11, 34[1-272] April-Juni 1885
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Gai saber.
Selbst-Bekenntnisse.
Von
Friedrich Nietzsche.
S: Im Grunde ist mir das Wort zu feierlich: ich glaube bei mir weder an das Bekennen noch an das Selbst.
Im Grunde ist das Wort mir zu feierlich: wollte ich das Buch aber so nennen, wie es mir besser gefiele, “500 000 Meinungen,” so würde es meinen Lesern zu possenhaft klingen. In Rücksicht also auf meine Leser
Hohe Erziehung.
Die höchste Erziehung.
Gedanken über die Philosophen der Zukunft.
Vermuthungen über die Ph der Zukunft.
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Ich werde Jahr für Jahr offenherziger, in dem Maaße, in welchem mein Blick für dieses neunzehnte Jahrhundert, für dies Jahrhundert der großen mor Tartüfferie, tiefer und tiefer wird: ich finde immer weniger Gründe, heute—hinter dem Berge zu halten. Welche Meinungen könnten heute gefährlich sein! wo nichts mehr “in tiefe Brunnen” fällt! Und wären sie gefährlich und zerstörerisch: es ist wünschenswerth daß Vieles umfällt, damit Vieles gebaut werden muß
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In meiner Jugend hatte ich Unglück: es lief mir ein sehr zweideutiger M über den Weg: als ich ihn als das erkannte, was er ist, nämlich ein großer Schauspieler, der zu keinem Ding ein ächtes Verhältniß hat (selbst zur Musik nicht): war ich so angeekelt und krank, daß ich glaubte, alle berühmten M seien Schauspieler gewesen sonst wären sie nicht berühmt geworden, und an dem, was ich “Künstler” nannte, sei eben das Hauptsächliche die schauspielerische Kraft.
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Wie verkleidet hatte ich das zum Vortrag gebracht, was ich als “dionysisch” empfand! Wie gelehrtenhaft und eintönig, wie bei weitem nicht gelehrt genug, um auch nur die Wirkung hervorzubringen, einigen Generationen von Philologen ein neues Feld der Arbeit zu eröffnen! Dieser Zugang zum Alterthum ist nämlich am besten verschüttet; und wer sich eingebildet hat, besonders über die Griechen weise zu sein, Goethe z. B. und Winckelmann, hat von dorther nichts gerochen. Es Scheint, die griechische Welt ist hundertmal verborgener und fremder, als sich die zudringliche Art heutiger Gelehrten wünschen mag. Wenn hier je erkannt werden soll, so gewiß nur das Gleiche durch das Gleiche. Und wiederum—nur Erlebnisse aus aufspringenden Quellen—die geben auch jenes neue große Auge, das Gleiche in der vergangenen Welt wiederzuerkennen.
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NB. Die größten Ereignisse gelangen am schwersten den Menschen zum Gefühl: z. B. die Thatsache, daß der christliche Gott “todt ist,” daß in unseren Erlebnissen nicht mehr eine himmlische Güte und Erziehung, nicht mehr eine göttliche Gerechtikeit, nicht überhaupt eine immanente Moral, sich ausdrückt. Das ist eine furchtbare Neuigkeit, welche noch ein paar Jahrhunderte bedarf, um den Europäern zum Gefühl zu kommen: und dann wird es eine Zeitlang scheinen, als ob alles Schwergewicht aus den Dingen weg sei. —
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Ich habe mich durch das glänzende Erscheinen des deutschen Reichs nicht täuschen lassen. Ich nahm als Hintergrund, als ich meinen Zarathustra schrieb, einen Zustand in Europa, bei dem auch in Deutschland dasselbe schauerliche und schmutzige Parteitreiben herrscht, welches wir heute schon in Frankreich finden.
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Hat man je schon einem Weibskopfe “Tiefe” zugestanden? Ich habe vor keinem Weibskopfe bisher Respekt gehabt. D’Epinay im Vergleich mit Galiani!
Und Gerechtigkeit,—ist jemals diese
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Die Italiäner allein in der blutigen Satire ächt und ursprünglich. Von Buratti an, der dem Genie Byron die entscheidende Wendung gab. Selbst an Carducci ist nichts, was nicht Deutsche oder Franzosen besser gemacht hätten.
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Ich kenne mich nicht: die Aufforderung zur Selbst-Erkenntniß scheint mir ein göttlicher Spaaß oder eine griechische Kinderei (niaiserie): sie sind reich daran!— Hat Einer aber über 500 Dinge seine Meinungen gesagt, so ist es möglich, daß Andere ihn “erkennen.” Wohlan!
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Affectation der “Wissenschaftlichkeit” z. B. “Femininisme,” aber auch: deutscher Zeitschriften-“Revuen-Styl”
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Unsere Zeit zehrt und lebt von der Moralität früherer Zeiten.
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Pascal beleidigt durch die Vorstellung daß das Wetter, daß helle und heitere Himmel auf ihn Einfluß habe. Jetzt—ist die Theorie des Milieu am bequemsten! alles übt Einfluß, das Resultat ist der Mensch selber.
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Dinge, mit denen mein Magen schlecht oder gar nicht fertig wird: Kartoffeln, Schinken, Senf, Zwiebeln, Pfeffer, alles in Fett gebackene, Blätterteig, Blumenkohl, Kohl, Salat, alle geschmälzten Gemüse, Wein, Würste, Buttersauce am Fleisch, Schnittlauch, frische Brotkrume, alles gesäuerte Brod
Alles auf dem Rost Gebratene, alles Fleisch saignant, Kalb, Rostbeef, Gigot, Lamm, Eidotter Milch auch Schlagsahne, Reis, Gries, gekochte warme Äpfel, grüne Erbsen Bohnen Carotten Wurzeln Fisch, frische Butter braune Weiß-Brodkruste.
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Die Art offener und herzhafter Vertraulichkeit, wie man sie heute, in einem demokratischen Zeitalter, nöthig hat, um beliebt und geachtet zu sein—kurz das, worauf hin man heute als “rechtschaffener Mensch” behandelt wird: das giebt einem Moralisten viel zu lachen. Alle tiefen Menschen genießen hier ihre Art Erleichterung; es macht so viel Vergnügen, Komödie zu spielen und
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Die Alten lasen laut.
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Unter unmäßigen Menschen, z.B. engländischem Pöbel, gewinnt natürlich die Lehre der Enthaltsamkeit ungeheure Kraft. Unter Mäßigen ist sie eine Sache zum Lachen.
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Dionysisch. Welche unglückliche Schüchternheit, von einer Sache als Gelehrter zu reden, von der ich hätte als “Erlebter” reden können. Und was geht den, der zu dichten hat, die “Ästhetik” an! Man soll sein Handwerk treiben, und die Neugierde zum Teufel jagen!
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Das XX. Jahrhundert.
Der Abbé Galiani sagt einmal da ich nun durchaus nicht die unkriegerischen Ansichten meines verstorbenen Freundes Galiani theile, so fürchte ich mich nicht davor, Einiges vorherzusagen und also, möglicherweise, damit die Ursache von Kriegen heraufzubeschwören.
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Eine ungeheure Besinnung, nach dem schrecklichsten Erdbeben: mit neuen Fragen.
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NB. Die vorletzten Jahrhunderte lehnten die Gothik als eine Barbarei ab (der Gothe war damals synonym mit dem Barbaren): das vorletzte Jahrhundert lehnte Homer ab. Darin liegt ein Geschmack: ein starker Wille zu seinem Ja und seinem Nein.— Die Fähigkeit, Homer wieder genießen zu können, ist vielleicht die größte Errungenschaft des europäischen Menschen,—aber sie ist theuer genug bezahlt.
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Baudelaire, ganz deutsch bereits, eine gewisse hyper-erotische Ankränkelung abgerechnet, welche nach Paris riecht
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Taine, der die Kühnheit der Erfindung hatte, zwischen Hegel und Henri Beyle das Typische zu finden, seine Methode, welche wesentlich heißt: die Geschichte kann nur durch Begriffe begriffen werden; die Begriffe aber muß der historische Mensch schaffen: und die Geschichte, wo es nur 4, 5 Faktoren giebt, ist am begreiflichsten.
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die Maskerade des bourgeois, z. B. als Salambô und als heiliger Antonius
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Manche, im Grunde flache und leichte Wesen—Völker sowohl wie Einzelne—haben ihre schätzenswerthesten und höchsten Augenblicke, wenn sie einmal, zu ihrer Verwunderung, schwer und schwermüthig werden. Ebenso ist vielleicht für das Vieh von Pöbel, welches ehemals im englischen Puritanismus oder heute als englische Heils-Armee moralisch zu grunzen anfieng—der Bußkrampf ihre höchste Leistung von “Humanität”; das soll man billig anerkennen. —
Aber Andere werden höher, wenn sie leichter werden! Es ist kein Zweifel: wenn eine Art Mensch ganze Geschlechter hindurch als Lehrer Ärzte Seelsorger und Vorbilder gelebt hat, und ohne beständig nach Geld oder Ehre oder Stellungen auszublicken: so entsteht endlich ein höherer feinerer und geistigerer Typus. Insofern ist der Priester, vorausgesetzt daß er sich durch kräftige Weiber fortpflanzt, eine Art der Vorbereitung für die einstmalige Entstehung höherer Menschen.
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Solche dogmatische Menschen wie Dante und Plato sind am fernsten und vielleicht dadurch am reizvollsten: die in einem zurechtgezimmerten und festgeglaubten Hause der Erkenntniß wohnen. Der Erste in seinem eigenen, der Andere im christlich-patristischen.
Es gehört eine ganz verschiedene Kraft und Beweglichkeit dazu, in einem unvollendeten System, mit freien unabgeschlossenen Aussichten, sich festzuhalten: als in einer dogmatischen Welt. Leonardo da Vinci steht höher als Michelangelo, Michelangelo höher als Rafael.
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Man lobt unter den Gebildeten von Heute (welche alle pro pudor! Zeitungen lesen) die tiefen Menschen. Aber was dürften die, welche tiefe Menschen zu loben im Stande sind, selber von der Tiefe wissen!— Es sind gefährliche Menschen: daran ist gar nicht zu zweifeln. Man pflegt doch sonst die Abgründe nicht zu loben!
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Briefe
an einen philosophischen Freund.
Bei Gelegenheit
von Also sprach Zarathustra.
Von
Friedrich Nietzsche.
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Aberglaube: an das Seiende zu glauben, an das Unbedingte, an den reinen Geist, an die absolute Erkenntniß, an den absoluten Werth, an das Ding an sich! In diesen Ansätzen steckt überall eine contradictio.
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Skeptische Einreden.
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Die Wahrnehmung der Sinne geschieht uns unbewußt: alles, was uns bewußt wird, sind schon bearbeitete Wahrnehmungen
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Die große Loslösung macht er für sich—nicht, daß er sie von Anderen verlangt oder gar seine Pflicht drin sähe, sie Anderen mitzutheilen und aufzudringen
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Die große Ebbe seit Jahrtausenden in der Erfindung von Werthen
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| Die Gesetzgeber der Zukunft. |
| 1. Die Herkunft |
| 2. Der gebundenste Geist. |
| 3. Die grosse Loslösung. |
| 4. Das Leiden am Menschen. |
| 5. Der neue Wille. |
| 6. Der Hammer. |
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Acedia bei mir—umgekehrt wie bei den Mönchen. Ich ärgere mich über das übergroße Mitleiden bei mir: ich freue mich, wenn mein ego wach und guter Dinge ist.
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1. Abälard wollte in die kirchliche Autorität Vernunft bringen: schließlich fand Descartes, daß alle Autorität nur in der Vernunft sei.
2. Die Selbst-Überwindung der Vernunft inneres Problem Pascals—zu Gunsten des christlichen “Glaubens.”
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Das Problem des “Glaubens” ist eigentlich: ob der Instinkt mehr Werth hat als das Räsonnement, und warum!
Unter den vielen Streiten über “Wissen und Glauben,” Util und Intuitionismus verbirgt sich diese Frage der Werthschätzung.
Socrates hatte sich naiv auf Seiten der Vernunft gestellt, gegen den Instinkt. (Im Grunde aber war er doch allen moralischen Instinkten gefolgt, nur mit einer falschen Motivirung: als ob die Motive aus der Vernunft kämen. Ebenso Plato usw.)
Unwillkürlich suchte Plato, daß die Vernunft und der Instinkt dasselbe wollen. Ebenso bis auf heute Kant, Schopenhauer, die Engländer.
Im “Glauben” ist der Instinkt des Gehorsams gegen die höchste Autorität vorangestellt, also Ein Instinkt. Der kategorische Imperativ ist ein gewünschter Instinkt, wo dieser Instinkt und die Vernunft Eins sind.
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Kant, ein feiner Kopf, eine pedantische Seele
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NB. Man vergebe mir diese anmaaßliche Behauptung: genau weil ich eine höhere und tiefere, auch wissenschaftlichere Auffassung des Weibes habe, als die Emancipatoren und Emancipatricen desselben, wehre ich mich gegen die Emancipation: ich weiß besser, wo ihre Stärke ist, und sage zu ihnen: “sie wissen nicht, was sie thun.” Sie lösen ihre Instinkte auf! mit ihren jetzigen Bestrebungen.
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Bentham und der Utilitarismus ist abhängig von Helvétius—der ist das letzte große Ereigniß der Moral. In der deutschen Philosophie (Kant Schopenhauer) ist es immer noch “Pflicht” oder “Instinkt des Mitleidens”—die alten Probleme seit Sokrates (d. h. Stoicismus oder Christenthum, Aristokratie des Individuums oder Heerden-Güte)
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Ich brauche
| a) | Jemanden, der meinen Magen überwacht | |
| b) | Jemanden, der mit mir lachen kann und einen ausgelassenen Geist hat. | |
| c) | Jemanden, der stolz auf meine Gesellschaft ist u “der Andere” auch die richtige façon des Respekts gegen mich erhält | |
| d) | Jemanden, der mir vorliest, ohne ein Buch zu verdummen |
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Plaire—das große Geheimniß des französischen Willens, und im Grunde der Heerden-Moral. “Mitleid-haben,” Altruismus, ist die hypokritische Ausdrucksweise dafür.
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NB. Bisher gehörten die meisten Künstler (eingerechnet die Historiker), selbst einige der größten, unter die Bedienten (sei es von Ständen oder Fürsten oder Frauen oder “Massen”), nicht zu reden von ihrer Abhängigkeit von Kirche und Moralgesetz. So hat Rubens die vornehme Welt seiner Zeit porträtirt, aber nach einem ihr vorschwebenden Geschmack, nicht nach seinem Maaß der Schönheit,—im Ganzen also wider seinen Geschmack. Darin war van Dyk vornehmer: welcher allen denen, die er malte, etwas von dem beilegte, was er selber bei sich am höchsten ehrte: er stieg nicht hinab, sondern zu sich herauf, wenn er “Wiedergab.”
Die sklavische Unterthänigkeit des Künstlers vor seinem Publikum (wie sie selbst Sebastian Bach in unsterblich beleidigenden Worten dem Widmungsschreiben seiner Hohen Messe anvertraut hat) ist aus der Musik heraus vielleicht schwerer zu erkennen, aber sie steckt um so tiefer und gründlicher darin. Man würde es nicht aushalten, mir zuzuhören, wenn ich hierüber meine Beobachtungen mittheilen wollte.
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NB. Das langsame Hervortreten und Emporkommen der mittleren und niederen Stände (eingerechnet der niederen Art Geist und Leib), welches schon vor der französischen Revolution reichlich präludirt und ohne Revolution ebenfalls seinen Weg vorwärts gemacht hätte, im Ganzen also das Übergewicht der Heerde über alle Hirten und Leithämmel, bringt mit sich
1) Verdüsterung des Geistes: Das Beieinander eines stoischen und frivolen Anscheins von Glück, wie es vornehmen Culturen eigen ist, nimmt ab: man läßt viel Leiden sehn und hören, welche man früher ertrug und verbarg.
2) die moralische Hypokrisie, eine Art, sich durch Moral auszeichnen zu wollen, aber durch die Heerden-Tugenden Mitleid Fürsorge Wohlthaten, welche nicht außer dem Heerden-Vermögen erkannt und gewürdigt zu werden
3) die wirkliche große Menge von Mitleiden und Mitfreude, das Wohlgefallen im großen Beieinander, wie es alle Heerden haben—“Gemeinsinn,” “Vaterland,” alles, wo das Individuum nicht in Betracht kam
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Diderot zeigte sich, nach Goethe’s Urtheil, wahrhaft deutsch (Saint Ogan p. 248) in Allem, was die Franzosen tadelten. Aber auch die Neapolitaner, nach Galiani, acceptirten seinen Geschmack vollständig.
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Baudelaire, von deutschem Geschmack, wenn ihn irgend ein Pariser haben kann, empfindet deutsch, wenn er Victor Hugo nicht aushält und ihn einen “Esel von Genie” nennt.
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Wenn ich etwas von einer Einheit in mir habe, so liegt sie gewiß nicht in dem bewußten Ich und dem Fühlen Wollen Denken, sondern wo anders: in der erhaltenden aneignenden ausscheidenden überwachenden Klugheit meines ganzen Organismus, von dem mein bewußtes Ich nur ein Werkzeug ist.— Fühlen Wollen Denken zeigt überall nur Endphänomene, deren Ursachen uns gänzlich unbekannt sind: das Aufeinanderfolgen dieser Endphänomene, wie als ob eines aus dem anderen folgte, ist wahrscheinlich nur ein Schein: in Wahrheit mögen vielleicht die Ursachen solchergestalt an einander gebunden sein, daß die End-Ursachen nur den Eindruck logischen oder psychologischen Verbandes machen. Ich leugne, daß ein geistiges oder seelisches Phänomen direkte Ursache ist von einem anderen geistigen oder seelischen Phänomen: ob es gleich so scheint. Die wahre Welt der Ursachen ist uns verborgen: sie ist unsäglich complicirter. Der Intellekt und die Sinne sind ein vor allem vereinfachender Apparat. Unsere falsche, verkleinerte, logisirte Welt der Ursachen ist aber die Welt, in welcher wir leben können. Wir sind soweit “erkennend,” daß wir unsere Bedürfnisse befriedigen können.
Das Studium des Leibes giebt einen Begriff von den unsäglichen Complikationen.
Wenn unser Intellekt nicht einige feste Formen hätte, so wäre nicht zu leben. Aber damit ist für die Wahrheit aller logischen Thatsachen nichts bewiesen.
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Die listige Selbst-Verkleinerung des Socrates, um damit seinen Gegner arglos und sicher zu machen, so daß er sich gehn läßt und gerade heraus sagt, was er denkt: ein Kunstgriff des Pöbel-manns! Die Logik war nicht zu Hause in Athen.
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NB. Etwas hellerer Kopf und etwas guter Wille: und man hält es nicht mehr aus, aus Gründen des Geschmacks, seine Erlebnisse “zu Ehren Gottes” zurecht zu deuten, ich meine, überall die Spuren seiner Fürsorge, Warnung, Bestrafung, Erziehung zu sehn. Ebenso wie ein guter Philologe (und überhaupt jeder philologisch geschulte Gelehrte) einen Widerwillen gegen falsche Text-Ausdeutungen (z. B. die der protestantischen Prediger auf den Kanzeln—weshalb die gelehrten Stände nicht mehr in die K gehn—) hat, ebenso, und nicht infolge großer “Tugend” “Redlichkeit” usw., geht einem die Falschmünzerei der religiösen Interpretation aller Erlebnisse gegen den Geschmack.—
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Unsere Lust an Einfachheit, Übersichtlichkeit, Regelmäßigkeit, Helligkeit, woraus zuletzt ein deutscher “Philosoph” so etwas wie einen kategorischen Imperativ der Logik und des Schönen entnehmen könnte—davon gestehe ich einen starken Instinkt als vorhanden zu. Er ist so stark, daß er in allen unseren Sinnesthätigkeiten waltet und uns die Fülle wirklicher Wahrnehmungen (der unbewußten—) reduzirt, regulirt, assimilirt usw. und sie erst in dieser zurechtgemachten Gestalt unserem Bewußtsein vorführt. Dies “Logische,” dies “Künstlerische” ist unsere fortwährende Thätigkeit. Was hat diese Kraft so souverain gemacht? Offenbar, daß ohne sie, vor Wirrwarr der Eindrücke, kein lebendes Wesen lebte.
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(Ich sehe nicht ein, warum das Organische überhaupt einmal entstanden sein muß— —)
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In der Chemie zeigt sich, daß jeder Stoff seine Kraft so weit treibt als er kann, da entsteht etwas Drittes.
Die Eigenschaften eines Kindes sind aus der allergenauesten Kenntniß von Vater und Mutter nicht abzuleiten. Denn es sind die Wirkungen des Dritten auf uns, diese Eigenschaften: die Wirkungen des Ersten aber und die Wirkungen des Zweiten d. h. ihre Eigenschaften sind unmöglich zu addiren, als “Wirkungen des Dritten”
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Die Kette der Ursachen ist uns verborgen: und der Zusammenhang und die Abfolge der Wirkungen giebt nur ein Nacheinander: mag dasselbe auch noch so regelmäßig sein, damit begreifen wir es nicht als nothwendig.— Doch können wir hinter einander verschiedene Reihen, solcher Aufeinanderfolgen constatiren: z. B. beim Klavierspiel das Aufeinander der angeschlagenen Tasten, das Aufeinander der angeschlagenen Saiten, das Aufeinander der erklingenden Töne.
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Kritik des Instinkts der Ursächlichkeit.
Der Glaube, daß eine Handlung auf ein Motiv hin geschieht, ist instinktiv allmählig generalisirt worden, zu den Zeiten, wo man alles Geschehen nach Art bewußter lebender Wesen imaginirte. “Jedes Geschehn geschieht auf Grund eines Motivs: die causa finalis ist die causa efficiens” —
Dieser Glaube ist irrthümlich: der Zweck, das Motiv sind Mittel, uns ein Geschehn faßlich praktikabel zu machen.— Die Verallgemeinerung war ebenfalls irrthümlich und unlogisch.
Kein Zweck.
Kein Wille.
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Die umgekehrte Zeitordnung.
Die “Außenwelt” wirkt auf uns: die Wirkung wird ins Gehirn telegraphirt, dort zurechtgelegt, ausgestaltet und auf seine Ursache zurückgeführt: dann wird die Ursache projicirt und nun erst kommt uns das Factum zum Bewußtsein. D. h. die “Erscheinungswelt” erscheint uns erst als Ursache, nachdem “sie” gewirkt hat und die Wirkung verarbeitet worden ist. D.h. wir kehren beständig die Ordnung des Geschehenden um.— Während “ich” sehe, sieht es bereits etwas Anderes. Es steht wie bei dem Schmerz.
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Der Glaube an die Sinne. Ist eine Grundthatsache unseres Intellekts, er nimmt von ihnen entgegen das Roh-Material, welches er auslegt. Dies Verhalten zum Rohmaterial, welches die Sinne bieten, ist, moralisch betrachtet, nicht geleitet von der Absicht auf Wahrheit, sondern rein von einem Willen zur Überwältigung, Assimilation, Ernährung. Unsere beständigen Funktionen sind absolut egoistisch, machiavellistisch, unbedenklich, fein. Befehlen und Gehorchen auf’s Höchste getrieben, und damit vollkommen “gehorcht” werden kann, hat das einzelne Organ viel Freiheit.
Der Irrthum im Glauben an Zwecke.
Wille—eine überflüssige Annahme.
Die umgekehrte Zeit-Ordnung.
Kritik des Glaubens an Ursächlichkeit.
Der Glaube an die Sinne, als Grundthatsache unseres Wesens.
Die Central-Gewalt—darf nicht wesentlich verschieden sein von dem, was sie beherrscht.
Die Geschichte der Entstehung erklärt die Eigenschaften nicht. Letztere müssen schon bekannt sein. Historische Erklärung ist Reduktion auf ein uns gewohntes Aufeinander: durch Analogie.
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Die mechanistische Welt-Erklärung ist ein Ideal: mit so wenig als möglich möglichst viel zu erklären, d. h. in Formeln zu bringen. Nöthig noch: die Leugnung des leeren Raumes; der Raum bestimmt und begrenzt zu denken; ebenso wie die Welt als ewig sich wiederholend.
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Wie ein Volks-Charakter, eine “Volks-Seele” entsteht, das giebt Aufschluß über die Entstehung der Individual-Seele. Zunächst wird eine Reihe von Thätigkeiten ihm aufgezwungen, als Existenz-Bedingungen, an diese gewöhnt es sich, sie werden fester und gehen mehr in die Tiefe. Völker, welche große Wandelungen erleben und unter neue Bedingungen gerathen, zeigen eine neue Gruppirung ihrer Kräfte: dies und jenes tritt heraus und bekommt Übergewicht, weil es jetzt nöthiger ist zur Existenz, z. B. der praktische nüchterne Sinn am jetzigen Deutschen. Aller Charakter ist erst Rolle. Die “Persönlichkeit” der Philosophen—im Grunde persona.
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Die Zahl ist unser großes Mittel, uns die Welt handlich zu machen. Wir begreifen so weit als wir zählen können d. h. als eine Constanz sich wahrnehmen läßt.
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Durch moralische Hinterabsichten ist der Gang der Philos bisher am meisten aufgehalten worden.
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Auch innerhalb unserer Welt der Sinne, wenn wir sie nur verschärfen oder verschärft denken, ergiebt sich eine Welt, welche ganz anders auf unser Gefühl wirkt
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| Das Vorurtheil der Ursächlichkeit |
| das Vorurtheil des Willens |
| das Vorurtheil des Zwecks |
| das Vorurtheil der Persönlichkeit |
| Erkenntniß: ein falscher Begriff d. h. ein Begriff, zu dessen Aufstellung wir kein Recht haben. |
| Beseitigung | 1) | des Willens | ||
| 2) | der Zwecke als “wozu” und “wodurch” | |||
| 3) | folglich auch der Ursächlichkeit (welche aus Beidem sich ableitet) |
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“Wie sind synthetische Urtheile a priori möglich?”—“durch ein Vermögen dazu” war die berühmte Kantische Antwort, welche Vielen solche Genugthuung gegeben hat.
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Die nützlichsten Begriffe sind übrig geblieben: wie falsch sie auch immer entstanden sein mögen.
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Im ersten Buche der Glaube an die Wahrheit zu erschüttern: Wahrhaftigkeit ist nützlich, aber nur in einem kleinen Quantum, vor allem bei solchen, welche nichts zu verantworten haben. Ebenso die Achtung vor den Philosophen.
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Die allgemeine Vergröberung des europäischen Geistes, ein gewisses täppisches Geradezu, welches sich gerne als Geradheit, Redlichkeit oder Wissenschaftlichkeit rühmen hört: das gehört der Herrschaft des Gedankens des demokratischen Zeitgeistes und seiner feuchten Luft: noch bestimmter—es ist die Wirkung des Zeitungslesens. Bequemlichkeit will man oder Betrunkenheit, wenn man liest: bei weitem das Meiste, was gelesen wird, ist Zeitung oder Zeitungs-Art. Man sehe unsere Revuen, unsere gelehrten Zeitschriften an: jeder, der da schreibt, redet wie vor “ungewählter Gesellschaft” und läßt sich gehn, oder vielmehr sitzen, auf seinem Lehnstuhle.— Da hat es Einer schlimm, welcher am meisten Werth auf die Hintergedanken legt und mehr als alles Ausgesprochene die Gedankenstriche in seinen Büchern liebt.— Die Freiheit der Presse richtet den Stil zu Grunde und schließlich den Geist: das hat vor 100 Jahren schon Galiani gewußt.— Die “Freiheit des Gedankens” richtet die Denker zu Grunde.— Zwischen Hölle und Himmel, und in der Gefahr von Verfolgungen Verbannungen ewigen Verdammnissen und ungnädigen Blicken der Könige und Frauen war der Geist biegsam und verwegen geworden: wehe, wozu wird heute der “Geist”!
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Immer ironice: es ist eine köstliche Empfindung, einem solchen wahrhaftigen Denker zuzusehn. Aber es ist noch angenehmer, zu entdecken, daß dies Alles Vordergrund ist, und daß er im Grunde etwas Anderes will und auf sehr verwegene Weise will. Ich glaube, daß der Zauber des Socrates der war: er hatte eine Seele und dahinter noch eine und dahinter noch eine. In der vordersten legte sich Xenophon schlafen, auf der zweiten Plato und auf der dritten noch einmal Plato, aber Plato mit seiner eigenen zweiten Seele. Plato selber ist ein Mensch mit vielen Hintertheilen und Vordergründen.
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NB. Unser Zeitalter ist in seinen wesentlichsten Instinkten skeptisch: fast alle feineren Gelehrten und Künstler sind es, ob sie es sich schon nicht gerne zugeben. Der Pessimismus, des Nein-sagens ist nur für die Bequemlichkeit des Geistes leichter: unser feuchtes Zeitalter mit demokratischer Luft ist vor allem bequem. Wo der Geist delikater ist, sagt er: “ich weiß nicht”; und “ich traue mir und Niemandem mehr” und “ich weiß nicht mehr, wo aus, noch ein,” und “hoffen—das ist eine Phrase für Verlogene oder für demagogische Redner und Künstler.” Skepsis—ist der Ausdruck einer gewissen physiologischen Beschaffenheit, wie sie bei einer großen Kreuzung vieler Rassen nothwendig entsteht: die vielen vererbten Werthschätzungen sind mit einander im Kampf, stören sich gegenseitig am Wachsen. Die Kraft, welche hier am meisten abhanden kommt, ist der Wille: deshalb große Furcht vor der Verantwortlichkeit, weil Niemand für sich selber gut sagen kann. Versteck unter Gemeinschaften, “Eine Hand deckt die andere” heißt es da. So bildet sich eine Heerden-Art aus: und wer einen starken befehlerischen und verwegenen Willen hat, kommt unbedingt auch zur Herrschaft in solchen Zeiten.
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Man klagt, wie schlimm es bisher die Philosophen gehabt haben: die Wahrheit ist, daß zu allen Zeiten die Bedingungen zur Erziehung eines mächtigen verschlagenen verwegenen unerbittlichen Geistes günstiger waren als heute. Heute hat der Demagogen-Geist, wie auch der Gelehrten-Geist günstige Bedingungen. Aber man sehe doch unsere Künstler an: ob sie an einer Zuchtlosigkeit fast nicht alle zu Grunde gehen. Sie werden nicht mehr tyrannisirt, so lernen sie auch nicht mehr, sich selber tyrannisiren. Wann war das Weib so gering, wie heute! Alles wird schwächer, weil Alles es bequem haben will.— Ich bin durch die härteste Schule körperlicher Schmerzen gegangen: und das Bewußtsein, darunter mich selber festgehalten zu haben und schweigsam — —
34 [69]
Die feinsten Köpfe des vorigen Jahrhunderts, Hume und Galiani, alle mit Staatsdiensten vertraut: ebenso Stendhal Tocqueville
34 [70]
Hume fordert (um mit Kants Worten zu reden) die Vernunft auf, ihm Rede und Antwort zu geben, mit welchem Rechte sie sich denkt: daß etwas so beschaffen sein könne, daß, wenn es gesetzt ist, dadurch auch etwas anderes nothwendig gesetzt werden müsse, denn das sagt der Begriff der Ursache. Er bewies unwidersprechlich, daß es der Vernunft ganz unmöglich sei, a priori und aus Begriffen eine solche Verbindung zu denken usw.— Aber die Thorheit war, nach Gründen für das Recht der Begründung zu fragen. Er that das Thun, welches er eben prüfen wollte.
34 [71]
Die Lüge des Erziehers z. B. bei Kants kategorischem Imperativ. “Sollte Gott doch ein Betrüger sein, trotz Descartes?”
34 [72]
NB. Wahrhaftig, moralisch-streng und häßlich gehört zusammen: das hat das Christenthum gut gefühlt. Der schöne Mensch kann weder wahrhaftig, noch gütig sein, nur ausnahmsweise.
34 [73]
Was uns ebenso von Kant, wie von Plato und Leibnitz trennt: wir glauben an das Werden allein auch im Geistigen, wir sind historisch durch und durch. Dies ist der große Umschwung. Lamarek und Hegel—Darwin ist nur eine Nachwirkung. Die Denkweise Heraklit’s und Empedokles’ ist wieder erstanden. Auch Kant hat die contradictio in adjecto “reiner Geist” nicht überwunden: wir aber.
34 [74]
Der menschliche Horizont. Man kann die Philosophen auffassen als solche, welche die äußerste Anstrengung machen, zu erproben, wie weit sich der Mensch erheben könne, besonders Plato: wie weit seine Kraft reicht. Aber sie thun es als Individuen; vielleicht war der Instinkt der Cäsar, der Staatengründer usw. größer, welche daran denken, wie weit der Mensch getrieben werden könne, in der Entwicklung und unter “günstigen Umständen.” Aber sie begriffen nicht genug, was “günstige Umstände” sind. Große Frage: wo bisher die Pflanze “Mensch” am prachtvollsten gewachsen ist. Dazu ist das vergleichende Studium der Historie nöthig.
34 [75]
Es ist merkwürdig, wie die Stoiker und fast alle Philosophen keinen Blick für die Ferne haben. Und dann wieder die Dummheit der Socialisten, welche immer nur die Bedürfnisse der Heerde repräsentiren.
34 [76]
Die mechanistische Vorstellung, als regulatives Princip der Methode voranzustellen. Nicht als die bewiesenste Weltbetrachtung, sondern als die, welche die größte Strenge und Zucht nöthig macht und am meisten alle Sentimentalität bei Seite wirft. Zugleich eine Probe für das physische und seelische Gedeihen: mißrathene willensschwache Rassen gehen daran zu Grunde, durch Sinnlichkeit oder durch Melancholie oder, wie Inder, durch Beides.
34 [77]
Großes Lob auf das Christenthum als die ächte Heerden-Religion.
34 [78]
Mittag und Ewigkeit.
- Frei zum “wahr” und “unwahr”
- frei zum “gut” und “böse”
- frei zum “Schön” und “häßlich”
- der höhere Mensch als der mächtigere, und die bisherigen Versuche: “es ist die rechte Zeit.”
- der Hammer—eine Gefahr, an der der Mensch zerbrechen kann.
34 [79]
Kant meinte, mit seiner Kategorien-Tafel in der Hand “das ist das Schwerste was jemals zum Behufe der Metaphysik unternommen werden konnte.”— man mißverstehe doch ja nicht, wo er seinen Stolz hatte.
34 [80]
Derbheit und Delikatesse zusammen bei Petronius, auch bei Horaz: mir am angenehmsten. Es gehört zum griechischen Geschmack. Homer war den Menschen um La Rochefoucauld herum zu derb, sie konnten das Triviale nicht genießen. Sie hielten eine gewisse hohe Empfindung bei sich fest, wie jetzt viele Deutsche, und verachten sich, wenn etwas ein Genuß an niederen Sphären in ihnen sich regt. Aristophanes ist das Gegenstück: nihil humani—ist antik.
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An die Spitze zu stellen: auch die Instinkte sind geworden, sie beweisen nicht für das Übersinnliche, nicht einmal für das Animalische, nicht einmal für das typisch-Menschliche.
Daß der Geist geworden ist und noch wird, daß, unter zahllosen Arten des Schließens und Urtheilens, die uns jetzt geläufigste irgendwie uns am nützlichsten ist und sich vererbt hat, weil die so denkenden Individuen günstigere Chancen hatten: daß damit Nichts über “wahr” und “unwahr” bewiesen ist,
34 [82]
— Anti-Kant.
“Vermögen, Instinkt, Vererbung, Gewohnheit” wer mit solchen Worten etwas zu erklären meint, muß heute bescheiden und überdies schlecht geschult sein. Aber am Ausgange des vorigen Jahrhunderts wüthete es. Galiani erklärte alles aus Gewohnheiten und Instinkten. Hume erklärte den Causalitätssinn aus der Gewohnheit; Kant, mit großer Ruhe sagte: “es ist ein Vermögen.” Alle Welt war glücklich, besonders als er auch noch ein moralisches Vermögen entdeckte. Hier lag der Zauber seiner Philosophie: die jungen Theologen des Tübinger Stifts giengen in die Büsche—alle suchten nach “Vermögen.” Und was fand man nicht Alles! Schelling taufte es “die intellektuale Anschauung,” ein Vermögen für’s “Übersinnliche.” Schopenhauer meinte an einem schon bereits genügend geschätzten Vermögen, am Willen, dasselbe gefunden zu haben und mehr, nämlich “das Ding an sich.” In England entstanden die Instinktivisten und Intuitionisten der Moral. Es war die alte Sache vom Glauben und Wissen, eine Art “formaler Glaube” welcher irgend einen Inhalt in Anspruch nahm. Die Geschichte geht wesentlich die Theologen an. Im Stillen wird Leibnitz wieder lebendig, und hinter Leibnitz—Plato. Die Begriffe als usw. Diese skeptisch beginnende Bewegung ist in der That gegen die Scepsis gerichtet, sie hat einen Genuß in der Unterwerfung
34 [83]
NB. Das Lästigste, was die Schriften unklarer, schlecht geschulter und unphilologischer Geister an sich haben, ist noch nicht einmal ihre mangelhafte Schlußfähigkeit und der unfeste wackelnde Gang ihrer Logik. Es ist die Unfestigkeit der Begriffe selber, für welche sie sich der Worte bedienen: diese Menschen haben nur ungestaltete schwimmende Kleckse von Begriffen im Kopfe.— Den guten Autor aber zeichnet nicht nur die Kraft und Bündigkeit seiner Satz-Form aus: sondern man erräth, man riecht, falls man der Mensch feiner Nüstern ist, daß ein solcher Schriftsteller sich beständig zwingt und übt, vorerst seine Begriffe auf strenge Weise festzustellen und fester zu machen, also mit seinen Worten eindeutige Begriffe zu verbinden: und, bevor das nicht gethan ist, nicht schreiben mag!— Übrigens giebt es manchen Zauber auch im Unsicheren, Dämmernden, Halblichten: so wirkte vielleicht Hegel auf das Ausland am meisten durch seine Kunst, in der Weise eines Betrunkenen von den aller nüchternsten und kältesten Dingen zu reden. Dies war wirklich in dem großen Reiche der Berauschungen eine der seltsamsten, die je erfunden wurden,—und recht eigentlich eine Sache der deutschen Genialität! Denn wir haben, wohin nur Deutsche und deutsche “Tugenden” gedrungen sind, überall auch die Lust und Begierde der groben und feinen Alcoholica hingetragen und mitgebracht.— Vielleicht gehört hierhin auch die berückende Gewalt unserer deutschen Musik.
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NB. Was Plato und im Grunde alle Nach-Sokratiker thaten: das war eine gewisse Gesetzgebung der Begriffe:—sie stellten für sich und ihre Jünger fest “das und das soll unter uns bei diesem Worte gedacht und gefühlt werden”:—damit lösten sie sich am bestimmtesten aus ihrer Zeit und Umgebung los. Es ist dies eine der Arten feinen Ekels, mit dem sich höhere, anspruchsvollere Naturen gegen die unklare Menge und ihren Begriffs-Wirrwarr empören:
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Was ist denn diese ungeheure Macht, welche dermaaßen seit 2 Jahrtausenden die Philosophen narrt und die Vernunft der Vernünftigen zu Falle bringt? Jener Instinkt, jener Glaube, wie ihn das Christenthum verlangt: das ist der Heerden-Instinkt selber, der Heerden-Glaube des Thiers “Mensch,” das Heerden-Verlangen nach der vollkommenen Unterwerfung unter eine Autorität—(dasselbe, was aus dem deutschen Heerden-Instinkte heraus Kant den “kategorischen Imperativ” getauft hat.) In der That ist es die größte Erleichterung und Wohlthat, für gefährdete schwankende zarte schwache Heerden-Thiere, einen absolut Befehlenden, einen Leithammel zu bekommen: es ist ihre erste Lebensbedingung. Die Brahmanen verstanden sich auf diese Erleichterung, die Jesuiten ebenfalls, fast in allen Klöstern ist der Grund-Hang dieser: endlich einmal der ewigen Agitation, welche das Selbst-Sich-Befehlen mit sich bringt, los zu werden. Dieser Instinkt zum Glauben ist auch der eigentlich weibliche Instinkt; und wenn die Weiber Einen unerbittlichen Lehrer finden, der von ihnen Gehorsam und Niederwerfung will, oder auch nur einen Künstler, der das Weib in der Attitüde seiner “Vollkommenheit,” als; anbetendes hingebendes hingegebenes Geschöpf, als Opfer zeigt, wie z. B. R W, da sind sie vor Glück “außer sich”: nämlich in ihrem letzten Instinkte vor sich selber bestätigt und befriedigt.— In schwächerer Form sieht man es an den Franzosen, die, als die liebenswürdigsten Europäer, auch die heerdenmäßigsten sind: es wird ihnen nur wohl, wenn sie vor ihrem esprit es sich erlauben dürfen, einmal “unbedingt zu gehorchen”: wie vor dem Napoleon. Oder auch vor “den Ideen der französischen Revolution”—oder auch vor Victor Hugo (welcher sein langes Leben lang diesem allerschönsten Heerden-Instinkte immer im Namen der Freiheit schöne Worte und Prunkmäntel umgehängt hat).— Das Alterthum war, als das Christenthum kam, inwendig durch Gegensätze der Werthschätzungen hin- und hergerissen (in Folge der physiologischen Bedingung des unsinnigen Gleichheits-Begriffs civis Romanus oder von jener unsinnigen Staats-Erweiterung des imperium Romanum) und das Christenthum gab die große Erleichterung.
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Worte sind Tonzeichen für Begriffe: Begriffe aber sind mehr oder weniger sichere Gruppen wiederkehrender zusammen kommender Empfindungen. Daß man sich versteht, dazu gehört noch nicht, daß man dieselben Worte gebraucht: man muß dieselben Worte auch für dieselbe Gattung innerer Erlebnisse brauchen—und man muß diese gemeinsam haben. Deshalb verstehen sich die Menschen Eines Volkes besser: oder, wenn Menschen lange in ähnlichen Bedingungen des Climas, der Thätigkeiten, der Bedürfnisse zusammen gelebt haben, so gewinnt eine gewisse Gattung von solchen ihnen allen nächst verständlichen Erlebnissen die Oberhand: das schnelle Sich-Verstehn ist die Folge. Und das Sich-Verheirathen, und die Vererbung ist wieder die Folge davon. Es ist das Bedürfniß, schnell und leicht seine Bedürfnisse verstehn zu geben, was Menschen am festesten an einander bindet. Andererseits hält Nichts eine Freundschaft, Liebschaft fest, wenn man dahinter kommt, daß man bei den Worten Verschiedenes meint. Welche Gruppen von Empfindungen im Vordergrund stehn, das bedingt nämlich die Werthschätzungen: die Werthschätzungen aber sind die Folge unserer innersten Bedürfnisse. —
Dies ist gesagt, um zu erklären, warum es schwer ist, solche Schriften wie die meinigen zu verstehen: die inneren Erlebnisse, Werthschätzungen und Bedürfnisse sind bei mir anders. Ich habe Jahre lang mit Menschen Verkehr gehabt und die Entsagung und Höflichkeit so weit getrieben, nie von Dingen zu reden, die mir am Herzen lagen. Ja ich habe fast nur so mit Menschen gelebt. —
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Wir bilden uns ein, daß das Befehlende, Oberste in unserem Bewußtsein stecke. Zuletzt haben wir ein doppeltes Gehirn: die Fähigkeit, etwas von unserem Wollen, Fühlen, Denken selber zu wollen, zu fühlen und zu denken fassen wir mit dem Wort “Bewußtsein” zusammen.
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NB. Jene gesetzgeberischen und tyrannischen Geister, welche im Stande sind, einen Begriff fest zu setzen, fest zu halten, Menschen mit dieser geistigen Willenskraft, welche das Flüssigste, den Geist, für lange Zeit zu versteinern und beinahe zu verewigen wissen, sind befehlende Menschen im höchsten Sinne: sie sagen “ich will das und das gesehen wissen, ich will es genau so, ich will es dazu und nur dazu.” Diese Art gesetzgeberischer Menschen hat nothwendig zu allen Zeiten den stärksten Einfluß ausgeübt: ihnen verdankt man alle typischen Ausgestaltungen des Menschen: sie sind die Bildner—und der Rest (“die Allermeisten” M in diesem Falle—) sind gegen sie gehalten nur Thon.
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Die festgesetztesten Bewegungen unseres Geistes, unsere gesetzmäßige Gymnastik z. B. in Raum- und Zeit-Vorstellungen, oder in dem Bedürfniß nach “Begründung”: dieser philosophische habitus des menschlichen Geistes ist unsere eigentliche Potenz: also daß wir in vielen geistigen Dingen nicht mehr anders können: was man psychologische Nothwendigkeit nennt. Diese ist geworden: und zu glauben, unser Raum, unsere Zeit, unser Causalitäts-Instinkt sei etwas, das auch abgesehn vom Menschen Sinn habe, ist nachgerade eine Kinderei.
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Ich bin feindselig 1) gegen die Entsinnlichung: sie stammt von den Juden, von Plato, der durch Aegypter und Pythagoreer verdorben war (und diese durch Buddhisten)
Dem provençalischen Geiste, der heidnisch geblieben ist, ich meine “nicht germanisch,” verdankt man die Vergeistigung des amor der Geschlechtsliebe: während es das Alterthum nur zu einer Vergeistigung der Päderastie gebracht hat.
2) gegen alle Lehren, welche ein Ende, eine Ruhe, einen “Sabbat aller Sabbate” ins Auge fassen. Solche Denkweisen kennzeichnen gährende, leidende, oft auch absterbende Rassen, z.B. solche Verse, wie bei R W “Nibelungen”
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“Gewohnheit”: das bedeutet bei einem sklavisch gesinnten Menschen etwas Anderes als bei einem Vornehmen.
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Man verdankt der christlichen Kirche
1) eine Vergeistigung der Grausamkeit: die Vorstellung der Hölle, die Foltern und Ketzergerichte, die Autodafés sind doch ein großer Fortschritt gegen die prachtvolle aber halb blödsinnige Abschlächterei in den römischen Arenen. Es ist viel Geist, viel Hintergedanke in die Grausamkeit gekommen.— Sie hat viele Genüsse erfunden.
2) sie hat den Europäer-Geist fein und geschmeidig gemacht, durch ihre “Intoleranz.” Man sieht es sofort, wie in unserem demokratischen Zeitalter, mit der Freiheit der Presse, der Gedanke plump wird. Die Deutschen haben das Pulver erfunden—alle Achtung! Aber sie haben es wieder quitt gemacht: sie erfanden die Presse. Die antike Polis war ganz ebenso gesinnt. Das römische Reich ließ umgekehrt große Freiheit im Glauben und Nichtglauben: mehr als heute irgend ein Reich läßt: die Folge war sofort die allergrößte Entartung Vertölpelung und Vergröberung des Geistes.— Wie gut nimmt sich Leibnitz und Abälard, Montaigne, Descartes und Pascal aus! Die geschmeidige Verwegenheit solcher Geister zu sehn ist ein Genuß, welchen man der Kirche verdankt.— Der intellektuelle Druck der Kirche ist wesentlich die unbeugsame Strenge, vermöge deren die Begriffe und Werthschätzungen als festgestellt, als aeternae behandelt werden. Dante giebt einen einzigen Genuß dadurch: man braucht unter einem absoluten Regimente keineswegs beschränkt zu sein. Wenn es Schranken gab, so waren sie um einen ungeheuren Raum gespannt, Dank Plato: und man konnte sich darin bewegen, wie Bach in den Formen des Contrapunkts, sehr frei.— Baco und Shakespeare widern fast an, wenn man diese “Freiheit unter dem Gesetz” gründlich schmecken gelernt hat. Ebenso die neueste Musik im Vergleich zu Bach und Händel.
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Wie sich Friedrich der Grosse beständig über den “féminisme” in der Regentschaft seiner Nachbarstaaten lustig macht, so Bismarck über den “Parlamentarismus”: es ist ein neues Mittel, zu machen, was man will.
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Der Anblick des jetzigen Europäers giebt mir viele Hoffnung: es bildet sich da eine verwegene herrschende Rasse, auf der Breite einer äußerst intelligenten Heerden-Masse. Es steht vor der Thür, daß die Bewegungen zur Bindung der letzteren nicht mehr allein im Vordergrunde stehn.
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Gegen den falschen Idealismus, wo durch übertriebene Feinheit sich die besten Naturen der Welt entfremden. Wie schade, daß der ganze Süden Europas um die Vererbung jener gebändigten Sinnlichkeit gekommen ist, durch die Abstinenz der Geistlichen! Und daß solche Shelleys, Hölderlins, Leopardis zu Grunde gehn, ist billig, ich halte nicht gar viel von solchen Menschen. Es ergötzt mich, an die Revanchen zu denken, welche die derbe Natürlichkeit der Natur bei solcher Art Menschen nimmt z. B. wenn ich höre, daß L früher On trieb, später impotent war.
34 [96]
NB. Ein großer Mensch, ein Mensch, welchen die Natur in großem Stile aufgebaut und erfunden hat, was ist das? Erstens: er hat in seinem gesamten Thun eine lange Logik, die ihrer Länge wegen schwer überschaubar, folglich irreführend ist, eine Fähigkeit, über große Flächen seines Lebens hin seinen Willen auszuspannen und alles kleine Zeug an sich zu verachten und wegzuwerfen, seien darunter auch die schönsten “göttlichsten” Dinge von der Welt. Zweitens: er ist kälter, härter, unbedenklicher und ohne Furcht vor der “Meinung”; es fehlen ihm die Tugenden, welche mit der “Achtung” und dem Geachtetwerden zusammenhängen, überhaupt alles, was zur “Tugend der Heerde” gehört. Kann er nicht führen, so geht er allein; es kommt dann vor, daß er Manches, was ihm auf dem Wege begegnet, angrunzt. 3) er will kein “theilnehmendes” Herz, sondern Diener, Werkzeuge, er ist, im Verkehre mit Menschen, immer darauf aus, etwas aus ihnen zu machen. Er weiß sich unmittheilbar: er findet es geschmacklos, wenn er “vertraulich” wird; und er ist es gewöhnlich nicht, wenn man ihn dafür hält. Wenn er nicht zu sich redet, hat er seine Maske. Er lügt lieber, als daß er die Wahrheit redet: es kostet mehr Geist und Willen. Es ist eine Einsamkeit in ihm, als etwas Unerreichbares für Lob und Tadel, als eine eigene Gerichtsbarkeit, welche keine Instanz über sich hat.
34 [97]
Was ich an dem Deutschen gerne wahrnehme, das ist seine Mephistopheles-Natur: aber, die Wahrheit zu sagen, man muß sich einen höheren Begriff vom d M machen, als Goethe, nöthig hatte, um seinen “innewendigen Faust” zu vergrößern, seinen M zu verkleinern. Der wahre deutsche Mephistopheles ist viel gefährlicher, kühner, böser, verschlagener und folglich offenherziger: man denke sich das Innewendige von Friedrich dem Großen. Oder von jenem viel größeren Friedrich, von jenem Hohenstaufen Friedrich 2.— Der ächte deutsche Mephistopheles steigt über die Alpen, glaubt, daß ihm dort Alles zugehört. Deshalb wird ihm wohl, wie es Winckelmann wohl wurde, wie Mozarten. Er betrachtet Faust und Hamlet als Carikaturen, die zum Lachen erfunden sind, insgleichen Luther. Goethe hatte gute deutsche Augenblicke, wo er über das Alles innewendig lachte. Aber dann fiel er selber wieder in die feuchten Stimmungen zurück.
Das Erstaunen Napoleon’s, als er einen deutschen Dichter sah und—einen Mann fand! Er hatte erwartet, einen deutschen Dichter zu finden! —
Der Deutsche ist umfänglich: an die eine Seele hat sich eine zweite angebaut, es giebt Höhlen, Zwischengänge, er kann oberflächlich scheinen, die Offenheit und Biederkeit gehört zu den Kunstfertigkeiten des Deutschen.— “Gutmüthig und tückisch” ist bei anderen M eine Unmöglichkeit; aber man lebe nur eine Zeitlang unter Schwaben! —
34 [98]
Ein Zeitalter der Demokratie treibt den Schauspieler auf die Höhe, in Athen, ebenso wie heute. R W hat bisher Alles darin überboten, und einen hohen Begriff vom Schauspieler erweckt, der Schauder erwecken kann. Musik, Poesie, Religion, Cultur, Buch, Familie, Vaterland, Verkehr—alles vorerst Kunst, will sagen Bühnen-Attitüde!
34 [99]
Schweine-Deutsch! Verzeihung! Zeitungs-deutsch! Da lese Friedrich Albert Lange, ein braves Thier, welches man sogar, in Ermangelung braverer Thiere, deutschen Jünglingen anempfehlen darf: aber er schreibt zum Beispiel: “Mit dem Lobe der Gegenwart verbindet sich der Cultus der Wirklichkeit. Das Ideale hat keinen Cours; was sich nicht naturwissenschaftlich und geschichtlich legitimiren kann, wird zum Untergang verurtheilt.” Wozu lernt man eigentlich auf deutschen Schulen lateinisch und griechisch: wenn man nicht einmal den Ekel vor einem solchen schmutzigen Mischmasch lernt! Und welche Begeisterung haben gerade die eigentlichen Deutsch-Verderber erregt, ehemals Hegel, neuerdings Richard Wagner, allerjüngst Eugen Dühring!
34 [100]
Schrecklich zu denken, wenn ich durch meine Gedanken über das Weib irgend eine Schriftstellerin, nachdem sie sich und die Welt schon genugsam mit ihren Büchern gequält hat, zu dem Rachegedanken treiben könnte, zu Kindern zu kommen!
34 [101]
“Wenn ein Weib zu Kindern kommen will, läßt es gewöhnlich nicht die Kindlein zu sich kommen, sondern die Männer!” sagte eine alte Hebamme.
34 [102]
— Man gebe Acht darauf, ob das, was die Deutschen ihre Litteratur nennen, nicht zum besten Theile auf Pfarrerssöhne zurückgeht.— Nun liegt in dieser Abkunft der deutschen Prosa von vornherein die Wahrscheinlichkeit, daß die feierlichen, würdevollen, langsamen, gravitätischen Gattungen am besten gepflegt sind: daß es am Allegro oder gar am Presto fehlen wird. Die außerordentliche Munterkeit eines Stils, wie il principe (ganz abgesehn vom Ernste seiner Angelegenheit), die Kürze Kraft, eine Art Lust am Gedräng schwerer Gedanken, giebt einen Nachhall florentinischer Beredsamkeit, namentlich der Advokaten. Auch in Voltaire ist Advokaten-Geschick höchsten Ranges, Advokaten-tempo. Das schnellste tempo das ich vorfand bei einem Schriftsteller, ist bei Petronius: der läuft wie ein geschwinder Wind und ist folglich nicht lüstern: er ist zu lustig dazu.
34 [103]
Die Deutschen.
Vermuthungen und Wünsche
von
F. N.
34 [104]
NB. Die Deutschen, von denen ich hier nur rede, sind etwas Junges und Werdendes: ich trenne sie ab von den Deutschen der Reformation und des dr Krieges und will nicht an der Geschichtsfälscherei Antheil haben, welche über diese Kluft hinwegspringt: wie als ob damals nichts geschehen wäre. Daß sich in dem 16. Jahrhundert etwas mit ihnen zugetragen hat, was dem Untergang einer früheren Rasse gleich kommt, wird sich schwerlich leugnen lassen: diese Erscheinung der Entmuthigung, der Feigheit, der Greisenhaftigkeit, des chinesischen Zopfes, im Bilde zu reden—das muß im Ganzen die Folge einer furchtbaren Blutverderbniß gewesen sein, hinzugerechnet, daß die männlichen Männer fort und fort in’s Ausland giengen und im Auslande starben oder verdarben. Andererseits hat damals eine unfreiwillige Mischung mit wenig verwandten Rassen stattgefunden: die Unzucht des Krieges war, nach allen Beschreibungen, über die Maaßen unheilvoll. Es gab wohl hier und da noch Reste einer stärkeren Rasse: z. B. ist der Musiker Händel, unser schönster Typus eines Mannes im Reiche der Kunst, ein Zeugniß davon: oder, um ein Weib zu nennen—Frau Professor Gottsched, welche mit Fug und Recht eine gute Zeit lang über die deutschen Professoren das Scepter geführt hat,—man sehe sich doch die Bilder von Beiden an! Manche Gegenden reinigten sich schneller und kamen zur Gesundheit im Ganzen zurück, z. B. Hannover Westphalen Holstein,—da sitzt auch heute noch eine brave bäuerliche und phlegmatische Rasse.— Am schlimmsten stand es wohl mit dem deutschen Adel: der war am tiefsten geschädigt. Was davon zu Hause blieb, litt am Alcoholismus, was hinaus gieng und zurückkam, an der Syphilis. Bis heute hat er in geistigen Dingen wenig mitgeredet; und selbst was Bismarck betrifft, so ist seine Urgroßmutter aus dem Leipziger Professorenstande. —
34 [105]
Der Deutsche—nicht zu reden von den blödsinnigen deutschthümelnden Jünglingen, welche auch heute noch von “germanischen Tugenden” faseln—seine mystische Natur. Es gab noch keine deutsche Bildung: es gab Einsiedler, welche sich mit erstaunlichem Geschick verborgen zu halten wußten, inmitten der gröbsten Barbarei.
34 [106]
Der deutsche Schreibe-stil.
Mephistopheles.
34 [107]
Brutalität und dicht dabei krankhafte Zärtlichkeit des sinnlichen Gefühls bei R W—ist höchst Pariserisch.
34 [108]
Ich nehme die demokratische Bewegung als etwas Unvermeidliches: aber als etwas, das nicht unaufhaltsam ist, sondern sich verzögern läßt. Im Großen aber nimmt die Herrschaft des Heerden-Instinkts und Heerden-Werthschätzungen, der Epicureisme und das Wohlwollen mit einander zu: der Mensch wird schwach, aber gut und gemüthlich.
34 [109]
NB. Die Parlamente mögen für einen starken und biegsamen Staatsmann äußerst nützlich sein, er hat da etwas, worauf er sich stützen kann—jedes solche Ding muß widerstehn können!— wohin er viele Verantwortung abwälzen kann! Im Ganzen aber wünschte ich, daß der Zahlen-Blödsinn und der Aberglaube an Majoritäten sich noch nicht in D wie bei den lateinischen Rassen festsetzte; und daß man endlich auch noch etwas in politicis erfinde! Es hat wenig Sinn und viel Gefahr, die noch so kurze und leicht wieder ausrottbare Gewohnheit des allgemeinen Stimmrechts tiefer Wurzel schlagen zu lassen: während seine Einführung doch nur eine Noth- und Augenblicks-Maaßregel war.
34 [110]
Mir scheint das erfinderische Vermögen und die Anhäufung von Willens-Kraft am größten und unverbrauchtesten bei den Slaven zu sein, Dank einem absoluten Regimente: und ein slavisches Erd-Regiment gehört nicht zu dem Unwahrscheinlichsten. Die Engländer wissen die Consequenzen ihrer eigenen starrköpfigen “Selbst-Herrlichkeit” nicht zu überwinden, sie bekommen auf die Dauer immer mehr die homines novi ans Ruder und zuletzt die Weiber ins Parlament. Aber Politik treiben ist zuletzt auch Sache der Vererbung: es fängt keiner an, aus einem Privatmann ein Mensch mit ungeheurem Horizonte zu werden.
34 [111]
Die Deutschen sollten eine herrschende Kaste züchten: ich gestehe, daß den Juden Fähigkeiten innewohnen, welchen ihre Ingredienz bei einer Rasse, die Weltpolitik treiben soll, unentbehrlich ist. Der Sinn für Geld will gelernt, vererbt und tausendfach vererbt sein: jetzt noch nimmt es der Jude mit dem Amerikaner auf.
34 [112]
Ich zeige auf etwas Neues hin: gewiß, für ein solches demokratisches Wesen giebt es die Gefahr des Barbaren, aber man sieht sie nur in der Tiefe. Es giebt auch eine andere Art Barbaren, die kommen aus der Höhe: eine Art von erobernden und herrschenden Naturen, welche nach einem Stoffe suchen, den sie gestalten können. Prometheus war ein solcher Barbar. —
34 [113]
Kein Volk von “Politikern von Beruf,” von Zeitungslesern!
34 [114]
Die Kleinheit und Erbärmlichkeit der deutschen Seele war und ist ganz und gar nicht eine Folge der Kleinstaaterei: man ist bekanntlich in noch viel kleineren Staaten stolz und selbstherrlich gewesen und nicht die Großstaaterei an sich macht die Seele freier und männlicher. In wessen Seele ein sklavischer Imperativ “du sollst und mußt knieen!” eine unfreiwillige Nackenbeugung gebietet vor Ehren-Titeln, Orden, gnädigen Blicken von Oben hinunter, der wird sich in einem “Reiche” nur noch tiefer bücken und den Staub vor dem großen Landesvater nur noch inbrünstiger auflecken, als er es vor dem kleinen that: daran ist nicht zu zweifeln.— Man sieht den Italiänern der unteren Stände es heute noch an, daß aristokratische Selbstgenugsamkeit und männliche Zucht und Gewißheit ihrer selber zur längsten Geschichte ihrer Stadt gehört und ihnen am besten vorgemacht worden ist; ein armer Gondoliere in Venedig ist immer noch eine bessere Figur als ein Berliner wirklicher Geheimrath, und zuletzt gar noch ein besserer Mann: das greift man mit den Fingern. Man frage darüber bei den Weibern an.
34 [115]
Die Bedienten-Seele.
Die Blut-Verderbniß.
Die moralische Tartüfferie.
Das “Gemüth.”
Die Unklarheit.
Die Verzögernden.
Muthmaßung über das Südländische.
Die Häßlichkeit.
Die Hinter-Seele.
Die Abhängigkeit von Frankreich.
Der deutsche Professor und der Offizier.
Die niaiserie allemande. .]
Der deutsche Schreibestil.
Die Einsiedler.
Das “Ewig-Weibliche” am deutschen Manne.
Der Rausch und die Musik.
Der “historische Sinn.”
Der Schauspieler.
Die Bequemlichkeit (Philister) und der Krieg.
Die Philosophen.
Der Pessimismus. (Vergleich mit Frankreich).
Mehr Heerdenthier als je—aber es giebt günstige Bedingungen auch für Einzelne.
34 [116]
Das Achtbarste an Kant ist, daß er über die Leibnitzische Verführung hinwegkam und das Beste vom vorigen Jahrhundert, den Sensualismus festhielt.
34 [117]
NB. Schopenhauer, in seiner Jugend durch die Romantiker verführt und von seinen besten Instinkten abgelenkt, war im Grunde Voltairianer mit Kopf und Eingeweiden, und recht ein Kind des vorigen Jahrhunderts—im Übrigen aber durch die Griechen und durch Goethe über den französischen Geschmack hinausgeführt—und vor allem—kein Theolog! Die “Unveränderlichkeit des Charakters,” auf deutsch vielleicht die Faulheit, und andererseits der Glaube an die Unfehlbarkeit des Genie’s (auf deutsch vielleicht die Eitelkeit) brachte ihn dazu, seine “Jugendsünde,” ich meine seine Metaphysik des Willens, vorzeitig heilig zu sprechen; und sich selber nicht mehr zu “entwickeln.” Ein M von seiner Begabung und inneren discordia hatte das Zeug zu fünf “besseren” Systems im Kopfe, und eines immer wahrer und falscher als das andre.
34 [118]
Wir verstehn einen “causalen” Zusammenhang nicht, wir sehen aber, daß ein Factum, um constatirt zu werden, mehrere Facta in sich begreifen. Unsere Analyse stellt ein Nacheinander auf. Die Zahlen, die sich dabei ergeben, bedeuten nichts für den Zusammenhang jener Erscheinungen unter sich, sondern können irreführen: weil der Mensch in manchen Instinkten festgestellt ist, ergiebt sich eine Ähnlichkeit der Zahlenverhältnisse im Bezug zu ihm.
34 [119]
Stehen unsere Gedanken in einem causalen unmittelbaren Verhältnisse zu anderen? Oder ist deren logische Verbindung ein Schein? Ich meine, eine Folge davon, daß die veranlassenden Vorgänge jedes dieser Gedanken in einer Verbindung stehn, welche sich uns als “Schluß” und dergleichen darstellt. Es sind lauter Endglieder?— Oder giebt es ein unmittelbares Einwirken eines Gedankens auf einen anderen? Ein “Verursachen” hier wenigstens?
34 [120]
Die Erscheinungswelt “leerer Schein und Trug,” das Causalltäts-Bedürfniß, welches zwischen Erscheinungen Verbindungen herstellt, ebenfalls “leerer Schein und Trug”—damit kommt die moralische Verwerfung des Trügerischen und Scheinbaren zu Wort. Man muß darüber hinweg gehn. Es giebt keine Dinge an sich, auch kein absolutes Erkennen, der perspektivische, täuschende Charakter gehört zur Existenz.
34 [121]
Daß meine Werthschätzung oder Verurtheilung eines Menschen noch keinem anderen Menschen ein Recht giebt zu der gleichen Werthschätzung oder Verurtheilung:— es sei denn, daß er mir gleich steht und gleichen Ranges ist. Die entgegengesetzte Denkweise ist die der Zeitungen: daß die Werthschätzungen von Menschen und Sachen Etwas “an sich” seien, zu denen Jeder wie nach seinem Eigenthume greifen dürfe. Hier ist eben die Voraussetzung, das Alle gleichen Ranges sind.— Wahrhaftig sein ist eine Auszeichnung
34 [122]
Daß Etwas Entstandenes nicht erkannt ist, wenn man seine Entstehung (Vater und Mutter) kennt: sondern daß man es schon kennen muß, um in den Entstehungs-Bedingungen etwas “Verwandtes” zu entdecken—und daß dies meist ein Schein ist:—in Wahrheit ist ja das Wiedererkennen des väterlichen und mütterlichen Elements im Kinde nur bei einem Aggregat möglich, und unwillkürlich suchen wir, um zu erklären, etwas Neues nur als ein Aggregat, eine Zusammenordnung zu fassen d. h. die Analyse bezieht sich nicht auf die wirkliche Entstehung, sondern auf eine fingirte, gar nicht geschehene “mechanische” Zusammenordnung und Addition. Der Erklärende nimmt die Thatsachen dümmer und einfacher als sie sind.
34 [123]
Daß der Mensch eine Vielheit von Kräften ist, welche in einer Rangordnung stehen, so daß es Befehlende giebt, aber daß auch der Befehlende den Gehorchenden alles schaffen muß, was zu ihrer Erhaltung dient, somit selber durch deren Existenz bedingt ist. Alle diese lebendigen Wesen müssen verwandter Art sein, sonst könnten sie nicht so einander dienen und gehorchen: die Dienenden müssen, in irgend einem Sinne, auch Gehorchende sein, und in feineren Fällen muß die Rolle zwischen ihnen vorübergehend wechseln, und der, welcher sonst befiehlt, einmal gehorchen. Der Begriff “Individuum” ist falsch. Diese Wesen sind isolirt gar nicht vorhanden: das centrale Schwergewicht ist etwas Wandelbares; das fortwährende Erzeugen von Zellen usw. giebt einen fortwährenden Wandel der Zahl dieser Wesen. Und mit Addiren ist überhaupt nichts gemacht. Unsere Arithmetik ist etwas zu Grobes für diese Verhältnisse und nur eine Einzel-Arithmetik.
34 [124]
Die Logik unseres bewußten Denkens ist nur eine grobe und erleichterte Form jenes Denkens, welches unser Organismus, ja die einzelnen Organe desselben, nöthig hat. Ein Zugleich-denken z. B. ist nöthig, von dem wir kaum eine Ahnung haben. Vielleicht ein Künstler der Sprache: das Zurückrechnen mit der Schwere und Leichtigkeit der Silben, das Vorausrechnen, zugleich das Analogie-suchen von der Schwere des Gedankens mit den lautlichen resp. den physiologischen Kehlkopf-Bedingungen, geschieht zugleich—aber freilich nicht als bewußt.
Unser Causal-Gefühl ist etwas ganz Grobes und Vereinzeltes gegen die wirklichen Causal-Gefühle unseres Organismus. Namentlich ist das “Vorher” und “Nachher” eine große Naivetät.
Zuletzt: wir mußten alles erst erwerben für das Bewußtsein, einen Zeit-sinn, Raum-sinn, Causal-sinn: nachdem es ohne Bewußtsein lange schon viel reicher existirt hatte. Und zwar eine gewisse einfachste schlichteste reduzirteste Form: unser bewußtes Wollen, Fühlen, Denken ist im Dienste eines viel umfänglicheren Wollens Fühlens und Denkens.— Wirklich?
Wir wachsen fortwährend noch, unser Zeit- Raumsinn usw. entwickelt sich noch.
34 [125]
Es läßt sich nichts voraussagen, aber bei einer gewissen Erhöhung des Typus Mensch kann eine neue Kraft sich offenbaren, von der wir bisher nichts wußten. (Nämlich eine Synthesis von Gegensätzen?)
34 [126]
Der Seufzer Kleist’s über die schließliche Unerkennbarkeit —
34 [127]
Wir sind Anfänger im Lernen z. B. mit unserer Art Logik. Oder unseren Leidenschaften. Oder unserer Mechanik. Oder unserer Atomistik, welche der ehrlichste Versuch ist, die Welt für das Auge zu construiren, und für den zählenden arithmetischen Verstand (also anschaulich und berechenbar)
34 [128]
Unsere “Mittel und Zwecke” sind sehr nützliche Abbreviaturen, uns Vorgänge handlich, überschaulich zu machen.
34 [129]
| 1. Der Wille zur Wahrheit. |
| 2. Jenseits von Gut und Böse. |
| 3. Der Mensch als Künstler. |
| 4. Von der hohen Politik. |
| 5. Der züchtende Gedanke. |
34 [130]
Das abstrakte Denken ist für Viele eine Mühsal, für mich, an guten Tagen, ein Fest und ein Rausch.
34 [131]
Wie ein Feldherr von vielen Dingen nichts erfahren will und erfahren darf, um nicht die Gesamt-Überschau zu verlieren: so muß es auch in unserem bewußten Geiste vor Allem einen ausschließenden wegscheuchenden Trieb geben, einen auslesenden, welcher nur gewisse facta sich vorführen läßt. Das Bewußtsein ist die Hand, mit der der Organismus am weitesten um sich greift: es muß eine feste Hand sein. Unsere Logik, unser Zeitsinn, Raumsinn sind ungeheure Abbreviatur-Fähigkeiten, zum Zwecke des Befehlens. Ein Begriff ist eine Erfindung, der nichts ganz entspricht; aber Vieles ein wenig: ein solcher Satz “2 Dinge, einem dritten gleich, sind sich selber gleich” setzt 1) Dinge 2) Gleichheiten voraus: beides giebt es nicht. Aber mit dieser erfundenen starren Begriffs- und Zahlenwelt gewinnt der Mensch ein Mittel, sich ungeheurer Mengen von Thatsachen wie mit Zeichen zu bemächtigen und seinem Gedächtnisse einzuschreiben. Dieser Zeichen-Apparat ist seine Überlegenheit, gerade dadurch, daß er sich von der Einzel-Thatsache möglichst weit entfernt. Die Reduktion der Erfahrungen auf Zeichen, und die immer größere Menge von Dingen, welche also gefaßt werden kann: ist seine höchste Kraft. “Geistigkeit” als Vermögen, über eine ungeheure Menge von Thatsachen in Zeichen Herr zu sein. Diese geistige Welt, diese Zeichen-Welt ist lauter “Schein und Trug,” ebenso schon wie jedes “Erscheinungsding”—und der “moral M empört sich wohl! (wie für Napoleon nur die wesentl Instinkte des Menschen bei seinen Rechnungen in Betracht kamen und er von den ausnahmsweisen ein Recht hatte, keine Notiz zu nehmen z. B. vom Mitleiden—auf die Gefahr hin, hier und da sich zu verrechnen)
34 [132]
Was ist denn “wahrnehmen”? Etwas-als-wahr-nehmen: Ja sagen zu Etwas.
34 [133]
NB. Es ist etwas Krankhaftes am ganzen bisherigen Typus der Philosophen, es mag viel an ihm mißrathen sein. Statt sich und die Menschen höher zu führen, gehen die Philosophen am liebsten bei Seite und suchen, ob es nicht einen anderen Weg gäbe: das ist vielleicht an sich schon das Anzeichen eines entartenden Instinkts. Der wohlgerathene Mensch freut sich an der Thatsache “Mensch” und am Wege des Menschen: aber—er geht weiter!
34 [134]
Was mein Werth-Urtheil ist, ist es nicht für einen Anderen. Das Annehmen von Werth-Urtheilen wie von Kleidungsstücken ist trotzdem die häufigste Thatsache: so entsteht von außen her erst Haut, dann Fleisch, endlich Charakter: die Rolle wird Wahrheit.
34 [135]
Diesen deutschen Idealisten habe ich oft zugesehn, sie aber nicht mir!— sie wissen und riechen nichts davon, was ich weiß, sie gehen ihren sanften Schlendergang, sie haben das Herz voll anderer Begierden als ich: sie suchen andere Luft, andere Nahrung, anderes Behagen. Sie sehen hinauf, ich sehe hinaus,—wir sehen nie das Gleiche.
— Mit ihnen umzugehn ist mir verdrießlich. Sie mögen an ihrem Leibe schon die Reinlichkeit lieben: aber ihr Geist ist ungewaschen, ihr “folglich” riecht mir faul, sie entrüsten sich, wo bei mir die fröhliche Neugierde anhebt, sie haben sich die Ohren nicht ausgewischt, wenn ich bereit bin, mein Lied zu singen.
34 [136]
— Dieser Sokrates, der schlaue Gründe dafür suchte, so zu handeln, wie die Sitte anbefahl, war ganz nach dem Herzen der “delphischen Priesterschaft”! und seine Bekehrung des Plato war das Meisterstück seiner Verführungs-Kunst. Die angelernten Begriffe als göttlichen Ursprungs, die volksthümlichen Werthschätzungen als die ewigen und unvergänglichen:—aber sie, für ein feineres Geschlecht, neu aufzuputzen, ihnen den Pfeffer und Beifuß der dialektischen Freude beizugesellen, sie unter einer geschwätzigen und verliebten Jugend zur Entzündung Rede- und That-Wetteifer zu benutzen —
34 [137]
— Sie sind mir so fremd: ich müßte ihnen, um mit ihnen zu leben, immer gerade das Entgegengesetzteste lehren, von dem, was ich für wahr halte und was mir erquicklich scheint: und unter ihnen erdachte ich das Sprüchwort “nicht nur das Gold, auch das Leder glänzt.”
34 [138]
In Deutschland hat es immer an Geist gefehlt, und die mittelmäßigen Köpfe kommen da schon zu den höchsten Ehren, weil sie schon selten sind. Was am besten geschätzt wird, das ist Fleiß und Beharrlichkeit und ein gewisser kaltblütiger kritischer Blick; und um solcher Eigenschaften willen ist deutsche Philologie, deutsches Kriegswesen über Europa Meister geworden.
34 [139]
NB. Für feinere und klügere Ohren klingt fast jedes Lob einer Tugend lächerlich: sie hören noch keine Tugend heraus z. B. wenn einer “bescheiden” genannt wird (falls er sich richtig abschätzt!) oder daß einer “wahrhaftig” heißt (falls er nicht getäuscht sein will!) oder “mitleidig” (falls er ein weiches nachgebendes Herz hat) keusch (falls er ein Frosch ist und andererseits doch nicht gern an Sümpfen lebt)
34 [140]
NB. Es giebt Arglosigkeit der wiss M, welche an Blödsinn grenzt: sie haben keinen Geruch davon, wie gefährlich ihr Handwerk ist, sie glauben im Grunde ihres Herzens, daß “Liebe zur Wahrheit” und “das Gute, Schöne und Wahre” ihre eigentliche Angelegenheit sei. Ich meine nicht “gefährlich” in Hinsicht auf die auflösenden Wirkungen, sondern in Hinsicht auf das ungeheure Schwergewicht der Verantwortlichkeit, welches Einer auf sich fühlt, welcher zu merken beginnt, daß alle Werthschätzungen, nach denen die Menschen leben, auf die Dauer den Menschen zu Grunde richten.
34 [141]
NB. Die entmännlichende und vielleicht entmannende Wirkung des vielen Betens gehört auch unter die Schädigungen des deutschen Wesens seit der Reformation. Es ist eine Sache schlechten Geschmacks unter allen Umständen, viel zu bitten, statt viel zu geben: die Mischung demüthiger Servilität mit einer hoffärtig-pöbelhaften Zudringlichkeit, mit der sich z. B. der heilige Augustin in seinen confessiones vor Gott wälzt, erinnert daran, daß der Mensch vielleicht nicht allein unter den Thieren das religiöse Gefühl hat- der Hund hat für den Menschen ein ähnliches “religiöses Gefühl.”— Der betende Verkehr mit G züchtet die erniedrigende Stimmung und Attitüde, welche auch in unfrommen Zeiten, durch Vererbung, noch ihr Recht behauptet: die Deutschen erstarben bekanntlich vor Fürsten oder vor Parteiführern oder vor der Phrase “als unterthänigster Knecht.” Es soll damit vorüber sein.
34 [142]
NB. Es ist mir nie in den Sinn gekommen, sämmtliche Tugenden aus dem Egoismus “abzuleiten.” Ich will erst bewiesen haben, daß es “Tugenden” sind und nicht nur zeitweilige Erhaltungs-Instinkte bestimmter Heerden und Gemeinden.
34 [143]
Diese weichliche Angst vor dem “gräßlichen Fanatismus”
34 [144]
NB.— er bewegte und schloß wieder die Lippen und blickte wie Einer, der noch Etwas zu sagen hat und zögert, es zu sagen. Und es dünkte denen, welche ihm zusahen, daß sein Gesicht dabei leise erröthet sei. Dies dauerte eine kleine Weile: dann aber, mit Einem Male, schüttelte er den Kopf, schloß freiwillig die Augen—und starb. —
Also geschah es, daß Zarathustra untergieng.
34 [145]
Er führt seine Freunde immer höher, auch an seine Höhle und endlich auf den hohen Berg: da stirbt er.
segnend: Gräberinsel Höhle.
Die Stationen: und jedes Mal Reden.
Mittag und Ewigkeit
Von
Friedrich Nietzsche.
Erster Theil:
die Heroldsrufe.
Zweiter Theil:
die Verkündigung.
Dritter Theil:
die Gelobenden.
Vierter Theil:
Aufgang und Untergang.
34 [146]
Einem, dem daran gelegen ist, unter welchen Bedingungen die Pflanze “Mensch” am kräftigsten in die Höhe wächst,—einem solchermaaßen Beschäftigten ist das Erscheinen einer neuen politischen Macht, falls sie nicht auf neue Gedanken sich stellt, noch kein Ereigniß: er hat kaum Zeit, näher zuzusehn.
Man mißverstehe mich nicht: ich wollte mit diesem Buche erklären, weshalb die Entstehung des deutschen Reiches mir gleichgültig geblieben ist: ich sehe einen Schritt weiter in der Demokratisirung Europas und auch einen Schritt weiter in der moral Verlogenheit Europas.— nichts mehr, nichts Neues. Die Demokratie aber ist die Form eines Verfalls des Staates, einer Entartung der Rassen, eines Übergewichts der Mißrathenden: das habe ich schon Ein Mal gesagt.
34 [147]
Ein Mensch, dem fast alle Bücher oberflächlich geworden sind, der vor wenigen Menschen der Vergangenheit noch den Glauben übrig hat, daß sie Tiefe genug besessen haben, um—nicht zu schreiben, was sie wußten.
Ich habe so viele verbotene Dinge gedacht und bin dort guter Dinge und immer zu Hause gewesen, wo auch rechtschaffenen und tüchtigen Geistern der Athem ausgeht: so sehe ich es immer mit Erstaunen, wenn ich noch etwas mitzutheilen finde. Ob ich gleich recht gut weiß, daß mir meine Gedankenstriche lieber sind als meine mitgetheilten Gedanken.
Wie viele Gelehrte könnte ich beschäftigen; und wenn ich vielleicht in einzelnen Fällen dies gethan habe —
Der Übelstand, den es hat, Gelehrte auf Gebiete zu treiben, wo Freiheit, Feinheit und Unbedenklichkeit noth thun, liegt darin, daß sie nicht über sich hinaus sehen können—daß sie dort keine Augen haben, wo sie keine Erlebnisse Um z. B. darzustellen, was das moralische Gewissen ist, dazu müßte Einer tief und verwundet und ungeheuer sein wie das Gewissen Pascals und dann noch jenen ausgespannten Himmel von heller und boshafter Geistigkeit besitzen, welche von oben herab dieses Gewimmel von Erlebnissen übersieht, ordnet und auslacht.
Als ich jünger war, meinte ich, daß mir einige hundert Gelehrte fehlten, welche ich wie Spürhunde in die Gebüsche—ich meine in die Geschichte der menschlichen Seele—treiben könnte, mir mein Wild aufzujagen. Inzwischen lernte ich, daß zu den Dingen, welche meine Neugierde reizen, auch Gehülfen schwer zu finden sind.
34 [148]
Ich glaube zu fühlen, daß Socrates tief war—seine Ironie war vor Allem die Nöthigung, sich oberflächlich zu geben, um überhaupt mit Menschen verkehren zu können—; daß Caesar Tiefe hatte: insgleichen vielleicht jener Hohenstaufe Friedrich der Zweite: sicherlich Leonardo da Vinci; in nicht geringem Grade Pascal, der nur dreißig Jahr zu früh starb, um aus seiner prachtvollen bitterbösen Seele heraus über das Christenthum selber hohnzulachen, wie er es früher und jünger über die Jesuiten gethan hat.
34 [149]
NB. Ich ehre M Angelo höher als Raffael, weil er, durch alle christlichen Schleier und Befangenheiten seiner Zeit hindurch, die Ideale einer vornehmeren Cultur gesehn hat, als es die christlich-raffaelische ist: während Raffael treu und bescheiden nur die ihm gegebenen Werthschätzungen verherrlichte und keine weitersuchenden, sehnsüchtigen Instinkte in sich trug. M Angelo aber sah und empfand das Problem des Gesetzgebers von neuen Werthen: ebenso das Problem des Siegreich-Vollendeten, der erst nöthig hatte, auch “den Helden in sich” zu überwinden; den zu Höchstem gehobenen Menschen, der auch über sein Mitleiden erhaben ward und erbarmungslos das ihm Unzugehörige zerschmettert und vernichtet,—glänzend und in ungetrübter Göttlichkeit. M A war, wie billig, nur in Augenblicken so hoch und so außerhalb seiner Zeit und des christlichen Europas: zumeist verhielt er sich condescendent gegen das Ewig-Weibliche am Christenthum; ja es scheint, daß er noch zuletzt gerade vor diesem zerbrach und das Ideal seiner höchsten Stunden aufgab. Es war nämlich ein Ideal, dem nur der Mensch der stärksten und höchsten Lebens-Fülle gewachsen sein kann, nicht aber ein altgewordener Mann! Im Grunde hätte er ja das Christenthum von seinem Ideale aus vernichten müssen! Aber dazu war er nicht Denker und Philosoph genug.— L da Vinci hat vielleicht allein von jenen Künstlern einen wirklich überchristlichen Blick gehabt. Er kennt “das Morgenland,” das innewendige so gut als das äußere. Es ist etwas Über-Europäisches und Verschwiegenes an ihm, wie es Jeden auszeichnet, der einen zu großen Umkreis von guten und schlimmen Dingen gesehn hat.
34 [150]
NB. Schopenhauer, ein rechtschaffner Denker, insgleichen kein übler Schriftsteller über philosophische Gegenstände, wenngleich für sich selber kein Philosoph: in Hinsicht auf die jetzige Jugend (und auch auf solche Alte, welche in ihren Ansprüchen an Schärfe der Begriffe, Helle des Himmels und—Wissenschaftlichkeit bescheiden sind) noch nicht zu ersetzen, denn er lehrt Verehrung, wo er selber verehrt hat, vor dem kritischen Geiste Kants, vor Goethe, vor den Griechen, vor den freigeistischen Franzosen; zu seiner Zeit war er vielleicht der best-gebildete Deutsche, mit einem europäischen Horizonte: es giebt selbst Augenblicke, wo er mit morgenländischen Augen sieht. Der Pessimismus, wie er ihn verstand, ist ebenfalls kein kleiner Lehrmeister der Verehrung auf Gebieten, wo Verehrung nicht zu Hause war: z. B. vor dem indischen Alterthum, vor dem alten eigentlichen Christenthum, dem katholischen, gegen welches die protestantische Schul-Erziehung den Geschmack wenden pflegt.
34 [151]
Über das “Genie.” Wie wenig Begabung z. B. bei R W! Gab es je einen Musiker, der in seinem 28. so arm war (nicht so unentwickelt, unaufgeschlossen, sondern so arm), daß er auf Meyerbeer neidisch war—so arg neidisch, um sich sein Leben-lang darüber zu ärgern? und folglich, mit der Folgerichtigkeit “schöner Seelen,” es ihm sein Lebenlang nachzutragen? Andererseits lernt man, wie Kant mit Recht Fleiß und Beharrlichkeit als das rühmt usw.
34 [152]
Unter guten Musikern gilt Verdi für reich, gegen W berechnet: der Gründe hatte, sparsam zu sein und seine “Erfindungen” gut “anzulegen,” Wucher mit “Leitmotiven” zu treiben und sein “Gold” bei sich zu behalten, daß man darauf hin einen tausendfach zu großen Credit genießt: hat es W den Juden abgelernt?
34 [153]
NB. Ein Weib will Mutter sein; und wenn sie das nicht will, ob sie es schon sein könnte, so gehört sie beinahe in’s Zuchthaus: so groß ist dann gewöhnlich ihre innewendige Entartung.
34 [154]
NB. Deutschland hat nur Einen Dichter hervorgebracht, außer Goethe: das ist Heinrich Heine—und der ist noch dazu ein Jude. Aber in Frankreich ebenso wie in Italien, Spanien und England und wo man nur; er hatte den feinsten Instinkt für die blaue Blume “deutsch,” freilich auch für den grauen Esel “deutsch.” Die Pariser behaupten außerdem, daß er Mit 2 anderen Nicht-Parisern die Quintessenz des Pariser Geistes darstelle
34 [155]
| Über die Philosophen. Über die Weiber. Über die Musiker. Über die Völker. Über die Gelehrten. Über die Schriftsteller. Über die Frommen. |
| Über Heerden—und Heerden-Instinkte. |
| “der gute Mensch” |
| Über die Herrschenden. Über die alten Griechen. Dionysos—Diabolus. |
Die guten Europäer.
Ein Beitrag zur Beschreibung
der europäischen Seele.
34 [156]
Eine Vorrede über Rangordnung.
Dies sind meine Urtheile: und ich gebe, dadurch daß ich sie drucke, so noch Niemandem das Recht, sie als die seinen in den Mund zu nehmen: am wenigsten halte ich sie für “öffentliches Gemeingut,” und ich will dem auf die Finger klopfen, der sich an ihnen vergreift. Es giebt Etwas, das in einem Zeitalter des “gleichen Rechts für Alle” unangenehm klingt: das ist Rangordnung.
34 [157]
NB. Zur Erklärung jenes innerlichen verwegenen Scepticismus in Deutschland, der daselbst größer und seiner selber gewisser ist als in irgend einem Lande Europa’s, gehört jene Thatsache, daß die protestantische Geistlichkeit immer an Kindern fruchtbar gewesen ist und gleich Luther, nicht nur auf der Kanzel ihre Stärke gehabt hat: und aus dem gleichen Grunde, aus dein Machiavell den Scepticismus der Italiäner ableitet—sie haben den Stellvertreter Gottes und seinen Hof immer zu nahe vor Augen gehabt—haben Allzuviele von den deutschen Philosophen und Gelehrten als Kinder von Predigern und sonstigem Kirchen-Zubehör dem “Priester” zugesehn—und glauben folglich nicht mehr an Gott. Der Protestantismus ist von vorn herein wesentlich Unglaube an den “Heiligen”; die deutsche Philosophie ist wesentlich Unglaube an die homines religiosi und die Heiligen zweiten Ranges, an alle die Land- und Stadtpfarrer, hinzugenommen die Theologen der Universität—und insofern mag die deutsche Philosophie eine Fortsetzung des Protestantismus sein.
34 [158]
NB. Die Außen-Welt ist das Werk unserer Organe folglich ist unser Leib, ein Stück Außenwelt, das Werk unserer Organe—folglich sind unsere Organe das Werk unserer Organe. Dies ist eine vollständige reductio ad absurdum: folglich ist die Außenwelt nicht das Werk unserer Organe.
34 [159]
Pfeile.
Gedanken über und gegen die
europäische Seele
Das Recht der Vorrechte.
34 [160]
Pfeile.
Gedanken
über und gegen die deutsche Seele.
Von
Friedrich Nietzsche.
34 [161]
NB. Ein tüchtiger Handwerker oder Gelehrter nimmt sich gut aus, wenn er seinen Stolz bei seiner Kunst hat und genugsam damit und zufrieden auf das Leben blickt; und nichts hingegen ist jämmerlicher anzuschauen, als wenn ein Schuster oder Schulmeister, mit leidender Miene, zu verstehen giebt, er sei eigentlich für etwas Besseres geboren. Es giebt gar nichts Besseres als das Gute! und das ist: irgend eine Tüchtigkeit haben und aus ihr schaffen, virtù, im italiänischen Sinne der Renaissance.
34 [162]
NB. Heute, in der Zeit wo der Staat einen unsinnig dicken Bauch hat, giebt es in allen Feldern und Fächern, außer den eigentlichen Arbeitern noch “Vertreter” z. B. außer den Gelehrten noch Litteraten, außer den leidenden Volksschichten noch schwätzende prahlerische Thu-nichts-gute, welche jenes Leiden “vertreten,” gar nicht zu reden von den Politikern von Berufswegen, welche sich wohl befinden und “Nothstände” vor einem Parlament mit starker Lunge “vertreten.” Unser modernes Leben ist äußerst kostspielig durch die Menge Zwischenpersonen; in einer antiken Stadt dagegen, und im Nachklang dann noch in mancher Stadt Spaniens und Italiens, trat man selber auf und hätte nichts auf einen solchen modernen Vertreter und Zwischenhändler gegeben—es sei denn einen Tritt!
34 [163]
Der kirchliche Druck von Jahrtausenden hat eine prachtvolle Spannung des Bogens geschaffen, insgleichen der monarchische: die beiden versuchten Entspannungen (statt mit dem Bogen zu schießen) sind 1) der Jesuitism 2) die Demokratie. Pascal ist das herrliche Anzeichen von jener furchtbaren Spannung: er lachte die Jesuiten todt.— Ich bin zufrieden mit despotischen Zuständen, vorausgesetzt, daß man mit gemischten Rassen zu thun hat, wo immer eine Spannung überhaupt gegeben ist. Freilich: die Gefahr solcher Versuche ist groß.— Die europäische Demokratie ist nicht oder zum kleinsten Theile eine Entfesselung von Kräften, sondern vor Allem eine Entfesselung von Sich-gehen-lassen, von Bequem-haben-wollen, von inneren Faulheiten. Ebenso die Presse.
34 [164]
Die europäische D ist zum kleinsten Theile eine Entfesselung von Kräften: vor Allem ist sie eine Entfesselung von Faulheiten, von Müdigkeiten, von Schwächen.
34 [165]
Der Spiegel.
Eine Gelegenheit zur Selbstbespiegelung
für Europäer.
Von
Friedrich Nietzsche.
34 [166]
Das Gemeinsame in der Entwicklung der Europäer-Seele ist z. B. zu merken bei einer Vergleichung Delacroix’ und R W, der Eine peintre-poète, der Andere Ton-Dichter, nach der Differenz der französischen und deutschen Begabung. Aber sonst gleich. Delacroix übrigens auch sehr Musiker—und Coriolan-Ouverture. Sein erster Interpret Baudelaire, eine Art R W ohne Musik. Der Ausdruck expression von Beiden vorangestellt, alles Übrige geopfert. Von Litteratur abhängig Beide, höchst gebildete und selbst schreibende Menschen. Nervös-krankhaft-gequält, ohne Sonne.
34 [167]
In jedem Sinnes-Urtheil ist die ganze organische Vorgeschichte thätig: “das ist grün” z. B. Das Gedächtniß im Instinkt, als eine Art von Abstraction und Simplification, vergleichbar dem logischen Prozeß: das Wichtigste ist immer wieder unterstrichen worden, aber auch die schwächsten Züge bleiben. Es giebt im organischen Reiche kein Vergessen; wohl aber eine Art Verdauen des Erlebten.
34 [168]
Die Guten, ihr Verhältniß zur Dummheit.
Erziehung und Züchtung.
Das liberum “nego.” “vorläufig Nein!”
Verehrung, Zorn und Tapferkeit
34 [169]
Die Abzählbarkeit gewisser Vorgänge z. B. vieler chemischen, und eine Berechenbarkeit derselben giebt noch keinen Grund ab, hier an “absolute Wahrheiten” zu tasten. Es ist immer nur eine Zahl im Verhältniß zum Menschen, zu irgend einem festgewordenen Hang oder Maaß im Menschen. Die Zahl selber ist durch und durch unsere Erfindung.
34 [170]
Ein logischer Vorgang, von der Art, wie er “im Buche steht,” kommt nie vor, so wenig als eine gerade Linie oder zwei “gleiche Dinge.” Unser Denken läuft grundverschieden: zwischen einem Gedanken und dem nächsten waltet eine Zwischenwelt ganz anderer Art z. B. Trieb zum Widerspruch oder zur Unterwerfung usw.
34 [171]
Synthetische Urtheile a priori sind wohl möglich, aber sie sind—falsche Urtheile.
34 [172]
Nux et crux.
Eine Philosophie für gute Zähne.
34 [173]
Jede Philosophie, wie sie auch entstanden sein möge, dient zu gewissen Erziehungs-Zwecken z. B. zur Ermuthigung oder zur Besänftigung usw.
34 [174]
Das Gute eine Vorstufe des Bösen; eine gelinde Dosis des Bösen: —
34 [175]
Wenn Einer sich um die Andern und nicht um sich kümmert, kann das ein Zeichen der Dummheit sein: so denkt “das Volk” bonhomie.
34 [176]
Die Moralen und Religionen sind das Haupt-Mittel, mit dem man aus dem Menschen gestalten kann, was Einem beliebt: vorausgesetzt, daß einen Überschuß von schaffenden Kräften hat und seinen schaffenden Willen über lange Zeiträume durchsetzen kann, in Gestalt von Gesetzgebungen und Sitten. Indem ich über die Mittel nachsann, den Menschen stärker und tiefer zu machen als er es bisher war, erwog ich vor Allem, mit Hülfe welcher Moral dergleichen bisher bewerkstelligt worden ist. Das Erste, was ich begriff, war, daß man dazu die in Europa übliche Moral nicht gebrauchen kann, von der freilich die Philosophen und Moralisten Europa’s meinen, es sei die Moral selber und allein—ein solches Philosophen-Unisono ist in der That der beste Beweis dafür, daß jene Moral wirklich herrscht.— Denn diese Moral ist der eigentliche Heerden-Instinkt, welcher Behagen, Ungefährlichkeit, Leichtigkeit des Lebens ersehnt und als letzten hintersten Wunsch sogar den hat, aller Führer u Leithammel entrathen zu können. Ihre beiden am besten gepredigten Lehren heißen: “Gleichheit der Rechte” und “Mitgefühl für alles Leidende”—und das Leiden selbst wird von allen Heerden-Thieren als etwas genommen, das man abschaffen muß. Wer aber darüber nachdenkt, wo und wie die Pflanze Mensch bisher am kräftigsten und schönsten emporwuchs, wird im Gegensatz zur europäischen Heerden-Moral und Geschichts-Fälscherei so viel aus der Geschichte entnehmen, daß dazu die Gefährlichkeit seiner Lage gesteigert, sein Erfindungs- und Verstellungsgeist durch langen Druck und Zwang herausgefordert werden muß, und daß folglich Härte, Grausamkeit, Verschwiegenheit, Ungemüthlichkeit, Ungleichheit der Rechte, Krieg, Erschütterung aller Art, kurz der Gegensatz aller Heerden-Ideale noth thut. Daß eine Moral mit solchen umgekehrten Absichten nur in Anknüpfung an das bestehende Sittengesetz und unter dessen Worten und Prunkmantel gelehrt werden könne und angepflanzt werden könne, daß also viele Übergangs- und Täuschungsformen zu erfinden sind, und daß, weil das Leben Eines Menschen viel zu kurz zur Durchführung eines so langwierigen Willens ist, Menschen angezüchtet werden müssen, in denen einem solchen Willen Dauer durch viele Generationen verbürgt wird: dies begreift sich so gut als das lange nicht leicht aussprechbare Und-so-weiter dieser Gedanken. Eine Umkehrung der Werthe bei einer bestimmten starken Art von Menschen vorherbereitend und unter ihnen eine Menge im Zaum gehaltener und verläumdeter Instinkte zu entfesseln: darüber nachdenkend erwog ich, welche Art Mensch unwillkürlich und unbewußt schon der also gestellten Aufgabe bisher gearbeitet hat. Ich fand die Pessimisten, indem ihre Unzufriedenheit mit Allem sie auch zur Unzufriedenheit mit dem Gegenwärtigen mindestens logisch nöthigt: deshalb begünstigte ich Schopenhauer und die langsam über Europa aufdämmernde Kenntniß der indischen Philosophien. Auch ein Alpdruck ist ein Mittel, Menschen plötzlich aufzuwecken.— Insgleichen hatte ich ein Wohlgefallen an gewissen unersättlich-dualistischen Künstlern, welche wie Byron unbedingt an die Vorrechte höherer Menschen glauben und unter der Verführung der Kunst bei ausgesuchten Menschen die Heerden-Instinkte übertäuben und die entgegengesetzten wachrufen. Drittens ehrte ich die Philologen und Historiker, welche die Entdeckung des Alterthums fortsetzten, weil in der alten Welt eine andere Moral geherrscht hat als heute und in der That der Mensch damals unter dem Banne seiner Moral stärker böser und tiefer war: die Verführung, welche vom Alterthum her auf stärkere Seelen ausgeübt wird, ist wahrsch die feinste und unmerklichste aller Verführungen.
Diese ganze Denkweise nannte ich bei mir selber die Philosophie des Dionysos: eine Betrachtung, welche im Schaffen Umgestalten des Menschen wie der Dinge den höchsten Genuß des Daseins erkennt und in der “Moral” nur ein Mittel, um dem herrschenden Willen eine solche Kraft und Geschmeidigkeit zu geben, dergestalt sich der Menschheit aufzudrücken. Ich betrachte Religionen und Erziehungs-systeme darauf hin, wie weit sie Kraft ansammeln und vererben; und nichts scheint mir wesentlicher zu studiren, als die Gesetze der Züchtung, um nicht die größte Menge von Kraft wieder zu verlieren, durch unzweckmäßige Verbindungen und Lebensweisen.
34 [177]
Ich bin abgeneigt 1) dem Socialismus, weil er ganz vom Heerden-Blödsinn des “Guten Wahren Schönen” und von gleichen Rechten träumt: auch der Anarchismus will, nur auf brutalere Weise, das gleiche Ideal 2) Parlamentarismus und Zeitungswesen, weil dies die Mittel sind, wodurch das Heerdenthier sich zum Herrn macht.
34 [178]
Mein Augenmerk darauf, an welchen Punkten der Geschichte die großen M hervorspringen. Die Bedeutung langer despotischer Moralen: sie spannen den Bogen, wenn sie ihn nicht zerbrechen.
34 [179]
Daß es eine Entwicklung der ganzen Menschheit gäbe, ist Unsinn: auch gar nicht zu wünschen. Das viele Gestalten am Menschen, die Art Vielartigkeit des Menschen herauszuholen, ihn zu zerbrechen, wenn eine Art von Typus ihre Höhe gehabt hat—also schaffend und vernichtend sein—dünkt mich der höchste Genuß, den Menschen haben können. Plato war gewiß nicht so beschränkt, als er die Begriffe als fest und ewig lehrte: aber er wollte, daß dies geglaubt werde.
34 [180]
Nicht mehr Vernunft in die ganze Geschichte des Menschen legen als in der übrigen Welt ist: Vieles ist möglich, aber man darf es nicht auf zu lange wollen. Der Zufall zerbricht alles wieder.
Der Mensch als ein Schauspiel: das ist der historische Sinn—aber er enthält ein gefährliches Element, der Mensch lernt sich fühlen als der Gestaltende, welcher nicht nur zusieht und zusehen will. Der Deutsche
— es versteht sich, daß öffentlich und heimlich von allen organischen Grund-Absichten des M nur unter tausend Maskeraden geredet wird: man lese eine Rede Bismarcks. NB.— der geistige Mensch, der bisweilen hinter die Masken gesehen hat und zu sehen versteht, der überhaupt begriffen hat, wie sehr alles Maske ist—ist billigerweise darüber in bester Laune. Geistigkeit ist der Kitzel eines ewigen Carnevals, sei es nun, daß wir selber dabei mitspielen oder nur gespielt werden.
— der historische Sinn und der geographisch-klimatische Exotismus neben einander.
34 [181]
So will ich, als ein müssiger Mensch, der nichts Besseres zu thun hat, meinen Freunden einmal erzählen, was ich mir unter der Philosophie des Dionysos denke: denn daß auch Götter philosophiren, scheint mir eine würdige und fromme Vorstellung, an der auch der Gläubigste noch seine Freude haben kann. Ich werde vielleicht, dem Geschmacke meiner Freunde nach, in der Freimüthigkeit meiner Erzählung zu weit gehn: dieser Gott selber aber ist, im Zwiegespräch mit mir, viel weiter gegangen und ich würde, falls ich ihm schöne heuchlerische Prunknamen zulegen dürfte, viel Rühmens von meinem Muthe, von meiner Ehrlichkeit Wahrhaftigkeit Redlichkeit “Liebe zur Wahrheit” und dergleichen, zu machen haben. Aber mit allem diesem schönen Plunder und Prunk weiß ein solcher Gott nichts anzufangen—zu meiner Rechtfertigung genügen zwei Worte, welche man freilich in Deutschland nicht leicht “ins Deutsche” übersetzt: gai saber.
Behalte dies doch für dich und deinesgleichen: ich habe keinen Grund, meine “Blöße” zu decken. Genug, es ist eine ganz unverschämte Art von Gottheit.
Es war Frühling, und alles Holz stand in jungem Safte: als ich so durch den Wald gieng und über eine Kinderei nachdachte, schnitzte ich mir eine Pfeife zurecht, ohne daß ich recht wußte, was ich that. Sobald ich aber sie zum Mund führte und pfiff, erschien der Gott vor mir, den ich seit langem schon kenne.
Nun, du Rattenfänger, was treibst du da? Du halber Jesuit und Musikant—, beinahe ein Deutscher!
Ich wunderte mich, daß mir der Gott auf diese Art zu schmeicheln suchte: und nahm mir vor, gegen ihn auf der Hut zu sein.
Ich habe alles gethan, sie dumm zu machen, ließ sie in Betten schwitzen, gab ihnen Klöße zu fressen, hieß sie trinken, bis sie sanken, machte sie zu Stubenhockern und Gelehrten, gab ihnen erbärmliche Gefühle einer Bedientenseele ein
Du scheinst mir Schlimmes im Schilde zu führen, die M zu Grunde zu richten?
Vielleicht, antwortete der Gott; aber so, daß dabei Etwas für mich herauskommt.
— Was denn? fragte ich neugierig. —
Wer denn? solltest du fragen. Also sprach zur mir Dionysos.
34 [182]
Dionysos.
Versuch einer göttlichen Art, zu
philosophiren.
Von
Friedrich Nietzsche
34 [183]
Wie kommt es doch, daß die Weiber ihre Kinder lebendig gebären? Ich meinte immer, die armen Thiere müßten, bei der geringen Beschaffenheit ihrer Widerstands-Kräfte, erstickt zur Welt kommen. Die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, wie geschrieben steht: oder, wie sind lebendige Kinder a priori möglich?— Und indem ich so fragte, erwachte ich völlig aus meinem dogmatischen Schlummer, gab dem Gotte einen Stoß vor den Bauch, und fragte, mit dem Ernste eines Chinesen aus Königsberg: “In summa: wie sind synthetische Urtheile a priori möglich?” “Durch ein Vermögen dazu” antwortete der Gott und hielt sich den Bauch.
34 [184]
Hegel: die Neigung der Deutschen sich selber zu widersprechen—daraus eine Gothik,
Wagner: der kein Ende finden wußte und auch dies zu einem Princip machte: auch eine Gothik.
34 [185]
Nicht die wirkliche historische Bedeutung Kants fälschen! Er selber war stolz auf seine Kategorientafel und das Vermögen dazu entdeckt zu haben: seine Nachfolger waren stolz darauf, solche Vermögen zu entdecken, und der Ruhm der deutschen Philosophie im Auslande bezog sich darauf: namentlich die intuitive und instinktive Erfassung der “Wahrheit” war es, was den Ruhm der Deutschen machte. Ihre Wirkung gehört unter die große Reaction. Eine Art Ersparnis von wissenschaftlicher Arbeit, ein direkteres Zuleibegehn an die “Dinge” selber—eine Abkürzung des Weges der Erkenntniß: dieser Traum berauschte!— In der Hauptsache bringt Schopenhauer dasselbe Entzücken hervor: nur nicht bei zufriedenen spinozistisch gesinnten M sondern bei Unzufriedenen: er packt “den Willen” oder vielmehr die Velleität die “Willelei” die Begehrlichkeit oder Sinn und Verstand
34 [186]
“Gelassen hingestützt auf Grazien und Musen” Schiller “die Künstler.”
34 [187]
Die Entwicklung des Bewußtseins als eines Regierungs-Apparates: nur für die Verallgemeinerungen zugänglich. Schon das, was das Auge zeigt, kommt in’s Bewußtsein als verallgemeinert und zurechtgemacht.
34 [188]
Vorrede: die Rangordnung der Menschen.
1. Erkenntniß als Wille zur Macht.
2. Jenseits von Gut und Böse
3. Die versteckten Künstler.
4. Die große Politik.
5. Der Hammer.
34 [189]
die Sinnlichkeit, welche bei kleinen blassen Juden oder Parisern so lächerlich erscheint, und beinahe comme une neurose —
34 [190]
im vorigen Jahrhundert bekam die bonté das gute Gewissen auf ihre Seite, welches lange bei ganz anderen Gefühlen war
34 [191]
Mittag und Ewigkeit.
Eine Philosophie der ewigen Wiederkunft.
Von
Friedrich Nietzsche.
| Vorrede: | von der menschlichen Rangordnung. |
| Erster Theil: | Wissen und Gewissen. |
| Zweiter Theil: | Jenseits von Gut und Böse. |
| Dritter Theil: | Die versteckten Künstler. |
| Vierter Theil: | hohe Politik. |
| Fünfter Theil: | der Hammer (oder Dionysos). |
34 [192]
Vorrede. Für wen?
Das Erfinderische.
Der Umfang der Seele.
Die Tiefe.
Die Kraft der Verwandlung.
Die befehlende Kraft.
Die Härte.
Das Wissen: Lust des Eroberers
Die große Verantwortlichkeit.
Die Kunst der Masken. Transfiguration.
Die Kraft der Mittheilung.
— das Dionysische —
34 [193]
Die Skeptiker der Moral erwägen nicht, wie viel moralische Werthschätzung sie in ihrer Skepsis tragen: ihr Zustand ist beinahe ein Selbstmord der Moral und vielleicht sogar eine Verklärung derselben.
34 [194]
Woher sollen wir die Werthschätzungen nehmen? Vom “Leben”? Aber “höher, tiefer, einfacher, vielfacher”—sind Schätzungen, welche wir erst ins Leben legen. “Entwicklung” in jedem Sinne ist immer auch ein Verlust, eine Schädigung; selbst die Spezialisirung jedes Organs. Die Optik der Selbst-Erhaltung und des Wachsthums.
Optik des Wachsthums.
Daß die Zerstörung einer Illusion noch keine Wahrheit ergiebt, sondern nur ein Stück Unwissenheit mehr:
Wissen und Gewissen.
Eine Moral für Moralisten.
Von
Felix Fallax.
34 [195]
Die Philosophen 1) hatten von jeher das wunderbare Vermögen zur contradictio in adjecto.
2) sie trauten den Begriffen ebenso unbedingt als sie den Sinnen mißtrauten: sie erwogen nicht, daß Begriffe und Worte unser Erbgut aus Zeiten sind, wo es in den Köpfen sehr dunkel und anspruchslos zugieng.
NB. Was am letzten den Philosophen aufdämmert: sie müssen die Begriffe nicht mehr sich nur schenken lassen, nicht nur sie reinigen und aufhellen, sondern sie allererst machen, schaffen, hinstellen und zu ihnen überreden. Bisher vertraute man im Ganzen seinen Begriffen, wie als einer wunderbaren Mitgift aus irgend welcher Wunder-Welt: aber es waren zuletzt die Erbschaften unserer fernsten, ebenso dümmsten als gescheutesten Vorfahren. Es gehört diese Pietät gegen das, was sich in uns vorfindet, vielleicht—zu dem moralischen Elemente im Erkennen.— Zunächst thut die absolute Scepsis gegen alle überlieferten Begriffe noth (wie sie vielleicht schon einmal Ein Philosoph besessen hat—Plato: natürlich das Gegentheil gelehrt — —)
34 [196]
Hier kommt eine Philosophie—eine von meinen Philosophien—zu Worte, welche durchaus nicht “Liebe zur Weisheit” genannt sein will, sondern sich, aus Stolz vielleicht, einen bescheidneren Namen ausbittet: einen abstoßenden Namen sogar, der schon seinerseits dazu beitragen mag, daß sie bleibt, was sie sein will: eine Philosophie für mich—mit dem Wahlspruch: satis sunt mihi pauci, satis est unus, satis est nullus.— Diese Philosophie nämlich heißt sich selber: die Kunst des Mißtrauens und schreibt über ihre Haustür:.
34 [197]
Ihr demonstrirt aus dem Elend des Weibs heraus, daß man seine Lage verbessern müsse: aber ich wollte, ihr thätet es auf Grund seiner besseren Lage und Kraft
34 [198]
Die großen Tugenden, die Verantwortlichkeit.
“Die Guten” als ein Hintergrund der demokratischen socialistischen Bewegung.
34 [199]
| 1) | Zarathustra gefangen — Anklagerede gegen ihn, als Verführer großer Gegensatz zwischen der ungeheuren Unsicherheit und dem kleinen Menschen Zarathustra preist die Entronnenen (große Krisis bei ihm) er überredet die Väter zu einem Gedächtniß-feste Hinzuströmen aller Aristokraten von allen Enden der Erde Zuletzt kommen die Kinder selber. |
| 2) | die Rangordnung der Menschen: er scheidet die Hinzuströmenden nach Gruppen von sich ab, er bezeichnet zugleich damit die Grade der Erziehung des Menschen (durch Generationen) |
| 3) | Vor der kleinsten Auswahl: die Gesetzgeber der Zukunft, mit den großen Tugenden (Verantwortlichkeit), der Hammer. |
| 4) | der Abschied: die Wiederkunft als Religion der Religionen: tröstlich. |
| Zarathustra gefangen, kritisirt die Lage der Entronnenen. es strömt hinzu (zugleich sein Publicum abscheidend) zuletzt kommt die Schaar. |
| Die Rangordnung als Stufen der Erziehung des Menschen (durch viele Generationen) |
| die höchsten Gesetzgeber, mit dem Hammer. Darstellung der großen Tugenden. |
| der Abschied. |
34 [200]
Der Philosoph hat viele Vordergrund-Tugenden nöthig und namentlich prunkvolle Worte: wie Wahrhaftigkeit, Redlichkeit, Liebe zur Wahrheit.
34 [201]
Der Gesetzgeber der Zukunft.
die menschliche Rangordnung.
Jenseits von Gut und Böse.
Der Philosoph als Künstler.
Dionysos.
34 [202]
Die Herren der Erde.
Gedanken über Heute und Morgen.
Von
Friedrich Nietzsche.
34 [203]
Der Zustand Europa’s im nächsten Jahrhundert wird die männlichen Tugenden wieder heranzüchten: weil man in der beständigen Gefahr lebt. Die “allgemeine Militär-Pflicht” ist schon heute das sonderbare Gegengift gegen die Weichlichkeit der demokratischen Ideen: erwachsen aus dem Kampf der Nationen (Nation—Menschen, die Eine Sprache sprechen und dieselben Zeitungen lesen, heißen sich heute “Nationen” und wollen gar zu gern auch, gemeinsamer Abkunft und Geschichte sein: was aber auch bei der ärgsten Fälscherei der Vergangenheit nicht gelungen ist.)
34 [204]
Meine Freunde, womit bin ich doch seit vielen Jahren beschäftigt? Ich habe mich bemüht, den Pessimismus in die Tiefe zu denken, u aus der halb christlichen, halb deutschen Enge und Einfalt zu erlösen, in der er mir, in der Philosophie Schopenhauers, zuerst entgegentrat: so daß der Mensch dieser Denkweise auch dem höchsten Ausdruck des Pessimismus gewachsen ist. Ich habe insgleichen ein umgekehrtes Ideal gesucht—eine Denkweise, welche die übermüthigste lebendigste und weltbejahendste aller möglichen Denkweisen ist: ich fand sie im Zuendedenken der mechanistischen Weltbetrachtung; es gehört wahrlich der allerbeste humor von der Welt dazu, um eine solche Welt der ewigen Wiederkunft, wie ich sie durch meinen Sohn Z gelehrt habe—also uns selber in ewigem da capo mit begriffen—auszuhalten. Schließlich ergab sich für mich, daß die weltverneinendste aller möglichen Denkensarten die ist, welche das Werden, Entstehen und Vergehen an sich schon schlecht heißt und welche nur das Unbedingte, Eine, Gewisse, Seiende bejaht: ich fand, daß Gott der vernichtendste und lebensfeindlichste aller Gedanken ist, und daß nur durch die ungeheuerliche Unklarheit der lieben Frommen und Metaphysiker aller Zeiten die Erkenntniß dieser “Wahrheit” so lange hat auf sich warten lassen.
Man vergebe mir, daß ich selber ganz und gar nicht Willens bin, auf eine dieser beiden Denkweisen zu verzichten—ich müßte denn auf meine Aufgabe verzichten, welche entgegengesetzte Mittel braucht. Es ist, zum Zugrunderichten oder zum Verzögern und Vertiefen von Menschen und Völkern, zeitweilig (unter Umständen für ein Paar Jahrtausende), eine pessimistische Denkweise vom höchsten Werthe; und wer im großen Sinne die Ansprüche des Schaffenden erhebt, wird auch die Ansprüche des Vernichters erheben und vernichtende Denkweisen unter Umständen lehren müssen. In diesem Sinne heiße ich das bestehende Christenthum und den Buddhismus, die beiden umfänglichsten Formen jetziger Welt-Verneinung, willkommen; und, um entartenden und absterbenden Rassen z. B. den Indern, und den Europäern von heute den Todesstich zu geben, würde ich selber die Erfindung einer noch strengeren, ächt nihilistischen Religion oder Philosophie in Schutz nehmen.
Nach dem, was ich vorher sagte, lasse ich wohl Niemanden darüber in Zweifel, welche Bedeutung ich in einer solchen Religion dem Gedanken “Gott” beilegen würde.— Die besten Nihilisten unter den Philosophen waren bisher die Eleaten. Ihr Gott ist die beste und gründlichste Darlegung vom buddhistischen Nirvana; Sein und Nichts ist da identisch.
34 [205]
Was Richard Wagner betrifft: so habe ich die Enttäuschung vom Sommer 1876 nicht überwunden, die Menge des Unvollkommenen, am Werke und am Menschen, war mir auf Ein Mal zu groß;—ich lief davon. Später begriff ich, daß die gründlichste Loslösung von einem Künstler die ist, daß man sein Ideal geschaut hat. Nach einem solchen Blicke, wie ich ihn in jungen Jahren gethan habe—Zeugniß ist meine übrig gebliebene kleine Schrift über Richard Wagner—blieb mir nichts übrig, als, knirschend und außer mir, von dieser unausstehlichen “Wirklichkeit”—wie ich sie mit Einem Male sah—Abschied zu nehmen.— Daß er, alt geworden, sich verwandelte, geht mich nichts an: fast alle Romantiker dieser Art enden unter dem Kreuze—ich liebte nur den Wagner, den ich kannte, d. h. einen rechtschaffnen Atheisten und Immoralisten, der die Figur Siegfrieds, eines sehr freien Menschen, erfunden hat. Seither hat er noch, aus dem bescheidenen Winkel seiner Bayreuther Blätter heraus, genugsam zu verstehen gegeben, wie hoch er das Blut des Erlösers zu schätzen wisse, und—man hat ihn verstanden. Viele Deutsche, viele reine und unreine Thoren aller Art glauben seitdem erst an R W als ihren “Erlöser.” Dies geht mir Alles wider den Geschmack. —
Es versteht sich von selber, daß ich Niemandem so leicht das Recht zugestehe, diese meine Schätzung zur seinigen zu machen; und allem unehrerbietigen Gesindel, wie es am heutigen Leibe der Gesellschaft gleich Läusen wimmelt, soll es gar nicht erlaubt sein, einen solchen großen Namen, wie der R Ws ist, überhaupt in das Maul zu nehmen, weder im Lobe, noch im Widerspruche.
34 [206]
Jahrmarkts-Jahrhundert.—
34 [207]
Der Gesetzgeber der Zukunft.
Charakteristik Europa’s als verfallend. Jahrmarkt.
Die große Ebbe seit Jahrtausenden in der Erfindung von Werthen.
Meine zeitweilige Ermuthigung durch die Musik: was ich unter “dionysisch” verstand. R W.
Die Loslösung von der Moral.
Pessimismus zu Ende denken und ebenso den Optimismus.
| Die Deutschen. | Hartmann Dühring Bismarck R W |
34 [208]
NB. “Der Kampf um’s Dasein”—das bezeichnet einen Ausnahme-Zustand. Die Regel ist vielmehr der Kampf um Macht, um “Mehr” und “Besser” und “Schneller” und “Öfter.”
34 [209]
diese unsere Welt von heute, unser Zeitalter des großen Bumbum, welches, mit seinem Jahrmarkts-Geschmack, selbst an Ereignissen das Ungeheure, Lärmendere gelten läßt und schließlich: solche Ereignisse hervorbringt
34 [210]
Giebt es denn ein 19. Jahrhundert? Oder nicht vielmehr nur ein verdünntes verdummtes und schrecklich in die Länge gezogenes achtzehntes? Was ist denn Großes geschehen, und geschaffen, was nicht vor 1800 geschehen und geschaffen ist? Obschon manche Frucht, die im 18. Jahrhundert wuchs und reifte, erst in diesem vom Baum gefallen ist. Nehmt die französische Revolution und Napoleon hinweg aus der Politik—damit nehmt ihr die Demokratie und die, den französischen Sensualismus und Hedonismus, nebst deutsch-englischem Scepticismus, aus der Philosophie
34 [211]
Der mächtige Nachklang der tragischen Ereignisse jener französischen Generation der dreißiger und vierziger Jahre, zu der auch, mit richtigem Instinkt, sich Richard Wagner gesellt, jene prachtvolle und krankhafte Art von Unersättlichen, welcher Beethoven in Tönen Byron in Worten präludirte: die Wirkung des Ungeheuren auf M, deren Nerven- und Willenskraft schon zu schwach dafür war
34 [212]
| — | das große Silentium—im Jahrmarkts-Zeitalter |
| — | die Segnung der Gesetzgeber (auch “ihr sollt euch Feinde sein”) |
| — | aus der Seele ihrer Entwicklung: wie sie ihrer ungeheuren Aufgabe entlaufen wollen. |
| — | Analyse des Heerdenthieres. Man muß mehr Menschen opfern, als je für Kriege |
| — | die großen schauerlichen Gedenkfeste. |
| — | Mitgefühl mit den großen Menschen aller Zeiten, uns nicht hinab steigen lassen! |
| — | da es keinen Gott mehr giebt, ist die Einsamkeit nicht mehr zu ertragen: der hohe Mensch muß an’s Werk. |
| — | wollt ihr den Leib, die Sinne usw. |
| — | Lob der kühlen Vernunft, als Labsal für Menschen des Labyrinths |
| — | der Herr vieler Philosophien, mächtig zum tiefsten Pessimismus und höchster Welt-Verklärung. |
| — | die Melancholiker haben die Heiterkeit nöthig. |
34 [213]
Gai saber.
Versuch einer göttlichen Art zu
philosophiren.
Von
Friedrich Nietzsche.
| 1. Wissen und Gewissen. |
| 2. Moral für Moralisten. |
| 3. Gedanken über Heute und Morgen. |
| 4. Von der Rangordnung. |
34 [214]
Selbst-Verklärung.
Die Guten und die Bösen
Das 20. Jahrhundert.
34 [215]
Eugen Dühring, mit allen Tugenden und Fehlern eines Stubengelehrten und Pöbel-Manns geziert, wozu auch der schlechte Geschmack aller seiner Attitüden gehört.
34 [216]
NB. A) Es giebt Stunden, sehr helle lustige Feststunden des guten Gewissens, wo wir das ganze prachtvolle Geschwätz der bisherigen Menschen von der Moral nicht anders zu bezeichnen wissen, als mit den Worten: “höherer Schwindel.”
Die Reichs-Narrheit
B) Die Unwissenheit in allem unserem Loben und Tadeln, Schätzen und Verurtheilen, Lieben und Hassen macht Scham: das ist das Leiden jedes tiefen Menschen. Noch einen Schritt weiter: und auch diese Scham macht Scham: und endlich—lachen wir uns aus.
34 [217]
NB. Wir stehen mitten drin zu entdecken, daß der Augenschein und die nächste beste Wahrscheinlichkeit am wenigsten Glauben verdienen: überall lernen wir die Umkehrung: z. B. daß die geschlechtliche Zeugung im Reiche alles Lebendigen nur der Ausnahme-Fall ist: daß das Männchen im Grunde nichts mehr als ein entartetes verkommendes Weibchen ist:—oder daß alle Organe an thierischen Wesen ursprünglich andere Dienste geleistet haben als die, auf Grund deren wir sie “Organe” nennen: überhaupt daß alles anders entstanden ist als seine schließliche Verwendung zu vermuthen giebt. Die Darstellung dessen, was ist, lehrt noch nichts über seine Entstehung: und die Geschichte der Entstehung lehrt noch nichts über das, was da ist. Die Historiker aller Art täuschen sich darin fast allesammt: weil sie vom Vorhandenen ausgehn und rückwärts blicken. Aber das Vorhandene ist etwas Neues und ganz und gar nicht Erschließbares: kein Chemiker könnte voraussagen, was aus 2 Elementen bei ihrer Einigung würde, wenn er es nicht schon wüßte!
34 [218]
NB. Es ist gar nicht möglich, daß ein Mensch nicht die Eigenschaften seiner Eltern und Voreltern habe: was auch der Augenschein dagegen sagt. Gesetzt, man kennt Einiges von den Eltern, so ist ein Schluß auf das Kind erlaubt: so wird z. B. irgend eine viehische Unenthaltsamkeit, irgend ein tölpelhafter Neid—Beides zusammen macht den pöbelhaften Typus aus—auf das Kind übergehen müssen, so sicher wie verderbtes Blut, und das Kind wird Mühe haben, solche Vererbung zu verhehlen. Daher das Talent zum Schauspieler in den Menschen niederer Abkunft größer ist, als bei Vornehmen: und ebenso die Tartüfferie der “Tugend.”
34 [219]
Jenen oberflächlichen und tölpelhaften Gelehrten, welche unverschämt genug sind, sich als “freie Geister” zu fühlen, gilt alles als Feigheit oder Verrath an der Wahrheit, Schwächlichkeit des Willens, was zur Krankheits-Geschichte der höheren Menschen gehört: jenes Sich-Unterwerfen, Vor-sich-Furcht-haben
34 [220]
Die christlichen Gefühle mit der griechischen Schönheit und womöglich noch mit dem modernen Parlamentarismus zu versöhnen—das mag sich heute etwa in Rom “Philosophie” nennen.— Dazu ist viel Feinheit im Kopfe nöthig und andererseits viel mehr Schwärmerei.
34 [221]
Das Beste, was Deutschland gegeben hat, kritische Zucht—Kant, F. A. Wolf, Lessing, Niebuhr usw. Abwehr des Scepticismus—Strenge und beherzter Muth, die Sicherheit der Hand, welche das Messer führt, Lust am Neinsagen und Zergliedern. Gegenbewegung: die Romantik, mit Richard Wagner als letztem Romantiker synthetisch,
34 [222]
NB. Die Verschiedenheit der Menschen ist so groß.
Die Urtheile, welche ich bisher in meinem ganzen Leben über Menschen gehört habe, die ich kannte, lagen gewöhnlich so weit von dem ab, was ich bei mir selber für wahr hielt, daß ich endlich für meinen Hausgebrauch die Maxime machte: “es ist indiscret, über Menschen nicht zu lügen.” Sonderlich macht es mir Verdruß, daß etwas, dessentwegen mir ein M gefällt, sobald ich es mit Namen nennen wollte, sofort auch seinem “Rufe” Schaden bringen würde.
34 [223]
NB. Grundsatz: es giebt etwas wie Verfall in allem, was den modernen Menschen anzeigt: aber dicht neben der Krankheit stehen Anzeichen einer unerprobten Kraft und Mächtigkeit der Seele. Dieselben Gründe, welche die Verkleinerung der Meinsten hervorbringen, treiben die Stärkeren und Selteneren bis hinauf zur Größe.
34 [224]
Oh Teufel über das Gequack! Die Deutschen prahlen wieder einmal mit ihrer berühmten “deutschen Tugend,” von der die Historie schlechterdings nichts weiß. Am schlimmsten treiben es einige Antisemiten, hinzugezählt was am Sumpfe des Bayreuther Meisters sitzen geblieben ist.
34 [225]
Wahlspruch: ich habe keine Zeit für mich,—vorwärts!
34 [226]
NB. Sphinx.
Reduktion auf das Urtheil: “dies ist nicht wahr.” Folgt der Imperativ: “folglich darfst du es nicht für wahr halten!” Oder heißt es wirklich: “folglich kannst du es nicht mehr für wahr halten”?— Nun sehen wir fortwährend z. B. den Sonnen-Auf- und Untergang und glauben, was wir als unwahr wissen. Ganz so steht es überall. Ein “du darfst nicht” wäre ein Imperativ, der das Leben verneinte. Folglich muß man betrügen und sich betrügen lassen.
34 [227]
Jenen R W, welchen man heute in Deutschland verehrt und mit all dem prahlerischen Plunder der schlimmsten Deutschthümelei verehrt: jenen R W kenne ich nicht, ja—daß ich meinen Verdacht ausspreche—den hat es nie gegeben: das ist ein Phantom.
34 [228]
Zum schlechten Geschmack der heutigen D rechne ich: die tugendhafte Deutschthümelei, welche die Geschichte gegen sich hat und die Scham gegen sich haben sollte
34 [229]
NB. Grundirrthum aller Historiker: die facta sind alle viel kleiner als daß sie zu fassen wären.
34 [230]
Der Versucher.
Es giebt vielerlei Augen. Auch die Sphinx hat Augen: und folglich giebt es vielerlei “Wahrheiten,” und folglich giebt es keine Wahrheit.
34 [231]
Die feinste beweglichste Geistigkeit mit hunderttausend Fühlhörnerchen, durch jeden Anhauch geformt und fortgeblasen, bei völliger Zersplitterung des Willens—ist etwas sehr Lächerliches. Wie bei den feinen Parisern, welche seufzen, weil alles auf sie einstürmt.
34 [232]
Als ich jung war, bin ich einer gefährlichen Gottheit begegnet, und ich möchte Niemandem das wieder erzählen, was mir damals über die Seele gelaufen ist—sowohl von guten als von schlimmen Dingen. So lernte ich bei Zeiten schweigen, so wie, daß man reden lernen müsse, um recht zu schweigen: daß ein Mensch mit Hintergründen Vordergründe nöthig habe, sei es für Andere, sei es für sich selber: denn die Vordergründe sind Einem nöthig, um von sich selber sich zu erholen, und um es Anderen möglich zu machen, mit uns zu leben.
34 [233]
Zeichen des unwissenschaftlichen Menschen: er hält eine Meinung für wahr, wenn sie ihm schmeichelt, und er sich in ihrem Lichte gut ausnimmt.
34 [234]
NB. Es ist immer noch nicht der Gegen-Beweis dafür erbracht, ob gut sein nicht ein Zeichen geistiger Rückbildung ist und ob Tugend, als Gefühl und Hochgefühl, nicht zu den Symptomen beginnenden Blödsinns, mindestens zu seinen Anfällen gehört. Wir finden bei einem Überblick der Geschichte die geistige Rückbildung überall, wo das Heerdenthier Mensch zum Übergewicht kommt, und dem einzeln oder rudelweise schweifenden Raubthier Mensch die Bedingungen des Lebens erschwert werden: wir finden immer an demselben Punkte der Entwicklung die “guten” Menschen. Bei allen Völkern “dumm bis zur Heiligkeit.”
34 [235]
NB. Jede Moral ist eine Gewohnheit der Selbst-Verherrlichung: vermöge deren eine Art von Mensch ihrer Art und ihres Lebens froh wird: sie wehrt den Einfluß von Menschen anderer Art damit von sich ab, daß sie dieselben als “unter sich” fühlt.
34 [236]
NB. Daß ein Weib vieles zu Kleine und Wunderliche beständig im Kopf haben muß und sich neben den Aufgaben der Männer nothwendig als komisch empfindet—die häßlichen Frauen abgerechnet, welchen viele Sorgen erspart sind in Küche Bett und Kinderstube und neuerdings Bücher “legen” wie eine Henne Eier legt—, und daß allen unternehmenden und tiefen Männern es eine Wohlthat ist, Wesen zu begegnen, welche oberflächlich heiter und zu angenehmen Begierden anstellig sind, damit der düstere Anschein des Lebens sich ihnen mildere. Man muß es in aller Tiefe nachempfinden, welche Wohlthat das Weib ist.
34 [237]
Antisemiten und anderes in den Grund verlogenes Gesindel, das die großen Worte nöthig hat, vor sich selber mehr noch als vor aller Welt
34 [238]
Und lieber gleich einer schwarzen halbzerstörten Feste allein auf seinem Berge sitzen, nachdenklich und still genug; also daß sich die Vögel selbst vor dieser Stille fürchten:
34 [239]
Daß es moralisch ist, zu thun, was unser Interesse erheischt, das suchen die Engländer sich zu beweisen, von Bentham an, der es von Helvetius übernommen hat. Und das allein soll Moral sein, und darauf hin soll die Moral entstanden sein. Was, historisch, ganz unsinnig ist: und auch jetzt geht der Geschmack dagegen. Umgekehrt: früher suchten alle Philos zu beweisen, daß neminem laede, immo omnes quantum potes juva das Fundament der Ethik sei, welches man wie den Stein der Weisen seit Jahrtausenden sucht.— Daß das thatsächliche Verhalten der Menschen moralisch sei, suchen sich die Engländer zu überreden. Daß der Heerden-Instinkt die Moral selber und allein sei, ehemals — —
Wichtig NB.— von Helvetius an!
34 [240]
Das Problem “Mensch.”
Von
Friedrich Nietzsche.
| 1. | Der Irrweg der Philosophen. |
| 2. | Der Irrweg der Moral-Prediger. |
| 3. | Die Rangordnung der Menschen. wonach? wie sehr sie die Kraft haben, die furchtbare Naturthatsache M zu ertragen und trotzdem — |
| 4. | Das Problem—wohin? Es bedarf eines neuen Terrorismus. |
34 [241]
NB. Wie viele falsche Ausdeutungen der Dinge hat es schon gegeben! Man erwäge, was alle Menschen sich vom Verband der Ursachen und Wirkungen denken müssen, welche beten: denn Niemand wird uns überreden, aus dem Gebet das Element “Bitte” und den Glauben, daß es Sinn hat zu bitten, daß es “erhört” werden könne—wegzustreichen. Oder jene andere Ausdeutung, in der die Schicksale eines Menschen ihm “geschickt” sind zu seiner Besserung, Ermahnung, Bestrafung, Warnung; oder jene dritte Ausdeutung, daß im Verlaufe der Dinge selber Recht und Gerechtigkeit liege, und hinter allem causalen Geschehen noch eine Art von kriminalistischem Hinter-Sinn.— So könnte auch die gesammte moral Ausdeutung unseres Handelns nur ein ungeheures Mißverständniß sein: wie es ganz ersichtlich die moral Ausdeutung alles natürlichen Geschehens gewesen ist.
34 [242]
Ein rechtlicher besonnener mildherziger tüchtiger M, ein Mann mit dem “Herzen am rechten Flecke”—es thut uns wohl, in seiner Nähe zu sein. Aber warum sollte dieser ungefährliche M, welcher uns wohlthut, mehr für uns werth sein, als der gefährliche, unerkennbare, unberechenbare, welcher uns zwingt auf der Hut zu sein? Unser Wohlgefühl beweist nichts. Frage: ob es unter den großen M je einen von der geschilderten ungefährlichen Art gegeben hat?
34 [243]
NB. Der Mensch der höchster Geistigkeit und Kraft fühlt sich jedem Zufalle gewachsen, aber auch ganz in den Schneeflocken der Zufälle darin; er leugnet die Vernünftigkeit in jedem Nacheinander und zieht das Zufällige darin mit Spott ans Licht.— Ehemals glaubte man nur an Zwecke: es ist eine Vertauschung eines Irrthums mit einem anderen, daß man heute nur an causae efficientes glaubt. Es giebt weder causae finales, noch efficientes: in Beidem haben wir einen falschen Schluß aus einer falschen Selbstbeobachtung gemacht: 1) wir glauben, durch Wollen zu wirken 2) wir glauben mindestens, zu wirken. Freilich: ohne diesen Glauben gäbe es nichts Lebendiges: braucht er deshalb aber schon—wahr zu sein?
34 [244]
NB. “Erkennen” ist der Weg, um es uns zum Gefühl zu bringen, daß wir bereits etwas wissen: also die Bekämpfung eines Gefühls von etwas Neuem und Verwandlung des anscheinend Neuen in etwas Altes.
34 [245]
“die Verbrecher höchsten Ranges sind dem Capitol ebenso nahe als dem tarpejischen Felsen” hat, glaube ich, Mirabeau gesagt.
34 [246]
Das Leben als ein wacher Traum; je feiner und umfänglicher ein Mensch ist, um so mehr fühlt er die ebenso schauerliche als erhabene Zufälligkeit an seinem Leben, Wollen, Gelingen, Glück, Absicht heraus; er schaudert, wie der Träumer, der einen Augenblick fühlt “ich träume.” Der Glaube an die causale Necessität der Dinge ruht auf dem Glauben, daß wir wirken; sieht man die Unbeweisbarkeit des Letzteren ein, so verliert man etwas den Glauben an jenes Erste. Es kommt hinzu, daß “Erscheinungen” unmöglich Ursachen sein können. Ein ungewohntes Ding zurückzuführen auf schon gewohnte Dinge, das Gefühl der Fremdheit zu verlieren—das gilt unserem Gefühl als Erklären. Wir wollen gar nicht “erkennen,” sondern nicht im Glauben gestört werden, daß wir bereits wissen.
34 [247]
Etwas kann unwiderlegbar sein: deshalb ist es noch nicht wahr.
Das Ganze der organischen Welt ist die Aneinanderfädelung von Wesen mit erdichteten kleinen Welten um sich: indem sie ihre Kraft, ihre Begierden, ihre Gewohnheiten in die Erfahrungen außer sich heraus setzen, als ihre Außenwelt. Die Fähigkeit zum Schaffen (Gestalten Erfinden Erdichten) ist ihre Grundfähigkeit: von sich selber haben sie natürlich ebenfalls nur eine solche falsche erdichtete vereinfachte Vorstellung.
“Ein Wesen mit der Gewohnheit zu einer Art von Regel im Traume”—das ist ein lebendiges Wesen. Ungeheure Mengen solcher Gewohnheiten sind schließlich so hart geworden, daß auf ihnen hin Gattungen leben. Wahrscheinlich stehen sie in einem günstigen Verhältniß zu den Existenzbedingungen solcher Wesen.
Unsere Welt als Schein, Irrthum—aber wie ist Schein und Irrthum möglich? (Wahrheit bezeichnet nicht einen Gegensatz zum Irrthum, sondern die Stellung gewisser Irrthümer zu anderen Irrthümern, etwa daß sie älter, tiefer einverleibt sind, daß wir ohne sie nicht zu leben wissen und dergleichen.)
Das Schöpferische in jedem organischen Wesen, was ist das?
— daß alles, das, was jedem seine “Außenwelt” ist, eine Summe von Werthschätzungen darstellt, daß grün, blau, roth, hart, weich, vererbte Werthschätzungen und deren Abzeichen sind.
— daß die Werthschätzungen in irgend einem Verhältniß zu den Existenzbedingungen stehn müssen, doch lange nicht so, daß sie wahr wären, oder präcis wären. Das Wesentliche ist gerade ihr Ungenaues Unbestimmtes, wodurch eine Art Vereinfachung der Außenwelt entsteht—und gerade diese Sorte von Intelligenz ist günstig zur Erhaltung.
— daß der Wille zur Macht es ist, der auch die unorganische Welt führt, oder vielmehr, daß es keine unorganische Welt giebt. Die “Wirkung in die Ferne” ist nicht zu beseitigen: etwas zieht etwas anderes heran, etwas fühlt sich gezogen. Dies ist die Grundthatsache: dagegen ist die mechanistische Vorstellung von Druck und Stoß nur eine Hypothese auf Grund des Augenscheins und des Tastgefühls, mag sie uns als eine regulative Hypothese für die Welt des Augenscheins gelten!
— daß, damit dieser Wille zur Macht sich äußern könne, er jene Dinge wahrnehmen muß, welche er zieht, daß er fühlt, wenn sich ihm etwas nähert, das ihm assimilirbar ist.
— die angeblichen “Naturgesetze” sind die Formeln für “Machtverhältnisse” von
Die mechanistische Denkweise ist eine Vordergrunds-Philosophie. Sie erzieht zur Feststellung der Formeln, sie bringt eine große Erleichterung mit sich,
— die verschiedenen philosophischen Systeme sind als Erziehungsmethoden des Geistes zu betrachten: sie haben immer eine besondere Kraft des Geistes am besten ausgebildet; mit ihrer einseitigen Forderung, die Dinge gerade so und nicht anders zu sehen.
34 [248]
Dionysos.
| Dionysos als Erzieher. |
| Dionysos als Betrüger. |
| Dionysos als Vernichter. |
| Dionysos als Schöpfer. |
34 [249]
Das Muster einer vollständigen Fiction ist die Logik. Hier wird ein Denken erdichtet, wo ein Gedanke als Ursache eines anderen Gedankens gesetzt wird; alle Affekte, alles Fühlen und Wollen wird hinweg gedacht. Es kommt dergleichen in der Wirklichkeit nicht vor: diese ist unsäglich anders complicirt. Dadurch daß wir jene Fiction als Schema anlegen, also das thatsächliche Geschehen beim Denken gleichsam durch einen Simplificationsapparat filtriren: bringen wir es zu einer Zeichenschrift und Mittheilbarkeit und Merkbarkeit der logischen Vorgänge. Also: das geistige Geschehen zu betrachten, wie als ob es dem Schema jener regulativen Fiction entspräche: dies ist der Grundwille. Wo es “Gedächtniß” giebt, hat dieser Grundwille gewaltet.— In der Wirklichkeit giebt es kein logisches Denken, und kein Satz der Arithmetik und Geometrie kann aus ihr genommen sein, weil er gar nicht vorkommt.
Ich stehe anders zur Unwissenheit und Ungewißheit. Nicht, daß etwas unerkannt bleibt, ist mein Kummer; ich freue mich, daß es vielmehr eine Art von Erkenntniß geben kann und bewundere die Complicirtheit dieser Ermöglichung. Das Mittel ist: die Einführung vollständiger Fictionen als Schemata, nach denen wir uns das geistige Geschehen einfacher denken als es ist. Erfahrung ist nur möglich mit Hülf,- von Gedächtniß. Gedächtniß ist nur möglich vermöge einer Abkürzung eines geistigen Vorgangs zum Zeichen.
Die Zeichenschrift.
Erklärung: das ist der Ausdruck eines neuen Dinges vermittelst der Zeichen von schon bekannten Dingen.
34 [250]
Daß wir wirkende Wesen, Kräfte sind, ist unser Grundglaube. Frei: heißt “nicht gestoßen und geschoben, ohne Zwangsgefühl.”
NB. Wo wir einem Widerstande begegnen und ihm nachgeben müssen, fühlen wir uns unfrei: wo wir ihm nicht nachgeben sondern ihn zwingen, uns nachzugeben, frei. D. h. es ist das Gefühl unseres Mehr von Kraft, welches wir mit “Freiheit des Willens” bezeichnen: das Bewußtsein davon, daß unsere Kraft zwingt, im Verhältniß zu einer Kraft, welche gezwungen wird.
34 [251]
Im Wollen ist ein Affekt.
34 [252]
Erkenntniß: die Ermöglichung der Erfahrung, dadurch daß das wirkliche Geschehen, sowohl auf Seiten der einwirkenden Kräfte, als auf Seiten unserer gestaltenden, ungeheuer vereinfacht wird: so daß es ähnliche und gleiche Dinge zu geben scheint. Erkenntniß ist Fälschung des Vielartigen und Unzählbaren zum Gleichen, Ähnlichen, Abzählbaren. Also ist Leben nur vermöge eines solchen Fälschungs-Apparates möglich. Denken ist ein fälschendes Umgestalten, Fühlen ist ein fälschendes Umgestalten, Wollen ist ein fälschendes Umgestalten—: in dem Allem liegt die Kraft der Assimilation: welche voraussetzt einen Willen, etwas uns gleich zu machen.
34 [253]
Wahrheit ist die Art von Irrthum, ohne welche eine bestimmte Art von lebendigen Wesen nicht leben könnte. Der Werth für das Leben entscheidet zuletzt. Sehr gemeine und tugendhafte M
34 [254]
Ich habe ihn geliebt und Niemanden sonst. Er war ein Mensch nach meinem Herzen, so unmoralisch, atheistisch, antinomistisch, welcher einsam lief und nie daran glauben mochte, daß
34 [255]
NB. Eine neue Denkweise—welche immer eine neue Meßweise ist und das Vorhandensein eines neuen Maaßes, einer neuen Empfindungs-Scala voraussetzt, welche immer ein ächter Gl ist—will sich durchsetzen und sagt mit ihrem Feuer der ersten Liebe zu allem, was ihr widerstrebt: “das ist falsch.” In diesem Kampfe verfeinert sie sich, lernt sich vertheidigen und hat nöthig, um zu besiegen, dem Gegner seine Waffen abzulisten und seine Kunst abzulernen. “Das ist falsch” heißt ursprünglich “ich glaube nicht daran”; noch feiner zugesehn “ich fühle nichts daran, ich mache mir nichts daraus.”
34 [256]
Ich habe manche nicht unbedenkliche Versuche gemacht, um mir Menschen heranzulocken, denen ich von so seltsamen Dingen reden könnte: alle meine Schriften waren bisher ausgeworfene Netze: ich wünschte Menschen mit tiefen reichen und ausgelassenen Seelen mir dazu einzufangen.
An wen sich wenden? Meinen längsten Versuch machte ich an jenem vielfachen und geheimnißvollen Menschen, dem vielleicht von den Menschen dieses Jahrhunderts die meisten guten und schlimmen Dinge über die Seele gelaufen sind, an R W. Später gedachte ich die deutsche Tugend zu “verführen”—denn es ist mir gut bekannt, wie gefährlich es in den Zwanziger Jahren in einem Deutschen zugeht. Noch später machte ich mir eine Sprache für verwegene Mannsköpfe und Mannsherzen zurecht, die irgendwo in einem Winkel der Erde auf meine wunderlichen Dinge warten mochten. Endlich—doch man wird es nicht glauben, zu welchem “endlich” ich gelangte. Genug, ich erdichtete “Also sprach Zarathustra.”
Soll ich es gestehen? Ich fand Keinen bisher, aber immer wieder irgend eine wunderliche Form jener “rasenden Dummheit,” welche sich gerne noch als Tugend anbeten lassen möchte: ich nenne sie am liebsten “die moralische Tartüfferie,” ehre sie als das Laster unseres Jahrhunderts und bin bereit, ihr noch hundert Fluchworte beizugesellen.
34 [257]
Tiefe und ferne M haben ihre Vordergründe: und zu Zeiten haben sie nöthig, sich zu geben, als ob sie nur Vordergrund wären.
34 [258]
Einsam inmitten guter Freunde und getreuer Nachbarn, lächelnd und erstaunt über ihre “rasende Dummheit,” über das zudringliche Wohlwollen.
34 [259]
Tiefe und ausgelassene Geister!
34 [260]
Der Streit auf dem Grunde von Befehlen und Gehorchen
Der Wille zur Macht.
als Grundwille alles Lebendigen
1. in der Erkenntniß und Philosophie.
2. in der Ethik und Erziehung und Politik.
3. in der Kunst und Religion.
die beiden extremsten Denkweisen, die mechanistische und die platonische kommen überein in der ewigen Wiederkunft: beide als Ideale
34 [261]
Die Schätzung des Anorganischen als niedriger ist eine Beschränktheit. Es fehlt der Schmerz, der Irrthum. Der Wille zur Macht ist da wahr und schmerzlos.
34 [262]
Das reine Denken könnte nicht denken: das Unbedingte kann nicht bedingen.
Die reine Erkenntniß ist wie das Ding an sich eine contradictio
34 [263]
Aber wenn du keine Moral mehr anerkennst, warum suchst du nach der Wahrheit? Und wenn die Moralität dich trieb, die Wahrheit zu suchen: warum verneinst du die Moral, nachdem die Moralität dich nicht mehr zwingt? Gerade jetzt könntest du sie ja gelten lassen: ein Vorrecht des Sceptikers!
34 [264]
Ich verstehe unter Moral ein System von Werthschätzungen, welches mit den Lebensbedingungen eines Wesens sich berührt
Liegen im Forschen moralische Kräfte und Werthschätzungen?
Das Kriterium der Wahrheit liegt in der Steigerung des Machtgefühls.
“So und so soll es sein” das steht am Anfang: Daraus wird später, oft nach langen Geschlechter-folgen ein “so ist es.” Es heißt später “Wahrheit”; zuerst war es ein Wille, etwas so und so zu sehn, so und so zu nennen, ein Ja sagen zu einer eignen Werthschaffung. —
Wir vergleichen etwas an dem, was wir für wahr halten, nach der Methode, an welche wir zu glauben gewöhnt sind.
34 [265]
Der M ist ein Denker, welcher die Moral als Problem d. h. als fragwürdig nimmt: um dies mit einiger Reinlichkeit zu thun, muß er ohne moralische Neben- und Hinterabsichten denken können: ist aber ein außermoralisches Denken möglich?
Damit wir nicht in jene berühmte niaiserie allemande verfallen, welche den Namen Kants unsterblich gemacht hat (er antwortete sich auf die Frage —): man habe ein Vermögen dazu
Ein Wesen, das nicht getäuscht sein will, ist noch lange nicht ein solches, welches nicht t will, läßt sich gemeinhin gerne betrügen.
34 [266]
Quellen des Mitleids: Nachahmung und Grausamkeit.
34 [267]
Freiheit im Verhältniß zur That so verschieden wie zum Werk (der Künstler zu seinem Werk, und das Weib zu seinem Kinde)
Das Wesentliche am Schaffen ist das Befehlen.
34 [268]
Das Kriterium der Wahrheit ist nicht in Jedem “es gefällt mir” (in der Lust), aber viell in Einer Gattung von Lust (Machtgefühl)?
34 [269]
Mein Problem: der Gesetzgeber.
34 [270]
Der Gesetzgeber.
Der Verehrende.
Der Verneinende.
Der Versuchende.
Der Befehlende.
34 [271]
Es ist auch die Moral des Gerechten noch möglich: als “ich will Gerechtigkeit” — aber um einen theuren Preis. Ein solches Ideal lebt auf Unkosten anderer; hat kein Recht an sich, keinen Gott für sich, lacht über die Ja’s und Nein’s des Gewissens.
34 [272]
Man muß nicht zu laut reden, wenn man von feinen Ohren gehört werden will, auch hasse ich den Lärm. Man muß Vieles nicht sagen und Vieles anders sagen, als man denkt; und beinahe glaube ich, daß man als Lehrer sogar immer das Gegentheil von dem lehren muß, was man für wahr hält. Denkt man heute anders: was liegt daran? Was liegt heute daran, daß man für Alle Papier bedruckt? “Papier für Alle” nutzt zu Anderem noch als zum Gelesenwerden: darin hat es seine Rechtfertigung.
11, 34[1-272] April-Juni 1885
34 [1]
Gai saber.
Self-Confessions.
By
Friedrich Nietzsche.
S: Essentially, the word is too solemn for me: I believe in neither confession nor self.
Essentially, the word is too solemn for me: if I were to name the book as I would prefer, “500,000 Opinions,” it would sound too facetious to my readers. Out of consideration for my readers
High Education.
The Highest Education.
Thoughts on the Philosophers of the Future.
Conjectures about the Ph of the Future.
34 [2]
Year by year I become more open-hearted, in the measure that my insight into this nineteenth century, into this century of great moral Tartuffery, grows deeper and deeper: I find fewer and fewer reasons today—to keep behind the mountain. What opinions could be dangerous today! where nothing more “falls into deep wells”! And were they dangerous and destructive: it is desirable that much should fall, so that much must be built
34 [3]
In my youth I had misfortune: a very ambiguous M crossed my path: when I recognized him for what he was, namely a great actor who has no genuine relationship to anything (not even to music): I was so disgusted and sick that I believed all famous Ms had been actors otherwise they would not have become famous, and that the main thing about what I called "artists" was precisely the theatrical power.
34 [4]
How disguised had I brought to the lecture what I felt as "Dionysian"! How scholarly and monotonous, how far from learned enough to even produce the effect of opening a new field of work for generations of philologists! This approach to antiquity is indeed best buried; and whoever has imagined themselves particularly wise about the Greeks, Goethe for example and Winckelmann, has not smelled anything from there. It seems the Greek world is a hundred times more hidden and stranger than the presumptuous nature of today's scholars might wish. If anything is ever to be recognized here, it will certainly only be the like by the like. And again—only experiences from gushing springs—they also give that new great eye to recognize the like in the past world.
34 [5]
NB. The greatest events are the hardest for people to grasp emotionally: e.g., the fact that the Christian God is “dead,” that in our experiences no longer expresses a heavenly goodness and education, no longer a divine justice, not at all an immanent morality. This is a terrible piece of news, which will still require a few centuries to reach the Europeans as a feeling: and then for a time it will seem as if all weight has been removed from things. —
34 [6]
I was not deceived by the glittering appearance of the German Reich. I took as a background, when I wrote my Zarathustra, a state of Europe in which the same dreadful and filthy party strife prevails in Germany as we already find today in France.
34 [7]
Has one ever granted a woman's head "depth"? I have not yet had respect for any woman's head. D'Epinay compared to Galiani!
And justice,—has this ever
34 [8]
The Italians alone in the bloody satire authentic and original. From Buratti on, who gave the genius Byron the decisive turn. Even in Carducci there is nothing that Germans or French have not done better.
34 [9]
I do not know myself: the demand for self-knowledge seems to me a divine joke or a Greek childishness (niaiserie): they are rich in it!— But if someone has expressed his opinions on more than 500 things, it is possible that others may "recognize" him. Very well!
34 [10]
Affectation of “scientificity,” e.g., “feminism,” but also: German journal “review style”
34 [11]
Our time draws on and lives off the morality of earlier times.
34 [12]
Pascal is offended by the idea that the weather, that bright and cheerful skies have an influence on him. Now—the theory of milieu is the most convenient! everything exerts influence, the result is the person themselves.
34 [13]
Things, that my stomach cannot tolerate well or at all: potatoes, ham, mustard, onions, pepper, anything fried in fat, puff pastry, cauliflower, cabbage, salad, all vegetables cooked in fat, wine, sausages, butter sauce on meat, chives, fresh bread crumbs, all sour bread
Anything grilled on a rack, all meat saignant, veal, roast beef, gigot, lamb, egg yolk milk also whipped cream, rice, semolina, cooked warm apples, green peas beans carrots roots fish, fresh butter brown white bread crust.
34 [14]
The kind of open and hearty familiarity that one needs today, in a democratic age, to be liked and respected—briefly, that which today makes one treated as a “decent person”: this gives a moralist much to laugh about. All profound people enjoy their kind of relief here; it is so much fun to play comedy and
34 [15]
The ancients read aloud.
34 [16]
Among immoderate people, e.g., English rabble, the doctrine of abstinence naturally gains enormous power. Among moderate people, it is a matter for laughter.
34 [17]
Dionysian. What unhappy shyness, to speak of a matter as a scholar, when I could have spoken of it as one who has “experienced” it. And what does “aesthetics” matter to one who has to create poetry! One should practice one’s craft, and send curiosity to the devil!
34 [18]
The XX. century.
The Abbé Galiani once says that since I do not share the unwarlike views of my late friend Galiani at all, I do not fear making some predictions and thus, possibly, summoning the cause of wars.
34 [19]
An immense reflection, after the most terrible earthquake: with new questions.
34 [20]
NB. The penultimate centuries rejected the Gothic as a barbarism (the Goth was then synonymous with the barbarian): the penultimate century rejected Homer. In this lies a taste: a strong will to one's own yes and one's own no.— The ability to enjoy Homer again is perhaps the greatest achievement of the European man,—but it has been paid for dearly enough.
34 [21]
Baudelaire, quite German already, a certain hyper-erotic affliction notwithstanding, which smells of Paris
34 [22]
Taine, who had the audacity of invention to find the typical between Hegel and Henri Beyle, his method, which essentially states: history can only be comprehended through concepts; but the historical person must create these concepts: and history, where there are only 4, 5 factors, is the most comprehensible.
34 [23]
the masquerade of the bourgeois, e.g. as Salambô and as Saint Anthony
34 [24]
Some, fundamentally shallow and light beings—peoples as well as individuals—have their most valuable and highest moments when they, to their astonishment, become heavy and melancholic. Likewise, perhaps for the cattle of the rabble, which once began to grunt morally in English Puritanism or today as the English Salvation Army—their highest achievement of “humanity” is the convulsion of repentance; this should be fairly acknowledged. —
But others become higher when they become lighter! There is no doubt: if a kind of person has lived for generations as teachers, doctors, spiritual guides, and role models, and without constantly looking for money or honor or positions: then eventually a higher, finer, and more spiritual type emerges. In this sense, the priest, provided he reproduces through strong women, is a kind of preparation for the eventual emergence of higher humans.
34 [25]
Such dogmatic people as Dante and Plato are the farthest and perhaps thereby the most fascinating: those who dwell in a neatly constructed and firmly believed house of knowledge. The first in his own, the other in the Christian-patristic one.
It requires a completely different strength and agility to hold firm in an unfinished system, with free, open prospects, than in a dogmatic world. Leonardo da Vinci stands higher than Michelangelo, Michelangelo higher than Raphael.
34 [26]
Among the educated of today (who all, pro pudor!, read newspapers), deep people are praised. But what might those who are capable of praising deep people know of depth themselves!— They are dangerous people: there is no doubt about that. After all, one does not usually praise abysses!
34 [27]
Letters
to a Philosophical Friend.
On the Occasion
of Thus Spoke Zarathustra.
By
Friedrich Nietzsche.
34 [28]
Superstition: to believe in the existent, in the unconditional, in pure spirit, in absolute knowledge, in absolute value, in the thing in itself! In these approaches, there is always a contradiction.
34 [29]
Skeptical Objections.
34 [30]
The perception of the senses happens unconsciously: everything that becomes conscious to us is already processed perceptions
34 [31]
The great detachment he makes for himself—not that he demands it from others or even sees it as his duty to communicate and impose it on others
34 [32]
The great ebb for millennia in the invention of values
34 [33]
| The Legislators of the Future. |
| 1. The Origin |
| 2. The Most Bound Spirit. |
| 3. The Great Liberation. |
| 4. The Suffering from Man. |
| 5. The New Will. |
| 6. The Hammer. |
34 [34]
Acedia in me—opposite to the monks. I am annoyed by the excessive compassion in me: I rejoice when my ego is awake and in good spirits.
34 [35]
1. Abelard wanted to bring reason into ecclesiastical authority: ultimately, Descartes found that all authority lies only in reason.
2. The self-overcoming of reason—Pascal’s inner problem—in favor of Christian “faith.”
34 [36]
The problem of "belief" is actually: whether instinct has more value than reasoning, and why!
Among the many disputes about "knowledge and belief," utility and intuitionism, this question of valuation is hidden.
Socrates had naively taken the side of reason against instinct. (But fundamentally, he still followed all moral instincts, only with a false motivation: as if the motives came from reason.
Likewise Plato etc.)Involuntarily Plato sought that reason and instinct want the same thing. Likewise up to today Kant, Schopenhauer, the English.
In “belief” the instinct of obedience to the highest authority is placed first, thus one instinct. The categorical imperative is a desired instinct, where this instinct and reason are one.
34 [37]
Kant, a fine mind, a pedantic soul
34 [38]
NB. Forgive me this presumptuous claim: precisely because I have a higher and deeper, even more scientific conception of woman than the emancipators and emancipatrices of the same, I resist emancipation: I know better where her strength lies, and say to them: “they know not what they do.” They dissolve their instincts! with their current endeavors.
34 [39]
Bentham and utilitarianism depend on Helvétius—he is the last great event of morality. In German philosophy (Kant Schopenhauer), it is still “duty” or “instinct of compassion”—the old problems since Socrates (i.e., Stoicism or Christianity, aristocracy of the individual or herd goodness)
34 [40]
I need
| a) | Someone who monitors my stomach | |
| b) | Someone who can laugh with me and has a carefree spirit. | |
| c) | Someone who is proud of my company and ensures "others" also show me the proper respect | |
| d) | Someone who reads to me without dumbing down a book |
34 [41]
Plaire—the great secret of the French will, and at bottom of the herd-morality. “Having-pity,” altruism, is the hypocritical expression for it.
34 [42]
NB. So far, most artists (including historians), even some of the greatest, belonged among the servants (whether of estates or princes or women or “masses”), not to mention their dependence on church and moral law. Thus, Rubens portrayed the noble world of his time, but according to a taste they envisioned, not according to his measure of beauty,—on the whole, therefore, against his taste.
In this regard, van Dyk was more noble: he attributed to all those he painted something of what he himself most highly honored in himself; he did not descend, but rather rose up to himself when he "Reproduced."The slavish subservience of the artist before his audience (as even Sebastian Bach confessed in immortal, offensive words in the dedication of his Mass in B Minor) may be harder to detect in music, but it is all the more deeply and thoroughly embedded within it. You would not endure listening to me if I were to share my observations on this matter.
34 [43]
NB. The slow emergence and rise of the middle and lower classes (including the lower kind of spirit and body), which had already been amply preluded before the French Revolution and would have made its way forward even without the Revolution, in general, thus the preponderance of the herd over all shepherds and bellwethers, brings with it
1) Darkening of the spirit: The coexistence of a stoic and frivolous appearance of happiness, as is characteristic of noble cultures, diminishes: one allows much suffering to be seen and heard, which one formerly endured and concealed.
2) the moral hypocrisy, a way of wanting to distinguish oneself through morality, but through the herd virtues of pity, care, and benevolence, which are not recognized and appreciated beyond the herd's capacity
3) the actual great quantity of pity and shared joy, the pleasure in the great togetherness, as all herds have—“community spirit,” “fatherland,” everything where the individual was not taken into account
34 [44]
Diderot appeared, according to Goethe’s judgment, truly German (Saint Ogan p. 248) in everything that the French criticized. But the Neapolitans, according to Galiani, fully accepted his taste.
34 [45]
Baudelaire, of German taste, if any Parisian can have it, feels German when he cannot stand Victor Hugo and calls him a “genius of an ass”.
34 [46]
If I have something of a unity within me, it certainly does not lie in the conscious I and in feeling, willing, thinking, but elsewhere: in the preserving, appropriating, eliminating, supervising wisdom of my entire organism, of which my conscious I is only a tool.— Feeling, willing, thinking everywhere show only end phenomena, whose causes are completely unknown to us: the succession of these end phenomena, as if one followed from the other, is probably only an illusion: in truth, the causes may perhaps be bound together in such a way that the end causes only give the impression of logical or psychological connection.I deny, that a mental or spiritual phenomenon is the direct cause of another mental or spiritual phenomenon: even if it seems so. The true world of causes is hidden from us: it is unspeakably more complicated. The intellect and the senses are above all a simplifying apparatus. Our false, diminished, logical world of causes is, however, the world in which we can live. We are "knowing" enough to satisfy our needs.
The study of the body gives an idea of the unspeakable complications.
If our intellect did not have some fixed forms, life would be impossible. But this proves nothing about the truth of all logical facts.
34 [47]
The cunning self-deprecation of Socrates, to thereby make his opponent unsuspecting and secure, so that he lets himself go and speaks straight out, what he thinks: a trick of the common man! Logic was not at home in Athens.
34 [48]
NB. A somewhat clearer head and a bit of goodwill: and one can no longer bear, for reasons of taste, to interpret one's experiences “to the glory of God,” I mean, to see everywhere the traces of His providence, warning, punishment, education. Just as a good philologist (and indeed any philologically trained scholar) has an aversion to false textual interpretations (e.g., those of Protestant preachers in the pulpit—hence the educated classes no longer go to church—), so too, and not due to great “virtue,” “honesty,” etc., the counterfeiting of religious interpretation of all experiences goes against one's taste.—
34 [49]
Our delight in simplicity, clarity, regularity, brightness, from which a German “philosopher” might ultimately derive something like a categorical imperative of logic and beauty—I admit to having a strong instinct for this. It is so strong that it governs all our sensory activities and reduces, regulates, assimilates, etc., the abundance of actual perceptions (the unconscious ones) and presents them to our consciousness only in this processed form. This “logical,” this “artistic” is our constant activity. What has made this power so sovereign? Clearly, without it, no living being could survive the chaos of impressions.
34 [50]
(I do not see why the organic should ever have arisen— —)
34 [51]
In chemistry, it is shown that every substance exerts its force as far as it can, thereby creating something third.
The properties of a child cannot be derived from the most precise knowledge of father and mother. For it is the effects of the third on us, these properties: the effects of the first and the effects of the second, i.e., their properties, are impossible to add as "effects of the third"
34 [52]
The chain of causes is hidden from us: and the connection and sequence of effects only gives a succession: even if it is ever so regular, we do not thereby comprehend it as necessary.— Yet we can ascertain one after another different series of such successions: e.g., in piano playing, the succession of the struck keys, the succession of the struck strings, the succession of the sounding tones.
34 [53]
Critique of the Instinct of Causality.
The belief that an action occurs due to a motive has been instinctively generalized over time, in eras when all events were imagined in the manner of conscious living beings. “Every event occurs on the basis of a motive: the final cause is the efficient cause” —
This belief is erroneous: the purpose, the motive are means to make an event comprehensible and practical for us.— The generalization was also erroneous and illogical.
No purpose.
No will.
34 [54]
The reversed order of time.
The "external world" acts upon us: the effect is telegraphed to the brain, arranged there, shaped, and traced back to its cause: then the cause is projected and only then does the fact come to our consciousness. That is, the "world of appearances" appears to us as the cause only after it has acted and the effect has been processed. That is, we constantly reverse the order of events.— While "I" see, it already sees something else. It is as with pain.
34 [55]
The belief in the senses. Is a fundamental fact of our intellect, it receives from them the raw material which it interprets. This behavior towards the raw material that the senses provide is, morally considered, not guided by the intention of truth, but purely by a will to overcome, assimilate, nourish. Our constant functions are absolutely selfish, Machiavellian, unscrupulous, refined. Commanding and obeying driven to the highest degree, and so that complete "obedience" can be achieved, the individual organ has much freedom.
The error in belief in purposes.
Will—an unnecessary assumption.
The reversed time-order.
Critique of belief in causality.
Belief in the senses, as the fundamental fact of our being.
The central power—must not be essentially different from that which it governs.
The history of origin does not explain the properties. The latter must already be known. Historical explanation is reduction to a sequence familiar to us: through analogy.
34 [56]
The mechanistic explanation of the world is an ideal: to explain as much as possible with as little as possible, i.e., to express it in formulas. Still necessary: the denial of empty space; to conceive of space as determining and limiting; just as the world is to be thought of as eternally repeating itself.
34 [57]
How a national character, a “national soul,” arises provides insight into the emergence of the individual soul. First, a series of activities is imposed upon it as conditions of existence; it grows accustomed to them, they become more fixed and penetrate deeper. Peoples who undergo great transformations and fall under new conditions exhibit a new grouping of their forces: this or that comes to the fore and gains predominance because it is now more necessary for existence, e.g., the practical, sober sense in the present-day German. All character is initially role. The “personality” of philosophers—fundamentally persona.
34 [58]
Numbers are our great means of making the world manageable. We comprehend as far as we can count, i.e., as far as a constancy can be perceived.
34 [59]
Through moral ulterior motives, the progress of philosophy has been most impeded so far.
34 [60]
Even within our world of the senses, if we only sharpen or imagine it sharpened, a world emerges that affects our feeling in a completely different way
34 [61]
| The prejudice of causality |
| the prejudice of the will |
| the prejudice of purpose |
| the prejudice of personality |
| Knowledge: a false concept, i.e., a concept to whose establishment we have no right. |
| Elimination | 1) | of the will | ||
| 2) | of the purposes as “why” and “how” | |||
| 3) | consequently also of causality (which is derived from both) |
34 [62]
“How are synthetic judgments a priori possible?”—“through a faculty for it” was the famous Kantian answer, which has given many such satisfaction.
34 [63]
The most useful concepts have remained: no matter how incorrectly they may have originated.
34 [64]
In the first book of Faith in the Truth to shake: truthfulness is useful, but only in a small quantity, especially for those who have nothing to answer for. Likewise, respect for philosophers.
34 [65]
The general coarsening of the European spirit, a certain clumsy straightforwardness that likes to boast of itself as honesty, integrity, or scientific rigor: this belongs to the dominion of the democratic zeitgeist and its damp air—more precisely, it is the effect of reading newspapers. One wants convenience or intoxication when reading: by far the most of what is read is newspapers or newspaper-like material.
Let us look at our reviews, our scholarly journals: everyone who writes there speaks as if before an "unselected company" and lets himself go, or rather sits, in his armchair.— There is one who has a hard time, who places the most value on the hidden thoughts and loves the dashes in his books more than everything expressed.— Freedom of the press ruins style and ultimately the spirit: Galiani already knew this 100 years ago.— The "freedom of thought" ruins the thinkers.— Between hell and heaven, and in danger of persecutions, banishments, eternal damnations, and displeased glances from kings and women, the spirit had become flexible and daring: woe, what will today's "spirit" become!34 [66]
Always ironice: it is a delicious sensation to watch such a genuine thinker. But it is even more pleasant to discover that all this is foreground, and that at heart he wants something else and wants it in a very daring way. I believe that the magic of Socrates was this: he had a soul and behind it another and behind that yet another. In the foremost, Xenophon lay down to sleep, on the second Plato, and on the third Plato again, but Plato with his own second soul. Plato himself is a man with many backgrounds and foregrounds.
34 [67]
NB. Our age is in its most essential instincts skeptical: almost all finer scholars and artists are, even if they do not like to admit it to themselves. Pessimism, the saying-no, is only easier for the convenience of the mind: our damp age with democratic air is above all convenient. Where the spirit is more delicate, it says: “I do not know”; and “I no longer trust myself or anyone else” and “I no longer know where to go, nor where to come from,” and “to hope—that is a phrase for the dishonest or for demagogic speakers and artists.” Skepticism—is the expression of a certain physiological constitution, as necessarily arises from a great crossing of many races: the many inherited valuations are at war with one another, hindering each other’s growth.
The power that is most lacking here is the will: hence the great fear of responsibility, because no one can speak well for themselves. Hiding in communities, “One hand covers the other” is the saying. Thus, a herd-type develops: and whoever has a strong, commanding, and daring will inevitably comes to power in such times.34 [68]
One complains about how bad philosophers have had it so far: the truth is that at all times the conditions for the education of a powerful, cunning, daring, relentless spirit were more favorable than today. Today, the spirit of demagogues, as well as that of scholars, has favorable conditions. But just look at our artists: whether they are not almost all perishing from a lack of discipline. They are no longer tyrannized, so they no longer learn to tyrannize themselves. When was woman ever as insignificant as she is today! Everything is growing weaker because everything wants to have it easy.— I have gone through the harshest school of physical pain: and the consciousness of having held myself firm and silent under it — —
34 [69]
The finest minds of the previous century, Hume and Galiani, all familiar with state services: likewise Stendhal Tocqueville
34 [70]
Hume demands (to speak with Kant's words) that reason give him an account of by what right it thinks: that something could be constituted such that, if it is posited, something else must necessarily be posited as well, for that is what the concept of cause says. He proved irrefutably that it is entirely impossible for reason to think such a connection a priori and from concepts, etc.—But the folly was to ask for grounds for the right of grounding. He did the very thing he was examining.
34 [71]
The lie of the educator, for example, in Kant's categorical imperative. “Could God still be a deceiver, despite Descartes?”
34 [72]
NB. Verily, morally strict and ugly belong together: Christianity has sensed this well. The beautiful person can be neither truthful nor kind, only exceptionally.
34 [73]
What separates us from Kant, as well as from Plato and Leibniz: we believe in becoming alone, even in the spiritual, we are historical through and through. This is the great turning point. Lamarck and Hegel—Darwin is only an aftereffect. The way of thinking of Heraclitus and Empedocles has risen again. Even Kant did not overcome the contradictio in adjecto “pure spirit”: but we have.
34 [74]
The human horizon. One can regard philosophers as those who make the utmost effort to test how far man can rise, especially Plato: how far his strength extends. But they do it as individuals; perhaps the instinct of Caesar, the founders of states, etc., was greater, who consider how far man can be driven in development and under "favorable circumstances." But they did not understand sufficiently what "favorable circumstances" are. Great question: where the plant "man" has grown most magnificently so far. For this, the comparative study of history is necessary.
34 [75]
It is strange how the Stoics and almost all philosophers have no eye for the distance. And then again the stupidity of the Socialists, who always only represent the needs of the herd.
34 [76]
The mechanistic conception, to place as a regulative principle of the method. Not as the most proven worldview, but as the one that demands the greatest rigor and discipline and casts aside the most sentimentality. At the same time, a test for physical and mental prosperity: degenerate, weak-willed races perish from it, through sensuality or through melancholy or, like the Indians, through both.
34 [77]
Great praise for Christianity as the true herd religion.
34 [78]
Noon and Eternity.
- Free to “true” and “untrue”
- free to “good” and “evil”
- free to “Beautiful” and “ugly”
- the higher human as the more powerful, and the previous attempts: “it is the right time.”
- the Hammer—a danger at which the human can break.
34 [79]
Kant thought that with his table of categories in hand, “this is the most difficult thing that could ever be undertaken for the sake of metaphysics.”—one must not misunderstand where his pride lay.
34 [80]
Coarseness and delicacy together in Petronius, also in Horace: most pleasant to me. It belongs to the Greek taste. Homer was too coarse for the people around La Rochefoucauld; they could not enjoy the trivial. They held on to a certain high sentiment within themselves, as many Germans do now, and despise themselves when something arouses pleasure in lower spheres within them. Aristophanes is the counterpart: nihil humani—is ancient.
34 [81]
To put at the forefront: even the instincts have become, they do not prove the supernatural, not even the animalistic, not even the typically human.
That the mind has become and is still becoming, that, among countless forms of reasoning and judging, the one most familiar to us now is somehow the most useful to us and has been inherited because individuals who thought this way had more favorable chances: that this proves nothing about “true” and “untrue”,
34 [82]
— Anti-Kant.
“Faculties, instinct, heredity, habit” — anyone who thinks they can explain something with such words must today be modest and, moreover, poorly trained. But at the end of the last century, it raged. Galiani explained everything through habits and instincts. Hume explained the sense of causality through habit; Kant, with great calm, said: “it is a faculty.” The whole world was happy, especially when he also discovered a moral faculty. Here lay the magic of his philosophy: the young theologians of the Tübingen Stift went into the bushes — all searching for “faculties.” And what didn’t they find!
Schelling called it “intellectual intuition,” a faculty for the “supersensible.” Schopenhauer believed he had found the same in an already sufficiently appreciated faculty, the will, and more, namely “the thing-in-itself.” In England, the instinctivists and intuitionists of morality emerged. It was the old matter of faith and knowledge, a kind of “formal faith” that laid claim to some content. The history concerns theologians primarily. Quietly, Leibniz comes back to life, and behind Leibniz—Plato. The concepts as etc. This movement, beginning skeptically, is in fact directed against skepticism, it takes pleasure in submission34 [83]
NB. The most annoying thing about the writings of unclear, poorly trained, and unphilological minds is not even their deficient ability to conclude and the unsteady, wobbly gait of their logic. It is the instability of the concepts themselves for which they use words: these people have only unshaped, floating blobs of concepts in their heads.— The good author, however, is characterized not only by the strength and conciseness of his sentence structure: but one guesses, one smells, if one is a person of fine nostrils, that such a writer constantly forces and practices himself to first strictly establish and solidify his concepts, thus associating his words with unambiguous concepts: and, before that is not done, does not want to write!— Incidentally, there is also some magic in the uncertain, twilight, half-lights: thusperhaps Hegel had the greatest influence abroad through his art of speaking about the most sober and coldest things in the manner of a drunkard. This was truly one of the strangest intoxications ever invented in the great realm of inebriations—and quite truly a matter of German genius! For wherever Germans and German "virtues" have penetrated, we have also carried and brought along the lust and desire for coarse and fine alcoholics.—Perhaps the intoxicating power of our German music also belongs here.
34 [84]
NB. What Plato and, in essence, all post-Socratics did: that was a certain legislation of concepts:—they established for themselves and their disciples “this and that shall be thought and felt by us under this word”:—thereby they most decisively detached themselves from their time and environment. This is one of the ways in which finer, more demanding natures rebel with refined disgust against the unclear masses and their conceptual confusion:
34 [85]
What is this enormous power that has been fooling philosophers for 2 millennia and bringing down the reason of the reasonable? That instinct, that faith, as Christianity demands: this is the herd instinct itself, the herd faith of the animal "man," the herd's desire for complete submission to an authority—(the same thing that, from the German herd instinct, Kant baptized the "categorical imperative.") Indeed, it is the greatest relief and blessing for endangered, wavering, delicate, weak herd animals to have an absolutely commanding leader, a bellwether: it is their first condition of life.The Brahmins understood this relief, the Jesuits likewise, almost in all monasteries the fundamental tendency is this: finally to be rid of the eternal agitation which self-command brings with it. This instinct for faith is also the truly feminine instinct; and if women find an unrelenting teacher who demands obedience and submission from them, or even just an artist who depicts woman in the attitude of her "perfection," as; a worshipping, devoted, surrendered creature, as a sacrifice, such as e.g.R W, they are "beside themselves" with joy: namely, in their last instinct confirmed and satisfied before themselves.— In a weaker form, one sees it in the French, who, as the most amiable Europeans, are also the most herd-like: they only feel well when they are allowed to obey "unconditionally" before their esprit: as with Napoleon.Or also before "the ideas of the French Revolution"—or also before Victor Hugo (who throughout his long life always draped beautiful words and splendid mantles around this most beautiful herd instinct in the name of freedom).— Antiquity was, when Christianity came, torn apart internally by contradictions in valuations (as a result of the physiological condition of the senseless equality concept of civis Romanus or of that senseless state expansion of the imperium Romanum) and Christianity provided the great relief.
34 [86]
Words are sound signs for concepts: but concepts are more or less secure groups of recurring, coalescing sensations. That one understands each other does not yet require that one uses the same words: one must also use the same words for the same kind of inner experiences—and one must have these in common. Therefore, people of one nation understand each other better: or, when people have lived together for a long time under similar conditions of climate, activities, and needs, a certain kind of such experiences, which are most readily understandable to all of them, gains the upper hand: the quick understanding is the result. And marrying each other, and inheritance, is again the consequence of that.It is the need to quickly and easily make one's needs understood that binds people most firmly together. On the other hand, nothing holds a friendship or love affair together if one discovers that one means different things by the words. Which groups of feelings are in the foreground determines the valuations: but the valuations are the consequence of our innermost needs. —
This is said to explain why it is difficult to understand such writings as mine: the inner experiences, valuations, and needs are different in me. I have spent years in contact with people and carried renunciation and politeness so far as never to speak of things that lay close to my heart. Yes, I have almost only lived with people in this way. —
34 [87]
We imagine that the commanding, supreme element resides in our consciousness. Ultimately, we have a dual brain: the ability to want, feel, and think something of our own volition, feeling, and thought we summarize with the word “consciousness.”
34 [88]
NB. Those legislative and tyrannical spirits who are capable of setting a concept firmly, holding it firm, people with this spiritual willpower who know how to petrify and almost eternalize the most fluid thing, the spirit, for a long time, are commanding people in the highest sense: they say “I want this and that to be seen, I want it exactly like this, I want it for this and only for this.” This kind of legislative people has necessarily exerted the strongest influence at all times: we owe to them all typical formations of man: they are the shapers—and the rest (“the vast majority” M in this case—) are, compared to them, only clay.
34 [89]
The most firmly established movements of our mind, our lawful gymnastics, for example, in space and time representations, or in the need for "grounding": this philosophical habitus of the human mind is our true power: so that in many intellectual matters we can no longer do otherwise: what is called psychological necessity. This has become: and to believe that our space, our time, our causal instinct is something that also makes sense apart from man is by now a childishness.
34 [90]
I am hostile 1) to desensualization: it originates from the Jews, from Plato, who was corrupted by the Egyptians and Pythagoreans (and these by Buddhists)
To the Provençal spirit, which has remained pagan, I mean “not Germanic,” we owe the spiritualization of amor in sexual love: whereas antiquity only achieved a spiritualization of pederasty.
2) against all doctrines that envision an end, a rest, a “Sabbath of all Sabbaths.” Such ways of thinking characterize fermenting, suffering, often also dying races, e.g., such verses as in R W “Nibelungen”
34 [91]
“Habit”: this means something different for a slavishly minded person than for a noble one.
34 [92]
One owes to the Christian Church
1) a spiritualization of cruelty: the idea of hell, the tortures and heretic trials, the auto-da-fés are indeed a great progress compared to the magnificent but half-idiotic slaughter in the Roman arenas. Much spirit, much hidden thought has entered cruelty.— It has invented many pleasures.
2) it has made the European spirit refined and supple, through its “intolerance.” One sees it immediately, how in our democratic age, with the freedom of the press, thought becomes clumsy. The Germans invented gunpowder—all respect! But they made up for it again: they invented the press. The ancient polis was of the same mind.The Roman Empire, on the other hand, allowed great freedom in belief and unbelief: more than any empire today allows: the result was immediately the greatest degeneration, foolishness, and coarsening of the spirit.— How well Leibniz and Abélard, Montaigne, Descartes, and Pascal stand out! To see the supple audacity of such spirits is a pleasure that one owes to the Church.— The intellectual pressure of the Church is essentially the unyielding rigor by which concepts and valuations are treated as established, as aeternae.Dante gives a single pleasure thereby: one need not be restricted under an absolute regime. If there were boundaries, they were stretched around an immense space, thanks to Plato: and one could move within them as freely as Bach within the forms of counterpoint, very freely.— Bacon and Shakespeare almost repel once one has thoroughly savored this “freedom under the law.” The same applies to the newest music compared to Bach and Handel.
34 [93]
How Friedrich the Great constantly mocks the "féminisme" in the regency of his neighboring states, so Bismarck does the "Parlamentarismus": it is a new means to do what one wants.
34 [94]
The sight of the present European gives me much hope: there is forming a daring ruling race, on the breadth of an extremely intelligent herd-mass. It stands before the door that the movements to bind the latter no longer stand alone in the foreground.
34 [95]
Against the false idealism, where through exaggerated refinement the best natures of the world become alienated. How regrettable that the entire south of Europe has lost the inheritance of that tamed sensuality, due to the abstinence of the clergy! And that such Shelleys, Hölderlins, Leopardis perish is just, I do not hold much regard for such people. It delights me to think of the revenges that robust naturalness takes on such types of people—for example, when I hear that L formerly indulged in On, later became impotent.
34 [96]
NB. A great man, a man whom nature has built and invented on a grand scale, what is that? First: he has in all his actions a long logic, which, due to its length, is difficult to oversee and therefore misleading, an ability to stretch his will over large areas of his life and to despise and discard all small things, even if among them are the most beautiful "divine" things in the world. Second: he is colder, harder, more reckless, and without fear of “opinion”; he lacks the virtues that are associated with "respect" and being respected, and indeed everything that belongs to the "virtue of the herd."If he cannot lead, he goes alone; it then happens that he growls at many things he encounters on his way. 3) he does not want a “sympathetic” heart, but servants, tools; in his dealings with people, he is always intent on making something of them. He knows himself to be incommunicable: he finds it tasteless when he becomes “confidential”; and he usually is not, when one takes him for it. When he does not speak to himself, he wears his mask. He prefers to lie rather than tell the truth: it requires more spirit and will. There is a solitude in him, as something unattainable by praise or blame, as his own jurisdiction, which has no higher authority above it.
34 [97]
What I like to perceive in the German is his Mephistopheles nature: but, to tell the truth, one must have a higher concept of the d M than Goethe needed to magnify his "inner Faust," to diminish his M. The true German Mephistopheles is much more dangerous, bolder, wickeder, more cunning, and consequently more open-hearted: imagine the inner being of Frederick the Great. Or of that much greater Frederick, of that Hohenstaufen Frederick 2.— The genuine German Mephistopheles ascends over the Alps, believes that everything there belongs to him. That is why he feels well, as Winckelmann felt well, as Mozart did.
He considers Faust and Hamlet as caricatures invented to make people laugh, as well as Luther. Goethe had good German moments when he inwardly laughed at all of this. But then he himself fell back into the damp moods.Napoleon’s astonishment when he saw a German poet and—found a man! He had expected to find a German poet! —
The German is comprehensive: a second soul has attached itself to the first, there are caves, passageways, he can seem superficial, openness and honesty are among the German’s skills.— “Good-natured and treacherous” is an impossibility for others; but just live among Swabians for a while! —
34 [98]
An age of democracy drives the actor to the heights, in Athens, just as today. R W has so far surpassed everything in it, and has evoked a high concept of the actor, who can evoke horror. Music, poetry, religion, culture, book, family, fatherland, traffic—everything first of all art, that is to say, stage attitude!
34 [99]
Pig-German! Pardon! Newspaper-German! There Friedrich Albert Lange, a decent beast, which one may even, in the absence of more decent beasts, recommend to German youths: but he writes, for example: “With the praise of the present is connected the cult of reality. The ideal has no currency; what cannot be legitimized scientifically and historically is condemned to perish.” What does one actually learn Latin and Greek for in German schools: if one does not even learn disgust for such a filthy mishmash! And what enthusiasm have precisely the true corrupters of German aroused, formerly Hegel, more recently Richard Wagner, most recently Eugen Dühring!
34 [100]
Terrible to think that through my thoughts about women I might drive some female writer, after she has already tormented herself and the world sufficiently with her books, to the thought of revenge by having children!
34 [101]
“When a woman wants to have children, she usually doesn’t let the little ones come to her, but the men!” said an old midwife.
34 [102]
— One should pay attention to whether what the Germans call their literature does not, for the best part, go back to parsons' sons.— Now, in this descent of German prose lies from the outset the probability that the solemn, dignified, slow, grave genres are best cultivated: that the Allegro or even the Presto will be lacking. The extraordinary liveliness of a style, such as il principe (quite apart from the seriousness of its subject), the brevity, strength, a kind of delight in the density of weighty thoughts, gives an echo of Florentine eloquence, especially that of the advocates. In Voltaire, too, there is advocacy skill of the highest rank, advocacy tempo. The fastest tempo I found in a writer is in Petronius: he runs like a swift wind and is consequently not lustful: he is too merry for that.
34 [103]
The Germans.
Conjectures and Wishes
by
F. N.
34 [104]
NB. The Germans, of whom I speak here, are something young and becoming: I separate them from the Germans of the Reformation and the Thirty Years' War and do not wish to participate in the falsification of history that leaps over this chasm: as if nothing had happened then. That something occurred to them in the 16th century, equivalent to the downfall of an earlier race, will hardly be denied: this phenomenon of discouragement, cowardice, senility, the Chinese queue, to speak in images—this must on the whole have been the consequence of a terrible corruption of the blood, added to the fact that the manly men went abroad again and again and perished or were ruined abroad.
On the other hand, at that time an involuntary mixture with little-related races took place: the unchastity of war was, according to all descriptions, excessively disastrous. There were still remnants of a stronger race here and there: for example, the musician Handel, our finest type of a man in the realm of art, is evidence of this: or, to name a woman—Mrs. Professor Gottsched, who with good reason ruled over the German professors with the scepter for a good while—just look at the pictures of both!Some regions recovered more quickly and returned to overall health, e.g., Hanover Westphalia Holstein—even today, a hardworking and phlegmatic peasant class still resides there.—The German nobility was probably the worst off: they were the most deeply damaged. Those who stayed at home suffered from alcoholism, and those who went abroad and returned suffered from syphilis. To this day, they have had little say in intellectual matters; and even regarding Bismarck, his great-great-grandmother came from the Leipzig professoriate. —34 [105]
The German—not to mention the idiotic German-worshipping youths who even today still prattle on about “Teutonic virtues”—his mystical nature. There has never been any German education: there were hermits who knew how to hide themselves with astonishing skill, amid the coarsest barbarism.
34 [106]
The German writing style.
Mephistopheles.
34 [107]
Brutality and closely associated with it a morbid tenderness of sensual feeling in R W—is highly Parisian.
34 [108]
I take the democratic movement as something inevitable: but as something that is not unstoppable, but can be delayed. On the whole, however, the rule of the herd instinct and herd valuations, Epicureanism and benevolence increase together: man becomes weak, but good and amiable.
34 [109]
NB. Parliaments may be extremely useful for a strong and flexible statesman, he has something there to rely on—every such thing must be able to resist!—where he can shift much responsibility! On the whole, however, I wish that the numerical nonsense and the superstition of majorities had not yet taken root in Germany as it has among the Latin races; and that something new might finally be invented in politics! There is little sense and much danger in allowing the still short and easily eradicated habit of universal suffrage to take deeper root: for its introduction was merely an emergency and temporary measure.
34 [110]
To me, the inventive capacity and the accumulation of willpower seem to be greatest and most untapped among the Slavs, thanks to an absolute regime: and a Slavic earthly regime is not among the most improbable. The English do not know how to overcome the consequences of their own stubborn “self-glorification”; in the long run, they increasingly put the homines novi at the helm and, ultimately, women in Parliament. But politics is ultimately also a matter of heredity: no one starts out as a private individual becoming a person with an immense horizon.
34 [111]
The Germans should breed a ruling caste: I admit that the Jews possess abilities which are indispensable for their inclusion in a race that is to pursue world politics. The sense for money must be learned, inherited, and inherited a thousandfold: even now the Jew can compete with the American.
34 [112]
I point to something new: certainly, for such a democratic being there is the danger of the barbarian, but one sees it only in the depths. There is also another kind of barbarians, who come from the heights: a kind of conquering and ruling natures, who seek a material that they can shape. Prometheus was such a barbarian. —
34 [113]
No people of “professional politicians,” of newspaper readers!
34 [114]
The smallness and wretchedness of the German soul was and is by no means a consequence of the petty states: as is well known, people have been proud and self-assured in much smaller states, and it is not the large state itself that makes the soul freer and more manly. In whose soul a slavish imperative "you shall and must kneel!" commands an involuntary bowing of the neck before titles of honor, orders, gracious glances from above, he will only bow deeper in a "realm" and lick the dust before the great father of the country only more fervently than he did before the small one: there is no doubt about that.— One can still see today in the Italians of the lower classes that aristocratic self-sufficiency and manly discipline and certainty of themselves belong to the longest history of their city and have been best demonstrated to them; a poorA gondolier in Venice is still a better figure than a real Berlin privy councillor, and ultimately even a better man: that's something you can grasp with your fingers. Ask the women about it.
34 [115]
The Servant-Soul.
The Blood-Corruption.
The Moral Tartuffery.
The “Gemüth.”
The Unclarity.
The Delayers.
Conjecture about the Southern.
The Ugliness.
The Behind-Soul.
The Dependence on France.
The German Professor and the Officer.
The niaiserie allemande. .]
The German Writing Style.
The Hermits.
The “Eternal-Feminine” in the German Man.
The Intoxication and the Music.
The “Historical Sense.”
The Actor.
The Comfort (Philistine) and the War.
The Philosophers.
The Pessimism. (Comparison with France).
More Herd-Animal than ever—but there are favorable conditions also for Individuals.
34 [116]
The most respectable thing about Kant is that he overcame the Leibnizian temptation and held on to the best of the previous century, sensualism.
34 [117]
NB. Schopenhauer, in his youth seduced by the Romantics and diverted from his best instincts, was fundamentally a Voltairean in head and guts, and truly a child of the previous century—otherwise, however, led beyond French taste by the Greeks and by Goethe—and above all—not a theologian! The “immutability of character,” in German perhaps laziness, and on the other hand the belief in the infallibility of genius (in German perhaps vanity) led him to prematurely sanctify his “youthful sin,” I mean his metaphysics of the will; and to no longer “develop” himself. A man of his talent and inner discordia had the makings of five “better” systems in his head, and each always truer and falser than the other.
34 [118]
We do not understand a “causal” connection, but we see that a fact, in order to be established, must encompass several facts. Our analysis establishes a sequence. The numbers that result from this mean nothing for the connection of those phenomena among themselves, but can mislead: because man is fixed in certain instincts, a similarity of numerical ratios arises in relation to him.
34 [119]
Are our thoughts in a causal, immediate relationship to others? Or is their logical connection an illusion? I mean, a consequence of the fact that the triggering processes of each of these thoughts are connected in a way that presents itself to us as "conclusion" and the like. Are they all just final links?—Or is there an immediate influence of one thought on another? A "causing" here at least?
34 [120]
The phenomenal world “empty illusion and deception,” the need for causality, which establishes connections between phenomena, likewise “empty illusion and deception”—with this, the moral condemnation of the deceptive and illusory comes to expression. One must move beyond this. There are no things-in-themselves, nor absolute knowledge; the perspectival, deceptive character belongs to existence.
34 [121]
That my esteem or condemnation of a person does not yet give any other person the right to the same esteem or condemnation:— unless he is my equal and of the same rank. The opposite way of thinking is that of the newspapers: that the esteems of people and things are something “in themselves,” to which everyone may reach as if to his own property. Here the assumption is that all are of equal rank.— To be truthful is a distinction
34 [122]
That something that has come into being is not recognized if one knows its origin (father and mother): but that one must already know it in order to discover something “related” in the conditions of origin—and that this is usually an illusion:—in truth, the recognition of the paternal and maternal elements in the child is only possible with an aggregate, and unconsciously we seek, in order to explain, to grasp something new only as an aggregate, a combination, i.e., the analysis does not refer to the actual origin, but to a fictitious, never-occurred “mechanical” combination and addition. The explainer takes the facts more stupidly and simply than they are.
34 [123]
That man is a multiplicity of forces which stand in a hierarchy, so that there are those who command, but that the one who commands must also create for those who obey everything that serves their preservation, thus being himself conditioned by their existence. All these living beings must be of related kinds, otherwise they could not serve and obey one another in this way: those who serve must, in some sense, also be those who obey, and in more refined cases the role between them must temporarily alternate, and the one who usually commands must sometimes obey.The term “Individuum” is incorrect. These beings do not exist in isolation: the central center of gravity is something mutable; the continuous generation of cells, etc., results in a continuous change in the number of these beings. And addition accomplishes nothing at all. Our arithmetic is too crude for these conditions and is merely a singular arithmetic.
34 [124]
The logic of our conscious thinking is only a rough and simplified form of that thinking, which our organism, indeed the individual organs thereof, requires. A thinking-simultaneously, for example, is necessary, of which we scarcely have an inkling. Perhaps a language artist: the back-calculating with the weight and lightness of syllables, the forward-calculating, simultaneously the seeking of analogies from the weight of thought with the phonetic or physiological laryngeal conditions, happens simultaneously—but of course not as conscious.
Our causal feeling is something very coarse and isolated compared to the actual causal feelings of our organism. In particular, the "before" and "after" is a great naivety.
Finally: we first had to acquire everything for consciousness, a sense of time, a sense of space, a sense of causality: after it had already existed much richer without consciousness for a long time. And indeed in a certain simplest, most straightforward, most reduced form: our conscious willing, feeling, thinking is in the service of a much more comprehensive willing, feeling, and thinking.— Really?
We continue to grow, our sense of time, space, etc., is still developing.
34 [125]
Nothing can be predicted, but with a certain elevation of the human type, a new force may reveal itself, of which we have hitherto known nothing. (Namely a synthesis of opposites?)
34 [126]
The sigh of Kleist’s about the ultimate unknowability —
34 [127]
We are beginners in learning e.g. with our kind of logic. Or our passions. Or our mechanics. Or our atomism, which is the most honest attempt to construct the world for the eye, and for the counting arithmetic mind (thus intuitive and calculable)
34 [128]
Our “means and ends” are very useful abbreviations to make processes manageable and clear for us.
34 [129]
| 1. The Will to Truth. |
| 2. Beyond Good and Evil. |
| 3. Man as Artist. |
| 4. On High Politics. |
| 5. The Disciplining Thought. |
34 [130]
Abstract thinking is a toil for many, but for me, on good days, it is a feast and an intoxication.
34 [131]
Like a field commander who does not want to and must not learn of many things in order not to lose the overall overview: so too in our conscious mind there must be above all an excluding, repelling drive, a selective one that allows only certain facts to be presented. Consciousness is the hand with which the organism reaches farthest around itself: it must be a firm hand. Our logic, our sense of time, sense of space are enormous abbreviating capacities, for the purpose of commanding. A concept is an invention to which nothing corresponds entirely; but many things a little: such a proposition “2 things, equal to a third, are equal to each other” presupposes 1) things 2) equalities: neither of which exists.But with this invented rigid world of concepts and numbers, man gains a means to master enormous quantities of facts as if with signs and to inscribe them into his memory. This apparatus of signs is his superiority, precisely because it distances itself as far as possible from the individual fact. The reduction of experiences to signs, and the ever-increasing quantity of things that can thus be grasped: this is his highest power.“Spirituality” as the capacity to master an enormous quantity of facts through signs. This spiritual world, this world of signs is pure “illusion and deception,” just as much as every “phenomenal thing”—and the “moral M is outraged! (as for Napoleon, only the essential instincts of man were taken into account in his calculations, and he had the right to disregard the exceptional ones, e.g., compassion—at the risk of occasionally miscalculating)
34 [132]
What does "perceive" mean? To take-something-as-true: saying yes to something.
34 [133]
NB. There is something pathological about the entire previous type of philosophers, much may have gone wrong with them. Instead of elevating themselves and humanity, philosophers prefer to step aside and seek whether there might not be an other path: this is perhaps in itself already a sign of a degenerate instinct. The well-turned-out man rejoices in the fact “man” and in the path of man: but—he goes further!
34 [134]
What my value-judgment is, is not so for another. The adopting of value-judgments like clothing is nevertheless the most common fact: thus from the outside in, first skin, then flesh, finally character is formed: the role becomes truth.
34 [135]
I have often watched these German idealists, but not for myself!—they know and smell nothing of what I know, they walk their gentle stroll, they have their hearts full of other desires than I: they seek other air, other nourishment, other comfort. They look up, I look out,—we never see the same.
—To associate with them is vexing to me. They may love cleanliness in their bodies: but their spirit is unwashed, their “therefore” smells foul to me, they are outraged where my cheerful curiosity begins, they have not cleaned their ears when I am ready to sing my song.
34 [136]
— This Socrates, who sought clever reasons to act as custom prescribed, was entirely to the liking of the “Delphic priesthood”! And his conversion of Plato was the masterpiece of his art of seduction. The learned concepts as of divine origin, the popular valuations as the eternal and imperishable:—but to dress them anew for a finer breed, to add the pepper and mugwort of dialectical delight, to use them among a chattering and amorous youth to inflame rivalry in speech and deed —
34 [137]
— You are so strange to me: I would have to teach them, to live with them, always the exact opposite of what I hold to be true and what seems refreshing to me: and among them I conceived the proverb “not only gold, but leather also shines.”
34 [138]
In Germany, there has always been a lack of spirit, and mediocre minds already come to the highest honors there because they are already rare. What is most valued is diligence and perseverance and a certain cold-blooded critical eye; and for the sake of such qualities, German philology and German warfare have become masters over Europe.
34 [139]
NB. To finer and wiser ears, almost every praise of a virtue sounds ridiculous: they do not yet hear any virtue in it, for example, when someone is called “modest” (if he assesses himself correctly!) or that someone is called “truthful” (if he does not want to be deceived!) or “compassionate” (if he has a soft, yielding heart) chaste (if he is a frog and yet does not like to live in swamps)
34 [140]
NB. There is a naivety of the know M, which borders on stupidity: they have no sense of how dangerous their craft is, they believe in the depths of their hearts that “love of truth” and “the good, the beautiful, and the true” is their real concern. I do not mean “dangerous” in terms of the dissolving effects, but in terms of the enormous weight of responsibility that one feels who begins to realize that all the valuations by which people live, in the long run, ruin mankind.
34 [141]
NB. The emasculating and perhaps castrating effect of excessive prayer also belongs among the damages to the German essence since the Reformation. It is a matter of bad taste under all circumstances to ask for much instead of giving much: the mixture of humble servility with an insolent-plebeian presumptuousness, with which, for example,the holy Augustine in his confessiones before God rolls, reminds that man perhaps does not alone among the animals have the religious feeling- the dog has for man a similar “religious feeling.”— The praying intercourse with G cultivates the humiliating mood and attitude, which even in irreligious times, through inheritance, still asserts its right: the Germans famously perished before princes or before party leaders or before the phrase “as the most subservient servant.” It should be over with that.
34 [142]
NB. It has never occurred to me to "derive" all virtues from egoism. I first want it proven that they are "virtues" and not merely temporary preservation instincts of certain herds and communities.
34 [143]
This effeminate fear of the “horrible fanaticism”
34 [144]
NB.— he moved and closed his lips again and looked like one who still has something to say and hesitates to say it. And it seemed to those who watched him that his face thereby turned slightly red. This lasted a little while: then, all at once, he shook his head, closed his eyes voluntarily—and died. —
Thus it came to pass that Zarathustra perished.
34 [145]
He leads his friends ever higher, even to his cave and finally to the high mountain: there he dies.
blessing: Grave Island Cave.
The stations: and each time speeches.
Noon and Eternity
By
Friedrich Nietzsche.
First Part:
the herald's calls.
Second Part:
the proclamation.
Third Part:
the vowing ones.
Fourth Part:
rise and fall.
34 [146]
To one who is concerned with the conditions under which the plant "man" grows most vigorously upwards,—to one thus occupied, the emergence of a new political power, if it does not rest on new ideas, is not yet an event: he has scarcely time to look more closely.
Let me not be misunderstood: with this book I wished to explain why the founding of the German Reich has left me indifferent: I see one step further in the democratization of Europe and also one step further in the moral mendacity of Europe.— nothing more, nothing new. Democracy, however, is the form of a decay of the state, a degeneration of the races, a preponderance of the misbegotten: I have already said this once.
34 [147]
A person to whom almost all books have become superficial, who still has faith in only a few people of the past that they possessed enough depth—not to write what they knew.
I have thought so many forbidden things and have been in good spirits and always at home where even upright and capable minds run out of breath: so I always look on with amazement when I still find something to communicate. Though I know full well that my dashes are dearer to me than my communicated thoughts.
How many scholars I could occupy; and if perhaps in individual cases I have done this—
The evil that comes from driving scholars into areas where freedom, subtlety, and fearlessness are needed lies in the fact that they cannot see beyond themselves—that they have no eyes where they have no experiences. To represent, for example, what the moral conscience is, one would have to be deep, wounded, and monstrous like Pascal’s conscience and then also possess that vast sky of bright and malicious spirituality which overlooks, arranges, and mocks this swarm of experiences from above.
When I was younger, I thought that I lacked a few hundred scholars whom I could drive like hounds into the thickets—I mean into the history of the human soul—to hunt down my game. In the meantime, I have learned that even assistants are hard to find for the things that arouse my curiosity.
34 [148]
I believe I feel that Socrates was profound—his irony was above all the compulsion to present himself as superficial in order to be able to associate with people at all—; that Caesar had depth: likewise perhaps that Hohenstaufen Frederick the Second: certainly Leonardo da Vinci; to no small degree Pascal, who died only thirty years too early to laugh scornfully at Christianity itself from his magnificent bitterly wicked soul, as he had earlier and younger done at the Jesuits.
34 [149]
NB. I honor M Angelo higher than Raphael, because he, through all the Christian veils and prejudices of his time, has seen the ideals of a nobler culture than the Christian-Raphaelesque one: while Raphael faithfully and modestly only glorified the valuations given to him and carried no further-seeking, yearning instincts within himself. M Angelo, however, saw and felt the problem of the legislator of new values: as well as the problem of the triumphantly perfected one, who first had to overcome even “the hero within himself”; the man elevated to the highest, who also became exalted above his compassion and mercilessly shattered and annihilated what was alien to him,—brilliant and in undimmed divinity.M A was, as is fitting, only in moments so high and so outside his time and Christian Europe: for the most part, he behaved condescendingly towards the Eternal-Feminine in Christianity; indeed, it seems that he ultimately broke down precisely before this and abandoned the ideal of his highest hours. For it was an ideal that only the man of the strongest and highest fullness of life could have been equal to, not an aged man! In essence, he would have had to annihilate Christianity from his ideal! But he was not enough of a thinker and philosopher for that.— L da Vinci perhaps alone among those artists had a truly supra-Christian gaze. He knows “the Orient,” the inward as well as the outward. There is something supra-European and reticent about him, as marks everyone who has seen too great a circumference of good and bad things.
34 [150]
NB. Schopenhauer, an upright thinker, likewise not a bad writer on philosophical subjects, although not a philosopher himself: with regard to the present youth (and also to those older people who are modest in their demands for sharpness of concepts, clarity of the sky, and—scientificity) he is still irreplaceable, for he teaches veneration where he himself has venerated, before the critical spirit of Kant, before Goethe, before the Greeks, before the freethinking French; in his time he was perhaps the best-educated German, with a European horizon: there are even moments when he sees with oriental eyes.
The pessimism, as he understood it, is also no small teacher of veneration in areas where veneration was not at home: for example, before the Indian antiquity, before the old authentic Christianity, the Catholic, against which the Protestant school education tends to turn taste.34 [151]
About the “genius.” How little talent, for example, in R W! Was there ever a musician who, at the age of 28, was so poor (not so undeveloped, closed-off, but so poor) that he was envious of Meyerbeer—so bitterly envious as to resent it for the rest of his life? And consequently, with the consistency of “beautiful souls,” to hold it against him for the rest of his life? On the other hand, one learns how Kant rightly praises diligence and perseverance, etc.
34 [152]
Among good musicians, Verdi is considered rich, compared to W: he had reasons to be frugal and to "invest" his "inventions" well, to engage in usury with "leitmotifs" and to keep his "gold" to himself, so that one enjoys a credit that is a thousand times too large on that basis: did W learn this from the Jews?
34 [153]
NB. A woman wants to be a mother; and if she does not want to be, even though she could be, she almost belongs in prison: so great is usually her inner degeneration.
34 [154]
NB. Germany has only produced one poet besides Goethe: that is Heinrich Heine—and he is also a Jew. But in France as well as in Italy, Spain, and England, and wherever else; he had the finest instinct for the blue flower “German,” though also for the gray donkey “German.” The Parisians also claim that he, along with 2 other non-Parisians, embodies the quintessence of the Parisian spirit
34 [155]
| On the Philosophers. On Women. On Musicians. On Peoples. On Scholars. On Writers. On the Pious. |
| On Herds—and Herd Instincts. |
| “the good man” |
| On the Rulers. On the Ancient Greeks. Dionysus—Diabolus. |
The Good Europeans.
A Contribution to the Description
of the European Soul.
34 [156]
A preface on hierarchy.
These are my judgments: and by printing them, I do not yet give anyone the right to take them as their own: least of all do I consider them “public common property,” and I will rap the knuckles of anyone who misappropriates them. There is something that sounds unpleasant in an age of “equal rights for all”: that is hierarchy.
34 [157]
NB. To explain that inward daring skepticism in Germany, which is greater there and more certain of itself than in any other country in Europe, one must consider the fact that the Protestant clergy has always been fertile in children and, like Luther, has not only had its strength in the pulpit: and for the same reason that Machiavelli derives the skepticism of the Italians—they have always had the vicar of God and his court too close before their eyes—too many of the German philosophers and scholars, as children of preachers and other church accessories, have watched the "priest"—and consequently no longer believe in God.Protestantism is from the outset essentially disbelief in the “saints”; German philosophy is essentially disbelief in the homines religiosi and the saints of the second rank, in all the country and city pastors, including the university theologians—and in this respect German philosophy may be a continuation of Protestantism.
34 [158]
NB. The outer world is the work of our organs; consequently, our body, a piece of the outer world, is the work of our organs—consequently, our organs are the work of our organs. This is a complete reductio ad absurdum: consequently, the outer world is not the work of our organs.
34 [159]
Arrows.
Thoughts on and against the
European soul
The Right of Privileges.
34 [160]
Arrows.
Thoughts
on and against the German soul.
By
Friedrich Nietzsche.
34 [161]
NB. A skilled craftsman or scholar looks good when he takes pride in his art and looks at life with sufficient contentment; and nothing, on the other hand, is more pitiful to behold than when a shoemaker or schoolmaster, with a suffering expression, gives to understand that he was actually born for something better. There is nothing better than the good! and that is: to have some skill and to create from it, virtù, in the Italian sense of the Renaissance.
34 [162]
NB. Today, in an era where the state has an absurdly bloated belly, there are in all fields and disciplines, besides the actual workers, also “representatives”—for example, besides scholars, there are literati; besides the suffering classes of the people, there are chattering, boastful do-nothings who “represent” that suffering, not to mention the professional politicians who are doing well and “represent” “hardships” before a parliament with strong lungs. Our modern life is extremely costly due to the multitude of intermediaries; in an ancient city, on the other hand, and later in the echo of some cities in Spain and Italy, one acted for oneself and would have given nothing for such a modern representative and middleman—except perhaps a kick!
34 [163]
The ecclesiastical pressure of millennia has created a magnificent tension of the bow, likewise the monarchical: the two attempted relaxations (instead of shooting with the bow) are 1) Jesuitism 2) democracy. Pascal is the splendid sign of that terrible tension: he laughed the Jesuits dead.— I am satisfied with despotic conditions, provided that one has to deal with mixed races, where any tension is given at all. Admittedly: the danger of such attempts is great.— European democracy is not or to the smallest part an unleashing of forces, but above all an unleashing of letting oneself go, of wanting to have it easy, of inner lazinesses. The same goes for the press.
34 [164]
The European D is to the smallest part an unleashing of forces: above all, it is an unleashing of laziness, of fatigue, of weaknesses.
34 [165]
The Mirror.
An opportunity for self-reflection
for Europeans.
By
Friedrich Nietzsche.
34 [166]
The commonality in the development of the European soul can be seen, for example, in a comparison of Delacroix and R W, one a peintre-poète, the other a tone-poet, according to the difference between French and German talent. But otherwise the same. Delacroix, by the way, also very musical—Coriolan Overture. His first interpreter Baudelaire, a kind of R W without music. The expression of both is prioritized, everything else sacrificed. Both dependent on literature, highly educated and writing themselves. Nervous-sick-tormented, without sun.
34 [167]
In every sensory judgment, the entire organic prehistory is active: “this is green,” for example. The memory in instinct, as a kind of abstraction and simplification, comparable to the logical process: the most important has always been emphasized again, but even the weakest traits remain. There is no forgetting in the organic realm; rather, there is a kind of digestion of the experienced.
34 [168]
The Good, their relation to stupidity.
Education and breeding.
The liberum “nego.” “provisional No!”
Veneration, anger and courage
34 [169]
The countability of certain processes, e.g., many chemical ones, and their calculability do not yet provide any reason to touch upon "absolute truths" here. It is always only a number in relation to humans, to some fixed inclination or measure in humans. The number itself is thoroughly our invention.
34 [170]
A logical process, of the kind that “exists in theory,” never occurs, no more than a straight line or two “identical things.” Our thinking operates fundamentally differently: between one thought and the next, an intermediary world of a completely different kind prevails, e.g., the drive toward contradiction or submission, etc.
34 [171]
Synthetic judgments a priori are indeed possible, but they are—false judgments.
34 [172]
Nux and crux.
A Philosophy for Good Teeth.
34 [173]
Every philosophy, however it may have arisen, serves certain educational purposes, e.g., for encouragement or for soothing, etc.
34 [174]
The good a prelude to evil; a mild dose of evil: —
34 [175]
If one cares about others and not about oneself, it can be a sign of stupidity: that's what "the people" think in bonhomie.
34 [176]
The morals and religions are the main means by which one can shape people into whatever one desires: provided that one has a surplus of creative forces and can enforce one's creative will over long periods of time, in the form of legislation and customs. While pondering the means to make people stronger and deeper than they have been before, I considered above all which morality has hitherto accomplished such a thing.
The first thing I understood was that one cannot use the morality common in Europe for this, which, to be sure, the philosophers and moralists of Europe believe to be morality itself and alone—a such philosophical unison is indeed the best proof that this morality truly reigns.— For this morality is the true herd-instinct, which yearns for comfort, safety, ease of life, and as its ultimate wish even desires to be rid of all leaders and guide-hammers. Its two most preached doctrines are called: “Equality of Rights” and “Compassion for all Suffering”—and suffering itself is taken by all herd-animals as something that must be abolished.Whoever reflects on where and how the plant "man" has hitherto grown most vigorously and beautifully will, in contrast to European herd morality and historical falsification, gather so much from history that for this purpose the danger of his situation must be increased, his inventive and dissembling spirit challenged by long pressure and compulsion, and that consequently hardness, cruelty, taciturnity, discomfort, inequality of rights, war, upheaval of every kind—in short, the opposite of all herd ideals—is necessary.That a morality with such inverted intentions could only be taught and implanted by connecting to the existing moral law and under its words and cloak of splendor, that therefore many transitional and deceptive forms must be invented, and that, since the life of one person is far too short to carry out such a protracted will, people must be bred in whom such a will is guaranteed duration through many generations: this is as understandable as the long-not-easily-expressed "and so forth" of these thoughts. Preparing a reversal of values in a certain strong type of man and unleashing among them a host of restrained and slandered instincts: reflecting on this, I considered what kind of man has unconsciously and involuntarily already worked toward this thus posed task.I found the pessimists, in that their dissatisfaction with everything also logically compels them to dissatisfaction with the present at least: for this reason, I favored Schopenhauer and the slowly dawning knowledge of Indian philosophies across Europe. Even a nightmare is a means to suddenly awaken people.— Likewise, I took pleasure in certain insatiably dualistic artists, who, like Byron, unconditionally believe in the privileges of higher people and, under the seduction of art, stifle the herd instincts in select individuals and awaken the opposite ones.Thirdly, I honored the philologists and historians who continued the discovery of antiquity, because in the ancient world a different morality prevailed than today, and indeed man was then under the spell of his morality more strongly evil and deeper: the seduction exerted by antiquity on stronger souls is probably the finest and most imperceptible of all seductions.I called this entire way of thinking within myself the philosophy of Dionysus: a contemplation that recognizes in the creation and transformation of humans and things the highest enjoyment of existence, and in "morality" only a means to give the ruling will such strength and flexibility as to impose itself upon humanity in this manner. I examine religions and educational systems to see how far they accumulate and inherit power; and nothing seems to me more essential to study than the laws of breeding, so as not to lose the greatest amount of power again through inappropriate connections and ways of life.
34 [177]
I am averse 1) to socialism, because it dreams entirely of the herd-stupidity of the “Good True Beautiful” and of equal rights: anarchism also wants, only in a more brutal way, the same ideal 2) parliamentarism and journalism, because these are the means by which the herd-animal makes itself master.
34 [178]
My focus on the points in history where the great Ms stand out. The significance of long despotic moralities: they stretch the bow, if they do not break it.
34 [179]
That there would be a development of all mankind is nonsense: and not even to be desired. Bringing out the many forms in man, the kind of multiformity of man, breaking him apart when one type of character has reached its peak—thus being both creative and destructive—seems to me the highest pleasure that humans can have. Plato was certainly not so limited when he taught concepts as fixed and eternal: but he wanted it to be believed.
34 [180]
Not to put more reason into the whole history of mankind than into the rest of the world is: Much is possible, but one must not want it for too long. Chance shatters everything again.
Man as a spectacle: that is the historical sense—but it contains a dangerous element, man learns to feel himself as the Shaper, who does not only watch and want to watch. The German
— it goes without saying that all organic basic intentions of M are spoken of publicly and secretly only under a thousand masks: one should read a speech by Bismarck. NB.— the intellectual person, who has occasionally seen behind the masks and knows how to see, who has generally understood how much everything is a mask—is reasonably in good spirits about it. Intellectuality is the thrill of an eternal carnival, whether we ourselves play along or are merely played with.
— the historical sense and the geographic-climatic exoticism side by side.
34 [181]
So, as an idle person who has nothing better to do, I want to tell my friends once what I think about the philosophy of Dionysus: for that even gods philosophize seems to me a worthy and pious idea, in which even the most devout can still take pleasure. I may perhaps, according to the taste of my friends, go too far in the frankness of my account: but this god himself, in conversation with me, has gone much further, and I would, if I were allowed to give him beautiful hypocritical pompous names, have much to boast about my courage, my honesty, truthfulness, integrity, "love of truth," and the like.
But with all this beautiful finery and splendor, such a god knows nothing to do with it—to justify myself, two words suffice, which one certainly does not easily translate "into German" in Germany: gai saber.Keep this to yourself and your kind: I have no reason to cover my "nakedness." Enough, it is a completely shameless kind of divinity.
It was spring, and all the wood stood in young sap: as I walked through the forest and pondered a childish thought, I carved myself a pipe without really knowing what I was doing. But as soon as I brought it to my mouth and whistled, the god appeared before me, whom I have known for a long time.
Well, you Pied Piper, what are you up to? You half Jesuit and musician—, almost a German!
I was surprised that the god sought to flatter me in this way: and resolved to be on my guard against him.
I have done everything to make them stupid, let them sweat in beds, gave them dumplings to eat, made them drink until they collapsed, turned them into stay-at-homes and scholars, instilled in them the wretched feelings of a servant's soul
You seem to me to be plotting something terrible, to ruin the M?
Perhaps, the god replied; but in such a way that something comes of it for me.
— What then? I asked curiously. —
Who then? you should ask. Thus spoke Dionysus to me.
34 [182]
Dionysus.
Attempt at a divine way of
philosophizing.
By
Friedrich Nietzsche
34 [183]
How is it that women give birth to their children alive? I always thought that the poor creatures, given the meager state of their powers of resistance, must come into the world suffocated. The gate is narrow and the path is tight, as it is written: or, how are living children possible a priori?— And as I asked this, I awoke completely from my dogmatic slumber, gave the god a push in the belly, and asked, with the seriousness of a Chinese man from Königsberg: “In summa: how are synthetic judgments a priori possible?” “Through a faculty for it,” answered the god, holding his belly.
34 [184]
Hegel: the Germans' inclination to contradict themselves—from this a Gothic,
Wagner: who knew no end and also made this into a principle: also a Gothic.
34 [185]
Do not falsify the real historical significance of Kant! He himself was proud of his table of categories and of having discovered the faculty for it: his successors were proud of discovering such faculties, and the fame of German philosophy abroad was based on this: namely, the intuitive and instinctive grasp of “truth” was what made the Germans famous. Their effect belongs to the great Reaction.
A kind of saving of scientific work, a more direct approach to the “things” themselves—an abbreviation of the path of knowledge: this dream intoxicated!— In essence, Schopenhauer evokes the same ecstasy: only not in satisfied, Spinozistically-minded M but in the dissatisfied: he seizes “the will” or rather the velleity, the “willelei,” the desire or sense and intellect34 [186]
“Calmly leaning on Graces and Muses” Schiller “the artists.”
34 [187]
The development of consciousness as a governing apparatus: accessible only to generalizations. Even what the eye shows enters consciousness as generalized and processed.
34 [188]
Preface: the hierarchy of men.
1. Knowledge as Will to Power.
2. Beyond Good and Evil
3. The Hidden Artists.
4. The Great Politics.
5. The Hammer.
34 [189]
the sensuality, which in small pale Jews or Parisians appears so ridiculous, and almost comme une neurose —
34 [190]
in the previous century, bonté gained a good conscience on its side, which had long been associated with quite different feelings
34 [191]
Noon and Eternity.
A Philosophy of Eternal Recurrence.
By
Friedrich Nietzsche.
| Preface: | on the human hierarchy. |
| First Part: | Knowledge and Conscience. |
| Second Part: | Beyond Good and Evil. |
| Third Part: | The Hidden Artists. |
| Fourth Part: | high politics. |
| Fifth Part: | the hammer (or Dionysus). |
34 [192]
Preface. For whom?
The Inventive.
The Scope of the Soul.
The Depth.
The Power of Transformation.
The Commanding Power.
The Hardness.
Knowledge: The Conqueror's Lust
The Great Responsibility.
The Art of Masks. Transfiguration.
The Power of Communication.
— the Dionysian —
34 [193]
The skeptics of morality do not consider how much moral esteem they carry in their skepticism: their condition is almost a suicide of morality and perhaps even a transfiguration of it.
34 [194]
Where are we to take our valuations from? From “life”? But “higher, lower, simpler, manifold”—are estimations which we first place into life. “Development” in every sense is always also a loss, a damage; even the specialization of each organ. The optics of self-preservation and growth.
Optics of Growth.
That the destruction of an illusion does not yet yield truth, but only a piece of ignorance more:
Knowledge and Conscience.
A Morality for Moralists.
By
Felix Fallax.
34 [195]
The philosophers 1) have always had the wonderful ability for contradictio in adjecto.
2) they trusted concepts just as unconditionally as they distrusted the senses: they did not consider that concepts and words are our heritage from times when things were very dark and modest in people's minds.
NB. What finally dawns on the philosophers: they must no longer merely accept concepts as gifts, not only purify and clarify them, but first and foremost make, create, present them, and persuade others to adopt them.
So far, one has trusted in his concepts as a whole, as if they were a wonderful dowry from some miraculous world: but in the end, they were the legacies of our most distant ancestors, as foolish as they were cunning. This piety toward what is found within us may perhaps—belong to the moral element in knowing.— First and foremost, absolute skepticism toward all inherited concepts is necessary (as perhaps one philosopher once possessed—Plato: naturally taught the opposite — —)34 [196]
Here comes a philosophy—one of my philosophies—to speak, which by no means wants to be called “love of wisdom,” but rather, out of pride perhaps, requests a more modest name for itself: an off-putting name even, which may already contribute to its remaining what it wants to be: a philosophy for me—with the motto: satis sunt mihi pauci, satis est unus, satis est nullus.— This philosophy, namely, calls itself: the Art of Distrust and writes above its door:.
34 [197]
You demonstrate from the misery of women that their situation must be improved: but I wish you would do it on the basis of their better situation and strength
34 [198]
The great virtues, responsibility.
“The Good” as a background of the democratic socialist movement.
34 [199]
| 1) | Zarathustra imprisoned — Prosecution speech against him as a seducer great contrast between the enormous uncertainty and the small man Zarathustra praises the escaped ones (great crisis for him) he persuades the fathers to hold a memorial feast Aristocrats from all ends of the earth gather Finally, the children themselves come. |
| 2) | the hierarchy of mankind: he separates the gathering groups from himself, thereby designating the degrees of human education (through generations) |
| 3) | Before the smallest selection: the legislators of the future, with the great virtues (responsibility), the hammer. |
| 4) | the farewell: the return as the religion of religions: comforting. |
| Zarathustra imprisoned, critiques the situation of the escaped. it flows in (simultaneously dismissing his audience) finally the crowd arrives. |
| The hierarchy as stages of human education (through many generations) |
| the highest legislators, with the hammer. Depiction of the great virtues. |
| the farewell. |
34 [200]
The philosopher needs many foreground virtues and especially splendid words: such as truthfulness, honesty, love of truth.
34 [201]
The Legislator of the Future.
the human hierarchy.
Beyond Good and Evil.
The Philosopher as Artist.
Dionysus.
34 [202]
The Lords of the Earth.
Thoughts on Today and Tomorrow.
By
Friedrich Nietzsche.
34 [203]
The condition of Europe in the next century will breed male virtues again: because one lives in constant danger. The “universal military service” is already today the strange antidote to the softness of democratic ideas: arising from the struggle of nations (Nation—people who speak one language and read the same newspapers call themselves “nations” today and would very much like to be of common descent and history as well: but this has not succeeded even with the most blatant falsification of the past.)
34 [204]
My friends, what have I been occupied with for so many years? I have endeavored to think pessimism to its depths, and to liberate it from the half-Christian, half-German narrowness and simplicity in which it first confronted me, in Schopenhauer's philosophy: so that man of this way of thinking may also be equal to the highest expression of pessimism. I have likewise sought an inverse ideal—a way of thinking which is the most overweening, most lively, and most world-affirming of all possible ways of thinking: I found it in the thorough consideration of the mechanistic worldview; it truly takes the very best humor in the world to endure such a world of eternal recurrence, as I have taught through my son Z—thus including ourselves in an eternal da capo.
Finally, it became clear to me that the most world-denying of all possible ways of thinking is the one that already calls becoming, arising, and passing away bad in itself and that affirms only the unconditional, the one, the certain, the being: I found that God is the most annihilating and life-hostile of all thoughts, and that only through the monstrous lack of clarity of the dear pious and metaphysicians of all times has the recognition of this "truth" been delayed for so long.Forgive me for not being at all willing to give up either of these two ways of thinking—I would have to give up my task, which requires opposing means.It is, for the purpose of ruining or delaying and deepening individuals and peoples, temporarily (under certain circumstances for a couple of millennia), a pessimistic way of thinking of the highest value; and whoever, in the grand sense, raises the claims of the creator will also raise the claims of the destroyer and, under certain circumstances, must teach destructive ways of thinking. In this sense, I welcome the existing Christianity and Buddhism, the two most comprehensive forms of current world-denial; and, for degenerating and dying races, etc.B. to the Indians, and to the Europeans of today to deliver the death blow, I would myself defend the invention of an even stricter, genuinely nihilistic religion or philosophy.
After what I said earlier, I leave no one in doubt about what significance I would attribute to the thought of “God” in such a religion.— The best nihilists among the philosophers have so far been the Eleatics. Their God is the best and most thorough exposition of Buddhist Nirvana; Being and Nothingness are identical there.
34 [205]
As for Richard Wagner: I have not overcome the disappointment of the summer of 1876; the amount of imperfection, in the work and in the man, was too great for me all at once;—I ran away. Later I understood that the most thorough detachment from an artist is to have seen his ideal. After such a glance as I had in my youth—witness is my remaining small writing about Richard Wagner—nothing remained for me but, grinding my teeth and beside myself, to take leave of this unbearable “reality”—as I suddenly saw it.— That he, having grown old, transformed himself, is none of my concern: almost all romantics of this kind end under the cross—I loved only the Wagner I knew, i.e.an upright atheist and immoralist, who invented the figure of Siegfried, a very free man. Since then, he has, from the modest corner of his Bayreuth papers, given enough to understand how highly he values the blood of the Redeemer—and he has been understood. Many Germans, many pure and impure fools of all kinds, have since believed in R W as their “Redeemer.” All of this goes against my taste. —
It goes without saying that I do not easily grant anyone the right to make my estimation their own; and all disrespectful rabble, which swarms on the body of today’s society like lice, should not even be allowed to take such a great name as R W’s into their mouths, neither in praise nor in contradiction.
34 [206]
Fair-Century.—
34 [207]
The legislator of the future.
Characteristic of Europe as decaying. Fairground.
The great ebb for millennia in the invention of values.
My temporary encouragement through music: what I understood by “Dionysian.” R W.
The detachment from morality.
Thinking pessimism to its end and likewise optimism.
| The Germans. | Hartmann Dühring Bismarck R W |
34 [208]
NB. “The struggle for existence”—this designates an exceptional state. The rule is rather the struggle for power, for “more” and “better” and “faster” and “more often.”
34 [209]
this world of ours today, our age of great hubbub, which, with its fairground taste, even considers the monstrous, the noisier to be valid events and finally: produces such events
34 [210]
Is there really a 19th century? Or rather, isn't it just a diluted, dumbfounded, and terribly prolonged 18th century? What great things have happened and been created that were not before 1800? Although some fruits that grew and ripened in the 18th century only fell from the tree in this one. Remove the French Revolution and Napoleon from politics—with that, you remove democracy and the French sensualism and hedonism, along with German-English skepticism, from philosophy
34 [211]
The powerful echo of the tragic events of that French generation of the thirties and forties, to which Richard Wagner also joined, with the right instinct, that magnificent and morbid kind of insatiable ones, to whom Beethoven in tones and Byron in words preluded: the effect of the monstrous on M, whose nerve and willpower were already too weak for it
34 [212]
| — | the great silence—in the fairground age |
| — | the blessing of the legislators (also “you shall be enemies to yourselves”) |
| — | from the soul of their development: how they want to flee their immense task. |
| — | Analysis of the herd animal. One must sacrifice more people than ever for wars |
| — | the great, terrible commemorative festivals. |
| — | Compassion with the great people of all times, not letting us descend! |
| — | since there is no God anymore, the loneliness is no longer bearable: the high man must get to work. |
| — | do you want the body, the senses, etc. |
| — | Praise of cool reason, as solace for people of the labyrinth |
| — | the master of many philosophies, powerful in the deepest pessimism and highest world-transfiguration. |
| — | the melancholics need cheerfulness. |
34 [213]
Gai saber.
Attempt at a divine way to
philosophize.
By
Friedrich Nietzsche.
| 1. Knowledge and Conscience. |
| 2. Morality for Moralists. |
| 3. Thoughts on Today and Tomorrow. |
| 4. On the Hierarchy. |
34 [214]
Self-Glorification.
The Good and the Evil
The 20. Century.
34 [215]
Eugen Dühring, adorned with all the virtues and flaws of a scholar and a man of the mob, which also includes the bad taste of all his attitudes.
34 [216]
NB. A) There are hours, very bright, cheerful festival hours of good conscience, where we know of no other way to describe the whole magnificent chatter of previous humans about morality than with the words: “higher swindle.”
The Imperial Folly
B) The ignorance in all our praising and blaming, esteeming and condemning, loving and hating causes shame: that is the suffering of every profound person. One step further: and even this shame causes shame: and finally—we laugh at ourselves.
34 [217]
NB. We are in the midst of discovering that appearances and the most immediate probability deserve the least belief: everywhere we learn the opposite: e.g., that sexual reproduction in the realm of all living things is only the exceptional case: that the male is fundamentally nothing more than a degenerate, decayed female:—or that all organs in animal beings originally served different purposes than those for which we call them “organs”: in general, that everything originated differently than its final use would lead us to assume.The representation of what is teaches nothing about its origin: and the history of its origin teaches nothing about what is there. Historians of all kinds are almost all mistaken in this: because they start from what exists and look backward. But what exists is something new and entirely not deducible: no chemist could predict what would result from the union of 2 elements if he did not already know it!
34 [218]
NB. It is not at all possible that a person does not have the characteristics of their parents and ancestors: no matter what appearances may suggest to the contrary. Suppose one knows something about the parents, then a conclusion about the child is permitted: for example, some bestial intemperance, some clumsy envy—both together make up the vulgar type—must pass on to the child, as surely as corrupted blood, and the child will have trouble concealing such inheritance. Hence, the talent for acting in people of low origin is greater than in the noble: and likewise the Tartuffery of “virtue.”
34 [219]
To those superficial and clumsy scholars who are shameless enough to consider themselves "free spirits," everything that belongs to the sickness history of higher men is considered cowardice or betrayal of the truth, weakness of the will: that submitting, being afraid of oneself
34 [220]
To reconcile Christian feelings with Greek beauty and perhaps even with modern parliamentarism—that might today be called “philosophy” in Rome.—This requires much subtlety of mind and, on the other hand, much more enthusiasm.
34 [221]
The best that Germany has given, critical discipline—Kant, F. A. Wolf, Lessing, Niebuhr etc. Defense against skepticism—strictness and bold courage, the certainty of the hand that wields the knife, joy in saying no and dissecting. Counter-movement: Romanticism, with Richard Wagner as the last Romantic, synthetic,
34 [222]
NB. The diversity of people is so great.
The judgments which I have hitherto heard in my whole life about people I knew, usually lay so far from what I myself held to be true, that I finally made for my own use the maxim: “it is indiscreet not to lie about people.” Especially it vexes me that something, on account of which an M pleases me, as soon as I would want to name it, would immediately also damage his “reputation.”
34 [223]
NB. Principle: there is something like decay in everything that indicates the modern human: but close beside the sickness stand signs of an untested strength and power of the soul. The same reasons, which bring about the diminution of the majority, drive the stronger and rarer ones up to greatness.
34 [224]
Oh devil over the quacking! The Germans are boasting once again about their famous “German virtue,” of which history knows absolutely nothing. The worst offenders are some antisemites, including what has been left sitting in the swamp of the Bayreuth master.
34 [225]
Motto: I have no time for myself,—forward!
34 [226]
NB. Sphinx.
Reduction to the judgment: “this is not true.” Follows the imperative: “consequently you may not consider it true!” Or does it really mean: “consequently you can no longer consider it true”?— Now we constantly see, for example, the sunrise and sunset and believe what we know to be untrue. It is the same everywhere. A “you may not” would be an imperative that negates life. Consequently, one must deceive and allow oneself to be deceived.
34 [227]
That R W, whom one today in Germany reveres and with all the boastful clutter of the worst German chauvinism reveres: that R W I do not know, yes—that I may voice my suspicion—he never existed: it is a phantom.
34 [228]
To the bad taste of today's D I count: the virtuous German-thumping, which has history against it and which should have shame against it
34 [229]
NB. Fundamental error of all historians: the facts are all much smaller than that they could be grasped.
34 [230]
The Tempter.
There are many kinds of eyes. Even the Sphinx has eyes: and consequently there are many kinds of “truths,” and consequently there is no truth.
34 [231]
The finest, most mobile spirituality with a hundred thousand little feelers, shaped and blown away by every breath, with complete fragmentation of the will—is something very ridiculous. Like the refined Parisians who sigh because everything is crashing down on them.
34 [232]
When I was young, I encountered a dangerous deity, and I do not wish to tell anyone again what ran through my soul at that time—both good and terrible things. Thus, I learned in time to be silent, just as one must learn to speak in order to be silent properly: that a person with depths needs surfaces, whether for others or for themselves: for surfaces are necessary to recover from oneself and to make it possible for others to live with us.
34 [233]
Sign of the unscientific person: they consider an opinion true if it flatters them and they appear good in its light.
34 [234]
NB. It has still not been proven to the contrary whether being good is not a sign of mental degeneration and whether virtue, as a feeling and exaltation, does not belong to the symptoms of incipient imbecility, at least to its attacks. We find, in an overview of history, mental degeneration everywhere where the herd animal man comes to predominate, and the conditions of life are made difficult for the man who roams alone or in packs as a beast of prey: we always find the “good” people at the same point in development. Among all peoples “stupid to the point of holiness.”
34 [235]
NB. Every morality is a habit of self-glorification: by means of which a type of person becomes joyful about their kind and their life: it wards off the influence of people of other kinds by feeling them to be “beneath itself.”
34 [236]
NB. That a woman must constantly have many small and strange things in her mind and necessarily feels comical alongside the tasks of men—excluding the ugly women, who are spared many worries in kitchen, bed, and nursery, and nowadays “lay” books like a hen lays eggs—and that for all enterprising and profound men it is a blessing to encounter beings who are superficially cheerful and adept at pleasant desires, so that the gloomy appearance of life may soften for them. One must empathize deeply with what a blessing the woman is.
34 [237]
Antisemites and other fundamentally dishonest rabble who need grand words, more for themselves than for the whole world
34 [238]
And rather sit alone on his mountain like a black, half-destroyed fortress, thoughtful and still enough; so that even the birds fear this silence:
34 [239]
That it is moral to do what our interest demands is what the English seek to prove to themselves, starting with Bentham, who took it from Helvetius. And this alone is supposed to be morality, and morality is supposed to have arisen from this. Which, historically, is complete nonsense: and even now, taste rebels against it. Conversely: earlier, all philosophers sought to prove that neminem laede, immo omnes quantum potes juva is the foundation of ethics, which has been sought like the philosopher’s stone for millennia.— That the actual behavior of people is moral is what the English seek to persuade themselves of. That the herd instinct is morality itself and alone, formerly — —
Important NB.— from Helvetius onward!
34 [240]
The Problem “Man.”
By
Friedrich Nietzsche.
| 1. | The Error of the Philosophers. |
| 2. | The Error of the Moral Preachers. |
| 3. | The Hierarchy of Men. according to what? how much they have the strength to endure the terrible natural fact M and yet — |
| 4. | The Problem—where to? A new terrorism is needed. |
34 [241]
NB. How many false interpretations of things have there already been! Consider what all people must think of the connection of causes and effects, those who pray: for no one will persuade us to strike out from prayer the element of “petition” and the belief that it makes sense to ask, that it can be “heard.” Or that other interpretation in which the fates of a person are “sent” to him for his improvement, admonition, punishment, warning; or that third interpretation, that in the course of things themselves lies justice and righteousness, and behind all causal events there is still a kind of criminalistic behind-the-scenes meaning.— Thus, the entire moral interpretation of our actions might also be nothing but a monstrous misunderstanding: just as the moral interpretation of all natural events has evidently been.
34 [242]
A legally prudent, kind-hearted, capable M, a man with his “heart in the right place”—it does us good to be in his presence. But why should this harmless M, who does us good, be worth more to us than the dangerous, unrecognizable, unpredictable one, who forces us to be on our guard? Our sense of well-being proves nothing. Question: has there ever been among the great M one of the described harmless kind?
34 [243]
NB. The person of highest spirituality and strength feels equal to every chance event, but also entirely within the snowflakes of chance; he denies the rationality in every sequence and drags the accidental within it into the light with scorn.— Formerly, one believed only in purposes: it is a substitution of one error for another that today one believes only in causae efficientes. There are neither causae finales nor efficientes: in both cases, we have drawn a false conclusion from a false self-observation: 1) we believe that we act through willing 2) we believe at least that we act. Of course: without this belief, there would be nothing living: but does it therefore have to be—true?
34 [244]
NB. “Recognizing” is the way to make us feel that we already know something: thus the combating of a feeling of something new and transformation of the apparently new into something old.
34 [245]
“the criminals of the highest rank are as close to the Capitol as to the Tarpeian Rock” I believe Mirabeau said.
34 [246]
Life as an awake dream; the finer and more comprehensive a person is, the more they feel the equally terrifying as sublime contingency in their life, will, success, happiness, intention; they shudder, like the dreamer who for a moment feels “I am dreaming.” The belief in the causal necessity of things rests on the belief that we act; if one recognizes the unprovability of the latter, one somewhat loses faith in the former. It also comes into play that “phenomena” cannot possibly be causes. To trace an unfamiliar thing back to already familiar things, to lose the feeling of strangeness—that counts for our feeling as explaining. We do not want to “know” at all, but rather not to be disturbed in the belief that we already know.
34 [247]
Something can be irrefutable: that does not yet make it true.
The whole of the organic world is the stringing together of beings with invented little worlds around them: by projecting their strength, their desires, their habits into the experiences outside themselves, as their outer world. The ability to create (shape, invent, imagine) is their fundamental ability: they naturally also have only such a false, invented, simplified conception of themselves.
“A being with the habit of a kind of rule in dreams”—that is a living being. Enormous quantities of such habits have finally become so hard that species live on them. They probably stand in a favorable relation to the conditions of existence of such beings.
Our world as appearance, error—but how is appearance and error possible? (Truth does not denote an opposite of error, but rather the position of certain errors in relation to other errors, such as that they are older, more deeply ingrained, that we cannot live without them, and the like.)
What is the creative element in every organic being?
— that everything which constitutes each being’s “external world” is a sum of valuations, that green, blue, red, hard, soft are inherited valuations and their designations.
— that these valuations must stand in some relation to the conditions of existence, though by no means in such a way that they would be true, or precise.
The essential thing is precisely their imprecision, their indeterminacy, through which a kind of simplification of the external world arises—and it is precisely this sort of intelligence that is favorable for preservation.— that the will to power is what also guides the inorganic world, or rather, that there is no inorganic world. The “action at a distance” cannot be eliminated: something pulls something else toward it, something feels itself being pulled. This is the fundamental fact: in contrast, the mechanistic conception of pressure and impact is merely a hypothesis based on appearance and the sense of touch, even if it may serve us as a regulative hypothesis for the world of appearances!
— that, in order for this will to power to express itself, it must perceive those things which it attracts, that it feels when something approaches it that is assimilable to it.
— the so-called “laws of nature” are the formulas for “power relations” of
The mechanistic way of thinking is a foreground philosophy. It trains one to establish formulas, it brings with it a great relief,
— the various philosophical systems are to be regarded as educational methods of the mind: they have always best developed a particular power of the mind; with their one-sided demand to see things precisely in this way and not otherwise.
34 [248]
Dionysus.
| Dionysus as educator. |
| Dionysus as deceiver. |
| Dionysus as destroyer. |
| Dionysus as creator. |
34 [249]
The pattern of a complete fiction is logic. Here, a thought is invented where one thought is set as the cause of another; all affects, all feeling and willing are thought away. Such a thing does not occur in reality: it is unspeakably more complicated. By applying that fiction as a schema, thus filtering the actual process of thinking, as it were, through a simplification apparatus: we bring it to a symbolic notation and communicability and memorability of logical processes. Therefore: to consider the mental process as if it corresponded to the schema of that regulative fiction: this is the fundamental will.
Where there is “memory,” this fundamental will has prevailed.— In reality, there is no logical thinking, and no proposition of arithmetic or geometry can be derived from it, because it simply does not occur.I relate differently to ignorance and uncertainty. Not that something remains unrecognized is my sorrow; I rejoice that there can rather be a kind of knowledge and admire the complexity of this enabling. The means is: the introduction of complete fictions as schemas, by which we imagine the mental process simpler than it is. Experience is only possible with the aid of memory. Memory is only possible by means of an abbreviation of a mental process into a sign.
The sign-writing.
Explanation: this is the expression of a new thing by means of the signs of already known things.
34 [250]
That we are active beings, forces, is our fundamental belief. Free: means “not pushed and shoved, without a sense of compulsion.”
NB. Where we encounter resistance and must yield to it, we feel unfree: where we do not yield but instead compel it to yield to us, we feel free. That is, it is the feeling of our greater amount of power that we designate as “freedom of the will”: the awareness that our power compels, in relation to a power that is compelled.
34 [251]
In willing, there is an affect.
34 [252]
Knowledge: the enabling of experience, by the fact that the actual event, both on the side of the acting forces and on the side of our shaping, is enormously simplified: so that there seem to be similar and identical things. Knowledge is falsification of the manifold and innumerable into the identical, similar, countable. Thus, life is only possible by means of such a falsification apparatus. Thinking is a falsifying transformation, feeling is a falsifying transformation, willing is a falsifying transformation—: in all of this lies the power of assimilation: which presupposes a will to make something like us.
34 [253]
Truth is the kind of error without which a certain kind of living being could not live. The value for life decides in the end. Very common and virtuous M
34 [254]
I loved him and no one else. He was a man after my own heart, so immoral, atheistic, antinomian, who walked alone and never believed that
34 [255]
NB. A new way of thinking—which is always a new way of measuring and presupposes the existence of a new measure, a new scale of sensation, which is always a true glow—wants to assert itself and says with its fire of first love for everything that resists it: “that is false.” In this struggle, it refines itself, learns to defend itself, and needs, in order to conquer, to take the opponent’s weapons and learn his art. “That is false” originally means “I do not believe in it”; seen even more subtly, “I feel nothing in it, I make nothing of it.”
34 [256]
I have made some not entirely harmless attempts to lure people to me with whom I could speak of such strange things: all my writings have so far been cast nets: I wished to catch people with deep, rich, and exuberant souls.
To whom to turn? My longest attempt was with that multifaceted and mysterious man, to whom perhaps the most good and bad things about the soul have happened among the people of this century, to R W. Later I thought to "seduce" German virtue—for I am well aware of how dangerous it is in the twenties in a German.
Later, I created a language for daring men and manly hearts who might be waiting somewhere in a corner of the earth for my strange things. Finally—though one will not believe to what "finally" I arrived. Enough, I invented "Thus Spoke Zarathustra." Should I confess? I have found no one yet, but again and again some strange form of that "raging stupidity" which would gladly still be worshipped as virtue: I prefer to call it "moral Tartuffery," honor it as the vice of our century, and am ready to add a hundred curses to it.34 [257]
Depth and distant M have their foregrounds: and at times they need to present themselves as if they were only foreground.
34 [258]
Alone amidst good friends and loyal neighbors, smiling and amazed at their “rampant stupidity,” at the intrusive benevolence.
34 [259]
Deep and exuberant spirits!
34 [260]
The dispute on the basis of commands and obedience
The Will to Power.
as the fundamental will of all living things
1. in knowledge and philosophy.
2. in ethics, education, and politics.
3. in art and religion.
the two most extreme ways of thinking, the mechanistic and the Platonic, agree on the eternal recurrence: both as ideals
34 [261]
The estimation of the inorganic as lower is a limitation. It lacks pain, error. The will to power is there true and painless.
34 [262]
Pure thought could not think: the unconditioned cannot condition.
Pure knowledge is like the thing-in-itself a contradictio
34 [263]
But if you no longer recognize any morality, why do you seek the truth? And if morality drove you to seek the truth: why do you deny morality, now that it no longer compels you? Right now you could let it stand: a privilege of the skeptic!
34 [264]
I understand by morality a system of valuations which touches upon the conditions of life of a being
Are there moral forces and valuations in research?
The criterion of truth lies in the increase of the feeling of power.
“Thus and thus it shall be” that stands at the beginning: from this becomes later, often after long generations, a “thus it is.” It is called later “truth”; first it was a will to see something thus and thus, to name it thus and thus, a saying yes to one’s own value-creation. —
We compare something to what we hold to be true, according to the method to which we are accustomed to believe.
34 [265]
The M is a thinker who takes morality as a problem, i.e., as questionable: to do this with some purity, he must be able to think without moral side and ulterior motives: but is an extramoral thinking possible?
So that we do not fall into that famous niaiserie allemande which has made Kant's name immortal (he answered himself to the question —): one has a faculty for it
A being that does not want to be deceived is by no means one that does not want to deceive, generally likes to be deceived.
34 [266]
Sources of pity: imitation and cruelty.
34 [267]
Freedom in relation to the deed as different as to the work (the artist to his work, and the woman to her child)
The essential aspect of creation is command.
34 [268]
The criterion of truth is not in every “it pleases me” (in pleasure), but perhaps in one kind of pleasure (feeling of power)?
34 [269]
My problem: the legislator.
34 [270]
The legislator.
The reverent one.
The negating one.
The tempting one.
The commanding one.
34 [271]
It is also the morality of the righteous still possible: as “I want justice” — but at a dear price. One such ideal lives at the expense of others; has no right to itself, no god for itself, laughs at the yes’s and no’s of conscience.
34 [272]
One need not speak too loudly if one wishes to be heard by fine ears; I also hate noise. One need not say many things and must say many things differently than one thinks; and I almost believe that as a teacher one must even always teach the opposite of what one holds to be true. Does one think differently today: what does it matter? What does it matter today that one prints paper for everyone? “Paper for everyone” serves other purposes besides being read: therein lies its justification.