
20) The sequence is also only description.
21) Agnostics
22) On the lack of discipline of the spirit—what is the depravity of the intellect?
23) What does the dominance of music mean?
24) Devotion to the person as a relief of morality. (Father, ancestor, prince, priest, God)
25) Mysteries (“Drama”).
26) Punishment: Maintenance of a higher type.
27) The scientific “appearance.” On acting
28) On the physiology of power
29) our European culture—what it presses for, in contrast to the Buddhist solution in Asia?
30) Interpretation, not explanation.
31) On logic: the will to equality as will to power.
32) “Thing in itself”
33) against mechanism
34) The moral prejudice in belief in dialectics
35) The slanderous nature of ideals.
36) Psychology of the scientific need.
37) modern obscuration
38) acting
39) the demagogic in the arts
40) Hedonism in current Christianity.
41) both Kant and Hegel and Schopenhauer determined by moral fundamental judgment. Likewise Plato, Spin.
42) Misunderstanding of cheerfulness, of irony.43) “Pangs of conscience”
44) Reversals of moral judgment
45) Doctrine of the milieu
46) Popular ideals, Fr. v. Assisi.
47) “We Immoralists.”
48) Sense of freedom.
49) What is noble? (red-marble book)
50) all great people evil people
51) Tartuffery of scientificity
52) just as Descartes grounded the truth of sensory perception in the nature of God, one could reject Kant’s doctrine of reason, which creates illusion. In this respect, even the theory of knowledge depends on a prior decision about the moral character of existence.The English think that one will only obey a moral God.—The atheists are precisely the most biased in moral matters.
53) the feeling of well-being as the feeling of power triggered by slight resistances: for in the entire organism there is a constant overcoming of countless inhibitions,—this feeling of victory comes to consciousness as a total feeling, as lightness, “freedom”
conversely: if there are heavy inhibitions, the feeling of power is not triggered:
NB. Therefore, the feeling of displeasure is fundamentally different from the feeling of pleasure; the latter is a feeling of power which, in order to be aroused, requires as its prerequisite small inhibitions and feelings of displeasure.
5 [51]
Hierarchy
Retribution.
Truth and truthfulness.
Justice, punishment, etc.
Compassion
5 [52]
Maxim: do not associate with anyone who participates in the deceitful racial fraud.
(How much deceit and swamp is needed to stir up racial issues in today's Mischmasch-E!)
5 [53]
The century as heir to the previous
1) sensualistic, hedonistic
(or pessimistic)
2) enthusiastic—moral
Freedom, knowledge, happiness
in alliance
3)
5 [54]
The principle of the conservation of energy demands the eternal recurrence.
5 [55]
Main error of psychologists: they consider the less distinct representation as a lower type of representation compared to the clear one: but what recedes from our consciousness and thus becomes dark, can in itself be perfectly clear. The darkening is a matter of the consciousness-perspective.
The “darkness” is a consequence of the consciousness-optics, not necessarily something inherent to the “dark.”
5 [56]
Everything that enters consciousness as a "unit" is already incredibly complicated: we always have only an appearance of unity.
The phenomenon of the body is the richer, clearer, more tangible phenomenon: methodically to be given priority, without determining anything about its ultimate meaning.
NB. Even if the center of "consciousness" does not coincide with the physiological center, it would still be possible that the physiological center is also the psychic center.
The intellectuality of feeling (pleasure and pain), i.e., it is dominated by that center.
5 [57]
The problem of nihilism (against pessimism etc.)
The struggle against it strengthens it.
All positive forces of the century seem only to prepare it
e.g. natural science
Explanation: Decline of a valuation of things, which gives the impression that no other valuation is possible.
5 [58]
Morality as an illusion of the species to drive the individual to sacrifice himself for the future: seemingly granting him infinite value, so that he, with this self-consciousness, tyrannizes and suppresses other sides of his nature and is hard to satisfy himself.
Deepest gratitude for what morality has achieved so far: but now only a pressure that would become a doom! It itself compels as honesty to deny morality.
5 [59]
The prerequisite of scientific work: a belief in the association and continuity of scientific work, so that the individual may work at any, even the smallest, place, trusting not to work in vain. This
There is one great paralysis: working in vain, fighting in vain. — —
The accumulating times, where strength, means of power are found, which the future will one day make use of: science as an intermediate station, at which the intermediate, more numerous, complicated beings have their most natural discharge and satisfaction: all those, to whom the deed is repugnant.
5 [60]
The dogmatic spirit in Kant
5 [61]
A time when man has power in abundance at his disposal: science is striving to bring about this enslavement of nature.
Then man gets leisure: to educate himself, to something new and higher. New aristocracy
Then a lot of virtues become obsolete, which were now conditions of existence.
Traits no longer necessary, consequently they are lost.
We no longer need the virtues necessary: consequently we lose them: both the morality of "One is necessary," of the salvation of the soul, of immortality: a means to enable man to exercise enormous self-conquest (through the affect of an enormous fear:::
the various kinds of Noth, through whose breeding the human is shaped: Noth teaches to work, to restrain one's thoughts
The physiological purification and strengthening
the new aristocracy needs an opposite against which it struggles: it must have a terrible urgency to preserve itself.
the two futures of humanity:
1) the consequence of mediocrity
2) the conscious elevation, self-shaping
a teaching that creates a chasm: it preserves the highest and the lowest kind (it destroys the middle)
the previous aristocrats, spiritual and secular, prove nothing against the necessity of a new aristocracy.
Theory of Herrschaftsgebilde instead of: Sociologie
5 [62]
One may allow oneself the truth to the extent that one is already elevated enough to no longer need the compulsory school of error.
If one judges existence morally, it disgusts one.
5 [63]
One should not invent false persons, e.g., not say “nature is cruel.” Precisely to recognize that there is no such central being of responsibility relieves!
Development of humanity. A. To gain power over nature and to that end a certain power over oneself. Morality was necessary to assert the human being in the struggle with nature and the “wild beast.”
B. Once power over nature is achieved, one can use this power to freely develop oneself further: will to power as self-elevation and intensification.
5 [64]
What is “passive”? | resist and react. Inhibited in the forward-moving motion: thus an action of resistance and reaction |
What is “active”? | reaching for power |
“Nutrition” | is only derived, the original is wanting to include everything within itself |
“Procreation” | only derived: originally, where one will is not sufficient to organize the entire appropriated, an opposing will comes into force, which carries out the separation, a new organizational center, after a struggle with the original will |
Pleasure | as a feeling of power (presupposing displeasure) |
5 [65]
All thinking, judging, perceiving as comparing presupposes a “making equalsetting equal,” even earlier a “making equalmaking equal.” Making equal is the same as the incorporation of assimilated matter in the amoeba.
Memory comes late, insofar as here the equalizing drive already appears tamed: the difference is preserved. Remembering as a categorizing and compartmentalizing, active—who?
5 [66]
The value of unreasonable inclinations
e.g. motherly love, love for the “work” etc.
not “altruistic”!
5 [67]
No “moral education” of mankind: but the compulsory school of errors is necessary, because “truth” disgusts and embitters life, provided that man is not already irrevocably thrust into his path and accepts his honest insight with a tragic pride.
5 [68]
The physiologists, like the philosophers, believe that consciousness, as it increases in brightness, grows in value: the brightest consciousness, the most logical and coldest thinking, is of first rank. However—by what is this value determined?— The most superficial, simplest thinking is, with regard to triggering the will, the most useful (because it leaves few motives remaining) — it could therefore be the etc. NB.
the precision of action stands in antagonism to the far-sighted and often uncertainly judging foresight: the latter guided by the deeper instinct.
NB. To measure value according to the breadth of usefulness.
5 [69]
Our passions and inclinations want their satisfaction and for that also dominion over the intellect
5 [70]
1. Philosophy of History.
2. Psychology.
3. Culture of the Greeks.
4. Philosophy of Morality.
5. History of Greek Philosophy.
Nihilism: Decline of a Total Evaluation (namely the moral one) the new interpretive forces are lacking.
On the History of Values.
The Will to Power and its Metamorphoses.
(what the previous will to morality was: a school)
Eternal Recurrence as Hammer.
5 [71]
The European Nihilism.
| Lenzer Heide | the 10th of June 1887 |
1.
What advantages did the Christian moral hypothesis offer?
1) it gave man an absolute value, in contrast to his smallness and randomness in the stream of becoming and passing away
2) it served the advocates of God, insofar as it allowed the world, despite suffering and evil, to retain the character of perfection—including that “freedom”—evil appeared full of meaning.
3) it posited a knowledge of absolute values in humans and thus granted them adequate cognition precisely for what is most important
it prevented humans from despising themselves as humans, from taking sides against life, from despairing of knowledge: it was a preservative—in sum: morality was the great antidote to practical and theoretical nihilism.
2.
But among the forces that nurtured morality was truthfulness: this now turns against morality, uncovering its teleology, its interested perspective—and now the insight into this long-ingrained mendacity, which one desperately seeks to shed, acts precisely as a stimulant. Toward nihilism.We now recognize needs in ourselves, planted by the long moral interpretation, which now appear to us as needs for the untrue: on the other hand, they are the ones to which the value seems to cling, for whose sake we endure to live. This antagonism, not valuing what we recognize and no longer being allowed to value what we would like to deceive ourselves with:—yields a process of dissolution.
3.
In fact, we no longer need a remedy against the first nihilism so urgently: life is no longer so uncertain, accidental, senseless in our Europe. Such an enormous potentiation of the value of man, of the value of evil, etc.is not so necessary now, we can tolerate a significant reduction of this value, we may allow much nonsense and chance: the achieved power of man now permits a lowering of the means of discipline, of which the moral interpretation was the strongest. “God” is a far too extreme hypothesis.
4.
But extreme positions are not replaced by moderate ones, but again by extreme, but opposite ones. And thus the belief in the absolute immorality of nature, in the purposelessness and meaninglessness, is the psychologically necessary affect when the belief in God and an essentially moral order can no longer be maintained. Nihilism now appears, not because the displeasure with existence is greater than before, but because one has become distrustful of any “meaning” in suffering, indeed in existence itself.An interpretation went to the ground; but because it was considered the interpretation, it seems as if there were no meaning in existence at all, as if everything were in vain.
5.
That this “In vain!” is the character of our present nihilism remains to be proven. The mistrust of our former valuations increases to the question “are not all ‘values’ lures with which the comedy is prolonged, but by no means approaches a solution?” The duration, with an “In vain,” without goal and purpose, is the most paralyzing thought, especially when one realizes that one is being fooled and yet is powerless not to be fooled.
6.
Let us think this thought in its most terrible form: existence as it is, without meaning or purpose, but inevitably recurring, without a finale into nothingness: "the eternal recurrence."
This is the most extreme form of nihilism: the nothing (the "meaningless") eternal!
European form of Buddhism: energy of matter and force compels such a belief. It is the most scientific of all possible hypotheses. We deny final goals: if existence had one, it would have to be achieved.
7.
Here one understands that a contrast to pantheism is being sought: for "Everything perfect, divine, eternal" also compels belief in the “eternal recurrence.” Question: has morality also made this pantheistic affirmation of all things impossible? In essence, only the moral God has been overcome.
Does it make sense to conceive of a God beyond "good and evil"? Would a pantheism in this sense be possible? Do we remove the purpose from the process and still affirm the process?—This would be the case if something within that process were achieved in every moment of it—and always the same.Spinoza attained such an affirmative position insofar as every moment has a logical necessity: and he triumphed with his logical instinct over such a nature of the world.
8.
But his case is only a single case.Every fundamental character trait, which underlies every event, which expresses itself in every event, would, if felt by an individual as their fundamental character trait, drive this individual to triumphantly approve every moment of general existence. It would simply depend on feeling this fundamental character trait within oneself as good, valuable, with pleasure.
9.
Now, morality has protected life from despair and the leap into nothingness for those people and classes who were oppressed and crushed by humans: for powerlessness against humans, not powerlessness against nature, produces the most desperate bitterness toward existence.The morality has treated the rulers, the violent, the "masters" in general as the enemies against whom the common man must be protected, i. e. first encouraged, strengthened. Morality has therefore taught to hate and despise most deeply what is the fundamental characteristic of the rulers: their will to power. To abolish, deny, or dissolve this morality would be to endow the most hated drive with an opposite feeling and valuation. If the suffering, oppressed person lost the belief that he has a right to his contempt for the will to power, he would enter the stage of hopeless desperation.This would be the case if this drive were essential to life, if it turned out that even in that “will to morality,” only this “will to power” were concealed, that even that hatred and contempt were still a will to power. The oppressed would see that he stands with the oppressor on the same ground and that he has no privilege, no higher rank over him.
10.
Rather the opposite! There is nothing in life that has value except the degree of power—assuming that life itself is the will to power. Morality protected the misfits from nihilism by ascribing to everyone an infinite value, a metaphysical value, and placing them in an order that did not align with that of worldly power and rank: it taught submission, humility, etc.Suppose, that faith in this morality goes to the ground, then the ill-constituted would no longer have their comfort—and go to the ground.
11.
The going-to-the-ground presents itself as a—destroying-oneself, as an instinctive selection of that which must destroy. Symptoms of this self-destruction of the ill-constituted: self-vivisection, poisoning, intoxication, romanticism, above all the instinctive compulsion to actions with which one makes the powerful into mortal enemies (—as if breeding one's own executioners) the will to destruction as the will of an even deeper instinct, the instinct of self-destruction, the will into nothingness.
12.
Nihilism, as a symptom of the fact that the ill-fated have no more consolation: that they destroy in order to be destroyed, that they, released from morality, have no more reason to "surrender"—that they place themselves on the ground of the opposite principle and also want power on their part by forcing the powerful to be their executioners. This is the European form of Buddhism, the doing-no, after all existence has lost its "meaning".
13.
The "distress" has not become greater; on the contrary! "God, morality, surrender" were remedies on terrible, deep levels of misery: active nihilism appears under relatively much more favorable conditions. Already, the fact that morality is felt to be overcome presupposes a considerable degree of spiritual culture; this again presupposes a relative well-being.
A certain mental fatigue, brought to hopeless skepticism against philosophers by the long struggle of philosophical opinions, also characterizes the by no means low status of those nihilists. Consider the situation in which Buddha appeared. The doctrine of eternal recurrence would have scholarly prerequisites (as Buddha's teachers had such, e.g., the concept of causality, etc.).14.
What does "schlechtweggekommen" mean now? Above all physiologically? not politically.The unhealthiest type of person in Europe (in all classes) is the foundation of this nihilism: they will perceive the belief in eternal recurrence as a curse, struck by which one no longer shrinks back from any action: not passively extinguishing, but making everything extinguish itself, which is to this degree senseless and purposeless: although it is only a spasm, a blind rage at the insight that everything has been there since eternity—including this moment of nihilism and lust for destruction.— The value of such a crisis is that it purifies, that it forces related elements together and makes them perish against one another, that it assigns common tasks to people of opposing ways of thinking—also bringing the weaker, more uncertain ones to light and thus to a ranking of forces, from the perspective of health,who gives the impulse: those who command as those who command, those who obey as those who obey. Naturally apart from all existing social orders.
15.
Which will prove to be the strongest? The most moderate, those who do not need extreme beliefs, those who not only admit but love a good deal of chance and nonsense, those who can think of man with a significant reduction of his value without thereby becoming small and weak: the richest in health, who are equal to the most misfortunes and therefore do not fear misfortunes so much—people who are secure in their power and who represent the achieved strength of man with conscious pride.
16.
How would such a person think of eternal recurrence? —
5 [72]
Self-abolition of Morality
honesty
justice, punishment, pity etc.
5 [73]
| Beyond Good and Evil |
17 sheets the 2nd half |
5 [74]
On the
Genealogy of Morality.
A Polemic.
By
Friedrich Nietzsche.
| Unconcerned, mocking, violent— thus wisdom wants us: she is a woman, she always loves only a warrior. Thus Spoke Zarathustra. |
Leipzig
Published by C. G. Naumann.
5 [75]
The Will to Power.
Attempt at a Revaluation of All Values.
1.
On the Value of Truth.
2.
What Follows from This.
3.
On the History of European Nihilism.
4.
The Eternal Recurrence
5 [76]
Morality as Will
5 [77]
Sayings and Arrows.
by
Friedrich Nietzsche.
Collected from his writings
and brought home by E. V. W.
5 [78]
Sayings
of an Immoralist.
5 [79]
To give this mean age, with which I somehow have to come to terms, a sample of what psychology on a grand scale is, actually makes no sense;—who would meet me with even a thousandth of the passion and suffering to comprehend where one comes to know such foreign and decisive things? ...
And what must one have experienced within oneself to conceive the birth of tragedy at the age of 25!
I have never complained about the indescribable nature of my deprivation: never hearing a kindred sound, never sharing the same suffering and will.
I myself know of no books in any literature that possess this wealth of psychological experiences, from the greatest to the smallest and most refined. The fact that, apart from me, no one fundamentally sees or knows this is due to the circumstance that I am condemned to live in an age when the rhinoceros flourishes, and moreover among a people who in psychological matters lack even the most basic education (a people who took Schiller and Fichte seriously!!). When I think that such men as R have essentially behaved toward me like cattle: what is actually
5 [80]
8. Finally, that I at least point with one word to an enormous and still completely undiscovered fact, which has only slowly, slowly been established: there have been no more fundamental problems than the moral ones, their driving force is what all great conceptions in the realm of previous values have taken their origin from (—for example, everything commonly called “philosophy”; and this down to its last epistemological presuppositions). But there are even more fundamental problems than the moral ones: these only come into view when one has the moral prejudice behind oneself ...
5 [81]
a) The grand style
The Naked: psychological purification of taste.
b) the synthetic people can not grow from the “ant.”
Our society represents only the education of the “educated” is lacking.
c) the suicide of Hariri Japan
d) to regain the right to affects for the one who recognizes
5 [82]
Law only arises where there are contracts; but for contracts to exist, a certain balance of power must be present. If such a balance is lacking, if two vastly different power quanta collide, the stronger will reach over to the weaker for its continued weakening, until finally subjugation, adaptation, integration, assimilation occurs: thus ending with the result that two have become one. For two to remain two, as stated, a balance is necessary: and therefore all law traces back to a preceding weighing. It is therefore not good to approve—since it leads astray—when justice is depicted holding a scale in hand: the correct analogy would be to place justice on a scale in such a way that it keeps the two pans in balance.
But justice is usually misrepresented: false words are also put into its mouth. Justice does not say, "to each his own," but always only, "as you do to me, so I do to you." That two powers in relation to each other impose a bridle on the ruthless will to power and not only allow themselves to be equal but also *want* to be equal—that is the beginning of all "good will" on earth. For a contract contains not only a mere affirmation regarding an *existing* quantum of power but at the same time also the will to affirm these quanta on both sides as something *permanent* and thus to maintain them to a certain degree:—in this, as said, lies a *germ* of all "good will."5 [83]
Here, where we provisionally do not yet examine the problem of the aesthetic state from the artist's perspective, but rather from that of the spectator, it is above all necessary to explain that it is not the problem of "what is the contemplative state and how is it possible?" Up to now, philosophy has naively confused the contemplative state with the aesthetic state and counted them as one: but the former is only a prerequisite of the latter and not the latter itself: only its condition, but, as one must immediately add, not in the sense that it would be its proper cause and origin.
This would be completely erroneously claimed: the inner "must," from which one aesthetically becomes, is fundamentally different from the inner "must," the consequence of which is the contemplative state, although the latter, as said, is a prerequisite for the former and must be achieved so that the aesthetic state can appear. But just as well can, once the ground has been cleared5 [84]
As many international powers as possible—to practice the world perspective .
5 [85]
Five chapters every year
5 [86]
And as the Bedouin says: “even smoke is good for something”—for it reveals to the traveler the proximity of a hospitable hearth.
5 [87]
| For one man to be above humanity, it costs the others too dearly |
|
5 [88]
History of the Jews typical for the emergence of the “idealist.” “God and Israel” in covenant. 1st refinement: only with the righteous Israel does the righteous God remain in covenant. 2) but ultimately he loves Israel, even when it suffers, even when it suffers because of its guilt. etc.
The ancient Israel and the Germans of Tacitus alike: likewise the Arabs of the Bedouin lands and the Corsicans. The Genoese from the time when President de Brosses visited them, and those of today.
5 [89]
Against the great error, as if our time (Europe) represents the highest type of human. Rather: the Renaissance people were higher, and the Greeks as well; yes, perhaps we stand quite low: “understanding” is not a sign of highest strength, but of a thorough exhaustion; the moralizing itself is a “Décadence.”
5 [90]
A word from Napoleon (February 2, 1809, to Röderer):
“I love power, I do; but it is as an artist that I love it ... I love it as a musician loves his violin; I love it to draw sounds, chords, harmonies from it.”
5 [91]
(Revue des deux mondes, 15. Febr. 1887. Taine.)
“Suddenly the faculté maîtresse unfolds: the artist, confined within the politician, emerges from his sheath; he creates in the ideal and the impossible. He is recognized again for what he is: the posthumous brother of Dante and Michelangelo: and indeed, in terms of the firm contours of his vision, the intensity, coherence, and inner logic of his dream, the depth of his meditation, the superhuman grandeur of his conception, he is their equal and their peer: his genius has the same stature and the same structure; he is one of the three sovereign spirits of the Italian Renaissance.”
Nota bene
Dante, Michelangelo, Napoleon — —
5 [92]
Of the Higher Man.
Or:
the Temptation of Zarathustra.
By
Friedrich Nietzsche.
5 [93]
Dionysus philosophos.
A
Menippean Satire.
By
Friedrich Nietzsche.
5 [94]
The antagonisms: problems whose solution ultimately depends on will (on strength—)
1. between the strength of M and the duration of the race
2. between the creative power and “humanity”
3.
5 [95]
After such a call from the innermost soul, hearing not a sound in response, that is a terrible experience, one that can destroy even the toughest person: it has lifted me out of all bonds with living people.
5 [96]
Thoughts on the Greeks.
With a Preface
to
Jakob Burckhardt.
By
Friedrich Nietzsche.
5 [97]
1. European nihilism.
2. Previous morality as hostile to life.
3. Previous morality "immoral" itself
5 [98]
1.
Whoever considers how the type of man can be raised to his greatest splendor and power will first understand that he must place himself outside morality: for morality was essentially aimed at the opposite, to hinder or destroy that splendid development where it was in progress.
For in truth, such a development consumes such an enormous quantity of people in its service that a reverse movement is only natural: the weaker, more delicate, intermediate existences need to take sides against that glory of life and strength, and to do so, they must acquire a new valuation for themselves, by means of which they condemn and, if possible, destroy life in its highest fullness. A life-hostile tendency is thus inherent in morality, insofar as it seeks to overcome the strongest types of life.5 [99]
NB
1) Attempt to approximate aesthetics through the elimination of the “I” of unselfish ethics (as its preparation)
2) Attempt to approximate it to knowledge (pure subject “pure mirror of the object”)
— against this: the object, in aesthetic contemplation, is thoroughly falsified
“pure will-less, painless, timeless subject of knowledge”
— by no means not “knowledge”!
— the will that underlines (and eliminates the rest) everything in an object that serves it to be content and harmonious with itself
the invention and arrangement of a world in which we affirm ourselves in our innermost needs
Colors, tones, shapes, movements—unconscious memory active, in which useful properties of these qualities (or associations) are preserved
a highly interested and ruthlessly interested arrangement of things
an essential falsification, an exclusion precisely of the merely ascertainable, cognitive objective sense
the simplification, emphasis on the typical—enjoyment in the overwhelming through imposing a meaning
the removal of all harmful and hostile factors in what is observed (e.g., a landscape, a thunderstorm)
the aesthetic spectator allows an overwhelming, and does the opposite of what he otherwise does against what comes from outside—he suspends his mistrust, no defense—an exceptional state: the trusting, reverent, loving reception
the will
? interest in the causes and the typical (dominant)
5 [100]
On the Critique of Ideals: begin by abolishing the word “Ideal”: critique of desirabilities.
5 [101]
to lend an ear to a poor anarchist devil who, by sprinkling the whole story with the poison of his hatred, would have us believe that he is the historian.
5 [102]
A life among horned cattle!
5 [103]
What must one have experienced to be able to write the birth of tragedy at the age of 26!
5 [104]
but one must not whistle in the presence of a professor: that offends against good manners
5 [105]
An action good, to which conscience has said Yes! as if a work were beautiful merely because it thoroughly pleases the artist! The “value” dependent on accompanying feelings of pleasure of the doer! (—who distinguishes vanity, resting in the conventional, etc.!)
On the other hand, all decisive and valuable actions have been done without that certainty...
One must see to judging by objective values. Is “the utility” of the community such a value? Yes: only it is usually again confused with the “feelings of pleasure” of the community. A “bad action” that acts as a stimulus for the community and initially arouses very unpleasant feelings would in that respect be a valuable action.
5 [106]
Against the Herd Morality. A Declaration of War.
5 [107]
Critique of “justice” and “equality before the law”: what is actually supposed to be abolished with it? The tension, the enmity, the hatred,—but it is an error that in this way “happiness” is increased: the Corsicans enjoy more happiness than the Continentals
5 [108]
Fundamental error: to place the goals in the herd and not in individual individuals! The herd is a means, nothing more! But now one tries to understand the herd as an individual and to ascribe to it a higher rank than to the individual,—deepest misunderstanding!!! Likewise, to characterize that which makes one herd-like, the compassionate feelings, as the more valuable side of our nature!
5 [109]
These Parisian poets and novelists of today, fine curious dogs, which with excited eyes follow "the woman" into her most foul-smelling secrets
5 [110]
Gury, Compendium theologiae Moralis Ratisb 1862]
Stein, Studies on the Hesychasts 1874
Braid, Hypnotism, German translation by Preyer 1882
v. Cremer, Cultural History of the Orient
” History of the Dominant Ideas of Islam 1868
” Historical Excursions in the Realm of Islam 1873