10, 21[1-6] Herbst 1883
21 [1]
(Zu 3.)
Heraufbeschwörung der schwersten Wahrheit.
Hohnlied auf alle bisherigen Pessimisten.
Hohnlied auf die Religionen und ihre Fluchtversuche.
Hohnlied auf Socialisten Jesuiten und Epicureer.
Hohnlied auf die Künstler bisher.
Mitgefühl und Ehre vor allen großen Gesetzgebern Feldherren und Eroberern.
Was Freunde!
Überwindung der Natur durch die großen Menschen.
Lied des Fliegenden.
Trostlied des Kranken—Müde: still werden. Wille zum Leiden.
“ich bin das Fatum”
“jenseits der Moral,” über alles Lob hinweg.
die Skepsis als Versuchung
der Selbstmord als Versuchung
Hymnus des Genesenden.
Das Land sich erobern, das wir verdienen sei es jetzt, in welchen Händen es wolle
21 [2]
Plan zu Zarathustra 3.
Die Einsamkeit in Scham und Schweigen vor dem größten Gedanken. Den Thieren ausweichend
eines einzigen Willens, der vor Jedermann sich verbirgt, der aber Jedermann erhebt
Die Einsamkeit
ohne Freunde, ja mit dem Gefühle, sie geopfert zu haben.
Die Einsamkeit, der alle Trost gründe abhanden gekommen sind, Hohnlied auf allen bisherigen Pessimismus (weit über alle bisherigen Denkweisen hinaus).
Die Einsamkeit und die Versuchungen. Hohnlied auf die bisherigen Fluchtversuche der Religion
Die Einsamkeit der höchsten Verantwortlichkeit. Hohnlied auf Socialisten und Jesuiten und Epicureer.
Die Einsamkeit jenseits der Moral, in den ewigen Perspektiven. Überwindung der großen Natur durch den Menschen. Lied des Fliegenden.
Die Einsamkeit des Kranken. Trostlied. Müde- und Stillwerden. Geheiligt durch Leiden. Der Wille zum Leiden und zur Vertiefung des Leidens.
“Ich will!” Hymnus des Genesenden und Siegreichen. Der lachende Löwe und der Taubenschwarm. (Ein Versuch—mehr nicht! Er selber und sein Gedanke) Die 4 Thiere (Stolz mit Klugheit—Macht mit Milde) kommen—sie nähern sich einander
21 [3]
Plan zu Zarathustra 4.
| 1. | Die Einladung. |
| 2. | Der Siegeszug. Die Peststadt. Der Scheiterhaufen (die alte Cultur verbrannt). |
| 3. | Das Frühlingsfest mit Chören. |
| 4. | Rechenschaft vor Zarathustra: “was thatet ihr?” (erfandet ihr?) Art der Gemeinschaft (wie in Corsica). |
| 5. | Wohn-Orte. |
| 6. | Kriege und Ringkämpfe. |
| 7. | der neue Adel. |
| 8. | die Versuche (mit den Bösen, “Strafen” usw.) |
| 9. | das Weib im Weibe erlösen |
| 10. | die Sklaven (Bienenstöcke) Ruhe ertragen lernen. Mehr Maschinen. Umgestaltung der Maschine in’s Schöne |
| 11. | die Zeit zur Einsamkeit. Eintheilung des Tages. |
| 12. | die lange Jugend und die Verwandlungen. |
| Darauf die großen Reden Zarathustra’s, gleich Gebeten. einige absonderliche Heilige kommen auch als Jünger; auch ein Narr (Epicur?) |
| 13. | Die Heiligung des Lachens. Zukunft des Tanzes. Sieg über den Geist der Schwere. |
| 14. | Die Unschuld des Werdens. |
| 15. | Die Weihung des Kleinsten. |
| 16. | Das Zerbrechen der Tafeln. Lob der kühlen Vernunft! |
| 17. | Die Erlösung der Bösen und von den moralischen Richtern! |
| 18. | Das Heraufbeschwören des Feindes. |
| 19. | Die neuen Könige—als Vorbild-Lehrer. |
| 20. | Das ewige “Ich” und seine Heiligung. Determinismus und seine Lösung. Es giebt keine Moral und absolute Verantwortlichkeit, wir setzen sie für uns an Seligsprechung der Triebe |
| 21. | Entscheidender Moment: Zarathustra fragt die ganze Masse am Feste: “wollt ihr das Alles noch einmal?”—alles sagt “Ja!” Er stirbt vor Glück dabei. (der Himmel heiter, tief) (ahnungsvoll, heiter, schauerlich) (tiefste Stille, die Thiere um Zarathustra, er hat das Haupt verhüllt, die Arme über die Felsplatte gebreitet—scheint zu schlafen) der heulende Hund etwas Leuchtendes Furchtbares Stilles geht ihnen allen über ihre Gedanken weg Den Schluß bilden die Reden der Gelobenden an seiner Leiche. |
| Die Gelobenden. |
| 22. | usw. Der große Mittag als Wendepunkt—die zwei Wege. Der Hammer zur Überwältigung des Menschen: höchste Entfaltung des Individuums, so daß es an sich zu Grunde gehen muß (und nicht, wie bisher, an Diätfehlern!) (wie der Tod in die Welt kam!) |
| Was Glück! |
| Der Schaffende als der Selbst-Vernichter. Schöpfer aus Güte und Weisheit. Alle bisherige Moral überboten! |
| Zuletzt die Gelöbnisse—furchtbare Schwüre! |
21 [4]
Chor der Gottlosen (Überwindung der Kirchen)
Chor der Redlichen (Überwindung der moralischen Tartüfferie)
Chor der Büßer des Geistes (Überwindung der idealistischen Eitelkeit)
Der Orden vom Harten Herzen (Überwindung des Mitleidens)
Die Schalks-Narren.
1. Neue Rangordnung der Menschen und neue Vertheilung der Rechte .
2. Die Nothwendigkeit der Sklaven.
Besucher bei Zarathustra man ruft ihn um Hülfe
1) allgemeiner Sklaven-Aufstand
2) die Verweichlichung der Herzen, Schwäche
3) die Verdüsterung und die Verrücktheit
das Glück der Gemeinde (aber die Einsamen genießen es!)
das Glück der Wahrhaftigen (gegen all die Mühsal des Versteckspielens).
Die Vorzeichen.
der Brand der großen Stadt.
21 [5]
Endlich als Raum: unendlich als Zeit.
mit der Unzerstörbarkeit ist die Ewigkeit gegeben und die Anfangslosigkeit
mit der Bestimmtheit eine Grenze der Vielheit neuer Formen.
21 [6]
Der Mensch ist das, was überwunden werden muß. Hier halte ich den Hammer, der ihn überwindet!
Dieser Gesichtspunkt beseligt Zarathustra am Schluß des III. Theiles
er wird dabei reif.
die bisherigen Ausflüchte und Fluchtversuche vor dem größten Gedanken:
Nirvana, der Gedanke an das Nichts beseligend.
die wunderhafte Umschaffung im jenseits und dann ewiges Fortleben (im Christenthum)
die Verthierung, als bien public—Consequenz der Eudämonisten Socialisten Jesuiten.
die absolute Skepsis an unserem Geiste und praktisches Sich-gehen-lassen. “Was weiß ich vom Handeln!”
Der Determinismus: ich selber bin das Fatum und bedinge seit Ewigkeiten das Dasein.
Viele Triebe kämpfen in mir um die Oberherrschaft.
darin bin ich ein Abbild alles Lebendigen und kann es mir erklären.
Plötzlich öffnet sich die furchtbare Kammer der Wahrheit. Es giebt eine unbewußte Selbstbehütung, Vorsicht, Verschleierung, Schutz vor der schwersten Erkenntniß: so lebte ich bis jetzt. Ich verschwieg mir Etwas; aber das rastlose Heraussagen und Wegwälzen von Steinen hat meinen Trieb übermächtig gemacht. Nun wälze ich den letzten Stein: die furchtbarste Wahrheit steht vor mir.
I. Beschwörung der Wahrheit aus dem Grabe.
Wir schufen sie, wir weckten sie auf: höchste Äußerung des Muthes und des Machtgefühls.
Hohn über allen bisherigen Pessimismus!
Wir ringen mit ihr—wir entdecken, daß unser einziges Mittel, sie zu ertragen das ist, ein Wesen zu schaffen, das sie erträgt: es sei denn, daß wir uns freiwillig wieder blendeten und blind gegen sie machten. Aber das vermögen wir nicht mehr!
der Schlange den Kopf abbeißen!
Wir schufen den schwersten Gedanken—nun laßt uns das Wesen schaffen, dem er leicht und selig ist!
Um schaffen zu können, müssen wir selber uns größere Freiheit geben als je uns gegeben wurde; dazu Befreiung von der Moral und Erleichterung durch Feste (Ahnungen der Zukunft! die Zukunft feiern, nicht die Vergangenheit! Den Mythus der Zukunft dichten! In der Hoffnung leben!) Selige Augenblicke! Und dann wieder den Vorhang zuhängen und die Gedanken zu festen, nächsten Zielen wenden!
10, 21[1-6] Herbst 1883
21 [1]
(To 3.)
Summoning of the heaviest truth.
Song of scorn for all previous pessimists.
Song of scorn for religions and their attempts to flee.
Song of scorn for Socialists, Jesuits, and Epicureans.
Song of scorn for artists thus far.
Compassion and honor for all great legislators, generals, and conquerors.
What friends!
Overcoming nature through great individuals.
Song of the Flying One.
Consolation song of the sick—Weary: becoming still. Will to suffer.
“I am fate”
“beyond morality,” beyond all praise.
skepticism as temptation
suicide as temptation
Hymn of the Convalescent.
To conquer the land we deserve, be it now, in whose hands it may be
21 [2]
Plan for Zarathustra 3.
The solitude in shame and silence before the greatest thought. Avoiding the animals
of a single will, which hides from everyone, but which elevates everyone
The solitude
without friends, yes, with the feeling of having sacrificed them.
The solitude, all consolation grounds lost, song of scorn on all previous pessimism (far beyond all previous ways of thinking).
The solitude and the temptations. Song of scorn on the previous escape attempts of religion
The loneliness of the highest responsibility. Song of Scorn for Socialists and Jesuits and Epicureans.
The loneliness beyond morality, in the eternal perspectives. Overcoming of great nature by man. Song of the Flying One.
The loneliness of the sick. Song of Consolation. Becoming weary and still. Sanctified through suffering. The will to suffer and to deepen suffering.
“I will!” Hymn of the Convalescent and Victorious. The laughing lion and the flock of doves. (An attempt—no more! He himself and his thought) The 4 animals (Pride with Wisdom—Power with Gentleness) come—they approach each other
21 [3]
Plan for Zarathustra 4.
| 1. | The Invitation. |
| 2. | The Triumphant Procession. The Plague City. The Bonfire (the old culture burned). |
| 3. | The Spring Festival with Choirs. |
| 4. | Account before Zarathustra: “what did you do?” (did you invent?) Type of community (as in Corsica). |
| 5. | Living Places. |
| 6. | Wars and wrestling matches. |
| 7. | the new nobility. |
| 8. | the attempts (with the evil, "punishments" etc.) |
| 9. | to redeem the woman in the woman |
| 10. | the slaves (beehives) learn to endure peace. More machines. Transformation of the machine into the beautiful |
| 11. | the time for solitude. Division of the day. |
| 12. | the long youth and the transformations. |
| Then the great speeches of Zarathustra, like prayers. some peculiar saints also come as disciples; also a fool (Epicurus?) |
| 13. | The sanctification of laughter. Future of dance. Victory over the spirit of gravity. |
| 14. | The innocence of becoming. |
| 15. | The Consecration of the Smallest. |
| 16. | The Breaking of the Tablets. Praise of cool Reason! |
| 17. | The Redemption of the Evil and from the Moral Judges! |
| 18. | The Summoning of the Enemy. |
| 19. | The New Kings—as Exemplary Teachers. |
| 20. | The Eternal “I” and Its Sanctification. Determinism and Its Resolution.There is no morality and absolute responsibility, we set them for ourselves at Beatification of the Drives |
| 21. | Decisive Moment: Zarathustra asks the entire crowd at the festival: “do you want all this again?”—everyone says “Yes!” He dies of happiness in the process. (the sky clear, deep) (full of foreboding, clear, awful) (deepest silence, the animals around Zarathustra, he has his head veiled, his arms spread over the rock slab—seems to be sleeping) the howling dog something luminous, terrible, silent passes over all their thoughts The conclusion is formed by the speeches of the Promisers at his corpse. |
| The Promisers. |
| 22. | etc. The great noon as a turning point—the two paths. The hammer to overcome man: highest development of the individual, so that it must perish by itself (and not, as before, by dietary errors!) (how death came into the world!) |
| What luck! |
| The creator as the self-destroyer. Creator out of goodness and wisdom. All previous morality surpassed! |
| Finally, the vows—terrible oaths! |
21 [4]
Choir of the Godless (Overcoming the Churches)
Choir of the Upright (Overcoming Moral Tartuffery)
Choir of the Penitents of the Spirit (Overcoming Idealistic Vanity)
The Order of the Hard Heart (Overcoming Compassion)
The Fools' Jesters.
1. New ranking of people and new distribution of rights.
2. The necessity of slaves.
Visitors to Zarathustra, they call him for help
1) general slave uprising
2) the softening of hearts, weakness
3) the darkening and the madness
the happiness of the community (but the solitary enjoy it!)
the happiness of the truthful (against all the toil of hiding).
The Omens.
the fire of the great city.
21 [5]
Finally as space: infinite as time.
with indestructibility, eternity is given, and the beginninglessness
with determinacy, a limit to the multitude of new forms.
21 [6]
Man is that which must be overcome. Here I hold the hammer, which overcomes him!
This perspective blesses Zarathustra at the end of the III. Part
he thereby becomes ripe.
the previous evasions and escape attempts from the greatest thought:
Nirvana, the thought of nothingness as blissful.
the wondrous transformation in the beyond and then eternal continuation (in Christianity)
deification, as bien public—consequence of the Eudaimonist Socialists Jesuits.
absolute skepticism toward our spirit and practical letting-go. “What do I know of action!”
Determinism: I myself am fate and have conditioned existence since eternity.
Many drives struggle within me for supremacy.
in this I am an image of all living things and can explain it to myself.
Suddenly the terrible chamber of truth opens. There is an unconscious self-preservation, caution, veiling, protection from the heaviest knowledge: thus I have lived until now. I concealed something from myself; but the restless uttering and rolling away of stones has made my drive overpowering. Now I roll away the last stone: the most terrible truth stands before me.
I. Conjuration of Truth from the Grave.
We created it, we awakened it: highest expression of courage and the feeling of power.
Scorn for all previous pessimism!
We wrestle with it—we discover that our only means of enduring it is to create a being that endures it: unless we voluntarily blind ourselves again and make ourselves blind to it. But we can no longer do that!
bite off the snake's head!
We created the heaviest thought—now let us create the being for whom it is light and blissful!
To be able to create, we must give ourselves greater freedom than has ever been given to us; to do this, liberation from morality and relief through festivals (intuitions of the future! celebrate the future, not the past! compose the myth of the future! live in hope!) Blessed moments! And then draw the curtain again and turn thoughts to firm, immediate goals!