10, 12[1-49] Sommer 1883

12 [1]

Böse Weisheit.”
Sprüche und Sprüchwörtliches
von
Friedrich Nietzsche.

Pfeile.
Sprüche und Sprüchwörtliches
von
Friedrich Nietzsche.

1. Öffentliche Meinungen—private Faulheiten.

2. Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.

3. Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, Wenige in Bezug auf das Ziel.

4. Erst muß die Schlange zum Drachen geworden sein, damit Einer an ihr zum Helden werden könne.

5. Gar nicht von sich reden ist eine sehr vornehme—Heuchelei.

6. Nicht wenn es gefährlich ist, die Wahrheit zu sagen, findet sie am seltensten Vertreter—, sondern wenn es langweilig ist.

7. Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.

8. Die Unvernunft einer Sache ist kein Grund gegen ihr Dasein, vielmehr eine Bedingung desselben.

9. Die eherne Nothwendigkeit, von der die Menschen reden, ist gewöhnlich weder ehern, noch nothwendig.

10. Wenn man viel hineinzustecken hat, hat ein Tag hundert Taschen.

11. Wer schlecht hört, hört immer noch Einiges dazu.

12. Man ist am meisten in Gefahr, überfahren zu werden, wenn man eben einem Wagen ausgewichen ist.

13. Warten macht unmoralisch.

14. Der Jünger eines Märtyrers leidet mehr als der Märtyrer.

15. Der Vortheil des schlechten Gedächtnisses ist, daß man dieselben guten Dinge mehr mal zum ersten Male genießt.

16. Ein Beruf ist das Rückgrat des Lebens.

17. Die Güte einer Ehe bewährt sich dadurch, daß sie einmal eine Ausnahme verträgt.

18. Wenn man keinen guten Vater hat, so soll man sich einen anschaffen.

19. Man empfindet die Langeweile nicht, wenn man niemals ordentlich arbeiten gelernt hat.

20. Einige Männer haben über die Entführung ihrer Frauen geseufzt, viele darüber, daß Niemand sie ihnen entführen wollte.

21. Es ist zu bezweifeln, ob ein Vielgereister irgendwo in der Welt häßlichere Gegenden gefunden hat als im menschlichen Gesichte .

22. Muthige Leute überredet man dadurch zu einer Handlung, daß man dieselbe gefährlicher darstellt als sie ist.

23. Das beste Mittel, verlegenen Leuten zu Hülfe zu kommen, ist, daß man sie entschieden lobt.

24. Man kann höchst passend reden und doch so, daß alle Welt über das Gegentheil schreit: nämlich dann, wenn man nicht zu aller Welt redet.

25. Der Phantast verleugnet die Wahrheit vor sich, der Lügner nur vor Anderen.

26. Jeder Genießende meint, dem Baume habe es an der Frucht gelegen; aber ihm lag am Samen.

27. Wer Jemandes Ideal geschaut hat, ist dessen unerbittlicher Richter und gleichsam sein böses Gewissen.

28. Die Anhänger eines großen Mannes pflegen sich zu blenden, um sein Lob besser singen zu können: arme Singvögel!

29. Was ist Genie? Ein hohes Ziel und die Mittel dazu wollen.

30. Das Schlechte gewinnt durch die Nachahmung an Ansehen, das Gute verliert dabei, namentlich in der Kunst.

31. Man muß sein Licht zu verdunkeln verstehen, um die Mücken und Bewunderer loszuwerden.

32. Es ordnet dich tief unter jenen, daß du die Ausnahmen festzustellen suchst, jener aber die Regel.

33. Jeder Meister hat nur Einen Schüler: und der gerade wird ihm untreu. Denn er ist auch zur Meisterschaft bestimmt.

34. Es spricht nicht gegen die Reife eines Geistes, daß er einige Würmer hat.

35. In der Einsamkeit frißt sich der Einsame selbst auf, in der Vielsamkeit fressen ihn die Vielen. Nun wähle.

36. Anders liebt der Gesell, anders der Meister den Meister.

37. Man wird die Menge nicht eher zum Hosiannah-Rufen bringen, als bis man auf einem Esel in die Stadt einreitet.

38. Unsere Anhänger vergeben es uns nie, wenn wir gegen uns selber Partei ergreifen.

39. Das Weib ist der Müssiggang des Schöpfers an jedem siebenten Tage.

40. Man muß sich in Acht nehmen, nicht zu zeitig scharf zu werden, weil man damit zu zeitig—dünn wird.

41. Wen man lange im Vorzimmer seiner Gunst stehn läßt, der geräth in Gährung und wird sauer.

42. Die Eitelkeit ist am Stolzen die Maske der Höflichkeit.

43. Der Witz ist das Epigramm auf den Tod eines Gefühls.

44. Eine gute Sentenz ist zu hart selbst für den Zahn der Zeit.

45. Ein gutes Buch macht auch noch seine Gegner geistreich.

46. In der Kunst können heilige Mittel einen niederträchtigen Zweck heiligen.

47. Wenn dein Werk den Mund aufthut, sollst du selber das Maul halten.

48. Was man euch in Stücken geben muß, braucht deshalb noch nicht Stückwerk zu sein.

49. Gute Gedanken, die zu rasch auf einander folgen, verdecken sich einander “die Aussicht.”

50. Aufopferung ist bei jeder Handlung, bei der besten wie bei der schlechtesten.

51. Ob man einen Schlangenzahn habe, weiß man nicht eher, als bis Jemand die Ferse auf uns gesetzt hat.

52. Findet Jemand in einem geschenkten Sack Vortheil auch nur ein Korn Demüthigung, so macht er doch noch eine böse Miene zum guten Spiel.

53. Man weiß von Jedermann etwas zu Viel.

54. Die Mutter der Ausschweifung ist nicht die Freude, sondern die Freudlosigkeit.

55. Besser noch, sich mit schmutzigem Wasser waschen als unrein bleiben.

56. Alles, was Gold ist, glänzt nicht: es ist zu mild dafür.

57. Man soll die Gerüste wegnehmen, wenn das Haus gebaut ist.

58. Etwas Gesundheit ab und zu ist das beste Heilmittel.

59. Der gefährlichste Anhänger ist der, dessen Abfall die ganze Partei vernichten würde—also der beste Anhänger.

60. Die größte Almosenspenderin ist die Feigheit.

61. Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen.

62. Bevor man “den Menschen sucht,” muß man die Laterne gefunden haben.

63. Jedes Wort ist ein Vorurtheil.

64. Für den Freund des gesuchten Stils ist der gefundene Stil eine Ohrenqual.

65. Wenn die Tugend geschlafen hat, wird sie frischer aufstehn.

66. Der Asket macht aus der Tugend eine Noth.

67. Unter den Verbrechern soll man nicht die Schufte suchen, sondern unter denen, die nichts “verbrechen.”

68. Die witzigsten Autoren erzeugen ein unmerkliches Lächeln.

69. Die Antithese ist die enge Pforte, durch welche sich am liebsten der Irrthum zur Wahrheit schleicht.

70. Mit einem Talente mehr steht man unsicherer als mit einem weniger.

71. Man vergißt seine Schuld, wenn man sie einem Anderen gebeichtet hat.

72. “Soll das Band nicht reißen—mußt du mal drauf beißen.”

73. Je höher wir uns erheben, um so kleiner erschienen wir denen, welche nicht fliegen können.

74. Wie gut klingen schlechte Musik und schlechte Gründe, wenn man auf einen Feind los marschirt!

75. Zur Meisterschaft eines Meisters gehört es, seine Schüler vor sich zu warnen.

76. Warum sieht der Mensch die Dinge nicht? Er steht sich selber im Wege; er verdeckt die Dinge.

77. Wer seinen Gegner tödten will, mag erwägen, ob er ihn nicht gerade dadurch bei sich verewigt.

78. Immer noch hilft gegen die Liebe in den meisten Fällen jenes alte Radikalmittel: die Gegenliebe.

79. Manche Menschen haben das beste Recht, so und so zu handeln. Aber wenn sie sich darob vertheidigen, glaubt man’s nicht mehr.

80. Von allen Trostmitteln thut Trostbedürftigen nichts so wohl als die Behauptung, für ihren Fall gebe es keinen Trost.

81. Lebhafte Naturen lügen nur einen Augenblick: nachher haben sie sich selber belogen und sind überzeugt und rechtschaffen.

82. Sich mitten unter die Feinde werfen kann das Merkmal der Furcht und Feigheit sein.

83. Der Furchtsame weiß nicht, was Alleinsein ist: hinter seinem Stuhle steht immer ein Feind.

84. Wir wollen nicht mehr die Ursachen zu Sündern und die Folgen zu Henkern machen.

85. Man soll die Bettler abschaffen; denn man ärgert sich, ihnen zu geben, und ärgert sich, ihnen nicht zu geben.

86. Gelehrte: so nennt man heute sowohl die Soldaten des Geistes als—leider—auch die Strumpfwirker des Geistes.

87. Das Herz ist es, das begeistert: und der Geist ist es, der beherzt und kalt in der Gefahr macht. Oh die Sprache!

88. Man lügt mit der Zunge, aber mit dem Munde und Maule sagt man trotzdem die Wahrheit.

89. Der Mensch ist das Thier mit rothen Backen: der Mensch ist das Thier, welches sich oft hat schämen müssen.

90. Viel von sich reden ist auch ein Mittel sich zu verbergen.

91. Ihr glaubt, wie ihr sagt, an die Nothwendigkeit der Religion? Seid ehrlich! Ihr glaubt nur an die Nothwendigkeit der Polizei.

92. Die Frauen sind sinnlicher als die Männer, aber sie wissen weniger um ihre Sinnlichkeit.

93. Moral ist eine Wichtigthuerei des Menschen vor der Natur.

94. Wir loben, was nach unserem Geschmack ist: d. h., wir loben, wenn wir loben, unseren Geschmack: geht das nicht wider allen guten Geschmack?

95. Es giebt gar keine M: denn es gab keinen ersten M—so schließen die Thiere.

96. Auch Gott hat seine Hölle, sagte der Teufel: das ist seine Liebe zu den Menschen.

97. Wer sein Ideal erreicht, kommt ebendamit über dasselbe—hinaus.

98. Mancher Pfau versteckt vor Aller Augen seinen Pfauenschweif und nennt das—seinen Stolz.

99. Mitunter siegt endlich die Wahrheit, es ist kein Zweifel: irgend ein Irrthum hat für sie gekämpft.

100. Der Erkennende fühlt sich als die Thierwerdung—Gottes.

101. Ich horchte auf Widerhall, und ich hörte nur—Lob.

Mancher wird erst nach seinem Tode groß—durch den Widerhall.

102. Arme Künstler! ihr wolltet sie erbauen, und dies Gesindel will gerade—umgeworfen werden!

103. Der Glaube macht selig, zumal der Glaube an uns.

104. “Unser Nächster ist nicht unser Nachbar, sondern dessen Nachbar” so denken alle Völker.

105. Große Verbindlichkeiten machen nicht dankbar, sondern rachsüchtig.

106. Wer zu weit geht, legt sich zuletzt aus Müdigkeit gar auf Schnee schlafen: gleich dem Skeptiker.

107. Gewissensbisse erziehen zum Beißen.

108. Im Lobe ist viel mehr Zudringlichkeit als im Tadel.

109. Den kalten Menschen glaubt man ihre Dummheiten nicht.

110. Der Erkennende lebt unter Menschen nicht wie unter Thieren, sondern—als unter Thieren.

111. Wir vergeben unseren Gegnern von Grund aus nur—ihre Fehlgriffe.

112. Aus den Augen aller Richtenden blickt der Henker.

113. Die Folgen unserer Handlungen fassen uns am Schopfe, sehr gleichgültig dagegen, daß wir uns inzwischen “gebessert” haben.

114. “Aber wie konntest du so handeln? Es war eine Dummheit!”— “Es ist mir auch schwer genug geworden.”

115. Wehe! Du hast sein Ideal geschaut! Nun wirst du an ihm selber fürderhin nur seine Carikatur sehen.

116. Der Mensch würde sich für einen Gott halten, wenn er keinen Unterleib hätte.

117. Mitleiden mit der Menschheit—das wäre Tyrannei gegen jeden Einzelnen.

118. Von sich absehen ist nöthig um gut—zu sehen.

119. “Die Menschen sind nicht gleich!”— So spricht die Gerechtigkeit.

120. Wer das Hohe eines Menschen nicht sieht, sieht dessen Niedriges aus allzugroßer Nähe.

121. Wenn das Talent eines Menschen sich verdunkelt, werden seine moralischen Eigenschaften sichtbarer: und nicht immer sind es Sterne, die dabei sichtbar werden.

122. In der Ermüdung werden wir auch von längst überwundenen Begriffen angefallen.

123. Daß es ein Vergessen giebt, ist noch nie bewiesen worden: sondern nur daß uns Mancherlei nicht einfällt, wenn wir wollen.

124. Der Glaube an Ursache und Wirkung hat seinen Sitz im stärksten der Instinkte, in dem der Rache.

125. Daß uns Jemand bequem fällt, rechnen wir seiner Moralität zu Gute.

126. In dem Bestreben, sich selber nicht zu erkennen, sind auch die gewöhnlichen Geister noch sehr fein.

127. Sehen und doch nicht glauben—ist die erste Tugend des Erkennenden; der Augenschein ist sein größter Versucher.

128. Was ist “Kirche”?— Eine von Grund aus verlogene Art des Staates.

129. Sein Gold ungemünzt bei sich tragen ist unbequem; so thut der Denker, der keine Formeln hat.

130. Wer es redlich mit den Menschen meint, ist geizig selbst noch mit seiner Höflichkeit.

131. “Der Held ist heiter”—das entgieng bisher den Tragödiendichtern.

132. Das utile ist nur ein Mittel; sein Zweck ist immer irgend ein dulce—seid doch ehrlich, meine Herren Dulciarier!

133. Unsre schlimmen Eigenschaften lassen es uns entgelten, wenn sie sich von der Tugend haben überwinden lassen.

134. “Jetzt bin ich gerecht”—“jetzt bin ich gerächt”: das klingt gleich und klingt oft nicht nur gleich. —

135. Man hat nie: denn man ist nie. Man gewinnt oder verliert beständig.

136. Besser noch bös gethan als klein gedacht!

137. Die Schweine der Circe beten die Keuschheit an.

138. Man kann im Meere vor Durst verschmachten, und ebenso inmitten allzu gesalzener Wahrheiten.

139. Zum Verdauen gehört, von Gesundheitswegen, eine Art Faulheit. Auch zum Verdauen eines Erlebnisses.

140. Stehlen ist oft seliger als nehmen.

141. In jeder Klage ist Rache.

142. Nicht daß du mich belogst, sondern daß ich dir nicht mehr glaube, hat mich erschüttert.

143. Über Gut und Böse glaubt sich Jedermann “Kenner,” und irrt sich.

144. Der Lobende stellt sich meistens als gäbe er zurück: in Wahrheit will er beschenkt werden.

145. Es entkindlicht die Weiber, daß sie sich mit Kindern immer als deren Erzieher abgeben.

146. Man liebt von Grund aus nur sein Kind oder sein Werk.

147. Wer uns nicht fruchtbar macht, wird uns sicher gleichgültig.

148. “Man handelt wohl für seinen Nächsten, aber man schafft nicht für ihn”: so denken alle Schaffenden.

149. Der Zorn enthüllt nicht den Menschen, sondern den Zorn.

150. Wer von seiner Zeit angefeindet wird, ist noch nicht weit genug über sie hinaus—oder hinter ihr zurück.

151. “Wo giebt es noch ein Meer, in dem man ertrinken könnte!”—dieser Schrei geht durch unsre Zeit.

152. Es giebt viele Grausame, die nur zu feige zur Grausamkeit sind.

153. Man muß auch seine Jugend überwinden, wenn man wieder Kind werden will.

154. “Nur die Heißen kennen die Entzückungen der Kälte”: so sprach ein Freigeist.

155. Nicht gegen das, was uns zuwider ist, sondern gegen das was uns gar nichts angeht, sind wir am unbilligsten.

156. An einer Theorie ist es wahrlich nicht ihr geringster Reiz, daß sie—widerlegbar ist.

157. “Gut und böse sind die Vorurtheile Gottes”—sagte die Schlange.

158. Man soll nur da Götter befragen, wo allein Götter antworten können.

159. Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er—seinen Kopf verliert.

160. Die Dinge: das sind nur die Grenzen des Menschen.

161. Manches wird uns durchsichtig: aber deshalb können wir noch lange nicht—hindurch.

162. Das Befehlen ist schwerer zu erlernen als das Gehorchen.

163. Nicht unsere Handlungen, sondern unsere und Andrer Meinungen über unsere Handlungen—machen aus uns gute oder böse Menschen.

164. Daß die Wahrheit einfach ist, behauptet der Irrthum. error veritate simplicior

165. Ubi pater sum, ibi patria.

166. Man darf eher noch eine Bitte als einen Dank abweisen.

167. Bei uns beschmutzt die Strafe noch mehr als das Verbrechen.

168. An sich ist die Wahrheit keine Macht: wenn sie sich nicht auf die Seite der Macht schlägt, geht sie gewiß zu Grunde.

169. Das zeigt den Meister, daß er sich weder vergreift, noch zögert.

170. Was hat den M so verstört? Nicht die Dinge, nicht die Meinungen über die Dinge—sondern die Meinungen über Dinge, die es gar nicht giebt!

171. Das Unvergängliche ist nur ein Gleichniß.

172. Es giebt eine Härte, welche als Stärke verstanden werden möchte .

173. Wenn der Mensch eben sehr geehrt worden ist und gut gegessen hat, ist er am mildthätigsten.

174. Wir beobachten feiner, ob Andere unsere Schwächen wahrnehmen als wir selbst die Schwächen Anderer beobachten.

175. Erst der Träger macht die Tracht.

176. Den Stil verbessern—das heißt den Gedanken verbessern—und gar nichts weiter!

177. Die schwächste Seite an einem klassischen Buche ist, daß es zu sehr in der Muttersprache seines Urhebers geschrieben ist.

178. Wir legen erst dann besonderen Werth auf den Besitz einer Tugend, wenn wir deren Abwesenheit bei unserem Gegner bemerkt haben.

179. Alles kleine Glück soll man benutzen wie ein Kranker das Bett: zur Genesung—und sonst gar nicht.

180. Das Vergnügen an kleinen boshaften Gedanken erspart den Menschen viele große böse Handlungen.

181. Lange und große Schmerzen machen tyrannisch.

182. Wenn man seinen Teufel nicht groß zieht, macht einen die kleine Teufelei—klein.

183. Seinem Freunde soll man eine Ruhestätte sein, aber ein hartes Bett, ein Feldbett.

184. Mißlingt etwas, so soll man seinem Mithelfer die Hülfe doppelt bezahlen.

185. Sei spröde im Annehmen! Zeichne aus damit, daß du annimmst!

186. Wer immer giebt, wird dabei leicht schamlos.

187. Wann sah je ein großer Mensch so dick und brav wie ein guter Mensch aus!

188. “Ich vergebe es dir, was du mir thatest: aber daß du es dir thatest, wie könnte ich das vergeben!”—so sprach ein Liebender.

189. Du sagst “das gefällt mir” und meinst mich damit zu loben. Aber du gefällst mir nicht—!

190. Liebe zu sich selber ist ein Merkmal der Schwangerschaft.

191. Für den sehr Einsamen ist schon Lärm ein Trost.

192. Um den Halbgott herum wird auch noch der Held ein Ding zum Lachen.

193. “Wie viel Jahrzehnte dauert es, bis er zum Leuchten kommt?” Mit dieser Frage mißt man die Ferne und Höhe eines Menschen.

194. Die ungeheure Erwartung in Betreff der Liebe verdirbt den Frauen den Blick für alle anderen—Fernen.

195. “Man ist nur für das eigne Kind Schwanger”: so spricht die Selbstsucht aller Schaffenden.

196. Er hat noch die volle Unschuld der Bewunderung: d. h. er dachte noch nicht daran, daß er selber einmal bewundert werden könnte.

197. Manches Dasein hat keinen Sinn, es sei denn den, ein anderes Dasein vergessen zu machen. Und ebenso giebt es opiatische Handlungen.

198. Ein Einsamer sprach: “ich ging wohl zu den Menschen, aber ich langte niemals an!”

199. Wer das Dasein rechtfertigen will, muß auch Gottes Anwalt vor dem Teufel sein können.

200. Wer weder der Liebe, noch der Freundschaft fähig ist, der findet am sichersten seine Rechnung—bei der Ehe.

12 [2]

Oft hängt sich die Dummheit einen schöneren Namen um und nennt sich Nothwendigkeit.

12 [3]

In dem, was ihr Natur heißt, ist viel Thorheit und plumpes Tasten: euer Geist aber gehört wahrlich zu dieser “Natur.”

12 [4]

Alles Fühlende leidet und ist in Gefängnissen: aber das Wollende kommt als Befreier und Freudebringer—also lehre ich euch “Freiheit des Willens.”

12 [5]

Schon dort, wo eure Redlichkeit aufhört, sieht euer Auge nichts mehr: oh ich kenne euren Willen zur Blindheit!

12 [6]

Willst du alles Gerade krumm dir machen: so denke, die Zeit sei hinweg und die Vergänglichkeit sei eine Lüge.

Dies zu denken ist der schlimmste Wahnsinn: ein Wirbel wird es selbst deinen Gebeinen sein und Erbrechen deinem Magen.

12 [7]

Sie wollen Würfel spielen mit den kleinsten Würfelchen oder tanzen sehn, was schwer zu sehn ist: die Zwerge des Daseins, die lustigen Urkörperchen: aber sie nennen’s Wissenschaft und schwitzen dabei.

Aber Kinder sind es mir, die ihr Spiel wollen: und wenn etwas Lachen bei ihrem Spiele wäre, so wollte ich ihre “fröhliche Wissenschaft” gutheißen.

12 [8]

Verknotete straffgezogene Gefühle, die euch nicht mehr als Knoten gelten: und oft Wiederkehrendes, an dessen ewige Wiederkunft ihr glaubt: das ist euer “Wirkliches,” euer bester Aberglaube.

Erst als ich an der Wahrheit die Lust erfand, erfand ich auch Trug und Schein: aus solcher Lust her legte ich Nahe und Ferne in die Dinge.

12 [9]

Alle Schätzungen sind geschaffen: jede Schätzung vernichtet. Aber das Schätzen selber, wie könnte dies vernichtet werden! Ist doch das Leben selber—Schätzen!

Schätzen ist Schmecken.

Über den Geschmack sei nicht zu streiten? Oh ihr Thoren, alles Leben ist Schmecken und Geschmack und Streit um Geschmack und Schmecken!

12 [10]

Ihr wähnt frei zu sein: aber ihr dreht euch nach unseren Drähten. Werthe und Meinungen hausen über und in euch: von uns den Schätzenden seid ihr aufgezogen worden, ihr Uhrwerke!

12 [11]

Und wenn ihr frei werden wollt, so müßt ihr nicht nur die lästigen Ketten von euch werfen: die Stunde muß kommen, wo ihr vor euren Liebsten flieht.

Dein Weib mußt du verlassen können, dein Land, deinen Nutzen, deinen werthesten Glauben: und eine Zeitlang soll die Sonne deines Lebens dir untergehen.

12 [12]

Und wer der Erfinder seiner selber ist, der gilt lange als ein Verlorener.

12 [13]

Der Schlaf ohne Traum—das wäre mir das höchste Böse. Und alles letzte Wissen heiße ich meine höchste Gefahr.

12 [14]

Erkennen: das ist mir Begehren und Durst und Schätzen und Kampf der Werthe. Als ein Schaffen muß aber alles Erkennen auch ein Nicht-Erkennen sein.

Durchschauen, durch das vergängliche Netz und den letzten Schleier—das wäre die große Müdigkeit und aller Schaffenden Ende.

Aber glaubt es mir, meine Freunde: es giebt nichts Unvergängliches: es ist nur ein Gleichniß!

12 [15]

Wunsch sein von Grund aus und als ein Adler nach fernen Küsten schweben: das heiße ich Glück.

12 [16]

Zwei Wege giebt es, vom Leid euch zu erlösen: den schnellen Tod und die lange Liebe.

12 [17]

Als ich den Übermenschen geschaffen hatte, ordnete ich um ihn den großen Schleier des Werdens und ließ die Sonne über ihm stehen im Mittage.

12 [18]

Werde hell! Werde heil! Werde nothwendig!

12 [19]

Der Trieb zur Zeugung, zum Zwecke, zur Zukunft, zum Höheren—das ist die Freiheit in allem Wollen. Nur im Schaffen giebt es Freiheit.

12 [20]

Ihr Wissenden, sorgt nur, daß es euch nicht an der Scham gebreche! Denn zum guten Apfel gehört auch der Flaum.

12 [21]

Den Älteren von uns schien es gottlos, in den Eingeweiden der Erde nach Schätzen zu wühlen: nun giebt es neue Unersättliche!

12 [22]

Als du beim Schädlichen Grauen fühltest, da sagtest du: das ist “Böse”: aber als du Ekel fühltest, da entstand “das Schlechte.”

12 [23]

Tugend als das schließliche Resultat vieler aufgewendeten Arbeit und Bemühung; doch zumeist erst an späteren Individuen hervortretend. “Begabung” ist dasselbe—ein gut eingeübter Mechanismus.

12 [24]

Urtheilen: das ist eine Empfindung bejahen—d. h. eine Empfindung wiedererkennen (was Vergleichen und Gedächtniß voraussetzt).

12 [25]

Die innere Welt aufräumen! Da giebt es noch viele falsche Wesen! Mir genügen Empfindung und Denken. Das “Wollen” als etwas Drittes ist eine Einbildung. Überhaupt alle Triebe, Verlangen, Verabscheuen usw. sind keine “Einheiten,” sondern anscheinende “einfache Zustände.” Hunger: das ist ein Unlustgefühl und ein Wissen um das Mittel seiner Beendigung. Es kann auch ohne Wissen sich eine Folge von Bewegungen des Organismus ausgebildet haben, welche zweckmäßig zur Beseitigung des Hungers sind: die Anregung dieses Mechanismus wird beim Hunger mitgefühlt.

12 [26]

Das Bild vor einer Handlung ist kein Begriff derselben, sondern ein Ideal

12 [27]

Wie sich die Organe aus einem Organ mehrfach ausbilden, z. B. aus der Haut das Nervensystem und Gehirn: so muß auch alles Fühlen und Vorstellen und Denken ursprünglich eins gewesen sein: also die Sinnesempfindung eine späte Einzel-Erscheinung. Im Unorganischen muß diese Einheit vorhanden sein: denn das Organische beginnt mit der Trennung bereits. Die Wirkung des Unorganischen auf einander ist zu studiren (sie ist immer eine Wirkung in die Ferne, also ein “Erkennen” ist nothwendig allem Wirken vorher: das Ferne muß percipirt werden. Der Tast- und Muskelsinn muß sein Analogon haben:)

12 [28]

Die Bewegungen des Fußes beim Gehen und Ausgleiten—sind sie wirklich Folgen bewußter zweckmäßiger Setzungen so und so? Aber selbst alle bewußte Übung ist nicht das, was man glaubt. Die meisten Bewegungen im Einüben sind Versuche, und der Intellekt bejaht die gelungenen, er erzeugt sie nicht. Diese Bejahung ist sehr oberflächlich, weil sein Bild des Vorganges sehr vag ist.— Damit erklären sich die unzähligen Feinheiten nicht: die eingeübt, versucht und bejaht sein müßten von einem unendlich feineren Intellekt und von ganz anderen Sinnesorganen gesehen sein müßten als wir sie haben.— Somit erklärt der Intellekt nicht jene Zweckmäßigkeiten; ebensowenig “Übung.”

12 [29]

Alle Moral ist eigentlich nur eine Verfeinerung der Maaßregeln, welche alles Organische nimmt, um sich anzupassen und doch zu ernähren und Macht zu gewinnen. Das Verhältniß eines Menschen zu einem anderen ist eines mechanischen Ausdrucks fähig, als einer Veränderung der Bewegungs-Kurve seines Wesens.

Auch die feinsten Bewußtseins-Veränderungen müssen erst mechanisch möglich sein, ehe sie eintreten können. Somit ist auch die Willensäußerung abhängig von der mechanischen Vorbedingung.

12 [30]

Bleiben wir doch stehen beim Willens-Gefühl! Was wird uns als “Wille” bewußt? Da erkennen wir, daß Wille nur eine Hypothese ist. Sie könnte wahr sein—oder auch nicht.

Es giebt nicht mehr “Wille” als was uns davon bewußt wird. D. h. zu gewissen Erscheinungen des Bewußtseins haben wir den Willen hinzugedichtet: wie “Materie” zu anderen.

12 [31]

Alles Organische unterscheidet sich vom Anorganischen, daß es Erfahrungen aufsammelt: und niemals sich selber gleich ist, in seinem Prozesse.— Um das Wesen des Organischen zu verstehen, darf man nicht seine kleinste Form für die primitivste halten: vielmehr ist jede kleinste Zelle jetzt Erbe der ganzen organischen Vergangenheit.

12 [32]

Die Menge der Ausgleichungseinrichtungen im Körper p. 195.

12 [33]

Das Bewußtsein lokalisirt auf der Oberfläche der beiden Hemisphären.— Jede gemachte “Erfahrung” ist eine mechanische und chemische Thatsache, die nicht stillstehen kann, sondern “lebt” nur wissen wir nichts davon!

12 [34]

Wo wir Leben haben, da setzen wir “Geist” voraus: aber der uns bekannte Geist ist völlig unvermögend, irgend etwas zu thun. Wie armselig ist jedes Bewußtseins-Bild! Es wird wohl selber nur Wirkung sein von einer Veränderung, welche nun eine weitere Veränderung (Handlung) nach sich zieht. Jede Handlung, die wir “wollen,” ist ja durchaus nur als Schein der Erscheinung, von uns vorgestellt. —

Alles Bewußtsein nur eine Nebenäußerung des Intellekts (?) Das, was uns bewußt wird, kann zu Nichts die Ursache abgeben.

Man vergleiche nur Verdauung und das, was wir davon empfinden!

12 [35]

Wille ist uns nur bekannt als etwas Bewußtes. Jene plötzlichen Explosionen aber werden damit verdunkelt und unklar gemacht wenn man sie mit einer solchen “Innenwelt” versieht.

12 [36]

Cherubini von Gluck und Haydn, Spontini von Gluck, Beethoven, als Dramatiker, von Cherubini abhängig: Gluck von Lully und Rameau. Wagner von Euryanthe (während er Gluck vorgiebt).

12 [37]

Unser Intellekt kann durchaus nicht die Mannichfaltigkeit eines klugen Zusammenspiels fassen, geschweige hervorbringen, das z. B. der Verdauungsprozeß ist. Es ist das Zusammenspiel sehr vieler Intellekte! Überall, wo ich Leben finde, finde ich schon dies Zusammenspielen! Und auch ein Herrscher ist in den vielen Intellekten da.— Sobald wir aber uns die organischen Handlungen als mit Hülfe vieler Intellekte ausgeführt denken: werden sie uns ganz unverständlich. Vielmehr müssen wir den Intellekt selber als eine letzte Consequenz jenes Organischen denken.

12 [38]

Das Wesen der Vererbung ist uns ganz dunkel. Warum wird eine Handlung beim zweiten Male “leichter”? Und “wer” empfindet diese Erleichterung? Und hat diese Empfindung irgend etwas damit zu thun, daß beim zweiten Male die Handlung ebenso gethan wird? Da müßte ja die Empfindung verschiedener möglicher Handlungen vor dem Thun vorgestellt werden!

12 [39]

Das mächtige organische Princip imponirt mir so, gerade in der Leichtigkeit, mit der es unorganische Stoffe sich einverleibt. Ich weiß nicht, wie diese Zweckmäßigkeit einfach durch Steigerung zu erklären ist. Eher würde ich glauben, es gäbe ewig organische Wesen. —

12 [40]

Höre mich eine kleine Weile, oh Zarathustra—sagte eines Tages ein Schüler—es geht mir Etwas im Kopfe herum; oder fast möchte ich glauben, mein Kopf gehe um Etwas herum, also daß er sich im Kreise dreht.

Was ist denn das, unser Nächster? Etwas an uns, Veränderungen an uns, die uns bewußt geworden sind: ein Bild ist unser Nächster.

Aber was sind wir selber? Sind wir selber nicht auch nur Bild? Ein Etwas an uns, Veränderungen an uns, die uns bewußt geworden sind?

Unser Selbst, von dem wir wissen: ist nicht auch das nur ein Bild, ein Außer-uns, Äußeres, Äußerliches? Immer rühren wir nur an das Bild, und nicht an uns selber.

Sind wir uns selber nicht eben so fremd und eben so nah als der Nächste?

Wahrlich, wir haben ein Bild vom Menschen—das machten wir aus uns. Und nun wenden wir’s auf uns selber an,—uns zu verstehen! Ach ja, verstehen!

Schlimm, zum Schlimmsten steht es mit unsrem Selbst-verständniß!

Unsre stärksten Gefühle: so weit es Gefühle sind, sind sie ein Äußeres, Äußerliches, Bildliches: Gleichnisse sind sie.

Und was wir innere Welt sonst nannten: Ach, arm und trügerisch und hohl und dichterisch ist sie am meisten!

12 [41]

des Glücks der Tugend und der Vernunft der Menschen bin ich müde: ihrer großen Menschen, ihrer Erlöser, Befreier, Dichter, Weisen, ihrer Gerechten Guten Mitleidigen Stillen Versöhnlichen Begeisterten.

12 [42]

Die Wissenschaftlichen
Ascetismus des Geistes—an die Geistigsten. “Büßer”
Heerde und Ich. Verantwortlichkeit.
der Pharisäer.
Erfinder von Festen.
das Nächste adeln
Kritik der Moral: um uns unabhängig von Lob und Tadel zu machen
Vergeltung im Jenseits? Ihr wollt bezahlt sein?
Heimatlos.
Reinigung von der Rache meine Moral.
Die Einflußreichsten lebten am verborgensten.
Cultur—das dünne Apfelhäutchen! Die Menschen nicht gleich!
der Edle das Resultat vieler Arbeit
Erfinder neuer Zustände der Seele die eigentlichen Erfinder. Man ahmt sie nach.
Macht will sich ausgeben: nicht Glück.
“wie ein süßer Geruch”
die Schwachen sind die Gefahr
die höhere Kaste, mächtiger aber ärmer.
Unser Ideal durchsetzen—Ringen um die Macht, auf die Weise, wie es aus dem Ideale folgt.
Die Individuen leben fort in den Antrieben. Ruhm.
Reinigung der inneren Welt und Lernen nöthig!
Die Gottes-Mord-Büßer und ihr Fest.
Den Menschen das Gefühl “Schuld” und “Strafe” verleiden!

12 [43]

Ich will nicht vermischt und verwechselt sein

Es giebt solche, die predigen meine Lehre vom Leben: aber zugleich sind sie Prediger der Gleichheit: mit denen will ich nicht vermischt und verwechselt sein

Die Menschen sind nicht gleich: so redet die Gerechtigkeit. Solches sage ich euch zum andern Male.

Das Leben aber, als es mir sein Gesetz im Geheimsten kündete, das fügte hinzu: “und die Menschen sollen auch nicht gleich sein!”

Immer ungleicher sollen sich die Menschen werden—um des Übermenschen willen!—also will es meine Liebe selber!

Wovon der Vater schwieg, das kommt im Sohn zur Rede. Und oft ist der Sohn nur der enthüllte Wahnsinn des Vaters.

Ein vergrämter Dünkel, ein verhaltener Neid: im Sohn kommt’s als Flamme heraus und Wahnsinn der Rache.

Das heiße mir Gerechtigkeit—so sagt dieser Wahnsinn—daß ich Rache übe und Beschimpfung an Allen, die mir nicht gleich sind.

Und “Wille zur Gleichheit”—das soll der Name für Tugend werden: mein Tugend-Geschrei erhebe sich gegen Alles, was Macht hat!

Er predigt Leben, um denen wehezuthun, die sich selber vom Leben abkehren: denn sie sind mächtiger als er und reineren Herzens.

Aber vom Leben abgekehrt sitzt er selber in seiner Höhle:

und nicht heiße ich‘s Leben, der Spinne gleich Netze stricken und Fliegen fressen.

Zu heftig strömt immer sein Quell der Rache: und er leert immer zugleich den Becher, indem er ihn füllen will.

Diese Höflichkeit soll auch noch in der Rede sein: der, welcher befehlen könnte, birgt seine königlichen Hände unter dem Mantel, er überredet durch seine Schönheit, statt zu befehlen.

“Alles an der Welt mißfällt mir: so denkt er—am meisten aber, daß ich Allen mißfalle.” Darum redet er von der Zukunft.



Zuletzt:

Er geht wider meinen Geschmack: dies ist mein bester Grund, mit dem ich gegen ihn streite.

Über den Geschmack sei nicht zu streiten? Oh ihr Thoren, alles Leben ist Streit um Schmecken und Geschmack und muß es sein.

Und ich selber, meine thörichten Freunde!—was bin ich denn, wenn ich nicht das bin, worüber zu streiten ist: ein Geschmack!

Im Bauche des Wallfisches sitzt dieser Verkünder des Lebens: der Wallfisch, gegen den er predigt, der hält ihn verschluckt.

Ich will seine Heimlichkeiten ans Licht bringen: dann lache ich ihm ins neidische Antlitz mein Gelächter der Höhe.

Nicht mit schlangenhaarigem Schrecken will ich mich gegen eure Lehre wehren, ihr Prediger der Gleichheit: allein durch mein Schild Schönheit schütze ich mich vor euch!

Das liebe ich am Winde, daß er unsichtbar ist: und so nur möchte ich sichtbar werden, wie eine Flamme an den Masten sichtbar wird:—mit Staunen sehen einsame Schiffende das gute Zeichen

Er möchte, daß man ihn für einen Gott hielte: aber dazu müßte er sein Gesicht verbergen und sich in den Schleier der Isis hüllen.

Aber ich sage euch: wer von seiner Zeit angefeindet wird, der ist noch nicht weit genug über sie hinaus.

Der Tyrannen-Wille schreit aus ihm nach Gleichheit: eine Tyrannen-Lüge und Verführung ist sein Wort “Gleichheit”

Daß der Mensch erlöst werde von der Rache—das, wahrlich, ist der Regenbogen des Übermenschen und eine Brücke zur höchsten Hoffnung.

12 [44]

“Wir haben Bären das Tanzen zu lehren: aber muß man dazu selber ein Tanzbär sein?”

Damit wollt ihr mir sagen, ihr Lehrer: “wir wollen Erzieher sein: aber wir selber sind nicht Erzogene.”

Daß ich nicht eure Eitelkeit verletze, ihr Lehrer! Zu viel Trauerspiel sah ich schon wachsen aus verletzter Eitelkeit.

12 [45]

Wettstreit der Affekte.

12 [46]

Geschichte der Werthurtheile über Lebensmittel.

Welchen Werth hat es, daß so und so gehandelt (gegessen) worden ist—und nicht anders?

12 [47]

Gelehrte.
Dichter.
Große Ereignisse.
Wahrsager.
Von der Erlösung.
Menschen-Klugheit.
stillste Stunde.

12 [48]

Es handelt sich gar nicht um ein Recht des Stärkeren, sondern Stärkere und Schwächere sind alle darin gleich, sie dehnen ihre Macht aus, so weit sie k

12 [49]

Höhere M als Napoleon
Affekte in ihnen
Gegenseitige Taxation
Mitleid und Gemeinsinn

10, 12[1-49] Sommer 1883

12 [1]

Evil Wisdom.”
Sayings and Proverbial Sayings
by
Friedrich Nietzsche.

Arrows.
Sayings and Proverbial Sayings
by
Friedrich Nietzsche.

1. Public opinions—private lazinesses.

2. Convictions are more dangerous enemies of truth than lies.

3. Many are stubborn regarding the path once taken, few regarding the goal.

4. First the serpent must become a dragon, so that one may become a hero through it.

5. Not speaking of oneself at all is a very noble—hypocrisy.

6. It is not when it is dangerous to speak the truth that it finds the fewest representatives—, but when it is boring.

7. We are so fond of being in nature because it has no opinion of us.

8.The unreasonableness of a thing is no argument against its existence, rather a condition of it.

9. The iron necessity that people talk about is usually neither iron nor necessary.

10. If you have much to put in, a day has a hundred pockets.

11. He who hears poorly still hears some things in addition.

12. One is most in danger of being run over when one has just dodged a vehicle.

13. Waiting makes one immoral.

14. The disciple of a martyr suffers more than the martyr.

15. The advantage of a bad memory is that one enjoys the same good things for the first time several times.

16. A profession is the backbone of life.

17. The goodness of a marriage is proven by the fact that it can tolerate an exception once.

18. If one does not have a good father, one should acquire one.

19.One does not feel boredom if one has never learned to work properly.

20. Some men have sighed over the abduction of their wives, many over the fact that no one wanted to abduct them.

21. It is doubtful whether a much-traveled person has found uglier regions anywhere in the world than in the human face.

22. Brave people are persuaded to take action by presenting it as more dangerous than it actually is.

23. The best way to help embarrassed people is to praise them decisively.

24. One can speak most appropriately and yet in such a way that the whole world shouts the opposite: namely, when one does not speak to the whole world.

25. The fantasist denies the truth to himself, the liar only to others.

26.Every connoisseur thinks the tree cared about the fruit; but it cared about the seed.

27. Whoever has seen someone's ideal is their inexorable judge and, as it were, their bad conscience.

28. The followers of a great man tend to blind themselves in order to sing his praises better: poor songbirds!

29. What is genius? A lofty goal and the means to achieve it.

30. The bad gains prestige through imitation, the good loses it, especially in art.

31. One must know how to dim one's light to get rid of the gnats and admirers.

32. It places you far below him that you seek to establish the exceptions, while he establishes the rule.

33. Every master has only one pupil: and that very one will betray him. For he too is destined for mastery.

34.It does not speak against the maturity of a mind that it has some worms.

35. In solitude, the solitary devours himself; in the crowd, the many devour him. Now choose.

36. The companion loves differently, the master loves the master differently.

37. One will not bring the masses to shout Hosanna until one enters the city riding on a donkey.

38. Our followers never forgive us when we take sides against ourselves.

39. Woman is the Creator’s idleness on every seventh day.

40. One must be careful not to become sharp too early, because one thereby becomes—thin too early.

41. He who is left standing too long in the anteroom of favor ferments and turns sour.

42. Vanity is the mask of politeness on the proud.

43. Wit is the epigram on the death of a feeling.

44.A good maxim is too hard even for the tooth of time.

45. A good book makes even its opponents witty.

46. In art, sacred means can sanctify a base purpose.

47. When your work opens its mouth, you yourself should keep your mouth shut.

48. What must be given to you in pieces does not therefore have to be patchwork.

49. Good thoughts that follow one another too quickly obscure each other’s “view.”

50. Sacrifice is present in every action, the best as well as the worst.

51. One does not know whether one has a serpent’s tooth until someone has set their heel upon us.

52. If someone finds in a gifted sack even a single grain of humiliation, they still make a sour face for the good game.

53. One knows too much about everyone.

54.The mother of excess is not joy, but joylessness.

55. Better yet to wash with dirty water than to remain unclean.

56. Not all that is gold glitters: it is too gentle for that.

57. One should remove the scaffolding when the house is built.

58. A little health now and then is the best remedy.

59. The most dangerous follower is the one whose defection would destroy the entire party—thus the best follower.

60. The greatest almsgiver is cowardice.

61. People crowd toward the light, not to see better, but to shine better.

62. Before one “seeks the human,” one must have found the lantern.

63. Every word is a prejudice.

64. For the friend of the sought-after style, the found style is an assault on the ears.

65.When virtue has slept, it will rise refreshed.

66. The ascetic turns virtue into a necessity.

67. Among criminals, one should not seek the scoundrels, but among those who commit no “crimes.”

68. The wittiest authors produce an imperceptible smile.

69. The antithesis is the narrow gate through which error most readily slips into truth.

70. With one more talent, one stands less secure than with one less.

71. One forgets one’s guilt when one has confessed it to another.

72. “If the bond is not to break—you must bite down on it.”

73. The higher we rise, the smaller we appear to those who cannot fly.

74. How good bad music and bad reasons sound when marching against an enemy!

75.To be a master, one must warn their students against themselves.

76. Why does a person not see things? They stand in their own way; they obscure things.

77. Whoever wishes to kill their opponent might consider whether they are not thereby immortalizing them.

78. In most cases, that old radical remedy still helps against love: reciprocal love.

79. Some people have every right to act as they do. But when they defend themselves, no one believes it anymore.

80. Of all consolations, nothing benefits those in need of comfort more than the claim that there is no comfort for their case.

81. Lively natures lie only for a moment: afterward, they have deceived themselves and are convinced and honest.

82. Throwing oneself into the midst of enemies can be a sign of fear and cowardice.

83.The fearful one does not know what loneliness is: behind his chair always stands an enemy.

84. We no longer want to make the causes into sinners and the consequences into executioners.

85. One should abolish beggars; for one is annoyed to give them, and annoyed not to give them.

86. Scholars: that is what one calls today both the soldiers of the spirit and—unfortunately—also the stocking-knitters of the spirit.

87. It is the heart that inspires: and it is the spirit that makes one bold and cold in danger. Oh, language!

88. One lies with the tongue, but with the mouth and maw one nevertheless tells the truth.

89. Man is the animal with red cheeks: man is the animal that has often had to be ashamed.

90. Talking much about oneself is also a means of hiding.

91. You believe, as you say, in the necessity of religion?Be honest! You only believe in the necessity of the police.

92. Women are more sensual than men, but they know less about their sensuality.

93. Morality is a human pretense before nature.

94. We praise what suits our taste: i.e., when we praise, we praise our taste: does that not go against all good taste?

95. There is no M at all: for there was no first M—so the animals conclude.

96. Even God has his hell, said the devil: that is his love for mankind.

97. Whoever reaches their ideal thereby surpasses it.

98. Some peacock hides its peacock tail from everyone's eyes and calls that—its pride.

99. Sometimes truth finally triumphs, there is no doubt: some error has fought for it.

100.The one who recognizes feels himself as the animal-becoming—of God.

101. I listened for an echo, and I heard only—praise.

Some become great only after their death—through the echo.

102. Poor artists! You wanted to edify them, and this rabble wants precisely—to be overthrown!

103. Faith makes blessed, especially faith in ourselves.

104. “Our neighbor is not our neighbor, but his neighbor”—so all peoples think.

105. Great obligations do not make grateful, but vengeful.

106. He who goes too far finally lies down from fatigue to sleep even on snow: like the skeptic.

107. Pangs of conscience educate one to bite.

108. In praise there is much more presumption than in blame.

109. One does not believe the cold person’s stupidities.

110. The one who recognizes does not live among people as among animals, but—as among animals.

111. We forgive our opponents from the ground up only—their mistakes.

112. From the eyes of all judges, the executioner gazes.

113. The consequences of our actions seize us by the scruff of the neck, quite indifferent to the fact that we have meanwhile “improved.”

114. “But how could you act that way? It was foolish!”— “It was hard enough for me as well.”

115. Woe! You have seen his ideal! Now you will henceforth see only its caricature in him.

116. Man would consider himself a god if he had no lower body.

117. Compassion for humanity—that would be tyranny against every individual.

118. Looking away from oneself is necessary to see—well.

119. “People are not equal!”— Thus speaks justice.

120. Whoever does not see the heights of a person sees their lowliness from too close.

121. When a person's talent dims, their moral qualities become more visible: and not always are stars what become visible.

122. In fatigue, we are also assailed by long-overcome concepts.

123. That there is a forgetting has never been proven: only that many things do not occur to us when we want them to.

124. The belief in cause and effect has its seat in the strongest of instincts, in that of revenge.

125. That someone is convenient for us, we credit to their morality.

126. In the endeavor not to recognize oneself, even ordinary minds are still very refined.

127. To see and yet not believe—is the first virtue of the cognizant; the evidence of the eyes is their greatest tempter.

128. What is “Church”?— A fundamentally dishonest form of the state.

129.Carrying his gold uncoined is inconvenient; so does the thinker who has no formulas.

130. He who is honest with people is stingy even with his politeness.

131. “The hero is cheerful”—this has so far escaped the tragic poets.

132. The utile is only a means; its purpose is always some dulce—be honest, my gentlemen Dulciarians!

133. Our bad qualities make us pay when they have let themselves be overcome by virtue.

134. “Now I am just”—“now I am avenged”: that sounds the same and often does not only sound the same. —

135. One never has: for one is never. One constantly gains or loses.

136. Better to have done evil than to have thought small!

137. Circe’s pigs worship chastity.

138.One can perish of thirst in the sea, and likewise amid truths too salty.

139. For digestion, a kind of laziness is required, for health's sake. Also for digesting an experience.

140. Stealing is often more blissful than taking.

141. In every complaint there is revenge.

142. Not that you lied to me, but that I no longer believe you, has shaken me.

143. Everyone believes themselves to be a "connoisseur" of good and evil, and is mistaken.

144. The one who praises usually presents themselves as if giving back: in truth, they want to be gifted.

145. It makes women childless that they always present themselves as educators to children.

146. One loves fundamentally only one's child or one's work.

147. Whoever does not make us fruitful will surely become indifferent to us.

148.“One acts well for one’s neighbor, but one does not create for him”: thus think all creators.

149. Anger does not reveal the man, but the anger.

150. He who is opposed by his time is not yet far enough beyond it—or behind it.

151. “Where is there still a sea in which one could drown!”—this cry goes through our time.

152. There are many cruel ones who are only too cowardly for cruelty.

153. One must also overcome one’s youth if one wishes to become a child again.

154. “Only the hot know the delights of cold”: thus spoke a free spirit.

155. Not against that which is repugnant to us, but against that which concerns us not at all, are we most unjust.

156. In a theory, it is truly not its least charm that it—can be refuted.

157.“Good and evil are God’s prejudices”—said the serpent.

158. One should consult gods only where gods alone can answer.

159. Some find their heart only after they—lose their head.

160. Things: they are merely the limits of man.

161. Some things become transparent to us: but that does not mean we can—pass through them.

162. Commanding is harder to learn than obeying.

163. Not our actions, but our own and others’ opinions of our actions—make us good or evil people.

164. That truth is simple is claimed by error. error veritate simplicior

165. Ubi pater sum, ibi patria.

166. One may still refuse a request more readily than a thanks.

167. Among us, punishment sullies more than the crime.

168.In itself, truth is no power: if it does not ally itself with power, it will certainly perish.

169. This shows the master that he neither overreaches nor hesitates.

170. What has so disturbed M? Not things, not opinions about things—but opinions about things that do not even exist!

171. The immortal is only a simile.

172. There is a hardness that would like to be understood as strength.

173. When a man has just been greatly honored and has eaten well, he is at his most charitable.

174. We observe more keenly whether others notice our weaknesses than we observe the weaknesses of others.

175. Only the wearer makes the garment.

176. To improve the style—that means to improve the thought—and nothing else!

177.The weakest side of a classic book is that it is written too much in the mother tongue of its author.

178. We only place special value on possessing a virtue when we have noticed its absence in our opponent.

179. All small happiness should be used like a sick person uses a bed: for recovery—and nothing else.

180. The pleasure in small malicious thoughts spares people many great evil deeds.

181. Long and great pains make one tyrannical.

182. If one does not raise one's devil to be great, the small devilry makes one—small.

183. To one's friend, one should be a place of rest, but a hard bed, a camp bed.

184. If something fails, one should pay one's helper double the help.

185. Be reluctant in accepting! Distinguish yourself by accepting!

186.Whoever always gives easily becomes shameless.

187. When did a great man ever look as plump and good as a good man!

188. “I forgive you for what you did to me: but that you did it to yourself, how could I forgive that!”—so spoke a lover.

189. You say “that pleases me” and mean to praise me. But you do not please me—!

190. Love for oneself is a sign of pregnancy.

191. For the very lonely, even noise is a comfort.

192. Around the demigod, even the hero becomes a laughingstock.

193. “How many decades does it take for him to shine?” With this question, one measures the distance and height of a person.

194.The immense expectation regarding love spoils women's view of all other—distant things.

195. “One is only pregnant for one’s own child”: thus speaks the selfishness of all creators.

196. He still has the full innocence of admiration: i.e., he has not yet thought that he himself might one day be admired.

197. Some existences have no meaning except to make another existence be forgotten. And likewise there are opiate actions.

198. A solitary man spoke: “I went to people, but I never arrived!”

199. Whoever wants to justify existence must also be able to be God’s advocate before the devil.

200. Whoever is incapable of either love or friendship finds his account most securely—in marriage.

12 [2]

Often, stupidity puts on a prettier name and calls itself necessity.

12 [3]

In what you call nature, there is much folly and clumsy groping: but your spirit truly belongs to this “nature.”

12 [4]

All that feels suffers and is in prisons: but the willing comes as liberator and bringer of joy—thus I teach you “freedom of the will.”

12 [5]

Even where your honesty ends, your eye sees nothing more: oh, I know your will to blindness!

12 [6]

Do you want to make everything straight crooked: then think, time is gone and transience is a lie.

To think this is the worst madness: a whirlwind will it be even to your bones and vomiting to your stomach.

12 [7]

You want to play dice with the smallest dice or see dancing, which is hard to see: the dwarfs of existence, the merry primordial bodies: but they call it science and sweat over it.

But to me they are children who want their game: and if there were laughter in their game, I would approve of their “joyful science.”

12 [8]

Tangled, tightly drawn feelings that no longer count as knots for you: and the oft-recurring, in whose eternal return you believe: that is your “Real,” your finest superstition.

Only when I invented pleasure in truth did I also invent deception and illusion: from such pleasure I placed near and far into things.

12 [9]

All estimates are created: every estimate destroyed. But the estimating itself, how could this be destroyed! For life itself—is estimating!

Estimating is tasting.

There should be no disputing over taste? Oh you fools, all life is tasting and taste and dispute over taste and tasting!

12 [10]

You think you are free: but you turn according to our wires. Values and opinions dwell over and in you: by us the valuers you have been raised, you clockworks!

12 [11]

And if you want to become free, you must not only cast off the irksome chains: the hour must come when you flee from your dearest ones.

You must be able to leave your wife, your country, your profit, your most valued faith: and for a time the sun of your life must set.

12 [12]

And whoever is the inventor of himself, he is long considered a lost one.

12 [13]

Sleep without dreams—that would be the greatest evil to me. And all ultimate knowledge I call my greatest danger.

12 [14]

Recognizing: that is my desire and thirst and valuing and struggle of values. But as a creating, all recognizing must also be a not-recognizing.

Seeing through, through the transitory net and the final veil—that would be the great weariness and the end of all creators.

But believe me, my friends: there is nothing imperishable: it is only a parable!

12 [15]

To desire from the ground up and to soar like an eagle towards distant shores: that is what I call happiness.

12 [16]

Two paths there are to free you from suffering: swift death and long love.

12 [17]

When I had created the Overman, I arranged around him the great veil of becoming and let the sun stand over him at noon.

12 [18]

Become bright! Become whole! Become necessary!

12 [19]

The drive to procreate, to purpose, to the future, to the higher—this is freedom in all willing. Only in creation is there freedom.

12 [20]

You wise ones, just make sure that you do not lack shame! For a good apple also needs its bloom.

12 [21]

To the older ones among us, it seemed godless to rummage in the bowels of the earth for treasures: now there are new insatiable ones!

12 [22]

When you felt the harmful gray, you said: this is “evil”: but when you felt disgust, “the bad” arose.

12 [23]

Virtue as the ultimate result of much applied work and effort; yet mostly only emerging in later individuals. “Talent” is the same—a well-practiced mechanism.

12 [24]

Judging: that is to affirm a sensation—i.e., to recognize a sensation (which presupposes comparison and memory).

12 [25]

Clean up the inner world! There are still many false beings there! Sensation and thought suffice for me. The “will” as something third is an illusion. In general, all drives, desires, aversions, etc., are not “units,” but apparently “simple states.” Hunger: that is a feeling of displeasure and a knowledge of the means to end it. A sequence of bodily movements may also have developed without knowledge, which are purposefully suited to eliminating hunger: the stimulation of this mechanism is co-experienced during hunger.

12 [26]

The image before an action is not a concept of the same, but rather an ideal

12 [27]

How the organs develop multiple times from a single organ, e.g., the nervous system and brain from the skin: so too must all feeling, imagining, and thinking originally have been one: thus sensory perception is a late individual phenomenon. In the inorganic, this unity must exist: for the organic begins with separation already. The effect of the inorganic on each other must be studied (it is always an effect at a distance, thus a “recognition” is necessary before all action: the distant must be perceived. The sense of touch and muscle must have their analog:)

12 [28]

The movements of the foot when walking and slipping—are they truly consequences of conscious, purposeful actions? But even all conscious practice is not what one believes. Most movements in training are attempts, and the intellect affirms the successful ones; it does not produce them. This affirmation is very superficial because its image of the process is very vague.— This does not explain the countless subtleties: which would have to be practiced, attempted, and affirmed by an infinitely finer intellect and would have to be perceived by entirely different sense organs than those we possess.— Thus, the intellect does not explain those purposeful actions; nor does “practice.”

12 [29]

All morality is actually only a refinement of the measures that all organic beings take to adapt and yet to nourish and gain power. The relationship of one person to another is capable of a mechanical expression, as a change in the motion curve of their being.

Even the finest changes in consciousness must first be mechanically possible before they can occur. Thus, the expression of will is also dependent on the mechanical precondition.

12 [30]

Let us remain with the feeling of will! What becomes conscious to us as “will”? Here we recognize that will is only a hypothesis. It could be true—or it could not.

There is no more “will” than what becomes conscious to us of it. That is, we have added the will to certain phenomena of consciousness: just as we have added “matter” to others.

12 [31]

All organic matter differs from inorganic matter in that it collects experiences: and is never identical to itself in its process.— To understand the nature of the organic, one must not consider its smallest form to be the most primitive: rather, every smallest cell is now the heir of the entire organic past.

12 [32]

The amount of compensation devices in the body p. 195.

12 [33]

The consciousness localizes on the surface of the two hemispheres.— Every made “experience” is a mechanical and chemical fact, which cannot stand still, but “lives” only know we know nothing about it!

12 [34]

Where we have life, we presuppose "spirit": but the spirit we know is utterly incapable of doing anything. How wretched is every image of consciousness! It will itself only be an effect of a change that now brings about another change (action). Every action that we "want" is indeed nothing but an appearance of the phenomenon, imagined by us. —

All consciousness only a byproduct of the intellect (?) That which becomes conscious to us can give no cause for anything.

Just compare digestion and what we feel of it!

12 [35]

Will is only known to us as something conscious. Those sudden explosions, however, are thereby obscured and made unclear if one equips them with such an “inner world.”

12 [36]

Cherubini from Gluck and Haydn, Spontini from Gluck, Beethoven, as a dramatist, dependent on Cherubini: Gluck from Lully and Rameau. Wagner from Euryanthe (while he pretends Gluck).

12 [37]

Our intellect can by no means grasp the manifold of a clever interplay, let alone produce it, such as the digestive process is. It is the interplay of very many intellects! Wherever I find life, I already find this interplay! And even a ruler is among the many intellects there.— But as soon as we imagine organic actions as being carried out with the help of many intellects, they become completely incomprehensible to us. Rather, we must think of the intellect itself as a final consequence of that organic process.

12 [38]

The nature of inheritance is completely obscure to us. Why does an action become "easier" the second time? And "who" experiences this ease? And does this sensation have anything to do with the fact that the action is performed the same way the second time? For that, the sensation of different possible actions would have to be imagined before the doing!

12 [39]

The powerful organic principle impresses me so much, precisely in the ease with which it assimilates inorganic substances. I do not know how this purposefulness can be explained simply by intensification. Rather, I would believe that there are eternally organic beings. —

12 [40]

Listen to me for a little while, oh Zarathustra—said a student one day—something is going around in my head; or almost I might believe my head is going around something, so that it turns in circles.

What is it then, our neighbor? Something about us, changes in us that have become conscious to us: an image is our neighbor.

But what are we ourselves? Are we not also just an image? Something about us, changes in us that have become conscious to us?

Our self, of which we know: is it not also just an image, an outside-us, external, superficial?

We always touch only the image, and not ourselves.

Are we not just as strange and just as close to ourselves as to the neighbor?

Truly, we have an image of man—we made it from ourselves. And now we apply it to ourselves,—to understand ourselves! Oh yes, understand!

Bad, at its worst, is our self-understanding!

Our strongest feelings: as far as they are feelings, they are an outer, external, pictorial: they are similes.

And what we otherwise called inner world: Oh, poor and deceptive and hollow and poetic is it most of all!

12 [41]

of the happiness of virtue and the reason of men I am tired: of their great men, their redeemers, liberators, poets, sages, their just, good, compassionate, quiet, reconciling, enthusiastic ones.

12 [42]

The Scientific
Asceticism of the Spirit—to the Most Spiritual. “Penitents”
Herd and I. Responsibility.
of the Pharisees.
Inventors of Festivals.
to ennoble the Nearest
Critique of Morality: to make us independent of praise and blame
Retribution in the Hereafter? You want to be paid?
Homeless.
Purification from Revenge my Morality.
The Most Influential lived the most hidden.
Culture—the thin apple skin! People not equal!
the Noble the result of much labor
Inventors of new states of the soul are the true inventors. One imitates them.
Power wants to express itself: not happiness.
“like a sweet scent”
the weak are the danger
the higher caste, more powerful but poorer.
Enforce our ideal—struggle for power, in the way that follows from the ideal.
The individuals live on in the drives. Fame.
Purification of the inner world and learning necessary!
The God-murder penitents and their feast.
Make people dislike the feeling of “guilt” and “punishment”!

12 [43]

I do not want to be mixed up and confused

There are those who preach my doctrine of life: but at the same time they are preachers of equality: with them I do not want to be mixed up and confused

Men are not equal: thus speaks justice. This I say to you for the second time.

But life, when it revealed its law to me in secret, added: “and men shall not be equal either!”

Men shall become ever more unequal—for the sake of the Overman!—thus my love itself wills it!

What the father kept silent about, the son brings to speech. And often the son is only the revealed madness of the father.

A sullen conceit, a suppressed envy: in the son it comes out as flame and madness of revenge.

Let this be justice to me—so says this madness—that I take revenge and insult all who are not equal to me.

And “will to equality”—this shall be the name for virtue: my cry for virtue shall rise against all that has power!

He preaches life, to hurt those who turn away from life themselves: for they are more powerful than he and of purer heart.

But he himself sits turned away from life in his cave:

and I do not call it life, to spin webs like the spider and eat flies.

Too fiercely flows his fountain of revenge: and he empties the cup at the same time as he seeks to fill it.

This courtesy shall also be in speech: he who could command hides his royal hands under the cloak, he persuades through his beauty, instead of commanding.

“Everything in the world displeases me: so he thinks—most of all, that I displease everyone.” That is why he speaks of the future.



Finally:

He goes against my taste: this is my best reason to argue with him.

There should be no arguing over taste? Oh you fools, all life is a struggle over tasting and taste, and it must be so.

And I myself, my foolish friends!—what am I, if not that over which to argue: a taste!

In the belly of the whale sits this proclaimer of life: the whale, against which he preaches, holds him swallowed.

I will bring his secrets to light: then I laugh into his envious face my laughter of the heights.

Not with snake-haired terror do I wish to defend myself against your teaching, you preachers of equality: only through my shield of beauty do I protect myself from you!

What I love about the wind is that it is invisible: and so I would only wish to become visible, like a flame becomes visible on the masts:—with amazement, lonely sailors see the good sign

He would like to be taken for a god: but for that he would have to hide his face and wrap himself in the veil of Isis.

But I tell you: he who is opposed by his time is not yet far enough beyond it.

The tyrant's will screams from him for equality: a tyrant's lie and seduction is his word "equality"

That man be redeemed from revenge—this, truly, is the rainbow of the Overman and a bridge to the highest hope.

12 [44]

“We have taught bears to dance: but must one be a dancing bear oneself to do so?”

With that you want to tell me, you teachers: “we want to be educators: but we ourselves are not educated.”

Lest I offend your vanity, you teachers! I have already seen too much tragedy grow from wounded vanity.

12 [45]

Contest of the affects.

12 [46]

History of value judgments about food.

What value does it have that this or that has been done (eaten)—and not otherwise?

12 [47]

Scholars.
Poets.
Great Events.
Soothsayers.
Of Redemption.
Human Wisdom.
the stillest hour.

12 [48]

It is not a matter of the right of the stronger, but stronger and weaker are all equal in this, they extend their power as far as they c

12 [49]

Higher M than Napoleon
Affects in them
Mutual taxation
Compassion and community spirit

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