12, 1[1-247] Herbst 1885 - Frühjahr 1886
1 [1]
Eigentlich sollte ich einen Kreis von tiefen und zarten Menschen um mich haben, welche mich etwas vor mir selber schützten und mich auch zu erheitern wüßten: denn für einen, der solche Dinge denkt, wie ich sie denken muß, ist die Gefahr immer ganz in der Nähe, daß er sich selber zerstört.
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Möge Niemand glauben, daß man unversehens und mit beiden Füßen eines Tages in einen solchen herzhaften Zustand der Seele hineinspringt, dessen Zeugniß oder Gleichniß das eben abgesungene Tanzlied sein mag. Bevor man solchermaaßen tanzen lernt, muß man gründlich gehn und laufen gelernt haben, und schon auf eigenen Beinen stehn ist Etwas, für das, wie mir scheint, immer nur Wenige vorbestimmt sind. In der Zeit, wo man sich zuerst auf den eignen Gliedmaaßen hinauswagt und ohne Gängelbänder und Geländer, in den Zeiten der ersten jungen Kraft und aller Anreize eines eigenen Frühlings, ist man am schlimmsten gefährdet und geht oft schüchtern, verzagt, wie ein Entlaufener, wie ein Verbannter, mit einem zitternden Gewissen und mit wunderlichem Mißtrauen seines Wegs:—wenn die junge Freiheit des Geistes wie ein Wein ist
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Der Spiegel
Mangel einer herrschenden Denkweise.
Die Schauspieler.
Gleba.
Die neue Schamlosigkeit (die der Mittelmäßigen z.B. Engländer, auch der schreibenden Frauen)
Der Wille zum Vorurtheil (Nationen, Parteien usw.
Der latente Buddhismus.
Der Mangel an Einsamkeit (und folglich an guter Gesellschaft)
Alkohol, Buch und Musik und andere Stimulantia.
Die Philosophen der Zukunft.
Die herrschende Kaste und der Anarchismus.
Die curiosen Schwierigkeiten des Ungewöhnlichen, den seine plebejische Bescheidenheit stört.
Mangel einer Charakter-Erziehung. Mangel der höheren Klöster
Allmähliche Beschränkung der Volksrechte.
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— Die Lehre von den Gegensätzen (gut, böse usw.) hat Werth als Erziehungs-Maaßregel, weil sie Partei ergreifen macht.
— die mächtigsten, und gefährlichsten Leidenschaften des Menschen, an denen er am leichtesten zu Grunde geht, sind so gründlich in Acht gethan, daß damit die mächtigsten Menschen selber unmöglich geworden sind oder sich als böse, als “schädlich und unerlaubt” fühlen müßten. Diese Einbuße ist groß, aber nothwendig bisher gewesen: jetzt, wo eine Menge Gegenkräfte groß gezüchtet sind, durch zeitweilige Unterdrückung jener Leidenschaften (von Herrschsucht, Lust an der Verwandlung und Täuschung) ist deren Entfesselung wieder möglich: sie werden nicht mehr die alte Wildheit haben. Wir erlauben uns die zahme Barbarei: man sehe unsere Künstler und Staatsmänner an
— Die Synthesis der Gegensätze und Gegentriebe ein Zeichen von der Gesamtkraft eines Menschen: wie viel kann sie bändigen?
— ein neuer Begriff von Heiligkeit: Plato’s Naivetät—Nicht mehr der Gegensatz der verketzerten Triebe im Vordergrunde
— zu demonstriren, in wiefern die griechische Religion die höhere war als die jüdisch-christliche. Letztere siegte, weil die griechische Religion selber entartet (zurück gegangen) war.
Ziel: die Heiligung der mächtigsten furchtbarsten und bestverrufenen Kräfte, im alten Bilde geredet: die Vergottung des Teufels
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— Ich messe darnach, wie weit ein Mensch, ein Volk die furchtbarsten Triebe bei sich fesseln kann und zu seinem Heile wenden, ohne an ihnen zu Grunde zu gehn: vielmehr zu seiner Fruchtbarkeit in That und Werk
— die Auslegung aller Unglücksfalle als die Wirkung unversöhnter Geister ist das, was bisher die großen Massen zu religiösen Culten trieb. Selbst das höhere moralische Leben, das des Heiligen, ist nur als eines der Mittel erfunden worden, um unversöhnte Geister zu befriedigen.
— die Auslegung unserer Erlebnisse als providentieller Winke einer gütigen, erziehenden Gottheit, auch unserer Unglücksfälle:—Entwicklung des väterlichen Gottesbegriffs, von der patriarchalischen Familie aus.
— die absolute Verderbtheit des Menschen, die Unfreiheit zum Guten und folglich die Auslegung aller unserer Handlungen mit der Interpretation des bösen Gewissens: endlich Gnade. Wunder-Akt. Plötzliche Umkehr. Paulus, Augustin, Luther
— die Barbarisirung des Christenthums durch die Germanen: die zwischengöttlichen Wesen, und die Vielheit der Sühnkulte, kurz der vorchristliche Standpunkt kommt wieder. Ebenso das Compositions-system.
— Luther giebt wieder die Grundlogik des Christenthums, die Unmöglichkeit der Moral und folglich der Selbstzufriedenheit, die Nothwendigkeit der Gnade und folglich der Wunder und auch der Prädestination. Im Grunde ein Eingeständniß des Überwundenseins und ein Ausbruch von Selbst-Verachtung.
— “es ist unmöglich, seine Schulden zu bezahlen,” Ausbrüche der Heilsbegierde und der Culte und Mysterien. “Es ist unmöglich, seine Sünde loszuwerden” Ausbruch des Christenthums des Paulus Augustin und Luther. Ehemals war das äußere Unglück der Anstoß religiös zu werden; später das innere Unglücks-Gefühl, die Unerlöstheit, Angst, Unsicherheit. Was Christus und Buddha auszuzeichnen scheint: es scheint das innere Glück zu sein, das sie religiös mache
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— das Gefühl der höheren Rangordnung anzugehören ist dominirend im sittlichen Gefühle: es ist das Selbst-zeugniß der höheren Kaste, deren Handlung und Zustände nachher wieder als Abzeichen einer Gesinnung gelten, mit der man in jene Kaste gehört oder gehören sollte —
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— zuerst wird das sittliche Gefühl in Bezug auf Menschen (Stände voran!) entwickelt, erst später auf Handlungen und Charakterzüge übertragen. Das Pathos der Distanz ist im innersten Grunde jenes Gefühls.
1 [8]
— die Unkenntniß des Menschen und das Nicht-Nachdenken macht, daß die individuelle Zurechnung erst spät gemacht wird. Man fühlt sich selber zu unfrei, ungeistig, durch plötzliche Antriebe fortgerissen, als daß man über sich anders denken sollte als in Betreff der Natur: es wirken auch in uns Dämonen.
1 [9]
— Menschliches, Allzumenschliches. Man kann nicht über Moral nachdenken, ohne sich nicht unwillkürlich moralisch zu bethätigen und erkennen zu geben. So arbeitete ich damals an jener Verfeinerung der Moral, welche “Lohn” und “Strafe” bereits als “unmoralisch” empfindet und den Begriff “Gerechtigkeit” nicht mehr zu fassen weiß als “liebevolles Begreifen,” im Grunde gutheißen. Darin ist vielleicht Schwäche, vielleicht Ausschweifung, vielleicht auch
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— die “Strafe” entwickelt sich im engsten Raume, als Reaktion des Mächtigen, des Hausherrn, als Ausdruck seines Zorns gegen die Mißachtung seines Befehls und Verbotes.— Vor der Sittlichkeit der Sitte (deren Kanon will “alles Herkömmliche soll geehrt werden”) steht die Sittlichkeit der herrschenden Person (deren Kanon will, daß “der Befehlende allein geehrt werde”) Das Pathos der Distanz, das Gefühl der Rangverschiedenheit liegt im letzten Grunde aller Moral.
1 [11]
— “Seele” zuletzt als “Subjektsbegriff”
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— Wenn die Dinge unbekannt sind, so ist es auch der Mensch. Was ist da loben und tadeln!
1 [13]
— ich begreife nicht, wie man Theolog sein kann. Ich möchte nicht gerne gering von dieser Art Menschen denken, welche doch nicht nur Erkenntniß-Maschinen sind
1 [14]
— Jede Handlung, deren ein Mensch nicht fähig ist, wird von ihm mißverstanden. Es ist auszeichnend, mit seinen Handlungen immer mißverstanden zu werden. Es ist dann auch nothwendig und kein Anlaß zur Erbitterung.
1 [15]
— Es ist nicht uneigennützig, wenn ich lieber über die Causalität als über den Prozeß mit meinem Verleger nachdenke; mein Nutzen und mein Genuß liegt auf der Seite der Erkenntnisse, meine Spannung, Unruhe, Leidenschaft ist gerade dort am längsten thätig gewesen.
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Gedanken sind Handlungen
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— wie haben wir in fünfzig Jahren umgelernt! Die ganze Romantik mit ihrem Glauben an das “Volk” ist widerlegt! Keine Homerische Dichtung als Volks-Poesie! Keine Vergötterung der großen Naturmächte! Kein Schluß aus Sprach-Verwandtschaft auf Rassen-Verwandtschaft! Keine “intellektuelle Anschauung” des Übersinnlichen! Keine in der Religion verschleierte Wahrheit!
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— Das Problem der Wahrhaftigkeit ist ganz neu. Ich bin erstaunt: Wir betrachten solche Naturen wie Bismarck als schuldig hierin aus Fahrlässigkeit, solche wie Richard Wagner aus Mangel an Bescheidenheit, wir würden Plato mit seiner pia fraus verurtheilen, Kant wegen der Ableitung seines kategorischen Imperativs, während der Glaube ihm sicher nicht auf diesem Wege gekommen ist
1 [19]
— Endlich wendet sich der Zweifel auch gegen sich selber: Zweifel am Zweifel. Und die Frage nach der Berechtigung der Wahrhaftigkeit und ihrem Umfange steht da —
1 [20]
— Alle unsere bewußten Motive sind Oberflächen-Phänomene: hinter ihnen steht der Kampf unserer Triebe und Zustände, der Kampf um die Gewalt.
1 [21]
— Daß diese Melodie schön klingt, wird nicht den Kindern durch die Autorität u Unterricht beigebracht; ebenso wenig das Wohlgefühl beim Anblick eines ehrwürdigen Menschen. Die Werthschätzungen sind angeboren, trotz Locke!, angeerbt; freilich, sie entwickeln sich stärker und schöner, wenn zugleich die Menschen, welche uns hüten und lieben, mit uns gleich schätzen. Welche Marter für ein Kind, immer im Gegensatz zu seiner Mutter sein Gut und Böse anzusetzen und dort, wo es verehrt, gehöhnt und verachtet zu werden!
1 [22]
— Wie vielfach ist das, was wir als sittliches Gefühl empfinden: darin ist Verehrung, Furcht, die Berührung wie von etwas Heiligem und Geheimem, darin redet etwas Befehlendes, etwas, das sich wichtiger nimmt als wir; etwas, das erhebt, entflammt oder ruhig und tief macht. Unser sittliches Gefühl ist eine Synthesis, ein Zugleich-Erklingen aller herrschaftlichen und unterthänigen Gefühle, welche in der Geschichte unserer Vorfahren gewaltet haben
1 [23]
— Zu Gunsten der Gegenwart. Die Gesundheit wird gefördert, asketisch-weltverneinende Denkweisen (mit ihrem Willen zur Krankheit) kaum begriffen. Alles Mögliche gilt und wird gelten gelassen und anerkannt, feuchte milde Luft, in der jede Art Pflanze wächst. Es ist das Paradies für alle kleine üppige Vegetation
1 [24]
— Seele und Athem und Dasein esse gleichgesetzt. Das Lebende ist das Sein: weiter giebt es kein Sein.
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— “Die gute Leute sind alle schwach: sie sind gut, weil sie nicht stark genug sind, böse zu sein” sagte der Latuka-Häuptling Comorro zu Baker
1 [26]
gin ist arabisch und heißt spiritus ( = g’inn)
1 [27]
“Für schwache Herzen giebt es kein Unglück” sagt man im Russichen
1 [28]
— alle Bewegungen sind als Gebärden aufzufassen, als eine Art Sprache, wodurch sich die Kräfte verstehn. In der unorganischen Welt fehlt das Mißverständnis, die Mittheilung scheint vollkommen. In der organischen Welt beginnt der Irrthum. “Dinge” “Substanzen” Eigenschaften, Thätig-“keiten”—das alles soll man nicht in die unorganische Welt hineintragen! Es sind die spezifischen Irrthümer, vermöge deren die Organismen leben. Problem von der Möglichkeit des “Irrthums”? Der Gegensatz ist nicht “falsch” und “wahr,” sondern “Abkürzungen der Zeichen” im Gegensatz zu den Zeichen selber. Das Wesentliche ist: die Bildung von Formen, welche sich viele Bewegungen repräsentiren, die Erfindung von Zeichen für ganze Arten von Zeichen.
— alle Bewegungen sind Zeichen eines inneren Geschehens; und jedes innere Geschehen drückt sich aus in solchen Veränderungen der Formen. Das Denken ist noch nicht das innere Geschehen selber, sondern ebenfalls nur eine Zeichensprache für den Machtausgleich von Affekten.
1 [29]
— die Vermenschlichung der Natur—die Auslegung nach uns.
1 [30]
| A. Psychologischer Ausgangspunkt: |
| — | unser Denken und Werthschätzungen ist nur ein Ausdruck für dahinter waltende Begehrungen. |
| — | die Begehrungen spezialisiren sich immer mehr: ihre Einheit ist der Wille zur Macht (um den Ausdruck vom stärksten Triebe herzunehmen, der alle organische Entwicklung bis jetzt dirigirt hat) |
| — | Reduktion aller organischen Grundfunktion auf den Willen zur Macht |
| — | Frage, ob er nicht das mobile ebenfalls in der unorganischen Welt ist? Denn in der mechanistischen Welt-Auslegung bedarf es immer noch eines mobile. |
| — | “Naturgesetz”: als Formel für die unbedingte Herstellung der Macht-Relationen und -Grade. |
| — | die mechanische Bewegung ist nur ein Ausdrucksmittel eines inneren Geschehens. |
| — | “Ursache und Wirkung” |
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— der Kampf als Mittel des Gleichgewichts
1 [32]
— die Annahme von Atomen ist nur eine Consequenz vom Subjekts- und Substanz-begriff: irgend wo muß es “ein Ding” geben, von wo die Thätigkeit ausgeht. Das Atom ist der letzte Abkömmling des Seelenbegriffs.
1 [33]
— das furchtbarste und gründlichste Verlangen des Menschen, sein Trieb nach Macht,—man nennt diesen Trieb “Freiheit”—muß am längsten in Schranken gehalten werden. Deshalb ist die Ethik bisher, mit ihren unbewußten Erziehungs- und Züchtungs-Instinkten, darauf aus gewesen, das Macht-Gelüst in Schranken zu halten: sie verunglimpft das tyrannische Individuum und unterstreicht, mit ihrer Verherrlichung der Gemeindefürsorge und der Vaterlandsliebe, den Heerden-Machtinstinkt
1 [34]
— Naturgemäß müssen sich die Kräfte der Menschheit in der Reihenfolge entwickeln, daß die ungefährlichen voran entwickelt (gelobt, gutgeheißen) werden, daß umgekehrt die stärksten am längsten verketzert und verläumdet bleiben.
1 [35]
Der Wille zur Macht.
Versuch einer neuen Auslegung alles
Geschehens.
Von
Friedrich Nietzsche.
1 [36]
die Welt des Denkens nur ein zweiter Grad der Erscheinungswelt —
1 [37]
— die Bewegungen sind nicht “bewirkt” von einer “Ursache”: das wäre wieder der alte Seelen-Begriff!—sie sind der Wille selber, aber nicht ganz und völlig!
1 [38]
NB. Der Glaube an Causalität geht zurück auf den Glauben, daß ich es bin, der wirkt, auf die Scheidung der “Seele” von ihrer Thätigkeit. Also ein uralter Aberglaube!
1 [39]
Die Zurückführung einer Wirkung auf eine Ursache ist: zurück auf ein Subjekt. Alle Veränderungen gelten als hervorgebracht von Subjekten.
1 [40]
| — die jetztige Stufe der Moralität fordert |
| a) keine Strafe! 2) keinen Lohn — | keine Vergeltung! | |
| 3) keine Servilität | ||
| 4) keine pia fraus! |
1 [41]
— wir ertragen den Anblick nicht mehr, folglich schaffen wir die Sclaven ab
1 [42]
Es ist ein Lieblingswort der Schlaffen und Gewissenlosen tout comprendre c’est tout pardonner: es ist auch eine Dummheit. Oh wenn man erst immer auf das “comprendre” warten wollte: es scheint mir, man würde da zu selten zum Verzeihen kommen! Und zuletzt, warum sollte man gerade verzeihen, wenn man begriffen hat? Gesetzt, ich begriffe ganz und gar, warum dieser Satz mir mißrieth, dürfte ich ihm darum nicht durchstreichen?— Es giebt genug Fälle, wo man einen Menschen durchstreicht, weil man ihn begriffen hat.
1 [43]
— der Begriff “Veränderung” setzt schon das Subjekt voraus, die Seele als Substanz
1 [44]
— der Anstoß, den man nimmt an der Lehre “von der Unfreiheit des Willens” ist der: es scheint als ob sie behaupte “du thust, was du thust, nicht freiwillig, sondern unfreiwillig d.h. gezwungen.” Nun weiß jeder, wie einem zu Muthe ist, wenn er etwas unfreiwillig thut. Es scheint also mit jener Lehre gelehrt zu werden: alles, was du thust, thust du unfreiwillig also ungern, “wider deinen Willen”—und das giebt man nicht zu, weil man vieles gern thut, auch gerade viel “Moralisches.” Man versteht also “unfreier Wille” als “gezwungen durch einen fremden Willen”: als ob die Behauptung wäre: “alles, was du thust, thust du gezwungen durch einen fremdem Willen.” Deinen Gehorsam gegen den eigenen Willen nennt man nicht Zwang: denn es ist Lust dabei. Daß du dir selber befiehlst, das heißt: “Freiheit des Willens”
1 [45]
Sapientia victrix.
Vorspiel zu einer Philosophie der Zukunft.
1 [46]
Die Religionen leben die längste Zeit, ohne mit der Moral verquickt zu sein: moralfrei. Man erwäge, was eigentlich jede Religion will—man kann es ja heute noch mit Händen greifen: man will durch sie nicht nur Erlösung von der Noth, sondern vor Allem Erlösung von der Furcht vor Noth. Alle Noth gilt als Folge von bösem, feindseligem Walten von Geistern: alle Noth, die einen trifft, ist zwar nicht “verdient,” aber es weckt den Gedanken, wodurch ein Geist gegen uns gereizt sein mag; der Mensch zittert vor unbekannten schweifenden Unholden und möchte sie hold stimmen. Dabei prüft er sein Verhalten: und wenn es überhaupt Mittel giebt, bestimmte Geister, die er kennt, sich freundlich zu stimmen, so fragt er sich, ob er auch wirklich Alles gethan habe, was er dazu hätte thun können. Wie ein Höfling sein Verhalten zu dem Fürsten prüft, wenn er an ihm eine ungenädige Stimmung wahrgenommen hat:—er sucht nach einer Unterlassung usw. “Sünde” ist ursprünglich das, wodurch irgend ein Geist sehr beleidigt werden könnte, irgend eine Unterlassung, ein : da hat man etwas wieder gut zu machen.— Nur insofern ein Geist, eine Gottheit ausdrücklich auch gewisse moralische Gebote als Mittel, ihm zu gefallen und zu dienen hingestellt hat, kommt in die “Sünde” auch die sittliche Werthschätzung: oder vielmehr: dann erst kann ein Verstoß gegen ein sittliches Gebot als “Sünde” empfunden werden, als etwas, das von Gott trennt, ihn beleidigt und auch von seiner Seite Gefahr und Noth im Gefolge hat.
1 [47]
Klugheit, Vorsicht und Vorsorge (im Contrast zur Indolenz und zum Leben im Augenblick)—man meint jetzt beinahe eine Handlung zu erniedrigen, wenn man diese Motive nennt. Aber was hat es gekostet, diese Eigenschaften groß zu züchten! Die Klugheit als Tugend zu betrachten—ist noch griechisch!
Ebenso dann die Nüchternheit und “Besonnenheit” im Gegensatz zum Handeln aus gewaltsamen Impulsen, zur “Naivetät” des Handelns.
1 [48]
Die absolute Hingebung (in der Religion) als Reflex der sklavischen Hingebung oder der weiblichen (—das Ewig-Weibliche ist der idealisirte Sklavensinn)
1 [49]
Den moralischen Werth der Handlung nach der Absicht messen: setzt voraus, daß die Absicht wirklich die Ursache der Handlung ist—was doch heißt die Absicht als eine vollkommene Erkenntniß als “Ding an sich” betrachten. Zuletzt ist sie doch nur das Bewußtsein u die Auslegung eines Zustandes (von Unlust, Begehren usw.)
1 [50]
— mit der Sprache sollen Zustände und Begehrungen bezeichnet werden: also Begriffe sind Zeichen zum Wiedererkennen. Die Absicht auf Logik liegt nicht darin; das logische Denken ist ein Auflösen. Aber jedes Ding das wir “begreifen,” jeder Zustand ist eine Synthesis, die man nicht “begreifen,” wohl aber bezeichnen kann: und auch dies nur, indem man eine gewisse Ähnlichkeit mit Dagewesenem anerkannt. “Unwissenschaftlich” ist jede innere geistige Aktion thatsächlich, auch jedes Denken.
1 [51]
Denker von bescheidener oder unehrlicher Abkunft begreifen die Herrschsucht falsch, auch schon den Trieb der Auszeichnung: sie rechnen beides unter die Eitelkeit, wie als ob es sich darum handele, in der Meinung anderer Menschen geachtet, gefürchtet oder angebetet dazustehn.
1 [52]
Nach wissenschaftlichem Maaße gemessen, ist der Werth jedes sittliches Werthurteils von Mensch über Mensch sehr gering: es ist ein Tasten und Tappen und viel Wahn und Unwissenheit in jedem Wort.
1 [53]
| Das sind getrennte Aufgaben: |
| 1) | die gegenwärtig (und in einem begränzten Culturbereiche) herrschende Art der moralischen Abschätzung von Mensch und Handlungen zu fassen und festzustellen |
| 2) | der gesamte Moral-Codex einer Zeit ist ein Symptom z.B. als Mittel der Selbst-Bewunderung oder Unzufriedenheit oder Tartüfferie: es ist also noch außer der Feststellung des gegenwärtigen Charakters der Moral zweitens die Deutung und Auslegung dieses Charakters zu geben. Denn an sich ist sie vieldeutig. |
| 3) | die Entstehung dieser gerade jetzt herrschenden Urtheilsweise zu erklären |
| 4) | die Kritik derselben zu machen resp. fragen: wie stark ist sie? worauf wirkt sie? was wird aus der Menschheit (oder aus Europa) unter ihrem Banne? Welche Kräfte fördert sie, welche unterdrückt sie? Macht sie gesünder, kränker, muthiger, feiner, kunstbedürftiger usw.? |
| Hier ist schon vorausgesetzt, daß es keine ewige Moral giebt: dies darf als bewiesen gelten. So wenig es eine ewige Art der Urtheile über Ernährung giebt. Aber neu ist die Kritik, die Frage: ist “gut” wirklich “gut”? Und welchen Nutzen hat vielleicht das jetzt Zurückgesetzte und Beschimpfte? Die Zeitdistanzen kommen in Betracht. |
1 [54]
Der Charakter des unbedingten Willens zur Macht ist im ganzen Reiche des Lebens vorhanden. Haben wir ein Recht, das Bewußtsein zu leugnen, so doch schwerlich das Recht, die treibenden Affekte zu leugnen z.B. in einem Urwalde.
(Bewußtsein enthält immer eine doppelte Spiegelung—es giebt nichts Unmittelbares —)
1 [55]
Grundfrage: wie tief geht das Sittliche? Gehört es nur zum Angelernten? Ist es eine Ausdrucksweise?
Alle tieferen Menschen sind darin einmüthig—es kommt Luthern Augustin Paulus zum Bewußtsein—, daß unsere Moralität und deren Ereignisse nicht mit unserem bewußten Willen sich decken—kurz, daß die Erklärung aus Zweck-Absichten nicht reicht.
1 [56]
Objektiv, hart, fest, streng bleiben im Durchsetzen eines Gedankens—das bringen die Künstler noch am besten zu Stande; wenn Einer aber Menschen dazu nöthig hat (wie Lehrer, Staatsmänner usw.) da geht die Ruhe und Kälte und Härte schnell davon. Man kann bei Naturen wie Cäsar und Napoleon etwas ahnen von einem “interesselosen” Arbeiten an seinem Marmor, mag dabei von Menschen geopfert werden, was nur möglich. Auf dieser Bahn liegt die Zukunft der höchsten Menschen: die größte Verantwortlichkeit tragen und nicht daran zerbrechen.— Bisher waren fast immer Inspirations-Täuschungen nöthig, um selber den Glauben an sein Recht und seine Hand nicht zu verlieren.
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Verwandlungen des Willens zur Macht, seine Ausgestaltungen, seine Spezialisirungen—parallel der morphologischen Entwicklung darzustellen!
1 [58]
Von jedem unserer Grundtriebe aus giebt es eine verschiedne perspektivische Abschätzung alles Geschehens und Erlebens. Jeder dieser Triebe fühlt sich in Hinsicht auf jeden anderen gehemmt, oder gefördert, geschmeichelt: jeder hat sein eigenes Entwicklungsgesetz (sein Auf und Nieder, sein Tempo, usw.)—und dieser ist absterbend, wenn jener steigt.
Der Mensch als eine Vielheit von “Willen zur Macht”: jeder mit einer Vielheit von Ausdrucksmitteln und Formen. Die einzelne angeblichen “Leidenschaften” (z.B. der Mensch ist grausam) sind nur fiktive Einheiten, insofern das, was von den verschiedenen Grundtrieben her als gleichartig ins Bewußtsein tritt, synthetisch zu einem “Wesen” oder “Vermögen,” zu einer Leidenschaft zusammengedichtet wird. Ebenso also, wie die “Seele” selber ein Ausdruck für alle Phänomene des Bewußtseins ist: den wir aber als Ursache aller dieser Phänomene auslegen (das “Selbstbewußtsein” ist fiktiv!)
1 [59]
Alles Materielle ist eine Art von Bewegungssymptom für ein unbekanntes Geschehen: alles Bewußte und Gefühle ist hinwiederum Symptom von unbekannten . Die Welt, die uns von diesen beiden Seiten her sich zu verstehen giebt, könnte noch viele andere Symptome haben. Es besteht kein nothwendiges Verhätniß zwischen Geist und Materie, als ob sie irgendwie die Darstellungsformen erschöpften und allein repräsentirten.
Bewegungen sind Symptome, Gedanken sind ebenfalls Symptome: die Begierden sind uns nachweisbar hinter beidem, und die Grundbegierde ist der Wille zur Macht.— “Geist an sich” ist nichts, so wie “Bewegung an sich” nichts ist.
1 [60]
Es ist beinahe komisch, daß unsere Philosophen verlangen, die Philosophie müsse mit einer Kritik des Erkenntnißvermögens beginnen: ist es nicht sehr unwahrscheinlich, daß das Organ der Erkenntniß sich selber “kritisiren” kann, wenn man mißtrauisch geworden ist über die bisherigen Ergebnisse der Erkenntniß? Die Reduktion der Philosophie auf den “Willen zu einer Erkenntnißtheorie” ist komisch. Als ob sich so Sicherheit finden ließe! —
1 [61]
Alles, was ins Bewußtsein tritt, ist das letzte Glied einer Kette, ein Abschluß. Daß ein Gedanke unmittelbar Ursache eines anderen Gedankens wäre, ist nur scheinbar. Das eigentlich verknüpfte Geschehen spielt sich ab unterhalb unseres Bewußtseins: die auftretenden Reihen und Nacheinander von Gefühlen Gedanken usw. sind Symptome des eigentlichen Geschehens!— Unter jedem Gedanken steckt ein Affekt. Jeder Gedanke, jedes Gefühl, jeder Wille ist nicht geboren aus Einem bestimmten Triebe, sondern er ist ein Gesamtzustand, eine ganze Oberfläche des ganzen Bewußtseins und resultirt aus der augenblicklichen Macht-Feststellung aller der uns constituirenden Triebe—also des eben herrschenden Triebes sowohl als der ihm gehorchenden oder widerstrebenden. Der nächste Gedanke ist ein Zeichen davon, wie sich die gesammte Macht-Lage inzwischen verschoben hat.
1 [62]
“Wille”—eine falsche Verdinglichung.
1 [63]
— Wie wird sich später einmal Goethe ausnehmen! wie unsicher, wie schwimmend! Und sein “Faust”—welches zufällige und zeitliche, und wenig nothwendige und dauerhafte Problem! Eine Entartung des Erkennenden, ein Kranker, nichts mehr! Keineswegs die Tragödie des Erkennenden selber! Nicht einmal die des “freien Geistes.”
1 [64]
| Menschenliebe. | ||
| Gerechtigkeit | ||
| Grausamkeit. | ||
| Lohn und Strafe. | alles hat sein Für und Wider schon gehabt | |
| Selbst-Genügsamkeit. | ||
| Vernünftigkeit | ||
| Rangordnung. | ||
| Sklaverei (Hingebung) |
| alles Loben und Tadeln ist perspektivisch von einen Willen zur Macht aus. |
| “angeborne Ideen” |
| die Seele, das Ding—falsch. Ebenso “der Geist” |
1 [65]
| Capitel über die Auslegung |
| die Verdinglichung |
| das Nachleben untergegangener Ideale (z.B. Sclavensinn bei Augustin) |
1 [66]
Die Menschenliebe des Christen, welche keinen Unterschied macht, ist erst möglich bei der fortwährenden Anschauung Gottes, im Verhältniß zu dem die Rangordnung zwischen Mensch und Mensch verschwindend klein wird, und der Mensch selber überhaupt so unbedeutend wird, daß die Größenverhältnisse kein Interesse mehr erregen: wie von einem hohen Berge aus Groß und Klein ameisenhaft und ähnlich wird.— Man soll diese Geringschätzung des Menschen überhaupt nicht übersehen, welche im christlichen Gefühle der Menschenliebe liegt: “du bist mein Bruder, ich weiß schon, wie es dir zu Muthe ist, wer du auch seist—schlecht nämlich!” usw. Thatsächlich ist ein solcher Christ eine äußerst zudringliche und unbescheidene Art.
Umgekehrt: läßt man Gott fahren, so fehlt uns ein Typus eines Wesens, das höher ist als der Mensch: und das Auge wird fein für die Differenzen dieses “höchsten Wesens.”
1 [67]
— Ich bin mißtrauisch gegen die Beschaulichen, Selbst-in-sich-Ruhenden, Beglückten unter den Philosophen:—es fehlt da die gestaltende Kraft und die Feinheit in der Redlichkeit, welche sich den Mangel als Kraft eingesteht
1 [68]
Die Verwandlung des sittlich-Verworfenen in sittlich-Verehrtes—und umgekehrt.
1 [69]
— die Einen suchen im Inneren eine unbedingte Verbindlichkeit aus und erdichten sie unter Umständen, die Anderen wollen es beweisen und zugleich damit pflanzen —
1 [70]
— wie unbescheiden nimmt sich der Mensch mit seinen Religionen aus, auch wenn er sich noch vor Gott wälzt, gleich dem heiligen Augustin! Welche Zudringlichkeit! Dieses väterliche oder großväterliche Princip im Hintergrunde!
1 [71]
— Die Moral galt unter Sterblichen bisher als das Ernsthafteste, was es giebt: das ist den Moralisten zu Gute gekommen, auf welche unter Göttern—und vielleicht auch einmal unter Menschen—kein kleines Gelächter wartet: man trägt auf die Dauer niemals ungestraft die Würde eines Lehrmeisters. Menschen zu “belehren,” Menschen zu “verbessern”—die Anmaaßung eines solchen Vorhabens
1 [72]
Daß die Katze Mensch immer wieder auf ihre vier Beine, ich wollte sagen auf ihr Eines Bein “Ich” zurückfällt, ist nur ein Symptom seiner psychologischen “Einheit,” richtiger “Vereinigung”: kein Grund, an eine “seelische Einheit” zu glauben.
1 [73]
— Moral ist ein Theil der Lehre von den Affekten: wie weit reichen die Affekte ins Herz des Daseins?
1 [74]
Wenn es überhaupt ein “an sich” gäbe, was wäre dann das “An sich” eines Gedankens?
1 [75]
Die Gedanken sind Zeichen von einem Spiel und Kampf der Affekte: sie hängen immer mit ihren verborgenen Wurzeln zusammen
1 [76]
Wer den Werth einer Handlung nach der Absicht mißt, aus der sie geschehen ist, meint dabei die bewußte Absicht: aber es giebt, bei allem Handeln, viel unbewußte Absichtlichkeit; und was als “Wille” und “Zweck” in den Vordergrund tritt, ist vielfach ausdeutbar und an sich nur ein Symptom. “Eine ausgesprochene, aussprechbare Absicht” ist eine Ausdeutung, eine Interpretation, welche falsch sein kann; außerdem eine willkürliche Simplifikation und Fälschung usw
1 [77]
Die Berechnung auf Lust als eine mögliche Folge einer Handlung und die mit einer Thätigkeit selber verbundene Lust, als Auslösung einer gebundnen und aufgestauten Kraft: was für Mühe hat es schon gemacht, diese beiden Lüste auseinander zu halten! Es giebt zu lachen! Ebenso wie die Annehmlichkeit des Lebens—und Seligkeit als moralische Trunkenheit und Selbst-Anbetung verwechselt wird.
1 [78]
| Mit der Menschenkenntniß hat auch die Moral sich verfeinert |
| a) statt der Sünde als Vergehen an Gott “das Unrecht an mir selber” b) statt des Betens und des Verlangens nach wunderbarer Hülfe — c) statt der Interpretation des Erlebnisses als Lohn und Strafe — d) statt der Feindschaft gegen alle Art Noth und Unruhe und Streit — e) statt der zudringlichen gleichsetzenden Menschenliebe des Christen — |
1 [79]
Die größte Aufrichtigkeit und Überzeugung vom Werthe des eigenen Werkes vermag nichts: ebenso kann die zweiflerische Unterschätzung den Werth desselben nicht berühren. So steht es mit allen Handlungen: wie moralisch ich mir mit einer Absicht auch vorkommen mag, an sich ist damit nichts über den Werth der Absicht und noch weniger über den Werth der Handlung ausgemacht. Die ganze Herkunft einer Handlung müßte bekannt sein, und nicht nur das Stückchen, das davon ins Bewußtsein fällt (die sogenannte Absicht) Aber damit wäre eben absolute Erkenntniß verlangt —
1 [80]
In wie fern eine Überwindung des moralischen Menschen möglich ist:
wir messen den Werth einer Handlung nicht mehr nach ihren Folgen
wir messen ihn auch nicht mehr nach ihrer Absicht
1 [81]
So wenig wir noch beten und die Hände nach Oben strecken, so wenig werden wir eines Tages die Verleumdung und Verlästerung nöthig haben, um gewisse Triebe in uns als Feinde zu behandeln; und ebenso kann unsere Macht, welche uns zwingt, Menschen und Institutionen zuzerstören, dies einmal thun, ohne daß wir selbst darüber in Affekte der Entrüstung und des Ekels gerathen: mit göttlichen Auge und ungestört vernichten! Die Vernichtung der Menschen welche sich gut fühlen, voran! experimentum crucis.
1 [82]
Jenseits von Gut und Böse
Versuch
einer Überwindung der Moral.
Von
Friedrich Nietzsche.
1 [83]
Die religiöse Auslegung überwunden.
Moral gehört in die Lehre von den Affekten (nur ein Mittel ihrer Bändigung, während andere groß gezüchtet werden sollen.
1 [84]
Die Überwindung der Moral.
Bisher der Mensch kümmerlich sich erhaltend, indem er die ihm gefährlichsten Triebe bösartig behandelte und verlästerte und ebenso vor den ihn erhaltenden servil schmeichelte. Gewinnung neuer Mächte und Länder
a) der Wille zur Unwahrheit
b) der Wille zur Grausamkeit
c) der Wille zur Wollust
d) der Wille zur Macht
1 [85]
auf das Verstehen der Außenwelt und die Mittheilung an dieselbe eingerichtet müssen Intellekt und Sinne oberflächlich sein.
Vollkommene Leerheit der Logik —
1 [86]
“Arbeitstheilung, Gedächtniß, Übung, Gewohnheit, Instinkt, Vererbung, Vermögen, Kraft”—alles Worte, mit denen wir nichts erklären, aber wohl bezeichnen und andeuten.
1 [87]
Das “Ich” (welches mit der einheitlichen Verwaltung unseres Wesens nicht eins ist!) ist ja nur eine begriffliche Synthesis—also giebt es gar kein Handeln aus “Egoismus”
1 [88]
— daß irgend eine bewußte oder unbewußte Berechnung der Lust, die man im Gefolge eines Thuns hat (sei es im Thun, oder nachher), wirklich Ursache des Thuns ist, ist eine Hypothese!!!
1 [89]
Wir gehören zum Charakter der Welt, das ist kein Zweifel! Wir haben keinen Zugang zu ihr als durch uns: es muß alles Hohe und Niedrige an uns als nothwendig ihrem Wesen zugehörig verstanden werden!
1 [90]
NB. Wir wollen unsere Neigungen und Abneigungen redlich eingestehn und es uns wehren, dieselben aus moralischen Farbentöpfen zu schminken. So gewiß wir unsere Noth nicht mehr als unseren “Kampf mit Gott und Teufel” auslegen werden! Seien wir naturalistisch und gestehen wir ein gutes Recht auch dem zu, was wir bekämpfen müssen, an uns oder außer uns!
1 [91]
Durch die Arbeitstheilung sind die Sinne vom Denken und Urtheilen beinahe gelöst: während früher dies in ihnen lag, ungeschieden. Noch früher müssen die Begierden und die Sinne Eins gewesen sein.
1 [92]
Aller Kampf—alles Geschehen ist ein Kampf—braucht Dauer. Was wir “Ursache” und “Wirkung” nennen, läßt den Kampf aus und entspricht folglich nicht dem Geschehen. Es ist consequent, die Zeit in Ursachen u Wirkungen zu leugnen.
1 [93]
Thun wir einigen Aberglauben von uns ab, der in Bezug auf Philosophen bisher gang und gäbe war.
1 [94]
Die neue Aufklärung.
Vorspiel einer Philosophie der Zukunft.
Von
Friedrich Nietzsche.
1 [95]
Freie Geister und andere Philosophen.
Jenseits von Gut und Böse.
1 [96]
Moralisten-Moral.
1 [97]
Zur Verwechslung von Ursache und Symptom
Lust und Unlust sind die ältesten Symptome aller Werthurtheile: nicht aber Ursachen der Werthurtheile!
Also: Lust und Unlust gehören wie die sittlichen und aesthetischen Urtheile unter Eine Kategorie.
1 [98]
Die Worte bleiben: die Menschen glauben, auch die damit bezeichneten Begriffe!
1 [99]
Es fehlen uns viele Begriffe, um Verhältnisse auszudrücken: wie schnell sind wir mit “Herr und Diener” “Vater und Kind” usw. fertig!
1 [100]
Grundmißverständniß: ein Mensch legt nach sich jeden Anderen aus; daher Mißverständniß vieler Tugenden und Affekte, die einer höheren Art eignen. Selbst der selbe Mensch versteht sich falsch, wenn er in einem niederen Augenblick auf seine hohen Festzeiten zurückblickt. “Selbst-Erniedrigung” “Demuth”
1 [101]
Ach, kennt ihr die stumme Zärtlichkeit, mit der der böse und furchtbare Mensch jenem Augenblicke nachhängt, wo er einmal—oder noch—“anders” war! Niemand sieht die Tugend so verführerisch, so sehr Weib und Kind.
1 [102]
Im reinsten Quell ist Ein Tropfen Schmutzes genug —
1 [103]
Die Hand, die sich zu einem Gebete ausstrecken wollte, der zum Seufzer bereite Mund—hier hat der freie Geist seine Überwindung, aber auch seine Stauung. Eines Tages wird der Damm überstürzt von den wilden Wassern —
1 [104]
Viele Feinere wollen Ruhe, Frieden vor ihren Affekten—sie streben nach Objectivität, Neutralität, sie sind zufrieden als Zuschauer übrig zu bleiben,—und als kritische Zuschauer mit einer neugierigen und muthwilligen Überlegenheit.
Andere wollen Ruhe nach Außen, Ungefährlichkeit des Lebens,—sie möchten nicht beneidet und nicht angegriffen werden—und geben lieber “Jedem sein Recht”—nennen’s “Gerechtigkeit” und Menschenliebe usw.
Zum Capitel: “Die Tugenden als Verkleidung.”
1 [105]
Der Verlust bei allen Spezialisirungen: die synthetische Natur ist die höhere. Nun ist schon alles organische Leben eine Spezialisirung: die dahinterstehende unorganische Welt ist die größte Synthesis von Kräften und deshalb das Höchste und Verehrungswürdigste.— Der Irrthum, die perspektivische Beschränktheit fehlt da.
1 [106]
Künstler: begeistert, sinnlich, kindsköpfig, bald übermißtrauisch, bald überzutrauisch
1 [107]
— Bist du Einer, der als Denker seinem Satze treu ist, nicht wie ein Rabulist, sondern wie ein Soldat seinem Befehle? Es giebt nicht nur gegen Personen Untreue.
1 [108]
— Mitleiden bei einem, der Glücks und Muth genug hat, um auch abseits stehen und abseits blicken zu können, gleich einem epikureischen Gotte.
1 [109]
Der Spiegel.
Philosophie des verbotenen Wissens.
Von
Friedrich Nietzsche.
1 [110]
Gott ist widerlegt, der Teufel nicht. Für hellsichtige und mißtrauische Augen, welche tief genug in die Hintergründe zu blicken wissen, ist das Schauspiel des Geschehens kein Zeugniß weder von Wahrhaftigkeit noch väterliche Fürsorge oder überlegener Vernünftigkeit; weder etwas Vornehmes, noch etwas Reines und Treusinniges.
1 [111]
Die nordische Unnatürlichkeit: alles mit silbernen Nebeln überzogen, man muß künstlich erst zum Wohlgefühle kommen, die Kunst ist dort eine Art Ausweichen vor sich selber. Ach, diese blasse Freude, dies Oktober-Licht auf allen Freuden!
Die nordische Künstlichkeit
1 [112]
Der Versucher.
Von
Friedrich Nietzsche.
1 [113]
Harmlosigkeit unserer kritischen Philosophen, welche nicht bemerken, daß Skepsis : sie meinen, wenn man erst das Werkzeug prüfe, bevor man es anwendet, nämlich das Erkenntnißvermögen. Dies ist schlimmer noch als ein Streichholz prüfen, bevor man es brauchen will. Es ist das Streichholz, das sich selber prüfen will, ob es brennen wird
1 [114]
Die unbedingte Nothwendigkeit alles Geschehens enthält nichts von einem Zwange: der steht hoch in der Erkenntniß, der das gründlich eingesehen und eingefühlt hat. Aus seinem Glauben ergiebt sich kein Verzeihen und Entschuldigen—ich streiche einen Satz durch, der mir mißrathen ist, so gut ich die Nothwendigkeit einsehe, vermöge deren er mir mißrieth, denn der Lärm eines Karrens störte mich—so streichen wir Handlungen, unter Umständen Menschen durch, weil sie mißrathen sind. “Alles begreifen”—das heiße alle perspektivischen Verhältnisse aufheben, das heiße nichts begreifen, das Wesen des Erkennens verkennen.
1 [115]
Der interpretative Charakter alles Geschehens.
Es giebt kein Ereigniß an sich. Was geschieht, ist eine Gruppe von Erscheinungen ausgelesen und zusammengefaßt von einem interpretirenden Wesen.
1 [116]
Die Furcht ist weitergebildet worden zum Ehrgefühl, der Neid zur Billigkeit (“jedem das Seine” und gar “gleiche Rechte”) die Zudringlichkeit der Vereinsamten und Gefährdeten zur Treue,
1 [117]
die Schwerfälligkeit des Geistes, der sich festsetzt, wohin er einmal gerathen ist, die Bequemlichkeit, die nicht umlernen will, die gutmüthige Unterwerfung unter einer Macht und Freude am Dienen, das feuchtwarme Brüten auf Gedanken, Wünschen—alles deutsch—Ursprung der Treue und Gläubigkeit.
1 [118]
Die Theilung eines Protoplasma in 2 tritt ein, wenn die Macht nicht mehr ausreicht, den angeeigneten Besitz zu bewältigen: Zeugung ist Folge einer Ohnmacht.
Wo die Männchen aus Hunger das Weibchen aufsuchen und in ihm aufgehn, ist Zeugung die Folge eines Hungers.
1 [119]
Der völlig gleiche Verlauf, aber die höhere Ausdeutung des Verlaufs!! Die mechanistische Einerleiheit der Kraft, aber die Steigerung des Machtgefühls! “Das zweite Mal”—aber es giebt kein “zweites Mal.”
Die absolute Wirkungslosigkeit des inneren Gefühls der Macht als Causalität,
1 [120]
Derselbe Text erlaubt unzählige Auslegungen: es giebt kein “richtige” Auslegung.
1 [121]
Gai saber.
Vorspiel einer Philosophie der Zukunft.
1. Freie Geister und andere Philosophen.
2. Welt-Auslegung, nicht Welt-Erklärung.
3. Jenseits von Gut und Böse.
4. Der Spiegel. Eine Gelegenheit zur Selbstbespiegelung für Europäer.
5. Die Philosophie der Zukunft.
1 [122]
Überwindung der Affekte? Nein, wenn es Schwächung und Vernichtung derselben bedeuten soll. Sondern in Dienst nehmen: wozu gehören mag, sie lange zu tyrannisiren (nicht erst als Einzelne, sondern als Gemeinde, Rasse usw.) Endlich giebt man ihnen immer vertrauensvoller Freiheit wieder: sie lieben uns wie gute Diener und gehen freiwillig dorthin, wo unser Bestes hin will.
1 [123]
Glück und Selbstzufriedenheit des Lazzaroni oder “Seligkeit” bei “schönen Seelen” u schwindsüchtigen Liebern u herrenhuterschen Pietisten beweisen nichts in Bezug auf die Rangordnung der Menschen. Man müßte, als großer Erzieher, eine Rasse solcher “seligen Menschen” unerbittlich in das Unglück hineinpeitschen: die Gefahr der Verkleinerung, des Ausruhens ist sofort da: gegen das spinozistische oder epikureische Glück und gegen alles Ausruhen in contemplativen Zuständen. Wenn aber die Tugend das Mittel zu einem solchen Glück ist, nun, so muß man auch Herr über die Tugend werden
1 [124]
Wie entsteht die perspektivische Sphäre und der Irrthum? Insofern, vermöge eines organischen Wesens, sich nicht ein Wesen, sondern der Kampf selber erhalten will, wachsen will und sich bewußt sein will.
Das, was wir “Bewußtsein” und “Geist” nennen, ist nur ein Mittel und Werkzeug, vermöge nicht ein Subjekt, sondern ein Kampf sich erhalten will.
Der Mensch ist das Zeugniß, welche ungeheuren Kräfte in Bewegung gesetzt werden können, durch ein kleines Wesen vielfachen Inhalts (oder durch einen perennirenden Kampf concentrirt auf viele kleine Wesen)
Wesen, die mit Gestirnen spielen
1 [125]
— Der Glaube “so und so ist es” zu verwandeln in den Willen “so und soll es werden.”
1 [126]
| — Die Wege zum Heiligen. Schluß von |
“der Wille zur Macht.” |
1 [127]
— es muß solche geben, die alle Verrichtungen heiligen, nicht nur Essen und Trinken: und nicht nur im Gedächtniß an sie, oder im Eins-Werden mit ihnen, sondern immer von Neuem und auf neue Weise soll diese Welt verklärt werden.
1 [128]
— das Wesentliche des organischen Wesens ist eine neue Auslegung des Geschehens, die perspektivische innere Vielheit, welche selber ein Geschehen ist.
1 [129]
— die Heiligen als die stärksten Menschen (durch Selbstüberwindung, Freiheit, Treue usw.
1 [130]
— das Verdienst leugnen, aber das thun, was über allem Loben, ja über allem Verstehen ist
1 [131]
Der Wille zur Macht.
1 [132]
— ein großer Mensch, der ein Recht dazu fühlt, Menschen zu opfern wie ein Feldherr Menschen opfert; nicht im Dienste einer “Idee,” sondern weil er herrschen will
1 [133]
— es ist immer weniger physische Kraft nöthig: mit Klugheit läßt man Maschinen arbeiten, der Mensch wird mächtiger und geistiger.
1 [134]
— weshalb es heute nöthig ist, zeitweilig grob zu reden und grob zu handeln. Etwas Feines und Verschwiegenes wird nicht mehr verstanden, selbst nicht von denen, welche uns verwandt sind. Wovon man nicht laut spricht und schreit, das ist nicht da: Schmerz, Entbehrung, Aufgabe, die lange Pflicht und die große Überwindung—Keiner sieht und riecht etwas davon. Die Heiterkeit gilt als Zeichen des Mangels an Tiefe: daß sie die Seligkeit nach allzu strenger Spannung sein kann, wer weiß es?— Man geht mit Schauspielern um und thut sich viel Zwang an, um auch da zu ehren. Aber Niemand versteht, inwiefern es mir hart und peinlich ist, mit Schauspielern umzugehen. Oder mit einem phlegmatischen Genüßling, der Geist genug hat, um —
1 [135]
— ich habe es den Deutschen als Philisterei und Bequemlichkeit angerechnet: aber dieses Sich-gehen-lassen ist europäisch und “jetzt zeitig,” nicht nur in der Moral und Kunst.
1 [136]
— sich nicht erlauben, daß aus der Neugierde und dem Eifer des Forschens eine Tugend gemacht wird, ein “Wille zur Wahrheit.” Die Gelehrten von Port Royal wußten und nahmen das strenger. Aber wir haben alle unsere Hänge ins Kraut schießen lassen und möchten hinterdrein auch den schönen Namen der Tugenden dafür haben. Die Tugend gehört aber zu den Erzeugnissen der stärkeren und böseren Zeitalter: sie ist Privilegium von Aristokraten.
1 [137]
Ich wundere mich über die anerkanntesten Dinge der Moral—und andere Philosophen, wie Schopenhauer, sind nur vor den “Wundern” in der Moral stillgestanden.
1 [138]
Zwiste und Zwiegespräche
1 [139]
Die Künstler fangen an, ihre Werke zu schätzen und zu überschätzen, wenn sie aufhören, Ehrfurcht vor sich selber zu haben. Ihr rasendes Verlangen nach Ruhm verhüllt oft ein trauriges Geheimniß.
Das Werk gehört nicht zu ihrer Regel, sie fühlen es als ihre Ausnahme. —
Vielleicht auch wollen sie, daß ihre Werke Fürsprache für sie einlegen, vielleicht, daß Andere sie über sie selber täuschen. Endlich: vielleicht wollen sie Lärm in sich, um sich selber nicht mehr zu “hören.”
1 [140]
“Gott will mein Bestes, als er mir das Leid schickte” — Das steht bei dir, es zu deinem Besten auszulegen: mehr bedeuten es auch bei den religiösen Menschen nicht.
1 [141]
Jenseits von Ja und Nein.
Fragen und Fragezeichen
für Fragwürdige.
1 [142]
Wir wissen es besser als wir es uns eingestehen, daß W arm ist, daß ihm selten ein Gedanke kommt, daß er selber am meisten über sein Erscheinen erschreckt, entzückt, umgeworfen ist und eine überlange Zeit nicht müde wird, diese Wunder von Gedanken zu streicheln und herauszuputzen. Er ist zu dankbar und kennt die kalte Leutseligkeit der Reichen nicht, noch weniger ihren zärtlichen Ekel, die Müdigkeit solcher, welcher nichts thun als verschenken—gleich Mozart, gleich Rossini: nur die überreichen Quellen springen und tanzen.
1 [143]
“Wir Eidechsen des Glücks.”
Gedanken eines Dankbaren.
1 [144]
Die letzte Tugend.
Eine Moral für Moralisten
1 [145]
— diese letzte Tugend, unsere Tugend heißt: Redlichkeit. In allen übrigen Stücken sind wir nur die Erben und vielleicht die Verschwender von Tugenden, die nicht von uns gesammelt und gehäuft werden
1 [146]
Ein Moralist: darunter verstehe ich usw
Frage und Einwurf: hat es je schon einen M gegeben?— Vielleicht nein, vielleicht ja; jedenfalls darf es von jetzt ab nur noch solche M geben.
1 [147]
Fliehen wir, meine Freunde, vor dem, was langweilig ist, vor dem bedeckten Himmel, vor der Watschel-Gans, vor dem ehrsamen Weibe, vor den Jungfern, welche schreiben und Bücher “legen”—ist das Leben nicht zu kurz, sich zu langweilen?
1 [148]
“Die Welt als Wille und Vorstellung”—ins Enge und Persönliche, ins Schopenhauerische zurückübersetzt: “die Welt als Geschlechtstrieb und Beschaulichkeit.”
1 [149]
Das deutsche Reich liegt mir fern, und es giebt keinen Grund für mich, in Bezug auf eine Sache, die so fern liegt, Freund oder Feind zu sein.
1 [150]
Wir waren bisher so artig gegen die Frauen. Wehe, es kommt die Zeit, wo man, um mit einer Frau verkehren zu können, ihr immer erst auf den Mund schlagen muß.
1 [151]
Die Wege zum Heiligen.
Was sind starke Geister?
Von der Heerdenthier-Moral
1 [152]
Neue Gefahren
und neue Sicherheiten
Ein Buch für starke Geister.
1 [153]
NB. Gegen Arisch und Semitisch.
Wo Rassen gemischt sind, der Quell großer Cultur.
1 [154]
Was ist vornehm?
Gedanken
über Rangordnung.
1 [155]
Worauf warten wir doch? Ist es nicht auf einen großen Herolds- und Trompeten Lärm! Welches Glück liegt in lauten Tönen! Es giebt eine Stille, welche würgt: wir horchen schon zu lange.
1 [156]
Wer die größten Geschenke zu vergeben hat, sucht nach Solchen, welche sie zu nehmen verstehen—er sucht vielleicht umsonst? Er wirft endlich sein Geschenk weg? Dergleichen gehört zur geheimen Geschichte und Verzweiflung der reichsten Seelen: es ist vielleicht der unverständlichste und schwermüthigste aller Unglücksfälle auf Erden.
1 [157]
Daß das moralische Urtheil, sofern es sich in Begriffen darstellt, sich eng, plump, armselig, beinahe lächerlich ausnimmt, gemessen an der Feinheit des selben Urtheils, sofern es sich in Handlungen, im Auswählen, Abweisen, Schaudern, Lieben, Zögern, Anzweifeln, in jeder Berührung von Mensch und Mensch darstellt.
1 [158]
wie heute die brave Mittelmäßigkeit in Deutschland sich bei der Musik ihres Brahms wohl, nämlich verwandt fühlt—: wie die feinen und unsicheren Windhunde des Pariser Geistes heute mit einem wollüstigen Geschmeichel um ihren Renan herumschnüffeln —
1 [159]
Der Werth der Monarchen im Steigen!
1 [160]
Wie verrätherisch sind alle Parteien!—sie bringen etwas von ihren Führern ans Licht, das von ihnen vielleicht mit großer Kunst unter den Scheffel gestellt ist
1 [161]
Es hat Jeder vielleicht seinen Maaßstab für das, was ihm als “oberflächlich” gilt: wohlan, ich habe den meinen—einen groben, einfältigen Maaßstab zu meinem Hausgebrauche, wie er mir in die Hand paßt—mögen Andere ein Recht auf kitzlichere, feinzüngigere Werkzeuge haben!
Wer das Leiden als Argument gegen das Leben fühlt, gilt mirals oberflächlich, mithin unsre Pessimisten; insgleichen, wer im Wohlbefinden ein Ziel sieht.
1 [162]
Die orgiastische Seele. —
Ich habe ihn gesehn: seine Augen wenigstens — es sind tiefe stille, bald grüne und schlüpfrige Honig-Augen
sein halkyonisches Lächeln
der Himmel sah blutig und grausam zu
die orgiastische Seele des Weibes
Ich habe ihn gesehn: sein halkyonisches Lächeln, seine Honig-Augen, bald tief und verhüllt, bald grün, und schlüpfrig, eine zitternde Oberfläche,
schlüpfrig, schläfrig, zitternd, zaudernd,
quillt die See in seinen Augen
1 [163]
1. Cäsar unter Seeräubern
2. An der Brücke
3. Die Hochzeit.— und plötzlich, während der Himmel dunkel herniederfällt
4. Ariadne.
1 [164]
Diese Musik—doch dionyisch?
der Tanz?
die Heiterkeit? der Versucher?
die religiöse Fluth?
unter Platos Kopfkissen Ar?
1 [165]
unsre Spielleute und M des unehrlichen Begräbnisses—es sind die Nächtsverwandten der Hexen, sie haben ihre Blocksberge
1 [166]
die mystische Natur, durch Laster besudelt und schäumend
1 [167]
die gütige und reine Quelle, die niemals mehr mit einem Tropfen Unraths fertig wird der in sie fiel, bis sie endlich gelb und giftig durch und durch ist:—die verderbten Engel
1 [168]
“Wir Immoralisten.”
1 [169]
| “Heil dir, so du weißt, was du thust; doch weißt du es nicht, so bist du unter dem Gesetze und unter des Gesetzes Fluch” |
|
1 [170]
Arbeitsamkeit, als Anzeichen einer unvornehmen Art Mensch (die, wie sich von selber versteht, deshalb noch eine schätzenswerthe und unentbehrliche Art Mensch ist—Anmerkung für Esel!) möchte in unserem Zeitalter
1 [171]
im Verhältniß zu Rabelais und jener überschäumenden Kraft der Sinne, deren Merkmal er ist,
1 [172]
Raffael ohne Hände
die Klöster und Einsiedeleien der Cultur
diese Musik ist nicht aufrichtig
“So wenig Staat als möglich”—die anti-nationalen Mächte
Für Einen, dem “Objektivität” “Beschaulichkeit” schon der höchste Zustand ist, wie Schopenhauer—der weiß nicht genug
das Glück, einen ungebrochenen naiven Egoismus zu finden
die Tartüfferie der Deutschen! die alte Frau als Ausfluß ihres Pflichtgefühls darstellen—ich habe es mit eigenen Ohren gehört.
Geschrei und Geschreib der häßlichen Mädchen—der abnehmende Einfluß des Weibes.
die neue Melusine Möglichst viel Militaria, die angeschossenen Könige—die Entbehrung des Feldlagers, ohne Thür und Fenster der geladene Revolver
“die Ursache jeder Handlung ein Akt des Bewußtseins,” ein Wissen! Folglich die schlechten Handlungen nur Irrthümer usw.
Das berühmte Wort “vergieb ihnen ihre” die Verallgemeinerung “tout comprendre”—oberflächliche Worte
“der große Zweideutige und Versucher”
1 [173]
ein kalter widerwilliger See, auf dem sich kein Entzücken kräuselt
1 [174]
noch nicht eine Stunde unter meines Gleichen, bei jedem Thun und Geschäfte den heimlichen Wurm “du hast Anderes zu thun!” gemartert von Kindern Gänsen und Zwergen, Alpdruck
— es giebt nur Solche um ihn, an denen er weder Vergeltung üben, noch Belehrung geben
1 [175]
verzärtelte Gewissen
1 [176]
das kleine Wehsal
1 [177]
Von einem großen Menschen.
Die Nachgekommenen sagen von ihm: “seitdem stieg es immer höher und höher.”— Aber sie verstehen nichts von diesem Martyrium des Aufsteigens; ein großer Mensch wird gestoßen, gedrückt, gedrängt, hinaufgemartert in seine Höhe.
1 [178]
Dies ist ein Problem der Rasse, wie ich es verstehe: denn an dem plumpen Geschwätz von arisch
1 [179]
Der Jesuitismus der Mittelmäßigkeit, welcher den ungewöhnlichen und gespannten Menschen wie einen ihm gefährlichen Bogen zu brechen oder abzuschwätzen sucht, mit Mitleiden und bequemer Handreichung so gut als mit Vergiftung seiner nothwendigen Einsamkeit und heimlicher Beschmutzung seines Glaubens—: der seinen Triumph hat, wenn er sagen kann, “der ist endlich wie unser Einer geworden,”: dieser herrschsüchtige Jesuitismus, der die treibende Kraft in der gesammten demokratischen Bewegung ist, wird überall sehr abseits von der Politik und den Fragen der Ernährung u
1 [180]
Mozart die Blume der deutschen Barokko —
1 [181]
Inspiration. —
1 [182]
Es ist schwer verstanden zu werden. Schon für den guten Willen zu einiger Feinheit der Interpretation soll er von Herzen dankbar sein: an guten Tagen verlangt man gar nicht mehr. Man soll seinen Freunden einen reichlichen Spielraum zum Mißverständnisse zugestehen. Es dünkt mich besser mißverstanden als unverstanden zu werden: es ist etwas Beleidigendes darin, verstanden zu werden. Verstanden zu werden? Ihr wißt doch, was das heißt?— Comprendre c’est égaler.
Es schmeichelt mehr, mißverstanden zu sein als unverstanden: gegen das Unverständliche bleibt man kalt, und Kälte beleidigt.
1 [183]
Ach, dies ist das Meer: und hier soll dieser Vogel sein Nest bauen?
An jenen Tagen, wo das Meer stille wird und
1 [184]
Von der Habgier des Geistes: wo, wie beim Geize, das Mittel Zweck wird. Die Unersättlichkeit
Man liebt heute alles fatalistische Ungeheure: so auch den Geist.
1 [185]
Die Zucht des Geistes.
Gedanken
über das intellectuelle Gewissen.
Die Habgier und Unersättlichkeit des Geistes:—das Ungeheure, Fatalistische, Nächtlich-Schweifende, Erbarmungslose, Raubthierhafte und Listige daran.
1 [186]
Der Gelehrte.
Was ist Wahrheit?
Von der Zuchtlosigkeit des Geistes.
Das Demagogische in unsern Künsten.
Herren- und Sklavenmoral.
Moral und Physiologie.
Frömmigkeit.
Zur Geschichte des freien Geistes.
Wir Immoralisten.
Die vornehme Seele.
Die Maske.
1 [187]
1. Was ist Wahrheit?
2. Zur Naturgeschichte des Gelehrten.
3. Die Maske.
4. Von der vornehmen Seele.
5. Wir Immoralisten.
6. Heerden-Moral.
7. Von der Demagogie der Künste.
8. Frömmigkeit.
9. Die guten Europäer.
10. Die Philosophen der Zukunft. Skeptiker. Freie Geister. Starke Geister. Versucher. Dionysos.
1 [188]
Erstes Hauptstück:
unser Muth
Zweites Hauptstück:
unser Mitleid
Drittes Hauptstück:
unsre Einsicht
Viertes Hauptstück:
unsre Einsamkeit.
1 [189]
1. Moral und Erkenntniß.
2. Moral und Religion.
3. Moral und Kunst.
4. “Wir Europäer.”
5. Was ist vornehm?
Inspiration
1 [190]
Unter denen, welche sich von der Religion losgelöst haben, finde ich Menschen von vielerei Art und Rang. Da sind die Unenthaltsamen, welche sich von ihren Sinnen haben überreden lassen (weil ihre Sinne den Zwang und Vorwurf des religiösen Ideals nicht mehr ertrugen)—und die sich der Vernunft u des Geschmacks als ihrer Fürsprecher zu bedienen pflegen, wie als ob sie das Unvernünftige, das Geschmackwidrige an der Religion nicht mehr zu ertragen wüßten:—dieser Art Mensch eignet der antireligiöse Haß, die Bosheit und das sardonische Lachen, ebenso aber in gut verheimlichten Augenblicken eine sehnsuchtsvolle Scham, eine innere Unterwürfigkeit unter die Werthsetzungen des verleugneten Ideals. Der Kirche durch Sinnlichkeit entfremdet, verehren sie, wenn sie wieder zu ihr zurückkehren, das Ideal der Entsinnlichung, als das religiöse “Ideal an sich”:—eine Quelle vieler und schwerer Irrthümer.
Da sind die geistigeren, gefühlsärmeren, trockneren, auch gewissenhafteren Menschen, welche von Grund aus an ein Ideal zu glauben überhaupt unfähig sind und die nur im feinen Nein sagen und kritischen Auflösen noch ihre größte Stärke und Selbstachtung zu finden wissen: sie sind losgelöst, weil nichts in ihnen ist, das fest binden konnte; sie lösen los, weil
Phasen —
Verlust, Oede, einbegriffen in das Gefühl der Untreue u Undankbarkeit, Loslösung, alles überwogen durch eine unwiderrufliche bittere Gewißheit
das Gefühl der ehrfurchtsvollen Rücksicht und eines scheuen Ernstes (mit großer Milde gegen die h religiosi)
das Gefühl der überlegenen ugütigen Heiterkeit gegen alle Religionen gemischt mit einer leichten Geringschätzung gegen die Unsauberkeit des intellektuellen Gewissens, welche es immer noch Vielen erlaubt, religiös zu sein, oder einem kaum verhehlten Erstaunen, daß es möglich ist zu “glauben”
1 [191]
NB. Zuletzt war das Ganze einer griechischen Stadt dich mehr werth als ein Einzelner! es ist uns noch erhalten!—so gewiß der Leib mehr werth ist als irgend ein Organ. Gehorchen lernen, 1000 Mal im Leibe das höchste Opfer!
1 [192]
reiner gewaschen und reinlicher gekleidet tüchtige Turner mit einem Schloß vor dem “losen Maule,” sich zum Schweigen erziehend, auch zu würdiger Selbstbeherrschung in Venere (und nicht, wie so häufig, verhurt und verhunzt vom Knabenalter an): möchten wir sie bald nach dieser Seite hin “europäisirt” sehn
1 [193]
ich liebe die prachtvolle Ausgelassenheit eines jungen Raubthiers, das zierlich spielt, und indem es spielt zerreißt
1 [194]
Der moderne Pessimismus ist ein Ausdruck von Nutzlosigkeit der modernen Welt—nicht der Welt und des Daseins.
1 [195]
Es scheint mir immer mehr daß wir nicht flach und nicht gutmüthig genug sind, um an dieser märkischen Junker-Vaterländerei mitzuhelfen und in ihre Haß schnaubende Verdummungs-Parole “Deutschland Deutschland über Alles” einzustimmen.
1 [196]
— man muß schon bis zum letzten Wagner und seinen Bayreuther Blättern hinuntersteigen um einen ähnlichen Sumpfe von Anmaaßung, Unklarkeit und Deutschthümelei zu begegnen, wie es die Reden an die D N sind.
1 [197]
Die alten Romantiker fallen um und liegen eines Tags, man weiß nicht wie, vor dem Kreuze ausgestreckt: Das ist auch Richard Wagner begegnet. Die Entartung eines solchen Menschen mit anzusehen gehört zum Schmerzhaftesten was ich erlebt habe:—daß man es in D nicht schmerzhaft empfunden hat, war ein starker Anstoß für mich, jenem Geiste, der jetzt in D herrscht, noch mehr zu mißtrauen.
1 [198]
| Buatschleli batscheli |
| bim bim bim |
| Buatscheli batschleli |
| bim! |
1 [199]
Das Glück fassen und erdrosseln, erwürgen, ersticken mit seiner Umarmung:—die Melancholie solcher Erlebnisse—es würde sonst fliehen und entschlupfen?
1 [200]
Wie viel Einer aushält von der Wahrheit:
Wie viel Einer auf sich nimmt, zu verantworten:
Wie viel Einer auf sich nimmt, zu versorgen und zu schützen:
Die Einfachheit—und was der bunte Geschmack der Künstler verräth:
1 [201]
Mittelstand-Moral.
1 [202]
Es giebt etwas Unbelehrbares im Grunde: einen Granit von factum, von vorausbestimmter Entscheidung im Maaße und Verhältniß zu uns und ebenso ein Anrecht auf bestimmte Probleme, eine eingebrannte Abstempelung derselben auf unseren Namen.
Der Versuch, sich anzupassen, die Qual der Vereinsamung, das Verlangen nach einer Gemeinschaft: dies kann sich bei einem Denker so äußern, daß er an seinem Einzelfall gerade das Persönlichste und Werthsvolle subtrahirt und, indem er verallgemeinert, auch vergemeinert. Dergestalt ist es möglich, daß die ganze ausgesprochene Philosophie eines merkwürdigen Menschen nicht eigentlich sein Philosophie, sonder gerade die seiner Umgebung ist, von der er als Mensch abweicht, paratypisch. Inwiefern Bescheidenheit, Mangel an muthigem “Ich bin” bei einem Denker verhängnißvoll wird. “Der Typus ist interessanter als der Einzel-und Ausnahme-Fall”: insofern kann die Wissenschaftlichkeit des Geschmacks Jemanden dazu bringen, für sich nicht die nöthige Theilnahme und Vorsicht zu haben. Und endlich: Stil, Litteratur, der Wurf und Fall der Worte—was fälscht und verdirbt dies Alles am Persönlichen! Mißtrauen im Schreiben, Tyrannei der Eitelkeit des Gut-schreibens: welches jedenfalls ein Gesellschafts-kleid ist und uns auch versteckt. Der Geschmack feindlich dem Originellen! eine alte Geschichte.
Stil, der mittheilt: und Stil, der nur Zeichen ist, “in memoriam.” Der todte Stil eine Maskerade; bei anderen der lebendige Stil. Die Entpersönlichung.
1 [203]
Gegen einen Feind giebt es kein besseres Gegenmittel als einen zweiten Feind: denn Ein Feind
1 [204]
Allzuviel auf mir, seit wann?, fast von Kindesbeinen an. Meine Philologie war nur eine begierig ergriffene Echappade: ich kann mich nicht darüber täuschen, die Leipziger Tagebücher redeten zu deutlich.— Und keinen Gefährten!— Leichtfertig im Vertrauen? Aber ein Einsiedler hat immer zu viel Vorrath davon aufgehäuft, ebenso freilich auch von Mißtrauen.
1 [205]
Das tiefste Mißverständniß der Religion, “böse Menschen haben keine Religion.”
1 [206]
Russische Musik: wie kommt es, daß
1 [207]
Die extreme Lauterkeit der Atmosphaere, in die ich ihn gestellt habe, und mir erlaubt, Dinge
1 [208]
ich bin widerstandsunfähiger gegen den phys Schmerz geworden: und wenn jetzt Tage kommen mit den alten Anfällen, so verwandelt sich der Schmerz sogleich in eine seelische Tortur, mit der ich nichts vergleichen kann
1 [209]
Man giebt an sein Werk auch die Höhe und Güte seiner Natur weg: hinterdrein Dürre oder Schlamm. —
1 [210]
Wie das gute Gewissen und das Wohlbefinden loslöst von den tiefen Problemen!
1 [211]
Jenseits von Gut und Böse: dergleichen macht Mühe. Ich übersetze wie in eine fremde Sprache, ich bin nicht immer sicher, den Sinn gefunden zu haben. Alles etwas zu grob, um mir zu gefallen.
1 [212]
Auf braunen, gelben, grünen Purpur-Teppichen kommt
1 [213]
Wir Früh-Aufsteher, die wir auf den
1 [214]
Gegensatz, es giebt Wahrheiten zum Erbrechen, materia peccans, welche man schlechterdings los werden will: man wird sie los, indem man sie mittheilt.
1 [215]
Auf die Noth der Massen sehen mit ironischer Wehmut: sie wollen etwas, das wir können—ach!
1 [216]
Ich habe den heiligen Namen der Liebe nie entweiht.
1 [217]
ausgeschlafene Kräfte
1 [218]
ächt in seiner Objektivität, in seinem heiteren Totalismus, ist er falsch und gewollt in seinen Affekten, künstlich und raffinirt im Erfassen des Einzelnen, selbst in den Sinnen
1 [219]
NB Wie im Abnehmen der Lebenskraft man zum Beschaulichen und zur Objektivität heruntersinkt: ein Dichter kann es fühlen (Sainte-Beuve).
1 [220]
Das ungeheure Genießen des Menschen und der Gesellschaft im Zeitalter L XIV machte, daß der Mensch in der Natur sich langweilte und verödet fühlte. Am peinlichsten war die öde Natur, das Hochgebirge.
Die Prezieusen wollten den Geist, mindestens den esprit in die Liebe bringen. Symptom eines ungeheuren Genusses am Geiste (dem hellen, distinguirenden, wie zur Zeit der Perserkriege)
Die künstlichen Formen (Ronsard, selbst die Skandinavier) machen die größte Freude bei sehr saftigen und kräftigen-sinnlichen Naturen: es ist ihre Selbst-Überwindung. Auch die künstliche Moral.
Unsere Menschen wollen hart, fatalistisch, Zerstörer der Illusionen sein—Begierde schwacher und zärtlicher Menschen, welche das Formlose, Barbarische, Form-Zerstörenden goutiren (z.B. die “unendliche” Melodie—Raffinement der deutschen Musiker) Der Pessismus und die Brutalität als Reizmittel unsrer Preziösen.
1 [221]
Catilina—ein Romantiker neben Caesar, modo celer modo lentus ingressus
1 [222]
Die Gewissensfreiheit ist nur im großen Despositismus nützlich und möglich — ein Symptom der Atomisirung
1 [223]
NB Die letzte Tugend.
Wir sind die Verschwender der Tugenden, welche unsere Vorfahren angesammelt haben und, Dank ihnen, in Hinsicht auf ihre lange Strenge und Sparsamkeit, mag es eine geraume Zeit noch angehn, daß wir uns als die reichen und übermüthigen Erben
1 [224]
düster oder ausgelassen, ein Geist, der in allem, was er aussinnt, Rache für etwas nahm, das er gethan hatte (oder dafür, daß er Etwas nicht gethan hat)—der das Glück nicht ohne Grausamkeit verstand.
1 [225]
Hier, wo die Halbinsel ins Meer läuft
1 [226]
Wer kein Vergnügen daran hat, Tölpel tanzen zu sehen, soll keine deutschen Bücher lesen. Ich sah eben einen deutschen Tölpel tanzen: Eugen Dühring, nach dem Anarchisten-Motto “ni dieu, ni maître.”
1 [227]
Bei den Meisten ist auch heute immer noch ihre Klugheit das Ächteste, was sie haben: und nur jene Seltenen, welche wissen, welche fühlen, wie sie im Zwielichte einer alternden Cultur aufgewachsen sind
1 [228]
Ich verstehe nicht, was die Laien an R W haben: vielleicht erregt er ihre romantischen Gefühle und alle Schauer und Kitzel des Unendlichen und der romantischen Mystik—wir Musiker sind entzückt und verführt
1 [229]
Halkyonische Reden. — Cäsar unter Seeräubern —
Die Stunde, wo die Sonne hinunter ist —
Die Menschen zu lieben um Gottes Willen —
Für die, welche golden lachen.
Dankbar für das Mißverstanden werden —
Am goldenen Gitter.
Wir Eidechsen des Glücks —
Unter Kindern und Zwergen.
An der Brücke.
Auf der alten Festung.
Das Bad.
Das größte Ereigniß —
Immer verkleidet
otium
Armut, Krankheit—und der vornehme Mensch
das langsame Auge
“Seins-Gleichen”—gegen die Vertraulichkeit
Schweigen-können
Schwer-versöhnlich, schwer-ergrimmt
Alles Förmliche in Schutz nehmen.
Frauen.— Tanz, Thorheit, kleine Schmuckkästen
der Versucher.
Von Geblüt.
Die Maske.
1 [230]
Halkyonische Lieder.
1 [231]
Ariadne.
1 [232]
Das Problem der Rangordnung.
Vorläufige Gedanken und
Gedankenstriche
von
Friedrich Nietzsche.
1 [233]
NB. Der Schaden macht klug, sagt der Pöbel:— So weit er klug macht, macht er auch schlecht. Aber wie oft macht der Schaden dumm!
1 [234]
In wiefern ein Handwerk leiblich und geistig deformirt: ebenso Wissenschaftlichkeit an sich, ebenso Gelderwerb, ebenso jede Kunst:—der Spezialist ist nothwendig, aber gehört in die Klasse der Werkzeuge.
1 [235]
Es ist sehr interessant, einmal Menschen ohne Zügel und Grenze zu sehn: fast alle höheren Menschen (wie Künstler) fallen in irgend eine Unterwerfung zurück, sei es das Christenthum oder die Vaterländerei.
1 [236]
Wenn dies kein Zeitalter des Verfalls und der abnehmenden Lebenskraft mit viel Melancholie ist, so ist es zum Mindesten eines des unbesonnenen, und willkürlichen Versuchens:—und es ist wahrscheinlich, daß aus seiner Überfülle mißrathener Experimente ein Gesammt-Eindruck wie von Verfall entsteht: und vielleicht die Sache selbst, der Verfall.
1 [237]
Das Problem der Rangordnung.
Das Problem von Zucht und Züchtung.
| Die Zucht des Willens. | ||
| Die Zucht des Gehorchens. | ||
| NB. | Die Zucht des Befehlens. | |
| Die Zucht der Unterscheidung. | ||
| Die Bildung, welche die Spezialität ausschließt. |
1 [238]
Die tiefe Nothwendigkeit der Aufgabe, welche über allen einzelnen Schicksalen jedes Menschen waltet, in dem eine Aufgabe leibhaft wird und “zur Welt kommt”—in der Mitte des Lebens begreife ich, was das Problem der Rangordnung für Vorbereitungen nöthig hatte, um in mir endlich aufzusteigen:—wie ich die vielfachsten Glücks- und Nothstände an Seele und Leib erfahren mußte, nichts verlierend, alles auskostend und auf den Grund prüfend, Alles von Zufälligen reinigend und aussiebend.
1 [239]
Jede Moral, welche irgendwo geherrscht hat, war immer die Zucht und Züchtung eines bestimmten Typus von Menschen, unter der Voraussetzung, daß es auf diesen Typus vornehmlich, ja ausschließlich ankomme: kurz, immer unter der Voraussetzung eines Typus. Jede Moral glaubt daran, daß man mit Absicht und Zwang am Menschen Vieles ändern (“bessern”) könne:—sie nimmt die Anähnlichung an den maaßgebenden Typus immer als “Verbesserung” (sie hat von ihr gar keinen anderen Begriff—).
1 [240]
Über Naivetät. Die Reflexion kann noch ein Zeichen von N sein.
“Naiver Egoismus.”
1 [241]
das Wohl des “Nächsten” ist an sich erstrebenswerther 1) wenn Wohl erstrebenswerth ist 2) wenn feststeht, welche Art von Wohl, da es solche giebt, die sich als Ziele widersprechen und hemmen, 3) wenn schon ein Werth der Personen feststeht und klar ist, daß “der Nächste” höheren Werth als ich hat.— Die angenehmen begeisterten Sentiments der Hingebung usw. müssen erbarmungslos kritisirt werden; an sich enhalten sie vermöge des Tropfens Annehmlichkeit und Begeisterung, der in ihnen ist, noch kein Argument für, sondern nur eine Verführung dazu.
1 [242]
Menschenkenntniß: es kommt darauf an, was Einer schon als “Erlebniß” faßt, fühlt; die Meisten brauchen eine plumpe Ausführlichkeit des Geschehens und hundertmalige Wiederholung, und Einige haben Keulenschläge nöthig, um da hinter ein Erlebniß zu kommen und aufmerksam zu werden
1 [243]
Die Barbarisirung des Christenthums durch die Deutschen
1 [244]
Wissenschaft als Mittel zur Erziehung. An sich getrieben eine Barbarei mehr, ein barbarisirendes Handwerk
1 [245]
Iti vuttakam
(Also sprach (der Heilige)
1 [246]
nicht betrügen
nicht Compromisse
verachten solche Unklarheit, wie Bismarck und W.
1 [247]
Wie an Gott die Mensch krank waren und sich dem Menschen entfremdeten.
12, 1[1-247] Herbst 1885 - Frühjahr 1886
1 [1]
Actually, I should have a circle of deep and tender people around me who would protect me somewhat from myself and also know how to cheer me up: for someone who thinks the things I must think, the danger is always very near that he destroys himself.
1 [2]
Let no one believe that one suddenly and with both feet one day leaps into such a hearty state of the soul, of which the just-sung dance song may be a testimony or likeness. Before one learns to dance in such a manner, one must have thoroughly learned to walk and run, and already standing on one's own feet is something for which, it seems to me, only a few are ever destined. In the time when one first ventures out on one's own limbs and without leading strings and railings, in the times of first youthful strength and all the incentives of one's own spring, one is most dangerously at risk and often walks timidly, disheartened, like a runaway, like an exile, with a trembling conscience and with strange mistrust of one's path:—when the young freedom of the spirit is like a wine
1 [3]
Der Spiegel
Lack of a dominant way of thinking.
The actors.
Gleba.
The new shamelessness (e.g., of the mediocre, such as the English, also of writing women)
The will to prejudice (nations, parties, etc.
The latent Buddhism.
The lack of solitude (and consequently of good company)
Alcohol, books, and music and other stimulants.
The philosophers of the future.
The ruling caste and anarchism.
The curious difficulties of the unusual, which its plebeian modesty disturbs.
Lack of character education. Lack of higher monasteries
Gradual restriction of popular rights.
1 [4]
— The doctrine of opposites (good, evil, etc.) has value as an educational measure because it forces one to take sides.
— the most powerful and dangerous passions of man, by which he is most easily destroyed, have been so thoroughly discredited that even the most powerful men themselves have become impossible or must feel themselves to be evil, as “harmful and forbidden.” This loss has been great, but necessary so far: now, where a multitude of counter-forces have been greatly cultivated through the temporary suppression of those passions (of lust for power, delight in transformation and deception), their unleashing is again possible: they will no longer have their former wildness.
— The synthesis of opposites and counter-drives a sign of the total strength of a man: how much can it tame?
— a new concept of holiness: Plato’s naivety—no longer the opposition of the demonized drives in the foreground
— to demonstrate in what respect the Greek religion was the higher one than the Jewish-Christian. The latter triumphed because the Greek religion itself had degenerated (regressed gone back)
Goal: the sanctification of the most powerful, most terrible, and most notorious forces, in the old image: the deification of the devil
1 [5]
— I measure by how far a man, a people can bind the most terrible drives within themselves and turn them to their salvation without perishing from them: rather to their fruitfulness in deed and work
— the interpretation of all misfortunes as the effect of unreconciled spirits is what has hitherto driven the great masses to religious cults. Even the higher moral life, that of the saint, was invented only as one of the means to appease unreconciled spirits.
— the interpretation of our experiences as providential hints of a benevolent, educating deity, also of our misfortunes:—development of the paternal concept of God, from the patriarchal family.
— the absolute depravity of man, the unfreedom to do good, and consequently the interpretation of all our actions with the interpretation of a guilty conscience: finally grace. Miracle-act. Sudden conversion. Paul, Augustine, Luther
— the barbarization of Christianity by the Germans: the intermediate divine beings, and the multiplicity of expiatory cults, in short, the pre-Christian standpoint returns. Likewise the composition system.
— Luther restores the fundamental logic of Christianity, the impossibility of morality and consequently of self-satisfaction, the necessity of grace and consequently of miracles, and also of predestination.Fundamentally an admission of being overcome and an outburst of self-contempt.
— “it is impossible to pay one’s debts,” outbursts of the desire for salvation and of cults and mysteries. “It is impossible to get rid of one’s sin” outburst of Christianity of Paul, Augustine, and Luther. Formerly, external misfortune was the impetus to become religious; later, the inner feeling of misery, unredeemedness, anxiety, insecurity. What seems to distinguish Christ and Buddha: it seems to be the inner happiness that made them religious
1 [6]
— the feeling of belonging to a higher rank is dominant in the moral feeling: it is the self-testimony of the higher caste, whose actions and states are then again considered as signs of a disposition with which one belongs or should belong to that caste —
1 [7]
— first, the moral feeling is developed in relation to people (classes first!), only later transferred to actions and character traits. The pathos of distance is at its core that feeling.
1 [8]
— the ignorance of man and the lack of reflection make it so that individual accountability is only established late. One feels oneself too unfree, unspiritual, carried away by sudden impulses, so that one should think of oneself no differently than in regard to nature: demons also act within us.
1 [9]
— Human, All Too Human. One cannot reflect on morality without involuntarily engaging in moral behavior and revealing oneself. Thus, I worked at that time on refining morality, which already perceives “reward” and “punishment” as “immoral” and can no longer grasp the concept of “justice” as anything other than “loving comprehension,” essentially approval. In this, there may be weakness, perhaps excess, perhaps also
1 [10]
— the “punishment” develops in the narrowest space, as a reaction of the powerful, the master of the house, as an expression of his anger against the disregard of his command and prohibition.— Before the morality of custom (whose canon demands “all tradition shall be honored”) stands the morality of the ruling person (whose canon demands that “only the one who commands shall be honored”). The pathos of distance, the feeling of difference in rank, lies at the deepest root of all morality.
1 [11]
— “Soul” finally as “subject concept”
1 [12]
— When things are unknown, so is the human. What is there to praise or blame!
1 [13]
— I do not understand how one can be a theologian. I would not like to think poorly of this kind of people, who are after all not merely knowledge-machines
1 [14]
— Every action of which a man is not capable is misunderstood by him. It is characteristic to always be misunderstood in one's actions. It is then also necessary and no cause for embitterment.
1 [15]
— It is not selfless when I prefer to think about causality rather than the process with my publisher; my benefit and my enjoyment lie on the side of insights, my tension, restlessness, passion have been active there the longest.
1 [16]
Thoughts are actions
1 [17]
— how we have relearned in fifty years! All the Romanticism with its belief in the “people” is refuted! No Homeric poetry as folk poetry! No deification of the great natural forces! No conclusion from linguistic kinship to racial kinship! No “intellectual intuition” of the supersensible! No truth veiled in religion!
1 [18]
— The problem of truthfulness is entirely new. I am astonished: We regard such natures as Bismarck as guilty herein through negligence, such as Richard Wagner through lack of modesty, we would condemn Plato with his pia fraus, Kant because of the derivation of his categorical imperative, while faith certainly did not come to him in this way
1 [19]
— Finally, doubt turns against itself: doubt about doubt. And the question of the justification of truthfulness and its scope arises —
1 [20]
— All our conscious motives are surface phenomena: behind them lies the struggle of our drives and states, the struggle for power.
1 [21]
— That this melody sounds beautiful is not taught to children through authority or instruction; nor is the sense of well-being at the sight of a venerable person. Values are innate, despite Locke!, inherited; of course, they develop more strongly and beautifully when the people who care for and love us also share our values. What torment for a child to always set its good and evil in opposition to its mother and to be mocked and scorned where it reveres!
1 [22]
— How manifold is that which we feel as moral sentiment: therein is veneration, fear, the touch as of something holy and secret, therein speaks something commanding, something that takes itself more seriously than we do; something that uplifts, inflames, or makes us calm and profound. Our moral sentiment is a synthesis, a simultaneous resonance of all the dominant and submissive feelings that have held sway in the history of our ancestors.
1 [23]
— In favor of the present. Health is promoted, ascetic-world-denying ways of thinking (with their will to sickness) are barely understood. Everything possible is valid and will be allowed and recognized, damp mild air in which every kind of plant grows. It is paradise for all small lush vegetation
1 [24]
— Soul and breath and existence are equated. The living is being: there is no further being.
1 [25]
— “All good people are weak: they are good because they are not strong enough to be evil,” said the Latuka chief Comorro to Baker
1 [26]
gin is Arabic and means spiritus ( = g'inn)
1 [27]
“There is no misfortune for weak hearts” is said in Russian
1 [28]
— all movements are to be understood as gestures, as a kind of language through which forces communicate. In the inorganic world, misunderstanding is absent; communication seems perfect. In the organic world, error begins. “Things,” “substances,” properties, activi-“ties”—none of this should be projected into the inorganic world! They are the specific errors by which organisms live. The problem of the possibility of “error”?
The contrast is not "false" and "true," but rather "abbreviations of signs" in contrast to the signs themselves. The essential thing is: the formation of forms that represent many movements, the invention of signs for entire types of signs.— all movements are signs of an inner event; and every inner event expresses itself in such changes of forms. Thinking is not yet the inner event itself, but rather also only a sign language for the balance of power of affects.
1 [29]
— the humanization of nature—the interpretation according to us.
1 [30]
| A. Psychological starting point: |
| — | our thinking and valuations are only an expression of underlying desires. |
| — | the desires specialize more and more: their unity is the will to power (taking the expression from the strongest drive, which has directed all organic development so far) |
| — | Reduction of all organic basic functions to the will to power |
| — | Question whether it is not also the mobile in the inorganic world? For in the mechanistic interpretation of the world, there is still a need for a mobile. |
| — | “Law of nature”: as a formula for the unconditional establishment of power relations and degrees. |
| — | Mechanical movement is only an expressive means of an inner event. |
| — | “Cause and effect” |
1 [31]
— the struggle as a means of balance
1 [32]
— the assumption of atoms is only a consequence of the subject and substance concept: somewhere there must be “a thing” from which activity emanates. The atom is the last descendant of the concept of the soul.
1 [33]
— the most terrible and thorough desire of man, his drive for power,—one calls this drive “freedom”—must be kept in check the longest. Therefore, ethics up to now, with its unconscious educational and breeding instincts, has aimed to keep the lust for power in check: it vilifies the tyrannical individual and emphasizes, with its glorification of community care and patriotism, the herd power instinct
1 [34]
— Naturally, the forces of humanity must develop in such an order that the harmless ones are developed (praised, approved) first, while conversely the strongest remain the most reviled and slandered for the longest time.
1 [35]
The Will to Power.
An Attempt at a New Interpretation of All
Events.
By
Friedrich Nietzsche.
1 [36]
the world of thought only a second degree of the world of appearances —
1 [37]
— the movements are not “caused” by an “agent”: that would again be the old concept of the soul!—they are the will itself, but not entirely and completely!
1 [38]
NB. The belief in causality goes back to the belief that it is I who acts, to the separation of the “soul” from its activity. Thus an ancient superstition!
1 [39]
Attributing an effect to a cause is: tracing it back to a subject. All changes are considered to be produced by subjects.
1 [40]
| — the current stage of morality demands |
| a) no punishment! 2) no reward — | no retribution! | |
| 3) no servility | ||
| 4) no pia fraus! |
1 [41]
— we can no longer bear the sight, consequently we abolish the slaves
1 [42]
It is a favorite word of the lazy and the unscrupulous: tout comprendre c’est tout pardonner—it is also a stupidity. Oh, if one were to always wait for the “comprendre”: it seems to me, one would come to forgive far too rarely! And finally, why should one forgive precisely when one has understood? Suppose I fully understood why this sentence displeased me, should I not therefore strike it out?— There are enough cases where one strikes out a person because one has understood them.
1 [43]
— the term “change” already presupposes the subject, the soul as substance
1 [44]
— the objection one takes to the doctrine “of the unfreedom of the will” is this: it seems as if it asserts “you do what you do not voluntarily, but involuntarily, i.e., compelled.” Now everyone knows how one feels when one does something involuntarily. It thus seems that with this doctrine it is taught: everything you do, you do involuntarily, hence reluctantly, “against your will”—and this one does not concede, because one does many things gladly, including much that is “moral.” One thus understands “unfree will” as “compelled by a foreign will”: as if the assertion were: “everything you do, you do compelled by a foreign will.” One does not call obedience to one’s own will compulsion: for there is pleasure in it. That you command yourself, that is called: “freedom of the will”
1 [45]
Sapientia victrix.
Prelude to a Philosophy of the Future.
1 [46]
Religions live the longest time without being intertwined with morality: free of morality. Consider what every religion actually wants—one can still grasp it with one's hands today: through it, one wants not only deliverance from distress, but above all deliverance from the fear of distress. All distress is regarded as a consequence of evil, hostile activity of spirits: all distress that befalls one is indeed not "deserved," but it awakens the thought of by what a spirit might be provoked against us; man trembles before unknown roaming fiends and wishes to appease them. In doing so, he examines his behavior: and if there are any means at all to make certain spirits, which he knows, favorably disposed toward him, he asks himself whether he has really done everything he could have done to that end.
How a courtier examines his behavior toward the prince when he has perceived an ungracious mood in him:—he looks for an omission, etc. “Sin” is originally that by which some spirit could be greatly offended, some omission, a: here one has something to make good again. —Only insofar as a spirit, a deity has explicitly presented certain moral commandments as means to please and serve it, does moral valuation enter into “sin”: or rather: only then can a violation of a moral commandment be felt as “sin,” as something that separates from God, offends Him, and also brings danger and distress in its wake.1 [47]
Prudence, caution, and foresight (in contrast to indolence and living in the moment)—one almost feels as if one is degrading an action by naming these motives. But what it has cost to cultivate these qualities! To regard prudence as a virtue—that is still Greek!
Likewise, sobriety and “self-control” in contrast to acting on violent impulses, to the “naivety” of action.
1 [48]
The absolute devotion (in religion) as a reflection of slavish devotion or of the feminine (—the Eternal-Feminine is the idealized slave-sense)
1 [49]
Measuring the moral value of an action by its intention presupposes that the intention is indeed the cause of the action—which means regarding the intention as a perfect cognition, as a "thing-in-itself." Ultimately, it is merely the consciousness and interpretation of a state (of displeasure, desire, etc.)
1 [50]
— with language, states and desires are to be designated: thus concepts are signs for recognition. The intention of logic does not lie therein; logical thinking is a dissolution. But every thing that we “comprehend,” every state is a synthesis that one cannot “comprehend,” but can only designate: and even this only by recognizing a certain similarity with what has been before. “Unscientific” is every inner mental action in fact, also every thought.
1 [51]
Thinkers of modest or dishonest origin misunderstand the lust for power, even the drive for distinction: they classify both under vanity, as if it were about being respected, feared, or worshipped in the opinion of others.
1 [52]
Measured by scientific standards, the value of every moral judgment of man over man is very low: it is a groping and stumbling and much delusion and ignorance in every word.
1 [53]
| These are separate tasks: |
| 1) | to grasp and establish the currently prevailing (and within a limited cultural sphere) manner of moral evaluation of humans and actions |
| 2) | the entire moral code of an era is a symptom, e.g., as a means of self-admiration or dissatisfaction or hypocrisy: thus, in addition to establishing the present character of morality, secondly, the interpretation and explanation of this character must be provided. For in itself, it is ambiguous. |
| 3) | to explain the emergence of this currently prevailing mode of judgment |
| 4) | to critique it or ask: how strong is it? what does it affect? what will become of humanity (or of Europe) under its spell? Which forces does it promote, which does it suppress? Does it make people healthier, sicker, braver, more refined, more in need of art, etc.? |
| It is already assumed here that there is no eternal morality: this may be considered proven. Just as there is no eternal kind of judgment about nutrition. But the criticism, the question, is new: is “good” really “good”? And what use might there be in what is now pushed aside and reviled? Time distances come into consideration. |
1 [54]
The character of the unconditional will to power is present throughout the entire realm of life. Do we have the right to deny consciousness, we hardly have the right to deny the driving affects, e.g., in a primeval forest.
(Consciousness always contains a double reflection—there is nothing immediate—)
1 [55]
Fundamental question: how deep does the moral go? Does it belong only to what is learned? Is it a mode of expression?
All deeper people are unanimous in this—it comes to the consciousness of Luther, Augustine, Paul—that our morality and its events do not coincide with our conscious will—in short, that the explanation by purposeful intentions is not sufficient.
1 [56]
Objective, hard, firm, strict in enforcing a thought—this is what artists accomplish best; but when someone needs people for this (like teachers, statesmen, etc.), the calmness, coldness, and hardness quickly vanish. In natures like Caesar and Napoleon, one can sense something of an “disinterested” work on their marble, no matter how many people may be sacrificed in the process. The future of the highest humans lies on this path: bearing the greatest responsibility and not breaking under it.— Until now, inspirational delusions were almost always necessary to avoid losing faith in one’s own right and one’s hand.
1 [57]
Transformations of the will to power, its formations, its specializations—parallel to morphological development to represent!
1 [58]
From each of our basic drives, there is a different perspectival assessment of all events and experiences. Each of these drives feels inhibited, or promoted, flattered by every other: each has its own developmental law (its rise and fall, its tempo, etc.)—and this one is dying when that one rises.
Man as a multiplicity of “will to power”: each with a multiplicity of means and forms of expression.The individual alleged “passions” (e.g., man is cruel) are merely fictitious units, insofar as what emerges in consciousness as homogeneous from the various basic drives is synthetically woven into a “being” or “faculty,” into a passion. Thus, just as the “soul” itself is an expression for all phenomena of consciousness: which we, however, interpret as the cause of all these phenomena (the “self-consciousness” is fictitious!)
1 [59]
All material things are a kind of symptom of movement for an unknown event: all consciousness and feelings are in turn symptoms of the unknown. The world, which reveals itself to us from these two sides, could still have many other symptoms. There is no necessary relationship between spirit and matter, as if they somehow exhausted and alone represented the forms of manifestation.
Movements are symptoms, thoughts are also symptoms: desires are demonstrably behind both, and the fundamental desire is the will to power.— “Spirit in itself” is nothing, just as “movement in itself” is nothing.
1 [60]
It is almost comical that our philosophers demand that philosophy must begin with a critique of the faculty of cognition: is it not very unlikely that the organ of cognition can "criticize" itself when one has become suspicious of the previous results of cognition? The reduction of philosophy to the "will to a theory of cognition" is comical. As if certainty could be found that way! —
1 [61]
Everything that enters consciousness is the last link in a chain, a conclusion. That one thought would be the immediate cause of another thought is only apparent. The truly connected events unfold beneath our consciousness: the emerging sequences and succession of feelings, thoughts, etc., are symptoms of the actual events!— Beneath every thought lies an affect. Every thought, every feeling, every will is not born from a single specific drive, but rather it is a total state, an entire surface of the whole consciousness and results from the momentary power assessment of all the drives that constitute us—thus both the currently dominant drive and those obeying or resisting it. The next thought is a sign of how the entire power dynamic has shifted in the meantime.
1 [62]
“Will”—a false reification.
1 [63]
— How will Goethe appear later on! How uncertain, how wavering! And his “Faust”—what an accidental and temporal, and little necessary and enduring problem! A degeneration of the one who knows, a sick man, nothing more! By no means the tragedy of the one who knows himself! Not even that of the “free spirit.”
1 [64]
| Love of humanity. | ||
| Justice | ||
| Cruelty. | ||
| Reward and punishment. | everything has already had its pros and cons | |
| Self-sufficiency. | ||
| Reasonableness | ||
| Hierarchy. | ||
| Slavery (devotion) |
| all praise and blame is perspectival from a will to power. |
| “innate ideas” |
| the soul, the thing—false. Likewise “the spirit” |
1 [65]
| Chapter on interpretation |
| the reification |
| the afterlife of defunct ideals (e.g., slavish mindset in Augustine) |
1 [66]
The Christian's love for humanity, which makes no distinction, is only possible through the continual contemplation of God, in relation to whom the hierarchy between human beings becomes vanishingly small, and the human being themselves becomes so insignificant that differences in magnitude no longer arouse any interest: just as, from a high mountain, large and small become ant-like and similar.— One should cultivate this contempt forPeople do not overlook at all what lies in the Christian feeling of love for humanity: “you are my brother, I already know how you feel, whoever you are—namely, badly!” etc. In fact, such a Christian is an extremely intrusive and presumptuous type.
Conversely: if we let go of God, we lack a type of being that is higher than man: and the eye becomes sensitive to the differences of this “highest being.”
1 [67]
— I am suspicious of the contemplative, self-satisfied, blissful philosophers:—they lack the shaping power and the subtlety in honesty that admits to deficiency as strength
1 [68]
The transformation of the morally condemned into the morally revered—and vice versa.
1 [69]
— some seek an unconditional commitment within and invent it under certain circumstances, others want to prove it and at the same time plant —
1 [70]
— how presumptuous man is with his religions, even when he still grovels before God, like Saint Augustine! What audacity! This paternal or grandfatherly principle in the background!
1 [71]
— Morality has hitherto been considered among mortals as the most serious thing there is: this has been to the advantage of the moralists, upon whom among gods—and perhaps also once among men—a not inconsiderable laughter awaits: one does not bear the dignity of a teacher unpunished in the long run. To “instruct” men, to “improve” men—the presumption of such an undertaking
1 [72]
That the cat human repeatedly falls back on its four legs, I wanted to say on its one leg “I,” is only a symptom of its psychological “unity,” more accurately “union”: no reason to believe in a “psychic unity.”
1 [73]
— Morality is a part of the doctrine of the affects: how far do the affects reach into the heart of existence?
1 [74]
If there were an "in itself" at all, what would then be the "in itself" of a thought?
1 [75]
Thoughts are signs of a game and struggle of affects: they are always connected with their hidden roots
1 [76]
Whoever measures the value of an action by the intention from which it was done means thereby the conscious intention: but there is, in all acting, much unconscious intentionality; and what emerges as “will” and “purpose” is often subject to multiple interpretations and in itself only a symptom. “An expressed, expressible intention” is an interpretation, an exegesis, which can be false; moreover, an arbitrary simplification and falsification, etc.
1 [77]
The calculation of pleasure as a possible consequence of an action and the pleasure connected with an activity itself, as the release of a bound and accumulated force: what trouble it has taken to distinguish these two pleasures! It is laughable! Just as the comfort of life—and bliss is confused with moral intoxication and self-worship.
1 [78]
| With the knowledge of human nature, morality has also become refined |
| a) instead of sin as an offense against God, "the wrong against myself" b) instead of praying and desiring miraculous help — c) instead of interpreting experience as reward and punishment — d) instead of hostility toward all kinds of distress, unrest, and conflict — e) instead of the Christian's intrusive, equalizing love of humanity — |
1 [79]
The greatest sincerity and conviction of the value of one's own work can achieve nothing: likewise, the doubtful underestimation cannot affect the value of the same. This is how it is with all actions: no matter how morally I may feel about an intention, in itself this says nothing about the value of the intention and even less about the value of the action. The entire origin of an action would have to be known, and not just the fragment that enters consciousness (the so-called intention). But this would precisely demand absolute knowledge—
1 [80]
To what extent an overcoming of the moral human is possible:
we no longer measure the value of an action by its consequences
we also no longer measure it by its intention
1 [81]
As little as we still pray and stretch our hands upwards, as little will we one day need slander and blasphemy to treat certain drives within us as enemies; and likewise, our power, which compels us to destroy people and institutions, may one day do this without us falling into affects of indignation and disgust: with divine eyes and undisturbed annihilation! The destruction of people who feel good, forward! experimentum crucis.
1 [82]
Beyond Good and Evil
Prelude to
a Philosophy of the Future.
By
Friedrich Nietzsche.
1 [83]
The religious interpretation overcome.
Morality belongs in the doctrine of the affects (only a means of their restraint, while others should be greatly cultivated.
1 [84]
The Overcoming of Morality.
Previously, man maintained himself miserably by treating and slandering his most dangerous drives as evil and by servilely flattering those that preserved him. Acquisition of new powers and lands
a) the will to untruth
b) the will to cruelty
c) the will to lust
d) the will to power
1 [85]
must be arranged for the understanding of the external world and communication with it, intellect and senses must be superficial.
Complete emptiness of logic —
1 [86]
“Division of labor, memory, practice, habit, instinct, heredity, ability, power”—all words with which we explain nothing, but which we can use to describe and indicate.
1 [87]
The “I” (which is not one with the unified administration of our being!) is merely a conceptual synthesis—thus there is no action from “egoism” at all
1 [88]
— that any conscious or unconscious calculation of pleasure, which one has as a consequence of an action (whether in the action, or afterwards), is actually the cause of the action, is a hypothesis!!!
1 [89]
We belong to the character of the world, there is no doubt about it! We have no access to it except through ourselves: everything high and low must be understood as necessarily belonging to its essence through us!
1 [90]
NB. We want to honestly admit our inclinations and aversions and resist the urge to paint them with moral brushes. Just as we will no longer interpret our distress as our “struggle with God and the devil”! Let us be naturalistic and grant a fair right even to what we must fight, within us or outside us!
1 [91]
Through the division of labor, the senses have been almost separated from thinking and judging: whereas earlier this lay within them, undivided. Even earlier, desires and the senses must have been one.
1 [92]
All struggle—everything that happens is a struggle—requires duration. What we call “cause” and “effect” omits the struggle and thus does not correspond to what happens. It is consistent to deny time in causes and effects.
1 [93]
Let us rid ourselves of some superstitions that have been common regarding philosophers.
1 [94]
The new Enlightenment.
Prelude to a Philosophy of the Future.
By
Friedrich Nietzsche.
1 [95]
Free spirits and other philosophers.
Beyond Good and Evil.
1 [96]
Moralists' Morality.
1 [97]
On the confusion of cause and symptom
Pleasure and displeasure are the oldest symptoms of all value judgments: not but causes of value judgments!
Therefore: pleasure and displeasure belong, like moral and aesthetic judgments, under one category.
1 [98]
The words remain: people believe, even the concepts designated by them!
1 [99]
We lack many terms to express relationships: how quickly we are done with "master and servant" "father and child" etc.!
1 [100]
Fundamental misunderstanding: a person interprets others according to themselves; hence misunderstanding of many virtues and affects that belong to a higher kind. Even the same person misunderstands themselves when, in a lower moment, they look back on their high festivals. “Self-abasement” “Humility”
1 [101]
Ah, do you know the silent tenderness with which the wicked and terrible person clings to that moment when he was once—or still—“different”! No one sees virtue as so seductive, so very woman and child.
1 [102]
In the purest spring, one drop of filth is enough —
1 [103]
The hand that wanted to stretch out in prayer, the mouth ready to sigh—here the free spirit has its overcoming, but also its stagnation. One day the dam will be overwhelmed by the wild waters—
1 [104]
Many finer ones want peace, tranquility before their passions—they strive for objectivity, neutrality, they are content to remain as spectators,—and as critical spectators with a curious and mischievous superiority.
Others want peace outwardly, the harmlessness of life,—they would rather not be envied or attacked—and prefer to “give everyone their due”—calling it “justice” and love of humanity, etc.
To the chapter: “The Virtues as Disguise.”
1 [105]
The loss in all specializations: the synthetic nature is the higher. Now, all organic life is already a specialization: the underlying inorganic world is the greatest synthesis of forces and therefore the highest and most worthy of veneration.— The error, the perspectival limitation is absent there.
1 [106]
Artist: enthusiastic, sensual, childish, sometimes overly distrustful, sometimes overly trusting
1 [107]
— Are you one who as a thinker remains true to his proposition, not like a sophist, but like a soldier to his command? There is not only infidelity against persons.
1 [108]
— Compassion for one who has enough happiness and courage to be able to stand aside and look aside, like an Epicurean god.
1 [109]
The Mirror.
Philosophy of Forbidden Knowledge.
By
Friedrich Nietzsche.
1 [110]
God is refuted, the devil is not. For clairvoyant and mistrustful eyes, which know how to look deeply enough into the background, the spectacle of events is no testimony to either truthfulness, paternal care, or superior reason; neither something noble, nor something pure and loyal.
1 [111]
The Nordic Unnaturalness: everything covered with silver mists, one must artificially arrive at well-being, art there is a kind of evasion from oneself. Ah, this pale joy, this October light on all joys!
The Nordic Artificiality
1 [112]
The Tempter.
By
Friedrich Nietzsche.
1 [113]
Harmlessness of our critical philosophers, who do not notice that skepticism: they think that if one first examines the tool before using it, namely the faculty of cognition. This is worse than examining a match before one wants to use it. It is the match that wants to test itself whether it will burn
1 [114]
The unconditional necessity of all events contains nothing of compulsion: he stands high in knowledge who has thoroughly comprehended and felt this. From his belief, no forgiveness or excuse arises—I cross out a sentence that has turned out badly, as well as I understand the necessity by which it turned out badly, for the noise of a cart disturbed me—thus we cross out actions, under circumstances even people, because they have turned out badly. “To comprehend everything”—that means to abolish all perspectival relations, that means to comprehend nothing, to misrecognize the essence of knowledge.
1 [115]
The interpretative character of all events.
There is no event in itself. What happens is a group of phenomena selected and combined by an interpreting being.
1 [116]
The fear has been further developed into honor, the envy into fairness (“to each his own” and even “equal rights”), the intrusiveness of the lonely and endangered into loyalty,
1 [117]
the sluggishness of the mind, which settles where it has once arrived, the convenience that does not want to relearn, the good-natured submission to a power and joy in serving, the damp-warm brooding over thoughts, wishes—all German—origin of loyalty and faithfulness.
1 [118]
The division of a protoplasm into 2 occurs when the power is no longer sufficient to master the acquired possession: procreation is the consequence of an impotence.
Where the males seek out the female out of hunger and perish in her, procreation is the consequence of a hunger.
1 [119]
The completely identical course, but the higher interpretation of the course!! The mechanistic uniformity of force, but the intensification of the feeling of power! “The second time”—but there is no “second time.”
The absolute ineffectiveness of the inner feeling of power as causality,
1 [120]
The same text allows countless interpretations: there is no "correct" interpretation.
1 [121]
Gai saber.
Prelude to a Philosophy of the Future.
1. Free Spirits and Other Philosophers.
2. Interpretation of the World, not Explanation of the World.
3. Beyond Good and Evil.
4. The Mirror. An opportunity for self-reflection for Europeans.
5. The Philosophy of the Future.
1 [122]
Overcoming the affects? No, if it is supposed to mean weakening and annihilating them. But rather putting them into service: which may require tyrannizing them for a long time (not just as individuals, but as a community, race, etc.). Finally, one gives them back their freedom with increasing trust: they love us like good servants and go willingly where our best self wants to go.
1 [123]
Happiness and self-satisfaction of the Lazzaroni or “bliss” among “beautiful souls,” consumptive lovers, and Herrnhut Pietists prove nothing regarding the hierarchy of human beings. One would have to, as a great educator, mercilessly whip a race of such “blissful people” into misery: the danger of diminishment, of resting, is immediately present: against Spinozistic or Epicurean happiness and against all resting in contemplative states. But if virtue is the means to such happiness, well, then one must also become master over virtue
1 [124]
How does the perspectival sphere and the error arise? Insofar as, by means of an organic being, not a being, but the struggle itself wants to preserve itself, wants to grow and wants to be conscious.
That which we call “consciousness” and “spirit” is only a means and tool, by means of which not a subject, but a struggle wants to preserve itself.
Man is the testimony of what immense forces can be set in motion by a small being of manifold content (or by a perennial struggle concentrated on many small beings)
Beings that play with stars
1 [125]
— Transforming the belief “this is how it is” into the will “this is how it should become.”
1 [126]
| — The Paths to the Holy. Conclusion of |
“the Will to Power.” |
1 [127]
— there must be those who sanctify all activities, not just eating and drinking: and not only in memory of them, or in becoming one with them, but always anew and in new ways shall this world be transfigured.
1 [128]
— the essential of the organic being is a new interpretation of the event, the perspectival inner multiplicity, which itself is an event.
1 [129]
— the saints as the strongest people (through self-overcoming, freedom, loyalty, etc.
1 [130]
— to deny the merit leugnen, but to do what is above all praise, yes above all understanding
1 [131]
The Will to Power.
1 [132]
— a great man who feels entitled to sacrifice people as a general sacrifices people; not in the service of an “idea,” but because he wants to rule
1 [133]
— it requires ever less physical strength: with cleverness one lets machines work, man becomes more powerful and more spiritual.
1 [134]
— which is why it is necessary today to speak and act coarsely from time to time. Something fine and subtle is no longer understood, not even by those who are related to us. What is not spoken of loudly and shouted, does not exist: pain, deprivation, sacrifice, the long duty and the great overcoming—no one sees or smells anything of it. Cheerfulness is considered a sign of lack of depth: that it can be the bliss after all too strict tension, who knows?— One associates with actors and forces oneself to honor them as well. But no one understands how hard and painful it is for me to deal with actors. Or with a phlegmatic epicurean who has enough spirit to —
1 [135]
— I have attributed it to the Germans as philistinism and convenience: but this letting oneself go is European and “timely,” not only in morality and art.
1 [136]
— not allow curiosity and the zeal of research to be turned into a virtue, a “will to truth.” The scholars of Port Royal knew and took this more strictly. But we have all let our inclinations run wild and afterward would like to have the fine name of virtues for them. Virtue, however, belongs to the products of stronger and more evil ages: it is the privilege of aristocrats.
1 [137]
I am amazed by the most recognized things of morality—and other philosophers, like Schopenhauer, have only stood still before the “wonders” in morality.
1 [138]
Quarrels and Dialogues
1 [139]
Artists begin to appreciate and overestimate their works when they cease to have reverence for themselves. Their raging desire for fame often conceals a sad secret.
The work does not belong to their rule, they feel it as their exception. —
Perhaps they also want their works to intercede for them, perhaps for others to deceive them about themselves. Finally: perhaps they want noise in themselves, to no longer "hear" themselves.
1 [140]
“God wants my best when he sends me suffering” — It is up to you to interpret it for your good: it does not mean more even among religious people.
1 [141]
Beyond Yes and No.
Questions and Question Marks
for the Questionable.
1 [142]
We know it better than we admit to ourselves, that W is poor, that a thought rarely comes to him, that he himself is most startled, delighted, overwhelmed by his appearance, and for an overly long time does not tire of caressing and polishing these wonders of thoughts. He is too grateful and does not know the cold condescension of the rich, nor their tender disgust, the weariness of those who do nothing but give—like Mozart, like Rossini: only the overabundant springs leap and dance.
1 [143]
“We Lizards of Fortune.”
Thoughts of a Grateful One.
1 [144]
The Last Virtue.
A Morality for Moralists
1 [145]
— this last virtue, our virtue is called: honesty. In all other respects, we are only the heirs and perhaps the squanderers of virtues that were not collected and accumulated by us
1 [146]
A moralist: by that I mean etc.
Question and objection: has there ever been an M?— Perhaps not, perhaps yes; in any case, from now on there should only be such M.
1 [147]
Let us flee, my friends, from what is boring, from the overcast sky, from the waddling goose, from the respectable wife, from the maidens who write and "lay" books—is life not too short to be bored?
1 [148]
“The World as Will and Representation”—translated back into the narrow and personal, into the Schopenhauerian: “the world as sexual drive and contemplation.”
1 [149]
The German Reich is far from me, and there is no reason for me to be a friend or enemy with regard to a matter that lies so far away.
1 [150]
We have been so kind to women so far. Woe, the time will come when, in order to be able to associate with a woman, one will always have to slap her in the face first.
1 [151]
The Paths to the Holy.
What Are Strong Spirits?
On the Herd-Animal Morality
1 [152]
New Dangers
and New Securities
A Book for Strong Spirits.
1 [153]
NB. Against Aryan and Semitic.
Where races are mixed, the source of great culture.
1 [154]
What is noble?
Thoughts
on hierarchy.
1 [155]
What are we waiting for? Is it not for a great herald's and trumpet's noise! What happiness lies in loud tones! There is a silence that chokes: we have been listening for too long.
1 [156]
He who has the greatest gifts to bestow seeks those who know how to receive them—perhaps he seeks in vain? In the end, he throws his gift away? Such things belong to the secret history and despair of the richest souls: it is perhaps the most incomprehensible and melancholic of all misfortunes on earth.
1 [157]
That the moral judgment, insofar as it presents itself in concepts, appears narrow, clumsy, wretched, almost ridiculous, measured against the subtlety of the same judgment, insofar as it presents itself in actions, in choosing, rejecting, shuddering, loving, hesitating, doubting, in every touch between human and human.
1 [158]
how today the brave mediocrity in Germany feels at home with its Brahms' music, namely related—: how the fine and uncertain greyhounds of the Parisian spirit today sniff around their Renan with a lustful caress —
1 [159]
The value of the Monarchs is rising!
1 [160]
How treacherous all parties are!—they bring something of their leaders to light that may have been artfully hidden under a bushel
1 [161]
Everyone may have their own standard for what they consider “superficial”: well, I have mine—a rough, simple standard for my own use, as it fits in my hand—others may have a right to more delicate, fine-tongued tools!
Whoever feels suffering as an argument against life seems to me superficial, hence our pessimists; likewise, whoever sees well-being as a goal.
1 [162]
The orgiastic soul. —
I have seen him: his eyes at least — they are deep, still, soon green and slippery honey-eyes
his halcyon smile
the sky looked bloody and cruel
the orgiastic soul of woman
I have seen him: his halcyon smile, his honey-eyes, soon deep and veiled, soon green, and slippery, a trembling surface,
slippery, sleepy, trembling, hesitating,
the sea wells up in his eyes
1 [163]
1. Caesar among Pirates
2. At the Bridge
3. The Wedding.— and suddenly, as the sky darkens
4. Ariadne.
1 [164]
This music—yet Dionysian?
the dance?
the cheerfulness? the tempter?
the religious flood?
under Plato's pillow Ar?
1 [165]
our minstrels and M of the dishonorable burial—they are the night kin of the witches, they have their Blocksberge
1 [166]
the mystical nature, defiled by vice and foaming
1 [167]
the kind and pure source, which never again becomes clear of a drop of filth that fell into it, until it is finally yellow and poisonous through and through:—the corrupted angels
1 [168]
“We Immoralists.”
1 [169]
| “Hail to you if you know what you do; but if you do not know, you are under the law and under the curse of the law” |
|
1 [170]
Industriousness, as a sign of an unrefined type of person (who, as is self-evident, is still a valuable and indispensable type of person—note for donkeys!) would like in our age
1 [171]
in proportion to Rabelais and that overflowing power of the senses, of which he is the hallmark,
1 [172]
Raffael without hands
the monasteries and hermitages of culture
this music is not sincere
“As little state as possible”—the anti-national forces
For someone to whom “objectivity” and “contemplation” are already the highest state, like Schopenhauer—he does not know enough
the happiness of finding an unbroken, naive egoism
the Tartuffery of the Germans! portraying the old woman as an outpouring of her sense of duty—I have heard it with my own ears.
Screaming and scribbling of the ugly girls—the waning influence of woman.
the new Melusine As much militaria as possible, the shot kings—the deprivation of the camp, without door and window the loaded revolver
“the cause of every action an act of consciousness,” a knowledge! Consequently, bad actions are only errors, etc.
The famous phrase “forgive them their” the generalization “tout comprendre”—superficial words
“the great ambiguous one and tempter”
1 [173]
a cold reluctant lake, on which no rapture ripples
1 [174]
not yet an hour among my equals, in every deed and business tormented by the secret worm “you have something else to do!” martyred by children, geese, and dwarves, nightmare
— there are only such around him, on whom he can neither take revenge nor give instruction
1 [175]
pampered consciences
1 [176]
the little Wehsal
1 [177]
From a great man.
The descendants say of him: “since then it has risen ever higher and higher.”— But they understand nothing of this martyrdom of ascending; a great man is pushed, pressed, driven, martyred upward into his height.
1 [178]
This is a problem of race, as I understand it: for in the clumsy chatter of Aryan
1 [179]
The Jesuitism of mediocrity, which seeks to break or weaken the unusual and tense individual as if he were a dangerous bow, with pity and convenient assistance as well as by poisoning his necessary solitude and secretly sullying his faith—: which has its triumph when it can say, “he has finally become like one of us,”: this power-hungry Jesuitism, which is the driving force in the entire democratic movement, is everywhere far removed from politics and the questions of nourishment u
1 [180]
Mozart the flower of German Baroque —
1 [181]
Inspiration. —
1 [182]
It is hard to be understood. One should be heartily grateful for the goodwill to show some fineness in interpretation: on good days, one does not ask for more. One should allow one's friends ample room for misunderstanding. It seems to me better to be misunderstood than not understood at all: there is something offensive in being understood. Understood? You know what that means?— Comprendre c’est égaler.
It flatters more to be misunderstood than not understood: one remains cold toward the incomprehensible, and coldness offends.
1 [183]
Ah, this is the sea: and here this bird is to build its nest?
On those days, when the sea grows still and
1 [184]
Of the greed of the spirit: where, as with miserliness, the means becomes the end. The insatiability
Today, one loves everything fatalistically immense: thus also the spirit.
1 [185]
The Cultivation of the Spirit.
Thoughts
on the Intellectual Conscience.
The greed and insatiability of the spirit:—the monstrous, fatalistic, night-wandering, merciless, predatory, and cunning aspects of it.
1 [186]
The Scholar.
What is Truth?
On the Licentiousness of the Spirit.
The Demagogic in Our Arts.
Master and Slave Morality.
Morality and Physiology.
Piety.
On the History of the Free Spirit.
We Immoralists.
The Noble Soul.
The Mask.
1 [187]
1. What is truth?
2. On the natural history of the scholar.
3. The mask.
4. On the noble soul.
5. We immoralists.
6. Herd morality.
7. On the demagogy of the arts.
8. Piety.
9. The good Europeans.
10. The philosophers of the future. Skeptics. Free spirits. Strong spirits. Tempters. Dionysus.
1 [188]
First Main Section:
our Courage
Second Main Section:
our Compassion
Third Main Section:
our Insight
Fourth Main Section:
our Solitude.
1 [189]
1. Morality and Knowledge.
2. Morality and Religion.
3. Morality and Art.
4. “We Europeans.”
5. What is Noble?
Inspiration
1 [190]
Among those who have detached themselves from religion, I find people of many kinds and ranks. There are the intemperate, who have let themselves be persuaded by their senses (because their senses could no longer endure the constraint and reproach of the religious ideal)—and who are accustomed to using reason and taste as their advocates, as if they could no longer bear the unreasonable, the tasteless in religion:—this kind of person is characterized by anti-religious hatred, malice, and sardonic laughter, but also, in well-concealed moments, a yearning shame, an inner submissiveness to the value judgments of the denied ideal.Alienated from the Church by sensuality, they venerate, when they return to it, the ideal of desensualization as *the* religious “ideal in itself”—a source of many and grave errors.
Then there are the more intellectual, less emotional, drier, and also more conscientious people, who are fundamentally incapable of believing in any ideal at all and who find their greatest strength and self-respect only in subtle negation and critical dissolution: they are detached because nothing in them could bind firmly; they detach because
Phases —
Loss, emptiness, included in the feeling of disloyalty and ingratitude, detachment, all outweighed by an irrevocable bitter certainty
the feeling of reverent consideration and a shy seriousness (with great mildness toward the h religiosi)
the feeling of superior benevolent cheerfulness toward all religions mixed with a slight contempt for the uncleanliness of the intellectual conscience, which still allows many to be religious, or a barely concealed astonishment that it is possible to “believe”
1 [191]
NB. Last time the whole of a Greek city was worth more to you than an individual! it is still preserved for us!—just as certain as the body is worth more than any organ. Learning to obey, 1000 times in the body the highest sacrifice!
1 [192]
cleaner washed and more cleanly dressed, capable gymnasts with a lock in front of the "loose mouth," educating themselves to silence, also to dignified self-control in Venere (and not, as so often, battered and disfigured from boyhood): we would like to see them soon "Europeanized" in this regard
1 [193]
I love the magnificent exuberance of a young predator, which plays gracefully, and in playing, tears apart
1 [194]
Modern pessimism is an expression of the uselessness of the modern world—not of the world and existence.
1 [195]
It seems to me more and more that we are not flat and not good-natured enough to help with this Brandenburg Junker patriotism and to join in their hate-snorting dumbing-down slogan “Deutschland Deutschland über Alles”.
1 [196]
— one must already descend to the last Wagner and his Bayreuth Blätter to encounter a similar swamp of presumption, obscurity, and German sentimentality as it is in the speeches to the D N.
1 [197]
The old romantics fall down and lie one day, one does not know how, stretched out before the cross: that is also what happened to Richard Wagner. To witness the degeneration of such a man is among the most painful things I have experienced:—that it was not felt painfully in D was a strong impulse for me to distrust that spirit which now reigns in D even more.
1 [198]
| Buatschleli batscheli |
| bim bim bim |
| Buatscheli batschleli |
| bim! |
1 [199]
To grasp happiness and strangle, throttle, suffocate it with one's embrace:—the melancholy of such experiences—would it otherwise flee and slip away?
1 [200]
How much one endures of the truth:
How much one takes upon oneself to be responsible for:
How much one takes upon oneself to care for and protect:
The simplicity—and what the colorful taste of artists betrays:
1 [201]
Middle-class morality.
1 [202]
There is something unteachable at the core: a granite of factum, of predetermined decision in measure and proportion to us, and likewise a claim to certain problems, an ingrained stamp of them on our name.
The attempt to adapt, the torment of isolation, the longing for community: this can manifest in a thinker such that he subtracts precisely the most personal and valuable from his individual case and, by generalizing, also commonizes. In this way, it is possible that the entire expressed philosophy of a remarkable person is not actually his philosophy, but rather that of his environment, from which he deviates as a person, paratypically.How detrimental modesty and a lack of courageous "I am" can be for a thinker. "The type is more interesting than the individual and exceptional case": in this sense, the scientific nature of taste can lead someone to neglect the necessary involvement and caution for themselves. And finally: style, literature, the rise and fall of words—how all of this falsifies and corrupts the personal! Distrust in writing, the tyranny of the vanity of good writing: which is certainly a social garment and also conceals us. Taste hostile to the original! An old story.
Style that communicates: and style that is merely a sign, "in memoriam." The dead style a masquerade; in others, the living style. Depersonalization.
1 [203]
Against an enemy there is no better remedy than a second enemy: for one enemy
1 [204]
Far too much on me, since when?, almost from childhood. My philology was only an eagerly seized escapade: I cannot deceive myself about it, the Leipzig diaries spoke too clearly.— And no companion!— Reckless in trust? But a hermit has always accumulated too much of it, as well as, of course, mistrust.
1 [205]
The deepest misunderstanding of religion, “evil people have no religion.”
1 [206]
Russian music: how does it come about that
1 [207]
The extreme purity of the atmosphere, into which I have placed him, and allows me to see things
1 [208]
I have become more susceptible to physical pain: and when days come now with the old attacks, the pain immediately turns into a mental torture that I cannot compare to anything
1 [209]
One gives away the height and quality of one's nature to one's work: afterward, drought or mud. —
1 [210]
How good conscience and well-being detach from the deep problems!
1 [211]
Beyond Good and Evil: such things take effort. I translate as if into a foreign language, I am not always sure I have found the meaning. Everything is a bit too rough for my liking.
1 [212]
On brown, yellow, green purple carpets comes
1 [213]
We early risers, who get up at
1 [214]
Contrast, there are truths to make one sick, materia peccans, which one absolutely wants to get rid of: one gets rid of them by communicating them.
1 [215]
Looking at the distress of the masses with ironic melancholy: they want something that we can do—alas!
1 [216]
I have never profaned the holy name of love.
1 [217]
well-rested forces
1 [218]
genuine in its objectivity, in its cheerful totalism, it is false and contrived in its affects, artificial and refined in grasping the individual, even in the senses
1 [219]
NB How in the decline of vital energy one sinks down to contemplation and objectivity: a poet can feel it (Sainte-Beuve).
1 [220]
The immense enjoyment of man and society in the age of Louis XIV caused man to feel bored and desolate in nature. The most painful was the desolate nature, the high mountains.
The Precieuses wanted to bring the mind, at least the esprit, into love. Symptom of an immense enjoyment of the mind (the bright, distinguishing, as in the time of the Persian Wars)
The artificial forms (Ronsard, even the Scandinavians) bring the greatest joy to very juicy and strong-sensual natures: it is their self-overcoming. Also the artificial morality.
Our people want to be hard, fatalistic, destroyers of illusions—desire of weak and tender people who appreciate the formless, barbaric, form-destroying (e.g., the “infinite” melody—refinement of German musicians). Pessimism and brutality as stimulants for our precious ones.
1 [221]
Catiline—a romantic next to Caesar, modo celer modo lentus ingressus
1 [222]
Freedom of conscience is only useful and possible in great despotism — a symptom of atomization
1 [223]
NB The last virtue.
We are the squanderers of the virtues that our ancestors have accumulated and, thanks to them, in view of their long strictness and frugality, it may still be a while before we can consider ourselves the rich and overbearing heirs
1 [224]
gloomy or exuberant, a spirit that in everything he devised took revenge for something he had done (or for the fact that he had not done something)—who understood happiness only with cruelty.
1 [225]
Here, where the peninsula runs into the sea
1 [226]
Anyone who takes no pleasure in seeing fools dance should not read German books. I have just seen a German fool dance: Eugen Dühring, according to the anarchist motto “ni dieu, ni maître.”
1 [227]
For most people, even today, their wisdom is still the most genuine thing they possess: and only those rare individuals who know, who feel, how they have grown up in the twilight of an aging culture
1 [228]
I don't understand what the laypeople see in R W: perhaps he stirs their romantic feelings and all the shivers and thrills of the infinite and romantic mysticism—we musicians are enchanted and seduced
1 [229]
Halcyon Speeches. — Caesar among Pirates —
The hour when the sun has set —
To love people for God's sake —
For those who laugh goldenly.
Grateful for being misunderstood —
At the golden gate.
We lizards of fortune —
Among children and dwarfs.
At the bridge.
On the old fortress.
The bath.
The greatest event —
Always disguised
otium
Poverty, illness—and the noble person
the slow eye
“One’s equals”—against familiarity
Being able to keep silent
Hard to reconcile, slow to anger
Take all formality under protection.
Women.— Dance, folly, little jewelry boxes
the tempter.
Of noble blood.
The mask.
1 [230]
Halcyon Songs.
1 [231]
Ariadne.
1 [232]
The Problem of Rank.
Preliminary Thoughts and
Thought-Dashes
by
Friedrich Nietzsche.
1 [233]
NB. Damage makes wise, says the rabble:— To the extent that it makes wise, it also makes bad. But how often damage makes stupid!
1 [234]
To what extent a craft deforms body and mind: likewise scholarship in itself, likewise money-making, likewise every art:—the specialist is necessary, but belongs in the class of tools.
1 [235]
It is very interesting to see people without reins and boundaries once: almost all higher people (like artists) fall back into some kind of submission, be it Christianity or patriotism.
1 [236]
If this is not an age of decline and diminishing vitality with much melancholy, then it is at least one of reckless and arbitrary experimentation:—and it is likely that from its abundance of failed experiments an overall impression like that of decline arises: and perhaps the thing itself, the decline.
1 [237]
The problem of hierarchy.
The problem of breeding and cultivation.
| The breeding of the will. | ||
| The breeding of obedience. | ||
| NB. | The breeding of command. | |
| The breeding of distinction. | ||
| The education that excludes speciality. |
1 [238]
The deep necessity of the task, which reigns over all individual fates of every human being, in whom a task becomes incarnate and “comes into the world”—in the midst of life I comprehend what the problem of hierarchy required in terms of preparations to finally rise within me:—how I had to experience the most varied states of fortune and distress in soul and body, losing nothing, savoring and examining everything to its depths, purifying and sifting everything from the accidental.
1 [239]
Every morality that has ever prevailed was always the discipline and breeding of a specific type of man, on the presupposition that it depends primarily, indeed exclusively, on this type: in short, always on the presupposition of a type. Every morality believes that much in man can be changed (“improved”) with intention and coercion:—it always regards assimilation to the authoritative type as “improvement” (it has no other concept of it—).
1 [240]
On Naivety. Reflection can still be a sign of N.
“Naive egoism.”
1 [241]
The well-being of the “neighbor” is in itself more desirable 1) if well-being is desirable in itself 2) if it is established which kind of well-being, since there are kinds that contradict and hinder each other as goals, 3) if a value of persons is already established and it is clear that “the neighbor” has higher value than I do.— The pleasant, enthusiastic sentiments of devotion, etc., must be mercilessly criticized; in themselves, by virtue of the drop of pleasantness and enthusiasm that is in them, they contain no argument for, but only a seduction to it.
1 [242]
Knowledge of human nature: it depends on what one already grasps as an “experience,” feels; most people need a crude thoroughness of events and a hundredfold repetition, and some need cudgel blows to get behind an experience and become attentive
1 [243]
The barbarization of Christianity by the Germans
1 [244]
Science as a means of education. In itself driven a barbarity more, a barbarizing craft
1 [245]
Iti vuttakam
(Thus spoke (the Holy One)
1 [246]
do not cheat
no compromises
despise such ambiguity, like Bismarck and W.
1 [247]
How sick mankind was of God and alienated themselves from man.